Ausgabe 21-04 (20. April 2019)

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Schreib-Kick
   Schreibkurs
      „Der erste Satz“
      von Edith Mandler
   Was dem Lektorat auffällt
      „Jonata“
      Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
   Frag die Expertin fürs Plotten
      (Kathrin Lange)
   Impressum

EDITORIAL 

Liebe Autorinnen und Autoren,

der erste Satz ist einer der schwersten ... Welche Möglichkeiten es für einen gelungenen Geschichteneinsteig gibt, zeigt Edith Mandler diesmal im Schreibkurs. Ebenso schwierig ist es oft, beim Plotten den Überblick zu behalten. Unsere Expertin fürs Plotten, Kathrin Lange, gibt Tipps dazu.

Hans Peter Roentgen hat diesmal einen Text lektoriert, der etwas mehr Aufwand erfordert. Wie man ihn überarbeiten könnte, zeigt Hans Peter in seiner Rubrik "Was dem Lektorat auffällt".

Viele Neuigkeiten aus dem Netz hat Ramona Roth-Berghofer wieder gesammelt, es gibt zahlreiche neue Ausschreibungen und natürlich einen Schreibkick für die Feiertage.

Der Tipp des Monats, diesmal von www.writingforward.com/blog:

Aim for a story that is both surprising and satisfying. The only thing worse than reading a novel and feeling like you know exactly what’s going to happen is reading a novel and feeling unfulfilled at the end — like what happened wasn’t what was supposed to happen. Your readers invest themselves in your story. They deserve an emotional and intellectual payoff.

Habt einen schönen Frühling - und bitte, bitte: Unterstützt uns finanziell! Wir brauchen eure Hilfe, um nicht ständig kurz vor dem Aus zu stehen. (Daten unterm Editorial)

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~~~

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Und wer nicht überweisen möchte, kann uns den Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest). 


ISSN 1439-4669 Copyright 2019 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe


INHALT DIESER AUSGABE

TEIL 1

   Editorial
   Hall of Fame
   Neues aus der Buchszene
   Schreib-Kick
   Schreibkurs
      „Der erste Satz“
      von Edith Mandler
   Was dem Lektorat auffällt
      „Jonata“
      Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
   Frag die Expertin fürs Plotten
      (Kathrin Lange)
   Impressum


TEIL 2 (in separater E-Mail, falls ebenfalls abonniert)

   Veranstaltungen
   Ausschreibungen
   Publikationsmöglichkeiten
     mit Honorar
     ohne Honorar
   Seminare
   Messekalender


HALL OF FAME (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:

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AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-Adresse.

.......

Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2015, Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive Homepage!

.......

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. 

ACHTUNG!

Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an die Redaktion

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt! 


Luisa Hartmann: „Ziemlich beste Ferien. Abenteuer auf Spiekeroog“, Biber & Butzemann 2019, Kinderbuch. Die Ostfrieseninsel kann ziemlich spannend sein!
 


NEUES AUS DER BUCHSZENE (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie nie zuvor. Ob es nun um neue Vertragsbedingungen mit Amazon geht, die zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Interviews / Gespräche


Zwischenruf von Andreas Meyer zur KNV-Pleite: „Jede Menge laute Stille.“

Interview mit Ronald Schild zum VLB-TIX11: „Wir prüfen das System auf Herz und Nieren.“
 


Buchhandel / Zwischenhandel


Buchhandlungen Thalia und Mayersche: Bundeskartellamt prüft Fusionspläne.

Das Sterben der Buchhandlungen.

Die Sonntagsfrage: Ist das Modell der Buchkette am Ende?

Und morgen das Buch? Schreiben und Lesen im digitalen Zeitalter.

Bertelsmann: Michelle Obamas Memoiren sorgen für steigende Umsätze.

Dresdner Verleger Leif Greinus: „Was will uns KNV noch erzählen?“

Jahresbilanz 2017 der KNV Gruppe. Jahresfehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe.

Wie arbeitet ein Buchhändler 2030?

Thalia ist zwar beliebtester Buchhändler, aber Amazon bleibt Liebling der Verbraucher.

Die Zahl der Käufer und Leser von Büchern sinkt.

Libri-Chef Eckhard Südmersen zur KNV-Debatte: “Wir sollten die Barsortimente erhalten.“

Keine Plastikverpackung bei Büchern.

Re-Commerce. Medimops legt um 35 Prozent zu.

Umbreit beendet Kooperation mit KNV. Keine gemeinsamen Transporte mehr.

Gestiegener Umsatz, dennoch kleines Minus.
 


Verlage / Konzerne



Der erste Deutsche Verlagspreis wird im Oktober verliehen.

So will Bertelsmann mit Google und Co. mithalten.

