Ausgabe 2-9 (20. September 2000)

Offerten
     Online-Seminar "Charakterstärke"
     Online-Seminar "Kurzkrimi nach James N. Frey"
     Online-Seminar "Strukturierung"
     Drehbuchseminare
Autorenwissen
     "Drum prüfe, wer sich ewig bindet -
     das Verhältnis von Drehbuchautor und Agent"
     von Cassidy Rees
     "Papierkorb statt Bestsellerliste?"
     von Ernst Probst
Schreibkurs
     "Starke Charaktere nach James N. Frey"
     von Ute Hacker
Buchbesprechung
     "Das Geheimnis guter Drehbücher" von Linda Seger
     besprochen von Gabi Neumayer
     "Jahrbuch für AutorInnen"
     besprochen von Gabi Neumayer
Veranstaltungsbericht
     "Kölner Bücherherbst 2000"
     von Ingrid Schmitz
Interview mit Usch Kiausch
Frag den Experten für Verlagswesen, Buchhandel und Marketing
     (Bjoern Jagnow)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

es tut sich eine Menge bei uns, daher ist das Editorial heute einmal
etwas länger. Wo fange ich da nur an? Am besten bei unseren vielen
neuen Seminaren:

Nur noch wenige Tage bis zum Anmeldeschluss! Noch mal zur Erinnerung:
Im Oktober wird unser erstes Online-Seminar stattfinden. Die in Holly-
wood ausgebildete Buch- und Drehbuchautorin Cassidy Rees bietet ein
vierwöchiges Seminar zur Entwicklung unvergesslicher Charaktere an -
mit  Seminarchats, Übungen und intensiver Einzelbetreuung der Teilneh-
merInnen. Meldet euch schnell an! Mehr dazu in der Rubrik "Offerten"
hier im Tempest. (Einen Artikel von Cassidy findet ihr unter "Autoren-
wissen".)

Im November gibt es ein zweites Online-Seminar: Die Autorin Ute Ha-
cker, regelmäßig auch hier im Tempest vertreten, bietet ein Seminar
zur Entwicklung von Kurzkrimis nach James N. Frey an. Natürlich auch
mit Chats, Übungen und intensiver Betreuung der einzelnen Teilnehme-
rInnen. Anmeldeschluss: 27. Oktober. Mehr erfahrt ihr in der Rubrik
"Offerten".

Doch damit nicht genug: Ebenfalls im November (aber zu anderen Zeiten
- ihr könnt also durchaus alle Seminare besuchen ;-)) wird Cassidy
Rees ein weiteres Online-Seminar durchführen, diesmal zum Thema
"Strukturierung". Näheres unten bei "Offerten".

Doch damit immer noch nicht genug: Die "Echtwelt-Seminare" unseres
Drehbuchexperten Christian Lück werden fortgesetzt. Diesmal im Ange-
bot: ein Einführungsseminar und eines für Fortgeschrittene. Näheres
unten.

Zu unserem ersten Online-Seminar werden wir dann auch unseren neuen
Chatraum einweihen. Dort werdet ihr dann auch bald regelmäßig mit in-
teressanten Autoren, Lektorinnen, Agenten ... chatten können. Die Gäs-
te und Themen der Chats werden wir jeweils rechtzeitig ankündigen.
Freut euch schon mal darauf!

Wir unsererseits freuen uns, euch eine neue Expertin vorzustellen: Ma-
ja Langsdorff (ein Interview mit ihr ist im letzten Tempest erschie-
nen) beantwortet in Zukunft eure Fragen zu Sachbüchern, speziell im
Bereich Psychologie/Medizin. Sie lebt und arbeitet als freie Journa-
listin in Stuttgart. Sie schreibt psychologische Sachbücher für Frau-
en, u. a. "Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen" und  "Die Gelieb-
te. Was es heißt, die andere zu sein", verfasst für Zeitungen Artikel
zu Themen aus Medizin, Psychologie und EDV, ist Mitglied des VS und
seit elf Jahren Geschäftsführerin des Förderkreises für deutsche
Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V.
(http://www.schriftsteller-in-bawue.de). Textproben aus ihren Büchern
können auf ihrer Homepage http://www.maja-langsdorff.de nachgelesen
werden. Bei uns erreicht ihr sie unter: mailto:med.psych@autoren-
forum.de.

Ihr seht: Es tut sich eine Menge bei uns - für euch. Aber wir können
die ganze Arbeit schon jetzt kaum noch allein bewältigen. Daher hier
mein immer dringenderer Aufruf: Bitte melde dich! Als Marktinfo-
RedakteurIn (Näheres bei mir erfragen:mailto:redaktion@autoren-
forum.de), als ChatmoderatorIn ... Es winkt zwar kein Geld, aber Ruhm,
Ehre - und viel Spaß!

Vielleicht warten einige von euch aber nur darauf, von einer interes-
santen Artikelidee zu lesen, um mal etwas für den Tempest zu schrei-
ben? ;-) Hier eine kleine Themenauswahl, zu denen wir gern Artikelan-
gebote entgegennehmen:
- Vorstellung von einzelnen Literaturbüros, Autorenvereinigungen,
Netzwerken
- Schreiben für bestimmte Genres (Sciencefiction, Krimi, Liebesroman,
Western - was immer eure Spezialität ist!): Tipps, Regeln, Konventio-
nen
- Recherche: Wie und wo recherchiert man am besten (an Beispielen)?
Wann braucht man Recherche? Wer kann einem dabei helfen?
- Schreiben mit mehreren, mit Co-AutorInnen: welche Vor- und Nachteile
hat das? Wie nutzt man das am besten?
- Wie meistert man typische Schreibprobleme (z. B. beim Plot, beim Di-
alog, bei der Charakterisierung ...) - mit Beispielen
- Buchtipps: Welche Bücher, Nachschlagewerke, Softwareprogramme ver-
wendet ihr, und welchen Nutzen haben sie für euch?

So, ich hoffe, viel von euch zu hören und zu lesen. Einen schönen
Herbstbeginn euch allen!

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

P. S.: Ach ja: Im November ist autorenforum.de ein Jahr online!! Nur
wegen der Jubiläumsgeschenke ...

__________
Das Marktinfo-Muster:

Publikation: [Titel, Verlag]
Konzept, Zielgruppe: [in wenigen Sätzen]
Erscheinungsweise: [monatlich, halbjährlich etc.]
Sucht vor allem:
Länge der Beiträge:
Inhaltliche Vorgaben/Wünsche:
Formale Vorgaben:
Honorar:
Richtlinien anfordern bei: ... [sofern es welche gibt]
Besonderer Tipp für die AutorInnen:
Kontaktperson: [Anschrift, Telefon, Fax, E-Mail, URL]

Bitte gebt dieses Muster an "paying markets" für AutorInnen weiter und
schickt mir die ausgefüllten Unterlagen. So wollen wir nach und nach
über immer mehr Publikationen informieren, bei denen AutorInnen gegen
Honorar veröffentlichen können.

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Der "Tempest" kommt mit Courier 10 Punkt am besten zur Geltung!
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ISSN 1439-4669   Copyright 2000 autorenforum.de. Copyright- und
                 Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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   INHALT DIESER AUSGABE:
      Editorial
      Inserate
      Offerten
           Online-Seminar "Charakterstärke"
           Online-Seminar "Kurzkrimi nach James N. Frey"
           Online-Seminar "Strukturierung"
           Drehbuchseminare
      Ausschreibungen
      Publikationsmöglichkeiten
      Seminare
      Autorenwissen
           "Drum prüfe, wer sich ewig bindet -
           das Verhältnis von Drehbuchautor und Agent"
           von Cassidy Rees
           "Papierkorb statt Bestsellerliste?"
           von Ernst Probst
      Schreibkurs
           "Starke Charaktere nach James N. Frey"
           von Ute Hacker
      Buchbesprechung
           "Das Geheimnis guter Drehbücher" von Linda Seger
           besprochen von Gabi Neumayer
           "Jahrbuch für AutorInnen"
           besprochen von Gabi Neumayer
      Veranstaltungsbericht
           "Kölner Bücherherbst 2000"
           von Ingrid Schmitz
      Interview mit Usch Kiausch
      Frag den Experten für Verlagswesen, Buchhandel und Marketing
            (Bjoern Jagnow)
      Impressum


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Kleinanzeigen in "The Tempest"
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(Die Redaktion behält sich vor, Anzeigen zu kürzen oder abzulehnen,
die gegen Rechte Dritter, das Urheberrecht oder Jugendschutzbestimmun-
gen verstoßen.)

Private Anzeigen kosten bis zu fünf Zeilen 3 DM pro Zeile. Jede weite-
re Zeile kostet 2 DM.

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INSERATE:
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Storyline - das Onlinemagazin von/für Autoren

Bei uns findet ihr eine umfangreiche Bibliothek, Aktuelles über Pro-
jekte, die Vorstellung von Clubs & Foren, einen Ratgeber für angehende
Autoren, Linksammlungen, Suchfunktion nach Literaturseiten, Forum,
virtuelle Grüße u. v. a. m.

Über einen Besuch würden wir uns sehr freuen, ebenso über neue Auto-
ren!
http://www.storyline-net.de

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Kurs "Phantastische Fernsehserien-Untersuchung eines Phänomens" an der
VHS Rüsselsheim von Robert Vogel

Sciencefiction, Fantasy und Mystery nehmen seit Jahren einen ständig
anwachsenden Platz in der populären Unterhaltung ein. Phantastische
Filme sind die größten Blockbuster an den Kinokassen, und Bücher von
Autoren wie Wolfgang Hohlbein verzeichnen Rekordauflagen. Begriffe wie
STAR TREK und STAR WARS sind jedem geläufig, ebenso wie DER HERR DER
RINGE oder PERRY RHODAN.

Besonders phantastische Serien wie STAR TREK, BABYLON 5, HERCULES/XENA
und RAUMPATROUILLE ORION erfreuen sich größter Beliebtheit. Die Fans
dieser Serien wissen oft mehr darüber als die Leute, die sie produzie-
ren. Woran liegt das? Was haben diese Serien an sich, dass man sich so
intensiv damit beschäftigt?

In dem VHS-Kurs "Phantastische Fernsehserien - Untersuchung eines Phä-
nomens" möchte ich diesen Fragen in lockerer, unterhaltender Form auf
den Grund gehen.  An jedem Abend des Kurses werde ich eine oder mehre-
re beliebte Serien vorstellen und erläutern, wie sie entstanden sind,
einen Blick hinter die Kulissen werfen und darlegen, was sie so be-
liebt macht. Zur Unterstützung meiner Erläuterungen werde ich Videoma-
terial zeigen, das in Deutschland unbekannt ist (z. T. in englischer
Sprache). Bei Interesse werde ich gerne nach Ende der Kurs-Stunde Fra-
gen der Teilnehmer beantworten.

Dauer des Kurses: 10 Abende von 20:00 bis 21:30 Uhr (mittwochs)
Beginn: 18. Oktober
Ort: VHS-Unterrichtsstätte Rüsselsheim, Landrat-Harth-Heim, Raum 14,
Darmstädter Straße 14, Rüsselsheim
Preis: 105 DM
Anmeldungen bei: VHS Rüsselsheim, Am Treff 1, 65424 Rüsselsheim,
Telefon: (0 61 42) 3 27 37, Fax: (0 61 42) 1 68 94
__________

Suchmaschine für Literatur im Aufbau

Das Internet Projekt "Junges Lektorat" erweitert sein Service-Angebot:
Wir bauen gerade eine Suchmaschine für literaturrelevante Links auf
und bitten alle, die daran Interesse haben, sich vor der offiziellen
Präsentation bei www.Junges-Lektorat.de schon einzutragen. Wir fänden
es schön, wenn die Datenbank bei offiziellem Einsatz dieser Bereiche-
rung unseres Angebotes schon möglichst viele Einträge enthält.

Eintragen könnt ihr euch unter: http://www.JL-Verlag.de/data/search/


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OFFERTEN:
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Online-Seminar: "Charakterstärke"

autorenforum.de veranstaltet im Oktober erstmals ein Online-Seminar!

Cassidy Rees, freie Journalistin, Buch- und Drehbuchautorin, u. a.
ausgebildet am namhaften "Hollywood Scriptwriting Institute" in Holly-
wood/Kalifornien, bietet ein Seminar über die Entwicklung unvergessli-
cher Charaktere an.

Wie erschafft man einen Columbo, einen Sherlock Holmes, eine Miss
Marple, einen Harry Potter oder einen James T. Kirk? Anhand konkreter
Beispiele vermittelt dieses Seminar in vier Wochen - in Chats und Ü-
bungen mit intensiver Betreuung der einzelnen TeilnehmerInnen - die
Kunst, beeindruckende Charaktere zu erschaffen.

Woche 1 - Starke Charakterisierung
Woche 2 - Starke Konflikte
Woche 3 - Starke Handlung
Woche 4 - Starke Dialoge

Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Personen beschränkt.
Anmeldeschluss ist der 25. September 2000.
Preis: 240 DM.

Die Termine der etwa zweistündigen Seminarchats:
Donnerstag,  5. Oktober, 19:30 Uhr
Donnerstag, 12. Oktober, 19:30 Uhr
Donnerstag, 19. Oktober, 19:30 Uhr
Donnerstag, 26. Oktober, 19:30 Uhr

Anmeldungen und weitere Informationen bei:
Ramona Roth-Berghofer (mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de)
und in der Rubrik "Offerte" auf unserer Website: http://www.autoren-
forum.de.

Die Seminargebühren in Höhe von 240 DM sind im Voraus zu entrichten,
und zwar auf das folgende Konto von autorenforum.de:
autorenforum.de
BfG Bank AG
BLZ 550 101 11
Konto 14 24 18 99 00

Um die korrekte Buchung zu erleichtern, gebt bitte Name, Wohnort und
"On-Sem-2000-01" als Verwendungszweck auf dem Überweisungsträger an!

Auf unserer Website findet ihr einige Artikel von Cassidy Rees:
- in der Rubrik "Feuilleton": "Sinn und Unsinn eines Autorenforums"
und "Warum ich klaue"
- in der Rubrik "Drehbuch": "Hollywood und die schreibende Zunft"
- in der Rubrik "Autorenwissen": "Verkauf eines Manuskripts"


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OFFERTEN:
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Online-Seminar "Kurzkrimi"

autorenforum.de veranstaltet ein weiteres Online-Seminar!

Ute Hacker, Münchner Autorin, die als Billie Rubin mehrere Kriminal-
kurzgeschichten veröffentlicht hat, bietet über vier Wochen ein Semi-
nar zur Entwicklung einer Krimikurzgeschichte nach James N. Frey an.

Wie viele Personen sind für eine gute Kriminalgeschichte notwendig?
Wie entwickelt man diese Personen? Wie legt man Plot und Step Sheet
an? Und wie arbeitet man eine solche Kriminalgeschichte schließlich
aus?

Woche 1: Entwicklung der Figuren
Woche 2: Tagebücher der Figuren
Woche 3: Plot und Step Sheet
Woche 4: Ausarbeitung der Krimikurzgeschichte

Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Personen beschränkt.
Anmeldeschluss: 27. Oktober 2000
Seminarbetrag: 320 DM

Beginn des Seminars: 11. November 2000
Termine der Chats: jeweils donnerstags, 19:30 - 21 Uhr (16., 23., 30.
November und 7. Dezember)

Anmeldungen und weitere Informationen bei: Ramona Roth-Berghofer
(mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de) und in der Rubrik "Of-
ferten" auf unserer Website: http://www.autorenforum.de.

