Ausgabe 13-11 (20. November 2011)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipps
Autorenwissen
   "Kreativitätstechniken für autobiographisch Schreibende"
   von Susanne Krueger
   "Was mache ich, wenn ...?
   Fragen und Antworten zu Schreibproblemen, Teil 1"
   von Stefanie Bense
Spannung, der Unterleib der Literatur
   "Weltentor"
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Buchbesprechung
   "Vom Kämpfen und vom Schreiben"
   besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer
Interview mit Sven Klöpping
Frag die Expertin für Lyrik
   (Martina Weber)

EDITORIAL:  
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Liebe Autorinnen und Autoren, 

was mache ich, wenn mir ständig neue Ideen kommen? Muss ich einen Plot  
planen? Was bringen Schreibratgeber? Diese und andere Fragen bekommt  
unsere Fantasy-Expertin Stefanie Bense immer wieder gestellt. Längst  
hat sie sich zu einer gefragten Ratgeberin in allen möglichen  
Schreibfragen etabliert, die immer anschauliche Beispiele und  
motivierende Ideen bereithält - für SchreibanfängerInnen, aber auch  
für diejenigen von uns, die schon länger schreiben. Wir freuen uns  
sehr, dass wir heute mit einem vierteiligen Artikel beginnen können,  
in dem Stefanie uns ihre wichtigsten Tipps und Tricks rund ums  
Schreiben verrät. 

Ebenfalls aus dem Tempest nicht wegzudenken ist Hans Peter Roentgen,  
der diesmal wieder eins seiner hervorragenden Lektorate beisteuert.  
Und Ursula Schmid-Spreer, die sich für uns unermüdlich um  
Publikationen, Literaturzeitschriften und Verlagsportraits kümmert,  
hat für diese Ausgabe den Lyrikherausgeber Sven Klöpping interviewt. 

Außerdem stellen Ramona und Thomas Roth-Berghofer ein lohnenswertes  
Schreibbuch vor, Lyrik-Expertin Martina Weber beantwortet eine  
Leserfrage, und Susanne Krueger stellt Kreativitätstechniken vor, die  
ihr gleich ausprobieren könnt. Kicks, Tipps und Lesetipps und viele  
neue Ausschreibungen gibt es natürlich auch wieder. 

Der Tipp des Monats November, diesmal von  
http://www.writingforward.com/blog (schickt mir eure Tipps!): 

    Dissect stories you love from books, film,  
    and television to find out what works  
    in storytelling and what doesn‚t. 

Wir brauchen wie immer eure Mithilfe - nicht nur finanziell (aber  
auch!), sondern auch inhaltlich. Vor allem kurze Tipps für Editorial  
suchen wir immer - und davon müsste jede/r von euch doch mindestens  
einen auf Lager haben, für den Fall, dass ein angehender Autor mal um  
Rat fragt, oder? Also: Her damit! Dann wünschen wir euch auch eine  
schöne Vorweihnachtszeit ... 

  Gabi Neumayer 
  Chefredakteurin 

~~~~~~~~~~~ 
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen  
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen  
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,  
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto  
von autorenforum.de: 

Sparda Bank Südwest eG 
BLZ 550 905 00 
Kto. 100 724 515 
Stichwort: "Beitrag 2011" 

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die  
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns  
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des  
Tempest). 

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte  
genau so zusammenschreiben!) 
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 
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~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
ISSN 1439-4669   Copyright 2011 autorenforum.de. Copyright- und 
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe 
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 INHALT DIESER AUSGABE: 


TEIL 1: 

    Editorial 
    Hall of Fame 
    Schreib-Kick 
    Lesetipps 
    Autorenwissen 
       "Kreativitätstechniken für autobiographisch Schreibende" 
       von Susanne Krueger 
       "Was mache ich, wenn ...? 
       Fragen und Antworten zu Schreibproblemen, Teil 1" 
       von Stefanie Bense 
    Spannung, der Unterleib der Literatur 
       "Weltentor" 
       Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen 
    Buchbesprechung 
       "Vom Kämpfen und vom Schreiben" 
       besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer 
    Interview mit Sven Klöpping 
    Frag die Expertin für Lyrik 
       (Martina Weber) 
    Impressum 


TEIL 2: 

    Veranstaltungen 
    Ausschreibungen 
    Publikationsmöglichkeiten 
         mit Honorar 
         ohne Honorar 
    Seminare 
    Messekalender 
    Impressum 


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HALL OF FAME: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.  
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -  
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen  
können. 

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)  
nach diesem Schema: 

....... 
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende  
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich  
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen  
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage- 
Adresse. 
....... 
Ein Beispiel (!): 

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,  
Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive  
Homepage! 
....... 

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im  
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie  
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.  

ACHTUNG! 
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr  
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in  
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt  
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen  
muss, Lektorat bezahlt o. Ä. 

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an  
redaktion at team pt autorenforum pt de.  

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen  
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.  
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall  
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt! 
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Ursula Schmid-Spreer, Anne Hassel: "Das Nürnberger Weihnachtsbuch",  
Wellhöfer Verlag 2011. www.welhoefer-verlag.de 

Ursula Schmid-Spreer: "Schmetterlinge streicheln zärtlich", Kohlektiv- 
Verlag, erotische Geschichten. www.Kohlektiv-Verlag.de 

Diana Dörr: "Der Steg nach Tatarka", Paracelsus Buchhandlung & Verlag  
2011, spiritueller Roman. 320 Seiten. www.derstegnachtatarka.de 

Karl Plepelits: "Denn die Zeit ist nahe. Frauen im Urchristentum",  
AAVAA Verlag 2011, Historischer Roman. Liebespaar gerät durch  
Befolgung der Lehren Jesu in Unglück 

Cornelia Lotter: "Das letzte Frühstück", fhl-Verlag, Leipzig 2011,  
Erzählungen über die Liebe. http://www.autorin-cornelia-lotter.de 

Chris M. Wagner: "Social Network. Die Bibliothek des Schicksals",  
ACABUS Verlag 2011, Mysterythriller. http://chrismwagner.de 

Chris M. Wagner: "Social Network. Die Bibliothek des Schicksals",  
ACABUS Verlag 2011, Mysterythriller. http://chrismwagner.de 

Frank Schmeißer: "Schurken überall", Ravensburger Buchverlag 2011,  
Kinderbuch. Lustiger, illustr. Roman für alle ab 10 die Unfug mögen 

Bettine Reichelt: "Gottes Klang in der Welt. Ein spirituelles  
Lesebuch", Evangelische Verlagsanstalt 2011, Meditation/Lebenshilfe.  
http://www.bettine-reichelt.de 

Bettine Reichelt: "Im Labyrinth des Lebens. Mitten im Alltag Wege zur  
Gelassenheit. Meditationen und Gebete", St. Benno Verlag 2011,  
spirituelle Texte/Anthologie. http://www.bettine-reichelt.de 


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SCHREIB-KICK: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


Unser Schreib-Kick für den November, diesmal von Jenni Schreiner: 

Neues Leben 
........... 
"Mein bisheriges Leben war durchschnittlich, ich war eine  
durchschnittliche Person. Durchschnittliches Aussehen,  
durchschnittliche Fähigkeiten. Dann eines Tages ..." 

Übung:  
- Dieser Anfang ist fortzusetzen. Beschreibe den Wendepunkt deines  
erfundenen Lebens. 
- Wie sieht dein neues Leben aus? (Wohnung, Familie, Beruf etc.). 


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LESETIPPS: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,792364,00.html: Amazon  
Publishing umfasst inzwischen fünf Einzelverlage, und auch vor dem  
deutschen Buchmarkt macht Amazon nicht halt.  


http://www.facebook.com/MarkusStromiedel: Auf seiner Facebook-Seite  
lässt Tatort-Drehbuchautor Markus Stromiedel die Leser über mehrere  
Wochen an der Arbeit an seinem nächsten ZDF-Samstagabend-Krimi  
teilhaben. Es geht dabei vor allem um Schreibtechniken, Tipps und  
Tricks. 


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AUTORENWISSEN: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


      "Kreativitätstechniken für autobiographisch Schreibende" 
                         von Susanne Krueger 


Autobiographische Texte, Tagebücher, Memoiren und Lebenserinnerungen  
haben die Leser seit jeher fasziniert. "Leben, um davon zu erzählen",  
so lautet der bezeichnende Titel der berühmten Erinnerungen von  
Gabriel Garcia Marquez. Doch nicht nur Bestsellerautoren und  
Nobelpreisträger, sondern auch ganz "normale" Menschen haben das  
Bedürfnis, aus ihrem Leben zu erzählen und diese Erinnerungen  
aufzuschreiben - für sich selbst, für die Nachkommen oder sogar für  
eine breite Öffentlichkeit. Eine Autobiographie (von griechisch: autós  
= selbst, bíos = Leben, gráphein = beschreiben) ist die Erzählung der  
eigenen Lebensgeschichte oder von Teilen derselben aus der  
Retrospektive. Im Gegensatz zu anderen literarischen Gattungen sind  
hier Autor und Erzähler bzw. Erzähler und Protagonist identisch. Das  
Schreiben über das eigene Leben basiert auf Erinnerungen an wahre  
Begebenheiten.  


         Schwierigkeiten des autobiographischen Schreibens 

Autobiographisch Schreibende erfinden keine Plots und schreiben keine  
abstrakten Texte. Das macht den Schreibprozess aber nicht unbedingt  
leichter. Die Schwierigkeit des autobiographisch Schreibenden besteht  
darin, emotional Erlebtes so aufzuschreiben, dass ein lesbarer,  
flüssiger und fesselnder Text entsteht. Gerade unerfahrene Schreibende  
kämpfen dabei mit dem Problem, aus der erlebten Vergangenheit das  
auszuwählen, was erzählenswert ist. Eine große Herausforderung liegt  
dann darin, diesem zunächst ungeordneten Erinnern eine Struktur  und  
Form zu geben. Autobiographisch Schreibende möchten oftmals "alles"  
erzählen. Dadurch besteht eine große Gefahr, den roten Faden zu  
verlieren und sich in unwichtige Details zu verstricken.  