Zur Situation von Verlegerinnen. Patriarchendämmerung?

HarperCollins Germany launcht unter dem Namen „Dragonfly“ ein neues Kinder- und Jugendbuch-Imprint.

 

 


Rechtliches / Politik


Umstrittene Urheberrechtsreform beschlossen: Was sich jetzt verändert.

Börsenverein: Verlegerbeteiligung noch in diesem Jahr in nationales Recht umsetzen.

Festnahme von WikiLeaks-Gründer Julian Assange: Bedrohung der Pressefreiheit?

Bücher-Verbrennung nach polnischem Gottesdienst: Maßnahme gegen Aberglauben?

Europaparlament stimmt für Urheberrechtsreform.

Kinder und Jugendliche fürs Lesen verloren?

 


Kultur / Literaturszene / Politik 


Geschichte eines Weltliteraten: Wie Schiller aus Stuttgart floh.

B. Traven, der deutsche Phantom-Autor.

Die lit.Cologne glücklich erweitert.

Von der Lust, gemeinsam zu lesen.

Patrick Süskind, der Literat, der es beständig schafft, nicht berühmt zu sein, wird 70 Jahre alt.

Literatur ist kein Meinungsjournalismus.

Gottschalk liest?

 


Buchmessen / Veranstaltungen 


Bologna Children's Book Fair: Six publishers named „Children's Publisher of the Year“.

Bilanz der 19. lit.Cologne: 111.000 Besucher.

Bilanz der Leipziger Buchmesse: 286.000 Besucherinnen und Besucher.

Ursula Rosengart über die Kalkulation von Veranstaltungen. Lohnt sich das Event?

 


Übersetzungen


Olga Radetzkaja für Lebenswerk geehrt.
 


Preise / Wettbewerbe 


Aretha Franklin posthum mit Pulitzer-Sonderpreis ausgezeichnet.

Criminale in Aachen: Max Bronski gewinnt „Roman-Glauser“.

Debüt-Preis der Lit.Cologne: Giulia Becker geehrt.

Hugo Horiot erhält für „Der König bin ich“ zusammen mit seinen Übersetzern den Euregio-Schüler-Literaturpreis.

Daniela Ohms gewinnt DELIA-Literaturpreis.

Sabine Giebken gewinnt DELIA-Jugendliteraturpreis.

Bernhard Hennen erhält den Phantastikpreis.

Würdigung eines großen Verlegers in der Welt der kleinen Verlage: Merlin-Gründer Andreas J. Meyer erhält den Kurt-Wolff-Preis für sein Lebenswerk.

Anke Stelling hat den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen.

Wettbewerb für Independents: Deutscher Buchhandlungspreis 2019 startet.

Deutscher Kurzkrimi-Preis 2019 „Tatort Eifel“.  Noch bis zum 25. April können Geschichten eingereicht werden.
 


Digitalisierung / Internet


Hass im Netz: Wenn Sprache zu einer Waffe in den sozialen Kanälen wird.

Nina George über Künstliche Intelligenz: Wer denkt denn da?
 


Selfpublishing


Umzug auf neue Plattform: Technisches Upgrade bei Tolino Media.

Fiktion versus Realität: Wie Autoren Biografisches in Romanen verpacken.
 


International


Lack of diversity: People of colour make up only 1,96 % of British children's authors.

US book market: Overall unit sales of print books rose 4.3 per cent before easter.

International Children's Booksellers Conference: Connecting at Bologna Children's Book Fair.

Killer Women mentoring programme: JK Rowling supports female crime writers.

Reflecting a Diverse Reality in Children’s Books: New African Literature Partnership.

Why are salaries of book publishing employees so low?

Britischer Buchmarkt profitiert vom Harry-Potter-Effekt.

I worked for Waterstones for 11 years – low pay has long been an issue.

„Wenn wir den Lohn anheben, gehen wir pleite.“ Waterstones-Mitarbeiter fordern 9 Pfund pro Stunde. 

Der spanischsprachige E-Book-Markt wächst.
 


SCHREIB-KICK (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Der Kick des Monats, diesmal von Maike Frie:

Schreib ein Akrostichon! Dabei ist nur der Name kompliziert: Du nimmst ein Wort, z. B. den Namen der Hauptfigur deines aktuellen Projektes oder ein Wort, das gerade wichtig für dich ist, und schreibst dann einen Satz, in dem jedes Wort mit einem Buchstaben aus dem Ursprungswort beginnt. Beispiel: GENIE – „gefrorene Entenbrüste nerven im Eintopf“ oder „Gefahrguttransporter erleben nichts im Erholungszustand“.

Wenn du dir vornimmst, davon 10 Stück hintereinander aus demselben Wort zu bilden, kurbelst du dein Unterbewusstsein gut an – wie bei allen Listen und Wiederholungstätigkeiten. Diese Akrostichen können für sich stehen oder dir als Schreibanregung für einen längeren Text dienen.

