Ausgabe 4-9 (22. September 2002)

Editorial
Inserate
Schreib-Kick
Echo-Service
Autorenwissen
    "Berufsbild: DrehbuchautorIn"
    von Ursula Schmid-Spreer
Marketingideen
    "Wie du mir ..."
    "Lesertipp"
Schreibkurs
    "Kaffeeklatsch"
    von Cassidy Rees
Buchbesprechung
    "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten"
    besprochen von Gabi Neumayer
Erfahrungsbericht
    "Gas geben, schreiben, durchhalten"
    von Manuela Tengler
Frag die Expertin für Fantasy
    (Stefanie Bense)
Frag die Expertin für Literaturagenturen
    (Petra Hermanns)
Frag den Experten für Verlagswesen
    (Bjørn Jagnow)
Frag die Expertin für Sachbücher
    (Gabi Neumayer)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,


der Sommer geht - der Tempest bleibt :-) Und wie! Wie ihr oben sehen 
könnt, haben wir inzwischen die 5000-AbonnentInnen-Marke überschrit-
ten. Wir freuen uns und danken allen, die jeden Monat aufs Neue ge-
spannt auf den Tempest warten und ihn immer wieder weiterempfehlen.

Das ist aber nicht der einzige Grund zum Feiern: Nachdem wir lange an 
der neuen Website für autorenforum.de konzipiert und gebastelt haben 
- vor allem Stefan und Thomas haben ihre freien Wochenenden und so 
manche Nacht damit verbracht -, ist sie nun freigeschaltet und wartet 
auf euren Besuch. Neben dem völlig neuen Look bietet die Website unter 
anderem folgende Highlights:

- übersichtliche, benutzerfreundliche Struktur
- Direktzugriff auf die Rubriken über Pulldown-Menüs
- Die Schwerpunkte "The Tempest" und "Experten" sind jetzt direkt
  anklickbar.
- Möglichkeit der Suche im gesamten Inhalt, in den Datenbanken oder 
  nur im Tempest
- Das Inhaltsverzeichnis des aktuellen Tempest ist bereits auf der 
  Einstiegsseite sichtbar.
- Jede einzelne Seite ist verlinkbar (keine Frames mehr!).

Wegen der riesigen Menge an Informationen, die wir mit der Hilfe all 
unserer wunderbaren MitarbeiterInnen in den letzten Jahren zusammenge-
tragen haben, konnten wir noch nicht alle alten Inhalte auf die Site 
setzen. Wir werden die Rubrik "Autorenwissen" und alle Expertenantwor-
ten früherer Jahre nach und nach ergänzen. Aber schon jetzt könnt ihr 
alles finden, da alle Tempest-Jahrgänge bereits online sind. Nur etwas 
blättern müsst ihr dazu momentan in manchen Fällen noch. - Wir freuen 
uns auf euren Besuch und auf euer Feedback zur neuen Site!

Und jetzt zur neuen Ausgabe des Tempest: Hier findet ihr unter 
anderem:
- einen neuen Hintergrundartikel von Ursula Schmid-Spreer: "Berufs-
  bild: DrehbuchautorIn"
- eine unkonventionelle Schreibanregung von Cassidy Rees
- neue Marketingtipps
- den Erfahrungsbericht einer hoffnungsvollen jungen Autorin
- Tipps aus der Praxis von unseren ExpertInnen

Und natürlich den Schreibkick, Rezensionen, den Echo-Service, viele
neue Ausschreibungen ...

Der Tipp des Monats September, diesmal von Birgit Richter:

    Autorenhonorar ist nicht gleich Autorenhonorar
    von der Verkaufsmarge. Marge ist der Betrag, der
    übrig bleibt, wenn vom Ladenpreis Buchhandelsrabatt,
    Umsatzsteuer, Herstellungskosten abgezogen werden.
    Nur von dem, was übrig bleibt, erhält der Autor
    dann z. B. 20% pro verkauftem Buch als Gewinn.

Ich wünsche euch einen goldenen Herbst - und schickt mir eure Tipps,
Erfahrungsberichte, Marketingideen! Oder nutzt wieder einmal den Echo-
Service, um Co-AutorInnen oder andere Mitstreiter zu suchen.

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin


~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Mithilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf unser
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SEB Mainz (früher: BfG)
BLZ 550 101 11
Konto 14 24 18 99 00
Stichwort: "Beitrag 2002"

Für AuslandsabonnentInnen: Ihr könnt uns den Beitrag in bar schicken
(Adresse am Ende des Tempest) oder ihn von jemandem in Deutschland von
einem deutschen Konto aus überweisen lassen, um die horrenden Gebühren
zu umgehen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
ISSN 1439-4669   Copyright 2002 autorenforum.de. Copyright- und
                 Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

   INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

      Editorial
      Inserate
      Schreib-Kick
      Echo-Service
      Autorenwissen
         "Berufsbild: DrehbuchautorIn"
         von Ursula Schmid-Spreer
      Marketingideen
         "Wie du mir ..."
         "Lesertipp"
      Schreibkurs
         "Kaffeeklatsch"
         von Cassidy Rees
      Buchbesprechung
         "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten"
         besprochen von Gabi Neumayer
      Erfahrungsbericht
          "Gas geben, schreiben, durchhalten"
          von Manuela Tengler
      Frag die Expertin für Fantasy
          (Stefanie Bense)
      Frag die Expertin für Literaturagenturen
          (Petra Hermanns)
      Frag den Experten für Verlagswesen
          (Bjørn Jagnow)
      Frag die Expertin für Sachbücher
          (Gabi Neumayer)
      Impressum


TEIL 2 (nur für Abonnenten):

      Veranstaltungen
      Ausschreibungen
      Publikationsmöglichkeiten
           mit Honorar
           ohne Honorar
      Seminare


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SCHREIB-KICK:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


Unser Schreib-Kick für den September, diesmal von Bärbel Rädisch:

Hänge ich bei einem längeren Text, nutze ich folgenden Trick, um im
Schreibfluss zu bleiben: Ich suche mir aus der Zeitung ein mehrsilbi-
ges Wort, z. B. "Taubenschlag" und fange nun die folgenden Sätze mei-
nes Textes mit T, A, U usw. an. Ob ich später Änderungen, Wort- oder
Satzumstellungen vornehme, bleibt mir überlassen. Auf jeden Fall ist
erst mal die Schreibblockade überwunden.


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ECHO-SERVICE:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


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E. Papas
(mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
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Ich bitte um Hilfe bei zwei Problemen:
1. Wer hat Erfahrungen mit der Umgestaltung von Drehbüchern in Roman-
form?
2. Wer kennt gute Beispiele von Romanen mit viel Dialog?

Ich bin für jede Hilfe dankbar!


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AUTORENWISSEN:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


                    "Berufsbild: DrehbuchautorIn"
                       von Ursula Schmid-Spreer


Der Zugang zur Tätigkeit als Drehbuchautor/in ist nicht geregelt - hat
sich aber in den letzten Jahren in Deutschland durch die Professiona-
lisierung der Aus- und Weiterbildung der Autoren und durch die Verän-
derungen der Fernsehlandschaft mit dem Auftreten der privaten Sender
sehr verändert.


          Aufgaben und Tätigkeiten im Überblick

DrehbuchautorInnen verfassen Texte, so genannte Drehbücher, die als
Vorlage für Verfilmungen dienen. Sie schaffen Figuren, entwickeln
Handlungsverläufe und entwerfen Szenen. Wichtig ist die Konzentration
auf einen Hauptkonflikt, der die ZuschauerInnen des späteren Films
fesseln und neugierig machen soll. Drehbücher bestehen in der Regel
aus Dialogen mit erläuternden Zwischentexten.

