Ausgabe 10-04 (20. April 2008)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
   "Der Heftroman - Teil 2"
   von Harald M. Landgraf
   "Woher weiß man, ob das Manuskript
   zum Veröffentlichen taugt? - Teil 1"
   von Stefanie Bense
Vier Seiten für ein Halleluja
   "Edge Impact" (Teil 1 des Lektorats)
   Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Besondere Lesungen
   "Kriminalistische Floßfahrten mit Autorenlesung"
   von Elvira Reck
Frag die Expertin für Lyrik
   (Martina Weber)
Frag den Experten für Drehbuch
   (Oliver Pautsch)
EDITORIAL:  
--------------------------------------------------------------------- 

Liebe Autorinnen und Autoren, 

     AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr  
     (das muss immer das laufende oder  
     das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter).  
     Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen  
     inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)  
     weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. 

So lauten unsere Vorgaben für einen Eintrag in der "Hall of Fame". Ich  
hatte vor einigen Monaten ja angekündigt, dass wir nur noch Einträge  
annehmen, die diese Vorgaben erfüllen - trotzdem sind richtige Meldun- 
gen immer noch die Ausnahme. In Zukunft werde ich nicht mehr darauf  
hinweisen, sondern einfach nur noch Beiträge aufnehmen, die sich an  
die Vorgaben halten. - Nicht aus erzieherischem Ehrgeiz, obwohl dafür  
auch einiges sprechen würde. Denn wer sich nicht an Ausschreibungs-  
und Verlagsvorgaben halten kann, wird es schwer haben, zu einer Veröf- 
fentlichung zu kommen. Aber bei uns macht es schlichtweg zu viel abso- 
lut überflüssige Arbeit. 

Um alle Unklarheiten (hoffentlich!) zu beseitigen, hier die Vorgaben  
noch einmal im Detail erläutert: 

- Das Genre darf maximal zwei Wörter haben. "Historischer Roman",  
"Kinderbuch", "poetische Erzählungen", das alles geht - "abenteuerli- 
cher historischer Mystery-Roman", "Kinderbuch für Kinder ab 8", das  
geht nicht. Alle Infos, die euch sonst noch wichtig sind, gehören in  
die ... 
- ... Zusatzinfos, die maximal 60 Zeichen umfassen dürfen, und zwar  
einschließlich der Leerzeichen! Nicht 65, auch nicht 61 Zeichen, son- 
dern kein einziges mehr als 60. Wer der Computerzählung nicht traut,  
prüft halt noch mal von Hand. 
- Wer möchte, dass sein Weblink anklickbar ist, muss http:// davor  
setzen - und die 7 Zeichen dafür mitzählen. 
- Nein, Rechtschreibfehler, mit denen man Zeichen einspart, sind keine  
gute Idee! Wenn der Text nach unserer Korrektur zu lang ist, wird die  
Meldung nicht aufgenommen. 
- Ein Punkt am Ende ist nicht nötig - den könnt ihr euch tatsächlich  
sparen. 
- Welche Veröffentlichungen ausgeschlossen sind, könnt ihr unten über  
der Rubrik nachlesen; das dürfte eindeutig sein. 

Und nun noch ein Beispiel: 

     Desiree Hammel: "Der Mond so hell", Lunarprinta 2008,  
     historischer Roman. Ein König, ein Pferd, eine Liebe;  
     http://www.mondhell.com 

Jetzt aber zur aktuellen Tempest-Ausgabe, die ganz im Zeichen zweitei- 
liger Beiträge steht: Der Heftromanautor Harald M. Landgraf stellt uns  
im zweiten Teil seines Beitrags über den Heftroman die verschiedenen  
Untergenres und die angemessene Sprache vor. Unsere Fantasy-Expertin  
Stefanie Bense gibt im ersten Teil ihres neuen Artikels jede Menge  
praktische Tipps dazu, wie man seine Ideen und dann das Manuskript auf  
Originalität, Qualität und (im zweiten Teil, im nächsten Tempest) auf  
Vermarktbarkeit prüfen kann. Hans Peter Roentgen hat einen neuen Text- 
anfang eines Tempest-Lesers lektoriert. Diesmal fallen seine Anmerkun- 
gen so umfangreich aus, dass wir den zweiten Teil des Lektorats eben- 
falls im nächsten Tempest bringen. Um Lesungen auf einem Floß geht es  
bei den besonderen Lesungsideen. Und unsere ExpertInnen geben Auskunft  
darüber, wo man Drehbuchschreiben lernen kann, und klären Fragen rund  
ums Veröffentlichen von Lyrik. 

Der Tipp des Monats April, diesmal von mir: 

     Sucht euch beim nächsten Ausflug ein Gebäude o. Ä.,  
     macht Fotos davon und schreibt zu Hause anhand der Fotos 
     eine detaillierte Beschreibung. Im nächsten Schritt  
     kürzt ihr dann, bis eine genaue, aber vor allem  
     atmosphärisch dichte Beschreibung übrig bleibt. 

Wie ihr seht, fehlen uns schon seit einiger Zeit Schreibtipps. Die  
meisten von euch schicken Schreib-Kicks, aber wir brauchen vor allem  
ganz kurze Tipps rund ums Schreiben und ums Autorendasein fürs Edito- 
rial. Deshalb kündige ich heute ausnahmsweise die nächste Verlosung  
an: Wer bis zum 31. Mai einen Schreibtipp von maximal 300 Zeichen  
(inkl. Leerzeichen) an die Redaktion schickt, nimmt daran teil. Was es  
zu gewinnen gibt? Lasst euch überraschen! Etwas Nützliches für Auto- 
rInnen wird es auf jeden Fall sein. 

Einen schönen, ertragreichen Schreibfrühling! Und wer noch eine gute  
Geldanlage sucht: Schon mit einem kleinen freiwilligen Beitrag tragt  
ihr dazu bei, dass der Tempest weiterhin blühen und gedeihen kann. 

  Gabi Neumayer 
  Chefredakteurin 

~~~~~~~~~~~ 
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen  
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen  
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,  
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto  
von autorenforum.de: 

Sparda Bank Südwest eG 
BLZ 550 905 00 
Kto. 100 724 515 
Stichwort: "Beitrag 2008" 

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei- 
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch  
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest). 

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte  
genau so zusammenschreiben!) 
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 
BIC: GENODEF1S01 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
ISSN 1439-4669   Copyright 2008 autorenforum.de. Copyright- und 
                 Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

   INHALT DIESER AUSGABE: 


TEIL 1: 

      Editorial 
      Hall of Fame 
      Schreib-Kick 
      Lese-Tipp 
      Autorenwissen 
         "Der Heftroman - Teil 2" 
         von Harald M. Landgraf 
         "Woher weiß man, ob das Manuskript  
         zum Veröffentlichen taugt? - Teil 1" 
         von Stefanie Bense 
      Vier Seiten für ein Halleluja 
         "Edge Impact" (Teil 1 des Lektorats) 
         Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen 
      Besondere Lesungen 
         "Kriminalistische Floßfahrten mit Autorenlesung" 
         von Elvira Reck 
      Frag die Expertin für Lyrik 
         (Martina Weber) 
      Frag den Experten für Drehbuch 
         (Oliver Pautsch) 
      Impressum 


TEIL 2: 

      Veranstaltungen 
      Ausschreibungen 
      Publikationsmöglichkeiten 
           mit Honorar 
           ohne Honorar 
      Seminare 
      Messekalender 
      Impressum 

~~~~~~~~~ 
Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service  
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein- 
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad  
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige  
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen  
Jahrgänge zu erstellen.  

********************************************************************* 
HALL OF FAME: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.  
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -  
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen  
können. 

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema: 

....... 
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende  
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich  
könnt ihr in maximal 60 Zeichen inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)  
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. 
....... 

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei- 
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie  
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. Schickt eure Texte  
unter dem Betreff "Hall of Fame" an  
redaktion at team pt autorenforum pt de.  

