Ausgabe 5-07 (20. Juli 2003)

Schreib-Kick
Autorenwissen
    "Warum bekomme ich mein Manuskript zurück?"
    von Monty Jacobs
Interview mit Andreas Eschbach
Interview mit Thomas Schlück
Stephan Waldscheidts kleine Autorentypologie
    "Der Mann aus dem Volk mit zweitem Bildungsweg"
Frag den Experten für historische Romane
    (Titus Müller)
Frag den Experten für Drehbuch
    (Oliver Pautsch)
Frag den Experten für Verlagswesen
    (Bjørn Jagnow)
EDITORIAL: 
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Liebe Autorinnen und Autoren,

in diesem Tempest haben wir gleich zwei spannende und enorm informati-
ve Interviews für euch: Manuela Tengler hat unseren Sciencefiction-
Experten Andreas Eschbach mit Fragen gelöchert, und Ramona Roth-
Berghofer hat dasselbe bei dem Agenten Thomas Schlück getan. Außerdem 
gibt es einen sechsundachtzig Jahre alten Artikel, der verblüffend ak-
tuell ist, den dritten Teil von Stephan Waldscheidts Satirereihe, vie-
le neue Publikationsmöglichkeiten und Seminare - und wie immer unsere 
Expertenantworten. Auch diesmal werdet ihr feststellen, dass unsere 
Fachleute nicht nur auf ihren Spezialgebieten hilfreiche Tipps geben 
können!

Neues von unseren ExperInnen:
Eure Kinderbuchexpertin (also ich ;-)) schreibt ihre Kinderbücher in-
zwischen unter dem Pseudonym "Bato". Im Juni ist bei Gondolino er-
schienen: "Schulgeschichten", 12 Geschichten für ErstleserInnen. Au-
ßerdem ist sie jeweils mit mehreren Geschichten an drei Gondolino-
Bänden für Kinder ab 10 beteiligt, die ebenfalls in diesen Tagen er-
scheinen: "Freundschaftsgeschichten", "Abenteuergeschichten" und "Kri-
migeschichten". Ihre neue Kinderbuchwebsite findet ihr unter 
http://www.bato-schreibt.de.

Der Tipp des Monats Juni, diesmal von mir:

    In dem Forum auf http://www.web-site-verlag.de 
    werden Texte vorgestellt und kritisiert.
    Damit sie den nötigen letzten Schliff bekommen, 
    bemüht sich die Redaktion, 
    jeden eingestellten Text zu besprechen.

Bevor ich euch einen sonnigen August wünsche, möchte ich euch noch 
einmal bitten, uns beim Erhalt des Tempest zu unterstützen: durch ei-
nen freiwilligen Jahresbeitrag. Wir brauchen nach wie vor eure Hilfe. 
Die Kontodaten findet ihr gleich unter dem Editorial. Danke!

  Gabi Neumayer
  Chefredakteurin

~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen 
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen 
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt, 
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf unser 
Konto:

autorenforum.de
SEB Mainz (früher: BfG)
BLZ 550 101 11
Konto 14 24 18 99 00
Stichwort: "Beitrag 2003"
Für AuslandsabonnentInnen: Ihr könnt uns den Beitrag in bar schicken 
(Adresse am Ende des Tempest) oder ihn von jemandem in Deutschland von 
einem deutschen Konto aus überweisen lassen, um die horrenden Gebühren 
zu umgehen.


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ISSN 1439-4669   Copyright 2003 autorenforum.de. Copyright- und
                 Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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   INHALT DIESER AUSGABE:


TEIL 1:

      Editorial
      Inserate
      Schreib-Kick
      Autorenwissen
         "Warum bekomme ich mein Manuskript zurück?"
         von Monty Jacobs
      Interview mit Andreas Eschbach
      Interview mit Thomas Schlück
      Stephan Waldscheidts kleine Autorentypologie
         "Der Mann aus dem Volk mit zweitem Bildungsweg"
      Frag den Experten für historische Romane
         (Titus Müller)
      Frag den Experten für Drehbuch
         (Oliver Pautsch)
      Frag den Experten für Verlagswesen
         (Bjørn Jagnow)
      Impressum


TEIL 2 (nur für Abonnenten):

      Ausschreibungen
      Publikationsmöglichkeiten
           mit Honorar
           ohne Honorar
      Seminare
      Impressum


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pest am 12. jedes Monats. Später eingegangene Anzeigen können wir dann 
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INSERATE:
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SCRIPT-MARKT - hier klicken: www.Autorenhaus.de


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SCHREIB-KICK:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


Unser Schreib-Kick für den Juni, diesmal von ... hüstel ... (Da ich 
die Daten verlegt habe, UrheberIn bitte melden! Ich trage den Namen 
dann nach):

Deine Charaktere sind dir zu platt, zu einfach, zu leicht durchschau-
bar? Dann versuch es mal mit Mind Mapping. Schreib den Namen eines 
Charakters mitten auf ein quer gelegtes Blatt, und ziehe einen Kreis 
darum. Schreib nun das Erste, was dir als Aspekt dieses Charakters 
einfällt, auf einen Ast, den du vom Mittelkreis aus ziehst. Wenn dir 
nun etwas einfällt, was zu diesem Ast passt, schaffe von dort aus wei-
tere Verzweigungen. Kommt dir ein völlig anderer Aspekt in den Sinn, 
beginne einen neuen Ast vom Mittelkreis aus. Wenn du dich mindestens 
zehn Minuten damit beschäftigst, wirst du schon eine Menge sammeln und 
finden - und der Charakter wird für dich komplexer und damit interes-
santer werden.


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AUTORENWISSEN:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


Der folgende Artikel stammt aus dem Buch:
Reclam Praktisches Wissen
herausgegeben unter Mitarbeit erster Fachgelehrter
Leipzig, 1927

Einen herzlichen Dank an Nikola Hahn, die uns darauf aufmerksam ge-
macht hat!

Trotz Recherchen bis in die USA ist es uns aber nicht gelungen, fest-
zustellen, ob noch Urheberrechte an diesem Text bestehen und wer sie 
innehat. Sollte der Rechteinhaber auf diesen Beitrag stoßen, bitten 
wir ihn, sich bei der Redaktion zu melden.

....................


             "Warum bekomme ich mein Manuskript zurück?"
                           von Monty Jacobs

Von Zeit zu Zeit flieht ein Schriftsteller in die Öffentlichkeit, in-
dem er einen herzzerreißenden Notschrei über die Schriftleiter aus-
stößt. Sie sitzen, so berichtet er der Welt, rohen Herzens und unge-
rührt vor einem Berge ungelesener Manuskripte, lassen ihn verglet-
schern und die armen, im Hintergrunde wartenden Autoren mit kaltem 
Grinsen verhungern.

Wohlverstanden: Der Notschrei geht von einem Schriftsteller aus; also 
von jemand, der doch Bescheid wissen muss! Wer das dann liest und ge-
legentlich im Nebenberufe auch "gedichtet" hat, stimmt begeistert zu: 
"Ja, nun verstehe ich, warum ich all meine Einsendungen an die Redak-
tionen mit einem gedruckten Ablehnungswische nach endlos langer Zeit 
zurückerhalten habe." Da hundertmal mehr eingeschickt wird, als ange-
nommen werden kann, schimpft alle Welt auf die Schriftleiter. Der 
Schriftleiter nimmt auf der Anklagebank Platz und spricht mit sanfter 
Stimme: Sie bekommen Ihr Manuskript zurück? Ich will Ihnen helfen, in-
dem ich Ihnen sieben Wege weise, wie Sie am schnellsten und besten Ihr 
geistiges Eigentum verwerten können.

