Vorstellung
"Kibuli - die Kinderbuchliste"
"Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)"
Autorenwissen
"Berufsbild BuchhändlerIn"
von Ursula Schmid-Spreer
Schreibkurs
"Feuchte Träume"
von Mareen Göbel
Buchbesprechung
"Literarisches Schreiben" von Lajos Egri
besprochen von Gabi Neumayer
Interview mit Stefanie Bense
Interview mit Marie T. Martin
Stephan Waldscheidts kleine Autorentypologie
"Der in sich gekehrte Sensible"
Frag den Experten für historische Romane
(Titus Müller)
Frag den Experten für Drehbuch
(Oliver Pautsch)
Frag den Experten für Verlagswesen
(Bjørn Jagnow)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
letzten Monat mussten wir Titus Müller als Lyrikexperten verabschie-
den. Heute können wir euch bereits eure neue Lyrikexpertin vorstellen:
Martina Weber, Jahrgang 66, seit Januar 2001 Redakteurin des monatlich
erscheinenden Newsletters der Federwelt (http://www.federwelt.de), hat
im Newsletter zahlreiche Fachartikel für AutorInnen veröffentlicht, u.
a. zur Konzeption von Gedichten, daneben Rezensionen, u. a. über Ly-
rikbände und Bücher, die sich mit Struktur und Geschichte der Lyrik
beschäftigen. Außerdem schreibt sie Lyrik und Prosa und - als Juristin
- juristische Fachliteratur. Sie freut sich auf eure Fragen!
Was erwartet euch in diesem Tempest? Wir haben unter anderem für euch:
ein Interview mit unserer Fantasy-Expertin Stefanie Bense, ein Inter-
view mit Marie T. Martin, die am deutschen Literaturinstitut Leipzig
studiert, einen außergewöhnlichen Schreibkurs-Beitrag von Mareen Gö-
bel, der hält, was sein Titel verspricht ("Feuchte Träume"), einen
ausführlichen Artikel mit Interviews zum "Berufsbild BuchhändlerIn"
von Ursula Schmid-Spreer, zwei Vorstellungen (Kibuli und VFLL), eine
neue Satire von Stephan Waldscheidt - dazu viele Expertenanworten,
Schreib-Kick und und und. Auf eure Anregung haben wir außerdem in den
Ausschreibungsteil des Tempest einen Messekalender aufgenommen - mal
ganz abgesehen von vielen neuen Ausschreibungen und Publikationsmög-
lichkeiten.
Neues von unseren ExpertInnen: Björn Jagnows "Marketing für Autoren"
ist in der zweiten (erweiterten und aktualisierten) Auflage erhält-
lich. Neu darin zum Beispiel:
- Die Novellierung des Urhebergesetzes wird mit ihren neuen Möglich-
keiten berücksichtigt.
- Das Marketing und die Kalkulation im Eigenverlag wurden neu aufge-
nommen.
- Ein Kapitel über das Zusammenspiel verschiedener Marketing-
Instrumente widmet sich insbesondere den Möglichkeiten, im Internet
Aufmerksamkeit und Verkaufserfolge zu erzielen.
Aus wiederkehrendem Anlass auch heute ein Hinweis zur Technik: Wenn
ihr einen Spam-Blocker benutzt und irgendwann euren monatlichen Tem-
pest vermisst - bitte erst einmal in den Spam-Ordner schauen, bevor
ihr uns anmailt!
Der Tipp des Monats Juni, diesmal von Peter Ochmann:
Wo könnte man künstliche (geschriebene) Dialoge besser üben
als beim Schreiben selbst? Also ab in den nächsten Chat,
und los geht es. Dort stellt man sehr schnell fest, wie oft
ein Dialog ohne Mimik und Gestik falsch verstanden wird.
In einem Chat "begegnet" man Menschen aus allen
Gesellschaftsschichten, die sogar dialektische Verfälschungen
mit einbringen. Es gibt wohl keinen besseren "Ort",
um sofortige Kritik an seinen Dialogen zu erhalten.
Viel Spaß mit Notizbuch oder Laptop im Freibad, am See oder sogar am
Meer! Wenn dabei ein Artikel für den Tempest entstehen sollte: Wir
freuen uns wie immer über eure Beiträge (bitte vorher absprechen).
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf unser
Konto:
autorenforum.de
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Für AuslandsabonnentInnen: Ihr könnt uns den Beitrag in bar schicken
(Adresse am Ende des Tempest) oder ihn von jemandem in Deutschland von
einem deutschen Konto aus überweisen lassen, um die horrenden Gebühren
zu umgehen.
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ISSN 1439-4669 Copyright 2003 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Inserate
Schreib-Kick
Vorstellung
"Kibuli - die Kinderbuchliste"
"Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)"
Autorenwissen
"Berufsbild BuchhändlerIn"
von Ursula Schmid-Spreer
Schreibkurs
"Feuchte Träume"
von Mareen Göbel
Buchbesprechung
"Literarisches Schreiben" von Lajos Egri
besprochen von Gabi Neumayer
Interview mit Stefanie Bense
Interview mit Marie T. Martin
Stephan Waldscheidts kleine Autorentypologie
"Der in sich gekehrte Sensible"
Frag den Experten für historische Romane
(Titus Müller)
Frag den Experten für Drehbuch
(Oliver Pautsch)
Frag den Experten für Verlagswesen
(Bjørn Jagnow)
Impressum
TEIL 2 (nur für Abonnenten):
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Impressum
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Kleinanzeigen
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pest am 12. jedes Monats. Später eingegangene Anzeigen können wir dann
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INSERATE:
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Neu: DRAMATISCHES SCHREIBEN www.Autorenhaus.de
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SCHREIB-KICK:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
Unser Schreib-Kick für den Juni, diesmal von Tina Zang:
Wenn ich in einer Zeitschrift oder einem Katalog ein interessantes
Bild sehe, schneide ich es aus. Das kann so ziemlich alles sein, was
mich anspricht, mich traurig, fröhlich oder neugierig macht. Die aus-
geschnittenen Bilder sammle ich in einem Schuhkarton. Hin und wieder
nehme ich blind drei Bilder raus, lege sie nebeneinander auf den
Schreibtisch und denke mir eine kurze Geschichte aus, in der die drei
Motive vorkommen. Das ist eine ausgezeichnete Aufwärm- und Lockerungs-
übung für die Kreativität - es eignet sich übrigens auch als Mittel
gegen Langeweile bei Kindern.
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VORSTELLUNG:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
KiBuLi - die Kinderbuchliste
Auf Initiative der Autorin Kirsti Senftleben haben sich - mittlerweile
etwa fünfzig - professionelle Kinder- und JugendbuchautorInnen und -
illustratorInnen zusammengeschlossen. Täglich kommen neue dazu. Da
gibt es zum einen die interne, vernetzte "group", in der über alle As-
pekte des Schreibens, Illustrierens und Vermarktens diskutiert wird.
Der Austausch von Erfahrungen gehört genauso dazu wie gegenseitige
Hinweise auf Kinderbuchthemen, die bei bestimmten Verlagen gerade ge-
fragt sind. Auch Lesungen in Schulen, Kindergärten, Buchhandlungen o-
der Stadtbüchereien sind ein beliebtes Thema.
Der Zusammenschluss soll mehrere Aufgaben erfüllen: Zum einen soll der
Vereinzelung der AutorInnen und IllustratorInnen entgegengewirkt wer-
den. Zum anderen kann man als Gruppe auch eigene, gemeinsame Projekte
initiieren; im Gespräch sind Anthologien zu bestimmten Themen, die für
Kinderbuchverlage interessant sein könnten, gemeinsame Lesungen und
mehr.
Für die Öffentlichkeit und die Verlage wurde eine Homepage ins Netz
gestellt, auf der sich die AutorInnen und IllustratorInnen vorstellen:
http://www.kibuli.de. Diese Site wird von der Autorin Christine Spind-
ler betreut und täglich aktualisiert. Hier kann man sehen und nachle-
sen, was die "KiBuLis" bisher schon veröffentlicht haben und was die
Gruppe weiter plant. Links zu einzelnen Mitgliedern, die über eine ei-
gene Homepage verfügen, sind ebenso eingerichtet wie ein direkter E-
Mail-Kontakt zu der Gruppe. Schließlich werden unter dem Stichwort
"Bücher" Buchcover der Mitglieder abgebildet mit Links zu Buchver-
sandhandlungen, bei denen man die Bücher direkt bestellen kann.
Wer Mitglied werden möchte, sollte mindestens eine Buchveröffentli-
chung vorweisen können - aber nicht bei Zuschussverlagen, Eigenverla-
gen oder BoD. Mailt einfach eure Bewerbung mit Vorstellung und Veröf-
fentlichungsliste an mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .
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VORSTELLUNG:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)
Die Vertretung der eigenen Interessen selbst in die Hand zu nehmen und
untereinander ein Netzwerk für den Austausch von Wissen zu schaffen
dies waren die Ziele, mit denen im Jahr 2000 der Verband der Freien
Lektorinnen und Lektoren (VFLL) aus der Taufe gehoben wurde. In den
Jahren seit der Gründung hat dieses Konzept großen Anklang gefunden:
Heute hat der VFLL bereits 400 Mitglieder, die in bundesweit neun Re-
gionalgruppen organisiert sind.
Selbständige Lektorinnen und Lektoren, die dem Verband beitreten möch-
ten, müssen die Bearbeitung von zwei Publikationen mit je 100 Seiten
Mindestumfang oder alternativ berufsspezifische Qualifikationen nach-
weisen, die sie in einem Verlag, einer Agentur oder einem entsprechen-
den Fachstudium erworben haben. Sie zahlen einen Jahresbeitrag von 75
Euro und gehören damit einem Verband an, dessen Aktivitäten vielfäl-
tig sind. So hat er Honorarempfehlungen für die freie Lektoratsarbeit
und ein Verzeichnis Freier Lektorinnen und Lektoren herausgegeben. Auf
dem Feld der beruflichen Fortbildung kooperiert er mit der Akademie
und den Schulen des Deutschen Buchhandels. Darüber hinaus ist er u. a.
in der Deutschen Literaturkonferenz und im Beirat der zwischenstaatli-
chen Kommission für die deutsche Rechtschreibung vertreten.
Wichtigstes Forum des Austauschs ist die verbandseigene Mailingliste.
Hier erhalten Berufseinsteiger Tipps von den "alten Hasen", geben Mit-
glieder einander Ratschläge für die Recherche nach ausgefallenen Fach-
begriffen oder bei Computerproblemen. Auf ihren monatlichen Treffen
diskutieren die Regionalgruppen berufsspezifische Themen oder laden
Spezialisten zu Vorträgen ein. Überregionaler Treffpunkt ist neben der
jährlichen Mitgliederversammlung die Frankfurter Buchmesse, auf der
der VFLL seit zwei Jahren mit einem Stand vertreten ist.
Repräsentiert wird der Verband von einem dreiköpfigen Vorstand be-
stehend aus Anja Sieber (Berlin), Walter Greulich (Weinheim) und Moni-
ka Rohde (Leipzig) und den Sprecherinnen und Sprechern der Regional-
gruppen. Sie erhalten ab Mitte des Jahres Unterstützung von einer Ge-
schäftsstelle, die die künftigen Aktivitäten des Verbandes, z. B. den
Ausbau der Fortbildungsmaßnahmen, koordinieren wird.
Kontakt: Michael Köhler, mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. ,
http://www.vfll.de
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AUTORENWISSEN:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Berufsbild BuchhändlerIn"
von Ursula Schmid-Spreer
BuchhändlerIn - ein Beruf für Schöngeister? Leider nein! Viele verken-
nen, dass das Buch eine Ware ist. Der Buchhändlerberuf ist sehr kauf-
männisch ausgerichtet und erfordert Begabung im Verkauf und im Führen
eines Verkaufsgesprächs - und daher ein gewisses Geschick im Umgang
mit Menschen.
Berufsbeschreibung
Buchhändler zu sein ist eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Das Aufga-
bengebiet erstreckt sich über drei Schwerpunkte:
- Sortiment
- Verlag
- Antiquariat
Der Buchhändler übt eine kaufmännische Tätigkeit aus, der über die
verbreiteten Produkte eine kultur- und bildungspolitische Bedeutung in
der Gesellschaft zukommt. Bücher werden beschafft, vermittelt, bereit
gestellt, die Kunden wollen beraten und betreut werden. Gedruckte e-
lektronische Medien erlangen immer größere Bedeutung.