Drehbuchschreiben kann im Rahmen eines filmwissenschaftlichen Studiums
erlernt werden. Aber auch Literatur- und TheaterwissenschaftlerInnen
sowie kreativ veranlagte und mit Textproduktion vertraute Angehörige
anderer Berufe können als DrehbuchautorInnen tätig werden.

Filmautoren gibt es schon seit 100 Jahren - vor jeder Dreharbeit steht
ein - Drehbuch! (Aufgaben und Tätigkeiten sinngemäß wiedergegeben
nach: Bundesanstalt für Arbeit, Datenbank)

Unter http://www.drehbuchautoren.de finden Sie eine sehr gut aufge-
machte Seite zum Berufsbild des Drehbuchautors. Dort werden auch häu-
fig gestellte Fragen beantwortet.

Ich habe ein Gespräch mit der Filmproduktionsfirma Wolfgang Pfeiffer
geführt, die einen neunmonatigen Schreibkurs anbietet - von der Film-
idee zum präsentierfähigen Drehbuch. Außerdem kommt ein Drehbuchautor,
Gunnar Schuberth, zu Wort.


          Interview mit Wolfgang Pfeiffer, Drehbuchlehrer

Ursula Schmid-Spreer: Wie haben Sie begonnen, Herr Pfeiffer?

Wolfgang Pfeiffer: Ich habe als Autor angefangen, war dann sieben Jah-
re im Ausland bei der UNESCO. In Afrika habe ich eine praxisbezogene
Filmschule aufgebaut. Ich wollte die Teilnehmer begleiten und ihnen
nicht nur theoretisches Rüstzeug vermitteln. Ich führte die Teilnehmer
in neunmonatigen Kursen ein in dramaturgische Theorie und Coaching.
Ich empfand und empfinde es immer noch als sehr wichtig, dass die
Teilnehmer beim Schreiben nicht alleine gelassen werden. Das hat sich
sehr gut bewährt.

Als ich dann zurück nach Deutschland kam, dachte ich mir, so etwas in
Berlin aufzuziehen. Außerdem habe ich noch einen Lehrauftrag in Mün-
chen, dort unterrichte ich Dramaturgie.


USS: Sie bieten Kurse an. Was erwartet die Teilnehmer?

WP: Wir sind keine Schule! Ca. sieben bis zwölf Leute sind an Ort und
Stelle. Man unterhält sich und versucht pragmatische Antworten zu fin-
den. Ich gebe kleine Arbeitsschritte vor, die Autoren sollen dann in
diesen einfachen kleinen Schritten praktisch schreiben können. Der
Kurs dauert neun Monate. In dieser Zeit haben wir die erste Fassung
eines Drehbuchs präsentierbar, es ist natürlich noch nicht fertig, und
wir überarbeiten die Fassung mindestens zehnmal immer wieder, erst
dann geht das Drehbuch raus an Produzenten und an Fernsehredaktionen.
Schließlich ist das eine Visitenkarte unseres Unternehmens und die
Eintrittskarte des Drehbuchautors.

Ich habe die Gabe, meine Teilnehmer gut motivieren zu können, deshalb
unterrichte ich auch alleine, ohne fremde Dozenten. Es geht um das
"Wie". Es gibt keinen direkten Fahrplan, die Geschichte entwickelt
sich, natürlich gebe ich Eckpunkte vor, aber wie man dahin kommt, der
Weg ist verschieden. Es ist nicht wie in der Schule, denn es geht
nicht um Lehrsätze.


USS: Was lernt man alles bei Ihnen?

WP: Man lernt nicht nur das Handwerk, sondern auch das Verhältnis zur
Kunst, mit der Welt umzugehen und mit sich selber. Die Persönlichkeit
wächst. Ich versuche eine Umschau aus Theorie und Coaching zu vermit-
teln.

Die Teilnehmer sind fünf feste Wochen und zwei Eintage zusammen. Dann
wird die Geschichte weiter entwickelt. Ich berate psychologisch, moti-
viere zum Selbstlernen, die Gruppe soll Druck abbauen und spielerisch
und frei mit dem Material umgehen. Wir versuchen den Teilnehmern die
Ungeduld wegzunehmen.


USS: Sagen Sie den Leuten, wenn sie nicht geeignet sind?

WP: Ja, natürlich einfühlsam, denn wir führen viele Vorgespräche.


USS: Die Kosten?

WP: 3 000 Euro.


USS: Wie sind die Berufsaussichten nach Absolvieren des Kurses?

WP: Kann man nicht allgemein sagen. Einer unser Teilnehmer hat eine
Förderung bekommen, ein anderer ist beim ZDF als Redakteur untergekom-
men, wieder ein anderer arbeitet als Dramaturg oder Lektor, das ist
individuell verschieden. Einige machen auch etwas ganz anderes.

Vor kurzem habe ich eine Drehbuchagentur gegründet mit dem Namen
"Kommplot". Über diese Agentur sollen Aufträge akquiriert werden


USS: Betreiben Sie Weiterbildung für Ihre Autoren?

WP: Ich versuche die Leute zusammenzuhalten, so dass Kontinuität ent-
steht. Einmal im Monat gibt es einen "jour fix" (8 Euro Saalmiete),
dazu lade ich hochqualifizierte Referenten ein, die Fragen beantwor-
ten, z. B. Künstlerkasse, VG Wort ...


USS: Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmer mitbringen?

WP: Keine bestimmten Voraussetzungen, denn das Handwerk erlernen sie
ja bei mir. Aber die Teilnehmer sollten ihre sieben Sinne beieinander
haben und eine Art Feuer in sich spüren. Sie sollten Engagement mit-
bringen und sich kritisch fragen, warum sie Drehbücher schreiben wol-
len.


USS: Haben Sie einen Rat für unsere LeserInnen, die ein Drehbuch
schreiben möchten?

WP: Am besten einen Kurs belegen! (schmunzelt) Es kommt nicht darauf
an, alles richtig zu machen, sondern bestimmte Fehler zu vermeiden.
Man muss mit dem Ende anfangen, damit man weiß, wo man hinkommt. Eine
Geschichte muss sich entwickeln, denn Geschichten wachsen, die erfin-
det man nicht. Die wesentlichen Kriterien für ein Drehbuch bestehen
für mich darin, chaotisch, anarchisch ungeordnet und spielerisch zu
schreiben. Jeder muss seine Form finden und sehr diszipliniert sein.

Sehen Sie auf unserer Webseite nach, die allerdings noch im Aufbau
begriffen ist: http://www.kommplot.de. Dort finden sie dann kleine An-
leitungen zum Stückeschreiben, die etwa zehn Minuten dauern sollen.
Wir schreiben Wettbewerbe aus und arbeiten mit dem Theater zusammen -
ein Anreiz? Gerne können Sie uns unter der Nummer (0 30) 74 74 68 68
kontaktieren.

USS: Ich bedanke mich für das Gespräch, Herr Pfeiffer!


          Interview mit Gunnar Schuberth, Drehbuchautor

Gunnar Schuberth ist Drehbuchautor, Dozent für Deutsch als Fremdspra-
che und Computerprogrammierer

Ursula Schmid-Spreer: Was reizt Sie am Drehbuchschreiben?

Gunnar Schuberth: Ich habe so ziemlich alle Formen ausprobiert. Ich
habe mit Lyrik begonnen, habe ein Theaterstück geschrieben und mich
mit Romanen beschäftigt. Irgendwann landete ich dann auch beim Dreh-
buch.


