Ausgabe 11-11 (20. November 2009)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Leserbrief
Interview mit Kai Meyer
Besondere Lesungen
   "Historische Lesungen"
   von Nicole Rensmann
Glosse
   "Schreibblockade"
   von Robert Kühl
Frag den Experten für Kinderbuch
   (Michael Borlik)
Frag die Expertin für Fantasy
   (Stefanie Bense)
EDITORIAL:  
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Liebe Autorinnen und Autoren, 

kein Artikel diesmal in der Rubrik "Autorenwissen", und auch keiner im  
"Schreibkurs"? Keine Sorge, ihr bekommt in dieser Ausgabe des Tempest  
trotzdem jede Menge Tipps aus der Praxis rund ums Schreiben und ums  
Autorenleben: 

Im Interview erzählt der Bestsellerautor Kai Meyer unter anderem, wie  
er ein Exposé entwirft. Robert Kühl beschreibt in seiner Glosse indi- 
rekt eine Methode, um eine Schreibblockade zu bewältigen. Und Nicole  
Rensmann zeigt am Beispiel, wie man Lesungen für historische Romane  
gestalten kann. Dazu kommen natürlich Schreibanregungen, Lesetipps und  
Expertenantworten ... Und wem das immer noch zu wenig ist, kann sich  
ja an einem der vielen Wettbewerbe versuchen, die ihr im zweiten Teil  
des Tempest findet. 

Der Tipp des Monats November, diesmal von Stephanie Jans: 

    Heute mal "mit ohne"! Lesen Sie in den nächsten 24 Stunden  
    keinen Schreibtipp. Schreiben Sie lieber etwas.  
    Fangen Sie gleich damit an!  

Diesmal begrüße ich ganz herzlich die neuen Abonnentinnen, die ich am  
Wochenende beim Jahrestreffen der "Mörderischen Schwestern" kennenge- 
lernt habe. Ich wünsche euch und auch allen anderen einen spannenden  
Schreibherbst! Und uns vom Tempest wünsche ich noch einige freiwillige  
Beiträge (Bankverbindung unterm Editorial!), damit wir den Tempest  
auch im nächsten Jahr weiterführen können. 

 Gabi Neumayer 
 Chefredakteurin 

~~~~~~~~~~~ 
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen  
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen  
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,  
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto  
von autorenforum.de: 

Sparda Bank Südwest eG 
BLZ 550 905 00 
Kto. 100 724 515 
Stichwort: "Beitrag 2009" 

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei- 
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch  
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest). 

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte  
genau so zusammenschreiben!) 
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 
BIC: GENODEF1S01 

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ISSN 1439-4669   Copyright 2009 autorenforum.de. Copyright- und 
                Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe 
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  INHALT DIESER AUSGABE: 


TEIL 1: 

     Editorial 
     Hall of Fame 
     Schreib-Kick 
     Lesetipp 
     Leserbrief 
     Interview mit Kai Meyer 
     Besondere Lesungen 
         "Historische Lesungen" 
         von Nicole Rensmann 
     Glosse 
         "Schreibblockade" 
         von Robert Kühl 
     Frag den Experten für Kinderbuch 
        (Michael Borlik) 
     Frag die Expertin für Fantasy 
         (Stefanie Bense) 
     Impressum 


TEIL 2: 

     Veranstaltungen 
     Ausschreibungen 
     Publikationsmöglichkeiten 
          mit Honorar 
          ohne Honorar 
     Seminare 
     Messekalender 
     Impressum 


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HALL OF FAME: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.  
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -  
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen  
können. 

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)  
nach diesem Schema: 

....... 
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende  
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich  
könnt ihr in maximal 60 Zeichen inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)  
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. 
....... 
Ein Beispiel (!): 

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,  
Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive Home- 
page! 
....... 

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei- 
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie  
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.  

ACHTUNG, NEU! 
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr be- 
stätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem  
Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! 

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an mail- 
to:redaktion at team pt autorenforum pt de.  

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen  
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Ände- 
rungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist,  
werden ab sofort nicht mehr verschickt! 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 


Jürgen Heimlich: "Blumfeld, ein älterer Arbeitsloser", Edition  
Schreiblöwe 2009, kafkaeske Erzählungen. Bestellungen:  
http://www.schreibloewe.at.tf/ 

Karl Plepelits, "Zu Gast bei Aphrodite", Schweitzerhaus Verlag 2009,  
phantastischer Roman. Ein Münchner Paar ist auserwählt, die Menschheit  
zu retten. 

Frederike Frei: "Echt Himmel das Blau heute", Verlag Ralf Liebe 2009,  
Blumengedichte. 4-Farbendruck, Fadenheftung, 20 Euro 

Birgit Hermann: "Heiligabend mit Elisabeth", Freiburger Echo Verlag  
2009, Kinderbuch. Christkindsuche im Schneesturm, www.birgit- 
hermann.de 

Thea Derado: "Chemie und Irrsinn - Studienjahre in Leipzig 1954-1958.  
