Ich möchte hauptberuflich vom Schreiben leben können. Gehe ich dazu richtig vor?

Im letzten Jahr habe ich ein recht ungewöhnliches Projekt ins Leben gerufen, musste allerdings während dieses Jahres feststellen, dass es nicht möglich sein wird, den Film selber zu produzieren; [...] alleine für den Trailer würden 50-100.000 Euro an Kosten zustande kommen. [...]
Da ich mit diesem Projekt nicht weiterkomme, habe ich in diesem Jahr zwei weitere Drehbücher (in englischer Sprache) geschrieben. [...] Jetzt stehe ich vor dem Scheideweg. Ich weiß, dass keine deutsche Agentur, die bei Trost ist, einen deutschen Autor akzeptieren wird, der auf Englisch schreibt; Ähnliches gilt übrigens auch für englische/am. Agenturen. [...]
Daher habe ich begonnen, das realistische Drama, die Dreiecksgeschichte, in einen Roman in deutscher Sprache umzuarbeiten. Und zwar nicht 1:1, sondern so, dass daraus ein tatsächlich eigenes Buch werden kann. Meine Frage ist, wie viel ich schreiben soll, bevor ich den Roman an Agenturen und Verlage schicke; in der Regel wollen diese ja nur ein einziges Kapitel lesen und die Gesamthandlung stimmt überwiegend mit dem Drehbuch überein. Ein fertiger Roman wird aber erst daraus, wenn ich die letzte Seite geschrieben und mindestens eine Korrektur hinter mir habe, und das kann noch etwas dauern.
Was sollte ich tun? Ein erstes Kapitel schreiben [...] und den Romananfang + Synopsis verschicken oder das Projekt zu Ende führen und den überarbeiteten Roman bzw. dessen erste(s) Kapitel versenden?
Ich denke ganz einfach, dass man in Deutschland mehr Chancen hat, wenn man einen Roman veröffentlicht, als wenn man versucht, sich als purer Drehbuchautor durchzuschlagen. [...]

Ich danke für Ihre E-Mail und kann Ihre Motivation gut verstehen. Aber wollen Sie das wirklich tun ?-)

Na gut – Sie könnten z. B. als reiner Drehbuchautor Geld verdienen, wenn Sie sich etablieren. Dazu ist nicht unbedingt ein Roman nötig oder hilfreich. Damit verdient man weniger. Und Film-/Fernsehproduzenten schielen eher auf eine Filmografie – außer Sie haben einen Bestsellerroman geschrieben, der sich adaptieren lässt ;-)

1) Sorgen Sie dafür, in beiden Gewerben dafür etwas "auf die Uhr" zu bekommen.

2) Arbeiten Sie im Filmbereich an Hochschulprojekten mit. Dort sind begrenzte Mittel, aber sehr viel Enthusiasmus unterwegs. Die Absolventen (oder Zwischenprüfler) sind risikobereiter und auch SF-Themen aufgeschlossen. Meist mangelt es dort an guten Drehbüchern! Außerdem ist die Festival- und Preisauswertung von Abschlussfilmen und -filmern nicht zu verachten. Denn es ist mindestens noch einmal so viel Arbeit, den Film auch anständig zu verwerten, wie den gleichen Film vorher gut zu drehen. Das verkennen viele "Profis" später. Weil Festivaleinreichung so mühsam, riskant und kostspielig ist.

3) Sammeln Sie im Druckbereich Veröffentlichungen: Kurzgeschichten in Anthologien, vielleicht sogar Preise themengebundener Ausschreibungen, Zeitschriften, etc. Lernen Sie Kollegen kennen, treten Sie vielleicht in Autorenorganisationen ein. Auch wenn die meisten Autoren eher Einzelgänger sind, kann das durchaus motivierend, jobfördernd und hilfreich sein.

4) Beobachten Sie den Markt. Daran vorbei zu schreiben ist Zeitverschwendung. Sie können jedem Genre Ihren Stempel aufdrücken – doch dazu müssen Sie sowohl das Genre als auch den Markt sehr genau kennen. Durchforsten Sie Trailerseiten (z. B. http://www.apple.com/trailers/), Netz- und reale Videotheken, den Buchhandel und die Messen. Und und und ...

5) Halten Sie durch! Geben Sie nie auf! Autor als Hauptberuf ist gleichzeitig Hindernis- und Marathonlauf. Geringe Fixkosten, reiche Eltern, eine Frau mit einem guten Job oder ein Standbein mit 13. Monatsgehalt sind nie verkehrt für den langen Atem, um als Autor Fuß zu fassen. Und selbst dann müssen Sie ständig dranbleiben und kleine Brötchen backen. Gilt zumindest für den Großteil aller Autoren in beiden Handwerken.

6) Ich halte Ihre durchaus klugen und recherchiert klingenden Ausführungen zum Thema „Roman für Agentur oder Verlag" für richtig: Erst das Exposé und ein Kapitel anbieten. Ob Sie weiter schreiben oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Oft kommen Verlage allerdings auf andere Ideen mit Ihrem Manuskript. Dann müssen Sie viel umarbeiten/neu schreiben. (Ich bin zu faul, äh, effizient für so etwas ;-))

7) Nummerieren Sie Ihre Ausführungen niemals!

beantwortet von: Oliver Pautsch (11-10)

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