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen  
Schema gemacht werden! 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

Simone Knodel: "Radegunde von Thüringen", amicus-Verlag 2008, histori- 
scher Roman. Schicksal der Prinzessin, fränkischen Königin und Heili- 
gen 

Verena Lang: "Schmetterlinge träumen", Edition Isele 2007, Erzählung.  
Eine leichtsinnige Lektüre mit Tiefgang 

Tina Zang: "Der Karatehamster startet durch", arsEdition 2008, Kinder- 
krimi. Ab 8. Mit Plüsch auf dem Cover! www.tinazang.de 

Christine Spindler: "Love on Board - Liebe an Bord", Langenscheidt  
2008, zweisprachiger Frauenroman. Aus der Reihe "Lernschmöker".  
www.christinespindler.de 

Petra Schier: "Verrat im Zunfthaus", Rowohlt 2008, historischer Roman.  
http://www.petralit.de 

André Wiesler: "Teufelshatz", Heyne 2008, History-Mystery. Teil 2 der  
Chroniken des Hagen v. Stein: 30-jähriger Krieg 

Heinke, Christian: "Die Haut", KaMeRu 2008, Thriller. Serienkiller  
jagt ehemaliges Model. www.heinkedigital.com  

Uli T. Swidler: "Malakka - Der Tod kommt in der Nacht", Delius Klasing  
Verlag 2007, Thriller.  Internationaler Thriller, http://www.piraten- 
terror.de 

Andrea Tillmanns: "Erik im Land der Drachen", Iatros Verlag 2008, Kin- 
derbuch. Phantastik-Roman, weitere Infos: www.iatros-verlag.de 


********************************************************************* 
SCHREIB-KICK: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


Unser Schreib-Kick für den April, diesmal von Sylvia Görnert- 
Stuckmann: 

Für mich sind Überschriften enorm wichtig, sie schalten das Kino im  
Kopf an. Ich nutze das oft bei Bahn- oder langen Autofahrten, wenn ich  
selbst nur Beifahrer bin und die Gedanken fliegen lassen kann: 

Seht euch die Reklame-Schilder an, die den Weg pflastern. Besonders  
gut kommen Wortspiele. Assoziiert dazu: Um wen kann es dabei gehen,  
welche überraschende Wendung könnte sich dahinter verstecken, wenn es  
ein Buch- oder Kurzgeschichtentitel wäre? 


********************************************************************* 
LESE-TIPP: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


http://www.literaturcafe.de/so-erkennen-sie-dubiose-literaturagenten- 
und-literaturagenturen/: Der Name spricht für sich ... 


********************************************************************* 
AUTORENWISSEN: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                       "Der Heftroman - Teil 2" 
                        von Harald M. Landgraf 


          Der Adelsroman 

Der Leser will den Blick über den Zaun, will an glanzvollen Festen  
teilnehmen, will wissen, wie der scheinbar sorglose Adel lebt. Die  
Regenbogenpresse geht mit dem Romanheft Hand in Hand. Auch wenn bei  
den vielen Geschichten und Histörchen über den Adel ein Großteil nicht  
der Wahrheit entspricht, bleibt das "Privatleben" des Adels für viele  
Leser von nahezu lebenswichtiger Bedeutung. Ich kenne Menschen, denen  
es völlig egal ist, was am nächsten Tag auf dem Tisch steht, solange  
sie wissen, welche Unterwäsche die Königin von England bevorzugt oder  
wer an ihrer Schlafzimmertür gelauscht hat. 
Daher nimmt der Adel einen sehr breiten Raum im Heftroman ein. Je opu- 
lenter ein Autor seine Adelsromane ausstattet, umso besser ist es. Es  
müssen alle Sinne angesprochen werden, sei es nun Schönheit, Düfte,  
der Geschmack und die vielen Farben. Die Kulisse ist stets prachtvoll,  
und oftmals besitzen alte Schlösser einen düster-romantischen Reiz.  
Aber es gibt auch den armen Adel, den der Leser bedauert und dem der  
Autor wieder zu Liebe, Glück und Ansehen verhilft. In dieser Romangat- 
tung spielt die Intrige eine größere Rolle. Es erfordert Geschick,  
Fantasie und Erfahrung, die Fäden so zu spinnen, dass sich der Leser  
am Ende mit der flachen Hand an die Stirn klopft - hätte er doch schon  
längst hinter das Geheimnis der alten Gräfin kommen können ... 

Wer Adelsromane schreiben will, muss über Etikette gut informiert  
sein, denn Leser dieser Kategorie kennen sich genau aus. Jeder Aus- 
rutscher des Autors bei der gegenseitigen Vorstellung, im Umgangston  
der Adeligen und in ihrer "standesgemäßen" Handlungsweise fällt sofort  
ins Auge. 


          Der Arztroman 

Eine unerschöpfliche Quelle ist das Arzt-Milieu, der "Gott in Weiß".  
Er ist natürlich immer ein schöner Mann, der voll in seinem Beruf auf- 
geht. Er darf keine Fehler begehen, die ihn schuldig werden lassen!  
(Ein Kollege hatte mal die Ärztekammer am Hals, weil er seinem Helden  
einen Kunstfehler unterstellte.) Der Arzt ist aber nicht unbedingt die  
zentrale Figur. 

Der Leser möchte typische Klinikatmosphäre spüren und den Kampf um  
Leben und Tod miterleben. Hinter aller Pflicht steht der Mensch mit  
seinen Gefühlen und seinen Gedanken, auch mit seinen Kämpfen und Ge- 
wissensbissen. 

Auch hier ist es wieder der Blick über den Zaun, den der Leser span- 
nend und unterhaltsam genießen möchte. Persönlich dort sein möchten  
die Leser nicht, denn wer geht schon gerne freiwillig ins Krankenhaus?  
Aber wenn er bei einer dramatischen OP dabei ist und ihm selbst nichts  
geschehen kann, ist das ein spannendes Erlebnis, beinahe wie ein Un- 
fall, den man mit neugieriger Aufmerksamkeit verfolgt und wobei einem  
selbst nichts passieren kann. 

Auch beim Arztroman gilt der Leitsatz: nicht über Vorgänge schreiben,  
die man nicht genau kennt und nichts übertreiben. Es ist absolut nicht  
nötig, Medikamente und Behandlungsmethoden zu erfinden, die es nicht  
gibt. Eine Kollegin ließ einmal einen Blinddarm "ein Stück oberhalb  
des Bauchnabels" herausschnippeln. Der Roman ging in den Druck ... Oft  
sind es aber auch Kleinigkeiten, die im Lektorat nerven: Die Ärzte  
sprechen sich untereinander nicht mit Herr oder Frau Doktor an, sie  
bezeichnen sich als Kollegen. In der wörtlichen Rede wird nicht "Dr.",  
sondern Doktor geschrieben. Für eine Lektorin oder einen Lektor ist es  
schrecklich, sich hundert Mal und mehr mit dem "Dr." herumschlagen zu  
müssen. 


          Der Heimatroman 

Die Leserschaft des Heimat- und Bergromans ist sehr anspruchsvoll. Es  
gibt berühmte Wegbereiter wie Ganghofer, Anzengruber, Thoma, um nur  
einige zu nennen. Daran misst der Leser den Autor eines Heftromans.  
Wer einen solchen Roman kauft, möchte in die wilde Schönheit der  
Bergwelt reisen, möchte auf Gipfeln stehen, den Duft von Heu und Moos  
schnuppern und die Herdenglocken bimmeln hören. Auch in dieser  
Romankategorie ist es wichtig, auf Stimmung zu achten und die Natur in  
die Handlung so einzubetten, dass sie nicht erzählt wird, sondern im- 
mer in Bewegung bleibt. Also: keine Wetterberichte schreiben und den  
Himmel nicht blauer machen als blau, den Wetterhahn auf den Kirchen  
nicht mit der Sonne um die Wette glänzen lassen. Lassen Sie die Kirche  
im Dorf! 

Die Menschen in den Bergen sind mit der Heimat fest verwurzelt, sie  
denken und handeln anders als die Leute draußen auf dem flachen Land.  
Ihre Sprache ist rauer. Sie reden nicht wie Gertraude von Garten- 
laubenfels im Adelsroman, sprechen nicht gestelzt und verschachtelt,  
sondern direkt und ehrlich. Aber auch hier ein Warnhinweis für den  
Anfänger: Verwenden Sie keinen unverständlichen Dialekt, denn Ihr Ro- 
man will auch im hohen Norden gelesen und verstanden werden. Es gibt  
das so genannte Schriftbayrisch: ein bissel, ein wengl, Pfüat Gott und  
dergleichen Wörter mehr. Man kann recherchieren oder Ludwig Thoma le- 
sen. Das genügt. 

