Ausgabe 16-01 (20 Januar 2014)

    Editorial
    Hall of Fame
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Autorenwissen
       "Aufschieberitis: Noch mehr Tipps"
       von unseren Leserinnen
    Marketingideen
       "Die Bumerang-Wirkung von Werbeartikeln"
       von Maike Frie
    Spannung, der Unterleib der Literatur
       "Die böse Couch"
        Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Buchbesprechung
       "Kreativ unterwegs"
       besprochen von Gabi Neumayer
    AutorInnengespräch
       "Die Kluft zwischen E- und U-Literatur ..."
       Barbara Slawig und Olga A. Krouk
    Verlagsportrait
       "ACABUS Verlag"
    Frag den Experten für Verlagswesen
       (Björn Jagnow)
    Frag den Experten für Drehbuch
       (Oliver Pautsch)

EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

na, gut ins neue Jahr gekommen? Dann seid ihr hoffentlich bereit dazu,
der Aufschieberitis endgültig ein Ende zu bereiten. Neue Tipps zum
Thema gibt es von einer unserer Leserinnen. Schickt uns gern auch eure
Tipps, wir sammeln weiter!

Der erste Tempest im neuen Jahr bietet neben vielen neuen
Ausschreibungen und Seminaren im zweiten Teil einen neuen
Marketingartikel von Maike Frie, diesmal geht es um Werbemittel. Hans
Peter Roentgen untersucht in seinem Spannungslektorat einen Text mit
einem heiklen Thema. Wir stellen euch ein Buch für selbst organisierte
kleine Schreibreisen vor. Und statt eines Interviews gibt es in dieser
Ausgabe ein Autorinnengespräch: Olga A. Krouk und Barbara Slawig
unterhalten sich über die Kluft zwischen U- und E-Literatur - ein
Dauerbrenner, hier aus der persönlichen Sicht zweier Autorinnen aus
"beiden Lagern". Und unsere Experten für Drehbuch und Verlagswesen
beschäftigen sich mit euren Fragen aus der Praxis.

Übrigens: Noch bis Ende Januar ist unsere Lyrikexpertin Martina Weber
rund um die Uhr über das Mainzer Kulturtelefon mit Gedichten aus ihrem
Band "erinnerungen an einen rohstoff" zu hören, Telefon: (0 61 31) 69
39 44. Auch ihr könnt euch dort bewerben, mit Textprobe, Foto und
Vita. Die Lesung wird per Telefon aufgenommen, so dass eine Anreise
nicht nötig ist. Kontakt über: http://www.mainzer-kulturtelefon.de.

Der Tipp des Monats Januar, diesmal von
http://www.facebook.com/Literaturkaninchen:

    Nutze auch andere Sinne als das Sehvermögen, und beschreibe
    aus der Sicht der Figur. "Er roch das nasse Fell
    des Köters" ist besser als "Der Hund war nass".

Wer mithelfen will, den Tempest auch 2014 am Leben zu erhalten, findet
unter dem Editorial die aktualisierten Bankdaten für den
Jahresbeitrag, mit IBAN und BIC. Eine schöne Gelegenheit, diese
grässlichen Mammutzahlen mal auszuprobieren, finden wir!

Und noch ein Aufruf: Diesen Monat hat ihr letztmals die Chance, Maike
Frie eine eurer Pressemitteilungen zu schicken, um eine professionelle
Meinung dazu zu bekommen! Einfach per Mail an die Redaktion schicken,
wir leiten es weiter.


  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das
Konto:

Jürgen Schloßmacher
Kreissparkasse Köln
BIC: COKSDE33XXX
IBAN: DE23370502991142176163
Stichwort: "Beitrag 2014"

Wichtig: Das Konto läuft NICHT mehr auf den Namen "autorenforum",
sondern nur auf "Jürgen Schloßmacher"!

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des
Tempest).

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ISSN 1439-4669  Copyright 2014 autorenforum.de. Copyright- und
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

    Editorial
    Hall of Fame
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Autorenwissen
       "Aufschieberitis: Noch mehr Tipps"
       von unseren Leserinnen
    Marketingideen
       "Die Bumerang-Wirkung von Werbeartikeln"
       von Maike Frie
    Spannung, der Unterleib der Literatur
       "Die böse Couch"
        Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Buchbesprechung
       "Kreativ unterwegs"
       besprochen von Gabi Neumayer
    AutorInnengespräch
       "Die Kluft zwischen E- und U-Literatur ..."
       Barbara Slawig und Olga A. Krouk
    Verlagsportrait
       "ACABUS Verlag"
    Frag den Experten für Verlagswesen
       (Björn Jagnow)
    Frag den Experten für Drehbuch
       (Oliver Pautsch)
    Impressum


TEIL 2:

    Veranstaltungen
    Ausschreibungen
    Publikationsmöglichkeiten
         mit Honorar
         ohne Honorar
    Seminare
    Messekalender
    Impressum


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HALL OF FAME:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen
muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
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Karl Plepelits: "Unterwegs in Spanien. Fiestas, Pilger, Kathedralen",
Iatros Verlag 2013, erzählendes Sachbuch. Alles, was den Touristen
interessiert, akribisch aufbereitet

Andreas Hartmann: "Pirat der Seifenmeere", Obelisk Verlag 2014,
Kinderbuch. Peter träumt von Kaperfahrten und überschwemmt das Bad.

Thomas Erle: "Teufelskanzel", Gmeiner Verlag 2013, Kriminalroman.
Keltische Mystik im Schwarzwald/Freiburg. www.thomas-erle.de

Susanne Emerald: "Abd el Kader und die Friseuse", Autumnus Verlag
2014, Kriminalroman. Aus Ägypten


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SCHREIB-KICK:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den Januar, diesmal von Jennifer Schreiner:

Wer bin ich?
............
Du bist einmalig und weißt, wer du bist. Das ist unbestritten. Aber
wer und was dich beeinflusst und geprägt hat, ist so vielfältig, dass
es dir vielleicht selbst nicht bewusst ist. Mithilfe der Methoden
"Cluster" und "Mindmapping" kannst du eine erste Klärung versuchen.

Schreibe in die Mitte eines leeren DIN-A3-Blattes das Wort "Ich", und
los geht es. Stichworte, Ideen, Einfälle, Namen, Verbindungen, alles,
was dir spontan einfällt.

Natürlich kannst Du auch Oberbegriffe verwenden: Religion, Glaube,
Hobby, Tiere, Schule, Politik etc.

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme kannst du einzelne Stellen durch
Zeichnungen veranschaulichen oder verbinden.

Übung: Schreibe zu einem wichtigen Ereignis eine Erlebniserzählung.


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LESETIPPS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2
014/01/09/was-verlage-von-selfpublishern-lernen-koennen.htm
Der ideale Verlag aus Autorensicht: Was Verlage von Selfpublishern
lernen können, beschreibt SF-Autor Hugh Howey hier.


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AUTORENWISSEN:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


                   "Aufschieberitis: Noch mehr Tipps"

Auch Marie-Luisa Sandt hat uns ihre Tipps nach André Wieslers Artikel
zur Aufschieberitis aus dem September-Tempest geschickt. Und welche
Tricks habt ihr gegen die Aufschieberitis auf Lager? Mailt sie uns!


++++++++++++++++++
Marie-Luisa Sandt:
++++++++++++++++++

         Schritt 1: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Ich brauche ein Leitfaden für die Handlung als Orientierung, damit ich
weiß, wohin ich als Nächstes überhaupt möchte. Der muss auch nicht
lang sein, ein paar Stichworte zu Ausgangsbasis, emotionaler
Höhepunkt, Midpoint, emotionaler Tiefpunkt und Ende genügen schon
(noch besser funktioniert es natürlich mit einem Exposé oder
Treatment).


         Schritt 2: Schreiben, schreiben, schreiben

Täglich am Skript arbeiten! Egal wie viel, wichtig ist die
Regelmäßigkeit, nicht die Menge. So hält man das Unterbewusstsein
immer "bei der Stange". Hakt man an einer Stelle, gar nicht erst lange
grübeln, einfach einen Platzhalter setzen und die Notizfunktion
bemühen (z. B. "hier noch Details zu ... einfügen"), und weiter gehts.
Alles andere kann bis zur nächsten Überarbeitung warten. Am Ende des
Tagespensums ein paar Stichworte vorgeben, was am nächsten Tag folgen
soll (Anregungen dazu gibt der Leitfaden aus Schritt 1).