         Kreativitätstechniken als Hilfe  

Kreativitätstechniken wie Brainstorming, Mind-Mapping, Clustering,  
Journal-Writing oder Freewriting bieten sich gerade für  
autobiographisch Schreibende als kreative Hilfsmittel an, aber auch  
alle anderen AutorInnen können davon profitieren. Durch diese  
Techniken gelingt es leichter, einen Zugang zur Vergangenheit zu  
finden, den Schreibfluss anzuregen und den Schreibprozess zu  
entzerren. Indem der Verfasser Hilfs- und Zwischentexte verfasst und  
sich schreibend Teilbereichen seiner Vergangenheit nähert, kann er  
Hemmschwellen überwinden und die eigene Schreibfähigkeit schrittweise  
weiterentwickeln. Autobiographisch Schreibende sollten verschiedene  
Kreativitätstechniken ausprobieren, um die für sie optimalen  
Erinnerungs- und Schreibhilfe(n) zu finden.  


Beispiel 1: "Brainstorming" 
........................... 
Brainstorming, ursprünglich für die Ideenfindung in Gruppen  
entwickelt, eignet sich sehr gut als Einstieg in die autobiographische  
Arbeit. Bei der von Alex Osborn entwickelten Methode geht es darum,  
viele, auch ungewöhnliche Ideen zu finden.  

Die Kernidee des Brainstormings besteht darin, alle spontan  
auftauchenden Gedanken zu nennen bzw. zu notieren, ohne sie zu  
zensieren oder zu bewerten. Jede Idee ist willkommen, und Quantität  
geht vor Qualität. Eine Auswertung und Eingrenzung der gefundenen  
Ideen findet erst später statt. Zu Beginn des Brainstormings wird eine  
konkrete Fragestellung aufgeschrieben (zum Beispiel: Welche Begriffe  
fallen mir spontan ein, wenn ich an mein Leben denke?), dann wird eine  
Zeit festgelegt (Wecker stellen!). Als optimaler Zeitrahmen hat sich  
eine Spanne von 10 Minuten erwiesen. Wenn sich nach wenigen Minuten  
keine Ideen mehr einstellen, keinesfalls mit dem Brainstorming  
aufhören, sondern auf dem Papier malen oder kritzeln, bis neue Ideen  
kommen!  

Für das Brainstorming sollte der ganze Raum eines möglichst großen  
Blattes Papier genutzt werden. Die spontan gefundenen Begriffe /  
möglichen Themenbereiche einer Autobiographie werden dabei nicht  
linear, sondern kreuz und quer auf dem Papier notiert. Auch kleine  
Zeichnungen und Karikaturen sind willkommen. Mögliche Ergebnisse eines  
Brainstormings zur Fragestellung "Lebensthemen" wären: Familie,  
Freunde, Berufsleben, Schicksalsschläge, Feste, Lehrer,  Bücher,  
Musik, magische Orte, Lieblingsessen, Sport, Autos, Haustiere etc. 


Beispiel 2: "Mind-Mapping" 
.......................... 
Die durch das Brainstorming gefundenen Begriffe können genutzt werden,  
um eine Mind-Map und damit eine erste Strukturierung zur eigenen  
Biographie anzufertigen. Das von dem Psychologen Tony Buzan geprägte  
Mind-Mapping (Mind-Map: wörtlich Gedankenlandkarte /  
Gedächtnislandkarte) gehört zu den kognitiven Kreativitätstechniken,  
die darauf abzielen, die rechte und die linke Gehirnhälfte im  
Denkprozess gleichberechtigt einzusetzen und so kreatives Potential  
freizusetzen.  

Dafür wird auf einem großen, unlinierten Blatt Papier im Querformat in  
der Mitte die Hauptidee / das Hauptthema aufgeschrieben (in unserem  
Fall: Mein Leben) und eventuell mit einem Bild versehen. Davon  
ausgehend, werden in Großbuchstaben die Hauptzweige der Mind-Map (zum  
Beispiel Kindheit, Familie, Beruf, Freizeit)  mit dicken gebogenen und  
dünn auslaufenden Linien verbunden. Jede Linie wird beschriftet, wobei  
die Linienlänge der Wortlänge entsprechen soll. Daran schließen sich  
in dünner werdenden Zweigen die zweite und dritte sowie weitere  
Gedankenebenen an (zum Beispiel Schulzeit, Ehe, Ausbildung, Reisen)  
an.  

Verschiedene Farben für Äste oder Themen und Illustrationen stellen  
Zusammenhänge und Querverbindungen dar. Gleiche Farben können für  
gleiche Ebenen (Äste der ersten oder zweiten Stufe) eingesetzt werden.  
Durch die kreisförmige Anordnung und das Querformat kann der Inhalt  
leicht überblickt und schneller erfasst werden als bei den üblichen  
linearen Gliederungen. Die  Mind-Map ist dann beendet, wenn dem Autor  
keine weiteren Assoziationen mehr einfallen. Sie kann jederzeit  
erweitert und ergänzt werden. Die Mind-Map kann auch als Baum  
gestaltet werden mit Haupt- und Nebenästen. Alternativ bietet sich das  
Anfertigen einer Collage mit Fotos / Zeichnungen an. 


Beispiel 3: "Freewriting" 
......................... 
Um in den Schreibfluss zu gelangen, eignet sich besonders gut ein  
Freewriting, das  zu einem Zweig der Mind-Map (Grundschulschulzeit,  
Elternhaus, Abenteuerreise, Heimatort etc.) angefertigt wird. 

Freewriting ist eine kreative Schreibtechnik, die erstmals 1964 der  
Amerikaner Ken Macrorie als Mittel gegen Schreibängste und -blockaden  
eingesetzt hat. Bei dieser assoziativen Schreibtechnik geht es darum,  
während eines vorher eingegrenzten Zeitraums (ideal sind 5 bis 15  
Minuten) unaufhörlich, also ohne Unterbrechung, zu schreiben, ohne  
sich dabei selbst zu kontrollieren oder zu korrigieren. Satzzeichen,  
Grammatik und Wortwahl sind beim Freewriting irrelevant. Wichtig ist  
es, den "inneren Zensor" auszuschalten, in den "Flow" zu kommen und  
einen Zugang zum Unbewussten, zu Gedanken, Ideen und Einstellungen zu  
erhalten.   

Freewriting möchte noch kein optimales Textergebnis präsentieren und  
ist daher als Hilfsmittel auf dem Weg zu einem Text zu verstehen, als  
"Selbstgespräch" über einen zu verfassenden Text. Aus dem Freewriting  
lässt sich in einem nächsten Schritt ein erster "richtiger"  Text zu  
dem gewählten Thema entwickeln. Als Einstieg in die Textarbeit ist  
eine Begrenzung auf  4.000 bis 5.000 Zeichen optimal. Dieser Text kann  
später überarbeitet, ergänzt und weiterentwickelt werden. Idealerweise  
holt sich der Schreibende ein Feedback von einer oder mehreren anderen  
Personen ein und nutzt die Kommentare für die Überarbeitung. 


         Linktipps 

Zum Schluss einige Websites, auf denen Beispiele und Anleitungen für  
die vorgestellten Techniken zu finden sind: 

- http://www.berlinerzimmer.de/heins/heins_cluster.htm: 
eine sehr gute Einführung in das Clustern mit schrittweiser Anleitung  
und Beispielen 

- http://www.mind-mapping-schule.de/Einfuehrung/index.html: 
ein kostenloser Mindmapping-Onlinekurs, der alle Fragen zum  
Mindmapping beantwortet 

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Dr. Susanne Krueger ist Autorin und ausgebildete Schreibberaterin. Sie  
gibt Online- und Präsenzkurse zum autobiographischen, kreativen und  
wissenschaftlichen Schreiben. Kontakt: http://www.schreibberatung- 
susanne-krueger.de 


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AUTORENWISSEN: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                      "Was mache ich, wenn ...? 
              Fragen und Antworten zu Schreibproblemen, Teil 1" 
                         von Stefanie Bense 

Du hast Schwierigkeiten, in die Geschichte, den Roman, das  
Schreibprojekt einzusteigen? Dir schweift die Handlung ab, oder sie  
dümpelt vor sich hin? In dieser vierteiligen Serie findest du Tipps  
als Antworten auf 4 x 7 grundlegende Schreibprobleme - von der  
Ideenentwicklung und -organisation über die Figurenentwicklung und die  
Plotplanung bis zur Schreibmotivation. Im ersten Teil beschäftigen wir  
uns damit, wie man Ideen entwickeln und organisieren kann. 


         Was mache ich, wenn mir ständig neue Ideen kommen? 

Ständig gibt es Ach-hier-könnte-ich-noch und Da-wäre-noch-dies und  
Ginge-es-nicht-auch-so ... Das ist gut so für die Sammelphase bei  
einer Geschichte. Klar, du kannst alles aufschreiben und hinterher  
sortieren, nach dem Motto: Das, was am besten passt, behalten. Bis die  
Geschichte ihre eigene Dynamik erhält und durch deine Auswahl  
festgelegt wird. Dann passt nicht mehr viel. Oft musst du dich dann  
von liebgewonnenen Szenen, Figuren oder Ideen trennen. Und das tut  
weh. 

Aber: Wichtig ist die Geschichte! Was passt dazu? Was bringt sie voran  
und die Figuren in Bedrängnis? Was passt zu den Figuren? Und: Wann  
kannst du die Story abschließen? Denn genauso wichtig wie die Struktur  
(und was dazu passt) ist es, einen Anfang und ein Ende zu finden.  
Sowohl strukturtechnisch als auch vom Schreibprozess her. 

Dennoch: Nicht einfach bei einer Idee abwinken und sie vergessen!  
Schreib alles auf; wenn es für die aktuelle Story nicht passt, dann  
vielleicht für die nächste. Sammle alles in einer Ideenkiste,  
gleichgültig ob als reale Zettelkiste oder als Textdatei. Manche  
führen auch ein Schreibjournal. 


         Wozu dient ein Schreibjournal? 

Es kann mehrere Funktionen erfüllen: 

- Es dient als Sammelstelle für Ideen, Zeitungsausschnitte,  
Dialogfetzen und Beschreibungsschnipsel, Notizen zu Gesehenem,  
Gehörtem und Miterlebtem, Zeichnungen, Karten ∑ - meist chronologisch  
nach Datum geordnet. 

