Ausgabe 23-10 (20. Oktober 2021)

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Autorenwissen  
      „Personen und Diversity recherchieren“
      von Hans Peter Roentgen
   Frag den Experten für Science-Fiction
     (Andreas Eschbach)
   Frag die Expertin für Sachbuch
      (Gabi Neumayer)
   Impressum

EDITORIAL 

Liebe Autorinnen und Autoren,

"Sensitivity-Writing", dieser Begriff gewinnt in Zeiten verstärkter Diskussionen um das Sichtbarmachen von Diversität in der Gesellschaft immer größere Bedeutung für Autor*innen. Hans Peter Roentgen beschäftigt sich in seinem neuen Artikel mit diesem brandaktuellen Thema und gibt Tipps und Hinweise.

Welches Genre? Mit einer Frage zu diesem Thema setzt sich unser SF-Experte Andreas Eschbach auseinander. Und wie reicht man ein Mauskript formvollendet ein? Darum geht es in der Frage an die Sachbuch-Expertin.

News, Seminare, Ausschreibung: Wenn man sich den wieder voller werdenen Teil 2 des Tempest ansieht und sich passende Angebote herauspickt, kann der Herbst ruhig kommen!

Der Tipp des Monats, diesmal von Vera Nazarian:

The difference between real life and a story is that life has significance, while a story must have meaning. The former is not always apparent, while the latter always has to be, before the end.

Überweisung an den Tempest als Mini-Anerkennung unserer Arbeit? Nehmen wir gern entgegen! Am einfachsten direkt auf unserer Website per Paypal. Danke! 

   Gabi Neumayer
   Chefredakteurin


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Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt, aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto:

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     Kreissparkasse Köln
     BIC: COKSDE33XXX 
     IBAN: DE23 3705 0299 1142 1761 63
     Stichwort: „Beitrag Tempest“

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Und wer nicht überweisen möchte, kann uns den Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest). 


ISSN 1439-4669 Copyright 2021 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe


INHALT DIESER AUSGABE

TEIL 1

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Autorenwissen  
      „Personen und Diversity recherchieren“
      von Hans Peter Roentgen
   Frag den Experten für Science-Fiction
     (Andreas Eschbach)
   Frag die Expertin für Sachbuch
      (Gabi Neumayer)
   Impressum


TEIL 2 (in separater E-Mail, falls ebenfalls abonniert)

   Veranstaltungen
   Ausschreibungen
   Publikationsmöglichkeiten
     mit Honorar
     ohne Honorar
   Seminare
   Messekalender


HALL OF FAME (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Die „Hall of Fame“ zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:

.......

AutorIn: „Titel“, Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-Adresse.

.......

Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: „Der Fall der falschen Meldung“, Hüstel Verlag 2015, Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive Homepage!

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Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. 

ACHTUNG!

Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff „Hall of Fame“ an die Redaktion

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt! 


Gerwine Ogbuagu: „Ausgesperrt“, EPV Verlag Edition Paashaas 2020, Roman. Ein Zeitreiseroman und eine romantische Liebesgeschichte.

Jens Burmeister: „Tödliche Toskana“, Midnight by Ullstein 2021, kulinarischer Krimi. Der erste Fall für Professor Tiefenthal. jensburmeister.com

Heinrich von der Haar: „„RikschaTango““, Kulturmaschinen Verlag 2021, Tanzroman, Liebesroman. https://heinrichvonderhaar.de/rikschatango.html

Gabi Neumayer: „Frag doch mal die Maus: Zukunft“, Carlsen 2021, Kinder-Sachbuch. Was bringt die Zukunft? Wie können wir sie beeinflussen? 


NEUES AUS DER BUCHSZENE (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie nie zuvor. Ob es nun um neue Vertragsbedingungen mit Amazon geht, die zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Interviews


Speichergigant Deutsche Nationalbibliothek: Interview mit Frank Scholze.

Montsegur-Video: Interview über Planung, Aufmerksamkeit u. v. m. mit Jan Weiler.

Not macht erfinderisch: Interview mit Nina und Maximilian Hugendubel.


