Ausgabe 2-2 (20. Februar 2000)

Vorstellung
    "WWW.WARP-ONLINE.DE - Eine gute Adresse für Autoren!"
Leserbrief
Marketingideen
Autorenwissen:
    "Ideen entwickeln mit dem MindManager" von Ulrike Rudolph
    "Wie gründe ich eine Schreibgruppe? (3)" von Ute Hacker
Schreibkurs: "Dialog - Teil 2" von Ramona Roth-Berghofer
Interview mit Sylvia Englert
Frag den Experten für Verlagswesen, Buchhandel & Marketing
    (Bjørn Jagnow)
Frag den Lyrikexperten (Titus Müller)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

mit dieser Ausgabe des Tempest verabschiede ich mich aus dem Tagesge-
schäft des Tempest. Meine Promotion geht in die "heiße Phase". Daher
kann ich meinen Verpflichtungen dem Tempest gegenüber nicht so nach-
kommen, wie ich das gerne möchte und wie es euch zusteht.

Meine Nachfolge tritt Gabi Neumayer an. Gerne gebe ich an sie die Re-
daktion des Tempest ab. Ihre Erfahrungen als freiberufliche Lektorin
und Redakteurin einer Zeitschrift werden dabei helfen, den Tempest zu
DEM Newsletter für Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum
zu machen.

Nun aber noch ein paar Worte zum Inhalt:

Unser Aufruf im letzten Tempest fand ein klägliches Echo. Von den Le-
serbriefen, die wir zu Tausenden täglich erhalten (Vorsicht: Das ist
eine Übertreibung :-]), haben wir einmal einen herausgegriffen, der
für alle von Interesse sein dürfte. Auch einen Artikel, der nicht aus
der Redaktion stammt, können wir in dieser Ausgabe präsentieren. Aber
das war’s dann auch schon.

Habt ihr keine Fragen an die Experten? Ist dieser Service überflüs-
sig? Habt ihr keinerlei Ideen, wie ihr euch besser selbst vermarkten
könnt? Hat davon noch nichts funktioniert? Wollt ihr dann nicht wis-
sen, woran das eventuell lag? Habt ihr keine Erfahrungen gemacht, die
anderen helfen könnten, einen Fehler zu vermeiden und es besser zu
machen?

Das kann doch unmöglich sein.

Also schreibt uns.

Wenn ihr nicht sicher seid, ob etwas einen Artikel wert ist, fragt
uns. Per E-Mail ist das nun wirklich keine große Sache, oder?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Gabi mit einer Flut von Artikeln
begrüßt.

Thomas Roth-Berghofer
Chefredakteur


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ISSN 1439-4669 Copyright 2000 Autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
Editorial
Inserate
Offerte
Termine
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
Vorstellung
"WWW.WARP-ONLINE.DE - Eine gute Adresse für Autoren!"
Leserbrief
Marketingideen
Autorenwissen:
"Ideen entwickeln mit dem MindManager" von Ulrike Rudolph
"Wie gründe ich eine Schreibgruppe? (3)" von Ute Hacker
Schreibkurs: "Dialog - Teil 2" von Ramona Roth-Berghofer
Interview mit Sylvia Englert
Frag den Experten für Verlagswesen, Buchhandel & Marketing
(Bjørn Jagnow)
Frag den Lyrikexperten (Titus Müller)
Impressum

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INSERATE:
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WARP-ONLINE - WARP-online sucht Autoren!
Du liebst Sciencefiction, Fantasy, Mystery und Horror? Und du
schreibst Geschichte und Artikel dazu? Dann ist die Fan-Seite
WARP-online mit dem ständigen Wettbewerb ’Halle der Kometen’
bestimmt das Richtige für dich!
Wir wollen die ganze Vielfalt des kreativen Fandoms in einer
schönen Sammlung zeigen. Hier kannst du deine Arbeiten unter
Gleichgesinnten präsentieren.
Website: http://www.warp-online.de
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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FEDERWELT - Die beiden Autoren-Zeitschriften "Federwelt" und "Die
Schublade" sind seit der Ausgabe Februar/März unter dem Namen
FEDERWELT fusioniert. Die FEDERWELT bietet eine Menge prakti-
scher Hilfen und Informationen an, erscheint zweimonatlich und
wird europaweit versandt. Ein Jahresabonnement (6 Ausgaben)
kostet 29,- DM inkl. Porto und Versand.
Weitere Infos: http://www.federwelt.de

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SOLAR X sucht immer noch Rezensenten für etliche seiner Bücher.
Wer denkt, dass er/sie gerne eines der Werke lesen und besprechen
möchte, melde sich bitte bei http://rz.-uni-leipzig.de/asfc bzw.
der E-Mail-Adresse mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (Heiko Müller).

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PLOT POINT erhält laufend Anfragen hinsichtlich Praktika für
Neueinsteiger(innen) im Produktions- und Redaktionsbereich. Plot
Point bittet deshalb darum, freie Stellen unter
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit Nennung des/der zuständigen
Ansprechpartners/-partnerin mitzuteilen.

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MENHIR - Der Menhir plant fürs laufende Jahr eine Anthologie mit
Spinnen als Helden!
Fabeln, Fantasy, SF, Horror, Phantastik, Lyrik, Märchen ...
können auf Diskette oder als Attachment an E-Mails eingereicht
werden. Für gesuchte Texte gilt eine Einschränkung: Spinnen
sollen positiv dargestellt werden, nicht als eklige Monster oder
Mörderspinnen, und die Pointen möglichst überleben. Der nützliche
Aspekt der Arachniden z. B. kann thematisiert werden. Mitarbeiter
erhalten ein freies Belegexemplar. Mehr Infos bei:
Menhir c/o Linda Budinger, Am Beckers Busch 18, 42799 Leichlingen
oder per E-Mail: mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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MASKENBALL - Zeitschrift für Literatur! Wir veröffentlichen
monatlich 20 bis 40 AutorInnen. Essays, Texte, Gedichte
und Kurzgeschichten.
Aktuelle Ausgabe 5,- DM + 1,50 DM Porto, Jahresbezug
(12 Ausgaben) 60,- DM inkl. Versand
Bezug: Maskenball c/o Jens Neuling, Postfach 12 61,
63514 Rodenbach

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BY INFERNO’S LIGHT - Dominion-Zine (Deep Space Nine) sucht noch
Kurzgeschichten (2-10 Seiten), Gedichte, Sachartikel, Humorvol-
les, Zeichnungen und sonstige Beiträge (auch Beiträge von Föde-
rierten zur Dominion-Thematik werden gerne gesehen). Zusendungen
bitte per Diskette im Format TXT oder DOC (Word 6.0/95).
Unter der angegebenen Kontaktadresse könnt ihr auch eine
Informationsbroschüre über "By Inferno’s Light" anfordern. (Bei
postalischen Anfragen jedoch bitte nicht das Rückporto von
1,10 DM vergessen!)
Kontakt: Curtis Nike, Postfach 61 02 30, D-10923 Berlin,
Tel./Fax: 030 - 69 50 99 13


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OFFERTE: "EINFÜHRUNG INS DREHBUCHSCHREIBEN"
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Autorenforum.de veranstaltet weitere Drehbuchseminare. Christian
Lück, Drehbuchdoktor und Autor verschiedener Spielfilm- und
Kurzfilmproduktionen, bietet seine Einführung ins Drehbuchschreiben
erneut an.

Termine:
10. bis 12. März in Trier und
12. bis 14. Mai in Ulm

Weitere Informationen gibt es unter der Rubrik OFFERTEN auf unserer
Website.


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TERMINE:
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(siehe http://autorenforum.de/links/termine/index.html)


31. März 2000
Werkstattseminar: "Dichte - Texte"
Unter der Regie des Suhrkamp-Autors Werner Fritsch soll versucht
werden, Texte in möglichst kompimierter Form, "Dichte - Text"
also, zu erstellen. Darüber bietet das Seminar ein Professionali-
sierungsangebot. So werden Fragen der Art, wie man ein Exposé für
den Verlag schreibt oder wie man an ihn herantritt, im Seminar
behandelt.
Einsendeschluss: 31.03.2000
Infos/Kontakt: Literaturbüro NRW e. V., Bolker Str. 53,
40213 Düsseldorf, Tel. 0211/828 45 90, Fax: 0211/828 45 93,
E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder über die
Website http://www.rp-online.de/duesseldorf/literaturbuero.nrw


AUSSCHREIBUNGEN:
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(siehe http://autorenforum.de/links/termine/index.html)

15. Mai 2000
HATTINGER FÖRDERPREIS 2000: Die KUBISCHU (Kultur- und Bildungsko-
operative Schulenburg Hattingen e. V.) vergibt in diesem Jahr zum
zehnten Mal Förderpreise an junge Autorinnen oder Autoren. Die
10. Hattinger Literatur-Tage finden statt vom 25. August bis zum
24. September 2000.
Teilnahmeberechtigt sind junge Autorinnen und Autoren, die im
Jahr 2000 zwischen 16 und 25 Jahre alt sind. Sie können für eine
öffentliche Lesung literarische Texte jeder Art in deutscher
Sprache einreichen (Umfang bis maximal 5 DIN-A4-Seiten bei
1 1/2zeiliger Schreibweise, einseitig maschinengeschriebene Form,
1 Exemplar, ungeheftet).
Eine Jury wählt aus diesen Einsendungen die Autorinnen und
Autoren (in der Regel acht) für eine öffentliche Lesung während
der Literatur-Tage aus und vergibt einen Jurypreis. Die dann
anwesenden Zuhörer stimmen zusätzlich über einen Publikumspreis
ab.
Den Eingeladenen wird das Fahrgeld erstattet; sie sind am Tag der
Lesung Gäste der KUBISCHU. Daneben sorgt die KUBISCHU, falls
nötig, für eine Übernachtungsmöglichkeit. Der Preis besteht aus
einer von der KUBISCHU organisierten und bezahlten Lesung der
Preisträger im Frühjahr 2001.
Bewerbungen um den Hattinger Förderpreis sind zu richten an:
KUBISCHU PF 800523 45505 Hattingen
Einsendeschluss ist der 15.5.2000. Eine Eingangsbestätigung
erfolgt nur auf besonderen Wunsch mit Rückporto, doch erhalten
alle Einsender nach Abschluss der Juryauswertung im Juni eine
Mitteilung. Eine Rücksendung der Texte erfolgt nur auf Wunsch und
mit beigelegtem, frankierten Rückumschlag.
Kontaktanschrift: Hellmut Lemmer, Otto-Hue-Str. 3,
45525 Hattingen/Ruhr; 02324/22170

10. März 2000
"Zerrissen und doch ganz"
Die Fittinge e. V. (Arbeitsgemeinschaft für die Integration
behinderter und nicht behinderter Menschen) veranstalten im Jahr
2000 mit Unterstützung der Minden Marketing GmbH und der Stadt
Minden "Zerrissen und doch ganz", ein Kulturfestival behinderter
und nicht behinderter Menschen in Minden. Der für das Jahr 2000
ausgeschriebene Literaturwettbewerb ist Teil dieser künstleri-
schen Veranstaltungsreihe.
Ausgewählte Beiträge werden in eine Anthologie aufgenommen, die
unter dem Titel "Zerrissen und doch ganz" im September 2000 im
Karin-Fiser-Verlag Aachen erscheint. Außerdem wird an ein bis
drei SchriftstellerInnen der Anthologie ein Literaturpreis,
dotiert mit 10.000 DM, vergeben. Teilnahmeberechtigt sind
AutorInnen, die behindert sind oder die sich mit dem Thema
Behinderung auseinander setzen.
Einsendeschluss: 10.03.2000
Infos/Kontakt: Die Fittinge e. V., Roderbecker Str. 11,
32423 Minden, Tel./Fax: (05 71) 829 11 77

15. März 2000
Literaturförderpreis Lionsclub Hamburg-Moorweide
Der Lionsclub (LC) Hamburg Moorweide vergibt einen Förderpreis in
Höhe von 3.000 DM plus Sachleistungen im Wert von ca. 2.000 DM
für eine unveröffentlichte Kurzgeschichte zum Thema "Dorf und
Dörflichstes".
Einsendeschluss: 15.03.2000
Infos/Kontakt: LC Moorweide, c/o Frank Beteiligungsgesellschaft,
z. H. H.-J. Schauenburg, Fuhlsbütteler Str. 216, 22307 Hamburg

