Ausgabe 18-06 (20. Juni 2016)

Editorial
Hall of Fame
Neues aus der Buchszene
Schreibkurs
    "Krimis für Kids?"
    von Gitta Edelmann
Spannung, der Unterleib der Literatur
    "Franzi"
    Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Frag dem Experten für Kinder- und Jugendbuch
    (Michael Borlik)
Impressum

 EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,


darf in Kinderkrimis ein Mord vorkommen? Wie viel Brutalität ist
erlaubt? Und was sind die Zutaten für einen gelungenen Krimi für Kids?
Diese und andere Fragen beantwortet Gitta Edelmann in ihrem
Schreibkurs in dieser Sommerausgabe (na ja ...) des Tempest.

In Hans Peter Roentgens Lektorat geht es diesmal um einen humorvollen
Text - woran sich ja bekanntlich die Geister scheiden. Unsere Autorin
Maike Frie - einige spannende Seminare mit ihr findet ihr im zweiten
Teil des Tempest - hat einen Schreib-Kick beigesteuert (schickt mir
aber bitte alle mehr!), es gibt zahlreiche neue Ausschreibungen, und
Kinderbuchexperte Michael Borlik beantwortet die Grundfrage aller
angehenden AutorInnen, die zum ersten Mal veröffentlichen wollen.

Der Tipp des Monats Juni, diesmal von
http://www.writingforward.com/blog:
     
     Real life is also a great source of inspiration for characters.
     Look around at your friends, family, coworkers.
     Magnify the strongest aspects of their personalities and you’re
     on your way to crafting a cast of believable characters.

Wie immer: Ohne eure Beiträge - inhaltlich UND finanziell - ist der
Tempest auf Dauer nicht möglich. Also: Überweist uns etwas (am
einfachsten per Paypal über unsere Website), und schickt mir auch eure
Schreibtipps! (Dann wird der Dauerregen sicher auch bald aufhören und
sommerlichem Sonnenschein Platz machen.)

   Gabi Neumayer
   Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das
Konto:

Jürgen Schloßmacher
Kreissparkasse Köln
BIC: COKSDE33XXX
IBAN: DE23370502991142176163
Stichwort: "Beitrag 2016"

Wichtig: Das Konto läuft NICHT mehr auf den Namen "autorenforum",
sondern nur auf "Jürgen Schloßmacher"!

Neu:  Ihr könnt jetzt auch über unsere Website
http://www.autorenforum.de direkt per Paypal überweisen!

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des
Tempest).

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ISSN 1439-4669  Copyright 2016 autorenforum.de. Copyright- und
                Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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  INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

     Editorial
     Hall of Fame
     Neues aus der Buchszene
     Schreibkurs
         "Krimis für Kids?"
         von Gitta Edelmann
     Spannung, der Unterleib der Literatur
         "Franzi"
         Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
     Frag dem Experten für Kinder- und Jugendbuch
         (Michael Borlik)
     Impressum


TEIL 2:

     Veranstaltungen
     Ausschreibungen
     Publikationsmöglichkeiten
          mit Honorar
          ohne Honorar
     Seminare
     Messekalender
     Impressum


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HALL OF FAME:
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                             (mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2015,
Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen
muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
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Margot S. Baumann: "Das Erbe der Bretagne", Amazon Publishing 2016,
Familiengeheimnis. Nichts ist so wie es scheint! Eine Suche nach der
Wahrheit.

T. A. Wegberg: "Hör bloß auf mit Liebe", Tensual Publishing 2016,
Short Storys. 15 Geschichten über Beziehungen aller Art.

Regina Schleheck (Hg.): "Sonne, Mord und Meer", Der Kleine Buch Verlag
2016. Mords-Urlaubsgeschichten. 19 Storys zum Wegfahren und Bleiben.
www.regina-schleheck.de

Gitta Edelmann: "Ludwig und die Suche nach dem Geheimcode", cmz Verlag
2016, Beethoven-Kinderkrimi. www.gitta-edelmann.de


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NEUES AUS DER BUCHSZENE:
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                         (mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie
nie zuvor. Ob es nun um neue Vertragsbedingungen mit Amazon geht, die
zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und
Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen
Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den
Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle
interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen -
natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
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+++++++++
Interview
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http://www.boersenblatt.net/artikel-
interview_mit_poppy_j._anderson.1164364.html
Poppy J. Anderson wurde als Selfpublisherin bekannt, arbeitet aber
jetzt auch mit Verlagen zusammen. Sie ist davon überzeugt, dass
digitales Lesen künftig mehr Raum einnimmt.

http://www.boersenblatt.net/artikel-
interview_mit_sebastian_fitzek.1157566.html
Interview mit Sebastian Fitzek: "Das Opfer steht bei mir immer im
Mittelpunkt."