- Es dokumentiert deinen Lernprozess als Autor/in. Hier kannst du  
positive und negative Beispiele sammeln, Zitate kommentieren,  
Erkenntnisse notieren, gelesene Bücher auswerten, Artikel zu  
bestimmten Fragen (Figuren, Dialog, Plot, Beschreibung usw.) auswerten  
und ablegen, Fortbildungsangebote notieren, Aha-Erlebnisse festhalten  
∑ 

- Es hält den Werdegang deiner Geschichte, deines Romans fest. Für  
jedes größere Projekt wird ein neues Schreibjournal begonnen. (Bei mir  
sind das Aktenordner, weil so viel unterschiedliches Material  
zusammenkommt.) Hier hältst du deinen Schreibplan fest, was wann  
bearbeitet werden soll. Hier kannst du Figurenbeschreibungen, -bilder  
und Charakterbögen ablegen, Plotpläne und Strukturnotizen,  
Hintergrundinformationen und Zeichnungen wie Lagepläne oder Karten,  
Informantenadressen und Experten-Websites ∑ 

P .S.: Ein Schreibjournal muss nicht wie ein gebundenes Buch aussehen.  
Mir macht so eine Buchform Spaß, weil ich gern per Hand schreibe und  
etwas Buchartiges in den Fingern halte. Aber ein Schreibjournal kann  
genausogut ein Aktenordner mit losen Blättern sein (lässt sich besser  
sortieren) oder eine Computerdatei. 


         Was mache ich, wenn mir keine Ideen kommen? 

Jeder, der gern liest und schreibt, hat Ideen. Kann bloß sein, dass  
sie gerade nicht zu dem aktuellen Projekt passen. Oder du bleibst  
einfach mal stecken, nachdem die erste Idee gezündet hat. Oder du hast  
dich in eine Sackgasse manövriert. (Aufschieberitis und  
Schreibblockade sind was anderes!, s. Tempest 12-5: "Die hohe Kunst  
der Arbeitsverweigerung: Das Schreiben verzögern" von Pia Helfferich;  
Tempest 10-1: "Schreibblockaden - und wie man sie überwindet" von  
Martina Zimmermann; Tempest 3-6: "Die Wahl der Waffen - eine  
Schreibblockade als Chance" von Stefanie Bense.) 

Hier elf Tipps, um weiterzukommen: 

1. Schreib dich frei, indem du Übungen assoziativ und automatisch oder  
zu Figuren schreibst (Szenen, die nicht in der Story vorkommen). Es  
lockert auf. Übungen findest du zuhauf im Tempest, im Internet, in  
Schreibratgebern. 

2. Zeichne zwischendurch eine Karte, einen Stadtplan, einen Lageplan  
der Burg, eine Figur oder eine Landschaft aus der Story. Muss ja kein  
Kunstwerk werden, es soll nur deine Gedanken beflügeln. 

3. Wechsle die Schreibart. Steige um von Tastatur auf Stift oder  
umgekehrt. Oder verwende mal einen Füller mit besonderer Tinte, ein  
anderes Papier, kritzle am Rand einer Zeitung, in einem Kalender, auf  
einer Plastiktüte. Versuch mit links zu schreiben, wenn du  
Rechtshänder bist, oder mit rechts als Linkshänder. Oder nutze mal ein  
Diktiergerät, statt zu schreiben. 

4. Wechsle den Schreibort: vom Schreibtisch in den Garten, wenn‚s  
nicht zu kalt oder nass ist, von zu Hause ins Café oder Museum, in den  
Zug, die Straßenbahn oder auf die Fähre, in die Bibliothek, an den  
Flughafen ... 

5. Lass den Text drei Tage liegen und analysiere dann, wo es hakt und  
welche Alternativen du hast. Lies den Text laut. Wo du hängen bleibst,  
schreib ein Kürzel an den Text. Dann erzähl mündlich weiter in ein  
Diktiergerät. 

6. Stell dir Fragen: was wäre, wenn ∑? Was würde die Figur jetzt auf  
keinen Fall tun; wovor hat sie am meisten Angst? Lass die Alternativen  
immer abstruser werden, spiele einfach mal herum. Schreib alles  
stichwortartig auf. 

7. Kombiniere mit anderen Ideen, die aus deinem Schreibjournal oder  
der Ideenkiste stammen. Blättere und lies quer, bis du eine findest,  
die passt oder die so konträr ist, dass der Gegensatz Spaß macht.  
Schreib dazu. 

8. Such dir eine Kurzmeldung aus der Zeitung (je kürzer, desto mehr  
kann man dazu erfinden), egal, ob sie passt oder nicht, und versuche  
sie in die Story einzubauen. Versuch es ernsthaft! Du kannst es ja  
hinterher wieder streichen. 

9. Lies! Entweder in einem Roman, der gar nichts mit deiner Story zu  
tun hat, oder in einem deiner "Helfer-Romane" (s. u.), möglichst zu  
einem ähnlichen Problem. Lies nur so lange, bis dir eine Idee kommt. 

10. Hol dir Hilfe: Erkläre jemandem, der nur zuhören und nichts sagen  
darf, wie weit die Story gelangt ist und wo sie hakt. Wenn dich das  
nicht auf Ideen bringt, darf der Zuhörer Fragen stellen, aber keine  
Suggestivfragen ("Meinst du nicht auch, dass ∑"), sondern offene  
Fragen ("Wie könnte der Magier jetzt ∑"). Keine Vorschläge, kein Das- 
würde-ich-jetzt-so-schreiben! Nur Fragen! 

11. Wenn gar nichts mehr geht: Fülle zwei ganze (!) DIN-A4-Seiten per  
Hand, eng beschrieben (!), mit Entschuldigungen und Jammerei, warum du  
nicht weiterkommst. (Spätestens nach der ersten Seite wirdŒs  
langweilig und dir kommen neue Ideen, wetten?) 


         Was bringt es mir, Schreibratgeber und Romane zu lesen? 

Romane sind meist eine hervorragende Beispielsammlung und  
Lernmaterial, wie man‚s macht oder besser nicht macht. Lies nicht nur,  
um die Geschichte zu genießen, sondern lies denselben Roman zwei-,  
drei-, viermal, um das Handwerk dahinter zu entdecken. Warum ist eine  
Szene spannend, die andere nicht? Wie baut der Autor die Geschichte  
auf? Wo fängt die Autorin an? Wie steigert sich der Konflikt? Warum  
endet die Story dort, wo sie im Roman endet?  

Gut wäre, wenn du ein Journal führst, in dem du deine Erkenntnisse  
festhältst; am besten mit Zitaten oder Hinweisen auf Romantitel und  
Seitenzahl. Nimm sowohl positive als auch negative Beispiele auf.  
Natürlich kannst du die Romane mit Randbemerkungen oder  
Einlageblättern versehen, sofern die Bücher dir gehören. Oder mit  
Post-its, Klebezetteln, Haftnotizen pflastern. 

Schreibratgeber sind manchmal hilfreich, eine gute Abkürzung oder  
machen Mut. Manchmal aber verwirren sie nur oder stopfen einen  
Schreibwilligen mit Theorie zu. Sie können sich auch gegenseitig  
widersprechen. Nutze sie, um dir einen eigenen Werkzeugkasten  
zusammenzustellen: mit Schreibübungen, die dir Ideen bringen, mit  
Beispielen, wie man einen Plot strukturiert, wie man Dialoge  
entwickelt oder Beschreibungen lebendig macht - z. B. Rebecca  
McClanahan, Schreiben wie gemalt, 2002, Zweitausendeins (gut für  
Beschreibungen), oder Ansen Dibell, Plot, 1999, Writer‚s Digest (gut  
für Struktur, Plotaufbau). Aber  bedenke auch, dass Schreibratgeber  
keine Allheilmittel sind. Wähle das aus, was gerade hilft! 

Mein Tipp: Such dir ein, zwei Romane aus, die eine Struktur und eine  
Atmosphäre liefern, wie sie in deiner Story herrschen sollen, und  
benutze sie als Leitfaden. Nicht als Kopiervorlage! Sondern als  
Anregung, wie man es machen könnte. "Verzettele" die interessanten  
Stellen für Plot, Akteinteilung, Spannungsbogen, Figurenführung,  
Dialog, Beschreibung, so dass du schnell nachschlagen kannst. Wie  
schafft der Autor diese unheimliche Atmosphäre? Wodurch finde ich das  
hier gruselig und dies lustig? Wo und wie verteilt der Autor Komisches  
in einem Abenteuer? Und was löst das aus? Wie kannst du etwas  
Ähnliches in deine Geschichte einbauen? 

Außerdem nimm dir ein, zwei Schreibratgeber, die dich dort  
unterstützen, wo du deiner Meinung nach Schwächen im Handwerk hast, z.  
B. Jack M. Bickham, Scene & Structure, 1999, Writer's Digest (gutes  
Buch zu Ursache/Wirkung, Reiz/Reaktion), oder Sol Stein, Über das  
Schreiben, 2001, Zweitausendeins (guter "Rundumschlag", gut für  
Spannungsaufbau und "Show-don't tell"). Du darfst auch gern noch ein,  
zwei Sachbücher dazunehmen, z. B. über das Leben im Mittelalter, über  
Magieformen oder Adelsstrukturen. Was immer dir beim aktuellen Projekt  
weiterhilft.  

Aber beschränke dich! Behalte deine maximal 3 bis 6 Helfer-Bücher am  
Platz, wenn du schreibst. Falls du hängenbleibst, lies nach. 


         Darf ich jahrelang an einem Roman arbeiten? 

Kommt drauf an, wie komplex, verschlungen oder episch die Geschichte  
ist. Oder wie groß der Weltenentwurf. Dennoch: Verzettele dich nicht!  
Man lernt auch an neuen Geschichten! Manchmal kann es erlösend sein,  
den dicken Stolperstein zur Seite zu legen und etwas anderes,  
Kleineres in Angriff zu nehmen. Deswegen musst du das große Projekt  
nicht aufgeben, nur aussetzen, bis du einen Weg gefunden hast, es mit  
neuem Handwerkszeug zu Ende zu bringen. Manchmal können die kleinen  
"Zwischendurch-Projekte" dich lehren, wie du beim großen weiterkommst. 

Lerne, deine Geschichte zu Ende zu schreiben. Lerne, loszulassen. Es  
ist ein gutes Gefühl, das Wort ENDE unter eine Geschichte zu setzen.  
Sollten dir die Figuren zu sehr ans Herz gewachsen sein, schreibe eine  
neue Geschichte mit ihnen, anstatt die alte endlos auszuweiten. 


