Ausgabe 15-05 (20. Mai 2013)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipps
Spannung, der Unterleib der Literatur
   "Der Vorhang"
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Interview mit Dr. Barbara Ellermeier
Verlagsportrait
   "Buchvolk-Verlag"
Frag die Expertin für Fantasy
   (Stefanie Bense)

EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

alles neu macht der Mai: Darum bekommt ihr heute auch eine
nigelnagelneue Ausgabe des Tempest mit allermai ... allerlei
aufregenden und anregenden Beiträgen. Und eine neue Expertin gibt‘s
noch als Sahnehäubchen obendrauf, die wir gleich im Interview
vorstellen: Dr. Barbara Ellermeier ist Expertin fürs Recherchieren.
Sie bietet speziell AutorInnen ihre Recherchedienste an und hat viele
Tipps parat, die sie gern mit euch teilt. Also, schickt ihr eure
Fragen! Ihre Mailadresse findet ihr unten in der Experten-Rubrik.

Was gibt es sonst noch? Hans Peter Roentgen nimmt erneut einen
hoffentlich spannenden Text unter die Lupe, Ursula Schmid-Spreer
stellt den Buchvolk-Verlag vor, Stefanie Bense gibt in ihrer
Expertenantwort wieder einmal grundlegende Tipps, und viele neue
Sommerausschreibungen findet ihr hier natürlich ebenfalls.

Der Tipp des Monats Mai, diesmal von www.writingforward.com/blog:

    Let the readers use their imaginations.
    Provide a few choice details and let the readers fill in
    the rest of the canvas with their own colors.

Viel Spaß mit dem Mai und dem Mai-Tempest - und schickt uns bitte eure
Tipps, Erfahrungen und gern auch eure finanziellen Beiträge, damit wir
den Tempest weiterführen können!

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
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aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das
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Tempest).

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ISSN 1439-4669  Copyright 2013 autorenforum.de. Copyright- und
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

    Editorial
    Hall of Fame
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Spannung, der Unterleib der Literatur
       "Der Vorhang"
       Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Interview mit Dr. Barbara Ellermeier
    Verlagsportrait
       "Buchvolk-Verlag"
    Frag die Expertin für Fantasy
       (Stefanie Bense)
    Impressum


TEIL 2:

    Veranstaltungen
    Ausschreibungen
    Publikationsmöglichkeiten
         mit Honorar
         ohne Honorar
    Seminare
    Messekalender
    Impressum


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HALL OF FAME:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen
muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
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Susanne Böckle: "Paul Waschbär ist soo müde", Langenscheidt 2013,
Pappbilderbuch. 16 Seiten übers Einschlafen. www.susanne-boeckle.de

Anette Huesmann: "Die Glut des Bösen", Aufbau Taschenbuch Verlag 2012,
moderner Krimi. Um Hildegard von Bingen, www.anette-huesmann.de

Anni Bürkl, Gitta Edelman, Iris Leister und Anette Schwohl: "Kreatives
Schreiben - Vom leeren Blatt zum fertigen Text", Brockhaus 2013,
Schreibratgeber

Naomi Noah: "Unwiderstehlich", Heyne Verlag 2013, erotische
Kurzgeschichten. www.naomi-noah.de und Genre-Experiment:
www.erotoliterat.de


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SCHREIB-KICK:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den Mai, diesmal von Maike Frie:

Auf Flüssen, Kanälen und an Seen die Schiffsnamen notieren: Dazu kann
man schöne Assoziationen entwickeln und ausgefallene Namen in seinen
Texten verwenden (z. B. Teuntje, Antida oder Jerichow).


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LESETIPPS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num65935116/0
Hans Peter Roentgen berichtet ausführlich von der Tagung "Krimis
machen", die Anfang April in Berlin stattgefunden hat.


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht
überschreiten!
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                            "Der Vorhang"
             Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen


Vorgeschichte:

Sofia ist 28 und Schauspielerin, sie leidet unter Albträumen. Als
Dreijährige wurde sie adoptiert, nach dem Tod der Adoptiveltern findet
sie die Adoptionsunterlagen und geht ihnen nach. Die Formulierung
"vormals wohnhaft in" bringt sie auf die Spur ihrer leiblichen Mutter.
+++++

