Ausgabe 23-01 (20. Januar 2021)

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Schreibkurs
       „10 Dinge über Dialoge, die Autoren wissen sollten – Teil 2“ 
      von Hans Peter Roentgen
   Autorenwissen
       „Konflikte richtig entwickeln“ 
      von Klaus Eckardt
   Frag die Expertin für Kinderbuch
      (Sylvia Englert)
   Impressum

EDITORIAL 

Liebe Autorinnen und Autoren,

im heutigen Tempest findet ihr den zweiten Teil von Hans Peter Roentgens Schreibkurs zum Thema „Dialoge“. Klaus Eckardt zeigt uns, in welchen Eskalationsstufen ein Konflikt verlaufen kann -- und was das für die Plotplanung bedeutet. Und Sylvia Englert beantwortet eine Frage zu jahreszeitlichen Kinderbüchern.

Im zweiten Teil des Tempest gibt es zurzeit verständlicherweise nur wenig Neues, aber dafür lohnt sich trotzdem ein Blick. Schließlich haben viele von uns jetzt Zeit, sich mal wieder an einer Ausschreibung oder einem Wettbewerb zu beteiligen.

Der klassische Tipp des Monats, diesmal von Saul Bellow:

Bei einem Schriftsteller muss man, wie bei einem Chirurgen, das Gefühl haben, in guten Händen zu sein, damit man sich im Vertrauen betäuben lassen kann.

Lasst es euch so gut gehen wie möglich -- wir hoffen auf den Sommer! 

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

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ISSN 1439-4669 Copyright 2021 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe


INHALT DIESER AUSGABE

TEIL 1

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Schreibkurs
       „10 Dinge über Dialoge, die Autoren wissen sollten – Teil 2“ 
      von Hans Peter Roentgen
   Autorenwissen
       „Konflikte richtig entwickeln“ 
      von Klaus Eckardt
   Frag die Expertin für Kinderbuch
      (Sylvia Englert)
   Impressum


TEIL 2 (in separater E-Mail, falls ebenfalls abonniert)

   Veranstaltungen
   Ausschreibungen
   Publikationsmöglichkeiten
     mit Honorar
     ohne Honorar
   Seminare
   Messekalender


HALL OF FAME (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Die „Hall of Fame“ zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:

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AutorIn: „Titel“, Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-Adresse.

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Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: „Der Fall der falschen Meldung“, Hüstel Verlag 2015, Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive Homepage!

.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. 

ACHTUNG!

Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff „Hall of Fame“ an die Redaktion

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt! 


Sandra Niermeyer: „Die Kuh im Pool“, Magellan Verlag 2021, Kinderroman. Ausgezeichnet: Kinderliteraturpreis Steiermark (Sonderpreis)


NEUES AUS DER BUCHSZENE (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie nie zuvor. Ob es nun um neue Vertragsbedingungen mit Amazon geht, die zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Interview 


Gerichtsmedizinerin entdeckt unbekannte Fallada-Texte.


Buchhandel / Börsenverein 


Barsortiment: Wie kommt man durch den zweiten Lockdown?

Die Kinder- und Jugendbuchverlage haben von Corona profitiert.

Konditionsverhandlungen: Libri liefert Diogenes-Titel nicht aus.

Muss die Branche den Onlinebuchhandel neu erfinden – und zwar gemeinsam?

Neue Regel im Onlinehandel: Zahlen per Kreditkarte wird komplizierter.

Thalias Rochade gegen die Tarifbindung.

Thalia Mayersche übernimmt Kirschner.

Schweiz schließt Buchhandlungen.


Verlage


Drogerieunternehmen Rossmann steigt bei Bastei Lübbe ein. 


Kultur / Politik / Literaturszene


1,5 Zentimeter zum tödlichen Vakuum.

Deutschlandfunk: Ein Buch verschwindet klammheimlich vom Markt.

Harald Lesch empfiehlt Bücher, die ihm die Augen geöffnet haben. U. a. Andreas Eschbachs „NSA“.

Zur Rolle des Buchs in der Pandemie.

Unterstützung für den Branchennachwuchs.

Robert Greenes „Die 24 Gesetze der Verführung“ verschwindet klammheimlich vom Markt.

Verlag stoppt Buchveröffentlichung von Trump-treuem Senator.