Die Seminargebühren in Höhe von 320 DM sind im Voraus zu entrichten,
und zwar auf das folgende Konto von autorenforum.de:
autorenforum.de
BfG Bank AG
BLZ 550 101 11
Konto 14 24 18 99 00

Um die korrekte Buchung zu erleichtern, gebt bitte Name, Wohnort und
"On-Sem-2000-02" als Verwendungszweck auf dem Überweisungsträger an!

P. S.: Wer schon einmal etwas von Ute Hacker lesen möchte: Auf unserer
Website findet ihr einige Artikel von ihr zum Thema "Wie gründe ich
eine Schreibgruppe?" in der Rubrik "Autorenwissen", und in diesem Tem-
pest zeigt sie euch in der Rubrik "Schreibkurs", wie man starke Cha-
raktere entwickelt.


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OFFERTEN:
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Online-Seminar "Strukturierung"

autorenforum.de veranstaltet auch im November wieder ein Onli-
ne-Seminar mit Cassidy Rees, freie Journalistin, Buchautorin und Dreh-
buchautorin, (u. a. ausgebildet am namhaften "Hollywood Scriptwriting
Institute" in Hollywood/Kalifornien). Die Autorin bietet diesmal ein
Seminar zum Thema Strukturierung an. Der Inhalt ist nicht nur für alle
interessant, die Erzählungen schreiben wollen, sondern auch für die,
die eher an Romanen oder Drehbüchern interessiert sind.

So wie hinter jedem erfolgreichen Mann angeblich eine starke Frau
steht, steht hinter jeder unvergesslichen Geschichte eine starke
Struktur. Unauffällig schmiegt sich die Erzählung an eine feste Form,
die ihr Halt verleiht, während der Handlungsbogen für die nötige Dra-
matik sorgt. Das Erzeugen von Spannung ist keine Zauberei, sondern
lässt sich ganz einfach erlernen.

Woche 1: Charakter versus Plot
Woche 2: Akteinteilung und Plotpoints
Woche 3: Haupt- und Nebenhandlung
Woche 4: Aktionen und Reaktionen

Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Personen beschränkt.
Anmeldeschluss ist der 3. November.
Preis: 320 DM

Das Seminar beginnt am Dienstag, den 7. November, mit einem Eröffnung-
schat. Am 14., 21. und 28. November und am 5. Dezember finden die auf
den Wochenaufgaben basierenden Seminarchats statt, für die im Laufe
des Seminars wiederholt themenbezogene Texte im Seminarforum hinter-
legt werden. Die Seminarchats beginnen jeweils um 19:30 Uhr.

Anmeldungen und weitere Informationen bei: Ramona Roth-Berghofer
(mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de) und bei
http://www.autorenforum.de unter der Rubrik "Offerten".

Die Seminargebühren in Höhe von 320 DM sind im Voraus zu entrichten,
und zwar auf das folgende Konto von autorenforum.de:
autorenforum.de
BfG Bank AG
BLZ 550 101 11
Konto 14 24 18 99 00

Um die korrekte Buchung zu erleichtern, gebt bitte Name, Wohnort und
"On-Sem-2000-03" als Verwendungszweck auf dem Überweisungsträger an!

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OFFERTEN:
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Einführung ins Drehbuchschreiben

autorenforum.de veranstaltet weitere Drehbuchseminare. Christian Lück,
Drehbuchdoktor und Autor verschiedener Spielfilm- und Kurzfilmproduk-
tionen, bietet seine Einführung ins Drehbuchschreiben erneut an. Das
Seminar richtet sich an alle, die sich für die Grundzüge von Drehbü-
chern und Filmen interessieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Termin: 4. bis 5. November 2000 in Kassel

Weitere Informationen gibt es unter der Rubrik "Offerten" auf unserer
Website.
(mailto: Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de)

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Fortgeschrittenenseminar Drehbuchschreiben

autorenforum.de veranstaltet das erste Fortgeschrittenenseminar im Be-
reich des Drehbuchschreibens. Christian Lück, Drehbuchexperte und Au-
tor verschiedener Spielfilm- und Kurzfilmproduktionen, bietet ein auf
seinem Einführungsseminar auffbauendes Drehbuchseminar an.

In gemeinsamen Analysen und Übungen lernen die Teilnehmer mit Struk-
turproblemen umzugehen, das Dialogschreiben mit speziellem Augenmerk
auf Subtexte, das Schreiben ohne Dialog, das Schreiben für Serien, das
Schreiben mit Episodencharakter. Außerdem erfahren sie anhand einer
4-Satz-Outline (Pitching), wie man sich und sein Drehbuch am besten
verkaufen kann.

Termin: 9. bis 10. Dezember 2000 in Kassel

Weitere Informationen gibt es unter der Rubrik "Offerten" auf unserer
Website.(mailto: Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de)



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AUSSCHREIBUNGEN:
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    (siehe http://autorenforum.de/links/termine/index.html)
 (Quellen: Westfälisches Literaturbüro, uschtrin.de, Federwelt u. a.)

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30. September 2000
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Story-Olympiade 2001

Thema: Traumpfade
Genre: Alle nur erdenklichen Spielarten der Phantastik (SF, Fantasy,
Horror, Crossover ...). Keine Fan-Fiction!

Wie letztes Jahr findet auch dieses Jahr wieder die "Story-Olympiade
für phantastisches Schreiben" im Internet statt. Es handelt sich um
eine nicht kommerzielle Veranstaltung. Jeder Hobbyautor, der einen In-
ternetanschluss besitzt, kann daran teilnehmen. Eine Jury wird darüber
entscheiden, wer auf dem Siegertreppchen steht.

Für die Jury werden noch Juroren gesucht. Wer sich für die Jury bewer-
ben möchte, schickt eine Mail mit dem Kennwort "Juroren Storyolympiade
2001" an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Die besten Geschichten sollen in einer abschließenden Anthologie ver-
öffentlicht werden.

Hier die Teilnahmebedingungen in verkürzter Form. Wer sich näher in-
formieren möchte, findet ausführlichere Infos auf der Homepage der
"Story-Olympiade 2001":
http://www.fortunecity.de/lindenpark/karajan/371/wettbewerb/index.html

Die Teilnahmebedingungen:

Teilnehmerkreis
- Hauptberufliche Autoren sind ausgeschlossen.
- Alle Autoren, die noch kein eigenständiges Werk (Roman, Novelle)
veröffentlicht haben, sind teilnahmeberechtigt.
- Autoren, die in Fanzines oder Anthologien veröffentlicht haben, sind
natürlich teilnahmeberechtigt.

Technisches
- Nur ein Beitrag pro Autor!
- Umfang minimal 8, maximal 12 Normseiten
- 30 Zeilen pro Seite, zweizeilig
- 60 Zeichen pro Zeile
- Courier 10 oder 12 Punkt
- Alte und neue Rechtschreibung sind zugelassen.
- Einsendungen als Mail mit dem Text der Geschichte oder als Anhang
(DOC-Formate bis Word 2000, RTF und TXT) an mail-
to:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
- Der Autor sollte zumindest mit einem Rechtschreibprogramm geprüft
haben, ob sein Text einigermaßen fehlerfrei ist.
- Die Story darf weder irgendwo in gedruckter Form noch im Internet
publiziert werden, bevor die Gewinner feststehen.
- Da die besten Geschichten in einer abschließenden Anthologie veröf-
fentlicht werden sollen, wird eine Erlaubnis der AutorInnen zum Ab-
druck und eine Bestätigung, dass die Geschichten frei von Rechten
Dritter sind, benötigt. Sämtliche Rechte verbleiben beim AutorIn.
- Eine Veröffentlichung bedingt kein Recht auf ein kostenloses Beleg-
exemplar. Da dies ein nicht kommerzielles Projekt mit voraussichtlich
geringer Auflage ist, werden eventuelle Überschüsse für Rezensionsex-
emplare verwendet. Dies dürfte sicherlich im Sinne der Autoren sein,
deren Ziel es ist, ihren Namen bekannt zu machen.


++++++++++++++++++
30. September 2000
++++++++++++++++++
Fragmente 2000

Literatur lebt von Herausforderungen. Immer kürzer wird die Halbzeit
literarischer Produkte, immer mundgerechter und marktschreierischer
müssen sie präsentiert werden, um Abnehmer zu finden. Die Veranstalter
des Wettbewerbs Fragmente 2000 sehen diese Entwicklung kritisch, neh-
men sie aber als kreative Herausforderung an.

Gesucht werden bisher unveröffentlichte, literarische Fragmente, die
bei aller Kürze über eine gewisse Substanz verfügen. Texte, deren ü-
berraschende Bruchstellen zum Qualitätsmerkmal werden. Inhaltliche
Vorgaben gibt es nicht, allerdings ist ein Umfang auf 90 Zeilen á
durchschnittlich 96 Zeichen (Leerzeichen inkl.) festgelegt.

Vier Kopien sind einzureichen, wobei die Fragmente selbst keinen Namen
tragen sollen (nur das beigelegte Anschreiben). Aus allen Einsendungen
werden neun Fragmente gewählt, deren Autoren sich am 9. Dezember zum
Literaturwettstreit in Bamberg treffen. Vor Publikum und Jury verlesen
sie hier ihre Texte und stellen sich danach der Diskussion. Am Ende
des Tages entscheidet die Jury über die Vergabe des Preises (zwischen
3 000 und 10 000 DM).

Einsendungen an: Fragmente 2000, Otto-Friedrich-Universität Bamberg,
Kapuzinerstraße 16, 96045 Bamberg, www.fragmente2000.de.


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1. Oktober 2000
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Arbeitsstipendien in Nordrhein-Westfalen

15 Arbeitsstipendien hat das nordrhein-westfälische Kulturministerium
für Autorinnen, Autoren und Übersetzer ausgeschrieben. Die Stipendien
sollen den Abschluss einer literarischen Arbeit  in den Bereichen Ly-
rik, Prosa und Hörspiel ermöglichen. Die Landesförderung wird für die
Dauer von 3 Monaten in Höhe von monatlich 2 000 DM gewährt.

Bewerben können sich nur Interessierte mit Wohnsitz in NRW, und zwar
beim  Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur
und Sport, Referat 515, Breite Straße 31, 40213 Düsseldorf.


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15. Oktober 2000
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Buchpreis "Lesen für die Umwelt"

Die "Deutsche Umweltstiftung" vergibt seit 1989 jährlich den Buchpreis
"Lesen für die Umwelt". Er ist mit 5 000 DM dotiert und wird in diesem
Jahr zum zwölften Mal vergeben. Es werden Autorinnen und Autoren ge-
würdigt, die durch ein literarisches Werk, ein populäres Sachbuch oder
eine wissenschaftliche Arbeit einen besonderen Beitrag zum Schutz der
natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen, der Tier- und Pflanzenwelt
geleistet oder zur Diskussion umweltrelevanter Themen maßgeblich und
innovativ beigetragen haben. Die Prämierung soll dem Publikum Orien-
tierung im schnelllebigen Buchmarkt geben und die öffentliche Wahrneh-
mung des herausgestellten Titels fördern.

Kontakt: Deutsche Umweltstiftung, Schlachthofstr. 6, 76726 Germers-
heim, Telefon: (0 72 74) 47 67, Fax: (0 72 74) 7 73 02, E-Mail: deut-
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


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31. Oktober 2000
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Weltbild Autoren-Wettbewerb "Familienbande"

Für diesen Kurzgeschichtenwettbewerb sucht Weltbild Geschichten zum
Thema "Familienbande" - frei nach dem Motto von Karl Kraus: "Es gibt
keine schlimmeren Bande als die Familienbande." Ob heiter, hintersin-
nig, feinfühlig, spannend - alles ist möglich.

Gesucht werden Geschichten von maximal 20 Standardseiten (30 Zeilen zu
je 60 Anschlägen).
Als Preis winken drei viertägige Reisen nach Dublin, unter anderem zu
einem Treffen mit der Bestsellerautorin Maeve Binchy. Außerdem werden
die 20 besten Storys in einem Buch veröffentlicht, und die schönste
Geschichte erscheint vorab in der Weihnachtsausgabe des Weltbild-
Magazins.

Sendet eure Geschichten an: Weltbild Verlag, Stichwort "Autorenwettbe-
werb", Steinerne Furt 70, 86167 Augsburg.


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1. November 2000
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"First Movie Program"

Das Bayrische Filmzentrum in Geiselgasteig hat das "First Movie Pro-
gram" ausgeschrieben, ein Förderprogramm für Nachwuchsautoren und
-produzenten.

Informationen und Bewerbungsunterlagen: First Movie Program, Christia-
ne Conradi, Bavariafilmplatz 7, 82031 Geiselgasteig, Tel:(0 89) 64 98
11 07

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12. Dezember 2000
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Deutscher Drehbuchpreis KunstSalon

Dieser Preis wird jährlich an einen Autor/eine Autorin vergeben. Er
besteht in einem einjährigen Studium an der "Film Division der Colum-
bia University School of the Arts" in New York, im Fachbereich
"Scriptwriting".

Die Preissumme (65 000 DM) deckt die Kosten für Reise, Unterkunft und
Studiengebühren. Studienbeginn ist September 2001.

Bewerbungsunterlagen bei: KunstSalon e. V., Brühler Straße 11-13,
50968 Köln, Telefon: (02 21) 9 34 87-66, Fax: (02 21) 9 34 87-82.


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30. November 2000
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Literaturwettbewerb der GEDOK

In diesem Jahr lautet das Motto: "Vieles ist gewaltig, aber nichts ist
gewaltiger als der Mensch." Vergeben werden zwei Preise von je 1 000
DM. Jeder Teilnehmer kann eine Kurzgeschichte von bis zu 2 Seiten Um-
fang oder bis zu 3 Gedichte einsenden. Die Texte sollen eingereicht
werden: in dreifacher Ausfertigung, mit einer sechsstelligen Zahl ano-
nymisiert und mit der Adresse in einem separaten Umschlag.

Kontakt: Gedok e. V., Henkelstraße 3, 65187 Wiesbaden,
Telefon: (06 11) 69 12 16, Fax: (06 11) 69 12 19.


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31. Dezember
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Glauser - Krimipreis der Autoren

Der Preis wird jährlich von einer Jury des SYNDIKATs vergeben und ist
mit 10 000 DM dotiert. Mit dem Preis sollen Qualitätsmaßstäbe deutsch-
sprachiger Kriminalliteratur beispielhaft dokumentiert werden.  Die
Jury bewertet jeweils die Krimiproduktion deutschsprachiger AutorInnen
des laufenden Jahres. Die Preisverleihung findet jeweils im darauffol-
genden Jahr auf der CRIMINALE statt.

Kontakt: SYNDIKAT, Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur,
c/o Prof. Dr. Horst Bosetzky ("-ky"), Benediktinerstraße 54, 13465
Berlin.


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PUBLIKATIONSMÖGLICHKEITEN:
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www.literature.de bietet die kostenlose Möglichkeit zur Veröffentli-
chung von Texten auf den Seiten, im Printheft und gesondert in der An-
thologie.


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SEMINARE:
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10. Oktober 2000
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Fernseh-Autoren-Werkstatt "Talente"

Die Katholische Medienakademie Ludwigshafen veranstaltet Anfang 2001
eine Fernseh-Autoren-Werkstatt "Talente".

