Ausgabe 16-09 (20. September 2014)

   Editorial
   Hall of Fame
   Schreib-Kick
   Lesetipps
   Marketingideen
     Pressearbeit: Ein dorniger Weg, der sich lohnt?
     von Maike Frie
   Interview mit Laszlo Kish
    Spannung, der Unterleib der Literatur
      Ein Fettnäpfchen für zwei?
      Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Frag den Experten für Verlagswesen
      (Bjørn Jagnow)

EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

wie können AutorInnen wirksame Pressearbeit für ihr Buch machen? Dazu
hat unsere Marketingexpertin Maike Frie schon einige Artikel in
letzter Zeit geschrieben. Diesmal hat sie sich den konkreten Fall
eines Romans einer Tempest-Leserin vorgenommen und gibt viele Tipps,
von denen auch andere AutorInnen profitieren können.

Ursula Schmid-Spreer hat für diesen Tempest den Verleger,
Schauspieler, Regisseur ... Laszlo Kish interviewt. Von Hans Peter
Roentgen gibt es ein neues Spannungslektorat, und Björn Jagnow gibt
Expertenrat, was Verfilmungsrechte angeht. Darüber hinaus gibt es
natürlich viele neue Tipps, Schreibanregungen und Ausschreibungen.

Der Tipp des Monats September, diesmal von
https://www.facebook.com/Literaturkaninchen:

    Gib deinem Leser gerade einmal so viel Informationen
    über den Hintergrund, die Vergangenheit, das Setting
    oder den Charakter, wie er zum jeweiligen Zeitpunkt
    zum Verständnis der Geschichte braucht. Lass ihn
    in allem anderen im Dunkeln tappen.

In der Sommerflaute möchte ich mal wieder daran erinnern, dass wir mit
dem Tempest immer nah am Rande des Abgrunds wandeln, was die Finanzen
betrifft. Also, sich einfach einen kleinen Ruck geben, zur Website
http://autorenforum.de gehen und per Klick über Paypal ein paar Euro
überweisen. Danke!

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das
Konto:

Jürgen Schloßmacher
Kreissparkasse Köln
BIC: COKSDE33XXX
IBAN: DE23370502991142176163
Stichwort: "Beitrag 2014"

Wichtig: Das Konto läuft NICHT mehr auf den Namen “autorenforum”,
sondern nur auf “Jürgen Schloßmacher”!

Neu:  Ihr könnt jetzt auch über unsere Website
http://www.autorenforum.de direkt per Paypal überweisen!

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des
Tempest).

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ISSN 1439-4669  Copyright 2014 autorenforum.de. Copyright- und
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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 INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

    
    Impressum
    Editorial
    Hall of Fame
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Marketingideen
        “Pressearbeit: Ein dorniger Weg, der sich lohnt”
        von Maike Frie
    Interview mit Laszlo Kish
    Spannung, der Unterleib der Literatur
        “Ein Fettnäpfchen für zwei”
        Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Frag den Experten für Verlagswesen
        (Bjørn Jagnow)


TEIL 2:

    Veranstaltungen
    Ausschreibungen
    Publikationsmöglichkeiten
         mit Honorar
         ohne Honorar
    Seminare
    Messekalender
    Impressum


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HALL OF FAME:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die “Hall of Fame” zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: “Titel”, Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: “Der Fall der falschen Meldung”, Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen
muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff “Hall of Fame” an
redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
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Sonja Silberhorn: "Mordsdult", Emons Verlag 2014,  Kriminalroman. Der
4. Fall für Sarah Sonnenberg! www.sonja-silberhorn.de

Angelika Bohn: "Wem die Deutschstunde schlägt", Goldmann Verlag 2014,
Erzählendes Sachbuch. Amüsantes aus dem Deutsch-als-Fremdsprache-
Unterricht

Gerd Zipper: “Der Übervater”, Prolibris Verlag 2014. Schwäbisch-Gmünd-
Krimi. www.prolibris-verlag.de/buch/der-bervater

Karl Plepelits: "Ich liebte eine Hexe", E-Book, Edition Bärenklau
2014, Mystery. Zwei miteinander verwobene tragische Liebesgeschichten.

Inez Corbi: “Weit wie der Himmel”, cbj 2014, Historischer Jugendroman.
Südafrika im 19. Jahrhundert. http://www.inez-corbi.de

T. A. Wegberg (mit Sascha K.): "Ich kannte kein Limit", Arena Verlag
2014, Jugendbuch / Romanbiographie. Alkohol übernimmt das Zepter.
www.tawegberg.de

Petra Scheuermann: "Schoko-Leiche", Verlag KSB-Media 2014,
Genusskrimi. http://www.petrascheuermann.de

Maria Caviglia: “verkauft”, Printsystem Medienverlag 2014, Karibik-
Krimi. Mieses Geschäft mit Babys in Guatemala.

Cord Buch: “Mord im Viertel”, Verlag edition-oberkassel 2014,
Großstadtkrimi. Morden die Sanierungsgegner Immobilienhaie?
www.cordbuch.de


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SCHREIB-KICK:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den September, diesmal von Marita Bagdahn:


Zevenaar
........
Das Zevenaar stammt aus den Niederlanden und besteht aus 7 Zeilen nach
diesem Schema:

1. Zeile: ein Ort
2. Ziele: ich und eine Tätigkeit
3. Zeile: eine Frage oder ein Vergleich
4. Zeile: ein Detail näher beschreiben/heranzoomen
5. Zeile: Detail noch näher heran zoomen
6. Zeile: 1. Zeile wiederholen
7. Zeile: 2. Zeile wiederholen

Im Internet gibt es verschiedene Beispiele zu lesen.

Übung: Schreib ein Zevenaar über den Ort, an dem du gerade bist. Oder
über einen Ort, an dem du gerne bist (oder jetzt gern wärst?).


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LESETIPPS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/verlagsmann-klaus-eck-
es-gibt-zu-wenig-gute-buecher-13150093.html
"Es gibt zu wenig gute Bücher.” Interview mit Klaus Eck, der fast 30
Jahre lang oberster Verleger von Random House Deutschland war und, nun
“reaktiviert", die Verlagsgruppe nun auf die Zukunft vorbereiten soll.

+++++

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/oetinger34-
kinderbuecher-koennen-im-netz-entstehen-
13153062.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
Auf der Kinderbuchplattform Oetinger34 soll Nachwuchs-Autoren und
Nachwuchs-Illustratoren in Zusammenarbeit mit sogenannten Junior-
Lektoren die Chance eröffnet werden, veröffentlichungsreife Werke zu
entwickeln.