Auch im Heimatroman hat sich das Rezept der Operette bewährt. Eine  
tollpatschige Magd ist Liebesbotin, ein etwas "depperter" Knecht wird  
ungewollt zum Geheimnisträger, und die alte Großmutter, das "Ähnl",  
bringt mit Lebensweisheit alles wieder ins Lot. Standesdünkel ist sehr  
verbreitet. Oft geht es um viel Geld bei der Mitgift, das eine arme  
Magd nicht hat. Es kommt zu Erbstreitigkeiten, zu Betrügereien. Natür- 
lich wird das Böse bestraft, es bekommt allenfalls, wenn es nicht gar  
zu schlimm war, die Gelegenheit, sich zu läutern und das Unrecht ein- 
zusehen.  

Ein Bergroman darf dramatisch sein. Aber schreiben Sie kein Drama! Die  
Heldin muss nicht ständig durch ein Jammertal gehen und nicht nur lei- 
dend sein. Oft ist es ja auch das Gewissen, aus dem ein Konflikt her- 
vorgeht, oder es sind Zweifel an der Liebe.  

Es geht auch hier nicht ohne das Happy End. Es muss glaubhaft sein und  
darf nicht zu märchenhaft wirken. Lassen Sie, so weit wie möglich, die  
Technik draußen vor der Tür. Ein "Milchcomputer" oder ein "elek- 
tronischer Mähdrescher" ramponieren die Romantik, die vielleicht bis  
dahin aufgebaut werden konnte. Ein Melkschemel, ein Blecheimer im nie- 
drigen, dampfigen Stall mit seinen vielen schillernden Fliegen ist  
allemal wirkungsvoller. 


          Die Liebe 

Doch egal, für welche Kategorie sie arbeiten: Sie müssen einen Liebes- 
roman schreiben und dürfen dieses zentrale Thema niemals vergessen.  
Die Liebe beherrscht das ganze Geschehen. Auch das vergessen viele  
Anfänger. Ich habe, als ich zeitweise für einen Verlag lektorierte,  
Arbeiten gelesen, die handwerklich brillant geschrieben waren, denen  
aber die "Seele" fehlte, weil der Aspekt der Liebe zu kurz kam oder  
ganz und gar vergessen wurde.  
Ist die Liebe nicht das Beherrschende, dann ist es auch kein Heftro- 
man. Wer sich schwer tut, über Liebe zu schreiben und Liebe leben zu  
lassen, der sollte die Finger davon lassen.  


          Die Schreibe: schmalzig oder nüchtern? 

Nicht der Heftroman ist schlecht oder kitschig. Die Geschichte ist  
schlecht so wie ihr Autor, wenn sie schlampig und oberflächlich aus- 
gearbeitet wird. Wer einen Heftroman schreiben will, muss das auch  
ernsthaft wollen und muss sich vor allem selbst ernst nehmen, also  
voll hinter seiner Arbeit stehen. Wenn jemand glaubt, er könne sich  
auf die Schnelle ein paar Euro verdienen, indem er so eben mal  
zwischendurch so eine "Schwarte" herunter tippt, ist auf dem berühmten  
Holzweg. 

Es gibt in Deutschland nur noch zwei namhafte Verlage, die Romanhefte  
verlegen. Das ist der Bastei-Verlag, der seit Jahren mit einem ge- 
drosselten Programm fährt, und der Martin-Kelter-Verlag in Hamburg,  
den ich ruhigen Gewissens als Marktführer bezeichne. Nach der  
Schließung vieler kleinerer und auch größerer Verlage drängt daher nun  
alles nach Hamburg. Die Romane werden dort streng danach beurteilt, ob  
sie auch wirklich die Kriterien des Heftromans erfüllen. Das bedeutet  
nicht, dass Anfängern keine Chance eingeräumt wird. Ein wirklich guter  
Heftroman hat immer eine Chance. Ich bin nicht nur Autor. Ich bin auch  
in einer Weise Kaufmann, und daher schreibe ich genau das, was mein  
Verleger wünscht, weil er weiß, was sich verkaufen lässt. Niemals  
schreibe ich eine Arbeit ins Blaue, ohne sie vorher mit meiner Lek- 
torin oder mit meinem Lektor besprochen zu haben, denn wir beide wis- 
sen, worauf es ankommt. 

Was macht einen Heftroman so schlecht, dass er als Kitsch bezeichnet  
wird? Eine Fülle von aufgedonnerten, unzutreffenden Adjektiven,  
maßlose, oft unsinnige Übertreibungen, lächerliche Dubletten. Solche  
Romane sind einfach unehrlich geschrieben und müssen den Anschein er- 
wecken, die Leser sollen für dumm verkauft werden. Es ist nicht völlig  
falsch, sich an den Romanen von Hedwig Courths-Mahler oder Leni Ber- 
endt zu orientieren, wenn man vom Grundtenor ausgeht. Aber niemand  
redet heute noch so. Damals "jubelten" die Mädchen, wenn sie sich  
freuten, sie "flogen" wenn sie liefen, Ihre Augen "schmerzten vor  
ungeweinten Tränen", die Lippen "bebten", und der Held hatte ein "mar- 
kantes Antlitz" oder "eherne Züge". 

So geht das heute nicht mehr. Diese Floskeln wirken, vor allem zuhauf  
und vielfach wiederholt, einfach lächerlich. Ich habe einmal eine Kol- 
legin gefragt, warum sie denn permanent diese uralten Formulierungen  
verwende. Sie sagte mir: "Weil man das im Heftroman eben so macht." 

Nein, man macht es eben nicht so! Wie bei jeder anderen Arbeit muss  
man auch hier die Adjektive sorgfältig prüfen. Warum genügt ein "tot"  
nicht, muss es denn ein "töter" sein? Ein Häuschen ist immer klein.  
Halte ich den Leser für so dumm, dass er das nicht weiß? Schrecklich  
ist auch der berühmte "Bruchteil einer Sekunde" oder: "Sie saßen vor  
dem Haus und aßen beziehungsweise tranken". "Sie aßen und tranken",  
das wäre doch besser, oder nicht? 

Schreiben Sie wahr und ehrlich, übertreiben Sie nicht. Es ist sicher  
so, dass Adjektive im Heftroman eine tragende Rolle spielen. Aber nur  
mit treffenden Adjektiven lassen sich die richtigen Stimmungen  
erzeugen. Wenn sie nur als Füllsel benutzt werden, sind sie fehl am  
Platz und geben dem Roman einen "kitschigen" Anstrich.  

Auch ich habe in dieser Hinsicht Lehrgeld bezahlen müssen, habe aber  
dann noch die Kurve gekriegt. Um sicherer zu werden, habe ich mir eine  
sehr, sehr lange Liste von Synonymen angelegt. Wenn ich dann beim Le- 
sen auf Adjektive stieß, die mir nicht treffend genug vorkamen, half  
mir diese Liste, das Kind beim richtigen Namen zu nennen. 


          Ein guter Heftroman 

Wenn Sie sich beim Schreiben spüren, wenn Ihnen selbst die Story unter  
die Haut geht, dann sind Sie auf dem rechten Weg. Wenn Sie jedoch  
glauben, dem Leser Honig und Salzburger Nockerl um den Mund schmieren  
zu müssen, "weil man das so macht", dann tragen Sie dazu bei, dass der  
Heftroman weiterhin nach Kitsch und Schund riecht. Und wenn Sie  
nüchterner schreiben, weil Ihnen das "seriöser" erscheint, dann wird  
es kein Heftroman. Wenigstens kein guter. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Harald M. Landgraf wurde 1947 im oberfränkischen Coburg geboren und  
begann schon früh mit dem Schreiben kleiner Geschichten für Jahrbücher  
und Kalenderblätter. 1969 veröffentlichte er seinen ersten Heftroman;  
ihm sind an die 1.000 weitere Werke sowie zahlreiche Kurzgeschichten  
und True-Stories gefolgt. www.autorenbriefkasten.webseite.ms 


********************************************************************* 
AUTORENWISSEN: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


    "Woher weiß man, ob das Manuskript zum Veröffentlichen taugt?  
               Kriterien für Idee und Verkauf - Teil 1" 
                           von Stefanie Bense 

Immer wieder werden wir Experten gefragt: "Woher weiß ich, ob die Idee  
gut ist? Ist sie damit auch verkaufbar? Wie bekomme ich mein  
Manuskript veröffentlichungsreif? Was heißt das, wenn Verlage mir  
schreiben, mein Manuskript passe nicht in ihr Programm?" 