Infos und Bewerbungsunterlagen: Katholische Medienakademie Ludwigsha-
fen, Frankenthaler Straße 229, 67059 Ludwigshafen


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20. bis 22. Oktober 2000
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Praxis-Seminar "Schreiben kann man lernen, wenn man es kann"

Man hat eine tolle Idee für eine Hauptfigur in einem Roman. Voller E-
lan wird geschrieben. Auf Seite 30 geht der Hauptfigur langsam die
Puste aus ... Oder: Man hat einen spannenden Stoff, den man unbedingt
in einer Geschichte verarbeiten will. Auf Seite 16 findet man den
Stoff plötzlich furchtbar langweilig ...

"Was braucht eine Schriftstellerin im Medienzeitalter?", fragte sich
Liane Dirks und gab die Antwort: Mut, Begabung, Technik. Um Technik
geht es in diesem Wochenendseminar. Es richtet sich an Schriftstelle-
rinnen, die sich auf dem Sprung in die Professionalität weitere Grund-
lagen für ihr Schreiben erarbeiten wollen. Welche Tipps, Regeln oder
Techniken lassen sich für die jeweilige Schreibabsicht anwenden, um zu
einer individuellen Arbeitsweise zu gelangen?

Referentin: Ulla Diekneite
Gebühr: 180 DM inkl. Übernachtung/Verpflegung
Teilnahmebedingungen: schriftliche Bewerbung mit Biographie, Exposé zu
der Idee (ca. 1 Normseite) und eine Textprobe (5 Normseiten)
Anmeldeschluss: 1. Oktober 2000
Anmeldung: Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet e. V., Friedrich-Ebert-Str. 8,
45956 Gladbeck, Telefon: (0 20 43) 99 26 44.


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8. bis 10. Dezember 2000
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Nicht von dieser Welt? Die Sciencefiction-Kurzgeschichte

Sciencefiction hat in Deutschland ihr Publikum - das beweisen erfolg-
reiche Filme wie "Star Wars" oder Serien wie "Star Trek". Deutschspra-
chige Sciencefiction-Literatur fristet hingegen - abgesehen vom Mas-
senphänomen "Perry Rhodan" - ein Schattendasein. Kurzgeschichten die-
ses Genres finden nahezu keinen professionellen Markt.

Anders in den USA: Zahlreiche Zeitschriften publizieren die Kurzform
der Sciencefiction. In den so genannten Clarion Workshops und anderen
Schreibschulen bilden Profi-Autoren den schriftstellerischen Nachwuchs
marktgerecht aus. Der amerikanische Einfluss auf die Sciencefiction
ist dadurch übermächtig - auch in puncto Stil und Inhalt.

Das Seminar orientiert sich an diesen amerikanischen Workshops. Redak-
teur und Autor besprechen kritisch die zuvor eingereichten Texte der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer (max. 5 Seiten), weitere eigene Arbei-
ten entstehen im Seminar und werden auf stilistische und konzeptionel-
le Schwächen überprüft. Die Autorinnen und Autoren finden so schneller
zu einem unverwechselbaren Stil.

Das Seminar richtet sich vor allem an Autorinnen und Autoren, die ih-
ren ersten literarischen Moonwalk im Bereich Sciencefiction versuchen.
Allgemeine Grundlagen des Schreibens sollen ebenso erarbeitet werden
wie Techniken, um Figuren, Handlungen und fantastische Welten zu er-
finden. Der kritische Blick der Teilnehmer für eigene und fremde Werke
wird durch das Seminar geschärft.

Leitung: Klaus Frick, Robert Feldhoff
Kursgebühr: 230 DM (inkl. Übernachtung und Verpflegung)
Anmeldeschluss: 8. November 2000
Anmeldung: Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Post-
fach 11 40, 38281 Wolfenbüttel, Telefon (0 53 31) 8 08-4 11, Fax (0 53
31) 8 08-4 13, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, http://www.bundesakademie.de


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AUTORENWISSEN:
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                                   (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)

                "Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...
           Das Verhältnis zwischen Drehbuchautor und Agent"
                           von Cassidy Rees

Irgendwann wird mich meine Dussligkeit noch ins Grab bringen! Oder
schlimmer, sie könnte mich meine Karriere kosten ...

Aber mal ganz ehrlich, als unerfahrene, unbekannte Autorin den Vertrag
eines Agenten in Händen zu halten, das ist schon ein ziemlich erheben-
des Gefühl; vor allem, wenn es auf diesem verdammt steinigen Weg die
erste professionelle Anerkennung ist. Wer würde da nicht ebenso freu-
destrahlend wie gedankenlos seine Unterschrift unter den Pakt setzen?

Aus Erfahrung wird man klug, auch wenn sie nur angelesen ist, und so
habe ich die Hoffnung, dass der Leser aus diesem Artikel etwas lernt
und seine Unterschrift nicht einfach gedankenlos verschwendet.


          Ein grundsätzliches Wort über Agenten

Richten wir unsere Aufmerksamkeit zunächst auf die Bedeutung von Agent
und Drehbuchvertrieb in Deutschland. Man muss dabei zwischen Verlags-
und Filmbranche deutlich unterscheiden.

Da mir die Verlagsbranche nicht sonderlich vertraut ist, hier nur eine
allgemeine Einschätzung. Ich persönlich halte es für verhängnisvoll,
dass die Agenten von den Verlagen und nicht von den Autoren Provision
erhalten, denn so haben sie das Interesse der Verlage im Auge, die so-
wieso die Stärkeren sind und ihre Angelegenheiten eigentlich selbst
vertreten könnten. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass Verlage
nicht gerne mit Agenten zusammenarbeiten. Diese aber können in der
Karriere eines Autors eine wichtige Stellung einnehmen - die ich spä-
ter noch näher anhand meiner Erfahrungen in der Filmbranche erläutern
möchte.

Während in der amerikanischen Filmbranche die Zusammenarbeit zwischen
Autor, Agent und Produzent ganz selbstverständlich ist, konnte sich
dieses System in Deutschland bisher nicht durchsetzen. Amerikanische
Agenten haben zwei Aufgaben: Sie gewähren den Produzenten einen gewis-
sen Schutz vor Copyrightklagen, und sie sorgen dafür, dass die Produ-
zenten ihre kostbare Zeit nicht mit unbrauchbaren Drehbüchern verplem-
pern müssen. Da in Deutschland die rechtliche Lage anders ist, werden
Produzenten hier seltener verklagt, und anscheinend ist ihr Interesse,
die Spreu vom Weizen zu trennen, nicht sehr groß. Sie lassen einfach
beide vor der Tür stehen.

Es gibt ganz unterschiedliche Agenturen, und ebenso unterschiedlich
sind die Verträge, die sie anbieten. Der Drehbuchvertrieb erhält vom
Autor eine Provision zwischen 10 und 15 Prozent. Mancher Agent behält
sich vor, an allen Einnahmen des Autors beteiligt zu werden, andere
bieten dem Autor die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Schließt
dieser dann aufgrund seiner eigenen Bemühungen einen Vertrag ab, be-
kommt der Agent kein Geld. Das alles sind vertragliche Regelungen, die
man mit einem Anwalt und/oder einem Freund/einem Familienmitglied be-
sprechen kann.

Den passenden Agenten auszuwählen, ist jedoch eine viel größere Kunst
und bedarf einiger Überlegungen.


          Wie prüfe ich, mit wem ich mich ewiglich binde?

Zuerst die gute Nachricht: Von "ewiglich" kann nicht die Rede sein.
Verträge laufen in der Regel über zwei oder drei Jahre. Jetzt die
schlechte Nachricht: In der Karriere eines Autors kann dieser Zeitraum
über Erfolg und Ende entscheiden.

Da ich meine Ausbildung als Drehbuchautorin in den Staaten gemacht ha-
be, brauchte mich niemand von der Notwendigkeit eines Agenten zu über-
zeugen. Also war ich ganz froh, als ich übers Internet von einem an-
geblich verlässlichen Drehbuchvertrieb erfuhr. Ich habe mir deren Un-
terlagen schicken lassen, habe ihnen meinerseits Arbeitsproben ge-
schickt, woraufhin ich den Vertrag bekam, den ich dann umgehend unter-
schrieben habe.

Dies ist NICHT die richtige Vorgehensweise.

Mittlerweile ist mir bewusst geworden: Agent ist nicht gleich Agent,
wie ich damals dachte, sondern er hat im Leben eines Autors eine ganz
bestimmte Aufgabe, und die Zusammenarbeit ist eng. Auch wenn es noch
so verlockend ist, sich dem Erstbesten in die Arme zu werfen, wenn
sich die Anerkennung noch so gut anfühlt - wichtiger ist die Frage, ob
man mit eben diesem Menschen Jahre lang in enger Partnerschaft zusam-
menarbeiten will und kann.

Man sollte bedenken, manche Ehe dauert keine zwei Jahre, und da geht
es meist um weniger Geld!

Wenn ich diesen Teil meiner Karriere wiederholen könnte, würde ich
heute einiges anders machen. Zunächst ist es ganz wichtig, den Agenten
anzurufen und ein paar persönliche Worte mit ihm bzw. ihr zu wechseln.
Persönliche Sympathie ist wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche
Zusammenarbeit. Decken sich die Vorstellungen vom Filmgeschäft mit den
eigenen Vorstellungen? Entspricht der Umgangston meinen Erwartungen?
Mag ich es eher geschäftlich oder familiär?
Autoren sind keine Bittsteller!

Autoren leisten eine wichtige Arbeit. Das sollte man sich immer wieder
vor Augen führen. Man braucht sich nicht mit einem "dann schicken Sie
halt in Gottes Namen was vorbei" abspeisen zu lassen. Viel besser ist
es, selbstbewusst aufzutreten und den Agenten gleich mit einem "ich
wollte mal sehen, ob Sie überhaupt der Richtige für mich sind" zu ü-
berraschen.

Wenn jemand dieses Selbstbewusstsein nicht hat, wie kann ich dann an-
nehmen, er sei so weit, mit Produzenten zu verhandeln?

Dabei sollte man aber auch daran denken: Man erwartet eine gewisse
Dienstleistung, für die man sein Gegenüber auch anerkennen sollte. Die
korrekte Frage lautet also eigentlich: Passen Autor und Agent zusam-
men, sind sie ein leistungsfähiges Team?

Es hat sich herumgesprochen, Filmarbeit ist Teamarbeit. Was sich noch
nicht herumgesprochen hat: Diese Teamarbeit beginnt, noch bevor der
erste Satz auf dem Papier steht.


          Ein erfolgreiches Team: Agent und Autor

Kennen wir das nicht alle? Treffen sich zwei Autoren, sagt der eine:
"Schreiben macht einsam!" Antwortet der andere: "Wenn nicht wenigstens
der Computer ab und an mit einem reden würde ..."

Wer sich in dieser Szene wiedererkennt, macht etwas grundsätzlich
falsch. Die Arbeit an einer Geschichte beginnt nicht erst im Lektorat
der Fernsehstationen. Tatsächlich endet sie dort. Hier sollte die Ge-
schichte nur noch dem Publikumsgeschmack angenähert werden, auf die
internen Vorschriften der Sender geprüft werden, dem Budget angepasst
werden. Egal ob Treatment oder Drehbuch, an dieser Stelle sollten
Strukturierung, Charakterisierung und alle Formalien perfekt stehen.
(Muss der Lektor erklären, was Plotpoints sind, hat der Autor dort
noch nichts verloren.)

Leider ist dies in Deutschland keineswegs der Fall. Mir scheint, viele
Autoren halten die Fernsehanstalten für eine Art kostenlose Schreib-
schule. Damit machen sie sich jedoch unbewusst von den Sendern abhän-
gig, und wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die deutsche Fernseh-
landschaft seit Jahren in ihrem eigenen Saft brutzelt.

Agenten stehen nicht im Dienst der Fernsehsender. Sie kämpfen auf der
Seite des Autors. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dessen
Stoff. Niemand - und schon gar kein Anfänger - landet gleich beim ers-
ten Anlauf den perfekten Wurf.

Genau genommen kann jeder ein Drehbuch schreiben. Genau genommen soll-
te die Vorarbeit eines Autors so exzellent sein, dass jeder daraus ein
Drehbuch schreiben könnte! Aus einer Idee eine erzählenswerte, span-
nende Geschichte zu entwickeln, das ist das eigentliche Können, und
hier ist nicht nur Talent, sondern vor allem Handwerk gefragt.

In einem guten Treatment stimmt die Akteinteilung, sitzen die Plot-
points an den richtigen Stellen, ist die Charakterisierung glasklar
und mitreißend. Es beinhaltet bereits die wichtigsten Dialoge. Das ist
die Arbeit, für die man Autoren bezahlt. Die Umsetzung in ein Drehbuch
ist nurmehr eine Formalie.

Eine Geschichte entfaltet ihre Raffinesse oftmals erst in der Ausei-
nandersetzung mit einem kreativen Gegenpart. Vier Augen sehen mehr als
zwei, und zwei Gehirne haben doppelt so viele Windungen wie eins.
"Wenn ... dann ..." ist der typische Wortwechsel zwischen Agent und
Autor. Im kreativen Austausch wird aus einer guten Idee eine großarti-
ge Geschichte.

Diese Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn beide Seiten wissen,
worüber sie reden. Als Autor kann ich von meinem Agenten nicht erwar-
ten, dass er mich an die Hand nimmt und mir geduldig mein Handwerks-
zeug erklärt. Wieder gilt: Wer die Aufgabe von Plotpoints nicht kennt,
sollte sich aus dem professionellen Bereich raushalten.

Das Polieren eines Stoffes setzt voraus, dass man kompetent und spie-
lerisch die Struktur beherrscht. Eine gut gestrickte Geschichte ist
ein Maschenwerk, und wer an einem Ende an einem Faden zieht, muss da-
mit rechnen, dass am anderen Ende alle Maschen aufgetrennt werden. Es
ist die Aufgabe des Autors, solche Probleme im Auge zu behalten. Es
ist Aufgabe des Agenten, solche Probleme zu schaffen.

Ich kenne einige Autoren, die sich vor der kreativen Auseinanderset-
zung scheuen. Vielleicht gerade, weil sie nicht wissen, wie man eine
Geschichte trotz Widerstand so ändert, dass man am Ende immer noch
Herr bzw. Frau der Lage ist. Wer aber professionell arbeiten will,
muss diese Voraussetzung mitbringen.

Agenten sind entgegen landläufiger Meinung keine Schreiblehrer. Man
sollte sich schon sehr genau darüber im Klaren sein, was es bedeutet,
ein professioneller Autor zu sein. Vielleicht sind aber meine Erwar-
tungen so hoch, weil ich mich mit den Ansprüchen der amerikanischen
Branche auseinander setzen musste, und auch wenn ich nicht alles für
gut heiße, was über den großen Teich kommt - der Erfolg der Amerikaner
zeigt uns jedoch, dass Professionalität in jedem Bereich seinen Vor-
teil hat.

Mancher Autor geht davon aus, dass die Dienstleistung eines Agenten
selbstverständlich sei und vergisst dabei, dass dies auch an ihn For-
derungen stellt. Nur Talent zu haben reicht bei weitem nicht aus. Ta-
lent haben viele Menschen. Gute Ideen sogar noch mehr. Was diese Bran-
che wirklich braucht, sind echte Profis. Es wird Zeit, dass auch deut-
sche Autoren einsehen: Nicht nur andere müssen Dienste leisten, son-
dern auch die Autoren müssen Voraussetzungen erfüllen. Ganz vorne auf
der Liste stehen Können und professionelles Verhalten.