Erstens: 
Sie schreiben über ein Thema, das Ihrem Herzen teuer ist, in unauf-
haltsamer Inspiration, und wenn dreitausend Zeilen beisammen sind, so 
setzen Sie fröhlich den Schlusspunkt dahinter und schicken das Ganze 
vertrauensvoll an Ihr Lieblingsblatt ein. Besser wäre es gewesen, wenn 
Sie einmal vor der Absendung Ihres Manuskriptes die Zeilen nachgezählt 
hätten, die "unterm Strich" täglich zur Verfügung stehen. Dann hätten 
Sie ohne Zweifel bemerkt, dass Sie den Raum um das Sechsfache über-
schritten haben. Sie müssen Ihr Manuskript an Schriftleitungen einsen-
den, bei denen genügend Platz für die Veröffentlichung ist.

Zweitens: 
Sie schicken fünf Manuskripte  auf einmal, ohne zu ahnen, wie über-
füllt die Redaktionsmappen sind und in wie großen Zeitabständen ein 
Autorname wiederkehren darf. Wenn Sie die fünf Manuskripte auf fünf 
Redaktionen verteilen, haben Sie viel mehr Aussicht auf Erfolg.

Drittens: 
Sie bieten einen Bericht über den großen Prozess in Hamburg an. Aber 
Sie haben nicht vorher angefragt, ob die Zeitung oder Zeitschrift in 
Hamburg zufällig ein ganzes Bureau unterhält und ob nicht längst mit 
den Vertretern die Reihenfolge ihrer Prozessberichte verabredet wurde.

Viertens: 
Sie reichen einen Aufsatz zur Erinnerung an die Schlacht von Sedan bei 
einem pazifistischen Organ ein; eine schwül-erotische Novelle bei ei-
nem Familienblatt; eine fachgelehrte Studie mit anspruchsvollen Vor-
aussetzungen bei einem volkstümlichen Blatte – wozu erst lange nach-
denken, ob das Angebot in die Atmosphäre der Redaktion passt? Wenn Sie 
jedoch Ihr Manuskript nicht zurückerhalten wollen, müssen Sie erst 
nachdenken! Solche schöne Sachen wie Zufall und Glück gibt es nicht 
für Schriftbeflissene.

Fünftens: 
Es ist unnütz, wenn Sie einen Jubiläumsartikel zum hundertsten Ge-
burtstage des großen X so einsenden, dass er am Morgen des Festtages 
bei der Zeitung eintrifft. Bis dahin sind sieben andere, früher auf-
stehende Rivalen bereits abgewiesen worden, und der ausgewählte Auf-
satz stand am Abend vor der Ankunft Ihres Manuskriptes schon im Blat-
te.

Sechstens: 
Das Gesetz der Aktualität, das Sie an dem Jubiläumstage verletzt ha-
ben, das heiligste Gesetz der Presse, bietet noch mehr Angriffsflä-
chen. Sie dürfen z. B. eine unbestellte Rezension des großen Schlagers 
auf dem Büchermarkt, der zu Weihnachten erschienen ist, nicht erst um 
Pfingsten herum einreichen.

Siebentens: 
Dass ein vielbeschäftigter Redakteur nur Schreibmaschinenmanuskripte 
liest, ist verständlich. Schreibmaschinenschrift allein genügt aber 
nicht: Es muss auch gute, saubere, möglichst große Maschinenschrift 
sein! Wer auf einer verschmutzten Maschine schreibt und gar noch 
schwer lesbare handschriftliche Verbesserungen anbringt, kann nicht 
auf geneigte Beurteilung rechnen.  – Übrigens: wissen Sie, dass die 
Manuskripte nur einseitig (Rückseite frei!) beschrieben sein dürfen?

Niemand bestreitet, dass die Belange der Schriftsteller gelegentlich 
von rücksichtslosen Schriftleitern im Rausche des Cäsarenwahnsinns 
verletzt werden. An einer Reihe von Beispielen, Beispielen aus der 
Praxis einer langen Erfahrung, wurde jedoch hier gezeigt, dass die 
Schuld durchaus nicht immer bei den vielgeplagten Empfängern der Manu-
skripte liegt.


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INTERVIEW:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


            "Man muss sich hin und wieder neu erfinden"
                    Interview mit Andreas Eschbach


Manuela Tengler: Wie schreibt man ein gutes Buch? 

Andreas Eschbach: Das ist eigentlich keine Frage, sondern ein Koan. 
[Anmerkung: Ein Koan ist ein Rätsel, das ein Zen-Meister seinem Schü-
ler aufgibt, um ihn zur Erleuchtung zu führen. Das Besondere daran 
ist, dass man sich mit dem Intellekt allein die Zähne daran ausbeißt.] 


MT: Was hält einen erfolgreichen Autor bei der Stange? Was treibt ihn 
weiter an, motiviert ihn? 

AE: Ganz einfach: eine lange Liste von Romanprojekten, die noch ver-
wirklicht werden wollen. Und diese Liste wird immer länger, ich komme 
nicht annähernd hinterher. Ein echtes Drama.


MT: Sie sagten mal, es gäbe diese Angst vor dem eigenen Stoff. Haben 
Sie selbst das auch schon erlebt - und wie kämpft man dagegen an?

AE: Da müssen wir jetzt aufpassen; das ist ein Begriff, den man leicht 
missverstehen kann ohne die entsprechende Schreiberfahrung. Mit der 
Angst vor dem eigenen Stoff meine ich nicht die Schreibhemmung, die 
einen möglicherweise hindert, mit der Arbeit an seinem Roman zu begin-
nen. Die Angst vor dem Stoff ist etwas, das einen unterwegs befällt, 
in der Mitte des Romans sozusagen. Diese Angst zeigt sich darin, dass 
man heiklen Szenen ausweicht, anfängt, seine Figuren zu schonen, dass 
man, kurz gesagt, an der Oberfläche der Geschichte bleibt. Das ist so, 
als führe man Hänsel und Gretel in den Wald, lasse sie sich ein biss-
chen verlaufen, und dann, nachdem sie sich ordentlich gefürchtet ha-
ben, lässt man sie auf einmal einen Wegweiser finden, der sie – husch, 
husch – wieder nach Hause leitet. Aber das darf man nicht tun als Au-
tor. Hänsel und Gretel müssen das Hexenhaus finden! Hänsel muss einge-
sperrt werden! Sie müssen die Hexe töten! 

Wie alle Ängste kann man auch diese nur überwinden, indem man sich ihr 
stellt. Man muss vor sich zugeben, dass man Angst hat – meistens äu-
ßert sich das ja so, dass man eine Phase hat, in der "es nicht so 
läuft", und wenn das nicht daran liegt, dass man nicht weiß, wie es 
weitergehen soll, kann es sehr gut daran liegen, dass man es weiß. Und 
dass der Konflikt, in den die eigene Figur nun hineingehen muss, einer 
ist, der etwas mit einem selbst zu tun hat. Höchstwahrscheinlich 
schreibt man die Geschichte genau aus dem Grund! Tja, und da heißt es, 
weitergehen trotz des Unbehagens. Dem Impuls, auszuweichen, widerste-
hen. Und hinein in den Wald, bis man die Hexe gefunden hat.