Wenn ich dies alles beachte,  kann ich es gar nicht erwarten, mich
jeden Tag erneut an mein Skript zu setzen. Ich bin sofort wieder
"drin", brauche kein Einarbeiten oder Nachlesen des bereits
Geschriebenen - und aufgeschoben wird was anderes :-)


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MARKETINGIDEEN:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


              "Die Bumerang-Wirkung von Werbeartikeln"
                           von Maike Frie

Im den letzten Tempest-Ausgaben haben wir uns mit Pressearbeit
beschäftigt. Heute nutzen wir die eigene Kreativität (denn das sind
wir doch alle, heillos kreativ, oder etwa nicht?) für eine weitere Art
von Aufmerksamkeitssteigerung: Werbemittel.


         Druckmittel

Im Bekanntenkreis sind verteilte Postkarten vielleicht tatsächlich ein
Druckmittel, um zu sagen: "Kauf es!", aber eigentlich sind mit
"Druckmittel" bedruckte Werbemittel aller Art gemeint. Doch warum Geld
für Geschenke an die Leute ausgeben, durch die Sie eigentlich etwas
verdienen wollen? Weil Sie, um mit dem Schreiben erfolgreich zu sein,
im Gespräch bleiben müssen, und Selbstmarketing - also auch
Werbeartikel - Ihnen dabei helfen kann. Wie ein Bumerang kehrt Ihr
Geld also hoffentlich zu Ihnen zurück.

Günstigere Werbeartikel wie Feuerzeuge, Reflektoren oder
Einkaufswagenchips nennt man Streuartikel oder Give-aways. Luftballons
oder Eiskratzer zum Beispiel gibt es schon ab rund zehn Cent pro
Stück.


         Manche mögen’s klassisch

Klassische - da relativ wirkungsvolle - Werbegeschenke sind nach wie
vor Kugelschreiber und Blöcke. Lesezeichen oder USB-Sticks sind
nützliche Alltagsgegenstände, die oft in den Händen ihrer Besitzer
sind und so immer wieder an den Schenkenden erinnern: Die Mutter
erinnert sich beim Spielen mit Ihrer Frisbeescheibe daran, wie
begeistert das Kind auch nach Tagen noch von Ihrer Lesung erzählt hat.
Der Redaktionsleiter erinnert sich beim Kritzeln mit Ihrem Bleistift
daran, dass er Sie mal wieder anrufen könnte, um Sie als Autorin für
einen Artikel zu gewinnen. Die schnupfengeplagte Leserin erinnert Ihre
Taschentücherpackung in der Hand, dass ihr dieser herzzerreißende
Liebesroman sicherlich die Zeit auf dem Sofa verkürzen würde.

Je nützlicher und origineller Ihr Werbeartikel ist (beispielsweise
Stofftaschentücher mit Erinnerungsknoten und Ankündigungsaufdruck für
Ihre nächste Lesung), desto eher wird er auch wirklich wahrgenommen
und erinnert somit immer wieder an Sie und Ihre Botschaft. Damit
dieses "Immer-wieder" auch möglichst lange vorhält, ist es günstig,
sich für einen Werbeartikel zu entscheiden, der langlebig ist. Zum
Beispiel erinnern Kalender im Idealfall 365 Tage an Sie.

Schlecht kommen hierbei alle essbaren Werbeartikel weg: Kaum
hinuntergeschluckt, ist auch schon der Effekt flöten. Und werden sie
nicht direkt gegessen, sind Schokolade und Gummibärchen bald schon
unansehnlich.


         Interessen der Zielgruppe studieren

Ihre Zielgruppe ist wie bei der Pressearbeit auch beim Thema
Werbegeschenke entscheidend: Geht es um die Aufmerksamkeit für ein
Hundeliebhaberbuch, wäre vielleicht ein Zeckenschutzset prima. Zum
Katzengeschichtenband passen Adress-Tuben für die freiheitsliebenden
Vierbeiner. Eine Prickelnadel auf dem Bastelratgeber erhöht den
Kaufanreiz. Als Erinnerung an die durchwachte Lesenacht bieten sich
Pfefferminzbonbons für frischen Atem an. Und für eine Fachautorin
eignet sich eine bunte Pflasterbox, auf der Sprechstundenzeiten und
Telefonnummer stehen.

Gut ist es, wenn die Reichweite Ihres Werbeartikels - wie bei einer
Zeitung, die von mehreren Personen gelesen wird - höher ist als die
Auflage. Das vergrößert die Werbewirkung. Beispiel: Der Flaschenöffner
mit Ihrem Werbeaufdruck geht auf Partys von Hand zu Hand.


         Wohin mit dem ganzen Zeug?

Haben Sie ausreichend Platz, um Ihre Werbeartikel unterzubringen, und
wenn ja, wo? Stoffbeuteln sollten Sie eine mottenfreie Zone und keinen
feuchten Keller gönnen; essbare Werbeartikel müssen vor hungrigen
Kleinstlebewesen geschützt sein - sofern Sie überhaupt eine längere
Lagerung aushalten. Und wie ist es mit den viel genutzten Stiften?
Bleistifte haben hier vor austrocknenden Kugelschreibern die Nase
vorn. Bruchsichere, nicht verderbliche, kratz- und stoßfeste sowie
lager- und versandfreundliche Artikel bieten klare Vorteile.


         Nur Blickfang sein reicht nicht

Idealerweise haben Sie bereits ein Logo, einen Schriftzug, eine
Internetadresse mit festgelegtem Aussehen oder eben das Buchcover.
Entscheidend ist der Wiedererkennungswert: Lediglich
www.trudibitzel.de als Aufschrift mag wunderbar auf ein Lineal passen
und in Lila und mit dem geschwungenen Schriftzug ein echter Hingucker
sein - aber wer oder was ist Trudi Bitzel? Wenn Ihre Internetadresse
also nicht selbsterklärend ist, sollten Sie eine Unterzeile wie
"Botanik-Fachbücher" oder "Ungarisch-Übersetzungen" wählen.

Noch zwei weitere Hinweise dazu. Erstens: Größe des Artikels und
Aufschrift müssen zueinander passen. Was nutzt Ihnen die beste
Internetadresse, wenn sie so lang ist, dass sie nur in 2pt auf Ihren
Einkaufswagenchip passt? Zweitens: Erkundigen Sie sich nach der
Herstellungstechnik. Kunststoff zum Beispiel lässt sich farbgetreu
bedrucken; auf Metalloberflächen wird dagegen oft mit Lasergravuren
oder Ätzungen gearbeitet. Dabei können Logofarben manchmal nicht exakt
wiedergegeben werden.


         Der Zeitplan: Wann müssen Sie anfangen?

Rechnen Sie für die Vorbereitungszeit ruhig mit ein paar Wochen:
Entwürfe erstellen oder vorhandene Logos raussuchen und eventuell
überarbeiten (lassen), eine Auswahl treffen und eventuell ein Muster
anfordern ...

Die Produktionszeit kann sehr unterschiedlich ausfallen: Lassen Sie
Ihre eigene Vorlage für die Erinnerungsknoten beim T-Shirt-Laden um
die Ecke auf Taschentücher drucken, die Sie günstig am Vortag beim
Stoffladen-Räumungsverkauf erstanden haben, ist die Zeitfrage nicht
relevant. Bestellen Sie jedoch Schlüsselbänder in hoher Stückzahl,
wird der Lieferant vermutlich in Fernost produzieren und die Ware per
Container geliefert bekommen, was drei bis vier Monate dauern kann.


         Summa summarum?

Bei Streuartikeln ist der Stückpreis günstig, aber oft müssen Sie eine
Mindestmenge abnehmen (100 oder sogar 1.000 Stück). Nicht immer sind
die Kosten für eine Werbeanbringung inklusive, die kann den Preis um
einige Cent pro Stück erhöhen. Außerdem sollten Sie darauf achten, ob
es Staffelpreise gibt. Haben Sie den gewünschten Werbeaufdruck schon
als druckfähige Datei vorliegen? Selbst wenn Sie bereits ein Logo oder
eine Internetadresse in festem Corporate Design haben, müssen Sie
überlegen, ob das reicht oder ob Sie zusätzlichen Text, eine
Formatanpassung oder Ähnliches benötigen.

Eventuell müssen Sie also jemanden dafür bezahlen, eine Datei mit
Ihrem Logo, den Kontaktdaten und einem Werbetext zu erstellen und für
den Druck vorzubereiten. Bestehen Sie immer auf einer
Freigabeerteilung: Verrutschte Zeilen, Buchstabendreher ... Es ist
immer wieder erstaunlich, wie viel beim Druck schiefgehen kann.

Bei den Kosten für Werbeartikel sollten Sie auch daran denken, dass
die Angaben der Hersteller in der Regel Netto-Preise sind. Sind Sie
nicht vorsteuerabzugsberechtigt, kommt also noch die Mehrwertsteuer
von derzeit 19  Prozent hinzu. Außerdem sollten Sie genau klären, ob
Verpackungs- oder Frachtkosten anfallen (manchmal gibt es zum Beispiel
Kilometergrenzen).