Ein Plädoyer für freie Meinungsbildung", Engelsdorfer Verlag 2009,  
Erzählung. http://www.thea.derado.de  

Otto von der Weth: "Liebe im Schatten der Grenze", Manuela Kinzel Ver- 
lag 2009, Roman. Ost-West-Liebesgeschichte, www.manuela-kinzel- 
verlag.de   

Sabine Leipert: "Wackelkontakte - Kein Sex geht gar nicht", Fischer  
Taschenbuch Verlag 2009, Romantische Komödie. Mit 30 weiß Karina end- 
lich, was sie will: bloß keinen Sex 

Margot S. Baumann: "Memento mori!", Greifenverlag zu Rudolstadt & Ber- 
lin 2009, Thriller. Bedenke, dass du sterblich bist!  
www.margotsbaumann.com 

T. A. Wegberg: "Memory Error oder Wie mein Vater über den Jordan  
ging", Rowohlt 2009, Roman. Erhält im November den Literaturpreis des  
FDA 


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SCHREIB-KICK: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


Unser Schreib-Kick für den November, diesmal von Jenni Schreiner: 


Schreibkick für Gruppen: Fortsetzungsgeschichten 

Überlegt euch zu Beginn in der Gruppe eine gemeinsame Überschrift.   
Zum Beispiel: "Immer wenn es dunkel wurde", "Nachts, wenn alles  
schläft". 

Jeder beginnt eine Geschichte und schreibt 10 Minuten. Dann wird zum  
Fortsetzen reihum weitergereicht. Das Ende schreibt wieder derjenige,  
bei dem die Geschichte gestartet ist. 


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LESETIPP: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


http://www.successity.de/mods/artikel/artikel.php?ph_show=detail&ph_id 
=579: Jakob Anderhandt fasst den Stand der Dinge beim E-Book gut re- 
cherchiert zusammen. 


http://www.montsegur.de/dvd/: Hier kann man Vorträge und mehr des  
diesjährigen Mitgliedertreffens des Autorenforums Montségur in einer  
2-DVD-Box bestellen, für 24,90 Euro + 3,50 Euro Porto und Verpackung. 


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LESERBRIEF: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Liebe Frau Hacker! 

Ich weiß nicht, ob Sie sich an mich erinnern. Ich habe Sie vor einiger  
Zeit mit einigen Fragen rund ums Schreiben gelöchert. Sie haben mich  
damals ehrlich und punktgenau kritisiert, und zwar im positiven Sinne. 

Im März erscheint nun bei Bertelsmann mein erster historischer Roman.  
Ich wollte Ihnen einfach dafür danken, dass Sie jungen Schrift- 
stellern/innen mit praktischen Tipps zur Seite stehen und den Beruf  
transparent machen. 

Also, meinen herzlichen Dank und nur die besten Wünsche! 

Caren Benedikt 



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INTERVIEW: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


   "Die Welt des Romans muss innerhalb der Geschichte real wirken" 
                       Interview mit Kai Meyer 

Kai Meyer vorstellen hieße Dschinnen nach Bagdad tragen. Seine Fan- 
tasy-Romane sind genauso bekannt und international erfolgreich wie  
seine historischen Romanen. Mit "Die Sturmkönige" legte er jetzt eine  
Fantasy-Trilogie im Ambiente von 1001 Nacht vor.  

Hans Peter Roentgen: Ihre neueste Trilogie "Die Sturmkönige" spielt in  
der Zeit Harn al Raschids in Bagdad und Samarkand, mit fliegenden Tep- 
pichen, Ifriten, die Wünsche erfüllen, Dschinnen und Magier. Die  
Wolkenvolk-Trilogie verbindet die Renaissance mit dem alten China. Was  
war eigentlich zuerst da, der Hintergrund, den Sie dann mit einer  
Geschichte verwoben haben, oder die Geschichte, für die Sie einen Hin- 
tergrund ausgewählt haben? 

Kai Meyer: Ich wollte schon lange über die Welt von 1001 Nacht schrei- 
ben; schon vor der Wolkenvolk-Trilogie musste ich mich entscheiden, ob  
ich die nächsten anderthalb Jahre - zumindest im Kopf - in China oder  
im Orient verbringe. Auch die Sturmkönige selbst, also Menschen, die  
auf Tornados reiten, waren im Anfangsstadium einmal Bestandteil des  
Wolkenvolk-Konzepts. Dort gab es aber schon zu viele unterschiedliche  
Elemente, und so habe ich die Sturmkönige ins alte Arabien verpflanzt.  
Um also konkret auf Ihre Frage zu antworten: Zuerst waren da der Ort  
und ganz bestimmte Bilder, dann entstand die Geschichte. 