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ian-rankin-leser-fragen-mich-
ob-rebus-immer-noch-zu-viel-trinkt-a-1092692.html
Krimi-Autor Ian Rankin: "Die Leser fragen mich, ob Rebus immer noch zu
viel trinkt."

http://www.boersenblatt.net/artikel-interview_mit_suhrkamp-
lektorin_katharina_raabe.1169025.html
Interview mit Suhrkamp-Lektorin Katharina Raabe: "Die fehlende
Sprachkompetenz ist eine gewaltige Hürde."


++++++++++
Buchhandel
++++++++++

http://www.boersenblatt.net/artikel-die_sonntagsfrage.1163897.html
Buch kaputt. In welchen Fällen haften die Eltern der Kinder?

http://www.boersenblatt.net/artikel-express-lieferdienst.1160551.html
Express-Lieferdienst: Amazon Prime Now auch in Frankfurt?

http://www.boersenblatt.net/artikel-interview_mit_amazon-deutschland-
chef_kleber_in_der__sz_.1153446.html
Amazon Deutschland: Stationäre Läden sind eine Option.

http://www.boersenblatt.net/artikel-grossdruckbuecher.1168428.html
Bücher in Großdruck als Service am Kunden.


+++++++++++
Buchbranche
+++++++++++

http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/2016/06/
09/fokus-auf-
frankfurt.htm?no_cache=1&cHash=2db94f99db331f09a1839e9bc0fde2d2
Presseschau: Berichte über die Branchenzahlen des Börsenvereins.


+++++++
Verlage
+++++++

http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2
016/06/09/deutsche-kinderbuecher-gefragt.htm?no_cache=1
Deutsche Kinderbücher in China gefragt.

http://www.boersenblatt.net/artikel-
christoph_schroeder_ueber_seitengewaltige_romane.1169034.html
Lesezeit ist Lebenszeit.

http://www.boersenblatt.net/artikel-
sachbuecher_von_journalisten.1153448.html
Sachbücher von Journalisten: Bei aktuellen Themen zählt jeder Tag.


++++++
E-Book
++++++

http://www.boersenblatt.net/artikel-selfpublishing.1161891.html
Tolino Media dreht an der Konditionenschraube. Bei Titeln, die weniger
als 2,99 Euro kosten, will Tolino Media künftig den Honoraranteil von
derzeit 70 Prozent auf 40 Prozent senken.

http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/201
6/06/07/nicht-laenger-draufzahlen.htm?no_cache=1
Nicht länger draufzahlen. Tolino Media passt Konditionen für
Selfpublisher an.

http://www.boersenblatt.net/artikel-tolino-
aktion_bei_weltbild.1153063.html
Tauschprämie für alte E-Book-Reader.


++++++++++++++
Literaturszene
++++++++++++++

http://www.boersenblatt.net/artikel-
around_the_world_in_100_bookshops_.1157738.html
Liebeserklärung an den stationären Buchhandel.

http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2
016/06/09/romane-im-entstehen-lesen.htm?no_cache=1
Romane im Entstehen lesen: Matthias Matting startet Fortschrift.net.


+++++++++++++++++++
Feuilleton / Kultur
+++++++++++++++++++

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article156279430/Wer-
Buecher-liest-verdient-spaeter-21-Prozent-mehr.html
Wer Bücher liest, verdient später 21 Prozent mehr.

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article156283422/Verlag-
veroeffentlicht-bisher-unbekannte-Passagen.html
Verlag veröffentlicht bisher unbekannte Passagen aus Hans Falladas
Bestseller "Kleiner Mann - was nun".


++++++++
Sachbuch
++++++++

http://www.boersenblatt.net/artikel-
sachbuecher_von_journalisten.1153448.html
Sachbücher von Journalisten: Bei aktuellen Themen zählt jeder Tag.


+++++++++++++++++++++++
Auszeichnungen / Preise
+++++++++++++++++++++++

http://www.boersenblatt.net/artikel-
auszeichnung__serafina_2016_.1157394.html
Serafina 2016: Nachwuchsillustratoren gesucht.

http://www.boersenblatt.net/artikel-
ulrike_ottinger_hat_entschieden.1157371.html
Kleist-Preis 2016 geht an Yoko Tawada.

http://www.boersenblatt.net/artikel-max_und_moritz-
preis_2016.1156930.html
Max & Moritz-Preis: Beste Comic-Künstlerin ist Barbara Yelin.

http://www.boersenblatt.net/artikel-
bayerische_akademie_der_schoenen_kuenste.1156918.html
Rainer-Malkowski-Preis an den Lyriker Klaus Merz.