Buchhandel / Börsenverein


Den Verlagen geht das Papier aus.

Buchverleger sorgen sich ums Weihnachtsgeschäft: Papiermangel.

Warum kaufen Menschen Bücher? Lesemotive in den Buchhandelsalltag übertragen.

Indie-Verlag „Das Kulturelle Gedächtnis“ eröffnet eigene Buchhandlung.

Beschaffungskrise: Die Angst vorm leeren Regal.

Café-Restaurants auf allen Etagen: Mayersche baut Gastronomie im Stammhaus in Aachen aus.

Das Thema Print-on-Demand nimmt weiter Fahrt auf. Zeitfracht will daher die Prozesse der Branche weiter optimieren.


Verlage / Konzerne


Timo Busch übernimmt Harenberg-Verlag.

Christine Lederer übernimmt die Verlagsleitung bei Edel Kids Books.


Kultur / Recht / Literaturszene


Das Vermächtnis des John Le Carré.

Das Literarische Quartett im Oktober 2021: Wir können das als Leserinnen!

Sonntagsfrage: Wie geht es weiter mit Denis Schecks Anti-Kanon, Herr Hertweck?

Initiative Fair Lesen: Schreiben ist nicht umsonst!


Messen


Die internationale Jugendbuchmesse Bologna startet eine Grand Tour zu den vier wichtigen Buchmessen der Welt.

Kinderbuchpraxis live auf der Kinderbuchmesse.


Preise / Auszeichnungen 


Warum der Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah eine so glückliche Wahl ist.

„aspekte“-Literaturpreis geht an Ariane Koch für ihr Debüt „Die Aufdrängung“.

Cornelia Wiesner (Wolfsrudel Verlag) wurde zur Gewinnerin des ersten Deutschen Kinderbuchpreises gekürt.


E-Books / E-Lending


Tolino-Allianz baut Marktanteil aus.

E-Lending zerstöre die wirtschaftliche Grundlage der Buchbranche.

Der Deutsche Bibliotheksverband spricht von Falschinformationen bei der Initiative „Fair Lesen“.

Verlangsamtes E-Book-Wachstum.


 AUTORENWISSEN (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


„Personen und Diversity recherchieren“

von Hans Peter Roentgen

„Sensitivity-Writing“ ist das neue Schlagwort. In Romanen tauchen fast immer weiße Personen aus dem Bildungsbürgertum auf. Sonderlich verwunderlich ist das nicht, die meisten Autorinnen und Autoren stammen aus dieser Gruppe und kennen sich dort aus. Schon Frauen aus dieser Gruppe sind in Romanen und Filmen seltener als Männer, von Angehörigen von Minderheiten ganz zu schweigen.

Und wenn Personen aus anderen Gruppen die Buchseiten bevölkern, dann tun sie es oft als Klischees, als Marionetten. Der Deutschtürke, der seine Schwester ehrenmordet, die Hure mit dem goldenen Herzen, der Polizist mit rechtsradikalen Foren-Beiträgen, der Kripokommissar, der ein Alkoholproblem hat und bindungsunfähig ist, der Schwarze, der Drogen dealt, etc. pp.

Doch es gibt nicht erst seit gestern sehr viel mehr Menschen in Deutschland, sehr viel mehr Gruppen und sehr unterschiedliche Meinungen in diesen Gruppen. Autoren, die sich auf Klischees beschränken, lassen sich viele Möglichkeiten entgehen, ihre Geschichten mit Leben zu erfüllen. Schwarz-Weiß-Malerei ist nicht spannend.

Doch wie bekommen Sie neue Ideen, eine anschauliche Wahrnehmung von Gruppen, zu denen Sie normalerweise keinen Kontakt haben?

Aufmerksamkeit

Beobachten Sie Menschen. Was arbeiten sie, wie arbeiten sie? Gehen Sĭe mit offenen Augen durch die Stadt. Sie werden immer wieder neue Entdeckungen machen.

Fragen Sie Menschen

Menschen reden gerne über ihre Situation. Sie erfahren eine Menge, das Ihre Texte nicht nur diverser macht, sondern auch spannender.