HPR: Was für eine Bedeutung hat der Hintergrund in Fantasy? Oft heißt  
es ja, dass Fantasy-Leser ein gefühltes Mittelalter à la Tolkien er- 
warten, viele raten Fantasy-Autoren ab, davon abzuweichen, wollen sie  
veröffentlicht werden. 

KM: Man könnte tatsächlich annehmen, dass es derzeit recht einfach  
sei, Fantasy zu veröffentlichen, solange sie nur den Erwartungen und  
Normen entspricht: ein pseudo-mittelalterlicher, tolkienesker Hinter- 
grund ist das, was das breite Publikum offenbar haben will. Allerdings  
habe ich den Eindruck, dass manch einer das eher als Sprungbrett be- 
nutzt. Einige jener Autoren, die sich mit Figuren aus dem Tolkien- 
Kosmos etabliert haben, gehen jetzt dazu über, eigene Welten zu bauen.  
Ob sich diese Bücher genauso gut verkaufen, weiß ich nicht. 


HPR: Sie kennen viele Orte Ihrer Fantasy-Romane, Rom, Venedig. Waren  
Sie auch in Bagdad und Samarkand? 

KM: Nein, weder noch. Ich war mal ein paar Tage in Kairo, aber ich  
glaube nicht, dass das die Bücher geprägt hat. Mir ging es ja eher um  
das mythische oder märchenhafte Bagdad, mit einer hauchfeinen Schicht  
Wirklichkeit darüber - die Geographie der Stadt entspricht dem ta- 
tsächlichen Grundriss jener Zeit. Ausgangspunkt waren eher verklärte  
Erinnerungen an Filme wie "Der Dieb von Bagdad" und natürlich an die  
Geschichten aus 1001 Nacht selbst. Dazu kam dann noch eine gehörige  
Portion klassische Sword & Sorcery:  

Viele Autoren, die sich früher in diesem Subgenre der Fantasy getum- 
melt haben, hatten ein Faible für die Beschreibung prachtvoller Metro- 
polen, oft mit orientalischem Einschlag. Samarkand etwa verdankt eini- 
ges den Stadtbeschreibungen von Leigh Brackett aus den 40er und 50er  
Jahren - nur dass ihre Städte auf dem Mars lagen ... 


HPR: Wie wichtig ist für Sie Recherche bei Fantasy-Romanen? Und welche  
Recherchen machen Sie? 

KM: Der überwiegende Teil besteht aus Literaturrecherche. Dazu kommen  
in manchen Fällen Reisen vor Ort. Für mein neues Buch, "Arkadien er- 
wacht", bin ich zweitausend Kilometer kreuz und quer durch Sizilien  
gefahren. Aber das Allermeiste kommt tatsächlich aus Sachbüchern aller  
Art - und ich habe auch keine Skrupel, Details zu erfinden, solange  
sie glaubwürdig klingen. Die Welt des Romans muss innerhalb der  
Geschichte real wirken und eine möglichst einzigartige Atmosphäre be- 
sitzen,  das ist mir am wichtigsten. 


HPR: Mit der "Herrin der Lüge" haben Sie einen historischen Roman vor- 
gelegt über einen Kreuzzug der Jungfrauen, den es nie gab, und einen  
Lügengeist, der, nehme ich an, auch nicht historisch ist. Manche haben  
Ihnen deshalb vorgeworfen, dass das Täuschung sei, weil nicht his- 
torisch, und in historischen Romanen erwarte der Leser eben keine  
Phantastik. War es schwierig, so etwas im Verlag durchzusetzen? Wurde  
schon einmal mit Blick auf die Leser von Ihnen verlangt, Genre- 
Vorgaben einzuhalten? 

KM: Fast alle meine sogenannten "historischen" Romane haben phantas- 
tische Elemente. Das war von Anfang an Teil meiner persönlichen Spiel- 
wiese. Reine faktengetreue Historie interessiert mich nicht - jeden- 
falls nicht für die Dauer, die das Schreiben eines Romans erfordert.  
Wer das nicht mag, hat ja genug Auswahl, um etwas zu finden, das mit  
Lehranspruch daherkommt. 


HPR: In Deutschland heißt Jugendschutz keine Gewalt in Jugendbüchern,  
in den USA kein Sex. Hatten Sie schon mal Probleme wegen Jugendschutz? 

KM: In den USA gab es eine kurze Diskussion mit dem Lektorat über ein  
Kapitelende der Wellenläufer-Trilogie, das andeutet, dass die Protago- 
nisten im Anschluss (und im Off) Sex haben könnten. Ich hab mich ge- 
weigert, das zu ändern, was letztlich auch akzeptiert wurde. Soweit  
ich weiß, hat sich kein Leser je darüber aufgeregt. 