++++++
Online
++++++

http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/201
6/06/08/expansion-auf-dem-bildungsmarkt.htm?no_cache=1
Expansion auf dem Bildungsmarkt: Bertelsmann-Beteiligung "Udacity"
startet in Deutschland.

http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/201
6/06/08/neue-zielgruppen-im-blick.htm?no_cache=1
Neue Zielgruppen im Blick. E-Book-Anbieter Readfy kooperiert mit der
Telekom.

http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/201
6/06/15/gibt-es-einen-bestseller-code.htm?no_cache=1
Gibt es einen Bestseller-Code? WDR-Film über die Suche nach dem
Bestseller.


++++++++++++++
Selfpublishing
++++++++++++++

http://www.buchreport.de/nachrichten/personalien/personalien_nachricht
/datum/2016/06/08/drei-neue-fuers-selfpublishing.htm?no_cache=1
Epubli und Neobooks erweitern Teams.

http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/2016/06/
14/debuetanten-verdienen-als-selfpublisher-
mehr.htm?no_cache=1&cHash=1bcaab65125187114ea42961bc751302
Debütanten verdienen als Selfpublisher mehr.


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International
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http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/201
6/06/16/us-buchhandel-legt-weiter-zu.htm?no_cache=1
US-Buchhandel legt weiter zu.

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/scala/waterstones-buchlaeden-
england-100.html
Waterstones macht das erste Mal seit sieben Jahren wieder Gewinn. Wie
geht das?

http://www.boersenblatt.net/artikel-
kobo_uebernimmt_kunden.1153055.html
Waterstones stellt E-Book-Verkauf ein.

http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/201
6/06/16/abgebrochener-absatz.htm?no_cache=1
Schweizer Buchhandel im Mai im Minus.


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SCHREIB-KICK:
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Der Kick des Monats Juni, diesmal von Maike Frie:


Auf einen Schluss-Satz hin schreiben
....................................

Nimm aus einem Roman oder aus einer Kurzgeschichten den letzten Satz,
und schreibe ihn unten auf ein großes Blatt Papier. Dann schreib dazu
einen Text, der mit genau diesem Satz endet.

Das ist eine schöne Übung, weil man sich in der Länge beschränkt und
Tonfall, Perspektive usw. vorgegeben sind und man schon ein Ziel hat.


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SCHREIBKURS:
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                          "Krimis für Kids?"
                          von Gitta Edelmann
 
"Krimis schon für Kinder? Muss denn das sein? Kann man die
schreckliche Brutalität nicht ein bisschen von den Kleinen
fernhalten?" So reagierte eine ältere, kinderlose Autorenkollegin vor
ein paar Jahren, als ich ihr erzählte, dass ich auch Kinderkrimis
schreibe. Sie war fassungslos. Ich ebenfalls.
 
Später wurde mir klar, dass sie unter dem Begriff "Krimi" wohl nur
brutale Mordgeschichten kannte und sich natürlich nicht vorstellen
konnte, dass dies geeignete Kinderliteratur sein sollte.
 

          Was ist überhaupt ein Kinderkrimi?
 
Zunächst einmal - was ist ein Kind? Nach deutschem Recht ist ein Kind,
wer noch nicht 14, Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt
ist (siehe § 1 Jugendschutzgesetz). Entsprechend verläuft die Grenze
zwischen Kinder- und Jugendbuch irgendwo bei der Altersempfehlung ab
14 oder je nach Verlag auch schon übergangsweise ab 12.
 
Und ja, natürlich gibt es auch Jugendkrimis - teilweise unterscheiden
diese sich kaum von Erwachsenenkrimis, außer in der weniger exzessiven
Darstellung von Sex und Gewalt und darin, dass die Protagonisten
normalerweise Jugendliche sind.

Ich kenne übrigens einige Erwachsene, die genau deshalb gerne
Jugendkrimis lesen.
 
Ein Kind ist also ein (hoffentlich) lesendes Wesen unter 14,
Hauptzielgruppe für Kinderkrimis sind dabei die 8- bis 12-Jährigen.
 
Und was ist ein Krimi? Ein Krimi ist die Geschichte eines Verbrechens,
einer Straftat. Häufig spielt ein Ermittler die Hauptrolle, der das
Verbrechen aufklärt und somit zum Happy End beiträgt. Das gilt auch
für den Kinderkrimi. Es muss ja nicht immer Mord sein, der ist
tatsächlich kein Thema für Kinder.
 