USS: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

GS: Mit Gedichten habe ich angefangen. Schreiben ist für mich immer
wichtiger geworden. Irgendwann war ich nicht mehr damit zufrieden,
"nur" Lyriker zu sein, ich wollte Geschichten erfinden. Ich habe dann
im Grunde in sehr vielen Formen und Genres geschrieben, einen Krimi
veröffentlicht, Satiren für Zeitungen geschrieben und schließlich auch
Drehbücher ...

USS: Haben Sie das Handwerkszeug des Drehbuchschreibens richtiggehend
gelernt?

GS: Ja, ich habe mich bei der Münchner Drehbuchwerkstatt beworben, Ar-
beitsproben eingereicht und bin für ein Stipendium angenommen worden.


USS: Wie ging es dann weiter?

GS: Die Drehbuchwerkstatt ging ein Jahr, wobei ein Betreuer das Pro-
jekt über ein ganzes Jahr begleitete. In diesem Jahr habe ich sehr
viel gelernt. Wir waren zehn Leute. Die Drehbuchwerkstatt ist sehr re-
nommiert und hat sehr gute Kontakte.

Durch dieses Jahr habe ich sehr viel Rüstzeug vermittelt bekommen, a-
ber natürlich muss man immer weiter an sich arbeiten und sich mit Kri-
tik auseinander setzen. Das ist meiner Meinung nach am wichtigsten!
Vor allem auch lernen, Kritik zu ertragen, auch ich habe schon einiges
einstecken müssen. Ich denke, das gehört einfach zum Schreiben.

Durch die Schule wurde uns auch vermittelt, was es bedeutet, wenn man
vom Drehbuchschreiben leben will. Dann muss man die Mechanismen des
Marktes ständig beobachten und auch ganz genau wissen, welche Sender
sich für welche Genres interessieren. Am leichtesten fällt der Ein-
stieg in eine schon bestehende Serie. Aber das ist natürlich nicht je-
dermanns Geschmack. Mit anderen (anspruchsvollen) Sachen ist es sehr
schwer, Kino ist natürlich noch schwerer.


USS: Wie lange braucht man, um ein "guter" Drehbuchautor zu werden?

GS: Diese Frage kann man so nicht beantworten, das ist individuell
verschieden, und ohne Talent wird man sowieso nie ein guter Autor.


USS: Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

GS: Ich versuche jeden Tag diszipliniert zu schreiben. Ich habe feste
Zeiten, schaffe mir Freiräume. Seitdem ich einen festen Brotberuf als
Deutschlehrer für Ausländer habe, ist der Druck weg, unbedingt schrei-
ben und verkaufen zu müssen. Ich bin nicht mehr so verkrampft. Schrei-
ben als Brotberuf ist sehr, sehr hart - mit einem festen Einkommen je-
den Monat fühle ich mich wohler und kann daher meine Kreativität aus-
schöpfen.


USS: Woher nehmen Sie die Ideen?

GS: Aus dem Leben! Man hört und sieht so viele Dinge, man muss sie nur
als Geschichte erkennen. Etwas wirklich Neues zu erfinden, ist auch
sehr selten. Es war alles schon einmal da - daher ist es wichtig, es
auf seine Art zu erzählen.


USS: Wie sind die Verdienstmöglichkeiten als Drehbuchautor?

GS: Man kann gut verdienen, wenn man für Serien schreibt. Aber dann
darf man keine große Kunst machen wollen. Drehbuchautoren werden immer
gesucht, aber es gibt nicht viele, die marktgerecht schreiben können.


USS: Was ist guter Stil?

GS: Das, was sich verkauft. Da kommt man nicht drum herum. Es gibt nun
mal allgemeine Merkmale. Ich muss versuchen, dass ich beides machen
kann, das, was der Produzent will, und das, was ich schreiben möchte.


USS: Nennen Sie konkrete Zahlen, was man als Drehbuchautor verdienen
kann!

90 Minuten bei den öffentlich Rechtlichen 20 000 Euro, Wiederholung
extra, bei den Privaten 50 000 Euro, Sie geben aber alle Rechte weg.
Ansonsten kann man das auch auf der Internetseite des Drehbuchverban-
des nachlesen (http://www.drehbuchautoren.de).


USS: Bieten Sie selbst Kurse zum Drehbuchschreiben an?

GS: Ja, am Bildungszentrum Nürnberg. Einmal im Semester einen Woche-
nend-Workshop, in dem die wichtigsten Aspekte zum Thema Drehbuch-
schreiben behandelt werden wie Dramaturgie, Bauplan einer Geschichte,
wie entwickle ich Ideen, Exposé ...


USS: Wie kommt man an Jobs?

GS: Man muss die Branche kennen. Wenn man fürs Fernsehen schreiben
will, sollte man natürlich auch Fernsehen schauen und sich überlegen,
wo es etwas gibt, das man selbst gern machen will. Natürlich sind auch
Kontakte sehr wichtig. Man muss die Leute (Produzenten, Regisseure,
Redakteure) finden, mit denen man auf einer Wellenlänge ist.


USS: Zum Abschluss haben Sie bestimmt noch einen Tipp für unsere Lese-
rInnen.

GS: Will man wirklich ernsthaft Drehbücher schreiben, sollte man unbe-
dingt versuchen, in einer der vielen Schulen oder Drehbuchwerkstätten
(Münchner Drehbuchwerkstatt, Kölner Schreibschule, Nürnberger Dreh-
buchwerkstatt etc.) aufgenommen zu werden. Klappt das nicht sofort,
kann man es auch mit verschiedenen Seminaren versuchen. Die Motivation
zum Schreiben sollte nicht nur das Geld sein. Wichtig ist vor allem
Kontinuität und Disziplin.


USS: Können Sie unseren LeserInnen einige Bücher empfehlen?

GS: Es gibt gewisse Standardwerke: Syd Field: "Drehbuch schreiben",
McKee: "Story", zum Thema Schreiben allgemein kann ich Stephen King:
"Über das Leben und das Schreiben" und Sol Stein: "Pflege und Aufzucht
eines Romans" empfehlen. Man findet natürlich auch viel Material zum
Drehbuchschreiben im Internet.

Einige Links:
http://www.drehbuchautoren.de (Verband Deutscher Drehbuchautoren)
http://www.drehbuchwerkstatt.de (Münchner Drehbuchwerkstatt)
http://www.drehbuchcamp.de (Seminare zum Drehbuchschreiben)


USS: Vielen Dank!

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Ursula Schmid-Spreer ist Lehrerin für Gesundheitsberufe (Zahnmedizin).
Als Ausgleich für den nicht immer ganz leichten Job schreibt sie gerne
- Briefe, Tagebuch und kleine Storys für ihre Tochter. Im Geestverlag
sind in einer Anthologie zwei Geschichten zum Thema Hoffnung von ihr
erschienen. Das Märchenbuch "Florian Floh" wurde im Thomas-Rüger-
Verlag veröffentlicht.


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MARKETINGIDEEN:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


"Wie du mir ..."
                          von Gabi Neumayer


Aus aktuellem Anlass hier eine Marketingidee von mir: Die meisten Au-
torInnen - auch wenn sie sonst nicht auf den Mund gefallen sind - ha-
ben Schwierigkeiten, wenn es darum geht, für die eigenen Werke unge-
niert Werbung zu machen. Dabei fällt es einem so leicht, die Leistun-
gen anderer in den höchsten Tönen zu loben ...

Warum sich das nicht zunutze machen? Wie wäre es, wenn man sich mit
einem oder mehreren anderen AutorInnen zusammentäte? Dann könnte jeder
für die anderen werben (Buchhandlungen ansprechen, JournalistInnen
kontaktieren, Zettel verteilen etc.), was in der Regel viel leichter
ist, als für sich selbst die Trommel zu rühren. Wichtig ist dabei,
dass man die Arbeit der anderen schätzt, sich also mit Überzeugung da-
für einsetzen kann.

