Ausgabe 14-03 (20. März 2012)

Editorial
Hall of Fame
Tempest-Orte
Echo-Service
Schreib-Kick
Lesetipps
Schreibkurs
   "Absätze - Dramatische Kraftzellen im Roman"
   von Stephan Waldscheidt
Buchbesprechung
   "Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern"
   von Andrea Behnke
   besprochen von Gabi Neumayer
Spannung, der Unterleib der Literatur
   "Der Heuboden"
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Frag den Experten für Verlagswesen
   (Bjørn Jagnow)
Frag den Experten für historischen Roman
   (Titus Müller)
Frag den Experten für Drehbuch
   (Oliver Pautsch)

EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

auf unseren Aufruf - "Wo in aller Welt sitzt ihr eigentlich und lest
den Tempest?" -  haben sich schon einige von euch gemeldet. Die
Antworten machen neidisch ... Trotzdem wollen wir sie euch nicht
vorenthalten: Ihr findet sie in der Rubrik "Tempest-Orte". Schreibt
uns weiter!

Die letzten Ausgaben platzten ja geradezu vor Schreibkursen. Damit ihr
genug Zeit habt, das alles durchzuarbeiten, ist die Ausgabe diesmal
etwas dünner, aber natürlich nicht weniger hilfreich und interessant.
Stephan Waldscheidt - Tempest-LeserInnen noch bekannt als Wärter von
Honeyball Lektor - zeigt uns, worauf es bei Absätzen in einem Text
ankommt. Hans Peter Roentgen steuert ein neues Spannungs-Lektorat bei.
Und drei unserer Experten geben Auskunft übers Zitieren fremder
Quellen, übers Recherchieren im Ausland und über Geflogenheiten im
Drehbuch-Geschäft. Dazu gibt es wie immer den Schreib-Kick, Lesetipps
und neue Ausschreibungen.

Der Tipp des Monats März, diesmal von
http://www.writingforward.com/blog (schickt mir eure Tipps!!):

    Don?t lock yourself into one genre (in reading or writing).
    Even if you have a favorite genre, step outside of it
    once in awhile so you don?t get too weighed down by trying
    to fit your work into a particular category.

Und hier noch mal ein wichtiger Hinweis in eigener Sache
Ab sofort haben wir ein neues Konto für eure freiwilligen Beiträge (s.
u.). Es läuft NICHT auf den Namen "autorenforum.de", sondern auf
"Jürgen Schloßmacher", der unser Team als neuer Mitherausgeber
verstärkt.

Übrigens, falls wir noch nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen
haben: Wir freuen uns immer über eure Mails! Ganz gleich, ob ihr
Schreibtipps, Artikelvorschläge, Tempest-Orte oder einfach nur Lob
oder Kritik loswerden wollt. Wir lesen uns!

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das
Konto:

Jürgen Schloßmacher
Kreissparkasse Köln
BLZ 370 502 99
Kto. 11 42 17 61 63
Stichwort: "Beitrag 2012"

Wichtig: Das Konto läuft NICHT mehr auf den Namen "autorenforum",
sondern nur auf "Jürgen Schloßmacher"!

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die
Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns
euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des
Tempest).

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01

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ISSN 1439-4669  Copyright 2012 autorenforum.de. Copyright- und
               Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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 INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

    Editorial
    Hall of Fame
    Tempest-Orte
    Echo-Service
    Schreib-Kick
    Lesetipps
    Schreibkurs
       "Absätze - Dramatische Kraftzellen im Roman"
       von Stephan Waldscheidt
    Buchbesprechung
       "Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern"
       von Andrea Behnke
       besprochen von Gabi Neumayer
    Spannung, der Unterleib der Literatur
       "Der Heuboden"
       Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
    Frag den Experten für Verlagswesen
       (Bjørn Jagnow)
    Frag den Experten für historischen Roman
       (Titus Müller)
    Frag den Experten für Drehbuch
       (Oliver Pautsch)
    Impressum


TEIL 2:

    Veranstaltungen
    Ausschreibungen
    Publikationsmöglichkeiten
         mit Honorar
         ohne Honorar
    Seminare
    Messekalender
    Impressum


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HALL OF FAME:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!)
nach diesem Schema:

.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-
Adresse.
.......
Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009,
Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive
Homepage!
.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im
Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr
bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in
einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt
hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen
muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten.
Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall
ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!
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Alex Conrad, Elke Becker: "Mallorca Schattengeschichten", P. Machinery
M. Haitel 2012, Kurzgeschichten. http://www.alex-conrad.com,
http://www.elke-becker.com

Dietmar Füssel: "Götter und ihre Fans", Arovell Verlag 2012. Die
wundervolle Welt des Glaubens, www.dietmarfuessel.com

Karin Kaiser: "Fettnäpfchenführer Indien - Be happy oder das no
problem Problem", Conbook Verlag 2012, Reiseratgeber. Indien lieben
http://www.conbook-verlag.de/fnf_indien.html

Inez Corbi: "Die roten Blüten von Whakatu. Ein Neuseeland-Roman", cbj
2012, Historischer Jugendroman. Das Glück am anderen Ende der Welt.
www.inez-corbi.de

Klaus Seibel: "Zehntausend Augen", Emons-Verlag 2012, Krimi.
http://www.kseibel.de

Michael Hetzner: "Prager Requiem", Abacus Verlag 2012, Krimi.