Irgendwer in Amerika hat auch einmal eine andere Stelle angemerkt,  
ebenfalls aus "Die Wellenläufer", in der eine Figur erzählt, wie je- 
mandem in der Vergangenheit die Worte "Bitte eintreten" aufs Hin- 
terteil tätowiert wurden. Das war arg albern, zugegeben, und bezog  
sich im Deutschen natürlich aufs "Treten". Die Übersetzerin hat das  
aber lustiger Weise mit "Please enter" übertragen - was ja wörtlich  
genommen nicht falsch ist, aber von einer empörten Leserin als Auffor- 
derung zum Analverkehr missverstanden wurde ... 


HPR: Mir hat bei den Sturmkönigen der zweite Band besser gefallen -  
was nicht heißt, dass der erste schlecht war -, und offenbar war ich  
nicht der Einzige. Gab es das öfters? 

KM: Ich persönlich mag den ersten am liebsten, weil er einen gera- 
dlinigen Actionplot erzählt - ein bisschen ist das ein Buch aus einer  
anderen Zeit und wurzelt in Filmen, mit denen ich aufgewachsen bin.  
Die Struktur verdankt sehr viel "Mad Max" und auch "Die Klap- 
perschlange" - im Kern ist "Dschinnland" tatsächlich eine klassische  
Endzeitgeschichte, nur dass die Charaktere nicht mit Autos, sondern  
auf Teppichen durch die Wüste jagen. 

Im zweiten Band, den tatsächlich viele Leser vorziehen, kommt dann der  
komplexe und sehr fantastische Überbau ins Spiel. Dort ähnelt "Die  
Sturmkönige" dann wieder ein bisschen mehr den "Wolkenvolk"- oder  
"Wellenläufer"-Trilogien. 


HPR: Sie haben in der Wolkenvolk-Trilogie viele chinesische Mythen  
benutzt, aber auch da Vincis Bilder. Und die Sturmkönige verwenden  
1001 Nacht, die deutsche Vorstellung des alten Orients. 1001 Nacht,  
das ist für die meisten eine farbenprächtige, geheimnisvolle Welt;  
dabei sind auch diese Geschichten oft ziemlich brutal. Was glauben  
Sie, ist an Mythen so faszinierend, dass Menschen immer wieder  
Geschichten darüber hören wollen - obwohl heute die meisten wissen,  
dass es Mythen und keine Wahrheiten sind? 

KM: Ich habe mich lange mit Mythenforschung beschäftigt, zig Bücher  
darüber gelesen, die besten meines Erachtens von Mircea Eliade. Sehr  
vereinfacht sagt er, dass sich Mythen weitestgehend aus Symbolen  
zusammensetzen - und dass diese Symbole es erlauben, den Menschen  
seiner Historie zu entkleiden und auf das zu reduzieren, was sein ei- 
gentliches Menschsein ausmacht. Das ist die grundsätzliche Suche nach  
Zielen und Bestimmungen, nach dem, wie Eliade es nennt, "Heiligen in  
der Welt". Und das meint er nicht im Sinne einer einzelnen Religion,  
sondern rein spirituell. Wir suchen nach Erfahrungen des Wunderbaren,  
die uns zugleich ein wenig die Augen über uns und unsere Umgebung öff- 
nen. Phantastische Literatur leistet im besten Fall etwas sehr Ähnli- 
ches. 


HPR: Wenn Ihre erste Fassung geschrieben ist, wie oft wird sie im  
Schnitt überarbeitet? 

KM: Permanent während des Schreibens und dann, nach Abschluss der er- 
sten vollständigen Fassung, noch drei bis vier Mal. 


HPR: Wenn Sie einmal an Ihr erstes Exposé für einen Verlag zurück- 
denken, wie lang war dieses Exposé? Gab es etwas, das Sie heute anders  
schreiben würden? Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste bei einem  
Exposé? 

KM: Meine Exposés haben sich vom Aufbau und Stil her über fast fünfzig  
Bücher hinweg kaum verändert. Ich erarbeite sie sehr detailliert,  
bevor ich mit dem Schreiben des Romans beginne, Szene für Szene. Ich  
würde sagen, dass sie zu 70 oder 80 Prozent mit dem fertigen Buch  
übereinstimmen. Sie sind sehr erzählend, mit erklärenden Einschüben.  
Wichtig ist mir, abgesehen vom reinen Plot, vor allem, dass ich jed- 
erzeit ersehen kann, auf welchem Wissenstand die Helden und die Leser  
sind. Gerade bei komplexen Geschichten wie meinen ist es tödlich, wenn  
man das durcheinander bringt. Der einzige große Unterschied in meinen  
neueren Exposés ist der, dass ich mittlerweile auch in diesem Stadium  
bereits sehr auf die Entwicklung der Charaktere und ihre Gefühlslagen  
achte. Früher habe ich mir das oft bis zum eigentlichen Schreiben auf- 
gehoben. 


HPR: Wenn Sie heute ein neues Projekt haben, wie stellen Sie es dem  
Verlag vor? Immer noch mit klassischem Exposé? 