Der Buchhändler muss recherchieren und bibliographieren, den Markt be-
obachten und Marketingkonzepte entwickeln und anwenden können. In
kleineren Geschäften muss er sich um eine Vielzahl von Aufgaben küm-
mern vom Einkauf über das Beobachten von Neuerscheinungen bis hin
zum Verkaufsgespräch. Auch übernehmen die Angestellten die Schaufens-
tergestaltung und stellen Lesungen auf die Beine. In großen Geschäften
ist ein Buchhändler dagegen meist nur für einen Bereich zuständig.
Rund 800 000 Titel sind heute im deutschen Buchhandel lieferbar. Jedes
Jahr kommen etwa 80 000 neue hinzu. Der Buchhändler muss in dieser
riesigen Bibliothek den Überblick behalten.
Lernen kann man den Beruf vor allem in kleinen Buchhandlungen. Sie
bieten nach wie vor die meisten Ausbildungsplätze an. Doch auch in
Verlagen, Großhandlungen und Antiquariaten werden Buchhändler ausge-
bildet.
Inhalt und Dauer der Ausbildung
Die Ausbildung dauert drei Jahre (Verkürzung möglich bei Abitur: zwei
Jahre, und / oder mittlerer Reife: zweieinhalb Jahre). Der Schwerpunkt
der Ausbildung liegt im aktiven Verkauf. Kaufmännische Zusammenhänge
müssen erkannt und umgesetzt werden. Das erfordert kaufmännische Fach-
kompetenz in der Waren- und Verkaufskunde und natürlich auch Litera-
turkenntnis. Hinzu kommt die Fähigkeit, mit Kunden auch in einer
Fremdsprache zu kommunizieren. Die sachverständige Anwendung von
Computern, Standard- und Fachsoftware ist ein wichtiger Teil der Aus-
bildung. Die Veränderung in der Medienlandschaft, neue Verkaufsformen
und der immer weiter reichende Einsatz der Datenverarbeitung erfordern
die umfassende und flexible Anwendung von beruflichen Kenntnissen.
Duales System
Der Unterricht findet entweder an ein bis zwei Tagen in der Woche oder
in mehrwöchigen Blöcken statt. Manche Betriebe bieten ihren Auszubil-
denden alternativ zur regionalen Berufsschule den Besuch der Schulen
des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main an. In der Berufsschule
sind wichtige Fächer Literaturkunde, Bibliographie, Verlagswesen,
Buchhandelswirtschaft und Rechnungswesen. Der Abschluss findet vor der
Industrie- und Handelskammer statt. (Weitere Infos:
http://www.ausbildung-buchhandel.de/ausbild/index.html)
Weiterbildung
Wer sich weiterbildet und engagiert, kann es im Buchhandel (meist grö-
ßere Buchhandlungen oder Buchhandelsketten) zum Abteilungsleiter, im
Handel zum Filialleiter oder Geschäftsführer bringen. Weiterbildungen,
etwa zum Buchhandelsfachwirt, bieten die Schulen des Deutschen Buch-
handels mit Zentrale in Frankfurt an. Dort gibt es Seminare zu den
Themen Rechte und Lizenzen, Werbetexten, Verkaufsstrategien, Typogra-
phie, Controlling, elektronische Medien und Verkaufspsychologie.
Studium
An vielen Hochschulen kann man das Buchwesen aber auch studieren. Die
Universitäten in Erlangen, Mainz, München und Leipzig bieten das Fach
Buchwissenschaft an. An der Fachhochschule Stuttgart kann man Verlags-
wirtschaft und Verlagsherstellung studieren. Nach einem literaturwis-
senschaftlichen Studium finden viele Buchhändler eine Anstellung im
Lektorat von Verlagen.
Internet-Buchhandlungen
Auch hier werden Buchhändler beschäftigt. Kenntnisse über den Buch-
markt und die wirtschaftliche Seite des Geschäfts sind Grundvorausset-
zung. Man muss technisches Know-how mitbringen, baut selbständig Web-
sites auf und stellt Buchrezensionen und Interviews online.
Der Verkauf über das Internet wird in der Buchbranche immer wichtiger.
Dennoch blickt der traditionelle Buchhandel optimistisch in die Zu-
kunft. Die Umsätze im Internet sind eher gering. Offenbar wollen die
Kunden ein Buch nach wie vor in den Händen halten, ansehen und darin
blättern, bevor sie es kaufen.
Verdienstmöglichkeiten
Die Ausbildungsvergütung ist tariflich geregelt und kann sich auch im
Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen sehen lassen. Konkrete Infor-
mationen holt man sich am besten direkt bei Verlagen oder Buchhandlun-
gen, die als Ausbilder in Frage kommen.
Werbeabteilung im Buchhandel
Es gibt kein einheitliches Anforderungsprofil und Berufsbild. Eine
branchenspezifische Vorbildung ist nicht Voraussetzung aber natür-
lich von großem Nutzen. Oft kommen Bewerber aus Werbeagenturen oder
sogar aus verlagsfremden Unternehmen.
Quellen für diesen Beitrag
- Berufsblätter des Arbeitsamtes (Bestellnummer 1 VIII A 104, "Buch-
händler/in" - kostenlose Broschüre)
- http://www.ausbildung-buchhandel.de
- Infomaterial Börsenverein des deutschen Buchhandels, Abteilung für
Berufsbildung, Großer Hirschgraben 17-21, 60311 Frankfurt, Telefon: (0
69) 1 30 62 38, Fax: (0 69) 1 30 63 36
- Eduard Schönstedt: Der Buchverlag (Geschichte, Aufbau, Wirtschafts-
prinzipien, Kalkulation, Marketing), 2. Auflage 1999, Metzler
- http://www.karl-schiller-berufskolleg.de
- weitere Buchvorschläge unter http://www.ausbildung-
buchhandel.de/ausbild/index.html
Interview mit Monika Bauer
von der Buchhandlung Campe in Nürnberg
Ursula Schmid-Spreer: Seit wann besteht die Buchhandlung Campe?
Monika Bauer: Die Buchhandlung Campe (Campsche Buchhandlung) wurde
1805 gegründet. Herr Friedrich Campe war einer der erste Buchhändler
in Nürnberg und Mitglied im Börsenverein; hier in Nürnberg besteht das
Geschäft seit 1991. Jetziger Besitzer ist Herr Thomas Ganske. Die Kon-
zernzentrale hat ihren Sitz in Hamburg, und Campe ist ein Teil dieser
Holding.
USS: Haben Sie hier Freiheiten bei der Gestaltung des Geschäfts, beim
Einkauf etc.?
MB: Unsere Geschäftsführung sitzt zwar in Hamburg, wir dürfen hier a-
ber frei arbeiten und einkaufen.
USS: Wo liegt Ihr Schwerpunkt beim Absatz?
MB: Auf dem Sachbuch, hauptsächlich Ratgeber aller Sparten, hier liegt
das höchste Verkaufspotential. Nur Belletristik wäre etwas zu wenig,
obwohl es das Sortiment sehr bereichert.
USS: Welche Personen beschäftigen Sie überwiegend?
MB: Zumeist Buchhändler, Schauwerbegestalter und in der Verwaltung Bü-
rokaufleute. Im Verkauf beschäftigen wir aber fast ausschließlich aus-
gebildete Buchhändler. Aushilfspersonal wie StudentInnen oder auch
SchülerInnen setzen wir in der Logistik und an der Kasse ein, wenn sie
Interesse am Buch mitbringen und in unser Team passen. Ich selbst bin
Teamleiterin seit 1992, zuständig für die Warengruppen des Erdgeschos-
ses und für die Personalplanung. Campe beschäftigt inklusive der Aus-
hilfskräfte derzeit rund 50 Mitarbeiter.
USS: Haben Sie sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert? Und was
lesen Sie am liebsten?
MB: Ich betreue die Sachgebiete "Belletristik Hardcover" und "Poli-
tik und die Geschichte nach 1945". Wir haben natürlich auch eine um-
fangreiche Geschichtsabteilung mit historischen Werken. Persönlich in-
teressiert mich der differenzierte Stimmungsroman wie zum Beispiel
"Der menschliche Makel" von Philipp Roth, mir gefällt aber auch ein
guter Krimi.
USS: Welche Voraussetzungen muss man als BuchhändlerIn mitbringen?
MB: Die Liebe zum Buch. Es ist ein Unterschied, ob man Fisch, Kleidung
oder Bücher verkauft! Und man darf nicht schüchtern sein, muss mit
Menschen umgehen können.
USS: Veranstalten Sie Lesungen?
MB: Ja, allerdings nur mit wirklich bekannten Autoren. Für gewöhnlich
veranstalten wir so genannte Autorenbegegnungen, die dem Kunden die
Gelegenheit geben, den Autor in einem kleineren Rahmen live zu tref-
fen.
USS: Nach welchen Kriterien kaufen Sie Bücher ein?
MB: Ich kaufe solche Bücher ein, von denen ich glaube, dass ich sie
gut verkaufen kann. Ist das Thema ansprechend? Von welchem Verlag? Ist
der Autor bekannt? Steht das Thema zur Diskussion? Gefällt mir das
Buch vom Äußeren her? Ich versuche eine Mischung zwischen Altbekanntem
und Neuem einzukaufen. Meine langjährige Erfahrung hilft mir dabei
sehr.
USS: Nehmen Sie Bücher in Ihr Sortiment, die von Druckkostenzuschuss-
verlagen kommen?
MB: Eigentlich nicht. Die Bücher sind meist nicht lektoriert. Ich las-
se mich allerdings dann darauf ein, wenn es ein lokal bekannter Autor
ist, der zum Beispiel einen Krimi über Nürnberg geschrieben hat, und
daher ein Bezug zur Stadt erkennbar ist, allerdings nur auf Kommissi-
on.
USS: Wie ist die Tendenz auf dem Buchmarkt?
MB: Der Trend geht zum deutschen Autor. Wir haben sehr gute deutsche
Schriftsteller, die es verdient haben, dass ihre Bücher entsprechend
gewürdigt und gekauft werden.
USS: Welche Ausbildungsmöglichkeiten bieten Sie jungen Leuten? Bilden
Sie aus?
MB: Ja, wir bilden zum Buchhändler aus, Kauffrau / Kaufmann zur Büro-
kommunikation und zum / zur SchauwerbegestalterIn. Die Ausbildung zum
Buchhändler dauert drei Jahre, mit Abitur zwei Jahre. Wobei ich mehr
Wert auf die Ausstrahlung und auf den Menschen lege als auf supergute
Noten. Wir bieten zur Zeit insgesamt sechs Auszubildenden eine Lehr-
stelle.
USS: Kennen Sie sich inhaltlich mit den Büchern aus, die Sie vertrei-
ben / verkaufen?
MB: Ja, ich will schließlich gut beraten und ein gutes Verkaufsge-
spräch führen. Meine Mitarbeiter und ich, wir tauschen uns über ver-
schiedene Bücher aus, so dass ich den Inhalt kenne.
USS: Kann Ihr Personal gut beraten, gibt es interne Schulungen?
MB: Sicher! Wir schulen unser Personal unter anderem durch Seminare im
Haus, z. B. zum Thema Verkaufsgespräche und Verkaufsstrategien, aber
auch zu bestimmten Sachgebieten.
USS: Können Sie mir den Unterschied zwischen einem Buchhändler und ei-
nem Bibliothekar erklären?
MB: Ein Buchhändler ist ein Kaufmann, und diesen Aspekt sollte man im
Buchhandel auch nie aus den Augen verlieren. Wir haben verlängerte La-
denöffnungszeiten, Samstag geöffnet und müssen jeden Kunden für uns
gewinnen. Ein Bibliothekar ist ein Verwalter einer zumeist öffentli-
chen Bibliothek, seine Aufgabe besteht darin, über einen sehr großen
Bestand von Titeln den Überblick zu behalten, also ohne den kaufmänni-
schen und verkaufstechnischen Aspekt des Handels. Deswegen unterschei-
den sich auch die Ausbildungen und die Anforderungen der beiden Berufe
sehr stark.
USS: Campe bietet neben Büchern ja auch noch eine Menge anderer Dinge
an. Vor kurzem sah ich, dass Ärzte kostenlose Blutdruckmessungen vor-
genommen haben.
MB: Das stimmt. Wir haben Schwerpunktthemen zu einer Reihe von Sach-
und Fachbüchern, zum Beispiel im Rahmen einer Gesundheitswoche. Da
bietet es sich an, eine Art "Messe" mit Krankenkassen und Ärzteverbän-
den zu veranstalten, die dem interessierten Kunden diesen kostenlosen
Service bieten und dabei auf ihre eigenen Aktivitäten aufmerksam ma-
chen können.
