Ausgabe 14-08 (20. August 2012)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipps
Schreibkurs
   "Klischees, Versatzstücke und Plagiate"
   von Stefanie Bense
Spannung, der Unterleib der Literatur
   "Der Fluchtversuch"
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Buchbesprechung
   "So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript"
   von Sylvia Englert
   besprochen von Gabi Neumayer
Interview mit Gabi Neumayer
Frag die Expertin für Schreibhandwerk
   (Ute Hacker)
Frag den Experten für Verlagswesen
   (Bjørn Jagnow)

EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

wie liest man als AutorIn richtig? Und darf man einen Roman zu einer
TV-Serie veröffentlichen? Das sind die Fragen, denen sich unsere Ex-
pertInnen in dieser Ausgabe widmen.

Was Klischees und Plagiate sind und wie man nutzbringend mit ihnen um-
gehen kann, das zeigt Stefanie Bense in ihrem Schreibkurs. Und wie ei-
ne spannende Szene noch besser werden kann, erfahren wir im Lektorat
von Hans Peter Roentgen. Und wir besprechen einen neu aufgelegten und
rundum aktualisierten "Klassiker": den Schreibratgeber "So finden Sie
einen Verlag für Ihr Manuskript" von Sylvia Englert.

Ja, und dann ist da noch dieses Interview. Wir stellen ja immer mal
wieder eine/n TempestmitarbeiterIn ausführlich im Interview vor, damit
ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt. Unsere HerausgeberInnen, Ramona
und Thomas Roth-Berghofer, fanden, es wäre nun an der Zeit, auch die
Chefredakteurin einmal mit bohrenden Fragen zu löchern. Das Ergebnis
lest ihr unten.

Der Tipp des Monats August, diesmal von Anna Kaleri:

    Wenn einem nichts einfällt, kann es daran liegen,
    dass man eigentlich zu viele Ideen hat und sich scheut,
    eine als die einzig Richtige herauszufischen. Schreiben Sie
    doch einmal in zwei Minuten 12 Ideen auf. Es gibt kein Falsch
    oder Richtig, und es darf auch etwas ganz Abwegiges herauskommen.

Und wenn ihr uns eure Tipps, Kicks, Artikelvorschläge etc. schickt,
könnt ihr ebenso überrascht sein wie Deniz Selek, wenn ihr in einer
der nächsten Überraschungsverlosungen gewinnt. Viel Spaß, Deniz, mit
dem flauschigen Bücherwurm!

Eine sonnige Zeit wünschen wir euch - und dass die Draußenschreiber
trotzdem noch ihr Display erkennen können.

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

Und hier noch mal ein wichtiger Hinweis in eigener Sache
Unser neues Konto für eure freiwilligen Beiträge (s. u.) läuft NICHT
auf den Namen "autorenforum.de", sondern auf "Jürgen Schloßmacher",
der unser Team als neuer Mitherausgeber verstärkt.

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Kon-
to:

Jürgen Schloßmacher
Kreissparkasse Köln
BLZ 370 502 99
Kto. 11 42 17 61 63
Stichwort: "Beitrag 2012"

Wichtig: Das Konto läuft NICHT mehr auf den Namen "autorenforum", son-
dern nur auf "Jürgen Schloßmacher"!

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
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ISSN 1439-4669  Copyright 2012 autorenforum.de. Copyright- und
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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 INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

    Editorial
    Hall of Fame
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Schreibkurs
       "Klischees, Versatzstücke und Plagiate"
       von Stefanie Bense
    Spannung, der Unterleib der Literatur
       "Der Fluchtversuch"
       Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Buchbesprechung
       "So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript"
       von Sylvia Englert
       besprochen von Gabi Neumayer
    Interview mit Gabi Neumayer
    Frag die Expertin für Schreibhandwerk
       (Ute Hacker)
    Frag den Experten für Verlagswesen
       (Bjørn Jagnow)
    Impressum


TEIL 2:

    Veranstaltungen
    Ausschreibungen
    Publikationsmöglichkeiten
         mit Honorar
         ohne Honorar
    Seminare
    Messekalender
    Impressum


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HALL OF FAME:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive Home-
page!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr be-
stätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem
Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als
Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss,
Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an mail-
to:redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Ände-
rungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist,
werden ab sofort nicht mehr verschickt!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Stefanie Zesewitz: "Der Duft von Seide", Querverlag 2012, historischer
Roman. http://www.querverlag.de/books/Der-Duft-von-Seide.html

Melanie Vogltanz: "Luna Atra - Der schwarze Mond", Nixenblut Verlag
2012, Phantastik-Roman. Mehr Informationen unter http://www.melanie-
vogltanz.net

Veit Etzold: "Final Cut", Psycho-Thriller, Bastei Lübbe 2012

T. A. Wegberg: "Klassenziel", Rowohlt Verlag 2012, Roman. Roman über
Amoklauf. www.tawegberg.de

Margot S. Baumann: "Die Frau in Rot", Knaur Taschenbuch 2012, Schick-
sals- u. Familiengeheimnisse, www.margotsbaumann.com

Stefan Nink: "Donnerstags im Fetten Hecht", Limes Verlag 2012, Reise-
roman. www.donnerstagsimfettenhecht.de

Laurent Bach: "Mord auf Französisch", Bruno Gmünder Verlag 2012, homo-
erotischer Krimi. Ein heiterer Cevennen-Krimi,  www.brunhilde-
witthaut.de

Yara Nacht: "Sündhafte Begierde der Verdammnis", HOMO Littera Verlag
2012, homoerotischer Vampirroman. www.homolittera.com

Deniz Selek: "Zimtküsse", Fischer Schatzinsel 2012, Jugendbuch. Ab 12
Jahren. Mehr über http://www.denizselek.de

Gabi Neumayer: "Als die Welt zum Stillstand kam", Beltz & Gelberg
2012, SF-Jugendroman. http://stillstand.gabineumayer.de


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SCHREIB-KICK:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den August, diesmal von Jennifer Schreiner:

Denke dir eine neue Welt aus. Wie sind dort die Naturgesetze?

Übung: Nimm zum Beispiel das Schlaraffenland. Wie funktioniert es?


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LESETIPPS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


http://schreibkraftfmr.wordpress.com/2012/07/27/warum-autoren-jammern-
durfen-sich-aber-nicht-beschweren-sollten/
Der Autor Frank Maria Reifenberg darüber, wo AutorInnen heutzutage
stehen, was sie können, wie sie sich im Dschungel der medialen Ent-
wicklungen positionieren - viel Stoff zum Diskutieren!

+++++

http://www.ekamprad.info/bibliografie.html
Auf Eberhard Kamprads Seite findet ihr eine nützliche Bibliographie
zum kreativen Schreiben.


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SCHREIBKURS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


                "Klischees, Versatzstücke und Plagiate"
                         von Stefanie Bense

[Dieser Beitrag basiert auf zwei Leserfragen - die Red.]

..........
Frage: Zwar stecken in meinen Fantasy-Geschichten eigene Ideen drin,
aber auch viele Dinge, die es schon gibt. Oftmals merke ich gar nicht,
dass meine Geschichten mit anderen wie Harry Potter oder so Gemeinsam-
keiten haben. Wie umgehe ich das?
..........


