The Tempest

Ausgabe 27-09 (20. September 2025)

   Editorial
   Hall of Fame   Echo-Service
   Neues aus der Buchszene 
   Praxistipp
       „Normseite = 1.500 Zeichen – oder auch nicht“
       von Klaus Eckardt
    Autorenwissen
      „Drei Bestseller-Geheimnisse, die dich durchs Schreiben tragen‟
      von Jurenka Jurk
      „Was wir von 'Sturmstärke 17' lernen können
      von Hans Peter Roentgen 
    Verlagsportrait
      „Sparkys Edition – Verlag Kommunikation Romer‟
    Impressum



EDITORIAL

Liebe Autor*innen,

welche Tipps haben Bestseller-Autor*innen wie Rebecca Gablé und Sebastian Fitzek für uns? Das lest ihr im Artikel von Jurenka Jurk. Und was kann man beim Lesen der ersten Seite eines Bestsellers fürs eigene Schreiben lernen? Hans Peter Roentgen zeigt es uns.

Außerdem in diesem Tempest: ein Praxis-Tipp zur Normseite von Klaus Eckardt, News von Ramona Roth-Berghofer, ein neues Verlagsportrait von Ursula Schmid-Spreer - und in Teil 2 des Tempest neue Ausschreibungen und Seminare.

Zitat des Monats, diesmal von Nora Ephron:
„Writers are cannibals. They really are. They are predators, and if you are friends with them, and if you say anything funny at dinner, or if anything good happens to you, you are in big trouble.‟

Einen guten, sonnigen Herbst wünschen wir euch! 

   Gabi Neumayer
   Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~

Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt, aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto:

     Susanne Schloßmacher
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ISSN 1439-4669 Copyright 2025 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe


INHALT DIESER AUSGABE

TEIL 1

   Editorial
   Hall of Fame   Echo-Service
   Neues aus der Buchszene 
   Praxistipp
       „Normseite = 1.500 Zeichen – oder auch nicht“
       von Klaus Eckardt
    Autorenwissen
      „Drei Bestseller-Geheimnisse, die dich durchs Schreiben tragen‟
      von Jurenka Jurk
      „Was wir von 'Sturmstärke 17' lernen können
      von Hans Peter Roentgen 
    Verlagsportrait
      „Sparkys Edition – Verlag Kommunikation Romer‟
    Impressum

TEIL 2 (in separater E-Mail, falls ebenfalls abonniert)

   Veranstaltungen
   Ausschreibungen
   Publikationsmöglichkeiten
     mit Honorar
     ohne Honorar
   Seminare
   Messekalender

 


HALL OF FAME (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


Die „Hall of Fame“ zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:

.......

AutorIn: „Titel“, Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-Adresse.

.......

Ein Beispiel (!):

Johanna Ernst: „Der Fall der falschen Meldung“, Hüstel Verlag 2015, Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive Homepage!

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Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.

ACHTUNG!

Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss, Lektorat bezahlt o. Ä.

Schickt eure Texte unter dem Betreff „Hall of Fame“ an dDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden nicht mehr verschickt!

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NEUES AUS DER BUCHSZENE (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie nie zuvor. Ob es nun um KI geht, die zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Verlage / Buchhandel


Sortimentsbuchhandel: Einzelkämpfer haben es immer schwerer.

Enthüllungsbuch „Lucky Loser‟: Trump verklagt Penguin Random House.

90 Jahre Vater nahm mit Buchempfehlungen von Kund:innen im Schaufenster.


Artikel


Nach 20 Jahren vom Verlagsleiter zum Inkognito-Autor.


Preise / Auszeichnungen


Christine Lavant Preis 2025 für Ulrike Draesner.

ZDF-Sendung mit besonderen Gästen: Die Titel des „Literarischen Quartetts“ im Oktober 2025.

Shortlist Deutscher Buchpreis 2025: Abgründe und Debüts.


Übersetzen


Zombie-Übersetzung: „Es währt für immer und dann ist es vorbei‟ von Anne de Marcken.


KI / Social Media


KI-Experte Christoph Heilig: Warum Künstliche Intelligenz Unsinn mit Literatur verwechselt.