Für einen unerfahrenen Autoren ist der Agent der erste Anlaufpartner,
der dabei behilflich ist, die Flausen zu vertreiben, das Können in die
richtigen Bahnen zu lenken, Hilfestellung bei Entscheidungen zu geben.
Er verabreicht den ersten Schliff, bevor man auf einen Produzenten
losgelassen wird. Die Voraussetzungen aber muss ein Autor bereits mit-
bringen.

Talent allein reicht nicht, Kompetenz ist gefragt!


          Sinn und Zweck von Agenten

Warum sollte der Agent nicht von einem Autor Fachwissen erwarten, wenn
doch die Autoren auch von den Agenten Kompetenz erwarten? Ich möchte
den Autor sehen, der sich damit abmüht, seinem Agenten zu erklären,
was ein Produzent ist. Vorschläge machen, Hinweise geben, sogar selbst
verhandeln liegt alles im Bereich des Möglichen, aber als Autor möchte
ich doch das Gefühl haben, dass mir der Agent auf diesem Gebiet we-
nigstens einen Schritt voraus ist.

Das ist auch gut so, denn das Talent und Können des Autors liegt dar-
in, vor dem Computer zu sitzen, wo er/sie hinreißende und spannende
Geschichten entwirft. Die Vermarktung dieser Geschichte raubt Zeit,
Energie und Nerven. Welcher Autor kann es sich leisten, sich eine hal-
be Stunde ans Telefon zu hängen und das Ego eines Produzenten zu
streicheln? Aber das ist Teil der Vermarktung: Kontakte pflegen, Small
Talk über sich ergehen lassen, Briefe schreiben, Telefonterror betrei-
ben.

Natürlich gibt es auch Autoren, die gerade diesen Teil des Verkaufs
lieben und die Verhandlungen ungern abgeben. Das sei ihnen unbenommen.
Noch herrscht in Deutschland kein "Agentenzwang" wie in Amerika. Man
sollte aber bedenken, dass es durchaus Vorteile hat, wenn zwischen Au-
tor und Produzent ein Mittler steht.

Bei den Verhandlungen geht es um eine ganze Menge Geld, da sind Kon-
flikte vorprogrammiert. Wo man eben noch um jeden Pfennig gefeilscht
hat, geht man in der nächsten Minute nicht freundlich lächelnd zur Ta-
gesordnung über und taucht leichten Kopfes in die Geschichte ein. Wenn
aber Agent und Produzent sich angeschrien haben, dann ist das Verhält-
nis von Produzent und Autor unbelastet.

Man kann sich dann ganz auf die Geschichte konzentrieren und sich auf
dieser Ebene viel effizienter auseinander setzen.

Der Produzent ist nicht unbedingt der beste Freund des Autors. Das
muss einem schon klar sein. Er vertritt seine Interessen und nicht die
der Geschichte. Produzenten stecken viel Geld in den Traum eines ande-
ren. Dann müssen sie nicht auch noch dessen Ego streicheln.

Aber brauchen wir Kreativen nicht manchmal jemanden, der uns begeis-
tert erklärt, wie sehr er einen Charakter liebt und wie toll er diesen
einen Satz findet? Natürlich geht es auch den Autoren ums Geld, tat-
sächlich werden in der Filmbranche sogar Autoren reich, aber bitte,
alles Geld dieser Welt kann das Gefühl nicht aufwiegen, das einen ü-
berfällt, wenn jemand über eine Geschichte ins Schwärmen gerät!

Das von einem Produzenten zu erwarten, halte ich aber für reichlich
übertrieben. Produzenten sind Geschäftsleute mit einem Sinn für gute
Geschichten. Ein Agent, denke ich, sollte diese Begeisterungsfähigkeit
durchaus haben. Denn diese Begeisterung ist ein gutes Verkaufsargu-
ment, im Übrigen eines, das auch der beste Autor niemals überzeugend
anbringen kann. Jeder ist schließlich vom eigenen Stoff hundertprozen-
tig überzeugt.

Wer seinen Agenten zum Schwärmen bringt, der hat die erste Hürde ge-
nommen!


          Ein trauriges Wort zwischendurch

Für mich ist es immer wieder überraschend, dass manche deutsche Auto-
ren offensichtlich glauben, sie hätten auf all diese Leistungen ein
gottgegebenes Anrecht. Ich sprach bereits davon, dass Können und Pro-
fessionalität meiner Meinung nach Grundvoraussetzungen dafür sind,
dass ein Autor sich überhaupt auf den Markt trauen darf.

Meine Ausbildung hat mich eine fünfstellige Summe gekostet, und sie
war hart. Mir hat keiner mit netten Sprüchen den Bauch gepinselt. Es
gab Abgabetermine, die einzuhalten waren, und es gab einen Notendurch-
schnitt, der zu halten war. Der Umgangston war rauh und keineswegs im-
mer herzlich. Ich habe mir die strengsten Kritiker rausgesucht und die
unwirschsten Lehrer.

Damit, so denke ich, habe ich mir das Recht erarbeitet, im großen
Teich zu schwimmen, wenn ich da auch noch ein ganz kleiner Fisch bin.

Die Klagen der Produzenten und Agenten zeigen mir, dass nicht alle Au-
toren ein entsprechendes Fundament mitbringen, und es wundert mich
nicht, dass erstens die Produzenten ihre Türen für Anfänger verschlos-
sen halten und zweitens seriöse Agenturen dazu übergehen, Vorleistun-
gen zu verlangen.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet ... das ist kein Spruch, auf den die
Autoren ein Alleinrecht haben. Agenturen leben nicht von Autoren, son-
dern von guten, professionellen Autoren. Für mich ist es immer ein gu-
tes Zeichen, wenn die Erwartungen hoch sind. Ich kann herzlich gerne
darauf verzichten, dass mein Agent seine Zeit mit hoffnungsfrohen, a-
ber noch unfertigen Autoren vertrödelt.

Manchmal erscheinen einem Aufnahmebedingungen als unverschämt und un-
verständlich, dann sollte man jedoch über zwei Dinge nachdenken:
Zweifle ich an mir selbst, daran, dass ich das schaffen kann? Dann bin
ich vielleicht noch nicht so weit. Und was bedeuten diese Hürden für
jemanden, der sie bereits genommen hat? Vielleicht einen gewissen
Schutz?

Zugegeben, wenn ich 20 000 DM in eine Ausbildung investiere, brauche
ich mich wegen eines verpassten Abgabetermins nicht rügen zu lassen.
Die Leute leben schließlich von meinem Geld. Wenn eine Agentur an Au-
toren verdient, dann brauchen diese sich vielleicht keine Aufnahmege-
bühren gefallen zu lassen. Aber es könnte natürlich einfach auch hei-
ßen, dass am anderen Ende jemand sitzt, der viel Zeit und Energie in-
vestiert, um dem eingesandten Material gerecht zu werden.

Keine Frage, es gibt schwarze Schafe auf diesem Gebiet, aber vor denen
ist leider niemand gefeit, und da kann man jedem nur raten, die Augen
offen zu halten und mit anderen Autoren Erfahrungen auszutauschen.


          Ein letztes Wort von wegen der Dussligkeit

Wenn Dussligkeit gut ausgeht, nennt man sie Naivität, aber man muss
schon großes Glück haben, um auf die Sonnenseite zu fallen, und solche
Aktionen sind keinesfalls zur Nachahmung empfohlen.

Dass ich mich mit ungebremster Naivität auf ein Abenteuer eingelassen
habe, hat sich für mich letztendlich als Glücksgriff herausgestellt.
Müsste ich mir heute wieder einen Agenten suchen, würde ich mich in-
tensiv umhören, mehrere Agenturen prüfen, mir genau überlegen, welche
Erwartungen ich habe ... und dann würde ich mich wieder für den glei-
chen Drehbuchvertrieb entscheiden.

Ich habe einen Agenten gefunden, der meine Ansichten über das Filmge-
schäft teilt, der meine Geschichten mit Begeisterung vertritt und der
es versteht, das Feuer meiner Kreativität am Brennen zu halten. Meine
Geschichten erhalten in der Auseinandersetzung mit der Agentur ein
ganz neues Leben. Vor allem aber hätte ich die wirklich harten Zeiten
ohne diesen Rückhalt viel schwerer überstanden.

Was meine zukünftigen Karriereentscheidungen angeht, kann ich beruhigt
feststellen: Mit weiteren naiven Entscheidungen ist nicht zu rechnen.
An meiner Seite steht ein kompetenter Partner!


          Braucht die deutsche Filmbranche also Agenten?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung.

Zur Zeit rätsle ich noch darüber, ob die Branche bereits über Profes-
sionalität als Grundvoraussetzung entschieden hat. Vitamin B scheint
in vielen Fällen schon ausreichend zu sein. Kreativität, Können und
Talent sind dagegen nicht immer eindeutig auszumachen.

Hoffen wir aber mal, dass sich auch in diesem Fall Dussligkeit als
Naivität herausstellt, und hoffen wir mal, dass mehr und mehr Autoren
auf die Idee kommen, dass Filmarbeit Teamarbeit ist. Es liegt an den
Autoren, der Filmbranche neue Impulse zu geben, und  vielleicht sind
Agenten dabei kompetente Partner.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Cassidy Rees [Leiterin zweier unserer Online-Seminare im Oktober und
November! s. "Offerten"] absolvierte eine Ausbildung zur Drehbuchauto-
rin am Hollywood Scriptwriting Institute in Hollywood/Kalifornien. Se-
minare in Deutschland folgten. Sie arbeitet seit anderthalb Jahren als
freie Journalistin, Buchautorin, Synchronautorin und Drehbuchautorin
und wird dabei seit April 2000 von einer Agentur vertreten. (Einzel-
heiten über die Agentur können direkt bei der Autorin erfragt werden.)


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AUTORENWISSEN:
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                  "Papierkorb statt Bestsellerliste?"
                           von Ernst Probst

Unzählige Männer und Frauen träumen davon, einmal als Autor eines
Sachbuches, Romans oder Gedichtbandes gefeiert zu werden, doch ihr
Wunsch geht selten in Erfüllung. Entweder fehlt die Ausdauer, jahre-
lang fast jeden Tag stundenlang am Manuskript zu arbeiten, oder es
findet sich kein Verlag, der sich für die angebotene Buchidee begeis-
tert. Wer es dennoch schafft, hat manchmal an seinem Erstlingswerk we-
nig Freude, wenn die Medien, die Buchhändler und die Leser davon keine
Notiz nehmen und der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt.


          Die Verlagssuche

Die Suche nach einem Verlag, der ein Buchprojekt realisieren soll,
kann sich für einen unbekannten Autor sehr nervenaufreibend und ent-
täuschend gestalten. Die Lektoren und Marketingleute der Verlage grei-
fen nämlich am liebsten auf Schriftsteller zurück, die sich bereits
einen Namen gemacht haben oder die im Bereich der Kunst, Medien, Wis-
senschaft oder Politik einen guten Ruf genießen. Favoriten sind Stars,
die ihre Memoiren schreiben, oder Fernsehleute, die fast jeder vom
Bildschirm her kennt.

Der Münchener Literaturagent Michael Meller rät jedem Neuling in der
Branche, er solle sein Manuskript nicht unverlangt an Lektorate oder
Literaturagenten senden. Besser sei es, zuerst anzurufen, seine Buch-
idee knapp mündlich vorzutragen und zu fragen, ob er sein Exposé und
eine Leseprobe seinem Gesprächspartner schicken dürfe. In diesem Fall
könne sich nämlich der Autor anschließend brieflich an eine bestimmte
Person wenden und sich auf das Telefongespräch beziehen.

Schlechte Erfolgschancen haben - laut Michael Meller - jene Auto-
ren/innen, die ihr ganzes Manuskript unverlangt abschicken und ihren
Begleitbrief mit der Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" beginnen.
Die Leseprobe sollte drei Kapitel oder etwa 50 Manuskriptseiten mit je
30 Zeilen zu je 60 Anschlägen im Schriftgrad zwölf Punkt umfassen. Es
empfiehlt sich, im Begleitbrief zu erwähnen, was die übrigen Kapitel
enthalten.

Fast immer in den Papierkorb wandern - so Michael Meller - bei vielen
Verlagen Manuskripte, die ohne Rückporto eingereicht wurden. Verpönt
sind auch komplett fertige und bereits gebundene Manuskripte. Ein sol-
cher Text ist nämlich unhandlich und liegt schwer in der Hand, wenn
man aus Zeitnot nur einige Seiten schnell prüfen will.

Ein Anfänger sollte nach Ansicht des Münchener Literaturagenten nie
ein Buchmanuskript vollenden, ohne Gewissheit darüber zu haben, ob
sich der enorme Aufwand an Zeit und Geld jemals lohnt. Erst nach der
schriftliche Zusage eines Verlages über die Veröffentlichung könnte
man getrost monate- und nicht selten jahrelang seinen Text schreiben.

Im Gegensatz zu Romanen und Gedichtbänden entstehen vor allem bei
Sachbüchern meistens erhebliche Kosten für die Recherchen: Je nach
Stoff sind mehr oder weniger Reisen, Fachliteratur, Porto sowie Tele-
fon- und Internetgebühren erforderlich.


          Literaturagenten

Nur wenige Autoren in spe wissen, dass sie sich die Suche nach einem
Verlag sehr erleichtern können, wenn sie einen Literaturagenten enga-
gieren. Dieser kann nämlich ebenso gut wie ein Lektor die Qualität ei-
nes Manuskriptes beurteilen. Meistens ist der Literaturagent ein ehe-
maliger Lektor oder - wie der erwähnte Michael Meller in München - ein
früherer Verlagsmanager.

Der Literaturagent kennt Verlage, die für das vorliegende Thema in
Frage kommen, und schickt ihnen ein Exposé mitsamt Leseprobe zu. Für
diese Mühe muss der Möchtegern-Autor in der Regel vorab nichts bezah-
len. Der Lohn des Literaturagenten besteht nämlich darin, bei Ab-
schluss eines Vertrages zwischen Verlag und Autor eine Provision in
Höhe von meistens 15 Prozent zu erhalten, die von den Honoraren des
Schriftstellers abgezogen wird.

Da Literaturagenten in der Regel gute Verträge für ihre Kunden aushan-
deln, ist der Abzug der Provision vom Erlös des Autors leicht zu ver-
schmerzen. Vorteilhaft ist die Einschaltung eines Literaturagenten
auch aus anderen Gründen: Er kennt bestens die Fallstricke, die in
Verträgen für Buchautoren enthalten sind, und wird seinen Klienten vor
finanziellem Schaden bewahren.


          Vertragsbedingungen

Seriöse Verlage bieten ihren Autoren einen Vertrag an, der pro ver-
kauftem Exemplar ein Honorar mit einem bestimmten Anteil vom Laden-
preis vorsieht. Bei Romanen (Hardcover) winken etwa 10 bis 13 Prozent,
bei Sachbüchern wegen den durch die Abbildungen verursachten höheren
Herstellungskosten 5 bis 12,5 Prozent und bei Kinderbüchern 6 bis 10
Prozent (die angegebenen Untergrenzen sind eher die Regel als die O-
bergrenzen).