Am frühen Nachmittag stellte sie sich als Tochter der Josefa Groven in
der Strafanstalt Fuhlsbüttel vor. Obwohl sie sich anstrengte, kühl und
sachlich zu erscheinen - kein Personal konnte wissen, dass sie ihrer
Mutter zum ersten Mal in ihrem erinnerbaren Leben begegnen würde -,
hatte sie starkes Herzklopfen. Die Auskunft, die sie erhielt, nahm ihr
für den Moment das Herzklopfen, um sie danach aufstöhnen zu lassen.
"Josefa Groven wurde 1956 verlegt, und zwar  in die Vollzugsanstalt
‚Am Hasenberge‘ im Stadtteil  Ohlsdorf, nachdem das Frauengefängnis
hier als Teil der JVA endgültig geschlossen wurde. Dort müssten Sie
also nachfragen", empfahl ihr der Beamte.
Also weiter.
In Ohlsdorf war sie nun an der richtigen Stelle, die Eingangsfassade,
so kam es ihr vor, passte zu einem Gefängnis: ein großes Tor wie ein
riesiges, alles in sich einsaugendes Maul, flankiert von zwei kleinen
Fenster in den oberen Ecken, die sie zu beobachten schienen.
Wieder fühlte sie ihr Herz hinter den Rippen.
Die Beamtin, eine ältere Frau mit straffer Frisur, sah sorgfältig alle
Schriftstücke durch, die Sofia zu ihrer Legitimation vorgelegt hatte,
schaute sie ab und zu prüfend an. Dann blätterte sie in Aktenordnern,
nickte schließlich und sagte: "Ja, ja, ich weiß es noch."
"Was wissen Sie noch?"
Die Frau schloss die Akten, legte beide Hände darauf und sah Sofia
über den Rand ihrer Brille hinweg an.
"Es tut mir leid, Frau Berger, Sie kommen zu spät. Viel zu spät. Ihre
Mutter ist vor sechs Jahren gestorben, hier in der Anstalt, kurz vor
ihrer Entlassung. Blinddarmdurchbruch. Es ging alles sehr schnell."
Sofia schüttelte den Kopf, als wolle sie sagen, dass sie nicht
verstand, sie wollte sich weigern, zu verstehen. Verstand schließlich,
dass das Tor, hinter dem die Vergangenheit sich vor ein paar Tagen zum
Greifen nah gezeigt hatte, sich nicht weiter öffnen würde. Sie hatte
Mühe, vor der fremden Frau die Bitterkeit dieser Erkenntnis zu
verbergen.
"Ich arbeite seit knapp zehn Jahren in diesem Haus und erinnere mich
an Ihre Mutter, wenn wir auch keinen näheren Kontakt hatten."
Die Beamtin holte einen anderen Ordner, blätterte wieder, löste die
Klammern und entnahm ihm eine Klarsichthülle, in der ein brauner
Umschlag steckte.
"Hier." Sie reichte Sofia die Hülle. "Wir bewahren in der Regel
persönliche Dinge der in der Haft Verstorbenen für eine gewisse Weile
auf. Für den Fall, dass Angehörige danach fragen, Sie haben Glück,
dass das hier noch da ist."
"Danke", murmelte Sofia ohne aufzusehen, steckte die Hülle ein, ging
nach draußen, über den Vorplatz, es war heiß, der
Spätnachmittagsverkehr umbrandete sie, sie erwischte eine Taxe, ließ
sich auf den Rücksitz fallen, blickte auf vorbei gleitende Fassaden,
Passanten, Verkehr, drückte vor dem Hotel dem Taxifahrer eine Banknote
in die Hand, stieg aus, durchquerte die Halle und nahm den Aufzug in
den zweiten Stock. In ihrem Zimmer warf sie sich aufs Bett. Sie fühlte
sich leer, wie abgeschnitten von ihrem Leben, unfähig, irgendetwas zu
tun, zu planen, zu denken. Die Energie, die sie angetrieben hatte,
endlich ihre Wurzeln bloßlegen zu können, auch wenn es schmerzhaft
sein sollte, war so plötzlich von ihr abgefallen, als hätte man sie
eines stützenden Korsetts beraubt.
Sie lag da, starrte an die Decke und versuchte, an nichts zu denken.
Da war etwas Hartes unter ihrem rechten Schulterblatt. Die Tasche,
achtlos von ihrer Schulter gerutscht, als sie sich aufs Bett hatte
fallen lassen. Sie zog sie am Riemen unter ihrem Rücken hervor,
öffnete sie. Wie konnte sie das nur vergessen haben! Das Einzige und
wenige, das ihr geblieben war!
Auf dem Bett sitzend, öffnete sie den braunen Umschlag: eine
zusammengefaltete Kinderzeichnung, ein winziges Zellophantütchen mit
einer rötlichen Locke, wenige Schwarz-Weiß-Fotos fielen aus einem
beschrifteten Briefumschlag heraus. Eine junge Frau, die ein etwa
einjähriges Kind auf dem Arm hielt, die dichten, kinnlangen Haare in
seitlichen Wellen von Klammern gehalten, lächelnd. Das Kind, die
rechte Hand auf dem Oberarm der Mutter, mit großen Augen und halb
offenem Mund, beide eine Person außerhalb des Bildes ansehend. Ein
anderes Foto. Dasselbe Kind im Babyalter, vielleicht ein halbes Jahr,
vorgebeugt auf dem Schoß einer grauhaarigen Frau sitzend, die es mit
beiden Händen um den Bauch gefasst hielt und sich ein Lächeln abrang,
das Kind, neugierige Augen, mit offenem Mund lachend, eine winzige
hochgebürstete Locke auf dem Oberkopf, umfasste seine Fußspitzen mit
beiden Händchen. Das dritte Foto, wiederum das Kind, vielleicht zwei
oder an die drei Jahre alt, mit einer übergroßen Schleife in den
Locken an einem von Bildern bedeckten Tisch sitzend, das Gesicht dem
Betrachter zugewandt, teilweise verdeckt von Schulter und Hinterkopf
einer Frau, die sich zu dem Kind hinunter beugte. Eine Wolke von
aufgelöstem Haar, wellig, sich kräuselnd.