Und zuletzt die Frage: Wie kommen Ihre Werbeartikel zu den Empfängern?
Wenn Sie Ihre Give-aways bei Lesungen verteilen wollen, entstehen
Ihnen keine weiteren Kosten. Wenn Sie einen
Schokoladenminiadventskalender in Ihre obligatorische Weihnachtspost
stecken, erhöhen sich allenfalls Ihre Portokosten. Versenden Sie
jedoch gesonderte Post oder müssen Sie jemanden fürs Verpacken und
Verteilen engagieren, sollten Sie diese Kosten vorher ebenfalls
einplanen.

So, nun aber losgestöbert in den Katalogen und gebrainstormt, was das
Zeug hält, welches Werbemittel für Ihren speziellen Fall am bestem
einzusetzen ist. Vielleicht haben Sie ja Lust, mir davon zu berichten,
oder schicken mir eine andere Frage rund ums Thema Selbstmarketing?

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Maike Frie, Münsteranerin von 1976 mit Skandinavien-Begeisterung; nach
Stationen in Oslo und Hamburg heimgekehrt; tätig als Dozentin,
Texterin, Lektorin und Mutter; bietet für Autoren Korrektorat,
Lektorat und Manuskriptberatung sowie ein Seminarprogramm zum
Kreativen Schreiben - mehr unter http://www.skriving.de


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht
überschreiten!
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                           "Die böse Couch"
                 Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen

Nicht denken. Nicht daran denken. Der Staubsauger ruckt gegen die
Strichrichtung des Teppichs. Hinter ihr ist die Tür zur Küche. Nur
schnell wieder raus hier. Rumms. Der Griff des Saugers schrammt an der
Schrankwand. Sie hat nicht aufgepasst. Ein Kratzer im Holz? Bloß das
nicht. Wieder den Rhythmus finden. Nicht die Augen heben.
Konzentration. Und Eile. Sie ist spät dran. Sie hat nicht sauber genug
gearbeitet. Noch einmal um den Sofatisch, zum Fenster und
Nachtspeicherofen. Das Saugteil dröhnt am Metall entlang. Hoffentlich
hat sie das oben nicht geweckt. Angst und Ekel sind gottlob lautlos.
Bloß nicht an so was denken. Nun den Staubsauger zum Sessel und Sofa
dirigieren. Nur Ungefährliches im Kopf freigeben ... die Kartoffeln
sind bald gar, hoffentlich reicht das Essen, die kleinen Geschwister
kriegen nie genug, hoffentlich schläft sie noch lange. Für immer.
Nein, Mutti, ich hab das nicht so gemeint, ich mach alles gut. Für
dich. Und für die Kleinen. Ich versprech’s dir.
Die Teppichkanten hochheben, auch den Boden darunter rasch saugen,
wischen erst morgen, vielleicht merkt es nachts niemand, weil sie dann
wieder schummriges Licht machen und weil sie dann beschäftigt sind.
Die Tapete - das Muster wird sie im Leben nicht vergessen, grüne,
scheußlich gezackte Kreise -, sie sieht sie auch, wenn sie die
Augenlider zusammenpresst. Jetzt unter die Couch. Es klappert am
Sauger. Ein Kronkorken. Wie hatte sie den übersehen können. Schnell in
die Hosentasche unter ihrem Kleid.
Bald kommt er schon wieder nach Hause. Vorher muss sie unbedingt noch
mal los, weil sie seinen Auftrag vergessen hat: im Geschäft um die
Ecke eine Flasche "Korn" besorgen. Im Geldbeutel sind aber nur noch
ein paar Groschen, und anschreiben lassen geht dort auch nicht mehr.
Ihr wird ganz schwindlig vor Verzweiflung. Stehlen hat Gott verboten.
Eine klare Sache, auch die anderen neun Gebote. Nein, sie wird es
nicht tun. Gott sieht sie. Gott darf nicht auch noch böse werden. Dann
soll er eben wieder ausrasten und sie mit Wut und Wucht an die Wand
knallen und schlagen. Das tut weniger schlimm weh. Sie kann ja
schweben, fast wie ein Engel, himmelhoch.
Vom Kinderzimmer unterm Dach hört sie nachts, was sie überhaupt nicht
hören will. Unten im Wohnzimmer sind auch andere Erwachsene. Dann
lacht und lärmt es laut und aufgedreht. Zumindest tun sie alle so.
Widerlich. Mit ihr lachen sie nie. Sie nennen sie nur "das Stück".
Stück. Jeder Buchstabe macht einen hässlich engen Mund und tut weh.
Ihr richtiger Name klingt weich und warm, zum Singen schön. Nur die
kleinen Geschwister und Omi nennen sie manchmal so.
Vor dem Kochen musste sie noch die blöden Kartoffeltriebe
rausschneiden, eklig blass, wie noppige Würmer stehen die ab. Auch
daran mag sie gar nicht denken. In ein paar Minuten müsste das Essen
fertig sein. Dann wird sie in die Küche fliehen. Aber noch ist sie
hier nicht fertig. An der grünen Polsterlehne (ekliggrün) löst sich
eine Naht, ein Faden hängt lose, von innen drückt Helles raus, sie
müsste das zurückstopfen, in Ordnung bringen - aber ihre Hände
krampfen am vibrierenden Plastikgriff. Nur noch den Sauger mit
Metallrohr und staubgeblähtem Sack hochwuchten, zwischen Sitz und
Polster (eklig gestreift) in die Ritzen quetschen, dort, wo sich
Zigarettenasche krümelt und anderes.
Heute war sie wieder nicht in der Schule, fünfzehn Fehltage in der
dritten Klasse, so stand es im letzten Zeugnis. Sie hat ihrer Lehrerin
am Telefon gesagt, dass sie wegen Kopfweh nicht kommen kann. Das
klingt harmlos, stimmt ja auch fast, nur einen kleinen halben Meter
tiefer, da sitzt das echte "Kopfweh". In ihrem Herz wohnt auch
Kopfweh. Sie spürt es nicht. Sie verbietet sich zu spüren. Den
würgenden Griff seiner Hände um Schultern, Nacken, Hals. Mitten im
Schlaf das Zerren an ihrem Arm, im geblümten Nachtleibchen aus dem
Bett, durch den Flur, die Treppe hinunter. Ihre Füße schlagen haltlos
auf die Stufen. Er stößt sie in den Rücken, sie soll aufrecht stehen,
lächeln. Sie sieht die Türklinke auf Augenhöhe, dann schon die
stinkigen Zigarettenrauchschwaden im Lichtstrahl des Filmprojektors.
Über die Leinwand ruckeln eine nackte Frau und eine Dogge. Gelächter,
Stimmen, auch von ihr. "Komm rein." Herrisch und lockend zugleich, so
was kann nur sie. Nein, Mutti, nein! Nie wieder wollte sie die Frau so
nennen, die ihre Mutter ist. Nicht einmal denken. Sie soll tot sein.
Richtig tot. Am besten gleich. Er, der Vater, auch. Mutti, bitte,
nicht!
Sie schreit - ohne Luft und ohne Ton.
Die großen Kreise der Tapete haben acht Zacken. Dazwischen acht kleine
Kreise. Sie will sich Blumen vorstellen. Bunte Wiesenblumen zählen,
von oben nach unten, eins, zwei, drei, vier, die nächste ist halb
verdeckt von der Couch. Die böse Couch. Unnachgiebig harte Hände
pressen ihren Körper zwischen zwei Männer auf das Polster. Untenrum
haben alle nichts an. Das ist nur der Anfang. Sie fühlt nichts mehr.
Sie sieht sich selbst von oben. Sie weiß, was dann kommt. So wie
letzte Nacht.