         Gründe für die Verwendung von Versatzstücken

Wovon du hauptsächlich schreibst, sind übernommene Versatzstücke be-
kannter Stories. Ob bewusst oder unbewusst übernommen, das lasse ich
mal offen. Um davon loszukommen, solltest du herausfinden, warum du
das tust. Findest du diese Elemente so gut gelungen in den ursprüngli-
chen Geschichten? Möchtest du es nachmachen oder so umschreiben, dass
etwas Eigenes daraus wird? Das ist zum Üben (!) völlig legitim. Zum
Veröffentlichen nur dann, wenn es keine Urheberrechte berührt oder so
eigen ist, dass nur die Grundidee "geborgt" ist. Beispiel: Die eigene
Seele zu verpfänden, das ist ein uraltes Motiv, an dem es keine Urhe-
berrechte gibt - aber wenn du es umsetzt wie im "Kabinett des Doktor
Parnassus" (Film von 2009) oder im "Faust" von Goethe, dann schreibst
du ab und verletzt Urheberrechte. Man nennt es ein Plagiat, wenn deine
Version keine wesentlichen eigenen Anteile liefert oder das Fremde,
das Übernommene nicht als Zitate ausweist.

Greifst du auf Bekanntes zurück, weil dir nichts Eigenes einfällt? Es
ist ja bequemer, etwas zu nehmen, das schon existiert, zumal Leser es
kennen, sich daran orientieren und man sich eigene Beschreibungen spa-
ren kann. Da hilft nur: den eigenen Grips anstrengen, mit den bekann-
ten Elementen so lange spielen, bis Eigenes dabei herauskommt, oder
auf dieses Versatzstück ganz verzichten. Ich bin sicher, du kannst
deine Phantasie dazu bringen, dir ganz ureigene Ideen zu liefern!


         Die Wirkung von Versatzstücken und Klischees

Wie wirken Plagiate, Klischees und "geborgte" Ideen oder Versatzstücke
auf die Leser? Frag deine Testleser doch mal, wie sie das beurteilen.
Manchen Lesern ist es egal, aber die meisten sind der Meinung, dass
sie etwas von dir Verfasstes lesen möchten und keinen Abklatsch der
Ideen anderer. Du tust dir selbst also keinen Gefallen, wenn du Origi-
nalität vermeidest und etwas verwendest, das es schon gibt. Schon gar
nicht, wenn du veröffentlichen willst, denn Verlage legen großen Wert
auf originelle Ideen.


         Eigene Ideen aus bekannten Vorbildern ableiten

Warum aber nicht den Spieß umdrehen? Benutze das, was du benutzen
willst, und mach es zu etwas Eigenem. Beispiel: Hogwarts - eine Zaube-
rerschule, groß, düster, geheimnisvoll, altertümlich, sich verändernd,
verwirrend, beeindruckend, eher Schule als Universität. Und jetzt nimm
davon das Gegenteil: Akademisches Department Angewandter Magie (ADAM)
- ein Institut der akkreditierten Privatuniversität für Kreative Stu-
dien (PUKS), elitärer Kreis, mit Numerus clausus, ein heller Glasbau,
in dem es stets sauber ist und ständig Putzkolonnen "magische Unfälle
bzw. Experimente" aufräumen, sieht auf den ersten Blick klein aus,
weil der Hauptteil der Gebäude unter der Erde liegt, innen helfen
Farblinien, Räume zu finden, oder man tritt durch ein Portal immer in
jenen Raum ein, den man gerade sucht, einen Stundenplan gibt es nicht,
man sucht sich die Vorlesungen aus ...

Du siehst, einfach, indem ich mich von Hogwarts absetze, entstehen
schon neue Ideen. Jetzt lasse ich ADAM noch gegen die anderen Fakultä-
ten schlecht aufgestellt sein, d. h., ADAM muss ständig um sein Über-
leben an der Uni kämpfen. Nur dass die Magiestudenten die Uni immer
wieder vor Blamagen oder Angriffen retten, garantiert ADAMs Existenz -
und schon habe ich ein Setting, das zwar ursprünglich auf Hogwarts zu-
rückgeht, aber ganz eigenständig ist.

Zur Intertextualität (ein literaturwissenschaftlicher Begriff, der die
Verflechtung literarischer Texte beschreibt) können solche bewusst
verwendeten "Vorbilder" beitragen. Vor allem, wenn du den Bezug im
Text verdeutlichst, z. B. indem du Hogwarts erwähnst: "Wir sind hier
nicht in Hogwarts!", brummte Magister Straub. "Hier wird wissenschaft-
lich gearbeitet und geforscht, da müssen Sie Ihre Hirne und Magiezen-
tren schon selbst anstrengen. Auswendig lernen genügt nicht!"

Damit machst du einerseits klar, dass dir Hogwarts und seine Spezifika
bekannt sind, andererseits aber auch, dass du dich davon abgrenzt.
Selbstredend gehört dazu ein eigenes System der Magie, wie man sie er-
lernt und anwendet, was sie den Magier kostet, wie der universitäre
Betrieb läuft ... Kurz: eine ganz eigene Welt, in der Magie funktio-
niert wie eine wissenschaftliche Methodologie.

Und schon bist du in einer eigenen Idee.

..........
Frage: Und dann sind da Kleinigkeiten wie die unglaubliche Schönheit
meiner Hauptfiguren ... Warum passiert es immer wieder, dass ich in
die Klischees hineinrutsche?
..........

         Klischees

Klischees sind keine Plagiate. Denn ein Klischee ist ein Bild oder
Ausdruck, eine Metapher oder Figur, was auch immer, das so häufig in
dieser Art verwendet wurde, dass es zu einer Formel geworden ist, zu
einem Stereotyp. Die böse Schwiegermutter oder die hakennasige, warzi-
ge Hexe, der blonde, edelmütige Prinz, der zerstreute Professor ...

Klischeehafte Ausdrücke findet man besonders in der Alltagssprache,
wenn ein Inhalt schnell und für alle verständlich vermittelt werden
soll: der stakkatohafte Schritt, die unheimliche Gruft, blauer Himmel,
leckeres Essen ...


         Klischees überwinden

Klischees bestehen meist aus unkonkreten, blassen Benennungen. Also
kann man Klischeebilder, -ausdrücke und -metaphern vermeiden, indem
man spezifisch und lebendig, unter Verwendung konkreter Sinneseindrü-
cke beschreibt. Statt leckeres Essen besser: "Süß rann der Saft über
die Zunge, und gleich danach griff scharf der Pfeffer zu, trieb Spei-
chel in den Mund, der alles noch kräftiger und saftiger machte, bis
sie schluckte und die Luft ihre Zunge kühlte und sie gleichzeitig den
Duft in die Nase zog, süß-scharf-fruchtig, alles zusammen, alles selig
machend wie ein Rausch." Das können Leser nachempfinden, miterleben
und umsetzen in ihr "inneres Kino im Kopf", was das Lesen erst zum Er-
lebnis macht.


         Was ist schön?

Die "unglaubliche Schönheit" deiner Figuren ist ein Klischee. Wie
schön ist denn "unglaublich schön"? Woran machst du das fest? Woran
deine Figuren? Finden sie sich selbst so schön oder die anderen um sie
herum? Wie sieht denn Schönheit aus? Wer kann es nicht glauben, so
dass es unglaublich ist?

