Ausgabe 1-2 (20. Dezember 1999)

Marketingideen
Autorenwissen:
    "Wie gründe ich eine Schreibgruppe?" von Ute Hacker
    "Jedem Autor sein eigener Verlag" von Bjørn Jagnow
Schreibkurs: "Dialog – Teil 1"
Buchbesprechung:
    "Word für AutorInnen. Kreatives Schreiben mit dem PC"
    von Horst-Dieter Radke
    "Wie finde ich den richtigen Verlag?"
    von Kristiane Allert-Wybranietz
Interview mit Sandra Uschtrin
Frag die Sachbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Kinderbuchexpertin (Gabi Neumayer)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

leicht verspätet präsentieren wir erneut einen prall gefüllten News-
letter. Der letzte Monat war ziemlich spannend. Wir haben viele Zu-
schriften von euch bekommen und bedanken uns recht herzlich für das
große Lob, das ihr uns ausgesprochen habt. Wir werden uns bemühen,
eurem Vertrauen gerecht zu werden.

Gleich zwei Rubriken sind in dieser Ausgabe des Tempest neu vertre-
ten. Unter der Rubrik "Marketingideen" wollen wir Tipps und Tricks
präsentieren, wie ihr eure Werke besser verkaufen könnt. Wir würden
uns freuen, wenn ihr unserem Aufruf folgt und euer Wissen mit allen
Lesern teilt.

Der "Echo-Service" ist nun zum ersten Mal in der Online-Version des
Tempest verfügbar. Wir hoffen, dass er ebenso beliebt sein wird wie
in den gedruckten Ausgaben.

Personelle Veränderungen können wir auch schon vermelden: Gabi Neu-
mayer, schon seit Jahren für das Autorenforum tätig, wurde fest in
das Redaktionsteam aufgenommen. Sie wird in Zukunft unter anderem die
Rubrik Marketingideen betreuen.

Auch das Team der Expertinnen und Experten konnten wir verstärken:
Ute Hacker beantwortet eure Fragen zum Thema Schreibgruppen. Bjørn
Jagnow ist für Fragen zu den kaufmännischen, technischen und rechtli-
chen Seiten des Verlagswesens zuständig. Als Dritter im Bunde beant-
wortet Titus Müller eure Fragen zur Lyrik und zum historischen Roman.
Einige weitere Experten werden im nächsten Jahr noch hinzukommen.

Im nächsten Jahr werden wir auch die Rubrik "Schreibkurs" wieder mit
Leben füllen. Aktuelles Thema wird der Dialog sein, den wir ab der
nächsten Ausgabe behandeln werden.

Wir wünschen euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins
neue Jahr.

Thomas Roth-Berghofer
Chefredakteur

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ISSN 1439-4669 Copyright 1999 Autorenforum. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
Editorial
Inserate
Echo-Service
Termine
Marketingideen
Autorenwissen:
"Wie gründe ich eine Schreibgruppe?" von Ute Hacker
"Jedem Autor sein eigener Verlag" von Bjørn Jagnow
Schreibkurs: "Dialog – Teil 1"
Buchbesprechung:
"Word für AutorInnen. Kreatives Schreiben mit dem PC"
von Horst-Dieter Radke
"Wie finde ich den richtigen Verlag?"
von Kristiane Allert-Wybranietz
Interview mit Sandra Uschtrin
Frag die Sachbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Kinderbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Impressum

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INSERATE:
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MASKENBALL - Die Zeitschrift für Lyrik und mehr!
Monatliche Erscheinung! 20 bis 40 Autoren werden regelmäßig veröf-
fentlicht. Probeheft gegen 3,-DM in Briefmarken!
Maskenball c/o Jens Neuling, Postfach 12 61, D-63514 Rodenbach
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Kostenlos gibt es den ultimativen E-Newsletter für den Themenkreis
Drehbuch und Projekt Development. Bisher als Printmagazin, jetzt als
Newsletter. Zwei bis dreimal die Woche. Die aktuellen news aus dem
Film Biz natürlich inbegriffen.
Wie’s geht. Na, das wissen Sie doch selbst: Eine kleine E-Mail mit
dem Zauberwort "subscribe" an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Und schon Sind Sie da-
bei. Über Tausend Empfänger nach über 50 Ausgaben können nicht irren.
Der "film-dienst" schreibt: "Sehr eifrig und informativ füllt der
plot point newsletter seit einigen Wochen die elektronischen Brief-
kästen. Speziell für Drehbuchautoren werden ausführliche Seminare
vorgestellt und Softwareempfehlungen gegeben. Der Newsletter des
"Fachmagazins für Script & Projekt Development" ist jedoch nicht nur
für den Kreis der Autoren interessant. Besprechungen von Filmlitera-
tur, Szene-Meldungen oder medienpolitische Nachrichten sind ebenso
enthalten. Auch Aktuelles, etwa aus dem Bereich Filmförderung findet
sich, mit Adressen, Telefonnummern oder Links..."
plot point, Fachmagazin für Stoff & Projekt Development, Zimmermann-
straße 5, D-30453 Hannover, Fon: 0179/2929898, Fax: 040/3603191310,
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Das Journal - Die neue Online-Zeitschrift für Literatur hat die
Adresse http://mitglied.tripod.de/dasjournal/Kultur/literatur.htm.
Zum Angebot gehören ein Forum und ein Buch-Shop, in dem Autoren Ihre
Werke zum Kauf anbieten können.

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Das sagen Leser zum E-Book "Wie man gute Gedichte schreibt":
"Es ist wirklich anders als diese schwierigen Bücher zum gleichen
Thema." (Ingrid Peller, Hermsdorf)
"Für Gedichteschreiber eine gute Auffrischung der Theorie, dabei aber
ohne germanistischen Schnick-Schnack und daher einfach zu lesen. Die
7,80 DM ist es allemal wert." (Erich Romberg,
http://www.literatur.org)
Mit über 30 Beispielen und einem Index. Lest ein Probekapitel oder
bestellt gleich hier: http://www.federwelt.de


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ECHO-SERVICE:
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"Anfänger oder nicht - lasst uns einen Story-Workshop starten!!
Wir wollen schreiben, kritisieren, redigieren und ... verlegen?! Arno
Behrend hat die Tugenden im ersten Tempest sehr schön beschrieben: es
gibt nichts Gutes, außer man tut es! Also ich stelle mir eine Gruppe
Gleichgesinnter vor, welche auf APA-Basis (gesammelte Werke Aller
werden an alle Mitglieder verschickt, in der nächsten Ausgabe er-
scheinen Kritiken, neue Geschichten etc..) regelmäßig (mit Thema oder
ohne) die eigenen Werke "herausbringt".
Selber bin ich blutiger Anfänger, zeitlich nicht sehr üppig ausges-
tattet aber mit einer langen Leidenschaft fürs Schreiben und reich-
lich Platz auf der Festplatte.
Wenn Ihr Euch ähnlich fühlt und vor allen Dingen lernen wollt (Kritik
austeilen und reichlich einstecken), meldet Euch! Freiwillige, die
etwas mehr Zeit zum Organisieren haben, dürfen sich an dieser Stelle
herzlich gerne einbringen."
Thomas Weller, mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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TERMINE:
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(siehe http://autorenforum.de/links/termine/index.html)

20. bis 24. Januar 2000
Seminar "Vom Exposé zum Treatment"
Veranstalter: Medien und Kulturarbeit e. V.

11. bis 13. Februar 2000
Literaturwerkstatt "Lyrik der Neunziger - Wie geht’s weiter?"
Mit Norbert Hummelt und Dr. Olaf Kutzmutz, Köln.

18. bis 20. Februar 2000
Seminar "Nicht von dieser Welt? Der Sciencefiction-Roman"
Mit Klaus N. Frick, Redakteur bei "Perry Rhodan", und
Andreas Eschbach, Sciencefiction-Autor (und Sciencefiction–
Experte im Autorenforum).

März bis September 2000
"Stoffentwicklungsprogramm STEP BY STEP 2000"
Veranstalter: Master School Drehbuch

13. bis 16. April 2000
Seminar "Chaos im Zeitgefüge - Modernes filmisches Erzählen"
Mit Michael Lukoschek und André Kunz, München.