Hat jemand von euch so etwas schon probiert? Wenn ja, würde ich mich
über Erfahrungsberichte zu dem Thema freuen
(mailto:redaktion at autorenforum punkt de). Wenn nein: Vielleicht kommen ja in Zu-
kunft über unseren Echo-Service solche "Werbegemeinschaften" in Kon-
takt.

Doch jetzt zu einem unkonventionellen Marketingtipp, den uns eine Le-
serin geschickt hat:


++++++++++++++++
Stephanie Müller
++++++++++++++++

Eine nette Art, für sein Buch zu werben, ist ein bedrucktes
T-Shirt/Sweatshirt.

Das kostet etwa 10 bis 20 Euro in entsprechenden Shops, und die Vorla-
ge kann man selbst gestalten (z. B. das Cover des Buches und darüber
in einer ansprechenden Schriftart den Namen des Autors/Buches, evtl.
auch den Namen der eigenen Internetseite).

Mit diesem Kleidungsstück kann man die Werbung wirklich "Huckepack"
tragen. Oder man schickt darin seine Kinder zur Schule ;-)


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SCHREIBKURS:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


                            "Kaffeeklatsch"
                           von Cassidy Rees


Schreibblockade? Keine Ideen mehr? Dann schreiben Sie doch mal eine
Geschichte übers Kaffeekochen! Aha, werden Sie jetzt sagen. Kaffeeko-
chen?! Nicht eben spannend, ziemlich langweilige Routine. Da muss ich
allerdings widersprechen. Hier handelt es sich viel eher um eines der
Abenteuer des alltäglichen Lebens. Millionen Menschen stehen jeden
Morgen auf, und ihr erster Gang führt sie zur Kaffeemaschine. Der Vor-
gang scheint nichts als alltägliche Gewohnheit zu sein, nimmt man ihn
aber unter die Lupe und nähert man sich dem Geschehen, kommt man sich
plötzlich wie ein Forscher vor, der das Leben der Ameisen studiert.
Wer hätte gedacht, dass in einem so unscheinbaren Hügel so viel Leben
stecken kann!?


          Eigenarten des Kaffeekochens

Das beginnt schon damit, dass jeder Mensch seine ihm eigene Art hat,
Kaffee zu kochen. Der eine zählt die Löffel mit dem braunen Pulver ak-
ribisch nach, der andere arbeitet Pi mal Schnauze. Der eine schwört
auf Kaffeemaschinen, andere brühen immer noch selbst auf. Für den ei-
nen darf es nur Kaffee aus Guatemala sein, der andere verlangt nach
Kaffee aus Brasilien, weil er Guatemala nicht aussprechen kann und
Angst hat, er könnte sich blamieren.

Alles schön und gut, werden Sie jetzt sagen, aber hinter dem Vorgang
des Kaffeekochens verbergen sich drei, vier Handgriffe, und dann ist
die Geschichte aus. Wasser einfüllen, Filtertüte einsetzen, Kaffeepul-
ver einfüllen, Schalter anstellen - in unserer vollautomatisierten
Welt fehlt der romantische Schein des Lagerfeuers.


          15 Minuten Ruhm für eine Filtertüte

Aber nehmen wir nur mal die Filtertüte aus dem Geschehen, und betrach-
ten wir uns diesen kurzen Moment näher. Die Filtertüte schwebt nicht
im luftleeren Raum, sie hat einen Platz in unserem Küchenschrank.
Liegt dieser genau auf der gegenüber liegenden Seite vom Standort der
Kaffeemaschine - und eigentlich haben Sie sich schon seit Jahren vor-
genommen, die Küche praktischer und zweckmäßiger einzurichten, sind
aber noch nie dazu gekommen? Oder liegt bereits alles ordentlich her-
gerichtet in metallenen Körben, die ergonomisch direkt über der Ma-
schine angebracht wurden?

Da halten wir die Filtertüte noch nicht in der Hand, und schon türmen
sich eine ganze Menge Fragen auf. Die Beantwortung all dieser Fragen
erzählt etwas über den Menschen, der im Brennpunkt der Ereignisse
steht. Sie dienen der Charakterisierung.

Gut, dann greifen wir mal zur Filtertüte. Rein damit in den Filter,
und gut ist? Halt! Nicht so schnell. Muss man dazu den Filter aus der
Maschine nehmen oder den Wasserspender zur Seite schieben? Passt die
Filtertüte, oder muss man die Seiten umknicken? Was ist eigentlich aus
den weißen Filtertüten geworden, die früher so blütenrein gegen das
dunkle Pulver aussahen? Warum sind Filtertüten unten gerade und nicht
spitz zulaufend? Oder benutzen Sie gar runde Filter? Lassen Sie Ihre
Gedanken einfach mal schweifen, philosophieren Sie über Sinn und
Zweck, Herkunft und Produktion von Filtertüten.

Sie sehen, es ist keinesfalls langweilig, eine Filtertüte in eine Kaf-
feemaschine einzulegen. Die Menschen haben lediglich den Blick für die
Komplexität des Augenblicks verloren. Und wenn man den einen Moment
überstanden hat, geht es gleich weiter zum nächsten kniffligen Augen-
blick. Wie kommen vier Löffel Kaffeepulver in einen Filter? Beobachten
Sie diesen Vorgang beim nächsten Mal doch einfach selbst.


          Kaffeekochen als inneres Abenteuer

Unser Thema ist bis jetzt nur in Ansätzen ausgeleuchtet, und es gibt
noch mehr über das Abenteuer Kaffeekochen zu berichten. Kaffee wird
schließlich nicht nur zwischen sechs und acht Uhr im Morgengrauen ge-
trunken. Wie unterscheidet sich zum Beispiel der Vorgang des Kaffeeko-
chens auf einer Hochzeit von dem auf einer Beerdigung? Wo liegt der
Unterschied zwischen einer Mutter, die ihre einzige Tochter in die Ehe
verabschiedet, und dem Witwer, der seine große Liebe in den Tod verab-
schiedet? Plötzlich wird dieser ganz alltägliche Vorgang in der Außen-
welt zu einem komplexen, inneren Abenteuer.

Auf der einen Seite haben wir hier die Mutter, die symbolisch zum
letzten Mal ihre Pflicht als Hausfrau erfüllt und nun die Tradition
des Kaffeekochens an ihre Tochter abtritt (wenn ich mal für einen Mo-
ment politisch unkorrekt sein darf). Auf der anderen Seite steht der
Witwer, der symbolisch zum ersten Mal diese Pflicht von seiner toten
Frau übernimmt.

Unzählige Gedanken und Emotionen fügen sich hier zu einer Geschichte
zusammen, die es wert ist, erzählt zu werden. Dazu gehören auch  Ges-
tik und Mimik. Die zittrige Hand des Witwers, seine wässrigen Augen,
die die Sicht verschwimmen lassen, das Brennen in seiner Kehle, das
alles sind Fragmente, aus denen sich ein Moment wie ein Puzzle zusam-
mensetzt. Die Bruchstücke sind ein wichtiger Teil der Geschichte, denn
sie verraten dem Leser etwas über den Gemütszustand des Mannes. Und
die Frau? Auch ihre Augen sind feucht. Aber warum? Trauer, Freude? Ein
Blick verrät oft mehr als tausend Worte.


          Die Philosophie einer Tasse Kaffee

Die Protagonisten einer solchen Alltagsszene können stellvertretend
für den Leser über die Philosophie des Kaffeekochens, über die Bedeu-
tung eines anscheinend so belanglosen Augenblicks nachdenken. Während
der Leser sich in der Hektik seines Alltags nur selten die Zeit für
Reflexion nimmt, kann der Autor die Welt mit anderen Augen sehen. Aus
Wasser, Filtertüte, Kaffeepulver und -maschine wird mit einem Mal eine
Weltanschauung. Das ist es, was Autoren tun, im wahrsten Sinne des
Wortes. Sie schauen sich die Welt an, betrachten sie wie ein Forscher
durch eine Lupe.