Außerdem zahlen viele Verlage bei Vertragsabschluss einen Vorschuss,
verpflichten sich, auf ihre Kosten die erforderlichen Abbildungen zu
beschaffen, übernehmen etwaige Beraterhonorare und stellen nach Er-
scheinen kostenlose Belegexemplare zur Verfügung. Auch die meist be-
scheiden ausfallenden Honorare für Lizenzausgaben werden von vorneher-
ein geregelt. Dabei sollte der Nebenrechtserlös zugunsten des Autors
nicht weniger als 50 Prozent betragen.

Mit einem derartigen Vertrag in der Hand kann sich der Autor sein Ho-
norar leicht ausrechnen. Bei einer Startauflage von 4 000 Exemplaren,
einem Ladenpreis von 40 Mark und einem Honorar von 8 Prozent pro ver-
kauftem Exemplar zum Beispiel winkt ihm beim Verkauf der ersten Aufla-
ge ein Gesamterlös von etwa 11 960 DM, den er - nach Abzug seiner Kos-
ten - versteuern muss. Bei Einschaltung eines Literaturagenten wird
noch dessen Honorar abgezogen.

Reichtümer kann man also beim Buchschreiben meistens nicht anhäufen.
Jemand, der beispielsweise drei Jahre an einem Sachbuch schreibt und
dafür 10 000 DM für die Recherchen ausgegeben hat, arbeitet bei einem
Gesamthonorar in derselben Höhe umsonst. Er schreibt erst ab der zwei-
ten Auflage schwarze Zahlen.


          Veröffentlichen im Eigenverlag

Jemand, der auf eigene Rechnung sein Werk publiziert, kann natürlich
selbst über die Höhe der Auflage und des Verkaufspreises, die Maße des
Papierformates, den Seitenumfang, die Wahl der Schriftarten, die Zahl
und Größe der Abbildungen, die Gestaltung der Seiten und des Umschla-
ges sowie über den Wortlaut des Buchtitels entscheiden. Die Verlage
lassen sich in dieser Hinsicht nicht dreinreden. Schon mancher Autor
hielt sein Buch in der Hand und konnte sich mit dessen Ausstattung
nicht anfreunden. Außerdem gibt es bei einem selbst herausgebrachten
Buch keine willkürlichen Eingriffe des Lektors. [Anm. der Chefredak-
teurin und Lektorin: ;-)]

Doch die Herausgabe eines Buches im Eigenverlag birgt ebenfalls ihre
Tücken. Einerseits nehmen die Buchhandlungen die im Eigenverlag er-
schienenen Werke fast nie in ihr Angebot. Andererseits besprechen die
Kritiker in den Zeitungs-, Zeitschriften-, Rundfunk- und Fernsehredak-
tionen diese Erzeugnisse nur ausnahmsweise, weil sie in dem schlechten
Ruf stehen, sie seien nicht ordentlich produziert und lektoriert wor-
den.


          Düstere Aussichten?

Nicht von den Buchhändlern, den Medien und den Lesern beachtet zu wer-
den ist aber auch das traurige Schicksal unzähliger Bücher aus der
Flut von Neuerscheinungen renommierter Verlage. Denn Buchhändler kön-
nen ihren Kunden lediglich eine kleine Auswahl der Neuheiten präsen-
tieren. Kritiker vermögen nur einen kleinen Bruchteil der neuen Bücher
einer Saison zu lesen und vorzustellen. Und die Leser wissen nichts
von lesenswerten Werken, die totgeschwiegen werden.

Die unerwähnten Titel bleiben schwer wie Blei in den Lagern der Verla-
ge und Großhändler sowie in den Regalen der Buchhandlungen liegen.
Wenn ein Buch innerhalb einiger Monate kaum Käufer findet, ist sein
Schicksal meistens besiegelt, weil für die neue Ware Platz benötigt
wird. Ein Ladenhüter wird verramscht oder eingestampft. Bittere Zeiten
für den Autor, der bis dahin vom Bestseller träumte!

Natürlich geht manchmal auch der Wunschtraum eines frischgebackenen
Autors in Erfüllung, wenn zum Beispiel sein Erstlingswerk zum Laden-
preis von 40 DM mehrere Auflagen von ingesamt über 125 000 Exemplaren
erreicht, ein Honorar von etwa 500 000 DM einbringt und sich die Me-
dien um Interviews mit ihm reißen. Ein Neuling in der schreibenden
Zunft, der nach einem solchen Anfangserfolg seinen relativ sicheren
Arbeitsplatz aufgeben und hauptberuflich schriftstellerisch tätig wer-
den will, sollte dies aber lieber nicht tun. Denn schon das zweite
Buch kann statt zu einem Bestseller zum Flop werden.

Nur ganz wenige Autoren/innen können allein vom Erlös ihrer Bücher le-
ben. Laut einer Statistik der UNESCO ist dies lediglich 0,03 Prozent
der Schriftsteller/innen vergönnt.

Dennoch: Der Traum vom eigenen Buch ist heute dank moderner Techniken
leichter als früher zu verwirklichen. Wenn ein Manuskript elektronisch
vorliegt, kann es als so genanntes "Book on Demand" (Buch auf Bestel-
lung) in Taschenbuchqualität bei www.bod.de für rund 500 DM im Selbst-
verlag veröffentlicht werden. Und bei www.ebookcom.net ist es möglich,
interessante Manuskripte für noch weniger Geld elektronisch als E-
Book, CD-ROM oder Diskette zu publizieren. Mit Mut und Phantasie kann
heute jeder selbst Verleger, Herausgeber oder Autor werden.

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Ernst Probst ist Autor der Bücher "Deutschland in der Urzeit",
"Deutschland in der Steinzeit", "Deutschland in der Bronzezeit" (alle
Orbis Verlag), "Superfrauen 1 - Geschichte", "Superfrauen 2 - Religi-
on", "Superfrauen 7 - Film und Theater", bod-Taschenbuch bei Libri o-
der www.ebookcom.net, Herausgeber der Online-Zeitschrift für Kultur
"Das Journal" und Moderator des Autorenforums http://f1740.site-
board.de.


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SCHREIBKURS:
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                "Starke Charaktere nach James N. Frey"
                            von Ute Hacker

Es gibt sicher mehrere Methoden, sich seine Personen für eine Ge-
schichte oder einen Roman auszudenken, aber eines haben alle Methoden
gemeinsam: Die Charaktere müssen so stark sein, dass sie den Leser von
Anfang an fesseln. Normalerweise hat man eine Idee, die Idee wird
langsam zur Geschichte, die Geschichte eventuell sogar zum Roman. So-
bald einem die Idee im Kopf herumschwirrt, hat man auch die Figuren
dazu, erst sehr vage, doch mit jedem Schritt Richtung Geschichte wer-
den auch die Personen immer konkreter.

Angenommen, Sie wollen eine Liebesgeschichte schreiben. Sie brauchen
eine Frauen- und eine Männerfigur. Beide sind blond, blauäugig, intel-
ligent, gut gebaut und sportlich, sind erfolgreich in ihrem Beruf als
Investmentbroker und verdienen ausgesprochen gut, sind auf der Suche
nach dem idealen Partner. Sie lernen sich kennen, verlieben sich, zie-
hen zusammen, heiraten und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.
Wirklich? Ich glaube nicht. Was im wirklichen Leben eventuell funktio-
nieren kann, wird in der Fiktion ziemlich sicher ein Flop. Wo sollen
bei diesen beiden Personen die Spannungen herkommen? Ach so, in einer
Liebesgeschichte braucht man keine Spannung? Und was wollen Sie dann
erzählen? Die Geschichte ist mit den paar Worten, die ich oben erwähnt
habe, bestens erzählt. Alles, was sie macht, macht er auch. Alles, was
sie denkt, denkt er auch. Wie öde und langweilig! Ich würde vermutlich
keine zwei Seiten dieser so genannten Geschichte durchhalten. Eine gu-
te Geschichte lebt von den Spannungen zwischen ihren Hauptdarstellern,
deshalb müssen diese gut aufeinander abgestimmt werden.

Wie bereits zu Beginn erwähnt, gibt es mehrere Methoden, Figuren zu
kreieren; ich möchte Ihnen heute die Version von James N. Frey vor-
stellen (siehe dazu auch den Bericht über ein Frey-Seminar im letzten
Tempest). Ich möchte versuchen, zwei Figuren vor Ihren Augen zu entwi-
ckeln, und möchte Sie bitten, mir Schritt für Schritt zu folgen. Na-
türlich ist das etwas schwierig, wenn Sie meinen Gedankengang nicht
immer nachvollziehen können, doch ich werde mich bemühen, alles so de-
tailliert wie möglich aufzuschreiben.


          Der erste Charakter

Bleiben wir doch bei unserer Liebesgeschichte, beginnen wir mit dem
weiblichen Charakter. Hier ihre ersten Details:
- Ariadne Fromm, 27 Jahre, 175 cm
- blonde, lange, glatte Haare; blauäugig; schlanke Figur, ebenmäßiges
Gesicht; sie könnte durchaus als Model arbeiten

Haben Sie schon ein Bild vor Augen? Vielleicht haben Sie mit dem Namen
ein Problem, denn jeder von uns verknüpft mit einem Namen eine ganz
bestimmte Vorstellung. Ändern Sie später ruhig den Namen, aber nicht
die weiteren Details. Der Name muss für Sie zur Figur passen. Sie wer-
den sehr schnell sehen, dass der Name Programm ist für einen Charak-
ter.

Bisher ist Ariadne nur eine Hülle; unsere Aufgabe ist es jetzt, ihr
Leben einzuhauchen. Sie braucht eine Biographie.

Ariadne ist die zweite Tochter einer Beamtenfamilie. Der Vater ist
Lehrer für Latein und Griechisch am Humanistischen Gymnasium, die Mut-
ter war Zeit ihres Lebens Hausfrau und Mutter. Ariadnes Schwester He-
lena ist drei Jahre älter und wurde, ganz dem Wunsch der Familie ge-
mäß, ebenfalls Lehrerin. Ariadne ist sehr neidisch auf Helena, denn
sie hat nicht so viele Probleme mit ihrem Namen. Ariadne wurde in der
Schule immer gehänselt und fühlte sich ausgeschlossen. Seit ihrem
zehnten Lebensjahr hat sie nur einen Wunsch: Raus aus dem kleinbürger-
lichen Mief der Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. (Nur nebenbei
bemerkt: Auch Helena hatte viele Probleme mit ihrem Namen. Angelehnt
an Wilhelm Busch, wurde sie immer "Fromme Helene" genannt. Das weiß
Ariadne aber nicht, die Schwestern haben nie darüber geredet.)

Wenden wir uns den Eltern zu. Der Vater war immer sehr streng mit den
beiden Töchtern. Er hatte jedes Mal auf den Stammhalter gehofft, doch
es wurden zwei Mädchen. Wir können ihn uns als den klassischen Huma-
nisten vorstellen: immer den guten alten Zeiten hinterherjammernd, zur
Askese neigend, zu jeder Gelegenheit lateinische und griechische Re-
densarten zitierend. Er zieht die Gesellschaft von Klassikern der sei-
ner Familie vor. Die Urlaubsreisen gehen - logisch - nach Italien,
Griechenland und Ägypten, der Geschichte und Ausgrabungsstätten wegen.

Die Mutter hat sich ihrem Mann immer untergeordnet. Sie stammt aus
kleinen Verhältnissen, für sie war die Heirat ein Aufstieg ins Bürger-
tum. Sie leidet sehr unter dem manchmal jähzornigen Temperament ihres
Mannes, hat aber im Laufe der Zeit gelernt, damit umzugehen. Sie liebt
ihre Töchter, will sie vor dem gleichen Schicksal bewahren, wagt es
jedoch nicht, gegen die Pläne ihres Mannes zu agieren.

Aha, Sie sagen: Was interessieren mich die Eltern von Ariadne, die
kommen doch in der Geschichte gar nicht vor? Richtig. Aber wer hat
denn unsere Hauptperson großgezogen und damit bestimmend beeinflusst?
Weshalb will Ariadne denn unbedingt weg vom Kleinstadtmief, wenn nicht
wegen ihrer Eltern? Merke: Nur eine Figur mit einer richtigen Biogra-
phie ist auch so interessant, dass die Leser dranbleiben. Und nichts
weiter wollen wir doch, als unsere Leser zu unterhalten. Und noch ein
Punkt zum Merken: Der Leser bekommt oft nur die Spitze dessen zu Ge-
sicht, was Sie von Ihrer Figur wissen. Sie müssen sich das wie einen
Eisberg vorstellen: Ein Sechzehntel schwimmt oberhalb (das taucht in
der Geschichte auf), fünfzehn Sechzehntel sind unsichtbar, aber sehr
wohl vorhanden.

Zurück zu Ariadne. Wir kennen nun ihre Herkunft, wissen, wie sie aus-
sieht. Was wir noch nicht wissen, ist, was in ihr vorgeht. Doch, wir
wissen, dass sie in die Großstadt will, weg von den Kreisen, in denen
ihre Eltern verkehren. Und da ihr Vater sie und ihre Schwester immer
ziemlich knapp mit Geld gehalten hat, will sie richtig viel Geld ver-
dienen, um sich alles im Leben leisten zu können. Aber es gibt noch
einen zweiten Grund, weshalb sie das Geld will: Sie will nie wie ihre
Mutter finanziell abhängig sein von einem Mann. Das ist ihre so ge-
nannte "Ruling Passion", der eine Gedanke, der ihr ganzes Leben be-
stimmt.

Zum Alltag vielleicht noch so viel: Sie arbeitet als Investmentbroker
in Frankfurt, ist tagsüber ganz harte Geschäftsfrau; doch abends ver-
tauscht sie das Kostüm mit greller Diskothekenkluft und zieht um die
Häuser. Tanzen ist ihre heimliche Leidenschaft, und natürlich ist sie
auch auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Das würde sie aber nie
zugeben, vor allem nicht vor sich selbst.

Können Sie sich Ariadne Fromm jetzt vorstellen? Natürlich steht es Ih-
nen immer noch frei, ihren Namen zu ändern, doch dann müssten Sie auch
Teile ihrer Biographie ändern. Versuchen Sie es ruhig. Sie werden se-
hen, dass sie eine vollkommen andere Person kreieren.

          Der zweite Charakter

Zu einer Liebesgeschichte gehören normalerweise zwei. Also brauchen
wir jetzt einen Mann, der zu Ariadne passt. Das Schöne an dieser Me-
thode ist, dass die erste Figur in der Regel die schwierigere ist.
Denn die zweite Figur muss mit der ersten harmonieren. Harmonieren
heißt hier, dass sie so aufeinander abgestimmt werden müssen, dass
Spannungen zwischen ihnen entstehen. Bei einer Liebesgeschichte muss
zum einen der berühmte Funke - für jeden Außenstehenden fühlbar - ü-
berspringen, zum anderen dürfen die beiden aber auch nicht von vorn-
herein Feuer und Flamme füreinander sein, denn sonst ist die Geschich-
te vorbei, bevor sie angefangen hat.

Im Leben heißt es: Gegensätze ziehen sich an. Und nicht nur im Leben
funktioniert das (meistens), sondern auch auf dem Papier. Man kann es
sich natürlich sehr einfach machen und immer das Gegenteil der ersten
Figur verwenden, doch Sie werden sehr schnell merken, dass das nicht
funktioniert. Natürlich sollen die Figuren auch etwas gemeinsam haben,
damit sie sich ineinander verlieben und sich auch etwas zu sagen ha-
ben, die Frage ist nur: Was?