20. bis 22. Oktober 2000
Seminar "Nicht von dieser Welt? Die Sciencefiction-
Kurzgeschichte"
Mit Klaus N. Frick, Redakteur bei "Perry Rhodan", und
Robert Feldhoff, Exposé-Autor der "Perry Rhodan"-Serie.

Webtipp:
Das ZDF bietet unter http://www.zdf.de/escript Informationen zum
Thema Drehbuchschreiben an.


AUSSCHREIBUNGEN:
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(siehe http://autorenforum.de/links/termine/index.html)

Die folgenden Ausschreibungen entnahmen wir mit freundlicher
Genehmigung dem Newsletter des Literaturbüros Peter H. Gogolin,
http://www.ph-gogolin.de.

31. März 2000
Berliner Aufbau-Verlag vergibt Romanpreis
Der 1998 vom Berliner Aufbau Verlag ausgeschriebene "neue
deutsche literaturpreis" wird für das Jahr 2000 in der Sparte
"Roman" vergeben. Das Preisgeld beträgt 20.000,-- DM.
Gefördert werden sollen deutschsprachige Autoren und
Autorinnen, die mit sprachlicher Meisterschaft und in
künstlerisch gelungener Konstruktion eine emotional spannende
Geschichte für einen großen Leserkreis erzählen. Kontakt:
Aufbau Verlag GmbH, Neue Promenade 6, 10178 Berlin, Telefon
030-2 83 94-0. Einsendeschluss für unveröffentlichte
Manuskripte ist der 31. März 2000.

31. März 2000
Heinrich-Vetter-Preis
Die Freie Akademie der Künste Mannheim schreibt einen Preis
für literarische, essayistische und wissenschaftliche Texte
zur Zäsur der Jahrtausendwende aus. Der mit 10.000,-- DM
dotierte Preis ist benannt nach Heinrich Vetter,
Ehrenmitglied und Mäzen der Mannheimer Akademie. Teilnehmen
können Autorinnen und Autoren bis zum 35. Lebensjahr mit
bisher unveröffentlichten Arbeiten. Die Texte sollen sich
substantiell mit einem bedeutsamen politischen, kulturellen
oder wissenschaftlichen Thema auseinandersetzen, das die
kommende Jahrtausendwende und ihre kulturell-historische
Bedeutung zum Inhalt hat. Die Arbeiten müssen in vierfacher
Ausführung anonymisiert und mit einem Kennwort versehen
eingesandt werden. Kontakt: Freie Akademie der Künste
Mannheim, U 3, 1, 68161 Mannheim, Telefon: 0621-1 22 40 07.
Einsendeschluss ist der 31. März 2000.

30. April 2000
Wiener Werkstattpreis
Für die Bewerbung um den Wiener Werkstattpreis können zum
Thema "Untergänge/Übergänge" bis zu fünf Seiten Prosa oder
zehn Gedichte eingesandt werden an Wiener Werkstattpreis
/ Peter Schaden, Postfach 82, A-1195 Wien. Der Preis
ist mit 2.000,-- Euro dotiert. Die Bedingungen können
auch auf der Homepage des Wiener Werkstattpreises eingesehen
werden: http://www.geocities.com/-freie_zeit_art
Einsendeschluss ist der 30. April 2000.


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MARKETINGIDEEN:
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Gabi Neumayer [mailto:marketing.ideen at autorenforum punkt de]

Autorinnen und Autoren schreiben, basta. Warum sollten sie sich auch
noch mit Vermarktung beschäftigen? Sind dafür nicht ausschließlich
die Agenturen und Verlage zuständig?

Antwort 1: Autorinnen und Autoren sollten sich mit Vermarktung be-
schäftigen, weil das, was sie schreiben, ansonsten kaum je veröffent-
licht werden wird.

Wer etwas schreibt und es veröffentlichen will, muss das Geschriebene
jemandem - einem Verlag, einer Lektorin, einem Zeitungsredakteur -
anbieten. Damit der Roman, der Artikel, das Gedicht usw. von diesen
Personen überhaupt für eine Veröffentlichung in Erwägung gezogen
wird, muss man sie erst einmal dazu bringen, den Text zumindest anzu-
lesen. Und eben das erreicht man maßgeblich durch eine erste "Werbe-
anstrengung": das Begleitschreiben zum Text, das bereits darüber ent-
scheiden kann, ob ein Text überhaupt (an)gelesen wird.

Wer ein Sachbuchprojekt plant, muss sogar noch einiges mehr im Vor-
feld leisten. Da das Buch in der Regel noch nicht geschrieben ist,
muss man mit Brief, Exposé und Textprobe/n jemanden für ein Buch zu
begeistern versuchen, das bislang nur als Idee existiert.

Grund genug für Schreibende, sich mit Selbstmarketing zu beschäfti-
gen? Aber es gibt noch mehr Gründe:

Antwort 2: Autorinnen und Autoren sollten sich mit Vermarktung be-
schäftigen, weil es - auch nach der Veröffentlichung - sonst kaum je-
mand tut.

Das ist sicher etwas krass ausgedrückt - manche Verlage tun wirklich
einiges für Ihre Autoren und für deren Bücher. Aber wenn man nicht
schon berühmt ist, kann man da selten viel erwarten. Und viele Verla-
ge scheinen ein Buch nach Erscheinen eher möglichst geheim halten zu
wollen, wenn man ihre fehlenden Werbungsanstrengungen betrachtet ...

Egal, ob der Verlag viel oder wenig Werbung für ein Buch macht: Kein
Autor, keine Autorin sollte darauf verzichten, selbst etwas für den
Verkauf des eigenen Buches zu tun! Ob durch Lesungen, Informationen
an Multiplikatoren, Platzierung von Rezensionen ...

In dieser Rubrik stellen wir euch wirkungsvolle Möglichkeiten dafür
vor - Ideen, die viel bringen können, aber in der Regel wenig oder
gar keine Kosten verursachen.

Wie alle Rubriken kann auch diese auf Dauer nur hilfreich sein, wenn
ihr mitarbeitet: Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Welche Tipps
habt ihr auf Lager? Wo und wie werbt ihr für eure Bücher? Welche Er-
fahrungen habt ihr mit verschiedenen Anschreiben gemacht? Welches
Feedback habt ihr bekommen? Wie knüpft ihr Kontakte, die euch beim
Vermarkten eurer Bücher helfen? und und und ... Schreibt uns!
[mailto:marketing.ideen at autorenforum punkt de]

Und wer meint, dass es sinnvoll ist, gute Tipps für sich zu behalten,
sollte dreierlei bedenken:
- Wenn niemand seine Tipps teilt, bekommt auch niemand welche
(und wir könnten den "Tempest" bald einstellen ...).
- Ein Hamburger, der Werbung für sein Kinderbuch macht, tritt kaum in
direkte Konkurrenz zu einer Düsseldorferin, die ihren Elternrat-
geber bekannt machen will - aber viele Methoden können beiden
helfen.
- Manche gute Werbemaßnahme sollte man gemeinsam mit anderen
durchführen - weil es billiger oder wirkungsvoller ist.
Gleichgesinnte wird man aber kaum finden, wenn man Ideen
eifersüchtig hütet ...

Also: Teilt eure Tipps und Erfahrungen - und profitiert im Gegenzug
von denen der anderen! [mailto:marketing.ideen at autorenforum punkt de]


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AUTORENWISSEN:
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mailto: Ute Hacker [Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]


Wie gründe ich eine Schreibgruppe?

Da ich selbst immer wieder von angehenden AutorInnen gefragt werde,
wie das mit der Autorinnengruppe München (AGM) angefangen hat, möchte
ich in einer kleinen Serie die Möglichkeiten aufzeigen, wie und wo
man Gleichgesinnte finden kann, wie man eine Schreibgruppe ins Leben
ruft und vor allem, wie man sie am Leben erhält. Dazu erhielten wir
auch folgende Leserfrage:

"Arno Behrend hat in seinem Artikel mit vielen Dingen sicher Recht -
klein anfangen, Kritik assimilieren etc. Als eine mögliche Lösung ist
dort die ’Story Factory’ genannt. Da ich mich aber eher bei anderen
Genres einordne (Liebesromane, vielleicht Thriller, Krimi oder auch
Zeitgeist), ist für mich die Art und Weise (APA) absolut einleuch-
tend, der Themenkreis aber außerhalb meiner Welt. Gibt es so was
nicht auch für Leute wie mich?"