Nehmen Sie nur mal das folgende Bild: Morgenverkehr. Die Autobahn ist
zwar gut gefüllt, aber der Verkehr rollt zügig. Noch. Da wird plötz-
lich einer der Autofahrer von der Sonne geblendet. Für einen kurzen
Augenblick tritt er auf die Bremse, weil er das Gefühl hat, bei der
hohen Geschwindigkeit des Wagens plötzlich die Kontrolle zu verlieren.
Alle nachfolgenden Autofahrer treten ebenfalls auf die Bremse, die
Schlange wird immer langsamer, und auf ein paar hundert Metern kommen
die Autos zum Stehen. Wir haben einen Stau. Da nähert sich ein Lkw-
Fahrer, dem sein Mitfahrer gerade einen Becher frisch aufgebrühten
Kaffee reicht. Der Fahrer bemerkt das Stauende zu spät, und plötzlich
ist eine ganze Familie zerstört. Kleine Ursache, große Wirkung. Das
alles verbirgt sich hinter dem Thema "gefährliche Kaffeefahrt".

Tag für Tag kochen wir Kaffee, aber denken wir je darüber nach, wel-
ches Risiko sich hinter einer solchen Tasse verbergen kann? Nein, wir
denken auch nicht darüber nach, dass uns diese eine Tasse in direkte
Relation zu einer Person in Südamerika setzt, die wir nie sehen wer-
den, von deren Existenz, von deren Leben wir eigentlich nichts wissen.
Sie setzt uns in Relation zu den Seefahrern und Lkw-Fahrern, den Ver-
käufern. Wir stehen am Ende einer langen Kette. Dem Leser diese Vor-
gänge ins Bewusstsein zu rufen, diese Möglichkeit bieten die Geschich-
ten übers Kaffeekochen.


          Machen Sie doch mal einen Kaffeeklatsch!
Der Alltag ist keine langweilige, gerade Linie. Wir sind es, die unse-
ren Alltag zur Routine reduzieren, da er sonst nicht lebbar wäre. Der
Künstler ist der Entdecker der Geschichten, die hinter jedem Gegens-
tand stecken, mit dem wir in Verbindung kommen. Ob es ein Kinderbuch
ist, eine Horrorgeschichte, ein Fantasy-Epos oder ein Drama, der
Künstler nimmt etwas Altbekanntes und setzt es in einen neuen Kontext.
Er erkennt Zusammenhänge, die wir im Alltag leicht übersehen. Autoren
sammeln Augenblicke wie Juwelen, und aus diesem Schatz können sie
schöpfen.

Ich werde oft gefragt, was man gegen eine Schreibblockade tun kann.
Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Wenn ich denn eine hätte, ich würde wohl
einen ausgiebigen Kaffeeklatsch mit der Lava-Lampe auf meinem Schreib-
tisch halten, aber ob ich so weit käme? Da müsste ich immerhin zuerst
an der Kaffeemaschine vorbei, und die - das haben wir ja eben  festge-
stellt - ist eine alte Klatschtante. Vielleicht bin ich ja deswegen
Teetrinkerin. Das ist ein einfacher, routinemäßiger Vorgang. Tee ins
Sieb, heißes Wasser drüber gießen, ziehen lassen. Beinahe ein medita-
tiver Augenblick in der Komplexität dieser Welt.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Cassidy Rees ist Lektorin der Autorenschule des Weltbildverlags und
Dozentin im Bereich "Autorenausbildung", außerdem Journalistin und
Drehbuchautorin. Geschichten sind z. B. in den Anthologien "Die Spur
des Gauklers in den blauen Mond" und "Angsthasen" im Geest Verlag
(http://www.geest-verlag.de) erschienen. Online-Seminare u. a. zum
Thema "Visualisierung" bei http://www.storials.com.


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BUCHBESPRECHUNG:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


                "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten"
                     besprochen von Gabi Neumayer


Für alle, die gern "irgendwas mit Büchern" machen wollen, aber nicht
so genau wissen, was das sein könnte, ist dieses Buch gedacht. Egal ob
sie am Anfang des Berufslebens stehen und ihren Traumberuf suchen -
oder ob sie umsteigen wollen.

Manche sind sicher, dass für sie nur der Beruf des Autors in Frage
kommt. Aber das ist noch nicht sehr spezifisch; schließlich gibt es
ganz verschiedene Arten von AutorInnen, und manche Tätigkeitsfelder
liegen nicht gleich auf der Hand. So schreiben AutorInnen nicht nur
Belletristik, sondern auch Kochbücher, Ratgeber, Drehbücher, Reisefüh-
rer und vieles mehr. In diesem Buch wird die ganze Bandbreite der Au-
torentätigkeiten aufgeführt.

Doch das ist nur eine Seite der Berufe, die im Umfeld von Büchern zu
finden sind. Daneben gibt es Jobs in Verlagen (vom Verleger über die
Lektorin bis zum Pressesprecher), Berufe um AutorInnen und Verlage
herum (von der Herausgeberin über den Übersetzer bis zur Literatur-
agentin), Berufe in den Medien (von der Fernsehkritikerin bis zum
Schriftstellerfotograf), Jobs um Druck und Verkauf (von der Buchhänd-
lerin bis zum Hersteller) und andere Berufe wie Bibliothekarin, Comic-
zeichner oder Literaturfestivalveranstalter.

In diesem Buch lernt man natürlich nicht jeden dieser vielen Berufe
ganz genau kennen - wer diese Erwartung haben sollte, wird enttäuscht
werden. Es geht vielmehr darum, die Vielfalt der möglichen Tätigkeiten
aufzuzeigen und Ansatzpunkte zu geben, wie man sich dem Wunschberuf
nähern kann (über Anlaufstellen, Weiterbildungsangebote, Literatur zum
Thema, Interessenverbände etc.). Denn nur wer die ganze Palette der
Möglichkeiten kennt, kann den eigenen Traumberuf finden.

Die große Stärke dieses Ratgebers liegt - neben der schieren Menge der
vorgestellten Berufe - darin, dass die Autorin Menschen befragt hat,
die in diesen Berufen arbeiten. Interviews, Tipps aus der Praxis und
Beispiele für Werdegänge vermitteln anschaulich und praxisnah, wie ein
Berufsweg und die tägliche Arbeit in einem bestimmten Buchberuf ausse-
hen können.

Und damit man angesichts der Fülle von Berufen rund ums Buch nicht er-
schlagen wird, gibt es im dritten Teil dieses Ratgebers einen kleinen
Workshop zur Berufsfindung, den jede/r LeserIn für sich durchführen
kann - um am Ende auch wirklich den richtigen Traumberuf für sich zu
finden.


Uta Glaubitz: "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten", 2001, 183 Sei-
ten, 15,90 Euro, Campus

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Aktuelle Veröffentlichungen: das Bilderbuch "Viele Grüße, dein Löwe",
Baumhaus Verlag, illustriert von Elena Conti; der Kurzkrimi "Der Zo-
cker" in: Die Stunde des Vaters, Verlag Ulmer Manuskripte; die Ratge-
ber "Liebe Grüße und Glückwünsche kurz und knapp", Falken Verlag, und
"Briefe, E-Mails & Co.", Eichborn Verlag. Meine Homepage:
http://www.gabineumayer.de.


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ERFAHRUNGSBERICHT:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


                  "Gas geben, schreiben, durchhalten"
                          von Manuela Tengler


          Ich würde ja auch gern mal ...