KM: Mittlerweile schließen wir die Verträge, bevor es ein Exposé gibt.  
Manchmal erzähle ich zuvor grob, was ich vorhabe, oder ich schreibe  
mal eine halbe Seite auf. In den meisten Fällen gibt es aber gar  
nichts, nur meine Zusage, bis zu einem bestimmten Termin ein Buch  
abzuliefern. Die Arbeit an so ausführlichen Exposés wie den meinen ist  
sehr zeit- und arbeitsaufwendig, das mache ich nicht ohne Vertrag.  

Das ist einer von mehreren Gründen, weshalb ich keine Drehbücher mehr  
schreibe: Auch dort werden ein Exposé und ein Treatment verlangt,  
beide sehr exakt, und beim Film ist das die Arbeit, die am schlecht- 
esten bezahlt wird. Für ein Treatment, also einen Szenenaufriss ohne  
Dialoge, brauche ich aber die meiste Zeit. Ein 90-Minuten-Drehbuch  
schreibe ich in zwei Wochen, aber Exposé und Treatment dauern bei mir  
deutlich länger, wenn beides wirklich solide sein soll - und die Ar- 
beit mache ich mir nicht für das, was die Produzenten und Sender einem  
in diesem Stadium des Projekts dafür bezahlen. Das klingt schrecklich,  
ich weiß, aber ich schenke denen keine Ideen, zumal in den aller- 
meisten Fällen ja eh nichts aus den geplanten Filmen wird - auch das  
ist eines der traurigen Gesetze der Filmbranche. 


HPR: Herzlichen Dank für das Interview. 



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BESONDERE LESUNGEN: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                       "Historische Lesungen" 
                        von Nicole Rensmann 

Die Berichte in "The Tempest" haben mir gut gefallen, und ich kann gut  
verstehen, warum Leser lieber zu einer Lesung gehen, bei denen ihnen  
etwas geboten wird. Als Autor muss ich den Leser somit mehr als nur  
ein paar Textstellen aus meinem Buch bieten. 

Dennoch bin ich der Meinung, dass ich als Leser den Autor selbst hören  
und ich als Autor meinem Text meine eigene Stimme geben möchte.  


         Vorbereitung 

Eine gute Vorbereitung ist für mich unerlässlich, dabei ist es mir  
egal, ob ich vor Kindern oder Erwachsenen lese. Beide Zielgruppen sol- 
len von mir so gut wie möglich unterhalten werden, dabei lerne ich  
nach jeder Lesung dazu.  

Die Auswahl der Textstelle nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, ebenso  
die Suche nach einem geeigneten Musiker, den Leseorten und dem mögli- 
chen Rahmenprogramm, das nicht immer - aufgrund unterschiedlicher Bes- 
timmungen in den Räumlichkeiten - gleich ausfallen kann. Besonders wer  
in historischen Gebäuden liest, muss damit rechnen, dass z. B. Kerzen  
oder eine anschließende Kaffee-/Sekt-Runde nicht immer erlaubt sind.  

Ich übe! Ich übe viel, laut und lang. Ich übe die Betonungen, mache  
mir u. U. Notizen, wenn ich merke, dass ich mich an einer Stelle  
häufiger verhasple. Manchmal streiche ich auch Sätze, die für die Le- 
sung unwichtig sind, oder füge Details hinzu, zum besseren Verständnis  
des Zuhörers. 


         Die Lesung 

Die Handlung meines Romans "Firnis" spielt im Bergischen Land, die  
Charaktere gelangen durch ein Gemälde von der Gegenwart in die Vergan- 
genheit. Eine wichtige Rolle spielt der Maler Ferdinand Hermann Mo- 
ritz, der im 19. Jahrhundert gelebt hat. Aus seinen Bildern erfand ich  
eine Collage, die im Roman detailliert beschrieben wird.  
Bei den Lesungen war es mir somit wichtig, dass ich in historischen  
Räumen oder an historischen Orten lese. So fand eine Lesung im  
Deutschen Werkzeugmuseum statt, direkt neben Haus Cleff, das aus dem  
19. Jahrhundert stammt und zum Roman passt. Dort konnte ich auch auf  
einige der von Moritz gemalten Bilder zurückgreifen. Der Aha-Effekt  
der Leser war eindeutig, als sie die Beschreibung der Collage hörten  
und die tatsächlichen Bilder dabei sahen. 

Zudem spielte der Maler zu Lebzeiten Gitarre, und natürlich musste bei  
dieser Lesung ein Gitarrist dabei sein, der die spannenden Stellen mit  
seiner Musik unterstrich. Er unterhielt die Leser auch in der kleinen  
Pause, in der ich mich umzog, die Lichter heruntergefahren und die  
Kerzen angezündet wurden. Denn die Reise in die Vergangenheit sollte  
auch optisch und atmosphärisch dargestellt werden. Und so kehrte ich  
mit einer Kerze in der Hand und in einer Kluft aus dem 19. Jahrhundert  
zurück, um ein Stück aus dem historischen Teil zu lesen.  