J.  K. Rowling: Wenn aus Liebe Hass wird.

Ein Gespräch mit Cornelia Funke über ihre Romanserie „Reckless“.

Gene Roddenberry wird 100: Hey Curtis Newton! Can you see us on the moon?

Als Hans Christian Andersen einen grausigen Fund im Watt machte.

Als Dante in die politische Verbannung musste.

Friedrich Dürrenmatt zum 100sten. Er verkauft pro Halbjahr immer noch 50.000 Bücher.

John Rawls' Urtext „Gerechtigkeit als Fairness“: Würde ein Sklave der Sklaverei zustimmen?


Preise / Auszeichnungen 


Christian Baron erhält den Literaturpreis „Aufstieg durch Bildung“.

Die schönsten Schaufenster zum Kinderbuch „Malamander“.

Minimalistisch und magisch: Sieger beim Buchtrailer-Award 2021. 


Antiquariat / Gebrauchtbuchhandel


Momox-Auswertung: Das waren die unbeliebtesten Buchgeschenke.


International


Print Book Sales Rose 8.2% in 2020.

Indie Bookstores Gear Up for 2021.

Covid-19 Impact Listing: Cancellations, Closings, Policy Changes, and More.

Authors Seek Missing Payments from Shuttered Literary Agency.


 SCHREIBKURS (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


„10 Dinge über Dialoge, die Autoren wissen sollten – Teil 2“

von Hans Peter Roentgen

8. Sparsam mit Inquits sein

Sie müssen nicht jeden Dialogabschnitt mit einem Inquit abschließen. Wenn klar ist, wer spricht, könnten Sie „sagte sie“ weglassen und nur manchmal erwähnen, wer der Sprecher ist. Der Dialog wird dadurch schneller und knapper. Hier ein Beispieldialog zwischen Mutter und pubertierendem Sohn.
 
„Du bleibst hier“, sagte seine Mutter.
„Du hast mir nichts zu befehlen.“
„Du willst dich nur zusaufen wie letzten Abend.“
„Ich treff mich mit Freunden! Wir machen Hausaufgaben.“
„Die garantiert viel Alkohol enthalten, möchte ich wetten.“
 
Hier ist immer klar, wer spricht. Das wird auch dadurch sichergestellt, dass Mutter und Sohn ganz unterschiedliche Ziele und Motive haben, also eine Verwechslung gar nicht möglich ist (siehe Punkt 4 oben).

9. Dreifach gemoppelt ist zweimal zu viel

„Du Arschloch!“, schrie er wütend.

In diesem kurzen Abschnitt wird dreimal dasselbe gesagt, nämlich, dass der Sprecher wütend ist. Vertrauen Sie Ihren Lesern, sie werden automatisch begreifen, dass der Sprecher auf 180 ist. Es reicht „Du Arschloch!“. Gerade bei emotional aufgeladenen Szenen wirkt ein knapper Dialog besser, da er Tempo hat und die angespannte Situation besser erleben lässt.

Ein guter Dialog ist einer, in dem der Text bereits Stimmung und Emotion des Sprechers verrät. Aber wie immer gibt es Ausnahmen.

„Du Idiot“, sagte er lachend.

Da kann man auf das Adjektiv nicht verzichten, weil „Idiot“ hier keine Beleidigung ist, sondern eine Frotzelei unter Freunden.

10. Unvollständige Sätze

Woran erkennt man, dass zwei Menschen streiten? Nicht nur an der Lautstärke, sondern auch daran, dass sie einander nicht ausreden lassen. Und dass die Sätze kürzer werden, je emotionaler der Streit wird. Nehmen wir mal eine Meinungsverschiedenheit zwischen einem Mafiaboss und seinem Killer.
 
„Ich möchte keine Nonne erschießen, das geht gegen mein Gewissen“, sagte der Killer.
„Joe, das ist keine Nonne, das ist Susan aus dem Nachtclub“, erwiderte der Boss. „Also tu deine Pflicht und drück ab.“
„Ich werde in der Hölle landen deswegen und meine Mutter unglücklich machen.“
„Du hast so viele umgelegt, dann kannst du die jetzt auch töten.“
„Aber Boss, das ist eine Nonne, und meine Mutter wollte immer, dass ich Nonnen ehre und beschütze, das steht auch im Beichtbrevier, das ich habe.“
„Wenn du es beichtest, wird dir jede Schuld erlassen, so steht es im kanonischen Recht §47 über die Beichte und die Vergebung.“
 
Ganz klar, niemand würde in so einer Situation so reden. Erinnern Sie sich an das Ping-Pong-Spiel? Heftige Szenen benötigen ein schnelles Spiel.
 