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TEMPEST-ORTE:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Im letzten Tempest hatten wir einen Aufruf gestartet und euch gefragt,
wo - in aller Welt - ihr den Tempest lest. Hier sind die ersten
Antworten. Achtung, Neid-Gefahr! Schreibt uns aber trotzdem gern
weiter!



Jordan T. A. Wegberg:
Ich lese den Tempest-Newsletter an meinem Autoren- und Übersetzer-
Arbeitsplatz, also am PC in meiner Wohnung in Berlin. Der Monitor
steht direkt vor einem großen Panoramafenster. Ich blicke über die
Balkonbrüstung hinweg auf einen kleinen Park, in dem sich allerhand
Vögel, Eichhörnchen und Nachbarskatzen tummeln. Heute spannt sich
darüber zu meiner Freude ein sattblauer Himmel. Und die Meise, die
gerade an dem extra dafür bereitgehängten Knödel ihr Frühstück
einnimmt, lässt sich die Morgensonne auf ihr gelbes Bäuchlein
scheinen.

++++++++++

Michael J. Thalhauser:
Also, ich sitze mitten im Busch, im Land der "Big Five";
vierhundertfünfzig Kilometer von Johannesburg entfernt Richtung
Lowveld, genauer, in der Provinz Limpopo.

Mein Garten heißt Balule, ist 38.000 Hektar groß und bietet mir die
Möglichkeit, mich frei zu entfalten - ich wählte dieses Plätzchen mit
Umsicht. Siehe http://www.masodini.co.za

++++++++++

Tanja Seeger:
Über den Tempest freue ich mich jeden Monat auf der anderen Seite des
großen Teichs - näher gesagt: in Oak Point, einem verschlafenen Nest
in Texas, USA.

++++++++++

Ute Köhler:
auf Mallorca :-)

++++++++++

Karin Kaiser:
In Berlin zu Hause, bin ich augenblicklich in Indien, im Dschungel von
Karnataka, auf Recherche für ein neues Projekt.


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ECHO-SERVICE:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Folker Franz schreibt:

Ich lese den Tempest in Brüssel, Belgien. Und wäre übrigens sehr daran
interessiert zu wissen, ob vielleicht noch andere Brüsselaner eure
Zeitschrift beziehen. Deutschsprachige Autoren sind hier leider nicht
leicht zu finden. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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SCHREIB-KICK:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


Unser Schreib-Kick für den März, diesmal von Ursula Schmid-Spreer:

Setzt willkürlich gefundene Wörter (zum Beispiel durch Tippen auf
Wörter in einem Buch) in einen Zusammenhang. Dabei entstehen spannende
Wortkombinationen, zum Beispiel: Eichen auf Hawai, Stöckelschuhe in
der Kirche, Rinderrouladen in Afrika, Spaghetti in der Mülltonne ...


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LESETIPPS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/pitching-is-selling-
not-telling-the-story.html

Die Zeiten ändern sich. Früher wurde lediglich in der Filmbranche
gepitcht. Hier berichtet nun der Lektor Olaf Petersenn von Kiepenheuer
& Witsch über das Pitchen von literarischen Romanen: Pitching is
selling, not telling the story!



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SCHREIBKURS:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


            "Absätze - Dramatische Kraftzellen im Roman"
                       von Stephan Waldscheidt

"Für mich ist der Absatz, nicht der Satz, die grundlegende Einheit
beim Schreiben - der Ort, wo Zusammenhänge beginnen und Wörter die
Chance bekommen, mehr zu werden als bloß Wörter." (Stephen King)

Das Setzen der Absatzmarke ist ein mächtiges Instrument, um Ihre Texte
durchschlagender, intensiver, besser zu machen. In ihrer
ursprünglichen Funktion lässt sich mit Absätzen ein Text nach
Sinneinheiten gliedern, in erzählender Prosa fungieren sie auch als
Mini-Dramen. Als optisches Gestaltungsmittel sind sie weit mehr als
nur ein Augenhilfsmittel. Mit Absätzen lässt sich gewichten, Tempo und
Rhythmus bestimmen, sie dienen zur Abgrenzung von Dialogen oder
Rückblenden.

Das ist eine Menge. Sie können noch mehr.


         Lesbarkeit fördern und Sinneinheit festigen

Beginnen Sie einen neuen Absatz, fördern Sie die Lesbarkeit, indem sie
vom Personalpronomen wieder zum Namen wechseln, selbst wenn keine
Verwechslungsgefahr besteht. Die neue Sinneinheit wird dadurch in sich
gefestigt.

Beispiel:
..........
Grete liebte dieses Gefühl. Hans hatte sie nie so berührt. Torben aber
ging mit ihr um wie mit einem wertvollen Werkstück, einem Diamanten
vielleicht, einer Gemme, die er zu einem Brillanten schliff. Sie
fühlte sich an, als glänzte sie überall dort, wo dieser Mann sie
angefasst hatte.
Dennoch versuchte Grete, einen klaren Kopf zu behalten. Torben hatte
seine Schwächen, und die durften ihnen nicht zum Verhängnis werden.
..........


         Offenheit erzeugen

Mit dem Leerraum hinter der letzten Zeile eines Absatzes lässt sich
eine vielsagende Offenheit erzeugen. Der Leser kann sie mit Gedanken
füllen, die das Verstreichen von Zeit deutlich macht oder das Öffnen
eines Raums. So wird aus ...

