Ausgabe 1-1 (15. November 1999)

Marktinfo/Autorenwissen:
    "Nicht nur für die Schublade" von Arno R.Behrend
Buchbesprechung:
    "Star Trek – Deep Space Nine: Die Realisierung einer Idee"
    von Judith und Garfield Reeves-Stevens
    "VS-Handbuch. Ein Ratgeber für Autorinnen und Autoren,
    Übersetzerinnen und Übersetzer" von Imre Török
Interview:
    "Die Ideen sind immer das einfachste."
    mit Roger MacBride Allen
Frag die Sachbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Kinderbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Übersetzerin (Barbara Slawig)
Nachlese(n):
    "Der Kurzgeschichtenpreis ‚Metropolis’"
    von Thomas Roth-Berghofer
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,

endlich ist es so weit, "wieder so weit" sollte ich wohl sagen, denn
der Tempest (wie er meist nur verkürzt genannt wird) hatte schon vor
der elektronischen Erscheinung ein Leben, und zwar in gedruckter
Form. Der Aufwand war jedoch für alle Beteiligten zu hoch geworden,
um neben den Brotberufen noch mit Spaß an der Sache bewältigt zu wer-
den. Der rasante Aufstieg des Internets und das große Engagement von
Stefan Schulz gaben uns die Mittel in die Hand, um das Autorenforum
und den Tempest in neuer Form fortzuführen.
Das Ergebnis habt ihr nun vor euch liegen. Die aktuelle Ausgabe ist
randvoll mit interessanten Themen, und damit das so bleibt, ist eure
Mitarbeit gefragt. Zu allen Rubriken könnt ihr Sachbeiträge schicken.
Infos dazu findet ihr am Ende des Newsletters.
Aber nun zum Inhalt: Zuerst einmal möchte ich euch unser Drehbuch-
seminar ans Herz legen. Bis zum Einsendeschluss ist es nicht mehr
weit. Zugreifen heißt hier die Devise!
Unter der Rubrik "Marktinfo" soll in Zukunft alles rund ums Geld-
verdienen erscheinen. Arno R. Behrend macht hier den Anfang mit sei-
nem Überblick über die Amateur- und Profiszenen im Bereich Science-
fiction. Schreibt uns, welcher Verlag für welche Art von Texten wel-
ches Honorar zahlt. (Und für die Rubrik "Erfahrungen", die in dieser
Ausgabe nicht auftaucht: Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?)
In der Rubrik "Buchbesprechung" findet ihr im Allgemeinen Bespre-
chungen von Schreibbüchern. Die "Erfindung von Deep Space Nine" war
ein langwieriger Prozess, der in einem Buch – nicht nur für Fans der
Serie – detailliert dargestellt wird. Wer hat schon die Gelegenheit,
Drehbücher in verschiedenen Stadien zu sehen, und das auch noch von
Profis kommentiert?
Das "VS-Handbuch" liefert Grundlagen und Tipps nicht nur für den
Anfänger oder die Anfängerin, sondern auch einiges zum Nachdenken für
den Profi.
Den Sciencefiction-Autor Roger MacBride Allen traf ich auf dem Eu-
roCon 1999 in Dortmund. Ich hatte die Gelegenheit, mit ihm ein langes
Gespräch zu führen, das die Grundlage für ein schriftliches Interview
wurde. Das Ergebnis findet ihr in der Rubrik "Interview". Übersetzt
wurde es von Barbara Slawig.
Auf den Webseiten hatten wir die Rubrik "Frag die Experten" bereits
mit Erfolg angekündigt. Zu den Themen "Sachbuch", "Kinderbuch" und
"Übersetzung" haben wir Fragen erhalten, die unsere beiden Expertin-
nen beantwortet haben. Falls ihr Fragen an unsere Expertinnen und Ex-
perten habt, dann schreibt ihnen. Im Impressum des Newsletters findet
ihr alle E-Mail-Adressen.
Der letzte Artikel dieser Ausgabe ist eine "Nachlese" zum Kurzge-
schichtenwettbewerb "Metropolis" des EuroCon 1999. Dort könnt ihr
nachlesen, wie der Wettbewerb ablief und wer die glücklichen Gewinner
sind.
In dieser Ausgabe sind nicht alle Rubriken vertreten. Es fehlen Ar-
tikel zu den Rubriken "Drehbuch", "Erfahrungen", "Feuilleton" und
"Schreibkurs". Hierzu und, wie oben bereits gesagt, zu allen anderen
Rubriken benötigen wir eure Mitarbeit. Die Einsendeformalien findet
ihr am Ende des Newsletters.
Ab der nächsten Ausgabe wollen wir noch eine weitere Rubrik einfüh-
ren, die bereits in der gedruckten Version des Tempest sehr beliebt
war: den "Echo-Service". Der Echo-Service dient dazu, Autorinnen und
Autoren zusammenzubringen. Es ist wichtig, Diskussionspartner zu ha-
ben, die das eigene Werk kritisch beleuchten. Die Zusammenarbeit kann
durchaus auch temporär sein. So könnte ein gemeinsames Projekt in An-
griff genommen werden. Vielleicht fehlt ja der einen Autorin gewisses
Fachwissen, um einen Mord richtig zu beschreiben. Oder ein Autor
möchte die Architektur einer neuen Welt beschreiben, hat aber kein
entsprechendes Nachschlagematerial ... Wer eine/n Echopartner/in
sucht: Details am Ende des Newsletters.
Nun will ich euch nicht mehr länger aufhalten. Viel Spaß beim
Schmökern,

Thomas Roth-Berghofer
Chefredakteur

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INHALT DIESER AUSGABE:
Editorial
Inserate
Offerte:
"Einführung ins Drehbuchschreiben" mit Christian Lück
Termine
Marktinfo/Autorenwissen:
"Nicht nur für die Schublade" von Arno R.Behrend
Buchbesprechung:
"Star Trek – Deep Space Nine: Die Realisierung einer Idee"
von Judith und Garfield Reeves-Stevens
"VS-Handbuch. Ein Ratgeber für Autorinnen und Autoren,
Übersetzerinnen und Übersetzer" von Imre Török
Interview:
"Die Ideen sind immer das einfachste."
mit Roger MacBride Allen
Frag die Sachbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Kinderbuchexpertin (Gabi Neumayer)
Frag die Übersetzerin (Barbara Slawig)
Nachlese(n):
"Der Kurzgeschichtenpreis ‚Metropolis’"
von Thomas Roth-Berghofer

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INSERATE:
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Betreiben Sie ein Schreibbüro und offerieren das Abtippen von Manu-
skripten? Bieten Sie als Buchdoktor Ihre Dienste an? Suchen Sie als
Lektor oder Verleger Beiträge für spezielle Buchprojekte? Sind Sie
Illustrator für Kinderbücher? Veranstalten Sie als literarische Ein-
richtung Kurse und Seminare? Vermitteln Sie als Literaturagent Auto-
ren? Oder ...?

Inserate sind zunächst KOSTENLOS möglich. Nutzen Sie die Gelegenheit!

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www.literature.de schreibt einen Wettbewerb für die beste Kurzge-
schichte und das beste Gedicht 99 aus. Jeder hat die Möglichkeit,
seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Schwerpunkt: Die Literatur
im nächsten Jahrhundert. Wie kann sie aussehen? Visionen? Ängste?
Hoffnungen? Die besten Einsendungen der beiden Rubriken werden kos-
tenlos in der anstehenden Anthologie in Buchform veröffentlicht. Fer-
ner können auch Covervorschläge eingereicht werden. Weitere Infos un-
ter http://www.literature.de

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Amateurautoren haben demnächst die Möglichkeit aus Ihren Stories Geld
zu machen.
Auf der Website www.storyboerse.de werden Geschichten aus den Berei-
chen Science Fiction, Fantasy, Rollenspiel und Horror für kleines
Geld angeboten. Jeder Autor kann seine Story hier veröffentlichen und
bekommt einen Anteil am Umsatz des Anbieters. Die Preise bewegen sich
zwischen 1 Cent und 1 Euro pro Story, also in einer Höhe, die einzel-
nen nicht weh tun aber dem Autoren in der Masse durchaus einen klei-
nen Nebenverdienst ermöglichen. Der Autor hat zudem jederzeit das
Recht, seine Stories wieder von der Seite zu nehmen, um sie z.B. an-
derweitig zu veröffentlichen.
Wer als Leser oder Autor Interesse an diesem Projekt hat, sollte bei
www.storyboerse.de vorbeischauen.

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OFFERTE: "EINFÜHRUNG INS DREHBUCHSCHREIBEN"
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Das AUTORENFORUM veranstaltet erstmals ein Drehbuchseminar. Christian
Lück, Drehbuchdoktor und Autor verschiedener Spielfilm- und Kurzfilm-
produktionen, bietet eine Einführung ins Drehbuchschreiben an.

Das Seminar richtet sich an alle, die sich für die Grundzüge von
Drehbüchern und Filmen interessieren. Vorkenntnisse sind dabei nicht
erforderlich.

In gemeinsamen Analysen und Übungen lernen die Teilnehmer, wie ein
Drehbuch aufgebaut ist, welche Elemente eine Geschichte enthält und
in welchem Verhältnis diese Elemente zueinander stehen. Des Weiteren
werden die Figuren eines Drehbuchs näher beleuchtet und auch das Um-
feld des Drehbuchs betrachtet. Auch wird auf die Forderungen und
Zwänge eingegangen, die sich aus den Charakteren und dem Fortgang der
Geschichte ergeben. In praktischen Übungen schreiben die Teilnehmer
verschiedene Szenen, die anschließend gemeinsam diskutiert werden.

Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Personen beschränkt.

Anmeldeschluss ist der 3. Dezember 1999.

