Ausgabe 12-02 (20. Februar 2010)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Autorenwissen
   "Tipps und Tricks vom Profi -
   Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen"
   von Jennifer Schreiner
Schreibkurs
   "Planting - wie man einer Geschichte Form gibt"
   von Ulrike Dietmann
Buchbesprechung
   "Drei Seiten für ein Exposé"
   besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer
Spannung, der Unterleib der Literatur
   "Eine Actionzene"
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Interview mit Boris Koch
Des bösen Lektors Wörterbuch
Verlagsportrait
   "Lilienfeld Verlag"
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Kinderbuch
   (Michael Borlik)
Frag die Expertin für Schreibhandwerk
   (Ute Hacker)
Frag die Expertin für Fantasy
   (Stefanie Bense)
Frag die Expertin für Lyrik
   (Martina Weber)

EDITORIAL:  
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Liebe Autorinnen und Autoren,

diesmal kommt es ganz dicke: In dieser Ausgabe bekommt ihr so viele
spannende, hilfreiche, praxisnahe Artikel geboten, das ihr sie bis zum
nächsten Tempest kaum durcharbeiten könnt!

Jennifer Schreiner hat Profis nach ihren Tipps und Tricks befragt - im
"Autorenwissen" findet ihr den ersten Teil ihres dreiteiligen
Artikels. Um "Planting" geht es im Schreibkurs: Ulrike Dietmann zeigt,
warum diese Technik nicht nur für KrimiautorInnen unerlässlich ist.
Hans Peter Roentgen beginnt mit seiner neuen Lektoratsreihe und
bespricht eine Actionszene - wie immer ganz nah am Text, mit scharfem
analytischem Verstand und wertvollen Tipps. "Drei Seiten für ein
Exposé" heißt übrigens sein neues Buch, das Ramona und Thomas Roth-
Berghofer in der Buchbesprechung vorstellen.

Weiter geht es mit einem aufschlussreichen Interview mit dem Autor
Boris Koch, dann schlagen wir "Des bösen Lektors Wörterbuch" auf,
stellen euch den Lilienfeld Verlag vor, geben euch Schreib- und Link-
Tipps - und unsere ExpertInnen öffnen wieder das Schatzkästchen ihrer
langjährigen Erfahrung und geben unter anderem Auskunft darüber, wie
man exzessives Überarbeiten vermeidet und sich mit seinen Gedichten
profiliert.

Der Tipp des Monats Februar, diesmal von Sibylle Schwertner:

Wenn man in einem Manuskript "festhängt", kann es schon helfen,
das zuvor Geschriebene einfach noch mal abzutippen.
Meist beginnt man nach wenigen Sätzen mit kleinen
oder größeren Änderungen, und ehe man es sich versieht,
ist man wieder "drin" in der Geschichte.

Das Prinzip unserer Überraschungsverlosung ist ... klar, die
Überraschung. Man weiß nie, was verlost wird und wann es wieder so
weit ist. Dieses Prinzip werfen wir diesmal über den Haufen - aus
gutem Grund: Der Preis ist so verlockend, dass ich ihn ausnahmsweise
ankündige. Also: Wer mir bis zum 12. März einen Autorentipp fürs
Editorial schickt (maximal 300 Zeichen!) oder einen Minidialog für
"Küss mich, ich bin ein Autor!", kann das neue Buch unseres Experten
Björn Jagnow gewinnen: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht,
Verlagswesen und Vermarktung" (Edition Octopus). Darin sind die Fragen
an ihn und seine Antworten aus fast zehn Jahren Tempest gesammelt.

Und jetzt: eine schöne Nachkarnevalszeit - und bitte überweist etwas,
wenn möglich, damit der Tempest diese auch finanziell sehr kalte
Jahreszeit übersteht!

Gabi Neumayer
Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:

Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2010"

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des
Tempest).

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01

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ISSN 1439-4669 Copyright 2010 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Autorenwissen
"Tipps und Tricks vom Profi -
Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen"
von Jennifer Schreiner
Schreibkurs
"Planting - wie man einer Geschichte Form gibt"
von Ulrike Dietmann
Buchbesprechung
"Drei Seiten für ein Exposé"
besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer
Spannung, der Unterleib der Literatur
"Eine Actionzene"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Interview mit Boris Koch
Des bösen Lektors Wörterbuch
Verlagsportrait
"Lilienfeld Verlag"
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
Frag die Expertin für Schreibhandwerk
(Ute Hacker)
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Frag die Expertin für Lyrik
(Martina Weber)
Impressum


TEIL 2:

Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum


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HALL OF FAME:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG, NEU!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat!

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Luisa Hartmann: "Na und, dann sind die eben rechts!", Verlag an der
Ruhr 2010, Jugendroman. Neonazis - ein leider immer noch wichtiges
Thema

Veit Etzold: "Das Grosse Tier", Verlag Kiepenheuer & Witsch 2010,
Thriller. Wall Street trifft da Vinci Code

Oliver Plaschka: "Die Magier von Montparnasse", Klett-Cotta 2010,
Fantasy. Man sieht Magie nur mit dem Herzen. www.rainlights.net

Eva Lirot: "Seelenbruch!", Schardt Verlag 2010, Frankfurt-Thriller.
www.eva-lirot.de


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SCHREIB-KICK:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den Februar, diesmal von mir:

Kombiniere je eine Charaktereigenschaft deiner Mutter, deines besten
Freundes/deiner besten Freundin, deines/r Geliebten, deines
schlimmsten Feindes/deiner schlimmsten Feindin und eines deiner
Nachbarn. Lass diese Figur ein Abenteuer erleben.


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LESETIPP:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)

http://templates.services.openoffice.org/de/node/3309 (Normseite mit
Anleitung), http://templates.services.openoffice.org/de/node/3311
(Normseite "leer"): Matthias C. Hormann hat für OpenOffice Writer eine
Dokumentvorlage für die Normseite entwickelt und stellt sie hier zur
Verfügung - beim ersten Link inklusive einer Anleitung, worauf beim
Gestalten einer Normseite zu achten ist. Der Download ist kostenlos,
aber wer dem Autor einen Kaffee dafür spendieren möchte, findet seine
Website hier: http://www.kaufen-ist-toll.de/moonbase


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AUTORENWISSEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


"Tipps und Tricks vom Profi -
Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen"
von Jennifer Schreiner

Schreiben ist einfach? Das kann jeder, und das ist kein Beruf? Eine
brotlose Berufung? Ja, all das mag irgendwie stimmen - und trotzdem
ist Schreiben gar nicht so einfach, oder?

Wie man das "Schriftsteller-Werden" am besten angeht und was man alles
bedenken sollte, erfahren Sie hier von Profis:


Michael Borlik (beim Tempest Experte für Kinderbuch)

Wenn es ums Schreiben geht, kann ich jedem nur empfehlen: lesen,
lesen, lesen. Vor allem in dem Genre (Krimi, Fantasy etc.), in dem man
schreiben möchte. Dabei genau hinsehen, wie andere Autoren Spannung
erzeugen oder glaubhafte Figuren entwerfen. (http://www.borlik.de)


Uschi Zietsch (Fabylon Verlag)

1. Organisiere dich, bevor du mit dem Schreiben loslegst. Je besser
vorbereitet du bist, umso freier und kreativer kannst du fabulieren.

2. Nur wer die Regeln kennt, kann sie aufbrechen. Erlaubt ist
grundsätzlich alles, aber es muss funktionieren. Hast du keine
Struktur, hast du auch keine Geschichte.

3. Achte bei einer Kurzgeschichte unbedingt auf die Pointe. Eine Short
Story beginnt mit der Exposition und endet mit dem Plot Point 2.

4. Keine Rückblenden am Anfang einer Geschichte. Man geht von der
Startlinie ausschließlich vorwärts, nicht rückwärts.

5. Show, don‚t tell.

6. Schummle nicht. Das nimmt dir der Leser sehr übel.
(http://www.fabylon-verlag.de)


Ulrike Dietmann (Autorin und Schreibcouch)

Mein Tipp Nummer Eins ist, nie die Lust am Schreiben zu verlieren, ob
du veröffentlicht wirst oder nicht. Mach deinen Spaß am Schreiben
nicht abhängig von einer Veröffentlichung, sondern schreib, was dir
gefällt. Ich veröffentliche seit 20 Jahren, und ich hatte darunter
auch Aufträge, die viel Kohle brachten, aber null Spaß machten. Da
wäre ich lieber Supermarktregale füllen gegangen.

Schreiben ist Nahrung für die Seele, Leben im Augenblick, Liebe,
Genuss und das Zelebrieren von Schönheit. Darin liegt die
Befriedigung. Wenn du dann noch Tipp Nummer zwei befolgst und dein
Handwerk ordentlich lernst, wirst du deinen Lesern viel zu sagen
haben. Dann werden sich auch die Verlage für dich interessieren.
(http://www.ulrikedietmann.de und http://www.pegasus-schreibschule.de)


Astrid Martini

Oftmals muss man als Autor mit einem Thema zur richtigen Zeit am
richtigen Ort sein, damit das "Herzensmanuskript" ein Zuhause bekommt
und seine Leser findet.

Eine Ablehnung bzw. ausbleibende Leser sagen also nicht unbedingt
etwas über die Qualität eines Manuskriptes/Buches aus, sondern das
kann einfach nur bedeuten, dass man sein Glück zur falschen Zeit am
falschen Ort versucht hat. Also nicht aufgeben und auch nicht den
Glauben an sich selbst verlieren.
(http://www.astrid-martini.de)


Ednor Mier

1. Nicht nur ein dickes, sondern ein GANZ dickes Fell zulegen. Die
Geschichten von Autoren/innen, die gleich mit ihrem ersten Roman einen
Megaseller hingelegt haben, hören sich zwar toll an, sind aber in den
meisten Fällen reine Märchen. Auch eine Rowling hat ihren
Zauberlehrling angeboten wie Sauerbier und eine Absage nach der
anderen kassiert, ehe sich endlich ein kleiner, mutiger Verlag fand
und das Manuskript kaufte. Gehen Sie also ruhig davon aus, dass auch
Ihr Schätzchen durch die Verlage wandert und mehr Absagebriefe
kassiert, als Sie meinen psychisch vertragen zu können.

2. Standard-Absagebriefe an die Wand pinnen und mit Dartpfeilen drauf
schießen. Aber manche Lektoren machen sich immer noch die Mühe, einen
eigenen Brief zu schreiben, und den sollten Sie aufmerksam lesen und
Ihren Roman dann auf die im Schreiben vorgebrachten Kritikpunkte
überprüfen.
(http://www.ednor-mier.de und http://www.darklady.twoday.net)


Rena Larf

Schreiben!
(http://www.RenaLarf.de)


Inka Loreen Minden/Lucy Palmer

Viel schreiben, viel lesen. Und ich kann die beiden Schreibratgeber
»Wie man einen verdammt guten Roman schreibt« von James N. Frey und
»Das Leben und das Schreiben« von Stephen King empfehlen.
(http://inka.gfx-online.de)


Jeanine Krock

Schreiben, so heißt es, sei zu 5 Prozent Talent, der Rest sei harte
Arbeit. Diese Verteilung mag bei jedem etwas anders ausfallen, aber
dass Übung, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt Technik erforderlich
sind, kann ich nur bestätigen.

