Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Schreibkurs
"Das Setting und der ganze Rest, Teil 2"
von Gabi Neumayer
Buchbesprechung
"Erfolgreich als Sachbuchautor"
besprochen von Gabi Neumayer
Interview mit Hilke Rosenboom
Verlagsportrait
"Der gesunde Menschenversand"
Hilkes kleines Horrorleben
von Hilke Rosenboom
Frag den Experten für Verlagswesen
(Bjørn Jagnow)
Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch
(Michael Borlik)
Frag die Expertin für Kriminalistik
(Nikola Hahn)
Frag den Experten für historische Romane
(Titus Müller)
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Frag den Experten für Drehbuch
(Oliver Pautsch)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
mein ständiges Jammern und Wehklagen ("Schickt mir Texte!!!") trifft
doch hin und wieder auf offene Ohren. Es freut mich ganz besonders,
dass eine meiner Lieblingsautorinnen mein Gejammer einfach nicht mehr
mit anhören konnte und sich spontan mit dem Angebot einer regelmäßigen
Kolumne gewehrt hat.
Ab sofort findet ihr deshalb im Tempest "Hilkes kleines Horrorleben",
in dem die frühere STERN-Reporterin und inzwischen sehr erfolgreiche
Kinder- und Jugendbuchautorin Hilke Rosenboom ihre Erfahrungen haut-
nah, erschütternd und urkomisch schildert. Ja, das Leben als AutorIn
ist nicht einfach, und auch für die erfolgreichen hält es ganz offen-
sichtlich immer noch ungeahnte Überraschungen und Schrecken bereit ...
Damit ihr Hilke gleich etwas besser kennen lernt, haben Ramona und
Thomas Roth-Berghofer sie für diesen Tempest interviewt. Und ich kann
nur ganz unvoreingenommen empfehlen, darüber hinaus auch noch all ihre
wunderbaren Bücher zu kaufen.
Was gibt es noch in diesem Tempest? Wir stellen euch ein Buch vor, das
sich endlich einmal ausführlich den SachbuchautorInnen widmet. Ursula
Schmid-Spreer hat ein neues Verlagsportrait beigesteuert, im "Schreib-
kurs" findet ihr den zweiten Teil meines Beitrags zum Setting, und die
ExpertInnen waren wie immer unermüdlich für euch im Einsatz (wobei
Stefanie Benses Antwort mal wieder ein kleiner Schreibkurs für sich
ist).
Bald naht übrigens eine der von mir vor kurzem angekündigten unange-
kündigten Verlosungen. Also schickt mir eure Artikelvorschläge, damit
ihr in die Lostrommel kommt und euch möglicherweise bald über ein Au-
toren-Überraschungs-Geschenk freuen könnt!
Der Tipp des Monats Februar, diesmal von Ursula Schmid-Spreer:
Warum nehmen wir uns eigentlich gerade
an Silvester so viel vor? Mehr Zeit zum Schreiben,
mehr Workshops und Seminare besuchen ...
Es gibt nur ein Rezept: Gleich anfangen, egal wann!
Wenn die Zeit nicht ausreicht, jeden Tag zu schreiben,
nehmen Sie sich doch einfach einen festen Tag
in der Woche vor. Bei 52 Tagen im Jahr kommen dann schon
etliche Geschichten zusammen.
Also: Schreiben, schreiben, schreiben - zwischendurch auch mal für
uns!
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2007"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01
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ISSN 1439-4669 Copyright 2007 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Schreibkurs
"Das Setting und der ganze Rest, Teil 2"
von Gabi Neumayer
Buchbesprechung
"Erfolgreich als Sachbuchautor"
besprochen von Gabi Neumayer
Interview mit Hilke Rosenboom
Verlagsportrait
"Der gesunde Menschenversand"
Hilkes kleines Horrorleben
von Hilke Rosenboom
Frag den Experten für Verlagswesen
(Bjørn Jagnow)
Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch
(Michael Borlik)
Frag die Expertin für Kriminalistik
(Nikola Hahn)
Frag den Experten für historische Romane
(Titus Müller)
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Frag den Experten für Drehbuch
(Oliver Pautsch)
Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum
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Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein-
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen
Jahrgänge zu erstellen.
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HALL OF FAME:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
Ja, die Lage auf dem Buchmarkt ist schwierig, und manchmal glaubt man,
man wird es nie schaffen, ein Buch zu veröffentlichen. Aber andere
schaffen es ja auch!
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir würden uns freuen, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen
lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald einmal
vorstellen können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema:
.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre. Zusätzlich könnt ihr in maxi-
mal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) weitere Infos zu eurem Buch unterbrin-
gen.
.......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. Schickt eure Texte
unter dem Betreff "Hall of Fame" an mail-
to:redaktion at team pt autorenforum pt de. Wir berücksichtigen ausschließlich
Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden!
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Charlotte Engmann: "Für eine Handvoll Seele", Hary-Production 2007.
Ein Vampir im Auftrag des Himmels auf dem Weg in die Hölle.