Wenn die Frau vom Opferschutz nicht an meiner Seite wäre, hätte ich es
nie hierher geschafft. Obwohl ich es will. Ich will Zeugin sein und
aussagen. Gegen den Mann, der sich als Vater in mein Leben gelogen
hat. Gegen den Täter. Er lebt noch. Sie nicht mehr.
Welchen Eindruck wird die Polizeioberkommissarin von mir haben? Ich
bin unsicher, versuche meine Angst vor der Vernehmung unter Kontrolle
zu halten. Ich ahne, welche Fragen sie stellen wird, Fragen, die mich
angreifen, ausweiden, sezieren werden.
Ich bin sorgfältig gekleidet und geschminkt, so wie jeden Tag, seit
Jahren. Das erfordert mein Beruf, das schützt mich. Meine Tarnfarben:
Beige, Braun und Schlamm - anziehend wie eine Tundralandschaft im
Herbst. Ich will nicht gesehen werden, auch nicht von mir selbst. Und
schon gar nicht verdoppelt durch einen Spiegel oder eine
Schaufensterscheibe. Nur mein Taschenschminkspiegel geht in Ordnung.
Er stanzt aus meinem Gesicht Einzelansichten, die mit Make-up und
Lippenstift bearbeitet werden können. Ich verabscheue mich.
Was kein Spiegel zeigt und außer mir niemand sehen kann: die
Bilderblitze. Seit einiger Zeit schießen sie mir urplötzlich durch den
Kopf - egal ob tags oder nachts, mitten in Geschäftsbesprechungen oder
beim Autofahren. Immer widerlich, immer häufiger und nie
kontrollierbar. Als Standbilder bleiben sie ekelhaft direkt vor meinen
Augen haften, materialisieren sich zu Bildsequenzen. Auf diese
Erinnerungen könnte ich verzichten.
Ich kann mich nicht berühren. Das ist nicht so einfach beim Waschen
oder Anziehen, aber machbar. Trotz ausgefeilter Techniken, mich selbst
zu ignorieren, spielt mein Körper immer häufiger ansatzlos verrückt.
Zonen, die für mich überhaupt nicht existent sind - wie soll ich es
beschreiben, zum Beispiel untere Körpermitte, ganz innen -, fangen
schlagartig an, irrsinnig zu schmerzen. Oder mein Mund ist plötzlich
mit etwas viel zu Großem vollgestopft. Eine riesige Hand auf meinem
Gesicht, meinem Kindergesicht, drückt mir die Lebensluft ab. Ich
würge, ich ersticke, werde sterben ...
Mehr als dreißig Jahre lang bin ich nicht gestorben. Jede einzelne
Nacht und jeden einzelnen Tag habe ich überlebt, irgendwie. Heute weiß
ich: Schmerz und Todesangst haben sich in mir eingegraben,
hinterlistig lauernd auf haarfeine Risse in meiner Hilfskonstruktion
einer "richtigen" Frau.

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                   Lektorat von Hans Peter Roentgen

Ein Mädchen beim Saubermachen, sehr genau, sehr verängstigt und dann
stellt sich heraus, dass sie von den Eltern sexuell missbraucht wird.
Und später die Frau, die gegen ihren Vater aussagen will und dabei die
psychischen Folgen des Missbrauchs spürt.

Gleich vorweg: Ich bin kein Fachmann für sexuellen Missbrauch, ich
kann also nur die Geschichte daraufhin prüfen, ob sie für den Leser
glaubwürdig und spannend ist. Ob und wie weit das den Erfahrungen
missbrauchter Frauen entspricht, das kann ich nicht entscheiden.

Womit wir beim Thema "Recherche" wären. Wer schreibt, muss wissen,
worüber er schreibt. Und wenn er es nicht aus eigener Anschauung weiß,
muss er recherchieren.


         Die Stimme der Figur oder die Stimme des Autors?

Der erste Teil der Geschichte ist aus der Sicht eines Mädchens
geschrieben, das etwa zehn Jahre alt ist. Wir erleben ihre Angst, dass
sie nicht sorgfältig genug staubsaugt, dass sie für eine Vielzahl für
Haushaltsaufgaben zuständig und damit überfordert ist.

Gleichzeitig hält sie sich an den Aufgaben fest, offenbar sind sie ein
Mittel, damit sie nicht an Schlimmeres denken muss. Nach und nach wird
enthüllt, was sie noch viel mehr fürchtet, als dass sie geschlagen
wird, weil sie nicht sorgfältig genug gearbeitet hat.

Die Geschichte ist spannend geschrieben, wir fühlen mit dem Kind mit,
und sie scheint in sich logisch aufgebaut.

Bei einer Geschichte ist es immer wichtig, aus wessen Sicht sie
erzählt wird. In unserem Fall: aus der Sicht des Mädchens. Das ist die
Perspektive, aus der erzählt wird, der "Point of view" (PoV).

Dementsprechend ist es wichtig, dass der Leser dem Autor diese
Perspektive abnimmt. Sätze, die nicht nach einem Kind klingen, werden
dem Autor zugerechnet. Der Leser hat den Eindruck, dass er nicht mehr
die Stimme des Mädchens hört, sondern die des Autors, der ihm etwas
über die Geschichte erzählt.

Und da sind einige - wenige! - Stellen, da habe ich das Gefühl, dort
spricht nicht mehr ein Kind. Zum Beispiel:

.....
"Bloß nicht an so was denken. Nun den Staubsauger zum Sessel und Sofa
dirigieren. Nur Ungefährliches im Kopf freigeben ... die Kartoffeln
sind bald gar, hoffentlich reicht das Essen."
.....

"Nur Ungefährliches im Kopf freigeben" ist ein sehr abstrakter
Gedanke, klingt so gar nicht kindlich. Da spricht für mich der Autor,
der dem Leser erklärt, welche Funktion die Gedanken an die Kartoffeln
haben.

Sicher richtig: Das Mädchen will sich ablenken, verdrängt Dinge, will
sie nicht wissen. Aber wir erleben die Szene durch die Augen des
Mädchens, sehen, was sie sieht, lesen ihre Gedanken. Was diese
bedeuten, das ist etwas, das sich der Leser erschließen darf. Ihm
diese Aufgabe abzunehmen wäre so, als wäre in einem Kreuzworträtsel
die Lösung gleich mit eingedruckt.

Ich würde diesen Halbsatz streichen. Das ergibt sich aus der Szene.
Gleiches gilt auch für den Satz "Angst und Ekel sind gottlob lautlos".


         Vorausdeutungen

Schauen Sie sich auch den folgenden Satz genau an:

.....
"Die Tapete - das Muster wird sie im Leben nicht vergessen, grüne,
scheußlich gezackte Kreise -, sie sieht sie auch, wenn sie die
Augenlider zusammenpresst."
.....

Kann er von dem Kind gedacht werden? Nein, denn das Kind kann nicht in
die Zukunft sehen. Hier spricht der allwissende Autor zum Leser, er
gibt eine Vorausdeutung: Dieses Muster wird sie nie vergessen.

Vorausdeutungen, also Andeutungen darauf, was später in der Geschichte
passieren wird, sind gute Mittel, um Spannung zu erzeugen. Vor allem
dann, wenn sie erstens nicht allgemein bleiben ("Es wird etwas
Furchtbares passieren") und zweitens nicht alles verraten. Eine
Gratwanderung also: Einerseits soll es möglichst anschaulich sein,
andererseits nicht so anschaulich, dass der Leser bereits alles weiß.

Aber ist so eine Andeutung hier im Text sinnvoll? Die Spannung
resultiert aus den Gedanken und Ängsten des Mädchens. Dass sie das
Tapetenmuster nie vergessen wird, erhöht deshalb die Spannung nicht,
sondern reißt den Leser eher aus der Geschichte. Weil plötzlich eine
andere Erzählstimme eingreift. Die des Autors. Deshalb würde ich auch
diesen Halbsatz streichen, gebe aber gerne zu, dass wir hier in den
Bereich des persönlichen Geschmacks kommen.


         Wie redet ein Kind von seiner Mutter?

Ziemlich zum Schluss des ersten Teils findet sich der Satz:

.....
"Nein, Mutti, nein. Nie wieder wollte sie die Frau so nennen, die ihre
Mutter ist. Nicht einmal denken. Sie soll tot sein."
.....

Auch hier: Wie würde ein Kind über seine Mutter reden? Mutti soll tot
sein? Das könnte ich mir vorstellen, auch wenn es brutal ist. Aber
würde es denken: Nie wieder will ich die Frau so nennen, die meine
Mutter ist?

Das klingt sehr abstrakt. Auch diesen Satz würde ich streichen. Zumal
die Gefühle des Kindes sehr viel deutlicher herauskämen, wenn dort nur
stünde:

.....
Nein, Mutti, nein. Du sollst tot sein!
.....


         Der zweite Teil

Schauen wir uns den zweiten Teil an. Das Kind ist mittlerweile
erwachsen. Sie will gegen den Vater aussagen. Und sie schildert,
welche Folgen der Missbrauch für sie hat. Sie kann sich nicht mehr
berühren, sie kann die Körperteile nicht mal benennen. Sie sieht
"Bilderblitze" von früher.

Eine erwachsene Frau denkt sicher sehr viel abstrakter als ein Kind.
Deshalb sind hier auch etwas mehr Gedanken über ihre Lage möglich,
ohne dass der Leser gleich das Gefühl hat: Hier redet der Autor.