 


SCHREIBKURS (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


„Der erste Satz“

von Edith Mandler

Es gibt Buch-Käufer und -Leser, die ein Buch nach dem ersten Satz wieder weglegen. Dazu sagt Wolf Schneider, Deutsch für junge Profis, S. 17ff:

Wenn der erste Satz sich zäh dahinschleppt, habe ich also den Leser vielleicht schon verjagt. Wirkt er aber nicht direkt abstoßend, so kann der zweite, der dritte Satz noch alles retten: Im Durchschnitt ist das Maß des Gelangweiltseins erst nach 20 Sekunden (oder rund 350 Zeichen) voll. Praktiker haben das gewittert, wissenschaftliche Studien es bestätigt – mit einer Einschränkung freilich; die steht am Schluss dieses Rezepts. [...] 
In diesen 20 Sekunden oder maximal 350 Zeichen oder in zwei, drei Sätzen lässt sich viel erzählen. [...] 
Die 20- Sekunden-Regel hat nur eine Schwäche: Ermittelt worden ist sie vor etwa zwanzig Jahren. Seitdem, so ist zu fürchten, könnte es mit der Geduld potenzieller Leser bergab gegangen sein.


Wenn der Autor dies verhindern will, sollte er sich den ersten Satz sorgfältig überlegen oder auch spontan einer genialen Eingebung folgen. Der erste Satz, der bei einem Roman oder einer Geschichte geschrieben wird, ist selten der, der nach Druckreife des Manuskripts auch wirklich am Anfang steht. Es macht Sinn, den ersten Satz erst am Schluss zu schreiben, wenn man genau weiß, was in der Geschichte vor sich geht. Wenn man weiß, wie viel oder wie wenig man am Anfang schon preisgeben sollte.


Den Leser bei der Stange halten

Wie kann man nun erreichen, dass der Leser bei der Stange bleibt und unbedingt weiterlesen will? Man muss die Neugier des Lesers wecken, indem man schon im ersten Satz ein Geheimnis andeutet, dem Leser ein Rätsel aufgibt, eine Andeutung mit einem Versprechen auf eine spannende Geschichte, eine Vorausdeutung entwirft, den Leser aber noch im Ungewissen lässt. 

Zum Beispiel beginnt Günter Grass den „Butt“ mit dem Satz: „Ilsebill salzte nach.“ In diesen drei Wörtern steckt schon einiges an Information, und doch wird noch nichts über den Fortgang der Geschichte verraten. 

Zum einen wird der Leser automatisch an das Märchen vom „Fischer und siner Fru“ erinnert. Zum anderen gibt es offensichtlich ein Essen, das Ilsebill nicht salzig genug ist. Man ahnt, dass die Geschichte irgendwo im Norden unseres Landes spielt. Ein möglicher Konflikt – mit dem Koch? Dem eigenen Mann? - deutet sich an. Sitzen die Leute zu Hause, in einem Restaurant oder bei Freunden? 

Alle dieser Fragen möchte der Leser beantwortet haben und ... liest weiter. 


Dialog als Anfang

Der Autor kann auch den Ausschnitt eines Dialoges an den Anfang stellen. Dabei stellen sich dem Leser hoffentlich Fragen wie: Wer spricht? Was ist der Hintergrund des Gesprächs zwischen diesen Personen? 

Dabei muss der Dialog sparsam mit Informationen umgehen. So wie ein Dialog aus dem neuen Buch von Takis Würger, „Stella“, der von der Literaturkritik schon ausgiebig diskutiert wurde und den ich genial finde. Dieser Dialog steht nicht am Anfang, sondern auf Seite 133, er wäre aber ein interessanter Einstieg in eine Geschichte: 

Das kannst Du nicht.
Ich muss.
Aber das darfst Du nicht.
Ich weiß.

 
Jeder kann die Wirkung auf sich überprüfen, und ich denke, man will unbedingt wissen, worum es geht, was offensichtlich unbedingt gemacht werden muss, aber nicht erlaubt ist.


Andere Anfangsmöglichkeiten

Man kann im ersten Satz einen Ort beschreiben, der ein Geheimnis birgt, eine unheimliche Landschaft, eine Tages- oder Jahreszeit oder die Handlung einer Person:

Joe schob zwei Patronen in das Magazin seiner Pistole, steckte sie in seine Hosentasche und verließ das Haus.

Oder wie wäre es mit den Anfangszeilen eines Kinderliedes? Auch das Wetter kann Thema sein:

„Nebel mit Sichtweiten unter 50 Meter" verkündete der Sprecher des Wetterberichts im Autoradio.
 