Beispiel:
..........
Dann stützte er die Ellbogen auf das gestärkte Tischtuch und blickte
zur Brücke hinüber. Es war unsinnig zu hoffen, sie würde dort noch
einmal auftauchen.
..........

... im Original bei Pascal Mercier, »Nachtzug nach Lissabon«:

..........
Dann stützte er die Ellbogen auf das gestärkte Tischtuch und blickte
zur Brücke hinüber.
Es war unsinnig zu hoffen, sie würde dort noch einmal auftauchen.
..........

Das Hinüberblicken des Protagonisten zur Brücke und die Hoffnung, die
er im nächsten Satz schon wieder zerstört, findet die Entsprechung in
dem Leerraum, den der Absatz schafft.


         Raum für Ironie geben

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Durch eine Absatzmarke an der
richtigen Stelle erzielt J. R. Moeringer in »Tender Bar« (S. Fischer
2007) einen ironischen Effekt:

Beispiel:
..........
An diesem Morgen wusste ich, ich würde den Männern überall hin folgen.
In die Schlacht. In den Schlund der Hölle.
Aber nicht ins Meer. Ich blieb am Rand des kalten grünen Wassers
stehen, während die Männer schnurstracks in die Brandung schritten.
..........


         Was Sie noch bei Absätzen beachten sollten

Je mehr Schreib- und Leseerfahrung Sie mitbringen, desto eher sollten
Sie Ihrer Intuition das Ruder überlassen, gerade bei der Erstfassung
Ihres Textes - es gibt keine festen Regeln. Bei der Überarbeitung
bleibt Ihnen genügend Zeit, zu prüfen, ob Ihr Text durch andere
Verteilung von Absätzen stärker und besser verständlich wird.

Erzählende Prosa lebt von einem angenehmen Verhältnis aus schnellen
und langsamen Passagen, der richtigen Balance aus Handlung, Dialog,
Beschreibung. Entsprechend gefällt dem Leserauge der Wechsel aus
kurzen und längeren Absätzen am besten. Und: Lesen Sie sich das
Geschriebene laut vor. So finden Sie den Raum zum Atmen und erkennen
die rhythmische Struktur des Textes.

Wenden Sie das Stilmittel Absatz konsistent an: Wenn Sie sich etwa
dazu entschieden haben, in Dialogen jedem Sprecher einen Absatz zu
gönnen oder Betonungen und Rhythmik auf bestimmte Weise per Absatz zu
steuern, dann tun Sie das durchgängig. Sie laufen sonst Gefahr, Ihre
eigene Arbeit zu torpedieren, den Leser zu verwirren und ihn aus
seinem fiktionalen Traum zu reißen.

Oft gibt es sowohl gute Gründe, einen Absatz einzufügen, wie auch, auf
einen Absatz zu verzichten. Je besser Sie Ihren Text und die
Zielsetzung kennen, desto eher können Sie die Vor- und Nachteile
gegeneinander abwägen, zwischen Form und Funktion entscheiden - und
absetzen. Oder es sein lassen.

Und natürlich kann man, um bei Ausschreibungen oder Vorgaben von
Verlagen oder Agenturen nicht über die erlaubte Seitenzahl zu kommen,
auch mal auf den ein oder anderen Absatz verzichten ...

Ach was, bloß nicht!

[Dies ist ein Auszug aus Stephan Waldscheidts "Absätze - Dramatische
Kraftzellen im Roman". Leseprobe, Inhalt & Download:
http://amzn.to/uSd6cH.]


                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Mehr über den ersten Ratgeber der Reihe, "Bessere! Romane! Schreiben!"
bei http://amzn.to/rGZPL0. Auf http://schriftzeit.de gibt Waldscheidt
werktäglich Tipps für Autoren. Als Paul Mesa schreibt er Romane,
zuletzt "Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit", rororo 2011.


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BUCHBESPRECHUNG:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)


      "Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern"
                    besprochen von Gabi Neumayer

Es wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Thema, das AutorInnen
angeht. Aber der erste Blick täuscht. Geschichten erfinden mit
Kindern, das ist etwas, das viele AutorInnen tun, vor allem die, die
Kinderbücher schreiben - einfach deshalb, weil Susi Normalautorin
nicht vom Schreiben (und von Lesungen) allein lebt, sondern oft auch
Schreibwerkstätten leitet. Aber noch aus einem anderen Grund ist
dieses Buch hervorragend für AutorInnen geeignet: weil es uns die
wichtigsten Grundlagen des Erzählens anschaulich vor Augen führt.

In 30 Erzählspielen zeigt Andrea Behnke, wie man mit Kindern das
Erzählen mit viel Spaß üben kann. Schon die erste Warm-up-Übung ist
lehrreich für AutorInnen: Beim "Geschichten-Raumlauf" bewegen sich die
Kinder zu Musik, die sie an einen bestimmten Ort führt. Gemeinsam und
mit allen Sinnen wird dann erkundet, wie es an dem Ort riecht,
schmeckt, wie es dort aussieht und sich anhört. Pantomimische Einlagen
helfen, den Ort noch lebendiger zu machen. - Genau das, was AutorInnen
brauchen, die lebendig schreiben wollen!