         Muss ich den Plot (die Handlung) / den Roman planen? 

Es gibt unterschiedliche Typen von Autoren/innen. Jede Arbeitsweise  
hat Vor- und Nachteile: 

1. Manche planen und halten sich strikt an den Plan. Die arbeiten sehr  
fokussiert und werden wenig an der Struktur ändern müssen.  
Andererseits sind sie nicht sehr offen für neue Entwicklungen und  
Ideen. 

2. Andere schreiben lieber drauflos und schauen, wohin sie damit  
kommen. Das macht Spaß und bietet geradezu eine Spielwiese für neue  
Ideen, bedeutet aber, dass hinterher viel zu überarbeiten und  
umzustrukturieren ist. Vieles muss aussortiert oder völlig  
umgeschrieben werden. 

3. Wieder andere planen grob und lassen viel Platz für Entdeckungen  
und neue Ideen. Da gibt es dann einen Spannungsbogen, Wendepunkte und  
den Höhepunkt, sicherlich noch Figurenkonzepte und eine grobe  
Plotplanung, aber man ist noch offen für neue Figuren, überraschende  
Wendungen und was sich beim Schreiben ergibt. 

Und natürlich gibt es jede Menge Schattierungen dieser  
Arbeitshaltungen ... 

Stell dir deine Werkzeugkiste zu jedem Projekt so zusammen, wie es am  
besten für dich funktioniert. Planst du gern, dann plane. Schreibst du  
lieber, dann nimm die heftige Überarbeitung in Kauf. 


         Brauche ich ein (teures) Computerprogramm dazu? 

Nein - nicht einmal einen Computer! Das sind alles nur Hilfsmittel,  
die es einem bequemer machen. Sie sind keineswegs notwendig.  
Generationen von Autoren haben es ohne geschafft. Papier und Stift,  
eventuell noch Karteikarten, Schere und Kleber reichen völlig aus. Und  
natürlich der Grundstoff für alles Geschriebene: Ideen. 

Schreib deine Ideen in kurzen Stichworten auf Karteikarten oder  
Papier, das lässt sich hinterher alles in die richtige Reihenfolge  
sortieren.  

Mein Tipp: Spanne eine Wäscheleine durch dein Arbeitszimmer und hänge  
daran die Zettel mit Wäscheklammern auf. Du hast kein Arbeitszimmer?  
Dann nimm eine Filz- oder Stofflage (möglichst lang), auf der du die  
Zettel mit Sicherheitsnadeln befestigst. Musst du das unterbrechen,  
lässt sich der Stoff um eine dicke Papprolle (Architektenrolle, Rolle  
für Puzzles) samt der Zettel vorsichtig aufrollen. Du hast nur ein  
Bücherregal? (Hm, wo bleiben denn deine tausende Romane, die du liest?  
;-)) Prima - ein Regal reicht! Zieh deine Wäscheleinen in vier Reihen  
untereinander, so dass genug Abstand bleibt, damit die daran hängenden  
Zettel sich nicht überlappen. Warum vier? Dann kannst du gleich in  
vier Akte einteilen (1.-4. Viertel). Reicht die Regalbreite nicht für  
alle Zettel eines Viertels, dann zieh acht Leinen, je zwei pro Akt. 

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Emden, gibt Schreibkurse und führt  
eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröffentlicht  
sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman. 


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig? 

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei  
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender  
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen  
hat, kann sie mir schicken. 

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die  
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu  
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer  
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der  
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht  
überschreiten! 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

                           "Weltentor"    
             Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen 

Vorgeschichte 
Da dies fast der Anfang des Romans ist, ist die Vorgeschichte denkbar  
kurz. Felix wacht morgens auf, und das Wetter spielt verrückt. Es ist  
Hochsommer, doch es schneit, der Strom fällt aus. Felix hat das  
Fenster im ersten Stock geöffnet und sieht auf die verschneite, von  
Nebel und Eis durchzogene Landschaft. Der Schnee ist mehrere Meter  
hoch gefallen. Ein Flüstern liegt in der Luft. 
.......... 

Erneut wurde das Flüstern lauter, es raunte ihm etwas zu, ohne dass er  
hätte sagen können, was es war. Felix wollte das Fenster schließen,  
wollte den Blick abwenden, doch er konnte es nicht. Es war, als hätte  
sich sein Körper selbstständig gemacht und ignorierte seine Befehle.  
Ein Blitz zuckte auf, rot gefärbt und direkt vor seinen Augen. Die  
Welt um ihn herum schien zu erstarren. Felix hörte das Flüstern nun  
jetzt deutlich. Felix, wisperte die Stimme in seinem Kopf. Alle  
Geräusche verstummten, nur die Stimme rief ihn. Sie drang irgendwo aus  
dem Nebel zu ihm und war doch gleichzeitig überall. Der Wind fuhr  
Felix unter die Klamotten, zog ihn zu sich und lockte ihn in die  
grausige Kälte. 
Über ihm knackte es. Felix löste seinen Blick vom schneedurchdrungenen  
Nebel und sah nach oben. Seine Augen hatten sich mittlerweile an die  
Dunkelheit gewöhnt. In der Decke über ihm hatte sich ein feiner Riss  
gebildet. Dann knackste es erneut, ein furchtbares Geräusch. Es war  
ein langgezogenes Knirschen, als würde Stein aneinander gerieben. Der  
Spalt an der Decke weitete sich. Er bog sich auf, Putz rieselte nach  
unten. Felix löste sich aus seiner Starre und fand endlich die Kraft,  
vom Fenster wegzutreten, doch da war es schon zu spät. Die Decke gab  
an einer Stelle nach, Holz, Beton und Eis krachten in das Zimmer  
unmittelbar hinter ihm. Nebel drang in den Raum ein, Schnee wirbelte  
durch die Luft. Felix machte einen Satz nach vorne und entging nur  
knapp einer weiteren Lawine, als ein anderer Teil der Decke nachgab.  
Ein Blitz zuckte vor ihm auf, die Stimme in seinem Kopf rief seinen  
Namen. 
Felix griff an das Fenstersims und zog sich nach oben. Im selben  
Moment gab es einen dumpfen Knall und hinter ihm krachte etwas Großes  
auf den Boden. Blitzschnell machte Felix einen Satz nach vorne,  
geradewegs durch das Fenster und landete im Schnee. Der Wind erfasste  
ihn, schleuderte ihn zu Boden und beschoss ihn mit Eiskristallen. Er  
rappelte sich wieder auf, drehte den Kopf und blickte zurück. Erstaunt  
hielt er inne. Wo war das Fenster, wo das Haus? Er sah nichts. Nichts  
außer Nebel, rotem Nebel und Schnee.  
Er rief etwas durch die Nebelwand zurück, doch der Wind trug seine  
Stimme davon und verzerrte sie zu einem Heulen. Felix wollte  
zurücklaufen, wollte das Haus suchen, es konnte nur wenige Schritte  
entfernt sein, aber er wusste nicht, in welche Richtung er gehen  
sollte. Der Boden, auf dem er stand, war eigenartig fest, der Schnee  
war zu Eis gefroren und so sanken seine Füße nur weniger Zentimeter in  
den Untergrund. Er zitterte vor Kälte. Eine Welle der Angst packte  
ihn, er drehte sich im Kreis, machte einige Schritte nach vorne, doch  
da war nur der Nebel. Dann lief er einige Schritte nach links, doch  
auch dort war nur Nebel. Er hatte ihn eingekreist. Seine Glieder taten  
ihm weh, die Kälte lähmte seine Bewegungen. 
Hinter ihm zuckte etwas auf, ein grelles Licht, das seine Gestalt für  
einen kurzen Augenblick als verzerrten Schatten auf den Boden warf.  
Felix fuhr herum, doch da war das Licht schon wieder verschwunden.  
Todesangst packte ihn, er schrie in die Dunkelheit, dann traf ihn eine  
heftige Windbö und warf ihn auf den eisigen Boden. 
Erschöpft blieb er auf dem Boden liegen. Ein weiterer roter Lichtblitz  
zuckte über ihm. Felix merkte es kaum. Die Welt um ihn herum wurde  
schwarz, der Nebel umschloss ihn mit seinen rauchigen Fingern und ließ  
ihn nichts anderes mehr sehen als bodenlose Dunkelheit. Felix,  
wisperte es wieder. Diesmal war es deutlicher zu hören, ein Lockruf  
des Bösen, der ihn in den Sturm gezogen hatte. 
Er musste sich aufrappeln, musste zurück und das Haus suchen, er  
brauchte Wärme, sonst würde er sterben. Wenn er einfach irgendeine  
Richtung einschlug, dann müsste er auf ein Haus treffen. Vielleicht  
nicht sein Haus, aber irgendein Haus, das er als Orientierungspunkt  
nutzen könnte. 
Eine weitere Windbö fuhr heran und schüttelte ihn, obwohl er bereits  
im Schnee lag. Mit einem Ruck öffnete er die Augen. Der Nebel war  
verschwunden. Felix richtete sich auf und blickte um sich. Unendlich  
weit erstreckte sich die kalte Landschaft, der Himmel schimmerte  
bläulich und erhellte das Eis um ihn mit schwachem Licht. Tausende  
Sterne funkelten über ihm. Wo war er? 
Doch da war noch etwas anders. Felix kniff die Augen zusammen und  
ignorierte die Kälte für einen Augenblick. In der Ferne ragte es  
unübersehbar in den Himmel. Eine dunkle Aura schien davon auszugehen,  
denn Felix beschlich ein klammes Gefühl, je länger er es anblickte. Es  
war ein Gebilde aus Licht, aus gleißendem roten Licht, das sich bis  
den in Himmel erstreckte. Wie zwei Arme, übersät mit unendlich vielen  
roten Adern aus schimmernder Helligkeit, ragten links und rechts davon  
zwei leuchtende Schläuche nach oben und waren irgendwo verankert.  
Zwischen den Armen leuchtete es schwächer, dafür umso roter und da  
schien sich etwas zu bewegen, diffus nur, so dass Felix es eher  
erahnte als tatsächlich sah. Eine Masse waberte dort umher, ohne  
Konturen, sondern formlos und amorph, die rings um das Wesen das Eis  
glutrot erscheinen ließ. Wie ein Wesen kam es Felix vor. 
Das Flüstern in seinem Kopf war nun fordernder, es schien näher  
gekommen und sein und rief nach ihm, füllte seinen Kopf aus und ließ  
keinen klaren Gedanken zu. 