Möglichkeiten gibt es also viele. Man sollte sich in jedem Fall die Bedeutung des Einstiegs in die Geschichte klar machen und ihn so spannend wie möglich gestalten. 

Mir ist es allerdings auch schon so gegangen, dass ich bei einem Buch dachte: „Ein vielversprechender Anfang“ - dann aber noch nach weiteren fünfzig Seiten ziemlich enttäuscht war, weil die Geschichte sich totlief. Deshalb sollte dann auch der Rest der Geschichte das in dem ersten Satz gemachte Versprechen einlösen!

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

E. Mandler: Ich bin 63 Jahre alt, schreibe seit 2000 intensiver mit dem Besuch von Schreibwerkstätten. Ab 2007 habe ich zwei freie Schreibgruppen geleitet. Seit 2010 habe ich zunächst in der VHS eine Schreibwerkstatt geleitet und gebe seit 2012 Kurse für biographisches und Romanschreiben in der Akademie55 Plus in Darmstadt. Seit 2014 leite ich eine Schreibwerkstatt in der Seniorenhilfe Dietzenbach.
 


WAS DEM LEKTORAT AUFFÄLLT (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


„Jonata“

Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen


Der Rauch brannte in Jonatas Lunge. Überall stieg lodernd das Feuer dem Himmel entgegen. Menschen rannten wild durcheinander. „Hierher Jonata“, schrie Agnes, ihre Mutter. „Dein Bruder“, rief sie und griff sich verzweifelt ins angesengte Haar, „er ist noch da drin!“, heulte sie und gestikulierte wild in Richtung des Feuers.
Der Stimme ihrer Mutter folgend, bahnte sie sich den Weg durch das Inferno. Ihr kleiner Bruder war noch in dem brennenden Gebäude und versuchte ihren Vater herauszuholen. Er war von einem heruntergefallenen Balken getroffen und lag unter ihm begraben.
Sie hatte Angst und das Atmen fiel ihr schwer. Der Rücken schmerzte von dem vielen Wassertragen. Ihre Hände waren aufgerissen und bluteten von den Henkeln aus grobem Seil. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte sie sich vorwärts.
Der lange Kittel klebte an ihrem Körper, getränkt vom Schweiß. Ihre Schuhe verfingen sich im Saum ihres Kleides. Das Laufen wurde anstrengender, da auch der Saum nass vom Wasser war. Der trockene Boden war aufgeweicht und schmierig geworden. Sie rutschte mit den Füßen im Schlamm aus und landete unsanft auf ihrem Hintern.
Fluchend rappelte sie sich wieder auf. 'Das Wasser, ich muss weiter, ehe das Haus abbrennt', schoss es panisch durch ihren Kopf.
„Jonata, wo bleibst du“, schrie ihre Mutter aufgebracht.
„Ja, ich komme“, krächzte sie, wohl wissend, dass ihre Mutter sie nicht hörte, während sie nach den Seilen griff und die Eimer anhob. Nur wenige Schritte und sie hatte es geschafft.
Ein lauter Knall. Der Funkenregen schoss zum Himmel. Jonata blieb wie angewurzelt stehen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf das lichterloh brennenden Haus. Ihr Mund stand offen. Ungläubig starrte sie auf die Flammen. Angst und Verzweiflung breiteten sich in ihrem Körper aus. Sie fühlte sich gelähmt. 'Ich war zu langsam', schoss es durch ihren Kopf.
Ihre Mutter stand ein Schritt von ihr entfernt. Diese drehte ihren Kopf und schaute ihre Tochter an. Ihre Blicke trafen sich und Jonata erkannte die Entscheidung, ehe sie reagieren konnte. Sie sah wie ihre Mutter ein Lederband mit Anhänger von ihrem Hals riss und es mit einer abwertenden Geste auf den Boden warf. Das Amulett landete vor Jonatas Füßen. Dann drehte sich Agnes um und rannte schreiend auf den Scheiterhaufen zu. Ihre Kleider fingen sofort Feuer. Sie schlug mit den Armen um sich, aber die Flammen griffen nach ihrem Körper, und sie verbrannte grausam mit ihrem Mann und Sohn vereint. Jonatas Blick wanderte über das Flammenmeer nach oben, da wo die Festung stand.
Die Burg Finsterwald, hoch oben auf dem Berg, war bis jetzt noch verschont geblieben. Hastiges Treiben drang leise zu ihr herunter. Die Sicht war durch den ständig aufsteigenden Rauch getrübt.
Von einem Wassergraben umgeben, gelangte man über die Zugbrücke auf die Festung. Die äußere Burgmauer war aus groben Steinen gemauert. Diese war an vielen Stellen zerstört, so dass einzelne Steinhaufen aus den Boden ragten. Finsterwald war zusammengeschrumpft, da die komplette Vorburg den vielen Eroberungskämpfen zum Opfer gefallen war. Hier hatte sich die Natur das Land zurückerobert. Zwischen den Häuserruinen wucherten allerlei Sträucher.