Beratung durch Interessengruppen

Viele Interessenvertretungen kann man anfragen, vielleicht ein Interview oder einen Tag mit den Menschen bekommen. Eine Kollegin von mir hat sich bei der Bundeswehr mal eine Führung durch eine Kaserne geben lassen. Sie hat einfach dort angerufen. Und der Kommandant der Raumstation wurde dadurch richtig lebendig. Nicht mehr ein Stinkstiefel wie in vielen deutschen Romanen und auch kein strahlender Held wie in vielen amerikanischen, sondern ein lebendiger Mensch. Die Geschichte wurde dadurch sehr viel spannender.

Mittlerweile gibt es auch Foren und Gruppen, die Sensitivity-Reading anbieten, die Manuskripte lesen und die Autoren auf Fehler, Vorurteile und Probleme hinweisen.

Facebook & Co

Egal, ob gebildete Marokkaner, Kripobeamtinnen oder Hacker, sie alle haben Facebookgruppen. Und dort erfährt man eine Menge.

Nehmen Sie Menschen ernst

Sie werden bald entdecken, wie viele unterschiedliche Menschen es in Deutschland gibt. Nicht nur bezüglich der Hautfarbe, auch bezüglich sozialer Herkunft, sozialer Schicht, Herkunft der Eltern und und und.

Der lateinamerikanische Student, der ein Fan der deutschen Sturm-und-Drang-Zeit ist und nach Deutschland zum Studium kommt. Voller Erwartung, dass seine Mitstudenten diese Sturm-und-Drang-Zeit lieben und kennen. Und entdecken muss, dass die meisten keine Ahnung davon haben.

Der alte Türke, der nach Deutschland kommt, weil seine Kinder und Enkel hier leben, der aber nicht die Hände in den Schoß legen will, seine uralte riesige Nähmaschine mitbringt und sich einen kleinen Laden mietet, um weiter zu schneidern, obwohl er längst im Pensionsalter ist. Aber man muss was zu tun haben, sagte er mir.

Nicht alle haben die gleiche Meinung

Ich erlebe es oft, dass weiße Angehörige des Bildungsbürgertums fest davon überzeugt sind, zu wissen, was Angehörige anderer Gruppen fühlen und denken. Was sie verletzt. Aber so wie indigene Deutsche nicht alle die gleiche Meinung haben, so gilt das auch Minderheiten.


Oft sprechen indigene Deutsche von Islamophobie, sobald jemand Kritik an konservativen Muslimen übt. Sorry, sage ich. Suchen Sie im Internet mal Diskussionsgruppen von Muslimen. Sie werden feststellen, dass diese ganz unterschiedliche Meinungen haben bezüglich des Islam. Vom ultraharten Islamisten, den Frauen ohne Schleier beleidigen, über den liberalen Muslim, der nur lacht, wenn man ihn fragt, ob er seine Tochter verheiraten würde, bis hin zu Atheisten, die einen Hass auf Koran und Islam haben.

Daneben gibt es natürlich auch andere gängige Klischees und Vorurteile. Die Millionärsgattin hat Depressionen und nimmt Valium. Der Deutschtürke hat die Schule nicht geschafft. Seine Tochter hat er zwangsverheiratet. Der Kripobeamte ist Single und psychisch defekt.

Wir Angehörigen des deutschen Bildungsbürgertums haben oft ein festes Bild von Gruppen, die wir nicht kennen. Alle sind gleich, alle meinen das Gleiche. Kein Wunder, wenn dann in den Büchern immer nur Stereotype auftreten.

Nicht-Diabetiker nennen Diabetiker oft „Menschen mit Diabetes“ und glauben, dass sie diese besonders einfühlsam benennen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich hasse das, wenn Nichtdiabetiker besser zu wissen glauben, wie Diabetiker angesprochen werden wollen. Die meisten hassen wie ich den Begriff „Mensch mit Diabetes“ und fühlen sich verarscht. Gleiches gilt auch für Autistinnen, wie ich erfahren habe. Natürlich gibt es auch einige, die diese Begriffe verwenden, sie sind aber in der Minderheit. Wie gesagt, nicht alle Angehörige einer Minderheit sind gleich, denken das Gleiche, leben auf die gleiche Art und Weise.