Er stolperte los, geradewegs auf das Ding zu. Die Kälte um ihn herum  
spürte er nicht mehr, seine Glieder waren längst taub und seine  
Gedanken wirr, sie flogen wild durcheinander und ließen sich nicht  
ordnen. Er tat ein Schritt von den anderen, seinen Blick starr nach  
vorne gerichtet. Seine Füße taten weh, jeder Schritt war eine Qual.  
Plötzlich war er heran, die wabernde Masse nur noch wenige Schritte  
von ihm entfernt und Felix blickte daran empor. Und mit einem Mal  
wurde ihm bewusst, was er da vor sich hatte. Es war ein Tor! Ein  
riesiges Tor, bestehend aus gleißendem Licht und zuckender Helligkeit.  
Oben, ganz weit oben, schossen Schatten daraus hervor, diffus und  
schwer zu erkennen. Felix zitterte, aber nicht nur vor Kälte. Das  
Flüstern wurde immer lauter, rief seinen Namen und beschwor ihn, das  
Tor zu betreten. Schnell trat er einige Schritte zurück. Er wurde von  
rotem Licht angestrahlt und fühlte sich ausgeliefert. Vor ihm ragte  
das riesige Torwesen empor und als er sich umblickte, bemerkte er  
etwas. 
Der Nebel war nicht verschwunden. Er war die ganze Zeit da gewesen,  
aber nur am Rande dessen, was Felix zu sehen vermochte. Kleine Blitze  
zuckten darin. Die Luft vor ihm verdichtete sich. Dann war der Nebel  
heran, umschlang ihn und wollte ihn zu Boden drücken. Felix kämpfte  
dagegen an, stolperte nach vorne und merkte, wie etwas an seinen  
Beinen zog. Der Nebel umfloss ihn, zog an seinen Beinen und Händen und  
legte sich schwer auf seine Haut. Felix konnte kaum atmen, das Bild  
verschwamm vor seinen Augen. Mit letzter Willenskraft kämpfte er sich  
nach vorne, lief direkt auf den Schlund des Tores zu. Was das alles zu  
bedeuten hatte, wusste er nicht. Vielleicht träumte er nur, vielleicht  
würde er bald aufwachen und all dies war vorbei, ein Trugbild seiner  
Gedanken und keine todbringende Wirklichkeit. Torwesen aus gleißendem  
Licht gab es nicht, grausige Kälte im Sommer ebensowenig und Nebel, in  
dem Blitz zuckten wie kleine, böse Augen waren ausgemachter Unsinn.  
Und doch nahm Felix all seine Kraft zusammen, um einen Schritt vor den  
anderen zu setzten. Dann war die rote Masse direkt vor ihm. Er wusste  
nicht, ob sie ihm Heil oder noch größere Schmerzen bereiten würde,  
aber es war ihm egal. Mit einem entschlossenen Schritt trat er mitten  
hindurch. 
Dann umfing ihn Dunkelheit, alle Geräusche erstarben und Felix wurde  
der Boden unter den Füßen entzogen. Er wollte die Augen öffnen, doch  
seine Kraft reichte nicht, sein Bewusstsein verflüchtigte sich und  
dann ging sein Atem ruhig und regelmäßig. 

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                              Lektorat 
                       von Hans Peter Roentgen 

Ein Haus, das zusammenbricht, Schneewüste im Sommer, Nebel, durch den  
man nicht mehr nach Hause findet, und zum Schluss ein feuriges Tor,  
durch das der Protagonist gehen muss. An Dramatik fehlt es in dieser  
Szene wahrlich nicht. Aber ist es spannend? Ich finde, nur mäßig.  
Woran liegt das? Denn dramatische Effekte gibt es genügend.  


         Lebendige Figuren 

Überlegen Sie einmal, was Sie von Felix, dem Protagonisten, wissen.  
Können Sie ihn in einem Satz charakterisieren? Ich nicht. Ich weiß gar  
nichts über ihm, außer, dass er am Anfang im Zimmer steht, dass ihm  
übel mitgespielt wird, und am Ende ist er in einer anderen Welt.  
Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Hier zeigt sich, wie  
richtig die alte Regel ist, dass nicht die Action, sondern die  
Personen die Spannung bestimmen. 

Gerade Anfänger machen oft den Fehler, dass sie sich spannende Action  
ausdenken und dann eine Person erfinden, die diese Action erlebt. Doch  
wenn diese Person dem Leser nicht näherkommt, wenn sie einfach nur  
eine Figur ohne jedes Leben ist, eine Schaufensterpuppe sozusagen,  
dann nützt die größte Action nichts. 

Was bedeutet, dass der Autor hier erst einmal in seine Figur  
hineinkriechen muss, sie kennenlernen sollte. Wie reagiert sie zum  
Beispiel auf diese merkwürdige Stimme, die sie anfänglich ans Fenster  
fesselt, dann wieder loslässt, so dass Felix zur Decke schauen kann?  
Vor allem: Wo ist Felix, in welchem Haus? Das ist nicht unwichtig,  
denn je nachdem, ob weitere Menschen im Haus leben, wird seine  
Reaktion unterschiedlich sein. Gibt es Verwandte dort, Freunde,  
Bekannte, vielleicht eine Ehefrau oder Kinder? 

Nein, dass müssen Sie nicht ausführlich in der Geschichte erzählen.  
Aber die Reaktion von Felix wäre wichtig. Versucht er verzweifelt, sie  
zu retten, aber es gelingt ihm nicht, weil er das Haus nicht mehr  
findet? Oder findet er sich mit dem Schicksal ab, ist verzweifelt und  
glaubt nach kurzen Versuchen, das Haus zu finden, dass er nichts  
ausrichten kann? Ist er ein Egoist, der nur Angst um die eigene Haut  
hat und möglichst bald ins Warme kommen will? Gehört ihm das Haus,  
oder wohnt er dort zu Miete? 

Je nachdem, was auf Felix zutrifft, wird er unterschiedlich reagieren.  
Doch diese Reaktion müsste der Leser erleben, damit mehr Spannung  
aufkommt. Erst dann werden die Blitze, die Kälte, der Einsturz des  
Hauses den Leser berühren. 

Nichts dagegen, sich eine dramatische Szene auszudenken. Viele  
spannende Thriller sind so entstanden. Aber im nächsten Schritt  
brauchen Sie eine lebendige Figur, die Sie den Ereignissen aussetzen.  
In deren Haut Sie schlüpfen müssen, mit der Sie die Szene erleben und  
die auf die Ereignisse reagiert.  

Und der Antagonist? Was wissen Sie über diese Stimme, die Felix mal  
erstarren lässt, dann wieder loslässt, dann ins Tor treibt? Auch die  
ist ziemlich nebulös, auch hier habe ich das Gefühl, sie wurde einfach  
eingesetzt, weil der Autor eben etwas Bedrohliches brauchte. Die  
Behauptung, es sei eine "Stimme des Bösen" reicht jedenfalls nicht,  
mir einen Schauer des Entsetzen über den Rücken zu senden. 


         Die Konfrontation 

Wenn man einen lebendigen Protagonisten und einen ebenso lebendigen  
Antagonisten hat, die gegensätzliche Ziele haben, dazu eine  
dramatische Situation, dann lässt man sie aufeinander los. 

Die Stimme hat offenbar Macht, sie kann Felix erstarren lassen, die  
Zimmerdecke einreißen, einen Wintersturm hervorrufen und Blitze  
schleudern. Doch was kann sie nicht?  

Eigentlich reicht es für den Anfang, wenn sie Felix Angst einjagt. Der  
Schnee im Sommer, der vor dem Zimmer liegt. Da ist es unnötig, dass  
sie Felix obendrein erstarren lässt. Das erhöht nämlich nicht die  
Spannung, sondern verringert sie. Weil nun alles etwas willkürlich  
erscheint. Warum lässt sie Felix wieder los, so dass er sich erneut  
bewegen kann, zwingt ihn nicht einfach, nach draußen zu springen und  
durch das Tor zu laufen? 

Besser wäre ein langsame Steigerung. Die Stimme ist zunächst gar nicht  
bedrohlich, sie lockt ihn zum Fenster, ruft ihn von draußen. Doch  
Felix will nicht hinaus, nicht in den Schnee. Dann knackt die Decke,  
der Putz rieselt herab. Felix schreit auf, er will die Hausbewohner  
warnen. Doch sein Schrei wird durch die herabstürzende Decke erstickt.  
Er rettet sich mit einem Sprung nach draußen, steht im Nebel, wo ist  
das Haus? Die Stimme lockt ihn weiter, doch er will das Haus suchen.  
Irgendwo sieht er den Schatten im Nebel, doch sobald er in die  
Richtung geht, verschwimmt der Schatten. Die Stimme klingt drohender.  
Und dann ... 

Langer Rede kurzer Sinn: Folgen Sie ihren Figuren, schlüpfen Sie in  
deren Haut, und lassen Sie sie dann agieren. Nur so können dramatische  
Ereignisse auch Spannung erzeugen. Solange Sie aber keine Vorstellung  
von den Figuren haben, nicht wissen, wie diese reagieren würden,  
klingen auch die dramatischsten Szenen langweilig, unglaubwürdig. 

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein  
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".  
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert. 


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BUCHBESPRECHUNG: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                   "Vom Kämpfen und vom Schreiben" 
           besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer 

"Ich behaupte, dass jeder Künstler einen inneren Motor hat, etwas das  
ihn antreibt, ein Defizit, etwas Fehlendes, eine große Sehnsucht, die  
er mit seiner Kunst vielleicht erfüllen kann." 

Genau diese Sehnsucht atmet in "Vom Kämpfen und vom Schreiben" aus  
jeder Zeile  und räumt gehörig mit dem Mythos der Schriftstellerei  
auf. Schreiben ist für Carla Berling Berufung. Dahinter verbirgt sich  
jedoch weniger der romantisch verklärte Beruf einer Schriftstellerin  
als vielmehr harte Arbeit, strenge Disziplin und extremes  
Durchhaltevermögen. 