Dennoch ist dieser zweite Teil sehr allgemein, wenig anschaulich.
Welche Bilderblitze? Ein Beispiel würde das anschaulicher machen.
Eins, das die Art dieser Standbilder zeigt, anstatt zu behaupten, dass
sie "ekelhaft direkt" vor den Augen haften.

Und kann sie sich wirklich nirgendwo berühren? Oder nur an den
Stellen, die sie nicht benennen kann, weil damit zu viele Erinnerungen
verbunden sind?

Sprich: Dieser zweite Teil klingt sehr wie ein psychologisches
Gutachten, ist wenig anschaulich. Ich würde diesen Teil als Vorlage
nehmen und ihn nochmal schreiben. Anschaulicher. Wie denkt, wie tickt
diese Frau dreißig Jahre nach dem Missbrauch?

Übrigens: Liegt der Missbrauch wirklich dreißig Jahre zurück? Dann
wäre er verjährt, könnte gar nicht mehr vor Gericht gebracht werden.


         Missbrauch als Thema

Eins möchte ich noch zum Schluss anfügen. Das Thema "Missbrauch" ist
bei Lektoren sehr unbeliebt. Warum?

Sicher nicht, weil sie es für unwichtig halten. Der Grund ist ein
anderer. Viele Autoren versuchen ihre Geschichten mit diesem Thema
aufzupeppen. Selbst in Wettbewerben, bei denen das Thema überhaupt
nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun hat, erhält die Jury regelmäßig
Beiträge, die sexuellen Missbrauch thematisieren. Und viele dieser
Beiträge verraten schon auf den ersten Blick, dass der Autor sich mit
dem Thema nicht auseinandergesetzt hat. Sondern es in seine Geschichte
einfügt, weil er dadurch der Geschichte Spannung, "Bedeutung"
verleihen will.

Und das gelingt so einfach eben nicht.

Aber das bezieht sich nicht auf den hier vorliegenden Text, den ich
für ziemlich gelungen halte, trotz aller meiner Meckereien.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert. Gerade ist sein neuer
Ratgeber "Schreiben ist nichts für Feiglinge" erschienen.


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BUCHBESPRECHUNG:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


                         "Kreativ unterwegs"
                    besprochen von Gabi Neumayer

Schreibreisen werden immer beliebter. Vielen fällt es einfach
leichter, konzentriert zu schreiben, wenn sie nicht in ihrem Alltag
stecken. Aber man muss nicht unbedingt eine Schreibreise buchen - eine
Alternative sind selbst organisierte Schreibauszeiten in anderen
Städten und Landschaften.

Wer auf der Suche nach einem schönen, anregenden Ort zum Schreiben in
Deutschland ist, den er oder sie selbst erkunden möchte, kann sich im
"literarischen Reiseführer" der Autorin, die selbst auch
Schreibseminare und Coachings anbietet, zahlreiche Anregungen holen.
Zwanzig Orte in Deutschland stellt sie vor, direkt auf den Ort
zugeschnittenen Schreibanregungen, mit Übernachtungs-, Entdeckungs-
und Lektüretipps. Von "Mit Sprache malen" im Künstlerdorf Worpswede
über "Für Kinder schreiben in Kästners Dresden" und "Über das Reisen
schreiben" in Bremerhaven bis zu "Krimis erfinden und schreiben in
Hillesheim" ist für jeden literarischen Geschmack etwas dabei.


Isa Schikorsky: "Kreativ unterwegs. Schöne Orte zum Schreiben und
Literaturerleben", 2013, 92 Seiten, 9,50 Euro, BoD


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AUTORINNENGESPRÄCH:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


             "Die Kluft zwischen E- und U-Literatur ..."
                   Barbara Slawig und Olga A. Krouk

Barbara Slawig und Olga A. Krouk schreiben sehr unterschiedlich.
Trotzdem gibt es etwas, was die beiden Autorinnen verbindet: ihre
Liebe zur Sprache und Literatur. Olga A. Krouk kommt aus dem
Unterhaltungssegment, im März ist ihr Romantic Thrill "Im Netz des
Verbrechens" im Lyx-Verlag erschienen. Barbara Slawig hat im
renommierten Bloomsbury-Verlag ihren literarischen Thriller "Visby"
als Hardcover herausgebracht.

Die beiden Autorinnen sprechen darüber, ob es eine Kluft zwischen
anspruchsvoller und Unterhaltungsliteratur gibt und ob man Wege finden
kann, diese Kluft zu überwinden.


Olga A. Krouk: Liebe Barbara, wie schön, dass du meiner Einladung zu
diesem Gespräch gefolgt bist. Was mich schon immer interessiert hat:
Wie hat dein Zugang zur E-Literatur ausgesehen? Und wie hast du zu U
gefunden? Ich muss zugeben, mein Weg zu E war etwas schwierig. Mein
Vater hat schon immer versucht, mir die "richtige" Literatur
schmackhaft zu machen. Und einige Sachen gefielen mir wirklich gut,
aber es waren eher Klassiker. Vor moderner E-Literatur habe ich
Berührungsängste gehabt, nach dem Motto: Du hast keine Germanistik
studiert, das wirst du eh nicht verstehen. Literaturpreise, Feuilleton
- das hat eher abschreckend auf mich gewirkt.

Barbara Slawig: Mein Weg zur E-Literatur war auch nicht eben
geradlinig, er lief nämlich übers Englische. Aus dem Schulunterricht
habe ich auch eher die Vorstellung mitgenommen, dass E-Literatur etwas
Schwieriges und Anstrengendes ist, das man liest, um klüger zu werden
(und mitreden zu können?), aber nicht, weil es Spaß macht. Während des
Biologiestudiums habe ich zunächst fast gar nichts mehr gelesen. Dann
hat mir jemand vom "Herrn der Ringe" erzählt und mir geraten, ihn im
Original zu lesen. Das habe ich getan - und dabei habe ich mich nicht
nur in diesen Roman verliebt, sondern auch in die englische Sprache.
Unsere Uni-Buchhandlung hatte eine gut sortierte englischsprachige
Abteilung, und da habe ich einfach alles gelesen, was mir irgendwie
interessant schien. Von Agatha Christie bis Virginia Woolf. Und dabei
habe ich herausgefunden, dass auch "schwierige" Literatur ungeheuer
unterhaltsam sein kann. Es geht mir bis heute so, dass ich zu
englischsprachiger anspruchsvoller Literatur viel leichter Zugang
finde als zu deutscher.

Wie ist es bei dir? Du bist doch in zwei Sprachen zu Hause. Liest du
deutsche E-Literatur anders als russische? Ist eine von beiden weniger
vorbelastet, oder gibt es da für dich keinen Unterschied?

OAK: Meinen ersten Kontakt zur modernen russischen E-Literatur habe
ich ausgerechnet in Deutschland beim Harbour Front Festival gehabt. Es
war ein Abend im Zeichen der Begegnung von E und U: Vladimir Sorokin
und Dmitry Glukhovsky haben im Rahmen eines russischen Abends ihre
Werke vorgestellt. Sorokin gehört in Russland zu den modernen
Literaten und verpackt seine politisch-kritische Gedanken in Science-
Fiction-Geschichten. Diese Vorgehensweise hat in Russland eine sehr
lange Tradition. Bereits in der Sowjetzeit haben viele Schriftsteller
eine phantastische Handlung für ihre politischen Texte genutzt. Umso
gespannter war ich auf Sorokin - und leider umso enttäuschter am Ende.
Das sollte moderne russische E-Literatur sein? Auch wenn Sorokin
durchaus interessante Gedanken hat, die er im Interview mit
Moderatoren des Abends offenbart hat, hat mich die Vorstellung seiner
Werke eher abgeschreckt als neugierig gemacht. Besonders von der
sprachlichen Seite. Da bleibe ich lieber bei den Klassikern.

BS: Ja, diese Richtung der Phantastik, in die die politisch-kritischen
Gedanken verpackt werden, gab es auch in der DDR. Und manche Romane
von Lem gehen ja auch in die Richtung. Oder Boris und Arkadi
Strugatzki. Ich persönlich mag allerdings diejenigen ihrer Romane
lieber, in denen die Geschichten aus sich heraus leben und nicht nur
von den Bezügen zu unserer Realität.

OAK: Welche Ziele verfolgt die E-Literatur im deutschen und im
englischen Sprachraum deiner Meinung nach?

BS: Eine allgemeingültige Aussage würde ich mir da nie zutrauen. Mein
subjektiver Eindruck ist aber, dass die Liebe zum Geschichtenerzählen
in der englischsprachigen E-Literatur weiter verbreitet ist - und dass
auch Autoren, die sich kaum für äußere Handlungabläufe oder gar
Spannung interessieren, trotzdem Wert auf gute Dramaturgie legen.
Deutsche Autoren scheinen oft zu glauben, Dramaturgie sei nur etwas
für Leute, die Spannungsliteratur schreiben wollen. Wobei es natürlich
auch Gegenbeispiele gibt!