          Verbrechen in der Kinderwelt
 
Auch Kinder kennen in ihrer Welt Verbrechen:
 
-- Max wurde die Mappe mit den Fußballsammelkarten geklaut - und da
war ausgerechnet die goldene, ganz wertvolle drin (Diebstahl).
 -- Anna kommt nach dem Unterricht ans Schuhregal, und jemand hat die
Riemen ihrer Sandalen einfach durchgeschnitten (Sachbeschädigung).
 -- Der kleine Lars aus der ersten Klasse geht nur noch über Umwege
nach Hause, damit ihm der Viertklässler Bert nichts tun kann (Mobbing,
Androhung von Körperverletzung).
 -- Claires Kuscheltier ist weg, sie kriegt es nur wieder, wenn sie
ihre neue Kette dafür hergibt (Entführung und Erpressung).
 -- Ans Schulgebäude sind über Nacht Graffiti gesprüht worden
(Vandalismus, Sachbeschädigung)!
 -- Oli ist von einem Klassenkameraden verprügelt worden
(Körperverletzung).
 
In der Realität sind das Fälle für Mama und Papa oder die Lehrerin,
doch im Kinderkrimi dürfen die Kinder selbst ran - meist in Gruppen
als Detektivbanden.
 
Die bekanntesten dieser Detektivbanden sind wohl "Die drei ???", "Die
drei !!!" und "TKKG". Unvergessen (und von anderen Autoren inzwischen
fortgesetzt) sind aber auch Enid Blytons "Famous Five - die Fünf
Freunde" (erschienen ab 1953). Astrid Lindgren schuf Kalle Blomquist
(1946), und Erich Kästner reiht sich mit "Emil und die Detektive"
(1929) ebenso als Kinderkrimi-Autor ein - eine spannende Kinder-
Geschichte um ein Verbrechen ist also keineswegs eine neue Erfindung.

 
          Zutaten für einen Kinderkrimi
 
Für einen Kinderkrimi brauchst du:
 
1. ein Verbrechen
Dieses muss im Erfahrungsbereich der Kinder liegen. So ist für
Erstleser Mobbing im Internet nicht nachzuvollziehen, für 12- bis 14-
Jährige jedoch sehr wohl.

Fälle von Diebstahl findet man dagegen in allen Altersgruppen -
anderen etwas wegnehmen, was ihm nicht gehört, kann schon ein
Kleinkind. Natürlich braucht es keine Detektivkünste, um
herauszufinden, dass die kleine Lisa im Sandkasten die schöne rote
Schaufel von Emma genommen hat. Schließlich hält sie das Beweisstück
noch in ihrer Hand. Doch Eltern von Grundschulkindern kennen die
leidigen Geschichten von Gegenständen, die plötzlich aus dem Ranzen
oder von der Garderobe verschwunden sind, ohne dass man weiß, wer der
Schuldige ist.
 
2. einen Täter und seine Tat
Wer war’s? Warum? Und wie hat er es überhaupt gemacht? Wann ist es
geschehen und wo?

Beim Schreiben eines Krimis ist das Plotten unerlässlich. Die Autorin
muss das Verbrechen und den Täter genau kennen, um echte und falsche
Fährten zu legen. Ganz wichtig ist auch ein glaubhaftes Motiv!
 
3. eine Detektivbande
Warum eine Bande und nicht ein einsames Detektiv-Kind, ein kleiner
Philip Marlowe? Nun, ein einzelnes Kind wäre zu schwach, denn der
Täter kann ja, selbst wenn er kein Erwachsener ist, ohne weiteres
stärker, raffinierter, böser und somit gefährlich sein. Ein bisschen
gefährlich ist spannend, doch ist die Gefahr zu groß, wird die
Geschichte für die Kinder zu beängstigend und damit unattraktiv.

Gemeinschaft aber macht stark. Die Jungen und Mädchen können sich
gegenseitig helfen und bringen dabei ihre besonderen Fähigkeiten mit,
die beim Lösen des Falls hilfreich sind. So ist die Bande insgesamt
sportlich, intelligent, ideenreich, informiert über wichtige
Gegebenheiten und oft lustig. Wahrscheinlich kommt ein Kind aus einer
"nicht heilen" Familie und eines ist eigentlich ein Außenseiter.

Und ja, es sind normalerweise immer Jungen und Mädchen gemeinsam die
"Helden", denn damit können sowohl Jungen als auch Mädchen als
Zielgruppe angesprochen werden.
 