Wie Leser*innen KI-generierte Bücher erkennen können.

Künstliche Intelligenz schreibt Kinderbücher.


 Messen / Veranstaltungen


Vorschau zur 77. Frankfurter Buchmesse: „Was für eine Vielfalt!‟

 


PRAXISTIPP (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


Kurz und knackig: Hier findet ihr Tipps aus jedem Bereich des Schreibens und Veröffentlichens. Teilt eure eigenen Tipps doch auch mit unseren Leser*innen!


„Normseite = 1.500 Zeichen – oder auch nicht“

Anders, als der Name vermuten lässt, ist eine Normseite alles andere als genormt. Ursprünglich dazu gedacht, Schreibmaschinenseiten so anzulegen, dass sich der Textumfang leicht bestimmen lässt, dient sie heute meist nur noch als Recheneinheit.

Der klassische Umfang der Normseite lag bei 30 Zeilen à 60 Anschlägen, also 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Da allerdings viele Zeilen wegen Absatzumbrüchen und Zeilenschaltungen in Dialogen kürzer als 60 Anschläge sind, hat sich in der Praxis ein Wert von 1.500 Zeichen etabliert, von dem allerdings je nach Lust und Laune auch abgewichen wird.

Wer Lektorate oder Korrektorate nach Normseiten bezahlt oder sich Texte so honorieren lässt, sollte den entsprechenden Wert immer genau absprechen (ich zum Beispiel rechne mit 1.500 Zeichen). Der Unterschied beträgt schließlich ca. 17 Prozent, was schon einiges ausmacht.

Da die Normseite immer noch so eine Art Währung in der Buchbranche ist, empfiehlt es sich, den Textumfang fürs Exposé immer umzurechnen. Dazu teilst du die Gesamtzahl der Zeichen deines Manuskripts, die dir dein Textverarbeitungsprogramm liefern kann, durch 1.500 und gibst diese Zahl auch an.

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Der Tipp stammt aus dem „Einfach-schreiben-Buch“ von Klaus Eckardt (Paperento-Verlag 2025), www.dein-schreibocoach.de.

 


AUTORENWISSEN (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


 „Drei Bestseller-Geheimnisse, die dich durchs Schreiben tragen‟

von Jurenka Jurk

Kennst du diesen Moment? Du sitzt am Schreibtisch, der Cursor blinkt, und du spürst es: Diese Geschichte in dir will in die Welt hinaus. Du hast vielleicht schon Figuren im Kopf, die miteinander sprechen, Szenen, die sich wie kleine Filme abspielen. Aber gleichzeitig ist da dieser Berg – hunderte Seiten, die noch vor dir liegen. Und irgendwo zwischen Alltag, Selbstzweifeln und der Frage „Schaffe ich das?” fühlt sich der Weg manchmal länger an als gedacht.

Vielleicht erinnerst du dich an den Beginn eines Romans, den du liebst: Die Hauptfigur steht noch ganz am Anfang ihrer Reise, vielleicht ohne zu wissen, welche Abenteuer vor ihr liegen. So ähnlich ist es auch für uns Schreibende. Wir wissen, dass der Weg voller Überraschungen steckt – doch unterwegs gibt es auch Umwege, Nebelstrecken und Momente, in denen man am liebsten umkehren würde.

Die Wahrheit ist: Auch Bestseller-Autor:innen kennen dieses Gefühl ganz genau. Niemand wird als Erfolgsautor geboren. Alle haben Momente, in denen sie feststecken, den Faden verlieren oder am liebsten das ganze Projekt in die hinterste Schublade schieben würden. Zweifel sind normal für jedermann.

Wir haben in den letzten Jahren mit den unterschiedlichsten Bestseller-Autor:innen gesprochen – und sie gefragt: Was hilft euch, dranzubleiben? Was macht den Unterschied zwischen einer Idee, die in der Schublade verschwindet, und einem Roman, der den Weg bis zum letzten Satz findet?

Hier sind drei ihrer Antworten, die uns besonders bewegt haben.