MT: Wie beeinflussbar sind Sie durch die Erwartungen von Verlag und 
LeserInnen? 

AE: Ich habe, offen gestanden, keine Ahnung, was Leser oder Leserinnen 
erwarten könnten. Ich denke darüber auch nicht nach. Natürlich, man 
liest allerlei Rezensionen und natürlich die diversen Meinungsäußerun-
gen auf Amazon.de, das lässt einen nicht unbeeinflusst – aber letzt-
endlich schreibe ich immer einfach das Buch, von dem ich das Gefühl 
habe, dass es geschrieben sein will. Im Grunde schreibe ich für mich 
selbst – ich schreibe die Bücher, von denen ich denke, dass es sie ge-
ben sollte; die Bücher, die ich eigentlich selber gerne lesen würde.

Die Erwartungen eines Verlages liegen einem schon eher auf der Seele 
und beeinflussen einen. 


MT: Wie heißt Ihr größter Kritiker? Oder sind Sie selbst Ihr größter 
Kritiker? Was bedeutet Kritik für Sie?

AE: Von all dem, was sich selbst als Kritik versteht, ist für einen 
Autor nur ein winziger Bruchteil brauchbar. Was zum Beispiel gewöhn-
lich so in den Feuilletons steht, damit kann man nichts anfangen. Al-
lenfalls kann man, wenn es eine lobende Besprechung ist, den einen o-
der anderen Satz daraus auf Buchrücken drucken. Im Grunde sind Rezen-
sionen eine eigene Kunstform geworden – man könnte auch Kritiken über 
Rezensionen schreiben, was dann in eine reizvolle Endlosschleife mün-
den würde. 

Aber für die eigene Entwicklung braucht man eine andere Art von Kri-
tik, ganz zu schweigen davon, was man braucht, wenn man dabei ist, ein 
Manuskript zu überarbeiten. Was man braucht, ist ein ganz spezifisches 
Feedback von Lesern, zu dem nur ganz wenige Leser überhaupt imstande 
sind. Was man braucht, ist Einblick in die Art und Weise, wie ein Le-
ser das, was man geschrieben hat, wahrnimmt. Wie jemand das, was ich 
schreibe, bewertet, interessiert mich nicht. Mit einer Aussage wie 
"Das ist ein gutes Buch" oder "Das ist ein schlechtes Buch" fange ich 
nichts an. Solche Bewertungen sind Privatangelegenheit des Lesers. Wo-
mit ich etwas anfange, das sind Aussagen wie "an dieser Stelle habe 
ich nicht aufhören können zu lesen" oder "nach dem Kapitel habe ich es 
erst mal weggelegt, weil ich es langweilig fand" oder "hier habe ich 
erst nicht verstanden, wo die Figuren überhaupt sind" oder "in dieser 
Szene war mir unklar, wer mit wem spricht" oder "diese Handlung der 
Figur konnte ich nicht nachvollziehen" oder "vorne ist sie blond, wei-
ter hinten hat sie plötzlich rote Haare" oder "diese Figur war mir un-
sympathisch" oder "hier habe ich mich gefragt, warum die Figur nicht 
einfach X macht" oder "am Schluss des Buches war ich deprimiert" und 
so weiter. Und so kritisieren, das kann nicht jeder. Das erfordert ei-
ne gewisse Qualifikation als Leser, die höchstens einer von zwanzig 
drauf hat.


MT: Was macht Ihre Arbeit als erfolgreicher Autor leichter? Was macht 
sie nun auch schwerer? 

AE: Die Rahmenbedingungen verändern sich. Früher war das Problem, die 
Sachen, die man schrieb, irgendwo unterzubringen. Heute ist eher das 
Problem, dass so viele Wünsche und Anfragen an mich herangetragen wer-
den, dass ich nicht mehr allen entsprechen kann. Dass ich vom Schrei-
ben leben und mich ihm also völlig widmen kann, macht die Arbeit na-
türlich leichter, birgt auf der anderen Seite die Gefahr, den Kontakt 
zu der Welt, über die und für die man schreibt, zu verlieren. Darauf 
muss ich also achten. Erfolg an sich beflügelt, eindeutig, trägt aber 
in sich die Verlockung, in seinen Anstrengungen nachzulassen, sich auf 
seinen Lorbeeren auszuruhen oder, vielleicht am schlimmsten, sich dar-
auf zu beschränken, jene Masche zu reiten, mit der es einmal geklappt 
hat. Das darf man nicht. Man muss sich hin und wieder neu erfinden. 
Etwas wagen. Bisher, glaube ich sagen zu dürfen, traue ich mich das 
noch. Und mir fällt auch noch etwas dazu ein, das muss ja auch sein.

Im Großen und Ganzen aber ist die Bilanz positiv. Als erfolgreicher 
Autor lebt und arbeitet es sich besser, Punkt.


MT: Hat sich Ihre Arbeitshaltung im Vergleich zu früheren Büchern ge-
ändert? Wie sieht das aus? Läuft die Überarbeitung leichter als frü-
her? 

AE: Um Himmels Willen, nein! Ich werde immer kritischer, immer unzu-
friedener. Auch mit anderen Büchern, übrigens. Es kommt immer seltener 
vor, dass mir ein Buch so richtig gut gefällt. Manchmal habe ich zwar 
das Gefühl, das liegt auch an dem, was so auf den Markt geworfen wird, 
aber sicher hat es zum Teil mit dem kritischer werdenden eigenen Blick 
zu tun. Wahrscheinlich kommt es irgendwann soweit, dass ich anfange, 
die Klassiker zu lesen ...

Nein, im Ernst, wenn man sich so auf das Schreiben konzentrieren kann, 
entwickelt man einen anderen Blick; man entdeckt Ebenen in Geschich-
ten, die einem früher höchstens dann aufgefallen sind, wenn sie nicht 
funktioniert haben – man denkt über die symbolische Ebene nach, über 
die thematische und so weiter – und die beim Schreiben "irgendwie" ge-
worden sind, aber ohne dass man da absichtlich gestaltend tätig gewe-
sen wäre.


MT: Was lieben Sie an Ihren Büchern, an Ihrer Arbeit? 

AE: Alles. Sogar die Schwierigkeiten. Es sind ja im Grunde Herausfor-
derungen. 


MT: Welches Stadium des Schreibens mögen Sie besonders? 

AE: Zuerst den Augenblick, in dem mir die Idee für eine Geschichte 
kommt, die mich begeistert. Dann die Phase des ersten Entwurfes, wenn 
die groben Umrisse der Handlung und der Figuren sich allmählich aus 
dem Nebel schälen, die herrlichen Momente, wenn sich die entscheiden-
den Ideen zur ursprünglichen gesellen und man sich sagt, "ja, so mache 
ich es, das ist super!" Dann liebe ich die Tage, an denen es richtig 
gut läuft, geradezu rauschhaft zehn, zwanzig Seiten gelingen. Und 
schließlich, das will ich überhaupt nicht abstreiten, sind in den 
letzten Jahren auch die Tage sehr erfreulich geworden, an denen Hono-
rarabrechnungen eintrudeln.