„Ich kann keine Nonne ...“
„Das ist keine Nonne, das ist Susan.“
„Aber das Habit ...“
„Drück endlich ab!“
 
Ach ja, das ist auch so ein Dialog, in dem Sie gar keine Inquit-Formeln benötigen.
 

11. Dialekt im Dialog

Dialekt kann einen Sprecher identifizieren. Ein Bayer spricht anders ein Berliner. Und heute haben viele Gebildete jeden Dialekt abgelegt, auch das ist ein Kennzeichen.

Nur leider gibt es ein Problem: Wenn Sie jemanden richtiges Niederbayrisch reden lassen, werden sich alle Nicht-Bayern schwer tun, es zu verstehen. Sie müssen erst mal die Sprache übersetzen und können nicht der Geschichte folgen.

Verwenden Sie also nur einzelne Wörter oder Satzwendungen im Dialog, die den Leser daran erinnern: Das ist der Bayer, das der Berliner. Gerade grammatikalische Konstruktionen sind typisch für Dialekte.
 
„Das geht nicht, weil das ist verboten.“ (Umgangssprache)
„Das ist dem Chef sein Steckenpferd.“ (Ruhrgebiets-Genitiv)
 
Gleiches gilt, wenn Sie Menschen sprechen lassen, die eine andere Muttersprache haben und nur gebrochen Deutsch reden. Auch da sollte man nicht übertreiben. Und notfalls jemanden um Rat fragen, der den Dialekt sprechen kann oder Muttersprachler der fremden ist. Denn es ist nicht so einfach, einen Deutschtürken reden zu lassen, wenn man selbst gar kein Türkisch kann und nicht weiß, welche typischen Formulierungen jemand aus diesem Sprachkreis benutzt.

Und bitte, bitte, bleiben Sie dabei. Jemanden erst gebrochen Deutsch sprechen zu lassen, der dann in perfektem Hochdeutsch fortfährt, das fällt auf. Passiert übrigens immer wieder Erpressern, die ihre Briefe abfassen, als wären sie Türken, dann aber die Geldübergabe in perfektem Deutsch formulieren. Da freut sich der Sprachprofiler!

12. Dialoge testen

Lesen sie sich Ihre Texte laut vor. Sie werden erstaunt sein, wie viele Stolpersteine und unglückliche Formulierungen Sie dabei entdecken. Noch besser: Lassen Sie ihn sich von einem Freund vorlesen. Es gibt auch Sprechprogramme, die Texte vorlesen. Da diese keine Betonungen verwenden, fallen unglücklich formulierte Stellen dabei besonders auf.

Wenn Sie unsicher sind, testen Sie einfach mehrere Fassungen. Streichen Sie zum Beispiel auf einer Seite alle Inquits (sagte er, sagte sie), und legen Sie beide Seiten nebeneinander. Sie werden schnell sehen, welche Sie benötigen und welche nicht.

Die Methode funktioniert für alle Tipps, die ich genannt habe. Einen Tipp umsetzen und den Text überarbeiten – und dann beide Fassungen nebeneinanderlegen. Das schärft Ihr Bewusstsein dafür, was nötig ist und was nicht.

Wenn Sie noch nicht viel Erfahrung damit haben, Dialoge zu überarbeiten, dann ändern Sie nicht gleich alles, sondern nur eine Sache, damit deutlicher wird, wie diese Änderung wirkt. Und dann lesen Sie sich Ihren Text laut vor.

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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher „Vier Seiten für ein Halleluja“ über Romananfänge, „Drei Seiten für ein Exposé“, „Schreiben ist nichts für Feiglinge“, „Klappentext, Pitch und weiteres Getier“ und „Was dem Lektorat auffällt“. Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.  


AUTORENWISSEN (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


„Konflikte richtig entwickeln“


von Klaus Eckardt
 
Zwei Männer stehen Rücken an Rücken im ersten Morgenlicht. Jeder hält eine Pistole in der Hand und weiß: Die Schritte, die er jetzt gehen muss, können die letzten in seinem Leben sein ...