Für die Spiele, die die Autorin zusammengestellt hat, nutzt man
Gegenstände, selbstgebastelte Handpuppen, Musik, Bilder,
Theaterelemente, Gesang und vor allem die kindliche Freude am
Erzählen. Jedes Spiel wird so beschrieben, dass man es mit
Kindergartenkindern erfolgreich spielen kann: Es steht jeweils dabei,
für welches Alter das Spiel geeignet ist, welche Materialien man
braucht, wie man sich vorbereiten sollte, in welchen Schritten das
Spiel abläuft, wie man es variieren kann und welche Fähigkeiten es
besonders fördert (zum Beispiel Kreativität, Kooperation, Sprache und
Ausdruck, Empathie). Dazu gibt Andrea Behnke jede Menge Beispiele und
Anregungen aus der Praxis, die eine große Hilfe für jeden sind, der
mit Kindern Geschichten erfinden möchte.

Ein gut strukturiertes, anregendes, praxisnahes Buch, das jede/r zur
Hand haben sollte, der / die mit Kindern erzählen möchte,
Sprachförderung betreibt - oder eben AutorIn ist und neue Impulse fürs
lebendige Schreiben mit allen Sinnen sucht.


Andrea Behnke: "Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit
Kindern. Fragen, Erzählen, Fabulieren in der Kita", 2012, 96
großformatige Seiten, 19,95 Euro, Herder


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SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR:
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                            (redaktion at team pt autorenforum pt de)

Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig?

Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei
denen er sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender
gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen
hat, kann sie mir schicken.

Ich wähle dann einige aus, die ich im Tempest bespreche. Schickt die
Szenen als E-Mail-Anhang im RTF-Format an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bitte nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten. Dazu
zählt auch der Vorspann! Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer
Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der
Szene erklären. Diese Erklärung sollte 400 Anschläge nicht
überschreiten!
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                         "Der Heuboden"
            Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen


Der Heuboden

Vorgeschichte: Ein junge Frau trifft beim Spaziergang einen Mann, der
zuerst sehr nett wirkt, allerdings plötzlich gewalttätig wird. Die
Frau flieht auf den Heuboden einer alten verlassenen Scheune.

Szene:

Schweißperlen rannen Rebeccas Kopf herunter. Versteckt unter dem
feuchten Heu roch es modrig und alt. Ihre Atmung blieb flach, doch die
Schmerzen in der Seite klangen langsam ab. Sie würde in ihrem Versteck
bleiben. Denn er war hier und suchte sie. Zwar konnte sie ihn nicht
sehen, hörte jedoch seine schweren, langsamen Schritte auf der kleinen
Holztreppe, die zum Heuboden führte. Das Ächzen jeder einzelnen Stufe
drang zu ihr.
Und er war sauer.
Sehr sogar.
Rebecca war vor ihm geflohen, noch bevor er es geschafft hatte, sie zu
packen und sonst was mit ihr anzustellen. Sie wollte sich gar nicht
ausmalen, welche kranken Gelüste dieser Mann mit ihr ausleben wollte.
Die Frau zwang sich, an andere Bilder zu denken. Bilder ihrer Mutter,
ihres Vater und ihrer beiden Brüder. Sie dachte an ihren Mann, aber am
meisten an ihren vierjährigen Sohn. An seinen friedlichen Schlaf und
an seinen unschuldigen Geruch. Wie sehr sie ihn plötzlich vermisste
und sich wünschte, noch einmal mit ihm reden zu können. Ihm einen Kuss
zu geben. Würde sie das nie wieder tun können? Hilflosigkeit schien
sie zu übermannen. "Reiß dich zusammen", flüsterte sie. "Du kannst
noch entkommen. Du musst einen Ausweg finden!"
Das Ächzen der Treppenstufen stieg an. Kam näher, wurde lauter und
intensiver. Gleich hatte er den Heuboden bestiegen. Rebecca nahm schon
sein kontinuierliches Pferdeschnaufen wahr. Er jagte sie und wollte
sie hinrichten.
Ich weiß nicht, warum, aber ich weiß, dass er mich leiden sehen will,
dachte Rebecca. Das ist sein Spaß. Sein eigener ganz besonderer Spaß.
Sie spürte, wie seine Stiefel aufsetzen und der Boden dabei
erzitterte.
"Hallo meine Liebe", schnarrte seine tiefe Stimme. "Du warst gerade
aber nicht sehr freundlich."
Rebecca sah das riesige Profil des Mannes und ihr Magen krampfte sich
zusammen. Die Körperstatur des Schlächters verriet Entschlossenheit.
Er hatte einen Plan.
Seine Pranken schleiften eine rostige Mistgabel hinter sich her, die
bedrohlich ruhig über den Holzboden schabte. "Ich weiß, dass du hier
bist. Ich habe dich hineinlaufen sehen, du dumme Gans. Und ich werde
dich finden. Ich hoffe, es ist bequem unter dem Heu. Fragt sich nur,
wo du genau steckst." Er gackerte und bewegte sich einen Schritt in
ihre Richtung. Sehr langsam hob er die Gabel an.
Rebecca schloss ihre Augen und hörte nur das Zischen, wie die drei
Zacken sich einige Meter entfernt von ihr durchs Heu bis ins Holz
bohrten.
"Nun. Hier warst du also nicht."
Der Schlächter rückte einen Schritt weiter vor und aufs Neue schoss
die Mistgabel herunter.
Zisch. Rebeccas Gedanken überschlugen sich vor Furcht.
Wie sollte sie bloß entkommen? Sie biss sich auf die Lippen, um nicht
hilflos loszuheulen.
"Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein." Es folgte ein hohes,
alberndes Lachen und Rebeccas Nackenhaare sträubten sich. Dieser
Mensch ist verrückt, fuhr es ihr durch den Kopf. Wie komme ich bloß
weg von diesem kranken Menschen? Sie riss ihren Blick von dem Mann weg
und nahm zum ersten Mal richtig den Heuboden wahr.
Erneut zischte die Mistgabel in das Heu.
Das schwache Licht ließ sie nur grobe Umrisse erkennen, doch sie war
sich ganz sicher.
Sie erkannte ein Fenster und eine Scheibe fehlte! Ich müsste über den
Sims klettern und springen.
"Du kannst nicht mehr weit sein."
Was ist, wenn ich den Sprung nicht überlebe und verletzt liegen
bleibe? Dann bin ich diesem Monstrum hilflos ausgeliefert. Das bist du
hier auch, sagte eine innere Stimme. Der Schlächter hatte bereits die
Hälfte des Heubodens durchkämmt.
Wenn es mir gelingt, finde ich Schutz in dem Wald, dachte sie. Dort
kann ich mich verstecken. In diesem Moment fiel ihr ein, wie in ihrem
Gepäck noch die geladene Leuchtpistole lag, und das Gepäck befand sich
ebenfalls im Wald.
Zisch.
Dieses Fenster war ihre letzte Chance.
Die Frau fühlte einen dünnen Schweißfilm auf ihren Händen.
Alles ist besser, als hier zu sterben, waren ihre letzten Gedanken,
bevor sie ein letztes Mal durchatmete.
Jetzt oder nie.
Rebecca sprang auf und rannte zum Fenster. Der Schlächter reagierte
blitzschnell und setzte ihr nach. Sie war ihm einen Augenblick voraus
und drückte sich auf den Sims.
Doch plötzlich grub sich eine Hand in ihre Haare und riss sie zurück.
Ihr Kopf schien zu explodieren und ein Schrei entwich ihrer Kehle.
Panisch schlug sie mit ihrem Ellbogen nach hinten aus, aber der
Schlächter hielt sie fest gepackt wie ein Schraubstock. Dann warf er
sie grob zu Boden. Ihre Kopfhaut brannte fürchterlich und stumme
Tränen rannen ihr Gesicht herunter. Sie war wie gelähmt. Unfähig sich
zu bewegen.
Im schummrigen Licht der Scheune hob das Monstrum die Heugabel mit
einer Hand wie einen Dreizack. Grinste ungerührt und ließ sie weiter
emporsteigen. Bereit für den Stich, der Rebecca die letzte Kraft und
vor allem das Leben rauben sollte.
Wehr dich irgendwie, schoss es ihr durch den Kopf, du stirbst hier
gerade. Du stirbst!
Wild tastete sie mit ihren Armen umher, in der Hoffnung irgendeinen
brauchbaren Gegenstand zu finden. Irgendetwas. Aber sie fühlte nichts
bis auf dieses vermoderte Heu.
Doch. Da.
Sie umschlang ein Stück Holz so groß wie ein Hammer und warf es
instinktiv mit voller Kraft auf den bulligen Mann. Rebecca sah, wie es
ihn im Gesicht traf. Er jaulte auf wie ein Hund und die Frau schöpfte
neue Hoffnung. Sie kam auf die Beine und hetzte die morsche Treppe
hinunter. Gefolgt von dem wütenden Geschrei des Schlächters, der ihr
knapp auf den Fersen war. Keine Zeit, sich umzudrehen, lief sie aus
der verlassenen Scheune Richtung Wald. Die Sonne verschwand langsam
ganz hinter dem Horizont und jeder Baum warf lange Schatten.
Ich muss hier weg, pochten die Gedanken durch Rebeccas Kopf. Ich muss
meinen Rucksack mit der Leuchtpistole erreichen. Ihre Muskeln
schmerzten bei jedem Schritt, doch das Schnaufen in ihrem Nacken trieb
sie immer weiter voran.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


                  Lektorat von Hans Peter Roentgen

Eine Frau auf der Flucht vor einem durchgeknallten Mann. Sie versteckt
sich im Heu, er lässt eine Mistgabel ins Heu fahren. Bald wird er sie
damit treffen. In letzter Minute flieht sie zum Fenster, doch er kann
sie an den Haaren zurückreißen. Dann fühlen ihre Hände ein Stück Holz.


         Warum ich nie im Text kommentiere

Ich will Ihnen hier ein Geheimnis verraten. Warum korrigiere ich nie
direkt im Text, sondern erst hinterher?

Ganz einfach: Weil Sie den Text als Text auf sich wirken lassen
sollen. Und das können Sie nicht, wenn ich den Erzählfluss mit meinen
Kommentaren unterbreche. Also nutzen Sie das. Lassen Sie den Text auf
sich wirken. Was fällt Ihnen auf? Was stört Sie, was versetzt Sie in
Spannung?

Erst wenn Sie das getan haben, sollten Sie meine Kommentare lesen. Sie
werden feststellen, dass einiges mit Ihren Überlegungen übereinstimmt.
Anderes nicht. Warum nicht? Das ist die Frage, die Sie sich stellen
sollten, nur so werden Sie durch meine Kommentare etwas lernen.


         Spannend oder nicht?

Ist also dieser Text spannend? Ich finde, dass das Konzept, die
Dramatik Spannung enthält. Aber an einigen Stellen bricht die
Formulierung die Spannung. Schauen wir uns das mal genauer an.