MT: Beobachtungsgabe, Intuition – wichtige Eigenschaften, die ein Au-
tor haben sollte. Gibt es auch Momente, in denen Sie sich wünschen, 
den "Autor" mal abzuschalten? 

AE: Nein, das geschieht ganz von selbst. Meinen "Autor" bekommt man 
nie zu sehen, der tritt nur in Erscheinung, wenn die Tür zu ist und 
ich schreibe. Sobald ich wieder hinausgehe, huscht er zurück in sein 
Versteck irgendwo in den Tiefen meiner Seele oder meines Geistes, und 
wenn ich Lesungen mache, Einkäufe erledige, durch die Stadt bummle, 
Freunde treffe oder Interviews gebe, dann agiert eigentlich der Mana-
ger dieses Autors.


MT: Bestsellerautor – Traum aller Newcomer. Wie sieht ein Tag von And-
reas Eschbach aus? 

AE: Es gibt keinen festen Tagesablauf. Wie ein Tag aussieht, hängt im-
mer von den Umständen ab. Allerdings bin ich ein äußerst organisierter 
Mensch; man darf sich das also nicht so vorstellen, dass ich einfach 
nur meinen Launen folge und Freizeit habe, auch wenn das vielleicht 
auf den ersten Blick manchmal so aussieht und auf den zweiten wahr-
scheinlich auch noch. Aber ich bemühe mich einfach, so organisiert zu 
sein, dass kein unerfreulicher Stress aufkommt. 

Der Tag heute, um einfach mal ein Beispiel zu nehmen, sah so aus, dass 
ich das Manuskript meines neuen Jugendromans, das letzte Woche fertig 
geworden ist, eingepackt und zur Post getragen habe, um es an den Ver-
lag zu schicken. Dann ein bisschen Verwaltungskram, etwas Korrespon-
denz, dann ging es heute nachmittag wieder an die Konzeption meines 
nächsten "großen" Romans. Da sind mir bei einigen Figuren noch einige 
Dinge unklar, also heißt es: hinsetzen und nachdenken. Irgendwann hat 
der Kopf geraucht und sind mir immer wieder dieselben "guten" Ideen 
gekommen, und da habe ich dann aufgehört und auf meine Liste geguckt, 
was noch so ansteht, und siehe da, da wartete noch dieses Interview.


MT: Sie sind im SF-Genre, haben ein Kinderbuch am Markt. Gab es mal 
die Überlegung, unter einem Pseudonym zu schreiben?

AE: Ja, gab es. Ist aber schon eine Weile her. Das war die Überlegung, 
eine Art zweite Schiene zu schaffen, um die Verschiedenartigkeit mei-
ner Bücher für die Leser besser handhabbar zu machen. Also kein Pseu-
donym, das ein Geheimnis gewesen wäre, sondern eher so eine Stephen 
King/Richard Bachmann-Sache oder so wie Iain Banks das macht, um seine 
SF von der Nicht-SF zu unterscheiden. 

Inzwischen ist das kein Thema mehr; es scheint, dass die Verschieden-
artigkeit meiner Bücher ohnehin schon so etwas wie mein Markenzeichen 
geworden ist und Pseudonyme folglich keinen Sinn mehr machen würden – 
man bräuchte dann ja mehr oder weniger für jedes neue Buch eines ... 

Was ich immer abgelehnt habe, war das Ansinnen, mir einen englisch 
klingenden Namen zuzulegen, um als amerikanischer Autor zu wirken und 
dadurch besser verkäuflich zu sein. Ich halte das für eine naive Über-
legung und schlicht für falsch. Der einzige plausible Grund, ein Pseu-
donym zu verwenden, ist, dass einem der eigene Name auf dem Umschlag 
eines Buches nicht gefällt. Mein Name gefällt mir auf Buchumschlägen 
aber ausnehmend gut, folglich ist das kein Thema.


MT: Wie lange schreiben Sie nun an einem Buch? Wie lang dauern die 
Vorarbeiten?

AE: Von der Grundidee bis zum fertigen Buch vergehen mindestens sechs 
Jahre, habe ich einmal ermittelt. Natürlich arbeite ich nicht so lange 
an einem Buch, aber so lange liegt die Idee herum und gärt so vor sich 
hin. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich beschließe, das oder das 
wird das nächste Buch, und dann beginnt die Arbeit. Die reine Arbeits-
zeit inklusive Recherche, Schreiben der Rohfassung und Überarbeit, be-
trägt dann zwischen einem halben und einem Jahr, je nach Umfang.


MT: Wie gehen Sie an neue Projekte ran? Hat sich ein Ritual, ein be-
stimmter Ablauf gefestigt, der Ihre Muse quasi auf das Entstehen eines 
neues Manuskripts einstimmt? 

AE: Leider habe ich es versäumt, mir von Anfang an faulende Äpfel in 
die Schreibtischschublade zu legen ... Nein, auch wenn es schön wäre, 
da irgendwelche Anekdoten in die Welt setzen zu können, ich habe kein 
Ritual, keinen festen Ablauf, muss keinen bestimmten Tag abwarten, um 
beginnen zu können, und brauche kein spezielles Papier. Ich fange ein-
fach an. Und wenn ich angefangen habe, wälzt sich irgendwann auch mei-
ne Muse aus dem Bett und leistet mir Gesellschaft.


MT: Auch ein Autor arbeitet – meistens nicht unbedingt von 9 bis 17 
Uhr. Gelingt es Ihnen, das Schreiben auch mal sein zu lassen, oder er-
tappen Sie sich dabei, mit Ihren Charakteren zu plaudern, während die 
Familie oder der Besuch auf eine Antwort wartet? 

AE: Wenn ich aus einer sehr intensiven Arbeitssitzung komme, dann bin 
ich manchmal noch eine Weile neben mir, sitze am Küchentisch und merke 
gar nicht, wie wortkarg ich drauf bin. Aber das sind Ausnahmen. In der 
Regel schaltet sich das relativ rasch um. Und was meine Charaktere an-
belangt – mit denen verkehre ich grundsätzlich nur schriftlich; da 
gibt es also keine peinlichen Versehen.


MT: Stellen Sie sich vor, der Drucker und der PC streiken – streikt 
Andreas Eschbach auch? 

AE: Dass der Drucker streiken könnte, war früher der Alptraum 
schlechthin. Inzwischen will ohnehin jeder Verlag nur noch Dateien, da 
ist es dann verheerender, wenn man im entscheidenden Augenblick keinen 
Zugang zum Internet bekommt und das Mail nicht abschicken kann. Und 
wenn der PC streikt – nun ja, das darf natürlich auch nicht sein. Re-
gelmäßige Sicherung auf Band ist Pflicht, in den heißen Phasen des 
Schreibens oder auf Reisen sichere ich zusätzlich auf Diskette, um im 
Notfall an einen anderen Rechner gehen zu können. Inzwischen steht un-
sere Wohnung voll von diesen Kisten. Eine der Nachwirkungen, wenn man 
mal in der EDV-Branche gearbeitet hat ...


MT: Welche Pläne haben Sie in nächster Zeit? Und sind weitere Ausflüge 
in andere Genres geplant? 