USS: Was macht Campe noch alles?
MB: Neben unserem Buchsortiment bieten wir auch Accessoires dazu an.
Ich denke dabei an Briefpapier, Geschenk-Döschen mit Rosenmotiven,
Bleistifte und Geschenkkarten. Da das Buch nach wie vor eines der Ge-
schenke für jeden Anlass ist, möchten wir unseren Kunden auch die pas-
sende Verpackung und kleine Zusatzartikel bieten. Natürlich haben wir
auch Zeitschriften und Zeitungen. Wir nennen uns nicht umsonst "Das
Haus der 1001 Ideen". Wenn wir den Schwerpunkt "Garten" besonders her-
ausstellen wollen, laden wir Floristen ein; wir hatten schon sehr exo-
tische Veranstaltungen wie ein indisches Diwalifest, ein Lichtfest
besonders das Weihnachtsgeschäft soll mit besonderen Aktionen belebt
werden und steht jedes Jahr unter einem anderen Motto.
USS: Das Haus besteht aus mehreren Stockwerken.
MB: Ja, jedes Stockwerk gehört einem eigenen Genre. Wir haben Schmö-
kerecken, und wir setzen Schwerpunkte zum Beispiel bei der Reiselektü-
re. Urlaub fängt mit dem Lesen an. So veranstalten wir derzeit zusam-
men mit dem Dumont Verlag "Mediterrane Wochen" . Und dann haben wir
noch eine Galerie mit aktuellen Ausstellungen. Dort bieten wir Radie-
rungen und Grafiken, Kunstdrucke, Fotoposter und Rahmen an. Die Pla-
nungen der Veranstaltungen werden hauptsächlich von unserer Dekorateu-
rin koordiniert, die in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung auch
unseren Werbeauftritt gestaltet.
USS: Könnten Sie sich vorstellen, sich selbständig zu machen?
MB: Das kann ich nicht sagen, das würde von so vielen Kriterien abhän-
gen. Lage des Geschäftes, besteht Bedarf in der Vorstadt, welche
Klientel wohnt in der Umgebung, müsste ich mich spezialisieren ...?
Campe hat sich in den vielen Jahrzehnten des Bestehens eine gute Repu-
tation aufgebaut, und das war sicher nicht immer leicht.
USS: Können Sie Tipps für junge Autoren geben, aus der Sicht der Buch-
händlerin?
MB. Leider nein, denn ich schreibe nicht, ich lese lieber!
USS: Vielen Dank Frau Bauer!
Interview mit Manuela Rüger von der
Buchhandlung Bücherwurm in Nürnberg-Zabo
Ursula Schmid-Spreer: Seit wann besteht die Buchhandlung Bücherwurm?
Manuela Rüger: Seit September 1997.
USS: Hast du eine Ausbildung zur Buchhändlerin, oder bist du einfach
ins kalte Wasser gesprungen?
MR: Ich bin Quereinsteigerin, also ins kalte Wasser gesprungen.
USS: Hast du vorher Marktanalysen angestellt? Hattest du Hilfen, als
der Entschluss, eine Buchhandlung zu eröffnen, feststand?
MR: Ja, das habe ich; speziell für den Stadtteil Zabo, in dem ich die
Buchhandlung eröffnen wollte. Außerdem wurden das Existenzgründungsbü-
ro der Stadt Nürnberg, mein Mann und meine Freunde ausgiebig befragt.
USS: Wie bist du an deine Waren gekommen? Hast du Verlage angeschrie-
ben, Vertreter eingeladen?
MR: Ja, beides.
USS: Wie verläuft dein Alltag?
MR: Mein Tag beginnt um 9:45 Uhr. Als Erstes packe ich die bei meinem
Großhändler über Nacht bestellten Bücher aus und ordne diese den Kun-
denbestellungen zu. Um 10 Uhr mache ich dann meinen Laden auf. Bis die
ersten Kunden kommen, packe ich - falls vorhanden - die Verlagspakete
aus, dies können ebenfalls Kundenbestellungen sein oder bestellte Bü-
cher für die Buchhandlung, die ich dann in die Regale einsortiere.
Dann kommen meist auch schon die ersten Kunden, um entweder ihre be-
stellten Bücher abzuholen oder sich für Geschenke beraten zu lassen,
was in meinem Laden ca. 70 % ausmacht; die restlichen 30 % der Kunden
wissen bereits, was sie möchten. Zwischendrin rufe ich die Kunden an,
damit sie ihre vorbestellten Buchneuheiten abholen können, die nun
eingetroffen sind. Falls ein bestelltes Buch nicht mitgeliefert wurde,
benachrichtige ich diese Kunden.
Einmal in der Woche dekoriere ich meinen Schaukasten neu. Wenn ich
Zeit finde, erledige ich meine Buchhaltung oder organisiere zweimal im
Jahr mit meinem Mann zusammen die Zabo-Kulturnacht oder schreibe Arti-
kel für meine seit neuestem erscheinende Kundenzeitung "Bücherwurms
bunte Blätter", die Buchtipps für Jung und Alt, Autorenporträts aus
der Region, Bücherwurms Bestsellerliste, Hinweise auf Kulturveranstal-
tungen in Zabo, einen Kundenfragebogen und ein Literaturrätsel ent-
hält. Am Ende des Tages gehe ich durch die Regale und sehe nach, wel-
che Bücher ich nachbestellen muss, oder ordne sie wieder richtig ein,
falls welche verstellt wurden. Anschließend sende ich meine Bestellda-
ten per DFÜ (Datenfernübertragung) um 17:30 Uhr an meinen Großhändler,
damit sie dann am nächsten Tag bei mir eintreffen. Um 18 Uhr schließe
ich meinen Laden, nehme so gut wie nie Arbeit mit nach Hause, da ich
eigentlich alles während des Tages erledigen kann - bis auf das Bü-
cherlesen, das mache ich natürlich abends ...
USS: Wo liegt der Schwerpunkt beim Absatz?
MR: Bei den Taschenbüchern und Kinder-/Jugendbüchern.
USS: Möchtest du eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und machst auch
entsprechend Werbung dafür? Zum Beispiel in Kindergärten?
MR: Büchertische und Buchvorstellungen mache ich bereits in Kindergär-
ten. Die umliegenden Schulen habe ich erst kürzlich angeschrieben.
USS: Veranstaltest du Aktionstage?
MR: Nein. Außer: Harry-Potter-Erstverkaufstag und Buchvorstellungen
für Kinder-/Jugendbücher sowie Erwachsenenbücher einmal im Jahr.
USS: Im Stadtteil Zabo sind ja einige Altenheime. Sprichst du diesen
Personenkreis besonders an, indem du Bücher mit spezieller großer
Schrift führst oder auch Hörbücher?
MR: Habe ich anfangs gemacht, lohnte sich dann aber doch nicht so, da
die meisten Heimbewohner keinen Platz mehr für neue Bücher haben. Im
Laden habe ich allerdings ein paar zur Auswahl stehen.
USS: Was hältst du vom Hörbuch?
MR: Ich selbst bin begeisterte Hörerin (vor allem beim Autofahren und
Bügeln!) - lässt sich immer wieder mal verkaufen, besonders die Ange-
bote. Ich habe sie auch im Sortiment als kleine Drehsäule.
USS: Wie viele Personen arbeiten bei dir?
MR: Ich habe noch zwei Aushilfen. Eine Hausfrau und einen Studenten.
USS: Hast du dich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert? Und was
liest du persönlich am liebsten?
MR: Nein. Ich habe ein allgemeines Sortiment, da man sich in einem
Stadtteil schlecht spezialisieren kann. Selbst lese ich am liebsten
Romane und Gedichte.
USS: Welche Voraussetzungen muss man als BuchhändlerIn mitbringen?
MR: Man sollte auf alle Fälle kontaktfreudig, freundlich, interessiert
und offen sein, viel lesen, somit viel empfehlen können, und das Kauf-
männische darf nicht fehlen, da man sich sonst schnell verkalkuliert.
USS: Veranstaltest du Lesungen?
MR: Anfangs hatte ich das innerhalb meines Ladens gemacht, doch der
Aufwand war zu groß (umräumen, Platz schaffen) und die Nachfrage zu
gering. Mittlerweile organisiere ich zusammen mit meinem Mann zweimal
im Jahr eine Kulturnacht in Zabo mit verschiedenen Autoren, Klein-
künstlern, Musikern und einer Theatergruppe aus der Region.
USS: Nach welchen Kriterien kaufst du Bücher ein?
MR: Zum einen weiß ich mittlerweile, was in Zabo gerne gelesen wird,
und zum anderen kaufe ich alle Bücher, die ich gelesen und als gut
empfunden habe, da ich diese natürlich am besten verkaufen kann und
auch immer wieder nachbestellen muss.
USS: Nimmst du Bücher, die von Druckkostenzuschussverlagen kommen?
MR: Nein - außer ich kann sie auf Kommissionsbasis nehmen.
USS: Wie ist die Tendenz auf dem Buchmarkt?
MR: Seit der Euroumstellung ist es leider wesentlich ruhiger geworden.
Die Leute gehen wieder vermehrt in die Bibliotheken, die vorher eher
zu bequem waren und mal schnell ein Buch "mitgenommen" haben, und kau-
fen hauptsächlich für Geburtstage ein. Natürlich gibt es auch noch
Kunden, die sich Bücher nach wie vor kaufen.
USS: Glaubst du, dass der deutsche Autor mehr gefördert und auch ge-
fordert werden sollte?
MR: Ich denke, nicht unbedingt, da es genug Wettbewerbe gibt. Nur:
Dann tatsächlich entdeckt zu werden wie in der Musikbranche z. B., da-
zu gehört eine große Portion Glück. Sicherlich gibt es viele unent-
deckte deutsche Schreibtalente, denen man nur wünschen kann, dass ir-
gendein Lektor oder Verlagsmensch sie zufällig entdeckt, in der Masse
an Manuskripten, die sie täglich erhalten.
USS: Bietest du Ausbildungsmöglichkeiten für junge Leute? Bildest du
überhaupt aus?
MR: Nein, das kann man nur, wenn man selbst die Ausbildung und Quali-
fikation dazu hat.
USS: Kennst du dich inhaltlich mit den Büchern aus, die du vertreibst
/ verkaufst?
MR: Die Bücher, die ich gelesen habe, natürlich, die anderen, die ich
nicht gelesen, aber bestellt habe, zumindest vom Thema.
USS: Kann dein Personal gut beraten, machst du interne Schulungen?
MR: Ja, ich kann mich auf sie verlassen. Interne Schulungen nicht di-
rekt, wobei wir uns immer wieder mal zusammensetzen außerhalb der
Buchhandlung, um gemeinsam neue Ideen, Verbesserungen etc. zu erarbei-
ten.
USS: Kannst du mir den Unterschied zwischen einem Buchhändler und ei-
nem Bibliothekar erklären?
MR: Der Bibliothekar muss auf alle Fälle studiert haben, was beim
Buchhändler nicht notwendig ist. Der Buchhändler dagegen muss auch was
vom Kaufmännischen verstehen, was beim Bibliothekar nicht unbedingt
notwendig ist.
USS: Würde dich der Beruf des Bibliothekars reizen?
MR: An sich ja, da er auch mit Menschen in Kontakt kommt - nur bin ich
einfach gerne selbständig und meine eigene Frau!
USS: Du bietest neben Büchern ja auch noch eine Menge anderer Dinge
an. Welche?
MR: Spiele, Hörbücher für Groß & Klein, Papeterie und seit neuestem
nette Geschenke aus Fiberglas wie Blumen, Vasen, Perlen, Kerzenhalter,
Mobiles - das alles in den Frühlingsfarben - sowie Blechsachen der
Marke "Mila" und ganz neu: schöne Handtaschen - Einzelstücke!
USS: Was machst du noch alles in deiner Buchhandlung?
MR: In der Buchhandlung selbst - wie bereits erwähnt - nur einmal pro
Jahr eine Buchvorstellung.
USS: Gehst du auf Messen?
MR: Ja, ab und zu mal auf die Buchmesse oder Spielwarenmesse, aber
nicht mehr regelmäßig, oder seit neuestem auf die Trendsetmesse in
München.
USS: Wenn man in deinen Buchladen möchte, muss man in den ersten Stock
gehen. Nehmen das die Kunden an?