Manch einem hilft es, wenn er sich Schreibgruppen anschließt oder
Seminare besucht. Dabei lernt man nicht nur bewusstes Lesen, sondern
auch das Umsetzen konstruktiver Kritik. Letztendlich ist das Schreiben
aber ein ziemlich einsames "Geschäft", und jeder sollte versuchen,
seinen eigenen Weg zu finden.
(http://www.jeaninekrock.de)


Nina Behrmann/Kira Maeda

Vor das Schreiben haben die Literaten das Lesen gesetzt. [Man muss]
die gängige Literatur kennen und wissen, was für Stile es gibt.

Was ebenso unerlässlich wie das Lesen ist, ist auch das Schreiben.
Nicht jedes Mal, wenn man sich an Tastatur und Block setzt, liegen
geniale Einfälle in der Luft. Gerade am Anfang werden die ersten
Versuche holprig sein und man wird sehr oft von dem Gefühl
beschlichen, das nicht das auf dem Papier steht, was man eigentlich
sagen wollte. Das ist normal, und davon sollte man sich nicht
entmutigen lassen. Denn sehr schnell werden auch die ersten
Erfolgserlebnisse auftauchen, wenn die Geschichte auf dem Papier zu
leben beginnt, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber bis dahin heißt es:
schreiben, schreiben, schreiben, denn man verbessert sich mit jedem
Wort, das man tippt, kritzelt oder malt.
(http://www.kerimaya.de)


Dörthe Huth

Verschiedene kreative Formen ausprobieren! Schreiben unter Zeitdruck,
meditatives Schreiben, Schreiben zu bestimmter Musik.
(http://www.viale-psychologie.de und http://www.dialograum.de)


Lilly Grünberg

Nicht einfach loslegen, sondern erst eine Kapitelstruktur anlegen,
Höhen und Tiefen planen. Stichworte zu jeder Person notieren: Wie
sieht sie aus, welchen Charakter hat sie? Die Figuren eindeutig und
gegensätzlich genug planen, damit beim Leser keine Verwechslungen
aufkommen.

Einem vertrauenswürdigen Testleser geben, der auch sonst Bücher dieses
Genres liest. Bei Kritiken nicht eingeschnappt reagieren, sondern
darüber nachdenken.
(http://www.sira-lilly.de)


Christine Spindler

Just do it!
(http://www.christinespindler.de)


Jennifer Schreiner

Es gibt Träumer und Traumerfüller. Die einen träumen und verschieben
die Erledigung auf morgen (oder übermorgen), um nicht enttäuscht zu
werden - die anderen träumen und versuchen mit Kritik, Rückschlägen
und Enttäuschungen fertig zu werden, um ihre Träume zu leben.
(http://www.JenniferSchreiner.com)

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Wer mehr über die Autorin Jennifer Schreiner oder ihr aktuelles,
dämonisches Fantasy-Romance-Buch "Eine Löwin für die Bestie" erfahren
will, kann ihre Homepage http://www.JenniferSchreiner.com besuchen.


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SCHREIBKURS:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


"Planting - wie man einer Geschichte Form gibt"
von Ulrike Dietmann

Eines der wirksamsten Zaubermittel aus der Trickkiste des
Geschichtenbauens ist das Planting, auf deutsch: Pflanzen. Man sät ein
Motiv, um es später für überraschende Wendungen oder glaubhafte
Entwicklungen von Figur und Geschichte zu "ernten".


Wie funktioniert Planting?

Am deutlichsten erkennt man das Planting im Krimi: Spuren werden
gelegt, Figuren werden eingeführt, die sich später als Mörder oder
Unschuldige entpuppen. Mordmotive werden gesetzt, möglichst
unauffällig, um die Neugier des Lesers aufrecht zu erhalten und ihn
mit der richtigen Lösung zu überraschen. Mit dem Planting will man
beim Leser den "Ach so!"-Effekt erzielen: Im Rückblick erst offenbaren
Ereignisse, Informationen und Dialogsätze ihre wahre Bedeutung.


The Sixth Sense

Eines der eindrücklichsten Beispiele für erfolgreiches Planting ist
der Film "The Sixth Sense" von Autor und Regisseur M. Night Shyamalan:
Der Kinderpsychologie Dr. Crowe (Bruce Willis) behandelt einen Jungen,
der tote Menschen sehen kann. Am Ende des Films stellt sich heraus,
dass ... tja, das darf man für alle, die ihn noch nicht kennen,
wirklich nicht verraten, aber es stellt alles auf den Kopf! Der
Zuschauer ist perplex, dass ihm etwas so Wichtiges nicht aufgefallen
ist. Die Information ist geschickt und unauffällig gepflanzt worden.
Viele haben sich den Film ein zweites Mal angeschaut, um zu erkennen,
wie raffiniert sie getäuscht wurden.

.....
Übung
.....
Such in deiner Geschichte Informationen, die später eine wichtige
Funktion erhalten. Vielleicht unterhält sich deine Hauptfigur mit
einer Frittenverkäuferin über einen Mann, der immer um 21 Uhr
vorbeikommt - nur am Mittwoch, den 23., nicht. Zwei Kapitel später
erfährt man, dass an diesem Mittwoch der Mord geschah. Was wie ein
harmloser Dialog aussah, wird zu einer wichtigen Information. Weitere
zwei Kapitel später stellt sich heraus, dass die Frittenverkäuferin
gelogen hat und selbst verdächtig ist.

Versuch das Planting so unauffällig wie möglich einzustreuen - der
Leser soll ja nicht merken, dass hier Info geplantet wird.


Die Pistole von Anton Tschechow

Alle Informationen in einem Text sollten wichtig sein und mit Bedacht
eingesetzt werden. Der russische Dramatiker Anton Tschechow hat das
auf den Punkt gebracht, als er meinte: Wenn im ersten Akt eines
Theaterstückes eine Pistole auftaucht, muss irgendwann im Stück
geschossen werden. Ein klassisches Beispiel für Planting! Die Pistole
taucht am Anfang auf und verschwindet in einer Schublade, ohne großes
Aufhebens. Im dritten Akt, wenn die Gefühle hochkochen, liegt sie in
der Schublade bereit, um zum dramatischen Einsatz zu kommen. Der
Zuschauer fragt sich dann nicht mehr, wo plötzlich die Pistole
herkommt.

Entwickle Motive, die du einmal gesetzt hast, weiter, und bring sie zu
einem Ende. Verwende lieber wenige Motive und spiele mit ihnen in
immer neuen Varianten.

.....
Übung
.....
Geh deine Geschichte durch, und frag dich bei jedem Motiv, ob es
Erwartungen weckt und weiterentwickelt werden kann. Hast du am Anfang
der Geschichte eine dramatische Szene mit einem unzähmbaren Pferd,
dann verwende das Pferd und nicht einen Hund, um zu zeigen, wie die
Hauptfigur über sich hinauswächst. Wiederhole Motive, und verwende sie
mit neuer Bedeutung, in einem neuen Zusammenhang. Entwickle Motive und
Eigenschaften der Figuren. Wenn sich der liebe Ehemann am Ende deiner
Geschichte als Serienkiller entpuppt, sorg dafür, dass dieser dunkle
Charakterzug gut geplantet ist. Das müssen keine plumpen Hinweise
sein. Es genügt, dass er die Kaffeetasse einen Tick zu aggressiv
absetzt oder einem Hund nebenbei einen Tritt versetzt. Das gilt auch
umgekehrt: Wenn der liebe Ehemann dem Hund einen Tritt versetzt, muss
er sich später als ein irgendwie gearteter Böser entpuppen.


Planting nicht nur in Thriller und Krimi

Auch im Drama, in der Liebesgeschichte oder der Komödie ist
originelles Planting ein effektives Hilfsmittel. Diese Genres bringen
keine "Rätselspannung" mit sich, deshalb muss auf andere Weise
Spannung und Struktur geschaffen werden. Ein sehr schönes Beispiel ist
der Film "Der erste Ritter" mit Richard Gere und Sean Connery,
geschaffen von den Planting-Spezialisten aus Hollywood.

In der ersten Begegnung von Ritter Lancelot und Lady Guinevere sagt er
zu ihr (nachdem sie ihm eine Ohrfeige gegeben hat): "Ich küsse dich
erst wieder, wenn du mich darum bittest." Kurz darauf findet ein
Turnier statt, dessen Sieger einen Kuss von Lady Guinevere erhält.
Lancelot gewinnt das Turnier. "Bitte mich um den Kuss", sagt er. Aber
Guinevere weigert sich, ihn zu bitten. Der Kuss findet nicht statt.
Die zweite "Ernte" des Motivs erfolgt gegen Ende der Geschichte.
Lancelot hat beschlossen, Guinevere zu verlassen, weil er sie nicht
haben kann. Da sagt die Lady, Bezug nehmend auf das Turnier:
"Lancelot, ich schulde Euch noch einen Kuss." Der Kuss erfolgt, und
prompt werden die beiden von König Artus erwischt und zum Tode
verurteilt. Das Motiv des Kusses durchzieht die Geschichte und
verleiht ihr Dichte und Struktur.

Im Film "Pretty Woman" spielt ebenfalls ein Kuss eine Rolle im
emotionalen Planting. Zu Anfang der Geschichte sagt die Prostituierte
Vivian zu ihrem Freier: "Ich küsse dich nicht auf den Mund." Am Ende
der Geschichte küsst sie ihn auf den Mund, und wir wissen, ohne Worte,
dass sie ihn nun liebt. Wenn du Romane und Filme auf das Planting hin
untersuchst, wirst du es überall entdecken.

.....
Übung
.....
Geh deinen Text durch, und schau, ob du Handlungen, Textzeilen,
Ereignisse, Symbole, Orte, Gegenstände findest, die du in Varianten
einweben kannst und mit deren Hilfe du eine in sich abgeschlossene
Welt schaffen kannst. Das gibt dem Leser das Gefühl, sich auszukennen.
Er lernt die Gesetzmäßigkeiten der Geschichte kennen und kann die
Ereignisse emotional bewerten.


Show don‚t tell - mit Hilfe von Planting

Zeigen statt behaupten (show, don‚t tell) ist ein Grundprinzip des
fiktionalen Erzählens. Das Planting hilft dir dabei. Besonders wenn du
es mit Motiven zu tun hast, die eine aufwendige Erklärung erfordern.
Du brauchst für die Auflösung deiner Geschichte einen Elch - die
Geschichte spielt in Berlin. Anstatt Erklärungen an den Haaren
herbeizuziehen wie "Der Elch ist aus dem Zoo entflohen", lass dir
etwas Originelles einfallen! Plante am Anfang der Geschichte einen
Nachbarn, der im Elchtierschutz tätig ist. Zu diesem Zeitpunkt der
Geschichte hält der Leser den Nachbarn lediglich für eine originelle
Figur. Am Ende, wenn die todkranke Tochter der Hauptfigur nur durch
den Anblick eines Elches ihren Lebensmut wiederfinden kann, kommt
dieser Nachbar zum Einsatz. Du kannst eine schöne Szene mit dem
Nachbarn und einem Elch schreiben (show, don‚t tell!), die glaubwürdig
wirkt, weil Nachbar und Elch geplantet sind. Hättest du den Nachbarn
nicht eingeführt, würde die Szene gewollt wirken. Wann immer du über
deine Geschichte zu hören kriegst: "Sie wirkt konstruiert", kannst du
davon ausgehen, dass dein Planting verbesserungsfähig ist.