Okay, Adrianes zukünftiger Liebhaber heißt Martin Schmitt und ist 35
Jahre alt. Martin Schmitt ist eigentlich ein Allerweltsname, dennoch
hat er zur Zeit einen außergewöhnlichen Klang: Deutschlands derzeit
erfolgreichster Skispringer heißt genauso. Und natürlich wird unser
Martin Schmitt permanent darauf angesprochen. Und schon haben wir, oh-
ne großartig darüber nachzudenken, eine Gemeinsamkeit zwischen Ariadne
und Martin: Sie haben Probleme mit ihrem Namen.

Wie sieht Martin Schmitt aus? Er ist 176 cm groß, hat dunkle, lockige
Haare mit deutlichen Geheimratsecken. Seine Augen sind ebenfalls dun-
kel und sitzen leicht schief in seinem Gesicht, was ihm ein verwegenes
Aussehen gibt. Die Nase ist knubbelig, der Mund ein wenig zu groß. Al-
les in allem scheint unser Held keine besondere Schönheit zu sein. Er
hat einen kräftigen, aber auch gedrungenen Körperbau mit dem Hang zu
einem Bäuchlein.

Martin Schmitt stammt aus einer begüterten Familie, die immer recht
sorglos mit Geld umging, weil einfach ausreichend viel da war. Der Va-
ter ist erfolgreicher Liedkomponist und verdient viel Geld damit, die
Mutter war Sängerin, gab ihre Karriere den Kindern zuliebe auf. Sie
gibt heute zum Spaß Schulkindern Klavier- und Gesangsunterricht. Mar-
tin hat vier Geschwister, die in alle Winde zerstreut sind; Martin ist
der einzige, der in der Nähe des Elternhauses geblieben ist. Er hängt
sehr an seiner Mutter und drängt sie immer dazu, wieder mit dem Singen
anzufangen. Doch sie findet das albern und ist mit dem Leben, das sie
führt, recht zufrieden. Der Vater war oft in seinem Studio, um zu kom-
ponieren, doch wenn er zu Hause war, war er hundertprozentig für die
Kinder da. Den Urlaub verbrachten sie damit, mit einem umgebauten Bus
ziellos in Europa herumzugondeln. Martin spricht vier Sprachen flie-
ßend.

Wie finden Sie Martin? Er ist wirklich nicht der Mann, in den man sich
auf den ersten Blick verliebt, aber er hat einen faszinierenden Hin-
tergrund. Ob Ariadne auch dieser Ansicht ist? Wir werden sehen.

Martin ist fast fertig. Er braucht noch einen Beruf. Auch wenn er es
nicht nötig hätte, Geld zu verdienen, möchte er doch etwas Sinnvolles
tun. Wir wäre es mit Sozialarbeiter? Zu klischeehaft? Okay, wir könn-
ten ihn auch zum - eher erfolglosen - Künstler machen. Nein, ich mache
ihn zum Museumswächter, nachdem er mit seinem Kunsthistorikstudium ge-
scheitert ist. Er liebt die Kunst, und für ihn gibt es nichts Aufre-
genderes, als den ganzen Tag von Kunstgegenständen umgeben zu sein.
Trotz misslungenen Studiums hat er sich im Laufe der Zeit ein umfang-
reiches Wissen im Bereich griechischer und ägyptischer Kunst angeeig-
net und wurde schon häufiger von Experten im Ausland zu Konferenzen
eingeladen. Er ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Eine Frau wäre
natürlich nicht schlecht, aber hie und da eine Liebschaft ist vorerst
okay.

Was fehlt, ist Martins "Ruling Passion". Was könnte die treibende
Kraft in seinem Leben sein? Nun, es gibt mehrere Möglichkeiten:
- Er möchte eine bedeutende archäologische Entdeckung machen.
- Er möchte einfach das Leben genießen.
- Er möchte für das Museum, in dem er arbeitet, einen ganz bestimmten
Gegenstand erwerben.

Nun? Für Punkt a) scheint er mir einfach zu träge zu sein; Punkt b)
ist zu banal, irgendwo wollen wir das doch alle (von Workaholics mal
abgesehen); Punkt c) scheint mir jedoch passend zu sein, ich entschei-
de mich also dafür.

Gut, wir haben also jetzt zwei Personen, von denen wir wissen, dass
sie sich irgendwann ineinander verlieben werden. Wie und wo das ge-
schieht, ist allerdings eine andere Geschichte.


          Zum Nachmachen!

Egal, ob Sie bereits eine konkrete Geschichte im Kopf haben oder
nicht, versuchen Sie einfach mal, zwei Figuren zu schaffen. Geben Sie
Ihrer Figur auch mal einen anderen Namen, und Sie werden staunen, wie
schnell sich Ihre Vorstellung von ihr ändert. Auch wenn Sie noch kei-
nen Plot vor Augen haben, werden Sie bald feststellen, dass in Ihren
Figuren sehr viele Geschichten stecken. In der Regel ergeben sich be-
reits bei der ersten Figur zahlreiche Möglichkeiten. Doch selbst wenn
Ihnen da noch nichts einfällt, passiert das spätestens, wenn Sie die
zweite Figur dazu erschaffen. Probieren Sie’s aus!

P. S.: Meine weibliche Hauptfigur hieß erst Justine Fromm. Dann erfand
ich ihre Familie und dachte mir: Der Vater hat seine Töchter sicher
nach der griechischen Mythologie benannt. Also wurde aus Justine Ari-
adne. So kann’s gehen.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ute Hacker [Leiterin unseres Online-Seminars im November! s. "Offer-
ten"]  schreibt u. a. als Billie Rubin Kriminalgeschichten und -
romane. Die jüngste Kurzgeschichte, "Der Ostfriesen-Columbo", ist in
der gerade erschienenen Anthologie "Mordkompott. Kriminelles zwischen
Klütje und Kluntje" zu lesen.


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BUCHBESPRECHUNG:
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                                    (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)

           "Das Geheimnis guter Drehbücher" von Linda Seger
                     besprochen von Gabi Neumayer

Der "Klassiker" von Linda Seger, "Making a good script great", ist nun
auch auf Deutsch erschienen - endlich. Denn dieses Buch strotzt gera-
dezu vor praktisch umsetzbaren Techniken und Tipps, mit denen man ein
wirklich gutes Drehbuch schreiben - und vor allem effektiv überarbei-
ten kann. Wie es im Vorwort heißt: "Sein Anliegen ist, Ihnen beizu-
bringen, schnell und effizient zu schreiben und zu überarbeiten, ohne
den Zauber zu verlieren für die wichtige endgültige Fassung."

Die Autorin weiß, wovon sie spricht: Als Script Consultant hat sie
mehrere Hundert Drehbücher aus allen Genres bearbeitet. Dabei konzent-
riert sie sich nach eigenem Credo darauf, die Probleme zu lösen und
trotzdem die Originalität des Buches zu bewahren. Ihre Erfahrung hat
sie gelehrt, dass es bei allen Unterschieden doch immer wieder diesel-
ben Probleme sind, die ein Drehbuch scheitern lassen - oder die ver-
hindern, dass es ein wirklich hervorragendes Drehbuch wird.

Dieses Buch ist in vier große Teile gegliedert:

1. Struktur
Hier wird der Prozess des Ideensammelns mit zahlreichen Hilfsmitteln
(Karteikarten, Kassettenrekorder, Outline etc.) beleuchtet, außerdem
die grundlegende Struktur eines Drehbuchs (Drei-Akt-Struktur, Funktion
von Nebenhandlungen, Spannungsbogen, Szenenbau).

2. Ideen-Entwicklung
Hier geht es darum, wie man kommerzielle Aspekte hineinbringt (also
sich beispielsweise über die Themen klar wird, die uns alle anspre-
chen), und um den "Mythos".

3. Figuren-Entwicklung
Wie findet man den Charakterbogen, den Konflikt? Welche Funktionen
können Charaktere haben? Und wie schafft man mehrdimensionale Charak-
tere? Das wird hier beantwortet.

4. Eine Fallstudie
Am Beispiel des Films "Der einzige Zeuge" können wir die Entstehungs-
geschichte eines konkreten Drehbuchs von der ersten Idee bis zum fer-
tigen Film nachvollziehen.

Außergewöhnlich und ungemein erhellend ist die Art, in der Linda Seger
diese Themen behandelt, mögliche Probleme anspricht und Lösungen auf-
zeigt. Alles ist gut verständlich und hervorragend strukturiert. Und
alles wird anhand bekannter Filme nachvollziehbar gemacht (übrigens:
"Der einzige Zeuge", "Tootsie" und "African Queen" sollte man gesehen
haben, bevor man dieses Buch liest!). Und am Ende jedes Kapitels gibt
es in einem Unterkapitel "Anwendung" immer noch einmal konkrete Tipps
und Leitfragen, mit denen man die Probleme des eigenen Drehbuchs zum
einen identifizieren und zum anderen beheben kann.

Ein Register der amerikanischen Begriffe und ein Verzeichnis der Namen
und Titel, die im Text vorkommen, schließen ein außergewöhnliches Buch
einer außergewöhnlichen und sehr erfahrenen Autorin ab, das alle, die
Drehbücher schreiben oder schreiben wollen, einmal gründlich - und bei
Schwierigkeiten immer wieder lesen sollten.

Linda Seger: "Das Geheimnis guter Drehbücher", 1999, 274 Seiten, 44
DM, Alexander Verlag (kann auch über 2001 bezogen werden)

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Gabi Neumayers aktuelle Veröffentlichungen: Kurzkrimi "Der Weg allen
Fleisches" in: Rheinleichen (Emons), Kurzkrimi: "Leichte Beute" in:
Alter schützt vor Morden nicht (Gerstenberg).


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BUCHBESPRECHUNG:
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                                    (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)

                       "Jahrbuch für AutorInnen"
                     besprochen von Gabi Neumayer

Das "Jahrbuch" ist inzwischen eine feste Größe auf dem Markt der Auto-
renratgeber. In der aktuellen Ausgabe wird wieder eine Menge an Infor-
mation und Adressen für AutorInnen geboten. Die großen Kapitel:
- Kreatives Schreiben
- Lyrik
- Krimi, Fantastik, Kinderbuch, Sachbuch
- Hörspiel, Theater, Film
- Autoren, Autorinnen
- Autoren-Förderung
- Übersetzer, Übersetzerinnen
- Buchmarkt
- Verlagssuche
- Verlagsabsagen
- Pseudoverlage
- Electronic Publishing
- Autoren-Recht
- Autoren-Bibliothek
- Literatur
- Verlagsindex

Wie gewohnt findet man hier zu allen Themen viele kurze Artikel, Er-
fahrungsberichte, Informationen und Statistiken, von bekannten (zum
Beispiel: Fred Breinersdorfer, John Irving, Robert Gernhardt, Joseph
Brodsky) und unbekannten AutorInnen. Ein kleiner Themenausschnitt:
Ausbildungslage für Schriftsteller und Ideen dazu, Literaturzeit-
schriften, das Grimm’sche Wörterbuch, Krimis on Demand, Wie schreibt
man eine Rezension?, Schreiben fürs Theater, Drehbuchautor sein, junge
AutorInnen, Spiele-Autoren, Übersetzen, Absagen, Daten vom Buchmarkt,
der neue Normvertrag ...

Das besondere Plus dieses Ratgebers war und ist aber die enorme Fülle
an Adressen aus dem Literaturbetrieb - sei es von Literaturzeitschrif-
ten, Autorenvereinigungen, Agenturen, Literaturpreisen oder (was einen
großen Teil des Buches einnimmt) Verlagen.

Praktisch und enorm arbeitssparend: Bei den Verlagen ist stichwortar-
tig nicht nur vermerkt, was dort speziell verlegt wird, sondern auch,
welche Wünsche man dort an Manuskripte stellt (formal und inhaltlich).

Ein inspirierender, vielfältiger und nützlicher Ratgeber, den man un-
bedingt mit Textmarker und/oder einem dicken Päckchen Haftnotizen
durchstöbern sollte!

Deutsches Jahrbuch für AutorInnen 2000/2001, 2000, 570 Seiten, 39,80
DM, Autorenhaus-Verlag Plinke


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VERANSTALTUNGSBERICHT:
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                                    (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)

                      "Kölner Bücherherbst 2000"
                          von Ingrid Schmitz

Vom 31. August bis 3. September ging es auf dem zwölften Kölner Bü-
cherherbst heiß her.

Im Gegensatz zum kühlen Wetter, es schüttete teilweise wie aus Eimern,
konnten die Veranstalter dieses Bücherherbstes ein "Hoch" verzeichnen.
70 Kölner Buchhändler, Verlage und Literaturorganisationen stellten
dem interessierten Publikum ihre Bücher vor.

Die angemieteten Stände, die aus stabilen Tischen und zur Verfügung
stehenden Klappstühlen bestanden, wurden von den Ausstellern teilweise
mit Trennwänden abgeteilt und dekoriert. Sieht man einmal von der -
zuerst als hoch empfundenen - Standmiete von 600-700 DM ab (man muss
bedenken, dass diese Gebühr für vier Tage inkl. nächtlicher Bewachung
gilt), dann ist es für die Aussteller d i e Gelegenheit, Kontakt zur
lokalen Presse, zu anderen Verlagen und natürlich ganz besonders zu
den Lesern zu bekommen. Also durchaus für Autoren eine lohnende Sache,
wenn sich mehrere zusammenschließen, um die Kosten zu minimieren.

Aus dieser Überlegung heraus waren auch die "Sisters in Crime" - Ger-
man Chapter zum ersten Male mit eigenem Stand vertreten. Ein Stand,
der es in sich, besser gesagt: auf sich hatte. Anlass war die Buchpre-
miere der im Kölner Emons Verlag erschienenen "Rheinleichen"-
Anthologie der "Sisters in Crime". In einem lustig-bunten Kinder-
Schwimmreifen wurden hier die "frischen Rheinleichen" platziert, umge-
ben mit hübsch eingepackten Fläschchen, in denen sich das dazugehörige
Rheinleichenwasser befand, welches sich als bläulichgrüner Badezusatz
entpuppte, den man ebenfalls erwerben konnte. Diese außergewöhnliche
Geschenkidee wurde dankend angenommen.

Viel zu sehen gab es ebenfalls am liebevoll dekorierten Emons-Stand.
Zwischen all den Büchern lugte ein Totenschädel unter einem Spinnen-
netz hervor, in dem eine dicke schwarze Spinne die neugierigen Leser
verzückte, und die lebensechte Totenmaske zwischen den Niederrhein-
Krimis ließ nicht unbedingt jeden zugreifen. Kurzum, schaurigschöne
Ideen, was das Thema Krimi anging.

In der dagegen eher nüchtern anzusehenden Leseecke, die durch einen
Vorhang lästige Geräusche abschirmen sollte (was aber nur unzureichend
gelang) lasen Autoren verschiedener Verlage in halbstündigen Abständen
aus ihren Werken. Häufige Lautsprecherdurchsagen machten vorher darauf
aufmerksam und lockten das Publikum zum lesewilligen Autor - oder auch
nicht, denn in den ersten zwei Tagen sah es mit den Zuhörern etwas mau
aus. Eine Feuerprobe für jeden Schriftsteller. Leseerfahrungen unter
Härtebedingungen - eine wunderbare Übung für spätere Fälle!