24. März 2000
Vierter Klagenfurter Literaturkurs
Vom 25. bis 28. Juni 2000 veranstalten die Kulturabteilung der
Stadt Klagenfurt und das ORF Landesstudio Kärnten den Vierten
Klagenfurter Literaturkurs, zu dem zehn AutorInnen eingeladen
werden.
Einsendeschluss: 24.03.2000
Infos/Kontakt: Robert-Musil-Literaturmuseum, z. H. Dr. Heimo
Strempfl, Bahnhofstr. 50, A-9020 Klagenfurt
E-Mail-Adresse: mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel. (0043) 463 - 50 14 29
Weitere Informationen auch über: http://www.musilmuseum.at


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PUBLIKATIONSMÖGLICHKEITEN:
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"Zeitriss", die Literaturzeitschrift aus Augsburg, sucht für die
nächsten Ausgaben Lyrik (max. 10 Gedichte) und Kurzprosa (max. 10
Seiten), aber auch S/W-Fotos und Grafik. Anliegen der Zeitschrift
ist es, gerade auch im Dialog mit anderen Kunstformen wie Grafik,
Fotografie und Musik ein formal wie inhaltlich breites Spektrum
literarischen Schaffens vorzustellen.
Alle Einsendungen nur in Kopie! Die Hefte sind an keine vorgege-
benen Themen gebunden. Bitte Kurzbiographie beilegen.
Rücksendungen nur gegen ausreichendes Rückporto. Für veröffent-
lichte Beiträge gibt es Belegexemplare. Honorare können nicht
gezahlt werden.
Einsendungen an:
Zeitriss, Blätter zur Sprachbewegung, Postfach 10 26 07,
86016 Augsburg

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"Der Wandler", Zeitschrift für Literatur aus Konstanz, nimmt
Manuskripte (Prosa, Lyrik, Experimente) und Grafik/Fotos entgegen
(max. 5-10 Seiten, Diskette mit Ausdruck willkommen). In der Re-
gel keine Themenbindung. Das Copyright bleibt beim jeweiligen
Autor bzw. Künstler. Auch bereits Veröffentlichtes oder Romanaus-
züge werden angenommen. Rücksendungen nur bei Rückpor-
to/Rückumschlag.
Weitere Informationen: Wandler, Postfach 10 23 43,
78423 Konstanz, Tel. (0 75 31) 7 49 57.

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"MajA", das (Literatur-)Magazin junger Autoren, sucht Kurzge-
schichten, Kurzprosa, Lyrik, Illustrationen etc. Es gibt keine
Themenvorgabe, doch sollten die Texte (in 2facher Ausführung
eingereicht!) dem Anspruch genügen, auch für solche Leser
spannend und reizvoll zu sein, die kein literaturwissenschaftli-
ches Studium abgeschlossen haben. Für Rückfragen bitte frankier-
ten Rückumschlag beilegen.
Einsendungen an: MajA, c/o Alexander Hoffmann-Kuhnt,
Rappenhaldestr. 7, 72760 Reutlingen, Tel. (0 71 21) 30 00 58

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"Perspektive", Hefte für zeitgenössische Literatur, nimmt Beiträ-
ge entgegen. Das Copyright verbleibt bei den AutorInnen. Die
Gruppe Perspektive experimentiert mit Möglichkeiten literarischer
Avantgarde/n im postmechanischen Zeitalter.
Mehr Infos/Einsendungen: Perspektive Berlin, c/o Ralf B. Korte,
Lenbachstr. 22, 10245 Berlin, Tel. (0 30) 294 04 11

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"Zenit", die Literaturzeitschrift aus Wien, sucht für die nächs-
te Ausgabe Texte aller Art zu dem Thema "Farben"
(Ausgabe 2/2000). Redaktionsschluss ist das Ende des vorangegan-
genen Quartals (31.03.2000).
Einsendungen an:
Zenit, c/o Lenka Nyklova, Postfach 635, A- 1071 Wien

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"Die Rampe", Literaturzeitschrift aus Linz, nimmt Beiträge entge-
gen. Für das Heft 2/2000 gibt es keine Themenvorgaben.
Einsendeschluss: 01. März 2000.
Für das Heft 3/2000 lautet das Thema "(Film-)Sequenzen".
Einsendeschluss: 15. April 2000
Einsendungen an: Die Rampe, Spitelwiese 4, A-4010 Linz

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"erostepost", die Salzburger Literaturzeitschrift, sucht Texte
aus den Bereichen Lyrik und Kurzprosa sowie Auszüge aus längerer
Prosa.
Einsendungen an: erostepost, Literaturhaus Salzburg,
Strubergasse 23, A-5020 Salzburg


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VORSTELLUNG:
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(In dieser Rubrik stellen sich ausgewählte Literaturzeitschriften,
Literaturbüros, kulturelle Einrichtungen etc. selbst vor.)


WWW.WARP-ONLINE.DE
Eine gute Adresse für Autoren!
von Thomas Kohlschmidt

Das Internet explodiert jeden Tag ein Stückchen weiter. Uns bieten
sich immer neue Projekte auf vielen bunten Seiten. Oftmals ist ein
erstaunliches Universum nur einen Mausklick entfernt, trennt uns le-
diglich ein läppisches WWW vom Eintauchen in einen Sog aus Eindrü-
cken. Und als Autor kannst du jederzeit zu neuen Ufern aufbrechen.

Wie wär’s mal mit WARP-online? -
Komm in die "Halle der Kometen"!

Dieser Slogan war mir und meinen drei Freunden Bernd, Volker und
Klaus schon länger im Kopf herumgegeistert.

Wir waren schon seit Jahren von der modernen Welt der Telekommunika-
tion fasziniert gewesen und hatten zusammen mit anderen dabei sein
wollen. Nur hatten uns bisher leider Gelegenheit, Zeit und die nötige
Hard- und Software gefehlt, um uns in das lustige Getümmel werfen zu
können. Doch dann gab es einige Veränderungen:

Nachdem wir über 7 Jahre lang in Vorstand und Redaktion der "United
Federation of Star Trek Fans" am Fanzine WARP mitgearbeitet hatten,
sind wir ausgeschieden. Wir wollten unsere Fandom-Erfahrung nun end-
lich in einem Online-Projekt weiterentwickeln, das sich mit der gan-
zen Palette der Fantastik beschäftigt.

Wir beschafften uns die nötigen PCs, Programme und Handbücher
(seufz). Und wir begannen, unsere Ideen in ein Konzept zu fügen, von
dem wir uns versprechen, dass es vielen Leuten Spaß machen wird.

Da wir selber begeisterte Hobby-Autoren sind, sollte das Ganze auf
jeden Fall neue Dimensionen des Schreibens eröffnen, für uns und an-
dere Barden. Jetzt steht das Ergebnis im Netz und lädt dich zum Stö-
bern und Mitmachen ein: die Fantastik-Website WARP-online.

WARP-online ist eine nichtkommerzielle Sammlung von Fan-Beiträgen und
Fandom-Wegweiser zugleich: Auf dieser Seite sammeln wir alle Ge-
schichten, Artikel, Bilder, Comics, Rätsel u. Ä., die den Fans zu den
Gebieten "Sciencefiction", "Fantasy" und "Mystery" eingefallen sind
und die sie zusammen mit Gleichgesinnten in einem netten Rahmen prä-
sentieren wollen.

Wir fanden es schon seit jeher schade, dass viele schöne Geschichten
und Artikel nur eine Zeit lang in Fanzines gelesen werden konnten und
dann in der Versenkung verschwanden. Bei uns sollen sie auf Dauer al-
le Freunde des Fantastischen erfreuen können.

WARP-online entwickelt sich mit jeder Zusendung und von Update zu Up-
date immer weiter. Je mehr kreative Menschen mitmachen, desto schöner
und vielfältiger kann sich die Fantastik von allen Seiten zeigen. Wir
wünschen uns einen schillernden Regenbogen der Ideen, der immer
prächtiger wird und bei dem viele Autoren und Grafiker aller Stile
teilhaben.

Um dem Ganzen noch ein wenig sportliche "Dramatik" zu verleihen, ha-
ben wir bei WARP-online ganz frisch den Wettbewerb "Halle der Kome-
ten" eingeführt. In regelmäßigen Abständen (etwa so alle 4 Wochen)
wählt die Redax eine besonders interessante, gelungene oder ungewöhn-
liche Zusendung aus dem Inhalt der Updates aus, und stellt sie als
"Beitrag des Monats" auf einer hervorgehobenen Seite ins Netz. Dazu
wird auch ein kleiner Kommentar von uns geschrieben, warum uns diese
Fan-Idee/Umsetzung so gut gefällt. (Natürlich kann sich jeder Au-
tor/Künstler auch selbst mit einer kleinen Vita vorstellen und/oder
seine Arbeiten kommentieren).

Du bist jederzeit herzlich dazu eingeladen, zu den Autoren/Künstlern
von WARP-online zu stoßen und deine persönliche "Handschrift" in die
Runde einzubringen!

Außerdem ist WARP-online eine Navigationshilfe durch das ganze Spekt-
rum des Fandoms. Wir freuen uns sehr darüber, wie viele Projekte,
Klubs, Stammtische, Autorenteams, Info-Ringe usw. es für SF/SciFi,
Fantasy und Mystery gibt. Um aber bei der Vielfalt nicht hoffnungslos
die Orientierung zu verlieren, bieten wir allen Reisenden im Daten-
kosmos den Service an, mit Hilfe unserer Rubriken und Instrumente be-
quem zu navigieren. Unter "Infos und Treffs" sammeln wir z. B. Din-
ner-Termine, Klub-Vorstellungen und andere wissenswerte Punkte aus
dem On- und Offline-Fandom. Unter "Szene-Transmitter" finden sich
Links zu interessanten Fan-Adressen, Basis-Seiten der einzelnen Sze-
nen (Akte X, XENA, Dr. Who, Perry Rhodan, Tolkien, Star Wars), und zu
verwandten Gebieten wie z. B. Astronomie und Raumfahrt gibt es eben-
falls Verbindungen (NASA, Hubble etc.). Selbstverständlich sind hier
auch Autoren-Klubs und -Projekte vertreten. Das Ganze wird wohlsor-
tiert angeboten.

Hast du Lust bekommen, mehr über WARP-online zu erfahren und dir ei-
nen eigenen Eindruck zu verschaffen?

Dann spring doch schnell mal rüber.

Unsere Adresse ist http://www.WARP-online.de. Die E-Mail-Adresse lau-
tet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Es wäre schön, wenn wir dich bald als regelmäßigen Besucher oder so-
gar in unserem Autoren-Team begrüßen könnten!


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LESERBRIEFE:
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mailto:leserbrief at autorenforum punkt de

Hallo,

erst einmal muss ich sagen, dass ich Autorenforum.de für fantastisch
halte. Seitdem ich das Autorenforum "wieder" entdeckt habe, verbringe
ich die letzten Tage damit, alles zu lesen, was es dort zu lesen
gibt. Gerade der Schreibkurs war für mich als - wie könnte es anders
sein, wenn man das Autorenforum liest - Hobbyschreiberling sehr wert-
voll.
Doch eine Frage habe ich:
Selbstverständlich ist mir als Neuling klar, dass man bei großen Ver-
lagen erst gar nicht vorstellig werden muss mit einem Skript, wie
auch die Inhaberin des FABYLON-Verlags (Uschi Zietsch) im Interview
geraten hat, sich an mittelständische Verlage zu wenden.
Doch das Problem dabei ist: Woran erkennt man einen mittelständischen
Verlag? Oder auch einen Kleinverlag? Könntet ihr mir vielleicht net-
terweise die Adresse des Fabylon-Verlages mitteilen?!

Vielen Dank,
Jochen Lipps


Lieber Jochen,

über deinen Leserbrief haben wir uns sehr gefreut, auch darüber, dass
dir der Schreibkurs so gut gefällt. Deine Frage, wie man denn nun ei-
nen mittelständischen Verlag oder einen Kleinverlag erkennt, haben
wir an unseren Experten für Verlagswesen, Bjørn Jagnow, weitergelei-
tet.
Noch eine Anmerkung zum Interview mit Uschi Zietsch: Uschi wies dabei
auf den Punkt hin, dass die Chance, überhaupt ein Feedback für ein
eingesandtes Manuskript zu bekommen, bei einem mittelständischen Ver-
lag wesentlich größer ist als bei den großen.

Ramona Roth-Berghofer

P.S.: Die Adresse des Fabylon-Verlages lautet wie folgt: Fabylon-
Verlag, Forststraße 10-12, 80997 München


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MARKETINGIDEEN:
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Gabi Neumayer [mailto:marketing.ideen at autorenforum punkt de]


Netzwerken

Seit einigen Jahren wird es immer populärer: das Netzwerken oder
"Networking". Man kennt sich, man hilft sich, man bündelt Energien
und erreicht zusammen mehr - wenn man aktiv "netzwerkt". Einige Ideen
und Tipps dazu haben wir hier zusammengestellt (weitere schickt ihr
hoffentlich bald!).