Der zentrale kleine Platz führte direkt zur Hauptburg. Aus der Not heraus befanden sich die Ställe für die Pferde, die Gesindehäuser und die Waffenkammern innerhalb der Hauptburg. Auch die Schmiede lag innerhalb der zweiten Schutzmauer. Rechts und links neben der Zugbrücke standen zwei Mauertürme, von deren oberen Plattform aus man von Weitem jeden Ankömmling sehen konnte. An der gut erhaltenen inneren Mauer befand sich der hölzerne Wehrgang. Dieser war notdürftig ausgebessert. Auf diesem herrschte hektisches Treiben. Das Fallgatter versperrte den Weg nach draußen. Die Wächter versuchten, mit vereinten Kräften, dieses hochzuziehen.
Lautes Gebrüll war zu hören. „Los, öffnet das Tor und lasst die Zugbrücke herunter, ihr lahmen Säcke.“ Die Pferde scharrten mit den Hufen, und die Reiter auf ihnen hatten ihre Mühe, die Tiere ruhig zu halten. Ritter von Finsterwald war ein strenger Herr und bemüht, den Schaden von seinem Rittergut so gering wie möglich zu halten. Mit einem lauten Rasseln fiel die Zugbrücke herunter, und die Hufe der Pferde donnerten in der Dunkelheit über die Brücke. Der Reitertrupp kam schnell auf das brennende Dorf zu.
Den Männern bot sich ein schauriger Anblick. Ein kleiner Haufen rußverschmierter Menschen, in verbrannter Kleidung, stand mitten im Chaos des ursprünglichen Dorfes. Ihre Hilflosigkeit stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Alle hatten über ihre eigenen Kräfte hinaus gearbeitet und versucht, den Brand zu löschen. Das Dorf war dem Untergang geweiht. Nur die Flammen und der beißende Rauch erinnerten an die ehemalige Siedlung.
In diesem Moment öffneten sich die Schleusen am Himmel und es begann zu regnen. Zu spät für all jene, die im Flammenmeer ihr Leben verloren hatten. Mit einer knappen Handbewegung brachte der Anführer den Reitertrupp zum Stehen. „Sammelt alle Überlebenden ein, treibt die Ziegen und Schafe zusammen, und bringt alle innerhalb der Burgmauern“, befahl Linhart. „Für alle anderen kommt jede Hilfe zu spät. Wenn die Feuer runtergebrannt sind, schauen wir morgen, was nicht den Flammen zum Opfer gefallen ist.“ Mit diesen Worten wendete er sein Pferd und galoppierte zurück auf die Burg.
Die kleine Gruppe Überlebender setzte sich in Bewegung. Sie folgten dem Reitertrupp. Nachdem sie die zerstörte Vorburg hinter sich hatten, überquerten sie die Brücke, bis sie den Innenhof erreichten. Am Rande der Burgmauern ließen sie sich erschöpft nieder, um dort die Nacht zu verbringen.
Jonata setzte sich etwas abseits und zog die Beine dicht an ihren Bauch. Sie legte die Arme um ihre Knie und ließ den Kopf nach vorn auf dem Schoß fallen. 
Die schrecklichen Bilder vom Freitod ihrer Mutter und dem Verlust des Vaters tauchten vor ihrem inneren Augen auf. Der Knoten in ihrem Hals löste sich und bahnte sich als Tränen den Weg über ihre Wangen. Ihr Kleid war steif von dem Lehm, der sich mit dem Wasser in den Stoff gesaugt hatte. Die Feuchtigkeit drang über ihre Haut ein. Sie spürte die innere Kälte in sich aufsteigen, bis sie am ganzen Körper zitterte. Ihre Finger waren steif und klamm. Die blutenden Handflächen schmerzten. Vor Erschöpfung schlief sie in dieser Position ein.
Der Schlummer dauerte nicht lange. Als sie ihre Augen öffnete, war es noch dunkel. Völlig steif richtete sie sich auf und lehnte sich mit dem Rücken an die Mauer hinter ihr. Das Schnarchen einiger Bauern in ihrer Nähe war das Einzige, was die Stille in der Nacht durchbrach. Sie legte den Kopf nach hinten und schaute flehend nach oben. Die Wolken waren verschwunden und gaben den klaren Nachthimmel frei. Der Mond war zu seiner vollen Größe herangewachsen und tauchte die Burg in einen schwachen Schein. Die Sterne bildeten einen schönen Kontrast zu der schaurigen Welt, in der sich Jonata gefangen fühlte.
Auf einmal setzten sich die Sterne in Bewegung und fielen mit langem Schweif auf die Erde nieder. Mit großen Pupillen beobachtete Jonata das Schauspiel. Die herabfallenden Lichter zogen sie in ihren Bann. Die unerwartete Helligkeit überraschte sie. Der Sternenregen war so schnell vorbei, wie er angefangen hatte. Von der Ferne hörte sie das Heulen eines Wolfes, der sein ganz persönliches Lied für diese Nacht sang. In dieser Stellung schloss sie ihre Lider und lauschte den Bewohnern des Waldes.
Steif von der nächtlichen Kälte, wachte Jonata am nächsten Morgen aus ihrem Dämmerschlaf auf. Innerhalb der Burgmauern fühlte sie sich eingesperrt. Die Angst vor dem, was sie jetzt erwartete, kroch langsam den Rücken hinauf. Ohne ihre Familie war sie jetzt schutzlos.