Das ist aktuell mein Lieblingsthema: Wie spannend darf E-Literatur
sein? Wie siehst du das: Schließen sich Spannung und "E"-Anspruch aus
bzw. schwächen sie sich gegenseitig, oder hältst du beides für gut
vereinbar?

OAK: Ich glaube, dass der Begriff "Spannung" im Moment zu fest in
seiner (gefühlten) Definition belegt ist. Da denkt man gleich ans
Knallen, an Dan Brown, an wilde Äkschn-Einlagen. Deshalb gefällt mir
das Wort "Dramaturgie" viel besser. Und ja, ich glaube, dass beide
Bereiche diese Dramaturgie benötigen, sie kann aber sehr
unterschiedlich ausfallen und sich nicht nur in der Handlung, sondern
auch in den Figuren oder in der Sprache widerspiegeln.

Ich glaube, es ist ein Selbstbetrug, zu behaupten, man bräuchte keine
Dramaturgie. Genauso wie es ein Selbstbetrug ist, zu meinen, man müsse
nicht auf die Charakterisierung der Figuren achten, oder auf die
Sprache und ihre Möglichkeiten.

BS: Stimmt, den Punkt finde ich sogar sehr wichtig. Dramaturgie heißt
für mich vor allem, dass man beim Schreiben den Leser, die Leserin im
Hinterkopf hat. Natürlich nicht in dem Sinn, dass man es ihnen immer
schön einfach macht oder nur das erzählt, was sie vermutlich hören
wollen. Aber dass man sie bewusst führt - durch die Geschichte oder
durch den Stoff - und sich vorstellt, welche Wirkung eine bestimmte
Abfolge oder Wendung haben wird und ob es die Wirkung ist, die den
eigenen Absichten am allerbesten entspricht.

An was für Romane denkst du zuerst, wenn du an deutsche E-Literatur
denkst?

OAK: An "Vom Atmen unter Wasser" von Lisa-Marie Dickreiter, weil es
ein Roman war, der mir die Welt der E-Literatur eröffnet hat. - Was
ist für dich ein herausragender U-Roman? Und was ist deiner Meinung
nach ein herausragender E-Roman?

BS: Es ist schwer, da etwas auszuwählen. Beim Krimi steht bei mir nach
wie vor Fred Vargas ganz oben auf der Liste, wegen der Leichtigkeit,
der Ironie und des Hauchs des Surrealen in ihren Romanen. Mit
humorfreien Genre-Romanen habe ich oft meine Probleme. Jasper Fforde
zählt auch zu meinen Lieblingen.  Und in der SF natürlich Ursula
LeGuin.

Bei der E-Literatur steht für mich John Banville ganz weit oben auf
der Liste. Unter den deutschsprachigen Autoren "Heimsuchung" von Jenny
Erpenbeck.

OAK: Sind diese zwei Bereiche - E und U - wirklich so unterschiedlich,
oder haben sie mehr gemeinsam, als man denkt?

BS: Zunächst einmal denke ich, dass es einen riesigen Bereich gibt, in
dem sich beides überschneidet. Auf der einen Seite Genre-Romane, die
man nach Sprache und Komplexität eigentlich unbedingt zur E-Literatur
zählen müsste. Auf der anderen Seite Romane von E-Autoren, die sich
beim näheren Hinschauen als recht dünne Suppe herausstellen. Dann gibt
es Autoren, auf die beide Begriffe nicht anwendbar sind. In welche
Schublade gehört z. B. Wolf Haas? Und es gibt Autoren, die sich das
Beste aus beiden Welten nehmen und Mischformen schreiben.

Mein Eindruck ist, dass die Begriffe E und U häufig vor allem der
Abgrenzung dienen. Es sind Kampfbegriffe. U-Leser lästern über die
elitäre, langweilige E-Literatur; E-Leser spotten über die
eskapistische oder schematische oder dumpfe U-Literatur. Wenn man
nachfragt, merkt man oft, dass die Lästerer die Literatur, über die
sie schimpfen, gar nicht kennen. Weil sie "so was" gar nicht erst
anfassen würden. Wer dagegen beides liest, merkt ziemlich schnell,
dass die Welt der Literatur nicht Schwarz oder Weiß ist. Auch nicht
Weiß / Hellgrau / Dunkelgrau / Schwarz. Sondern bunt.

OAK: Du sprichst von "Kampfbegriffen". Das hast du wirklich wunderbar
gesagt. Die Bezeichnungen sind wertend und auch eigentlich nicht
wirklich zutreffend. Was bedeutet denn "E"? "Ernste Literatur"? Ich
habe schon einige gefeierte Romane gelesen, die sehr schön mit Humor
gearbeitet haben. Und "Unterhaltungsliteratur"? Hier kenne ich viele
Bücher, die mich kein bisschen unterhalten haben.

Ich glaube, eine Diskussion wäre um einiges leichter, wenn sich die
Gesprächspartner nicht zu wichtig und die Begrifflichkeiten samt
Abgrenzungen nicht zu ernst nehmen würden. So verleitet es einen dazu,
bereits nach wenigen Sätzen auf die Barrikaden zu ziehen. So enden
solche Diskussionen leider zu oft in gegenseitigen Vorwürfen und
Rechtfertigungen.

BS: Ja, genau. So geht es mir auch. Man darf die Begriffe wirklich
nicht zu ernst nehmen. Weil der eine dem anderen unterstellt, dieser
würde ihm unterstellen, entweder nur trivialen Müll oder elitären Mist
zu schreiben bzw. zu lesen.

OAK: Wie würdest du denn E und U definieren?

BS: Das kommt darauf an, wozu die Definition dienen soll. Auf den
deutschen Buchmarkt bezogen, würde ich sagen, E ist alles, was in E-
Verlagsprogrammen erscheint. So wie Fantasy alles ist, was unter
diesem Label verkauft wird.

Für mich als Leserin und als Schreibende verläuft die Trennlinie aber
woanders. Für mich sind zwei Punkte wichtig. Zum einen, ob ein Roman
sich an vorgeformte Plotstrukturen hält oder ob er sozusagen seine
eigene, individuelle Struktur entwickelt. Und das Zweite ist, ob sich
Sprache und Erzählweise - also die Form - ganz dem Zweck unterordnen,
die Geschichte möglichst glatt rüberzubringen, oder ob sie einen
eigenen Willen haben dürfen - ob sie eigenen Gesetzen folgen und damit
etwas zur Geschichte beitragen, was sie einmalig macht. Dazu gehört
für mich auch alles, was unter dem Stichwort "Verdichten" läuft. Dass
zum Beispiel Motive nicht willkürlich gewählt sind, weil sie sich
gerade anboten, sondern weil sie Querbezüge in den Text einfügen. Und
so weiter.

Was wäre deine Definition?

OAK: Für eine Definition bin ich nicht Germanistin genug - es würde
mich überfordern, etwas Treffendes, Allgemeingültiges zu finden. Das
ist eine Aufgabe, der ich einfach nicht gewachsen bin.

Allerdings kann ich vielleicht ein bisschen erklären, wie ich vorgehen
würde: Und zwar vordergründig mit der Frage, was der konkrete Roman
eigentlich will. In meinen Augen ist das das Wichtigste. Manche Romane
brauchen dieses "Anstrengende", das du erwähnt hast, um das Thema zu
transportieren. Andere Romane wollen die Schwerpunkte ganz woanders
legen. So wird man als Autor und als Leser dem Roman gerecht, wenn man
genau hinhört, wonach er verlangt. Und es gäbe keine Fronten "E" und
"U", das würde in meinen Augen völlig entfallen, weil es nicht um
Qualitäten, Erwartungen, Leser-Bestimmung usw. geht.

BS: Den Punkt finde ich auch wichtig, und ich stimme dir sehr weit zu.
Man sollte Romane zuallererst an dem messen, was sie selbst wollen.
Wenn ein Roman z. B. ganz offenkundig das Ziel anstrebt, eine schöne
Wohlfühl-Liebesgeschichte vor romantischer Kulisse zu erzählen, und
das auch schafft, dann ist es absurd, dem Autor vorzuwerfen, dass er
nicht "mehr" daraus gemacht hat. Das finde ich vor allem wichtig, wenn
man handwerklich über Romane spricht, zum Beispiel beim Textlesen von
Kollegen.