Diversität bietet Konflikte und unterschiedliche Perspektiven

Jeder kennt den Tatort aus Münster. Mit dem arroganten Professor und dem prolligen Kommissar. Sehr schematisch, kein Zweifel, die wenigsten Professoren werden nur Wein trinken und Golf spielen, die wenigsten Prolls nur Bier trinken und als Couchpotato nur Fußball gucken. Aber schon in diesem Fall resultiert Spannung und Witz aus der unterschiedlichen Weltsicht und dem unterschiedlichen Lebensstil.

Sehr viel ernster handelt das der Oscargewinner „The Green Book“ ab. Ein erfolgreicher afroamerikanischer Musiker aus New York will Anfang der Sechziger eine Tour durch die Südstaaten machen. Damals war dort noch die Rassentrennung üblich. Er engagiert einen italoamerikanischen Rausschmeißer aus einem Nachtclub als Fahrer. Hier prallen gleich verschiedene Gegensätze aufeinander. Der gebildete Afroamerikaner, Angehöriger der Intelligenz der Ostküste, der eher prollige Italoamerikaner, heute würde man ihn „bildungsfern“ nennen. Unterschiede in Bildung, Unterschiede in der Hautfarbe -- und dann noch eine Reise durch eine Gegend mit strikter Rassentrennung. Ich kann den Film nur jedem empfehlen.

Diverse Meinungen

Meinungsfreiheit hat einen großen Vorteil und ist deshalb ein Erfolgsmodell. Weil unterschiedliche Menschen ihre unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen einbringen. Weil damit Einseitigkeit vermieden wird. Auch in der Tierwelt ist die Entwicklung von Individuen ein großer Fortschritt für die Tiere gewesen. Selbst in früheren Zeiten gab man den Fürsten den Rat: Suche dir Ratgeber mit unterschiedlichen Meinungen. Leider haben sich die meisten nicht daran gehalten.

Ein ganz einfaches Beispiel, das ein Botanikprofessor mal erzählt hat. Er traf auf einer Konferenz einen Manager einer Chemiefirma, der ihm berichtete, dass die Chemiker der Firma schon viele Millionen ausgegeben hatten, um herauszufinden, warum Unkrautvernichter das Unkraut angreifen, nicht aber das Getreide. Da müsse es doch einen chemischen Unterschied zwischen beiden geben.

„Das kann ich Ihnen sagen“, sagte der Botaniker. „Getreide sind Einkeimblättrige. Die meisten Unkräuter Zweikeimblättrige. Und daraus folgt ...“ Und er konnte das Rätsel lösen.

Menschen sind oft der Weltsicht ihrer Gruppe verhaftet. In sozialen Netzwerken bilden sie schnell Filterblasen. Und nehmen nur noch wahr, was ihre Gruppe wahrnimmt. Firmen mit Führungskräften aus unterschiedlichen Gruppen sind deshalb erfolgreicher.

Als Metro Goldwyn Mayer „Quo Vadis“ verfilmte, suchten sie einen Schauspieler für den Kaiser Nero. Peter Ustinov bewarb sich. Er sei zu jung, glaubte die Filmgesellschaft. „Bald werde ich zu alt sein“, erwiderte Ustinov und die erstaunten Filmleute mussten erkennen, dass sie zwar viel Geld für Recherche ausgegeben hatten, aber einfach davon ausgegangen waren, dass Nero ein alter, weißer Mann gewesen sei – doch das stimmte nicht.

Moral und bessere Texte

Oft wird moralisch argumentiert, Autoren MÜSSTEN diverser schreiben, das sei für Minderheiten wichtig. Sie werden gemerkt haben, dass ich kaum auf Moral eingegangen bin. Auch wenn es sicher richtig ist, dass wir heute in einer sehr diversen Gesellschaft leben und es nur gut ist, wenn Romane das widerspiegeln.