AE: Meine Pläne sind simpel: Ich bin immer dabei, das nächste Buch zu 
schreiben. Und über das verrate ich so lange wie möglich nichts. Auch 
der Verlag weiß noch fast nichts, außer, wann ich fertig sein will. 
Und über Genres zerbreche ich mir nicht den Kopf; da hätte ich bei 
meiner Art zu schreiben viel zu tun. Ich schreibe das Ding einfach und 
überlasse es den Verlagen, es in die richtige Schublade zu schieben. 


MT: Wie sehen Sie den aktuellen Buchmarkt? Krise? Oder doch nicht? Wie 
können AutorInnen sich auf die Lage einstellen - und was sollten sie 
besser nicht tun?

AE: Na ja, das ist ein interessantes Thema. Zunächst einmal müsste man 
sich fragen, ob man schon von einer Krise sprechen darf, wenn es nach 
einem Jahrzehnt steilen Anstiegs aller Umsatzzahlen mal ein paar Pro-
zent Rückschlag gibt. Mir will scheinen, dass so etwas sein darf und 
dass jedes Unternehmen sich grundsätzlich so aufstellen muss, dass es 
mit derlei fertig werden kann. Aber gut, sagen wir, es sei eine Krise. 
Woher kommt sie? Es scheint sich doch in erster Linie um eine be-
triebswirtschaftliche Krise zu handeln, was immer heißt, dass zu viel 
ausgegeben und zu wenig verdient wurde. Ich sehe nun freilich nicht in 
die Buchhaltungen der Verlage, aber wenn ich mir die verlegerischen 
Abenteuer der letzten Jahre anschaue, die so durch die Presse gingen, 
insbesondere die exorbitanten Vorschüsse, die mitunter geradezu woll-
lüstig gezahlt wurden für Bücher, die sich nach meinem Dafürhalten 
nicht gerechnet haben können, dann schwant mir schon, was da passiert 
ist. Nichts anderes nämlich als die Wir-werden-alle-Milliardäre-
Aufgeregtheit der Internet-Hype-Jahre im Kleinen. Und nun ist der Kat-
zenjammer da, wie immer, wenn man’s übertreibt. Gut, aber was heißt 
das für Autoren? Dass man nicht mehr zu schreiben braucht? Im Gegen-
teil. Gerade jetzt, wo kein Geld mehr da ist, um teure amerikanische 
Lizenzen einzukaufen, stehen die Chancen günstiger denn je, auch als 
deutscher Autor wahrgenommen zu werden. Gerade jetzt heißt es für 
deutsche Autoren, sich ins Zeug zu legen und – na ja – professionell 
zu werden. 


MT: Eine abschließende Bitte: Was raten Sie neuen Autoren, die durch 
dieses Interview wieder Motivation getankt haben?  

AE: Brauchen neue Autoren Motivation? Das glaube ich nicht. Motiviert 
sind die doch alle, wenn auch vielleicht bisweilen aus den falschen 
Beweggründen. Wenn man es zum Beispiel nicht allein in einem Zimmer 
aushält, wird man als Schriftsteller unter Garantie nicht glücklich. 
Dann sollte man es sich nicht antun. Es muss nicht jeder Schriftstel-
ler sein.

Aber es muss an dieser Stelle etwas Unbequemes gesagt werden: Motiva-
tion allein genügt nicht – man muss es auch können! Und da liegt viel 
im Argen. Vielleicht nicht bei den Lesern dieses Interviews, aber wenn 
ich mir anschaue, was ich über meine Homepage oder nach Lesungen an 
Fragen gestellt bekomme, dann kommen auf jeden, der sich über die Aus-
arbeitung einer Figur Gedanken macht, locker fünf Dutzend Schreiber, 
die nur wissen wollen, wie sie ihre Elaborate veröffentlicht kriegen. 
Und die Hälfte davon kann sich den Umstand, dass ihre Werke reichlich 
abgelehnt wurden, nur durch wilde Verschwörungstheorien erklären. Dass 
die Dinger vielleicht nichts taugen, kann ja nicht sein. Es muss daran 
liegen, dass sie nicht die richtigen "Konnäkschns" haben.

Mein Rat ist ganz einfach: Werdet professionell. Damit will ich keinem 
unfruchtbaren Perfektionismus das Wort reden – die unsägliche Recht-
schreibreform ist auch für mich eine harte Nuss –, aber dass sich Leu-
te hinstellen und sich als Schriftsteller bezeichnen, die regelrecht 
stolz darauf sind, dass sie regelmäßig "dass" und "das" und "Sie" und 
"sie" verwechseln, Kommata mit der Pfefferbüchse verteilen und es mit 
den Zeiten nicht so genau nehmen, finde ich so indiskutabel wie einen 
Tankwart, der Diesel und Benzin verwechselt und beim Tanken raucht. 
Wer nicht bereit ist, die basics zu lernen, der ist auch nicht imstan-
de, Weitergehendes zu lernen.

Unprofessionell ist aber natürlich auch das Gegenstück, das Genie von 
eigenen Gnaden, gewöhnlich literaturwissenschaftlich verbildet und nie 
ohne Krone auf dem Haupt anzutreffen, aus der Zacken brechen könnten 
bei unbedachten Bewegungen in Richtung des Lesers und seines Vergnü-
gens. Der Witz an solchen Gestalten ist, dass diejenigen, die sie da 
so heftig imitieren in ihrem Streben nach Individualität, niemals sel-
ber solche Gestalten waren. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Manuela Tengler steckt gerade in der Überarbeitung ihres ersten Ro-
mans, und weil’s so viel Spaß macht, recherchiert sie für weitere In-
terviews für den Tempest. Ansonsten versucht sie derzeit wenigstens 
"nur" zwei, drei Genres die Treue zu halten, doch neue Ideen verfolgen 
sie gnadenlos.


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INTERVIEW:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


               "Was möglich und was nicht möglich ist"
                     Interview mit Thomas Schlück


Die Literarische Agentur Thomas Schlück vertritt seit 30 Jahren tradi-
tionsgemäß angelsächsische Literaturagenturen, Verlage und Autoren für 
den deutschen Sprachraum sowie deutsche Autoren für den hiesigen 
Sprachraum und natürlich weltweit.


Ramona Roth-Berghofer: Herr Schlück, in den USA sind Literaturagentu-
ren ja schon lange ein fester Bestandteil der Buch- und Medienbranche. 
Wird das in der Zukunft in Deutschland/Europa ähnlich sein?

Thomas Schlück: Ja, wird es nicht nur sein, sondern ist es auch schon. 
Fast alle Bücher aus dem Ausland, die bei uns erscheinen, kommen über 
Agenten.

Deutsche Autoren nehmen sich verstärkt einen Agenten, weil sie erken-
nen, dass gute Verträge schließen eine komplexe Angelegenheit ist, 
dass man eine Menge Marktkenntnis haben muss, um sein Buch optimal 
verwerten zu können.


RRB: Welches Know-how benötigt eine Literaturagentur, um in der heuti-
gen Buch- und Medienbranche erfolgreich zu sein?

TS: Literaturkenntnis. Menschenkenntnis. Marktkenntnis. Ökonomische 
Kenntnisse und Verhandlungsgeschick. Wenn dann noch gute Autoren ver-
treten werden, dann steht dem Erfolg nichts mehr im Wege.