Arbeitsexposé nur für dich selbst

Sebastian Fitzek arbeitet vor jedem Buch an einer groben Inhaltszusammenfassung. Nicht für den Verlag, nicht für die Agentur – nur für sich selbst. „So kann ich auch nach einer Pause sofort wieder einsteigen, weil ich weiß, was meine Figuren wollten und wohin die Reise gehen sollte." Er erzählt, wie ihn diese Notizen schon mehrfach gerettet haben, wenn er nach Wochen voller Lesereisen oder Interviews wieder an den Schreibtisch zurückkehrte.

Du musst dafür kein starres Konstrukt anlegen. Notiere einfach Handlung, Figuren, wichtige Wendepunkte – genug, um den roten Faden jederzeit wieder aufnehmen zu können.

Neue Ideen sicher parken

Rebecca Gablé weiß, wie verführerisch es ist, mitten im Schreiben zu denken: Die neue Idee ist doch viel spannender! Ihr Rezept: „Ich packe sie in Watte, lege sie in den Schrank – und hole sie erst hervor, wenn der aktuelle Roman fertig ist." Sie beschreibt, wie sie manchmal sogar eine kleine Notizbox anlegt, in der die Idee wie ein Schatz ruht, bis sie bereit ist, ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Denn jede neue Idee ist am Anfang glitzernd und aufregend. Aber wenn du sie sofort beginnst, läufst du Gefahr, nie ein Projekt abzuschließen. Und nichts gibt dir mehr Selbstvertrauen als ein fertiges Manuskript.

Figuren mit Geheimnissen ausstatten

Für Jussi Adler-Olsen ist das Herz einer Figur nicht das Offensichtliche – sondern das, was verborgen bleibt. „Das Interessanteste an jedem Menschen sind die Geheimnisse, die er hat.‟ In seinen Romanen kam es schon vor, dass eine Nebenfigur durch ein enthülltes Geheimnis plötzlich in den Mittelpunkt rückte und die gesamte Dynamik der Geschichte veränderte. Schreibe für jede wichtige Figur mindestens ein Geheimnis auf. Es muss nicht im Buch verraten werden. Aber wenn du es kennst, spüren Leserinnen und Leser die Tiefe und bleiben neugierig.

Was dich durchs Schreiben trägt

Vielleicht nimmst du aus diesen drei Tipps schon etwas mit, das dir im Alltag hilft. Vielleicht spürst du aber auch: Da steckt noch so viel mehr dahinter – und genau das ist das Wunderbare am Schreiben. Jeder Roman ist ein Geflecht aus unzähligen Momenten. Manche sind offensichtlich: Stunden am Schreibtisch, Finger auf der Tastatur, der Blick auf den Bildschirm. Andere sind unscheinbar und doch entscheidend. Der plötzliche Geistesblitz, der dich mitten im Kochen erwischt. Das Gespräch, das dir unbewusst eine Figur schenkt. Der Traum, der eine Szene in Bewegung setzt.

Vielleicht sitzt du gerade wie Rebecca an Seite 150 und fragst dich, ob dieser Weg dich noch weiter trägt. Vielleicht ringst du wie Jussi mit einer Figur, die dir Rätsel aufgibt, und merkst, dass genau darin ihre Tiefe liegt. Oder du musstest einige Zeit dein Schreiben pausieren wie Sebastian Fitzek und versuchst nun im Erzählen deiner Geschichte neu Fahrt aufzunehmen.

Egal, wo du gerade bist: Du bist mittendrin auf deiner Reise.

Und diese Reise besteht nicht nur aus Meilensteinen wie „erster Entwurf fertig“ oder „Manuskript überarbeitet“. Sie lebt von den Zwischentönen. Von den stillen Stunden, in denen deine Geschichte unauffällig weiterwächst. Von den kurzen Notizen auf Servietten oder im Handy, die irgendwann zu zentralen Szenen werden. Vom „Was wäre, wenn …“, das dich über Tage oder Wochen begleitet.

Manchmal trägt dich die Euphorie – diese Phase, in der die Worte nur so sprudeln und du dich wunderst, wie schnell die Seiten sich füllen. Manchmal ist es eher die Disziplin, die dich weiterschiebt, auch wenn es gerade mühsam ist. Und manchmal ist es schlicht die Liebe zu deinen Figuren, die dich zurück an den Schreibtisch ruft.