Geschichten sind Konstruktionen. Die Kunst besteht darin, sie so gut
zu konstruieren, dass es ganz natürlich wirkt.

.....
Übung
.....
Lies deine Geschichte durch, und untersuch sie auf unglaubwürdige
Motive oder Lücken in der Motivierung. Tauchen Figuren auf oder finden
Ereignisse statt, die wie aus heiterem Himmel wirken? Dann hast du es
mit einem sogenannten "Deus ex machina" zu tun. Schon der älteste
Dramentheoretiker unserer Zivilisation, Aristoteles, hat davor
gewarnt. Deus ex machina (der Gott aus der Maschine) ist ein Gott, der
vom Theaterhimmel herabschwebt, um den unlösbaren Knoten, den der
Dramatiker geschaffen hat, durch göttliche Intervention zu entwirren.
Aristoteles meinte, der Autor solle gefälligst etwas Hirnschmalz auf
eine glaubwürdige Auflösung verwenden. Das ist die hohe Aufgabe der
Schriftstellerei.

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ulrike Dietmann, Jg. 61, Autorin mit zahlreichen Veröffentlichungen,
Schreibcoach und Betreiberin der Pegasus-Schreibschule in
Kirchheim/Teck. 27./28. März 2010 Seminar "Überarbeiten". 10./11.
April "Die Heldenreise". Weitere Seminare: www.pegasus-
schreibschule.de. LeserInnen von "The Tempest" erhalten 10%
Ermäßigung, wenn sie bei der Anmeldung die Frage beantworten: Welcher
übersinnliche Thriller ist ein hervorragendes Beispiel für Planting?


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BUCHBESPRECHUNG:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


"Drei Seiten für ein Exposé"
besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer


"Liebe Frau X. (oder lieber Herr Y), vielen Dank für Ihre E-Mail und
Ihr Manuskriptangebot. Bitte schicken Sie uns Ihr Exposé per E-Mail
zu. Wir sind gespannt auf Ihr Exposé und freuen uns, von Ihnen zu
hören. Mit freundlichen Grüßen, Literaturagentur Z."

Eine Rückmail, die das Herz eines jeden Autors augenblicklich höher
schlagen lässt, bis einem ein Dutzend Atemzüge später siedendheiß klar
wird, dass das Wort Exposé gleich zweimal in der kurzen Rückmail der
Agentur auftaucht, also bei der Bewerbung nun genau jenes
Dingensbummens angefordert wird, dessen Name man am liebsten weder
aussprechen noch hören will.

Gehört man nun zu jenen Autorinnen und Autoren, die Autorenratgeber
verschlingen wie andere Menschen Currywurst, wird man nach dem ersten
Schock zum Zweimeter-Ratgeber-Regal schreiten, in diversen
Stichwortverzeichnissen nach dem Dingensbummens-Wort suchen und in
etwa finden: Ein Exposé sollte einen Umfang zwischen 2-3 Normseiten
haben, sich lückenlos auf die Haupthandlung konzentrieren und auch
noch gehörig Schwung in die Bude bringen. Tröstend wird manchmal noch
hinzugefügt, dass eigentlich kaum ein Autor weiß, wie so ein Exposé in
seiner literarischen Form letztendlich aussieht.

"Drei Seiten für ein Exposé" hat diesem Schreckgespenst nun den Zahn
gezogen. Anhand von fünfzehn Beispiel-Exposés zeigt uns Hans Peter
Röntgen - der für uns bereits mit analytischem Feingefühl einige
Exposés im Tempest unter die Lupe genommen hat -, wie wir ein Exposé
schreiben, verbessern und mit seiner Hilfe auch noch das Beste aus
unserem Romanprojekt herausholen können. Sechs Profi-Exposés, die zu
einem Verlagsvertrag geführt haben, offenbaren uns außerdem, was ein
gelungenes Exposé von einem schwachen unterscheidet. Darüber hinaus
hat Hans Peter Röntgen sieben renommierten LiteraturagentInnen auf den
Zahn gefühlt und für uns herausgefunden, wie diese sich die
Bewerbungsunterlagen eines Autors wünschen (Anschreiben, Exposé,
Textprobe, Autorenvita). Zusätzlich gibt es noch ein Lexikon der
Fachbegriffe, ein Literaturverzeichnis zum Thema und etliche
hilfreiche Links über Autorenforen, Autoren oder Zeitschriften und
Newsletter.

Um es auf den Punkt zu bringen: "Drei Seiten für ein Exposé" ist ein
unbedingtes Muss und sollte in keiner Autorenratgeber-Bibliothek
fehlen.


Hans Peter Roentgen: "Drei Seiten für ein Exposé - Schreibratgeber",
2010, 202 Seiten, 12,90 EUR, Sieben-Verlag


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?
Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen autor sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich
spannender gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer
solche Szenen hat, kann sie mir schicken.

Ich werde einige daraus auswählen, die ich im Tempest bespreche. Ist
es spannend, wie könnte man es spannender machen, was stört die
Spannung?, das werden bei der Besprechung die Leitfragen sein.

Texte, die die folgenden Voraussetzungen nicht erfüllen, werden nicht
besprochen!

1. Die Szenen müssen entweder Dialog-, Action- oder Info-Szenen sein.
Also Szenen, deren tragendes Element ein Dialog ist (der sich
natürlich zuspitzen sollte), oder Action oder Information (ganz
schwierig, aber manchmal nötig).

2. Infoszenen sind solche, die dem Leser Wissen vermitteln. Über ein
Volk, eine Welt, eine bestimmte Technik oder Medizin. Meist sind
solche Szenen langweilig. Spannend werden sie, wenn die Informationen
in Bewegung kommen.

3. Nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten, darf der
Umfang der Szene betragen. Dazu zählt auch der Vorspann. Da die Szenen
aus beliebigen Stellen eurer Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr
eventuell die Vorgeschichte der Szene erklären. Diese Erklärung darf
400 Anschläge nicht überschreiten!

4. Schickt eure Szenen als RTF-Datei, als Anhang der Mail, und zwar
an:
- Dialogszenen: dialog(at)textkraft.de
- Actionszenen: action(at)textkraft.de
- Informationszenen: information(at)textkraft.de
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Eine Actionszene

Sarahs Aufschrei zerschnitt das Gespräch. Im selben Moment sah er den
dunkelhaarigen Gangster, der plötzlich neben dem Mazda emporgeschnellt
war. Das Messer blitzte in seiner Hand.
"Sie sind hier! Wir brauchen Hilfe!", schrie er in das Handy. Der
Dunkelhaarige machte einen Schritt auf sie zu. Einen Moment standen
sie wie gelähmt.
"Willkommen!", rief er höhnisch in seinem Englisch mit dem harten
Akzent. "Wir wollen noch ein bisschen Spaß mit euch, bevor ihr sterben
müsst."
Ben erwachte aus seinem Trancezustand.
"Renn!"
Er drehte sich zu Sarah um und packte ihr Handgelenk. In diesem
Augenblick zischte etwas an seiner Schulter vorbei. In dem Baum, den
er eben noch mit seinem Körper verdeckt hatte, steckte zitternd das
Messer des Dunkelhaarigen. Er stieß Sarah den Pfad hinunter, griff
gleichzeitig schräg hinter sich, um das Messer aus dem Holz zu ziehen,
doch es steckte zu fest, als dass er es aus diesem Winkel hätte
losreißen können. Er fragte sich, wo der andere steckte. Egal, sie
mussten hier weg. Wenn sie die österreichische Gruppe erreichten,
wären sie sicher. Sie liefen und sprangen den abschüssigen Hang
hinunter, gerieten immer wieder ins Rutschen, fingen sich ab, rannten
weiter, rutschten und schlitterten. Zweige peitschten ihnen über die
Arme und ins Gesicht. Hinter sich hörten sie ihren Verfolger - oder
alle beide, sie wussten es nicht, sie wagten nicht, sich umzudrehen.
Ben konnte schon die Gabelung erkennen, an der der Weg zu dem anderen
Parkplatz abzweigte.
Als sie gerade die Gabelung erreicht hatten, hörte er seitlich im Wald
einen Lärm, als poltere eine Lawine abwärts. Er blickte hin und sah
den Blonden, der über das letzte steile, fast senkrechte Stück rollte
und auf dem anderen Pfad wenige Meter vor ihnen zum Halten kam,
aufsprang und ihnen den Weg abschnitt.
Der Blonde sprang vorwärts, packte Sarah am Arm, seine andere Hand
fuhr zu seiner Hosentasche, wo er sicherlich sein Messer verstaut
hatte. Sarah, die immer noch Karls Packsack in der Hand hielt, holte
damit aus und schleuderte ihn dem Gangster mit einem Aufschrei ins
Gesicht. Er stieß einen Fluch aus - zumindest hörte es sich so an -
und ließ Sarah los, taumelte zurück und hielt sich die Hand vors
Gesicht. Ben sah Blut aus seiner Nase schießen.
Den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken, sich den Weg,
den der Blonde verstellte, freizukämpfen, ihm seine Faust ins Gesicht
zu rammen, das Adrenalin, das durch seine Adern pumpte, in pure
Aggression umzuwandeln. Doch schon fuhr die Hand aus der Hosentasche,
die Messerklinge schnappte mit einem metallischen Klicken hervor.
Von oben rieselten Steinchen und Humusstücke den Hang herab, von dem
anderen losgetreten, der nun wieder bedrohlich nahe war.
Sie wandten sich um, in die einzige Richtung, die ihnen blieb, zum
Flussufer hin, jagten über den schmalen Pfad, der hier wenigstens
halbwegs eben war. Doch bald erreichten sie den Uferbereich mit seinen
unregelmäßigen Felsblöcken, die das Fortkommen erschwerten. Sie
sprangen von Stein zu Stein, kämpften wieder und wieder um ihr
Gleichgewicht, stolperten, fingen sich wieder, hasteten weiter,
keuchend, atemlos. Er spürte die Verfolger im Nacken, auch wenn er
ihre Schritte jetzt über dem Rauschen des Flusses nicht mehr hören
konnte. Ein Stein war in seine Sandale gerutscht und bohrte sich mit
jedem Schritt schmerzhaft in seine Sohle. Er biss die Zähne zusammen.
Weiter, weiter ... Kurz bevor sie das Ende der Uferzone erreichten, wo
sich der steile Hang hinauf zum Plateau der Klamm erhob, rutschte
Sarah von einer Steinkante ab, verlor das Gleichgewicht und schlug
hin. Sie blieb keuchend liegen, schluchzte: "Ich ... kannnich ... mehr
... Geh ... allein ..."
Er packte sie grob am Oberarm, zerrte sie wieder auf die Füße und
schubste sie vorwärts. Ein Blick zurück zeigte ihm, dass sie etwas
Abstand zu den Gangstern gewonnen hatten. Ein Abstand, der schnell
wieder dahin sein würde.
"Kommt nicht ... in Frage ... los ... weiter", stieß er zwischen
heftigen Atemzügen hervor. Sie begannen, den Hang hochzuklettern,
zogen sich von Stein zu Stein, von Ast zu Ast empor, rutschten auf
Händen und Knien, stolperten einige Schritte aufwärts. Die Steigung
bremste ihr Tempo, die Verfolger, die noch unten auf der Flussebene
waren, holten wieder auf.
Ben blickte über die Schulter, gerade rechtzeitig, um zu sehen, dass
der Dunkelhaarige den Arm mit dem Messer erhoben hatte, um es nach
ihnen zu schleudern. Im nächsten Augenblick verließ es mit einem
scharfen Aufblitzen seine Hand. Ben warf sich auf Sarah und mit ihr
zur Seite. Klirrend sprang das Messer gegen einen Stein neben ihnen
und rutschte wieder hangabwärts, außerhalb Bens Reichweite. Der Typ
war ein verdammt guter Schütze.
Der Vorfall hatte ihren Vorsprung weiter verringert, der Blonde begann
schon, den Hang zu erklimmen. Ben sprang auf, riss Sarah auf die Füße
und zerrte sie die Steigung hoch. Sie wimmerte leise, ihre Bewegungen
waren mechanisch, sie war an der Grenze ihrer Kräfte.
"Die Höhle!", keuchte er in ihr Ohr. "Wir müssen versuchen, in die
Höhle zu kommen."
Sie nickte, ließ sich weiter antreiben. Als sie fast oben an der Kante
waren, wackelte ein Stein unter seinem Tritt und brachte ihn auf eine
Idee. Er drehte sich um, trat kräftig gegen den Stein, einmal,
zweimal, dann löste er sich und polterte mit einer kleinen
Gerölllawine nach unten, direkt auf ihre Verfolger zu. Er hörte die
wütenden Schreie, wartete nicht ab, um zu sehen, was geschah, sondern
drehte sich um und rannte weiter, Sarah mit sich ziehend. Noch wenige
Schritte auf dem ebenen Plateau, dann hatten sie den Strauch erreicht,
der den kleinen Einschnitt verbarg. Er stieß Sarah hindurch, drehte
sich um. Von den Gangstern war noch nichts zu sehen. Er bückte sich,
nahm einen flachen Stein auf und schleuderte ihn in Richtung der
Hängebrücke. Der Stein traf das Metallseil, das als Geländer gespannt
war und brachte es wie eine Saite zum Schwingen. Wenn die Gangster das
hörten, würden sie hoffentlich annehmen, sie seien über die Brücke auf
die andere Seite geflüchtet.
Er glitt so vorsichtig wie möglich durch den Strauch, um keine Zweige
abzubrechen und damit ihre Spur zu verraten. Sarah lag mit
geschlossenen Augen auf dem Boden der kleinen Höhle, zusammengerollt
auf der Seite, die verschrammten Arme um den Bauch geschlungen. Er sah
unter dem nass geschwitzten Top das heftige Auf und Ab ihrer
Rippenbögen, das die Luft in ihre Lungen und wieder heraus pumpte. Ihr
Kopf war hochrot, die Locken klebten in feuchten Strähnen an ihren
Wangen.
Er ließ sich am Eingang auf den Boden fallen, bemühte sich, seinen
eigenen Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Seine Hand zitterte,
als sie in seine Hosentasche glitt und das Messer hervor zog, das er
als Werkzeug immer mit sich führte. Ein Druck auf den
Arretierungsknopf ließ es aufspringen. Er dachte nicht darüber nach,
ob er es tatsächlich einsetzen könnte. Das Messer des Dunkelhaarigen,
das haarscharf an seiner Schulter vorbei geschwirrt war, hatte ihn
begreifen lassen, dass die beiden es ernst meinten.
In seinen Ohren rauschte es, sein Herz trommelte so heftig gegen seine
Rippen, dass es fast schmerzte. Er lauschte auf die Schritte der
Gangster, doch der Aufruhr in seinem Körper machte es unmöglich, etwas
zu hören. Liefen sie über die Brücke oder folgten sie dem Pfad auf
dieser Seite der Klamm?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Lektorat von Hans Peter Roentgen