Einmal sein Buch in Händen halten! Wer träumt nicht davon? Einige, a-
ber nicht zu viele wissen von meinen schriftstellerischen Ambitionen.
Es gibt recht unterschiedliche Reaktionen, die sich aber grüppchenwei-
se einteilen lassen: die einen, die sofort einen verträumten Blick be-
kommen ("Ich würde auch gern einmal ein Buch schreiben, aber ..."),
und diejenigen, die mich anlächeln und sagen: "Klar, du bist ja nur
Hausfrau und hast Zeit." So nach dem Motto: Schreib schön, und füll
ein Tagebuch!

Oder Freunde, die dir auf die Schulter klopfen und sagen: "Toll,
schreib! Wieso nicht! Andere machen Sport, du schreibst." Schreiben
ist auch Sport, und wie: Druckerpatronen x-mal wechseln, schachtelwei-
se Druckerpapier hinaufschleppen, Manuskripte verpacken und - nicht zu
unterschätzen - Ordner schleppen, für Recherchen von vielerlei Themen,
die Autoren beschäftigen. Für neue Buchprojekte, Schreibtipps, Inter-
views mit bereits erkannten Autorengenies, Ausschreibungen, Verlags-
profile und und und ...


          Autor oder Möchtegern-Schreiber?



Und diejenigen, zu denen hoffentlich Sie und ich auch mal gehören? Das
Schreiben ist für sie nicht nur Medition, Entspannung, Abwechslung,
sondern Programm, Suchtfaktor extrahoch. Sie können nicht anders. Die-
se Autoren, die gezielt Marktanalyse betreiben, Genrebücher lesen wie
andere den Wetterbericht, Kontakt zu anderen Schreibenden suchen, an
Literaturwettbewerben teilnehmen und regelmäßig an ihrem Stil, ihrem
Know-how arbeiten ... die dranbleiben und sich durch nichts vom Ziel
abbringen lassen.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele schreiben die ersten Sei-
ten, doch - uff - da wird`s doch kompliziert. Der Plot nur halb fer-
tig, die Charaktere unausgereift und eigentlich ... die Idee war gut,
aber jetzt auf die Daily Soap verzichten, den Hund nicht ausführen
(zum Glück habe ich keinen Hund, aber Kinder)? Bis die Blätter in der
Schublade vermodern, bis sie wieder jemanden treffen, der schreibt.
Dann der strahlende Blick: "Ich will ja auch, aber ..."

Dranbleiben ist die Devise. Dranbleiben, das klingt einfach, dachte
ich, doch einfach war es nie. Die Idee im Kopf klang am Papier nicht
mehr so spektakulär und neuartig - und zweihundert Seiten mit Buchsta-
ben volltippen?!

Doch aufgeben gilt nicht. Und tatsächlich: Ich las viele Interviews
von bekannten Autoren aus Deutschland und den Staaten. Die hatten ge-
nauso Zweifel an den paar lausigen Seiten, die sie binnen zahlreicher
Stunden am PC zustande brachten. Wie war dann ein Bestseller nach dem
anderen entstanden? Genau: Dranbleiben ist die Devise, und aufgeben
gilt nicht! Von Buch zu Buch, egal ob Bestseller oder nicht.


          Ein wichtiger Schritt zum ersten Vertrag

Die nächste Überlegung: Warum sollten Sie an Ihrem Buch dranbleiben?
Ist es so toll, so einzigartig? Welche Beweggründe treibt sie, weiter-
zuschreiben? Wenn Ihnen das Schreiben wichtiger ist als das Fernsehen
und die Figuren Sie Tag und Nacht beschäftigen - herzlichen Glück-
wunsch! Irgendwann findet sich Ihr Buch in der Auslage einer Buchhand-
lung und wird seine Leser finden.

Kränkt es Sie, dass Ihre Familie kein Verständnis für die tägliche
Schufterei am PC aufbringt? Herzlichen Glückwunsch! Das Schreiben ist
für Sie so wichtig, dass Sie Ihr Ziel, eines Tages einen Verlag, einen
Agenten zu finden, nicht mehr aus den Augen verlieren möchten. Spätes-
tens beim ersten Vertrag wird vielleicht auch das Verständnis und die
Unterstützung der Familie größer. "Du schreibst ja wirklich!", am al-
lerschönsten noch mit dem Nachsatz: "Und gut!"

Doch auch die bekannten Autoren sind nicht immer zu beneiden. Ich las
vor kurzem, dass Harry-Potter-Erfolgsautorin Rowling bei der Abgabe
ihres fünften Manuskriptes gewaltig hinterherhinkt. Oder Frederick
Forsyth: Er betrachtet das Schreiben als lukrativen, aber langweiligen
Job.

Das motiviert und ermutigt doch! Auch beim fünften Manuskript ist die
Muse nicht immer gleich aktiv, und ich mag das Schreiben. Hoffentlich
ist es auch mal lukrativ, doch langweilig - ganz bestimmt nicht!


          Der Härte-Test

Eine abschließende einfache Übung, die Ihnen einige Zweifel betreffend
Ihrer Zukunft als ErfolgsautorIn abnimmt:
- Meiden Sie Ihren Notizblock, den PC, Servietten u. Ä. für zwei Wo-
chen.
- Legen Sie einen Kräutergarten an, oder probieren Sie ein neues Hob-
by.
- Räumen Sie den Keller aus, verschenken Sie Altkleider.

Wenn Sie nach diesen zwei Wochen kreativer Tätigkeiten und anderer
Dinge nach dem kleinsten Stückchen Papier für Geistesblitze suchen,
verzweifelt mit einem kaputten Kugelschreiber Buchstaben in alte Baum-
rinden ritzen ... Dann fehlt Ihnen das Schreiben ganz offensichtlich.
Also nichts wie hin zum PC, zum Notizblock, egal was, schreiben - und
viel Erfolg!

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Manuela Tengler - kleine Erfolge mit Kurzgeschichten. Besuch von Semi-
naren für Kinder- und Jugendliteratur und Drehbuchschreiben. Liebt
Genreabwechselung von Fantasy bis Erotik. Derzeit begeistert bei einer
Schreibwerkstatt dabei und kämpft mit der Überarbeitung ihres ersten
Fantasyromans.


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung. Speziell unsere Expertin für Litera-
turagenturen nimmt keine neuen AutorInnen an; Anfragen dazu sind daher
zwecklos.


  Fandom: Thomas Kohlschmidt
                                        mailto:fandom at autorenforum punkt de
  Fantasy: Stefanie Bense
                                       mailto:fantasy at autorenforum punkt de
  Heftroman: Arndt Ellmer
                                     mailto:heftroman at autorenforum punkt de
  Historischer Roman: Titus Müller
                            mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de
  Kinderbuch: Gabi Neumayer
                                    mailto:kinderbuch at autorenforum punkt de
  Kriminalistik: Reiner M. Sowa
                                 mailto:kriminalistik at autorenforum punkt de
  Literaturagenturen: Petra Hermanns
                                       mailto:agentin at autorenforum punkt de
  Lyrik: Titus Müller
                                         mailto:lyrik at autorenforum punkt de
  Reiseführer: Gabriele Kalmbach
                                  mailto:reisefuehrer at autorenforum punkt de
  Sachbuch allgemein: Gabi Neumayer
                                      mailto:sachbuch at autorenforum punkt de
  Sachbuch Medizin/Psychologie: Maja Langsdorff
                                     mailto:med.psych at autorenforum punkt de
  Schreibgruppen: Ute Hacker
                                mailto:schreibgruppen at autorenforum punkt de
  Schreibhandwerk: Ute Hacker
                               mailto:schreibhandwerk at autorenforum punkt de
  Sciencefiction: Andreas Eschbach
                                      mailto:sf-autor at autorenforum punkt de
  Technische Literatur, CDs, Internet: Reinhard Mermi
                                       mailto:techlit at autorenforum punkt de
  Übersetzung: Barbara Slawig
                                 mailto:uebersetzerin at autorenforum punkt de
  Verlagswesen: Bjørn Jagnow
                                  mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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                    Stefanie Bense (mailto:fantasy at autorenforum punkt de)