Zum einen: Wir Experten sind NICHT dazu da, Manuskripte zu beurteilen.  
Weder können noch wollen wir das. Dazu sind Lektoren in Verlagen, Lit- 
eraturagenten oder professionelle kostenpflichtige Gutachter da. 

Zum anderen: Es gibt sehr wohl einige Kriterien, die für verkaufbare  
Romanmanuskripte gelten, ebenso gibt es Möglichkeiten, sich zu erar- 
beiten, wie man ein Manuskript selbst beurteilt. (Dank an unsere Le- 
serin Jennifer, deren Anfrage zu diesem Artikel führte.) 

Ein Manuskript muss gut geschrieben und gut verkaufbar sein, soll es  
bei einem Verlag Anklang finden. Die handwerkliche Seite, das "gut  
geschrieben", ist erlernbar, die Vermarktbarkeit nur vage abschätzbar. 


          Woher weiß man, ob eine Idee gut ist? 

Gut wofür? 

Fürs Schreiben ist sie gut, wenn sie dich über Monate und Jahre bei  
der Stange hält. Wenn du gar nicht mehr leben kannst, ohne sie  
weiterzuerzählen, fortzuführen und daran herumzuspinnen. 

Für einen Roman ist sie gut, wenn sich zur Ursprungsidee viele andere  
gesellen, die sie weiterbringen, wenn die Geschichte fast von allein  
wächst, wenn du merkst, dass 30 bis 60 Seiten nicht mehr genügen, da  
dir die Story aus dem Ruder läuft. 

Für eine Veröffentlichung ist die Idee gut, wenn sie originell,  
frisch, neu und spannend ist. Originell heißt: so noch nicht da gewe- 
sen oder mit ganz neuem Blick versehen. 


          Wie findet man neue Ideen? 

Du kombinierst alte miteinander, die etwas Neues ergeben, z. B.  
Aschenputtel liebt Prinzen + Liebesgeschichte in L. A. / Hollywood =  
Pretty Woman. 

Du studierst, was auf dem Markt ist, und lässt dich anregen, darüber  
hinauszudenken, z. B. Pratchetts Scheibenwelt -> eine Welt als Würfel  
-> eine Welt in einer Flasche 


Du ersinnst etwas völlig Neues, z. B.: Magie funktioniert über Lied- 
texte -> Magier wird stumm -> wie kann er noch zaubern? 

Du spielst das unendliche Spiel Was-wäre-wenn: Was wäre, wenn Magie in  
unserer heutigen Welt wieder funktionieren würde? 

Du nutzt anregende Schreibübungen, -spiele etc. wie Assoziatives  
Schreiben, Mindmapping, Clustering, Verwandlungsübungen, Anregungen  
aus Bildern, Postkarten etc. (Für Schreibübungen gibt es Bücher, z.  
B.: Bettina Mosler und Herd Herholz: Die Musenkuss- Mischmaschine.) 


          Wie beurteilt man ein Manuskript  
          in handwerklicher Hinsicht? 

Freunde und Ratschläge aus dem nicht literarisch interessierten Inter- 
net sind selten gute Berater, wenn es ums Veröffentlichen geht! Selbst  
wenn Freunde, Verwandte und Bekannte etwas vom Schreiben und Veröffen- 
tlichen verstehen, selbst wenn sie ehrlich zu dir sein mögen - es sind  
Freunde. Sie mögen dich, sie finden toll, was du machst - und sie wol- 
len deine Freunde bleiben. Zeig ihnen, was du schreibst, freu dich  
über ihre Zustimmung und Ermunterung, über ihr Lob und ihren Hunger  
nach mehr von deinen Geschichten - aber nimm das nicht als Wertmaßstab  
für die Entscheidung, ob etwas veröffentlichungsreif ist oder nicht. 

Im Internet kann die Kritik schon wesentlich objektiver ausfallen,  
doch auch hier gibt es gewaltige Unterschiede. Bei manchen Schreib- 
gruppen setzt sich die Grundhaltung durch: "Tust du mir nicht weh, tu  
ich dir auch nicht weh"; dann wird die Textkritik zum gegenseitigen  
Schulterklopfen. Das kann gut tun, gerade wenn man sich noch nicht so  
sicher im Schreiben ist. Es bringt jedoch nicht weiter. 

Dagegen gibt es handwerklich orientierte Internet-Textwerkstätten, die  
über Kritik, Hilfen und Diskussionen dafür sorgen, dass man einen Text  
zehn-, zwanzigmal überarbeitet, umschreibt und neu schreibt. Die sind  
prächtig, um mit dem Schreiben voranzukommen, sich weiterzuentwickeln  
und wirklich erzählen zu lernen. Aber dort sind in der Regel keine  
Verlagslektoren tätig, daher sind auch ihre Kritiken kein Maßstab für  
Veröffentlichungen. 


          Was kann man tun? 

Dem eigenen Text gegenüber sollte man selbstkritisch sein. Man kann  
ihn z. B. mit dem vergleichen, was man bislang an Büchern gelesen hat,  
wobei die Leseerfahrung möglichst breit gestreut sein sollte. Was li- 
est sich besser / schlechter - und warum? 

In handwerklich orientierten Schreibgruppen kann man kontinuierlich  
Kritikfähigkeit entwickeln, fremden und eigenen Texten gegenüber. Viel  
Arbeit, aber es lohnt sich! 

Es gibt Agenturen oder Gegenles-Börsen (manche auf Gegenseitigkeit,  
manche kostenpflichtig), die einem helfen, Kritik zu entwickeln,  
Handwerk zu üben und anzuwenden, bestehende Texte zu überarbeiten -  
oder auch einzusehen, dass Schreiben nicht das Richtige für einen ist. 

Das Manuskript sollte man solange polieren, bis es glänzt, und zwar  
sowohl in storytechnischer als auch in erzählerischer und sprachlicher  
Hinsicht. Das kann Monate und Jahre dauern. Aber den meisten Lektoren  
fällt ein handwerklich glänzend gutes Manuskript ins Auge. Schon auf  
den ersten Seiten. Wenn der Anfang darin versagt, den Lektor zu inter- 
essieren, hat der Rest des Manuskripts keine Chance mehr. 

[Im zweiten Teil dieses Artikels im nächsten Tempest geht es um die  
Vermarktbarkeit von Geschichten und darum, was Veröffentlichen eigen- 
tlich bedeutet. - die Red.] 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt Schreibkurse auch  
an der Uni und organisiert eine Roman-Werkstatt:  
http://www.romantisch.essdeh. Sie veröffentlicht sporadisch und  
schreibt an ihrem dritten Roman. Kontakt:  
fantasy at experte pt autorenforum pt de. 


********************************************************************* 
VIER SEITEN FÜR EIN HALLELUJA: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Oft können Profis schon an den ersten Seite sehen, woran ein Text  
krankt. Da wird zu viel erklärt, oder die Personen bleiben blass, oder  
der Text ist mit Adjektiven überladen oder ... 

Wenn eins dieser Probleme in eurem Text auftaucht, wird ihn ein Ver- 
lagslektor schnell beiseite legen - und ihr erhaltet ziemlich sicher  
einen der beliebten Formbriefe. Denn die Probleme, die auf den ersten  
vier Seiten auftreten, setzen sich in aller Regel im Rest des  
Manuskripts fort.  

Hier könnt ihr die Probe aufs Exempel machen. Hans Peter Roentgen, der  
professionell Schnupperlektorate (http://www.hproentgen.de) der ersten  
vier Seiten macht, bespricht für den Tempest kostenlos die ersten vier  
Seiten von Lesern. 