Ort:
Jugendherberge Neustadt an der Weinstraße,
Hans-Geiger-Straße 27,
67434 Neustadt

Preis: 195,-- DM
Übernachtung: 27,-- DM pro Nacht im Mehrbettzimmer inkl. Frühstück

Beginn: Freitag, 10. Dezember 1999, 14:00 Uhr
Ende: Sonntag, 12. Dezember 1999, 17:00 Uhr

Anmeldung und weitere Informationen bei:
Christian Lück (mailto:drehbuchdoktor at autorenforum punkt de)

Die Seminargebühren in Höhe von 195,-- DM sind im Voraus zu entrich-
ten, und zwar auf das folgende Konto des AUTORENFORUMS (Um die korrekte
Buchung zu erleichtern, sollten der Name und der Wohnort, sowie
SEM99-01 als Verwendungszweck auf dem Überweisungsträger angegeben
werden):

Autorenforum, Sparda Bank Mainz, BLZ 550 905 00, Konto 0100 724 515

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TERMINE:
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30. April 2000
New Fiction Award 2000
Kurzgeschichtenwettbewerb mit Leitmotiv Berlin in allen Sprachen
http://www.newfiction.org/deutsch/site/awd.html

31. Dezember 1999 (Einsendeschluss, verlängert vom 31. Oktober 1999)
Der CLUB BERTELSMANN stiftet den Großen Romanpreis in Höhe von
250.000 DM.
http://www.autorenforum.de/links/termine/bertelsmann99.html

31. Dezember 1999 (Einsendeschluss)
Dramatikerpreise der Alexander S. Onassis-Foundation.
Einreichbar unter anderem in deutscher Sprache.
http://www.onassis.gr/amer/theatre.html

17. bis 19. Dezember 1999
Seminar: Science-Fiction Geschichten.
Eine Schreibschule für angehende SF-Autoren.

http://www.autorenforum.de/links/termine/sfgeschichtenDez1999.html

10. bis 12. Dezember 1999
Seminar "Einführung ins Drehbuchschreiben" in Neustadt an der
Weinstraße
http://www.autorenforum.de/service/offerten/drehbuchDez99.html

6. bis 8. Dezember 1999
Kurs: Hörspiele er-/bearbeiten, Erzählweisen und Realisierungs-
möglichkeiten diskutieren und Realisiertes inszenieren.
http://www.autorenforum.de/links/termine/hoerspiele1999.html


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MARKTINFO/AUTORENWISSEN:
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"Nicht nur für die Schublade"

Science Fiction schreiben in Fan- und Profi-Szene
von Arno R. Behrend
(mailto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

1995 hatte ich die Ehre, nach der Preisverleihung für den 5. Story-
wettbewerb des SFCBW eine Dankesrede zu halten. Es war auf dem Frei-
Con, der auch SFCD-Con war, und ich hatte ein ungewöhnlich großes
Publikum. Im Fandom war ich erst drei Jahre unterwegs. Das hieß, ich
hatte noch daran zu kauen, dass außer anderen Schreiberlingen kaum
jemand meine Sachen lesen, geschweige denn veröffentlichen wollte.
Als es um die Wiedereinführung des Story Center im SFCD ging, hatte
ich mir sogar anhören müssen, es gäbe kaum Fan-Autoren, für die sich
der Aufwand lohne. Die Kontinuität des baden-württembergischen Story-
wettbewerbs, der schon sechs mal mit einem Aufkommen zwischen 20 und
40 Manuskripten stattgefunden hat, widerlegt dies bereits. Das gehör-
te zu den Fakten, auf die ich in meiner Rede aufmerksam gemacht habe.
Ich rief dazu auf, mehr Leute in Fanzines, in jeder denkbaren Form zu
veröffentlichen, weil in der Amateur-Szene ungehobene Schätze auf uns
alle warten, von denen die meisten Fans nicht wissen, dass sie sie
sehr gerne konsumieren würden. Als ich mich wieder setzte, war ich
sicher, dass ich einfach nur meinem Herzen Luft gemacht hatte, ohne
dass die vielen, die zustimmende Bemerkungen machten, etwas ändern
würden. Ich hatte unrecht damit.
Auf dem Gebiet der Autorenförderung ist innerhalb und außerhalb des
Fandoms inzwischen viel passiert. Schon länger laufende Initiativen
haben sich gefestigt, neue sind dazu gekommen, und mit einem Mehr an
Verantwortung konnte ich bei den SF-Tagen selbst etwas unternehmen.
Auch im Profi-Bereich hat sich einiges getan.
Seit 1993 bin ich schon Mitglied der "Story Factory". Diese
"Schreibwerkstatt auf Briefbasis", wie Initiator Jürgen Thomann sie
nennt, funktioniert nach dem APA-Prinzip (Amateur Press Association).
Die 15 Teilnehmer fotokopieren ihre Story-Beiträge in der erforderli-
chen Auflage, das heißt eben 15 mal. Die Kopien gehen alle per Post
an den Organisator Thomas Appel, der daraus Hefte zusammenstellt.
Vorneweg kommt eine Art Editorial von Thomas, in dem er Mitteilungen
von allgemeinem Interesse, zum Beispiel über Literaturwettbewerbe,
machen kann. Die Hefte gehen an alle Teilnehmer zurück. Jeder hält so
ein Exemplar der Beiträge aller anderen beteiligten Autoren in Hän-
den. Die nächste Ausgabe enthält dann neben neuen Storys Kritiken der
Teilnehmer zu den Storys der letzten Ausgabe. Auf diese Weise kann
man von Kollegen, die die eigene Lage am besten begreifen können,
konstruktive Kritiken einholen, und durch deren Beachtung die eigene
Schreibe verbessern. Jede Art von Schriftstellerei braucht die Kritik
von außen. Niemand kann allein durch Talent so gut werden, dass er
verkaufen kann. Wer auf ein offenes Wort zu Idee oder Stil empfind-
lich reagiert und sich in dieser Hinsicht nicht anpassen will,
braucht gar nicht erst anzufangen. Wichtig ist auch, dass man sich
zuerst an der kurzen Form erprobt. Einem hoffnungsvollen Autoren oder
einer Autorin erklären zu müssen, dass der über zwei Jahre hinweg ge-
schriebene 700-Seiten-Erstlings-Roman einfachen literarischen Stan-
dards nicht genügt, dürfte für einen Herausgeber oder Kritiker wohl
zu den schwierigsten Aufgaben gehören. Das Verfassen von Kurzge-
schichten ist eine konstruktivere Übung, bei der sich anfängliche
Enttäuschungen im Rahmen halten. Derzeit sind bei der "Story Factory"
drei Plätze frei. Eine ähnliche Story-AG lässt sich überall jederzeit
mit wenig Aufwand starten. Andere Initiativen sind etwa "Phantastic
Journey" und "Fantastic Factory".
Die 8. SF-Tage NRW veranstalteten als erste einen eigenen Story-
wettbewerb. Das Thema lautete "Religion". Inzwischen hat es zwei wei-
tere zu "Zeitsturm" und "In Love with an Alien/Alien Sex" gegeben.
Die Beteiligung ist kontinuierlich von 15 auf 30 Storys gestiegen.
Der laufende Wettbewerb könnte diese Zahl übertreffen, weil es sich
um einen zweisprachigen, europäischen Wettbewerb handelt. Das Thema
ist diesmal "Money Makes the Space Go Round". Bei jedem bisherigen
Wettbewerb bin ich als Veranstalter auf Namen gestoßen, die ich noch
nicht kannte und die sich anschließend in der Spitzengruppe wieder-
fanden. Es ist wirklich kaum fassbar, wie sehr die Fan-Autoren-Szene
unterschätzt wird. Zwar stöhnten unsere professionellen Juroren immer
unter der Zahl der mäßigen Manuskripte. Dafür gab es im oberen Drit-
tel immer wieder erfreuliche Überraschungen. Die ersten sieben Storys
hätten sich meistens in jeder hochklassigen, professionellen Antholo-
gie befinden können. Besonders zufrieden bin ich mit einer Abmachung,
durch die die Spitzenreiter in einer Anthologie des Blitz-Verlages
Eingang finden werden, über die obligatorische Veröffentlichung in
unserem Programmheft hinaus. Damit konnten wir wirklich etwas für un-
sere Sieger tun.
Der Wettbewerb der SF-Tage wird jetzt aufgrund Zeitmangels meiner-
seits vom "Autorenforum" gemanagt. Diese Initiative stellt auch sonst
einen völlig neuen Ansatz bei der Förderung von Amateur-Autoren dar.
In ihrem Magazin "The Tempest" präsentieren die Macher Thomas und Ra-
mona Roth-Berghofer, Stefanie Pappon und Gabi Neumayer Übersetzungen
von Schreibkursen amerikanischer Autoren. Auf diesem Weg kann man die
gängigen Genres und ihre Konventionen kennen lernen, ebenso handwerk-
liche Kniffe und Arbeitsmethoden zum Erstellen längerer Texte. Es
gibt eine Börse für Kooperationen, in der jeder seine Wünsche nach
einem idealen Co-Autor angeben oder seine Fähigkeiten zur Verfügung
stellen kann. Artikel von Tempest-Lesern machen auf häufige Fehler,
Eigenarten von Genres und gelungene Fan-Projekte aufmerksam. Das Team
selbst rezensiert regelmäßig Handbücher für angehende Autoren. Der
Tempest bietet zur Zeit das beste Wissens-Kompendium für den angehen-
den Schriftsteller in der Phantastik.
Es macht Sinn, dass das Autorenforum jetzt auch das Story Center
des SFCD betreut. Dieses Heft ist im deutschen Fandom die erste Ad-
resse für Autoren, die sich einen Namen machen wollen. Das neue Re-
daktionsteam hat in seiner ersten Ausgabe mit Layout und Story-
Auswahl Geschmack und Können bewiesen. Mit eigenen Themenvorschlägen
und einem Extrem-Kurzgeschichten-Wettbewerb animiert es geschickt zum
Schreiben. Wer im Story Center erscheint, kann hoffen, von einer And-
romeda-Redaktion berücksichtigt zu werden, die noch händeringend ei-
nen Beitrag sucht. Das ist ein Anfang.
Die "Andros" (Anm. d. Red.: Andromeda-Magazine des Science Fiction
Clubs Deutschland) selbst gehören immer noch zum Besten, was die
deutsche Fanzine-Szene zu bieten hat. Layout und Zusammenstellung wa-
ren in den vergangenen Jahren stets solide. Mit einer Story in einem
"Andro" vertreten zu sein ist eine prestigeträchtige Angelegenheit.
Damit wird der SFCD seinem Anspruch als Hauptförderer der SF-
Literatur im Fandom gerecht. Ein deutliches Manko ist und bleibt die
Erscheinungsweise, über die ich Euch nicht viel sagen muss. Wir leis-
ten uns ein System ohne Festredakteur und haben immer damit zu tun,
dass die Redaktion der einen Ausgabe den anderen Teams aus Zeitgrün-
den gern den Vortritt lässt. Wenn das dann alle Teams machen, kommt
es zu erheblichen Verzögerungen. Da nicht alle Andros Storyausgaben
sind, bleiben die Möglichkeiten für Autoren begrenzt. Ein weiterer
Grund, das "Story Center" aufrecht zu erhalten.
Ebenfalls erste Wahl für neue Autoren ist das Magazin "Alien Con-
tact". Herausgeber Hardy Kettlitz kommt es auf Geschichten an, die
neben der Technik auch die menschlichen Aspekte berücksichtigen. Auch
abgründige Ausflüge in andere Bereiche der Phantastik sind möglich.
Hardys Ansprüche sind schon recht hoch. Seine Anmerkungen zu Manu-
skripten sind dafür konstruktiv und in der Regel sehr geeignet, eine
Story zu verbessern. In "Alien Contact" gestanden zu haben, dürfte
ebenfalls eine zufriedenstellende Angelegenheit sein.
Jeder von uns weiß, dass die Luft dünner wird, wenn man sich in
Profi-Gefilde vorwagen möchte. Literarische Aktivitäten im Fandom und
ein gewisser Bekanntheitsgrad bei Herausgebern sind zweifellos von
Vorteil. Jürgen Thomann hat uns das vorgemacht, indem er eine Story
in einer von Wolfgang Jeschkes Anthologien unterbrachte. Das Qualität
auch dann eine notwendige weitere Voraussetzung bleibt, ist selbst-
verständlich.
Zu den Redaktionen, bei denen häufiger Texte untergebracht werden
können, gehört das Computermagazin "c’t". Es erscheint seit einiger
Zeit 14tägig. Die SF-Story, die in jeder Ausgabe enthalten sein soll-
te, gehört zu den beiden Elementen des Magazins, die wirklich häufig
gelesen werden. Deswegen sucht die Redaktion ständig nach guten Bei-
trägen. Ein Problem ist die thematische Begrenzung. Es muss eine wie
auch immer geartete Verbindung zu elektronischer Technik geben. Ich
habe ein Manuskript eingereicht, in dem Datenverarbeitung auf einer
völlig neuen Grundlage stattfand, die mit Computern, wie wir sie ken-
nen, nichts zu tun hat. Die Geschichte wurde abgelehnt. Ein paar
brummende Chips müssen eben sein. Bis die Redaktion einmal antwortet,
können Monate vergehen, da die eingehenden Storys in der ganzen Re-
daktion herumgereicht werden. Die "c’t" ist derzeit die einzige Ad-
resse, bei der man für Kurzgeschichten leicht Honorare bekommen kann.
Diese sind allerdings nicht sehr hoch und allzu regelmäßig gelangt
man wohl auch nicht in das Heft. Es gibt ja auch noch andere Autoren.
Natürlich ist die Auflage viel höher als bei Fanzines oder Semi-
Prozines wie "Alien Contact". Der Kontakt zum Publikum ist dafür we-
sentlich geringer ausgeprägt. Man bekommt von den Computerfreaks, die
die "c’t" lesen, kaum jemals eine Rückmeldung.
Eine weitere Chance bietet die sich erweiternde Kleinverlagsszene.
An Kurzgeschichten hat auch der schon erwähnte Blitz-Verlag Interes-
se. Jörg Kaegelmann zufolge haben Romane kaum eine Chance. Um junge
deutsche Autoren zu fördern, konzentriert er sich daher auf Antholo-
gien. In Berlin legt der Ariadne-Verlag zunehmend auch Near-Future-
Thriller auf. Bekannt geworden ist dieser Verlag durch seine Krimi-
Variationen, Frauen-Krimis, Berlin-Krimis und jetzt futuristische
Stoffe. Auch Ursula K. Le Guin wird dort neu verlegt. Gerade wer in
der Hauptstadt wohnt oder sie kennt, hat gute Möglichkeiten, auf die-
ses Programm einzugehen. Romanmanuskripte an dieser Stelle zu verkau-
fen, sollte für einen geübten Schreiber kein Ding der Unmöglichkeit
sein.
Damit bieten sich für Neueinsteiger genau wie für etablierte Auto-
ren einige Möglichkeiten, ihr Handwerk zu verbessern und ihre Ge-
schichten anderen zugänglich zu machen. Beispiele wie Andreas Esch-
bach zeigen, dass es nicht mehr unmöglich ist, hierzulande im Genre
etwas zu werden. Reich werden wie Asimov oder Heinlein wird man in
keinem Fall. Auch lässt sich der Beruf eines SF-Schriftstellers bei
uns wohl nicht als Hauptberuf realisieren. Ausnahmen sind Wolfgang
Hohlbein, der seinen Erfolg vor allem der Fantasy verdankt, und das
Perry-Rhodan-Team.