Lektorat von Hans Peter Roentgen

Wie immer die erste Frage: Worum geht es in dem Text?

Ein Dorf brennt nieder, der Vater ist unter einem Balken eingeklemmt, der Bruder versucht, ihn zu retten, das Gebäude stürzt brennend über beiden zusammen, und die Mutter stürzt sich in die Flammen.
Die Tochter Jonata sitzt jetzt schutzlos in einem mittelalterlichen Umfeld. Also entweder ein historischer Roman oder eine Fantasy.

Ein durchaus realistisches Ereignis, die Dramatik steigert sich langsam.

Und es gibt einige schöne Beschreibungen. Der Wolf, der sein persönliches Lied für die Nacht heult. Der Sternenregen, der Mond. In den letzten Absätzen erleben wir Jonata.


Will man weiterlesen?

Die nächste Frage des Lektorats: Wirkt der Text? Will ich weiterlesen?

Klare Antwort: Nein. Wie würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, antworten? Ich vermute, dass die meisten Ähnliches sagen würden.

Warum ist das so? Weil die Dramatik zwar stimmt, die Durchführung, der Stil aber zu wünschen übriglässt. Der Text klingt wie ein erster Entwurf, er ist noch roh und ungeschliffen.

Was müsste man also überarbeiten?


Gefühle nicht behaupten, sondern erleben lassen

Was passiert genau in diesem Abschnitt?

Ein lauter Knall. Der Funkenregen schoss zum Himmel. Jonata blieb wie angewurzelt stehen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf das lichterloh brennenden Haus. Ihr Mund stand offen. Ungläubig starrte sie auf die Flammen. Angst und Verzweiflung breiteten sich in ihrem Körper aus. Sie fühlte sich gelähmt. 'Ich war zu langsam', schoss es durch ihren Kopf.

Ein Funkenregen schießt zum Himmel. Und? Warum? Was passiert außer dem Funkenregen?

Ich vermute, dass das Haus in sich zusammenstürzt. Das ergibt sich daraus, dass Bruder und Vater begraben werden. Aber es wird nicht beschrieben.

Muss man alles beschreiben? Nicht alles. Aber wichtige Ereignisse schon, vor allem wenn sie bei der Perspektivfigur Gefühle auslösen. Eine gute Regel lautet: Erst die Handlung, dann der Kommentar. Erst das, was passiert. Dann, was die Person tut. Wenn nötig, was sie fühlt. In vielen Fällen braucht man es dann nicht mehr.

Hier ist es umgekehrt. Was passiert, wird nur unvollkommen geschildert. Stürzt das Haus ein, und schießt deshalb ein Funkenregen zum Himmel? Oder brennt das Haus lichterloh? Das erweckt den Eindruck, dass es zwar brennt, aber noch nicht zusammengestürzt ist.

Deshalb wirken die nachfolgenden Beschreibungen auch nicht. 

Ungläubig starrte sie auf das lichterloh brennende Haus. Angst und Verzweiflung breitete sich in ihrem Körper aus. 

Da werden Jonata Gefühle zugeschrieben. Sie dürfen nie vergessen: Ihre Geschichte soll im Leser Gefühle auslösen. Angst und Verzweiflung breitet sich aber nicht im Leser aus, wenn der Autor diese Gefühle der Person zuschreibt. Sondern durch Ereignisse, die Angst und Verzweiflung auslösen.

Hier wäre es besser, zu beschreiben, wie das Haus zusammenstürzt. Was sieht Jonata? Zum Beispiel das:

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Die Balken des Fachwerks gaben nach. Mit lautem Krachen sank die Wand in sich zusammen und begrub alles unter sich. Ein Funkenregen stob zum Himmel. Und sie hörte die Schreie ihres Bruders. „Jonata!“, schrie er. „Jonataaaa!“ Dann verwandelten sich die Schreie in unverständliches Geheul.
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Und was geschieht mit Jonata? 