RRB: Die Situation im Verlagswesen sieht zur Zeit nicht eben gut aus. 
Verlage melden Konkurs an, verkleinern sich, schränken ihr Buchpro-
gramm ein etc. Was bedeutet das für Sie als Agentur? Welche Schwierig-
keiten erleben Sie? Wie reagieren Sie auf diese veränderten Bedingun-
gen? Und wie sollten Autoren und Autorinnen darauf reagieren?

TS: Wir reagieren der Situation angemessen, d. h., wir reflektieren in 
unseren Verhandlungen die Situation der Verlage und verlangen nichts 
Unmögliches. Aber das hat die Thomas Schlück Agentur eh niemals getan.

Es gehört genauso zu unseren Aufgaben, unseren Autorinnen und Autoren 
ein realistisches Bild der Situation zu geben - ihnen aufzuzeigen, was 
möglich und was nicht möglich ist.

Zudem, und das macht jedes vernünftige Unternehmen, haben wir unsere 
Kosten genau im Auge.


RRB: Auf welche Gebiete hat sich Ihre Agentur spezialisiert? Und wa-
rum?

TS: Keine. Wir sind eine Allround-Agentur.


RRB: Wie viele Manuskripte erhalten Sie pro Monat? Wie viele nehmen 
Sie davon als vermittelbar an? Und wie viele werden davon letztendlich 
an einen Verlag vermittelt?

TS: 100 unverlangte Ms. im Monat - Minimum. Es gibt ja die schöne Sta-
tistik, dass unter 1000 Ms. ein verlegenswertes ist. Bei uns viel-
leicht etwas mehr. Wir sind sehr selektiv und deshalb bei der Vermitt-
lung der angenommenen Ms. gut im Rennen.


RRB: Was sind die häufigsten Ablehnungsgründe Ihrer Agentur für einen 
Text?

TS: Der häufigste Grund für eine Absage ist, dass uns ein Manuskript 
nicht genügt. Dieser Bausch-und-Bogen-Grund fächert sich dann in eine 
Menge Untergründe auf wie
- schlecht geschrieben
- viel zu privat (z. B. jemand schreibt seinen Rechtsstreit mit einem 
Nachbarn - wegen permanenter Lärmbelästigung - als Roman)
- das Buch fällt eher unter die Rubrik "Schreiben als Therapie" (was 
o. k. ist), aber es überspringt nicht die Hürde, für die Allgemeinheit 
von Interesse zu sein.
- das Werk taumelt von Klischee zu Klischee
und und und ...

Natürlich wissen wir, dass in jeder Ablehnung ein gerüttelt Maß von 
Subjektivität steckt, aber so ist es halt. 


RRB: Wie gehen Sie beim Vermitteln der Manuskripte Ihrer deutschspra-
chigen Autorinnen und Autoren vor? Wie treten Sie an Verlage heran?

TS: Da gibt es nicht nur eine Strategie. Aber wir kennen (fast) alle 
Verleger und Lektoren gut bis sehr gut. Deshalb gehen wir immer sehr 
persönlich vor, mit Telefonaten und Briefen, bevor wir ein Ms. schi-
cken.


RRB: Wenn Sie ein Manuskript annehmen, wie lauten Ihre Konditionen? 
Nehmen Sie eine pauschale Vermittlungsgebühr? Bearbeitungsgebühr etc.?

TS: Nichts von dem. Seriöse Agenturen - und das ist weltweiter Stan-
dard - werden nur im Erfolgsfall honoriert: mit 15% Provision von al-
len Einnahmen, die durch das vermittelte Buch fließen.


RRB: Verbleibt das Urheberrecht beim Autor / bei der Autorin, oder 
geht es an die Agentur über?

TS: Na klar ist das bei den Autoren.


RRB: Haben Manuskripte von Agenturen eine größere Chance als Manu-
skripte, die unverlangt an einen Verlag geschickt werden?

TS: Mit Sicherheit. Ms. von Agenturen sind "gefiltert", das wissen die 
Menschen in den Verlagen.


RRB: Und aus aktuellem Anlass: Am 25. Juni 2003 ging von Ihrer Agentur 
und dem Hoffmann und Campe Verlag eine Presseerklärung heraus, in der 
Sie sich von dem Buch "Mitten in Afrika" von Ulla Ackermann distan-
zierten, da die Autorin zugegeben hatte, Agentur und Verlag über ihre 
Lebensgeschichte getäuscht und weite Teile des Buches frei erfunden zu 
haben. Kommen Agenturen und Verlage des Öfteren in solch eine Situati-
on?

TS: Gott sei Dank ist es nicht so häufig, kommt aber dennoch immer mal 
wieder vor. Dagegen ist leider kein Kraut gewachsen.


RRB: Welchen Rat würden Sie Nachwuchsautoren geben? Was sollte man un-
bedingt beachten, wenn man eine Veröffentlichung anstrebt?

TS: Ganz im Ernst: Schreiben Sie einfach ein gutes Buch.


RRB: Herzlichen Dank für das Interview.


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STEPHAN WALDSCHEIDTS KLEINE AUTORENTYPOLOGIE:
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                                  (mailto:redaktion at autorenforum punkt de)


            "Der Mann aus dem Volk mit zweitem Bildungsweg"

Aufgewachsen mit Kohlestaub zwischen den Zähnen, glaubt dieser Autor 
bis zu seinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr tatsächlich, dass Ruß auf 
Salatköpfen wächst, sich jeder Vater ausschließlich von Bier ernährt 
und Mutter nur ein anderes Wort ist für "die dicke, schmutzige und 
verlebte Frau in der ausgebleichten Kittelschürze, die es wortlos er-
trägt, dass Vater und seine Kumpels sie als Fußabtreter benutzen". 

Nachdem er mit Mühe seinen Hauptschulabschluss geschafft hat, malocht 
er mehrere Jahre lang entweder unter Tage, im Stahlwerk oder auf der 
Werft, bis ihn ein Schlüsselerlebnis sein Leben ändern lässt. Auslöser 
für die Lebensänderung ist stets ein Buch, das jemand auf einer Park- 
oder Werkbank liegen gelassen hat und das diesem Autor in die Hände 
fällt. Nachdem er es zuerst ganz vorsichtig anfasst, als wäre es etwas 
Zerbrechliches, schnuppert er daran und, falls die olfaktorische Probe 
zufrieden stellend ist, versucht es aufzuschlagen. Gelingt es ihm 
nicht, fällt er der Vergessenheit anheim; sollte es ihm aber gelingen, 
wird er das Buch von der ersten bis zur letzten Seite auswendig lernen 
und damit den Grundstein für seine Karriere als Schriftsteller legen. 

Erstaunlicherweise ist es dabei völlig unerheblich, welches Buch es 
ist, das er findet. Es mag das Telefonbuch sein oder Ulysses, ein Goe-
thedrama oder ein Groschenroman, dieser Typ Autor wird nur ein einzi-
ges Thema kennen: Du schaffst alles, wenn du nur willst. Nachdem er 
das Buch auswendig gelernt hat und danach eine tiefe Leere empfindet, 
schreibt er die Leere sich selbst zu anstatt dem Buch und versucht sie 
mit weiteren Büchern zu füllen. Das gelingt ihm natürlich nicht, doch 
wenigstens wird er immer belesener dabei. Irgendwann hat er dann Abi-
tur, ohne dass er es selbst bemerkt hat, und schließlich gibt ihm noch 
jemand ein Diplom, vermutlich Maschinenbau. Von denen, die Philosophie 
auf dem zweiten Bildungsweg studiert haben, hört man nie wieder etwas.