Adressen:
Story Factory:
Thomas Appel, Hauptstraße 27, D-74391 Erligheim
Phantastic Journey:
Klaus Hammer, Bannizastraße 13, D-45894 Gelsenkirchen,
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Blitz-Verlag:
Jörg Kaegelmann, Postfach 1168, D-51556 Windeck

[aus: "Andromeda Magazin 141", S. 29-31, ISSN 0934-330 X, herausgege-
ben vom Science Fiction Club Deutschland e. V.]
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BUCHBESPRECHUNG:
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mailto:Ramona.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de

"Star Trek — Deep Space Nine: Die Realisierung einer Idee"
von Judith und Garfield Reeves-Stevens

Es gibt kaum etwas Faszinierenderes, als zu sehen, wie eine Serien-
produktion funktioniert. Woher kommt die Idee? Was macht der soge-
nannte Autorenstab daraus? Wie entwickelt sich ein Drehbuch vom Ent-
wurf bis zur fertigen Episode? Und in diesem Fall : Wie war das alles
bei Star Trek - Deep Space Nine?
Am Anfang war eine vage Idee. Star Trek sollte es sein, ja, aber
eben doch wieder anders, düsterer, dramatischer, fremdartiger, un-
heilvoller ... Der "menschliche" Aspekt sollte in jedem Fall eine we-
sentlich handlungstreibendere Rolle spielen, und das bedeutete wie-
derum zwischen den geplanten Hauptfiguren der Serie nichts anderes
als Konflikt, Konflikt und nochmals Konflikt. Deep Space Nine sollte
mehr als SF sein, es sollte die Gelegenheit nutzen, menschliche As-
pekte zu erforschen, zu zeigen, was man unter der gewöhnlichen Ober-
fläche des Fernsehlebens sieht. Und so erzählt Deep Space Nine nicht
nur eine großartige Geschichte vor dem Hintergrund eines gigantischen
Weltraum-Sets, nein, es redet vor allem über Personen und erzählt da-
mit eine sehr tiefe und sehr persönliche Geschichte.
Judith und Garfield Reeves-Stevens hatten eine Gelegenheit, von der
viele Fans einfach nur träumen können. Sie warfen einen Blick hinter
die Kulissen der gesamten Deep-Space-Nine-Produktion, und das über
den Zeitraum eines ganzen Jahres. Sie nahmen an den Sitzungen des Au-
torenstabs teil, beobachteten die Arbeit des Maskenbildners ebenso
wie die Arbeit des Kameramanns, wenn die Crew von Deep Space Nine auf
der OPS gefilmt wurde. Sie beobachteten die Arbeit des Cutters oder
wie Odos Metamorphose mittels modernster Computergraphik Wirklichkeit
wurde, und sie sprachen neben den Autoren und Schauspielern auch mit
den herumeilenden Bühnenarbeitern und Kulissenbauern, und sogar mit
den beiden Produzenten: Rick Berman und Michael Piller.
Dieses Buch entstand, wie gesagt, nach Recherchen, die sich über
ein ganzes Jahr hinzogen, und deshalb bietet es Einblicke in den ge-
samten Produktionsprozess von Deep Space Nine, wie man ihn sich als
interessierter Fan gar nicht besser wünschen kann. Was dieses Buch
jedoch für Hobby-, Nachwuchs- oder Profi-Autoren besonders interes-
sant macht, sind vor allem die Schilderung der ersten Idee, die ers-
ten Handlungsentwürfe, ja der Zugang und die Beschreibung der Entste-
hung der einzelnen Geschichten bis hin zu den endgültigen Drehbü-
chern, welche Judith und Garfield Reeves-Stevens von Überarbeitung zu
Überarbeitung gelesen haben, um so zu sehen, welche Veränderungen (im
Kleinen wie im Großen) in jede Episode einflossen.
Grundlage dafür war die so genannte "Bibel", eine Beschreibung der
ersten Bestandteile (Set, Figuren, Handlung …), die Berman und Piller
für die Serie erdacht hatten. Aber es genügte nicht, einfach zu wis-
sen, dass Quark die Bar der Station betreibt, Odo ein Formwandler ist
oder die Cardassianer die Station aus irgendwelchen noch nicht klar
ausformulierten Gründen aufgegeben hatten. Damit Deep Space Nine als
Serie erfolgreich sein konnte, mussten all diese grundlegenden Ele-
mente erst einmal zu einer spannenden und konfliktreichen Geschichte
verwoben werden, zu etwas Organischem, das lebt und atmet und sich
entwickelt, belebt mit Charakteren, deren Persönlichkeit und Schick-
sal für den Zuschauer von magischer Anziehungskraft sind. Im Ergebnis
wurde so beispielsweise aus dem Außenseiter Odo ein Charakter, der
permanent die "menschlichen Werte erforscht und kommentiert". Quark
wurde neben der für einen Ferengi typischen Habgier eine interessante
Beziehung zu Sisko und Odo zugeschrieben, in der er hin und wieder,
gegen Profit versteht sich, bei der Lösung von Problemen behilflich
ist. Und die Cardassianer haben verstärkt mit innenpolitischen Unru-
hen zu kämpfen, die ihre Aufmerksamkeit weit mehr erfordern, als eine
weit abgelegene Kolonie namens "Bajor". In einem zweistündigen
"Treatment" zu dem geplanten Pilotfilm "The Ninth Orb" legten Berman
und Piller genau diese ersten Grundlagen in einer Geschichte fest,
wobei Judith und Garfield Reeves-Stevens genau dieses "Treatment"
samt "Bibel" mit der letztendlich verfilmten Version "Emissary" hin-
sichtlich Handlung und Personen ausführlich in ihrem Buch verglichen
haben. Und wo hat man schon die Möglichkeit dokumentiert den Werde-
gang einer solchen Pilotfilms zu sehen, und dann auch noch einen
Blick in die Entwicklung des ein oder anderen Episoden-Drehbuchs zu
werfen?
Wie schafft man also Spannung? Wie schafft man Konflikt? Wie entwi-
ckelte man für ein Drehbuch gute Dialoge? Wie plant man eine Szene?
Wie ordnet man einzelne Szenen am besten an? Wie gibt man einer vor-
läufigen Charakterskizze Tiefe ohne melodramatisch zu werden? Wie
vermeidet man inhaltliche Fehler?
All diesen Fragen wenden sich die Autoren intensiv zu. "Star Trek -
Deep Space Nine: Die Realisierung einer Idee" berichtet damit nicht
nur über die phantastischen Modellbauten, das Design, die kunstvolle
Tricktechnik oder die Schwierigkeiten bei der Besetzung, es ist vor
allem auch für Autoren ein fesselndes und lehrreiches Lesevergnügen.
Wer also auch in puncto Schreiben hinter die Kulissen von Deep Space
Nine sehen möchte, kommt an diesem einmaligen Werk nicht vorbei.