So ist Carla Berling durch viele Höhen und Tiefen gegangen, hat den  
Buch- und Medienbetrieb als Journalistin und Autorin von seiner  
verführerischsten und härtesten Seite kennengelernt. Und sie hat den  
Mut, uns an ihrem Weg, ihren Fehlern, ihrer Wahrheit, ihrer  
Schreibsucht und Motivation teilhaben zu lassen. "Aufgeben" gibt es  
nicht, selbst in schwierigsten Phasen, wo Berling glaubt, kurz vor dem  
Aus zu stehen. Sie fällt hin, manchmal des Kämpfens müde, und steht  
wieder auf. Rückschläge und Selbstzweifel gehören zur  
Stellenbeschreibung dazu. Ohne das Schreiben kann Berling ohnehin  
nicht leben. Es ist der Kern ihres Wesens, ihr Traumberuf, mit allen  
Tränen und Freuden, die dazu gehören. Und so hat sie für sich und für  
uns, für alle Menschen mit einem Traum, ein wunderbares Buch  
geschrieben. Traurig! Mutig! Kämpferisch! Und voll köstlicher  
Selbstironie! 


Carla Berling: "Vom Kämpfen und vom Schreiben -- Tagebuch eines  
Romans", 2011, 210 Seiten, 16,80 Euro, Kulturmaschinen Verlag 


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INTERVIEW: 
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


        "Mit der Zeit kommt der Feinschliff von ganz allein" 
                    Interview mit Sven Klöpping  

Sven Klöpping ist sowohl Lyriker als auch Herausgeber der  
Lyrikzeitschrift "Kaskaden", Website: http://www.lyrikzeitschrift.de,  
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 


Ursula Schmid-Spreer: Welche Erfahrungen haben Sie als Herausgeber von  
Lyrik gemacht? 

Sven Klöpping: Sehr überrascht hat mich die Qualität der eingesandten  
Texte. Ich hätte gedacht, dass mehr Ausschuss dabei ist. Aber  
glücklicherweise erhalte ich fast ausschließlich Lyrik von fähigen  
Autoren, die wissen, was man wie anbietet. Natürlich sind auch die so  
genannten Blümchengedichte dabei, aber die bleiben bislang unter 15  
Prozent. Ich habe lange am richtigen Design geschraubt, bis ich  
glücklicherweise einen Grafiker kennengelernt habe, der sich dazu  
bereit erklärte, dies zu übernehmen. Die neue Optik ist schon viel  
besser als meine vorherigen, zugegebenermaßen etwas amateurhaften  
Übungen.  

Es bringt viel Positives mit sich, solch ein Magazin herauszugeben.  
Natürlich steckt auch eine Menge Arbeit drin. Aber ich habe durch  
meine Tätigkeit viele interessante Menschen kennen gelernt und freue  
mich, sie fördern zu dürfen und mich mit ihnen auszutauschen. Allein  
das ist es mir schon wert, weiterzumachen. 


USS: Gibt es Anekdoten dazu? 

SK: Ja. Eine sehr schöne und eine sehr traurige. Zum einen waren in  
der Erstausgabe von Kaskaden die ziemlich letzten Gedichte zu lesen,  
die Wolfgang Fienhold zu Lebzeiten veröffentlichte - kurz darauf  
verstarb er leider. Ich war bei der Begräbnisfeier, denn er war mir  
über Jahre ein guter Freund geworden, und ich musste weinen, als  
"Tambourine Man" von Bob Dylan gespielt wurde. Zum anderen war ich  
Anfang 2011 der zehntausendste Leser der Stadtbibliothek Gaggenau und  
lernte so den Bibliotheksleiter Ulrich Freist kennen. Mit ihm konnte  
ich eine erste Kaskadenlesung vereinbaren, die am 18. November 2011 in  
der Stadtbibliothek Gaggenau stattfinden wird. Wer in der Nähe wohnt,  
ist herzlich eingeladen. Sechs Autoren werden mit Musikbegleitung  
lesen. 


USS: Was sind für Sie die häufigsten Ablehnungsgründe für einen Text? 

SK: Wie schon erwähnt, erhalte ich zum Glück nur sehr wenige wirklich  
schlechte Texte. Ich verwende keine Standard-Ablehnung, das wäre mir  
zu simpel. Manchmal fällt sie länger aus und beinhaltet Kommentare,  
manchmal auch kürzer. Je nach der Qualität der Texte. Denn ich lehne  
nicht ausschließlich nur die schlechten Texte ab, sondern auch solche,  
die nicht ins Konzept von Kaskaden passen, aber woanders durchaus ihre  
Existenzberechtigung hätten. Manchmal gebe ich den Autoren auch Tipps,  
wo sie ihre Texte veröffentlichen könnten. 


USS: Wie sieht der Arbeitsalltag eines Herausgebers aus?  

SK: Nun ja, ich sehe mich nicht als "typischen" Herausgeber, also  
jemand, der das hauptberuflich macht. Für mich ist es eher eine  
Nebenbeschäftigung, die ich aus Spaß an der Sache begonnen habe. Neben  
meiner Lyrikzeitschrift arbeite ich auch bei anderen (zumeist SF- 
)Projekten mit, z. B. bei Nova, Internova oder dem Portal für  
deutschsprachige SF, http://www.deutsche-science-fiction.de, das ich  
gemeinsam mit Uwe Post begründet habe.  

Die Arbeit als Herausgeber macht insofern Spaß, als dass man hier die  
Möglichkeit hat, die literarischen Werke anderer zu beurteilen und  
einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Mein  
"Arbeitsalltag", wenn man das so bezeichnen möchte, findet in meiner  
Freizeit statt, die im Moment bei mir zum Glück großzügig bemessen  
ist. Ich habe fast jeden zweiten Tag zur freien Verfügung. Das heißt  
aber nicht, dass ich auch immer genügend Zeit habe. Manchmal ist ganz  
schön viel zu tun, weshalb ich meine eigenen Schreibprojekte  
hintanstellen muss. Ich versuche immer, zuerst die wichtigsten  
Aufgaben zu erledigen wie Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit etc.  
Dann folgen Routinearbeiten wie das Lektorieren, Korrigieren,  
Layouten, Setzen. Zum Schluss schaue ich noch einmal über das Getane,  
um eventuelle Fehler zu finden.  

Wie schon erwähnt, sieht nicht jeder Tag so aus, sondern es hängt  
davon ab, wie viel gerade zu tun ist. Manchmal sind das fünf bis sechs  
Stunden, manchmal nur zwei oder drei. Insgesamt ist es eine sehr  
erfüllende Tätigkeit, wenn man am Ende sieht, dass etwas Schönes dabei  
herausgekommen ist wie eine gute Zeitschrift oder Website. 


USS: Was fasziniert Sie am Herausgeben einer Lyrik-Zeitschrift? 

SK: Das Neue. Man bekommt ständig neue Einblicke in die moderne  
deutschsprachige Literatur, natürlich auch in die Gedanken von  
Menschen. Dies alles in einem interessanten Mix aus Texten  
unterschiedlichster Stile zusammenzustellen fasziniert mich am  
meisten. Daneben kann auch das ganz alltägliche "Business" spannend  
sein, weil man immer wieder merkt, dass man etwas Gutes tut, etwas,  
das die Menschen zum Nachdenken anregt und gleichzeitig auch ihre  
Gefühle anspricht. 


USS: Wie hoch ist der Erwartungsdruck (an sich selbst, vom Autor), der  
auf Ihnen lastet? 

SK: Gar nicht mal so groß. Man darf sich selbst nur keinen Stress  
machen, sondern sollte systematisch die Aufgaben abarbeiten, die so  
anfallen. Wenn man einen Plan hat und den gut organisiert, kann man  
relativ klar und zuversichtlich in die Zukunft sehen. Das wird zum  
Beispiel dadurch bestätigt, dass meine Ziele in puncto Besucherzahlen  
und Downloads ungefähr erreicht und teilweise sogar übertroffen  
wurden. Ich bin also ganz zufrieden damit, wie es momentan läuft.  
Natürlich könnte es besser laufen, aber das kann es ja immer, und  
schließlich bin ich nicht allzu anspruchsvoll, was das anbelangt. Es  
reicht, wenn ich insgesamt im Durchschnitt liege und qualitativ  
einigermaßen mit anderen, ähnlichen Publikationen mithalten kann. 


USS: Mittlerweile gibt es in Deutschland eine Menge Schreibbücher,  
Zweitausendeins hat eine eigene Buchreihe zum Creative Writing. Gibt  
es auch Sachbücher zum Thema Lyrik? Haben Sie solche Bücher gelesen?  
Was halten Sie davon? 

SK: Ich habe einige Exemplare der Federwelt gelesen, die ja auch so  
etwas wie ein Autorenratgeber ist - und natürlich den Tempest. Martina  
Weber hat einen Ratgeber speziell zum Thema Lyrik verfasst ("Zwischen  
Handwerk und Inspiration - Lyrik schreiben und veröffentlichen"). Nun,  
es kommt immer darauf an, wer etwas wie gekonnt zum Thema sagt.  
Angesichts der Menge an Ratgebern fällt es schwer, ein profundes  
Urteil zu fällen. Ich finde solche am besten, die direkt von Lyrikern  
geschrieben wurden, da hier Informationen aus erster Hand vermittelt  
werden. Wenn ein Schreibratgeber allzu sehr ins Wissenschaftliche  
abdriftet, wird den Menschen nicht mehr geraten, wie sie Lyrik  
schreiben sollen, sondern warum sie es besser lassen sollten (nämlich  
weil es andere sowieso besser wissen). Generell halte ich es für  
sinnvoll, einen Ratgeber zu lesen, bevor man selbst anfängt, Texte zu  
verfassen. Aber man sollte sich vorher genau darüber informieren,  
welches Werk man sich zulegt. Letztlich kann es nicht schaden, auch  
ohne einen Ratgeber einfach mal draufloszuschreiben und  
herumzuexperimentieren.  


USS: Geben Sie selber Schreibkurse für Lyrik?  

SK: Bislang nicht. Aber ich halte es nicht für ausgeschlossen, so  
etwas in Zukunft einmal zu machen. Das könnte ganz interessant sein.  
Geld verdienen möchte ich damit dann aber eher nicht, sondern Wissen  
weitervermitteln. Viele Seminare sind leider überteuert. Kaskaden als  
reines Non-Profit-Projekt würde niemals exorbitant hohe und  
unangemessene Gewinne generieren. Und so soll es auch bleiben. Wenn  
überhaupt Gewinne erzielt werden, stecke ich sie wieder in neue  
Projekte oder verwende sie zur Begleichung von Druckkosten. 