Actionszenen, das bedeutet Spannung. Action lässt Leser mitgehen,
mitfiebern, um den Helden fürchten. Kein Wunder, dass diese Szenen im
Roman wie im Film so beliebt sind.

Aber ist jede Actionszene spannend? Nicht unbedingt, wie die
vorliegende Szene beweist. Doch man könnte sie spannender machen. Ein
Mann und eine Frau auf der Flucht, verfolgt von zwei Gangstern mit
Messern, die ihnen den Weg abschneiden, ihnen auf den Fersen bleiben.
Werden die Helden es schaffen? Wie werden sie es schaffen? Das könnte
spannend sein.

Wie also könnte man die Spannung der vorliegenden Szene erhöhen?

Lesen Sie sich nochmals die Szene durch, und und überlegen Sie, was
Sie stört. An welchen Stellen möchten Sie den Text beiseite legen oder
merken Sie, dass Sie über den Text nachdenken, statt der Handlung
atemlos zu folgen?


Personenbezeichnungen

Mich stört bereits der "dunkelhaarige Gangster". Gangster ist
mittlerweile ein abgegriffener Begriff und nicht sehr geeignet, eine
gefährliche Person zu benennen. "Dunkelhaarig" sagt auch nicht viel
aus.

Wie könnte man es ändern? Durch einen Namen. Möglichst einen, der nach
krimineller Szene klingt. "Türken-Sam" hat einer, der lange Gangster
war, seine Biographie genannt. Ein kurzer Name, verbunden mit einer
weiteren kennzeichnenden Eigenschaft, ist eine gute Idee. "Scarface"
heißt ein Film aus der Gangsterszene, "Narben-Gesicht". Klingt schon
sehr viel aussagekräftiger als "dunkelhaariger Gangster". Wobei
"dunkelhaarig" nicht nur wenig sagt, sondern obendrein ein langes Wort
ist.


Nähe zum Helden

In Actionszenen sollte man dem Helden und seinen Gefühlen folgen
können. Dazu muss man ihnen nahe sein. Möglichst nahe.

Zählen Sie mal, wie oft im Text steht: "er fragte sich", "Ben sah",
"er sah", "er dachte" "er spielte mit dem Gedanken". Solche
Formulierungen bauen eine Distanz auf, weil sie die Personen von außen
betrachten, statt den Leser mitgehen zu lassen. Selbst in ruhigen
Textpassagen sollte man sie sparsam verwenden, in Actionszenen sind
sie tödlich.

"Er fragte sich, wo der andere steckte." Das geht schneller, direkter:
"Wo steckte der andere?"


Atemlose Kürze

Kürzer ist es auch. So wie die beiden Helden atemlos fliehen, so
sollte der Text auch atemlos erzählen. Abgehakt, ohne längere
Erklärungen. Wenn jemand was sagt, dann kurz.

"Kommt nicht ... in Frage ... los, weiter", das ist schon ziemlich
lang. Was würde Ben in dieser Situation sagen? "Kommt nicht ...in
Frage", und er zieht sie hoch? Oder: "Los, weiter", und er zieht sie
hoch? Hier ist der Autor gefragt, der seinen Protagonisten kennen muss
und weiß, zu welcher der beiden Formulierungen Ben greifen würde.


Unnötige Erklärung

Auch Erklärungen, vor allem solche, die sich aus der Handlung ergeben,
sollte man sich sparen. "Sarah, die immer noch Karls Packsack in der
Hand hielt, holte damit aus und schleuderte ihn dem Gangster mit einem
Aufschrei ins Gesicht." Wenn sie ihm den Packsack direkt ins Gesicht
schleudert, braucht man nicht zu betonen, dass sie ihn in der Hand
hält: "Sarah schleuderte Türken-Sam den Packsack ins Gesicht." Punkt
und Schluss, eine schnelle Reaktion, ein schneller Satz. Und "Ben sah
Blut aus der Nase schießen", bringt den Leser wieder in Distanz zu Ben
und ist außerdem unnötig, denn wer zum Teufel soll es sonst sehen?
Also: "Blut schoss ihm aus der Nase."

"Von oben rieselten Steinchen und Humusstücke den Hang herab, von dem
anderen losgetreten, der nun wieder bedrohlich nahe war." Hier wird
uns erklärt, dass der andere die Steinchen lostritt und dass er
außerdem nahe ist. Wozu? "Von oben rutschten Steinchen und Erde den
Hang herab", das reicht. Da weiß jeder Leser, dass von oben Gefahr
droht. Und statt dem betulichen "rieselten" sollte man ein kräftigeres
Verb wählen.

Wie sähe eine Version aus, die auf "er sah" und Ähnliches verzichtet,
ebenso auf Erklärungen? Ich versuche es mal:

"Sarahs Aufschrei unterbrach seinen Satz. Neben dem Mazda schnellte
Türken-Sam empor.
Ben ließ vor Schreck das Handy fallen. Türken-Sam grinste.
"Welcome!", begrüßte er sie.
Ben erwachte aus seinem Trancezustand. Er packte Sarahs Handgelenk.
"Renn!"
Etwas zischte an seiner Schulter vorbei. Im Baum neben ihm steckte
zitternd ein Messer. Ben stieß Sarah den Pfad hinunter, griff schräg
hinter sich, doch das Messer steckte fest im Holz. Wo war Silberhaar?
Egal, sie mussten die Österreicher finden, sprangen den abschüssigen
Hang hinunter, rutschten, fingen sich wieder, sprangen weiter,
rutschten und schlitterten. Zweige peitschten ihnen über die Arme und
ins Gesicht. Hinter ihnen polterte Türken-Sam den Hang hinunter.
Da vorne, die Gabelung zum Parkplatz! Gleich waren sie in Sicherheit!
Seitlich im Wald krachte es, als wäre ein Wildschwein ausgerutscht.
Silberhaar rollte auf den Pfad sprang auf und griff nach Sarah.
Die schleuderte ihm den Packsack mit einem Aufschrei ins Gesicht. Gut
gemacht! Silberhaar stieß einen Fluch aus - zumindest hörte es sich so
an -, ließ sie los und taumelte zurück. Blut schoss aus seiner Nase.
Wenn Ben ihm seine Faust ins Gesicht rammte, wären sie frei. Aber er
zögerte zu lange. Silberhaar hatte sich wieder gefangen und ließ das
Messer mit einem metallischen Klicken aufspringen.
Von oben rutschten Steinchen und Erde den Hang herab.
Die einzige Richtung, die ihnen blieb, war die zum Fluss."

Legen Sie einmal beide Fassungen nebeneinander. Fällt ihnen sonst noch
etwas auf, was ich geändert habe? Ich habe an einigen Stellen kürzere
Worte gewählt. "Fluss" statt "Flussufer". Gerade in Actionszenen
wirken lange Wörter auch langwierig, betulich.


Eine Übung

Jetzt sind Sie dran. Ich habe die erste Hälfte korrigiert, Sie sollten
das Gleiche mit der zweiten Hälfte tun. Die erste Fassung einer
Actionszene ist oft viel zu behäbig, das passiert selbst alten Hasen.
Folglich sollte jeder Autor wissen, wie man mehr Tempo in den Text
bringt. Und da hilft nur üben, üben, üben. Ein guter Messerwerfer wird
man schließlich auch nicht über Nacht.