4. Helfer
Selten schaffen es Kinder wirklich ganz allein, den Fall zu lösen und
den Schuldigen seiner Strafe zuzuführen, vor allem, wenn der Täter ein
Erwachsener ist. Hier ist es nützlich, wenn ein Erwachsener zum
Vertrauten wird: ein Elternteil, das Polizist ist, eine Mutter, ein
Vater oder die Oma, die die Detektive ernst nimmt, sie unterstützt und
eventuell die Polizei einschaltet.
 
5. einen interessanten Hintergrund
Ein interessanter Hintergrund heißt nicht, dass den jungen Lesern
Wissen um jeden Preis aufgepfropft werden soll. Doch in ein bisher
unbekanntes Thema einführen darf auch ein Kinderkrimi. Eine entführte
Ratte kann spielerisch und nebenbei Kenntnisse über Nagetiere oder
über Tierschutz vermitteln, ein Diebstahl im Museum etwas über Kunst
erzählen oder der Kontakt zu einem Menschen aus einem anderen Land
etwas über seine Kultur.

Gleichzeitig darf der Hintergrund nicht zu fremd sein, sondern soll
gerade im Alltagsleben in Schule und Familie Vertrautes beschreiben,
damit sich die Lesenden mit ihren "Detektivfreunden" identifizieren
können.
 
6. altersgemäße Sprache  
Wie bei jedem Kinderbuch muss die Sprache altersgemäß sein, d. h.
nicht zu anspruchsvoll, was Satzbau und Wortschatz betrifft, aber auch
nicht zu einfach. Die Geschichte sollte über viel Handlung und Dialoge
erzählt werden statt über lange Beschreibungen.
 
7. Spannung
Selbst wenn diese Zutat am Ende der Liste steht - sie ist das
Herzstück eines Krimis. Erzeugt wird sie nicht nur durch Action,
sondern vor allem durch lebendige Figuren mit Stärken und Schwächen,
denen nicht alles sofort gelingt und mit denen sich die Leser
identifizieren können. Dazu gehört natürlich ein Geheimnis, das nur
langsam aufgedeckt wird und mitraten lässt, und ein wenig Gefahr.
 

          Kinderkrimis und andere Genres
 
Wie bei Erwachsenenbüchern können Kinderkrimis mit anderen Genres
gemischt werden, z. B. mit Geschichte, Fantasy oder Science-Fiction.
Freundschaften spielen meist eine große Rolle, und zu den Freunden
gehören oft Tiere. Damit ist auch für Kinder der Krimi unerreicht
vielfältig.
 
Eine besondere Form sind die Ratekrimis. Hier werden die Indizien im
Text so versteckt, dass bei genauem Lesen der Täter gefunden werden
kann. Ratekrimis sind meist kurz und eignen sich gut, um das erste
Lesen spannend zu machen.
 

          Einen Kinderkrimi schreiben
 
Wenn du einen Kinderkrimi schreiben willst und bisher keine oder wenig
Erfahrung auf diesem Gebiet hat, solltest du unbedingt zuerst einmal
einen Stapel solche Bücher lesen, um einen Überblick zu bekommen.
Leider gibt es eine Menge schlechter Kinderkrimis, die eigentlich nur
mit erhobenem Zeigefinger Wissen oder eine Botschaft vermitteln wollen
oder die Kinder sprachlich unterfordern. Aber auch von denen kannst du
lernen - wie man es nicht macht.
 
Wie stellst du fest, was Kinder anspricht? Ganz einfach: Frag sie.
Kinder sind kluge und unbestechliche Leserinnen und Leser. Und sie
sind ehrlich.

Wahrscheinlich aber merkst du selbst, ob ein Buch gelungen ist -
schließlich warst du einmal ein Kind, und die meisten, die
Kinderbücher schreiben (wollen), haben den Kontakt zu diesem inneren
Kind nicht verloren. Das ist die beste Voraussetzung!
 
                   **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Gitta Edelmann schreibt hauptsächlich Krimis, Historisches und
Kinderliteratur und gibt Workshops für Kreatives Schreiben. Derzeit
ist sie Jurorin für den Hansjörg-Martin-Preis  (Kinder- und
Jugendkrimi) 2017. Sie ist Mitglied in verschiedenen
Autorennetzwerken, u. a. bei den "Mörderischen Schwestern" und im
"Syndikat". http://www.gitta-edelmann.de


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                             (mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht
überschreiten!
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                               "Franzi"
              Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen

Freitag, 22. Juli 2016 - Prolog

Franzi ist ein Schäferhund; genauer gesagt, ein zwar stammbaumloser,
aber allem Anschein nach reinrassiger Deutscher Schäferhund.
Allerdings war die Rassefrage Herrl und Frauerl herzlich gleichgültig,
als sie den Welpen vor einigen Wochen im TierQuarTier Wien abholten;
das Pärchen suchte einfach ein neues, liebenswertes Haustier, nachdem
ihr bisheriger Begleiter im gesegneten Alter von 17 Jahren den Weg
allen Hundefleisches gegangen war.
Nicht ganz so gleichgültig dagegen dürfte die Rasse einem anderen
Akteur sein, der an dieser Stelle noch nicht näher vorgestellt werden
soll. Er taucht - fürs Erste - ohnehin nur sehr kurz auf; momentan ist
er noch außer Sicht. Somit kann sich Franzis Herrl im Schatten einer
Eiche dem Plausch mit einer anderen Hundehalterin widmen, während
beider Tiere - der Schäferhund und ein etwa gleich großer Terrier-
Sonstwas-Mix - kläffend durchs flache Wasser tollen.
"Grad erst Sieben", bemerkt der Mann mit einem Blick auf seine Uhr.
"Wohl etwas früh für Frau Stadler. Die letzten Tage, da traf ich sie
sonst immer hier am Kaiserwasser, aber da war’s meist schon gegen
Acht. Dabei sollt für ihren Hund die morgendliche Frische doch auch
angenehmer sein, mit all dem Fell und so. Selbst vorhin, als ich
losging, da waren’s schon 25 Grad!"
Die Frau blickt ihn betroffen an: "Haben’s das noch nicht gehört, Herr
Travnicek? Schrecklich, was ihr passiert ist. Das arme, arme Hündchen
..."
"Hündchen ist gut: Das Hunderl war noch blader als sein Frauerl! Jumbo
hieß er, nicht wahr? Nichts für ungut, aber ... Was ist denn
passiert?"
"Der arme Jumbo ... Sie war vorgestern mit ihm in der Hundezone drüben
am Angelibad; Sie kennen’s bestimmt; ich führe da meine Paula auch
äußerln, ab und an, nur abends, oder frühmorgens, wenn da weniger von
den großen Hunden unterwegs sind und so ... Jedenfalls: Jumbo ging ins
Wasser; macht er sonst wohl selten, eher nie, meinte Frau Stadler,
aber an dem Tag, es war Nachmittag, wieder wohl 35 Grad, eher mehr
..."
"Weiß schon; wird dort kaum anders gewesen sein als hier!"
"Natürlich, natürlich. Jedenfalls, das Hunderl ging ins Wasser, Frau
Stadler blieb am Ufer, sah ihm zu, und plötzlich ... Das arme Tier
klatscht ins Wasser, versinkt, verschwindet - und taucht nicht mehr
auf."
Jetzt ist doch das Interesse des Mannes geweckt: "Einfach so? Nun,
vielleicht ein Hitzschlag, der Schock. ... Passiert ja jedes Jahr auch
ein paar Badenden; man springt überhitzt ins kalte Wasser ... Das ist
natürlich ein Schreck, aber wenn der Hund nicht lange litt, nicht wie
unsere Fritzi zuletzt ... Hat sie ihn dann gleich zur EBS gebracht?"
"Zur was?"
"Sie wissen schon, der Wiener Tierservice am Alberner Hafen. Die holen
tote Hunde auch gratis ab, aber bei Fritzi, da haben Cordula und ich
sie ganz bewusst selber dort hin gebracht. Ein letzter Abschied, nach
all den Jahren ..."
"Nein, nein; das war ja das Seltsame: Frau Stadler meinte, sie ist
dann zwar sofort ins Wasser gegangen, hat gesucht, zuerst an der
gleichen Stelle, dann ringsum, aber vergeblich: Keine Spur! Dabei
war’s ja wahrlich kein kleines Tier."
"Weiß Gott nicht. Nun ja, die Alte Donau ist schon recht trüb."
"Aber das Wasser dort war nur knietief, meinte Frau Stadler, und so
tief kann man allemal schauen, sogar hier, am Kaiserwasser. Vielleicht
hat die Strömung den armen Hund erfasst, ihn weggetragen ..."
"Strömung? Das mag zwar ‚Alte Donau’ heißen, aber Sie wissen schon,
dass das eigentlich ein Binnensee ist, nicht wahr? Wo soll da so was
wie Strömung herkommen?"
"Tja, ich weiß auch nicht; was könnte sonst ... Paula! Paula, hör auf
zu kläffen! Was hat denn der Hund?"
Darauf dreht sich auch der Mann wieder zum Wasser um: "Wen verbellt
sie denn da? Was ... Und wo ist Franzi?"
"War Ihr Hunderl nicht eben noch da?"
"Ja, sicher; ich hörte ihn doch eben noch. Vor ein paar Minuten oder
so ... Franzi! Komm her, Franzi! Wo bist du?"
"Paula, komm aus dem Wasser raus! Bei Fuß, Paula!"
Herrl und Frauerl treten ans Ufer, doch keines der beiden Tiere
gehorcht: Paula steht weiter mit steil aufgerichteter Rute zum Ufer
hin im wadentiefen Wasser und bellt, und ein zweiter Hund ist weit und
breit nicht zu sehen.