USS: Was kann ein Autor überhaupt in Kursen, in Büchern, am  
Literaturinstitut oder sonstwo lernen? Was muss / Was sollte der Autor  
für Vorkenntnisse mitbringen? 

SK: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es hierfür am besten ist,  
selbst zu schreiben. Viel zu schreiben. Ich schreibe, seit ich  
schreiben kann, also seit ich ca. 7 Jahre alt war. Mit der Zeit kommt  
der Feinschliff von ganz allein. Außerdem sollte man viel lesen. Ich  
habe z. B. viele Kompendien zur deutschen Lyrik geradezu verschlungen  
und mir immer die besten Texte herauskopiert. Von Martin Opitz bis  
Paul Celan war alles dabei. "Offizielle" Kurse oder Ratgeber können da  
nur eine Ergänzung zur praktischen Erfahrung darstellen, sie sind eine  
Art "Fähigkeits-Check" oder Zwischenbilanz, ob man sein Handwerk auch  
wirklich (noch) beherrscht. Nur um sich zu vergewissern, dass man es  
auch wirklich kann, schadet es nicht, hin und wieder ein Seminar zu  
besuchen. Aber auch hier gilt: Vorher genau informieren und nicht  
jedes Angebot blind annehmen, das mit schönen Versprechen (und hohen  
Gebühren) lockt. 


USS: Die Situation im Verlagswesen sieht zurzeit nicht eben gut aus.  
Verlage melden Konkurs an, verkleinern sich, schränken ihr  
Buchprogramm ein. Was bedeutet das für die Lyrik? 

SK: Auch die Lyrik leidet darunter. Lyrik-Editionen werden  
eingestellt, Autoren haben immer weniger Möglichkeiten, ihre Werke an  
den Verlag zu bringen. Deshalb ist es auch umso wichtiger, dass  
Projekte wie Kaskaden am Leben bleiben. Hier (und natürlich auch  
anderswo) wird Lyrikern die Chance gegeben, ihre Texte einer  
Öffentlichkeit zu präsentieren, die woanders immer häufiger  
wegrationalisiert wird. Interessanterweise verfassen immer mehr  
Menschen Lyrik, was ja auf ein Bedürfnis nach guter Literatur  
hindeutet. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Verlage dies erkennen  
und sich trauen, neue Autoren zu fördern.  


USS: Welche Schwierigkeiten erleben Sie? Wie reagieren Sie auf diese  
veränderten Bedingungen, gerade auch als Herausgeber von Lyrik? Und  
wie sollten Autoren und Autorinnen darauf reagieren? 

SK: Eigentlich ist das Projekt Kaskaden gut angelaufen. Wir haben  
ungefähr die gewünschte Anzahl an Lesern und Website-Besuchern, das  
Feedback ist durchweg positiv. Schwierigkeiten habe ich daher keine.  
Sicher, eine etwas größere Leserschaft könnte nicht schaden, aber ich  
bin schon ganz zufrieden. Immerhin war die Erstausgabe unserer  
Printzeitschrift schon vor dem Druck fast ausverkauft. Ähnliches  
erhoffe ich mir für zukünftige Ausgaben (z. B. für die zweite Nummer,  
die in diesem Winter erscheint).  

Im Prinzip muss man auf die Veränderung im Buchmarkt mit Flexibilität  
und gezielter, wirksamer Werbung reagieren, die nicht allzu viel  
kostet, also neue Wege des Marketings einschlagen. Wenn man diese  
intelligent in die Tat umsetzt, könnten viel mehr Leute für gute  
Literatur bzw. Lyrik begeistert werden. Eine weitere Aufgabe müsste  
auch die Politik übernehmen. Denn Voraussetzung für gepflegte  
Lesegewohnheiten ist nun mal die staatlich verordnete Bildung. Hier  
müsste schon viel früher damit begonnen werden, anspruchsvolle  
Literatur zu vermitteln, gerade auch neue Literatur, nicht immer bloß  
dieselben Klassiker. Zum Beispiel wäre ein Unterrichtsfach wie  
"Kreatives Schreiben" doch sehr sinnvoll - nicht nur für angehende  
Literaten, sondern auch für spätere Manager, die sich gepflegt  
ausdrücken wollen, oder? 


USS: Was fasziniert Sie so sehr an der Lyrik? Haben Sie in dieser  
Richtung studiert? 

SK: Ich lese und schreibe schon mein ganzes Leben lyrische Texte. Von  
Mittelalter-Lyrik bis hin zu moderner deutschsprachiger und auch  
englischer Lyrik ist so ziemlich alles dabei. Studiert habe ich  
Fremdsprachenkorrespondenz, wodurch ich auch spanische oder  
französische Texte kennengelernt habe, was mir z. B. auch bei  
Internova hilft, wo wir Sciencefiction aus der ganzen Welt in  
englischer Sprache publizieren (http://www.nova-sf.de/internova).  

Ich finde, man braucht nicht zu studieren, um Ahnung von guter Lyrik  
zu haben. Das private Textstudium reicht da völlig aus, wobei es  
natürlich nicht schaden kann, ein paar Semester Germanistik belegt zu  
haben. Aber viele der Seminare, in denen man "lernen" kann, Lyrik zu  
schreiben oder zu interpretieren, sind überflüssig, wenn man bedenkt,  
dass auch dort nur mit Wasser gewaschen wird. Soll heißen, die eigene  
Einstellung zu literarischen Texten sollte doch ungefähr dieselbe  
bleiben, ob man nun ein solches Seminar besucht oder nicht. Die  
Faszination der Lyrik besteht meiner Ansicht nach im spielerischen  
Umgang mit Sprache. In diesem Genre hat man viel mehr Freiheiten, mit  
Sprache umzugehen und neue Wege des Denkens und Schreibens  
einzuschlagen. Selbst grammatikalische Regeln haben hier nur noch  
wenig Bedeutung. Es liegt vieles im Ermessen der Autoren, die ihrer  
Kreativität freien Lauf lassen können.  

Als Synthese der verschiedenen Texte entsteht so eine Zeitschrift, die  
gefüllt ist mit neuartigen Ideen und Sprachkonzepten, die das Denken  
in deutschsprachigen Ländern (hoffentlich) noch weiter nach vorne  
bringen. 


USS: Welche Ansprüche stellen Sie an sich selbst, wenn Sie Lyrik  
verfassen? Gibt es Vorbilder? 

SK: Ja, viele. Ungefähr so viele, wie ich auch unterschiedliche Stile  
verwende, um meine Botschaften an den Mann / an die Frau zu bringen.  
Natürlich wäre da Paul Celan, dessen fantastische Wortbilder sich  
einem tief ins Gedächtnis einprägen und mich zu so manchem Text  
inspirierten. Zum anderen aber auch Ernst Jandl, der mich mit seiner  
lockeren Art, an wichtige Themen heranzugehen, beeindruckt hat. Auch  
Klassiker wie Beaudelaire oder Schiller heben meine Leselaune. Mein  
Anspruch ist es, das, was ich sagen möchte, möglichst pointiert und  
komprimiert zu formulieren. Dabei müssen die Texte nicht unbedingt in  
Kürze ersticken, sondern können auch schon mal zeilenlange  
Beschreibungen beinhalten, die das Gefühl ansprechen. Aber um etwas  
deutlich zu sagen, sollte man auch deutliche Worte verwenden. Das ist  
zumindest meine Meinung. Meine Texte reichen von knappen  
Wortkonstrukten über bissige, ironische Sprachwaffen bis hin zu  
emotionalen Sehnsuchtsfantasien. 


USS: In den USA sind Literaturagenturen ja schon lange ein fester  
Bestandteil der Buch- und Medienbranche. Wird das in der Zukunft in  
Deutschland / Europa ähnlich sein? Bekommen Sie Texte über Agenturen  
angeboten? 


SK: Bislang keine Texte, sondern ab und an Kunstofferten. Ich denke,  
dass Agenturen aber durchaus ihre Berechtigung haben. Die Gefahr  
besteht nur darin, dass man sich so sehr auf diese Instanzen verlässt,  
dass das eigene Qualitätsermessen etwas ins Hintertreffen gerät. Man  
sollte immer noch so viel Selbstbewusstsein besitzen, um zu wissen, ob  
das, was man selbst schreibt, auch wirklich publizierbar ist. Wenn man  
das weiß, kann man sich auch an Agenturen als einen Service wenden,  
den man in Anspruch nimmt und für den man ja schließlich auch bezahlt,  
quasi als Bindeglied zwischen den (oft sehr unpersönlichen) Verlagen  
und dem Autor, der vielleicht den Markt nicht zur Gänze im Blick hat,  
was sicher der Vorteil einer guten Literaturagentur sein kann.  
Agenturen sind zumeist seriöse Firmen, es gibt aber auch  
Scharlatanerie, wo viel zu viel Geld verlangt wird, ohne etwas dafür  
zu leisten.  


USS: Bis zum Erscheinen der Zeitschrift "Kaskaden" haben sicher viele  
helfende Hände mitgewirkt. Wie lange arbeiten Sie an Ihrer  
Zeitschrift? 

SK: Die Idee kam mir im Jahr 2009, als ich nach einer kreativen Pause  
wieder anfing, in der Literaturszene aktiv zu werden. Da mir die Lyrik  
schon mein ganzes Leben sehr am Herzen lag, war es nur logisch, ein  
entsprechendes Magazin aus der Taufe zu heben. Gemeinsam mit Gerald  
Meyer, der anfangs noch Co-Initiator dieses Projektes war, entwickelte  
ich ein schlüssiges Konzept und setzte es nach und nach in die Tat um  
- zunächst als Online-Magazin, dann auch als Druckausgabe, die  
allerdings nur jährlich erscheint. Seit kurzem ist auch Dhyan Burkhard  
mit an Bord, der ein neues Layout für die Online-Version entwickelt  
hat. Zwischenzeitlich haben auch verschiedene andere Menschen  
mitgeholfen, aber entweder sind sie aus diversen Gründen wie z. B.  
Zeitmangel wieder abgesprungen, oder sie haben nur mal  
"reingeschnuppert". Im Prinzip mache ich alles allein, von der  
Textannahme über das Lektorat und den Satz bis hin zur Aussendung.  
Dann müssen auch noch die Websites aktualisiert und Aktualisierungen  
bei Facebook gepostet werden. Insgesamt eine Menge Arbeit, wenn man  
bedenkt, dass ich kein Geld damit verdiene.  