Ich z. B. finde charaktervolle Gesichter schön, lebendig, ausdrucks-
stark - glatte Gesichter wie aus der Werbung oder Modewelt sprechen
mich nicht an. Wenn ich also einen "schönen" Helden hätte, dann hätte
er vielleicht eine hucklige Nase, was nicht dem Schönheitsideal ent-
spricht, seinem Gesicht aber die "Würze" verleiht, die ihn zu dem
macht, was er ist. Denn seine Nase hat er sich gebrochen, als er sei-
nen jüngeren Bruder vor einem Ghul / einem wilden Eber / einem Schlag-
abtausch mit einem Krieger rettete. Sein Aussehen wäre für mich weni-
ger Ergebnis seiner genetischen Anlagen, sondern der Handlungen in
jungen Jahren. Die Genetik ist statisch, damit kann man leben oder da-
ran verzweifeln. Sie ist nur interessant für die Story, wenn sich dar-
aus Handlungen oder Handlungsmuster ergeben.

Doch um selbst zu handeln, muss man entscheiden und aktiv werden - und
das ist der Grundstock der Motive, der Figurenvergangenheit und der
Story. In Handlungen umgesetzt, können Beschreibungen schnell ihr Kli-
schee verlieren, weil man als Autor/in konkret und lebendig werden
muss: "Sie kämmte ihr langes schwarzes Haar vor dem Spiegel, zog
Strich um Strich die weiche Bürste darüber, darunter und dadurch, bis
ihr Haar knisterte. Als säße ihre Mutter vor dem Spiegel: dunkle Haa-
re, helle Haut bis ins Dekolleté, rote Lippen. Gesund. Jung. Sie lä-
chelte dem Bild ihrer jungen Mutter zu, träumte, glaubte fast, dass
Mutter noch lebte. Sie saß ihr gegenüber, kämmte ihr Haar 
Bis ihre
Stiefmutter hinter ihr auftauchte. Rot blitzten ihre aufgetürmten Haa-
re, blau strahlten Edelsteine um ihren hochgeschlossenen Kragen, weiß
pressten sich die Lippen zusammen, ein schwarzbrauner Schönheitsfleck
stanzte ein Loch in die gepuderte Haut."

Da wird Schönheit durch Handlung (Verben) und den Gegensatz (zur
Stiefmutter) klar.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Emden, gibt Schreibkurse und führt
eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröffentlicht
sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman.


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht überschrei-
ten!
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                         "Der Fluchtversuch"
            Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen

Cassidy öffnete vorsichtig die Tür. Wenn eine der Schwestern sie sehen
würde, würden sie wieder kein Essen bekommen. Sie wartete, unsicher,
ob die knarrende Tür nicht die anderen Mädchen in dem Zimmer geweckt
hatte. Nein, alle waren still, nur Amanda drehte sich unruhig im
Schlaf hin und her und murmelte einen Namen.
"Oh, mein Gott", wisperte Alice, die ängstlich neben ihr stand und
flach atmete. "Sie werden uns erwischen, das schaffen wir nicht
"
"Beruhige dich, mit deiner Panik ruinierst du uns noch alles", knurrte
Julia. "Cassidy, beweg dich endlich!"
Gehorsam trat Cassidy aus dem Zimmer und sah sich in dem Flur um. Wie
der Rest des Hauses war er altmodisch eingerichtet, mit dunklen Dielen
und alten, bereits verblassten Bildern. Dicke Vorhänge vor den Fens-
tern ließen kein Licht hinein, nur eine kleine Kerze auf der sperrigen
Kommode ließ Cassidy die Umrisse des Mobiliars  erkennen. Julia packte
Alice an der Hand, die angefangen hatte zu beten, und bedeutete Cas-
sidy herrisch, voranzugehen. Die drei Mädchen schritten vorsichtig
durch den Flur, versuchten, keine unnötige Geräusche von sich zu ge-
ben. Cassidy hatte einen Kerzenstummel aus einem der Räume mitgenommen
und ihn an eine der Kerzen angezündet. Alice hatte sich durch das
Licht etwas beruhigt, nur Julia war gegen die Kerze gewesen, aus Sor-
ge, dass sie durch sie entdeckt werden würden. "Das ist unsere letzte
Chance", hatte sie gesagt. "Wir sollten kein unnötiges Risiko einge-
hen." Doch Alice und Cassidy waren für die Kerze gewesen, außerdem
vermutete Cassidy, dass sie ohne die Kerze durch Alice? Wimmern so-
wieso schnell entdeckt geworden wären. Nun war sie still, auch wenn
sie unablässig nach dem Kreuz um ihren Hals griff.
Sie hatten endlich das Ende des Flurs erreicht und vor ihnen war nun
eine Tür aufgetaucht. Julia drängte sich an Cassidy vorbei und nahm
eine Haarklammer aus ihrem Haar heraus. Sie bog die Klammer auseinan-
der und stocherte mit ihr in dem Türloch herum. Cassidy hatte sie, als
sie den Plan ausgearbeitet hatten, gefragt, woher sie das konnte und
sie hatte nur geantwortet, dass man nicht immer den passenden Schlüs-
sel zur Hand hatte. Dann müsse man sich anders helfen.
Die Tür ging knarrend auf und Alice stieß ein Stoßgebet aus. Cassidy
legte ihr den Arm um die Schultern, während Julia durch die Tür lugte
und ihr schließlich zunickte. Sie konnten weiter. Das Treppenhaus war
minimalistisch eingerichtet. Keine Blumen, Teppiche oder Bilder. Es
gab nicht einmal Kerzen, da die Mädchen in der Nacht nicht aus dem
Zimmer gehen durften. Cassidy ging nun wieder voraus, in einer Hand
den Kerzenstummel, in der anderen Hand Alice. Julia schloss die Tür
wieder ab. Wenn eines der Mädchen sie gehört hatte, konnte sie die
drei nun an keine der Schwestern verraten. In dem Treppenhaus ging es
nun noch langsamer voran als vorher, denn jede der Stufen war alt und
knarrte bei jeder Bewegung. Es kam Cassidy wie eine Ewigkeit vor und
sie war dankbar, als sie endlich unten angekommen waren.
Das Mondlicht schien aus einem Fenster auf sie und Cassidy zuckte zu-
sammen, als sie den kalten Stein mit ihren nackten Füßen berührte. Ju-
lia sah aus dem Fenster und fluchte leise. "Sie kommen wieder.
Schnell, weg von hier!"
Aus Alice kam ein Schluchzen, als Julia nach ihrer anderen Hand griff
und sie und Cassidy mit sich zog. Alice galt als das ruhigste und un-
auffälligste Mädchen. Sie wurde daher oft in den Kräutergarten ge-
schickt, da die Schwestern vermuteten, dass sie alleine niemals eine
Flucht wagen würde. Es hatte Cassidy und Julia gebraucht, damit sie
den Mut aufbrachte, aus diesem Haus zu fliehen. Alice übernahm nun die
Führung und steuerte die Küche an, in der die einzige Tür war, die di-
rekt zu dem Garten führte und von der sie wusste, wo die Schlüssel
aufgehoben wurde. Doch dann hielt sie entsetzt inne.
Unter der Küchentür schimmerte ein heller Lichtstreifen, der zu hell
für eine einzelne Kerze war.
"Was macht er um diese Zeit in der Küche?", flüsterte Alice entsetzt,
doch Julia stieß die Tür auf.
Der Koch sah überrascht auf, als die drei Mädchen hereinkamen und
stand langsam auf. "Es ist halb zwölf, Zeit fürs Bett. Was machst-"
Julia knurrte etwas Unverständliches, schnappte sich die Obstschüssel
und schleuderte sie gegen den Kopf des Kochs. Als er stöhnend zur Sei-
te stolperte und versuchte, sich am Tisch festzuhalten, hob Julia den
Hocker und schlug ihn gegen die Schläfe des Kochs. Er brach mit einem
leisen Schrei zusammen und Julia wandte sich an sie mit wehenden Haa-
ren.
"Alice, die Schlüssel!", befahl sie barsch und mit zittrigen Händen
öffnete Alice das Schränkchen an der Wand, in der die Schlüssel zum
Kräutergarten aufgehoben wurden.
Cassidy sank auf die Knie und suchte nach dem Puls des Koches. Sie at-
mete erleichtert auf, als sie ihn spürte. "Himmel, Julia, du hättest
ihn umbringen können."
"Hätte ich nicht, er ist hart im Nehmen", sagte sie kalt. "Was glaubst
du denn, was passiert wäre, wenn er uns verraten hätte? Dann würde es
uns noch schlechter gehen als ihm jetzt."
"Vielleicht hat jemand den Schrei gehört und-"
"Ich hatte keine andere Wahl. Er hätte uns ja nicht durchgelassen",
schnappte Julia. "Alice, wie lange brauchst du bloß, um eine Tür auf-
zubekommen?"
"Ich bin fertig", murmelte sie zittrig und öffnete die schwere Tür,
aus der nun kühle Nachtluft in die Küche drang.
Cassidy fröstelte und sie sah, wie sich auf den Armen und Beinen von
Julia und Alice Gänsehaus ausbreitete. Sie hätten sich um wärme Sachen
kümmern sollen. In ihren dünnen Nachthemden würden sie sich noch den
Tod holen. Trotzdem ging sie wie hypnotisiert nach draußen und stellte
sich neben Alice, die andächtig nach oben sah.
"Sie sehen ganz anders aus als aus dem Fenster", flüsterte sie andäch-
tig.
Cassidy antwortete nicht. Sie spürte die feuchte Erde unter ihren Fü-
ßen und der Wind blies ihr die Haare aus dem Gesicht. Ja, das war
Freiheit. Sie fragte sich, wie es sich anfühlen würde, jederzeit die-
ses Wissen zu haben. Es musste fantastisch sein.
"Beeilen wir uns", brach sie die Stille zwischen ihnen. "Die Schwes-
tern werden uns sonst erwischen." Sie wandte sich zu Julia und sah,
wie sie nach einem großen Messer griff.
"Ich weiß ja nicht, wie ihr es seht", sagte Julia, als sie Cassidys
Blick bemerkte. "Aber ich werde für meine Freiheit kämpfen."