..........
"Schweißperlen rannen Rebeccas Kopf herunter. Versteckt unter dem
feuchten Heu roch es modrig und alt. Ihre Atmung blieb flach, doch die
Schmerzen in der Seite klangen langsam ab. Sie würde in ihrem Versteck
bleiben. Denn er war hier und suchte sie. Zwar konnte sie ihn nicht
sehen, hörte jedoch seine schweren, langsamen Schritte auf der kleinen
Holztreppe, die zum Heuboden führte. Das Ächzen jeder einzelnen Stufe
drang zu ihr."
..........

Da die Szene eine Vorgeschichte hat, weiß der Leser bereits, dass der
Mann sie sucht. Selbst wenn dem nicht so wäre, würden das seine
Schritte auf der Treppe verraten. Auch, dass das Ächzen der Stufen zu
der Frau dringt, ist etwas umständlich und passiv formuliert. Also
korrigieren wir beides:

..........
Schweißperlen rannen Rebeccas Kopf herunter. Unter dem feuchten Heu
roch es modrig und alt. Ihre Atmung blieb flach, doch die Schmerzen in
der Seite klangen langsam ab. Sie hörte seine schweren, langsamen
Schritte auf der kleinen Holztreppe, die zum Heuboden führte. Jede
einzelnen Stufe ächzte unter seinem Gewicht.
..........

Wenn Sie noch etwas tun wollen, um die Spannung zu erhöhen, können Sie
auch den Satz: "Sie hörte seine schweren ..." streichen, denn der
nächste Satz sagt das Gleiche, wenn er beschreibt, wie die Stufen
ächzen. Aber hier kommen wir in den Bereich des persönlichen
Geschmacks.


         Die Pointe

..........
"Und er war sauer.
Sehr sogar.
Rebecca war vor ihm geflohen, noch bevor er es geschafft hatte, sie zu
packen und sonst was mit ihr anzustellen. Sie wollte sich gar nicht
ausmalen, welche kranken Gelüste dieser Mann mit ihr ausleben wollte."
..........

Die beiden ersten Sätze sind genial. Diesen Trick sollten Sie sich
merken. Etwas Untertreibung gehört dazu und eine Art Pointe. Denn der
Mann ist nicht nur sauer, er ist erregt und durchgeknallt. Das wird
durch einen Trick unterstrichen: Nach der Handlung ein neuer Absatz:
"Er war sauer." Noch ein Absatz. Die Verstärkung: "Sehr sogar."

Dann aber kommt eine Wiederholung, die eigentlich nur nötig wäre, wenn
die Szene die erste Szene eines Romans wäre: "Rebecca war vor ihm
geflohen noch bevor er es geschafft hatte sie zu packen und sonst was
mit ihr anzustellen." Solche Sätze kann man streichen.

Und der nächste Satz? "Sie wollte sich gar nicht ausmalen, welche
kranken Gelüste dieser Mann mit ihr ausleben wollte."

Eigentlich könnte man das auch streichen. Denn das stellt sich der
Leser selbst vor. Andererseits kann es manchmal ganz gut sein,
auszusprechen, was sonst nur zwischen den Zeilen steht. Ich denke,
dass dieser Satz eine Geschmacksfrage ist. Mancher würde ihn stehen
lassen, mancher ihn streichen. Das hängt auch von der Erzählstimme des
gesamten Romans ab.


         Bilder denken

..........
"Die Frau zwang sich, an andere Bilder zu denken. Bilder ihrer Mutter,
ihres Vater und ihrer beiden Brüder. Sie dachte an ihren Mann, aber am
meisten an ihren vierjährigen Sohn. An seinen friedlichen Schlaf und
an seinen unschuldigen Geruch. Wie sehr sie ihn plötzlich vermisste
und sich wünschte, noch einmal mit ihm reden zu können. Ihm einen Kuss
zu geben. Würde sie das nie wieder tun können? Hilflosigkeit schien
sie zu übermannen."
..........

Mit dem Bilderdenken ist das so eine Sache. Das klingt etwas holprig,
vor allem kommt im übernächsten Satz nochmals, dass sie dachte. Wenn
Sie in der Perspektive Ihrer Figur sind, sieht der Leser die Welt
durch diese Figur. Wenn Sie dagegen betonen: Sie denkt jetzt, betonen
Sie zwar, dass das Folgende Gedanken der Figur, also nicht des Autors
sind, aber Sie schaffen damit Distanz. Manchmal ist das nötig, nur
sollten Sie dabei beachten: Die Dosis macht das Gift. Einmal auf fünf
Seiten sagen: "Sie dachte", das wird niemand stören - fünfmal in einem
Absatz, und die Dosis ist tödlich.

"Hilflosigkeit schien sie zu übermannen", da spricht dann der Autor zu
uns, nicht Rebecca. Da wird das, was wir bereits wissen, kommentiert.
Dazu kommt, dass "aber vor allem" und "plötzlich" unrund klingen.

Versuchen wir es also mal anders:
.........
Bilder ihrer Mutter, ihres Vater tauchten auf. Ihres Mannes. Ihr
vierjähriger Sohn. Sein unschuldiger Geruch. Wie sehr sie ihn
vermisste und sich wünschte, ihm noch einmal einen Kuss zu geben.
Würde sie das nie wieder tun können?
..........