Angst und Verzweiflung breiten sich in ihrem Körper aus. 

Woran sieht man das? Sinkt sie in sich zusammen? Schreit sie auf und rennt zu ihrer Mutter? Bleibt sie einfach stehen? Nimmt eine der Nachbarinnen sie in den Arm, und sie heult? Das wäre anschaulicher als „Angst und Verzweiflung“.


Die Perspektive

Welche Perspektive hat die Erzählung? Eigentlich die von Jonata. Aber leider ist das nicht eindeutig. 

'Ich war zu langsam', schoss es durch ihren Kopf. 

Wenn Sie schreiben, dass jemand etwas durch den Kopf schießt, dann schauen Sie von außen auf die Person. Sie schaffen eine Distanz, verlassen die Perspektive der Heldin. Ist das hier nötig?

Nein. „Sie war zu langsam“, das würde das Gleiche aussagen und der Erzähler bliebe in der Perspektive Jonatas.

Auch an anderen Stellen wackelt die Perspektive.

Den Männern bot sich ein schauriger Anblick. Ein kleiner Haufen rußverschmierter Menschen, in verbrannter Kleidung, stand mitten im Chaos des ursprünglichen Dorfes. 

Da switchen wir in die Perspektive der Reiter, die aus der Burg in das brennende Dorf reiten. Warum?

Dafür sehe ich keinen Grund. Spannender wäre es, in der Perspektive Jonatas zu bleiben.

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Reiter sprengten in das Dorf. Die Männer des Grafen! Warum erst jetzt? Warum, zum Teufel, waren sie nicht gekommen, als das Haus noch stand, und hatten Vater herausgeholt? Auf jedem Dorffest prahlten sie mit ihrem Mut, aber wenn es Spitz auf Knopf stand, kamen sie zu spät.
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Natürlich würde dann alles fehlen, was der Autor über die zerstörte Vorburg erzählt und die Burg selbst. Doch ist das nötig? Nötig sind die Teile einer Geschichte, deren Fehlen eine andere Geschichte bewirken würde. 

Das ist hier aber nicht der Fall. Denn für die Szene, in der die Reiter ins Dorf preschen, ist die Vorburg völlig unwesentlich, weder die Reiter noch Jonata werden sich in dieser Situation den Kopf über den Zustand der Vorburg zerbrechen.

Diese Beschreibung der Vorburg also ganz streichen?

Nein. Denn es gibt eine Stelle, das würde sie passen. Lesen Sie sich die ganze Szene noch einmal durch. Wo würde der Zustand der Vorburg hineinpassen?

Wenn Jonata mit den anderen zur Burg geht. Denn da könnte sie die Zerstörung wahrnehmen.

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Sie passierten die äußere Burgmauer. Aus groben Steinen gemauert, an vielen Stellen verfallen, einzelne Steinhaufen ragten aus dem Boden. Burg Finsterwald war zusammengeschrumpft, die Vorburg den Bauernkriegen zum Opfer gefallen. Hier hatte sich die Natur das Land zurückerobert. Zwischen den Häuserruinen wucherten Sträucher. Bald würde das Dorf genauso aussehen.
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An dieser Stelle passt es, Jonata nimmt die Zerstörung wahr, weil sie sie daran erinnert, dass auch ihr Dorf bald so aussehen wird.

Was habe ich in dem Text noch geändert? Ich habe überflüssige Wörter gestrichen: "wucherten allerlei Sträucher", da wäre „wucherten Sträucher“ besser. Und statt dem allgemeinen Wort „Eroberungskämpfe“ habe ich die Kämpfe benannt. Auch das ist eine gute Regel: Nehmen Sie das anschaulichste Wort, greifen Sie nicht zu allgemeinen Worten. Die wecken nämlich keine Bilder. „Bauernkriege“ hingegen erinnern an Raubzüge, an Unterdrückung und Aufstand.


Was tun?

Wenn eine Szene als Ganzes noch nicht passt, die Perspektive wackelt, dann empfehle ich neu schreiben. Nicht von außen auf die Geschichte schauen, nicht die Geschichte erklären oder über die Geschichte erzählen. Sondern der Heldin folgen, schildern, was sie wahrnimmt (aber nicht von außen: „Jonata sah ...“)

An den einzelnen Teilen herumzufeilen lohnt sich nicht in solchen Fällen nicht. Ja, ich weiß, das klingt bitter. Ein Trost: In aller Regel wird der neue Entwurf nicht nur schneller geschrieben, sondern ist auch stilistisch sehr viel besser – die Folge davon, wenn der Autor in seine Heldin schlüpft. Und noch ein Trost: Auch arrivierten Autoren passiert das. Nina George hat einmal zweihundert Seiten ihres Manuskripts streichen müssen, weil es so einfach nicht ging und polieren auch nicht weitergeholfen hätte.