+++++

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/amazon-interview-mit-christian-
handke-zum-amazon-streit-a-989271.html
Der Ökonom Christian Handke spricht im Interview über den Amazon-
Flatrate-Streit und darüber, wie sich Kultur überhaupt finanzieren
lässt.


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MARKETINGIDEEN:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


           “Pressearbeit: Ein dorniger Weg, der sich lohnt”
                            von Maike Frie

Ein ansprechender Pressetext ist die Basis für erfolgversprechende
Pressearbeit. Deshalb kommt hier jetzt ein Beispiel dafür, wie man
einen Pressetext für ein reales, jüngst erschienenes Buch aufbauen
könnte. Aus den eingesandten Manuskripten habe ich bewusst einen Roman
ausgewählt, weil es bei anderen Büchern zu Sach- und Fachthemen
zunächst leichter scheint, sie in die Presse zu bringen. Die
Erfahrungen sind natürlich auch in diesem Bereich unterschiedlich -
wer dazu konkrete Fragen hat, kann mir gerne eine E-Mail schreiben
(marketing at experte pt autorenforum pt de).


         Wie macht man Redaktionen auf sich aufmerksam?

Mein letzter Artikel zum Thema Pressemitteilungen ist schon eine Weile
her, deshalb hier noch einmal zur Erinnerung: Was braucht man, um die
Redaktionen auf sich aufmerksam zu machen?

- ein geeignetes Medium (regionale Zeitungen / Sender,
Fachzeitschriften, Internetportale usw.)
- den richtigen Ansprechpartner (zuständiger, interessierter
Redakteur)
- einen günstigen Zeitpunkt (Anknüpfungspunkt zum Buchinhalt und /
oder sonstige Themen-Flaute)

Solche Anknüpfungspunkte sind bei Lokalkrimis, Sachbüchern oder
Weihnachtsgeschichtensammlungen leichter auszumachen als bei einem
“ganz normalen” Roman. Da beginnt man am besten im Umfeld des Autors
mit den Lokalmedien und erarbeitet aus dem Inhalt des Textes Themen.
Ein einziger, allgemein gehaltener Pressetext, der landesweit gestreut
an Zeitungen, Zeitschriften, Radiosender und Internetportale
verschickt wird, bleibt in den meisten Fällen vergebliche Liebesmüh.


         Der Roman - worum es geht

Ein humorvoller Politroman ist es, so ist Exposé, Klappentext und den
ersten Leserrezensionen zu entnehmen. In einem fiktiven Land erhält
eine Politikerin überraschend einen hohen Posten und sieht sich
schnell mit politischen Machenschaften, männlichen Karrieristen und
privaten Konflikten konfrontiert. Der Titel “Liebe, Macht und rote
Rosen” weist genau darauf hin: Es geht um eine aufrechte Haltung im
täglichen Politgeschäft, aber es ist kein Thriller; Gefühle aus
weiblicher Perspektive spielen eine Rolle.


         Die Pressearbeit -
         welche Redaktionen und Zeitpunkte sich anbieten

Wie bei jedem Roman eignen sich die Lokalmedien (Tages- und
Wochenzeitungen, aber auch Städte- und Interviewmagazine, Lokalfunk
und -sender) dort, wo der Autor beheimatet ist. Je nach
Vorveröffentlichungen und Bekanntheitsgrad der Autorin kann es auch
(über)regional interessierte Medien geben.

Themenspezifische Redaktionen sind in diesem Fall solche, die sich mit
Politik beschäftigen. Außerdem schlage ich Magazine zum Stichwort
“Rote Rosen” vor. Da gibt es eine ganze Menge Special-Interest-Titel
für Menschen, die sich mit Blumen / Gärten / Dekoration beschäftigen
(das sind häufig Frauen  potentielle Leserinnen).

Für eine Lesetour durch Gärtnereien bietet es sich an, Autoren-
Kollegen zu suchen, deren Romane ebenfalls mit Blumen zu tun haben.
Denn mit geballter Autorenmacht aufzutreten ist hierbei oft hilfreich.
Möglich sind auch Beratungsstunden in Buchhandlungen mit
Blumenexperten und Sachbüchern, die von einer kürzeren Roman-Lesung
flankiert werden. Eine Event-Lesung in einer Bäckerei, bei der erklärt
wird, wie man Marzipanrosen fertigt, ist eine weitere Idee.

Zeitliche Aufhänger lassen sich das ganze Jahr über finden: einmal in
der Sommerpause, in der bei Redaktionen Themenflaute herrscht, so dass
die Chancen besser stehen, mit einer Pressemeldung á la “Wenn die
Politik im Urlaub ist: einen Polit-Roman lesen” unterzukommen. Auch
Zeiten, in denen politische Skandale, die Ernennung von Ministerinnen
in ungewöhnliche Ämter oder (Jahrestage von) ermordete(n) Politiker(n)
durch die Medien gehen, lassen sich als Aufhänger nutzen.


         Die Pressemitteilung - wie sie entsteht

Je nachdem, an welche Redaktion die Pressemitteilung geht, ob sie das
Erscheinen des Buches oder eine Lesung zum Aufhänger hat und wie sie
zeitlich platziert wird, muss auch der Text individuell verfasst bzw.
angepasst werden.

Hier ein Beispiel für eine Pressemitteilung als Ankündigung einer
gemeinsamen Veranstaltung von drei Autorenkolleginnen:

.....
Am ... laden die Autorinnen A, B und C um ... Uhr zu einer Lesung in
die Gärtnerei “Blumenfreude” ein. Ihre Romane verbinden unterhaltsam
politische Intrigen und blühende Leidenschaften.

[Abschnitt zum Roman von Autorin A]

[Abschnitt zum Roman von Autorin B:] Rosen schützen sich durch Dornen,
aber auch Menschen täten solche Abwehrmechanismen manchmal gut. Dies
erfährt Bs Protagonistin, als sie mitten ins politische Geschehen
einer fiktiven Hauptstadt katapultiert wird. Ob sie ihre Integrität
und moralischen Ansprüche als Ministerin zwischen machthungrigen
Männern wahren kann?

[Abschnitt zum Roman von Autorin C]

Die Besucher erwartet ein anregendes Ambiente mit musikalischer
Untermalung und essbaren Blüten für das leibliche Wohl. Eintritt 5
Euro, ab ... Uhr.
.....