Frage:
Ich bin gerade dabei, einen Fantasy-Roman zu schreiben, und mitten
beim Schreiben fällt mir ein, was mir bei der Recherche nicht aufge-
fallen ist: Wie kann ich das Alter meines Helden (19 Jahre) angeben?
Da meine Geschichte in einer mehr oder weniger undefinierbaren Zeit
spielt (obwohl ich immer im Hinterkopf habe: zur mittelalterlichen
Zeit), weiß ich nicht, ob ich schon unsere Zeitrechnung oder eine Um-
schreibung wie "19 Sommer" benutzen soll, was ich allerdings für ziem-
lich unangebracht halte.


Antwort:
1. Wieso spielt deine Geschichte in einer "undefinierbaren Zeit"? Das
KANN sie eigentlich gar nicht, zumindest du als Autor müsstest wissen,
wann die Story spielt! Findet sie im Mittelalter statt oder nicht?
Falls ja, wie haben die Leute damals Jahre oder Zeiten gezählt? Falls
sie im Mittelalter spielt, schreibst du historische Fantasy, dann
sollte deine Recherche auch umfassen, wie man damals Lebensalter zähl-
te. (Nebenbei: Mit 19 war ein junger Mann im Mittelalter bereits er-
wachsen, oft schon verheiratet, arbeitete wie ein Erwachsener und ver-
hielt sich so. Dafür wurden die Leute aber auch nicht alt. Mit 40 wa-
ren die Männer Greise.)

2. Ist es keine historische Fantasy, kannst du dir ausdenken, wie man
das Alter bezeichnet, musst es dann aber auch konsequent verwenden. Am
besten machst du das an den Besonderheiten deiner Anderswelt fest.
Möglich sind z. B. Herrschaftsangaben (geboren im dritten Jahre von
König Heriberts Regentschaft) oder Naturphänomene (geboren im zweiten
Vollmond nach der Sonnenfinsternis, geboren im Eisjahr). Gibt es in
deiner Anderswelt  keine Chronologie? Von wann bis wann spielt die
Story?

3. Wozu ist es denn wichtig, dass dein Held 19 Jahre unserer Zeitrech-
nung (!) alt ist? Nimmt es irgendeinen Einfluss auf deine Geschichte?
Wozu brauchst du diese Zahl? Und was bedeutet es, in deiner Anderswelt
dieses Alter zu haben? Sind damit bestimmte Rituale, Initiationen,
Rechte oder Pflichten verbunden? Falls ja, dann kannst du leicht er-
klären, wie alt jemand ist, indem du verschiedene Figuren durch ihre
Alterspflichten führst oder davon reden lässt.

4. Ich vermute mal, dass du einfach während des Schreibens festge-
stellt hast: Huch, ich habe ja noch gar nicht beschrieben, wie alt
mein Held ist! Die Beschreibung einer Figur erschöpft sich jedoch
nicht in einem Datenblatt oder in einer Aufzählung von Alter, Größe
und Kragenweite - und sie sollte das auch nicht sein. Wenn dein Held
ein Jugendlicher ist, noch nicht ganz erwachsen, aber auch nicht mehr
Kind, dann beschreibe es, indem du ihn etwas Entsprechendes TUN lässt.
Er könnte etwas kaufen, was er als Kind nicht darf, und Ärger oder
Diskussionen darüber auslösen. Er könnte in den Militärdienst gepresst
werden oder sich davor drücken. Er könnte von den Eltern verlobt wer-
den, mit oder gegen seinen Willen ... Da ist es völlig unerheblich, ob
er nun 16 oder 19 Jahre unserer Zeitrechnung zählt. Für den Leser wird
schnell klar, was er über den Jungen wissen muss: noch nicht erwach-
sen. (Noch ein Nebenbei: Bei uns ist man "erwachsen", wenn man ge-
schäftsfähig ist, also eigenverantwortlich kaufen und verkaufen darf,
wenn man nicht mehr dem Jugendrecht unterliegt, wenn man wählen darf.
Wie sieht das in deiner Anderswelt aus? Was zählt hier zum Erwach-
sensein?)

5. Ob "19 Sommer" angebracht sind, kannst nur du entscheiden, denn es
hängt von dem verwendeten Sprachstil ab und davon, ob du historische
Fantasy schreibst oder nicht. Im Prinzip löst "19 Sommer" das Problem
nicht, denn es hängt genauso an der Zahl wie "19 Jahre alt". Die Zahl
ist nicht wichtig (s. o.), sondern das, was sich für die Figur und ih-
re Umgebung daraus ergibt. Ebenso die körperlichen Merkmale (es sei
denn, es ist etwas Außergewöhnliches): Wenn jemand blond ist, wird das
nur wichtig, wenn er sich von den anderen dadurch abhebt, z. B. im Sü-
den unter Dunkelhaarigen und Dunkelhäutigen auffällt.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt seit 1993 Schreib-
kurse, veröffentlicht sporadisch und schreibt - was sonst - an ihrem
ersten Roman. Kontakt: mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR LITERATURAGENTUREN:
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                      Petra Hermanns (mailto:agentin at autorenforum punkt de)


Frage:
Ist es besser, bei der Literaturagentur anzurufen, bevor man sein Ma-
nuskript hinschickt, oder reicht ein Mail? Oder schadet es auch
nichts, es direkt hinzuschicken?


Antwort:
Der Vorteil einer telefonischen Anfrage ist, dass Sie direkt Auskunft
erhalten, ob Sie bei der Agentur richtig sind, dort Kapazitäten frei
sind etc. Das erspart Ihnen natürlich Wartezeiten! Der "Nachteil" :
Sie müssen auf Fragen nach dem Inhalt, Genre etc. vorbereitet sein, d.
h. sich im Zweifel auch gut verkaufen können. Wenn sich eine Agentur
dann eine Leseprobe bestellt, ist es ja eine gezieltere Bewerbung und
wird daher natürlich mit anderer Aufmerksamkeit geprüft, weil Sie dann
von einem grundsätzlichen Interesse der Agentur ausgehen können.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Petra Hermanns begann 1996 als freie Mitarbeiterin bei der Literari-
schen Agentur Brigitte Axster mit dem Handel mit Rechten und Lizenzen.
Seit 1998 betreibt sie die Literaturagentur Scripts for sale in Frank-
furt und hat sich auf deutschsprachige Projekte spezialisiert.


