Nimmt mich noch ein Verlag, wenn ich bei BoD veröffentlicht habe – und auch angesichts meines hohen Alters?

In meiner Zeit als Autor hat sich so viel angesammelt, dass ich gerne ein Buch mit Gedichten und Geschichten herausbringen möchte. Da ich annehme, dass dies bei „normalen“ Verlagen kaum möglich sein wird, dachte ich an BoD. [...] Nun bin ich auch am Fertigstellen eines Romanes, der meiner Meinung nach die Qualität hat, um bei einem „normalen“ Verlag angenommen zu werden (evtl. über eine Agentur). Nun meine Fragen:

1) Bin ich durch die Veröffentlichung meines Buches mit Gedichten und Geschichten bei BoD schon so „verbrannt“, dass kein Verlag mehr meinen Roman annehmen würde. Welche Nachteile sehen Sie da noch?
2) Wäre es besser, bei diesen Chancen (bin 63 Jahre alt), auch gleich den Roman und evtl. weitere Bücher bei BoD herauszubringen, da sowieso durch eventuell Qualität und Alter keine Chance bei „normalen“ Verlagen besteht?
3) Sollte ich vielleicht erst den Roman zur Veröffentlichung bei „normalen“ Verlagen anbieten und bei eventueller Annahme dann ein Buch mit Gedichten und Geschichten bei diesem Verlag herausbringen? [...]

1) Es gibt Buchhändler und Lektoren, die Selbstverlag in jeder Form ablehnen und Autoren, die das nutzen, als "verbrannt" betrachten. Andererseits ist es inzwischen nicht mehr ungewöhnlich, wenn man unter eigener Regie veröffentlicht. Zudem ist es ein wundervoller Test, ob ein Autor ein Publikum begeistern kann – kein Verlag muss Geld investieren und sieht trotzdem Rezensionen, Leserkommentare etc.

Geschichten- oder Gedichtsammlungen funktionieren im Buchhandel ohnehin nicht sonderlich gut. Dort suchen Leser meist nach einer längeren oder zusammenhängenden Lektüre. Geschichten lassen sich einzeln durchaus als E-Books verkaufen, weil hier oft Spontankäufe per Handy greifen, wenn jemand etwas "genau jetzt" lesen will. Zwischen diesen beiden Polen kann man sich mit einer Anthologie im Selbstverlag probieren. Viele "große" Verlage finden sich dafür ohnehin nicht.

2) Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen sinkenden Erfolgschancen und dem Alter beim Schreiben. Im Gegensatz zu gängigen Arbeitsverhältnissen ist Alter für Autoren nicht so ausschlaggebend. Natürlich ist ein erfolgreicher Roman von einem jungen Autor etwas Erwähnenswertes, aber oft wird Reife und Erfahrung bei einem Autor mehr geschätzt.

3) Ein Verlag, der Romane gut veröffentlichen kann, muss nicht zwingend qualifiziert sein, Geschichtensammlungen gut zu vermarkten. Lyrik ist ohnehin etwas ganz anderes als Romane – damit erreicht man nicht einmal die gleiche Lesergruppe. Ich würde mich daher nicht so sehr auf eine "Alles-aus-einer-Hand"-Lösung versteifen. Es sieht einfacher aus, nur einen Verlag finden zu müssen statt drei, aber es ist vielleicht so, als wenn man zur Jagd geht und ein Tier schießen will, das ein Geweih hat, nach Schwein schmeckt und im Wasser schwimmt.

beantwortet von: Bjørn Jagnow (15-01)

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