Andererseits möchte ich manchmal auch über Bücher reden, ohne immer zu
berücksichtigen, welches Ziel der Text bzw. sein Autor jeweils
verfolgt. Zum Beispiel beschäftigt mich beim Lesen auch, welches
Weltbild - oder welches Frauenbild - ein Roman vermittelt. Oder auch,
ob er seinem Thema gerecht wird. Ob er es sich zu einfach gemacht hat,
sich also zu kleine Ziele gesetzt hat. Dass es bei solchen Fragen
keine allgemeinverbindlichen Maßstäbe gibt, finde ich dabei eher
unwichtig. Da interessiert mich die die Auseinandersetzung mindestens
so sehr wie das Ergebnis.

Welche Rolle spielt die E-U-Unterscheidung für dich beim Lesen und
beim Schreiben?

Olga A. Krouk:  Beim Lesen versuche ich, unvoreingenommen an die
Bücher heranzugehen. Manchmal trifft ein Roman mich einfach nicht zum
richtigen Zeitpunkt und ich finde keinen Zugang zu ihm, manchmal bin
ich auf der Suche nach etwas Bestimmten - je nachdem, was ich möchte,
kann ich ein wenig abgrenzen, was zu meiner Stimmung passen könnte.
(Um auf meinen Versuch der Definition zu kommen: In diesem Fall
versuche ich zu hinterfragen, ob der besagte Roman dasselbe "will" wie
ich im Augenblick) Schreibenderweise bin ich noch auf der Suche. Ich
muss lernen, genau hinzuhören, um meinen Roman zu verstehen, um ihm
den Ton zu verleihen, den er braucht.

BS: Das ist sehr schön gesagt, Olga. Genau das versuche ich eigentlich
auch immer.

OAK: Wo siehst du dich schreibenderweise - im literarischen oder im
Unterhaltungsbereich?

BS: Meine Carla-Rot-Krimis sind definitiv Genre-Romane. "Flugverbot"
kann man als "literarische SF" bezeichnen. "Visby" ist aus meiner
Sicht ein literarischer Roman mit Thriller-Elementen - und gehört
damit in den Bereich, in dem die Unterscheidung zwischen U und E
schlicht unbrauchbar wird. Leider ist das etwas, womit sich der
deutsche Literaturbetrieb noch sehr schwertut - jedenfalls bei
deutschen Autoren, denn z. B. bei den englischsprachigen könnten wir
ganz schnell eine lange Liste von Romanen zusammenstellen, die in
diesen Überschneidungsbereich fallen, die in Deutschland ausgesprochen
erfolgreich waren und bei denen auch niemand je gefragt hat, ob das
nicht "eigentlich" ("nur") Spannungsliteratur ist.

OAK:  Also sind wir hier wieder bei den Unterschieden zwischen dem
englisch- und dem deutschsprachigen Raum. Warum haben die deutschen
Autoren es so schwer in ihrem eigenen Land? Was nährt diese Nicht-
Akzeptanz?

BS: Da bin ich überfragt. Es gibt ja Kreisläufe, die einfach ein
Eigenleben führen, und niemand weiß, wie sie entstanden sind. Noch vor
20, 25 Jahren hieß es, es gäbe praktisch keine gute deutsche U-
Literatur. Also kauften deutsche Verlage lieber Lizenzen - also
schrieben deutsche Autoren lieber Heftromane oder E-Literatur - also
gab es keine gute deutsche U-Literatur ... Das hat sich erst geändert,
als den Verlagen die Lizenzen zu teuer wurden. Da kamen sie plötzlich
auf die Idee, man könnte ja mal den deutschsprachigen Nachwuchs
fördern. Vielleicht es im Überschneidungsbereich von U und E heute
genauso?

OAK: Ich muss zugeben, ich habe schon oft Aussagen gelesen, in denen
es hieß, dass man sich einen richtigen E-Roman "erarbeiten" müsste.
Für viele ist es wohl ein Qualitätsmerkmal, wenn er sich dem Leser
sperrt, wenn man Mühen mit dem Lesen hat. Was hältst du davon?

BS: Also, dass sich etwas schwierig liest, ist allein natürlich noch
kein Qualitätskriterium. Andererseits kann ich solche Aussagen auch
nachvollziehen. Um mal ein zugespitztes Beispiel zu nehmen: Wenn ich
normalerweise nichts anderes lese als stereotyp erzählte Liebesromane
- also die Sorte Liebesromane, bei denen man nach zehn Seiten weiß,
wen die Heldin heiraten wird, wer der Schurke ist, wer die Intrigantin
etc. -, dann empfinde ich es vermutlich schon als schwierig, wenn in
einem Roman Freund und Feind nicht so leicht zu erkennen sind. Oder
womöglich die Heldin nicht einfach "gut" ist. Oder die Sätze sind mir
zu lang. Oder der erzählerische Aufbau zu komplex. Dann bezeichne ich
also schon Romane als schwierig, die du - mit Leseerfahrungen im E-
Bereich - als leicht lesbar eingestuft hättest. Dann sagst du
vielleicht auch zu mir: Streng dich mal ein bisschen an, lass dich auf
was Neues ein.

Außerdem bekommt man bei guten E-Romanen ja etwas für diese
Anstrengung. Man liest vielleicht langsamer, kann sich aber dafür an
einer Sprache erfreuen, die eben nicht alltäglich ist. Bei Virginia
Woolfs "Zum Leuchtturm" geht es mir z. B. so, dass ich den Sätzen nur
folgen kann, wenn ich mit voller Konzentration lese. Sobald ich müde
werde, steige ich aus. Aber dafür gehören für mich diese Sätze auch
zum Schönsten, was ich kenne.

OAK: Muss es deiner Meinung nach in jedem guten E-Roman diese
Anstrengung geben?

BS:  Das glaube ich schon - aber wirklich mit der Einschränkung, dass
Leser das sehr unterschiedlich wahrnehmen. Je nachdem, welche
Leseerfahrung sie mitbringen und in welcher Stimmung sie gerade sind,
empfinden sie die Anstrengung vielleicht gar nicht als Mühe, sondern
als etwas Erfrischendes, etwas, das sie aufweckt. Aber ich glaube
schon, dass in einem E-Roman die leichte Konsumierbarkeit des Textes
nie im Vordergrund steht. In der E-Literatur dienen Sprache und
erzählerische Form nicht nur dazu, den Inhalt zu transportieren,
sondern sie tragen  etwas Eigenständiges bei: zur Atmosphäre, zur
Charakterisierung, zum "Weltbild" des Romans. Natürlich gibt es das
alles auch in der U-Literatur, aber ich glaube, ein Genre-Autor steht
immer unter dem Druck, "für alle" zu schreiben, leicht konsumierbar zu
schreiben. Jedenfalls ist das in Deutschland wohl so.

Ein gutes Beispiel ist da für mich der Roman "Raum" von Emma Donoghue.
Die Geschichte, die darin erzählt wird, ist vor allem im ersten Teil
fast Thriller pur - aber das Ganze wird in der sehr stark
durchgeformten Sprache eines Fünfjährigen erzählt, und deshalb ist es
eben nicht so ganz glatt konsumierbar. Man muss am Anfang eine Hürde
überwinden und sich auf einige Seltsamkeiten einlassen. Dafür ist die
Geschichte atmosphärisch sehr dicht, und man erfährt durch die Sprache
ganz viel über den Jungen, das nie ausgesprochen wird.

OAK:  Immer wieder scheint es auf die Akzeptanz von Lesern, Kritikern,
Verlagen usw. anzukommen. Wie siehst du die Zukunft von E, U und UE?
Werden wir alle offener gegenüber den verschiedenen Literaturformen
sein? Oder denkst du, dass die Grenzen sich noch weiter verhärten
werden?

BS: Ich bin immer gern optimistisch, darum baue ich darauf, dass sich
die Grenzen eher aufweichen werden.

OAK: Da bin ich gern mit-optimistisch. Ich würde mich freuen, wenn die
Kritiker / Rezensenten etwas mehr Toleranz zeigen würden, wenn die
Leser ein bisschen offener und neugieriger anderen Literaturformen
gegenüberstehen würden und wir Autoren lernen, voneinander zu lernen
...


Barbara Slawig wurde 1956 in Braunschweig geboren. Sie hat Biologie
studiert und eine Doktorarbeit über Meningitis-Epidemien in Afrika
geschrieben, bevor sie der Wissenschaft den Rücken kehrte. Seit 1990
übersetzt sie englischsprachige Belletristik. Sie schreibt Erzählungen
und Romane, häufig mit phantastischem Einschlag. http://www.barbara-
slawig.de/aktuelles.html

Olga A. Krouk wurde 1981 in Moskau geboren, bezeichnet aber Sankt-
Petersburg als ihre Heimatstadt. In der Schule und später auf dem
College hat sie die deutsche Sprache gelernt. Ihre Romane schreibt sie
auf Deutsch, in einer Fremdsprache, die sie lieben gelernt hat.
http://www.olgakrouk.de oder https://www.facebook.com/OlgaAKrouk

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VERLAGSPORTRAIT:
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ACABUS Verlag
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         Verlagsgeschichte

Der ACABUS Verlag ist ein Imprint der Diplomica Verlag GmbH mit Sitz
in Hamburg. Er wurde Mitte 2008 von Björn Bedey gegründet. Inzwischen
gibt es zwei feste Mitarbeiter und zwei Praktikanten.