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                   Lektorat von Hans Peter Roentgen

Zwei Hunde, Franzi und Paula, tollen in der alten Donau, die Besitzer
unterhalten sich, es ist heiß. Das Herrle von Franzi erzählt, dass
hier vor kurzem ein Hund im Wasser verschwunden ist. Spurlos. Nicht
mal die Leiche hat man gefunden.

Und dann ist plötzlich auch Franzi fort. Und Paula bellt wie verrückt.


          Der Anfang

Möglichst spät in die Szene springen, möglichst früh wieder raus, so
lautet eine Regel amerikanischer Drehbuch- und Spannungsautoren.
Halten Sie sich nicht mit Vorgeschichte auf, denn das langweilt den
Leser. Er will wissen, was passiert. Vorgeschichte kann man - so sie
überhaupt nötig ist - später einfügen.

Sollte "Franzi" also besser mit dem Gespräch zwischen den beiden
Hundehaltern beginnen? Statt mit der Vorgeschichte, warum der
Stammbaum den Besitzern egal ist, und der Andeutung, dass es da
jemanden gibt, der sich sehr dafür interessiert?


          Schreibregeln und wann sie nützen

Ein Arzt muss wissen, welche Medizin gegen welche Krankheiten hilft -
und wann man sie besser nicht verschreiben sollte. Er muss also
wissen, welche Wirkung sie hat.

Nicht anders ist es beim Schreiben. Ein Autor muss wissen, welche
Wirkung die Schreibregeln haben, wann sie nützlich sind und wann
nicht.

"Möglichst spät in die Szene, möglichst früh raus", das beschleunigt
das Tempo. Wirft den Leser sofort ins kalte Wasser der Ereignisse.
Zieht ihn in die Geschichte. Das hat sich bei Spannungsliteratur
bewährt. Thriller - jedenfalls die erfolgreichen - beginnen deshalb
gerne mit einer Actionszene, lassen sofort etwas passieren, halten
sich nicht damit auf, dem Leser etwas über das Umfeld oder die
Personen zu erzählen.

Aber ist die obige Geschichte ein Thriller?

Sie hat ein Spannungselement, gar kein Zweifel. Hunde verschwinden
einfach in der alten Donau. Niemand findet eine Leiche, keiner weiß,
wohin sie verschwunden sind.

          Witz und Distanz

Aber die Geschichte hat auch Witz. Sie erzählt mit Augenzwinkern über
Hundehalter, für die ihr Hund das Zentrum ihrer Welt ist. Das findet
sich in der Vorrede, das findet sich im Dialog. Der ist übrigens auf
den Punkt gebracht, wir erhalten eine gute Vorstellung der beiden
Hundehalter, die sich unterhalten.

Witz und Humor arbeiten gerne mit der Distanz. Wir schauen von außen
auf die Szene, amüsieren uns über die Akteure. Erkennen uns selbst mit
unseren Schwächen darin wieder. Daher kann eine derartige Einleitung
für einen humorvollen Text passen.

Hat es Ihnen gefallen, diese Einleitung zu lesen? Ich bin im Zweifel.
Sie vermittelt einen Eindruck, welche Geschichte wir vor uns haben.
Eine, die langsam vorangeht, die die Distanz zu den Personen hält. Die
mit Witz erzählt, mit Augenzwinkern über die menschlichen Schwächen
der Hundehalter.

Gleichzeitig ist manches auch bemüht, etwa »nachdem ihr bisheriger
Begleiter im gesegneten Alter von 17 Jahren den Weg allen
Hundefleisches gegangen war«. Da soll zwar Witz entstehen durch eine
ungewohnte Wortwahl für eine bekannte Formel (den Weg alles
Irdischen). Aber es klingt gewollt, konstruiert. Und gerade, wenn man
humorvoll schreiben will, müssen Wortwahl und Pointe sitzen. Passt es
nicht ganz, stört es den Leser. Und das ist hier der Fall.