Leider weiß ich nicht, wo du wohnst, weshalb ich dir nicht sagen
kann, ob es in deiner Nähe Schreibgruppen, Arbeitskreise oder Ähnli-
ches gibt. In München jedenfalls gibt es beinahe schon ein Überange-
bot an Workshops, Creative-Writing-Kursen und natürlich auch diversen
Schreibgruppen unterschiedlichster Richtung, so dass mit Sicherheit
für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Die meisten Münchner Schreibgruppen sind berühmt – und berüchtigt –
für die gnadenlose Kritik, die beinahe jedem Autor, der es wagt,
ihr/sein Werk vorzutragen, entgegenschlägt. Obwohl ich selbst nie
Mitglied einer solchen Gruppe war, stand für mich von vornherein
fest, dass eine Gruppe, in der so respektlos miteinander umgegangen
wird, nicht für mich in Frage kommt.

Noch während ich auf der Suche nach einer Alternative war, nahm ich –
eher durch einen glücklichen Zufall – an einem VHS-Kurs zum Thema
Reisebericht teil. Der Dozent überzeugte mich mit seiner Art, weshalb
ich gleich noch einen Creative-Writing-Kurs belegte. Und dort fand
ich vier Frauen, die noch heute Mitglied der Autorinnengruppe München
(AGM) sind. Heute weiß ich, dass dieser Kurs ein seltener Glücksfall
war. Selten habe ich eine Gruppe getroffen, die so sehr miteinander
harmonierte. Ich nahm Monate später an einem Krimiseminar des glei-
chen Dozenten teil und floh nach einem halben Tag ob der Arroganz der
Teilnehmer.

Was mich an diesem Creative-Writing-Kurs so faszinierte, war die Tat-
sache, dass es weniger um die Inhalte der während des Kurses entstan-
denen Texte ging, sondern um die gegenseitige Motivation. Der Kurs
begann am Freitagabend, und natürlich waren alle Teilnehmer vollkom-
men geschafft von der Woche. Doch die drei Stunden an diesem Abend
hatten allen so gut gefallen, dass wir Samstag- und Sonntagmorgen
hoch motiviert vor der Türe standen.

Nach diesem Kurs wusste ich: So muss meine Schreibgruppe beschaffen
sein. Aufgrund diverser Mitgliedschaften in buchorientierten Vereinen
kannte ich etwa 15 Frauen, die schreiben bzw. am Schreiben interes-
siert waren. Da ich gerne selbst die Initiative ergreife, schlug ich
kurz entschlossen diesen Frauen ein erstes, informatives Treffen vor.

Bislang hatte ich mit reinen Frauengruppen eher negative Erfahrungen
gemacht und überlegte daher sehr lange und gründlich, ob ich nicht
eine gemischte Gruppe ins Leben rufen sollte. Doch meine – damals
noch jungen – Erfahrungen als Autorin bestätigten mir, dass vor allem
schreibende Frauen in Deutschland Unterstützung benötigen, weshalb
ich schließlich im April 1997 die AGM gründete.

Die Frage: Wo finde ich Gleichgesinnte? kann ich also nicht generell
beantworten. Will man nicht selbst eine Gruppe ins Leben rufen – und
dieser Schritt muss sehr gut überlegt sein – bleibt eigentlich nur
eines: Suchen. Sei es in VHS-Kursen, in bereits existierenden Gruppen
oder auch im Internet. Es kommt einfach auch darauf an, was man
selbst von einer Schreibgruppe erwartet. Ich versuche seit Jahren,
ein AutorInnen-Netzwerk in Deutschland aufzubauen, bin jedoch bisher
vor allem aus Zeitgründen gescheitert. Vielleicht kann ja das Auto-
renforum als zentrale Anlaufstelle dienen, um gleichgesinnten Auto-
rInnen Informationen zu bereits existierenden oder noch zu gründenden
Schreibgruppen zukommen zu lassen. Ich würde mich als Vermittlerin
zur Verfügung stellen.


Was muss ich vor der Gründung einer Schreibgruppe bedenken?

Eine Gruppe, egal welcher Zielrichtung, ist schnell ins Leben geru-
fen. Entscheidend für den Fortbestand der Gruppe ist zum einen eine
gute Organisation sowie eine bestimmte Zielrichtung. Wie unser Leser
schon anmerkte, sind zwar die von Arno Behrend genannten Workshops
und Factories durchaus sinnvoll, doch was nützt mir das, wenn ich
nicht SF-Autor bin? Und eine Lyrikerin würde sich in einer Krimi-
Gruppe sicher nicht wohlfühlen. Das heißt jedoch nicht, dass man sich
auf ein Genre festlegen muss. Wichtig ist vor allen Dingen, dass alle
Mitglieder der Gruppe mehr oder weniger das gleiche Ziel verfolgen.
Und das kann auch nur der Spaß am Schreiben sein. Oder man will ge-
meinsam ein Buch schreiben. Es gibt hier unendlich viele Variations-
möglichkeiten.

Meine Ziele bei Gründung der AGM waren: Frauen zum Schreiben motivie-
ren, der Erfahrungsaustausch – sowohl beim Schreiben als auch mit
Verlagen, LektorInnen etc. – und deutsche Autorinnen in der Verlags-
landschaft bekannter machen. Natürlich hat sich das in der Zwischen-
zeit etwas verändert, denn die Gruppe ändert sich laufend und damit
auch der Anspruch, doch dazu später mehr.


Es gibt da noch ganz banale Dinge zu bedenken wie:


- Wo treffen wir uns?

In einem Café? Das kann unter Umständen zu laut, zu rauchig, auf Dau-
er zu teuer sein.

In einer Wohnung? Dann hat derjenige jedes Mal die Arbeit (und even-
tuell auch hinterher den Dreck).
In einem anzumietenden Raum? Auch das kann auf Dauer sehr teuer wer-
den.

Die AGM trifft sich in einem am Wochenende unbenutzten Lehrerzimmer,
das uns eine Schule netterweise kostenlos zur Verfügung stellt. Na-
türlich ist eine der Lehrerinnen Mitglied der Gruppe.


- Wie groß soll die Gruppe mindestens/maximal sein?

Meine Erfahrung zeigt, dass eine Größe zwischen 8 und 12 Leuten opti-
mal ist, doch im Prinzip muss das ausprobiert werden.
Die AGM hat derzeit 11 feste Mitglieder.


- Welche Struktur soll die Gruppe haben?

Eine offene, d. h. es sind jederzeit neue Leute willkommen, es gibt
feste Termine, wer Zeit und Lust hat, kommt, wer keine hat, kommt
nicht.
Eine geschlossene, d. h. es gibt eine feste Anzahl von Mitgliedern,
die sich regelmäßig treffen (z. B. die AGM, mehr dazu weiter unten).


- Wann treffen wir uns?

Am Abend? Da bleibt nicht viel Zeit zum Schreiben.

Am Wochenende? Da wollen viele einfach nur ihre Ruhe haben, dennoch
ist diese Variante vorzuziehen, da sie ausreichend Zeit lässt, auch
mal eine länger angelegte Schreibübung durchzuführen.

Die AGM trifft sich alle 6-8 Wochen an einem Samstag von 10 bis 17
Uhr mit einstündiger Mittagspause.


- Wie häufig treffen wir uns?

Einmal pro Woche, wie das bei den meisten Gruppen in USA üblich ist?
Das kann ganz schnell in Stress ausarten, wäre jedoch bei einem a-
bendlichen Treffen von ca. 3-4 Stunden Dauer durchaus sinnvoll.

Einmal pro Monat/Quartal? Auch hier muss einfach ausprobiert werden,
was für die meisten Mitglieder der Gruppe sinnvoll ist (alle wird man
selten unter einen Hut bekommen!).

- Wer organisiert den Raum, den Ablauf etc?

Zumindest der Treffpunkt muss organisiert werden, und wenn’s nur eine
Tischreservierung ist.