Bestehende Kontakte nutzen

Für den Autor, die Autorin ist es in jedem Fall lohnend, sich erst
einmal über die Kontakte klar zu werden, die man schon hat:
- die Redakteurin einer Fachzeitschrift, in der eine Rezension des
Buches erscheinen könnte
- der Lehrer, der das Kinderbuch vielleicht in der Schule vorstellt
oder es sogar in den Unterricht einbaut
- die Nachbarin, die an der Volkshochschule unterrichtet
- der befreundete Autor, der mit seinen Kontakten weiterhelfen kann


Spezielle Netzwerke

Außerdem kann man sich gezielt in Netzwerken engagieren, die den ei-
genen Interessen am nächsten kommen. Für Autorinnen können das bei-
spielsweise die BücherFrauen sein und für alle, die Krimis schreiben,
das Syndikat und/oder die "Sisters in Crime - German Chapter", für
alle Schreibenden auch die IG Medien, der Verband deutscher Schrift-
steller - und es gibt noch viele mehr. Ob Kinder-, Sach- oder Dreh-
buch: Es existieren zahlreiche Netzwerke unterschiedlicher Größe und
mit verschiedenen Schwerpunkten. Informiert euch am besten über das
Internet oder auch über Verbände und Netzwerke, die ihr bereits
kennt. (Und wenn ihr nicht fündig werdet: Vielleicht gründet ihr
selbst ein neues Netzwerk?)

Was man von einem Netzwerk erwarten kann, hängt entscheidend davon
ab, wie viel Engagement man aufbringt. Daher ist der persönliche Nut-
zen, den man aus einem Netzwerk ziehen kann, nicht unbedingt größer,
je größer das Netzwerk ist. Tatsächlich sind besonders große Verbände
meist auch besonders bürokratisch - andererseits verfügen sie oft po-
litisch über ein größeres Gewicht.


Netzwerke nutzen

Euer neues Buch erscheint demnächst oder ist soeben erschienen. Wie
könnt ihr eure Netzwerkkontakte nutzen, um es bekannt zu machen? Da-
für gibt es eine ganze Menge von Möglichkeiten; hier eine kleine Aus-
wahl:

- Publikationen
Viele Netzwerke - auch sehr kleine - bringen eigene Publikationen
heraus, meist zumindest regelmäßige Newsletter, manchmal auch Fest-
schriften und mehr. Aktivitäten und/oder Bücher von Mitgliedern kön-
nen darin in der Regel vorgestellt werden. Schreibt also eine Rezen-
sion eures Buches für die geeigneten Netzwerk-Publikationen (und
richtet euch in Länge und Form nach den Vorgaben!). Oder schreibt an-
dere Beiträge für diese Publikationen - auch das bringt Bekanntheit,
und manchmal könnt ihr auch darin direkt auf eigene Bücher hinweisen
(wie es zum Beispiel im "Tempest" in der kurzen Selbstvorstellung am
Ende eines Beitrags möglich ist!).

- Internet
Viele Netzwerke sind auch inzwischen mit einer Homepage im Internet
vertreten. Die Vorstellung eures neuen Buches dort (oder ein Hinweis
darauf) erreicht auch potentielle Leserinnen und Leser außerhalb des
Netzwerks. Eine andere Werbemöglichkeit, die sich "netzwerkend" be-
sonders gut nutzen lässt, ist die der gegenseitigen Rezensionen. Gro-
ße Internetbuchhandlungen wie Amazon.de bieten Lesenden (und auch den
Autorinnen und Autoren - dazu demnächst mehr!) die Möglichkeit, Re-
zensionen ins Netz zu stellen. Wer also das eine oder andere Buch ei-
nes Netzwerkmitglieds dort bespricht, kann auch damit rechnen (und
gezielt darum bitten), dass das eigene Buch ebenfalls besprochen
wird. (Was ihr außerdem noch im Internet zur Vermarktung unternehmen
könnt, ist Thema in einer der nächsten Ausgaben des "Tempest".)

- Kontakttausch
So wie ihr persönlich einige Kontakte habt, die ihr nutzen könnt (s.
Anfang dieses Artikels), so kennen auch die anderen Mitglieder des
Netzwerkes mögliche Multiplikatoren. Wer bereit ist, eigene Kontakte
auch für andere anzusprechen, kann umgekehrt in der Regel auch von
den Kontakten der anderen im Netzwerk profitieren.

- Werbemitteltausch
Eine Möglichkeit, in lokalen Buchhandlungen für ein Buch zu werben,
ist diese: Stellt Handzettel und/oder Lesezeichen her mit den wich-
tigsten Infos zu eurem Buch, eventuell einer Leseprobe und einer Co-
verabbildung her (wie das gehen kann, haben wir im letzten "Tempest"
beschrieben). Nicht alle, aber doch einige Buchhandlungen an eurem
Wohnort werden diese Zettel gerne auslegen oder als Beigabe mit in
die Einkaufstüten ihrer Kundinnen und Kunden legen. Doch auf diese
Weise erreicht man in der Regel nur die Buchhandlungen vor Ort. Wenn
man sich allerdings bereit erklärt, die Werbezettel von anderen Auto-
rinnen und Autoren aus anderen Städten in der eigenen Umgebung mit
auszulegen, kann man ihnen im Gegenzug auch die eigenen Zettel geben.
So vergrößern alle Beteiligten ihre Reichweite.

- Gruppenaktivitäten
Ein Netzwerk bietet darüber hinaus natürlich die Möglichkeit, in der
Gruppe Aktivitäten zu planen und zu unternehmen - von Gruppenlesungen
bis zu gemeinsamen Medienaktionen. Was alles möglich ist, wird eben-
falls Thema in einem der nächsten "Tempests" sein.

- Veranstaltungen
Informationsveranstaltungen, Tagungsprogramme: Netzwerke bieten
selbst oft Veranstaltungen an oder beteiligen sich an solchen, die
von anderen organisiert werden. Wenn man sich dort für einen Vortrag
oder eine Diskussionsrunde als Experte oder Expertin zur Verfügung
stellt oder einladen lässt, kann man wirkungsvoll auf sich selbst und
natürlich auch auf eigene Bücher aufmerksam machen. (Diese Gelegen-
heit können nutzen beispielsweise auch unsere Expertinnen und Exper-
ten im "Tempest".)


Und noch einmal die dringende Aufforderung:

Schickt mir eure eigenen Marketingideen! Das macht so gut wie gar
keine Arbeit, denn ich erwarte keine vollständigen Artikel - nicht
einmal vollständige Sätze ... Schreibt mir einfach eure Idee in eini-
gen Stichworten oder wenigen Sätzen auf - ich baue sie dann in einen
der nächsten Marketingideen-Artikel ein (und nenne euch natürlich au-
ßerdem - unter "Danke!").

Noch mal zur Anregung: Was habt ihr schon selbst versucht? Was hat
gut geklappt - was weniger gut? Welche Tipps habt ihr für gute An-
schreiben an Verlage? Was kann und sollte man alles schon vor Er-
scheinen des Buches tun? Weitere Themen für die Zukunft habe ich in
diesem Artikel ja bereits angekündigt - schickt mir also auch eure
Tipps zu Gruppenaktivitäten und Internetmaßnahmen!

Wenn nicht bald etwas von euch kommt, wird diese Rubrik demnächst
wieder eingestellt - ich fände das sehr schade. Was meint ihr? [mail-
to:marketing.ideen at autorenforum punkt de]

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Gabi Neumayer verfasste bisher einige hundert Artikel zu sprachlichen
Themen, außerdem einige Kinderbücher und (meist zusammen mit ihrer
Co-Autorin Ulrike Rudolph) mehrere Sachbücher, u. a. "Die neue Recht-
schreibung", Haufe Verlag, "Das Bewerbungsschreiben", Humboldt, "Ge-
schäftskorrespondenz von A bis Z", Humboldt (ganz frisch erschie-
nen!), "Fred und Marie" (Bilderbuch), Lappan, "Im Gemüsedschungel",
LeiV.


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AUTORENWISSEN:
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mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ideen entwickeln mit dem MindManager

Natürlich sammele ich Ideen! Ich speichere sie in meinem Kopf und
dann in meiner Ideenbox. Manche davon sind so eindringlich, dass sie
einen Sog entwickeln und die Geschichte fast zwangsläufig nach sich
ziehen. Aber das ist selten, es braucht Zeit, und die ist auch bei
mir knapp. Wenn ich gefragt werde, wie ich eine Kurzgeschichte ange-
he, dann fällt die Antwort nüchtern aus:

Am Anfang einer Geschichte steht bei mir oft ein Impuls von außen,
der mir nahe legt, einen Text zu schreiben. Mir scheinen dann die
Chancen auf eine Veröffentlichung besser. Das hat sicher etwas mit
den Erfahrungen zu tun, die ich beim Veröffentlichen von Sachbüchern
sammeln durfte. Es "treibt" mich also nur zum Schreiben, wenn ich ei-
ne Chance auf Publikation wittere - und sei sie auch noch so gering,
wie etwa bei der Teilnahme am Wettbewerb um den "Großen Krimipreis".
Aber im Grunde ist wohl unerheblich, was uns zum Schreiben bringt.
Die Herausforderung bleibt: Finde eine Geschichte!

Mein jüngstes Beispiel war der Aufruf für eine Anthologie "Rheinlei-
chen", Arbeitstitel "Rhein - Mordsfluss", die von der Regionalgruppe
der Sisters in Crime herausgegeben werden soll. Das Thema im weites-
ten Sinne stand also fest: Die Kurzgeschichten sollten irgendetwas
mit dem Rhein zu tun haben. Und ich wollte mich beteiligen. Da ich am
Rhein lebe, habe ich einen gewissen Fundus an Vorstellungen und Bil-
dern, die mit dem Fluss zusammenhängen. Ideen im Kästchen hatte ich
in diesem Fall nicht. Aus dem Material in meinem Kopf wollte ich also
eine Geschichte basteln.


Mind Mapping

Da ich ein visueller Mensch bin, arbeite ich gerne mit der Arbeits-
technik des Mind Mapping. Auf nur einem Arbeitsblatt hält man eine
zentrale Idee fest und ordnet ihr Haupt- und Nebenäste zu, so dass
sich jede Idee weiterverfolgen lässt. Man kann die verschiedenen Äste
miteinander verknüpfen; sie kappen, wenn sie unbrauchbar scheinen;
sie wieder beleben, falls das sinnvoll scheint. Und man hat die Zu-
sammenhänge sehr viel deutlicher vor Augen, als wenn man gleich einen
schriftlichen, chronologischen Entwurf macht. Besonders einprägsam
wird ein Map, wenn man zusätzlich mit Symbolen arbeitet, denn die
enthalten mehr Aussagen als ein einzelnes Wort. Außerdem fallen einem
so mehr Dinge ein als beim linearen Aufschreiben, wo überwiegend die
linke Hirnhälfte arbeitet. Beim Mapping werden beide Gehirnhälften
aktiviert. Wer sich detaillierter darüber informieren möchte - Es
gibt eine Menge Literatur zu diesem Thema, beispielsweise:
- Hans-Jürgen Walter: Denkzeichnen, Josef Schmidt Verlag, 1995
- Mogens Kirckhoff: Mind Mapping, Gabal Verlag, 11. Auflage, 1997
- Frank Krüger: Mind Mapping, Humboldt-Taschenbuchverlag, 1997

Als kleine Einführung - auch in andere Arbeitstechniken - sei außer-
dem das Buch "Taschenguide Kreativitätstechniken" von Matthias Nöllke
(STS Verlag, 1998) empfohlen.


MindManager

Natürlich kann man handschriftlich mappen. Da ich aber auch ein prak-
tischer Mensch bin, nutze ich seit einiger Zeit ein PC-Programm für
meine Maps: den MindManager von Market Soft. Das Mappen am PC hat
viele Vorteile. Einer ist, dass man sehr viele Notizen auf ein einzi-
ges DIN-A4-Blatt bekommt, ohne dass die Darstellung unübersichtlich
wird. Bei handschriftlichen Maps kam ich immer sehr schnell an die
Grenzen der Lesbarkeit. Der MindManager dagegen passt die Schriftgrö-
ße automatisch an: Bei nur wenigen Ideen und Verzweigungen sind die
Schrift und die Symbole größer, bei vielen Haupt- und Nebenästen wird
die Schrift entsprechend kleiner. Während man beim handschriftlichen
Map alles neu schreiben und ordnen oder aber gar mit mehreren Seiten
leben muss (was der Idee des Mapping widerspricht), kann man beim
MindManager einfach weiterarbeiten. Die Anpassung übernimmt das Pro-
gramm, und man kann die Zeit, die man so spart, für die Entwicklung
und den Ausbau von Ideen verwenden.