USS: Müssen Formalien eingehalten werden, wenn man in Ihrer  
Zeitschrift veröffentlichen möchte? Und zahlen Sie Honorar? 

SK: Die Formalia stehen ausführlich auf unserer Website  
(http://www.lyrikzeitschrift.de). Es können bis zu 5 Texte als Word- 
kompatible Datei eingesendet werden, zusammen mit einer kurzen Vita.  
Die E-Mail-Adresse für Einsendungen lautet  
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Bei Kunsteinsendungen gilt: zwei bis drei  
der besten Arbeiten, pro Bild nicht mehr als 10 MB, an dieselbe  
Adresse. Da ich gerade mal kostendeckend arbeite, kann ich kein  
Honorar zahlen, aber das übliche Belegexemplar gibt es natürlich für  
jeden Beteiligten (gilt für die Online- und Printausgabe). Zurzeit  
suchen wir wieder Texte für unsere nächste Online-Ausgabe,  
Einsendeschluss ist der 31. März 2012. Auch für die Printausgaben  
werden immer Texte gesucht, die nächste ist aber schon voll.  


USS: Was überwiegt - der Herausgeber oder der Schriftsteller in Ihnen? 

SK: Ganz klar der Schriftsteller. Ich habe noch viele Ideen, von denen  
ich vielleicht nicht alle umsetzen kann, aber die besten werde ich  
sicherlich angehen. Das sind neben SF-Geschichten auch SF-Romane, und  
natürlich warten noch diverse Lyrikbände auf einen interessierten  
Verlag. Ich könnte meine Lyrik auch über Kaskaden publizieren, aber  
das tue ich aus den bekannten Gründen nicht (außer vielleicht in dem  
einen oder anderen Lyrikletter, übrigens ein kostenloser Service von  
Kaskaden, den man über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellen  
kann). Im Endeffekt  möchte ich nämlich nicht als jemand gelten, der  
sich selbst veröffentlicht, obwohl ich darin eigentlich kein großes  
Problem sehe. Aber irgendwie ∑ Nun ja, es geht mir eben darum, dass  
ich mich durchaus in der Lage sehe, mindestens einen Verleger von der  
Qualität meiner Texte zu überzeugen. Man wird sehen, wohin und wie  
weit mich dieser Weg noch führen wird. Die Tätigkeit als Herausgeber  
war immer nur eine "Nebenbeschäftigung", die in letzter Zeit  
zugegebenermaßen an Bedeutung gewonnen hat. 


USS: Haben Sie auch andere Projekte, andere Genres im Sinn? 

SK: Wie schon erwähnt, bin ich im SF-Genre sehr aktiv. Dort arbeite  
ich bei Nova, Internova und www.deutsche-science-fiction.de mit und  
publiziere auch meine Storys und Erzählungen in diversen Magazinen und  
Anthologien. Meine beiden ersten eigenständigen Buchveröffentlichungen  
waren demnach auch SF-Story-Collections (MegaFusion, 2001, und  
Menschgrenzen, 2010). Wer Interesse daran hat, darf mich gerne auf  
meiner Website besuchen: http://www.svenklöpping.de ∑ Geplant sind in  
naher Zukunft auf jeden Fall weitere Erzählungen und mindestens ein  
Roman. Natürlich SF. 


USS: Welchen Rat würden Sie Nachwuchsautoren geben? Was sollte man  
unbedingt beachten, wenn man schreiben möchte, eine Veröffentlichung  
im lyrischen Bereich anstrebt? 

SK: Man sollte tonnenweise Lyrik verschlingen. So viel wie möglich. So  
baut man sich einen breiten (Denk-)Horizont auf, von dem man bei  
seinen eigenen Schreibprojekten profitiert. Man sollte nicht zu viel  
Wert auf die Meinung von selbst ernannten Literaturpäpsten legen,  
sondern sich ein eigenes Bild davon machen, was einem gefällt und was  
eher nicht. Mit der Zeit entwickelt man einen inneren Kompass, der zu  
immer besseren Texten führt. Und irgendwann klappt es auch mit einer  
Veröffentlichung. Nur nicht aufgeben! 


USS: Herzlichen Dank! 

SK: Immer wieder gerne. 


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:      
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -  
keine Manuskripte zur Beurteilung. 

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst  
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird. 


Drehbuch: Oliver Pautsch 
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Fandom: Thomas Kohlschmidt 
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Fantasy: Stefanie Bense 
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Historischer Roman: Titus Müller 
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Lesungen: Rüdiger Heins 
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Lyrik: Martina Weber 
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Sachbuch: Gabi Neumayer 
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Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss 
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Schreibgruppen: Ute Hacker 
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Schreibhandwerk: Ute Hacker 
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Sciencefiction: Andreas Eschbach 
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Übersetzung: Barbara Slawig  
                       uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de 
Verlagswesen: Bjørn Jagnow 
                        verlagswesen at experte pt autorenforum pt de 

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Experten-Special: 
................. 

Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen  
Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt  
und in einem Buch zusammengefasst - thematisch sortiert und  
aktualisiert: 

Björn Jagnow: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht, Verlagswesen und   
Vermarktung", 2009, 188 Seiten, 10,00 Euro, Edition Octopus 


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR LYRIK: 
---------------------------------------------------------------------                            
             Martina Weber (lyrik at experte pt autorenforum pt de) 


Frage: 
Ich schreibe gern (witzig-philosophische) Gedichte und hätte gern mehr  
Austausch mit anderen AutorInnen bzw. Resonanz von LeserInnen. Gibt es  
im Internet Foren oder Ähnliches, in denen Gedichte eingestellt und  
diskutiert werden? Welche Lyrikmagazine (vorzugsweise im Internet)  
kannst du empfehlen? Welche wichtigen Informationsquellen (vor allem  
zu Wettbewerben, lyrischen Formen) gibt es für LyrikerInnen im  
Internet? 


Antwort: 
Das Internet eignet sich sehr gut dazu, sich über Wettbewerbe zu  
informieren. Hierzu folgende Empfehlungen: 

1. der zweite Teil des "The Tempest" 
2. eine hervorragende Ausgangsbasis für die Recherche rund um die  
Literatur ist die Internetseite von Sandra Uschtrin,  
http://www.uschtrin.de; Ausschreibungen findest du unter:  
http://www.uschtrin.de/preise.html 
3. Speziell für LyrikerInnen interessant: http://www.lyrikwelt.de 
4. Sehr empfehlenswert ist auch die Seite http://www.literaturport.de 

Es gibt unzählige Literaturzeitschriften, die - auch - Gedichte  
veröffentlichen. Eine Liste mit Angabe der Internetadressen der  
Zeitschriften zum Stöbern und Weiter-Recherchieren findest du unter:  
http://www.uschtrin.de/litzs.html (Diese Liste ist auf dem Stand des  
Jahres 2005.) 

Eine umfangreiche aktuelle Liste mit Hintergrundinformationen zu den  
einzelnen Zeitschriften und Statements der Redaktionen zum Profil  
findet sich in dem von Sandra Uschtrin und Heribert Hinrichs  
herausgegebenen "Handbuch für Autorinnen und Autoren", Uschtrin Verlag  
München, 7. Auflage 2010, Seite 190 bis 246.  

Ausschließlich Gedichte publizieren die folgenden zwei sehr  
unterschiedlichen Zeitschriften:  
1. Zwischen den Zeilen, herausgegeben von Urs Engeler, siehe  
http://www.engeler.de 
2. DAS GEDICHT, herausgegeben von Anton G. Leitner 

Außerdem empfehle ich zwei Internetseiten, die sich der Lyrik widmen  
und Leseproben zahlreicher renommierter LyrikerInnen bieten, außerdem  
Rezensionen und feuilletonistische Beiträge: 
- http://www.poetenladen.de 
- http://www.fixpoetry.com 

Für die Erarbeitung der traditionellen lyrischen Formen nach Art eines  
Lyrikkurses empfehle ich das Buch von Günter Waldmann: "Produktiver  
Umgang mit Lyrik. Eine systematische Einführung, ihre produktive  
Erfahrung und ihr Schreiben", Schneider Verlag Hohengehren, 10.  
Auflage 2008. 

An dieser Stelle darf ich dir auch mein eigenes Buch ans Herz legen:  
Martina Weber: "Zwischen Handwerk und Inspiration. Lyrik schreiben und  
veröffentlichen", Uschtrin Verlag München, 2. Auflage 2008.  
Inhaltsverzeichnis: http://www.uschtrin.de/weber.html 

Diskussionsforen über Gedichte gibt es sicherlich viele. Aber wie  
professionell sind die Beiträge? Ich selbst ziehe das persönliche  
Gespräch oder den persönlichen Austausch per E-Mail vor. Daher kann  
ich dir auf diese Frage nur den Tipp geben, über eine   
Internetsuchmaschine zu recherchieren, zum Beispiel über die  
Stichworte "Forum, Gedichte, Literatur". 

Wenn du auch persönlichen Austausch mit anderen suchst, kommt  
vielleicht ein Kurs an einer Volkshochschule oder einer sonstigen  
Bildungseinrichtung in Betracht. Kontakte kannst du auch über ein  
Literaturbüro und über den Besuch von Lesungen knüpfen.  

Zum Abschluss empfehle ich noch einen hervorragend recherchierten  
Artikel, der auch die Lyrik berücksichtigt: Anke Gasch: "Aus- und  
Fortbildung für SchriftstellerInnen. Teil 1: Das passende Angebot  
finden - Wer und was Sie beim Schreiben wirklich voranbringt", in:  
Federwelt Nr. 87 (Ausgabe Februar 2011), Seite 4-18 (bestellbar über  
http://www.federwelt.de) 

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Martina Weber ist Lyrikerin und Juristin. Sie erhielt u. a. das im  
Jahr 2009 erstmals ausgeschriebene Frankfurter Autorenstipendium.  
Einzelband: "Zwischen Handwerk und Inspiration. Lyrik schreiben und  
veröffentlichen", Uschtrin Verlag München, 2. Auflage 2008.  
Inhaltsverzeichnis: http://www.uschtrin.de/weber.htlm. Mehr über  
Martina Weber: http://www.fixpoetry.com/autoren/martina_weber.html 


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen  
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit  
getrennter Mail kommt 
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Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach  
Rücksprache - erwünscht. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin  
bzw. beim Autor.  

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Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet  
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