Der Ablauf hängt stark von der Struktur der Gruppe ab. Eine offene
Gruppe wird vermutlich vor allem spontanen Ideen der jeweiligen Anwe-
senden folgen, eine geschlossene Gruppe hat eventuell einen festen
Plan.


Das erste Treffen

Da die Autorinnengruppe München eine geschlossene Arbeitsgruppe mit
einem festen Arbeitsziel ist, werde ich vor allem auf diese Struktur
eingehen. Hie und da werde ich jedoch auch den einen oder anderen
Kommentar zur offenen Struktur abgeben. Und natürlich sind Fragen je-
derzeit herzlich willkommen.

Man hat nun ein paar Gleichgesinnte getroffen und sich entschlossen,
eine Schreibgruppe zu gründen. Der Termin ist vereinbart, der Raum
organisiert, die Zusagen eingetroffen. Wie soll das erste Treffen ab-
laufen?

Es ist unwahrscheinlich, dass sich bereits alle InteressentInnen –
und mehr sind sie erst einmal nicht – kennen. Deshalb ist eine aus-
führliche Vorstellungsrunde ein absolutes Muss. Persönliche Details
sind hier weniger wichtig als die Erwartungen an die Gruppe, die je-
de(r) mitbringt. Gehen wir davon aus, dass es eine Schreibgruppe sein
soll, die durch gemeinsame Arbeit und gegenseitige Kritik versuchen
will, den eigenen Schreibstil zu verbessern, eine Schreibblockade zu
überwinden, endlich den seit Jahren in der Schublade liegenden Roman
zu Ende zu schreiben. Die meisten InteressentInnen werden also darauf
hoffen, dass die anderen ihnen zuhören, dass sie konstruktive Kritik
üben, dass sie tolerant ihnen gegenüber sind.

Nach der Vorstellungsrunde müssen die organisatorischen Fragen ge-
klärt werden (s. o.). Wichtig vor allem: Bleibt die Organisation an
einer Person hängen, oder wird sie auf alle aufgeteilt? Wichtig au-
ßerdem die Tatsache: Schreiben ist ein äußerst zeitintensives Hobby.
Die InteressentInnen sollten sich darüber im Klaren sein, worauf sie
sich einlassen. Wie gesagt, wir sprechen von einer geschlossenen Ar-
beitsgruppe, die sich regelmäßig trifft.

Sind diese allgemeinen Fragen geklärt und es ist noch Zeit übrig,
können die ersten Schreibübungen gemacht werden, z. B.: Jeder sagt
ein Wort und muss dann innerhalb von fünf Minuten eine Geschichte
schreiben, in der all diese Worte vorkommen. Diese Geschichten werden
anschließend vorgelesen, ohne jedoch kritisiert bzw. beurteilt zu
werden. Das macht Spaß, bringt in der Regel lustige Geschichten,
schafft ein erstes Zusammengehörigkeitsgefühl ohne den Zwang, sich
einem wildfremden Menschen ausliefern zu müssen.

Dann bleibt nur noch, den nächsten Termin und Treffpunkt zu vereinba-
ren, und damit ist das erste – und in der Regel schwierigste – Tref-
fen vorbei.


Im nächsten Tempest:
- Wie bringe ich die Gruppe über die ersten Hürden?
- Wie schaffe ich Vertrauen?
- Wo finde ich Ideen für Schreibübungen?

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Ute Hacker schreibt unter mehreren Pseudonymen, darunter Krimis als
Billie Rubin, und hat 1997 die Autorinnengruppe München gegründet,
die sie seither auch leitet. Vor einigen Wochen ist die zweite Antho-
logie der Gruppe – Road Roulette - erschienen und kann bei Ute bezo-
gen werden. Mehr Informationen dazu auf http://www.utehacker.de.


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AUTORENWISSEN:
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Bjørn Jagnow [mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

Jedem Autor sein eigener Verleger
"Bücher auf Verlangen"

Dass es Verlage überhaupt gibt, hat weder etwas mit Kulturarbeit noch
mit Literaturförderung zu tun. Verlage gibt es, weil die klassische
Druckproduktion Geld in einer Menge erfordert, die Autoren üblicher-
weise nicht übrig haben.

Für Bücher, die zu einem akzeptablen Preis angeboten werden sollen,
müssen im industriellen Druck große Auflagen hergestellt und gelagert
werden. Die Kosten summieren sich schnell in gewaltige Höhen und wür-
den einen einzelnen Finanzier schneller zugrunde richten als Geld aus
dem Verkauf zurückfließen kann. – Dieses Dilemma ist der Grund, warum
es Verlage gibt.

Heute hat sich ihre Existenz so weit verfestigt, dass sie manchem als
Kulturinstanz gelten. Gute Manuskripte werden verlegt, schlechte her-
ausselektiert – so verkündet es selbst der Börsenverein des deutschen
Buchhandels und verdeckt damit nur, worum es wirklich geht: um Kapi-
talrenditen und Nettoreinerlöse.

Abgewiesenen Autoren können sich glücklicherweise Alternativen er-
schließen, um auch ohne größere Geldsummen "verlegt" zu werden. Jen-
seits von Druckkostenzuschuss und klassischem Selbstverlag bietet
"book on demand" neue Möglichkeiten.

"Buch auf Verlangen" lässt die industrielle Massenproduktion hinter
sich. Die Reihenfolge Herstellung – Auslieferung – Verkauf wird
gründlich durchgewirbelt, denn bei "book on demand" wird nur das Buch
gedruckt, das auch verkauft wurde. Die neue Ordnung lautet Verkauf –
Herstellung – Auslieferung.

Technisch möglich ist dies durch die digitale Verarbeitung des Manu-
skripts. Beim Eingang einer Bestellung erfolgt die Druckanweisung aus
einer Satzdatei an die Maschine. Am Produktionsende steht ein ferti-
ges Buch: sortiert, gebunden, beschnitten und mit Einband. Menschli-
che Eingriffe sind weder nötig, noch beabsichtigt – schließlich muss
schnell und vor allem günstig produziert werden. Der Besteller wartet
schließlich auf sein Buch. Ob er es von einem Verlag erhält oder von
der Druckerei des Autors ist dabei uninteressant. Im Vordergrund
steht der Service.

Gerade deshalb ist "book on demand" eine Alternative für Autoren.
Herstellung und Vertrieb verursachen im engeren Sinne nur dann Kos-
ten, wenn auch eine Bestellung vorliegt. Bei entsprechender Preiskal-
kulation gibt es keine Verluste und kein Risiko.

Allerdings funktioniert das Konzept auch nur bei strikter Einhaltung
der Grundidee, d.h.
- reprofähige Satzdateien
- problemlose Bestellmöglichkeit
- automatisierte Produktion nur bei Bedarf
- reibungslose Auslieferung direkt an den Besteller oder
seine Buchhandlung
- standardisierte Zahlungsabwicklung.
Jeder Zusatzaufwand stürzt das Konzept von den Beinen. Die Kosten
explodieren oder die Abwicklung funktioniert einfach nicht. Was nützt
die schnelle Produktion, wenn es kein Auslieferungssystem gibt? Wie
sollen die Kosten gedeckt werden, wenn die Zahlung des Bestellers
nicht sichergestellt ist?

Angesichts dieser Fragen reduziert sich die anfangs riesige Palette
der Anbieter von "book on demand" stark. Die reine Produktion kann
jeder Besitzer entsprechender Maschinen anbieten. Demnach werben et-
liche Druckereien mit dem Schlagwort "book on demand". Doch vielen
krankt es an der Anbindung zum klassischen Buchhandel. Und als Ver-
sandobjekt über den Postweg entstehen deutliche Zusatzkosten. Zusam-
men mit der dann nötigen Vorauskasse oder offenen Rechnung sind
marktübliche Preise für ein Buch auf diese Weise kaum noch zu reali-
sieren.

Gesucht ist also eine integrierte, auf den Buchhandel zugeschnittene
Lösung, damit der Autor tatsächlich eine Chance für sein Werk ge-
winnt. – Derzeit gibt es dafür nur zwei nennenswerte Anbieter.