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SCHREIB-KICK:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Februar, diesmal von Sabine de Martin:
Einen Buchstaben des Alphabets auswählen. Mit diesem Buchstaben als
Anfangsbuchstaben Folgendes finden: einen (oder auch mehrere) Vorna-
men, einen Nachnamen, einen Beruf, drei angenehme Eigenschaften, drei
unangenehme Eigenschaften, eine Farbe ( bei "T" z. B. "tomatenrot"),
ein Essen, ein Verkehrsmittel, zwei Orte.
Mit den gefundenen Wörtern eine Person kreieren, die so heißt, die
Eigenschaften und den Beruf hat, die Lieblingsfarbe und das Lieb-
lingsessen hat und mit dem Verkehrsmittel von einem Ort zum anderen
unterwegs ist.
Es gibt natürlich viele Varianten dieses Schreibspiels, z. B. zwei
Buchstaben und demzufolge zwei Personen, die sich an einem Ort tref-
fen und ...
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LESE-TIPP:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
Ein Tipp von Andreas W. Moser:
http://www.laetarebuch.de/index.html: Mein Empfehlung zu diesem Link:
Wer Bücher zu bestimmten Themen sucht, bezahlt den Laetare-Preis: Das
ist die Hälfte!
Folgende Themenbereiche bietet Laetare an:
Theologie
Weltreligionen
Philosophie
Psychologie
Pädagogik
Lebensgestaltung
Ehe und Familie
Kinderbücher
Kleine Geschenk-Bände
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SCHREIBKURS:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Das Setting und der ganze Rest, Teil 2"
von Gabi Neumayer
Mit allen Sinnen
In den Beispielen in Teil 1 dieses Artikels (Tempest 9-1) war unter
anderem die Rede von "trommelndem Regen" und dem "Geruch von Lumpen"
in der Papierfabrik. Das bringt uns zu einem der wichtigsten Tipps für
die gelungene Gestaltung eines Settings: Verwende alle fünf Sinne!
Wir stützen uns alle beim Schreiben am meisten auf unseren Hauptsinn
und wählen daher fast nur visuelle Details, wenn wir nicht darüber
nachdenken. Doch richtig lebendig wird ein Setting erst dann, wenn die
LeserInnen es nicht nur sehen können, sondern auch riechen, schmecken,
hören - und manchmal sogar anfassen. (Eine Übung dazu gibt es später.)
Zum Glück gibt's Klischees!
Beim Setting gibt es viele Klischees: Gruselgeschichten sind nahezu
untrennbar mit stürmischen Nächten verbunden, Verfolgungsjagden spie-
len sich per Auto auf meist amerikanischen Straßen ab, der Sheriff und
der Verbrecher stehen sich zum letzten Duell in der Regel in der glei-
ßenden Sonne gegenüber.
Dass es solche Klischees gibt, ist für uns ein Glück: Denn wenn man
ein Klischee vermeidet und sich stattdessen etwas überlegt, das vom
Üblichen abweicht, kann man ein originelles Setting erschaffen, das
die LeserInnen begeistert. (Es muss natürlich trotzdem zur Geschichte
und den Charakteren passen.)
Hitchcock hat es meisterhaft verstanden, solche Klischees aufzubre-
chen, und er hat es dadurch geschafft, dass viele Szenen seiner Filme
jedem unvergesslich sind, der sie einmal gesehen hat. Eine dieser Sze-
nen hat er bewusst in Umkehrung eines Klischees konzipiert: die Ver-
folgungsszene per Flugzeug in "Der unsichtbare Dritte". Hitchcock hat-
te dabei das Klischee einer Verfolgungsszene vor Augen: nachts, in den
Straßen einer Großstadt, per Auto. Er hat all diese Elemente geändert:
Statt in der Nacht findet die Verfolgung am hellichten Tag statt, und
zwar nicht in der Stadt, sondern auf dem Land - und nicht mit einem
Auto, sondern mit einem Flugzeug. Ein einfacher Umkehrtrick mit einem
eindrucksvollen Ergebnis!
Setting und Plot
Wie kann man das Setting zum Vorantreiben des Plots nutzen? Da gibt es
beispielsweise diese beiden Möglichkeiten:
1. Zeig dasselbe Setting aus einer anderen Sicht
Ein abgeschlossenes Tal beispielsweise, das einem dort lebenden Mann
bisher das Gefühl der Geborgenheit vermittelt hat, löst in ihm auf
einmal ein Gefühl von Isolation aus. (Wir vermuten sofort, dass er
versuchen wird, sein Leben zu ändern und anderen Menschen nahe zu kom-
men.)
Dieses veränderte Gefühl kann man beispielsweise dadurch erzielen,
dass dem Mann mit einem Mal andere Elemente des Settings auffallen als
früher oder dass er dieselben Elemente jetzt anders bewertet.