Also: Schickt uns die ersten vier Seiten eures Manuskripts - maximal  
7.200 Zeichen! -, und vielleicht findet ihr schon im nächsten Tempest  
unseren professionellen Kommentar dazu! In der Regel werdet ihr fest- 
stellen, dass ihr unsere Ratschläge auch für den Rest eures Textes  
verwenden könnt. Bitte schickt uns aber nur Text- oder RTF-Dateien.  
Das könnt ihr einstellen, indem ihr in Word statt "Speichern"  
"Speichern unter" anklickt und dann ganz unten den Dateityp wählt  
("nur Text" oder "RTF"). Die normalen Word-Dateien sind beliebte  
Virenträger und werden deshalb von uns nicht geöffnet. 

Der Text wird anonym im Tempest abgedruckt und besprochen (es sei  
denn, ihr wollt euren Namen dort sehen, bitte extra vermerken!).  
Außerdem werden Text und Besprechung auf den Seiten von Hans Peter  
Roentgen (http://www.textkraft.de) veröffentlicht, der dieses neue  
Angebot organisiert und selbst schon viel Erfahrung mit dem Lektorat  
der ersten vier Seiten hat. 

Welcher Text besprochen wird, legen wir fest. Die AutorInnen erklären  
sich mit ihrer Einsendung mit der Veröffentlichung einverstanden. 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

                             "Edge Impact" 
              Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen 

Die Firma hatte mir ein schönes Fahrzeug überlassen, einen dunkel- 
blauen E-Klasse-Mercedes mit Lederausstattung und Automatikgetriebe.  
Eine der kleinen Annehmlichkeiten, die Alliance Officer kostenlos zur  
Verfügung gestellt bekamen, wenn sie sich zwischen zwei Auslandsein- 
sätzen wieder einmal für kurze Zeit in der Schweiz aufhielten. Ich bin  
jetzt seit zwei Monaten aus dem Einsatz zurück. Eine kurze Zeit, wenn  
man das alles hinter sich hat, was ich erlebt hatte. Nach meinem Ver- 
trag würde mir jetzt ein Vierteljahr bezahlte Erholungspause und sogar  
zehn kostenlose Sitzungen bei einem Psychotherapeuten meiner Wahl  
zustehen. Diese Sitzungen wären eigentlich Pflicht, aber ich bin schon  
zu lange in diesem Geschäft, als dass sie mir noch etwas gebracht hät- 
ten. Es ist nicht etwa so, dass ich per se etwas gegen unsere Psy- 
chologen hätte, vor allem nicht gegen die Damen dieser Zunft, da gab  
es schon ein paar wirklich nette Mädels darunter. Aber auch die  
konnten einem nicht den ganzen Schmutz und das verkrustete Blut von  
der versteinerten Seele abwaschen. Etienne, einer meiner alten Kol- 
legen, der von jenseits der Grenze aus Frankreich stammt, erzählte mir  
bei dieser Gelegenheit einmal, er als praktizierender Katholik würde  
nach jedem dieser Einsätze zu Beichte gehen. Ihm würde das helfen, es  
ginge ihm hinterher sehr viel besser, aber der Priester müsse sich  
jedes Mal übergeben und würde leichenblass den Beichtstuhl verlassen.  
Ja, Etienne hat eine plastische Art, seine Erlebnisse zu schildern.  
Das war übrigens auch eines der wenigen privaten Gespräche, die wir in  
den sechs Jahren, die ich jetzt bei der Alliance bin, geführt hatten.  
Im Grunde waren wir alle einsame Wölfe und jeder für sich gesehen eine  
kapriziöse Primadonna. Alles ist so organisiert, dass wir uns bei der  
Arbeit nicht großartig in die Quere kommen konnten. Jeder von uns  
hatte seine eigene Region, in der er selbstverantwortlich arbeitete.  
Es war ein bisschen so wie bei einem Handelsvertreter, wenn du lange  
genug in einer Gegend zu tun hattest, dann kanntest du dort alle  
wichtigen Leute. Du wusstest Bescheid darüber, wo es gefährlich ist  
und wo du dich als Europäer besser nicht nach Einbruch der Dunkelheit  
herumtreiben solltest. So verfügte jeder der Field Officer, das war  
übrigens die offizielle Berufsbezeichnung, die in unseren Verträgen  
mit der Swiss Security Alliance AG in Genf stand und so auch einen  
ungefähren Hinweis auf die meistens militärische Vergangenheit von uns  
gab, über ein ausgezeichnetes Netzwerk lebensnotwendiger Kontakte.  
Etienne und ich, wir teilten uns den schwarzen Kontinent, er arbeitete  
bevorzugt im Norden von Afrika und ich im Süden. Am Äquator kreuzten  
sich unsere Pfade dann aber manchmal, das war aber unvermeidlich. Die  
Alliance hatte ihre Leute in der russischen Föderation, in Nord- und  
Südamerika und eben uns, die sogenannten Afrikaner. Aus den Krisenher- 
den in Afghanistan, dem Irak und dem pazifischen Raum hielten wir uns  
allerdings tunlichst heraus. Das waren die angestammten Reviere der  
großen britischen Sicherheitsfirmen, die dort ausgezeichnet vom Per- 
sonen- und Objektschutz leben.  Ich war deshalb auch nicht wenig über- 
rascht, als mich mein Chef, Guido Brunner, aus dem Urlaub zurückrief,  
um mich ausgerechnet zu einem Afghanistaneinsatz zu überreden. Guido  
war der dienstälteste und erfahrenste Profi bei der Alliance, er  
stammt aus Luzern und hatte es in der Schweizer Armee bis zum Oberst  
gebracht, ich bin dagegen, ohne einen anständigen Beruf gelernt zu  
haben, als Reservist ausgestiegen, aber immerhin auch als Oberleut- 
nant. Weiter kommst du bei uns in der Schweiz nicht, wenn du nicht  
Berufssoldat werden willst, und ich wollte nicht. 
Dieser neue Fall, mit dem mir Guido ständig in den Ohren lag, war mir  
schon aus den Medien bekannt. Fünf zivile Aufbauhelfer eines deutschen  
Industriekonsortium sind aus einem angeblich sicheren Außenbezirk von  
Kabul entführt worden, alle bis jetzt geführten Verhandlungen waren  
gescheitert. In der ganzen Bundesrepublik war dann auch niemand zu  
bekommen, der zum einen dumm genug war, um sich auf eine solches Aben- 
teuer einzulassen, und zum anderen auch noch die notwendige Erfahrung  
mitbrachte, um in einer geschlossenen, streng muslimisch geprägten  
Gesellschaft wie der afghanischen einen solchen Fall zu lösen. Das  
ganze Land wird von einer Horde bewaffneter Halunken kontrolliert, die  
seit Jahrhunderten in undurchlässigen Familienclans organisiert sind  
und vom Opiumanbau und Drogenhandel leben. Solche Stammesstrukturen  
kannte ich aus Afrika ziemlich gut, es ist derselbe Geist, dieselbe  
Sorte von Halsabschneidern, nur anstelle des Opiums ging es in Afrika   
um kostbare Bodenschätze. 
In knapp einer Stunde würde ich mehr wissen. Die Besprechung mit den  
Vertretern des Auftraggebers und den offiziellen deutschen Stellen war  
für 10:30 angesetzt.  Ich bin gerade auf dem Weg dorthin, Avenue  
Eugene Pittard 15, ein freistehendes modernes Bürogebäude am Parc Al- 
fred Bertrand, mitten in der Genfer Innenstadt, die Firmenzentrale der  
Swiss Security Alliance AG. 
Ein Illustrer Kreis war das, der sich heute in Genf treffen würde. 
Dr. Ziegler, einer der Geschäftsführer der Rheinstahl-Hutton AG, als  
Vertreter des Auftraggebers. Es waren seine Leute, die in Afghanistan  
entführt worden sind, und er stellte auch das benötigte Geld für die  
Operation zur Verfügung. Dann war da noch Generalmajor Rüdiger Brod- 
beck, der geheimnisumwitterte Chef der deutschen Spezialkräfte, mit  
Männern aus seinem Stab. Seine Aufgabe wäre die militärische  
Durchführung einer Befreiungsaktion. Nur leider saß er mit seiner  
Truppe auf dem deutschen ISAF-Stützpunkt in Mesar-i Sharif fest, weil  
ihm seine Aufklärung bis jetzt kein brauchbares Ziel liefern konnte.  
Das sollte dann wohl meine Aufgabe werden. Ich sollte Brodbecks  
Scharfschützen zum Versteck der Geiseln führen und dabei den eigenen  
Kopf möglichst tief in der Deckung halten, um nicht noch als möglicher  
Kollateralschaden in seinem Einsatzbericht unter der Rubrik zivile  
Verluste zu erscheinen. 
Dr. Ziegler war bis jetzt der einzige der Besucher, die ich schon ken- 
nengelernt hatte. Das kam auch nur daher, weil ich ihn bereits letzte  
Woche in seinem großzügigen und modern eingerichteten Büro in der 12.  
Etage der Rheinstahl-Hutton-Firmenzentrale in Frankfurt am Main be- 
sucht hatte. Ein großartiger Mann, der sich nicht damit abgefunden  
hatte, dass seine Leute in Afghanistan aufgeben werden. 
Wir unterhielten uns lange darüber, wie viel Überzeugungsarbeit und  
Nervenkraft es ihn gekostet hatte, diese Politiker im Krisenzentrum  
des Außenministers in Berlin davon zu überzeugen, dass jetzt  
entschieden gehandelt werden musste. Zu meiner großen Überraschung war  
es Generalmajor Brodbeck gewesen, auf dessen Fürsprache hin es dann zu  
unserer Beauftragung gekommen ist. Von Dr. Ziegler wusste ich auch,  
dass Brodbeck bis ins Detail über meinen letzten Auftrag informiert  
gewesen war. Dieser Auftrag hatte mich vor neun Monaten nach Somalia  
geführt, und es wäre dann auch beinahe mein letzter geworden. Der  
damalige Auftraggeber war ein großer Versicherer gewesen, der sich  
weltweit auf Schiffs- und Frachtrisiken spezialisiert hatte und der am  
Horn von Afrika, allein in den letzten zwei Jahren, Schäden durch Pi- 
ratenangriffe auf Frachtschiffe in Höhe von 50 Millionen US Dollar  
regulieren musste. Deutlich zu viel, um weiterhin tatenlos zuzusehen.  
Gemeinsam mit einigen Kollegen einer bekannten britischen Firma ist es  
dann nach monatelanger zermürbender Kleinarbeit und dem Einsatz von  
250.000 US-Dollar Schmiergeld gelungen, an die gefährlichste Bande  
heranzukommen und die Drahtzieher unschädlich zu machen. Der Anführer  
war ein aus Nigeria stammender Gangster namens Abdul Lomossi, der über  
Jahre hinweg ganze Schiffe samt Ladung auf Nimmerwiedersehen hatte  
verschwinden lassen. Abdul Lomossi konnte uns zwar in letzter Sekunde  
in Somalia entkommen, aber auch er konnte zwei Monate später in einem  
Luxusbordell in Nairobi von einer kenianischen Spezialeinheit festge- 
nommen werden. Wie ich hinterher vom Auftraggeber erfahren hatte, ist  
Lomossi während der Untersuchungshaft in Kenia an einem Herzinfarkt  
verstorben. Für afrikanische Verhältnisse kein unübliches Ende. 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