Das gilt auch für die Vorankündigung, dass es jemand Dritten gibt, dem
die Rasse ganz und gar nicht egal ist. Da wird dem Leser etwas
mitgeteilt, etwas erklärt, was später passieren wird. Im
Spannungsroman ein grober Schnitzer, den die wenigsten Leser
verzeihen. Denn mit solchen Vorankündigungen - lieber Leser, da wird
bald etwas furchtbar Spannendes passieren und ein furchtbarer
Bösewicht lauert hier im Verborgenen -, mit solchen Vorankündigungen
steigert man nicht die Spannung, sondern würgt sie ab. In witzigen
Texten geht das - wenn es Witz hat. Und da bedarf es in diesem Absatz
noch einiger Nacharbeit.


          Erzählstimme und Art der Geschichte

Der Anfang eines Romans legt auch die Art der Geschichte fest. Witzige
Hundegeschichte mit Spannung?  Knallharter Thriller? Dazu dient auch
die Erzählstimme, die passen muss und die im Text durchgehalten werden
sollte. Und ich glaube, das ist das Problem dieses Textes - er kann
sich nicht zwischen Thriller und Witz entscheiden. Der Leser merkt das
und ist verwirrt.


          Geschichten verschlimmbesssern

Geschichten, die noch sehr roh, unfertig sind, lassen sich leicht
verbessern. Meist sieht man auf den ersten Blick, woran der Text
krankt, und kann einen Vorschlag machen, wie man ihn verbessern
könnte.

Hat eine Geschichte bereits ein gewisses Niveau erreicht, wird es
schwierig. Manchmal steht man zwischen Scylla und Charybdis, weiß
nicht so recht: Soll ich das stehen lassen oder abändern? Bei guten
Geschichten läuft ein Lektor immer Gefahr, die Geschichte zu
verschlimmbessern. Im Fall von "Franzi": Soll man direkt in das
Gespräch der Hundehalter springen oder die Vorrede stehen lassen? Soll
man in Richtung Thriller verbessern oder in Richtung witzige
Hundegeschichte mit Spannung?


Übung
.....
Wie sähe die Geschichte aus, wenn das Rätsel der verschwindenden Hunde
das Thema wäre, es sich also um einen klassischen Thriller handeln
würde?

Schreiben Sie die Szene einmal um. Lassen Sie das Augenzwinkern weg,
es soll eine Szene werden, in der sie direkt personal erzählen, die
Szene durch die Augen des Herrli von Franzi erleben.

Schreiben lernt man durchs Ausprobieren. Nur so erlebt man, welche
Wirkung welche Techniken und Schreibregeln haben. Probieren Sie immer
mal unterschiedliche Möglichkeiten aus. Gehen Sie nicht davon aus,
dass es eine und nur eine Möglichkeit gibt, eine Geschichte zu
erzählen.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist der Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge, "Drei Seiten für ein Exposé" und
"Schreiben ist nichts für Feiglinge". Außerdem hält er Schreibkurse
und lektoriert. Im letzten Jahr ist sein neuer Ratgeber "Spannung -
der Unterleib der Literatur" erschienen.


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Bjørn Jagnow, unser ehemaliger Verlagswesen-Experte, hat seine Fragen
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der letzten Jahre gesammelt  - thematisch sortiert und aktualisiert:

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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDER- UND JUGENDBUCH:
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          Michael Borlik (mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Frage:
Ich möchte meine Geschichte veröffentlichen. Können Sie mir bitte
damit helfen?


Antwort:
Damit Ihre Geschichte verlegt wird, sollten Sie diese einem Verlag
vorstellen. Zu diesem Zweck sollten Sie ein Anschreiben verfassen, in
dem Sie sich und Ihre Buchidee kurz verstellen. Dem Schreiben selbst
legen Sie ein Exposé (Inhaltsangabe) der Geschichte bei und eine rund
50-seitige Leseprobe. Bitte senden Sie keine Originale an den Verlag!

Um einen passenden Verlag zu finden, besuchen Sie am besten eine
Buchhandlung und stöbern dort ein wenig in den Büchern herum. Auf
diese Weise verschaffen Sie sich einen Überblick, welcher Verlag
welches Genre veröffentlicht. Natürlich können Sie das auch
herausfinden, indem Sie sich die Websites der Verlage anschauen.

Suchen Sie sich Verlage heraus, zu deren Programm Ihre Geschichte
passen könnte. An diese Verlage schicken Sie Ihr Anschreiben mit
Exposé und Leseprobe.

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Michael Borlik, 1975 geboren, ist freier Schriftsteller, der bereits
über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat. Mehr Infos zu
seinen Büchern unter http://www.borlik.de.


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