2. Nutze einen plötzlichen Wandel im Setting, um eine neue Entwicklung
vorzubereiten
Meist ist ein plötzlicher Wandel (beispielsweise eine Wetterumschwung)
mit einer Bedrohung verbunden, aber auch Sonnenschein gegen Ende einer
Geschichte, in der es bislang nur geregnet hat, ist möglich und zeigt
dann eine grundlegende Änderung an.
Übung zur Wahrnehmung
Setz dich in deiner Wohnung für zehn Minuten mit geschlossenen Augen
hin. Öffne deine Sinne, konzentrier dich ganz darauf, was du wahr-
nimmst: Welche Geräusche hörst du? Woher kommen sie? Wonach riecht es
(nicht nur: "Mittagessen der Nachbarn", sondern: "Schweinebraten mit
Rosenkohl" etc.)? Wie fühlt sich der Stuhl oder Sessel oder Boden an,
auf dem Sie sitzen (hart, kalt, welche Struktur?)?
Notiere nach Ablauf der zehn Minuten in Stichworten zu jedem Sinn meh-
rere Wahrnehmungen. Du wirst staunen, was dir normalerweise alles ent-
geht!
Du kannst diese Übung zur Schulung deiner Wahrnehmung ruhig öfter ein-
mal durchführen. Setz dich zum Beispiel einige Minuten auf dem Wochen-
markt auf eine Mauer, und öffne deine Sinne. Oder mach dasselbe auf
einem Friedhof, im Schwimmbad, im Büro ... - Dieses Vorgehen empfiehlt
sich übrigens auch, wenn man ein bestimmtes Setting recherchieren
will.
Checkliste zum Setting
- Das Setting ist mit den anderen Elementen einer Geschichte (Charak-
tere, Plot) untrennbar verbunden.
- Setting kann nicht "objektiv" beschrieben werden, sondern wird immer
durch die Wahrnehmung des Beschreibenden gefiltert. Such daher zuerst
den Charakter, durch dessen Augen du beschreiben willst, werde dir
dann über seine Situation und Stimmung klar - und mach dich erst da-
nach an die Beschreibung des Settings (durch seine Augen).
- Gleich zu Beginn der Geschichte solltest du einige wenige, aber kon-
krete Details zum Setting einarbeiten, damit die LeserInnen wissen, wo
und wann sie sich befinden.
- Lass Details zum Setting auch im weiteren Verlauf der Geschichte (in
Häppchen) einfließen.
- Nutze alle fünf Sinne, um interessante Details zu finden, die in den
LeserInnen ein umfassendes Bild entstehen lassen.
- Vermeide Klischees.
- Nutze das Setting auch, um den Plot voranzutreiben, oder dazu, Ände-
rungen im Lauf der Geschichte anzukündigen oder auf der Ebene des Set-
tings widerzuspiegeln.
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Gabi Neumayer schreibt inzwischen vor allem Kinderbücher. Gerade ist
ihr erster Kinderkrimi erschienen, "Die Nacht im Zoo", bei Sauerlän-
der; das Hörbuch dazu folgt im April bei Basisklang. Ebenfalls im
Frühjahr erscheinen das Kindersachbuch "Expedition Wissen: Dinosau-
rier" bei Ravensburger und der englische Lernkrimi "The Cursed Bakery"
bei Tandem.
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BUCHBESPRECHUNG:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Erfolgreich als Sachbuchautor"
besprochen von Gabi Neumayer
Bücher übers Schreiben gibt es auch auf Deutsch inzwischen so zahl-
reich wie zerknüllte Blätter im Papierkorb eines Schriftstellers. Aber
nur wenige davon widmen sich den besonderen Schwierigkeiten, Chancen
und Anforderungen, denen SachbuchautorInnen gegenüberstehen. "Erfolg-
reich als Sachbuchautor" ist nicht nur das aktuellste, sondern wohl
auch das ausführlichste Buch zu diesem Thema, das zurzeit auf dem
deutschsprachigen Markt zu haben ist.
Die Zielgruppe sind, dem Thema entsprechend, nicht unbedingt AutorIn-
nen, sondern vielmehr Menschen, die sich beruflich durch eine Publika-
tion profilieren möchten (beispielsweise TrainerInnen, Führungskräfte
oder JournalistInnen). Doch auch für Belletristik-AutorInnen ist die-
ses Buch eine Fundgrube an Tipps und Informationen.
Vor dem Sachbuch oder Ratgeber steht einiges an Vorarbeit. Das Thema
finden, den Wettbewerb analysieren, eine gute Gliederung und ein über-
zeugender Probetext: Wie man all das gründlich, professionell und
zielführend erarbeitet, wird hier ausführlich, kenntnisreich und immer
wieder mit verblüffenden Einblicken in das Verlagswesen dargestellt.
Die vielen Beispiele machen darüber hinaus die wesentlichen Informati-
onen anschaulich und helfen AutorInnen, die eigenen Konzepte praktisch
umzusetzen.