MR: Ja, aber unterschiedlich. Manchen macht es nichts aus, sie fühlen
sich bei mir wie auf einer Insel, genießen die Ruhe und die etwas an-
dere Lage und kommen einfach gerne zum Schmökern. Andere wiederum wie
z. B. Mütter mit Kinderwägen hätten es natürlich lieber, wenn ich im
Erdgeschoss einen Laden hätte, da es einfach viel leichter für sie wä-
re, obwohl ich ja auch eine Kinderspielecke habe - aber wenn ein Kind
schläft ...?
USS: Kannst du Tipps für junge Autoren geben, aus der Sicht der Buch-
händlerin?
MR: Je nachdem, was man schreibt, die entsprechenden Verlage anschrei-
ben und nicht aufgeben, auch wenn es erst einmal Absagen regnet. Vor-
her aber vor allem Workshops zum Thema "Kreatives Schreiben", um so
den richtigen Schliff zu bekommen.
USS: Würdest du anderen zur Selbständigkeit raten?
MR: Im Moment nein, da die Kauffreudigkeit der Leute schon sehr nach-
gelassen hat und viele ExistenzgründerInnen deshalb leider auch wieder
aufgeben mussten. Außer man findet wirklich noch eine Marktlücke, dann
ja.
USS: Wie geht es dir mit deinem Laden mit der momentanen Kaufunlust
der Leute?
MR: Ehrlich gesagt, nicht gut (oder soll ich sagen: wie allen anderen
auch?). In der nahen Zukunft kann ich mir derzeit auch keine Besserung
vorstellen, da alle sehr vorsichtig mit ihrem Geld geworden sind. Ich
glaube, das liegt an der deutschen Mentalität. Ich hoffe nur, dass ich
mich durch die nächsten drei Jahre beißen kann, und dann sieht es so-
wieso wieder besser aus.
USS: Wie ist die Unterstützung von Seiten der Bank, da es gerade in
deinem Bereich starke Schwankungen gibt und du ja gewissermaßen auf
die Geldflüssigkeit angewiesen bist?
MR: Anfangs fand ich in der Bank wirklich offene Ohren und gute Unter-
stützung, doch leider hat die Sachbearbeiterin gewechselt und die Bank
sich mit einer anderen zusammengeschlossen, und seitdem erhalte ich
gar keine Unterstützung und kein Entgegenkommen mehr - und das gerade
jetzt, wo auch ich schauen muss, wie ich die nächsten drei Jahre über-
stehe, bis ich mein Existenzgründungsdarlehen abbezahlt habe! Sie küm-
mern sich im Endeffekt nur noch um die großen Fische, die kleinen kön-
nen gefressen werden ...
USS: Wie kommt man zu so einem Existenzgründungsdarlehen?
MR: Man sucht seine Hausbank auf und muss dann viele Formulare ausfül-
len, Kalkulationen etc. erstellen und die Idee, die man hat, gut ver-
kaufen können. Das wird dann gesichtet und geprüft und weitergeleitet.
USS: Bitte noch ein Schlusswort für Autoren und angehende Buchhändler
und solche, die es werden wollen.
MR: Viel Glück, und vor allem: "Lasst euch nicht unterkriegen!"
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Ursula Schmid-Spreer ist Lehrerin für Gesundheitsberufe (Zahnmedizin).
Als Ausgleich für den nicht immer ganz leichten Job schreibt sie gerne
- Briefe, Tagebuch und kleine Storys für ihre Tochter. Im Geestverlag
sind in einer Anthologie zwei Geschichten zum Thema Hoffnung von ihr
erschienen. Das Märchenbuch "Florian Floh" wurde im Thomas-Rüger-
Verlag veröffentlicht.
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SCHREIBKURS:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Feuchte Träume oder:
Das Mary-Sue- / Gary-Stu-Syndrom"
von Mareen Göbel
Ich möchte euch heute jemanden vorstellen, dem ihr alle schon einmal
begegnet seid und der sicher einen bleibenden Eindruck hinterlassen
hat. Wetten?
Wer ist der geheimnisvolle Fremde? Das ist das Stichwort: geheimnis-
voll.
Makellos
Hat er männliche Form angenommen, heißt er Gary Stu, handelt es sich
um eine Frau, Mary Sue. Oft heißen sie aber ganz anders, denn jeder
ihrer Schöpfer gibt ihnen die tollsten Namen, die es nur gibt. Die
beiden würden auch nichts Geringeres verdienen.
Mary ist atemberaubend schön. Gary auch. Manchmal verfügen sie über
einen klitze-jawirklichwinzig-kleinen Schönheitsfehler, den jeder ver-
nünftige Mensch nie als Schönheitsfehler bezeichnen würde: etwas zu
hohe Wangenknochen etwa. Wer von uns würde nicht töten für ein Ge-
sicht, das noch edler / adeliger aussieht als normal? Eine weiße
Strähne im Haar. Wow. Ich meine, ist das nicht interessant? Außerge-
wöhnlich? Könnten wir unserem perfekten Liebhaber verzeihen, eine wei-
ße Strähne im Haar zu haben? Genau. Manchmal ist die Geschichte dieses
Makels eine tragische: eine kleine Narbe, vom Bösewicht verursacht o-
der als Zeichen besonderer Herkunft.
Abgesehen davon rechnet mit großartiger Haut, auf der nie ein Pickel
erblüht ist: schneeweiß, golden, wie wäre es mit einem bronzenen
Schimmer? Nichts gegen einzuwenden, oder? Gerade, wenn es so toll zu
dem Haar passt, denn das ist golden, schneeweiß, kastanienbraun oder
blauschwarz. Wir Mausbraunen, Gefärbten / Getönten, Fleckigen, Dünn-
haarigen erblassen vor Neid, wenn wir so was lesen. Und dann die Augen
strahlend blau oder grün ist das Mindeste, dann haben wir nacht-
schwarz, saphirblau, smaragdgrün, eisgrau. Manchmal auch zwei davon.
Die Augen können auch ihre Farbe wechseln. Mal violett, mal silber.
Auch hübsch. Hauptsache, fällt auf und passt gut zu Haaren und Haut.
Wir würden Gary und Mary aber Unrecht tun, wenn wir nur auf das Äußere
achten würden, denn in ihren Augen liegt eine geheimnisvolle Tiefe,
die zugleich Lebenserfahrung und Schmerz ausdrückt. Kein Wunder, dass
jedesmal ein Raunen durch den Raum geht, wenn einer von ihnen rein-
kommt. Ich meine, wirklich. Ich würde auch raunen.
Gary und Mary tragen Leder und haben traumhafte Tätowierungen, die wie
lebendig aussehen. Drachen und so was. Wenn sie gut bemuskelt sind,
spielt die Tätowierung auf den Muskeln. Drachen schlängeln sich dann
dramatisch (ein beliebter Effekt beim Sex), Phönixe schlagen mit den
Flügeln; andere Tiere blicken den Beobachter an.
Gary und Mary sind alterslos, sehen aber aus wie Anfang zwanzig oder
jünger. Alt genug für Sex sollten sie sein, gerade bei Storys von Ame-
rikanern, denn sonst gibt es Ärger. Altern tun sie selbst dann nicht,
wenn die Geschichte über zwanzig Jahre läuft. Sie halten sich einfach
gut. Kein Herumsitzen auf der Couch bei Chips und Cola; sie sind schön
und schlank, ohne Sport zu treiben.
Mary und Gary haben den Beruf, den ihre Schöpfer selbst gern hätten,
und sie sind, anders geht es nicht, atemberaubend gut darin. Nicht nur
Anwalt, sondern Staranwalt. Nicht nur Ärztin, sondern Top-Chirurgin.
Als Journalist steht da immer ein großer TV-Sender oder die besten Ma-
gazine hinter. So jung so weit gekommen zu sein, flößt uns Ehrfurcht
ein.
Mary und Gary sind weiße Hexen (das mit der "weißen" Magie muss mir
noch mal jemand erklären), Priester einer uralten Religion; sie werden
von Katzen oder Wölfen begleitet, sind großartige Hacker, wagemutige
Biker, Punker oder Goths. Sie haben mal für ein geheimnisvolles Regie-
rungsprojekt gearbeitet, sind jetzt auf der Flucht und versuchen, die
Welt zu retten. Oder alles zusammen. Charaktere müssen ja vielschich-
tig sein.
Bei so viel Güte und Schönheit verwundert es nicht, dass alle Gary und
Mary lieben. Besonders kleine Kinder und Hunde. Gary und Mary würden
aus Beavis und Butthead wohlerzogene Teenager machen. Ein Abendessen
bei den Simpsons, und die würden erkennen, was sie alles falsch ma-
chen, und sich in die "Waltons" verwandeln.
Mary und Gary können sich gut in andere Menschen hineinversetzen, Em-
pathie wird hier groß geschrieben. Manchmal ist das auch eine magische
Fähigkeit; geheimnisvolle Fähigkeiten kann man beim Weltretten gut ge-
brauchen, sie haben aber den Nachteil, dass Gary und Mary auch eine
geheimnisvolle Aura der Macht und Mystik haben. Na ja. Kleine Nachtei-
le runden den Charakter ab.
Bösewichter übrigens fühlen sich in ihrer Nähe meist seltsam unwohl.
Wäre bei "Phantom Menace" (Star Wars: Episode 1) eine Mary Sue recht-
zeitig auf Darth Maul getroffen, hätten die beiden erst Mörder-Sex ge-
habt, und dann hätte sich Darth Maul schuldig gefühlt, dass er so fies
ist. Oder sie hätte ihn eingeschüchtert. Vielleicht hätten sie dann
Sex gehabt. Man kann nie wissen.
Wie gut, dass Gary und Mary ihre Gestalt verändern können. Nein, so
richtig, in Wölfe meistens. Katzen, Tiger, Pferde, Einhörner, Drachen,
so was. Nie aber Faultiere oder Wombats. Muss zur Tätowierung passen;
wir haben gelernt, dass Charaktere in sich stimmig sein müssen.
Bei ihrer schweren Aufgabe hilft ihnen ein geheimnisvolles Artefakt.
Damit tun sie viel Gutes. Sie lösen die Probleme der anderen Charakte-
re und enthüllen ihnen die Wahrheit über ihre Fähigkeiten, ihre Her-
kunft und so. Ist schon nützlich, so jemanden dabei zu haben.
Auch bei der Herkunft wird nicht gekleckert. Gary und Mary sind meist
die erste große Liebe eines Helden, über deren Verlust / Verschwinden
/ vorgeblichen Tod er nie hinweggekommen ist. Sie stammen aus Atlantis
oder einer anderen geheimnisvollen Zivilisation. Sie sind Engel, Göt-
ter, Dämonen oder kommen aus der Zukunft, um den Weltuntergang zu ver-
hindern. Auch andere Dimensionen sind beliebt, besonders solche mit
Einhörner, Drachen und Elfen.
Ein blödes Missverständnis zwingt sie, auf der Flucht vor der Polizei
zu sein, das Verbrechen schiebt ihnen ein anderer in die Schuhe, und
sie haben es nicht begangen. Gary und Mary kämpfen nur, wenn sie müs-
sen, aus Notwehr oder um jemand anderen zu retten. Nie würden sie
sonst jemandem was zuleide tun. Die Welt wäre ein besserer Ort, gäbe
es mehr von der Sorte. Ist der diesjährige Friedensnobelpreis eigent-
lich schon vergeben?
Der Plot
Niemand kann behaupten, Mary und Gary hätten keinen Anteil am Plot der
Geschichte. Sie bringen Protagonist und Antagonist dazu, sich endlich
ihre Liebe zu gestehen, geben Sex-Tipps, organisieren das passende Ho-
telzimmer samt Kondomen, manchmal machen sie auch mit. Mit emotional
geschädigten Figuren machen sie eine Wunder-Therapie. Ein Gespräch
reicht, vielleicht auch zwei. Manchmal ist es nur ein Blick, in dem
der Held alles erkennt, der dann voller Reue und neu gewonnener Kraft
sein Problem angeht.
Beim Weltenretten opfern sich Mary und Gary gern selbstlos; dabei än-
dern sie nicht selten den Verlauf der menschlichen Geschichte, verdie-
nen sich die immer währende Dankbarkeit der Helden und der ganzen
menschlichen Zivilisation. Sie opfern sich auch, um den Helden zu ret-
ten, leugnen ihre unsterbliche Liebe, damit das Ziel ihrer Liebe sei-
nen einzig wahren, für ihn bestimmten Partner finden kann.
Am Ende der Story falls sie dieses erleben und nicht beim Showdown
draufgehen verschwinden Mary und Gary diskret und so geheimnisvoll,
wie sie gekommen sind, um die Schlussszene nicht zu stören; oder sie
fangen was mit einer Nebenfigur an, falls die letzte Szene nicht ihr
Begräbnis ist, auf dem alle anderen Figuren Rotz und Wasser heulen.