Zum Einen ist dies der Buchhandelsgrossist Libri unter
http://www.bod.de. Abgesehen von einer Grundgebühr und einer geringen
Monatspauschale entstehen Kosten tatsächlich "on demand" – gedeckt
von einer entsprechenden Bestellung.

Im Grundbetrag enthalten ist die Aufnahme in den Katalog des Grossis-
ten, womit ein erster Schritt in Richtung Buchhandelsabsatz getan
ist. Wirksamer ist aber die zusätzliche Investition in ISBN und Ein-
trag im Verzeichnis lieferbarer Bücher. Das Angebot von
http://www.bod.de ist auch hier fair – nur wenn man mehrere ISBN be-
nötigt, kommt man mit einer Direktbestellung bei der ISBN-Agentur
billiger.

Die Vorteile der ISBN und des VLB liegen auf der Hand. Das Buch ist
nicht nur im Katalog eines Großhändlers enthalten, sondern in jeder
Buchhandlung auffindbar. Zudem ist es dann möglich, das Buch kosten-
los in den Amazon-Katalog einzutragen und somit die Präsenz beim Le-
ser weiter auszubauen.

Libris bod liefert und rechnet reibungslos mit dem Buchhandel ab. Für
jedes verkaufte Exemplar erhält der Autor die Differenz aus Einnahmen
und Kosten. Das System ist einfach und transparent. Die Qualität der
hergestellten Druckwerke ist verglichen mit der klassischen Herstel-
lung zwar bemerkbar einfacher, aber Druckbild und Verarbeitung sind
gut genug. Der farbige Umschlag gehört bereits zum Standardangebot.

Der andere Anbieter im Rennen ist eine Kooperation aus Bertelsmann
und Xerox. Das Tochterunternehmen Mohn Media des Gütersloher Konzerns
bietet unter http://www.mohnmedia.de ebenfalls "book on demand" an.
Die Situation ist ähnlich wie bei Libri. Auch ohne ISBN und VLB kön-
nen Bestellungen über die Verlagsauslieferung VVA abgewickelt werden.
Die Gütersloher geben ihre Preise jedoch weniger offenherzig bekannt
als http://www.bod.de. Somit bleibt die Wahl eine Einzelfallprüfung.

Xerox erwartet, dass der Anteil von "book on demand" in naher Zukunft
die 30%-Marke erreicht. Bislang sind es nur 10%, die von Autoren und
Verlagen auf diese Weise gedeckt werden. "book on demand" ist nämlich
nicht nur eine Alternative für Autoren, sondern auch bei Verlagen für
Kleinauflagen, ältere Titel oder Einzelausgaben von Interesse.

Was bei dieser euphorischen Aussage gern vergessen wird – auch books
on demand verkaufen sich nicht von allein. Inwieweit der Autor aber
geeignete Möglichkeiten zu Werbung und Pressearbeit hat, muss er
selbst beurteilen.

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Bjørn Jagnow, Jahrgang 1972, gelernter Verlagskaufmann und Buchhänd-
ler, Weiterbildung zum Verlagsfachwirt (Marketing). Zahlreiche Wohn-
ortswechsel innerhalb Deutschlands und Irlands. Als Autor im Bereich
Belletristik (Fantasy, Sciencefiction, Horror) und Verlagswesen,
Buchhandel, Marketing hat er unter anderem bei Heyne, Bastei-Lübbe
und in c’t Magazin für Computertechnik veröffentlicht.


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BUCHBESPRECHUNG:
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mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

"Word für AutorInnen. Kreatives Schreiben mit dem PC"
von Horst-Dieter Radke

Wer mit dem PC noch nicht so gut vertraut ist, ihn aber fürs kreative
Schreiben nutzen möchte oder muss, findet Hilfe in diesem Ratgeber.
Einfach und verständlich, mit vielen Abbildungen und genauen Schritt-
für-Schritt-Anleitungen können sich PC-Neulinge in diesem Buch mit
allen wichtigen und hilfreichen Funktionen fürs Schreiben vertraut
machen. Aber auch Fortgeschrittene werden einiges finden, das ihnen
das Schreiben erheblich erleichtern kann.

Dieser Ratgeber bietet:
- einen Crash-Kurs für Word
- Tipps zum Sichern und Drucken
- hilfreiche Funktionen fürs Überarbeiten, Korrigieren und
Vergleichen von Texten und Textversionen
- die wichtigsten Tastenkürzel
- Hinweise zur Manuskriptgestaltung mit dem PC (Manuskript- und
Drehbuchgestaltung, Formatvorlagen, Gliederung, Inhaltsverzeich-
nis, Fuß- und Endnoten, Index)
- Ratschläge zur Zusammenarbeit mit einem Verlag (Seitengestaltung,
Umgang mit Verlags-Druckformatvorlagen, was verlangen Verlage
heute?)

Für AutorInnen bietet dieses Buch also gleich zwei besondere Vorzüge:
Zum einen ist es wirklich für jede/n verständlich geschrieben (im Ge-
gensatz zu einem Großteil der PC-Literatur) - zum anderen sind die
Inhalte speziell auf die Bedürfnisse von AutorInnen ausgerichtet.
Sehr empfehlenswert!

120 Seiten, 29,80 DM, 1998, ISBN: 3-932909-97-6,
Autorenhaus-Verlag Plinke, Hattwichstraße 66, 16548 Glienicke,
Telefon (03 30 56) 9 63 00, Fax (03 30 56) 7 78 59.


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BUCHBESPRECHUNG:
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mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de


"Wie finde ich den richtigen Verlag?"
von Kristiane Allert-Wybranietz

Nur wenig ist Außenstehenden bekannt über "das Geschäft mit dem
Buch", geschweige denn über den Weg, den ein Manuskript vom Autor bis
zum Leser durch den abenteuerlichen Dschungel der Literatur-
Großindustrie zurücklegen muss. Das im Heyne-Verlag erschienene Buch
"Wie finde ich den richtigen Verlag" von Kristiane Allert-Wybranietz
bietet hier etliche Tipps für Autoren und solche, die es werden wol-
len, und dabei spart die Autorin nicht mit eigenen Erfahrungen und
guten Ratschlägen.

Die Themen dieses Ratgebers reichen von Möglichkeiten der Veröffent-
lichung, finanziellen Förderungsmöglichkeiten, finanziellen, rechtli-
chen und sozialen Belangen des Autors bis hin zu informativen Port-
raits, Adressen und Literaturempfehlungen.

Die Portraits bieten nützliches Insiderwissen, ganz gleich, ob es um
Literatur im Allgemeinen, den Verlagsvertrag im Besonderen (auf des-
sen Fußangeln die Autorin anhand des Normvertrages ausführlich ein-
geht), das Dilemma der Kleinverlage, die Erfahrungen eines Autors,
Lektors und Verlegers oder die Wahrung der Autorenrechte geht.

Die Adressenliste führt gängige Autorengruppen und -verbände, Lite-
raturbüros, literarische Gesellschaften, Literatur-Seminare, Kultus-
ministerien für Förderungsanträge, Verlage und Literaturzeitschriften
auf. Und auch an die Literatur im Internet ist gedacht.

Wer sich für die Gründung eines Selbstverlages interessiert, der wird
in Kristiane Allert-Wybranietz’ Ratgeber all das beantwortet finden,
was sich ihm in einem solchen Fall an Fragen stellt. Wie verhält es
sich zum Beispiel mit den Druckkosten und der Preiskalkulation? Als
Richtlinie hat die Autorin im Anschluss an das entsprechende Kapitel
das konkrete Angebot einer Druckerei abgedruckt, und weist darauf
hin, dass es der größte Fehler ist, den Preis aus den Kosten abzulei-
ten. Weiter geht’s mit der Suche nach dem richtigen Titel (Griffig-
keit, Titelschutz etc.), dem Erhalt der ISBN (= internationale Stan-
dard-Buch-Nummer), der Anmeldung des eigenen Verlages beim Gewerbeamt
kombiniert mit Hinweisen zur Handhabung der wichtigsten Steuerfragen.
Und wie schaut es schließlich mit der PR und der Werbung aus? Auch
hier ist das Buch wieder eine hilfreiche "Gebrauchsanweisung" für die
Publikation nahezu jeder literarischen Gattung , mit Ausnahme von
Hörbuch, Drehbuch und Theater.