Das ist die technische Seite. Wie sieht das aber konkret aus, welche
Vorteile bietet das Programm bei der Entwicklung von Ideen - gegen-
über z. B. der Arbeit mit Ideenkärtchen? Ich kenne AutorInnen, die
mit Ideenkärtchen tolle Geschichten entwickeln. Ich selbst verzettele
mich dabei im wahrsten Wortsinn. Ich schaffe es einfach nicht, voll-
kommen wertfrei Ideen zusammenzutragen und dann auszubreiten und zu-
zuordnen. Dazu bin ich viel zu ungeduldig. Ich setze mich an den Com-
puter und mappe los - und glaube, dass ich dabei die Arbeitsschritte
Sammeln, Sichten und Zuordnen schneller und übersichtlicher vollzie-
he. Dass ich dabei schon eine Auswahl treffe und mir vielleicht ein
paar tolle Ideen entgehen, ist schon klar, aber bei Bedarf mache ich
mir einfach ein neues Map ...


1. Schritt

Jedes Map fängt mit einem Zentrum an, einem Ausgangspunkt, einer
Grundidee. Für mein Map "Rheinleichen" habe ich aus der Symbolgalerie
das geöffnete Maul eines weißen Hais ausgesucht. Es schien mir anre-
gend für dieses Thema, auch wenn ich natürlich weiß, dass es im Rhein
keine Haie gibt - eigentlich. Wie sich später zeigen wird, war mit
dieser Auswahl schon ein erster Wink gegeben. Um dieses Zentrum her-
um arrangierte ich erste Ideen:
- Ein Herz als Symbol für ein Liebespaar, das hier spazieren geht,
- einen alten Mann am Stock als Symbol für ein Rentnerehepaar,
- einen kleinen Junge als Symbol für Pfadfinder,
- den Begriff "Setting", weil mir hierfür kein Symbol tauglich er-
schien,
- ein vibrierendes Gehirn und den Begriff "Verknüpfungen", weil mir
das Hirn erläuterungsbedürftig erschien, und
- einen Speedboatfahrer als Umweltsünder. Als Symbol schien mir nur
der Surfer tauglich.

Natürlich hätte ich weiter assoziieren können: Flaschenpost, Kölner
Altstadt ... Mit meiner Ausbeute war ich jedoch erst mal zufrieden.
Dies waren die Hauptäste, die sich vom Hai aus nach außen verteilten.
Es mag ungewöhnlich sein, dass konkrete Ideen und Gestaltungsmittel
in meinem Map unzensiert nebeneinander stehen. Aber ich habe die -
ganz persönliche - Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, solche Dinge
mit ins Map aufzunehmen, weil ich so bewusster arbeite. In einem Map
für einen Roman gab es neben den Ideenästen z. B. die Hauptäste "Dia-
loge" und "Show, don’t tell", weil ich wusste, dass dies zu dem Zeit-
punkt meine "Problemzonen" waren.


2. Schritt

Nach diesem ersten Brainstorming machte ich mich daran, Unteräste da-
zu anzulegen, die Grundideen auszubauen.

Das Liebespaar wurde ergänzt um die Unteräste
- kein Konflikt
- erstes Mal
- Romantik
- Heimlichkeit
- Vergewaltigung
- Suche nach Möglichkeit

Das Rentnerpaar erhielt die Unteräste
- klassisch
- frauenspezifisch?
- Fahrradtour
- Spanner
- nörglerisch

Die Pfadfinder bekamen die Unteräste
- Verräter
- pissen
- kiffen
- Angst vor Entdeckung
- werden beobachtet
- beobachten

Als mögliche Verknüpfungen legte ich Unteräste und weitere Verzwei-
gungen dazu an:
- Rentnerpaar: einer ermordet den anderen, Motiv: klassisches Gener-
ve; Motiv: Schutz der Pfadfinder, Schutz des Liebespaares
- Liebespaar: Spanner ermordet einen; gegenseitig, Vergewaltigung
- Speedboatfahrer als Umweltsünder, Pfadfinder als Umweltschützer
- Pfandfinder ermorden Rentner, Vergewaltigung

Dass dieser Hauptast auch "Plot" heißen könnte, ist offensichtlich.

Das Setting bekam die Unteräste
- Strand
- Ufer
- Radweg
- Bänke
- Drachenfels
- Campingplatz
- aus der Luft
- vom Boot
- aus dem Wasser

Der letzte Unterast "aus dem Wasser" schien mir besonders interes-
sant, weil ungewöhnlich. Eigentlich gehören die letzten drei Punkte
auf einen eigenen Hauptast "Perspektive". Aber - hier geht es nicht
um eine glasklare Systematik, sondern um Kreativität. Stattdessen
fielen mir Taucher und Fisch ein. Beide bekamen jetzt noch eigene
Hauptäste. Bei einem handschriftlichen Map würde das sicher techni-
sche Probleme bereiten - hier nicht.

Rückblickend weiß ich, dass ich mich an diesem Punkt schon ziemlich
deutlich für eine Erzählperspektive entschieden habe, obwohl ich mir
das noch eine Zeit lang nicht eingestand. Schließlich wollte ich mich
nicht weiterer toller Ideen berauben. Also assoziierte ich erst mal
an dem neuen Hauptast "Taucher" weiter. Er bekam eine Verknüpfung -
das ist ein Pfeil zu anderen Ästen - zu allen anderen Personen, weil
ich ihn von Anfang an als Beobachter sah. Ich hätte mich weniger ein-
geengt bzw. mir mehr Plotmöglichkeiten erhalten, wenn ich z. B. auch
einen Unterzweig "Beobachter" und einen "Opfer" angelegt hätte. Das
hielt ich aber schon nicht mehr für nötig. Als Unteräste bekam er nur
- Taucheranzug
- Tauchbrille
- Flossen

Dann hatte ich es wirklich eilig, zu meinem Fischast (vgl. Haikopf
vom Anfang!) zu kommen, dem ich sofort den Namen Aalfrau gab. Als
Symbol wählte ich das Gesicht eines Außerirdischen, weil mir klar
war, dass dieser Charakter rätselhaft sein müsste. (Außerdem gibt es
in der Symbolgalerie keinen Aal.) Nur ganz kurz fragte ich mich, ob
es Vorteile hätte, wenn es ein Aalmann wäre. Ich hätte aber auch ei-
nen zweiten Hauptast "Aalmann" anlegen können.

Meine Aalfrau bekam folgende Unteräste:
- glatt, lang, wendig, beweglich
- kalt, distanziert, genau beobachtend, umweltbewusst
- Sprache: kühl
- kringelig, quirlig, schnell
- Knochenfisch, Räuber, stellen Nahrungsaufnahme ein, laichen in der
Sargassosee, sterben dann
- Weibchen werden größer und älter als die Männchen (damit war die
Frage nach den Vorteilen des Aalmanns abschlägig beanwortet)
- Was soll der Leser denken, wer erzählt?


3. Schritt

In einem 3. Schritt habe ich am Setting gebastelt und den 2. Unterast
"Was kann man aus dem Fluss sehen?" angelegt.

Die Aalfrau bekam noch die Unter-Unteräste:
- Wie sehen Fische?
- Können Fische hören?
- Erfahrungswelt von Fischen


4. Schritt

Aus dem Setting "Im Wasser" und aus der Fischperspektive ergaben sich
Probleme hinsichtlich der Lesererwartung. Ich legte einen weiteren
Hauptast "Lesererwartung" an und sammelte Möglichkeiten, wie ich bis
zum Schluss unklar lassen konnte, dass es sich um einen Fisch-POV
handelt. Die Unteräste waren hier:
- Unklarer Aufenthaltsort: Büsche?
- Unklarer Bewußtseinsstand: Erfahrungswelt Fisch? "Penner"?
- Unklare Distanziertheit, keine Wertungen der Handlungen, fremde
Kulturzugehörigkeit?


5. Schritt

Anschließend habe ich versucht, einen Plot zu finden, denn die Per-
spektive "Aalfrau" und das Setting hatte ich ja schon. Aus der Per-
spektive und den Lesererwartungen entstand bald die Idee, mehrere
Handlungsabläufe und Personengruppen zu verknüpfen. Das drängte sich
geradezu auf, weil die eingeschränkte Sichtweise - aus einem Versteck
heraus auf ein eng begrenztes Stück Rheinufer - viele Konsequenzen
für Plot und Erzählweise hat. Die Geschichte, die ich dann schrieb,
war dann ein hartes Stück Arbeit. Aber das Schreiben selbst fällt mir
immer leichter, wenn ich gute Vorarbeit geleistet habe.

Zugegeben, dies ist sicher ein Idealfall, wie man mit Hilfe des Mind-
Managers eine Kurzgeschichte entwerfen kann, und das Schreiben bleibt
die Hauptarbeit. Die meisten meiner Maps sind voller und haben mehre-
re Unterebenen; auch in diesem Map hätte man vieles verschieben und
anders zuordnen können.

Letztlich bleibt die Entwicklung von Ideen doch eine sehr persönliche
Angelegenheit, die stark von der Arbeitsweise, vom Temperament und
vom emotionalem Hintergrund abhängt. Trorzdem bin ich der Meinung,
dass man Kreativität schulen kann. Der MindManager ist für mich ein
gutes Hilfsmittel.


Weitere Möglichkeiten

Oft ergeben sich während des Schreibprozesses plötzlich Probleme, die
man im Vorfeld noch gar nicht sehen konnte. Das ist besonders bei
größeren Textmengen und Zusammenhängen ärgerlich bis gefährlich. Auch
in diesen Fällen ist der MindManager ein gutes Werkzeug, seine Gedan-
ken zu "sortieren". Bei einem Roman etwa kann es während des Schrei-
bens nötig werden, ein Map "Handlungsstränge" zu entwickeln, wenn man
Gefahr läuft, sich in seinem eigenen Plot zu verirren. Dabei können
einem - quasi als Nebenprodukt - andere Stolpersteine - etwa Zeit-
probleme - auffallen, die man dann aus dem Weg räumen kann.

Aber nicht nur im kreativen Bereich hat das Programm seine Stärken;
viele Nutzungsmöglichkeiten habe ich hier gar nicht erwähnt, weil
dies keine Produktbesprechung sein soll. Ich selbst benutze den Mind-
Manager auch für verschiedene Planungsaufgaben in anderen Bereichen,
für Marketing und Arbeitspläne.

[Zwei Hinweise: Das hier beschriebene Map könnt ihr auf der Website
von Autorenforum.de ansehen.
Die Adresse: http://autorenforum.de/images/mindmap.gif
Wenn die Kurzgeschichte von Ulrike Rudolph erscheint, geben wir euch
natürlich Bescheid. Für viele ist es sicher interessant, nach der
Schilderung der Entstehungsgeschichte auch den fertigen Krimi zule-
sen! - Red.]

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ulrike Rudolph arbeitet seit 1990 freiberuflich als Autorin, Redak-
teurin, Lektorin und Beraterin für verschiedene Verlage, Firmen und
Privatpersonen. Sie hat mehrere Sachbücher veröffentlicht (mit Gabi
Neumayer) und schreibt Kriminalromane und -Kurzgeschichten. In der
deutschen Abteilung der "Sisters in Crime" macht sie mit im Redakti-
onsteam des Newsletters "Mordio".
Mehr Informationen findet ihr unter:
http://members.aol.com/UlRudolph/Index.html.


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AUTORENWISSEN:
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mailto: Ute Hacker [schreibgruppen at autorenforum punkt de]


Wie gründe ich eine Schreibgruppe? (Teil 3)


Im dritten Teil dieser Serie möchte ich vor allem auf den kreativen
Teil eingehen. Gerade in den Anfängen einer Schreibgruppe, wenn man
sich noch nicht so gut kennt, sind einige kleinere "Aufwärmübungen"
sehr nützlich. Das können gruppendynamische Übungen sein (z. B. wirft
man sich einen kleinen Ball zu und nennt jeweils den Namen der Ziel-
person; Sinn und Zweck des Ganzen ist das bessere gegenseitige Ken-
nenlernen - besonders, wenn man sich nur alle paar Wochen sieht, ist
es für manche Menschen schwierig, sich Namen zu merken. Doch auch als
"Aufwachübung" nach einem Essen ist diese Übung hervorragend geeig-
net); da wir uns aber auf das Schreiben konzentrieren wollen, sind
die folgende Übungen sicher besser: Man sucht sich vor dem Treffen
ca. 20 mehrsilbige Wörter zusammen, nimmt jeweils drei Buchstaben aus
dem Mittelteil und gibt der Gruppe diese drei Buchstaben. Es gilt
nun, in einer vorgegebenen Zeit (i. d. R. 3-5 Minuten) möglichst zu
jeder Buchstabenkombination ein Wort zu finden. Z. B. gbe --> Wegbe-
schreibung; erm --> Wintermärchen. Der Fantasie sind hier keine Gren-
zen gesetzt, und ihr werdet euch wundern, wie viele Wörter es zu ei-
ner Kombination gibt.