Wenn Sie damit fertig sind, legen Sie die beiden Versionen noch einmal
nebeneinander. Gefällt Ihnen Ihre neue Version? Oder müsste man
nochmals drüber gehen, gibt es immer noch Stellen, die zu wenig Action
atmen? Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, Texte müssen oft mehrmals
überarbeitet werden.


Glaubwürdigkeit und Zeit

Sind Sie nun mit Ihrer Version zufrieden? Gut. Dann können wir zum
nächsten Punkt kommen. Den Messern. Die beiden Gangster haben sie in
der Tasche. Und sie werfen damit.

Was folgt daraus? Dass sie mehrere Messer haben müssen, sonst würden
sie nicht die einzige Waffe fortwerfen, das wäre zu gefährlich.

Und tragen sie die in der Hosentasche? Wohl eher nicht, da braucht man
zu viel Zeit zum Zugreifen. Also, wo finden die beiden ihre Messer?
Das muss sich der Autor überlegen. Das muss ratzfatz gehen, die beiden
sind Profis und haben keine Zeit, jedes Mal erst in der Tasche
herumzukramen.

Wenn wir schon bei Glaubwürdigkeit sind, ist Ihnen in der
Originalversion noch etwas aufgefallen?

Das Handy. Im Original wird es nicht mehr erwähnt, aber Ben sagt, dass
sie Hilfe brauchen. In meiner Version lässt er das Handy vor Schreck
fallen. Denn wenn Ben tatsächlich ins Handy durchgibt, dass die
Gangster sie gefunden haben, wird es hier bald vor Polizei wimmeln,
die Hubschrauber werden über ihnen kreisen. Erst recht, wenn er das
Handy weiter eingeschaltet auf der Flucht mitnimmt. Also habe ich ihm
dieses Hilfsmittel aus der Hand genommen.

Gefährlich wird es für die Gangster trotzdem. Sie können nicht wissen,
was der Gesprächspartner von Ben nun tun wird. Was Ben ihm erzählt
hat. Sie müssen die beiden möglichst schnell erledigen. Für "Wir
wollen noch ein bisschen Spaß mit euch" ist jedenfalls keine Zeit.

Was wäre an der korrigierten Version noch zu verbessern? Türken-Sam,
den ich genommen habe, weil mir zunächst nichts Besseres einfiel. Aber
erstens ist dieser Name durch ein anderes Buch besetzt, zweitens
spricht der Gangster mit einem harten Akzent. Eher ein Osteuropäer?
Vielleicht Russen-Sam? Oder stören Sie diese allzu bekannten
Gangsternamen? Dann denken Sie sich andere aus, sie können auch ganz
normale Namen tragen. "Mirko" und "Heiner"? Die Namenswahl hängt vom
Stil Ihrer Geschichte ab.

Und ist das mit den Messern wirklich eine gute Idee? Die Gangster sind
mit nichts als Messern bewaffnet? Natürlich wäre die Situation für Ben
und seine Gefährtin um einiges gefährlicher, wenn die beiden mit
Pistolen bewaffnet wären. Ihre Chance, zu entkommen, wäre damit fast
Null. Also lässt der Autor den Gangstern nur die Messer?

Keine gute Idee. Denn wenn die Lage für die Helden aussichtslos
erscheint, steigert das die Spannung. Und wenn die beiden dann doch
entkommen können - und das glaubhaft ist! -, gewinnt die Geschichte
dadurch. Oft fällt einem später die eine oder andere Lösung ein, die
nicht auf der Hand liegt. Manchmal muss man seiner Geschichte einfach
Zeit geben.

Die Gangster nur aus Rücksichtnahme auf Messer zu beschränken, nur
weil dann der Autor seine Helden leichter entwischen lassen kann, ist
also keine gute Idee. Aber in der Vorgeschichte kann es natürlich
Gründe geben, dass die beiden mit Messern - sonst aber nichts -
ausgerüstet sind.

Zu guter Letzt: Ist Kürze, atemlos erzählen, hektisch, die einzige
Lösung für Action?

Sie ist die einfachste. Aber es gibt auch andere. Manch guter
Thrillerautor kann die Zeit dehnen. Quälend langsam verstreichen die
Sekundenbruchteile und spannen den Leser auf die Folter. Doch hier
will ich nur auf diese zweite Möglichkeit verweisen. Wenn Sie möchten,
können Sie einen Le Carré hervorkramen und einmal versuchen, ob Sie
obige Szene in seinem Stil schreiben können. Oder einen anderen
Thrillerautor, der dieses Werkzeug, Action langsam zu beschreiben,
beherrscht.

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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.

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INTERVIEW:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


"Entdecken Sie Ihre eigenen Stärken, und nutzen Sie sie!"
Interview mit Boris Koch

Er lässt sich nicht so leicht in eine Phantastik-Schublade einordnen,
der Schriftsteller Boris Koch, dessen Autorenkarriere wir seit den
Anfängen des Tempest verfolgen. 2008 zeichnete ihn das "Syndikat" für
seinen Jugendkrimi "Feuer im Blut" mit dem Hansjörg-Martin-Preis aus.
Im gleichen Jahr erschienen seine Romane "Der Drachenflüsterer" und
"Der Schattenlehrling" bei Heyne. 2009 folgten gleich drei weitere
Bücher: die düster-romantische Anthologie "Gothic - Dark Stories"
(herausgegeben von Boris Koch), der Roman "Der Königsschlüssel" und
das Mystery-Vampir-Highlight "Gebissen". Dabei gelingt es Boris Koch,
durch seinen Ideenreichtum und seinen atmosphärischen Stil diesen
scheinbar so vertrauten Universen eine Qualität einzuhauchen, die
diese Welten zwischen dem biblischen Sodom und dem heutigen Berlin in
einem überraschend neuen und düsteren Licht erscheinen lässt. Wir
wollten es nicht versäumen, Boris Koch für ein Interview zu gewinnen
und haben uns als Aufhänger den im September 2009 erschienenen Roman
"Gebissen" ausgewählt.


Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Lieber Boris Koch, was fasziniert
Sie so am Vampir-Mythos, dass Sie ihn mit dem Mythos des gefallenen
Engels kombiniert und in einem eignen Roman zum Leben erweckt haben?


Boris Koch: Ich wollte von Anfang an zwei gegensätzliche phantastische
Pole haben, in deren Mitte der Mensch steckt, und so kam ich auf Engel
(die im Roman letztlich zu Nephilim wurden) und Vampire. Bei Engeln
denkt man an luftige Höhen, an Fliegen, an Schönheit, Helligkeit,
Licht, über freies Assoziieren addierte ich Freiheit (es gab keinen
Gott, dem meine Engel Gehorsam schuldeten, bei den Nephilim ist es
ähnlich), ewige Rastlosigkeit, Einzelgängertum und unstillbare Lust,
alles über das menschliche Maß hinaus. Bei der Suche nach einem
Gegensatz war ich schnell bei Vampiren, beim Bluttrinken (also dem
Töten, um zu überleben) und der Gebundenheit an Heimaterde. Dieser
Aspekt des Vampirmythos war für mich plötzlich zum Kern geworden, das
Dunkle, das an einen Ort gebunden war. Ich dachte an in der Erde
versickerndes Blut, das das Monster in der Tiefe nährt, denn mich hat
stets mehr das Monströse am Vampir interessiert als das Romantische.
Zum Durst nach Blut gesellte sich Durst nach Rache.


RRB/TRB: Sind Sie mehr ein intuitiver Autor, oder planen Sie jedes
Detail im Voraus?

BK: Wohl eher intuitiv. Ich muss im Voraus den Kern der Geschichte
kennen, was hinter der Geschichte steht, wo die Figuren herkommen, den
Tonfall des Erzählens und das Ziel, auf das alles zustrebt, das
ungefähre Ende der Geschichte. Welche Wege letztlich dorthin führen,
das ergibt sich beim Schreiben: ein Schlenker hier in der Handlung,
eine neue Nebenfigur da, während eine alte verschwindet, usw. Wenn ich
das alles schon vorher wüsste, dann würde mich das Schreiben zu sehr
langweilen, und ich würde eh vom vorgegebenen Plan abweichen.

Ein wenig anders war es bei den beiden Krimis, da brauchte ich mehr
Planung, wie ich die Hinweise auf die Lösung des jeweiligen Falls
platzierte. Doch bei der integrierten Liebesgeschichte habe ich mich
wieder auf Intuition verlassen, wie auch bei bestimmten anderen
Szenen.


RRB/TRB: Wie sah Ihre Recherchearbeit für "Gebissen" aus?

BK: Die Recherchearbeit hat sich eher auf Dinge wie das unterirdische
Berlin ("Die Stadt unter der Stadt" von Niko Rollmann und Eberhard
Elfert, Dokumentarfilme und weiteres), Sachbücher wie Hans Richard
Brittnachers "Ästhetik des Horrors" und die Lektüre von Bibelstellen
und diversen antiken Mythen erstreckt, das bewusste Aufsuchen
bestimmter Clubs oder anderer Orte in Berlin. Im Netz gab es eine
Webcam, die einen im Bau befindlichen U-Bahn-Tunnel zeigte. Das mag
spannend klingen, doch war die Kamera an dem Ende der Röhre
angebracht, das bereits fertiggestellt war, es hat sich also überhaupt
nichts getan.

Bei der Prosa habe ich extra noch mal die ersten 100 Seiten von
"Dracula" gelesen, einfach weil der Roman zu den Anfängen der
Vampirliteratur gehört; John Polidoris "Der Vampir" hatte ich kurz
zuvor sowieso gehört. Da ich seit gut 20 Jahren viel dunkle Phantastik
lese und Filme gucke, war das für mich keine besondere Recherche für
"Gebissen" ...

Ansonsten lese ich gern auch bewusst anderes, während ich an einem
Projekt arbeite, um nicht vollkommen in das Fahrwasser eines Genres zu
geraten.


RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem
Lektorat des Heyne-Verlags?

BK: Mein Roman wurde von Catherine Beck betreut, einer externen
Lektorin, mit der ich schon oft zusammengearbeitet habe, auch über die
verschiedenen Verlage hinweg, von Fantasy Productions über Beltz &
Gelberg zu Heyne. Die Zusammenarbeit klappt wunderbar, sie weiß,
worauf ich mit meinen Büchern hinaus will und welche Macken ich habe.
Sie nimmt sich Zeit, um Dinge mit mir durchzusprechen, hat ähnliche
Vorstellungen von Literatur, doch wir haben genug Unterschiede, um uns
in Diskussionen auch zu reiben. Es ist ein tolles
Vertrauensverhältnis, und das ist das Beste, was einem als Autor
passieren kann.


RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des
Buchcovers oder den Klappentext?

BK: Der Buchtitel ist von mir, den habe ich seit Jahren mit mir
herumgetragen, nur keine Zeit für das Buch dazu gehabt ... Ein Verb im
Passiv, in dem animalische Aggression mitschwingt, das Gefühl,
ausgeliefert zu sein, und die Vorstellung von Narben. Es umfasst den
Kern des Romans - oder einen der Kerne -, in dem es um die Folgen
eines alten Bisses geht.