330 Seiten, 29,80 DM, 1996, ISBN: 3-453-10982-1, Heyne-Verlag.


BUCHBESPRECHUNG:
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mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

"VS-Handbuch. Ein Ratgeber für Autorinnen und Autoren,
Übersetzerinnen und Übersetzer"
von Imre Török


Randvoll mit nützlichen und wertvollen Informationen ist dieses Hand-
buch des Verbands deutscher Schriftsteller (VS).
Der erste (und größte) Teil des Buches ist ein Lexikon, in dem
schnell Informationen in über 130 Stichwörtern nachgeschlagen werden
können. Die Themen sind breit gefächert; einige Stichwörter: Agentu-
ren, Akademien, Autorenlesung, Autorenversorgungswerk, Barsortimente,
Buchmessen, Creative Writing, Deutscher Literaturfonds, Fernse-
hen/Film, Fortbildung, Handbücher, Hörspiel, Internet, Jurys, Kritik,
Lektorat, Literaturbüros, Nebenrechte, Print-on-Demand, Rechtschreib-
reform, Schreibwerkstatt, Selbstverlag, Stadtschreiber, Urheberrecht,
Verdienstmöglichkeiten, Werbung, Zeitschriften.
Im zweiten Teil finden sich 15 Artikel von (zum Teil sehr namhaf-
ten) AutorInnen. So fordert zum Beispiel Felix Huby auf :"Versuch’s
doch mal mit einem Drehbuch!", Helga Pfetsch schreibt über "Die Lust
am Übersetzen", und Sandra Uschtrins Thema ist "Das Internet".
Der dritte Teil versammelt schließlich ein ausführliches Literatur-
verzeichnis, ein Adressen- und das AutorInnenverzeichnis und zwei
Normverträge (für AutorInnen und ÜbersetzerInnen).
Natürlich spielen auch die Themen und Positionen des VS selbst in
diesem Buch eine große Rolle. Aber auch Nichtmitglieder und "Ver-
bandsgegnerInnen" werden diesen Ratgeber sehr schnell als eines der
wenigen "unverzichtbaren" Handbücher für Schreibende auf dem deut-
schen Markt schätzen lernen.

473 Seiten, 24 DM, 1999, ISBN: 3-88243-668-9, Steidl Verlag.


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INTERVIEW:
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mailto:Thomas.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de

"Die Ideen sind immer das einfachste"
Interview mit Roger MacBride Allen
(übersetzt von Barbara Slawig)

TRB: Wann haben Sie mit Schreiben angefangen? Wie alt waren Sie da?
Wurde es durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst?

RMA: Als ich ungefähr zehn oder elf Jahre alt war, fragte ich den
Jungen, der in der Schule neben mir saß, ob er mir einen Bleistift
leiht. Wenn ja, sagte ich zu ihm, würde ich eine Figur in einem mei-
ner Bücher nach ihm benennen. (Das habe ich viele Jahre später auch
tatsächlich getan.) Selbst da schrieb ich schon Science-fiction-
Geschichten. Ich würde nicht sagen, dass das durch ein einzelnes Er-
eignis ausgelöst wurde, aber ich bin zur Zeit der Raumfahrtprogramme
Mercury, Gemini und Apollo aufgewachsen, und sie haben mich immer
fasziniert. Ich wollte genau über die Erforschung des Weltraums im
wirklichen Leben Bescheid wissen, und sicher war das einer der Haupt-
gründe, weshalb ich Weltraumabenteuer schreiben wollte. Außerdem
sollte ich erwähnen, dass mein Vater Thomas B. Allen ein bekannter
Schriftsteller ist. Er hat viele Artikel für die Zeitschrift "Natio-
nal Geographic" geschrieben sowie Bücher über die verschiedensten
Themen von der Entscheidung zum Abwurf der Atombombe bis zum Leben
der Haie. Näheres findet man auf seiner Webseite: www.tballen.com.


TRB: Wie gehen Sie an eine neue Geschichte heran? Schreiben Sie zu-
nächst ein Exposé?

RMA: Ich mache es nach Möglichkeit nicht jedesmal gleich. Gewöhnlich
erstelle ich wirklich erst ein Exposé, bevor ich ein Buch schreibe,
aber das geschieht ebensosehr aus geschäftlichen wie aus schöpferi-
schen Gründen. Normalerweise verkaufe ich das Buch an einen Verlag,
bevor ich es schreibe, und aus dem Exposé soll hervorgehen, wovon das
Buch handeln und was für eine Art Buch es werden wird. Es kommt je-
doch nur sehr selten vor, dass ich das Exposé genau befolge. Beim
Schreiben kommen mir neue Ideen, und bei manchen Ideen aus dem Exposé
stellt sich beim Ausarbeiten der feineren Details heraus, dass sie
einfach nicht funktionieren. Manche meiner Bücher habe ich allerdings
auch erst beim Schreiben erfunden, und oft habe ich das Exposé völlig
verworfen und die Idee ganz neu bearbeitet.


TRB: Brauchen Sie beim Schreiben bestimmte "Stimulantien" (Tee, Kaf-
fee, Musik, sonst irgend etwas)?

RMA: Ich bin ein starker Kaffeetrinker, aber das gilt, ob ich arbeite
oder nicht. Beim Schreiben habe ich gern irgendwelche Musik im Hin-
tergrund, aber was für Musik, ist fast egal, solange sie mir nicht
richtig auf die Nerven geht. Ich habe die schlechte Angewohnheit,
einfach eine CD im CD-Player zu lassen und sie stundenlang immer und
immer und immer wieder abzuspielen. Zum Glück mache ich das da, wo es
sonst niemand hört.


TRB: Haben Sie irgendwelche festen Arbeitsgewohnheiten? Schreiben Sie
zu einer bestimmten Tageszeit? Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei
Ihnen aus? Besonders seit Sie Vater geworden sind ... Wie läßt sich
das mit dem Schreiben vereinbaren?

RMA: Selbst vor Matthews Geburt hatte ich kaum feste Arbeitsgewohn-
heiten. (Er ist am 12. November 1998 geboren und jetzt etwas über
neun Monate alt.) Sogar als ich noch Junggeselle war, habe ich oft zu
ziemlich merkwürdigen Zeiten geschrieben, eben dann, wenn mich die
Inspiration überkam. Heutzutage muss ich meine Arbeit irgendwie in
Matthews nicht vorhandenen Zeitplan hineinquetschen. Bei uns bin ich
derjenige Elternteil, der zu Hause bleibt; da ist es schwer, viel zu
schaffen. Ich arbeite, wann es eben geht, wenn er tagsüber ein Ni-
ckerchen macht und nachdem ich die Hausarbeit erledigt habe. Da
bleibt selten viel Zeit übrig. Allein um mit diesem Interview so weit
zu kommen, habe ich alle freie Zeit gebraucht, die ich heute bisher
hatte. (Aber jetzt ist es 19.30, und meine Frau ist zu Hause, und es
besteht die Aussicht, dass ich eine Weile ohne Unterbrechungen arbei-
ten kann.) Um ehrlich zu sein, verwende ich viel Zeit darauf, Bitten
um Hilfe zu erfüllen. Gerade in letzter Zeit mußte ich die Ergebnisse
eines Schreibwettbewerbs mit beurteilen, mehrere ehemalige Schüler
ausführlich beraten, Anfragen von Interessenten an meinem nächsten
Kurs beantworten und so weiter. Nach diesem Interview stehen zwei o-
der drei Bitten um Artikel für Fanzines an. Da ist es manchmal gar
nicht so einfach, noch Zeit für die eigentliche Arbeit zu finden. Im
Augenblick versuche ich, öfter spät abends zu arbeiten. Eine weitere
Taktik besteht darin, jederzeit einen Computer in Reichweite zu ha-
ben. Ich habe sechs Computer über das Haus verteilt aufgestellt
(größtenteils alte, vielbenutzte Geräte, die aber noch ziemlich gut
funktionieren), so dass ich immer wenigstens ein bißchen Arbeit erle-
digen kann, egal wo das Baby gerade ist. Das hier tippe ich im Wohn-
zimmer auf einem sehr alten Laptop mit Monochrombildschirm.


TRB: Woher stammen die Ideen für Ihre Geschichten?

RMA: Mir ist noch nie ein Berufsschriftsteller begegnet, dem diese
Frage nicht verhasst ist. Das fragen alle, und es hat noch nie jemand
eine gute Antwort darauf gefunden, abgesehen von dem Standardwitz:
"aus Schenectady". Schenectady ist der Name eines Ortes im Staat New
York. Der Witz geht so, dass es in diesem Ort eine Geheimadresse
gibt. Dort können Schriftsteller einen Dollar hinschicken und bekom-
men dafür eine Idee zugesandt. Vor ein paar Jahren gab es mal eine
Anthologie mit dem Titel "It Came From Schenectady".
Ich möchte aber doch noch eine andere Antwort darauf geben, die zu-
mindest an einem Beispiel zeigt, wie sich bei mir Gedanken entwi-
ckeln. Man geht heute allgemein davon aus, dass der Große Rote Fleck
auf dem Jupiter letztlich ein riesiger permanenter Wirbelsturm ist,
der jetzt schon seit einigen hundert Jahren immer an der gleichen
Stelle auf dem Jupiter festhängt. Ich habe vor kurzem eine aktuelle
Meldung über die Raumsonde Galileo gelesen, die derzeit den Jupiter
umkreist, und das hat mich auf Jupiter gebracht.
Hier an der Ostküste der USA hat ein Hurrikan mit Namen Dennis viel
Ärger verursacht. Statt einfach die Küste hinaufzuwandern und dabei
jede Menge Regen auszuschütten, saß er praktisch ständig an derselben
Stelle und bewegte sich nur wenig hin und her.
Von der Klimaerscheinung namens El Nino haben die meisten Leute e-
benfalls schon gehört; das ist eine periodische Erwärmung eines Teils
des Pazifischen Ozeans, von der man vermutet, dass sie überall auf
der Welt viel seltsames Wetter verursacht.
Und schließlich habe ich letzte Woche ein Buch mit dem Titel "A
Walk in the Woods" gelesen, es ist von Bill Bryson und handelt vom
Appalachian Trail, einem etwa 3200 km langen Wanderweg durch die Na-
tionalparks und Wälder der Appalachen. In dem Buch erzählt Bryson,
wie die geologischen Verhältnisse an der Ostküste der heutigen USA
durch die Gletscher der letzten Eiszeit verändert wurden. (Long Is-
land, das mindestens 300 oder 400 km lang sein dürfte, besteht letzt-
lich nur aus Felsbrocken, Erde und sonstigen Überresten, die die
Gletscher bei ihrem Rückzug nach Norden zurückließen.) Was genau die
Eiszeiten verursacht hat, weiß eigentlich niemand, aber man geht all-
gemein davon aus, dass es eines Tages höchstwahrscheinlich wieder ei-
ne geben wird.
Nachdem mir also diese Einfälle durch den Kopf gingen, kam mir
schließlich eine offizielle Idee: Angenommen, die Eiszeiten wurden
durch einen Riesensturm verursacht, der Hunderte oder Tausende von
Jahren über einer bestimmten Stelle des Südpazifiks stillstand? Die-
ser Sturm würde die weltweiten Wetterverhältnisse drastisch verändern
und eine Folge von positiven Rückkopplungen auslösen, die zu einer
Eiszeit führen würden. (Ein Sturm über dem Wasser würde nach seinem
Verschwinden kaum nachweisbare Spuren hinterlassen.) Die periodisch
auftretenden El Ninos sind misslungene Versuche dieses Megasturms,
sich neu zu bilden. Früher oder später werden genau die richtigen Be-
dingungen herrschen, und der Supersturm wird sich neu bilden, das
Wetter überall auf der Welt zum Umkippen bringen und eine neue Eis-
zeit auslösen.
Na gut, und was dann? Ich habe keine Ahnung. Ich habe mir noch
nicht überlegt, was ich mit dieser Idee anfangen soll, und möglicher-
weise tue ich das nie. Falls jemand unter Ihren Leser/innen etwas
daraus machen möchte, darf er oder sie die Idee gern benutzen. Das
schadet wirklich gar nichts, denn selbst wenn zwei Personen bei genau
der gleichen Idee anfangen, werden sie immer an völlig verschiedenen
Punkten ankommen.
Die Ideen sind immer das einfachste. Ideen kann jeder haben. Das
Schwierige ist, über die in fünf Minuten zusammengeträumte Idee hi-
nauszugehen und Zeit und Mühe und Geduld genug aufzubringen, um sie
im Laufe von Monaten oder Jahren in eine Geschichte oder einen Roman
zu verwandeln.