Das erste gemeinsame Projekt

Die ersten Monate der Autorinnengruppe München (AGM) nutzten wir vor
allem, um bereits vorhandene Texte vorzutragen und gegenseitig zu
kritisieren. Im Frühjahr 1998 ergab sich durch Zufall die Möglichkeit
einer Lesung in einem Münchner Theater, und da der Termin Mitte De-
zember war, lag es nahe, das Thema "Weihnachten" zu wählen. Jede von
uns sollte zu diesem Thema eine Geschichte, ein Gedicht, einen Krimi,
ein Essay oder was auch immer schreiben und es dann vortragen.

Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass wir trotz hochsom-
merlicher Temperaturen sehr viel mehr Ideen hatten. Ich hatte im
Frühjahr eine Lesung bekannter Kriminalautorinnen besucht, wo jedem
Besucher ein paar DIN-A4-Blätter gegeben wurden mit Informationen zu
jeder Autorin und ihren Werken. Daraus entstand die Idee, die "über-
zähligen" Geschichten zusammenzufassen, zu kopieren und den Besuchern
unserer Lesung gegen eine geringe Gebühr anzubieten. Nun ja, langer
Rede kurzer Sinn: Das Ergebnis ist das Buch "Weihnachten - anders"
(leider nicht mehr zu erwerben, da derzeit restlos vergriffen; es
kann jedoch auf meiner Homepage http://www.utehacker.de bewundert
werden).

Ursprünglich war die Anthologie als Werbemittel gedacht, zum Mitschi-
cken an Verlage, wenn ich mich als Autorin dort mit einem Manuskript
bewerbe. Doch nach einer äußerst erfolgreichen Lesung und dem durch-
weg positiven Echo auf das Buch beschlossen wir Anfang 1999, auch in
diesem Jahr wieder eine Anthologie zusammenzustellen, diesmal unter
dem Motto "Unterwegs - auf Reisen, in Träumen, in der Fantasie"; das
so entstandene Buch "Road Roulette" ist ebenfalls auf meiner Homepage
zu sehen (und auch noch käuflich zu erwerben).

Warum ein gemeinsames Projekt?

Nachdem ich jetzt etwas schamlos für unsere Bücher Werbung gemacht
habe, die Antwort auf die berechtigte Frage: Warum ein gemeinsames
Projekt? Natürlich ist es kein Muss für eine Schreibgruppe, ein ge-
meinsames Projekt zu planen und durchzuführen; wie oben erwähnt, ent-
stand das auch bei uns eher durch einen Zufall. Doch uns wurde vor
allem nach der ersten gemeinsamen Lesung sehr schnell bewusst, dass
wir - obwohl beinahe alle Frauen berufstätig sind - das Schreiben
nicht nur als Hobby nebenbei betrachten, sondern dass das Schreiben
für uns ein äußerst wichtiger Bestandteil unseres Lebens ist bzw.
werden soll. Entsprechend professionell wollen wir uns nach außen hin
präsentieren.

Auch wenn man kein gemeinsames Buch schaffen will, empfiehlt es sich,
ein gemeinsames Thema zu wählen. Zum einen fordert man die eigene
Fantasie heraus, wenn man über ein Thema schreiben muss, das man
nicht selbst ausgewählt hat; zum anderen ist es für die anderen Mit-
glieder der Gruppe einfacher, den Text zu kritisieren, da sie selbst
einen Bezug zu diesem Thema haben. Wichtig ist jedoch, dass alle Mit-
glieder mit dem Thema leben können, ein Kompromiss sollte also gefun-
den werden. Und die meisten Schreibübungen gehen ja in diese Rich-
tung: Es wird etwas vorgegeben, und jeder schreibt etwas dazu.
Schreibübungen sind - wie der Name schon sagt - eben nur kurzfristige
Übungen, während eine gemeinsame Anthologie natürlich weit über das
Übungsstadium hinausgeht.


Weitere Schreibübungen

- Jedes Mitglied liefert eine bestimmte Anzahl Wörter ab, sagen wir
20, die in keinerlei Zusammenhang stehen müssen. Die Wörter stehen am
besten auf einem Stück Karton, damit sie in einer Tüte gesammelt wer-
den können. Zu Beginn einer neuen Schreibübung werden fünf Wörter ge-
zogen, daraus "bastelt" jeder eine Geschichte, in der alle gezogenen
Wörter in der richtigen Reihenfolge vorkommen müssen.

- Vorgabe: Ein Mann geht mit seiner Geliebten in ein Hotel, wacht am
Morgen danach jedoch neben seiner Ehefrau auf. Beschreibe, was im Mo-
ment des Aufwachens und kurz danach passiert.

- Beschreibe einen alten Menschen, ohne die Worte "alt, Falten, Ge-
biss, grauhaarig, gebrechlich" etc. zu gebrauchen.

- Schreibe drei Absätze, den ersten über "Wut", den zweiten über "Är-
ger", den dritten über "Trauer", ohne diese Worte zu nennen. Versu-
che, die Gefühle jeweils durch Beschreibung deutlich zu machen.

- Beschreibe eine klassische Mann-Frau-Geschichte, erst aus seiner
Sicht, dann aus ihrer. Z. B. wünscht sie sich zum Geburtstag von ihm
einen Tag in den Bergen, doch er schenkt ihr eine Armbanduhr. Be-
schreibe erst aus ihrer Sicht den Moment der Geschenkübergabe, dann
aus seiner, eventuell auch noch aus der Sicht eines unbeteiligten
Dritten. Versuche, dich in die jeweils berichtende Person hineinzu-
versetzen.

- Schreibe irgendein Erlebnis aus der Sicht der eigenen Person (Ich-
Form). Beschreibe das gleiche Erlebnis in der dritten Person.

Ich könnte die Liste endlos weiterführen, stattdessen möchte ich
jetzt auf einige Bücher hinweisen. Wie schon im ersten Teil erwähnt,
gibt es auf dem deutschen Markt nur wenige wirklich gute (gut in mei-
nen Augen!) Bücher zum Thema "Kreatives Schreiben". Die Masse kommt
natürlich aus den USA, doch leider werden die wenigsten Bücher über-
setzt, wohl auch deshalb, weil kreatives Schreiben in Deutschland im-
mer noch verpönt ist. Hier jedoch drei Titel, die in Deutsch erhält-
lich sind:

- Mosler, Bettina und Herholz, Gerd: Die Musenkussmischmaschine. Ver-
lag Neue Deutsche Schule, Essen, 1992, 180 S., 28 DM, ISBN: 3-87964-
270-2
Enthält unzählige Schreibspiele, wie oben als Beispiele angeführt.

- Rico, Gabriele L.: Garantiert schreiben lernen. Rowohlt Verlag,
Reinbek, 1998. 304 S., 39,80 DM, ISBN: 3-498-05703-0
Wie man die rechte = kreative Hirnhälfte aktiviert und fördert.
Stellt die sog. Cluster-Methode vor.

- Frey, James N.: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt. Emons
Verlag, 1997, 200 S., 19,80 DM, ISBN: 3-924491-90-9
Dieses Buch ist nicht nur äußerst lehrreich, sondern auch noch amü-
sant geschrieben. Faszinierend ist vor allen Dingen, wie der Autor es
schafft, beinahe spielerisch aus einer vorgegebenen Situation eine
Geschichte zu entwickeln. Sehr empfehlenswert.
Es gibt auch noch einen zweiten Band (mittlerweile ebenfalls über-
setzt), der aber kaum Neues enthält.

- Bernays, Anne und Painter, Pamela: What if? Writing exercises for
fiction writers. Harper Perennial, 1990, 10 US$, ISBN 0-06-272006-6
Leider nur in Englisch, doch relativ leicht zu lesen. Die bewährte
Frage "Was wäre, wenn ...?" wird hier in unzähligen Beispielen immer
wieder neu gestellt. Neben einer kurzen Einführung und den "Objecti-
ves" (Was wollen wir mit dieser Übung erreichen?) sind vor allem die
Beispiele von Studenten recht interessant.

- Goldberg, Natalie: Writing down the Bones. Shambala, Boston & Lon-
don, 1986, 170 S., 10 US$, ISBN: 0-87773-375-9
Ebenfalls nur noch in Englisch erhältlich. Gab’s mal als Taschenbuch
in der Esoterik-Reihe des Knaur Verlages. Und da war es auch gut auf-
gehoben, denn neben recht praktischen Hinweisen, wie man sich neben
einem hektischen Beruf noch Zeit für das Schreiben "stehlen" kann,
geht Goldberg vor allem auf die esoterische Seite des Schreibens ein.

Schließlich und endlich ein Buch speziell für Schreibgruppen:
- Denham Haines, Dawn, Newcomer, Susan & Raphael, Jacqueline: Writing
together. How to Transform your Writing in a Writing Group. Perigee
Books, 1997, 220 S., 12,95 US$, ISBN: 0-399-52338-3
Wie der Titel schon sagt, ein Buch mit Tipps zur Gründung und Leitung
von Schreibgruppen. Ich habe das Buch leider erst nach Gründung der
AGM entdeckt, ich hätte vermutlich einige Anfangsfehler vermeiden
können. Da jedoch auch hier zahlreiche Schreibspiele erwähnt sind,
ist das Buch auch nach der Gründungsphase durchaus hilfreich.

Auch diese Liste kann endlos fortgeführt werden; ich habe mich hier
auf die Bücher beschränkt, mit denen ich selbst arbeite bzw. gearbei-
tet habe. Dank Internet ist es ja kein Problem, bei den diversen
Buchanbietern zu recherchieren.


Im nächsten Tempest:
- die Gruppe verändert sich
- sog. Online-Cluster (Schreibgruppen im Internet)

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Ute Hacker schreibt u. a. als Billie Rubin und hat zwei Krimikurzge-
schichten veröffentlicht. Sie sitzt gerade zum dritten Mal über ihrem
ersten Krimi, um von einem Verlag gewünschte Änderungen einzubauen.
Sie gründete 1997 die Autorinnengruppe München, die sie seither auch
leitet. Mehr Informationen auf www.utehacker.de.


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SCHREIBKURS: Dialog (Teil 2)
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mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de


Die Wechselwirkung von
Dialog und beschreibendem Hintergrund

In Dialog Teil 1 unseres Schreibkurses haben wir uns einen rein auf
den Dialog gekürzten Textauszug aus Kirk Mitchells "Backdraft" ange-
schaut, um zu sehen, welche Wirkung schon der pure Dialog auf den Le-
ser haben kann.

Unser Beispiel:

Stephen: "Du machst das ganz falsch."
Brian: "Halt den Mund!"
Stephen: "Falsch, falsch, falsch. - So geht das nicht."
Brian: "Doch es geht wohl."
Stephen: "Nein, tut es nicht. Ehrlich."
Brian: "Wer hat dich denn gefragt?"
Stephan: "Wenn du es nicht besser machst, geht der Mantel
in Feuer auf."
Brian: "Geht er nicht."
Stephen: "Doch, das wird er, und du wirst dich verbrennen. Du
wirst dann sterben. Genauso wie Carey. - Du wirst sterben."
Mann, der zur Tür hereinkommt. "Wer wird hier sterben?"
Stephen: "Dad. Er hat es falsch gemacht, wie immer."

Wir haben festgestellt, dass solch ein Dialog bereits eine Menge über
die Figuren, die ihn führen, aussagen kann und dass der Dialog "das"
Mittel ist, um eine Geschichte voranzutreiben, wenn der Autor es ver-
steht, ihn als Zündstoff zu nutzen, der den Konflikt zwischen den Fi-
guren entwickelt und schürt. Da ein reiner Dialog jedoch noch lange
keinen Roman ausmacht, befassen wir uns heute mit jenen szenischen
Textpassagen, die den Dialog unterstützen, ja in gewisser Weise un-
trennbar mit dem Dialog verbunden sind, weil sie dem Leser Informati-
onen bieten, die, wenn sie im eigentlichen Dialog untergebracht wä-
ren, seine Funktion als vorantreibendes Element zerstören würden. Wir
alle wissen, wie ermüdend ein "darstellender" Dialog sein kann, wenn
der Autor ihn über Seiten hinweg verwendet, anstatt die darstellenden
Passagen einfach als erzählenden Hintergrund einzubringen.