Sofia starrte auf das Haar. Es schien sich rot zu färben vor ihren
Augen, leuchtete auf wie unter einem Scheinwerfer, sie fühlte sich
plötzlich wie von Dunkelheit umklammert, das Gesicht des Kindes
verschwamm, ein anderes tauchte auf mit seitlich abgeknicktem Blick,
eine Stirnwunde, aus der ein dünner Blutfaden sickerte, sie sah das
Haar darüber lodern, hörte Schreie, Lärm brach über sie herein.
Sie starrte und starrte auf das Foto, bis sie selbst anfing zu
schreien, laut und ungehemmt. Das Foto in beiden Händen, sich mit den
Armen auf und ab bewegend, schluchzte und weinte sie, ihr Körper
schlug vor und zurück, ihre Stimme krallte sich in der Kehle fest,
schüttelte sie, ihr ganzer Brustkorb verkrampfte sich im Schrei. Ihr
Kopf wollte aufhören zu weinen, der Körper verweigerte es. Dann,
endlich, gab sie nach, ließ das Weinen zu, das nicht aufhören wollte,
ließ aus sich heraus, was, das wusste sie nun, seit dem furchtbaren
Geschehen damals in ihr hockte und sie in ihren Träumen heimsuchte.
Die Schreie, die sie, kaum drei Jahre alt, geweckt hatten, die
Dunkelheit, durch die sie im nächtlichen Haus bis ins Wohnzimmer
geirrt war, wo sie ihre Mutter auf dem dunklen Boden sitzend erkannt
hatte, zu ihr gelaufen war und hinter ihr stand, als die Scheinwerfer
eines draußen vorbei fahrenden Autos die Szene sekundenlang in
Schlaglicht getaucht hatten: Das Gesicht des toten Vaters, halb
verdeckt von den roten Haaren der Mutter, die sich schreiend über ihn
geworfen hatte. Mehr wusste sie nicht. Alles, was unmittelbar danach
geschehen war, entzog sich ihr.
Nach Minuten, endlich, fand sie sich wieder als Sofia Berger, auf
ihrem Bett im Hotel "Ibis" in Hamburg sitzend. Aus dem Flur vor ihrer
Zimmertür drangen Geräusche an ihr Ohr, klappernde Räder eines
Servierwagens, Stimmen, Lachen, eine Tür wurde vehement ins Schloss
gedrückt. Sie stand auf, ging zum Fenster, öffnete es. Straßenlärm
drang herein, die Tageshitze überfiel sie wieder, ein ganz
gewöhnlicher Sommernachmittag im Jahr 1972.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

                  Lektorat von Hans Peter Roentgen

Eine Tochter sucht ihre leibliche Mutter, doch stellt fest, dass sie
zu spät kommt. Die Mutter ist im Gefängnis verstorben, der Tochter
werden einige wenige persönliche Habseligkeiten übergeben. Im Hotel
öffnet sie diesen Umschlag, findet Fotos, und plötzlich erinnert sie
sich. Ihre Mutter hat ihren Vater ermordet.

Eine dramatische Geschichte, kein Zweifel, aber auch eine schwierige,
denn es passiert wenig. Die Dramatik liegt in der Person selber und in
der Erinnerung, die aber nur ein Schnappschuss ist.


         Spannungsaufbau

Drei Ereignisse passieren: der Besuch in Fuhlsbüttel, der Besuch in
der JVA (Justizvollzugsanstalt) "Am Hasenberge" und schließlich die
dramatische Rückerinnerung an den ermordeten Vater. Diese drei bilden
einen Spannungsbogen, der sich sukzessive steigert. Erst Fuhlsbüttel,
zunächst eine Enttäuschung, dann neue Hoffnung. Dann "Am Hasenberge",
größere Hoffnung, größere Enttäuschung. Schließlich die Fotos und die
endgültige Erinnerung.

Der erste Abschnitt führt in die Entwicklung ein. Ich formuliere ihn
einmal ein wenig um:

.....
Am frühen Nachmittag stellte sie sich als Tochter der Josefa Groven in
der Strafanstalt Fuhlsbüttel vor. Sie strengte sich an, kühl und
sachlich zu erscheinen - niemand sollte wissen, dass sie ihrer Mutter
zum ersten Mal bewusst begegnen würde -, dennoch hatte sie starkes
Herzklopfen.
.....

Ich habe den zweiten Satz überarbeitet, komplizierte Formulierungen
geändert und eine missverständliche Formulierung - "niemand konnte
wissen" - durch eine eindeutigere ersetzt: "Niemand sollte wissen ..."

Vor allem habe ich den dritten Satz gestrichen. Warum?

Die Auskunft, die sie erhielt, nahm ihr für den Moment das
Herzklopfen, um sie danach aufstöhnen zu lassen.

Dieser Satz erläutert das, was ihr der Beamte gleich danach erklärt.
Er tut dies sehr pathetisch: Nimmt ihr das Herzklopfen, lässt sie
aufstöhnen. Da erklärt ein Autor dem Leser, was seine Figur fühlt, und
vor allem, was der Leser selbst fühlen soll.


         Szene oder Mitteilung?

Aber können wir diesen Satz einfach streichen? Denn nur die Auskunft
des Beamten stehenzulassen, wirkt auch nicht richtig.

Was ist wichtig an der Auskunft? Dass die Mutter nicht mehr hier ist,
dass Sofias Erwartung, endlich ihre Mutter zu sehen, enttäuscht wird.
Also schreiben wir das auch so, aber als Szene:

.....
"Ihre Mutter können Sie nicht mehr besuchen", sagte der Beamte. Sofia
starrte ihn an, mit ihrer Selbstbeherrschung war es vorbei. Der Beamte
schien das zu bemerken. "Tut mir leid", sagte er. "Das Frauengefängnis
hier in der JVA wurde 1956 geschlossen."
"Und wo finde ich ..."
Der Beamte blätterte in seinen Papieren. "Sie wurde in die JVA ‚Am
Hasenberge" in Ohlsdorf verlegt. Dort müssen Sie nachfragen."
.....