Nicht ganz glücklich bin ich mit der Nähe zu den "Bis(s)"-Büchern, die
möglicherweise falsche Erwartungen weckt, zumal es hier wie da um
Vampire geht. Doch Meyers Bücher und meines gehen in völlig
unterschiedliche Richtungen. Aber daran hatte ich einfach nicht
gedacht, völlig betriebsblind, obwohl ihre Bücher ja überall
herumlagen. Wie auch immer, der Verlag war von dem Buchtitel angetan
und hat ihn einfach übernommen; bei anderen Titeln haben wir schon mal
länger hin und her überlegt ...

Buchcover und Klappentext hat letztlich der Verlag entschieden, mich
jedoch mit einbezogen. Beim Cover gab es erst einen anderen Entwurf,
der jedoch stark nach "Romance" aussah, was nicht so gut zum Inhalt
passte wie der jetzige Entwurf, mit dem ich wirklich glücklich bin.


RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es Vorbilder oder ein
bestimmtes Schlüsselerlebnis?

BK: Kein Schlüsselerlebnis, nein. Ich habe von klein auf gerne
gelesen, wollte als Kind aber lieber Fußballprofi werden, als
Jugendlicher dann Rockmusiker, hatte für beides aber nicht genug
Talent. Irgendwo dazwischen hatte ich auch mal den Traum vom
Schatzsucherdasein. Geschrieben habe ich als Teenager ein wenig für
mich, aber das war mehr lyrischer Tagebuchersatz, nicht zur
Veröffentlichung bestimmt. Und irgendwann mit 18 oder 19 habe ich dann
eine Kurzgeschichte bei einem Wettbewerb eingereicht, einfach so und
erfolglos, und dann eine an Jörg Kleudgen geschickt, der damals den
Kleinverlag Goblin Press gegründet hatte. Er hat sie tatsächlich
genommen, und sie ist 1993 in der Anthologie "Der Alp" erschienen. Und
so habe ich weitergeschrieben, anfangs wenige Geschichten im Jahr,
dann immer mehr. Heute würde ich auch nichts anderes machen wollen,
nur mal richtig mit einer Band touren statt allein zu einer Lesung zu
fahren, das vermisse ich doch ...


RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Gebissen" gearbeitet?

BK: Schwer zu sagen, es lief eine ganze Weile nebenher mit, ich
arbeite immer wieder mal parallel an verschiedenen Projekten. Nachdem
ich "Die Anderen" fertiggestellt hatte, habe ich im Oktober 2007 mit
Heyne über das "Gebissen"-Konzept gesprochen, mir erste Gedanken dazu
gemacht, ältere Notizen eingearbeitet und an der Geschichte gebastelt.
Dann habe ich jedoch zuerst den "Drachenflüsterer" und "300 kByte
Angst" geschrieben, anschließend wieder an "Gebissen"
weitergearbeitet, dann dem "Königsschlüssel", den ich Jahre zuvor mit
Kathleen Weise begonnen hatte, den letzten Schliff verpasst, und mich
dann endgültig für mehrere Monate auf "Gebissen" konzentriert, für wie
viele genau, kann ich rückblickend nicht mehr sagen. Begleitet hat
mich das Projekt auf diese Weise gut zwei Jahre, die ersten darin
verarbeiteten Ideen sind jedoch noch um einiges älter.


RRB/TRB: Welchen Einfluss hat Ihre berufliche Tätigkeit auf Ihr
Romanschreiben? Wie sieht Ihr Alltag als Autor aus?

BK: Da ich hauptberuflich Autor bin, verbringe ich die meiste Zeit mit
Schreiben oder Konzipieren, beginne damit an einem idealen Tag auch
gleich nach dem (späten) Frühstück und schreibe bis zum frühen Abend.
Danach kümmere ich mich dann um die anfallende Korrespondenz und die
Website, informiere mich über Buchrelevantes wie Lesungsmöglichkeiten
oder diverse Nachrichten, erledige Redaktionstätigkeiten für das
Magazin Mephisto oder lese einfach. An manchen Tagen jobbe ich auch in
der Berliner Otherland Buchhandlung, an anderen bin ich für Lesungen
unterwegs oder auf Messen. Dieses Ausbrechen aus dem Schreiballtag ist
eminent wichtig, um nicht ganz im eigenen Kopf zu versauern.


RRB/TRB: Sie werden von der Literaturagentur "Partner & Propaganda"
vertreten. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrer Literaturagentur
aus?

BK: Die Zusammenarbeit läuft jetzt etwa ein Dreivierteljahr, und es
passt sehr gut. Wie für eine Agentur üblich, hat sie für mich die
Vertragsverhandlungen neuer Projekte übernommen, kümmert sich aber
auch um PR und teilweise um Lesungstermine.

Das Schöne dabei ist aber auch - dafür habe ich einfach ein Faible -,
dass wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen und auf den ersten
Blick eigentlich gar nicht zusammenpassen dürften. Schwerpunkt der
Agentur sind "post-jugoslawische" Autoren wie Edo Popovic oder Roman
Simic, aber auch zeitgenössische deutsche "abseits von Fräuleinwunder
und Pop-Literatur", wie es auf der Website heißt; keine Phantastik,
keine Jugendbücher außer mir. Da es aber trotzdem passt zwischen uns,
ergibt das eine kreative und spannende Zusammenarbeit, allein durch
Gespräche über zukünftige Projekte. Die Agentin Christine Koschmieder
hat einfach eine andere Herangehensweise und Sichtweise auf Texte und
schärft somit meinen Blick auch für Neues. Zudem weiß man ja nie, was
man in Zukunft noch alles schreibt ...


RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?

BK: Dass man das, was ihn ausmacht, nicht in einer so
allgemeingültigen Antwort wiedergeben kann. Der eine begeistert mich
mit seiner Wut, der andere mit sprachlicher Raffinesse, der nächste
mit einer besonders verschachtelten Geschichte, mitreißendem Humor
oder auch tiefster Melancholie, mit scharfsinniger Beobachtungsgabe,
leidenschaftlichem Engagement oder zu Sätzen komprimierter Angst.


RRB/TRB: Gibt es irgendein Genre, das Sie als Autor neben der
Phantastik noch reizen würde?

BK: Kurz gesagt: alle ... Ganz im Ernst, es gibt so viele Geschichten,
die mich reizen, die ich gerne noch erzählen würde, die fallen nicht
alle in die Phantastik. Jugendkrimis habe ich ja bereits geschrieben,
aber auch Gesetzesübertretungen im Erwachsenenbereich würden mich
schreiberisch reizen.

Was treibt einen Menschen zu einem Verbrechen, und wie sanktioniert
die Gesellschaft diese Tat? Moral, Recht, Rache, Strafe, das sind
spannende Themenbereiche. Auch einfach ein Roman über die Realität,
die uns umgibt, wäre reizvoll. Es gibt tolle historische Stoffe für
spannende Abenteuergeschichten oder die Auseinandersetzung mit
zentralen menschlichen Fragen. Oder einfach ein Western, als Kind habe
ich Western geliebt, das ist großartiger Stoff. Dort kann man die
Frage von Unterdrückung und Eroberung bearbeiten, aber auch
menschliches Zusammenleben beobachten, wenn es in einem (fast)
rechtsfreien Raum stattfindet. Der Irrsinn des Goldrauschs in Alaska,
was für ein Hintergrund für eine Geschichte!


RRB/TRB: Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?

BK: Ja, als Nächstes erscheint "Der Schwur der Geächteten", die
Fortsetzung von "Der Drachenflüsterer", aber bereits im März, kurz vor
der Leipziger Buchmesse. Ebenso zur Messe erscheint die Anthologie
"Gothic - darker stories", die zweite von mir herausgegebene Sammlung
mit dunklen phantastischen Erzählungen für Jugendliche.

Wie es dann weitergeht, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen,
und solange nichts konkret unterschrieben ist, möchte ich noch nicht
darüber reden. Auf jeden Fall steht demnächst auch wieder eine
Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem "StirnhirnhinterZimmer" an. Das
StirnhirnhinterZimmer ist eine Berliner Lesereihe, bei der Markolf
Hoffmann, Christian von Aster und ich seit fünf Jahren jeden Monat
phantastische und häufig groteske Geschichten zum Besten geben. Es
wird Zeit, mal wieder ein Buch daraus zu machen, aber auch da steht
noch nicht fest, wann es genau erscheint.


RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte, Sachbuch
...) lesen Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?

BK: Schwer zu sagen, was mich am stärksten beeindruckt hat, aber ich
habe einiges gelesen, das mir sehr gefallen hat, oder bin gerade
dabei, es zu lesen. Wie jeden Monat liegt das Fußballmagazin "11
Freunde" als Lektüre im Bad, und ich habe wieder festgestellt, was für
ein phantastischer Sportjournalist Ronald Reng ist, dessen "Der
Traumhüter" wohl zu den besten Fußballbüchern überhaupt gehört (neben
"Fever Pitch", Jorge Valdanos Essays "Über Fußball" und einigen
anderen). Nebenbei blättere ich in der ein oder anderen
Musikzeitschrift und lese mich Stück für Stück durch die vierte
Ausgabe des ausgezeichneten Phantastikmagazins "Pandora".

Bei den Romanen habe ich eben mit "Scharfe Zähne" von Toby Barlow
begonnen (und bin nach 50 Seiten verdammt begeistert, wie Barlow sich
inhaltlich und formal mit Werwölfen auseinandersetzt, mit männlichem
Rudelverhalten und anderem), bei den Sachbüchern ist es im Moment
"McMafia ? Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens" von
Misha Glenny, und an Comics beziehungsweise "Bildergeschichten" habe
ich Shaun Tans famosen "Die Fundsache" hinter mir (der Mann hat eine
phänomenale Phantasie, skurril und zutiefst menschlich, auch in seinen
Kurzgeschichten "Geschichten aus der Vorstadt des Universums" und dem
anrührenden Comic "Ein neues Land", der ohne Worte auskommt) und
stecke mitten in dem grandiosen Fantasy-Comic "Alim der Gerber" von
Wilfried Lupano und Virginie Augustin. Und als Nächstes freue ich mich
auf "Sie schläft" von Dietmar Dath und "Angriff auf die Freiheit" von
Ilija Trojanow und Juli Zeh.


RRB/TRB: Hätten Sie noch einen Rat für angehende Autoren und
Autorinnen?

BK: Kurz und knapp: Hören Sie nicht auf Ratschläge, die einen
allgemeingültigen Anspruch erheben. Also auch nicht auf diesen hier
... Im Ernst, finden Sie Ihre eigenen Stärken heraus ,und nutzen Sie
sie, folgen Sie nicht blind irgendwelchen Ratschlägen. Mir fällt in
einem solchen Zusammenhang immer ein, wie mir vor Jahren mal ein
Kollege ernsthaft geraten hat, ich solle doch einen Roman aus
weiblicher Perspektive schreiben, weil 70 Prozent der Leser Frauen
seien, das habe er gerade von der Lektorin eines Publikumsverlags
gehört. Ob diese Lektorin das wirklich so gesagt hat, weiß ich nicht.