So weit zum dramatischen Leben von Mary und Gary. Ihr habt es erraten.
Die beiden treten oft als Nebenfiguren auf, die sich in den Vorder-
grund drängen, weil sie toller, größer und schöner sind als die Haupt-
figuren und mit einer Handbewegung den Bösewicht besiegen oder das
zentrale Problem lösen. Das heißt aber nicht, dass Mary und Gary nicht
auch Hauptfiguren sein können.
Ein Geständnis
Ich muss euch ein peinliches Geständnis machen. Meine ersten Hauptfi-
guren waren alles Gary Stus. Wirklich. Mein erstes Roman-Epos hatte
einen jungen Wüsten-Prinzen, der magische Fähigkeiten hatte, super
aussah, Kriegsheld, geheimnisvolles Schicksal, und am Ende rettet er
die Galaxie - und das alles mit neunzehn, zwanzig. Gegen den hätten
Paul Muaddib und Luke Skywalker gemeinsam verdammt blass ausgesehen.
Ich habe alles aufgefahren, Artefakte, alle liebten ihn (bis auf sei-
nen Vater und die Aliens), und am Ende wirds dann richtig tragisch.
Statuen und so n Zeug.
Habe ich das Ding im Internet veröffentlicht? Nein. Im Keller steht
ein Kleiderschrank drauf. Viele Leute stellen so was ins Internet. Ge-
rade Anfänger neigen dazu, alles in eine Figur reinzuquetschen, was
nur passt. Wenn dabei Glaubwürdigkeit, Charaktertiefe und das Interes-
se der Leser auf der Strecke bleiben, ist das egal. Hauptsache, sie
haben den großartigsten Charakter (sich selbst, nur super aussehend,
geheimnisvoll, geheimnisvoll! GEHEIMNISVOLL!!!!) geschaffen, der nur
möglich ist.
Aber auch Profis passiert so was. Gene Roddenberry, der Erschaffer von
Star Trek, hat mal einen Charakter geschaffen, der wohl zur meistge-
hassten fiktiven Figur aller Zeiten geworden ist: Wesley Crusher, das
Wunderkind, das besser Raumschiffe fliegt als jeder Pilot, mit sieben
oder so die Akademie abgeschlossen hat und quantenmathematische Prob-
leme löst, um einschlafen zu können. Wesley weiß meist von Anfang an,
was das Problem ist. Und er vergießt nicht einen Tropfen Schweiß da-
bei. Alles fliegt ihm zu.
Hand aufs Herz. Habt ihr eine Mary Sue oder ihren Bruder in einem Sto-
ry-Archiv gesichtet? Psst. Nicht verraten. Nicht mit dem Finger auf
jemanden zeigen.
Intime Geheimnisse
Das hier ist sehr intim. Ich gehe davon aus, dass euch beim Lesen auch
das mulmige Gefühl beschlichen hat: "Das kenne ich doch." Ja, ich
fühlte mich auch ertappt. Wir haben alle irgendwann mal Mary oder Gary
erschaffen. Das ist die tragische Wahrheit.
Wir lesen auch Storys. Wenn ihr Mary und Gary begegnet, was ist eure
Reaktion als Leser? Meine ist, dass ich den Text ab da nur überfliege,
wo mir klar wird, dass Mary und Gary mitspielen. Meist lösche ich den
Text, blättere weiter oder klicke was anderes an. Ihr auch?
Komisch. Warum schreiben wir Marys und Garys, lesen sie aber nicht?
Jetzt wird es etwas vulgär. Gary Stu und seine Schwester sind der
feuchte Traum ihrer Erschaffer. Es sind keine Figuren, es sind eigene
Sehnsüchte, die auf Papier gebannt sind. Um drastisch zu werden:
Selbstbefriedigung jeder tut es, aber manche schreiben es auf. Ande-
ren dabei zuzusehen ist irgendwie peinlich. Und langweilig.
Eine Freundin sagte mal, Liebe / Sex und Schreiben haben viele Gemein-
samkeiten. Leser wollen verführt werden, es passiert ein Austausch
zwischen Lesern und Autoren. Ihr würdet euer erstes Date mit einem
Flirt doch auch nicht damit anfangen, dass ihr ... na ja, ihr wisst
schon.
Erotik baut sich langsam auf. Wir wollen den Leser dazu bringen, sich
in den Text, die Figur zu verlieben. Das geht aber nur, wenn es ein
Mensch ist, wenn Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit zusammenkommen. Nie-
mand verliebt sich in eine Gummipuppe. Und Mary und Gary sind Gummi-
puppen, so Leid es mir tut.
Nicht verzweifeln. Es ist okay, wenn eure Helden tolle Augen haben,
ein magisches Artefakt, von mir aus können sie sich sogar in Wölfe
verwandeln.
Die Dosis macht das Gift. Etwas Salz beim Essen ist toll wenn der
Leser aber ein Kilo Salz essen soll, wird er streiken.
(Anmerkung: Einige der Beispiele sind nicht von mir, sondern von "wom-
bat" und stammen von:
http://dialspace.dial.pipex.com/town/drive/xsi35/marysue.htm.)
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Mareen Göbel ist Dozentin bei http://www.textkrafttraining.de, Kultur-
und Literaturwissenschaftlerin und füllt die Zeit nach dem Examen und
vor dem Berufsleben mit dem Schreiben ihres vierten Romans die ers-
ten beiden sind unter Pseudonym bei Heyne erschienen, der dritte liegt
ihrem Agenten vor. Bei Fragen und Kommentaren:
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .
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BUCHBESPRECHUNG:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Literarisches Schreiben"
besprochen von Gabi Neumayer
Nicht nur James N. Frey bezieht sich auf Lajos Egri - unzählige
SchreiblehrerInnen tun es, und das seit Jahrzehnten. Das macht neugie-
rig. Und glücklicherweise liegt Egris Standardwerk von 1965 nun auch
auf Deutsch vor.
Beim Lesen wird schnell klar, wieso dieses Buch Grundlage so vieler
anderer werden konnte. Denn auch auf dem heute nicht mehr ganz so
kleinen Markt der Schreibbücher sticht es hervor - auf mehrere Arten.
Egri geht von den Charakteren aus, das ist nichts Außergewöhnliches.
Besonders ist aber die Art, in der er menschliche Emotionen, Eigen-
schaften, Widersprüche analysiert und daraus zu starken, dreidimensio-
nalen und "Geschichten-tauglichen" Charakteren kommt. Genau sieht er
sich an, wie Lebensumstände, Familie und andere Einflüsse Charaktere
formen - und welche Konflikte entstehen (müssen), wenn bestimmte Figu-
renkonstellationen zusammenkommen.
Dieses Buch bietet neben den tiefen Einsichten in das, was uns Men-
schen ausmacht, vor allem eine enorme Fülle an Charakter- und Ideen-
skizzen. Egri ist kein Theoriefanatiker, auch wenn die Grundprinzipien
des Schreibens natürlich erklärt werden (Freys berühmte "Prämisse"
baut übrigens auf Egris "These" auf). Alles, was er sagt, bringt er
sofort anschaulich ins Schreiben. Dadurch wird immer wieder deutlich,
wie ein Charakter, eine Geschichte sich entwickeln kann - und zugleich
sind die vielen Charakterskizzen und Geschichtenanfänge ein uner-
schöpflicher Fundus für jede/n SchriftstellerIn.
Dieses Buch ist sicher eines der besten, wenn es um Charaktere in der
Literatur geht. Und nicht nur wer gerade erst angefangen hat zu
schreiben wird es schätzen, das Egri sich klarer und einfacher auszu-
drücken versteht als die meisten seiner KollegInnen. Sehr empfehlens-
wert!
Lajos Egri: "Literarisches Schreiben" 2002, 208 Seiten, 14,90 Euro,
Autorenhaus-Verlag
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Gabi Neumayers aktuelle Veröffentlichungen: "Schulgeschichten", 12 Ge-
schichten für ErstleserInnen, Gondrom Juni 2003; je fünf Storys in
"Engelgeschichten, die Kindern helfen" und in "Meine ersten Abenteuer-
geschichten" (beide Gondrom); Kurzkrimi "Taxi" in der Anthologie "Lie-
bestöter" (Scherz); "English at work", ein Ratgeber für Business-
Englisch (Eichborn). http://www.gabineumayer.de.
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INTERVIEW:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Innehalten und Staunen"
Interview mit Stefanie Bense
Stefanie Bense ist Fantasy-Expertin beim Tempest, schreibt für die
Weltbild-Autorenschule, gibt Seminare zum Schreiben in Universität und
Volkshochschulen und hat mehrere Geschichten in den Storyolympiade-
Anthologien veröffentlicht; die neueste "Wie die Drachen zu ihrem Feu-
er kamen" findet ihr in "Märchenzauber". Sie schreibt zurzeit an ihrem
ersten Roman (Historische Fantasy).
Ursula Schmid-Spreer: Du wohnst in Hannover. Wie ist dort die Litera-
turszene?
Stefanie Bense: Sicherlich ähnlich wie in anderen Städte. Es gibt Le-
sungen in Cafés und Buchhandlungen, Poetry-Slam-Veranstaltungen, die
LiteraTour Nord und den Literarischen Salon (an der Uni mit jungen und
namhaften SchriftstellerInnen), das Literaturbüro Hannover, das Künst-
lerhaus Sophienstraße, mehrere Schriftstellerverbände, -vereine und -
zusammenschlüsse, viele gute Bibliotheken (Uni-, Landes-, Stadtbiblio-
theken, medizinische Bibliotheken und und und), viele Veranstaltungen
an Volkshochschulen (Hannover, Laatzen, Isernhagen, Garbsen ...) und
Schulen, Lesungen arrivierter AutorInnen im NDR-Funkhaus kurz, es
ist so viel los auf der Literaturbühne Hannover, dass man gar nicht
alle Termine wahrnehmen kann. In jetziger Zeit hat Hannovers literari-
sches Leben m. E. etwas nachgelassen. Aber ist das verwunderlich?
Wenn du allerdings wissen wolltest, wer hier in Hannover als AutorIn
ausgewiesen ist, bin ich überfragt. Dafür gab der Literaturrat Nieder-
sachsen ein Handbuch (2001) heraus; aktueller ist die Datenbank
(http://www.literaturrat-nds.de/suche/index.html).
USS: Gibt es Sponsoren, die auch mal Lesungen ausrichten?
SB: Selten bis gar nicht. Lesungen bieten oft nicht kommerzielle Ver-
anstalter wie Uni, Bibliotheken, Schulen, Volkshochschulen an. Buch-
handlungen organisieren sie in der Absicht, Bücher des Autors zu ver-
kaufen (klar!). Für die Menge an Buchhandlungen in Hannover gibt es
dennoch viel zu wenig Lesungen; es scheint, die Buchhandlungen entwi-
ckeln sich Richtung Discount.
Und kommerzielle Sponsoren versprechen sich zu wenig Werbewirkung da-
von, um sich zu engagieren; es sei denn, Bohlen läse, nehme ich an.
USS: Dein Traum ist wahrscheinlich, einmal ganz vom Schreiben zu le-
ben. Siehst du Chancen darin nicht nur für dich , als "Freie" zu
arbeiten?
SB: Nicht, wenn man hauptsächlich Fantasy schreiben will. Für Fantasy
ist der Markt in Deutschland recht klein. Wenn man vom Schreiben leben
will, sollte man für das Publikum schreiben, also sich bewusst auf
Genres einlassen, die "etwas einbringen", oder man nimmt in Kauf, dass
es sehr lange dauern kann, bis man veröffentlicht. Man muss kontinu-
ierlich arbeiten, termingerecht und "für den Markt". Und man muss
handwerklich gut sein!
Im Prinzip bin ich mir gar nicht sicher, ob es ein Traum ist, vom
Schreiben zu leben. Könnte sich schnell zum Alptraum auswachsen oder
dazu zwingen, nur noch das zu schreiben, was Geld bringt.
Nichts dagegen hätte ich, wenn es mir so wie Andreas Eschbach erginge:
wenn sich irgendwann die Prioritäten verschieben, so dass ich mir ei-
nen Beruf neben dem Schreiben nicht mehr leisten kann und dennoch das
schreibe, was ich schreiben möchte.
USS: Du bist an der wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek in Hanno-
ver tätig. Wie stehen deine KollegInnen zu deinen schriftstellerischen
Aktivitäten?