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                  Lektorat von Hans Peter Roentgen


Drei Mädchen wollen aus dem Kloster fliehen. Und dazu müssen sie eini-
ges auf sich nehmen. Spannend geschrieben, aber oft wird die Spannung
unterbrochen, und ich denke mir als Leser: Das könnte besser sein.

Woran liegt das?


         Das Problem mit "hatte"

Zählen Sie mal, wie oft "hatte" im Text vorkommt. Ziemlich oft. Und
jedesmal wird es zusammen mit einer Rückblende verwendet. "Cassidy
hatte einen Kerzenstummel aus einem der Räume mitgenommen", da pas-
siert das zum ersten Mal. Und dann wird ausführlich der vergangene
Streit um diese Kerze geschildert, dass Alice sich dadurch etwas beru-
higt hatte, dass Julia dagegen gewesen war - und erst wenn dies alles
berichtet wurde, geht es weiter.

Autoren geraten leicht in die Gefahr, zu glauben, sie müssten solche
Details erklären. Die spannende Szene ist natürlich die Flucht der
Mädchen, also ist es richtig, mit dieser zu beginnen. Aber da sind die
Kerzen, da muss ich noch erklären, wie sie dazu kamen, und überhaupt,
wer hatte da was dazu gesagt?

Damit wird aber die spannende Flucht gebremst. Zu der Kerze selbst
komme ich später noch mal, aber die lange Vorgeschichte des Kerzens-
mitnehmens sollte man streichen.

Solche Rückblenden bergen eine weitere Gefahr: dass der Autor unbe-
wusst in der Rückblende bleibt. "Sie hatten endlich das Ende des Flurs
erreicht", sagt der Text und signalisiert mit dem "hatte", das wir im-
mer noch in der Rückblende sind. Doch das sind wir nicht. Besser wäre
hier: "Sie erreichten endlich das Ende des Flurs und die Tür tauchte
vor ihnen auf."

Kleiner Hinweis: Da sie das Gebäude kennen dürften, wird da nicht ir-
gendeine Tür auftauchen, sondern die, die sie gesucht hatten. Also ge-
hört nicht "eine Tür", sondern "die Tür" in den Text.

Dann stochert Julia mit der Haarnadel im Türloch. Gute Idee, damit be-
kommt das Mädchen eine ungewöhnliche Eigenschaft, und das macht den
Leser neugierig. Eine Klosterschülerin, die Schlösser knacken kann?
Das ist unerwartet und reizt den Leser weiterzulesen. Aber dann wieder
"hatte": "Cassidy hatte sie, als sie den Plan ausgearbeitet hatten,
gefragt, woher sie das konnte, und sie hatte nur geantwortet, dass man
nicht immer den passenden Schlüssel zur Hand hatte. Dann müsse man
sich anders helfen."

Auch diese Rückblende bremst. Also streichen?

Wäre schade. Denn hier fragt sich der Leser ja, woher hat sie das? Man
könnte es dennoch streichen und später an passender Stelle, wenn Julia
ihrer Vergangenheit begegnet, einfügen.


         Ein Satz statt Rückblende

Es gibt noch eine andere Lösung, mit der man zu umfangreiche Rückblen-
den ersetzen kann. Einfach einen Satz, der nur eine kurze Rückschau
ist, aber keine Rückblende: "Wo hatte sie das bloß gelernt, fragte
sich Cassidy?"

Jetzt wissen wir, dass sich auch Cassidy darüber wundert, aber nicht
weiß, woher Julia ihre sehr spezielle Fähigkeit gewonnen hat. Keine
ausführliche Erklärung, aber gerade so viel, um die Neugier wachzuhal-
ten. Und die Hoffnung des Lesers: Wenn ich weiterlese, werde ich er-
fahren, wie eine Klosterschülerin Schlösser knacken lernte.

Ist Ihnen noch etwas an meiner Lösung aufgefallen?

Der Satz ist nur zur Hälfte Rückschau. Denn Cassidy fragt sich hier
und jetzt, woher Julia diese Fähigkeit hat. Wir springen nicht in die
Vergangenheit, bleiben in der aktuellen Handlung, dennoch bezieht die-
ser Satz das ein, was im Original Vorvergangenheit ist.