Wer sich von der langjährigen Erfahrung der Autorin mit Buch- und
Zeitschriftverlagen ein Scheibchen abschneiden will, der sollte seine
Autorenwissens-Bibliothek um dieses gelungene Standardwerk für Auto-
ren erweitern.

221 Seiten, 14,90 DM, 1999, ISBN 3-453-14506-2, Heyne-Verlag.


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INTERVIEW:
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mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de

Interview mit Sandra Uschtrin

RRB: In Ihrem Vorwort zum "Handbuch für Autorinnen und Autoren"
schreiben Sie: "Anliegen dieses Handbuches ist es, auf möglichst vie-
le Themen und Bereiche einzugehen, die für Schreibende relevant sind.
Es möchte ein Handbuch für Autorinnen und Autoren sein und den Lite-
ratur- und Medienbetrieb für sie transparenter machen."

Was hat Sie dazu veranlasst, ein solch umfangreiches Sachbuchprojekt
in Angriff zu nehmen, sich dermaßen intensiv und umfassend mit der
Thematik des deutschen Literatur- und Medienbetriebes auseinander zu
setzen? Sie haben ja praktisch kein Genre ausgelassen, ganz gleich ob
es um Prosa, Theater-, Hörspiel-, Drehbuch- oder Multimedia-
AutorInnen geht.

Sandra Uschtrin: Die Themen, um die es in meinem Handbuch geht, inte-
ressieren mich seit vielen Jahren. Außerdem ist es für AutorInnen
doch spannend, einen Blick über den Gartenzaun zu werfen und zu se-
hen, wie es in den anderen Bereichen zugeht. Nicht jede mag schließ-
lich ihr Lebtag lang Drehbücher oder Gedichte schreiben.


RRB: Wie haben Sie es geschafft, das "Handbuch für Autorinnen und Au-
toren" zu dem Autorenratgeber zu machen? Wie haben Sie dafür gewor-
ben?

Sandra Uschtrin: Durch Arbeit. Es steckt in der Tat sehr viel Arbeit,
vor allem in punkto Recherche dahinter; denn ich übernehme nichts un-
geprüft, schreibe zum Beispiel keine Adressen nur irgendwo ab, son-
dern alle Einrichtungen an. Viele in der Branche wussten daher be-
reits, dass eine neue, 4. Auflage erscheinen würde, bevor das Buch
wieder auf den Markt kam. Darunter waren auch viele MultiplikatorIn-
nen, zum Beispiel die Literaturbüros, die später alle ein Ansichtsex-
emplar erhielten und von denen die meisten das Handbuch weiterempfeh-
len, weil sie von seiner Qualität offenbar überzeugt sind. Das Hand-
buch verkauft sich insofern hauptsächlich über Mund-zu-Mund-
Propaganda.


RRB: Welche Resonanz bekommen Sie auf Ihre Webseite
(http://www.uschtrin.de)? Wie ist der Stellenwert der Webseite gegen-
über dem "Handbuch"?

Sandra Uschtrin: Pro Tag kommen etwa 150 BesucherInnen auf meine Web-
site, die meisten aufgrund meiner Zusammenstellung, welche Literatur-
wettbewerbe und -stipendien mit Eigenbewerbung es wo und wann gibt.
Diese Seiten zu pflegen ist zwar aufwendig, ich selbst bleibe dadurch
aber immer am Ball. Die Website versteht sich als kostenloser Service
für AutorInnen und als aktuelle Ergänzung zum Handbuch. Außerdem ist
es mir dadurch möglich, auf mein Handbuch aufmerksam zu machen - sie
dient mir also auch als Werbeplattform.


RRB: Haben sie Kontakte auch z. B. zum Autorenhaus-Verlag Plinke, in
dem das "Deutsche Jahrbuch für AutorInnen" erschienen ist? Wie sehen
Sie die "Konkurrenz"?

Sandra Uschtrin: Mir - als Käuferin eines Buches - gefällt es, wenn
ich zwischen verschiedenen Titeln wählen kann. Das "Jahrbuch" ist ein
Titel, Imre Töröks "VS-Handbuch" [siehe Buchbesprechung in "The Tem-
pest", Ausgabe 1-1, Anm. der Red.] ist ein weiterer Titel, und dann
gibt es noch mein Handbuch. Mich über die Konkurrenz zu äußern, steht
mir, als Beteiligte, wie ich finde, nicht zu. Das ist Aufgabe der Re-
zensentInnen.


RRB: Sie haben einen eigenen Verlag gegründet. Ist die Gründung des
Uschtrin Verlages eine Antwort auf die Schwierigkeit, überhaupt mit
einem Manuskript in das Lektorat eines Verlages zu gelangen?

Sandra Uschtrin: Nein. Die Gründung meines Verlags erfolgte auf Anre-
gung meines Verlegers, Reinhold von Grafenstein. Die erste Auflage
konzipierten wir 1985 gemeinsam, damals war ich Praktikantin in sei-
nem Verlag. 1987 erschien dann bei ihm die zweite, 1990 die dritte
Auflage. Als wir uns 1996 trafen, war diese dritte Auflage schon seit
geraumer Zeit vergriffen, und wir überlegten, wie wir das Handbuch
neu auflegen könnten. Ihm war es einfach zu viel Arbeit, andererseits
hingen wir beide an dem Buch. Als er mir dann anbot, das Handbuch
fortan in meinem eigenen, noch zu gründenden Verlag herauszugeben,
griff ich zu. Nun liegt das "Sorgerecht" für unser gemeinsames "Kind"
also bei mir.

Davon abgesehen, mit einem Exposé für einen Sachbuchtitel bei einem
Verlag zu landen, halte ich für gar nicht so schwer, vorausgesetzt,
das Konzept stimmt.


RRB: Wie schätzen Sie die Veröffentlichungschancen für einen unbe-
kannten Autor bzw. Autorin ein - jetzt und mit Blick auf die Zukunft?

Sandra Uschtrin: Das kommt darauf an, in welchem Genre diese unbe-
kannte AutorIn tätig ist. Wie gesagt, im Sachbuch-, aber auch im Hör-
spiel- und Drehbuchbereich sind die Chancen mit Sicherheit nicht
schlecht - vorausgesetzt, man kann schreiben und kennt einigermaßen
den Markt. Dazu gehört es, sich zu informieren und Kontakte zu knüp-
fen. Wer nicht bereit ist, das zu leisten, braucht sich nicht zu wun-
dern, wenn seine Texte nirgendwo unterkommen.

Bei der Belletristik, also bei der Prosa und ganz besonders bei der
Lyrik, braucht es dagegen mit Sicherheit ein hohes Maß an Frustrati-
onstoleranz, um zu reüssieren. Das wird sich in den nächsten Jahren
wohl kaum ändern, eher im Gegenteil - jedenfalls auf dem Gebiet der
Hoch-und-anspruchsvoll-Literatur, dem offenbar - liest man die Lite-
raturzeitschriften - so viele der unbekannten AutorInnen zuneigen.
Aber wer sagt denn, dass immer alles einfach sein muss? Manchmal füh-
ren auch Umwege, die ausgesprochen reizvoll sein können und bei denen
sich viel lernen lässt, an das ersehnte Ziel. Stichwort: Veröffentli-
chungen in besagten Literaturzeitschriften, Teilnahme an literari-
schen Wettbewerben, Durchführung von gemeinsamen Lesungen.

Ich vermute, durch die Konzentration im Verlagswesen wird es zu einer
inhaltlichen Verflachung bei den belletristischen Programmen kommen,
ähnlich wie beim Fernsehen. Leicht verdaulicher Einheitsbrei für die
Annanormalverbraucherin - Männer lesen ja bekanntlich kaum noch. Was
zum Kaufen gibt’s dann vielleicht nur noch im Internet bei darauf
spezialisierten ebook-Verlagen, die irgendwelche Autorenvereinigungen
betreiben.


RRB: Werden Agenturen - wie in den USA - auch in Deutschland dabei in
Zukunft eine größere Rolle spielen?

Sandra Uschtrin: Ja, ganz sicher.