Was habe ich hier getan? Ich habe aus einer Behauptung ("Die Auskunft
ließ sie aufstöhnen") eine kurze Szene gemacht, die die Enttäuschung
zeigt.

Wäre das die einzige Möglichkeit, dem Leser diese wichtige Information
- die Mutter ist nicht mehr Fuhlsbüttel - zu vermitteln? Nein, es
ginge auch eine anders: in einem Satz, der zusammenfasst, was der
Beamte ihr sagt:

.....
Doch in Fuhlsbüttel erfuhr sie, dass ihre Mutter 1956 in die JVA "Am
Hasenberge" in Ohlsdorf verlegt worden war.
.....

Das ist sehr viel kürzer, keine Szene mehr, sondern eine Mitteilung.
Wie man schnell merkt, "wirkt" diese Mitteilung weit weniger als die
Szene. Wenn Sie also Ereignisse schildern wollen, die für Ihre Figuren
wichtig, emotional bedeutsam sind, empfiehlt es sich, die Szene zu
schreiben. Hat das Ereignis aber keine so große Bedeutung, kann man es
beiläufig als Mitteilung in einem Satz schreiben.

Der Autor muss wissen, welche Bedeutung ein Ereignis hat, welche
Wirkung er erzielen will, und dementsprechend Szene oder Mitteilung
einsetzen. Natürlich kann man auch beides mischen, eine kurze
Mitteilung, die durch einen szenischen Splitter oder Dialogsplitter
lebendiger wird:

.....
Doch in Fuhlsbüttel sagte ihr der Beamte: "1956 wurde das
Frauengefängnis in Fuhlsbüttel aufgelöst." Sofias Mutter war in die
JVA "Am Hasenberge" in Ohlsdorf verlegt worden.


         Lebendig beschreiben

Sofia kommt zu der nächsten Justizvollzugsanstalt:

.....
"Also weiter.
In Ohlsdorf war sie nun an der richtigen Stelle, die Eingangsfassade,
so kam es ihr vor, passte zu einem Gefängnis: ein großes Tor wie ein
riesiges, alles in sich einsaugendes Maul, flankiert von zwei kleinen
Fenster in den oberen Ecken, die sie zu beobachten schienen.
Wieder fühlte sie ihr Herz hinter den Rippen."
.....

Das "Also weiter" würde ich streichen und den restlichen Text
lebendiger gestalten. Um das zu erreichen, habe ich die Hilfsverben
("war sie nun an der richtigen Stelle ...") ersetzt und die Erklärung
gestrichen ("so kam es ihr vor ..."):

.....
Die Eingangsfassade in Ohlsdorf passte zu einem Gefängnis: ein großes
Tor wie ein riesiges, alles verschlingendes Maul, flankiert von zwei
kleinen Fenster oberhalb, die sie zu beobachten schienen.
Wieder fühlte sie ihr Herz hinter den Rippen.
.....

Dass sie ihr Herz wieder spürt, klingt nicht sehr aufregend, eher wie
der beliebte Satz: Ihr Puls raste. Aber nicht überall kann man neue
Bilder finden, und deshalb denke ich, dass dieser Satz hier
stehenbleiben kann.

Und damit kommen wir zum zweiten Ereignis im Textes. Der wird als
Szene geschildert:

.....
Die Beamtin, eine ältere Frau mit straffer Frisur, sah sorgfältig alle
Schriftstücke durch, die Sofia zu ihrer Legitimation vorgelegt hatte,
schaute sie ab und zu prüfend an. Dann blätterte sie in Aktenordnern,
nickte schließlich und sagte: "Ja, ja, ich weiß es noch."
[...]
"Danke", murmelte Sofia ohne aufzusehen.
.....

An dieser Szene habe ich wenig zu kritisieren, nur den Abschnitt mit
dem Tor, das sich schließt, könnte man verbessern.


         Entspannung

Mit der Erkenntnis, dass sie zu spät kommt, ist ein Spannungshöhepunkt
vorüber. Sofia (und der Leser) wissen jetzt, dass sie zu spät gekommen
sind. Jetzt ist der Moment gekommen, dass der Text keine Spannung mehr
aufbauen kann, sondern es folgt eine Entspannung.

Moment mal, werden Sie sagen, dass ist doch eine furchtbare
Erkenntnis, die Sofia jetzt verarbeiten muss? Richtig. Aber die
Handlung und der Dialog treten zurück. Was passiert, erzählt die
Autorin in langen Sätzen, die einfach aneinanderreihen, was geschieht:

.....
"Danke", murmelte Sofia ohne aufzusehen, steckte die Hülle ein, ging
nach draußen, über den Vorplatz, es war heiß, der
Spätnachmittagsverkehr umbrandete sie, sie erwischte eine Taxe, ließ
sich auf den Rücksitz fallen, blickte auf vorbei gleitende Fassaden,
Passanten, Verkehr, drückte vor dem Hotel dem Taxifahrer eine Banknote
in die Hand, stieg aus, durchquerte die Halle und nahm den Aufzug in
den zweiten Stock. In ihrem Zimmer warf sie sich aufs Bett. Sie fühlte
sich leer, wie abgeschnitten von ihrem Leben, unfähig, irgendetwas zu
tun, zu planen, zu denken. Die Energie, die sie angetrieben hatte,
endlich ihre Wurzeln bloßlegen zu können, auch wenn es schmerzhaft
sein sollte, war so plötzlich von ihr abgefallen, als hätte man  sie
eines stützenden Korsetts beraubt.
.....