TRB: Was tun Sie, wenn Sie eine Geschichte fertig haben? Haben Sie
dann bereits ein anderes Projekt im Kopf? Arbeiten Sie an mehreren
Projekten gleichzeitig?

RMA: Ich habe gerade auf meiner Aufgabenliste nachgesehen und festge-
stellt, dass acht Schreibprojekte darauf stehen. Dazu gehören Projek-
te, die schon zu 99,9 Prozent erledigt sind, und solche, an denen ich
bisher kaum gearbeitet habe. Drei haben die Form von Angeboten, das
heißt sie zirkulieren als Exposés bei den Verlagen. Zwei weitere wer-
de ich voraussichtlich im nächsten Monat oder so zu förmlichen Ange-
boten weiterentwickeln. Und eben fallen mir noch zwei ein, die nicht
auf der Liste stehen. Einige, nicht alle, werde ich verkaufen, und
dann werde ich an dem arbeiten, das ich als erstes verkauft habe. Bis
dahin arbeite ich an anderen Projekten, die noch niemand gekauft hat
und die ich vor der Fertigstellung voraussichtlich auch nicht verkau-
fen werde. Berufsschriftsteller müssen immer an mehreren Projekten
gleichzeitig arbeiten, weil jedes einzelne Projekt oft so lange dau-
ert. Normalerweise liege ich gegenüber meinen Plänen ein oder zwei
Bücher im Rückstand und habe Schreibverträge für ein oder zwei Jahre
im voraus. (Mein schlimmster Rückstand waren einmal fünf Bücher. Es
hat Jahre gedauert, bis ich das aufgeholt hatte.) Im Augenblick habe
ich jedoch halb durch Zufall, halb mit Absicht sämtliche Verträge er-
füllt und keinerlei Schreibverpflichtungen. Zum erstenmal seit etwa
1985 schulde ich niemandem ein Buch. So habe ich Gelegenheit, mehr
Zeit mit meinem kleinen Sohn Matthew zu verbringen, aber mein letztes
Buch habe ich am Tag vor seiner Geburt eingereicht, und er ist jetzt
neuneinhalb Monate alt. Allmählich mache ich mir etwas Sorgen, wann
ich den nächsten Schreibauftrag bekommen werde.


TRB: Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an einem Roman?

RMA: Die kürzeste Zeitspanne waren fünf Monate, die längste etwa
zweieinhalb Jahre, wobei der Durchschnitt etwa ein Jahr beträgt. Al-
lerdings liegen vor diesem durchschnittlichen einen Jahr konzentrier-
ter Arbeit vielleicht ein oder zwei Jahre, in denen ich mich bemüht
habe, das Buch zu verkaufen, und es folgen ihm ein oder zwei Jahre,
in denen ich versuche, das verdammte Ding veröffentlicht zu bekommen.
(Vor kurzem habe ich allerdings einmal innerhalb von rund einem Jahr
einen Vertrag unterzeichnet, das Buch geschrieben und es veröffent-
licht bekommen.) Mein nächstes Buch "The Depths of Time" wird im März
2000 in den USA erscheinen. Die erste Idee dazu hatte ich im Sommer
1991.


TRB: Was tun Sie gegen Schreibblockaden?

RMA: Ich glaube nicht an Schreibblockaden. Ich glaube auch nicht an
Rechtsprechblockaden oder Rohrlegblockaden oder Malblockaden oder Po-
lizeiarbeitsblockaden. Wer diesen Beruf hat, muss ihn auch ausüben,
ob ihm bzw. ihr danach zumute ist oder nicht. Abgesehen von einer
recht suspekten Ausnahme kenne ich unter den produzierenden Berufs-
schriftsteller, also unter denen, die hauptberuflich schreiben, die
mit Hilfe von Schreiben ihre Rechnungen bezahlen, nicht einen einzi-
gen, der bzw. die jemals Schreibblockaden hatte. Schreibblockaden be-
kommen Amateurschriftsteller. Leute, denen das Schreiben langweilig
geworden ist. Leute, die einen Vorwand fürs Aufhören suchen. Wer sich
Schriftsteller nennen möchte, ohne die Mühe des Schreibens auf sich
zu nehmen, kann verkünden, sie bzw. er hätte Schreibblockaden, und
schon wird er oder sie nicht nur als dieses modische Etwas "Schrift-
steller", "Künstler" behandelt - sondern sogar als leidender, von
Schaffensqualen gemarterter Künstler. Dann darf sie oder er sich ganz
in Schwarz kleiden und schlecht gelaunt sein und bis spät in die
Nacht aufbleiben, genau wie richtige Schriftsteller. Nur dass die
richtigen Schriftsteller eben zu Hause sitzen und schreiben.
Was die eine suspekte Ausnahme zu der Regel Profis haben keine
Schreibblockaden angeht, so will ich keine Namen nennen, aber mein
Eindruck war, dass der Betreffende an diesen Schreibblockaden ganz
gut verdient hat. Er hat ausgiebig über Schreibblockaden geschrieben
und eine regelmäßige Kolumne veröffentlicht und auch sonst vieles ge-
schrieben. Der fragliche Herr war schon immer gut darin, die Aufmerk-
samkeit auf sich zu lenken, und das Blockiertsein hat ihm eine Menge
Aufmerksamkeit eingebracht, weil er ja so sehr um seiner Kunst willen
litt und sich abmühte und so weiter. Soweit ich das erkennen konnte,
bekam er die Blockade jedoch erst, als er es sich leisten konnte und
als er etwas zu tun hatte, das ihn mehr interessierte als die Texte,
die er eigentlich schreiben sollte. Für mich, der ich das Ganze aus
großer Entfernung mit sehr wenig Interesse und viel Skepsis beobach-
tet habe, sah es so aus, als hätte der Große Schriftsteller keine
Lust auf die Arbeit gehabt, die er erledigen sollte, also hat er lie-
ber etwas anderes gemacht, und weil er "Schreibblockaden" hatte, ließ
man es ihm durchgehen. Der Ärmste.


TRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor/eine gute Autorin
aus?

RMA: Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich kann nur sagen, dass
Begabung meiner Ansicht nach das fünftwichtigste ist, was ein
Schriftsteller braucht. Es gibt viele begabte Schriftsteller, aus de-
nen nie etwas wird, weil sie zu leicht aufgeben oder nicht hart genug
arbeiten. Und ich kenne mehrere ausgesprochen durchschnittliche
Schriftsteller (auch hier nenne ich keine Namen!), die es zu sehr
viel gebracht haben, obwohl sie nur sehr bescheiden begabt sind. Da-
für haben sie mehr von dem, was ein Schriftsteller dringender braucht
als Begabung. (Wir haben alle schon mal sehr schlecht geschriebene
Bücher gelesen und uns gefragt, wie um alles in der Welt dieser Un-
sinn je gedruckt werden konnte.) Grob geordnet würde ich sagen, ein
Schriftsteller braucht Beharrlichkeit, Geduld, Selbstvertrauen, Glück
- und dann Begabung. Nach Begabung würde ich noch Beobachtungsgabe
anführen, einen Sinn für Details und schließlich Zuverlässigkeit.


TRB: Wer sind Ihre Vorbilder?

RMA: Was das Schreiben angeht, kann ich nicht behaupten, dass ich
welche habe. Ein "Vorbild" ist für mich jemand, dem ich ähnlich sein
möchte, und es gibt einfach niemand, den ich so dringend imitieren
will. Ich bin ein großer Bewunderer von Charles Dickens, Dorothy L.
Sayers und den Claudius-Romanen von Robert Graves. Bei der Science-
fiction gefallen mir David Brin und Charles Sheffield und Harry Turt-
ledove ziemlich gut - aber das sind auch Freunde von mir, deshalb bin
ich voreingenommen. An Heinlein genieße ich die Muskulosität seiner
Texte, obwohl ich finde, dass bei seinen späteren, längeren Büchern
der Plot ernsthafte Mängel hatte. Asimov zu lesen macht immer Spaß,
aber er ist dialoglastig und verlässt sich beim Plot etwas zu stark
auf logische Konstrukte. Unter den "klassischen" Sciencefiction-
Schriftstellern ist mir wohl Arthur C. Clarke am liebsten. Sein Buch
"Die sieben Sonnen" bewundere ich sehr. Ich habe vor, irgendwo ein
Exemplar aufzutreiben und es noch einmal zu lesen.


TRB: Welches Ihrer Werke mögen Sie am liebsten? Warum?