Halte diese Momente fest. Notiere sie. Sprich sie dir ins Handy. Sammle sie wie kleine Kostbarkeiten, auf die du zurückgreifen kannst, wenn die Zweifel kommen. Denn sie kommen bei jedem. Auch bei denen, die heute ganz oben auf den Bestsellerlisten stehen.

Der Weg zu deinem Roman ist kein Sprint – er ist eine Reise. Und diese Reise formt nicht nur dein Buch, sondern auch dich als Autor:in. Mit jedem Satz, den du schreibst, wächst du in dein Schreiben hinein. Du entdeckst neue Facetten deiner Geschichte und deines eigenen Könnens.

Also geh weiter. Schritt für Schritt, Satz für Satz.

Deine Geschichte wartet schon auf dich.

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Jurenka Jurk ist Gründerin der Romanschule und hat in den letzten Jahren zahlreiche Bestsellerautor:innen interviewt – von Sebastian Fitzek bis Iny Lorentz. Aus diesen Gesprächen hat sie tiefe Einblicke, inspirierende Geschichten und praktische Tipps gesammelt, die sie nun in ihrem neuen Buch mit Schreibenden teilt. Hier kannst du in die Bestseller-Geheimnisse eintauchen: romanschule.de/temp-buch


AUTORENWISSEN (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


„Was wir von 'Sturmstärke 17' lernen können‟

 von Hans Peter Roentgen

Caroline Wahl ist eine Bestsellerautorin, sie spricht viele Leserinnen an. Aber wie macht sie das? Schauen wir uns mal ihr Buch „Windstärke 17‟ an.

Mit meinem MacBook im Rucksack, meinen Lieblingsklamotten in Mamas marineblauem Hartschalenkoffer, AirPods in den Ohren und der gefalteten Kündigung in der Bauchtasche trete ich aus dem Haus in der Fröhlichstraße 37, das nicht mehr mein Zuhause ist.

Der erste Satz ist ziemlich lang. Und zählt unterschiedliche Dinge auf. Ganz alltägliche (MacBook, Lieblingsklamotten). Und einige, die nicht gewöhnlich sind: Kündigung, mein Haus ist nicht mehr mein Zuhause. Das stimmt gut auf das Buch ein. Die Geschichte eines neuen Anfangs nach einem Desaster. Und die Erzählstimme verrät uns schon hier etwas: Das erzählt uns jemand, der jung ist. Nicht ein abgeklärter Mensch nach Eintritt der Rente.

Der Koffer rollt nicht richtig, der Griff ist nicht ausziehbar, und ich habe das Gefühl, einen Plastikklotz hinter mir herzuschleifen. Tragen ist zu schwer und meine Schulter noch verletzt von der Sache mit dem Schrank. Eigentlich würde ich am liebsten rennen und bereue, dass ich nicht meine große Schwimmtasche genommen habe, die ich immer benutze, wenn ich unterwegs bin. Aber ich musste mich entscheiden, und ich bereue sowieso stets jede Entscheidung, die ich treffe. Ich frage mich, von welchen Reisen der Koffer so abgewetzt ist. Mama hat ihn nie benutzt, seit ich da bin. Tilda war mit Mama und ihrem Vater mal mit dem Auto in Südfrankreich, da war sie zehn oder so. Aber davon wäre er ja nicht so beschädigt.

Chaotisch geht es weiter. Der Koffer ist alt, er rollt nicht, und er stammt von Mama. Das bestätigt die Vermutung des ersten Satzes: Hier sprich jemand, der jung ist.

Aber ist das mit dem Koffer nicht Infodump?

Nein, weil es das chaotische Durcheinander im Kopf der Erzählerin beschreibt. Oft erlebe ich Texte, die mir zugeschickt werden, in denen die Autorin etwas über ihre Heldin behauptet, statt sie reden zu lassen:

Sie hatte das Gefühl, einen Plastikklotz nachzuschleifen. Sie bedauerte, nicht ihre große Schwimmtasche genommen zu haben.