Das klassische Duell ist weitgehend ausgestorben, im Kampf um die verletzte Ehre irgendwelcher vornehmer Herren ebenso wie in der neueren Literatur. Doch das, was in früheren Jahrhunderten zum Krachen der Pistolen geführt hat, lebt weiter: der Konflikt. Und er ist weder aus einem menschlichen Leben noch aus einem Roman wegzudenken.

Während Konflikte in der Realität die irrsten Wendungen nehmen können (als diese Zeilen im Januar 2021 geschrieben wurden, hatten gewalttätige Anhänger des amerikanischen Präsidenten Trump gerade den Kongress gestürmt), sollten sie in Romanen einer gewissen Logik folgen, um glaubhaft auf die Leser zu wirken. (Wir erinnern uns: Das überdrehte „House of Cards“ war harmlos gegen das, was Donald Trump wirklich aufgeführt hat.) 

 
Wer beeinträchtigt wen?
 

Wenn Autoren nicht darum herumkommen, Konflikte zum Inhalt ihrer Handlung zu machen, dann erscheint es ratsam, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, was Konflikte genau sind und wie sie funktionieren. Und zwar schon vor der Ausarbeitung des Plots.

Wo die Grenze zwischen einer Meinungsverschiedenheit und einem Konflikt liegt, zeigt die Definition des Konfliktforschers Friedrich Glasl. Er spricht – verkürzt ausgedrückt – dann von einem Konflikt, wenn sich jemand durch einen anderen beeinträchtigt fühlt, sei es im Denken, Fühlen oder Wollen.

Das passiert im Alltag unserer Romanfiguren relativ schnell: Der eine will das Geld oder die Liebe des anderen (oder beides) und bekommt sie nicht, jemand marschiert mit weit ausgefahrenen Ellenbogen durchs Leben und walzt alle platt, die sich ihm in den Weg stellen, oder, ganz banal: Er will im Urlaub in die Berge, sie ans Meer. Schon entwickelt sich der schönste Konflikt, der entweder offen ausbrechen oder munter vor sich hin schwelen kann.



Ins Ehebett oder in den Abgrund?
 

So vielschichtig wie die Konflikte sind auch die Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen: Gibt die Gegenseite, ohne dass es sie viel Überwindung kostet, klein bei, ist der Konflikt beendet, bevor es sich lohnt, über ihn zu schreiben. Andere, literaturtauglichere, Konflikte entwickeln sich munter weiter, bis sie zu einem Happy End oder ins Verderben führen.

Die neun Eskalationsstufen, die Friedrich Glasl für Konflikte beschreibt, helfen Autoren dabei, ihre Figuren Schritt für Schritt dahin zu führen, wo sie sie haben möchten: ins Ehebett oder in den Abgrund.

Schauen wir uns den Weg in den Abgrund anhand eines Beispiels an, das wir alle sowohl aus dem richtigen Leben wie auch aus der Literatur kennen (im Ersteren hoffentlich aber nur bis Stufe drei oder vier): die Liebe. Oder das, was von ihr übrig blieb. Hier aufgeführt von Anna und Anton.
 
 

Die neun Stufen zum Abgrund


Stufe 1: Verhärtung
Anna und Anton streiten viel, versöhnen sich zwar immer wieder, doch beide spüren einen Riss in der Beziehung. Von der früheren Leichtigkeit ihres gemeinsamen Seins ist nichts mehr zu spüren.
 
Stufe 2: Debatte, Polemik
Anna wirft Anton vor, sie nicht mehr zu lieben, nur noch zu arbeiten und sich gar nicht mehr um den Haushalt zu kümmern. Anton kontert, mit Annas Liebe könne es auch nicht so weit her sein, da sie Zärtlichkeiten seit einiger Zeit ablehnt.
 
Stufe 3: Taten statt Worte
Anna zieht ins Gästezimmer, Anton kommt ein paar Nächte lang gar nicht nach Hause. Wenn er kommt, schweigt er und ignoriert Anna. Sie wiederum versucht, ihn eifersüchtig zu machen.
 
Stufe 4: Images und Koalitionen
Anna weint sich bei ihrer besten Freundin aus, versucht, Antons Mutter auf ihre Seite zu ziehen. Anton versumpft mit ein paar Freunden in der Kneipe und zieht über Anna her. Wenn Anna und Anton sich noch sehen, dann giften sie einander an.
 