Auch das ist ein gutes handwerkliches Mittel: Unwichtige Ereignisse
als Hauptsätze aneinander zu reihen, der Leser erfährt, was passiert.
Aber das, was wichtig ist, steht zwischen den Zeilen: dass diese
Ereignisse - Taxi, Banknote, Hotelhalle, etc. - für Sofia keine Rolle
spielen. Sie tut, was sie tut, weil sie es tun muss. Der Autor erzählt
es, weil der Leser erfahren muss, dass Sofia wieder ins Hotelzimmer
zurückkehrt. Und weil durch diese Art der Erzählung dem Leser gezeigt
wird: All das ist nicht wichtig. Das, was wichtig ist, steht nur ganz
am Ende: Sie fühlt sich leer.

Muss man das überhaupt erwähnen? Schließlich zeigt dieser lange Satz
mit belanglosen Ereignissen bereits, dass sie wie im Traum alltägliche
Dinge tut.

Man muss nicht. Aber man kann. Das hängt jetzt von dem persönlichen
Geschmack ab und vom Stil der gesamten Geschichte. Ein Text im knappen
Hemingway- oder Carver-Stil würde das nicht sagen. In solchen Texten
schreibt man nie explizit die Gefühle der Personen hin. In anderen
Texten, etwa opulenten historischen Erzählungen, wird erwartet, dass
man sie explizit erzählt.


         Spannungsanstieg

Dann passiert wieder etwas:

.....
Sie lag da, starrte an die Decke und versuchte, an nichts zu denken.
Da war etwas Hartes unter ihrem rechten Schulterblatt. Die Tasche,
achtlos von ihrer Schulter gerutscht, als sie sich aufs Bett hatte
fallen lassen. Sie zog sie am Riemen unter ihrem Rücken hervor,
öffnete sie. Wie konnte sie das nur vergessen haben! Das Einzige und
wenige, das ihr geblieben war!
.....

Damit zieht die Spannung wieder an. Eine neue Frage stellt sich: Was
ist in dem Umschlag? Wer spannend schreiben will, sollte immer darauf
achten, welche Fragen sich aus dem Text, aus der Geschichte ergeben.
Ergeben sich nämlich keine, weiß der Leser, was geschehen wird - dann
ist es vorbei mit der Spannung.


         Die Spannungsschraube anziehen

Sofia öffnet den Umschlag. Fotos fallen heraus. Der Autor lässt die
Fotos lebendig werden, sie werden anschaulich geschildert, wecken beim
Leser Bilder. Aber das ist nicht das Entscheidende. Denn die Bilder
sind Kinderbilder. Eigentlich nichts Aufregendes.

Sollte man sie also streichen?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob hier Streichen angesagt ist, tun Sie
es einfach mal. Und legen dann beide Texte nebeneinander. Sie werden
feststellen, dass der Abschnitt mit den Bildern die Spannung erhöht.
Warum tut er das?

Weil er KEINE Antworten liefert. Der Leser will mehr über die Mutter
wissen und warum die Mutter ins Gefängnis kam. Doch das beantworten
die Bilder nicht. Im Gegenteil, sie wecken das Bild einer glücklichen
Kindheit.

Eine gute Technik, den Leser auf die Folter zu spannen. Allerdings
funktioniert sie nur, wenn der Text die Fragen des Lesers vertieft,
die Antwort wichtiger macht.

Und dann kommt die Erinnerung. Jetzt wissen wir, warum uns die
Kinderbilder so ausführlich geschildert wurden. Jetzt wissen wir, was
damals passiert ist. Sofia sieht ein Bild, doch das ist kein Bild aus
dem Umschlag. Es ist ein Bild aus ihrer Erinnerung. Der tote Vater,
die Mutter, die sich über ihn beugt.


         Details

Ich habe mich hier auf die Struktur der Geschichte konzentriert.
Natürlich kann man auch noch am Detail feilen. Zum Beispiel hier, in
dem Abschnitt als Sofia sich erinnert:

.....
Das Foto in beiden Händen, sich mit den Armen auf und ab bewegend,
schluchzte und weinte sie, ihr Körper schlug vor und zurück, ihre
Stimme krallte sich in der Kehle fest, schüttelte sie, ihr ganzer
Brustkorb verkrampfte sich im Schrei. Ihr Kopf wollte aufhören zu
weinen, der Körper verweigerte es. Dann, endlich, gab sie nach, ließ
das Weinen zu, das nicht aufhören wollte, ließ aus sich heraus, was,
das wusste sie nun, seit dem furchtbaren Geschehen damals in ihr
hockte und sie in ihren Träumen heimsuchte.
.....

Da wird erst gesagt, dass sie weinte, dann, dass sie schließlich das
Weinen zuließ - was bedeuten würde, dass sie vorher nicht geweint hat.
- Doch ich habe mich hier bewusst auf die Struktur konzentriert. Bei
einer Textüberarbeitung sollte man nicht alles auf einmal machen.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert. Gerade ist sein neuer
Ratgeber "Schreiben ist nichts für Feiglinge" erschienen.


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INTERVIEW:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


     "Der Autor liefert die Protagonisten und die Dramaturgie -
                      ich liefere die Kulissen"
                Interview mit Dr. Barbara Ellermeier

Barbara Ellermeier ist unsere neue Expertin fürs Recherchieren
(Kontakt s. unter "Unsere Expertinnen und Experten"). Dafür ist sie
bestens qualifiziert, denn die Historikerin bietet einen
professionellen Recherchedienst für AutorInnen an. Wir haben Barbara
Ellermeier zu ihrer Arbeit als "Tourguide" durch historische Zeiten
befragt.