Nun, grundsätzlich wäre ich - in aller Bescheidenheit - natürlich auch
mit 30 Prozent aller Leser sehr zufrieden, es müssen gar nicht 70
Prozent sein ... Zweitens gibt es genug Frauen, die Bücher mit
männlichen Protagonisten lesen und umgekehrt. Das Wichtigste aber ist,
dass ich mich damals mit einer weiblichen Perspektive über einen
ganzen Roman hinweg nicht wohlgefühlt hätte. Inzwischen hat sich das
etwas gewandelt, aber damals hätte ich mich mit großer Sicherheit
verrannt, mich unsicher durch die Kapitel gequält und etwas wenig
Glaubwürdiges zu Papier gebracht. Was helfen mir da potenzielle 70
Prozent Marktanteil, wenn ich diese überhaupt nicht erreiche, weil ich
irgendeinen Unsinn vor mich hinschreibe? Von daher: Es ist nicht
verkehrt zu wissen, dass 70 Prozent der Leser Frauen sind (auch wenn
sich das wahrscheinlich von Statistik zu Statistik und Genre zu Genre
unterscheidet), Wissen ist nie verkehrt - doch Schlüsse daraus ziehen,
sollte man selbst, oder im gründlichen Gespräch mit Leuten, die einen
kennen oder sich auf einen einlassen. Der Buchmarkt ist groß genug für
die unterschiedlichsten Bücher und Autoren, die auf
unterschiedlichstem Wege ihre Leser erreichen.


RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!

BK: Gern geschehen. Ich danke für Ihr Interesse!


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DES BÖSEN LEKTORS WÖRTERBUCH:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)


Arbeitstitel
1. Vorläufiger Titel eines Romans. Einziger Titel, den das Buch mit
100%iger Sicherheit bei Drucklegung nicht haben wird.
2. Von Autoren vorgenommene Benennung ihrer Manuskriptversuche, um
anzudeuten, dass auch Schriftstellern Arbeit ist.

Auflage, verramschte
Zahlenmäßiger Beleg für das Scheitern des Autors oder des Verlags oder
beider.

Autor, guter
Armes Schwein, dessen anspruchsvolle und literarisch wertvolle Werke
kein Verlag drucken will.

Autor, schlechter
Dumme Sau, die verhindert, dass gute Autoren bessere Chancen auf
Veröffentlichung haben. Wird aus hygienischen Gründen letztinstanzlich
von einem Druckkostenzuschussverlag vom Buchmarkt entfernt.

Autor, veröffentlichter
Idol aller unveröffentlichten Autoren. Jammert ständig herum, dass er
vom Schreiben allein nicht leben kann.

Autor, unveröffentlichter
Ergebnis karitativer Arbeit der Verlage zugunsten der Leser.

..........
aus: Dr. Honeyball Lektor / Stephan Waldscheidt (Hrsg.): "Zehn Gründe,
eine Schriftstellerin zu heiraten", Satire, 128 Seiten mit Abbildungen
und Cartoons. Mehr dazu: http://www.waldscheidt.de


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VERLAGSPORTRAIT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)

Lilienfeld Verlag
Pfalzstraße 12
40477 Düsseldorf
Telefon: (0211) 41 60 81 87
http://www.lilienfeld-verlag.de


Gegründet wurde der Verlag von Viola Eckelt und Axel von Ernst. Viola
Eckelt widmet sich ganz dem Verlag, Axel von Ernst ist auch freier
Autor. Es gibt drei freie Mitarbeiter. Die Idee zum Verlag war lange
vorhanden, aber ein gemeinsames Buchprojekt der Gründer in einem
anderen Verlag wurde zur Initialzündung.

Seit Sommer 2006 existiert der Verlag offiziell als Unternehmen, aber
der Aufbau des Vertriebs usw. nahm die erste Zeit in Anspruch, dann
erschienen im Spätsommer und Herbst 2007 die ersten Bücher - entgegen
den sehr bescheidenen Erwartungen der Verleger gleich mit großer
Presseresonanz.


Programm und Philosophie

Was ist mit der Literatur, die vor längerer Zeit "jung" und "neu" war?
Was ist mit der anspruchsvollen Literatur der Vergangenheit? Wenn
"jung" und "neu" nicht nur zeitgebundene Qualitäten sind, sondern
überzeitlich (woran die Verleger glauben), dann hat das vergangene
Junge auch uns noch immer etwas zu sagen. Gleich im ersten Programm
hatten Eckelt und v. Ernst beispielsweise den Roman "Staub und Sterne"
von dem selbst in seiner Heimat Dänemark vergessenen Knud Hjortø - ein
sprachlich unglaublicher, unverstaubter Roman über einen verkannten
jungen Schriftsteller. Oder der durch das Exil nach 1933 in
Vergessenheit geratene Herbert Schlüter (ein Freund Klaus Manns) und
dessen Roman über Jugend und Liebe: "Nach fünf Jahren". Oder Donald
Windhams "Dog Star", 1950 der Lieblingsroman Thomas Manns, der überall
als wunderbarer Ersatz für den "Fänger im Roggen" gefeiert wurde.
Oder, oder, oder ...

Ein weiterer Programmteil ist die Zeitgeschichte: Bücher die einen
persönlichen, neuen Blick auf eine Zeit oder bestimmte Ereignisse
werfen. Zum Beispiel der Auschwitzbericht der französischen Ärztin
Sima Vaisman, notiert 8 Tage nach ihrer Rückkehr 1945.


Welche Autoren wurden bisher verlegt?

Dem Profil entsprechend natürlich sehr viele Autoren der
Vergangenheit. Zeitgenössische Autoren sind: Paul Kersten (der NDR-
Moderator, der bis in die 90er auch als Schriftsteller einen Namen
hatte und auf den die Verleger wieder aufmerksam machen wollen), Peter
Hein (der "Fehlfarben"-Sänger, von dem kurze Reiseprosa und Songtexte
gemacht wurden), Felicia Zeller (eine jüngere Dramatikerin, die für
ihr Prosadebüt bei uns den Clemens-Brentano-Preis 2009 bekam) und
Donald Windham (der in diesem Sommer in New York 89 Jahre alt wurde).


AutorInnen gesucht?

Interessant für die Verleger sind Hinweise auf Verschollenes und
Vergessenes in Archiven, auf ungepflegte Autoren von hoher Qualität,
wichtige Werke, die lange nicht aufgelegt wurden, auf fremdsprachige
Autoren, die nie ins Deutsche übersetzt wurden usw.

Neue Autoren werden nicht unbedingt gesucht, was leider zu dem
tragischen Umstand führt, dass auch gute Manuskripte abgesagt werden
müssen.


Konditionen

Die Konditionen sind je nach Projekt unterschiedlich, in jedem Fall
erhalten ein Autor oder dessen Erben eine prozentuale Beteiligung am
Verkaufspreis oder eine Pauschalsumme.


Was ist besonders wichtig?

Qualität. Eckelt und v. Ernst sind in jeder Hinsicht furchtbare
Korinthenkacker, sowohl was Texte als auch was die Herstellung der
Bücher angeht. Bei Texten reicht die Objektivität der Beurteilung von
Qualität ein ziemliches Stück - aber dann setzt natürlich auch das
Subjektive ein. Die Verleger könnten sich nicht mit Büchern befassen,
von denen sie nicht ganz persönlich begeistert sind - und verkaufen
könnten sie auch nichts anderes.


Zukunftspläne, Perspektiven

Die Verleger machen weiter wie bisher und haben hoffentlich noch
einige Überraschungen parat. Ansonsten hängt die Zukunft vom
anhaltenden Interesse der Presse und einer weiter wachsenden
Leserschaft ab. Da können sie nur mit jedem Programm neu hoffen.


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KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR!
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)

"Paps, kannst du mir mal beim Ausfüllen dieses Schulformulars helfen?
Ich weiß nicht, was ich bei ≠Berufe der Eltern' hineinschreiben soll.
Mama hat gerade keine Zeit. Sie schreibt."

"Ah", lautet die verärgerte Antwort. "Sie schreibt! Weißt du was? Bei
Vater schreibst du ≠Wirtschaftsinformatiker', bei Mutter
≠Frührentnerin'!"

(Franziska Röchter)


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -
keine Manuskripte zur Beurteilung.

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.


Drehbuch: Oliver Pautsch
drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
fantasy at experte pt autorenforum pt de
Heftroman: Arndt Ellmer
heftroman at experte pt autorenforum pt de
Historischer Roman: Titus Müller
historischer.roman at experte pt autorenforum pt de
Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Lesungen: Rüdiger Heins
lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
sachbuch at experte pt autorenforum pt de
Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss
fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
verlagswesen at experte pt autorenforum pt de

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.................
Experten-Special:
.................

Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen
Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre
gesammelt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses
PDF zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch
geordnet, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche
- und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand,
Buchpreisbindung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN,
Leseprobe, Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat
oder ... Hier werdet ihr fündig: http://nbn-
resolving.de/urn:nbn:de:0062-tempest2-4.


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH:
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Sie kennen im Moment niemanden, der vielleicht ein Kinderbuch
geschrieben hat und jemanden sucht, der es illustriert?


Antwort:
Ich kenne keinen Autor, der einen Illustrator sucht. Tatsächlich ist
es in der Regel so, dass der Autor "nur" das Manuskript beim Verlag
abliefert. Der Verlag sucht anschließend den Illustrator aus, dessen
Stil seiner Meinung nach am besten zur Geschichte passt. Wenn Sie
vorwiegend an der Illustration von Büchern interessiert sind, sollten
Sie sich mit Ihren Arbeiten direkt an einen Verlag wenden.

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Michael Borlik, 1975 geboren, ist freier Schriftsteller, der bereits
über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat. Mehr Infos zu
seinen Büchern unter http://www.borlik.de.


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR SCHREIBHANDWERK:
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Ute Hacker (schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de)

Frage:
Ich bin eine extrem langsame Schreiberin. Jeder Satz wird sofort
überarbeitet. Mehrfach. Oft brauche ich einen ganzen Vormittag, ehe
ich mit einer Seite zufrieden bin. - Zumindest bis zum nächsten
Morgen, denn bei jedem erneuten Lesen gerate ich in Versuchung, "es
noch besser" zu machen. Rein rational ist mir klar, dass dieses
Korrigieren den Text nicht immer verbessert, sondern lediglich
verändert, und je nach Laune gefällt mir mal der eine, mal der andere
Ausdruck besser. So trete ich viel zu viel auf der Stelle und komme
nicht wirklich voran. Am deutlichsten fällt mir dieser falsche
Perfektionismus auf, wenn ich relativ unwichtige Texte schreiben will
und selbst dabei zu viel Zeit verschwende. Z. B. kommt es vor, dass
ich einen Beitrag in einem Forum binnen einer Minute mündlich erledigt
hätte, aber da ich schreibe, kann selbst dieser kurze Beitrag eine
halbe Stunde meiner kostbaren Zeit fressen. Alle Vorsätze und
Versuche, das zu ändern sind bisher gescheitert.


Antwort:
Ich hätte da einen Tipp: Vergessen Sie doch beim Schreiben "einfach
mal" (ich weiß, es ist nicht einfach, aber auch so etwas kann man
üben), also vergessen Sie beim Schreiben, für wen Sie den Text
schreiben. Bläuen Sie sich ein: Die erste Version ist nur für mich,
und in der ist alles - ALLES!! - erlaubt (auch unfertige, halbgare
Sätze). Es bedarf einer gewissen Disziplin - in Ihrem Fall
ausnahmsweise mal andersherum als bei den meisten AutorInnen -, aber
Disziplin gehört ja eh zum Handwerk.