          Typische Themen

Nur eins: Du schaffst alles, wenn du nur willst.


          Textprobe

Der Himmel ist grau. Ich bin ausgepumpt von der Schicht. Es riecht 
nach kalter Asche in meinem Baustellenwagen. Ich denke an meine Alte. 
Ich werde es schaffen, habe ich ihr versprochen, ich werde dafür sor-
gen, dass sie ihre ausgebleichte Kittelschürze verbrennen kann und nur 
noch Haute Cuisine von Karl Lagerlöff tragen wird. Der Vorarbeiter 
kommt rein. Streit liegt in der Luft. Mann, sage ich, zieh Leine.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Stephan Waldscheidt, Jg. 67, steht kurz vor der Vollendung eines his-
torischen Romans und eines Satire-Projekts für Autoren. Bei Walzwerk, 
Berlin erschienen: "Weitgehend Höllenfahrten", ein Buch mit Erzählun-
gen. Daneben Veröffentlichungen von ernsten, weniger ernsten und durch 
und durch unernsten Texten in Zeitschriften und auf seinen Websites 
http://www.waldscheidt.de und http://www.fallera.de.


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:     
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung. Speziell unsere Expertin für Litera-
turagenturen nimmt keine neuen AutorInnen an; Anfragen dazu sind daher 
zwecklos.

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst 
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.


  Drehbuch: Oliver Pautsch
                                      mailto:drehbuch at autorenforum punkt de
  Fandom: Thomas Kohlschmidt
                                        mailto:fandom at autorenforum punkt de
  Fantasy: Stefanie Bense
                                       mailto:fantasy at autorenforum punkt de
  Heftroman: Arndt Ellmer
                                     mailto:heftroman at autorenforum punkt de
  Historischer Roman: Titus Müller
                            mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de
  Kinderbuch: Gabi Neumayer
                                    mailto:kinderbuch at autorenforum punkt de
  Kriminalistik: Reiner M. Sowa
                                 mailto:kriminalistik at autorenforum punkt de
  Literaturagenturen: Petra Hermanns
                                       mailto:agentin at autorenforum punkt de
  Lyrik: Martina Weber
                                         mailto:lyrik at autorenforum punkt de
  Reiseführer: Gabriele Kalmbach
                                  mailto:reisefuehrer at autorenforum punkt de
  Sachbuch allgemein: Gabi Neumayer
                                      mailto:sachbuch at autorenforum punkt de
  Sachbuch Medizin/Psychologie: Maja Langsdorff
                                     mailto:med.psych at autorenforum punkt de
  Schreibgruppen: Ute Hacker
                                mailto:schreibgruppen at autorenforum punkt de
  Schreibhandwerk: Ute Hacker
                               mailto:schreibhandwerk at autorenforum punkt de
  Sciencefiction: Andreas Eschbach
                                      mailto:sf-autor at autorenforum punkt de
  Technische Literatur, CDs, Internet: Reinhard Mermi
                                       mailto:techlit at autorenforum punkt de
  Übersetzung: Barbara Slawig 
                                 mailto:uebersetzerin at autorenforum punkt de
  Verlagswesen: Bjørn Jagnow
                                  mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR HISTORISCHE ROMANE:
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             Titus Müller (mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de)


Frage:
1) Ich bin Historikerin und schreibe an einem historischen Krimi - d. 
h., eigentlich liegt er seit einiger Zeit brach. Mein Roman versinkt 
in Fachwissen.
 
2) Ich traue mich nicht so recht, Dialoge sinngemäß in die moderne 
Sprache zu "übersetzen".
 
3) Der Markt ist so dicht mit historischen Romanen - wie hat man da 
zur Zeit eigentlich überhaupt eine Chance, beachtet zu werden?
 
4) Ist die Ich-Perspektive allgemein eine nicht übliche Perspektive 
für historische Romane, oder ist es Zufall, dass die meisten mit meh-
reren Perspektiven spielen? [...]
 

Antwort:
zu 1:
Den Rat, nur zu beschreiben, was die Geschichte voranbringt, hast du 
sicher längst gehört, und er hilft dir nicht viel weiter. Immerhin er-
warten Leser bei einem historischen Roman ja, nebenbei viel über die 
betreffende Zeit zu lernen. Sicher wird ein Großteil der Beschreibun-
gen, die du in deiner Mail erwähnst (Kleider, Häuser, Geschirr usw.) 
den wissensdurstigen Leser geradezu entzücken, und zudem baust du so 
eine Atmosphäre auf, die exotisch riecht und aussieht und schmeckt. 
Nun hast du aber selbst das Gefühl, zu weit gegangen zu sein, zu viel 
erklärt zu haben. Dafür gibt es meines Erachtens zwei Lösungen.
 
Erstens: Menschen! Frage dich beim Schreiben, was deine Protagonisten 
fühlen, gegen wen sie Abneigung verspüren, was sie in Zorn versetzt 
und was sie glücklich macht. Fürchtest du dich vor dem Urteil der Kri-
tiker, die deinen Roman als kitschig bezeichnen könnten? Tu das nicht. 
Das Menschliche ist es, des Emotionale, das das Skelett des Romans 
erst mit Fleisch bestückt und ihm Leben einhaucht.
 
Zweitens: Erzählgeschwindigkeit! Womöglich ist dein Problem gar keine 
Frage von zu viel "Lokalkolorit" (so nennen sie es im Verlag), sondern 
eine Frage des Tempos. Du schreibst, dass dir Dialoge nicht sonderlich 
liegen und dass du einen Weg suchst, ihnen auszuweichen. Und dann, 
dass du viele Beschreibungen im Text hast. Das klingt für mich sehr 
nach schwer Verdaulichem, nach einem langsamen, trägen Erzähltempo. 
Dialoge bringen Geschwindigkeit aus drei Gründen: einmal, weil sie 
häufig einen Schlagabtausch und eine Art raschen Perspektivwechsel 
beinhalten, dann, weil der Leser effizient und rasch die redenden Fi-
guren kennen lernt, und nicht zuletzt, weil es häufig Absätze gibt und 
kurze Zeilen - der Leser bekommt das Gefühl, sich rasend schnell über 
die Seite fortzubewegen. Neben Dialogen kannst du das Erzähltempo auch 
durch einen starken Fokus steigern (keine "Weitwinkelaufnahme" mehr, 
sondern zielgerichtet nur das entscheidende Detail beschreiben) und 
natürlich durch kürzere Sätze. Dass sich langsame mit schnellen Szenen 
abwechseln sollten, erklärt sich von selbst. Das einzige Buch, das 
dieses Thema treffend und ausführlich behandelt, ist Rebecca McClana-
hans "Schreiben wie gemalt" (Zweitausendeins); ich kann es sehr emp-
fehlen.
 
zu 2:
Du fragst, ob Gesprochenes im historischen Roman dem Tonfall der dama-
ligen Zeit entsprechen sollte. Ich denke, einen kleinen Eindruck davon 
sollten die Leser erhalten. Aber letztendlich ist nichts gewonnen, 
wenn sie die alte Sprache als hölzern empfinden, während es für die 
Protagonisten ein flüssiges, beinahe anzüglich freies Gespräch ist - 
wie sollen die Leser ihre Empfindungen da richtig verstehen, wenn sie 
immer noch interpretieren müssen: "Für mich hört es sich hölzern an, 
aber für damals ist es eine Frechheit, so mit dem Grafen zu spre-
chen."? Ich versuche, einen "altertümlichen Touch" hineinzubringen, 
generell aber modern zu formulieren.
 