RMA: Die schnelle und einfache Antwort darauf wäre "The Depths of
Time", schon weil es mein nächstes Buch ist. Ich glaube jedoch ganz
ernsthaft, dass es tatsächlich eins meiner stärksten Werke ist, und
mir gefällt sein breiter räumlicher und zeitlicher Rahmen. Aus ähnli-
chen Gründen mag ich auch "Der Ring von Charon" und "Die zerschmet-
terte Sphäre". Von vielen Leuten habe ich schon gehört, eine meiner
besten Arbeiten, wenn nicht überhaupt die beste, sei "Waisen der
Schöpfung", das ja ganz anders ist. Andererseits hat es sich von all
meinen Büchern am schlechtesten verkauft (mit einer Ausnahme, die so
deprimierend ist, dass ich gar nicht daran denken mag).


TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, welche Kurzgeschichte) lesen
Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?

RMA: In letzter Zeit habe ich alte Freunde besucht. Ich habe "Ich,
Claudius" von Robert Graves noch einmal gelesen, und danach habe ich
zu "Bleak House" von Dickens gegriffen, das ich seit Jahren nicht
mehr gelesen habe. Davor habe ich das oben erwähnte (sehr komische)
Buch "A Walk In the Woods" von Bill Bryson gelesen und davor "Hitler
- Eine Studie über Tyrannei" von Alan Bullock. Im Augenblick lese ich
nicht viel Sciencefiction oder überhaupt Fiction. Das wäre Arbeit.
Sciencefiction lese ich, wenn ich einen Kurs abhalte oder ein Manu-
skript Korrektur lese oder etwas für einen Kollegen lese. In meiner
Freizeit lese ich andere Sachen. (Übrigens trifft das auf die meisten
professionellen Sciencefiction-Schriftsteller zu, die ich kenne.)


TRB: Was wünschen Sie sich von Ihren Leser/innen?

RMA: Über diese Frage habe ich noch nie nachgedacht. Vermutlich weil
ich das Gefühl habe, dass es nicht meine Sache ist, etwas von ihnen
zu verlangen. Letztendlich sind die Leser mein Chef. Es ist meine
Aufgabe, sie zu unterhalten, sie zu erfreuen. Die Leser können frei
entscheiden, ob sie meine Bücher lesen möchten, und natürlich wünsche
ich mir sehr, dass sie sich für mich entscheiden, aber da ist meine
Meinung nicht gefragt.


TRB: Was wünschen Sie sich von Ihren Kritiker/innen?

RMA: Auch da ist meine Meinung nicht gefragt. Sie dürfen sagen, was
immer sie wollen. Das ist ja der Sinn der Sache. Die meisten Rezensi-
onen zu meinen Büchern waren positiv. Ein oder zwei waren zutiefst
beleidigend. Aber auch wenn ich völlig niedergemacht werde, kann ich
nicht viel dagegen tun, und jeder Versuch, sich zu beschweren, würde
alles nur verschlimmern. (Ein Freund von mir hat tatsächlich einmal
versucht, Ärger zu machen, und das führte nur dazu, dass die schlech-
te Rezension noch mehr beachtet wurde und er selbst sehr dumm da-
stand.) Von mir kann ich sagen, dass die schlechten Rezensionen auch
diejenigen mit den meisten sachlichen Fehlern waren und diejenigen,
die in den kleinsten Zeitschriften erschienen. Das ist mir natürlich
nur recht.
Um die Frage noch von einem anderen Gesichtspunkt aus anzugehen: An
dem Großen Schriftsteller mit den Schreibblockaden stört mich unter
anderem, dass er sich für einen sehr bedeutenden Künstler hält, der
wirklich etwas zu sagen hat, und weil er ein Künstler ist, sollen wir
ihm alle zuhören. Mir hat die Vorstellung, dass Schriftsteller Künst-
ler sind, sowieso noch nie gefallen, und ich verschwende ganz be-
stimmt keine Zeit darauf, mich selbst als Künstler zu betrachten. Ich
glaube nicht, dass ich einer bin. Ich bin ein Typ, der Geschichten
schreibt, um die Leute zu unterhalten. Wenn ich mir über solche Sa-
chen zu viele Gedanken machen wollte, würde ich mich selbst zu wich-
tig nehmen, und ich glaube, dadurch würde ich meine Aufmerksamkeit
von meiner Arbeit weg auf mich selbst richten. Darunter würde die
Qualität meiner Arbeit leiden.
Gleichgültig um welchen Arbeitsbereich es sich handelt - Malen,
Schreiben, Schauspielerei, Architektur, Gesang - meiner Meinung nach
gibt es da immer genau eine Person, die nicht zu entscheiden hat, ob
der Urheber eines Werks ein "Künstler" ist. Diese Person ohne Stimm-
recht ist der Urheber selbst. Über die Qualität oder den Wert meines
Werks habe nicht ich zu urteilen. Das ist Aufgabe der Leser - und der
Kritiker.


TRB: Wen betrachten Sie als idealen Verleger?

RMA: Wenn Sie damit meinen, welcher Verleger mir am liebsten ist,
dann werde ich das aus zwei Gründen nicht beantworten. Erstens haben
sie alle ihre guten Seiten, und zweitens mache ich mit ihnen allen
Geschäfte und möchte niemand unnötig verärgern! Wenn Sie meinen, wel-
che Eigenschaften ein idealer Verleger besitzen sollte, so muss ich
antworten, dass wir von diesem Ideal derart weit entfernt sind, dass
ich es mir kaum ausmalen kann. (So - jetzt habe ich es geschafft, al-
le Verleger zu verärgern.) Mir wäre ein Verleger lieb, der schnell ja
oder nein sagt, pünktlich zahlt, keine buchhalterischen Spielchen
treibt, um mich auf mein Geld warten zu lassen, sich hinsichtlich des
Covers mit mir berät (das kommt fast nie vor), weiß, eine wie hohe
Auflage gedruckt werden sollte und wie man Bücher auf effiziente Art
in die Buchläden bringt. Mir wäre ein Verleger lieb, der nicht dem
Autor die Schuld gibt, wenn sich das Buch aufgrund unglaublicher
Dummheiten von Seiten des Verlags schlecht verkauft. Aber was viel-
leicht am wichtigsten ist, mir wäre ein Verleger lieb, der den Lekto-
ren soviel Zeit und Arbeitsmöglichkeiten zugesteht, dass sie ein Buch
wirklich lektorieren können. Bei den heutigen Zuständen kommen die
meisten Lektoren aufgrund von zeitlichen und finanziellen Zwängen nur
noch dazu, ein Manuskript zur Veröffentlichung anzunehmen, es ein
bisschen auf Tippfehler hin durchzusehen, einige wenige Rückfragen zu
machen und es dann in Druck zu geben. Dabei möchten Lektoren den
Schriftstellern erklären, wie sich die Struktur des Textes bereinigen
ließe, das Tempo verbessern und die Kapitel so umordnen, dass der
Schluss überzeugender wird. Sie möchten die notwendigen Kürzungen und
Verbesserungen vornehmen. Für solche Dinge haben Lektoren heutzutage
aber kaum noch Zeit.
Bei den amerikanischen Sciencefiction-Verlagen dürfte eins für Ihre
Leser besonders interessant sein: Die meisten gehören zu Verlagen mit
allgemeinem Programm, die sich im Besitz von Firmenkonglomeraten be-
finden, die wiederum deutschen Konzernen gehören. Die drei großen SF-
Imprints Bantam, Tor und Del Rey zum Beispiel gehören letztendlich
deutschen Konzernen. Das macht denjenigen von uns, die mit dem ameri-
kanischen Sciencefiction-Verlagswesen und dem amerikanischen Verlags-
wesen allgemein zu tun haben, einige Sorge. Nicht dass wir etwas ge-
gen deutsche Konzerne haben. Es würde uns genauso stören, wenn die
amerikanischen Verlagshäuser allesamt den Italienern oder den Franzo-
sen oder sonst irgendwem gehören würden. Was uns beunruhigt, ist,
dass die Entscheidungsgewalt darüber, was in diesem Land veröffent-
licht wird, letztlich bei Leuten liegt, die sich nicht einmal auf
diesem Kontinent aufhalten. Für mich ist das eine nette ironische
Verkehrung des guten alten Themas amerikanischer Kulturimperialismus.
Manch einer würde sicher sagen, wir hätten es nicht besser verdient.


TRB: In welchen Genres haben Sie bisher geschrieben? Gibt es eins, in
dem Sie gern einmal schreiben würden?

RMA: Wie alle guten Sciencefiction-Schriftsteller habe auch ich einen
halbfertigen Kriminalroman in der Schreibtischschublade liegen. Ich
glaube, insgeheim möchten alle Sciencefiction-Autoren nebenbei Krimis
schreiben. (Und mindestens vier meiner Bücher sind auch Krimis -
Sciencefiction-Krimis.) Eines Tages würde ich mich gern an einem
Drehbuch versuchen. Außerdem habe ich ein oder zwei Ideen für "allge-
meine" Romane, also für zeitgenössische fiktionale Geschichten, die
in der "realen" Welt spielen und in keins der Genres Liebesroman oder
Thriller/Krimi oder Sciencefiction passen. Ich muss jedoch zugeben,
dass mich die zeitgenössische Literatur größtenteils nicht interes-
siert. Irgendwie steht mir dabei zu wenig auf dem Spiel. In meinen
Sciencefiction-Büchern geht es um das Schicksal von Welten, von Zivi-
lisationen. Ich gehe darin der Frage nach, was es heißt, ein Mensch
zu sein, und befasse mich mit der Suche nach Leben im Universum. Es
würde mir schwer fallen, mir wirklich Sorgen darum zu machen, ob John
seinen Job behält oder George und Marcia zur wahren Liebe finden.


TRB: Sie haben uns gesagt, dass Sie Ihre nicht mehr lieferbaren Bü-
cher selbst herausgeben wollen. Können Sie unseren Lesern etwas dar-
über erzählen? (Sie haben darüber gesprochen, dass das Copyright an
den Autor zurückfällt, über "Books on Demand", über die Veränderungen
auf dem Verlagssektor ...)

RMA: Diese Pläne sind nach wie vor in Arbeit, und ich würde vermuten,
dass die ersten Titel gegen Ende 1999 erhältlich sein werden. Ich
werde nicht nur meine eigenen Bücher neu herausgeben, sondern auch
die von mehreren anderen Autoren. Im Augenblick konzentriere ich mich
dabei jedoch strikt auf den amerikanischen Markt. Bevor ich nicht
startbereit bin, möchte ich nicht allzu viel darüber sagen - und es
ist schwer, neben dem Schreiben neuer Bücher und dem Versorgen des
Babys noch Zeit für dieses Projekt zu finden. Wer mehr erfahren möch-
te, sollte von Zeit zu Zeit auf meiner Website
www.sff.net/people/Roger.Allen nachsehen. Sobald das Geschäft läuft,
werde ich dort darüber berichten.


TRB: Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?