Am Ende der Lesung pustete ich die Kerze aus. Die Zuhörer wussten, die  
Lesung ist vorbei. Anschließend saßen oder standen wir noch alle lange  
beieinander, denn es gab zu diesem Anlass Kaffee, Saft und Bergische  
Waffeln. Die Resonanz war durchweg positiv. 


         Besondere Orte 

Besondere Leseorte in meiner unmittelbaren Umgebung sind Schloss Burg,  
aber auch das Rotationscafé in Remscheid-Lennep, das für Lesungen eine  
gemütliche Stimmung verbreitet, und ebenso das Deutsche Röntgen Mu- 
seum, in dem ich bereits zweimal lesen durfte: 
- http://www.schloßburg.de 
- http://www.rotationstheater.de 
- http://www.roentgen-museum.de 

Meine Website: http://www.nicole-rensmann.de 


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GLOSSE: 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                         "Schreibblockade" 
                          von Robert Kühl 

Manchmal ist Schreiben richtig leicht. Manchmal aber überhaupt nicht.  
Schwierig sind Zeiten, in denen man schreiben möchte, es aber nicht  
kann, weil schlicht Ideen fehlen. 

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, sich selbst ins Schreiben hinein zu  
führen. Es gibt Autoren, die schwören darauf, einen Moment überlegend  
in der Nase zu bohren. Andere gibt's, die warten einfach, weil sie  
sicher sind, dass wieder was kommt. Ich selbst bin ein Verfechter des  
Freewriting - sich hinsetzen und einfach das schreiben, was den Kopf  
durchströmt, so unsinnig das auch ist, was man da zusammenschreibt.  
Aber es kann in einen "Beginn" führen. 

Nur heute klappt das irgendwie nicht. Auch nicht, nachdem ich dass  
Freewriting schon nach dem Free ohne jegliches Writing abgebrochen  
habe und nun ein "Zwangsthema" beginnen will: Herbst.  

Und nun sitze ich hier schon seit einer halben Stunde vor meinem  
Rechner, und es tut sich nix. Ich schaue auf den Monitor: ein weißes  
Blatt Word mit nichts drauf. Ich schaue aus dem Fenster, aber auch da  
tut sich nichts. Außer dass es windig ist. Doch das ist normal um  
diese Jahreszeit. Wir haben Sturmflutwarnung hier an der Küste, und da  
gibt's den Wind kostenlos mit dazu. Und Regen. Ohauehaueha! Regen wie  
eine Wand aus tiefschwarzen, fetten Wolken. Dicke Tropfen, die fast  
waagerecht gegen mein Fenster knallen und es mit einem Wasserfilm be- 
decken, der den Baum gegenüber merkwürdig verzogen wiedergibt. 

Trotzdem ist er ganz gut zu sehen, der Baum. Seine goldenen Blätter  
strahlen durch das windige Grau zu mir herüber. Aber die Natur zerrt  
heftig an seinem Kleid. Mit jedem Windstoß muss er sich von ein paar  
seiner Blätter trennen. 

Schmunzeln muss ich, als jetzt ein übergestülpter Regenschirm zwischen  
Fenster und Baum vorbeifliegt. Da ist sicher wieder ein Bayer zu Be- 
such hier oben im Norden ... 

Aber zum Thema Herbst fällt mir immer noch nix ein. Ob ich es über- 
trage auf "Herbst des Lebens"? Aber das verlangt ja nach noch mehr  
Nachdenken. Womöglich muss man mit Erfahrungen um sich schmeißen. Oder  
mit Weisheiten gar. Nee ... Mir ist eher nach etwas Lockerem, Kurz- 
weiligem. Wenn jetzt noch eine Idee käme, könnte ich sofort loslegen. 

Aber sie kommt nicht, die Idee. Muss jetzt aber auch noch warten, denn  
es hält mit Blaulicht die Feuerwehr gegenüber. Die Straße wird abges- 
perrt und eine Leiter ausgefahren, die einer der Feuerwehrmänner mit  
einer Kettensäge besteigt. 

Aha, einer der Äste scheint morsch zu sein. Jedenfalls wird an ihm so  
lange herumgesägt, bis er fällt. Erstaunlich, dass der Feuerwehrmann  
auf der wackeligen Leiter sich bei diesem Sturm einhändig so festhal- 
ten kann, dass er mit der anderen Hand die Säge bedient. "Hut ab",  
kann man da nur sagen. Es dauert eine ganze Zeit, bis der dicke Ast,  
der auf den Gehweg geplumpst ist, in kleine Stücke zersägt wurde und  
abtransportiert werden konnte. Fast zwei Stunden hab ich nun  
zugeguckt, bis alles aufgeräumt ist.  