SB: Sie freuen sich, wenn ich mal wieder eine Geschichte in einer An-
thologie veröffentlicht habe; einige lesen sie sogar. Die meisten sind
aber keine Fans von Fantasy oder SF und haben dementsprechend wenig
Bezug zu dem, was ich schreibe. "Märchenzauber", die Anthologie aus
der Storyolympiade-Reihe, hat aber einige LiebhaberInnen gefunden. Und
sie warten gespannt auf meinen Roman ...
USS: Wie verhält sich dein Beruf zur Berufung?
SB: Nachteile: Der Brotberuf kostet Zeit (und oft Nerven), die ich
lieber zum Schreiben und Lesen aufwenden würde. Vorteile: Ich bekomme
Geld für etwas, das ich gern tu: anderen helfen, Informationen zu fin-
den. Und ich benötige weitaus weniger Zeit als Ungeübte, wenn ich re-
cherchieren muss. (Nicht zu vergessen das regelmäßige Einkommen.)
USS: Wann hast du entdeckt, dass Schreiben für dich einen hohen Stel-
lenwert einnimmt? Und vor allen Dingen, was fasziniert dich am Genre
Fantasy?
SB: Wie fast alle AutorInnen habe ich schon immer geschrieben, einige
Jahre allerdings stattdessen nur gemalt. Als ich die Malerei aufgab,
musste meine Phantasie ja irgendwo hin ... Nachdem sich die Leute über
meine Mega-Briefe beschwerten, bin ich auf Geschichten umgestiegen.
Jedoch wurde es erst zur intensiven Beschäftigung, als mir ein Schock-
Erlebnis vor Augen führte, dass es Zeit war, sich auf das zu konzent-
rieren, was mir wichtig ist.
USS: Warum Fantasy?
SB: Eine Freundin sagte (besser kann ich es nicht ausdrücken): "Das
Schöne an Fantasy ist, dass ich neben der Geschichte auch gleich noch
die Welt mit erfinden kann." Darüber hinaus möchte ich dem Innehalten
und Staunen eine Lanze brechen und wo geht das besser als in der
Fantasy?
USS: Wie hast du angefangen?
SB: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort ... Im Ernst je mehr ich
schrieb, desto mehr Arbeit wurde es; ich merkte, wie viel ich noch
lernen musste, vor allem Sprachwerk, Kopfwerk, Handwerk. Anfangs ver-
fasste ich Alltagsgeschichten, Skizzen, Erzählungen absurder Begeben-
heiten, auch mit intellektuellem Anspruch. Als ich zur Fantasy wech-
selte, habe ich wieder angefangen, viel zu lesen, How-to-write-books
zu studieren und viel auszuprobieren, wie man was umsetzen könnte.
(Wie ich zur Fantasy gekommen bin, lässt sich im Tempest 2-11 und 2-12
von 2000 nachlesen, http://www.autorenforum.de.)
USS: Wie kann man den Unterschied zwischen Sciencefiction und Fantasy
klar abgrenzen?
SB: Science Fiction befasst sich mit dem, was sein könnte, und geht
dabei von dem aus, was zurzeit schon existiert. In der Regel hat sie
einen technisch- oder sozial-utopischen Hintergrund und erklärt oder
deutet an, wie sich daraus das Neue entwickelt.
Fantasy befasst sich mit dem, was niemals sein könnte, und setzt als
gegeben voraus, dass Magie, Götter und Fabelwesen existieren. Es wird
vom Leser verlangt, mehr "suspense of disbelief" aufzubringen, also
das Irreale als real anzunehmen.
USS: Gibt es Zusammenschlüsse von Fantasy-Autoren? Gibt es diesbezüg-
lich Aktivitäten? (Treffen, Seminare, Workshops...)
SB: Es gibt Fanclubs, Cons, Foren, Mailinglisten, Internetseiten,
Chatrooms zu viel, als dass man sie aufzählen könnte. Das Schreiben
ist ein relativ einsames Geschäft, aber das Überarbeiten und Lesen
muss es nicht sein. Ich finde es gut, wenn man sich austauscht, an den
eigenen und fremden Texten lernt, wächst, sich reibt und auseinander
setzt. Ohne eigene Entwicklung keine Entwicklung beim Schreiben!
Seminare zur Fantasy gibt es recht wenige, zu SF laufen mehr (u. a. in
der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel). Das letzte
Fantasy-Wochenend-Seminar, das ich in der VHS Hannover angeboten habe,
musste mangels Anmeldungen ausfallen. Vielleicht ist das Interesse
nicht so groß, etwas zu lernen ...
USS: Gehst du gerne ins Kino? Was bevorzugst du? Ist es der neueste
Film, der von der Presse hochgejubelt wird, oder sind es eher die
kleinen Kinos, die auch mal Außenseiterfilme zeigen? Oder dürfen es
nur Fantasy-Filme sein?
SB: Seit ich an dem Roman arbeite, komme ich kaum noch dazu, ins Kino
zu gehen. Klar, "Herr der Ringe", "Harry Potter", "The Sixth Sense"
das musste schon sein. Aber ich bin beim Kino wie beim Lesen ein Al-
lesfresser: Alles, was für mich interessant aussieht, schaue ich an
oder lese es. Ich gehe gern in die Alternativ-Kinos und in die klei-
nen. Dort ist die Ausbeute an Filmen größer, die einen anregen (zum
Nachdenken, Weiterspinnen, Phantasieren). Außerdem sehe ich gern die
jungen deutschen Kurzfilme, auch mal Kunstkino (wie Wim Wenders) und
Avantgarde-Filme welches kommerzielle Programmkino zeigt das schon?
USS: Was fasziniert dich an Workshops über Kreatives Schreiben, an de-
nen du teilnimmst?
SB: Bei der Teilnahme möchte ich etwas für mein Handwerk mitnehmen o-
der auf neue Methoden, Kniffe, Ausdrucksformen gestoßen werden. Falls
alle zu einem Thema arbeiten, finde ich es faszinierend, wie individu-
ell die Ideen und Stories sind. Ein großer Genuss sind die Diskussion
mit anderen Schreibenden und die Arbeit an den Texten. Es ist oft sehr
produktiv, selbst wenn im Seminar nicht geschrieben wird.
USS: Und wenn du ein Seminar gibst?
SB: Wenn ich ein Seminar gebe, möchte ich Erfahrungen vermitteln,
Handwerk und das Gefühl, dass man nicht allein ist. Es soll einen
Freiraum schaffen, der anregt zu schreiben, zu lernen, sich auszutau-
schen, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Vor allem möchte
ich zeigen, dass Schreiben (wie Musik oder Malerei) viel mit Üben und
Lernen zu tun hat.
USS: An den Volkshochschulen werden verschiedene Kurse / Seminare an-
geboten, die du seit 1993 leitest. Welche Art von Seminaren gibst du?
SB: Unterschiedliche. Eine wöchentlich tagende Schreib- und Textwerk-
statt beschäftigt sich mit der Textüberarbeitung, Textkritik und mit
Schreibübungen, Kreatives Schreiben oder Kreativstrategien sollen
spielerisch und methodisch vielfältig die Teilnehmenden ins Schreiben
ziehen, Genre-Kurse (wie Krimi, Fantasy, SF, Horror, Märchen) sollen
genrespezifisches Handwerk vermitteln. Ich gebe auch Seminare zum au-
tobiographischen Schreiben und viele Erzähl- und Stiltechnik-Kurse, z.
B. Wie man spannend schreibt, Dialogtechnik, Wie man beschreibt, ohne
zu langweilen, Figurenprobleme - es gab sogar ein Roman-Seminar.
Dieses Jahr findet "Recherche für Autoren/innen" und ein einwöchiger
Bildungsurlaub "Mit allen Sinnen schreiben" statt. Wer nähere Infos
möchte, kann sich gern bei mir melden unter dem Fantasy-Expertin-Link.
USS: Was meinst du, bringt es etwas, an Wettbewerben teilzunehmen? Du
konntest ja schon einige Erfolge verzeichnen und Literaturpreise ge-
winnen.
SB: Es gibt mehrere Phasen beim Schreiben: Erst schreibt man für sich,
die Schublade und vielleicht noch die beste Freundin oder den besten
Freund. Dann sucht man sich eine begrenzte Öffentlichkeit (wie
Schreibgruppen) und testet Stories aus. Schließlich geht man an eine
größere Öffentlichkeit wie Wettbewerbe oder Anthologien, falls man
veröffentlichen will. (Es gibt natürlich auch jene, die gleich anfan-
gen, einen Roman zu schreiben und daher nur wenig Gelegenheiten für
Wettbewerbe haben.)
Wettbewerbe sollte man nutzen, um sich und sein Schreiben auszutesten.
Es ist schon ein Erfolgserlebnis, unter rund 200 Einsendungen den
dritten Platz zu belegen. Aber Vorsicht! Jury-Entscheidungen und Wett-
bewerbsablehnungen können auch niederschmetternd sein. Alle, die ihre
Texte einreichen wollen, sollten genau die Ausschreibungen beherzigen
und sich darüber klar sein, dass man nicht immer den Geschmack der Ju-
ry treffen kann. Handwerklich gut müssen die Stories auf jeden Fall
sein.
Für Fantasy- und SF-Autoren: Ein wenig Werbung möchte ich für die Sto-
ryolympiade machen, da wächst etwas Neues, Anspruchsvolles heran
(http://www.storyolympiade.de).
USS: Was ist Mainstream-Prosa?
SB: Alles, was zu keinem Genre gehört. Dazu zählt die Neue deutsche
Literatur, konventionelle Romane, Autobiographisches, Biographisches,
Reiseliteratur, Selbsterfahrungsprosa das, was oft den Hauptumsatz
ausmacht. Ursprünglich sollte Underground sich von Mainstream abheben,
aber längst ist Mainstream ein Sammelbegriff für das Konventionelle,
Verkaufbare, Publikumswirksame geworden.
USS: Dein Studienfach war Freie Malerei und Design. Arbeitest du auf
diesem Gebiet noch?
SB: Nicht für den Verkauf, aber ganz kommt man nie davon los. Ich a-
quarelliere gern und layoute manchmal auch noch, völlig privat. Zum
Beispiel zeichne ich gern meine Figuren oder Landschaften. Wenn sich
später mal eine Illustration oder ein Titelbild ergibt ...
USS: Du schreibst an deinem ersten Roman. Illustrierst du ihn selber,
ist das geplant?
SB: Nein. Erst mal bin ich froh, wenn ich ihn überhaupt verkaufe. Die
Ausstattung ist Sache des Verlags, da hat der Autor in der Regel wenig
bis gar kein Mitspracherecht. Wäre auch die Frage, ob sie ausgerechnet
was von mir haben wollen, nach dem Motto: Ja, wenn sie schreibt, kann
sie doch wohl nicht auch noch gut malen?!
USS: Andreas Eschbach ist mit seinem "Jesus-Video" ja der "Wurf" ge-
lungen. Wie beurteilst du die Chancen für Autoren, im Bereich SF und
Fantasy unterzukommen?
SB: Ich bin keine Fachfrau dafür, den Markt zu beurteilen, aber ich
mache mir so meine Gedanken ...
Von Verlegern und Lektoren hört man ständig, dass sie einerseits gute
Autoren suchen, andererseits mit indiskutablen Manuskripten zugemüllt
werden. Deswegen glaube ich, dass ein handwerklich gutes, intelligen-
tes, unterhaltsames und ideenreiches Manuskript seinen Verlag findet.
Und im Anschluss daran sein Publikum.
Ist Eschbach aus dem Nichts aufgetaucht? Nein, er hat jahrelang vor
der Veröffentlichung des "Jesus-Videos" geschrieben. Das sagt er auf
seiner Homepage (http://www.andreaseschbach.de): Schreiben lernt man
durch Schreiben.
Wie er halte ich nichts von jenen, die einfach die erste Fassung eines
heruntergeschriebenen "Romans" einsenden. Schreiben ist Überarbeiten
ist Arbeit! Und dafür braucht man Jahre, alles andere ist Augenwische-
rei. Schließlich trainieren Musiker und Tänzer ebenfalls Jahre, bis
sie ein abendfüllendes Werk aufführen; wieso sollte das beim Verfassen
von Romanen anders sein?
USS: Glaubst du, dass sich immer mehr Leser in eine Fantasiewelt zu-
rückziehen, um dem (g)rauen Alltag zu entkommen? Besteht darin die
Chance für die Autoren, ein "Zukunftsbild" zu zeichnen?