RMA: Darüber weiß ich nicht mehr als Sie. Wie Sie meinen Antworten
wohl entnommen haben, denke ich derzeit über rund ein halbes Dutzend
Schreibprojekte nach. Welchem ich mich als nächstes zuwende, hängt
von einer Menge Faktoren ab, von meiner Zeitplanung und der des Ver-
lags, davon, wozu ich Lust habe, und davon, wie viel Zeit ich habe.
Nur eins weiß ich mit Sicherheit, nämlich dass ich weiter fleißig ar-
beiten werde.
Natürlich besteht auch die unwahrscheinliche, aber immerhin reale
Möglichkeit, dass niemand irgendeins der Bücher kauft, die ich
schreiben möchte, und meine berufliche Laufbahn plötzlich zu Ende
ist. Falls die Verlage zu dem Schluss kommen, dass ich nicht mehr in
Mode bin, dann war es das. Wahrscheinlich geht alles gut, aber es be-
steht eben die geringfügige Möglichkeit, dass ich eine Weile gut dran
war und es jetzt vorbei ist. Es fällt schwer, sich deswegen nicht ein
bisschen Sorgen zu machen.


TRB: Möchten Sie unseren Lesern sonst noch etwas mitteilen?

RMA: Das war eine ziemlich eingehende Fragenliste. Es hat mir Spaß
gemacht, darauf zu antworten, und ich habe mich bemüht, so ehrlich
wie möglich zu antworten. Ich hoffe, ich war nicht zu offenherzig und
habe niemand aus Versehen beleidigt. (Jemand absichtlich zu beleidi-
gen, macht mir gar nichts aus!) Zum Schluss möchte ich nur noch sa-
gen, dass Schreiben ein großartiger Beruf ist, und das Schreiben von
Romanen ist noch besser. Aber das tägliche Leben von Schriftstellern
hat nichts wirklich Besonderes oder Wichtiges oder Aufregendes an
sich. Zum Schreiben gehört kein besonderer magischer Kniff, man muss
sich nur hinsetzen und es tun. Das ist mit der Hauptgrund, warum ich
meine, dass Schriftsteller vor allem die Charaktereigenschaften
Beharrlichkeit und Geduld braucht. Schreiben braucht Zeit.


TRB: Vielen Dank für dieses Interview.

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FRAG DIE SACHBUCHEXPERTIN:
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mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

Frage: Ich habe eine Idee für ein Sachbuch. Aber ich habe festge-
stellt, dass es zum selben Thema schon eine Menge Bücher gibt. Wie
kann ich herausfinden, ob es für mein Buch trotzdem noch eine Chance
gibt? Oder sollte ich das lieber gleich vergessen?

Antwort: Wenn sich viele Bücher zu einem Thema verkaufen, dann ist
der Markt dafür auch besonders groß. Ihre Aussichten auf Erfolg kön-
nen es dann ebenso sein. Sie sollten dann aber - bevor Sie Ihr Thema
weiter verfolgen - die Konkurrenz genau analysieren, um herauszufin-
den, wo noch inhaltliche Lücken sind, die Sie füllen könnten, oder
was Sie mit Ihrem persönlichen Hintergrund besser, nützlicher machen
könnten.
Einige Tipps dazu:
1. Machen Sie sich Notizen zu all dem, was in Ihr Buch hinein soll
- das geht zum Beispiel in einem Mind Map besonders gut.
2. Schreiben Sie in Stichworten auf, in welchen Bereichen Sie sich
besonders gut auskennen - oder sich hinreichend informieren könnten.
3. Grenzen Sie Ihr Thema möglichst ein; spezialisieren Sie sich auf
eine Sichtweise, einen Problemkomplex, eine Zielgruppe ... Denn wenn
es schon viele Bücher zu Ihrem Thema gibt, werden Sie am ehesten Er-
folg haben, wenn Sie eine Nische, einen Schwerpunkt finden, den bis-
lang noch niemand berücksichtigt hat.
Danach haben Sie einen groben Überblick über den Markt und wissen,
mit welchen Schwerpunkten oder mit welcher Zielgruppe Sie für Ihr ei-
genes Buch die besten Aussichten sehen.
Jetzt sollten Sie ins Detail gehen. Machen Sie eine vorläufige in-
haltliche Gliederung Ihres Buches - oder auch mehrere alternative.
Dann suchen Sie sich eine Handvoll Bücher, die Sie als Ihre "ärgsten"
Konkurrenten einschätzen, und ermitteln durch einen Gegenüberstel-
lung, ob und in welchen Punkten Ihre Idee wirklich Aussicht auf Er-
folg haben kann.
Ein geeignetes Mittel dafür ist ein Vergleichschart (die Idee dazu
und die Grundzüge des folgenden Beispiels stammen aus der Zeitschrift
"Writer’s Digest", 12/97, und zwar von Jerry Germer). Mit einem sol-
chen Chart können Sie übrigens auch bei der Präsentation, also in Ih-
rem Exposé für den Verlag, Pluspunkte sammeln.
Wie kann so ein Chart aussehen? Ein Beispiel: Das Thema, für das
Sie sich entschieden haben, lautet: "Wie richte ich ein Arbeitszimmer
zu Hause ein?" Sie wollen zeigen, wie man auch auf beengtem Raum
Platz für ein eigenes Arbeitszimmer finden, was man unter steuerli-
chen Gesichtspunkten beachten sollte etc. Sie haben drei direkte Kon-
kurrenzbücher gefunden und machen jetzt ein Vergleichschart:
- In die linke Spalte schreiben Sie die geplanten Kapitel (die Sie
aus Ihrer groben inhaltlichen Gliederung ableiten).
- Die nächsten Spalten sind für Ihre Konkurrenz reserviert (K1 bis
K3): Markieren Sie jeweils, ob Ihr Kapitelthema von der Konkurrenz
komplett (++), zum Teil (~~) oder aber gar nicht abgedeckt wird.
Dann könnte ein Chart wie das folgende entstehen:

|Kapitel| Thema | K1 | K2 | K3 |
|-------|----------------------------------|----|----|----|
| 1 | Möglichkeiten | | ~~ | ~~ |
| 2 | Finanzielles | | ++ | |
| 3 | Den Platzbedarf bestimmen | | | |
| 4 | Mögliche Plätze einschätzen | ~~ | ~~ | ~~ |
| 5 | Professionelle Hilfe | | | |
| 6 | Den Platz organisieren | | ~~ | ++ |
| 7 | Heizung, Licht, Geräusche | ~~ | | ++ |
| 8 | Elektrische Systeme | | | |
| 9 | Besonderheiten von | | | |
| | abgeschlossenen Räumen | | | |
| 10 | Besonderheiten von Dachkammern | | | |
| 11 | Besonderheiten von Kellerräumen | | | |
| 12 | Besonderheiten von Garagen | | | |
| 13 | Steuerliche Fragen | ++ | | ++ |
-----------------------------------------------------------

Auf einen Blick wird deutlich, dass Sie einiges zu bieten haben,
was Ihre Konkurrenz nicht bietet. Vor allem für Menschen, die nur we-
nig Platz für ein Arbeitszimmer haben und die deshalb erfinderisch
sein müssen, wenn sie eines einrichten wollen, wird Ihr Buch das
richtige sein. Diesen Punkt sollten Sie dann in Ihrem Exposé auch be-
sonders herausstellen.

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Gabi Neumayer verfasste bereits Hunderte von Artikeln zu sprachlichen
Themen und mehrere Sachbücher (meist zusammen mit ihrer Co-Autorin
Ulrike Rudolph). Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a. "Die neue
Rechtschreibung", erschienen im Haufe Verlag, und "Geschäftskorres-
pondenz von A bis Z", das im Februar 2000 im Humboldt-
Taschenbuchverlag erscheinen wird.

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FRAG DIE KINDERBUCHEXPERTIN:
---------------------------------------------------------------------
mailto:Gabi.Neumayer at autorenforum punkt de

Frage: Ich habe ein Kinderbuch geschrieben und möchte es nun ver-
schiedenen Verlagen anbieten. Muss ich es heute eigentlich schon un-
bedingt in neuer Rechtschreibung anbieten?

Antwort: Die Situation auf dem Buchmarkt ist noch sehr uneinheitlich.
Am sichersten ist es natürlich, wenn Sie sich für jeden Verlag, an
den Sie schreiben wollen, über die dortigen Rechtschreibgepflogenhei-
ten informieren. Im Bereich "Kinderbuch" lässt sich allerdings fest-
stellen, dass schon sehr viele auf die neue Rechtschreibung umge-
stellt haben - vor allem Bilderbücher und Bücher für das erste Lese-
alter werden fast nur noch in neuer Rechtschreibung veröffentlicht.
Wenn Sie unnötige Umschreibarbeit vermeiden möchten, können Sie Ihr
Manuskript auf jeden Fall in alter Rechtschreibung einreichen - nie-
mand wird es heutzutage deshalb ablehnen. Es kann aber sein, dass Sie
- wenn man Interesse an Ihrem Manuskript zeigt - gebeten werden, es
für die Endfassung auf die neue Rechtschreibung umzustellen.
In jedem Fall zeigen Sie, dass Sie sich über dieses Thema überhaupt
Gedanken gemacht haben, wenn Sie in Ihrem Anschreiben vermerken, dass
Sie das Manuskript - bei Bedarf - gern auch auf die neue Rechtschrei-
bung umstellen werden. Kein Lektor, keine Lektorin sieht es ungern,
wenn die AutorInnen mitdenken ...

(Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es auf unseren Webseiten
unter der Rubrik "Autorenwissen".)

**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Gabi Neumayer ist die Autorin mehrerer Kinderbücher. Dazu gehören
"Fred und Marie", erschienen im Lappan Verlag, und "Im Gemüsedschun-
gel", LeiV-Verlag.

*********************************************************************

FRAG DIE ÜBERSETZERIN:
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mailto:Barbara.Slawig at autorenforum punkt de

Sehr geehrte Frau Slawig,
auf diesem Wege möchte ich Sie bitten, mir ein paar Tipps zum Ein-
stieg ins Übersetzen von Belletristik zu geben. Ich arbeite seit ei-
niger Zeit nebenberuflich als Übersetzer vom Englischen ins Deutsche,
allerdings nur im Bereich medizinischer Fachtexte, und würde liebend
gerne mal einen "normalen" Prosatext übersetzen. Wie finde ich einen
Verlag, der mir mal einen Probetext und eine Chance gibt?