         Mit dem Blickfang krönen - die Überschrift zum Schluss

Meist ergibt sich erst, wenn der gesamte Pressetext geschrieben ist,
ein klarer Blick für die beste Überschrift (zwischendurch Ideen
sammeln nicht vergessen!). Hier ein paar Beispiele:

- “Wofür Dornen alles gut sind - nicht nur Rosen brauchen Schutz”
- “Humor ist, wenn auch Politikerinnen noch lachen können”
- “Wenn Männer in der Gärtnerin den Bock sehen: Eine Frau als
Ministerin”


         Zahlen, Daten, Fakten

Unter die Pressemitteilung gehören jetzt noch Angaben, die den
Redaktionen eine weitere Recherche leicht machen, wenn sie denn daran
interessiert sind: Kontaktdaten von Autor(en) und Verlag(en), ISBN,
Seitenzahl, Preis, Leser-Zielgruppe, weitere Quellen wie Autoren- oder
Buchhomepage, Verlagshomepage, Bildmaterial zum Herunterladen
(Buchcover, Autorenporträt, Illustrationen aus dem Roman oder Fotos
zum Inhalt), Leseproben im Internet, Buchtrailer auf youtube,
eventuell Informationen zu vorherigen Veröffentlichungen.

Ich bin gespannt darauf, welche Pressemeldungen mit diesen Anregungen
entstehen, und freue mich auf die Berichte darüber!

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Maike Frie, Münsteranerin von 1976 mit Skandinavien-Begeisterung; nach
Stationen in Oslo und Hamburg heimgekehrt; tätig als Dozentin,
Texterin, Lektorin und Mutter; bietet für Autoren Korrektorat,
Lektorat und Manuskriptberatung sowie ein Seminarprogramm zum
Kreativen Schreiben - mehr unter http://www.skriving.de


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INTERVIEW:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


                   “Jeder Mensch ist interessant”
                      Interview mit Laszlo Kish

Laszlo Kish ist Schauspieler, Regisseur, Kommunikationstrainer und
einer der Gründer des Rattenreiter Verlags. Er hat in vielen Theater-
und Fernsehproduktionen mitgespielt. Viele Jahre war er der Schweizer
Tatort-Kommissar.


Ursula Schmid-Spreer: Gab es eine Initialzündung dafür, dass du
Schauspieler werden wolltest?

Laszlo Kish: Kino hat mich von frühsten Kindesbeinen an immer
fasziniert. Nachdem ich die Phase, in der ich Feuerwehrmann werden
wollte, hinter mir hatte, war mir klar, dass ich irgendetwas mit Film
zu tun haben würde. Konkret für den Beruf des Schauspielers habe ich
mich aber erst spät, nach einer großartigen Präsentation des damaligen
Schulleiters, im Rahmen einer Veranstaltung der Berufsberatung,
spontan entschlossen.

Damals habe ich erlebt, dass eine gute Präsentation mein Leben
verändern kann.


USS: Hast du dich richtig zum Schauspieler ausbilden lassen? Wie lange
dauerte es dann für dich, bis du dein erstes Engagement erhalten hast?

LK: 1979 begann ich an der Zürcher Hochschule der Künste
(Schauspielakademie Zürich) eine dreijährige Berufsausbildung zum
Schauspieler. Allerdings hatte ich damals schon Erfahrung auf der
Bühne, denn ich hatte während meines Studiums bereits in diversen
Produktionen der englischen Fakultät mitgespielt. Ein Jahr vor
Abschluss meiner Schauspielausbildung erhielt ich Angebote sowohl vom
Burgtheater in Wien als auch dem Schauspielhaus Zürich. So begann ich
meine professionelle Schauspielerkarriere 1981 mit einem
Anfängervertrag am Schauspielhaus Zürich. Seit 1986 arbeite ich als
freier Schauspieler und Regisseur.


USS: Du hast einen Agenten? Glaubst du, dass man heute ohne Agent als
Künstler überhaupt noch eine Chance hat, unterzukommen?

LK: Für den freien Schauspieler ist ein Agent sehr wichtig. Ob
heutzutage ein Künstler generell einen Agenten braucht, kann ich nicht
beantworten. Ich empfinde es als sehr angenehm, eine “Relaisstation”
zwischen mir und den Auftraggebern zu haben. Zudem ist es bei den
vielen Reisen, die mit dem Beruf verbunden sind, hilfreich, ein
zuverlässiges “Sekretariat” für mögliche Auftraggeber zu haben.


USS: Du arbeitest auch als Kommunikationstrainer für Auftritts- und
Medienkompetenz. “The Kish Experience”: Was muss ich mir darunter
vorstellen?

LK: Zwar ist “TheKish-Experience.com” noch verhältnismäßig jung, doch
bin ich, neben meiner Tätigkeit als Schauspieler, Regisseur und Autor,
bereits seit über 25 Jahren hinter den Kulissen auch als
Schauspiellehrer und -coach tätig.

Aus dieser Tätigkeit heraus kamen in den letzten zehn Jahren vermehrt
Anfragen von Unternehmern und Politikern, die entweder ihre
Auftrittskompetenz verbessern oder dramaturgisch und strukturell an
einem konkreten Auftritt feilen wollten. Vor einigen Jahren verspürte
ich selber das Bedürfnis, mich fundiert weiterzubilden, und habe mich
zum Kommunikationstrainer und Kurzzeitcoach ausbilden lassen. Während
dieser Ausbildung habe ich erlebt, dass wirklich jeder Freude am
öffentlichen Auftritt gewinnen kann. Der “Laie” braucht dazu
vielleicht eine andere Vorbereitung als der “Bühnenprofi”, doch vom
Grundsatz her handelt es sich immer um dasselbe Vorgehen und dieselben
Techniken, die erstaunlich schnell zu erlernen sind und verblüffende
Ergebnisse zeitigen. Äußerst wirkungsvoll beim Auflösen individueller
Bühnenängste ist die Wingwave-Methode, ein Kurzzeit-Coaching zum Abbau
von Leistungsstress und zur Steigerung von Kreativität, Mentalfitness
und Konfliktstabilität.


USS: Du bist einer der Gründer des Rattenreiter Verlags. Was ist die
besondere Philosophie dieses Verlags?

LK: Die Autoren sind die Hauptfiguren einer Veröffentlichung und nicht
der Verlag. Im Bereich der E-Books ist die lächerlich niedrige
Beteiligung von Autoren mit nichts zu rechtfertigen. Druck,
Lagerhaltung, Transport sind allesamt große Kostenfaktoren, die keine
Rolle mehr spielen. Trotzdem hat sich die Vergütung für Autoren nur
minimal verbessert. Die Werbung und Pressearbeit der Verlage, wie ich
sie bisher erlebt habe, vermögen die ungleiche Gewinnverteilung auch
nicht zu erklären.