                          Lektorat (Teil 1) 
                       von Hans Peter Roentgen 


Ein gut formulierter Text, flüssig zu lesen. Und doch erlahmt bald die  
Spannung. Warum?  

Weil zu viel erklärt wird. Zur Firma, in der der Ich-Erzähler ar- 
beitet, zu Afrika, zu dem neuen Auftrag, immer wieder blendet die  
Erzählung zurück, erklärt. Ein Infodump, und er zeigt, dass auch gut  
geschriebene Infodumps nur bedingt spannend sind.  

Andererseits sind einige (nicht alle) Informationen wichtig. Und  
einige sind durchaus unterhaltsam.  


          Infodumps und wie man sie auflöst 

Wie kann man das auflösen? Der gängige Weg ist: Streichen. Und  
szenisch schreiben, gleich mit einer Szene beginnen. Am besten mit der  
Besprechung zwischen Ich-Erzähler, Dr. Ziegler und Generalmajor Brod- 
beck, aus der der Leser nach und nach entnimmt, welche Aufgabe hier  
angegangen werden soll und wer dieser Ich-Erzähler ist. 

Ich möchte hier aber einmal eine andere Methode vorschlagen. Nämlich  
eine Mischung aus szenischem und narrativem Erzählen. Was meine ich  
damit? 

Szenisches Erzählen ist genau das, was der Name sagt: Wir erleben eine  
Szene. Egal ob Dialog oder Action, die Figuren handeln. Sie erzählen  
nicht. 

Narratives Erzählen ist das Gegenteil. Hier wird nur erzählt, über  
eine Handlung, über Vergangenes, aber wir sind nicht in einer Szene.  
Eigentlich etwas, das man als Autor vermeiden soll, wie auch das obige  
Beispiel zeigt. Aber manchmal kann es dennoch angebracht sein.  


          Szenen und anderes Getier 

Und wie macht man so was? Abwechselnd erfahren wir etwas aus einer  
Szene, und dann erzählt der Ich-Erzähler wieder etwas, das uns einen  
neuen Informationsbrocken hinwirft. 

.......... 
Die Firma hatte mir ein schönes Fahrzeug überlassen, einen dunkel- 
blauen E-Klasse-Mercedes mit Lederausstattung und Automatikgetriebe.  
Ich wollte gerade einsteigen, da klingelte mein Handy. 
"Ich bin nicht im Dienst", sagte ich, legte auf und stieg ein. 
Aber so einfach wird man Guido nicht los.  
.......... 

Warum habe ich den Satz über das  Auto stehen lassen? Weil es einiges  
verrät und einiges nicht. Wir wissen jetzt, dass der Ich-Erzähler für  
eine Firma arbeitet, offenbar in wichtiger Funktion. Dass der Wagen  
kein gewöhnlicher Firmenwagen ist, sondern nur für einige Zeit über- 
lassen wurde. Und in dem kurzen Dialogsatz erfahren wir, dass der  
Erzähler im Urlaub ist. 

Nicht verraten wird, was das für eine Firma ist. Weiter im Text: 

.......... 
Er ist Oberst, und das will in der Schweiz was heißen. Ich habe es nur  
bis zum Oberleutnant gebracht. Für den Job reicht das. 
"Wir brauchen dich", sagte Guido, als ich dann doch abgenommen hatte.  
"In Afghanistan." 
"Du weißt, dass ich Afrikaner bin." Mein Gebiet ist der Süden Afrikas.  
Den Norden betreut Etienne, ein Franzose und gläubiger Katholik. Er  
geht nach jedem Einsatz zur Beichte. Wie der Priester das aushält,  
weiß ich nicht. Unsere Gebiete sind aufgeteilt, als ob wir Handelsver- 
treter wären. Was wir in gewisser Weise ja auch sind. 
"Eben. Dein Einsatz in Somalia ..." 
"... ist beendet." 
"Lomossi ist tot", sagte Guido. "Herzinfarkt." 
Abdul Lomossi, mein letzter Auftrag. Ganze Schiffe samt Ladung hatte  
der verschwinden lassen und glaubte sich in Somalia sicher, obwohl er  
eigentlich Nigerianer war. In letzter Sekunde war er uns entkommen,  
peinlich, weil unser Auftragsgeber, ein Versicherer, deshalb die Auf- 
tragssumme kürzen wollte. Obwohl Lomossi dann doch verhaftet wurde,  
wenn auch nicht in Somalia, sondern in einem Bordell in Kenia. Und  
jetzt war er tot. Herzinfarkt. Für afrikanische Verhältnisse kein  
unübliches Ende. 
"Mein Mitleid hält sich in Grenzen", antwortete ich. 
.......... 