Antwort: "Wer da hat, dem wird gegeben": Wer schon Auftraggeber hat,
bekommt (relativ) leicht weitere hinzu. Lektoren arbeiten nun einmal
gern mit Übersetzer/innen, deren Stärken und Schwächen sie einschät-
zen können. Andererseits sind gerade auf dem Unterhaltungssektor ge-
nug mäßige bis dilettantische Übersetzungen auf dem Markt, so dass
ein/e Übersetzer/in MIT SPRACHGEFÜHL immer wieder eine Chance bekom-
men wird.
Am leichtesten gelingt der Einstieg bei denjenigen Auftraggebern,
die wenig bezahlen, weil die erfahrenen Übersetzer dort abwandern.
Das umfasst vor allem die Verlagshäuser, die alljährlich große Mengen
Taschenbuch-Erstausgaben auf den Markt bringen. Hier liegen die Hono-
rarsätze oft bei 20 DM pro Normseite oder noch niedriger (eine Norm-
seite besteht aus 30 Zeilen à 60 Zeichen). Ein möglicher Einstieg wä-
re also, eine kurze, freundlich und informativ gefasste Anfrage an
das Taschenbuchlektorat dieser Verlage zu schicken (wenn man den Na-
men des/der Zuständigen kennt: noch besser). Viele werden gar nicht
antworten, aber für den Einstieg reicht es ja, wenn ein Lektorat ein
Türchen öffnet.
Eine Sonderstellung nimmt der Hamburger CORA-Verlag ein, der die an
Kiosken erhältlichen Romanserien im Taschenheftformat herausbringt.
Hier liegen die Honorarsätze noch niedriger, dafür werden keinerlei
Vorkenntnisse verlangt, man fertigt eine Probeübersetzung an, und die
Übersetzerinnen (es sind meist Frauen) werden durch Lektorin und Ü-
berarbeiterin kontrolliert und korrigiert.
Wer jetzt über die Honorare und die Art der Texte die Nase rümpfen
möchte, sollte folgendes bedenken: Übersetzen ist ein schwieriger Be-
ruf, den man ERLERNEN muss, und wer keine entsprechende Ausbildung
absolviert hat, sollte vielleicht die ersten Berufsjahre als Ausbil-
dungsjahre betrachten. Belletristik zu übersetzen, ist etwas ganz an-
deres, als Sachtexte zu übersetzen. Auch hier muss die Übersetzung
genau sein, aber sie muss eben auch Sprachfluss, Sprachebene, Atmo-
sphäre etc. möglichst genau wiedergeben. Amateurhafte Übersetzungen
erkennt man fast immer daran, dass sie zu dicht an den Worten und
Satzkonstruktionen des Originals kleben. Einen flüssigen Stil zu fin-
den, der trotzdem ganz nah am Original bleibt - das kann man bei
schlichten Liebesromanen genauso gut üben wie bei anspruchsvollerer
Literatur. Und solange man in diesem Punkt noch nicht ganz sattelfest
ist, sollte man vielleicht froh sein, wenn man nicht zusätzlich mit
literarischen Anspielungen, komplizierten landes- oder sprachkundli-
chen Recherchen, Wortspielen, Slang und ähnlichem konfrontiert wird.

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Barbara Slawig ist freie Übersetzerin (Englisch-Deutsch) für Bellet-
ristik, auch Sciencefiction und gelegentlich Sachtexte. Zu ihren Ar-
beiten gehört die Übersetzung von "Datafat" von Simon Ings, erschie-
nen im Heyne Verlag 1999, und "Queen City Jazz" von Kathleen Ann Goo-
nan, in Vorbereitung.

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NACHLESE(N):
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mailto:Thomas.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de

Der Kurzgeschichtenpreis "Metropolis"

Das Autorenforum richtete für den EuroCon 1999 in Dortmund den SF-
Kurzgeschichtenwettbewerb "Metropolis" aus. Mit 58 Autoren hatte sich
die Teilnehmerzahl gegenüber den Wettbewerben der SF-Tage NRW fast
verdreifacht. Die ersten drei Plätze waren mit einem Geldpreis do-
tiert. Amazon.de zeigte damit sein Engagement, Nachwuchsautoren zu
fördern und der Sciencefiction mehr Bedeutung zukommen zu lassen.

Zur Historie

Schon seit vielen Jahren richteten die SF-Tage NRW einen Kurzge-
schichtenwettbewerb aus, der von Arno Behrend betreut wurde. Im März
1998, auf den 10. SF-Tagen NRW, trat Arno an das Autorenforum heran
und bat dessen Redaktion, die Ausrichtung des Wettbewerbs für den Eu-
roCon 99 (gleichzeitig 11. SF-Tage und Jahreshauptversammlung des
SFCD e. V.) zu übernehmen. Die Organisation des EuroCon würde die ge-
kannten Maße weit überschreiten und daher erheblich mehr Leute zur
Durchführung des Wettbewerbs erfordern.
Noch in der ersten Jahreshälfte stellte das Autorenforum ein Team
zusammen, das die Vorauswertung der Kurzgeschichten übernehmen soll-
te. Die Auswertung war in zwei Phasen unterteilt worden, um die ei-
gentliche Jury zu entlasten.

Ausschreibung

Das Thema des Wettbewerbs lautete "Money makes the Space go round".
Die Einsendungen durften zwar sowohl in deutscher als auch englischer
Sprache verfasst sein, jedoch wurden nur zwei englischsprachige Kurz-
geschichten eingereicht.
Vom Wettbewerb sollten natürlich so viele Leute wie möglich erfah-
ren. Von Arno Behrend hatte das Autorenforum die Adressen aller ehe-
maligen Teilnehmer an den Wettbewerben der SF-Tage erhalten. In einer
Briefaktion wurden sie von der Ausschreibung für den EuroCon infor-
miert. Weitere Adressaten der Ausschreibung waren Literaturwerkstät-
ten, Literaturbüros, Veranstalter von Schreibkursen, usw., die gebe-
ten wurden, die Information an Interessenten weiterzugeben.
Dann begann das Warten.

Durchführung

Im Dezember 1998 ging es dann richtig los. Fast jeden Tag kamen Brie-
fe im Postfach an. 58 Autoren mit 78 Kurzgeschichten nahmen am Wett-
bewerb teil. Von den Autoren kamen zwölf aus Österreich, vierzig aus
Deutschland, vier aus der Schweiz, ein Autor aus Dänemark und eine
Autorin gar aus Kroatien. Erfreulicherweise musste keine der Kurzge-
schichten aus formalen Gründen bereits vor der Vorjury abgelehnt wer-
den. Alle Autoren hatten sich an die Vorgaben gehalten.
Innerhalb von sechs Wochen hatte die Vorjury - bestehend aus Redak-
tionsmitgliedern des Autorenforums und Nachwuchsautoren - alle einge-
sandten Kurzgeschichten zu lesen und Punkte für Idee und Ausführung
zu vergeben. Danach wurden die Einsendungen mit den höchsten Punkt-
zahlen herausgenommen und an die Jury weitergeleitet.
Für die Jury hatten sich die Autorin und Übersetzerin Monika Nie-
haus-Osterloh, sowie die Autoren bzw. Lektoren Uwe Anton, Andreas
Eschbach, Gisbert Haefs, Ronald M. Hahn und Horst Pukallus zur Verfü-
gung gestellt. Sie bewerteten die besten zwölf Kurzgeschichten aus
der Vorentscheidung und ermittelten die Sieger des Wettbewerbs:

1. Platz: Ralan Conley mit "Galactic Exchange"

2. Platz: Claudia Drescher mit "Schwungrad"

3. Platz: Falko Löffler mit "Orbitsteuer"

Die drei Kurzgeschichten sind bei Amazon.de in der Rubrik "Science-
fiction" abrufbar, oder - zusammen mit den anderen Kurzgeschichten
aus der Vorentscheidung - als Reader beim Autorenforum erhältlich
(für 11,50 DM in Briefmarken).
Parallel zur Auswertung musste sich das Autorenforum nach einer
neuen Quelle für die Urkunden des Wettbewerbs umsehen. Georg Jörgens
war beruflich so eingespannt, dass er in diesem Jahr nicht zur Verfü-
gung stand. Stefanie Pappon, Werbegrafikerin von Beruf und verant-
wortlich für das Layout der Clubzeitschrift "The Tempest" (die mitt-
lerweile nicht mehr in gedruckter Form herausgeben wird, da das Auto-
renforum ins WWW "umgezogen" ist), war die logische Wahl. Sie entwarf
die Urkunde für den Metropolis-Preis.
Als letzte Vorbereitung für die Vergabe des Preises musste nun noch
ein Laudator "erkoren" werden. Diese Aufgabe übernahm freundlicher-
weise Monika Niehaus-Osterloh.

Verleihung

Die Verleihung des Preises auf dem EuroCon stellte naturgemäß den Hö-
hepunkt des Wettbewerbs dar, aber das Schicksal hatte für die Gewin-
ner noch eine Zugabe parat ...
Die Verleihung des Metropolis-Kurzgeschichtenpreises erfolgte zu-
sammen mit anderen Preisen. Leider hatten die Organisatoren des Euro-
Con versäumt, einen Moderator dafür bereitzustellen, so dass die Ver-
leihung etwas unzeremoniell verlief. Auch war niemand von Amazon.de
anwesend, der den Gewinnern die Geldpreise hätte überreichen können.
Aber dieses Manko wurde von Monika Niehaus-Osterloh mehr als ausge-
glichen. Für jeden Preisträger hatte sie eine kurze Rede zur Person
und zu den Kurzgeschichten vorbereitet. Freudestrahlend nahmen die
Gewinner die gerahmten Urkunden von ihr entgegen.
Nach der Verleihung konnte Beluga Post, Chairman des EuroCon, mit
einer Überraschung aufwarten. Die Gewinner hatten bereits freien Ein-
tritt zum Con, durften jetzt aber noch zusätzlich am Gala-Dinner
teilnehmen, das ursprünglich nur den Ehrengästen und dem Organisati-
onskomitee vorbehalten war. Besonders daran war, dass zufälligerweise
die Lieblingsautoren der Gewinner an diesem Con teilnahmen: Harry
Harrison und Terry Pratchett - von den anderen hochkarätigen Gästen
einmal völlig abgesehen. So wurde dieser Con durch das Gala-Dinner
für die Gewinner noch um eine ganze Dimension reicher (vom Kater ganz
zu schweigen ...).
Doch noch waren die Gewinner nicht ganz erlöst. In einer Lesung,
die leider in zeitlicher Konkurrenz zu einer Talkrunde mit Terry
Pratchett veranstaltet werden musste, stellten die Gewinner ihre Sie-
gerstorys einem kleinen, aber sehr interessierten Publikum vor, bevor
sie sich auf die lange Heimreise machten.
Hoffen wir, dass der "Metropolis-Preis" auch in Zukunft verliehen
wird. Die Nachwuchsautoren brauchen eine Möglichkeit, ihr Können un-
ter Beweis zu stellen und sich mit anderen zu messen. Und der Metro-
polis-Kurzgeschichtenwettbewerb ist eine gute Möglichkeit dazu.

Zu den Sternen, Autoren!
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