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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                  Bjørn Jagnow (mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de)


Fragen:
a) Wie ist das mit dem Verlagsnamen? Muss er vollständig auf dem Cover
stehen? Oder könnte ich ein Logo aus den Anfangsbuchstaben des Namens
wählen (wie bei btb, atv, o. a.) und beispielsweise "Krimi Kollektion"
o. Ä. anfügen, wenn ich den vollständigen Namen im Impressum aufführe?
Oder könnte ich bei einem Verlagsnamen wie Nähgarn Verlag Lieschen
Müller (um bei Ihrem Beispiel aus Ihrem Buch "Marketing für Autoren"
zu bleiben) beispielsweise "Nähgarn-Krimi" auf das Cover setzen? Oder
könnte ich auf dem Cover ganz auf den Verlagsnamen verzichten?

b) Muss unbedingt eine Titelschutzanzeige geschaltet werden? Reicht
es, bei der Deutschen Bibliothek in Frankfurt nachzufragen, ob der Ti-
tel noch frei ist, und ihn dann zu verwenden? Die Fertigstellung der
BoD-Bücher soll ja nur ein paar Wochen dauern.

c) Wenn ich auf der Rückseite einen Preis des Buches drucken lasse,
ohne auf eine "unverbindliche Preisempfehlung" hinzuweisen, unterliege
ich dann automatisch der  Preisbindung? Oder gilt die nur, wenn sie
angemeldet ist? Mir geht es darum, auch Kunden außerhalb des Buchhan-
dels Rabatte einräumen zu können, z. B. bei Ausstellungen oder übers
Internet bei Abnahme mehrere Exemplare.


Antworten:
zu a:
Der Verlagsname muss nur im Impressum auftauchen, und er darf überall
sonst. Dass es auf dem Cover üblich ist, ist Marketingstrategie und
keine gesetzliche Auflage. Man kann dort auch Abkürzungen, Symbole o-
der Logos verwenden. Allerdings sollte die Angabe auf dem Cover nicht
drastisch vom echten Namen abweichen (in erster Linie aus Marketing-
gründen, aber auch wegen eventueller Verwechslungsgefahr mit anderen
Verlagen => juristisch). Ohne Probleme kann dem Verlagsnamen auf dem
Cover der Name einer Reihe oder Selektion angefügt werden, z. "B. Mül-
ler Crime Collection" oder "Nähgarn-Müller-Krimi".

zu b:
Die Recherche bei der Deutschen Bibliothek reicht nicht wirklich aus,
denn der Titelschutz greift auch für Bücher ohne ISBN, die nicht bei
der Deutschen Bibliothek gelistet sind. In der Praxis ist dies jedoch
eine Annäherung, die das Risiko weitgehend minimiert, dass der Titel
schon verwendet wurde. Sicherheit gibt nur eine Titelschutz-Agentur,
die dafür ein paar hundert Euro kassiert.

Die Titelschutz-Anzeige sichert einen Namen für sechs Monate - aber
nur, wenn er nicht schon verwendet wird. Bei Verwendung ist er automa-
tisch geschützt. Daher kann man über das vergleichsweise schnelle BoD
auch ohne Titelschutz-Anzeige auskommen. Die Titelschutz-Anzeigen ü-
berbrücken die langen Vorlaufzeiten im traditionellen Verlagsgeschäft.

Gar nicht schützensfähig sind "schwache" Titel, z. B. asiatisches
Kochbuch (wenn es ein Kochbuch mit asiatischen Rezepten ist) oder App-
le (wenn es Obst ist).

zu c:
Die Preisbindung wird gerade von einer vertraglichen Regelung auf eine
gesetzliche umgestellt. Die vertragliche Preisbindung gilt nur zwi-
schen Verlagen und Buchhändlern, wenn beide ein Preisbindungsrevers
unterschrieben haben. Dies können sie individuell oder kollektiv abwi-
ckeln. Eine automatische Preisbindung gab es bisher nicht.

Das Gesetz zur Preisbindung wird dies ändern, aber leider habe ich den
Wortlaut bislang nicht vorliegen. Ich rechne aber nicht damit, dass
die Preisbindung verpflichtend wird, sondern dass der Verlag sie er-
klären muss.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Bjørn Jagnow ist gelernter Verlagskaufmann, Buchhändler und Verlags-
fachwirt. Seine belletristischen Arbeiten sind u. a. bei Heyne, Bastei
und in c’t magazin für computertechnik verlegt. Fachtexte erschienen
z. B. im Buchmarkt und in http://www.writingbusiness.de/. Tipps zur
Branche gibt er im Buch "Marketing für Autoren", Federwelt Verlag.
Mehr unter http://www.bjoernjagnow.de/.


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR SACHBÜCHER:
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                    Gabi Neumayer (mailto:sachbuch at autorenforum punkt de)

Fragen:
Meine Fragen beziehen sich auf das Verfassen von Sachbüchern allge-
mein:
1. Wie trete ich an einen Verlag heran? Am besten mit einem fertigen
Konzept?
2. Wie viel Wert wird auf bisherige journalistische Erfahrungen gelegt
(die sind leider noch eher mager bei mir)?
3. Muss ich auf dem Gebiet, auf dem ich Bücher verfassen will (bei mir
z. B. Psychologie/Management etc.) ausgewiesener Experte sein, oder
genügen Grundwissen, Interesse und schreiberische Fähigkeiten?
4. Und schließlich: Wie lässt sich’s davon finanziell leben?


Antworten:
zu 1: Ja, Sie sollten eine Gliederung haben und genaue Vorstellungen
zu Zielgruppe und Marktsituation (Welche Bücher gibt es zum selben
Thema? Was bietet Ihres, was die anderen nicht haben?). Einige Probe-
seiten sind okay, aber nicht immer notwendig (s. aber auch meine Ant-
wort zu Frage 3). Sachbücher werden über das Konzept verkauft.

zu 2: Das spielt keine so große Rolle - beim Sachbuch arbeiten die
LektorInnen viel an Sprache und Stil, denn bei den AutorInnen kommt es
viel mehr auf die Sachkenntnis an. Motto: Lieber ein sprachunfähiger
Börsenmakler als eine geübte Autorin, die sich hobbymäßig mit der Bör-
se beschäftigt :-)

zu 3: Wenn Sie keine Erfahrungen als Journalistin/Autorin vorweisen
können, sollten Sie überzeugende Probeseiten beifügen, um zu zeigen,
dass Sie so schreiben können, wie es Ihr Thema und der Verlags- bzw.
Reihenstil erfordern. Das wird jedoch nicht reichen, wenn Sie nicht
darüber hinaus deutlich machen können, dass Sie eine Beziehung zu Ih-
rem Thema haben, die über normales Interesse hinausgeht. Belegen Sie
Ihr Interesse!

zu 4: Das kommt darauf an - besser allerdings in der Regel als von
Belletristik. Nur: Der Markt steht ja momentan Kopf, unter anderem
macht ein Ratgeberverlag nach dem anderen dicht. Da ist nicht mehr so
leicht reinzukommen, zumal viele Verlage immer wieder mit ihren Haus-
autoren zusammenarbeiten. Und Sie müssten schon mindestens fünf Sach-
bücher im Jahr schreiben, um vom Garantiehonorar leben zu können ...
Es sei denn natürlich, Sie können ein so erfolgreiches Buch platzie-
ren, dass Sie über den Vorschuss hinaus Zahlungen über viele Jahre be-
kommen. Doch das ist eher die Ausnahme.

Noch ein Tipp: Sehen Sie sich demnächst auf unserer Website doch mal
die "Expertenantworten" an. In den ersten Tempestausgaben habe ich ei-
nige Grundlagen zum Anbieten eines Sachbuch-Projekts behandelt.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Aktuelle Sachbuch-Veröffentlichungen von Gabi Neumayer: die Ratgeber
"Liebe Grüße und Glückwünsche kurz und knapp", Falken Verlag, und
"Briefe, E-Mails & Co.", Eichborn Verlag. Im Frühjahr erscheint bei
Eichborn ein weiterer Ratgeber, Thema: Business Englisch. Ihre Homepa-
ge: http://www.gabineumayer.de.


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten und Semi-
nare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrennter Mail
kommt!
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de erwünscht.
Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt werden. Das Urheber-
recht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
mailto:beitrag at autorenforum punkt de.

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.

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                        I M P R E S S U M
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Herausgeber:
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   Gabi Neumayer                      mailto:redaktion at autorenforum punkt de
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