Beispiel:

D. blickte aus dem Busfenster und hörte dabei dem Reiseleiter zu.
"Der Vatikan ist ein Hügel im Westen Roms", erklärte der Reise-
leiter, "auf dem sich im römischen Altertum der Zirkus des Nero
befand, die Martyriumsstätte Petri. Konstantin der Große errich-
tete dort die Peterskirche. Der heutige Vatikanpalast, die
Residenz des Papstes, geht auf einen im 9. Jh. mit der Peters-
kirche gegen die Sarazeneneinfälle ummauerten Bau zurück. Erst
nach dem Exil von Avignon ..."

Ein Monolog sollte unbedingt vermieden werden. In einem solchen Fall
genügt der Hinweis auf einen längeren Vortrag. Den Rest erledigt dann
der erzählende Text.

Beispiel:

"Der Vatikan ist ein Hügel im Westen Roms", begann der Reiselei-
ter, der auf D. wirkte, als wäre er so alt wie die Stadt Rom
selbst. Der Bus drängte sich durch die engen Straßen Richtung
Westen auf den Petersplatz zu und drohte in dem Gewühl von Autos
und Menschen für den Rest des Tages stecken zu bleiben.
Rom.
Neros Zirkus hatte sich hier im römischen Altertum befunden, die
Martyriumsstätte Petri. Konstantin der Große hatte hier vor über
eintausend Jahren die Peterskirche errichten lassen - und jetzt
war D. hier, um etwas noch Erhabeneres zu schaffen.

Diese Halbszene beinhaltet auf den ersten Blick die gleichen Informa-
tionen wie der Monolog zuvor, und doch bietet sie dem Autor durch den
POV (Point of View, den Blick durch die Augen einer Figur) eine un-
gleich bessere Möglichkeit, seine Geschichte, die Geschichte seiner
Hauptfigur, zu erzählen. Wir wissen jetzt nicht nur, dass D. aus dem
Bus schaut, und wir hören nicht nur den Reiseleiter, wir sind jetzt
ein Teil der Reise, wir sind jetzt ein Teil von D., und so hören und
sehen wir nun seine geheimsten Gedanken. Wir befinden uns nicht mehr
außerhalb der Geschichte und der Figur, sondern mittendrin, und des-
halb wird uns auch klar, wie schicksalhaft diese Reise für D. sein
wird, und genau diese Bedeutung war im Monolog überhaupt nicht zu se-
hen.

Doch zurück zu Kirk Mitchells "Backdraft", zu Dialog und beschreiben-
dem Text. Hier also nun der komplette Romanauszug:

Es fängt immer damit an, dass sein Bruder Stephen sagt: "Du
machst das ganz falsch." Stephen ist größer, stärker, ungleich
geschickter und erfahrener als sein Bruder, und immer ist er es
der die Taschenlampe in der Hand hält.
Jetzt lässt Stephen den Lichtstrahl durch den vollgestopften
dunklen Raum wandern, in dem es nach altem Schweiß und dem Rauch
längst gelöschter Feuerstellen riecht. Weiß reflektierende
Streifen leuchten auf den schwarzen Mänteln. Ein Dutzend grell
gelber Helme, die aussehen wie Riesenkäfer aus dem
Amazonasgebiet, die die Wand hinaufgekrochen sind, um hier ihren
Winterschlaf zu verbringen.
"Du machst das ..."
"Halt den Mund!", hört Brian sich mit Kinderstimme sagen. Sein
Verdruss ist groß.
"Falsch, falsch, falsch." Stephens Finger schieben die Gurte in
die Schnallen, aber Brian stößt die Hände seines Bruders von
sich. Er wird es allein schaffen. Irgendwann.
"So geht das nicht." Stephen lässt einfach nicht locker.
"Doch, geht es wohl!"
"Nein, tut es nicht. EHRLICH."
Das Wort sticht wie eine Nadel in Brians Herz, bringt ihn dazu
aufzublicken. Er bemüht sich, das Gesicht seines zwölf Jahren
alten Bruders klar zu sehen. Aber das gelingt ihm natürlich
nicht. Ein Nebel liegt über der Vergangenheit, nur nicht über der
Katastrophe.
Nur an die Tode erinnert er sich deutlich.
"Wer hat dich denn gefragt?", hört Brian sich fragen. Ein lach-
haftes Knurren von einem hellen Kinderstimmchen. Er ist wieder
sieben Jahre alt. Gut ein Meter fünfzehn groß. Achtundzwanzig
Kilogramm Gewicht. Ein Teil seines Bewusstseins wandert in eine
ferne Zukunft, wo er teure Autors sieht. Eine schwere Zugmaschine
mit Dieselmotor rumpelt vorüber. Und da sind andere Verkehrsgetö-
se. Highway-Geräusche. Doch hinter seinen geschlossenen Augen ist
Brian wieder sieben, und Stephen sagt gerade: "Wenn du es nicht
besser machst, geht der Mantel in Feuer auf."
"Geht er nicht."
"Doch, das wird er, und du wirst dich verbrennen. Du wirst dann
sterben. Genauso wie ..." Stephen nennt einen Namen, der Brian
vage bekannt vorkommt, mit dem er aber im Moment nichts anfangen
kann. Und wenn er die Augen wieder öffnet, wird er sich nicht
mehr an ihn erinnern. Macht nichts. Das Wichtige kommt erst noch.
Warme Erwartung durchströmt seinen Körper.
"Du wirst sterben", beharrt Stephen und zerschmettert damit
fast den Kern des angenehmen warmen Gefühls.
Die Tür öffnet sich langsam. Licht flutet hinein, dringt in die
Ecken.
Brian dreht sich um und lächelt bereits.
Ein Feuerwehrmann steht in der Tür, wird von hinten von einer
Lichtquelle bestrahlt, die blendender und unheimlicher leuchtet
als Tageslicht. Er ist unwahrscheinlich groß. Er hat ein klar und
gerade geschnittenes Gesicht, doch es glänzt und ist schwarzweiß
wie auf einem Foto.
"Wer soll sterben?", fragt der Feuerwehrmann.
"Dad", ruft Stephen. "Er hat es falsch gemacht, wie immer."


Kirk Mitchell beginnt seinen Roman mit dem konfliktreichen Satz: Es
fängt immer damit an, dass sein Bruder Stephen sagt: "Du machst das
ganz falsch." Mitchell steigt also nicht mit dem direkten Dialog in
diese Szene ein, sondern setzt dem "Du machst das ganz falsch" eine
entscheidende Aussage durch eine kurze erzählende Einleitung voran,
was die Wirkung des eigentlichen Dialogs immens erhöht. Hätte Mitchel
an dieser Stelle, also am Anfang seines Romans, alleine auf den Dia-
log gebaut und stattdessen geschrieben "Du machst das ganz falsch,
wie immer" ,wäre das zwar inhaltlich auch korrekt gewesen, hätte aber
nicht annähernd jene konfliktgeladene Wirkung auf den Leser gehabt.
Erst die Wechselwirkung zwischen dem Dialogsatz "Du machst das ganz
falsch" und dem vorangestellten Satz "Es fängt immer damit an ."
treibt gleich zu Beginn die Spannung durch Konflikt hoch. Auch erfah-
ren wir in diesem Satz von vorneherein, dass es sich bei den beiden
Jungen um Brüder handelt.

Nach dem Dialogsatz "Du machst das ganz falsch" versorgt Mitchell uns
sogleich mit weiteren Informationen über Stephen. Stephen ist nicht
nur der Bruder des Jungen, den er ermahnt, sondern er ist auch grö-
ßer, stärker, ungleich geschickter und erfahrener - und immer ist er
es, der die Taschenlampe trägt! Er ist der Supermann, der in ständi-
ger Konkurrenz zum "kleineren, ungeschickteren" Bruder steht. Zumin-
dest empfindet der kleinere Bruder es so. Auch verrät uns die Ta-
schenlampe, das es meist keine gewöhnlichen Orte sind, an denen sich
die beiden Jungen herumtreiben. Mit bloßem Auge kann man dort nicht
sehr viel sehen.

In drei weiteren Sätzen lässt Mitchell uns jetzt diesen Ort erahnen,
ohne dabei zu viel zu preiszugeben. Es riecht nach altem Schweiß und
dem Rauch längst gelöschter Feuerstellen. Weiß reflektierende Strei-
fen leuchten auf schwarzen Mänteln, und gelbe Helme sind zu sehen.
Eine finstere, unheimliche Umgebung, ein Szenario, das den beiden
Jungen aber seltsam vertraut ist, denn sie setzen ihren Streit in
dieser düsteren Sequenz einfach fort: "Du machst das . " Und sofort
kontert der kleine Bruder, der sich mit Kinderstimme und großem Ver-
druss sagen hört: "Halt den Mund!" Unbeeindruckt von dem, was um ihn
herum geschieht, fährt Stephen fort: Falsch, falsch, falsch", und
Mitchell verstärkt dieses dreifache Falsch des Dialoges noch dadurch,
indem er erzählt, dass Stephens Finger gleichzeitig die Gurte in die
Schnallen schieben wollen, Brian die Hände des Bruders aber von sich
stößt. Doch nicht nur durch diese Reaktion Brians lässt Mitchell uns
wissen, was in dem kleineren Jungen vorgeht. Der Autor lässt uns auch
in Brians Inneres schauen, zeigt uns seinen inneren Konflikt, denn
Brian ist fest davon überzeugt: "er wird es alleine schaffen. Irgend-
wann."

Mitchell lässt Stephen nicht aufgeben: "So geht das nicht." Dann kom-
men zwei Dialogteile, bei denen es nach der bisherigen Einleitung
völlig genügt, wenn sie ohne erzählendes Beiwerk dastehen, was noch
authentischer wirkt:

"Doch, geht es wohl!"
"Nein, tut es nicht. EHRLICH!"

Jetzt hakt Mitchell nach. Nicht nur, dass er das Wort "ehrlich" im
Original kursiv schreibt, nein, er fährt im nächsten Absatz sofort
mit einem sehr konfliktreichen Satz fort, der sich unmittelbar auf
den vorherigen Dialog bezieht: Das Wort "ehrlich" sticht wie eine Na-
del in Brians Herz, bringt ihn dazu, aufzublicken.
In den nächsten Sätzen erfahren wir dann, dass Stephen 12 Jahre alt
ist, und Mitchell lässt uns schließlich ahnen, dass es sich hier
nicht um das gegenwärtige Erlebnis zweier Brüder handelt, sondern um
eine Erinnerung, um das Heraufbeschwören der Vergangenheit durch den
jüngeren Bruder Brian.

Dann schürt Mitchell den Text weiter, schafft eine Atmosphäre von Ge-
genwart, durch Dialog: "Wer hat dich denn gefragt?", lässt er Brian
sagen. In den nächsten Sätzen erfahren wir dann etwas mehr über Bri-
an. Er ist sieben Jahre alt, gut ein Meter fünfzehn groß, mit acht-
undzwanzig Kilogramm Gewicht. Der fünf Jahre ältere Bruder muss fast
wie ein Erwachsener auf Brian wirken. Und dann erfahren wir mit weni-
gen Worten etwas von der tatsächlichen, gegenwärtigen Umgebung Bri-
ans: teure Autos, Zugmaschinen mit Dieselmotor, Highway-Geräusche .
wieder unterbrochen durch einen kurzen Dialog, eine weitere Belehrung
von Stephen:

"Wenn du es nicht besser machst, geht der Mantel in Feuer auf."
"Geht er nicht."
"Doch, das wird er, und du wirst dich verbrennen. Du wirst dann
sterben. Genauso wie ..."

Auch hier wieder ein Stück Dialog ohne erklärenden Text, da der Dia-
log an dieser Stelle alleine völlig genügt.

Ein paar Zeilen weiter lässt Mitchell die Tür zu dem düsteren Raum
aufgehen. Licht flutet hinein und bringt Brian dazu, sich lächelnd
umzudrehen. Ein Feuerwehrmann steht in der Tür und liefert uns als
Leser damit ein weiteres Stückchen des Mosaiks.

"Wer soll sterben?", lässt Mitchell den Feuerwehrmann fragen, und er
lässt uns mit Stephens Antwort nicht nur wissen, dass der Feuerwehr-
mann der Vater der beiden Jungen ist, sondern auch, dass Brian in
Stephens Augen - und wohl auch in den Augen des Vaters - wie immer
versagt hat.