zu 3:
Dass zurzeit viele historische Romane erscheinen, hast du richtig beo-
bachtet. Allerdings brauchst du nicht zu fürchten, in einem überlaufe-
nen Genre unterzugehen. Menschen, die historische Romane lesen, sind 
zu einem Großteil Vielleser, Leute also, die jeden Tag lesen und Bü-
cher regelrecht verschlingen. Deshalb verkaufen sich die Romane im 
Schnitt sehr gut, und Verlage haben gern einige neue Bücher des Genres 
im Programm.
 
zu 4:
Die Ich-Perspektive ist nicht nur bei historischen Romanen selten. Sie 
bietet Vorteile, natürlich, man ist dem Protagonisten wie bei keiner 
anderen Perspektivtechnik nahe. Aber die erzählte Geschichte muss ver-
dammt gut sein, um auch in einem ununterbrochen forterzählten Strang 
spannend zu bleiben. Wenn du verschiedene Perspektiven abwechselst, 
hast du die Möglichkeit, so genannte Cliffhanger einzusetzen: Du 
brichst an einer aufregenden Stelle ab und erzählst aus der Perspekti-
ve einer anderen Figur an einem anderen Ort weiter. Es ist wie beim 
Jonglieren, nur dass du den Ball wechselst, wenn er auf dem Höhepunkt 
angekommen ist. Abgesehen davon ist ja gerade das Schlüpfen in fremde 
Körper ein Reiz des Romanlesens, und wenn ein Buch mehrere überzeugen-
de, fesselnde Körper bietet, ist es häufig unterhaltsamer, als wenn es 
ein einziger Körper ist, der nach einer Weile genauso zu jucken be-
ginnt wie der eigene, in dem wir Tag für Tag feststecken.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

"Der Kalligraph des Bischofs" - jetzt als Hardcover bei Weltbild oder  
in der Original-Taschenbuchausgabe im Aufbau Verlag: ein historischer  
Roman über den Zauber des Schreibens, die Zweifel des Glaubens und die 
Verlockungen der Liebe. http://www.titusmueller.de


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH:
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                     Oliver Pautsch(mailto:drehbuch at autorenforum punkt de)


Frage:
Ich bin Juristin gewesen, dann Journalistin geworden und hätte nun 
wieder Lust auf etwas Neues. Was halten Sie von Seminaren zum Dreh-
buchschreiben? [...]


Antwort:
Seminare zum Drehbuchschreiben sind immer dann sinnvoll, wenn diese 
bei dem generellen Wunsch zu schreiben helfen oder eine spezielle Wis-
senslücke füllen. (Dialog-Seminare, Plot-Seminare etc.).

Daher sollten Thema des Seminars sowie professioneller Hintergrund des 
Dozenten erster Bestandteil der Recherche sein, bevor Sie sich zu ei-
ner Teilnahme entscheiden.

Nach meinen Seminarerfahrungen bin ich der Meinung, dass erfolgreiche 
Profis als Dozenten bei ihren Studenten gute Erfahrungen bewirken. Das 
hat u. a. damit zu tun, dass keine falschen Hoffnungen bei Teilnehmern 
geweckt werden, nur um den Kurs an sich zu rechtfertigen. Nur meine 
Meinung.

Robert Mc Kee z. B. verbindet seine Vorträge gleichermaßen mit Unter-
haltung und Information. Auch in Deutschland. Ein inspirierender Profi 
mit perfekter Selbstinszenierung (http://www.mckeestory.com).

Darüber hinaus sind Kontakt und Austausch zwischen Seminarteilnehmern 
oft inspirierender und fruchtbarer als manches Seminar selbst. Auch 
nur meine Meinung.
Mein Tipp: Erst recherchieren, dann investieren. Und: Die meisten Se-
minare sind für Quereinsteiger lohnenswert. Schon wegen der neuen Kon-
takte.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer, 
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft. Spä-
ter ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber di-
rekt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für Kurzfil-
me, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film. 
http://www.drehbuchautoren.de/Autoren/meinautor.php?ID=164


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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                  Bjørn Jagnow (mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de)


Frage:
1. [...] Ich möchte wissen, wieweit man reale Personen in einer fikti-
ven Geschichte verfremden muss bzw. wann sie Grund und Anlass haben, 
einen zu verklagen.

2. Wenn ich jemanden in einer Satire "der schielende Eberlock" nenne, 
und der in Wirklichkeit "Ellerbrock" heißt und auch tatsächlich 
schielt, dann könnte er mich verklagen, oder?

3. Spielt es außerdem eine Rolle, ob man die Person in der Geschichte 
positiv oder negativ darstellt? Wenn mich jemand verklagen würde, ob-
wohl ich ihn in einer Geschichte positiv dargestellt habe - würde er 
vor Gericht Recht bekommen?

4. Gibt es da irgendwelche Richtlinien? Urteile?

5. Wie weit muss man verfremden?


Antwort:
zu 1:
Im Grunde muss jeder Betroffene selbst entscheiden, aber als Anlass 
reicht bereits, dass sich jemand wiedererkannt hat. Jede Person (außer 
Stars) hat nämlich das Recht, nicht in die Öffentlichkeit gezerrt zu 
werden.

zu 2:
Wenn er sich wiedererkannt hat, ja.

zu 3:
Ja.

zu 4:
Es gibt haufenweise Urteile. Eine gute, etliche Seiten umfassende Ein-
führung bietet das Buch "Medienrecht" von Udo Branahl, erschienen im 
Westdeutschen Verlag.

zu 5:
So weit, dass niemand wiedererkannt werden kann. Das gilt mitunter 
auch für Verstorbene, denn bei grob entstellter Darstellung können die 
Hinterbliebenen klagen. Ich würde daher immer zu fiktiven Figuren 
greifen ... das ist einfach sicherer.

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**

Bjørn Jagnow, Jahrgang 72, ist gelernter Verlagskaufmann, Buchhändler 
und Verlagsfachwirt. Sein Fachbuch "Marketing für Autoren. Der Weg zur 
erfolgreichen Veröffentlichung" ist inzwischen in der 2. erweiterten 
und aktualisierten Auflage erschienen!
http://www.bjoernjagnow.de/web.pl?marketing-fuer-autoren.html


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen 
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de erwünscht. 
Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt werden. Das Urheber-
recht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor. 

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an: 
mailto:beitrag at autorenforum punkt de.

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet 
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse 
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.

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                        I M P R E S S U M
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Herausgeber: 
   Ramona Roth-Berghofer       mailto:public.relations at autorenforum punkt de 
   Gabi Neumayer                      mailto:redaktion at autorenforum punkt de
   Stefan Schulz                      mailto:webmaster at autorenforum punkt de
   Thomas Roth-Berghofer  mailto:Thomas.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de
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(Näheres s. http://www.autorenforum.de/?UeberUns/Impressum) und der 
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung 
der Redaktion wieder. Zugesandte Artikel können von der Redaktion be-
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