Und dann kommt der Kräutergarten und die Rückblende, warum Alice als
Einzige der drei weiß, wo sich der Schlüssel zu der Tür befindet.

"Alice galt als das ruhigste und unauffälligste Mädchen. Sie wurde da-
her oft in den Kräutergarten geschickt, da die Schwestern vermuteten,
dass sie alleine niemals eine Flucht wagen würde. Es hatte Cassidy und
Julia gebraucht, damit sie den Mut aufbrachte, aus diesem Haus zu
fliehen. Alice übernahm nun die Führung und steuerte die Küche an, in
der die einzige Tür war, die direkt zu dem Garten führte und von der
sie wusste, wo die Schlüssel aufgehoben wurde."

Streichen, wie üblich?


         Statt Rückblende sich auf die Gegenwart beziehen

Ganz würde ich das nicht streichen. Aber etwas eleganter lösen. Nicht
ganz so weit in die Vergangenheit zurück, es besser mit der Gegenwart
verbinden:


.......
Alice wusste als Einzige, wo der Schlüssel zum Kräutergarten hing, und
kannte sich in dem Garten aus. Cassidy stellte sich Schwester Lucretia
vor, wenn sie entdeckte, dass ausgerechnet ihre bravste Schülerin sich
an einem Fluchtversuch beteiligt hatte. Sie musste grinsen. In Zukunft
würde sie auch den braven Mädchen den Zutritt zu Küche und Garten ver-
wehren.

.......

Wenn Sie eine Rückblende in Ihren Texten finden, fragen Sie sich:
Brauche ich die wirklich? Falls nein, streichen Sie sie. Falls diese
Rückblende aber Dinge enthält, die die Spannung steigern können, ver-
suchen Sie einmal, sie in einem kurzen Satz statt als umfangreiche
Rückblende zu erzählen. Oder die Information in die Jetztzeit zu ho-
len, aus der Handlung, die gerade stattfindet.

Also gar keine Rückblenden? Doch, Rückblenden können nützlich sein,
wenn auch sehr viel weniger, als meist angenommen. Sie müssen aber
selbst spannend sein, damit der Leser ihnen folgt. Sie müssen zur
Handlung beitragen und sollten keine Erklärungen enthalten. Sprich:
Auch Rückblenden sollte man aktiv schreiben und die Handlung nicht
vergessen.


         Kerzen und die einfache Lösung

Noch etwas zu den Kerzen. Da im Gang eine Kerze brennt, also keine
Glühbirne und auch keine Petroleumlampe, dürften wir uns in der Zeit
vor 1800/1850 befinden. Möglicherweise sehr viel früher. Eventuell in
einem Kloster für adlige Mädchen, die dorthin abgeschoben wurden?

Nur gibt das ein Problem. Offenes Feuer war damals eine der größten
Gefahren überhaupt. Würde in dieser Zeit jemand eine Kerze in der
Nacht unbeaufsichtigt brennen lassen? Und damit Feuer riskieren? Ganz
abgesehen davon, dass Kerzen damals nicht billig waren und das Umfeld
hier nicht darauf hindeutet, dass die Schwestern zu übertriebenem Lu-
xus neigen.

Ich gebe aber zu, dass ich kein Historiker bin, der genauestens Be-
scheid weiß, wie Kerzen in früherer Zeit in dunklen Fluren verwendet
wurden. Auf jeden Fall sollte dieser Punkt genau bedacht werden.

Natürlich würde die Flucht ohne die brennende Kerze im stockdunklen
Flur weit gefährlicher und schwieriger. Vermutlich ein Grund, dass der
Autor hier die Kerze platziert hat. Aber größere Schwierigkeiten erhö-
hen die Spannung. Sprich: Ich würde mir sehr überlegen, ob diese bren-
nende Kerze wirklich dorthin gehört. Warum es den dreien so leicht ma-
chen? Nein, der Flur ist dunkel, die Schwestern achten darauf, dass
kein Licht verschwendet wird. Die Mädchen müssen sich vorsichtig durch
diesen Flur tasten, immer in der Angst, gegen etwas zu stoßen und Lärm
zu machen.

Bei aller Kritik an den Rückblenden möchte ich aber betonen, dass hier
eine spannende Szene erzählt wird.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein Hallelu-
ja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé". Außerdem hält
er Schreibkurse und lektoriert. Und soeben ist sein Krimi "Der Plot-
ter" bei Conte erschienen.


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BUCHBESPRECHUNG:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


  "Autoren-Handbuch. So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript"
                    besprochen von Gabi Neumayer

Vor dreizehn Jahren ist die erste Auflage dieses Ratgebers erschienen,
und in der damals noch sehr übersichtlichen Landschaft war er ein ab-
solutes Highlight für alle angehenden AutorInnen.

Das hat sich nicht geändert, auch wenn inzwischen viele Schreib- und
Veröffentlichungsratgeber den Markt überschwemmt haben. Denn Sylvia
Englerts Konzept ist nach wie vor klug durchdacht - sie kennt sowohl
die Autoren- als auch die Verlagsperspektive und sie lässt viele Auto-
rInnen und Fachleute aus der Verlagsbranche zu Wort kommen. Aber diese
neue Auflage ist nicht nur aktualisiert worden, sondern auch umfassend
ergänzt. Englert hat zahlreiche neue Interviews geführt, Themen wie E-
Books, Werbung und Recherche im Internet ergänzt.

Vor allem aber profitieren die LeserInnen von den dreizehn Jahren zu-
sätzlicher Erfahrung, die Englert einbringen kann. Sie gibt ihre Er-
fahrungen und die Tipps, die sie daraus ableitet, ebenso bereitwillig
weiter, wie sie eigene Exposés (Bilder-, Jugend-, Sachbuch) vorführt,
die zu Verträgen geführt haben (oder auch nicht).

Für diejenigen, die noch keine frühere Ausgabe dieses unverzichtbaren
Ratgebers kennen, hier noch ein Einblick in die Themen:

- Wie man Fehler bei der Vorarbeit vermeidet
- Den Markt unter die Lupe nehmen
- Das richtige Material anbieten
- Entscheidungswege im Verlag
- Wie man einen Agenten bekommt
- Selbstverlag und Book on Demand
- E-Books und Urheberrecht im Internet
- Honorare und Verträge
- Die Zusammenarbeit mit dem Verlag
- Das eigene Buch promoten
- Literaturzeitschriften, Lesungen, Workshops, Wettbewerbe
- Autorengruppen

Das ist nur ein Ausschnitt, aber er zeigt, dass Sylvia Englert ange-
hende AutorInnen in keinem wichtigen Punkt allein lässt. Und auch
etablierte AutorInnen finden in diesem hervorragenden Ratgeber eine
Menge Anregungen und Tipps zur Professionalisierung.