Ich halte es für wichtiger, zu betonen, dass Texte besser werden, wenn Sie sich um mehr Diversität bemühen, Klischees vermeiden. Dann werden Sie auch Verletzungen von Minderheiten vermeiden. Wenn Sie während des Schreibens hingegen nur noch daran denken, niemanden zu verletzen, können schnell blasse, inhaltsleere Romane entstehen. Wer nichts tut, macht nichts falsch. Wer nicht schreibt, ebenfalls.

Aber was wäre, wenn Harriet Becher-Stowe „Onkel Toms Hütte“ nicht geschrieben hätte, aus Angst, Afroamerikaner zu verletzen? Sie hätte die Verletzungen durch die Sklaverei den weißen Amerikanern nicht nahe gebracht.

Was wäre gewesen, wenn der deutsche Afrikaforscher Nachtigall nicht den Horror der Sklavenjagden im Inneren Afrikas beschrieben hätte, aus Angst, Schwarze zu verletzen? Die meisten weißen Europäer hätten nichts davon erfahren, denn die Sklaven konnten diesen Horror nicht schriftlich festhalten.

Mir scheint es wichtiger, Menschen wahrzunehmen, als verzweifelt darauf zu achten, dass man niemanden verletzt. Marius Jung hat in „Singen können die alle“ beschrieben, wie es ihn als schwarzen Deutschen oft nervt, wenn Gesprächspartner nicht normal mit ihm reden, sondern herumstottern, in dem Bemühen, ja keine falschen Worte zu verwenden.

Habt Mut!

Liebe Autorinnen und Autoren, habt also den Mut, die Vielfalt in Deutschland wahrzunehmen und in Romanen zu schildern. Sowohl die Vielfalt der Deutschen wie die Vielfalt der Meinungen. Und lasst das die Leserinnen auch in euren Romanen erleben.

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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher „Vier Seiten für ein Halleluja“ über Romananfänge, „Drei Seiten für ein Exposé“, „Schreiben ist nichts für Feiglinge“, „Klappentext, Pitch und weiteres Getier“ und „Was dem Lektorat auffällt“. Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.  


UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN


Bitte schickt den Expert*innen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - keine Manuskripte zur Beurteilung. Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber gelöscht wird.

Fragen (anonymisiert) und Antworten werden in der Regel hier im Tempest veröffentlicht, damit auch andere Autor*innen davon lernen können. Wer das aber nicht möchte, schreibt das bitte ausdrücklich dazu.
 

Drehbuch  Oliver Pautsch Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Fantasy Stefanie Bense Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Heftroman  Arndt Ellmer Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Historischer Roman  Titus Müller Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Kinder- und Jugendbuch Sylvia Englert Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Kriminalistik Kajo Lang Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Lyrik Martina Weber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Marketing Maike Frie Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Recherche  Barbara Ellermeier Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sachbuch Gabi Neumayer Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Schreibaus- und -fortbildung  Uli Rothfuss Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Schreibhandwerk Ute Hacker Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Science-Fiction Andreas Eschbach Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


FRAG DEN EXPERTEN FÜR SCIENCE-FICTION (Andreas Eschbach, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Frage

Nachdem ich die meisten Ihrer Bücher gelesen habe und auch bei Rainer Wekwerth einen Online-Schreibkurs absolviert habe, ist nun mein erster Roman erschienen [...]

Ich habe ihn als „Near Fiction“ bezeichnet, da Science-Fiction zumeist mit Weltraum und weiter entfernter Zukunft in Verbindung gebracht wird. Allerdings ist „Near Fiction“ als Begriff nicht wirklich eingeführt.

Dennoch beschreibt es das Sujet des Romans ziemlich treffend (spielt in ca. 10-15 Jahren, ist ein Polit-Thriller mit – leider – sehr aktuellen Bezügen).

Sind Sie der Meinung, dass es sinnvoll sein kann, eine wenig bekannte Sub-Genre-Bezeichnung zu verwenden?

 

Antwort

Nach meinem Verständnis von Genres muss ich sagen: Nein.