         Sich in die Szene versetzen

..........
"'Reiß dich zusammen', flüsterte sie. Du kannst noch entkommen. Du
musst einen Ausweg finden!
Das Ächzen der Treppenstufen stieg an. Kam näher, wurde lauter und
intensiver. Gleich hatte er den Heuboden bestiegen. Rebecca nahm schon
sein kontinuierliches Pferdeschnaufen wahr. Er jagte sie und wollte
sie hinrichten.
Ich weiß nicht, warum, aber ich weiß, dass er mich leiden sehen will,
dachte Rebecca. Das ist sein Spaß. Sein eigener ganz besonderer Spaß.
Sie spürte, wie seine Stiefel aufsetzen und der Boden dabei
erzitterte."
..........

Flüstert Rebecca wirklich? Keine gute Idee, wenn der Verfolger schon
so nah ist. Sie ist wie gelähmt. Warum nicht das verwenden, was später
auch verwandt wird: Nicht sie flüstert, sie ist wie gelähmt. Und eine
innere Stimme sagt ihr: Reiß dich zusammen.

Wie ist es mit den Treppenstufen? Die knarrten schon vorher. Jetzt
müsste er langsam oben sein. Vielleicht knarrt noch die oberste Stufe,
aber dann hört man die Bretter, die unter seinen Schritten ächzen. Und
sein Pferdeschnaufen.

Muss man an dieser Stelle betonen, dass Rebecca das Schnaufen hört?
Wenn man das Pferdeschnaufen anders nicht unterbringt, kann man "Sie
hörte" stehen lassen. Man muss aber nicht.

Und was ist mit der Wiederholung, dass es sein Spaß ist, sein
besonderer Spaß? Wiederholen sollte man doch nicht und dem Leser auch
nicht erzählen, was er schon weiß?

Richtig. Aber jede Regel hat ihre Ausnahme. Und hier würde ich diese
Wiederholung stehen lassen. Der Wirkung wegen. Ich würde es sogar an
das Ende setzen, mit eigenem Absatz. Die Stiefel, die den Boden
erzittern lassen, brauchen wir sowieso schon vorher. Also:

..........
"Reiß dich zusammen", flüsterte eine innere Stimme. "Du musst einen
Ausweg finden!"
Eine Treppenstufe ächzte, die letzte, dann erzitterte der Boden. Er
hatte den Heuboden bestiegen. Die Schritte kamen näher, sein
Pferdeschnaufen wurde lauter und intensiver. Er wollte sie hinrichten.
Ich weiß nicht, warum, aber ich weiß, dass er mich leiden sehen will,
dachte Rebecca.
Das ist sein Spaß.
Sein eigener, ganz besonderer Spaß.
..........


         08/15 oder doch lieber originell?

Vermutlich ist obiger Text nicht der erste über einen durchgeknallten
Mann, der eine Frau quälen und ermorden will, den Sie gelesen haben.
Heutzutage hat jedes größere Dorf in Deutschland seinen
Serienfrauenmörder. Zumindest im Krimi.

Also ein ausgelutschtes Thema? Das man besser nicht verwendet?

Ja, es ist nicht gerade das ultraoriginellste Szenario. Nein, auch
ausgelutschten Themen kann man neue Aspekte abgewinnen. Und wie der
Blick in jeden beliebigen Buchladen beweist, lockt das Thema immer
noch Leser an. Ihnen als Autor muss das klar sein. Und Sie müssen die
Entscheidung treffen, ob Sie sich dieses Themas annehmen wollen. Diese
Entscheidung kann ich Ihnen nicht abnehmen, die kann Ihnen niemand
abnehmen.

Aber egal, wie Sie sich entscheiden: Geben Sie Ihr Bestes.

Das wäre es jetzt für diesen Tempest. Im nächsten werden wir dem
Mistgabelmörder dann weiter folgen.

Eins sollte Ihnen aber bereits klar sein: Je besser ein Text bereits
ist, desto vorsichtiger muss man korrigieren. Und desto schneller
kommt man in Bereiche des persönlichen Geschmacks.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein
Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé".
Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.


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Drehbuch: Oliver Pautsch
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Schreibgruppen: Ute Hacker
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Übersetzung: Barbara Slawig
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Verlagswesen: Bjørn Jagnow
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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen
Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt
und in einem Buch zusammengefasst - thematisch sortiert und
aktualisiert:

Björn Jagnow: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht, Verlagswesen und
Vermarktung", 2009, 188 Seiten, 10,00 Euro, Edition Octopus


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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         Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Ich möchte demnächst Reiseführer als E-Books schreiben und diese auf
einer eigenen Website verkaufen. Ist dies rechtlich möglich, oder muss
man zum Veröffentlichen einen Verlag anschreiben?


Antwort:
Um eigene Texte (bzw. andere Werke) zu veröffentlichen, benötigt man
keinen Verlag und auch keinen eigenen Gewerbeschein. Sie müssen
Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit allerdings bei der
Steuererklärung angeben.

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Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und
Buchhändler (http://www.bjoernjagnow.de/). Sein Fantasy-Thriller
"Wilde Jagd" ist als kostenloses PDF lieferbar (http://nbn-
resolving.de/urn:nbn:de:0062-wildejagd1-8).