Wesentlich einfacher hatten es da zwei Sisters in Crime, deren Zuhö-
rerschaft Karten am Informationsstand erwerben konnte, die für eine
Lesung ganz anderer Art bestimmt waren. Zusammen mit dem KBV und der
Buchhandlung Gonski mietete der Emons Verlag für insgesamt drei Fahr-
ten durch Köln eine Straßenbahn.

Am Sonntag war es dann für die mörderischen Schwestern so weit. Zu
Klängen auf der Hammondorgel lasen auf der Hintour Irene Franken und
Ina Hoerner aus ihrem Sachbuch: "Hexen - Die Verfolgung von Frauen in
Köln", und auf der Rückfahrt stellten die Sisters Ina Coelen und Ing-
rid Schmitz die von ihnen gesammelten  "Rheinleichen" vor. Wieso diese
Lesung einfacher war, werden Sie sich vermutlich fragen. Nun, das Pub-
likum war garantiert und konnte nicht flüchten!

Für die "Sisters in Crime" werden diese vier Tage in Köln wohl unver-
gessen bleiben, und auch die anderen Aussteller kommen gerne nächstes
Jahr wieder zum Bücherherbst, der mit seiner familiären Atmosphäre und
mit der direkten Begegnung zum Leser einen wahren Höhepunkt nicht nur
für die Sisters darstellte.

Nähere Informationen zum Bücherherbst in Köln gibt es unter:
http://www.buecherherbst.de. Er findet jedes Jahr Ende August/Anfang
September auf dem Kölner Neumarkt statt.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ingrid Schmitz, geb. 1955 in Düsseldorf, ist freiberufliche Redakteu-
rin, Autorin und Mitherausgeberin der "Rheinleichen"-Anthologie, Emons
Verlag, September 2000. Ihr Krimikurzgeschichtenband: "Brave Männer
leben länger" erscheint im Herbst/Winter 2000, éditions trèves, Trier.


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INTERVIEW:
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                        (mailto:ramona.roth-berghofer at autorenforum punkt de)

                      "Was wäre denn, wenn ...?"
Interview mit Usch Kiausch

Ramona Roth-Berghofer: Sie sind Sciencefiction-Autorin, haben u. a.
Kurzgeschichten in von Wolfgang Jeschke herausgegebenen Anthologien
bei Heyne veröffentlicht. Was hat Sie als Autorin zur in Deutschland
doch sehr skeptisch beäugten Sciencefiction hingezogen?

Usch Kiausch: Ich fühle mich nicht nur zur Sciencefiction, sondern
ganz allgemein zur fantastischen Literatur hingezogen. Das hat damit
zu tun, dass mich - frei nach Nietzsche - das reine Wiederkäuen und
Reflektieren menschlicher, allzu menschlicher Befindlichkeiten im All-
tag, in den Medien, in der Belletristik und in der Kunst nervt. Ich
bin ein lebensfroher Mensch und entdecke gern neue Seiten an mir
selbst und der Welt. Schon als Kind haben mich Abenteuergeschichten
viel mehr interessiert als "Mädchengeschichten". Nicht zufällig habe
ich damals eine "Rote Zora"-Bande gegründet. - Mich reizt das Infrage-
stellen, Verrücken und Extrapolieren dessen, was wir gemeinhin als Re-
alität bezeichnen. Für mich ist die Wirklichkeit nichts anderes als
eine Reihe von Optionen. Nicht nur auf Quantenebene ist die physische
Realität die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Zustands, also keine
feste Größe.

Speziell an der Sciencefiction reizt mich das Spiel mit neuen wissen-
schaftlichen Erkenntnissen, also die alte SF-Frage: Was wäre denn,
wenn ...? Sciencefiction - jedenfalls die für mich interessante -
setzt die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen und sozialen Ent-
wicklungen voraus, für Mainstream-Romane gilt das längst nicht in die-
sem Maße. Sciencefiction erfordert die gründliche Recherche, erweitert
den Blick, bringt einen zum Staunen (was, das gibt´s tatsächlich
schon? Und da sind die bereits dran?). Von der Ausbildung her bin ich
Soziologin und Redakteurin. Erst über den Umweg der Sciencefiction ha-
be ich ein starkes Interesse für die Naturwissenschaften entwickelt.
Das für die Philosophie war vorher da.

Bis ich selbst die ersten SF-Geschichten konzipiert habe, bin ich von
der anderen Seite her an die SF gegangen: als Rezensentin für den
Rundfunk. Das hat das eigene Schreiben nicht erleichtert, sondern er-
schwert. Denn ständig hat mich der Gedanke verfolgt: Das Motiv habe
ich doch bestimmt unbewusst von irgendwem geklaut. Tatsächlich hat die
Amerikanerin Kathy Goonan fast zur selben Zeit wie ich eine motivisch
ähnliche Hawaii-Geschichte geschrieben  (beide Geschichten sind in der
Heyne-Anthologie "Die Vergangenheit der Zukunft" abgedruckt),  ohne
dass wir voneinander wussten. Inzwischen sind wir miteinander befreun-
det. Manche Motive liegen aufgrund äußerer und literarischer Entwick-
lungen einfach in der Luft - das akzeptiere ich inzwischen und kann
freier atmen. Und natürlich wissen wir heute als Dekonstruktivisten,
dass Texte sich immer auf andere Texten beziehen. Literatur ist der
Dialog zwischen Texten und bestenfalls auch mit dem Leser.

Konkret bot sich mir durch meine Arbeit für den Heyne-Verlag die Mög-
lichkeit, drei meiner Geschichten von Wolfgang Jeschke begutachten zu
lassen (schon das ist nicht selbstverständlich, wie wir alle wissen).
Dennoch war ich überrascht, als alle drei recht schnell in den letzten
Jahren veröffentlicht wurden.

RRB: Wie gehen Sie an eine Geschichte heran? Schreiben Sie zunächst
ein Exposé?

UK: Ich erlebe sie erst einmal im Kopf, zumindest Teile davon, meis-
tens aufgrund unmittelbarer Erfahrungen. In meinem Exposé entwerfe ich
Grundzüge der Handlung und der Charaktere, aber natürlich ändert und
erweitert sich vieles während des Schreibprozesses. Beispielsweise
wurde aus der flippigen Performance-Künstlerin Liz ("Soho Generation")
mehr und mehr eine Gnostikerin, weil ich mich in dieser Zeit viel mit
der Gnosis beschäftigt habe. Bei "Eine Zeile von Stevenson" habe ich
bis zuletzt gezögert, Kaiulani sterben zu lassen, weil ich inzwischen
so eng mit ihr befreundet war. - Ich bevorzuge die sehr knappe Form,
deshalb besteht die Überarbeitung weitgehend darin, Redundanzen raus-
zuschmeißen und zu verdichten - ich weiß, dass das vom Leser sehr ge-
naues Lesen verlangt.

RRB: Wie gehen Sie bei Ihren Recherchen vor?

UK: Die Schauplätze kenne ich grundsätzlich sehr gut aus eigener An-
schauung, sonst schreibe ich nicht darüber. Schon am Ort mache ich
viele Notizen und sammle Material - manchmal ergibt sich aus diesem
Material überhaupt erst die Idee für eine Geschichte. Aufmerksam durch
die Gegend zu laufen, habe ich schon während meiner Arbeit als Reise-
journalistin gelernt. Dazu kommt natürlich die Recherche in Bibliothe-
ken, bei bestimmten Einrichtungen etc. Die Recherche für "Eine Zeile
von Stevenson" etwa habe ich sechs Wochen lang "vor Ort", in Hawaii,
betrieben und Tonnen von Material mitgebracht, im Anschluss habe ich
wegen einzelner Fragen mit dem Center for Hawaiian Studies an der Uni
von Honolulu und mit politischen Organisationen dort korrespondiert.
Wichtig war dabei u. a. auch die Einarbeitung in die polynesische My-
thologie. - Bei anderen Arbeiten, beispielsweise meinem Nachwort zu
"Weißer Mars", in dem es viel um Quantenphysik geht, habe ich mich
quer durchs Internet gesurft, bis ich ein Forschungszentrum auftat,
das Material zum "Higgs-Boson" bereitstellen konnte. Natürlich er-
leichtert das Internet heute die Recherche.

RRB: Haben Sie Schreibroutinen oder -rituale? Feste Arbeitsgewohnhei-
ten?

UK: Schreibroutine schon, da ich ja seit vielen Jahren vom Schreiben
lebe. Da mein Schreiben jedoch in völlig unterschiedliche Bereiche
zerfällt - vom Werbetext über Reportagen und Interviews bis zum lite-
raturwissenschaftlichen Essay und der Übersetzung -, ist die Umstel-
lung auf das eigene fiktionale Schreiben nicht immer ganz einfach. Ich
brauche dazu vor allem völlige Stille und ein ungestörtes Wochenende,
sonst brauche ich gar nicht erst anzufangen. Rituale? Um mich warmzu-
schreiben, notiere ich zunächst alle spontanen Einfälle handschrift-
lich auf Papier, dann sortiere ich sie aus und setze mir für den Tag
ein bestimmtes "Plot"-Ziel (bis hierhin will ich die Handlung entwi-
ckeln).. Mein "hauptberufliches" Schreiben, das mir das Geld für die
Miete garantiert, erledige ich meistens zwischen 10 und 17 Uhr, der
Rest ist Nacht- und Wochenendarbeit.

RRB: Woher kommen die Ideen für Ihre Geschichten?

UK: Die meisten Ideen kommen mir auf Reisen - schlicht und einfach
deswegen, weil ich dann ein bisschen mehr Zeit als üblich habe. Statt
ins Allgemeine abzudriften, will ich ein konkretes Beispiel geben:
Auslöser der Geschichte "Eine Zeile von Stevenson"  war das Portrait
einer schönen jungen Frau mit melancholischem Blick, das ich in Lahai-
na in einem Restaurant entdeckte. Ihr Gesicht faszinierte mich so,
dass ich Recherchen anstellte und auf die Biographie der letzten Prin-
zessin von Hawaii, Kaiulani, stieß. Da ich sie gern hatte und nicht
wieder verlieren wollte, beschloss ich, Kaiulani als Kopf der gegen-
wärtigen polynesischen Autonomiebewegung ein neues Leben zu geben. Oft
sehe ich die Charaktere eher vor mir als die spätere Handlung. Ohne
dass ich das bewusst plane, sind es fast immer vielschichtige Frauen,
aus deren Perspektive ich schreibe.

RRB: Wie lange arbeiten Sie (je nach Umfang) an einer Geschichte?

UK: Unsäglich lange: Zwischen der ersten Idee im Kopf und dem Nieder-
schreiben können zwei Jahre liegen, weil ich gleichzeitig so viele an-
dere Projekte verfolge. Aber in der Regel wird dann doch noch was dar-
aus. Der Prozess ist immer der gleiche: Erste Idee im Kopf - Recherche
- langes Liegenlassen - dann schnelles Niederschreiben innerhalb von
fünf bis sieben Tagen. Das Schreiben selbst ist zügig.

RRB: Kennen Sie Schreibblockaden?

UK: Weniger Blockaden als Schwierigkeiten bei der Umstellung im Kopf -
beispielsweise von der Literaturkritik zur eigenen Fiktion.

RRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor/ eine gute Autorin
aus?

UK: Präzision und Originalität der Sprache, das Nutzen unterschied-
lichster Erzählstrukturen und -techniken, Disziplin, großer Wissens-
hintergrund, der assoziatives Denken und Schreiben quer durch unter-
schiedlichste Bereiche erlaubt, Lust zur geistigen Forschungsexpediti-
on, die Fähigkeit, diese Lust an den Leser/die Leserin weiterzugeben,
genaue Beobachtungsgabe, die Fähigkeit, wirkliche Charaktere handeln
zu lassen und dadurch Empathie bei den Lesern zu wecken,  und und ...
und natürlich Leidenschaft für Sprache überhaupt.

RRB: Wer sind Ihre Vorbilder?

UK: Vorbilder trifft´s nicht ganz, ich bin ja nicht größenwahnsinnig.
Aber ich kann Ihnen ein paar Lieblingsautorinnen und -autoren nennen,
die mir gerade kreuz und quer durch den Kopf schießen:
- Hans Chrstian Andersen wegen der "Schneekönigin" und der "Kleinen
Meerjungfrau".
- Marge Piercy, weil sie es schafft, Sciencefiction in den allgemeinen
Kontext fantastischer Literatur einzubetten, beispielsweise verbindet
sie in "Er, Sie, Es" die alte Golem-Geschichte mit der aktuellen SF-
Frage, was den Menschen im Verhältnis zur Künstlichen Intelligenz ei-
gentlich ausmacht.
- Arturo Perez-Reverte, weil er es versteht, postmoderne Texte über
Texte zu schreiben, und daraus auch noch spannende Romane macht.
- Jonathan Carroll, weil er Engel so selbstverständlich durch den All-
tag fliegen lässt, als seien es Glühwürmchen.
- Uwe Johnson wegen seiner Gesine und der "Jahrestage" (mühelos
schafft er den Zeitsprung vom Mecklenburg der 30er Jahre ins New York
der 60er, entwirft leibhaftige Menschen und hat eine bewundernswerte
Montagetechnik).
- Und vor allem natürlich P. K. Dick, der mein Verständnis von Scien-
cefiction at its best am stärksten geprägt hat. Ich glaube, dass Dick
auch mein eigenes Schreiben am deutlichsten beeinflusst hat - das
Spiel mit Realitäten, die Ambivalenz des Ausgangs etc.

Die Liste ließe sich aber noch beliebig fortsetzen - von  A wie Paul
Auster bis zu Z  wie Roger Zelazny.

Ich bin eine ausgesprochene Viel- und Quer-Leserin, auch außerhalb des
beruflichen Lesens.

Im Privatleben habe ich viel von meinem Lebenspartner, dem Künstler
Wolfgang Glass, gelernt, auch wenn ich ihn niemals ein "Vorbild" nen-
nen würde (den Ausdruck hasse ich sowieso). Er ist der kreativste,
fröhlichste und neugierigste Mensch, den ich kenne.

RRB: Welches Ihrer eigenen Werke mögen Sie am liebsten? Warum?

UK: Ich nenne das lieber "meine Arbeiten" oder "meine Texte". An mei-
ner Geschichte "Eine Zeile von Stevenson", die auch für den Kurd-
Lasswitz-Preis nominiert war, mag ich
- dass sie meine Hommage an Stevenson ist
- dass sie meine Hommage an Hawaii, Kaiulani und die polynesische Au-
tonomiebewegung ist
- dass sie meine Hommage an P. K. Dick ist

Diese Geschichte hat mich emotional mehr beschäftigt als alle anderen
bisher und seitdem.

RRB: Sie arbeiten auch als Übersetzerin. Beeinflusst diese Arbeit Ih-
ren Schreibstil?

UK: Ich fürchte, es ist eher umgekehrt: Mein eigener Schreibstil be-
einflusst meine Übersetzungen. Ich hasse Redundanz und liebe stilisti-
sche Präzision. Das bringt mich bei Übersetzungen hin und wieder in
den Zwiespalt: Ist das dem Leser wirklich so zuzumuten, wie es im Ori-
ginal geschrieben ist? Mitunter hat das auch schon zu einer Korrespon-
denz mit dem Autor geführt, in der ich um Erlaubnis für Streichungen
gebeten habe. Einige wurden mir genehmigt, insbesondere weil ich Wie-
derholungen nachweisen konnte. Mein eigener Stil ist eher knapp,
schnell und dicht (manche sagen auch: viel zu komprimiert). Wahr-
scheinlich hängt das  mit meiner langjährigen Arbeit für den Rundfunk
zusammen. Dort waren verquaste Sätze und Redundanz verpönt.