SB: Für mich ist Literatur (ganz egal, welches Genre) grundsätzlich
dazu da, jemanden zu unterhalten, ihn also aus dem Alltag zu entrü-
cken. Fantasy wurde das, nachdem die Literaturwissenschaft sie zur
Kenntnis nahm, gleich als Vorwurf angeheftet: eskapistische Machwerke.
Über den Anteil an Eskapismus (Zerstreuungssucht, Flucht vor der Wirk-
lichkeit) und die Qualität der so bezeichneten Werke kann man strei-
ten, über den Unterhaltungswert nicht. Lesen wir denn wirklich Romane,
Hunderte von Seiten, um uns weiterzubilden oder ein besserer Mensch zu
werden? Lesen wir jene Romane überhaupt oder gern, die mit diesem An-
spruch wuchern? In diesem Sinne ist es nicht die Aufgabe eines Autors,
ein Zukunftsbild zu zeichnen. Sollten das nicht eher die Aufgabe von
Politikern und Philosophen sein?
USS: Und zum Schluss: Welche Empfehlung gibst du angehenden AutorInnen
gibt es einen guten Tipp?
SB: Schreiben, schreiben, schreiben. Und Lesen. Überarbeiten, überar-
beiten, überarbeiten. Und wieder Schreiben.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Ursula Schmid-Spreer ist Lehrerin für Gesundheitsberufe (Zahnmedizin).
Als Ausgleich für den nicht immer ganz leichten Job schreibt sie gerne
- Briefe, Tagebuch und kleine Storys für ihre Tochter. Im Geestverlag
sind in einer Anthologie zwei Geschichten zum Thema Hoffnung von ihr
erschienen. Das Märchenbuch "Florian Floh" wurde im Thomas-Rüger-
Verlag veröffentlicht.
*********************************************************************
INTERVIEW:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Das Wichtigste ist, dass man zusammenpasst"
Interview mit Marie T. Martin
Marie T. Martin hat schon während der Schulzeit an den "Jugend
schreibt"-Projekten" des Literaturforums Südwest in Freiburg teilge-
nommen. 2002 bewarb sie sich für das Studium am deutschen Literaturin-
stitut Leipzig - und zählte zu den wenigen, die aufgenommen wurden.
Hans Peter Roentgen: Jedes Jahr bewerben sich Hunderte in Leipzig, nur
zehn bis zwanzig werden aufgenommen. Wie sieht so ein Aufnahmeverfah-
ren aus? Was wurde von dir verlangt?
Marie T. Martin: Zunächst muss man Textproben einsenden, 20 bis 30
Seiten Texte unterschiedlicher Art. In meinem Fall war es hauptsäch-
lich Kurzprosa, aber auch Lyrik und Rezensionen. In einem zweiten
Schritt werden einige Bewerber zu einem Auswahlgespräch gebeten, das
die Motivation und die Erwartungen noch einmal überprüfen soll. Nach
diesem Gespräch, das drei DozentInnen mit den Bewerbern führen, bleibt
dann ein kleiner Rest übrig, der zum Studium zugelassen wird. Es gibt
aber keine Mindest- oder Höchstanzahl von Bewerbern, die zugelassen
werden müssen. Das Wichtigste ist, dass man "zusammenpasst".
HPR: Warum hast du dich für das "Schriftstellerstudium" in Leipzig be-
worben?
MTM: Ich hatte mich außerdem noch für Kulturwissenschaften in Hildes-
heim und Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen beworben, wurde
auch bei beiden angenommen. Das Literaturinstitut kannte ich bereits
aus Zeitungsartikeln. Den Ausschlag für Leipzig gab dann tatsächlich
das Aufnahmegespräch, das sehr angenehm war. Mir ging es vor allem um
einen künstlerischen und praktisch orientierten Studiengang, auf das
Schreiben war ich nicht unbedingt fixiert. Inzwischen finde ich es
fast schade, dass ich im Moment doch sehr um das Schreiben kreise, ob-
wohl ich sehr gern am Literaturinstitut studiere.
HPR: Wie sieht dein Studium aus? Was ist anders, was so, wie du es er-
wartet hattest?
MTM: Es ist eine Mischung aus theoretischen und praktischen Seminaren,
wobei der Schwerpunkt schon auf den Werkstattseminaren, also dem Ver-
fassen eigener literarischer Texte liegt. Dabei geht es vor allem auch
um die Gespräche über die Texte der anderen; ein ins Seminar einge-
brachter Text wird von allen gelesen und dann diskutiert, und im Ide-
alfall weiß der Schreibende danach, wie er weiter mit dem Text verfah-
ren soll. In den Theorieseminaren werden, wie an jeder Uni auch, Refe-
rate gehalten und Hausarbeiten geschrieben, oft besteht auch die Mög-
lichkeit, sich in einem Essay mit dem Seminarthema auseinander zu set-
zen. Die Fächer sind Prosa (was die meisten machen), Lyrik und Drama-
tik / Neue Medien, wobei zwei Hauptfächer oder ein Haupt- und zwei Ne-
benfächer studiert werden. Die Diplomarbeit ist dann eine literarische
Arbeit.
Erwartungen hatte ich keine besonderen, gefreut habe ich mich über das
Drehbuchseminar, in dem wir unsere Kurzfilmdrehbücher auch realisiert
haben. Erfreulich ist auch, dass es Lesereihen gibt, z. B. mit einem
Café oder dem Haus des Buches Leipzig.
HPR: Studierst du nur an dem Leipziger Institut, oder hast du noch ein
anderes Fach? Vielleicht als Sicherheitsleine? Schriftsteller ist ja
kein sehr einträglicher Brotberuf.
MTM: Nein, ich war so waghalsig, nur am Institut anzufangen, manchmal
frage ich mich, ob ich tatsächlich mit dem Schreiben Geld verdienen
möchte. Kulturjournalistisch oder als Dramaturgin zu arbeiten, könnte
ich mir vielleicht eher vorstellen als Schriftstellerin, zumal ich im-
mer noch recht kurze Texte schreibe. Ich schließe es aber auch nicht
aus, nach dem Studium noch eine Ausbildung zu machen.
HPR: Du hast schon als Schülerin an "Jugend schreibt" des Literaturfo-
rums Südwest in Freiburg teilgenommen. Wie sah das aus? Was versteckt
sich hinter diesem Namen?
MTM: Es passierte eigentlich das, was mir jetzt täglich im Studium be-
gegnet, nur in wesentlich kleinerem und familiärem Rahmen. Wir haben
über mitgebrachte Texte gesprochen, einmal im Jahr gab es eine ganztä-
gige Textwerkstatt, es sind Anthologien entstanden, und manchmal gab
es auch Lesungen. Es war sozusagen der erste Schritt in eine winzige
Öffentlichkeit, aus Neugierde, wie die eigenen Texte von Fremden auf-
genommen werden, und auch aus dem Wunsch nach Kontakt mit ebenfalls
Schreibenden.
HPR: Hat dir die Teilnahme bei "Jugend schreibt" bei der Aufnahme im
Literaturinstitut geholfen? Hast du dort Erfahrungen gesammelt, die
dir weitergeholfen haben?
MTM: Auf jeden Fall. Es wäre ein Schock gewesen, wenn ich vorher nie
einen Text in eine Gruppe eingebracht hätte. Auch wenn es bei "Jugend
schreibt" im Gegensatz zum Institut nie wirklich harte Kritik gegeben
hat, war es doch wichtig, von der subjektiven Sichtweise auf die eige-
nen Texte loszukommen. Am Institut ist es wichtig, dass man zum Leser
des eigenen Textes wird und dass man Neugierde auf und Bereitschaft
für fremde Texte mitbringt. Da war das Projekt "Jugend schreibt" eine
gute und förderliche Vorbereitung. Ich denke, es ist für die jugendli-
chen Schreibenden auch wichtig, dass man, wie es im Literaturbüro der
Fall ist, sehr freundlich und höflich mit Verbesserungsvorschlägen
vertraut gemacht wird. Wird das Schreiben mit den Jahren ernsthafter,
ist man früh genug, spätestens bei den ersten Publikationen, mit
"wirklicher", erbarmungsloser Kritik konfrontiert. Ich teile nicht die
Auffassung mancher Eltern und Lehrer: "Je früher man mit der Härte des
Berufslebens Bekanntschaft schließt, desto besser." Es ist erfreulich
für Jugendliche, dass es Einrichtungen wie "Jugend schreibt" gibt, ich
hoffe, dass das Projekt nicht Opfer irgendwelcher Sparmaßnahmen wird.
HPR: Seit wann schreibst du eigentlich?
MTM: Seit der Grundschule. Damals habe ich Comics gezeichnet und klei-
ne Geschichten geschrieben, in der Pubertät kam klassischerweise die
Lyrik dazu, und die Texte wurden etwas länger. Jetzt, nach dramati-
schen Übungen, soll ein Theatertext entstehen.
HPR: Gibt es Gemeinsames in deinen Texten, Themen, die immer wieder
auftauchen, oder hat sich, was du schreibst, im Laufe der Zeit verän-
dert?
MTM: Im Moment steht die zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund,
Verletzungen, Eifersucht, Sehnsucht. Ängste und Andersartigkeit sind
wohl Themen, die ich beibehalten habe und nach wie vor spannend finde.
Eine Zeitlang habe ich eher märchenhafte Texte geschrieben, das kommt
heute nicht mehr vor. Zur Zeit finde ich meinen Stil zu nüchtern, zu
unexperimentell. Ich habe das Gefühl, meine Texte sind weniger bild-
haft als früher.
HPR: Eines Tages wachst du auf, und ein wunderschöner Elf mit einem
Zauberstab steht neben deinem Bett und sagt: "Du hast so viel ge-
schrieben, das soll dir belohnt werden. Du hast einen Wunsch für dein
Schreiben frei." Was wünscht sich Marie T. Martin?
MTM: Tja, ich wünsche mir, dass ich einen Roman schreibe, von dem ich
sagen kann: Dieses Buch ist bizarr, tief, originell, und man vergisst
es schwer.
HPR: Vielen Dank für das Interview.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Hans Peter Roentgen betreibt zusammen mit Judith Tepesch die Schreib-
werkstatt "Textkrafttraining" (http://www.roentgen-
software.de/sws/sws.htm), ist Mitglied der Phoenix-Schreibgruppe
(http://www.roentgen-software.de/phoenix/phoenix.html) und schreibt
phantastische Geschichten (http://www.roentgen-
software.de/eigen/eigen.html) und Computerprogramme.
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STEPHAN WALDSCHEIDTS KLEINE AUTORENTYPOLOGIE:
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(mailto:redaktion at autorenforum punkt de)
"Der in sich gekehrte Sensible"
"Tief und ernstlich denkende Menschen haben gegen das Publikum einen
bösen Stand." (Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen)
Es gibt sie kaum noch, die in sich gekehrten Sensiblen, sollte man
meinen, dabei bemerkt man sie nur nicht. In sich gekehrt, kauern sie
in der Ecke ihres Zimmerchens, zucken zusammen bei jedem bösen Ge-
räusch, sei es eine Feder, die zu Boden donnert, oder eine Schneeflo-
cke, die gegen das Fenster schlägt, sei es ein Veilchen, das sich mit
ohrenbetäubendem Röhren der aggressiv grellen Morgensonne öffnet, oder
eine Fliege, die über die Decke stampft und trampelt, dass man fürch-
ten muss, das ganze Haus stürzt ein.
Ihr literarisches Schaffen ist leider eher qualitativ als quantitativ
zu bemessen, da nach ein, zwei Wörtern bereits die ersten Blasen an
den Fingerspitzen blühen und der erste Satz statt mit einem Punkt
meist mit einer Sehnenscheidenentzündung endet. So sitzen sie einfach
da und quellen über vor Poesie, ihre Seele für immer auf der Suche
nach der Blauen Blume. Auf Zehenspitzen verlassen wir dieses stille
Bild voller Frieden und lyrischer Reinheit und übergeben uns schwei-
gend im Vorgarten.
Typische Themen
Wie schmerzt die Welt, wie weh tut - ach! - das Leben; auch Hypochon-
der leiden.
Textprobe
Ach Herzelein, lieb Herzelein, lass mich dein Herzensdichter sein.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Stephan Waldscheidt, Jg. 67, steht kurz vor der Vollendung eines his-
torischen Romans und eines Satire-Projekts für Autoren. Bei Walzwerk,
Berlin erschienen: "Weitgehend Höllenfahrten", ein Buch mit Erzählun-
gen. Daneben Veröffentlichungen von ernsten, weniger ernsten und durch
und durch unernsten Texten in Zeitschriften und auf seinen Websites
http://www.waldscheidt.de und http://www.fallera.de.