Sylvia Englert: "Autoren-Handbuch. So finden Sie einen Verlag für Ihr
Manuskript", 7. aktualisierte und erweiterte Auflage 2012, 382 Seiten,
19,95 Euro, Autorenhaus Verlag

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INTERVIEW:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


                 "Nicht zu früh auf andere schielen"
                     Interview mit Gabi Neumayer


Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Im Alter von neun Jahren hat unsere
Herausgeberin und Chefredakteurin Gabi Neumayer mit dem Schreiben be-
gonnen. Sie hat Linguistik studiert und arbeitet heute als freie Auto-
rin, Lektorin und Redakteurin mit zahlreichen Publikationen in den un-
terschiedlichsten Bereichen: Sachbuch, Kinderbuch, Sciencefiction- o-
der Kriminalerzählungen. Sie ist Mitglied im Syndikat und bei den Mör-
derischen Schwestern und praktisch von Anfang an Mitstreiterin beim
Tempest. Im August erscheint nun ihr Thriller-Debüt "Als die Welt zum
Stillstand kam" bei Beltz & Gelberg.

Absolute Mobilität ist in diesem Science-Fiction-Roman dank eines
weltweiten Tornetzes so selbstverständlich wie heutzutage das Handy-
Telefonieren. Frühstücken auf den Fidschis, arbeiten in Berlin und
dann abends noch in Sekundenschnelle in ein Konzert in Tel Aviv? Kein
Problem! Doch dann bricht das Tornetz zusammen - und damit die gesamte
Welt. Familien und Freunde werden getrennt. So auch Celie, Alex und
Bernie, über deren Freundschaft der tragische Tod von Celies Mutter,
der Erfinderin des Tornetzes, wie ein schwerer Schatten liegt. Alex
strandet in Berlin, Celie in Irland, Bernie in der mecklenburgischen
Wildnis. Jeden Tag fällt die Welt um sie herum ein Stück mehr ausei-
nander: Städte ohne Strom und Wasser werden zu Todesfallen. Krankheit,
Hunger und Gewalt breiten sich aus. Die zivilisierte Welt kollabiert.
Jeder der drei Freunde kämpft ums Überleben, doch sie müssen auch wie-
der zusammenfinden, denn der Tod von Celies Mutter hat vielleicht mit
dem Zusammenbruch des Netzes zu tun ...


Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Gabi, Krankenhäuser, die sich
gegen die Außenwelt verteidigen müssen, Flüchtlingsszenarien wie wäh-
rend und nach dem zweiten Weltkrieg. Dein in der nahen Zukunft ange-
siedelter SF-Roman ist erschreckend realistisch. Wie kamst du über-
haupt auf diese Idee?

Gabi Neumayer: Die Idee ist schon mindestens 12 Jahre alt, und ausge-
löst wurde sie durch "Star Trek". Ich habe mich irgendwann angesichts
der fliegenden Autos über der Golden Gate Bridge gefragt, wieso es die
überhaupt noch gibt, wenn man doch beamen kann. Und weiter: Was könnte
diese Technologie für die Menschen auf der Erde bedeuten, wenn man das
mal konsequent durchdenkt - für ihr Leben, ihre Beziehungen, die Orga-
nisation ihrer Gesellschaft? So ergaben sich, wie am Anfang jeder Ge-
schichte, immer mehr Fragen: Wo würde man leben, wenn man überall woh-
nen und trotzdem blitzschnell an jedem beliebigen Ort sein könnte? Wie
würden die Ressourcen (neu) verteilt beziehungsweise verteidigt? Wel-
che Wirtschaftszweige würden eingehen, welche neu entstehen? Wie könn-
te man Verbrecher dann noch effektiv verfolgen? Und nicht zuletzt:
Welche Ausrede zieht im Zeitalter des Beamens noch, wenn man keine
Lust hat, Oma zu besuchen?


RRB/TRB: Wie bist du beim Schreiben vorgegangen? Bist du mehr eine in-
tuitive Autorin, oder planst du jedes Detail im Voraus?

GN: Ich gehöre ganz klar zum Lager der PlanerInnen. Bei einem Roman
wie diesem geht das auch gar nicht anders. Schließlich musste ich
nicht nur meine drei Hauptfiguren mit ihren jeweils eigenen Handlungs-
strängen entwickeln und handhaben, sondern auch eine möglichst über-
zeugende Welt erschaffen. Dazu ist jede Menge Detailarbeit notwendig -
bevor ich mit dem Schreiben anfing, hatte ich schon zig Seiten zum
Hintergrund gesammelt und zusammengeschrieben.

Außerdem gab es bei diesem Roman eine besondere Herausforderung: Die
Geschichte beginnt im Jahr 2036, als das Tornetz (das weltweite
Beamsystem) ausfällt. Zu diesem Zeitpunkt hatte es schon 12 Jahre lang
existiert und das Leben der Menschen enorm verändert. Aber auch der
Zeitpunkt seiner Erfindung (2024) liegt für uns noch in der Zukunft.
Ich hatte also jede Menge Geschichte, die bei Beginn des Romans schon
vergangen war und die ich irgendwie geschickt einbauen musste, ohne
mit Rückblenden zu langweilen oder Infodumps zu produzieren. Um dieses
Problem zu lösen, musste ich schon sehr viel über meine Geschichte
wissen - und entsprechend planen.

Einen Szenenplan hatte ich diesmal trotzdem nicht, war aber nah dran.
Es gab jedenfalls noch jede Menge Raum für Überraschungen und neue
Ideen beim Schreiben.


RRB/TRB: Wie sah deine Recherchearbeit für "Als die Welt zum Still-
stand kam" aus? Hast du Katastrophen-Dokus und Fachzeitschriften zur
Zukunftsforschung studiert?


GN: Ja - aber das war keine Arbeit für mich, das interessiert mich so-
wieso. Ich habe unter anderem Studien gelesen, die sich mit Katastro-
phenereignissen beschäftigen. Besonders hilfreich war da eine Studie
des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und der
Universität Karlsruhe, in der ein detailliertes Szenario eines groß-
flächigen Stromausfalls am Beispiel von Baden-Württemberg entwickelt
wurde. Erschreckend und kaum zu fassen, wie schnell alles zusammen-
bricht, wenn der Strom ausfällt! Und in meinem Buch hängt die gesamte
Ver- und Entsorgung (Strom, Wasser, Abfall) am Tornetz, da geht es
dann noch etwas schneller und härter zur Sache.

Aber ich habe natürlich nicht nur gelesen, sondern auch jede Menge Ex-
perten mit meinen oft recht abwegigen Fragen gelöchert (die Dankeslis-
te am Ende des Buches ist entsprechend umfangreich). Vom Professor für
Kybernetik, der Laufroboter entwickelt, über den ehemaligen "Hygie-
nearzt" und den Forscher im Bereich der Superkondensatoren bis zum CB-
Funker und zur Migrationsexpertin ...


RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem
Lektorat des Beltz & Gelberg Verlags?

Mein Agent hatte "Als die Welt zum Stillstand kam" anhand eines 16-
seitigen Exposés vorgestellt. Daran habe ich mit meiner Verlagslekto-
rin Julia Röhlig gefeilt - sie hatte viele "gemeine" Fragen! Die alle-
samt notwendig waren, weil man bei einem so umfassenden Weltentwurf
schon einiges durchdenkt, aber eben doch nicht alles. Und so konnte
ich einige Schwachstellen und Lücken mit ihrer Hilfe noch füllen. Dann
habe ich die Leseprobe geschrieben, zu der ich ebenfalls hilfreiches
Feedback bekam.