Beim Rattenreiter Verlag entstehen minimale administrative Kosten, die
Kosten für ein obligatorisches Lektorat (ohne geht nichts raus).
Dadurch ist der Gewinn, der tatsächlich bei den Autoren hängenbleibt,
signifikant höher als bei “normalen” Verlagen. Allerdings muss der
Autor damit leben, dass er kein gebundenes Exemplar in Händen halten
wird. Da er aber nur die E-Book- und vielleicht noch die Hörbuch-
Rechte weggegeben hat, steht natürlich dem weiteren Verkauf der
Printrechte nichts im Weg.


USS: Auch Autoren müssen in die Öffentlichkeit, um sich bekannt zu
machen. Dies erreichen sie durch Lesungen. Wie führst du angehende
Autoren dahin, dass sie die Angst vor einer Lesung verlieren?

LK: Angst vor einer Lesung ist nichts anderes als Lampenfieber. Dafür
gibt es sehr individuelle Ursachen und Auslöser. Menschen mit starken
Angstblockaden sind fast immer prozessorientiert. Das bedeutet: Sie
stellen sich nicht das furiose Ergebnis vor, sondern, was unterwegs
alles schief laufen kann, und bleiben deswegen lieber einfach zu Hause
sitzen. Doch die tatsächlichen Ursachen für eine Auftrittsangst oder -
blockade zu finden und der Prozess der Befreiung davon, das ist eine
höchst individuelle Angelegenheit mit vielen möglichen Antworten und
kann hier in der gebotenen Kürze nicht dargestellt werden. In meinem
Seminar “Präsentieren statt Vorlesen” nehmen wir uns die Zeit, für
jeden Teilnehmer die richtige Antwort zu finden. Vieles davon werde
ich in Nürnberg vorstellen. [Anm. der Red.: s. Tempest, Teil 2, unter
“Seminare”.]


USS: Was rätst du Autoren, damit sie “richtig” lesen lernen und sich
entsprechend präsentieren können?

LK: Sei stolz auf das, was du geschrieben hast, und verschenke es mit
freudigem Herzen.


USS: Schreibst du selbst auch? Was bedeutet dir das Schreiben?

LK: Im März ist mein erstes Prosastück in dem Sammelband “Der Kuss der
grünen Fee” erschienen. Eine Kurzgeschichte über die Entwicklung von
Kampfgas im Ersten Weltkrieg.

Das Schreiben von Prosa ist für mich die größtmögliche Freiheit im
Einsatz meiner persönlichen Fantasie. Im Gegensatz zu Drehbüchern, wo
ich unwillkürlich auch schon die Produzentenschere im Kopf habe.


USS: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Lektoren im
Rattenreiter Verlag?

LK: Ausgesprochen professionell, sachlich und freundschaftlich.


USS: Was bedeuten Wörter für dich? Als Schauspieler gehst du ja viel
mit Sprache und Modulation der Stimme um.

LK: Bisweilen stocke ich mitten im Satz, weil ich das Gefühl habe,
dass ein Wort existiert, dass das, was ich sagen will, noch
verständlicher, noch besser nacherlebbar macht.

Der zweite Punkt, die Stimmmodulation, ist bei jedem öffentlichen
Vortrag ein entscheidendes Element. Lange Passagen monoton, also: auf
einem Ton vorgetragen, führen unweigerlich zum Verlust des Publikums.
Sie verlieren das Interesse an dem Vortrag, schlafen im Extremfall
sogar ein.


USS: Was möchtest du einmal geschrieben bzw. welches Stück möchtest du
inszeniert haben? Was wäre deine Traumrolle?

LK: Traumrollen verändern sich so, wie der Schauspieler älter wird.
Derzeit träume ich zum einen davon, mit einer ausgezeichneten
Partnerin “George” aus “Wer hat Angst vor Virginia Woolfe?” zu
spielen. “Dorfrichter Adam” im “Zerbrochenen Krug” ist eine andere
Traumrolle, für die ich langsam im richtigen Alter bin.


USS: Liest du gerne? Drehbücher? Nach welchen Kriterien suchst du
deine Stoffe aus?

LK: In den letzten Jahren hat sich mein Lesestoff mehr in Richtung
Fachbücher entwickelt. Neurowissenschaften, Wahrnehmungsforschung,
aber auch zum Thema “Präsentieren”; die gesamte Disziplin ist so stark
in Bewegung, dass es sehr zeitaufwendig ist, auf dem neuesten Stand zu
bleiben, Trainings und Seminare laufend entsprechend
weiterzuentwickeln.


USS: Welches Buch liegt auf deinem Nachtkästchen? Hast du ein
Lieblingsbuch?

LK: Derzeit liegt “Der Kuss der grünen Fee” auf meinem Nachtkasten,
denn ich bin bisher noch nicht dazugekommen, alle Geschichten meiner
Mitautoren zu lesen. Das möchte ich unbedingt nachholen.

Der letzte Roman, der mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich nicht
wollte, dass er zu Ende geht, war: “Der Hundertjährige, der aus dem
Fenster stieg und verschwand” von Jonas Jonasson. Diese Art des
Fabulierens, des unverschämt Lügens ist absolut meine Strecke.


USS: Was meinst du - hat Druck auch positive Seiten?

LK: Es gibt zwei Gründe, weshalb sich Menschen weiterentwickeln: große
Ziele und große Schmerzen. Wenn das Ziel nicht groß genug ist, helfen
die “Schmerzen”, uns zu bewegen. Druck kann durchaus eine
Erscheinungsform dieser “Schmerzen” sein. Insofern kann es der
Weiterentwicklung zuträglich sein. Wesentlich lustvoller kann es sein,
ein großes Ziel zu verfolgen.


USS: Wie gehst du mit Kritik um?

LK: Wenn es sich um konstruktives Feedback handelt, bin ich neugierig,
offen und setze das eine oder andere, das sinnvollerweise angebracht
worden ist, häufig um. Vielen “Kritikern” jedoch geht es nicht um
meine Weiterentwicklung, sondern vielmehr um ihre persönliche
Profilierung. Es gelingt mir immer besser, solche “Kritik” nach kurzem
anfänglichem Ärger richtig einzuordnen und zu ignorieren.


USS: Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Hast du schon Ideen für
Stücke, für neue Projekte? Neue Bücher? Möchtest du noch mehr in das
Coaching gehen bzw. mehr Seminare geben?

LK: Ich werde weiterhin meine Karriere als Schauspieler fortsetzen -
gerade drehe ich einen großen Mehrteiler in Italien. Die regelmäßigen
und aktuellen Erfahrungen mit dem Darstellerberuf sind in meinen Augen
ein Garant für meine Qualität als Kommunikationscoach. Die Kombination
ist für beide “Parteien” - Schauspieler und Coach - absolut
förderlich. Als Beweis hierfür nehme ich das traumhaft anwachsende
Interesse für meine Coachings und Trainings.