RRB: "Books on Demand" ist in letzter Zeit verstärkt ins Gespräch ge-
kommen. Beispielsweise bietet Libri diesen Service an. Welche Vor-
und Nachteile sehen sie in dieser Publikationsmöglichkeit, die für so
manchen Autor wohl die Chance bietet, sein Werk gedruckt und im "Ver-
zeichnis lieferbarer Bücher" registriert zu sehen, sicher aber kein
Allheilmittel ist?

Sandra Uschtrin: Da sich ein Fach- oder Sachbuch-Titel relativ gut
über das VLB oder den Libri-Katalog recherchieren lässt, halte ich
hier die BoD-Variante durchaus für überlegenswert.

Anders bei belletristischen Titeln. Hier kann ich diese Variante nur
als allerallerletzte Möglichkeit empfehlen. Das heißt, wenn der
Drang, das eigene Manuskript gedruckt zu sehen, nicht mehr zu bändi-
gen ist und die Depressionen und/oder die Gefühle von Wut und Ver-
zweifelung über die vermeintliche Ignoranz der VerlagslektorInnen
drohen überhandzunehmen, da offenbar kein seriöser Verlag (dabei bit-
te nicht nur Suhrkamp und Hanser, sondern auch an die vielen, vielen
kleinen und mittelgroßen Verlage denken) gewillt ist, das Manuskript
zu veröffentlichen. Man aber trotz allem unerschütterlich davon über-
zeugt ist, dass die Welt ohne diese Veröffentlichung ärmer wäre, der
eigene Text genial und man zudem ein Verkaufsgenie sei. Denn: Bestel-
lungen via Katalogsuche sind bei dieser Variante nicht zu erwarten.
Es wird der AutorIn also nicht erspart bleiben, für das eigene Pro-
dukt kräftig zu werben. Das aber liegt nicht allen. Außerdem ist Wer-
bung zeit- und kostenintensiv.


RRB: Sie haben in Ihrem Verlag inzwischen auch ein Buch zweier Auto-
rinnen über "kreatives Schreiben" herausgebracht. Welche Erfahrungen
haben Sie als Verlegerin gemacht, besonders im Umgang mit Ihren Auto-
rinnen?

Sandra Uschtrin: Die "66 Schreibnächte. Begegnungen mit kreativem
Schreiben" werden im Frühjahr erscheinen. Mir macht es Freude, mich
mit meinen beiden Autorinnen auszutauschen, und ich schätze ihre Er-
fahrungen, die sie als Schreibgruppenleiterinnen gesammelt haben. A-
ber ob sich meine Erfahrungen bereits verallgemeinern lassen? Dazu
bin ich noch nicht lange genug Verlegerin.


RRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?

Sandra Uschtrin: Abgesehen von der Qualität der "Schreibe" - ich mag
diesen Ausdruck nicht -: Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstdiszip-
lin, Bereitschaft dazuzulernen und mitzudenken, Zuverlässigkeit, Be-
harrlichkeit, Kooperationsbereitschaft.


RRB: Was bedeutet das Schreiben für Sie? Welchen Stellenwert hat es
in Ihrem Leben? Schreiben Sie auch anderes außer Sachbücher?

Sandra Uschtrin: Schreiben ist für mich eine Art, sich zu äußern,
sich selbst oder anderen etwas mitzuteilen - eine Form der Kommunika-
tion wie zum Beispiel auch Sex. Auch da gibt es guten, weniger guten
und schlechten. Ich schreibe täglich, vor allem E-Mails oder Briefe
oder Rechnungen oder Mahnungen. Wenn es mir nicht gut geht, schreibe
ich Tagebuch, danach geht es mir meistens besser.

Und ganz, ganz selten - Zeitmangel! - schreibe ich kurze Texte,
nichts "literarisch Wertvolles", sondern Texte, die mir zum eigenen
Amüsement dienen, weil ich sehr gerne lache, sehr gerne albern bin.
Immer nur die Rolle der ernsthaften Verlegerin zu spielen - wie lang-
weilig!


RRB: Welche Schreib- bzw. Buchpläne möchten Sie unbedingt noch ver-
wirklichen?

Sandra Uschtrin: Im nächsten Herbst wird das Handbuch in seiner 5.
Auflage erscheinen. Das bedeutet natürlich Arbeit. Pläne, ja, die ha-
be ich auch. Und manchmal träume ich von einem Buch, das ich niemals
mehr - so wie das Handbuch – überarbeiten muss und das sich zugleich
so gut verkauft, dass ich meine Druckerei lediglich alle halbe Jahr
anrufen muss, um weitere 100.000 Exemplare in Auftrag zu geben. Ich
glaube, davon träumen alle Verlegerinnen und Verleger.


RRB: Welches Buch/Magazin lesen Sie zur Zeit? Und was hat sie darun-
ter sehr beeindruckt?

Sandra Uschtrin: Neben meinem Bett liegt die letzte Ausgabe von
"Kunst & Kultur", außerdem diverse Literaturzeitschriften - also das
normale Pflichtprogramm. Am Wochenende habe ich - auf Empfehlung mei-
ner beiden Jungs - Robinson Crusoe gelesen (Prädikat: sehr unterhalt-
sam), kurz davor einen Heftchenroman von einer Autorin, die ich auf
einem Workshop über Trivialliteratur kennengelernt hatte (eine Mi-
schung aus Pflicht und Vergnügen). Ich lese querbeet und das die
meiste Zeit des Tages. "Sehr beeindruckt" hat mich davon in letzter
Zeit allerdings nichts. Ein wunderbares Buch, das ich immer wieder
gerne verschenke, ist "Unter dem Tagmond" von Keri Hulme, eine neu-
seeländische Autorin. Das begegnete mir allerdings schon vor zwei
Jahren.


RRB: Gibt es irgendetwas, das Sie angehenden Autorinnen und Autoren
besonders ans Herz legen wollen?

Sandra Uschtrin: Lesen, lesen, lesen. Gepaart mit: schreiben, schrei-
ben, schreiben und - Selbstkritik. Und nicht gleich verzweifeln, wenn
es beim ersten oder 25. Anlauf nicht sofort klappt. Eine angehende
Konzertpianistin muss auch üben und den Kontakt zur Öffentlichkeit
suchen. Auf den Tasten herumzuklimpern, kann Spaß machen, für die
Schublade zu schreiben auch. Wer mehr will, sollte bereit sein, Zeit
und Arbeit in die Ausbildung seiner Fähigkeiten zu investieren. Lei-
der scheint das nicht allen angehenden Autorinnen und Autoren klar zu
sein, sonst gäbe es nicht so viele Manuskripte, die einfach nur
grässlich sind. Wer sich von der mangelhaften Qualität überzeugen
möchte, braucht nur mal für eine Weile in der Redaktion einer Litera-
turzeitschrift mitzuarbeiten und die Einsendungen zu studieren. Das
schärft das Urteilsvermögen und kommt damit auch den eigenen Texten
zugute. Außerdem versteht man dann besser das Gejammer der Lektorin-
nen über all die schlechten Texte.


RRB: Wie gefällt Ihnen das Autorenforum?

Sandra Uschtrin: Gut, besonders ihre Rubrik "Frag die Expertin" habe
ich mit Interesse gelesen. Für unnötig halte ich allerdings Ihr Enga-
gement im Drehbuchbereich. Da gibt es meiner Meinung nach bereits ge-
nügend Adressen von kompetenter Seite: als Kommunikationsforum
http://www.drehbuchforum.de, wo man sich als Autorin anmelden und
dann in der ScriptautorInnen-Community chatten kann; für die News den
plot point newsletter und zum Drehbücher-Verkaufen
http://www.pitchpoint.org.

Herzlichen Dank für das Interview!


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FRAG DIE SACHBUCHEXPERTIN:
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mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

Frage: Ich arbeite gerade an einem Sachbuch. Hierzu hätte ich nun –
da ich als Sachbuchautor bislang völlig unerfahren bin – noch einige
grundsätzliche Fragen:

1. Benötige ich für Auszüge aus Büchern, Zeitungen und Zeitschriften
von ca. 1-3 Seiten Umfang die Abdruckerlaubnis des jeweiligen Ver-
lags? Oder genügt hier einfach die Nennung der Quelle?