Erstens sagt das Genre, das auf einem Buch steht, der Buchhändlerin, wohin sie das Buch stellen soll. Steht da „Krimi“, kommt es ins Krimiregal, steht da „Historischer Roman“, kommt es in das Regal mit den historischen Romanen, usw. – und steht da „Science Fiction“, kommt es ins SF/Fantasy-Regal. Aber was fängt sie nun mit „Near Fiction“ an? Das ist nicht vorhersagbar.

Und auch bei Büchern, die nicht über den Buchhandel vertrieben werden, spielt das meiner Beobachtung nach eine gewisse Rolle.

Zweitens ist es keineswegs so, dass Science-Fiction immer mit Weltraum und ferner Zukunft zu tun hat. Es gibt jede Menge SF-Romane, die in naher Zukunft und auf der Erde spielen, sogar welche, die in der Gegenwart spielen, nicht einmal eingerechnet, dass die Klassiker wie „Frankenstein“ oder die Romane von Jules Verne natürlich in der Vergangenheit spielen, der damaligen Gegenwart eben.

Auch Polit-Thriller müssen nicht unbedingt in der aktuellen Gegenwart spielen, sondern können aktuelle Entwicklungen in die nahe Zukunft fortschreiben.

Wenn man sich überlegt, welches Genre man auf das Cover schreibt, muss man sich zuerst fragen, welcher Art Lesern das Buch gefallen könnte – und dann, an welche Regale bzw. in welche Kategorien im Onlinehandel die gehen werden: Das, was dort als Genre steht, ist das richtige.

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Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte Luft- und Raumfahrttechnik, war Geschäftsführer einer IT-Beratungsfirma und lebt heute als freier Schriftsteller in der Bretagne. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen „Das Jesus-Video“, „Die Haarteppichknüpfer“, „Eine Billion Dollar“, „Ausgebrannt“, „Herr aller Dinge“ und „NSA“.

 


FRAG DIE EXPERTIN FÜR SACHBÜCHER (Gabi Neumayer, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Frage

Ich bin gerade in der Phase, wo ich mich bei verschiedenen Literaturagenturen bewerbe. Bei einer der Agenturen läuft die Bewerbung nur per Postweg. Nun habe ich eine Mappe mit 40 Folien gekauft: für das Anschreiben, das Exposé, 30 Seiten Leseprobe inklusive meiner Autoren-Vita.

Ist das so üblich, oder wollen die Agenturen nur die Seiten zusammengefasst in einem Umschlag haben? Und kann meine Vita auch künstlerische Fotos beinhalten, oder besser nicht?

 

Antwort

Meine dringende Empfehlung: Verwende keine Folien, keine Kunstfotos, nichts irgendwie Gestaltetes. Halte die einzelnen Elemente (Anschreiben, Exposé, Leseprobe) nur jeweils mit einer Büroklammer zusammen.

Der Hintergrund: In den Verlagen/Agenturen ist man nur an dem Text interessiert. Alles andere lenkt ab (bei Einzelfolien kann man sich dort nicht mal Notizen auf dem Papier machen). Ein durchaus verbreiteter „Verdacht“: Man will mit dem Drumherum von Schwächen des Textes ablenken.

Wichtig sind Seitenzahlen auf der Leseprobe; am besten nennst du auch in der Fuß- oder Kopfzeile deinen Namen und den Arbeitstitel. Dann muss niemand rumsortieren, wenn alles mal runterfällt. Außerdem würde ich wegen der Lesbarkeit linksbündigen Flattersatz zum Ausdrucken wählen und ungefähr die Normseite einhalten.

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Gabi Neumayer hat früher viele Sachbücher zum beruflichen Schreiben geschrieben. Heute schreibt sie vor allem Kinderbücher, darunter auch zahlreiche Sachbücher. Ihr aktuelles ist: „Frag doch mal die Maus: Zukunft“ (Carlsen), weitere Mausbücher erscheinen demnächst. Weitere Infos: http://www.gabineumayer.de.


Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, den ihr separat abonnieren müsst.


Einsendeformalien 
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rücksprache - erwünscht. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor. 
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet werden.


 IMPRESSUM


Herausgeber*innen
Gabi Neumayer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Ramona Roth-Berghofer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Stefan Schulz (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Thomas Roth-Berghofer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Jürgen Schloßmacher (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


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