Das wäre der Blick der Autorin auf die Figur. Distanziert und nicht lebendig. Caroline Wahl lässt hingegen ihre Ich-Erzählerin sprechen.

Ich ziehe mein Smartphone aus der Bauchtasche.
Ich: Dieser marineblaue Koffer
Ich: Hat Mama den damals mit nach Frankreich genommen?
Tilda: ?
Ich schicke ihr ein Foto.
Tilda: nein
Tilda: bist du unterwegs?
Tilda: wann kommst du an?
Tilda: ida, du kommst aber?
Tilda mit ihren tausend Fragen macht mich so wütend. Ich bleibe stehen, bücke mich und schaue mir den Klotz noch einmal genauer an. Die rechte Rolle ist fast komplett abgenutzt. Viele bunte Kratzer auf der harten Schale. Mama hat mir nie von irgendwelchen Reisen erzählt. Ich habe sie auch nie gefragt. Einmal, als ich Schafskäse gebacken habe, wollte sie, wie so oft, nicht mitessen, weil sie keinen Hunger hatte und außerdem Schafszeugs hasste, seit sie mal Schafskopf gegessen hatte. Ich habe gefragt: Wo? Sie hat geantwortet: In Norwegen. Ich habe nicht gefragt: Wann?

Weitere hektische Gedanken gehen der Heldin durch den Kopf. Sie ist aufgeregt, kann sich schlecht konzentrieren. Und wir erfahren einiges. Es gibt eine Tilda, der sie vertraut und bei der sie Rat sucht. Diese Tilda vertraut aber nicht Ida, der Heldin („Du kommst aber?‟). Sie scheint ebenfalls davon überzeugt, dass Ida eine Chaotin ist. Aber die Autorin sagt nicht: „Ida ist eine Chaotin.‟ Wir assoziieren das. Aus Idas Gedanken und aus dem, was Tilda schreibt - und es gibt eine Mama, mit der Ida auch Probleme hat.

Eine ganze Menge wissen wir jetzt schon über die Hauptfigur, Dinge, wir aus ihrem Text erschließen. Ein guter Text ist immer auch ein Rätsel und fordert den Leser heraus, das zu assoziieren, was zwischen den Zeilen steht.

Ich stelle mir vor, wie meine Mama, als sie noch keine Mama war, im Bahnhof von Bergen die Treppe heruntergerannt ist, zu einem Zug nach Oslo, vielleicht einem Bjorn oder Ragnar hinterher. Ihr Haar offen, braune Strähnen im Gesicht, ihre braunen Augen damals noch leuchtend voller Lebenslust.

Wieder ein Gedankensprung, jetzt auf die Mama in Norwegen, als sie noch voller Lebenslust war. Aha, heute ist sie nicht mehr voller Lebenslust? Ist sie depressiv? Oder krank? Oder ... Wieder wird nicht gesagt, was ist, aber angedeutet, dass da etwas ist. Was es ist, gibt dem Leser Raum, die Phantasie spielen zu lassen.

Aus den wenigen Zeilen erfährt man nicht nur viel über Tilda, sondern auch über das Genre: Young Adult. Junge Frauen, die diese Probleme kennen. Ich bin keine Frau und schon seit Jahrzehnten nicht mehr Young Adult, aber kann mich sofort in Ida einfühlen und erinnere mich an die Zeit, die viele so nostalgisch als toll besingen. Die aber oft alles andere als toll ist, wenn man mitten drin steckt.

Resümee

Verwandeln Sie sich in ihre Personen, schildern sie die Welt aus deren Augen, statt etwas über die Personen und ihre Konflikte zu behaupten. Und ganz wichtig ist das, was zwischen den Zeilen steht, aber nicht im Text. Das dürfen sich die Leser erschließen. Das zeigt uns diese erste Seite von Caroline Wahl. 

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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher „Vier Seiten für ein Halleluja“ über Romananfänge, „Drei Seiten für ein Exposé“, „Schreiben ist nichts für Feiglinge“ und „Klappentext, Pitch und weiteres Getier“. Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.    