Gabi Neumayer: Liebe Barbara, was macht dein Recherchedienst für
Autoren eigentlich genau?

Barbara Ellermeier: Ich mache denjenigen das Leben einfacher, die
Romane mit historischem Hintergrund schreiben. Für sie sammle ich
Material, ordne es gemäß ihrem Plot und schicke es ihnen. So müssen
sie nur noch losschreiben.


GN: In welcher Situation kommen AutorInnen auf dich zu?

BE: Oft ist die Zeit knapp, bis das neue Manuskript beim Verlag sein
muss. Viele Autorinnen haben ja die Doppelbelastung Schreiben und
Familie. Sie können nicht wochenlang ins Archiv verschwinden, durch
Südfrankreich reisen oder ständig irgendwelchen Wissenschaftlern
hinterhertelefonieren. Trotzdem dürfen sie die Recherche nicht
vernachlässigen, sonst hagelt es miese Rezensionen ... Vielleicht
fällt sogar der nächste Vorschuss niedriger aus oder es gibt gar
keinen nächsten Buchvertrag. Denn gerade die Leser von historischen
Romanen kennen sich richtig gut aus. Sie erwarten, dass alles stimmt.
Jedes Detail. Hier komme ich ins Spiel.


GN: Wie kann eine Zusammenarbeit aussehen?

BE: Ganz einfach: Der Autor liefert die Protagonisten und die
Dramaturgie. Und ich liefere ihm/ihr die gesamten Kulissen. Das Exposé
gibt mir dabei den Rahmen vor. Auf dieser Basis finde ich Details,
mögliche Dialoge, Essen, Kleidung, Tagesabläufe etc. pp. Auch
Überblicksinfos stelle ich zusammen: Was passierte damals eigentlich
in der Welt? Im Land und in der Region, wo der Roman spielen soll?
Gemeinsam mit den Autoren bespreche ich ganz genau, was ich für sie
finden soll.


GN: Könntest du einige Beispielfragen nennen, die du schon
recherchiert hast?

BE: Meinen Klienten sichere ich zu, dass ich über ihre Themen nichts
verrate. :) Aber von der Römerzeit über das Mittelalter und die
Auswandererwelle von 1800-1900 bis hin zum Zweiten Weltkrieg war schon
alles dabei. Diese Bücher sind u. a. bei Lübbe, Knaur, Rowohlt &
Blanvalet erschienen.

Oft wagt sich der Autor an eine Zeit, über die er noch nie geschrieben
hat. Oder der Verlag bittet die Autorin, einen neuen Love&Landscape-
Plot zu entwickeln. Und dieser spielt in 
(ich erfinde jetzt etwas)
... sagen wir: Mexiko oder Madagaskar. Oder es soll ein
Familiengeheimnis-Roman mit gleich drei Zeitebenen werden. Weil ich
sehr effizient recherchiere, kann ich den Autoren viel Zeit sparen.


GN: Gibt es auch AutorInnen aus anderen Genres als dem historischen
Roman oder dem Sachbuch, die sich an dich wenden? Und kannst du ihnen
ebenfalls helfen?

BE: Bei mir landen viele Anfragen zur Familienforschung. Klar *kann*
ich das auch. Aber ich konzentriere mich nur noch auf den
Recherchedienst. Denn die größte Freude für mich ist, wenn ich Monate
später ein Buch aufschlage, und "meine" Autorin hat ein Detail
eingewoben, das ich ihr geschickt habe. Und formuliert hat sie es
ungleich schöner, als ich es erwartet hätte! Das sind Glücksmomente.


GN: Wie sieht dein beruflicher Hintergrund aus?

BE: Studiert habe ich Geschichte und Archäologie. Schon während der
Doktorarbeit hat ein Professor mir gesagt: "Sie schreiben viel zu
spannend, Frau Ellermeier. Sie müssen lernen, langweiliger zu
schreiben, nüchterner." Aber das wollte ich nicht. Ich wollte
wissenschaftlich korrekt & trotzdem spannend schreiben. Als
Ghostwriterin habe ich zuerst Sachtexte, dann historische Romane
verfasst. Daher kenne ich beide Seiten: die wissenschaftliche
Forschung und die Zusammenarbeit mit den Verlagen. - Und ich kenne den
Druck, den man als Autor manchmal erlebt, wenn ein Buch pünktlich
fertig werden soll.


GN: Wie kommst du an deine Quellen? Kannst du Beispielquellen nennen,
auf die Otto Normalautor nicht kommen würde?

BE: Jeder Plot ist anders, und jedes Buchprojekt auch. Pauschal kann
ich also keine "Allround-Geheim-Quellen" nennen, die allen Tempest-
Lesern nützen würden.

Das Material, das ich für die Autoren zusammenstelle, finde ich in
Bibliotheken, in handgeschriebenen Texten, im Internet und in meinem
privaten Zettelkasten-Archiv. Unschätzbar wertvoll sind aber meine
Kontakte zu Geschichtsspezialisten: Ich kenne hunderte Museumsleute,
Archivmitarbeiter, Alte-Schriften-Entzifferer. Und Reenactment-Fans,
die sich jedes Wochenende als Mensch von 1618 oder 1813 verkleiden.
Für mich ist es nur ein Anruf, um an deren Wissen zu kommen. Das gebe
ich weiter an meine Autoren.