2. Wie sieht es aus, wenn ich im Anhang meines Buches die im Text be-
sprochenen und analysierten Artikel abdrucken will, um dem Leser das
Verständnis zu erleichtern?

3. Wie und wo erhalte ich eine Abdruckerlaubnis?

Antwort: Da sprichst du ein besonders schwieriges, weil auch juris-
tisch recht schwammiges Thema an. Während in wissenschaftlichen Ar-
beiten Großzitate erlaubt sind, gilt das für andere Texte - also auch
Sachbücher - keineswegs. Wie viel man allerdings ohne Abdruckerlaub-
nis zitieren darf, ist nicht in Seiten oder Zeilen festgelegt. Der
Umfang muss "durch den Zweck geboten" erscheinen.

Bisher hatte ich damit noch nicht als Autorin, aber als Lektorin zu
tun. Es ging um Texte von etwa einer halben Buchseite, deren Analyse
jeweils mindestens genauso lang war. Der Hausjurist des Verlages, in
dem das Buch erschienen ist, hat das als "noch im Rahmen" bezeichnet.
Ein längerer Text oder auch eine weniger ausführliche Analyse, da wä-
re es schon kritisch geworden ...

Für deinen Fall bedeutet das: Die besprochenen Artikel im Anhang ab-
zudrucken, dafür wird es nicht ohne Abdruckgenehmigung gehen. Und für
die Auszüge von 1 bis 3 Seiten Umfang gilt wohl dasselbe.

Das heißt für dich, dass du dringend mit dem Verlag sprechen soll-
test, in dem dein Buch erscheint! Dort wird man genau prüfen, wofür
eine Abdruckerlaubnis eingeholt werden muss, und auch, ob das über-
haupt möglich ist. Denn eine Abdruckerlaubnis ist meistens mit Kosten
verbunden, die recht happig werden können (bis zu einigen hundert DM
pro Auflage)! Damit du nicht Teile deines Buches "ganz umsonst"
schreibst, weil du vielleicht auf Texte Bezug nimmst, für die (zum
Beispiel aus Kostengründen) keine Abdruckerlaubnis eingeholt werden
kann - deshalb solltest du so schnell wie möglich mit deinem Verlag
darüber sprechen.

Die Abdruckerlaubnis wird beim Verlag eingeholt, in dem der Text er-
schienen ist. Sollte es keinen (aktuellen) Verlag geben, wendet man
sich an den Urheber, die Urheberin (oder an die Erben). Da das aber,
wie gesagt, fast immer mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist,
sollte das ebenfalls dein Verlag machen, der die Kosten ja auch tra-
gen muss und darüber meist besser verhandeln kann.

Für den Fall, dass du noch keinen Verlag für dein Buch hast, empfehle
ich dir dringend, dir einen zu suchen, bevor du das Buch schreibst!
Neben konzeptionellen sollte man auch solche Fragen wie die nach län-
geren Textzitaten möglichst schon im Vorfeld - also bevor das Buch
geschrieben ist - absprechen.

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Gabi Neumayer verfasste bisher einige hundert Artikel zu sprachlichen
Themen, außerdem (meist zusammen mit ihrer Co-Autorin Ulrike Rudolph)
mehrere Sachbücher. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a. "Die
neue Rechtschreibung", erschienen im Haufe Verlag, "Das Bewerbungs-
schreiben", Humboldt, und "Geschäftskorrespondenz von A bis Z", das
im Februar 2000 im Humboldt-Taschenbuchverlag erscheinen wird.


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FRAG DIE KINDERBUCHEXPERTIN:
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mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

Frage: Ich schreibe seit bald einem Jahr, ausgelöst durch meine eige-
nen Kinder, denen ich Geschichten erzähle, verschiedenste Kinderge-
schichten, von kurzen Einschlafgeschichten bis hin zu längeren Erzäh-
lungen. Manches davon wäre jetzt, von meinem Empfinden, weit genug,
um es in Buchform zu bringen. Ich wüsste gerne, wie ich vorgehen
kann, um einen entsprechenden Verlag zu finden. Gibt es Listen aller
Kinderbuchverlage, an die ich einfach allgemeine Anschreiben verschi-
cke mit kurzer Vorstellung der Buchprojekte, empfiehlt es sich, zu-
erst an kleine Verlage heranzutreten (ich habe keine Buchveröffentli-
chungen bisher), oder spielt das keine Rolle? Sollte ich nur auf ein
Projekt bezogen einen Verlag suchen? Wie präsentiere ich meine Manu-
skripte? Komplett oder als Inhaltsbeschreibung mit Auszügen aus dem
Text?

Antwort: Ich fange mal bei Ihrer ersten Frage an: Ja, es gibt Listen
mit Kinderbuchverlagen, wenn auch nicht mit allen. Zum Beispiel die
Broschüre "Kinder- und Jugendbuchverlage von A bis Z", die man für
3,50 DM bei der Buchhändler-Vereinigung bekommt (Postfach 10 04 42,
60004 Frankfurt). Darin stellen sich die Verlage, die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) sind, selbst vor -
mit Ansprechpartnern und Programmschwerpunkten. Unter derselben Ad-
resse gibt es noch verschiedene andere Broschüren, zum Beispiel sol-
che zur phantastischen Kinder- und Jugendliteratur oder zu Sachbü-
chern für Kinder (jeweils für zwei Erscheinungsjahre). Dadurch können
Sie sich einen ersten Überblick über den Markt verschaffen.

Beschränken Sie sich bei der Verlagssuche aber nicht darauf! Gehen
Sie auch in Buchhandlungen, und suchen Sie dort nach Verlagen, die
Bücher veröffentlichen, die thematisch, von der Länge der Texte, von
der angesprochenen Altersgruppe her etc. Ihren ähneln. (Weitere Tipps
und Infos zur Verlagssuche finden Sie in einer speziellen Checkliste
auf den Webseiten des Autorenforums, unter der Rubrik "Erfahrungen")

Allgemeine Anschreiben sollten Sie auf keinen Fall verschicken, wenn
Sie Ihr Manuskript nicht sofort ungelesen wieder zurückgeschickt be-
kommen wollen! Informieren Sie sich über jeden Verlag, an den Sie
sich wenden wollen, so genau, dass Sie ein individuelles Anschreiben
verfassen können. Die genauen Informationen brauchen Sie ja vorab so-
wieso, um herauszufinden, welche Verlage für Sie in Frage kommen.

Speziell im Kinderbuchbereich ist die Größe eines Verlages keineswegs
das einzige oder auch nur das wichtigste Kriterium: Viele sehr renom-
mierte Verlage, die überall präsent sind und viel für Ihre Autorinnen
und Autoren tun, sind nicht besonders groß. Deshalb ist es wichtiger,
in Buchhandlungen zu prüfen, ob ein von Ihnen ins Auge gefasster Ver-
lag präsent und den Buchhändlern bekannt ist.

Sie sollten immer mit einem konkreten Projekt/Manuskript an die Ver-
lage herantreten. Im Kinderbuchbereich ist es außerdem zu empfehlen,
komplette Manuskripte zu schicken (übrigens nicht gebunden oder ge-
locht, sondern lose!). Bei langen Texten ist es durchaus sinnvoll,
eine möglichst kurze Zusammenfassung (nicht mehr als ein, zwei Sei-
ten) beizulegen. Verschweigen Sie dabei aber auf keinen Fall das En-
de/die Pointe, weil Sie die Spannung bewahren wollen! Die Lektorinnen
und Lektoren verlangen eine komplette Übersicht.
Einen Erfahrungsbericht über die Verlagssuche, die Zusammenarbeit mit
dem Verlag etc. bei meinem ersten Kinderbuch finden Sie auf meiner
Homepage (http://ourworld.compuserve.com/Homepages/GNeumayer) in der
Rubrik "Tipps zum Schreiben und Veröffentlichen". Vielleicht hilft
Ihnen der eine oder andere Hinweis dort noch weiter.

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Gabi Neumayer ist die Autorin mehrerer Kinderbücher. Dazu gehören
"Fred und Marie", erschienen im Lappan Verlag, und "Im Gemüsedschun-
gel", LeiV-Verlag.

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