In diesem Romananfang steckt alles, was einen Leser (sofern er dieses
Genre mag) bei der Stange hält: lebendige Figuren, Spannung durch
Konflikt, ein faszinierendes, alles andere als alltägliches Setting
und Ereignisse (die heraufbeschworenen Erinnerungen Brians), die ihre
Schatten weit vorauswerfen und die Phantasie und Neugierde des Lesers
schüren.

Wir sehen also, wie wichtig ein guter, lebensecht wirkender Dialog
ist und wie man seine Wirkung durch ein Dazutun oder auch Weglassen
von erzählendem Hintergrund stärken kann. Wichtig ist es, das Handeln
und Denken der Figuren während des Redens durch eine angemessene
Schilderung im Erzähltext zu unterstreichen - was aber nicht heißt,
dass man dabei jede Geste, jedes Drumherum, jede Bewegung, jeden
Blick und jeden Gesichtsausdruck der Figuren bis ins Kleinste fest-
halten muss. Auch der Leser braucht Raum für seine Phantasie, Raum
für sein aktives und kreatives Mitgestalten, um von einer Geschichte
wirklich gefangen zu sein. Und deshalb sagt eine scheinbar beiläufige
Andeutung oftmals mehr als eine wortreich detaillierte Beschreibung.

Ein Beispiel:

"Halt den Mund!", sagt Brian mit Kinderstimme und starrt seinen
Bruder mit dunklen Augen verdrießlich an.
"Falsch, falsch, falsch." Stephen begegnet kurz dem düsteren
Blick des Bruders und schiebt die Gurte mit seinen viel größeren
und geschickteren Händen in die Schnallen, aber Brian stößt seine
Hände von sich und wendet sich demonstrativ ab, denn er wird es
alleine schaffen. Irgendwann.

Das Original:

"Halt den Mund!", hört Brian sich mit Kinderstimme sagen. Sein
Verdruss ist groß.
"Falsch, falsch, falsch." Stephens Finger schieben die Gurte in
die Schnallen, aber Brian stößt die Hände seines Bruders von
sich. Er wird es allein schaffen. Irgendwann.

Das Original bedarf keiner zusätzlichen umschreibenden Worte. Alles,
was gesagt werden muss, ist im Original gesagt, während das erläu-
ternde Beispiel die Phantasie des Lesers mit seinem Zuviel an be-
schreibendem Text erstickt. Alles, was für den Hintergrund dieser
Passage wichtig ist, hat Mitchell in den übrigen Erzähltext getan,
ohne den direkten Dialog damit unmittelbar zu belasten.

Und es gibt zwei Wege, diese Kunst durch Beharrlichkeit zu erlernen
und stetig zu verbessern: Lesen, Lesen, Lesen und Schreiben, Schrei-
ben, Schreiben!

In den nächsten Ausgaben des Tempest:
- Der Dialog vermittelt das Roman-Geschehen
- Der Dialog vermittelt dem Leser ein Gefühl für Raum und Zeit


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INTERVIEW:
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mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de

"Ein enormes Glücksgefühl"
Interview mit Sylvia Englert

RRB: Sie sind seit Jahren als Lektorin tätig (u. a. bei Campus). Was
hat Sie dazu veranlasst, einen solch umfassenden und gleichzeitig so
in die Tiefe gehenden Autorenratgeber zu schreiben wie Ihr Buch "So
finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript"? Ihr Buch geht ja weit
über das Thema Manuskript und Verlagssuche hinaus, informiert über
Agenturen, Druckkostenzuschussverlage, Selbst- und Kleinverlage, Li-
teraturzeitschriften, Lesungen, Autorengruppen und Verbände, Wettbe-
werbe, Förderungsmöglichkeiten und Literatur Online.

Sylvia Englert: Die Idee ist gemeinsam mit meiner Lektorin Britta
Kroker entstanden, der jetzigen Programmleiterin von Campus. Sie er-
wähnte mal in einem Nebensatz, dass sie mal ein solches Buch machen
wollte, und ich als ihre Mitarbeiterin sollte einen passenden Autor
dafür suchen. Ich war Feuer und Flamme für die Idee und beschloss,
mich ganz frech selbst vorzuschlagen. Zum Glück gefiel mein Exposé
der Lektorin so gut, dass sie es gleich akzeptierte, und wir hatten
ja schon mal gemeinsam ein Buch gemacht, so dass sie mich als Autorin
kannte. Dass ich so begeistert von dem Projekt war, lag daran, dass
ich in meiner (zu Anfang noch schwierigen) Doppelrolle als Autorin
und Lektorin selbst viele Erfahrungen mit Agenturen, Verlagen, Lite-
raturzeitschriften, Lesungen, Autorengruppen, Literatur im Internet
etc. gesammelt hatte. Auch mein Freundeskreis besteht zu einem großen
Teil aus Autoren, veröffentlichten und unveröffentlichten. Es ist al-
so ein sehr persönliches Buch. Das umfassende Konzept ergab sich ganz
von selbst; Bücher, die nur die Oberfläche eines Themas ankratzen,
interessieren mich nicht. Mein Ziel war, alles Wissen zu vermitteln,
das man als angehender Autor braucht, um in der Welt der Bücher be-
stehen zu können.


RRB: Ihr Ratgeber basiert auf 60 Interviews mit Menschen aus der Pra-
xis des Medien- und Literaturbetriebs (AutorInnen, LektorInnen, Ver-
legerInnnen, AgentInnen etc.). Wie sind Sie bei dieser Recherche vor-
gegangen?

Sylvia Englert: Die Recherche hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.
Ich hatte in dieser Zeit einen Freibrief, alle Leute aus der Branche,
die mich interessierten, endlos mit Fragen zu löchern. Also habe ich
mir eine "Wunschliste" zusammengestellt. Natürlich musste es ausgewo-
gen sein, ein bunter Querschnitt der deutschen Literaturszene - Leute
aus kleinen Verlagen, großen Verlagen, Sachbuch, Lyrik, Unterhal-
tungsliteratur, Kinder- und Jugendbuch, Agenten ganz verschiedener
Couleur, unbekannte Autoren, berühmte Autoren und so weiter. Jeden
meiner Interviewpartner habe ich gebeten, mir Leute zu empfehlen, die
sich ebenfalls als Interviewpartner eignen würden, und so hat sich
das immer weiter ausgeweitet und verzweigt. Um mir Termine zu ver-
schaffe, habe ich eine Menge Briefe und Faxe an die Leute, die ich
noch nicht persönlich kannte, herausgejagt und diejenigen, die ich
kannte, angerufen. Zum Glück waren die meisten sehr aufgeschlossen
für mein Anliegen, auch die Promis. Ich fuhr also mit meinem Recorder
und Notizblock quer durch Deutschland - München, Frankfurt, Hamburg,
Berlin - und führte Interviews, die jeweils bis zu eineinhalb Stunden
dauerten. Drei pro Tag schaffte ich höchstens. Wenn jemand zu weit
abseits lebte, musste man sich mit Telefon und E-Mail behelfen, aber
das war eher die Ausnahme.

Es war es eine höllische Arbeit, all diese Interviewbänder abzutip-
pen. Für jedes brauchte ich einen halben Tag. Für die Recherchephase
ging in diesem Jahr der größte Teil meines Urlaubs drauf. Netterweise
bewilligte mir der Verleger von Campus noch ein paar zusätzliche Ta-
ge, die eigentlich für Fortbildungsveranstaltungen gedacht waren.
Doch die Interviews waren ja auch eine Art Fortbildung: In dieser
Zeit habe ich eine Menge gelernt und erfahren und außerdem (ein net-
ter Nebeneffekt) Kontakte geknüpft, die schon zu weiteren Buchprojek-
ten geführt haben, und Freundschaften geschlossen.


RRB: Auf Ihrer Homepage (http://members.aol.com/syl1603/index.htm)
weisen Sie auf Ihre Bücher hin. Welche Resonanz bekommen Sie auf Ihre
Webseiten? Ich denke dabei auch an die Rubrik "Autoreninfo".

Sylvia Englert: Praktisch keine. Ich muss aber auch zugeben, dass ich
die Aktualisierung letztes Jahr habe schleifen lassen, weil ich im
Redaktionsbüro sehr eingespannt war. Ab und zu melden sich Leser, die
auf der Page meine E-Mail-Adresse gefunden haben, bei mir. Zu manchen
Zeiten habe ich einen Leserbrief pro Tag bekommen, ein Drittel traf
per Mail ein.


RRB: Welche Erfahrungen haben Sie als Autorin Ihres Buches während
der Zusammenarbeit mit dem Campus-Verlag gemacht?

Sylvia Englert: Ganz gemischte. Wie schon erwähnt, hat der Verlag
mich zu dem Buch inspiriert und zum Teil während der Recherche unter-
stützt, andererseits war ich sehr enttäuscht davon, wie wenig man dem
Buch zugetraut hat und wie gering aus diesem Grund Honorar und Werbe-
maßnahmen ausgefallen sind. Die Verhandlungen waren sehr schwierig,
und das Honorar hat nicht mal die Kosten der Recherche gedeckt.


RRB: Welche Erfahrungen haben Sie als Lektorin mit Ihren AutorInnen
gemacht?

Sylvia Englert: Leider ist es speziell im Sachbuch so, dass der Ver-
lag keine fertigen Bücher kauft, sondern Ideen. Man muss also viel
Betreuungsaufwand leisten, bis das Buch geschrieben ist, und hat das
Risiko, dass das fertige Manuskript trotzdem schwach oder nicht das
ist, was man wollte. Auch mit Abgabeterminen gibt es häufig Probleme.
Das muss man als Lektorin dann irgendwie mit viel Schweiß wieder ge-
radebiegen, während einem die Termine im Nacken hängen. Aber trotz
des vielen Ärgers (eine Kollegin hat mal gesagt, dass Lektorat ei-
gentlich Katastrophenmanagement ist - das unterschreibe ich) macht
mir die Arbeit sehr viel Spaß. Das Verhältnis zwischen Lektor und Au-
tor ist oft sehr eng, man kommt oft zu einem schönen Vertrauensver-
hältnis. Wenn dann das fertige Buch vor einem liegt, dann ist das ein
enormes Glücksgefühl. Mit der ersten Autorin, die ich eigenverant-
wortlich betreut habe, bin ich heute noch befreundet, obwohl wir nur
ein Projekt zusammen gemacht haben.


RRB: Wie schätzen Sie die Veröffentlichungsmöglichkeiten für einen
unbekannten Autor bzw. Autorin ein?

Sylvia Englert: Recht gut, wenn die Textqualität stimmt und man etwas
schreibt, was vom Genre her halbwegs Chancen hat. Aber es kann ein
paar Jahre dauern, bis es wirklich so weit ist, dass ein Verlag "an-
beißt". Man muss in diesen Moment investieren, indem man intensiv an
seinen Texten arbeitet, in der Bücherwelt aktiv ist und Leute und
Verlagsprogramme kennen lernt. Eine Garantie gibt es allerdings
selbst für gute und engagierte Autoren nicht, und das ist schlimm und
schmerzhaft.


RRB: In Ihrem Ratgeber behandeln Sie auch das Thema "Agenturen" sehr
ausführlich. Werden Agenturen - wie in den USA - auch in Deutschland
eine immer größere Rolle spielen?

Sylvia Englert: Ja, zweifellos. Allerdings frage ich mich, was zuerst
da war, die Henne oder das Ei. Jahrzehnte lang sind wir hier in
Deutschland auch fast ohne Agenten, die deutsche Autoren vertreten,
recht gut klar gekommen. Dadurch, dass viele Verlagsmitarbeiter "out-
gesourced" werden, sind sie gezwungen, sich als Agenten einen Markt
zu schaffen. Die Verlage wiederum sind gezwungen, mit ihnen zusammen-
zuarbeiten, um attraktive Manuskripte zu bekommen. Das entwickelt ir-
gendwann eine Eigendynamik. Natürlich haben Autoren und Verlage auch
zum Teil große Vorteile aus dem Trend zum Agenten. Verlage sparen Ar-
beit, Autoren haben im Idealfall einen starken Verbündeten, der ihnen
zur Seite steht. Aber ich habe zuweilen den Eindruck, dass selbst se-
riöse Agenten durch gnadenlose Preistreiberei zur Kommerzialisierung
der Buchwelt beitragen - und wie Sie wissen, gibt es auch eine Viel-
zahl von unseriösen Agenten, die Autoren schaden.


RRB: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie für einen Autor, wenn er
sich für die Veröffentlichungsmöglichkeit "Book on Demand" entschei-
det, die neuerdings sehr im Kommen ist?