Als das Manuskript fertig war, habe ich mit Eva-Maria Kulka eine wun-
derbare Lektorin bekommen. Zum einen fand ich sie natürlich schon des-
halb großartig, weil sie sich für meine Geschichte sofort begeistert
hat - aber sie hatte auch hervorragende Ideen für Verbesserungen und
verfügt über ein erstaunliches Sprachgefühl, von dem ich sehr profi-
tiert habe. Es war eine Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.


RRB/TRB: Hattest du Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buch-
covers oder den Klappentext?

GN: Eher nein. Mit dem Titel habe ich mich selbst so schwer getan,
dass ich Freunde und Schwestern eingespannt habe. Irgendwann hatte ich
dann einen Titel gefunden, der aus einem kurzen englischen Wort be-
stand. Aber der Verlag fand genau das nicht gut. Schließlich kam man
dort dann auf den jetzigen Titel. Zuerst war ich nicht so glücklich
damit, aber inzwischen gefällt er mir sehr gut.

Ebenso ging es mir mit dem Cover - das im allerletzten Moment auch
noch geändert werden musste, da hab ich dann sowieso nicht mehr mitre-
den können. Aber ich habe auch hier wieder mal gemerkt: Als AutorIn
hat man da einfach nicht den richtigen Blick. Es muss ja der Zielgrup-
pe gefallen und sie ansprechen, nicht einem selbst. Ein Buch mit einem
Cover, das ich mir ausgesucht hätte, würde vermutlich "echt" nach Sci-
ence-Fiction aussehen, aber kaum jemand würde es kaufen ... Inzwischen
habe ich schon viel Feedback zum Cover bekommen - ohne Ausnahme posi-
tiv.

Und der Klappentext: Ich hätte die 450 Seiten niemals auf einen so
kurzen Text kondensieren können, dazu war ich auch am Ende immer noch
viel zu sehr drin. Ich bin sehr froh, dass meine Lektorin das erledigt
hat - besser als ich es je gekonnt hätte.


RRB/TRB: Wie lange hast du an "Als die Welt zum Stillstand kam" gear-
beitet?

GN: Die erste Idee, wie gesagt, ist etwa 12 Jahre alt. Gearbeitet habe
ich daran in den letzten drei Jahren immer wieder. Insgesamt habe ich
vielleicht ein Jahr mit Planung und Recherche verbracht und dann ein
sehr kompaktes halbes Jahr mit Schreiben. In dieser Zeit habe ich aber
auch so gut wie nichts anderes mehr getan ...


RRB/TRB: Du hast mit neun Jahren angefangen zu schreiben. Wie kamst du
schon als Kind dazu? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?

GN: Erinnern kann ich mich daran nicht mehr. Ich hatte nur schon immer
das Bedürfnis, zu schreiben. Eine der ersten Inspirationen war für
mich damals der Liedermacher Ulrich Roski, der Lieder mit endlos vie-
len Strophen schrieb, zum Beispiel "Der kleine Mann im Ohr" oder "Des
Pudels Kern". Meine ersten Gedichte umfassten auch gern mal zwanzig
oder dreißig Strophen. Ich habe es geliebt, zu reimen, das liegt mir
nach wie vor. Auch meine ersten Veröffentlichungen in unserer Schüler-
zeitung waren gereimt.

Ansonsten habe ich als Kind sehr gern Satiren geschrieben. Das waren
meist ein- oder zweiseitige Geschichten, in denen ich aufs Korn nahm,
was mich in unserer Familie ärgerte. Respekt im Nachhinein, dass meine
Eltern mein Schreiben trotzdem weiter unterstützt haben, auch wenn sie
manchmal "not amused" waren.


RRB/TRB: Was macht deiner Meinung nach einen guten Autor aus?

GN: Weil ich mich selbst so schwer damit tue, weiß ich: Disziplin,
einfach schreiben, schreiben, schreiben, keine endlosen Ausreden - das
ist für mich der Kern, wenn man besser und irgendwann gut werden möch-
te.

Aus meinen Erfahrungen als Kind würde ich aber auch sagen (was einem
als Erwachsenem manchmal verlorengeht), dass die pure Lust an Sprache
und an Geschichten die erste und wichtigste Voraussetzung ist.

Dann sollte man viel lesen (aber die meisten AutorInnen tun das so-
wieso), damit man daraus lernt. Das muss nicht bewusst geschehen, aber
es geschieht, wenn man nur genug liest und manchmal auch abseits des-
sen guckt, was einen hauptsächlich interessiert.


RRB/TRB: Gibt es irgendein Genre, das dich als Autorin noch reizen
würde?

GN: Ich bin von Klein auf mit Science-Fiction gefüttert worden und
freue mich erst einmal, dass dieses Genre zurzeit im Jugendbuch seit
den "Tributen von Panem" ein Revival erlebt. Da möchte ich gern so
viel wie möglich machen, bevor der nächste Trend kommt.

Ansonsten schreibe ich - wie schon vor vierzig Jahren - sehr gern
skurrile, witzige Geschichten. In meiner abgedrehten Kinder-Agenten-
Serie, die nächstes Frühjahr bei Beltz & Gelberg startet, kann ich
mich da wunderbar austoben.


RRB/TRB: Wie sehen deine Schreibpläne für die Zukunft aus?

GN: Erst einmal schreibe ich jetzt den zweiten Band der Agentenserie,
dann werde ich mich wohl einem weiteren SF-Jugendbuch widmen. Weiter
schaue ich noch nicht voraus, aber es kommt erfahrungsgemäß immer
rechtzeitig etwas Neues.


RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte, Sachbuch
...) liest du gerade? Was hat dich am stärksten beeindruckt?

GN: Ich lese sehr viele Kinder- und Jugendbücher. Weil ich sie rezen-
siere, aber auch, weil es da einfach jede Menge großartige, originelle
Literatur gibt. Außerdem lese ich nach wie vor viel SF, Populärwissen-
schaftliches und dazwischen auch Bücher anderer Genres (meist aber
nur, wenn man sie mir empfiehlt).

In letzter Zeit habe ich zum Beispiel an empfehlenswerten Büchern ge-
lesen: "Die Verlorenen von New York" und "Das Leben, das uns bleibt"
von Susan Beth Pfeffer, "Mucksmäuschentot" von Gordon Reece, "Under-
dog" von Markus Zusak, den dritten Band der "Numbers"-Trilogie von Ra-
chel Ward und den zweiten Krimi von Judith Merchant, "Loreley singt
nicht mehr".


RRB/TRB: Hättest du noch einen Rat für angehende Autoren und Autorin-
nen?

Schreiben, schreiben, schreiben. Nicht zu früh auf andere oder auf ei-
ne Veröffentlichung schielen. Und: Keine Schreibratgeber lesen, bevor
man nicht selbst schon viele Erfahrungen mit dem Schreiben gemacht hat
und relativ sicher in der Beurteilung der eigenen und fremder Texte
ist! Sonst kann man auch mit den besten Hinweisen nichts anfangen.
Schreiben lernt man durch Praxis, nicht durch Theorie.


Gabis Homepage: http://www.gabineumayer.de
Die Homepage zum Buch: http://www.stillstand.gabineumayer.de


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung.

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.