Weiter geht es mit der gezielten Agenten- und Verlagssuche, mit dem
professionellen Exposé und dem Vertrag. Der dritte von vier Teilen des
Buches widmet sich schließlich dem Schreiben. Das mag für viele etwas
wenig sein - aber Schreibbücher gibt es zur Genüge am Markt. Der
Schwerpunkt dieses Buchs liegt darauf, wie man ein Sachbuch entwickelt
und zu Ende bringt, das eine Chance auf Veröffentlichung hat - und
zwar auf erfolgreiche Veröffentlichung. Deshalb geht es im vierten
Teil denn auch um Buch-PR.
Die Autoren von der Agentur Gorus verfügen über langjährige Erfahrun-
gen im Verlagsgeschäft - und das merkt man ihrem Buch an. Die vielen
Beispiele aus der eigenen Praxis und Insidereinblicke in die Mechanis-
men des Buchmarktes sind nicht nur anschaulich und spannend, sondern
enthalten auch wichtige Informationen, die alle AutorInnen kennen
sollten. So wird beispielsweise genau erklärt, was eine Programmkonfe-
renz eigentlich ist und wer da was tut. Kaum ein Autor weiß das, aber
für ihn und sein möglicherweise in einem Verlag erscheinendes Buch ist
es zentral, was dort passiert und wer welche Interessen vertritt.
Insgesamt: Für SachbuchautorInnen ein absolutes Muss, für alle anderen
AutorInnen ... auch.
Oliver Gorus, Jörg Achim Zoll: "Erfolgreich als Sachbuchautor", 2006,
333 Seiten, 29,90 Euro, Gabal
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INTERVIEW:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Löschen befreit den Geist"
Interview mit Hilke Rosenboom
Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Hilke Rosenboom, Sie haben
jahrelang erfolgreich als Journalistin beim "Stern" gearbeitet,
schreiben Literatur für Erwachsene und sind auch noch leidenschaftli-
che Kinder- und Jugendbuchautorin. Nach Ihren Erfolgsbüchern "Ein
Pferd namens Milchmann", "Der Sommer der dunklen Schatten" und "Melis-
sa und die Meerjungfrau" erschien letztes Jahr auch Ihr historischer
Abenteuerroman "Das falsche Herz des Meeres" bei cbj, in dem es um ei-
ne starke 14-jährige Heldin geht, die ihre Eltern verliert und die,
gerade als sie ihrem traurigen Leben eine Wendung geben will, von Men-
schenhändlern im Bauch eines Schoners nach Marokko entführt wird. Wie
kamen Sie auf die Idee zu dieser außergewöhnlichen Entwicklungs- und
Liebesgeschichte, die in der Welt des 19. Jahrhunderts spielt? Wie
sind Sie beim Schreiben und Recherchieren vorgegangen? Sind Sie mehr
eine intuitive Autorin, oder planen Sie jedes Detail im Voraus?
Hilke Rosenboom: Ich bin eine Planerin, jemand, der alles genau re-
cherchiert und bis ins kleinste Detail mit der Lupe anschaut. In "Das
falsche Herz des Meeres" gibt es hunderte Beispiele dafür. Anselm Feu-
erbach war wirklich zur Zeit meiner Romanheldin in Venedig, Ada Byron
war wirklich in London, als sie in meinem Buch dort auftaucht, die
Kleidung der Leute stimmt, das Heilöl in Rabat gibt es wirklich, jedes
Gebäckstückchen sieht genauso aus wie beschrieben, die Reiseverbindun-
gen sind recherchiert, jedes Detail ist mir wichtig. Mir macht es
Spaß, wirkliche historische Begebenheiten und Gegenstände zu recher-
chieren und dann mit einem fiktiven Stoff und meiner Phantasie zu ver-
knüpfen.
RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem
Lektorat des cbj Verlags?
HR: Ich habe bei cbj eine wunderbare Lektorin, die mich sicher durch
den Roman hindurch navigiert hat. Die Hauptbesprechung des Manuskrip-
tes haben wir innerhalb einer Stunde in München gemacht, der Rest lief
per Mail oder Telefon. Ich finde es immer wieder sehr anregend, wenn
sich in der Entstehungsphase noch ein zweiter Geist mit einem Stoff
beschäftigt. Lektoren sind für mich die wahren Helden der Literatur,
sie tragen unendlich viel zu einem Buch bei und bleiben selbst be-
scheiden im Hintergrund.
RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchco-
vers oder den Klappentext?
HR: Ja, natürlich. So etwas steht in einem Buchvertrag. Den Titel hat-
te ich schon lange vor der Geschichte, weil er mir irgendwann plötz-
lich eingefallen ist. Und das Buchcover finde ich einfach wunderbar.
Die Klappentexte machen immer die Lektoren, dieser gefällt mir ausge-
sprochen gut, er ist spannend und poetisch, und er erklärt den Inhalt
sehr schön. Bei diesem Buch kann man sehr gut sehen, dass viele Leute,
die Lektoren, die Hersteller, die Grafiker, aber auch die Buchvertre-
ter für ein gemeinsames Produkt gearbeitet haben, das letztlich die
Summe all dieser intensiven Arbeitsleistungen ist. Ich bin darauf sehr
stolz.
RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Schlüssel-
erlebnis?
HR: Ich habe eigentlich schon als kleines Mädchen immer geschrieben,
das hat sich dann irgendwie alles so weiter entwickelt. Einen richti-
gen Anfang kann ich da nicht ausmachen.
RRB/TRB: Wirken sich die Berufsjahre als Journalistin auf Ihre Arbeit
als Buchautorin aus?
HR: Ja, und wie! Vor allem die Ausbildung in der Journalistenschule!
Am meisten profitiere ich aber von den vielen Reisen, die ich als Re-
porterin für den Stern gemacht habe, und vom jahrelangen Leben unter-
wegs. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man die Landschaften kennt, die
man beschreibt, wenn man sich die Welt angesehen hat und auch weiter
anschaut. Aber zugute gekommen ist mir auch die Geläufigkeit in der
Recherche und allgemein im Handwerk. Zudem kenne ich praktisch welt-
weit einen Haufen Leute, die irgendetwas als Spezialgebiet haben und
die man fragen kann, wenn man mit einem Thema nicht weiter kommt.
RRB/TRB: Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an einem Roman?
HR: "Das falsche Herz des Meeres" hat etwa sechs Monate reine Schreib-
zeit gebraucht, die weniger umfangreichen Romane wie zum Beispiel "Das
Handbuch für Prinzessinnen" um die drei Monate, allerdings hatte ich
in beiden Fällen schon viel Material gesammelt. Das läuft bei mir im-
mer alles parallel. Ich bin wie ein Gärtner, der verschiedene Pflanzen
in einem Treibhaus umsorgt. Im Moment schreibe ich an einem Buch, für
das ich seit drei Jahren recherchiere, das ist auch wieder ein Aben-
teuerroman für junge Erwachsene, er erscheint im Herbst bei Random
House.
RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Autorin, einen guten
Autor aus?
HR: Demut gegenüber dem Leser, Fleiß, Uneitelkeit, Durchhaltevermögen,
Konzentrationsfähigkeit, Genauigkeit, Bildung, Gefühl und eine Gesund-
heit wie ein Pferd! Und es ist gut, wenn man einen ruhigen Ort zum
Schreiben hat. Und jemanden, der einem mal einen Tee und einen Keks
bringt, wenn man vor lauter Schreiben das Essen und Trinken vergisst.
RRB/TRB: Werden Sie von einer Literaturagentur vertreten? Wenn ja, wie
sieht die Zusammenarbeit mit Ihrer Agentur aus?
HR: Ja, zwei große Agenturen vertreten mich direkt. Petra Hermanns mit
"Scripts-for-sale" in Frankfurt/Hamburg betreut meine belletristischen
Werke, Thomas Montasser mit Montasser-Media in München die Sachbücher.
Die Agenten vermarkten die Stoffe schon im Exposé-Stadium, und verhan-
deln und betreuen die Verträge; die Abrechnungen laufen auch alle über
die Agenten.
RRB/TRB: Wird "Das falsche Herz des Meeres" auch im Ausland gelesen
werden?
HR: Na, das hoffe ich doch! Es gibt eine sehr exklusive und superinte-
ressante Veröffentlichung namens "New Books in German", die zweimal
jährlich in englischer Sprache erscheint und englischen und amerikani-
schen Verlegern einen Überblick über ausgewählte Neuerscheinungen in
Deutschland gibt. (Kann man übrigens auch im Internet lesen.) Meist
sind das nur sehr wenige Bücher pro Halbjahr. Ich bin sehr stolz dar-
auf, dass ich schon zweimal mit meinen Büchern dort vertreten war, bei
"Das falsche Herz des Meeres" mit einer wahren Eloge. Ob das jetzt
auch schon zu einer Veröffentlichung in England oder Amerika führt und
welche Lizenzen in welche Länder verkauft werden können, wird sich
dann zeigen. Meine Verlage haben auch alle sehr aktive Lizenzabteilun-
gen und arbeiten ihrerseits auch wieder mit Agenten im Ausland zusam-
men.
RRB/TRB: Wie sieht der Alltag Ihres Autorinnenlebens aus?
HR: Arbeitsreich sieht er aus. Ich versuche immer, mein Pensum vormit-
tags hinzubekommen, Zu Hause oder in meinem Büro, am Nachmittag bin
ich für die Familie da. Das klappt natürlich nicht immer so genau. Da-
mit ich alles schaffe, mache ich mir einen Plan, den ich dann auch
einzuhalten versuche. Im Moment schreibe ich einen dicken Roman zu En-
de und schreibe 15.000 Zeichen am Tag, das ist schon sehr im oberen
Bereich der Skala, aber auf 5.000 komme ich eigentlich an allen
Schreibtagen. Allerdings schreibe ich die Bücher alle mehrfach von
vorn durch, bevor ich sie überhaupt einem Lektor zeige. Vor der sieb-
ten, achten Fassung gebe ich das gar nicht erst aus der Hand. Ich bin
ein Löscher, abendliches Löschen befreit den Geist. Wenn es noch
Schreibmaschinen gäbe, würde ich bestimmt in einem riesigen Papierberg
hocken, aus dem man nur das Tippgeräusch hört.