Sylvia Englert: Ich sehe das als eine gute Alternative zum Druckkos-
tenzuschussverlag und zum Selbstverlag, speziell für den Bereich
Sach- und Fachbuch. Aber es wird sicher noch eine Weile dauern, bis
die Kinderkrankheiten dieses Verfahrens überwunden sind. Auf jeden
Fall sollte man sich von den Anbietern Muster schicken lassen, bevor
man sich für einen entscheidet, und reklamieren, wenn man mit dem Re-
sultat nicht zufrieden ist. Nach dem, was ich gehört habe, schwankt
die Herstellungsqualität leider selbst bei ein und demselben Anbie-
ter.


RRB: Können Sie uns etwas zu den Marktgrößen der einzelnen Genres sa-
gen? Im Sciencefiction- und Fantasy-Bereich heißt es zum Beispiel,
dass generell mit einem maximalen Leserpotential von 5.000 gerechnet
werden kann. Wie sieht diese Größenordnung beispielsweise im Bereich
des Historischen Romans, des Krimis, der Frauenliteratur, der Kinder-
und Jugendbuch-Literatur, den Anthologien, der Lyrik, dem Sachbuch
oder irgendeinem anderen Bereich, mit dem Sie vertraut sind, aus?

Sylvia Englert: Die beste Methode, diese Marktgrößen zu erforschen,
wäre, die Lektoren der entsprechenden Segmente und Verlage nach der
durchschnittlichen Startauflage ihrer Bücher zu fragen, und das noch
mal ausdifferenziert nach Paperback und Hardcover. Deshalb hier ganz
über den Daumen: Historische Romane relativ unbekannter Autoren wer-
den, schätze ich, mit Auflagen von 10.000-30.000 Stück gestartet und
bei Bedarf nachgedruckt, weil das Leserpotential sehr groß ist. Er-
folgreiche historische Romane können mehrere Hunderttausend Stück er-
reichen. Bei Krimis nicht so bekannter Autoren liegen die Startaufla-
gen je nach Verlagsgröße bei ca. 3.000-15.000 Stück, Bestseller er-
reichen Zahlen wie historische Romane. Im Bereich Frauenliteratur
kenne ich mich zu wenig aus, aber wenn Sie sich auf Bücher des Hera-
Lind-Typs beziehen, würde ich sie ähnlich wie historische Romane ein-
schätzen. Im Kinder- und Jugendbuch liegen die Startauflagen etwa bei
3.000-6.000 Stück, je nach Erwartung des Verlages. Bei großen Kopro-
duktionen mit ausländischen Verlagen kann die Gesamtauflage natürlich
noch wesentlich höher gehen. Lyrikanthologien würde ich (je nach Ver-
lagsgröße) auf 200-1.000 Exemplare schätzen, nur bei sehr bekannten
Namen würde man sicher höher gehen. Im Sachbuch ist es je nach Verlag
extrem unterschiedlich. Teure, qualitativ hochwertige Bücher macht
man nicht mit mehr als 3.000-6.000 Stück, während Massen-Paperbacks
mit populären Themen durchaus auch in Erstauflagen von 10.000-30.000
auf den Markt geworfen werden. Wird das Buch im ersten Jahr ein Er-
folg, wird nachgedruckt, wenn nicht, wird zum Teil schon nach einein-
halb, zwei Jahren verramscht.

[Anm. d. Redaktion: Der Begriff "Ramsch" bezeichnet in der Verlags-
sprache Bücher, deren Ladenpreis aufgehoben ist, weil sie vom Verlag
als unverkäuflich angesehen werden. In der Regel werden sie zu nied-
rigen Preisen über moderne Antiquariate und auf Wühltischen angebo-
ten.]

RRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?

Sylvia Englert: Er oder sie sollte fasziniert sein von Menschen, vom
Geschichtenerzählen und von Büchern. Wenn Sprachgefühl und gute Ideen
hinzukommen, dann ist das Potential da. Dann hängt es vom Fleiß und
der Entschlossenheit ab, ob sich etwas daraus entwickelt.


RRB: Was bedeutet Schreiben für Sie?

Sylvia Englert: Das gedruckte Wort ist meine große Leidenschaft, und
das Schreiben gehört für mich von Kindheit an untrennbar zu meiner
Persönlichkeit. Als Journalistin, Autorin und Lektorin habe ich genau
den Beruf gefunden, der zu mir passt.


RRB: Welche Schreib- bzw. Buchpläne möchten Sie unbedingt noch ver-
wirklichen?

Sylvia Englert: Es wird ein sehr schönes Gefühl sein, wenn diesen
Herbst mein Projekt "Kreatives Schreiben für Jugendliche" bei Eller-
mann und mein neues Buch bei Campus herauskommen. Beide liegen mir
sehr am Herzen. Darüber hinaus gebe ich gerade einem Fantasyroman den
letzten Schliff, den ich eventuell zu einer Trilogie ausbauen werde,
wenn der erste Band gut ankommt. Das wäre so ein kleiner Traum von
mir. Darüber hinaus habe ich das Exposé für einen Roman über die Er-
lebnisse einer Ghostwriterin in der Schublade, das würde mich schon
sehr reizen.


RRB: Welches Buch/Magazin lesen Sie zur Zeit? Und was hat Sie davon
sehr beeindruckt?

Sylvia Englert: Ich habe neben meinem Bett einen Riesenstapel Bücher
liegen. Lesen ist auch so eine Sucht von mir. Gerade habe ich von Ian
McEwan "Amsterdam" gelesen und immer wieder seine schöne Sprache be-
wundert, seinen Witz und die menschliche Spannung, die er aufbaut.
Parallel habe ich mir den zweiten Teil der Harry-Potter-Serie
reingezogen. Er ist zwar nicht so gut wie der erste, aber mich
wundert es trotzdem nicht, dass so viele Jugendliche süchtig nach
diesen Büchern sind. Außerdem lese ich gerade einen historischen
Roman über Erik den Roten, der Name des Autors ist mir gerade
entfallen. Als nächstes sind "Die Gesetze" von Connie Palmen und
"Supertex" von Leon de Winter dran.

Magazine lese ich ständig, weil ich aus beruflichen Gründen die Augen
nach Trends offen halten muss. Ich staune immer wieder über die guten
Einstiege der Spiegel-Artikel (das ist fast schon eine Kunstform) und
über die Tatsache, dass Focus immer wieder so alte, abgelutschte The-
men ins Blatt nimmt.


RRB: Gibt es irgendetwas, das Sie angehenden Autorinnen und Autoren
besonders an Herz legen wollen?

Sylvia Englert: Klar. Wenn Sie schon immer einen Roman schreiben
wollten, dann fangen Sie JETZT an!

Herzlichen Dank für das Interview!


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FRAG DEN EXPERTEN FUER VERLAGSWESEN, BUCHHANDEL & MARKETING:
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mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de

Frage: Eine meiner Geschichten soll in einer größeren Zeitschrift
veröffentlicht werden. Mit dem Vertrag bin ich weitgehend zufrieden,
allerdings ist noch nicht klar, wann und ob die Geschichte wirklich
erscheint. Ist es sinnvoll ein Ausfallhonorar zu vereinbaren, falls
es doch nicht zur Veröffentlichung kommt?

Antwort: Im ersten Moment klingt ein Ausfallhonorar nach einem tollen
Geschäft. Sie bekommen Geld, selbst wenn der Verlag Ihr Manuskript
überraschend nicht abdruckt.

Der Haken kann jedoch darin liegen, dass der Verlagsvertrag gültig
oder aktiv bleibt, wenn Sie ohne Veröffentlichung Geld bekommen. Der
Verlag ist seinen Verpflichtungen nachgekommen, und Sie müssen es
folglich auch.

Die denkbar ungünstigste Situation ist, wenn Ausfallhonorar und Erst-
bzw. Exklusivveröffentlichungsrecht zusammentreffen. Sie haben sich
verpflichtet, dass Ihr Manuskript beim Verlag X erscheint - entweder
zuerst dort oder generell dort. Entscheidet der Verlag nun, nicht zu
drucken, würde normalerweise der Vertrag aufgelöst und Sie könnten
sich neue Wege suchen. Ist im Vertrag aber ein Ausfallhonorar gere-
gelt, bleibt der Vertrag bestehen. Sie erhalten das Geld, doch Ihr
Manuskript wird nie verlegt. Ihr berechtigtes Interesse an der Veröf-
fentlichung kann auf diese Weise leicht als Druckmittel für weitere
Verhandlungen missbraucht werden. Im Extremfall erscheint Ihre Arbeit
nie - was gerade im Bereich politischer oder theologischer Literatur
schon vorgekommen ist.

Ein Ausfallhonorar sollen Sie also nur akzeptieren, wenn es nicht um
Erstveröffentlichungs- oder Exklusivrechte geht. Oder wenn das Manu-
skript konkret auf einen Verlag oder eine Reihe zugeschnitten ist und
sich ohnehin nicht anderweitig verwenden lässt.

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Jahrgang 1972, gelernter Verlagskaufmann, Buchhändler und Verlags-
fachwirt (Marketing). Als Autor im Bereich Belletristik und Verlags-
wesen, Buchhandel, Marketing hat er unter anderem bei Heyne, Bas-
tei-Lübbe und in "c’t magazin für computertechnik" veröffentlicht.
Aktuell verlegt er seinen Fantasy-Roman "Wilde Jagd" als eBook unter
http://www.BjoernJagnow.de/ebook/.

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FRAG DEN LYRIKEXPERTEN:
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mailto:lyrik at autorenforum punkt de

Frage: Ich habe in der Theorie verstanden, was das Versmaß ist. Es
selbst erkennen konnte ich aber nie. Freunde bestätigen mir ein gutes
Sprachgefühl - wie kann ich lernen, auch mit Versmaß zu dichten?

Antwort: Ich denke, dass der Umgang mit dem Versmaß für jeden erlern-
bar ist. Vielleicht macht es Begabung dem einen leichter und dem an-
deren schwerer, grundsätzlich kann aber jeder verschiedene Versmaße
erkennen und auch anwenden. Drei Methoden möchte ich dir vorschlagen,
die dir auf dem Weg dorthin helfen können.

Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, wirst du Wörter wie "Menschen",
"viele" oder "geschrieben" ganz automatisch so betonen, wie es dein
Nachbar auch tut. "Menschen" und "viele" auf der ersten Silbe, "ge-
schrieben" auf der zweiten Silbe. Es ist nichts Falsches daran, das
Dichten einmal ganz technisch anzugehen. Du weißt, dass zum Beispiel
beim Trochäus betonte und unbetonten Silben immer abwechselnd ange-
ordnet sind, begonnen mit einer betonten Silbe. So kannst du, indem
du dich selbst bei der Betonung von Wörtern beobachtest, zwei Zeilen
im Trochäus schreiben:

Viele Menschen wollen schreiben,
manche gern im Versmaß bleiben.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn du vermeiden möchtest, dass der Leser
deine Verse herunterrattert wie ein Stock, den man an einem Gitter-
zaun entlangführt, dann kannst du das durch eine unregelmäßige Anzahl
von Silben je Zeile erreichen:

Viele Menschen wollen
schreiben,
manche gern
im Versmaß
bleiben.

Was kann dir noch helfen, ein Gefühl für das Versmaß zu entwickeln?
Sicher gibt es Lieder, die du auswendig mitsingst, wenn sie im Radio
kommen. Oder die dir einfallen, wenn du draußen im Regen stehst.
Dichte zur Übung einfach mal einen neuen Text für eine dir bekannte
Melodie. Oft halten sich auch heute noch die Texter der Lieder an die
alten Versmaße, mit kleinen Unregelmäßigkeiten, die der Sänger dann
unbemerkt ausgleicht.

Mein dritter Vorschlag wird dir wie eine Binsenweisheit vorkommen. Es
gibt erstaunlich viele junge Dichter, die Gedichte schreiben, aber
nicht lesen. Wenn du selbst Gedichte schreiben möchtest und deine Fä-
higkeiten dabei nicht für Jahre auf demselben Stand bleiben sollen:
Fang an, Lyrik zu lesen! Es müssen nicht die alten Klassiker sein.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Freude es macht, für sich
einen Lieblingsdichter zu finden und von ihm zu lernen.

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Titus Müller ist Herausgeber der Autorenzeitschrift "Federwelt". Sei-
ne Artikel, Prosa und Lyrik wurden in verschiedenen Zeitschriften und
im Radio veröffentlicht. Er hat im Eigenverlag das E-Book "Wie man
gute Gedichte schreibt" publiziert und Workshops zum Thema gehalten.
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