Nehmen Sie sich fest vor: Heute schreibe ich zwei Seiten ratzfatz
runter, und ich korrigiere keinen Satz, bevor nicht die beiden Seiten
fertig sind. Es wird Ihnen am Anfang sehr schwer fallen, aber mit der
Zeit wird es einfacher. Wenn Sie Skrupel haben, dies mit einem Roman
oder einer zur Veröffentlichung gedachten Kurzgeschichte zu tun,
nehmen Sie sich ein Thema vor, zu dem Sie schon immer mal was
schreiben wollten. Wichtig dabei ist, dass Sie keinen Termindruck
haben!

Sie werden sehen, mit der Zeit klappt es immer besser und Sie lernen,
sich und Ihren Sätzen zu vertrauen. Denn erfahrungsgemäß
verschlimmbessert man den Text durch das ständige Korrigieren.
Grundsätzlich sollte man mit der Korrektur eines Textes erst beginnen,
wenn er vollendet ist.

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ute Hacker konzentriert sich derzeit vor allem unter dem Pseudonym
Luisa Hartmann auf das Genre Kinderbuch. Soeben erschien "Na und, dann
sind die eben rechts!", ein Jugendroman zum Thema Rechtsextremismus.
Im Frühjahr kommen das begleitende Arbeitsbuch, außerdem der 6. Band
ihrer 3-Minuten-Geschichten auf den Markt. Mehr Informationen auf
http://www.utehacker.de.


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Es heißt ja stets, man soll bei Verlagen anrufen und herausfinden, wer
die entsprechende Person ist, an die der Autor sein Manuskript
schicken soll, damit im Anschreiben "Sehr geehrter Herr X/Sehr geehrte
Frau X" und nicht "Sehr geehrte Damen und Herren" steht.

Nicht wenige Verlage haben auf ihren Websites allerdings bereits eine
Rubrik für die Frage "Wie sende ich ein Manuskript ein?", mit einer
allgemeinen Lektoratsadresse. Da habe ich nun das Gefühl, in der
Zwickmühle zu sitzen: Halte ich mich an die Website, kann ich ein
Manuskript nur mit einem allgemeinen Anschreiben schicken. Rufe ich
extra an, um nach Namen zu fragen, könnte es zu Recht heißen: "Sie
haben sich wohl nicht mal unsere Homepage angesehen."

Was wäre Ihrer Erfahrung nach das Klügste?


Antwort:
Ich verfüge über keine anderen Quellen als alle anderen Autoren/innen.
Die wichtigsten Informationsmittel hier mal aufgereiht:

- Internet: Webseiten der Verlage, Kontaktangaben der Verlage
- Internet: Suchmaschinen (und es muss nicht immer Google sein)
- Börsenblatt: Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, auch:
http://www.boersenblatt.net
- Buchmarkt: Ideenmarkt für den Buchhandel, auch:
http://www.buchmarkt.de
- Verlagsprogramme
- einen guten Überblick, was in der Sparte Fantasy in welchem Verlag
veröffentlicht wird

Als Beispiel:
Ich will meinen Fantasy-Roman Penhaligon und / oder Blanvalet
anbieten. Die beiden Verlage gehören zu Random House, was man über die
Webseiten schnell herausfindet. Unter FAQs sagt Random House, man möge
sich bitte an den für das jeweilige Manuskript zuständige Verlagshaus
wenden. Okay, wissen wir schon: Blanvalet und Penhaligon.

Im "Börsenblatt" und im "Buchmarkt" findet man unter Personalia bzw.
per Suchfunktion leicht heraus, dass im Dezember 2008 Urban Hofstetter
für beide Verlage das Fantasy-Programm übernommen hat. Zu Blanvalet
taucht auch noch Holger Kappel auf, überwiegend für die Drachenlanzen-
Romane.

Jetzt muss ich nur noch sicher gehen, dass die beiden noch "im Amt"
sind. Bei Hofstetter verrät mir das ein Interview vom
geisterspiegel.de, zusammen mit der Autorin Ruth Nestvold. Dort werden
beide auf der Leipziger Buchmesse angetroffen, also war Hofstetter im
Frühjahr 2009 immer noch Lektor bei Penhaligon.

Nebenbei lese ich die o. g. Zeitschriften (nicht vollständig, sondern
nur auszugsweise), bei interessanten Meldungen (zur Sparte Fantasy)
schneide ich mir den Artikel oder die Meldung aus und hebe sie auf.
Das ist jedoch meine persönliche Marotte, da ich eben noch in Zeiten
aufgewachsen bin, in denen es kein Internet gab.

Wichtig ist es für Autoren, die veröffentlichen wollen, dass sie "das
Ohr am Markt" haben, heißt: sich informieren, was welcher Verlag wie
in dieser Sparte auf den Markt bringt. So etwas erfährt man, indem man
selbst viel liest. Aber auch über Verlagsvorschauen, -programme und -
webseiten sowie Nachrichtenmagazine für den Buchhandel und
Lesemagazine. Solche Informationen sind frei im Internet oder gedruckt
oft kostenfrei beim Buchhandel ausgelegt.

Für eine persönliche Adressierung muss man also gar nicht beim Verlag
selbst anrufen. Aber sollte der Fall eintreten, dass im Internet kein
zuständiger Lektor zu ermitteln ist, kann man den Namen zumindest,
wenn schon nicht die Telefonnummer, beim Verlag erfragen. Den Einwand,
man hätte die Homepage nicht angesehen, kann man gleich entkräften,
indem man voranschickt, dass der zuständige Lektor auf der Webseite
nicht genannt ist, man aber dem Fachmann / der Fachfrau das Manuskript
senden möchte. Wenn man ermittelt hat, dass vor einem Jahr der Herr
XYZ Lektor war, kann man ja auch fragen, ob er immer noch in diesem
Verlag Lektor für die Sparte Fantasy ist.

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Emden, gibt Schreibkurse und führt
eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröffentlicht
sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman.


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR LYRIK:
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Martina Weber (lyrik at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Ich schreibe seit drei Jahren Gedichte, und gerade ist mein erster
Gedichtband in einem kleinen Verlag erschienen. [...] Mein Verleger
und ich machen uns nun Gedanken um die Vermarktung. [...] Zunächst
wollen wir einige Literaturzeitschriften und Tageszeitungen
anschreiben und fragen, ob wir ein Rezensionsexemplar schicken dürfen.
Ich hatte dann noch eine andere Idee, nämlich, den Zeitschriften zwei
oder drei Gedichte zu schicken und dazu eine fertige Rezension. Wir
wollen nämlich nicht riskieren, dass die Rezensionsexemplare im
Altpapier landen oder dass das Buch womöglich gar nicht rezensiert
wird. Mit einer fertigen Rezension würden wir der Redaktion etwas
liefern, was sie ansonsten Zeit und Personal kostet und möglicherweise
willkommen ist. Was meinen Sie zu der Idee?


Antwort:
Leider ist es nicht so einfach für eine noch nicht so sehr bekannte
Lyrikerin, Rezensionen für den ersten Gedichtband in einem noch nicht
so sehr bekannten Kleinverlag zu bekommen. Das hat verschiedene
Gründe: Eine "Lyrikkarriere" baut man eher langsam auf, das heißt, man
veröffentlicht zunächst einzelne Gedichte in Literaturzeitschriften
und Anthologien, man bewirbt sich bei Literaturwettbewerben und
versucht, sich im Lauf mehrerer Jahre einen Namen im Literaturbetrieb
zu machen. Im Idealfall knüpft man Kontakte zu anderen Schreibenden,
veranstaltet gemeinsame Lesungen und baut sich ein Netz gegenseitiger
Unterstützung auf.

Sie können es versuchen, aber ich fürchte, die Bereitschaft, Ihren
Gedichtband zu rezensieren, wird sowohl bei den Redaktionen von
Literaturzeitschriften als auch bei Tageszeitungen eher gering sein.
Hinzu kommt, dass viele Literaturzeitschriften mit Rezensionsanfragen
überhäuft werden und deshalb grundsätzlich keine Rezensionen drucken.
Sie sollten sich also vor Ihrer Anfrage darüber informieren, ob in dem
entsprechenden Medium überhaupt Rezensionen veröffentlicht werden. Bei
dieser Anfrage könnten Sie durchaus ein oder zwei besonders gelungene
Gedichte als Leseprobe beifügen.

Von Ihrer Idee, fertige Rezensionen des eigenen Gedichtbandes zu
versenden, rate ich hingegen dringend ab. In Wahrheit handelt es sich
bei dem Text, den Sie Rezension nennen, nicht um eine Rezension,
sondern um einen Werbetext, also um reinste PR. Der blinde Abdruck
eines Werbetextes hat jedoch nichts mit seriösem Journalismus zu tun.
Das macht keine Literaturzeitschrift, die auch nur einen Funken
Anstand hat. Dazu noch ein praktisches Problem: Welcher Name sollte
als Urheber unter dem Text stehen? Etwa Ihr eigener? Oder der des
Verlegers? Oder wollen Sie hier auch ein bisschen nachhelfen und den
Namen einer nicht vorhandenen Rezensentin erfinden?

Sie erwähnen Zeit- und Personalkosten. Aber eine Literaturzeitschrift
ist kein Wirtschaftsunternehmen. Literaturzeitschriften leben vom
unbezahlten Engagement der Redaktion und der freien MitarbeiterInnen.
Eine Rezension zu schreiben, die auf der gründlichen Lektüre eines
Buches und auf dem Sachwissen beruht, das erforderlich ist, um das
Buch einschätzen zu können, erfordert viel Lesezeit und ein
Hintergrundwissen, das man sich oft erst durch jahrelange Arbeit
aufgebaut hat und das ständig aktualisiert werden muss. Wer schon ohne
Honorar rezensiert, sucht sich die Bücher deshalb selbst aus.
Redaktionsmitglieder und freie MitarbeiterInnen wollen ihre Zeit
sinnvoll und selbstbestimmt verbringen und nicht mit Pflichtaufgaben.

Mein Rat: Suchen Sie Kontakt zu einer Schreibgruppe, zum Beispiel über
die Volkshochschule oder über ein Literaturbüro. Vernetzen Sie sich.
Engagieren Sie sich selbst bei einer Literaturzeitschrift.

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Martina Weber ist Autorin des Buches "Zwischen Handwerk und
Inspiration. Lyrik schreiben und veröffentlichen", Uschtrin Verlag
München 2008, http://www.uschtrin.de/weber.html. Sie erhielt das
Frankfurter Autorenstipendium 2009, http://kultur.frankfurt.de/
(weiter auf "Literatur" und auf "Autorenstipendium")


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit
getrennter Mail kommt
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach
Rücksprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare
gezahlt werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim
Autor.

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
beitrag at team pt autorenforum pt de.

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden.

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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
Gabi Neumayer redaktion at team pt autorenforum pt de
Stefan Schulz webmaster at autorenforum pt de
Thomas Roth-Berghofer
Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de
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werden (Näheres s. http://www.autorenforum.de/?UeberUns/Impressum) und
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bearbeitet und gekürzt werden.

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