Literarisch arbeite ich gerade an einem humoristischen Reisebericht,
Arbeitstitel: “Das Totengebet von Madurai”, der dann im Rattenreiter
Verlag als E-Book und Hörbuch erscheinen wird.


USS: Beantwortest du alle Mails oder Briefe, die dir Leser schreiben?
Freust du dich darüber?

LK: Ja. Bisweilen brauchen die Schreiber etwas Geduld, um eine Antwort
zu erhalten, doch letztlich werden sie von mir hören.


USS: Wen oder welchen Literaten / Schauspieler würdest du gerne mal
treffen wollen?

LK: Orson Welles, Kevin Spacey, Dschingis Aitmatov, T. C. Boyle.


USS: Hast du ein Leitmotto?

LK: Jeder Mensch ist interessant.


USS: Was rätst du angehenden Autoren und auch Schauspielern? Soll man
an Wettbewerben / Anthologien teilnehmen? Schreibt der Rattenreiter
Verlag Anthologien aus?

LK: Bis jetzt hat der Rattenreiter Verlag noch keine Anthologie
ausgeschrieben, wir sind ein sehr junger Verlag, noch in der
Konsolidierungsphase. Doch kann ich so viel verraten, dass wir an
einem Fortsetzungsroman arbeiten.

Ein ganz bedeutender Faktor zum Erreichen großer Meisterschaft ist das
Üben. Insofern rate ich immer, jede sich bietende Gelegenheit dazu zu
nutzen. Dabei geht es nicht in erster Linie um den kurzfristigen
Erfolg, die Veröffentlichung, das Engagement oder ähnlich, sondern um
das Tun selbst.

Mann mit Instrumentenkoffer: “Können Sie mir sagen, wie ich zur Oper
komme?”
Altere Frau: “Üben, üben, üben.”


USS: Und zum Schluss: Welche Tipps kannst du unseren Autoren mitgeben?

LK: Vor einigen Jahren wollte ich Italienisch lernen und habe mich für
einen Kurs angemeldet. Als in der zweiten Stunde der Lehrer eine
Teilnehmerin irgendetwas fragte, versteinert diese förmlich, hielt den
Atem an, wurde bleich und fing an zu zittern. Diese Frau war Mitte 40
und lebte wieder die Muster ihrer Schulzeit nach. Die Ausgangslage war
eine völlig andere, schließlich hatte sie jetzt ihren Lehrer dafür
bezahlt, dass er ihr etwas beibringt.

Angst kann hartnäckig sein, Angst lähmt, Angst verhindert, Angst
verdirbt den Spaß, Angst macht mich klein. - Angst ist scheiße!


[Laszlo Kish kommt nach Nürnberg und hält dort ein Seminar:
“Erfolgreich lesen - Tipps und Tricks für Ihre nächste Lesung”.
Näheres im Tempest, Teil 2. - die Red.]


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht
überschreiten!
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                    “Ein Fettnäpfchen für zwei”
              Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen


Monika, die neue Mitarbeiterin vom Hotel Lambert, wartet in einem
Festzelt auf ihren neuen Bekannten Kai, als ihr Chef Maximilian
Lambert auftaucht.

Der Nachmittag brauste davon, und mit dem Ende des Tages rückten auch
die grauen Wolken näher, die niemand bemerken wollte. Wie nach einem
Paukenschlag goss es, als würden die Gewitterwolken überschwappen.
»Komme gleich«, rief Kai Monika zu und bahnte sich einen trockenen Weg
in das benachbarte Zelt, wo er ein junges Paar überschwänglich
begrüßte. Vermutlich Gäste aus seinem Golfhotel.
Am Tresenende prosteten sich soeben eine Gruppe Volksmusiker zu und
kippten ihre Schnäpse hinunter. Der größte von ihnen deutete dem
Barkeeper mit einer flüchtigen Handbewegung, er möge eine weitere
Runde bringen. Die Szene zeigte Monika, dass Kommunikation mittels
Körpereinsatz besser funktionieren konnte als mit Worten. Als
Bestätigung zwinkerte ihr der Große mehrmals zu. Die Musiker, allesamt
in rot-weiß kariertem Hemd und kurzer Hirschledernen, machten
keinerlei Anstalten, das Fest zu verlassen. Gewitter hin oder her, sie
würden heute die Letzten sein, die nach Hause fuhren.
Monika stellte ihr Glas ab und blickte hinüber auf die Trabrennbahn.
Als sie an den Nachmittag zurückdachte, verwandelte sich das Trommeln
des Regens in das Renngalopp der Sportpferde, als liefe eine Herde
vorbei. Das satte Grün, in dem die Bahn eingebettet lag, verwandelte
sich allmählich in ein Biotop. Fehlten nur noch die Enten und
Seerosen, witzelte Monika und beobachtete die Menschengruppen, die in
Richtung Ausgang hetzten. Auch Hannelore und ihr Mann waren unter den
Flüchtigen und hielten sich ihre Jacken über die Köpfe. Monika schaute
genau und hielt ihre Hand zum Gruß bereit, vielleicht würde Frau
Riener sie noch entdecken, doch Hannelore kämpfte mit dem Schlammfeld
zu ihren Füßen.
Unvorbereitet blickte Monika in zwei braune Augen. Na toll, keuchte
sie, als Lambert schutzsuchend unter den Pavillon trat. Maximilian
schüttelte die Regentropfen aus seinem Haar und blickte sich um.
Danach bahnte er sich einen Weg in Richtung Bar. Hochnäsig reckte sie
ihr Kinn und setzte sich auf einen Barhocker. Stur drehte sie ihm den
Rücken zu. Sie wollte Maximilian keinen Anlass geben, zu ihr zu
kommen.
»Hey, Max«, mischte sich eine vorlaute Frauenstimme mit dem
Gewitterregen.
In ihrem Augenwinkel erkannte Monika eine mittelgroße Frau, die vom
Eventpersonal sein dürfte. Sie stakste auf Max zu und fiel ihm um den
Hals. Monika hätte sich lieber in die Zunge gebissen als sich nach der
Kicherstimme, die soeben ihren Boss abschmatzte, umzudrehen. Es
reichte ihr, dass sie das Geschwafel der beiden mit anhören musste.
»Servus, Betty, ich hätte dich bald nicht erkannt. Wusste gar nicht,
dass du Hosen trägst!«
Monika rümpfte die Nase und spottete in Gedanken über die humorvolle
gute Laune, mit der sich Max auf einmal rühmte.
»Wen hast du mitgebracht?«, schnalzte die Frau, offenbar kaute sie
Kaugummi.
Oh Gott!, die meint doch hoffentlich nicht mich, zeterte Monika. Sie
schaute sogleich in die gegengesetzte Richtung, ausgerechnet in das
zuckende Auge des großen Volksmusikers.
»Hat jemand dein Herz erobert?«, jammerte Betty.
»Um Himmels willen!«, prahlte Max, als wäre er gegen jegliche Art von
Gefühlsduselei immun. »Du kennst mich doch, oder?«
»Dann habŽ ich also noch Chancen?«
Monika rollte ihre Augen, was der Musiker offenbar als Aufforderung
verstanden haben mag und sich, zu Monikas Schrecken, sogleich von
seiner Männerrunde abseilte.
Nach Bettys Fragerei um MaxŽ Beziehungsstatus dürfte dieser Monika den
Rücken gekehrt haben. Scheinbar wollte er vermeiden, dass seine
Angestellte etwas davon erfuhr. Monika spitzte die Ohren, doch ein
weiterer Regenguss ging auf den Pavillon nieder und dämpfte ihre
Stimmen. Sie lehnte sich nach hinten über den Rand des Barhockers und
lauschte Max‘ Worten, die sie besser nicht gehört hätte.
»Sie ist nur eine Aushilfe.«
Der Hocker kippte nach hinten und Monika verlor das Gleichgewicht.
Gerade noch klammerte sie sich an der Theke fest, holte mit den Beinen
Schwung und knallte bäuchlings gegen den Tresen. Der Barkeeper
kontrollierte sofort, ob eine Rangelei im Gange war, und kam sogleich
auf Monika zu.
Schon okay! War nichts, winkte sie ihn mit einer bemüht gleichgültigen
Handbewegung ab. Ebenso erfolgreich wich sie den Blicken der anderen
Gäste und nippte verlegen an ihrem Glas. Selbst der Musiker mit dem
kaputten Auge war zu seiner Gruppe zurückgekehrt und betrachtete sie
mit einem Mal skeptisch. Bestimmt vermutete er, sie sei betrunken.
»Sie ist die Aushilfe. Sybille hat sich das Bein gebrochen«, fuhr Max
das Gespräch hinter Monikas Rücken fort.
»Meine Güte, die arme Sybille. Ja, stimmt! Kai hat neulich davon
erzählt. Wir saßen gerade alle im Irish Pub und ...«
Max ließ Betty nicht ausreden.
»Woher weiß die Pfeife schon wieder davon?«, wetterte er.
»Ach, keine Ahnung! Du weißt ja, er hat überall seine Spitzel. Sorry,
muss jetzt los!«, beendete Betty hastig und verzichtete sogar auf eine
Umarmung von Max.
Hast dich wohl verplappert, äffte Monika, und ehe ihre Fantasie
weiterspinnen konnte, lugte ihr diese Betty über die Schulter, kaute
auf ihrem Kaugummi und sagte, mit einem wissentlichen Grinsen, zu
Monika: »Alles Gute im Lambert!« Daraufhin verschwand sie.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