Mit ACABUS wurde ein Verlag für "junge" talentierte Autorinnen und
Autoren ins Leben gerufen, der offen ist für belletristische
Neuentdeckungen und Sachthemen. Man will dort unentdeckte
Qualitätstitel, abseits des Mainstreams, finden und fördern. Autoren
haben oft kaum die Möglichkeit, bei "großen" Verlagen unterzukommen,
und versuchen dann per Self-Publishing zu veröffentlichen. Dabei sind
ein professionelles Lektorat und ein weitreichender Vertrieb nicht zu
unterschätzen. Diese Möglichkeiten bietet der Verlag seinen Autoren.


         Programm und Philosophie

Das Programm umfasst die Bereiche Literatur, Spannung, Fantasy,
Historischer Roman, Biographie und Ratgeber.

Eines haben alle Titel nach Aussage des Verlegers gemeinsam: Sie sind
modern, frisch, und vor allem sind sie es wert, gelesen zu werden.
Denn die Autorinnen und Autoren erzählen ihre ganz eigenen
Geschichten, die sie mit Leidenschaft, Herzblut und Talent geschrieben
haben. Es sind Bücher mitten aus dem Leben, literarische Kostbarkeiten
abseits des Mainstreams, mit einem unverwechselbaren, persönlichen
Charakter.


         Welche Autoren wurden bisher verlegt?

81 AutorInnen, hauptsächlich Belletristik (Fantasy).


         AutorInnen gesucht?

Interessierte AutorInnen können unter
http://www.acabus.de/manuskripteinsendung_33/index.html die
Richtlinien für Manuskripteinsendungen ansehen. Der ACABUS Verlag
veröffentlicht Belletristik und Sachbücher. Lyrik und Kinder- und
Jugendliteratur nimmt man grundsätzlich nicht ins Programm auf.


         Konditionen

Der Verlagsvertrag beruht auf dem vom Börsenverein des Deutschen
Buchhandels empfohlenen Standard-Vertrag. Die Autoren erhalten ein
Autorenhonorar und Belegexemplare ihrer Veröffentlichung. Jede
Veröffentlichung erfolgt unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte des
Autors. Neben der Print-Veröffentlichung folgt auch stets eine E-Book-
Variante des Titels. Das Team steht den Autoren immer als
Ansprechpartner zur Verfügung und pflegt einen engen Kontakt zu
Autoren und Vertriebspartnern.


         Was ist besonders wichtig?

Innovative Ideen. Der Reiz an der Arbeit mit neuen Manuskripten ist
die Entdeckung von originellen Novitäten, die nicht als
Trittbrettfahrer von Bestsellererfolgen agieren.


         Zukunftspläne, Perspektiven

Das Frühjahrsprogramm für 2014 steht bereits fest: Neben dem
humoristischen Krimi "Der Letzte beißt die Hunde" von Markus Walther
und dem historischen Roman "Der Duft von Ambra" von Birgit Ringlein
steht "32 Postkarten" von Torkel Wächter. Der Autor berichtet anhand
dieser Postkarten aus dem Leben seines Vaters Walter Wächter, der 1940
vor dem Nazi-Regime nach Schweden floh (http://www.32postkarten.com).
Außerdem erscheinen 2014 vier Hamburg-Krimis, ein Steampunk-Roman von
Andreas Dresen und der zweite Teil der "Chroniken von Chaos und
Ordnung".


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Drehbuch: Oliver Pautsch
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Übersetzung: Barbara Slawig
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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  Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Ich möchte demnächst ein Buch veröffentlichen [...]. Das Buch
schildert in Form eines Tagebuchs, welches ich in den letzten fünf
Jahren geführt habe, wie sich ein Streit zwischen zwei Arbeitskollegen
zu einem schweren Cybermobbingfall entwickelt hat. Ich berichte unter
anderem von Vorgängen, die ich als Mitarbeiter an einer Hochschule
erlebt habe, und erhebe schwere Vorwürfe gegenüber damaligen Kollegen
/ Professoren / Studenten.

Nun bin ich mir unsicher, ob ich vieles überhaupt so schreiben darf.
Muss ich Personen und Orte anonymisieren? Darf ich alles beschreiben,
was ich erlebt habe (z. B. "Ich wurde von Person A angespuckt."). Darf
ich auch Mutmaßungen äußern (z. B: "Alles Erlebte lässt nur den
Schluss zu, dass Person B eine Kamera in meinem Schlafzimmer versteckt
hat und mich heimlich gefilmt hat.")?

Können Sie mir weiterhelfen? Wo finde ich Informationen über die
Dinge, die ich beachten muss?


Antwort:
Ich kann bei dieser Thematik nur dringend empfehlen, einen Anwalt mit
Arbeitsschwerpunkt Medien zu befragen. Man darf Personen nicht ohne
Weiteres ins Licht der Öffentlichkeit zerren, und auch wenn Ihnen das
bei Erlebnissen dieser Art sicher nicht gefällt, müssen Sie als Autor
die Personen beschützen, über die Sie schreiben wollen. Wenn Sie zum
Beispiel sagen, dass die Geschichte auf Ihren Erlebnissen basiert,
dann können Sie die Geschichte kaum noch anonymisiert erzählen. Man
muss ja nur in Ihren Lebenslauf gucken und kann leicht rekonstruieren,
wo die Dinge passiert sind, von denen Sie schreiben wollen. Und das
reicht bereits, dass man Sie oder den Verlag daran hindern kann, das
bereits veröffentlichte Buch weiter zu verkaufen. Auch Schadensersatz
wäre denkbar.

Gerade wenn man über Personen schreibt, mit denen man sich nicht gut
versteht, sollte man sich gründlich absichern. Deswegen empfehle ich
die anwaltliche Beratung.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und
Buchhändler. Unter http://bjoernjagnow.blogspot.com/ bloggt er über
die Zukunft der Medien, über Rollenspiele und andere Themen.


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH:
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    Oliver Pautsch (drehbuch at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Ich habe ein verzwicktes Problem, für das ich eine Lösung suche und um
Ihren Rat bitte. Ich habe einen Roman geschrieben, für den nun ein
Standard-Autorenvertrag abgeschlossen werden soll. Da ich mich auch
mit Drehbuchschreiben befasse und glaube, dass das Buch sich sehr gut
als Filmstoff eignet, möchte ich selbst ein Drehbuch zu meinem Buch
schreiben. Deshalb möchte ich alle Rechte, die eine etwaige Verfilmung
betreffen, aus diesem Vertrag herausnehmen.

Mein Verleger ist damit nicht einverstanden. Denn bei einem etwaigen
Verkauf der Filmrechte an dem Buch ist natürlich eine Menge Geld zu
machen, auf das er nicht verzichten will. Er schlägt statt dessen vor,
einen weiteren Vertrag mit mir über das Drehbuch abzuschließen. Meiner
Meinung nach ist das nicht machbar, da er ja Buchverleger und nicht
mein Agent ist. Ich habe auch keine Vorstellung davon, wie ein solcher
Vertrag überhaupt aussehen könnte.

Ich suche nach einer für beide Seiten fairen Lösung. Können Sie mir
dabei weiterhelfen?


Antwort:
Ich würde Ihre Position nicht unbedingt ein Problem nennen.

Ihrer Schilderung nach handelt es sich um einen noch auszuhandelnden
Buchvertrag. Da kann ich Ihnen leider kaum einen anderen Tipp geben,
als sich professioneller Hilfe zu bedienen (Rechtsanwalt oder Agent).

Natürlich kann man im Buchvertrag die Filmrechte ausklammern. Und
richtig, kein Verleger tut das gern. Warum oder wie der Verleger einen
Drehbuchvertrag mit Ihnen abschließen will (oder eher einen
Verfilmungsvertrag?), mag damit zu tun haben, dass er sich alle
Möglichkeiten offen halten will. Aber das sollten Sie natürlich
ebenfalls tun.

Mein Rat wäre daher wirklich, lieber einen prozentualen Anteil an
jemanden zu zahlen, der Ihnen bei den Verhandlungen hilft. Diese
Investition hat sich meiner Erfahrung nach bisher noch immer bezahlt
gemacht.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft.
Später ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber
direkt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für
Kurzfilme, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.
http://www.pautsch.net


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und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit
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