Nun ist's wieder ruhig und alles wie vorher. Der lausige Wind, der  
Baum gegenüber mit zunehmend weniger Blättern, das Wasser auf den Fen- 
sterscheiben. Nur der Regenschirm kommt nicht mehr vorbei. 

Es ist Zeit für einen heißen Kaffee. Der belebt. Und vielleicht hilft  
er mir ja bei der Suche nach einer Idee zum Thema "Herbst". Und wenn  
das nicht klappt, lass ich's halt. Es wird schon wieder werden ... 

                   **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**  

Robert Kühl lebt in Norddeutschland, liebt das Meer und schreibt sein  
Träumen auf. Oder sein Lachen. Aus seiner Feder entstanden erotische  
Geschichten, humorvolle Texte, sinnige Zeilen und ein paar Märchen.  
Das Fühlen ist ihm wichtig - und wichtig, es nicht nur zu beschreiben,  
sondern auch spürbar zu machen.  


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KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR! 
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                             (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Treffe beim Spazierengehen eine Bekannte, diese: "Super, wie toll Sie  
das machen mit Ihren Romanen. Ich habe mir vorgenommen, jetzt auch zu  
schreiben. Habe mir schon einen ganz tollen extravaganten Füllfeder- 
halter gekauft! Oder mit was schreiben Sie?" 

(Birgit Hermann) 


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:      
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -  
keine Manuskripte zur Beurteilung. 

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst  
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird. 


 Drehbuch: Oliver Pautsch 
                             drehbuch at experte pt autorenforum pt de 
 Fandom: Thomas Kohlschmidt 
                               fandom at experte pt autorenforum pt de 
 Fantasy: Stefanie Bense 
                              fantasy at experte pt autorenforum pt de 
 Heftroman: Arndt Ellmer 
                            heftroman at experte pt autorenforum pt de 
 Historischer Roman: Titus Müller 
                   historischer.roman at experte pt autorenforum pt de 
 Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik 
                           kinderbuch at experte pt autorenforum pt de 
 Lesungen: Rüdiger Heins 
                             lesungen at experte pt autorenforum pt de 
 Lyrik: Martina Weber 
                                lyrik at experte pt autorenforum pt de 
 Sachbuch: Gabi Neumayer 
                             sachbuch at experte pt autorenforum pt de 
 Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss 
                          fortbildung at experte pt autorenforum pt de 
 Schreibgruppen: Ute Hacker 
                       schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de 
 Schreibhandwerk: Ute Hacker 
                      schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de 
 Sciencefiction: Andreas Eschbach 
                             sf-autor at experte pt autorenforum pt de 
 Übersetzung: Barbara Slawig  
                        uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de 
 Verlagswesen: Bjørn Jagnow 
                         verlagswesen at experte pt autorenforum pt de 

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Experten-Special: 
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Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur- 
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam- 
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF  
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord- 
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -  
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.  
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin- 
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé,  Honorar, ISBN, Leseprobe,  
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...  
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062- 
tempest2-4. 


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH: 
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de) 


Frage: 
Ich schreibe einen Krimi für Kinder/Jugendliche ab 12. Es kommen in  
dem Buch vier Hauptpersonen vor, also auch recht viel wörtliche Rede.  
Ich bin mir unsicher ... 
-  ob man jede wörtliche Rede mit einem Begleitsatz versehen sollte  
("....", stotterte Peter / Peter verneinte Kopf schüttelnd: "So geht  
es nicht...") 
- bzw. ob durch den jeweiligen Satz vor oder nach der wörtlichen Rede  
unbedingt verdeutlicht werden sollte, wer spricht (Peter reckte die  
Hände zum Himmel. "Klasse! Es klappt!" / "Ich kann nicht mehr!" Susi  
ließ sich auf den Stuhl fallen.) 
- oder ob man Jugendlichen auch durchaus einen Dialog zumuten kann,  
bei dem die sprechenden Protagonisten einige Sätze vorher einmalig  
erwähnt werden. (Susi und Peter trafen sich in der Küche. "Ich will  
morgen zum Friseur." -  "Dann kannst du ja auch gleich den Einkauf  
erledigen." - "Kannst du das nicht machen?")  


Antwort: 
Wenn für den Leser erkennbar ist, welche Person redet, ist ein Kommen- 
tarsatz nicht nötig. In der Regel trifft das auf einen Dialog zwischen  
zwei Personen zu, wenn Sie zuvor deutlich gemacht haben, wer von bei- 
den den Dialog beginnt. Sollte er länger ausfallen, empfiehlt es sich  
jedoch, hin und wieder einen Hinweis auf den jeweiligen Sprecher ein- 
zubinden. 