Zu anderen Zeiten recherchiere ich nur. Das ist fast so ähnlich wie in
meiner Zeit beim Stern, nur nicht so einsam, weil Mann und Kinder mich
meistens gern begleiten wollen. Am vergangenen Wochenende war ich mit
der kompletten Familie und sogar noch einem Freund der Kinder in Flo-
renz, weil ich da was gucken musste für den übernächsten Roman. Solche
Kurztrips und auch längere Recherchereisen kommen bei mir sehr oft
vor, auf jeden Fall sind es mehr als zehn Reisen im Jahr. Ich habe im-
mer ein Notebook dabei und neuerdings sogar einen Treo in der Handta-
sche, damit ich meine Mails immer sofort lesen und mir gleich elektro-
nische Notizen machen kann. Das ist nämlich ein kleines "Word" drauf,
echt süß! Für "Das falsche Herz des Meeres" war ich sogar noch mit dem
fertigen Manuskript in Venedig und habe da mitten im Winter ein biss-
chen rumgehangen, weil ich ein Gefühl dafür bekommen wollte, ob der
Stoff auch emotional stimmt. Bei dem Buch ist es mir auch besonders
schwer gefallen, es überhaupt loszulassen. Zurzeit habe ich wieder so
eines im Computer.
RRB/TRB: Gibt es noch irgendein Genre, das Sie als Autorin reizen wür-
de? Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?
HR: Ich habe einen dicken Stapel Roman-Verträge auf dem Schreibtisch
und bin damit auf jeden Fall für die nächste Zeit versorgt. Es wird
auch wieder einen Stoff für Erwachsene geben, viele interessante Kin-
derprojekte und wie bisher auch Rundfunkbeiträge. Ich versuche immer,
die Planung so einzurichten, dass auch noch etwas Platz für Überra-
schungen bleibt und für spontane Ideen. Und natürlich für Reisen.
RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte ...) lesen
Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
HR: Ich lese gerade zum zweiten Mal "Alles ist erleuchtet" von Jona-
than Safran Foer. Das hängt damit zusammen, dass ich mir vor ein paar
Tagen auf DVD die hervorragende Verfilmung davon angesehen habe. Klas-
se Film. Klasse Buch. Das ist bei mir eigentlich eher selten, dass mir
beides gefällt.
RRB/TRB: Hätten Sie noch einen Rat für angehende Autoren?
HR: Ja, durchhalten! Übrigens, wenn ich das hier jetzt alles so lese,
dann klingt das ja nach einem tollen erfolgreichen Leben, fast schon
jetsetmäßig und so. Ich habe ja bei meinem Übergang vom Beruf der
Journalistin auf den der Schriftstellerin ziemlich steiniges Gelände
durchwandert, um es mal ganz vorsichtig zu sagen, und damals immer ge-
dacht, dass alles besser wird, wenn ich endlich von den Buchtantiemen
leben kann etc. oder wenn ich nicht mehr mitten in der Nacht hoch-
schrecke und nicht weiß, wovon wir die Schuhe für die Kinder bezahlen
sollen.
Das Witzige ist nur, dass auch mit steigendem Erfolg das Nervniveau
immer gleich hoch bleibt. Haben die einen aufgehört, einen zu quälen,
tun es eben die anderen. Das ist etwas, was ich vorher nicht gewusst
habe, obwohl mich mehrere Kollegen genau davor gewarnt hatten. Daher
will ich für den Tempest auch gern eine Kolumne über dieses komische
Phänomen schreiben. [Anm. der Red.: "Hilkes kleines Horrorleben" er-
scheint in dieser Ausgabe zum ersten Mal. Ihr findet es in der eigens
dafür geschaffenen Rubrik "Kolumne".]
RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!
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VERLAGSPORTRAIT:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
Verlag
Der gesunde Menschenversand
Lorrainestraße 15
CH-3013 Bern
Zweitsitz: Habsburgerstraße 11, CH-6003 Luzern
http://www.menschenversand.ch
mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Telefon: (00 41) 3 13 32 25-50
Fax: (00 41) 3 13 32 25-49
Verlagsgeschichte
Matthias Burki und Yves Thomi haben den Verlag im Nebenberuf gegrün-
det. Den beiden war langweilig, und so gaben sie als ersten Versuch
die Anthologie "Das Buch der Langeweile" heraus. Sie wollten junge,
spezielle Literatur zusammenfassen. Dann folgten Poetry-Slams. Sie wa-
ren und sind die ersten regelmäßig aktiven Veranstalter von Slams in
der Schweiz.
1998 gründeten die beiden Verleger den Verlag, im Jahr 2000 kam die
erste Spoken-Word-CD heraus. Seit 2004 verlegen sie größere und regel-
mäßigere Publikationen.