RRB: Welche Tipps haben Sie als Lektorin für den Autorennachwuchs?

UK: Zehnmal so viel Material zur Verfügung haben, wie man dann letzt-
endlich benutzt. Man muss aus dem Vollen schöpfen können und die Din-
ge, über die man schreibt, durch und durch kennen. Nicht mit Romanen
anfangen, sondern mit Fingerübungen. Ich setze mir manchmal zum Ziel,
eine komplexe Geschichte in nicht mehr als fünf Sätzen zu erzählen.
Das hat einen eigenen Reiz, weil man das Freispiel der Fantasie dabei
ganz und gar dem Leser/der Leserin  überlässt.

RRB: Wie schätzen Sie die Veröffentlichungsmöglichkeiten für einen un-
bekannten SF-Autor ein?

UK: Äußerst schlecht, jedenfalls bei größeren Verlagen. Gezielte För-
derung, Aufbauarbeit und Lektoratsarbeit im Interesse junger Autoren
wird dort derzeit aus vielerlei Gründen kaum betrieben. Manche Nischen
sind eher in Kleinverlagen zu finden. (Ein Beispiel: die "Social Fan-
tasies" des Ariadne Verlags.) Für Erstveröffentlichungen kommen auch
halb-professionelle Magazine wie "Alien Contact" in Frage.

RRB: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie im derzeit sehr heiß disku-
tierten "Book on Demand"?

UK: Hauptvorteil: überhaupt zu veröffentlichen. Hauptnachteil: Die
Verlage werden von ihrer Verantwortung für die gezielte Förderung von
Autoren, für die Arbeit mit Autoren, für gründliche Lektorate und Wer-
bemaßnahmen entbunden.

RRB: Was bedeutet Schreiben für Sie?

UK: Zugang zur Welt. Es gibt da einen schönen Satz von Jean Paul Sart-
re (Die Wörter): "Also versuchte ich, die Welt mit der Schlinge meiner
Wörter einzufangen" (oder so ähnlich), so habe ich mein Schreiben im-
mer verstanden.

RRB: Welche Schreib- bzw. Buchpläne möchten Sie unbedingt noch ver-
wirklichen?

UK: Nahziel 1: Meine vor sich hindösenden Halb-Geschichten "Spuck
nicht auf Nietzsche" und "Schwarzes Eis" aus ihrem derzeitigen Koma zu
erlösen.

Nahziel 2: Meine Recherchen zu weiblichen Utopien und Frauen in der
Sciencefiction endlich auf den Punkt zu bringen. Es kann auch ein Dop-
pelpunkt sein, der auf das nächste Projekt hinweist.

Mein Fernziel: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schwei-
gen ... wusste schon ein gewisser Herr Wittgenstein. Jedenfalls habe
ich eines, wie alle, die bislang nur Kurzgeschichten veröffentlicht
haben.

RRB: Welches Buch/Magazin lesen Sie zur Zeit? Und was hat sie davon
beeindruckt?

UK: Gestern habe ich den Roman "Galatea 2.2" von Richard Powers zu En-
de gelesen. Darin geht es um Erinnerung, kognitive Wahrnehmung,  Spra-
che als Zugang zur Welt. Ein Schrifsteller mit Schreibblockade füttert
"Galatea 2.2", eine bestimmte Form der künstlichen Intelligenz, mit
einer Welt aus zweiter Hand, sprich Literatur, und wird dadurch mit
seiner eigenen "Geschichte"  im doppelten Sinn des Wortes  konfron-
tiert. Der Roman thematisiert genau die Fragen, die mich zum Projekt
"Hambacher Visionen" getrieben haben (siehe die nächste Frage), die
Motive liegen offenbar wieder einmal in der Luft. Das Gedicht, das Po-
wers seinem Roman voranstellt, möchte ich als Motto auch auf unserer
Website zum Kongress sehen. Es trifft sehr genau, was mich derzeit be-
schäftigt, und stammt von Emily Dickinson:

The brain is wider than the sky,
For, put them side by side,
The one the other will contain
With ease, and you beside.

The brain is deeper than the sea,
For, hold them, blue to blue,
The one the other will absorb,
As sponges, buckets do.

The brain is just the weight of God,
For, heft them, pound for pound,
And they will differ, if they do,
As syllable from sound.

RRB: Sie haben an Utopie-Kongressen in den USA und Europa teilgenommen
und planen nun für das Jahr 2002 einen Utopie-Kongress unter dem Ar-
beitstitel "Hambacher Visionen" auf dem Hambacher Schloss (Neu-
stadt/Weinstraße). Können Sie uns schon etwas Näheres darüber erzäh-
len?

UK: Der Kongress "Hambacher Visionen" hat den Untertitel "SCIENCE
Meets FICTION - Zukünfte in Wissenschaft und Literatur" und soll am
26./ 27. Oktober 2002 auf dem Hambacher Schloss in Neustadt an der
Weinstraße stattfinden. Eines der Hauptthemen lautet in Anlehnung an
P. K. Dick: "Träumen Roboter von elektrischen Schafen? - Künstliche
Intelligenz und der menschliche Geist", ein weiteres "Leben in der
Matrix - (k)ein Raum für Utopien?" Für mich ist das Projekt die Ver-
wirklichung eines ganz persönlichen Traums, nämlich Wissenschaftler
und Schriftsteller an einen Tisch zu bringen, um über das zu reden,
was unsere Wirklichkeit(en) in den nächsten Dekaden prägen wird. Na-
türlich geht es mir dabei auch darum, die Sciencefiction aufzuwerten,
vom tumben Image zu befreien und dahin zu rücken, wo sie hingehört:
ins wissenschaftlich-philosophische Streitgespräch. In den USA, Eng-
land und auch Frankreich ist ein solcher Austausch zwischen Wissen-
schaftlern und Literaten viel selbstverständlicher als bei uns. Viel-
leicht kann man über einen solchen Kongress auch bei bestimmten Verla-
gen, in der Presse und natürlich allgemein in der Öffentlichkeit ein
neues Interesse an der Sciencefiction wecken - zumindest aber an wis-
senschaftlichen und philosophischen Auseinandersetzungen.

Die Idee zu diesem Kongress hat unglaubliche Resonanz gefunden, schon
jetzt - bisher sind wir ja noch gar nicht richtig in die Öffentlich-
keit gegangen - treffen fast täglich Anfragen bei mir ein. Ich habe
sehr großes Glück gehabt, dass Neustadts Kulturdezernent Lutz Frisch
ein begeisterter Mitstreiter an meinem Wohnort ist. Das Kulturamt Neu-
stadt wird auch Veranstaltungsträger sein. Die Räume im symbolträchti-
gen Hambacher Schloss sind schon reserviert. Ein großer Teil meines
Freundeskreises arbeitet in der Arbeitsgruppe "Hambacher Visionen"
mit, die sich regelmäßig trifft. Derzeit geht es vor allem darum,
Sponsoren zu finden, Landesfördermittel zu bekommen, Vorgespräche mit
möglichen Referentinnen und Referenten zu führen, die inhaltlichen Re-
cherchen voranzutreiben, eine Website vorzubereiten und so weiter. Ein
Full-Time-Job! Und eine teure Angelegenheit, weil wir einen internati-
onalen Kongress machen wollen! Beispielsweise wollen wir gern Douglas
Adams und Roger Penrose als Referenten an einen Tisch bringen. Da wir
alle bislang rein ehrenamtlich arbeiten, muss ich dazu die Nachtstun-
den und Wochenenden nehmen. Aber schon bei diesen Vorarbeiten ist der
Nebeneffekt genau der, den ich mir gewünscht habe: eine Vernetzung von
vielen Menschen, die an diesen thematischen Feldern interessiert sind
oder darin arbeiten und bislang nichts voneinander wussten. Mir ganz
persönlich ist es wichtig, dem allgemeinen Abgesang auf die deutsche
Sciencefiction ein konstruktives Projekt entgegenzusetzen. Oder der
allgegenwärtigen Spaßkultur noch eins draufzusetzen: den Spaß am Den-
ken.

Wer weitere Infos zum Kongress haben will, kann mich gern anmailen:
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Unsere Website wird frühestens im Spät-
jahr geschaltet.

RRB: Gibt es irgendetwas, das Sie dem Autorennachwuchs besonders an
Herz legen wollen?

UK: Einige Zeilen des britischen Sciencefiction-Autors Brian Aldiss
(der für Hambach bereits zugesagt hat):

I think
Therefore I am.
I dream
Therefore I become.

RRB: Danke für dieses Interview.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Usch Kiausch, Mitglied der Int. Association for the Fantastic in the
Arts, arbeitet als freie Publizistin, Lektorin, Übersetzerin und Auto-
rin vor allem auf dem Gebiet der Sciencefiction und leitet auch
Workshops. Veröffentlichungen u. a. in den Heyne-SF-Anthologien "Die
Pilotin", 1994, "Die Vergangenheit der Zukunft", 1998, "Winterflie-
gen", 1999, und in Heynes "Das Sciencefiction Jahr" (Bände 1990 bis
2000).


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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  Dark Fantasy: Martin Knöpper
                                   mailto:darkfantasy at autorenforum punkt de
  Drehbuch: Christian Lück
                                mailto:drehbuchdoktor at autorenforum punkt de
  Historischer Roman: Titus Müller
                            mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de
  Kinderbuch: Gabi Neumayer
                                    mailto:kinderbuch at autorenforum punkt de
  Lyrik: Titus Müller
                                         mailto:lyrik at autorenforum punkt de
  Krimi: Monika Niehaus-Osterloh
                                 mailto:krimiexpertin at autorenforum punkt de
  Sachbuch allgemein: Gabi Neumayer
                                      mailto:sachbuch at autorenforum punkt de
  Sachbuch Medizin/Psychologie: Maja Langsdorff
                                      mailto:med.psych at autorenforum punkt de
  Schreibgruppen: Ute Hacker
                                mailto:schreibgruppen at autorenforum punkt de
  Sciencefiction: Andreas Eschbach
                                      mailto:sf-autor at autorenforum punkt de
  Übersetzung: Barbara Slawig
                                 mailto:uebersetzerin at autorenforum punkt de
  Verlagswesen: Bjørn Jagnow
                                  mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN, BUCHHANDEL & MARKETING:
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                    Bjørn Jagnow (mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de)

Frage:
Ich habe gerade einen ersten Entwurf eines von mir geschriebenen Fach-
buchs abgeschlossen. Es handelt sich um einen speziellen Reiseführer.
Meine Frage ist jetzt, welcher nächste Schritt zu tun ist. Mir sind
ein paar Verlage bekannt, die wahrscheinlich an dieser Art Fachbücher
interessiert sind, möchte allerdings meine Idee (Manuskript) nicht oh-
ne weiteres aus der Hand geben, d. h., ohne es geschützt zu wissen.

Ich bin sicher, dass ein Markt für meine Idee (diesen themenbezogenen
Reiseführer) in Deutschland existiert, habe aber Bedenken, dass, wenn
ich mein Manuskript an jemanden schicke, dieser mir eine freundliche
Ablehnung entgegenbringt, dann aber selbst die Idee aufgreift und wei-
terverarbeitet.

Meine Frage ist: Muss oder sollte ich meine Idee für den Reiseführer
schützen lassen oder das komplett fertig gestellte Buch? Es wäre nett,
wenn Sie mir Informationen über Copyright geben könnten, auch darüber,
wohin ich mich am besten wende, d. h., wie ich insgesamt vorgehen
soll. Wenn Sie mir meine Mail beantworten würden, wäre ich sehr dank-
bar, denn Sie würden mir sehr helfen.

Antwort:
In Deutschland ist Ihr Werk automatisch urheberrechtlich geschützt,
sofern Sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder aus einem
Land stammen, das entsprechende völkerrechtliche Verträge mit Deutsch-
land geschlossen hat (USA, EU etc.). Als Werk gilt allerdings nur die
jeweilige Ausführung - nicht die Grundidee selbst -, so dass Plagiate
sehr viel schwerer nachzuweisen sind.

Im konkreten Fall ist die Sorge also nicht unbegründet, dass man Ihr
Manuskript ablehnen und die Idee dahinter übernehmen könnte. Die Idee
selbst lässt sich aber nicht schützen! Sie können also entweder ganz
darauf verzichten, mit Verlagen in Kontakt zu treten, oder das Risiko
eingehen. In der Regel kommt es den Verlag ohnehin teurer, Ihre Idee
neu produzieren zu lassen, als Sie selbst unter Vertrag zu nehmen.

__________

Frage:
ich habe gerade meinen zweiten Roman (Unterhaltungsliteratur - aber
nicht platt) geschrieben und möchte jetzt natürlich auch veröffentli-
chen. Ich habe weder Beziehungen noch Ahnung, wie ich einen Verlag für
meine Projekte begeistern könnte, bin aber auf eine interessante Al-
ternative gestoßen: Books on demand bei Libri. Hast du eventuell einen
Tipp für mich, wie ich einen Verlag - in diesem Fall eben Selbstverlag
- gründen kann? Ich bin nicht ganz ahnungslos, da ich in der DTP-
Abteilung einer Druckerei arbeite, aber Verlagswesen ist mir fremd.

Oder sollten Erstlinge eher die Finger davon lassen, sich ohne fachli-
che Hilfe an ein solches Unterfangen zu wagen? Ich bin auch an deiner
persönlichen Meinung interessiert, als Schriftsteller kannst du dir
bestimmt vorstellen, was in meinem Kopf so alles vor sich geht.

Antwort:
Um einen Verlag für die eigenen Werke zu gründen, braucht es nicht
viel. Man sagt einfach "Jetzt geht’s los", und schon ist der Selbst-
verlag gegründet. Man benötigt keinen Gewerbeschein oder Eintrag im
Handelsregister. Dank dem Grundrecht, seine Meinung frei äußern zu
dürfen, sind keine Bedingungen zu erfüllen.

Trotzdem benötigt man natürlich Startkapital in mehr oder minder gro-
ßem Umfang. Bei www.bod.de hängen die Investitionen für die Publikati-
on direkt mit der Seitenzahl des Buches zusammen. "Dicke" Manuskripte
sind meist billiger im regulären Druckverfahren zu realisieren. Ich
würde auf jeden Fall ein Vergleichsangebot einholen.

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Libris bod nicht nur den
Druck, sondern auch die Auslieferung stellt, die man beim klassischen
Druck selber leisten muss. Eine gute Kalkulation ist also die halbe
Miete - ein Marketingkonzept die andere Hälfte.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Björn Jagnow ist Verlagskaufmann, Buchhändler und Verlagsfachwirt
(Marketing). Er hat belletristische Arbeiten bei Heyne, Bastei-Lübbe
und in "c’t magazin für computertechnik" veröffentlicht. Beiträge zu
Buchhandel und Marketing erschienen u. a. im "BuchMarkt" und in Hori-
zonts "Netmarketing". Ein Leseprobe seines Fantasy-Romans "Wilde Jagd"
gibt es unter
         http://www.bjoernjagnow.de/belletristik/buch/wilde-jagd.html.
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