*********************************************************************
UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung. Speziell unsere Expertin für Litera-
turagenturen nimmt keine neuen AutorInnen an; Anfragen dazu sind daher
zwecklos.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
mailto:drehbuch at autorenforum punkt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
mailto:fandom at autorenforum punkt de
Fantasy: Stefanie Bense
mailto:fantasy at autorenforum punkt de
Heftroman: Arndt Ellmer
mailto:heftroman at autorenforum punkt de
Historischer Roman: Titus Müller
mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de
Kinderbuch: Gabi Neumayer
mailto:kinderbuch at autorenforum punkt de
Kriminalistik: Reiner M. Sowa
mailto:kriminalistik at autorenforum punkt de
Literaturagenturen: Petra Hermanns
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Lyrik: Martina Weber
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Reiseführer: Gabriele Kalmbach
mailto:reisefuehrer at autorenforum punkt de
Sachbuch allgemein: Gabi Neumayer
mailto:sachbuch at autorenforum punkt de
Sachbuch Medizin/Psychologie: Maja Langsdorff
mailto:med.psych at autorenforum punkt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
mailto:schreibgruppen at autorenforum punkt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
mailto:schreibhandwerk at autorenforum punkt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
mailto:sf-autor at autorenforum punkt de
Technische Literatur, CDs, Internet: Reinhard Mermi
mailto:techlit at autorenforum punkt de
Übersetzung: Barbara Slawig
mailto:uebersetzerin at autorenforum punkt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR HISTORISCHE ROMANE:
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Titus Müller (mailto:historischer.roman at autorenforum punkt de)
Frage:
Wenn ich historische Personen verwende, z. B. Julius Cäsar, Kolumbus,
noch lebende Prominente, wie weit muss ich mich an historische Details
halten, z. B. wann er sich wo aufgehalten hat?
Antwort:
Es gibt da verschiedene Ansätze. Ich persönlich finde diebisches Ver-
gnügen daran, in einen Roman selbst Details einzuflechten, die kaum
ein Leser als "historisch korrekt" erkennen wird. So beschreibe ich
Gegenstände, die im Museum liegen und aus der Zeit des Romans stammen,
oder ich lasse Personen im Dialog Dinge sagen, die sie wörtlich so ge-
schrieben haben (Tonbandaufzeichnungen gibt es ja leider vom Mittelal-
ter nicht). Ich forsche nach, ob es Besonderheiten im Wetter des be-
schriebenen Jahres gab, ob eine Nachricht aus dem fernen Ausland an
die Ohren der Protagonisten dringen könnte, ob eine berühmte Persön-
lichkeit sich in der Nähe aufgehalten hat.
Wenn ich von den historischen Gegebenheiten einmal abweiche, dann be-
kenne ich das den Lesern im Nachwort des Romans - in der "Priester-
tochter", die im September erscheint, stirbt Abt Altfrid von Hildes-
heim bereits im Juli, obwohl er bezeugtermaßen am 15. August 874 das
Zeitliche segnete. Das ist die einzige Abweichung von der Überliefe-
rung, den Quellen, die mir bewusst ist in diesem Roman. Fehler können
natürlich außerdem passieren ... Aber wenn ich bewusst abweiche, dann
sage ich das den Lesern auch.
Man kann die Sache anders sehen, und völlig zu Recht. Die Geschichte
muss spannend sein, es muss eine gute, tiefgründige Begebenheit sein,
die so erzählt ist, dass sie stimmig wirkt und "rund". Welche Rolle
spielt es da, ob es 1141 tatsächlich eine Überschwemmung am Rhein gab?
Oder - wie du fragst - ob sich eine gewisse Person am berichteten Tag
in Rom aufgehalten hat oder erst zwei Wochen später? Es gibt also mit
gleicher Berechtigung Autoren historischer Romane, die der Geschichte
gegenüber den recherchierten Fakten mehr Gewicht zuordnen.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
"Der Kalligraph des Bischofs" - jetzt als Hardcover bei Weltbild oder
in der Original-Taschenbuchausgabe im Aufbau Verlag: ein historischer
Roman über den Zauber des Schreibens, die Zweifel des Glaubens und die
Verlockungen der Liebe. http://www.titusmueller.de
*********************************************************************
FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH:
---------------------------------------------------------------------
Oliver Pautsch(mailto:drehbuch at autorenforum punkt de)
Frage:
Ich habe ein im Grunde fast fertig ausfantasiertes Filmtreatment. Ich
habe mir sogar schon das von euch empfohlene "Drehbuch-Handbuch" ge-
kauft, um mich mal ins Drehbuchschreiben einzuarbeiten, denn ich sehe
eigentlich schon alles als fertigen Film vor mir - muss es nur noch
aufschreiben ...
Ich habe eigentlich keine Lust, mich selbst nach interessierten Pro-
duktionsfirmen etc. umzuschauen, würde das lieber einer guten Agentur
überlassen. Könnt ihr da ein paar empfehlen? Es wäre wirklich extrem
hilfreich, wenn man zuverlässige Agenturen genannt bekommt, weil ich
weiß, dass es gerade im Agenturbereich viele schwarze Schafe gibt -
und ich kann die natürlich nicht erkennen, da ich in diesem Geschäft
völlig ahnungslos bin. Es würden notfalls ja auch schon Links zu Sei-
ten genügen, die auf gute Agenturen verweisen.
Antwort:
Gute Agenturen bauen auf langfristige Zusammenarbeit mit Autor/Innen
und solchen, die es werden wollen. Am besten wirst du mit Agenturen
fahren, die bereits einige Autoren vertreten. Nimm ggf. Kontakt zu
diesen Autoren auf, und frage sie nach ihrer Meinung zur Agentur.
Recherchiere am besten bei http://www.google.de mit den Stichworten
"drehbuch" und "agentur" etc, da wirst du fündig. Hier eine von mehre-
ren Listen von Agenturen aus dem Net:
http://www.fruitmarket.de/ger/medien.php3.
Generell: Abzocker ködern Anfänger mit dem Prinzip Hoffnung statt
Leistung. Manche fordern sogar Geld für die Lektüre. Mein Tipp: Finger
weg!
Wenn du es "nur noch" aufschreiben musst, dann allerdings das zuerst!
Überzeuge Agenten von deinem Werk. Überzeuge sie, dass du ihrer Leis-
tung (Kontakte, Zeit und Mühe) als Autorin würdig bist.
++++++++++
Frage:
Ich habe schon vor gut einem Jahr (mit 16 Jahren ) angefangen, mich
dem Drehbuchschreiben zu widmen. Ideen habe ich zum Glück viele, und
auch das Schreiben bereitet mir keine Probleme [...]. Ich habe jedoch
ein Problem mit der Form: Ich kenne die Faustregel, die besagt: "Eine
Seite Drehbuch sollte eine Minute Film ergeben." Das klappt im prakti-
schen Teil eigentlich schon, aber da ich viele Originaldrehbücher auf
meinem PC habe [...], sehe ich andauernd, dass jedes einen anderen
Zeilenabstand hat. Das verwirrt ein wenig. Ich selber habe es bis
jetzt so gehalten, dass auf eine Zeile Geschriebenes einen Absatz gibt
(außer bei Dialogen .. die haben natürlich ihren normalen Abstand.
[...]
Ich habe mir das Schreiben bis jetzt so ziemlich selbst beigebracht
und würde mich sehr über Ihre Hilfe freuen!
Antwort:
Danke für deine Frage. Die Minute-pro-Seite-Regel als Faustregel be-
zieht sich meistens auf Drehbuchformatierung für amerikanische Drehbü-
cher nach dem Vorbild von Cole & Haags "Complete Guides to Standard
Script Formats" (ISBN 0-929583-00-0). Übrigens eine gute Investition
als Formatbibel für Drehbuchautoren - lässt kaum Fragen offen.
Aus dem Netz geladene Drehbücher kommen als Dateien in so vielen un-
terschiedlichen Programmen und Formatierungen auf dem Rechner an, dass
selten ein Originalformat dabei sein dürfte. Ich habe dir als Beispiel
eine PDF-Datei mit einem Drehbuch [...] in den Anhang gepackt. Dort
ist die Formatierung so, wie sie nach Cole & Haag sein sollte. Das
Buch ist 98 Seiten lang - und laut http://www.imdb.com ist der Film
genau 98 Minuten lang. Voilá!
Das heißt allerdings nicht, dass die Minutenregel trotz richtiger For-
matierung immer so genau aufgeht. Im Zweifelsfall hilft nur der gute
altmodische Vorstopp eines Drehbuchs, wenn man es ganz genau wissen
will.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft. Spä-
ter ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber di-
rekt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für Kurzfil-
me, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.
http://www.drehbuchautoren.de/Autoren/meinautor.php?ID=164
*********************************************************************
FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
---------------------------------------------------------------------
Bjørn Jagnow (mailto:verlagswesen at autorenforum punkt de)
Frage:
Macht es Sinn, in der heutigen Zeit einen Buchverlag zu gründen?
Antwort:
Was ist denn ein akzeptabler Sinn?
- Kulturförderung ohne Gewinnabsichten ist mit der Gründung eines ei-
genen Buchverlags immer möglich.
- Gewinne sind nur mit großer Finanzdecke zur Startinvestition oder
bei kleiner Finanzdecke mit sehr, sehr langem Atem möglich.
- Außerdem kann man mit einem Buchverlag selbst ohne Kultur- oder Ge-
winnbestrebungen immer noch angeben ;-)
Die Sinnfrage muss sich jeder potentielle Verleger selbst beantworten.
Bei finanziellen Absichten empfiehlt sich grundlegende Information ü-
ber das Zusammenspiel von Urheberrechten, Buchpreisbindung, Herstel-
lung, Handel und Zwischenhandel mit anschließender Aufstellung eines
so genannten Businessplans. Das ist schlussendlich nichts anderes als
der Versuch einer realistischen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung über die
ersten fünf oder auch zehn Jahre. Daran kann man sehen, ob überhaupt
eine Chance auf Gewinne besteht.
++++++++++
Frage:
Welches sind die kritischen Erfolgsfaktoren bei der Gründung eines
neuen Verlages?
Antwort:
1. Fachwissen, also Menschen, und Kontakte, also Menschen. Ohne die
richtigen Leute geht auch mit Geld gar nichts!
2. Geld, um die imensen Vorlaufkosten zu tragen. Zwischen den ersten
Kosten und den ersten Einnahmen eines Buches vergeht schnell ein hal-
bes, oft auch ein ganzes Jahr. Der Break-even eines Buches (Einnahmen
decken die Kosten) ist oft erst ein Jahr nach der Veröffentlichung er-
reicht.
Ein einzelnes Buch trägt aber nicht die allgemeinen Geschäftskosten
des Verlags, sondern erst ein ganzes Programm (anteilige Umlage). Um
ein Programm zu realisieren, braucht man entweder viel Geld für einen
schnellen Aufbau (hohe Anfangskosten) oder immer wieder etwas Geld für
einen langsamen Aufbau (gestreckte Kosten).
3. Der Buchhandel arbeitet im Grunde nur mit Verlagen, die viele Titel
im Programm haben, weil dann die Nebenkosten einer Bestellung (Ver-
sand, Buchhaltung etc.) pro Titel geringer sind.
++++++++++
Frage:
Welche Chancen sehen Sie für Startup-Krimiverlage?
Antwort:
Das kommt auf die Zielsetzung an. Literarische Ambitionen lassen sich
gewiss realisieren. Vielleicht sogar relative Finanzerfolge bei Krimis
mit lokalem Bezug. Für den "großen Wurf" braucht man Glück oder ein
sensationelles Konzept.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Bjørn Jagnow, Jahrgang 72, ist gelernter Verlagskaufmann, Buchhändler
und Verlagsfachwirt. Sein Fachbuch "Marketing für Autoren. Der Weg zur
erfolgreichen Veröffentlichung" ist inzwischen in der 2. erweiterten
und aktualisierten Auflage erschienen!
http://www.bjoernjagnow.de/web.pl?marketing-fuer-autoren.html
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
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~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de erwünscht.
Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt werden. Das Urheber-
recht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
mailto:beitrag at autorenforum punkt de.
Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.
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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer mailto:public.relations at autorenforum punkt de
Gabi Neumayer mailto:redaktion at autorenforum punkt de
Stefan Schulz mailto:webmaster at autorenforum punkt de
Thomas Roth-Berghofer mailto:Thomas.Roth-Berghofer at autorenforum punkt de
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