Drehbuch: Oliver Pautsch
                            drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
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Fantasy: Stefanie Bense
                             fantasy at experte pt autorenforum pt de
Heftroman: Arndt Ellmer
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Historischer Roman: Titus Müller
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Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
                          kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Kriminalistik: Kajo Lang
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Lesungen: Rüdiger Heins
                            lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
                               lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
                            sachbuch at experte pt autorenforum pt de
Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss
                         fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
                      schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
                     schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
                            sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
                       uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
                        verlagswesen at experte pt autorenforum pt de

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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine Fragen und Antworten zu den Themen Urheber-
recht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt  -
thematisch sortiert und aktualisiert:

"Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung für Autoren 2012", E-Book,
2,99 Euro, http://www.amazon.de/gp/product/B007VD3OL6/


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR SCHREIBHANDWERK:
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         Ute Hacker (schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de)

Frage:
Ich habe gehört, dass man als Schriftsteller lesen soll, was ich auch
gerne und viel mache. Allerdings sind dadurch einige Fragen entstan-
den, die ich bisher leider noch nicht zufriedenstellend beantworten
konnte: Wie liest man als Schriftsteller Bücher? Liest man dann unter
Umständen anders, und worauf sollte man beim Lesen achten? Wie kann
man das Lesen anschließend beim Schreiben "anwenden", und welche Tipps
und Tricks haben Sie möglicherweise noch dazu?



Antwort:
Natürlich sollen Sie auch als Autor / Schriftsteller aus Genuss und /
oder zum Zeitvertreib lesen. Würden Sie Bücher nur noch unter dem As-
pekt "Wie schreibt dieser Autor?" lesen, wäre es mit dem Spaß am Lesen
schnell vorbei.

Allerdings empfiehlt es sich auch, bestimmte Bücher gezielt auszusu-
chen und unter eben diesem Gesichtspunkt zu lesen. Das würde bedeuten,
dass man das Buch mindestens zwei Mal, eigentlich sogar drei bis vier
Mal liest. Denn beim ersten Mal konzentrieren Sie sich vor allem auf
die Geschichte, die erzählt wird. Beim zweiten Mal vielleicht auf den
Stil. Beim nächsten Mal dann auf einzelne Passagen oder Details, die
Ihnen wichtig sind, z. B. Dialoge.

Welche Bücher sollte man so lesen? Ich würde sagen, die, die Sie gerne
selbst geschrieben hätten, sich aber momentan (noch) nicht zutrauen.
Ich selbst bin u. a. Krimiautorin und lese natürlich auch viele Kri-
mis. Ich achte dann vor allem darauf, ob (und wenn ja, wie) es den Au-
toren gelingt, den Spannungsbogen aufzubauen und zu halten. Und das
Ende ist für mich auch wichtig. Denn wenn ich schon nach 30 Seiten
weiß, wer der Mörder ist, ist der Rest des Buches ja langweilig.

Was ich z. B. gar nicht kann, sind Landschaftsbeschreibungen. Die wer-
den bei mir entweder kitschig oder banal. Lese ich also ein Buch, in
dem seitenlange Landschaftsbeschreibungen vorkommen, die ich nicht
überblättere, schaue ich mir diese genauer an. Wie sind sie aufgebaut,
was genau wird beschrieben und vor allem: wie? Das sind die Fragen,
die ich mir dabei stelle.

Das Gute ist: Man lernt mit der Zeit, auf solche Details zu achten,
auch wenn man ein Buch nur einmal liest. Auch hier macht Übung den
Meister! Suchen Sie sich also AutorInnen, deren Bücher Sie gerne lesen
und - wie erwähnt - gerne selbst geschrieben hätten, und lesen Sie
sie. Aber vergessen Sie dabei niemals, Ihren eigenen, persönlichen
Stil zu entwickeln!

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Von Ute Hacker alias Billie Rubin ist vor einigen Monaten der zweite
Nürnberg-Krimi "Dunkle Rache" erschienen. Derzeit arbeitet sie an Band
3 und, zusammen mit einer türkischen Kollegin, an einem deutsch-
türkischen Kinderbuch. Mehr Informationen auf http://www.utehacker.de.


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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         Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Eine Autorin aus Baden-Württemberg möchte einen Roman genau nach der
Fernsehserie [...] schreiben, die noch aktuell auf ARD läuft.

Die Urheberrechte hat der mdr und letztlich die [...] Gmbh. Nach um-
fangreichen Kontakten usw. habe ich noch keine verbindliche Auskunft
bekommen, auch nicht von der ARD. Wie soll sich die Autorin bezüglich
der späteren Veröffentlichung verhalten? Ich bin die begleitende Lek-
torin. Auch mein Berufsverband hält sich bedeckt. Eine andere Autorin
hat bereits in einem Kölner Verlag Ähnliches in mehreren Teilen veröf-
fentlicht. Da gab es keinerlei Probleme. Der Verlag äußert sich auch
zu unserem Projekt positiv, vorausgesetzt, es wird nicht abgeschrie-
ben. Das ist klar. Der Titel ist sicher auch geschützt.

Darf meine Autorin dieses Manuskript beeenden und z. B. im Selbstver-
lag oder einem anderen Verlag veröffentlichen?


Antwort:
Ich möchte voranstellen, dass ich keine konkrete Rechtsberatung zu dem
individuellen Fall leisten darf, sondern nur allgemein antworten kann.
Für "passgenaue" Antworten müssten Sie sich an einen Anwalt oder einen
der einschlägigen Berufsverbände (z.B. über mediafon.net) wenden.

Eine Fernsehserie "enthält" viele unterschiedliche Rechte: Urheber-
rechte an der konkreten Umsetzung (Text, Bild, Ton, Schnitt etc.),
Markenrechte für den Titel der Serie, bestimmte Gestaltungselemente
(Schriftzüge) oder sogar für einzelne Figurennamen. Keines dieser
Rechte darf ein Autor bzw. ein Verlag brechen - dementsprechend muss
für alles eine Genehmigung, meist im Rahmen eines Lizenzvertrages mit
entsprechenden Kosten oder Erlösanteilen, eingeholt werden. Lässt man
alle diese geschützten Bestandteile weg, fällt in der Regel auch der
Bezug zur Fernsehserie weg. Das ist tatsächlich auch der Sinn der Vor-
schriften, denn es soll niemand mit der kreativen (Ursprungs-)Leistung
eines anderen Geld verdienen dürfen.

Rechtlich ist es unbedenklich, z. B. eine Familiengeschichte zu
schreiben, deren Mittelpunkt eine Tierarztpraxist, eine Arztpraxis,
ein Forst- oder Jägerbetrieb etc. ist. Das hat es alles auch schon als
Fernsehserie gegeben. Rechtlich bedenklich ist es aber, wenn der Bezug
tatsächlich auch greifbar wird. Für Probleme kann es bereits sorgen,
wenn die Ähnlichkeiten zu groß werden.

Andererseits ist nicht jeder Rechteinhaber gewillt, seine Rechte auch
durchzusetzen. Wer als Autor oder Verlag darauf baut, muss sich aber
klar sein, dass das eine riskante Wette ist. Wirklich sicher wird es
nur mit eigenständigen Arbeiten oder Lizenzverträgen.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und
Buchhändler. Unter http://bjoernjagnow.blogspot.com/ bloggt er über
die Zukunft der Medien, über Rollenspiele und andere Themen.


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt
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           50126 Bergheim
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