Hier wechselt Dialog, also Szene, mit narrativen Abschnitten, in denen  
einfach etwas erzählt wird, in denen Informationen vermittelt werden.  
Aber nicht alle, und vor allem sichern die Dialogfetzen die Neugier.  
Wir wissen jetzt, dass der Erzähler in Afrika arbeitet, dass diese  
Arbeit dreckig ist (Beichte). Einzelheiten aber wissen wir immer noch  
nicht. Dafür gibt es eine neue Frage: Was ist mit Afghanistan? Vermut- 
lich auch gefährlich, vermutlich auch nur halb legal. 

Afghanistan baut Spannung auf, weil die Geschichte damit einen aktuel- 
len Bezug erhält. Weil es im Hirn automatisch "klick" macht und der  
Leser damit Terroristen, Entführung und Gefahr verbindet. Und Ver- 
bindungen zieht zu dem, was er an Informationsbrocken vorher erfahren  
hat. Diese Verbindungen lassen ihn einiges vermuten, er kann sich et- 
was zusammenreimen. Aber nicht alles. Für die Fragen, die er sich  
selbst während des Lesens beantwortet, tauchen neue auf. Warum soll  
ein Afrika-Spezialist plötzlich nach Afghanistan gehen, zum Beispiel? 


          Schreiben ist eine Gratwanderung 

Schreiben ist immer eine Gratwanderung zwischen dem, was der Autor dem  
Leser verrät, dem was zwischen den Zeilen steht und was sich der Leser  
zusammenreimen muss, und dem, was sich daraus an neuen Fragen ergibt.  
Genauso wichtig wie das, was im Text steht, ist immer auch das, was  
nicht darin steht. Geschichten, egal ob U- oder E-Literatur, haben  
immer mehrere Ebenen. Das, was im Text steht, und das, was zwischen  
den Zeilen steht. Die Mischung kann variieren: Es gibt hochkomplexe  
Geschichten mit mehr Ebenen als ein Wolkenkratzer und einfachere, die  
sich auf "nur" zwei beschränken. Was wird gesagt, was wird nicht  
gesagt? 

Genau das ist hier und bei jedem Infodump das Problem. Hier wird alles  
erklärt, selbst der Ort des Treffens darf nicht fehlen - Avenue Eugene  
Pittard - und auch dass das Bürogebäude dort freistehend ist. Müssen  
wir das wirklich wissen? Wir müssen nicht. Vor allem verbinden sich  
mit den ausufernden Informationen keine neue Fragen, die den Leser  
weiter bei der Stange halten. In einem wissenschaftlichen Bericht  
sollten alle Fragen beantwortet werden. Am Anfang einer Geschichte  
nie. Im Gegenteil. Zu jeder Antwort, die der Leser dort findet, sollte  
sich gleich eine neue Frage gesellen. 

Und die Antworten sollten nicht einfach dem Leser auf dem Sil- 
bertablett serviert werden. Geschichten sind immer auch Rätsel. Wer  
war der Mörder? Hatte Fräulein Ming etwas mit Graf Eutin und wollte  
das vertuschen? Ach nein, kann nicht sein, weil der scheint schwul zu  
sein, wie der Leser aus einem scheinbar nebensächlichen Satz  
erschließen kann, der gleichzeitig die Frage aufwirft, warum die Dame  
den Neffen des Grafen so seltsam ansieht. Hat sie vielleicht ...? 

Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. Wenn Sie aufgepasst haben, ah- 
nen Sie es bereits: Sie müssen nicht alles szenisch erzählen, auch  
wenn das viele Schreibratgeber behaupten. Sie dürfen durchaus narrativ  
erzählen. Wenn Sie Fragen offen lassen. Wenn Sie immer wieder Hand- 
lungsbrocken einstreuen. Wenn Ihre Geschichte dabei weiterläuft, sich  
vor dem Leser ein Panorama ausbreitet, das sich hinter jeder Kurve  
ändert, statt einer öden Landkarte, die jeden Tümpel und jeden Steg  
genauestens verzeichnet. 


          Infodumps wirken wie Drogen 

Gehen wir noch mal zurück zum letzten Teil, wo der Ich-Erzähler vor  
dem Treffen über die Teilnehmer berichtet: "Ein illustrer Kreis war  
das, der sich heute in Genf treffen würde." 

Hier wird in die Zukunft hinein erzählt, denn der Kreis hat sich noch  
nicht getroffen. Warum das im Vorhinein erklären? Besser wäre es, uns  
in Genf den Kreis erleben zu lassen, hier schreit der Inhalt nach  
einer Szene, aber geliefert wird wieder nur eine Erklärung. Das ist  
eine weitere Gefahr des Infodumps. Er quillt auf; einmal in diese  
Erzählweise verfallen, fährt man leicht immer weiter fort. So einfach  
ist es, man muss nur alles erzählen, was man sich so ausgedacht hat.  

Da hilft nur der Rotstift und diese eingeschliffene Erzählhaltung so- 
fort aufgeben. Hier ist die Szene gefragt: All die illustren Leute  
sitzen beisammen, und unser Ich-Erzähler betritt den Raum. Was werden  
ihm welche Männer erklären? Was werden sie nicht erklären, kann sich  
der Erzähler aber denken? Was wird nur angedeutet, taucht aber gar  
nicht im Text auf, sondern nur zwischen den Zeilen?  

Und was ist mit der Szenerie, diesem Söldner, der im südlichen Afrika  
arbeitet und nun plötzlich nach Afghanistan soll? Ist das glaubwürdig? 

Doch das werde ich erst im nächsten Tempest weiter beleuchten. Damit  
Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht die Spannung verlieren. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Hans Peter Roentgen coacht Autoren und Manuskripte  
(http://www.textkraft.de). Im November 2007 ist sein Buch mit zahl- 
reichen Beispielen zur Textbearbeitung erschienen: "Vier Seiten für  
ein Halleluja", Lerato Verlag. 


********************************************************************* 
BESONDERE LESUNGEN: 
--------------------------------------------------------------------- 
                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


           "Kriminalistische Floßfahrten mit Autorenlesung" 
                           von Elvira Reck 


Die Nacht war lau, Grillen zirpten am Ufer, während wir auf dem Schiff  
gemächlich unter riesigen Hängebirken an beleuchteten Villen vorbei  
schipperten und einem Raubmord lauschten. Der Kahn war rappelvoll. Die  
Atmosphäre einmalig. 

Initiator der Veranstaltung ist die Stadt Braunschweig. Autoren der  
Region lesen aus ihren Kriminalromanen. 

Durch die wachsende Fan-Gemeinde hat "Mord auf der Oker" bereits Kult- 
status erreicht, entsprechend hoch ist auch die Nachfrage. 

Getränke können auf dem Floß erworben, ein kleiner Imbiss darf mitge- 
bracht werden. Preis: 14 Euro. 


********************************************************************* 
UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:      
--------------------------------------------------------------------- 
Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -  
keine Manuskripte zur Beurteilung. 

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst  
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird. 


  Drehbuch: Oliver Pautsch 
                              drehbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Fandom: Thomas Kohlschmidt 
                                fandom at experte pt autorenforum pt de 
  Fantasy: Stefanie Bense 
                               fantasy at experte pt autorenforum pt de 
  Heftroman: Arndt Ellmer 
                             heftroman at experte pt autorenforum pt de 
  Historischer Roman: Titus Müller 
                    historischer.roman at experte pt autorenforum pt de 
  Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik 
                            kinderbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Lesungen: Rüdiger Heins 
                              lesungen at experte pt autorenforum pt de 
  Lyrik: Martina Weber 
                                 lyrik at experte pt autorenforum pt de 
  Sachbuch: Gabi Neumayer 
                              sachbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss 
                           fortbildung at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibgruppen: Ute Hacker 
                        schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibhandwerk: Ute Hacker 
                       schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de 
  Sciencefiction: Andreas Eschbach 
                              sf-autor at experte pt autorenforum pt de 
  Technik (physikalisch!): Woldemar Schilgen 
                               technik at experte pt autorenforum pt de 
  Übersetzung: Barbara Slawig  
                         uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de 
  Verlagswesen: Bjørn Jagnow 
                          verlagswesen at experte pt autorenforum pt de 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
................. 
Experten-Special: 
................. 

Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur- 
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam- 
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF  
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord- 
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -  
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.  
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin- 
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé,  Honorar, ISBN, Leseprobe,  
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...  
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062- 
tempest2-4. 


********************************************************************* 
FRAG DIE EXPERTIN FÜR LYRIK: 
---------------------------------------------------------------------                   
Martina Weber(lyrik at experte pt autorenforum pt de) 

Frage:  
Ich schreibe Gedichte und möchte jetzt einige von meinen Gedichten in  
einem Band veröffentlichen. Wenn man sich mit einem Verlag in Verbin- 
dung setzt, soll man dann für sein Buch bezahlen, oder verdient man  
laut Buchvertrag sogar Geld? 


Antwort: 
Lyrik zu schreiben ist die denkbar uneffektivste Art, um seine Ar- 
beitskraft geldbringend einzusetzen. Aus Sicht des Autors bzw. der  
Autorin haben die eigenen Gedichte zwar einen hohen ideellen Wert;  
Verlage müssen jedoch wirtschaftlich denken, um ihre Ausgaben tragen  
und um existieren zu können.  

Verlage überlegen es sich deshalb genau, ob es sich lohnt, einen Ver- 
trag über die Veröffentlichung eines Lyrikbandes abzuschließen. Eine  
Lyrikerin hat bessere Chancen auf einen Verlagsvertrag, wenn sie sich  
bereits durch Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Antho- 
logien einen Namen gemacht hat und vielleicht schon einen kleinen Li- 
teraturpreis gewonnen hat. 

Wenn Ihnen ein Verlagsvertrag angeboten wird, sollten Sie ihn genau  
lesen und Punkt für Punkt mit dem Normvertrag vergleichen, der zwi- 
schen dem Verband deutscher Schriftsteller und dem Börsenverein des  
deutschen Buchhandels ausgehandelt wurde. Den Normvertrag finden Sie  
zum Beispiel unter http://www.uschtrin.de/normvertrag.html. Vorgaben  
zum Honorar enthält der Normvertrag nicht. Der Verband deutscher  
Schriftsteller empfiehlt bei Hardcoverbüchern 10 Prozent, bei Taschen- 
büchern 6 Prozent vom Nettoverkaufspreis. Der Nettoverkaufspreis ist  
der Ladenverkaufspreis abzüglich der darin enthaltenen Mehrwertsteuer. 

Ein Rechenbeispiel: Der XY-Verlag druckt einen Gedichtband mit 50 Ge- 
dichten von Ihnen in einer Auflage von 200. Ein Band kostet 15,00 Eu- 
ro. Die Mehrwertsteuer für Bücher beträgt 7 Prozent. Der Nettover- 
kaufspreis Ihres Buches beträgt somit 15,00 Euro minus 1,05 Euro =  
13,95 Euro. Angenommen, Sie erhalten laut Autorenvertrag ein Honorar  
von 10 Prozent des Nettoverkaufspreises, so wären das 1,40 Euro pro  
verkauftem und bezahltem Buch; bei einer Auflage von 200 Büchern maxi- 
mal 280 Euro (Rezensionsexemplare sind honorarfrei). Nach diesem Bei- 
spiel erzielt der Autor also 280 Euro Gesamthonorar - für viele hun- 
derte von Arbeitsstunden, die erforderlich sind, um 50 publikations- 
würdige Gedichte zu schreiben. 

Es gibt auch Verlage, die ihren AutorInnen Verträge mit Konditionen  
anbieten, die für AutorInnen ungünstiger sind als der Normvertrag.  
Wenn Ihnen ein solcher Vertrag angeboten wird, sollten Sie genau abwä- 
gen, ob der Vertrag für Sie tragbar ist. Es gibt Verlage, die den  
Druck eines Lyrikbandes in einer Auflage von vielleicht 300 Stück nur  
gegen Zahlung von mehreren tausend Euro übernehmen. Es gibt aber auch  
die Variante, die von der Autorin verlangt, eine bestimmte Zahl der  
eigenen Bücher zu einem ermäßigten Preis zu kaufen, zum Beispiel soll  
die Autorin bei einer Druckauflage von 300 Stück und einem Verkaufs- 
preis von 15 Euro pro Buch 100 Bücher zu einem Preis von 10 Euro kau- 
fen. Meist deckt der Verlag mit der Zahlung der Autorin seine gesamten  
Kosten ab. Für AutorInnen, die ihre Bücher auf selbst organisierten  
Lesungen zum vollen Preis weiterverkaufen können, kann sich dieses  
Modell rechnen. Ich persönlich würde mich jedoch an die Honorarempfeh- 
lungen des Verbandes deutscher Schriftsteller halten (10 Prozent bzw.  
6 Prozent vom Nettoverkaufspreis als Honorar).  

[Eine aktuell recherchierte Liste von Verlagen, die Lyrik veröffentli- 
chen, und weitere Informationen zum Verlagsvertrag sowie zum Book on  
Demand als Alternative finden sich in der soeben erschienenen 2. Auf- 
lage von Martina Webers Buch: "Zwischen Handwerk und Inspiration. Ly- 
rik schreiben und veröffentlichen", Uschtrin Verlag. - die Red.] 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Martina Weber ist Autorin und Herausgeberin des Buches "Zwischen Hand- 
werk und Inspiration. Lyrik schreiben und veröffentlichen", dessen 2.  
Auflage Ende in diesen Tagen herauskommt. Einige ihrer Gedichte finden  
sich unter http://www.poetenladen.de/martina-weber.html.  


********************************************************************* 
FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH: 
--------------------------------------------------------------------- 
             Oliver Pautsch (drehbuch at experte pt autorenforum pt de) 

Frage: 
Wie und wo kann man Drehbuchschreiben lernen? 


Antwort: 
Drehbuchschreiben kannst du an Filmschulen oder Universitäten mit  
Fachbereich Film / Fernsehen lernen. Wenn du die dazu gehörigen Beg- 
riffe bei Google suchst, wirst du sicher fündig. 

Hier in Köln bietet zum Beispiel die Internationale Filmschule einen  
Studiengang für angehende Drehbuchautoren an:  
http://www.filmschule.de/index01.html 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,  
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft. Spä- 
ter ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber  
direkt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für Kurz- 
filme, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.  
http://www.drehbuchautoren.de/Autoren/meinautor.php?ID=164 


+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ 
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen  
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn- 
ter Mail kommt! 
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ 

Einsendeformalien: 
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück- 
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt  
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.  

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:  
beitrag at team pt autorenforum pt de. 

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet  
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse  
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html. 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
                        I M P R E S S U M 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
Herausgeber:  
   Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de  
   Gabi Neumayer                redaktion at team pt autorenforum pt de 
   Stefan Schulz                     webmaster at autorenforum pt de 
   Thomas Roth-Berghofer  
                    Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
"The Tempest" ist ein kostenloser Newsletter für Autorinnen und Auto- 
ren. Abonnenten sind herzlich aufgefordert, den Newsletter weiter- 
zugeben oder nachzudrucken, solange alle Urheberrechte beachtet werden  
(Näheres s. http://www.autorenforum.de/?UeberUns/Impressum) und der  
VOLLSTÄNDIGE Newsletter weitergegeben wird. Ansonsten bitten wir dar- 
um, mit der Redaktion Kontakt aufzunehmen.  

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung  
der Redaktion wieder. Zugesandte Artikel können von der Redaktion be- 
arbeitet und gekürzt werden. 

Für unverlangt eingesandte Beiträge wird keine Haftung übernommen. Das  
Recht zur Veröffentlichung wird prinzipiell vorausgesetzt. Alle bei  
autorenforum.de veröffentlichten Beiträge, Grafiken und Bilder sind  
urheberrechtlich geschützt und dürfen nur mit vorheriger Einwilligung  
von autorenforum.de bzw. der Einwilligung des verantwortlichen Au- 
tors/der verantwortlichen Autorin nachgedruckt oder anderweitig wei- 
terverwendet werden. 

Auf die Gestaltung der Links haben wir keinen Einfluss. Die Inhalte  
der verlinkten Seiten machen wir uns nicht zu Eigen. 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 
Anschrift:   autorenforum.de 
             c/o Roth-Berghofer 
             Schneidmühlgasse 1-3 
             67655 Kaiserslautern 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.