VERLAGSPORTRAIT (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


Hubert Romer

Zu den Schafhofäckern 134

73230 Kirchheim/Teck

Teefon: +49 (0) 173/9862755

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Der Verlag wurde am 26. August 2020 vom Verleger und Buchautor Hubert Romer gegründet. Der vollständige Name des Verlags lautet Sparkys Edition – Verlag Kommunikation Romer. Intention für die Gründung des Verlages war der Wunsch des Verlegers, Autorinnen und Autoren einen Platz zu geben, die nicht dem Mainstream entsprechen. Produziert werden gedruckte Bücher (Print), E-Books, Hörbücher und Bewegtbilder, derzeit ausschließlich in deutscher Sprache.

Sparkys Edition gehört zur Gruppe der Independent-Verlage. Der Gründer führt den Verlag bis heute. Der Verlag ist Mitglied im Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Schwerpunkte des Verlages im Bereich der Belletristik sind zeitgenössische Literatur, Romane, Krimis, Kinderbücher, Young Adult, historisch-dokumentarische Romane und Fiction.

Insgesamt sind zurzeit 59 ISBN-Nummern aktiv im Verlag. Jährlich werden 8 bis 12 neue Publikationen editiert. Markantes Merkmal des Verlages ist die aktive Miteinbeziehung der Autorinnen und Autoren in sämtliche Produktionsprozesse. Sie haben hierbei ein starkes Mitspracherecht.

AutorInnen gesucht?

Der Verlag veröffentlicht wie erwähnt im Jahr ca. 12 neue Werke. Leider ist man dadurch auf die nächsten drei Jahre komplett ausgebucht, vor allem auch durch StammautorInnen.

Konditionen

Der Verlag arbeitet mit den Standardverträgen des Börsenvereins. Die Tantiemen für die AutorInnen liegen leicht über den gängigen Vergütungen.

Was ist besonders wichtig?

Die Bücher sollen Botschaften in sich tragen. Sie sollen den Lesenden ein besonderes Erlebnis verschaffen oder in ihnen etwas in Schwingung versetzen.

Zukunftspläne, Perspektiven

Der Verlag hat sich einen Zehn-Jahres-Plan gegeben. Am Ende möchte man einen gesunden Verlag haben, der über die Jahre kontinuierlich und solide gewachsen ist.

Man möchte Geschichten zu den Menschen bringen. Das geht deutlich über die Bücher hinaus. Und an diesen Erlebnisformaten arbeitet der Verlag intensiv, zusammen mit allen AutorInnen. 

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Ursula Schmid-Spreer ist (Mit-)Herausgeberin von über 40 Anthologien. Neben Kurzgeschichten schreibt sie Kriminalromane. So hat sie ihrer zweiten Heimat Irland bereits zwei mörderisch kulinarische Krimis gewidmet und die Legende Molly Malone bearbeitet, fünf Nürnberg-Krimis und das Kaffeehausbuch „Zuckergoscherl“ - ein Streifzug durch Wiens Kaffeehäuser - herausgebracht. www.schmid-spreer.de


UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN


Bitte schickt den Expert*innen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - keine Manuskripte zur Beurteilung. Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber gelöscht wird.

Fragen (anonymisiert) und Antworten werden in der Regel hier im Tempest veröffentlicht, damit auch andere Autor*innen davon lernen können. Wer das aber nicht möchte, schreibt das bitte ausdrücklich dazu.

Drehbuch Oliver Pautsch Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Fantasy Stefanie Bense Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Heftroman Arndt Ellmer Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Historischer Roman Titus Müller Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Kinder- und Jugendbuch Sylvia Englert Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Kriminalistik Kajo Lang Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Lyrik Martina Weber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Marketing Maike Frie Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Sachbuch Gabi Neumayer Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Schreibaus- und -fortbildung Uli Rothfuss Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Schreibhandwerk Ute Hacker Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Science-Fiction Andreas Eschbach Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

  


Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, den ihr separat abonnieren müsst.


Einsendeformalien
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 IMPRESSUM


Herausgeber*innen
Gabi Neumayer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)
Ramona Roth-Berghofer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)
Stefan Schulz (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)
Thomas Roth-Berghofer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)
Susanne Schloßmacher (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)


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     von Stephanie Müller
      besprochen von Maike Frie
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