                   Lektorat von Hans Peter Roentgen

Monika hat gerade einen Job ergattert, sitzt an der Bar, da kommt ihr
Chef herein. Sie will nicht mit ihm sprechen, dreht sich um,
beobachtet dennoch aus den Augenwinkel, wie er eine junge Frau
begrüßt, die sich ihm sehr affektiert an den Hals wirft. Sie reden
darüber, dass Monika nur eine Aushilfe ist, und Monika stürzt beinahe
vom Barhocker. Und am Schluss begrüßt die andere sie: “Willkommen im
Hotel Lambert”. -
Ist das spannend?

Schön ist die Eröffnungsszene der Volksmusiker, doch der Unfall an der
Bar ist überfrachtet. Dafür gibt es mehrere Gründe.


         Erst handeln, dann kommentieren

Die Frau lauscht den Worten, “die sie besser nicht gehört hätte”. Erst
dann erfahren wir, was die Frau hört. Umgekehrt wird ein Schuh draus.
Max sagt: “Eine Aushilfe”, und Monika ist entsetzt. Merken Sie sich:
Lassen Sie erst etwas geschehen oder etwas sagen, dann kommentieren
Sie es. Oft müssen Sie es gar nicht mehr kommentieren, weil die
Ereignisse dem Leser bereits zeigen, was Sache ist.

Generell wird in dieser Szene viel erklärt, was gar nicht nötig ist.

“Sie wollte Maximilian keinen Anlass geben, zu ihr zu kommen”, heißt
es, aber da Monika ihrem Chef demonstrativ den Rücken zudreht, muss
uns das nicht extra erklärt werden. Auch der Barkeeper, der nach dem
großen Krach auf Monika zueilt, wird kommentiert. Er fürchte eine
Schlägerei.

Das sind gleich drei Probleme: Erstens folgen wir der Perspektive von
Monika, die gar nicht weiß, was der Mann denkt, und zweitens sieht der
Barkeeper ja, dass es keine Schlägerei gibt. Drittens reicht es, wenn
er einfach herbeikommt. Der Leser ergänzt automatisch, dass Monikas
Aktion die Ursache ist.


         “Erwähnte sie”, “witzelte sie”

“Die Szene zeigte Monika, dass Kommunikation mittels Körpereinsatz
besser funktionieren konnte als mit Worten.” Ein ziemlich komplexer
Satz für eine einfache Feststellung. Warum muss die Szene Monika etwas
zeigen? Wir sind in der Perspektive Monikas, es reicht völlig:
“Kommunikation mittels Körpereinsatz funktionierte oft besser als die
mit Worten.”

Auch an anderen Stellen wird mit unterschiedlichen Verben betont, dass
sich Monika etwas denkt:

- “Das satte Grün, in dem die Bahn eingebettet lag, verwandelte sich
allmählich in ein Biotop. Fehlten nur noch die Enten und Seerosen,
witzelte Monika.
- “Na toll”, keuchte sie, als Lambert schutzsuchend unter den Pavillon
trat.
- Oh, Gott!, die meint doch hoffentlich nicht mich, zeterte Monika.
- Monika rümpfte die Nase und spottete in Gedanken über die humorvolle
gute Laune.
- Hast dich wohl verplappert, äffte Monika.