Programm und Philosophie
Der Hauptschwerpunkt des Verlages liegt auf Spoken-Word-CDs - mit Tex-
ten und Werken, die für den Vortrag, die Bühne oder speziell für diese
CDs geschrieben werden. Häufig arbeiten die AutorInnen mit Musikern
oder DJs zusammen. Außerdem haben die Verleger einige andere Produkti-
onen herausgegeben, so den Bestseller "Ein Schweizerbuch" und das Li-
teraturfanzine "das heft das seinen langen namen ändern wollte".
Die Philosophie von Burki und Thomi ist Sprache als Performance. Sie
wollen eigenständige Hörbücher herausgeben und das Hörbuch als Medium
der Kunst, weit ab vom reinen Wiedergeben eines Romans auf CD publi-
zieren.
Bisher wurden verlegt: Michael Lentz, Pedro Lenz, Jaromir Konecny, Au-
torengruppe "Bern ist überall", Ralf Schlatter, Tom Combo, Till Mül-
ler-Klug, Etrit Hasler & The Hollow Man, Wehwalt Koslovsky, und es
hat diverse Sampler mit Gabriel Vetter, Jürg Halter u. a. gegeben.
AutorInnen gesucht?
Ja! Am liebsten wären AutorInnen, die schon seit längerer Zeit Erfah-
rungen mit Auftritten und Performances haben.
Der Verlag zahlt übliche Autorenhonorare.
Was ist dem Verlag besonders wichtig?
Dass "das heft das seinen langen Namen ändern wollte" endlich einen
anständigen Namen bekommt. Und dass die Journalisten den Verlagsnamen
(Menschenversand, nicht Menschenverstand!) richtig schreiben oder es
zumindest versuchen, auch wenn ihnen dann das Korrektorat einen Strich
durch die Rechnung macht.
Zukunftspläne, Perspektiven
Die Verleger wollen die Spoken-Word-CDs weiter vorantreiben und - neu-
er Name für das Heft, Sie wissen schon!
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HILKES KLEINES HORRORLEBEN:
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(mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de)
Tock, tock, tock, sag, ist es der Frühlingsspecht? Nein, es ist gleich
nebenan, in völlig spechtfreier Großstadtlage. Beim Nachbarn klopft
der Handwerker, faber vulgaris, der ist neben dem Lehrer, magister
vulgaris, der schlimmste natürliche Feind des Schriftstellers. Tock,
tock, tock. So kann ich nicht schreiben, aber das kann ich ohnehin
nicht, denn dieser sonnige Tag ist komplett im
piep!
, er ist einer
Lesung geweiht. Die findet in einer Schule statt, spült 90 Euro brutto
(54 Euro netto, Anfahrt nicht gerechnet) in die kleine Kasse des
kleinen Schriftstellers und fängt um 8 Uhr an.
Oh, das vergaß ich zu sagen, wir haben ja wieder mal Montag. Es ist
irgendein Montag. Montagmorgens ist mit Schulkindern in den problema-
tischen Großstadt-Stadtteilen nichts anzufangen, sagt Magister vul-
garis gern. Bei "problematisch" hebt er die Hände und kratzt in die
Luft. Das mit dem Montag liegt nämlich daran, dass die pädagogischen
Laien, die die kleinen Wesen außerhalb der Schulzeit äußerst stümper-
haft betreuen (gelegentlich werden diese Idioten auch Eltern genannt),
sie das ganze Wochenende lang Gameboy spielen lassen. Letzteres ist
eine pädagogische Grundwahrheit, die muss man als Referendar unter-
schreiben, bevor man lebenslänglich verbeamtet wird. Die Schule liegt
in einer Gegend, in der es keine Parkplätze gibt, nur Magister vul-
garis hat einen. Zum Glück ist man blond, so hat der Hausmeister ein
Einsehen, und man darf hinter dem Streumäher parken, oder was das ist.
"Können Sie dazu vielleicht etwas singen?", fragt Magistra vulgaris,
nachdem ich meinen Bücherkoffer ins Lehrerzimmer geschleppt habe.
"Kürzlich war ihr Kollege XX hier! (Es folgt ein Name, den ich noch
nie gehört habe. Vielleicht liegt das daran, dass er noch nichts An-
ständiges in einem Kinderbuchverlag veröffentlicht hat, denke ich, da
kann er ja nur was singen, aber das sage ich jetzt nicht.). "Das war
klasse", sagt Mv. "Er hat gesungen!" Zuerst denke ich, dass er jeman-
den verpetzt hat, schließlich sind wir in einer Schule, aber das meint
Mv nicht. Warum eigentlich sagen Lehrer immer "klasse", wenn sie was
gut finden? Oder müssen wir dankbar sein, dass sie wenigstens nicht
"knorke" sagen? Jetzt will Mv wissen, wie lange ich zu lesen gedenke.
Vielleicht 45 Minuten, so wie verabredet? "Zu lange", befindet Mv.