GN: Worauf sollten AutorInnen, die selbst recherchieren, vor allem
achten? Hast du da ein paar grundlegende Tipps für uns?

BE: Ohne Zögern anfangen. Sich treiben lassen. Auch mal scheinbar
nutzlosen Wegen folgen (vielleicht findet man einen tollen
Protagonisten oder eine eindrückliche Szene?). Nach einer festgelegten
Zeit: Aufhören! Dann das Material systematisch ordnen und beginnen zu
schreiben. - Das Aufhören ist vielleicht das Wichtigste: Denn
Recherche ist verführerisch. Man darf sich von ihr nicht vom Schreiben
abhalten lassen.


GN: Du hast auch ein vielbeachtetes Buch über Hans Scholl geschrieben,
den Gründer der "Weißen Rose" (Hoffmann & Campe 2012). War es
schwieriger, für sich selbst zu recherchieren?

BE: Das war nicht schwieriger. Nur brauchte ich das geordnete Material
nicht abzugeben, sondern musste das Buch selber schreiben. Bei mir
läuft immer, wenn ich Material durchsehe, im Hinterkopf ein
"Prüfprogramm" ab. Könnte das hier eine Szene werden?, frage ich mich.
Ist das Detail interessant genug, dass es ins Buch darf? Würde es in
die Dramaturgie des Plots passen? Weil ich selbst schreibe, weiß ich
genau, was Autoren suchen.


GN: Wie waren deine Erfahrungen mit dem Schreiben? Und was tust du
lieber: recherchieren oder schreiben?

BE: Letztlich ist beides ganz ähnlich: Es ist ein Sich-Versenken-ins-
Material. In eine andere Zeit. Aber beim Recherchieren sind wir nicht
allein. Eine Autorin hat mir einmal geschrieben: "Barbara, du hast für
die Zeit der Recherche mein Thema zu deinem Thema gemacht." Dass sie
jetzt mit mir über "ihre" Zeit fachsimpeln kann - und beim Schreiben
nicht mehr alleine ist! -, sei für sie das schönste Gefühl.


GN: Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.

http://barbaraellermeier.de: Hier findet ihr Barbara Ellermeiers
Website. Dort erklärt sie sehr lebendig und anschaulich, wie sie
arbeitet, was sie anbietet und was AutorInnen von ihren Diensten
erwarten können.


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VERLAGSPORTRAIT:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Buchvolk-Verlag UG (haftungsbeschränkt)
Gutwasserstraße 11
08056 Zwickau
Telefon: (03 75) 2 73 93 85
Handy: (01 57) 30 30 31 33
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.buchvolkverlag.de


         Verlagsgeschichte

Der Verlag wurde von Dr. Annett Hartmann, Claudia Puhlfürst
(Geschäftsführerin), Sylke Tannhäuser-Gerstner, Ethel Scheffler und
Wolfgang Schüler gegründet. Alle Gesellschafter arbeiten im
Nebenberuf, die Geschäftsführerin auf Honorarbasis.

Alle Wege führen zum Buch 
Nicht im Wilden Westen, nicht im kühlen
Norden, nicht im sonnigen Süden, nicht in überfüllten Großstädten -
sondern in Zwickau, am Rande des Miriquidi-Urwaldes, arbeitet das
BUCHVOLK.

BUCHVOLK steht für originelle Bücher von kriminell bis schwarzhumorig,
von frech bis gruselig, von rätselhaft bis zauberhaft.


         Programm und Philosophie

Das Buchvolk bedient drei Programmschienen: 1. Krimis/Thriller, 2.
Anthologien (Kurzkrimis), 3. Kinderbücher.

Das Frühjahrsprogramm 2013 umfasst drei Titel: Stephan Hähnel: "Alte
Frau zum Kochen gesucht";  Annett Hartmann, Claudia Puhlfürst (Hrsg.):
"Mord-Ost"; Claudia Puhlfürst: "Die kleine Detektivschule".


         Welche Autoren wurden bisher verlegt?

Um nur einige zu nennen: Jan Flieger, Ralf Alex Fichtner, Andrea
Gehlen, Christine Sylvester, Maren Schwarz, Günther Zäuner; siehe
Webseite: http://www.buchvolkverlag.de/autoren.


         AutorInnen gesucht?

Für Krimis / Thriller und für Kurzkrimis suchen wir immer Autoren.


         Konditionen

Autorenverträge orientieren sich am Normvertrag und beinhalten:

- prozentuale Beteiligung des Autors am Nettoabgabepreis [Anmerkung
der Red.: also nicht am Nettoverkaufspreis!]: Das Honorar für die
verschiedenen Arten von Ausgaben (z. B. Hardcover, Taschenbuch usw.)
beträgt 8 % vom Preis gemäß Absatz 1. Es erhöht sich nach dem Absatz
des Werkes von 5.001 bis 8.000 Exemplaren auf 9 %; von 8.001 bis
10.000 Exemplaren auf 10 %; ab 10.001 Exemplaren auf 12 %.
- freie Autorenexemplare
- bei Anthologien: prozentuale Beteiligung des Autors am
Nettoabgabepreis nach Seitenzahl im Buch
- Nebenrechte werden mit 50 % zu 50 % abgerechnet.


         Was ist besonders wichtig?

Buchvolk macht "alles außer gewöhnliche Bücher". Persönliche Betreuung
aller Autoren, besondere Werbeaktionen, Lesungen mit Eventcharakter.