Sie witzelte, keuchte, spottete, äffte, weil “dachte sie” vermieden
werden soll. Leider sind die Synonyme keine gleichwertiger Ersatz. Und
in den meisten Fällen benötigen wir diese Bekräftigung gar nicht. “Das
satte Grün, in dem die Bahn eingebettet lag, verwandelte sich
allmählich in ein Biotop. Fehlten nur noch die Enten und Seerosen.”
Das reicht völlig aus.
Und auch in den anderen Fällen kann man aufs Witzeln, Äffen und
Keuchen verzichten:

- Na toll! Jetzt trat auch Lambert schutzsuchend unter den Pavillon.
- Monika rümpfte die Nase über die gespielt humorvolle gute Laune.

“Da hatte sich wohl jemand verplappert!” Dieser letzte Satz wäre der
einzige, bei dem man eventuell ein “dachte” einfügen könnte: Hast dich
wohl verplappert, dachte Monika.
Den Satz “Oh, Gott!, die meint doch hoffentlich nicht mich, zeterte
Monika”, den kann man - inklusive Zetern - ganz streichen.

Am Anfang denkt sie auch zurück:

.....
“Monika stellte ihr Glas ab und blickte hinüber auf die Trabrennbahn.
Als sie an den Nachmittag zurückdachte, verwandelte sich das Trommeln
des Regens in das Renngalopp der Sportpferde, als liefe eine Herde
vorbei.
.....

Auch hier könnte man das Zurückdenken besser lösen:

.....
Monika stellte ihr Glas ab und blickte hinüber auf die Trabrennbahn.
Am Nachmittag lief dort der “Großen Preis von Riem”. Das Trommeln des
Regens verwandelte sich in den Galopp der Sportpferde, die dicht an
dicht vorbeirannten.
.....

Denken Sie daran: Wenn Sie betonen, dass Ihre Heldin etwas denkt,
fühlt, sich zurückerinnert, dann betrachten Sie sie von außen. Damit
wächst die Distanz zur Figur. Besser Sie betrachten die Szene mit
ihren Augen, aus ihrem Kopf. Denn niemand denkt: “Na toll, keuche
ich.” Wenn Sie im Kopf der Figur sind, denkt diese: Na toll! Und das
war‘s.

Ach ja: Wenn Sie eine Rückblende einschieben, dann fügen Sie danach
auf jeden Fall einen neuen Absatz oder sogar eine Leerzeile ein. Damit
der Leser orientiert ist und weiß, dass er zurück in die Gegenwart
springt.


         Konflikt und Personen

Was ist der Konflikt dieser Szene? Ich ahne es nur: Monika hält ihren
neuen Job für weit bedeutender, als er in Wirklichkeit ist, und ärgert
sich, als ihr Chef sie als Aushilfe bezeichnet. Doch das geht im Text
unter. Warum?

Weil die Figur blass bleibt, folglich der Leser nicht erlebt, was die
Figur eigentlich will. Monika scheint den neuen Chef nicht zu mögen,
sie möchte nicht mit ihm reden. Offensichtlich ist der neue Job nicht
ihr Traumjob. Doch dann wäre die Erkenntnis, dass sie nur Aushilfe
ist, nicht sonderlich erschreckend.

Weswegen trifft sie der Satz: “Sie ist Aushilfe” so? Das müsste man
vorbereiten. Sie mag den neuen Chef nicht. Gut, nichts dagegen. Aber
ihren Job mag sie, oder zumindest nimmt sie ihn ernst. Dementsprechend
müsste das am Beginn der Szene angedeutet werden.

Aber nicht durch einen Satz, der das konstatiert: “Monika war stolz
auf ihren Job als Juniorchefin des Empfangs.”
Das wäre ein Kommentar des Autors, der Monika von außen betrachtet.
Bleiben Sie im Kopf Ihrer Perspektivfigur: “Juniorempfangschefin! Das
war doch was, viel besser als ‚Bedienung im Café‘.”

Vielleicht ist sie sogar so stolz, dass sie ihre Abneigung gegen den
neuen Chef herunterschluckt? Ihm zuwinkt? Doch er achtet gar nicht auf
sie und widmet sich der Kaugummikauerin?


         Dialog

Dialoge sollten kurz und knackig sein. Und sie sollten nach
gesprochener Sprache klingen. Also keine sorgsam ausformulierten
Sätze. Das ist ein Problem in diesem Dialog:

.....
“‘Hey, Max‘, mischte sich eine vorlaute Frauenstimme mit dem
Gewitterregen.
In ihrem Augenwinkel erkannte Monika eine mittelgroße Frau, die vom
Eventpersonal sein dürfte. [...] beendete Betty hastig und verzichtete
sogar auf eine Umarmung von Max.”
.....

Das lässt sich knackiger sagen:

.....
“Hey, Max! Wen hast du mitgebracht?”, schnalzte die Frau, offenbar
kaute sie Kaugummi. »Hat jemand dein Herz erobert?«
»Um Himmels willen! Du kennst mich doch, oder?«
»Dann habŽ ich also noch Chancen?«
»Sie ist nur Aushilfe. Sybille hat sich das Bein gebrochen«, führte
Max das Gespräch hinter Monikas Rücken fort.
“Ja, Kai hat neulich davon erzählt. Wir saßen gerade alle im Irish Pub
und ...«
»Woher weiß die Pfeife schon wieder davon?«, wetterte Max.
»Der hat doch überall seine Spitzel. Sorry, muss jetzt los!«
.....

Sie sehen, die zahlreichen Erläuterungen zwischen dem Dialog benötigen
Sie gar nicht. Wichtig ist nur Monikas Versuch, alles mitzuhören, und
die Szene an der Bar. Fügen wir das noch ein:

.....
»Hey, Max« Eine mittelgroße Frau - vermutlich vom Eventpersonal -
stakste auf Max zu und fiel ihm um den Hals. »Wen hast du
mitgebracht?«, schnalzte die Frau, offenbar kaute sie Kaugummi. »Hat
jemand dein Herz erobert?«
»Um Himmels willen!«, sagte Max. »Du kennst mich doch, oder?«
»Dann habŽ ich also noch Chancen?«
Monika rollte mit den Augen. Der Musiker verstand das offenbar als
Aufforderung und seilte sich sogleich von seiner Männerrunde ab.
Sie spitzte die Ohren, doch ein weiterer Regenguss ging auf den
Pavillon nieder und dämpfte die Stimmen. Sie lehnte sich nach hinten
über den Rand des Barhockers und lauschte.
»Sie ist nur eine Aushilfe.«
Der Hocker kippte nach hinten und Monika verlor das Gleichgewicht.
Gerade noch rechtzeitig klammerte sie sich an der Theke fest und
knallte bäuchlings gegen den Tresen. Der Barkeeper kam sogleich auf
sie zu.
War nichts, winkte sie ihm mit einer bemüht gleichgültigen
Handbewegung zu. Ebenso erfolgreich wich sie den Blicken der anderen
Gäste aus und nippte verlegen an ihrem Glas. Der Musiker kehrte zu
seiner Gruppe zurück und betrachtete sie skeptisch. Bestimmt vermutete
er, dass sie betrunken war.
»Sybille hat sich das Bein gebrochen«, fuhr Max hinter Monikas Rücken
fort.
»Ja, Kai hat neulich davon erzählt. Wir saßen alle im Irish Pub und
...«
»Woher weiß die Pfeife schon wieder davon?«, wetterte Max.
»Der hat doch überall seine Spitzel. Sorry, muss jetzt los!«
.....