Sollte es sich um eine Gesprächsrunde zwischen drei oder mehr Personen  
handeln, ist es auf jeden Fall nötig, die wörtliche Rede mit Kommen- 
tarsätzen zu versehen oder aber - wie Sie schon in Ihren Beispielen  
zeigen - die Identität der sprechenden Person durch Beschreibung von  
Gesten oder Handlungen zu verdeutlichen. 

                   **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 


Michael Borlik, 1975 geboren, ist freier Schriftsteller, der bereits  
über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat.  Mehr Infos zu  
seinen Büchern unter http://www.borlik.de.  


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY: 
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Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de) 


Frage: 
Ich möchte einen Fantasy-Roman schreiben, die Storyline steht fast  
komplett, aber ich frage mich, ob meine Chancen auf Veröffentlichung  
besser stehen, wenn ich auf Englisch schreibe -  ich also mehr Länder  
zur Verfügung hätte, in denen ich nach einem Verlag suchen kann. 

Das Problem: Englisch ist nicht meine Muttersprache. Ich kann problem- 
los englische Texte lesen und schreibe einigermaßen fehlerfrei. Aber  
es klingt merkwürdig (Satzbau), und die Vokabeln treffen es nicht  
ganz, wie mir eine Freundin aus Wales sagte. Ich gebe ihr Recht. 

Was denken Sie - sollte ich besser auf Deutsch schreiben, aber sinken  
dann die Chancen? Oder auf Englisch und mir einen Korrektor suchen?  
Das könnte aber doch teuer werden, oder? Und ich hätte immer die al- 
berne Befürchtung im Hinterkopf, er oder sie könnte Ideen von mir  
"klauen". [...] 

Oder könnte ein englischer Verlag meinen Text akzeptieren, solange sie  
ihn inhaltlich originell finden? Ich stelle mir vor, der Lektor  
schlägt bei meinem Englisch die Hände über dem Kopf zusammen, weil es  
für ihn als Muttersprachler merkwürdig klingt. 


Antwort: 
Grundsätzlich kann ich Marktgegebenheiten nicht beurteilen, ich bin  
weder Lektorin noch Herausgeberin. Der Markt für deutschsprachige Fan- 
tasy erlebt gerade dieses Jahr einen heftigen Aufschwung. Denken Sie  
nur an die Wettbewerbe bei Ueberreuter und Heyne. 

Wenn Sie nicht mindestens Englisch als zweite Heimatsprache oder als  
Studienfach hatten oder nicht wenigstens jahrelang in einem englisch- 
sprachigen Land gelebt haben, dann sollten Sie nicht auf Englisch ei- 
nen Roman schreiben wollen und erwarten, dass er sich verkauft. 

Englische Wendungen haben oft andere Konnotationen als deutsche. Die  
Metaphern sind völlig andere, die Bildsprache ist total von der deut- 
schen verschieden. Mag sein, dass Sie eine passable Übersetzung dessen  
hinbekämen, was Sie denken, aber Sie werden in Deutsch denken, nicht  
in Englisch - und das ist schon ein Stolperstein. 

Falls Sie das Risiko verhindern möchten, diesen Roman als "Schubladen- 
hüter" zu produzieren, dann schreiben Sie auf Deutsch. Es gibt genug  
Probleme beim Romanschreiben, ohne dass man dazu eine Fremdsprache  
bräuchte ;-). Schreiben Sie - und machen Sie sich später Gedanken über  
das Veröffentlichen.  

Wenn Sie bereits geübt im Romanschreiben sind, sollten Sie einer Lite- 
raturagentur ein Exposé anbieten und einen voraussichtlichen Fertig- 
stellungstermin. Sind Sie noch "Anfängerin", empfehle ich, erst einmal  
den Roman zu schreiben. Sie werden viel Zeit brauchen, denn der erste  
Roman benötigt einfach am meisten Zeit zum Ausprobieren, Sackgassen- 
Umgehen und Den-eigenen-Stil-Finden. Außerdem möchten Agenturen wie  
Verlage oft das ganze Manuskript haben, um beurteilen zu können, wie  
gut das ganze Werk ist und ob die Autorin "den langen Atem" hat, also  
einen Roman durchhalten kann. 

Sollte Ihr Roman so gut sein, dass er auch für den englischen Markt  
interessant sein könnte, dann werden Agentur und Verlag möglicherweise  
eine Übersetzung anfertigen lassen und eine englischsprachige Ausgabe  
herausbringen. 

                   **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Emden, gibt Schreibkurse und führt  
eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröffentlicht  
sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman. 


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen  
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn- 
ter Mail kommt! 
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Einsendeformalien: 
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück- 
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt  
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.  

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an: mail- 
to:beitrag at team pt autorenforum pt de. 

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet  
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse  
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html. 

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                       I M P R E S S U M 
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Herausgeber:  
  Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de  
  Gabi Neumayer                redaktion at team pt autorenforum pt de 
  Stefan Schulz                     webmaster at autorenforum pt de 
  Thomas Roth-Berghofer  
                   Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de 
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