         Zukunftspläne, Perspektiven

Das Buchvolk soll sich zu einem regionalen, später überregionalen
Verlag mit qualitativ hochwertigem Programm entwickeln.


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -
keine Manuskripte zur Beurteilung.

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.


Drehbuch: Oliver Pautsch
                            drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
                              fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
                             fantasy at experte pt autorenforum pt de
Heftroman: Arndt Ellmer
                           heftroman at experte pt autorenforum pt de
Historischer Roman: Titus Müller
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Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
                          kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Kriminalistik: Kajo Lang
                       kriminalistik at experte pt autorenforum pt de
Lesungen: Rüdiger Heins
                            lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
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Recherche: Barbara Ellermeier
                           recherche at experte pt autorenforum pt de
Plotten: Kathrin Lange
                             plotten at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
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Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss
                         fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
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Schreibhandwerk: Ute Hacker
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Sciencefiction: Andreas Eschbach
                            sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
                       uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
                        verlagswesen at experte pt autorenforum pt de

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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine Fragen und Antworten zu den Themen
Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt
- thematisch sortiert und aktualisiert:

"Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung für Autoren 2012", E-Book,
2,99 Euro, http://www.amazon.de/gp/product/B007VD3OL6/


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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         Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de


Frage:
Ich arbeite jetzt seit eineinhalb Jahren an einem Roman. Ich habe
mehrere Bekannte gebeten, einige Kapitel zur Probe durchzulesen und
mir ein Feedback zu geben. Dadurch konnte ich bereits mehrere
unsaubere Stellen ausbessern. Selbst die kritischsten Leser haben mir
gesagt, dass mein Schreibstil sie zum Weiterlesen animiert, nur fehlt
mir der fachliche Ansatz. Ich weiß nicht, an welchen Stellen ich
vielleicht etwas zu viel oder zu wenig erkläre oder ob die Wendungen
zu offensichtlich sind. Demnach habe ich Schwierigkeiten damit,
"fertig" zu werden. Welche Möglichkeiten habe ich, mir da so etwas wie
Gewissheit zu holen?


Antwort:
Du bist schon auf dem richtigen Weg: überarbeiten, Textkritik einholen
und wieder überarbeiten. Das machst du schon besser als all jene, die
glauben, dass nach der ersten Fassung der Roman fertig sei.

Ich rate dir, tritt einer realen oder virtuellen Gruppe bei, die sich
dem handwerklichen (!) Schreiben verpflichtet hat. Am besten einer
Gruppe, die auch Romane zulässt. Nicht jede Gruppe kann mit solch
umfangreichen Werken umgehen oder will das. Du wirst sowieso erst
einmal nur Ausschnitte vorstellen können.

Testleser sollten verschiedene Hintergründe haben:

1. Deine Bekannten sind gut, sofern sie von dir noch nichts über den
Romaninhalt gehört haben. Dann können sie prima erste Eindrücke beim
Lesen festhalten, Lese-Stolpersteine finden und das "Lesegefühl"
benennen. Sie haben jedoch nicht das Rüstzeug, konkrete Texthilfen zu
geben.

2. Testleser, die selbst schreiben, schauen bereits genauer hin und
können besser als "reine" Leser den Finger darauf legen, wo es hakt.
Vieles werden sie auch benennen können. Wer aber nicht selbst schon
Roman(e) geschrieben hat oder oft Textkritik in der Runde geübt hat,
weiß vielleicht nicht genau zu benennen, was schwächelt.

3. Testleser, die schon länger in einer Textkritikgruppe sind,
benennen die Schwachstellen meist recht genau; aber deren Kritik ist
oft umfassend, direkt und "gnadenlos". Das muss man aushalten können.
Man lernt aber in solchen Gruppen am meisten.

4. Wenn mein Manuskript soweit "durch" ist, lasse ich es noch mal von
ein, zwei Lesern/innen aus meiner Zielgruppe lesen, sozusagen:
Testpublikum der späteren Käufergruppe. (Für die Ausarbeitung des
Romans bringt das aber nicht viel. Es ist für mich nur eine
Abschätzung, ob ich die Zielgruppe richtig getroffen habe.)

Das nächste Problem, das du ansprichst, ist das Loslassen. Man meint,
immer noch etwas verbessern zu müssen. Man hat noch diese schöne Idee
oder jene ... Da kann man sich dann nur auf das verlassen, was die
Textkritik-Gruppe sagt. Wenn sie nichts mehr zu kritisieren haben,
solltest du den Text als abgeschlossen betrachten. (Zumindest bis die
Änderungswünsche von Verlag oder Agentur kommen.) Oder die Anfrage an
Lesergruppe 4 starten: "Würdet ihr dies im Buchladen für 20 Euro
kaufen?" Du könntest auch einen Lektor fragen (nicht vom Verlag,
sondern externe Dienstleister), aber da diese meist sehr beschäftigt
sind, wirst du für seine Dienstleistung zahlen müssen.

Ein weiterer Ausweg: Fang einen neuen Roman an, und lass den alten
liegen. Mit der neuen Arbeit gewinnst du Abstand zu dem älteren Text.
Wenn er dir dann immer noch gefällt, schreibe Exposé, Anschreiben und
Leseprobe und sende alles an Verlage oder Agenturen.

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Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt Schreibkurse,
veröffentlicht sporadisch und schreibt an ihrem vierten Roman.


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit
getrennter Mail kommt
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach
Rücksprache - erwünscht. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin
bzw. beim Autor.

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
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Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
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Herausgeber:
 Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
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