         Falsche Bilder

.....
“Der Nachmittag brauste davon, und mit dem Ende des Tages rückten auch
die grauen Wolken näher, die niemand bemerken wollte. Wie nach einem
Paukenschlag goss es, als würden die Gewitterwolken überschwappen.”
.....

Haben Sie schon einmal einen Nachmittag davonbrausen sehen? Oder
Regen, der gießt wie ein Paukenschlag? Natürlich ist klar, was gemeint
ist, aber die schiefen Bilder hemmen den Lesefluss und damit die
Spannung. Seien Sie vorsichtig mit zu originellen Bildern. Zum Glück
lässt sich das leicht verbessern:

.....
Der Nachmittag eilte vorüber, und mit dem Ende des Tages rückten die
grauen Wolken näher, die niemand bemerken wollte. Ein Donner wie ein
Paukenschlag, und schon goss es, als wollten die Gewitterwolken alles
auf einmal ausgießen.
.....

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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert. Gerade ist sein neuer
Ratgeber “Schreiben ist nichts für Feiglinge” erschienen.


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Verlagswesen: Bjørn Jagnow
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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine Fragen und Antworten zu den Themen
Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt
- thematisch sortiert und aktualisiert:

"Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung für Autoren 2012", E-Book,
2,99 Euro, http://www.amazon.de/gp/product/B007VD3OL6/


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
---------------------------------------------------------------------
          Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Mit einem Schweizer Verlag habe ich 6 Krimis herausgegeben. An der
Leipziger Buchmesse habe ich einen Deutschen Verleger kennengelernt,
und der möchte dieselben Krimis in Deutschland neu herausgeben. Die
Nutzungsrechte hat mein CH-Verlag bereits an den D-Verlag
überschrieben. Das geht so in Ordnung.

Nun führe ich Gespräche mit einem englischen Verlag, der die
Nutzungsrechte für den englisch-sprachigen Raum wünscht. Das geht vom
D-Verlag aus auch in Ordnung - nur hat er mir Folgendes geschrieben:

“[...] wir haben die Nutzungsrechte für den deutschsprachigen Raum
vereinbart, da ich Sie ja nicht total an unseren Verlag binden wollte.
Die Nutzungsrechte für andere Sprachen sind nach wie vor bei Ihnen und
Sie können diese auch insofern einem anderen Verlag übertragen. E-
Books in Englisch sowie Nachauflagen ebenfalls. Etwas anders sieht es
mit den Verfilmungsrechten aus. Diese sollten Sie nicht freigeben,
hier muss ein anderer Verlag sich mit uns in Verbindung setzen und
eine entsprechende Vereinbarung treffen, wenn es zu einer Verfilmung
kommen sollte.”

Wieso schreibt der Verlag das so? Wieso kann ich eventuelle Filmrechte
nicht auch dem englischen Verlag übergeben? Oder ist jemand, der die
Filmrechte will, eine andere Firma als ein Verlag? Wieso will der D-
Verlag die Filmrechte behalten und eventuell selber eine Vereinbarung
treffen? Will er das mit mir zusammen tun, oder hat er dann die
Rechte? In der Nutzungsvereinbarung vom CH-Verlag und mir an den D-
Verlag steht nichts von Filmrechten. Soll ich in einem eventuellen E-
Verlag auch nichts davon erwähnen? Ist das üblich?


Antwort:
Ich muss voranstellen, dass ich keine individuelle Rechtsberatung
machen kann und darf. Das ist aus gutem Grund nur Anwälten erlaubt.
Ich kann aber einen generellen Überblick geben.

Nutzungsrechte können komplett oder einzeln vom Autor vergeben werden.
Ob der Vertragspartner ein Verlag oder ein anderer Unternehmenstyp
ist, spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist allein die
Formulierung im Vertrag; falls dort etwas unklar ist, greifen
gesetzliche Basisregeln. Der Vertragspartner hat also nur Anspruch auf
die Nutzungsrechte, die ihm vom Autor auch übertragen wurden. Sollten
Nutzungsrechte generell auf eine bestimmte Sprache beschränkt worden
sein, dann gilt das für alle dort genannten Nutzungsrechte. Es ist
also durchaus möglich, dass die Filmrechte auch nur für eine bestimmte
Sprache übertragen wurden. Genauso gut ist es allerdings auch möglich,
für die Filmrechte eine weltweite Vereinbarung abzuschließen. Das
müsste dann allerdings im Vertrag nachzulesen sein.

Ganz oft werden Filme allerdings für ein internationales Publikum
produziert, d. h., die Übersetzung und / oder der Vertrieb ist für
viele Sprachen und Ländern fest geplant. Sollten Sie Filmrechte z. B.
für Deutsch und Englisch an zwei verschiedene Firmen vergeben, dann
dürften beide Firmen den Film jeweils nur in einer Sprache
veröffentlichen und nicht synchronisieren lassen.

Von den Harry-Potter-Büchern gibt es zum Beispiel eine englische und
eine amerikanische Ausgabe. Die amerikanischen Bücher dürfen in Europa
nicht verkauft werden, die englischen Bücher dürfen nicht in Amerika
verkauft werden, obwohl in beiden Ländern englisch gesprochen wird.
Hier sind die Nutzungsrechte offenbar nicht nach Sprache, sondern nach
Gebiet geteilt worden. Die großen Filmfirmen hätten so etwas aber
nicht akzeptiert, daher mussten die Filmrechte für Harry Potter
weltweit und in jeder Sprache an eine Filmfirma gehen.

Vor diesem Hintergrund kann ich die Äußerung des Verlags
nachvollziehen. Ob er allerdings wirklich Anspruch auf Beteiligung an
den Filmrechten hat, hängt vom Vertrag ab. Wenn Sie sich unsicher
sind, müssten Sie einen Anwalt befragen.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und
Buchhändler. Unter http://bjoernjagnow.blogspot.com/ bloggt er über
die Zukunft der Medien, über Rollenspiele und andere Themen.

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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit
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