Stufe 5: Gesichtsverlust
Anton stellt Nacktaufnahmen von Anna ins Internet, Anna revanchiert sich mit einem Anruf bei Antons Chef und erzählt ihm, dass Anton zwei Tage blau gemacht hat.
 
Stufe 6: Drohstrategien
Anton kündigt an auszuziehen und Anna keinen Cent Unterhalt zu bezahlen. Er wird zum ersten Mal handgreiflich. Anna droht damit, ihn wegen Schwarzarbeit anzuzeigen.
 
Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge
Anna plündert das gemeinsame Konto, zieht zu ihrer Mutter, Anton zertrümmert ihr Auto und schlägt sie.
 
Stufe 8: Zersplitterung
Die beiden kämpfen mit noch härteren Bandagen. Anton randaliert immer wieder nachts vor dem Haus von Annas Mutter, droht, seine Ex-Freundin umzubringen. Anna engagiert Rockerfreunde aus ihrer Jugend, die Anton verprügeln.
 
Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund
Anton lockt Anna mit der Bitte um eine letzte Aussprache in die frühere gemeinsame Wohnung. Dort ermordet er sie und ruft dann selbst die Polizei.

  
Konfliktlösung im Rückwärtsgang

 
Je stärker der Konflikt eskaliert, desto schwieriger wird eine Lösung. Glasl weiß aus seiner Praxis, dass Konflikte, die über Stufe drei hinausgehen, nur mit intensiver professioneller Begleitung lösbar sind – ab Stufe sieben sogar nur mit massiven Interventionen. Es steht jedem Autor frei, seinen Figuren starke Selbstheilungskräfte mitzugeben und sie von Stufe sieben direkt zum Traualtar zu führen. Glaubhaft ist das jedoch nicht. Wer von einer höheren Eskalationsstufe auf ein Happy End hinarbeiten möchte, sollte sich ein Szenario ausdenken, bei dem die Beteiligten die Stufen langsam wieder rückwärts heruntergehen. Um die Spannung zu erhöhen, lassen sich auch gut ein paar Rückschlage einbauen. Denn zu einfach sollten es die Autoren weder sich selbst noch ihren Figuren machen. Und das Duell hat, wie gesagt, als Weg zur Konfliktlösung schon lange ausgedient.


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Klaus Eckardt ist Mediator, Schreibcoach und Autor von mehreren Kriminalromanen.
www.dein-schreibcoach.de


UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN


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FRAG DIE EXPERTIN FÜR KINDERBUCH, Sylvia Englert: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Frage

Heute hatte ich eine schöne Idee für ein Kinderweihnachtsbuch. Jetzt stellen sich mir zwei Fragen. Wann würde ich denn am besten das Manuskript einsenden? Egal, wann im Jahr – oder gibt es einen Zeitraum, in dem bei Agenturen und Verlagen speziell auf Weihnachts- oder auch Osterbücher geachtet wird? Ist es für diese jahreszeitlichen bzw. Festtagsbücher besser, Agenturen anzuschreiben, oder sollte man sich direkt an Verlage werden?

 

Antwort

Kinderbücher für solche Anlässe (Weihnachten, Ostern ...) werden immer gesucht, von daher können Sie es gerne schon jetzt versuchen, vielleicht klappt es dann sogar schon für nächstes Weihnachten.

Grundsätzlich wäre es immer besser, über eine Agentur zu gehen, weil solche Einsendungen einfach mehr Beachtung finden (und manche Verlage, so wie Ravensburger, offen sagen, dass sie unverlangte Einsendungen nicht anschauen), aber für die Agentursuche wäre es gut, wenn Sie gleich zwei bis drei Buchideen anbieten könnten, um zu zeigen, was Sie drauf haben. Mit der Agentur arbeitet man ja meist längerfristig zusammen. 

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Sylvia Englert, auch bekannt unter ihrem Roman-Pseudonym Katja Brandis, hat über 50 Bücher – hauptsächlich aus dem Bereich Kinder- und Jugendbuch – bei namhaften Verlagen wie Piper, Beltz & Gelberg, Arena und arsEdition veröffentlicht. Sie gibt ihre Erfahrungen im „Handbuch für Kinder- und Jugendbuchautoren“ und anderen Autorenhandbüchern weiter. www.sylvia-englert.de, www.katja-brandis.de


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