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR HISTORISCHEN ROMAN:
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   Titus Müller (historischer.roman at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
Meine zweite Romanidee spielt teilweise in Kuba. Und da ich kein
Spanisch kann, kam in mir die Frage hoch, wie du deine Recherche in
Portugal ("Die Jesuitin von Lissabon") machtest, da du ja auch kein
Spanisch kannst (wie du erzähltest). Hattest du einen Übersetzer
dabei?


Antwort:
"Die Jesuitin von Lissabon" habe ich ohne Portugiesischkenntnisse und
ohne Dolmetscher geschrieben. Natürlich war ich in Lissabon und habe
Eindrücke gesammelt und Fotos gemacht (auch in Museen, wo man
eigentlich nicht fotografieren durfte, aber ohne Blitz hat's ja
niemandem wehgetan). Aber davon abgesehen war ich auf Material
angewiesen, das in Deutsch oder in Englisch vorlag. Davon gibt es eine
Menge! Augenzeugenberichte, Briefe, wissenschaftliche Untersuchungen
... Sogar historische Karten von Lissabon gibt es hier in Deutschland.
In der Kartensammlung der Unibibliothek Göttingen durfte ich
beispielsweise eine Straßenkarte von Lissabon vor dem Erdbeben von
1755 abfotografieren. Hätte nicht geglaubt, dass ich so etwas in
Deutschland finde.

Inzwischen ist die "Jesuitin" in Portugiesisch in der Verlagsgruppe
Leya in Portugal erschienen, und mein Übersetzer, der in Lissabon
geboren und aufgewachsen ist, hat im ganzen Roman nur einen winzigen
Fehler gefunden. Die Recherchen waren also offenbar selbst für
Einheimische ausreichend.

Also, hab keine Angst vor Kuba! Am Wichtigsten ist eine packende
Geschichte. Dann verzeihen die Leser auch gern kleinere
Recherchefehler.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

"Der Untergang der Titanic, die gesellschaftliche Atmosphäre am
Vorabend des 1. Weltkrieges und miteinander verflochtene Lebens- und
Liebesgeschichten auf knapp 400 Seiten: Titus Müller lässt die Welt
von vor beinahe 100 Jahren auf mehreren Ebenen wieder auferstehen.
Kurzweilig und lesenswert!" Georg Spielmann, Buchhändler, über "Tanz
unter Sternen". http://www.titusmueller.de


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH:
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         Oliver Pautsch (drehbuch at experte pt autorenforum pt de)


Frage:
1. Ist es sinnvoll, sich mit einem fertigen Drehbuch direkt an eine
Produktionsfirma zu wenden?
Sollte (muss) das in Deutsch sein?
2. Bei einem habe ich jedoch den Eindruck, es wäre eher für den
deutschen Markt geeignet. Ich vermute mal, dass das Format kein
Hindernis sein wird (Romantic Drama, 111 S.), frage mich allerdings,
ob ich es dafür ins Deutsche übersetzten sollte oder es direkt so
anbieten kann.
3. Ferner erscheint es mir per Google-Research so, als ob es eher sehr
wenige Agenturen für Drehbuchautoren gäbe (lebe nicht in Deutschland).
4. Heißt das, dass ich es eher direkt bei Produktionsfirmen versuchen
sollte? Die Arbeiten sind beim U.S. Copyright Office registriert, das
sollte wohl dafür reichen, oder?


Antwort:
Zu 1:
Das kommt auf deine Filmografie an, würde ich sagen. Falls du bereits
für Spielberg geschrieben hast, dürften dir hier alle Türen offen
stehen, egal in welcher Sprache du anbietest ;-). Ansonsten würde ich
mich eher nach den Gepflogenheiten richten und Angebote in
Landessprache machen.

Zu 2:
Wenn das Buch bereits fertig ist, dürfte es kein Problem sein, einen
Pitch und / oder ein Exposé des Stoffs in der jeweiligen Landessprache
zu verfassen. Dazu würde ich auf jeden Fall raten.
Spätestens bei Interesse einer Produktion am Drehbuch sollte der Stoff
übersetzt vorliegen.

Zu 3:
Es gibt einige (teilweise kommentierte) Listen namhafter Agenturen im
Netz. Eine davon finde ich per Google hier:
http://www.buntenbach.de/Drehbuchlinks.html#Drehbuchagenturen. Ich
schätze mal, dass es weit über zwanzig Agenturen gibt, die in
Deutschland Drehbuchautoren betreuen.

Zu 4:
Über den Schutz kann ich wenig sagen. Doch meiner Meinung nach geht es
bei der Vertretung durch eine Agentur weniger um den Schutz vor
Diebstahl geistigen Eigentums als um die professionelle Einschätzung,
Kontaktanbahnung und Vermittlung von Stoffen. Natürlich können Autoren
selbst antreten, um ihre Stoffe zu vermarkten. Doch wenn du die
Produzenten und ihr Programm, das sie machen, nicht kennst, halte ich
es für sehr mühsam und arbeitsintensiv, einen Fuß in die Tür des
richtigen Produzenten zu bekommen. Ich überlasse das lieber Profis.


                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft.
Später ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber
direkt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für
Kurzfilme, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.
http://www.pautsch.net


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit
getrennter Mail kommt
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Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach
Rücksprache - erwünscht. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin
bzw. beim Autor.

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
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Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
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Herausgeber:
 Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
 Gabi Neumayer                redaktion at team pt autorenforum pt de
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 Thomas Roth-Berghofer
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                  juergen.schlossmacher at team pt autorenforum pt de
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