Die letzten drei Abschnitte beginnend mit: „Der Schlummer dauerte nicht lange“ kann man übernehmen, dort müsste nur noch etwas gefeilt werden. „Die Sterne bildeten einen schönen Kontrast zu der schaurigen Welt“, da wirkt „schön“ ziemlich unpassend. 

Und dann wären noch die vielen Interpunktionsfehler (die wir hier bereits korrigiert haben).

Aber das alles wäre die Feinputzarbeit, die getan werden muss, wenn die Szene neu aufgemauert worden ist.

Sie sehen: Überarbeitung und Lektorat ist oft nicht mit einem Durchlauf erledigt.

                  **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher „Vier Seiten für ein Halleluja“ über Romananfänge, „Drei Seiten für ein Exposé“, „Schreiben ist nichts für Feiglinge“ und „Klappentext, Pitch und weiteres Getier“. Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.
 


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FRAG DIE EXPERTIN FÜRS PLOTTEN
Kathrin Lange (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Frage 1:
Nach den ersten schriftstellerischen Gehversuchen habe ich mir nun ein Großprojekt vorgenommen. Ein Kriminalroman soll es werden. Im Moment erstelle ich den Plot und arbeite parallel an der Ausgestaltung der Figuren. (Das gehört für mich zusammen.) Haben Sie eine Empfehlung, wie so ein Plot aussehen könnte?

Antwort 1:
Tatsächlich gehören Plot und Figurenbau eng zusammen und bedingen sich gegenseitig. Ob Sie dabei Ihren Roman eher von der Handlung her planen und sich die passenden Figuren dazu ausdenken, oder ob Sie umgekehrt vorgehen, also die Figuren zuerst da sind und sich daraus die Handlung ergibt, ist von AutorIn zu AutorIn – und teilweise sogar von Buch zu Buch – verschieden. Wichtig ist, Ihre bevorzugte Arbeitsweise herauszufinden, die Art, bei der Sie sich wohl und sicher fühlen (soweit das beim Romanschreiben eben geht).

Da wir keine exakte Wissenschaft betreiben, kann ich diese Frage nicht allgemeingültig beantworten. Meine Empfehlung kann nur lauten: Der Plot muss so konstruiert sein und auf dem Papier / im Computer stehen, dass Sie damit arbeiten können. Ob das eine Tabelle ist, wie Sie sie im Moment verwenden, ein Stapel Karteikarten oder eine Mindmap, ist dabei völlig Ihnen überlassen. Ich selbst arbeite oft mit Karteikarten, wechsele aber auch gern zu einem Computerprogramm (dazu gleich unten mehr).


Frage 2:
Ich arbeite bis jetzt mit einem Tabellenformat, welches folgende Spalten enthält: Kapitel, Inhalt, Figuren, Ort und Zeit. So richtig zufrieden bin ich damit aber noch nicht. Ich springe oft hin und her, und die Kernpunkte der Handlung muss ich immer wieder nachlesen. Außerdem: Wie behalte ich den Überblick über mehrere Handlungsstränge?

Antwort 2:
In Word hilft es da meines Erachtens ganz gut, mit Textmarken und entsprechenden Links zu arbeiten. Wenn sich zwei Szenen aufeinander beziehen, verbinde ich sie dadurch miteinander und behalte so leichter den Überblick. Auch führe ich nebenbei immer einen Papier, in dem die Story nur in ihren groben Wendepunkten skizziert ist. Das dient mir als Leitplanke, wenn ich den Überblick zu verlieren drohe.


Frage 3:
Bisher arbeite ich nur mit Word. Sollte ich auf eines der Schreibprogramme für Autoren umsatteln? Und wenn ja, welches können Sie empfehlen?

Antwort 3:
Ich arbeite seit Jahren erfolgreich mit Papyrus Autor und empfehle das auch gern. Für die Plotarbeit eignet sich dabei besonders die Denkbrett-Funktion. Aber: Auch Papyrus ist nichts weiter als ein Werkzeug. Die eigentliche Plotarbeit findet in Ihrem Kopf statt. Das kann Ihnen kein Programm abnehmen, und das ist auch gut so, finde ich.

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Kathrin Lange hat von 2002 bis 2004 die Autorenzeitschrift Federwelt herausgegeben, und seit dem Jahr 2005 veröffentlicht sie historische Romane und Jugendbücher (S. Fischer, Rowohlt, Aufbau) und Thriller (Blanvalet und Arena). Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Leseförderung und gibt Schreib-AGs an verschiedenen Schulen sowie Fernunterricht als Romancoach.
 


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