"Eine Viertelstunde, länger können die nicht." Sie schaut mich an, als
wenn ich gerade aus dem Heim ausgekniffen wäre. "Wegen Montag, Sie
wissen schon." Ich nicke und denke, "wegen des Montags". Besser wäre
es, sagt Mv, wenn die Kinder hauptsächlich ihre Fragen stellen dür-
ften. Gut, so machen wir es.
Ich lese, die Kinder lauschen. Die beiden Lehrerinnen unterhalten sich
währenddessen mit gedämpften Stimmen. Dann schaut eine auf die Uhr und
befindet, dass die Kinder jetzt nicht mehr können. "OoooH", machen die
Kinder. Andere rupfen an ihren Klettverschlüssen. "Wer möchte die Frau
Rosenburg denn mal was fragen?" - "Rosenboom!", sage ich. " - Wie?" -
"Rosenboom, das ist mein Name." - "Bitte, Özgür", sagt die Lehrerin.
"Was willst du von der Frau Rosenhagen wissen?"
Özgür will wissen, ob ich auch Harry Potter geschrieben habe. Johanna
will wissen, wer die Frau auf meiner Autogrammkarte ist. Philipp will
wissen, was ich verdiene und wie alt ich bin. ("Ähächt?, meine Mutter
ist 27!") Dazu sage ich jetzt nichts. Es sind Kinder. Der Kinderbu-
chautor liebt Kinder, und zwar als Gattung, nicht als Individuen.
Nicoles Hamster mag nur Salat. Samantha will wissen, ob ich auch Harry
Potter geschrieben habe. Ganz klar, ich bin in einer Zeitschleife.
"Ihr Kollege hat gesungen", sagt Mv und tuschelt weiter mit ihrer Kol-
legin. "Das habe ich Ihnen ja schon gesagt!" Und dass 90 Euro für ein
paar Minuten ja teuer seien. "Kennen Sie eigentlich Astrid Lindgren?"
- "Ja", antworte ich, "wir singen manchmal zusammen." - "Das war jetzt
aber alles ein Witz, oder?" fragt Mv verstört zurück. Keine Ahnung!
Ich kann nur schreiben. Für philosophische Fragen bin ich nicht
zuständig, das ist wohl mehr was für den Herrn Sloterdijk. Mv will
wissen, ob der aus dem Kollegium ist? Da sind jetzt so viele neue. Mv
unterdrückt ein Gähnen. Bei ihr ist auch Montag. Auf welchem Level sie
wohl ist?
Auf dem Parkplatz steht der Hausmeister und horcht zu dem einzigen
Baum hinauf. Tock, tock? Specht? Endlich Frühling? Ich bleibe stehen
und horche auch. Aber ich höre nichts, absolut gar nichts. Was ist mit
mir? Ich frage ihn, wonach er horcht. Er sieht mich irritiert an. "Wi-
eso wollen Sie das wissen?" Er habe nur eine neue Herzklappe bekommen,
sagt er dann. Alles ist eben sehr anstrengend. Für alle.
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Hilke Rosenboom arbeitet 15 Jahre lang als Reporterin für den Stern,
bevor sie plötzlich kündigt und beginnt Romane zu schreiben. Ihre Bü-
cher erscheinen heute bei Carlsen, Hanser und Random House und haben
bereits Kultstatus; zuletzt erschienen "Ein Pferd namens Milchmann"
(2005) "Das Handbuch für Prinzessinnen" (2006) und "Das falsche Herz
des Meeres" (2006). Viele weitere Romane werden folgen.
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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -
keine Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
mailto:drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
mailto:fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
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Heftroman: Arndt Ellmer
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Historischer Roman: Titus Müller
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Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
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Lesungen: Rüdiger Heins
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Lyrik: Martina Weber
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Sachbuch: Gabi Neumayer
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Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss
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Schreibgruppen: Ute Hacker
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Schreibhandwerk: Ute Hacker
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Sciencefiction: Andreas Eschbach
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Technische Literatur, CDs, Internet: Reinhard Mermi
mailto:techlit at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
mailto:uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
mailto:verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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Bjørn Jagnow (mailto:verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ist ein Honorar für ein Taschenbuch gestaffelt von 5-7 Prozent (abhän-
gig von der Verkaufszahl) akzeptabel oder Nepp? Mir erscheint es etwas
wenig, allerdings erhalte ich Garantiehonorar, und ich bin Neuling im
Romaneschreiben.
Zweitens, im Vertrag steht, ich dürfe nun keine weiteren Bücher über
denselben Gegenstand verfassen. Das ist schlimm. Ich bin Historikerin
und habe mich in eine Epoche eingearbeitet über Jahre hinweg, um wei-
terhin Krimis in derselbigen ansiedeln zu können. Darf ich das denn
nicht?
Antwort:
Bei Taschenbüchern ist ein Honorar von 5 Prozent vom Ladenpreis (ohne
Mehrwertsteuer) aufwärts völlig normal. Es gibt auch Konstellationen,
wo nur 3,5 Prozent gezahlt werden und das auch akzeptabel ist.
Die Ausschlussklausel ist auch nicht ungewöhnlich. In dem meisten For-
mulierungen schränkt sie jedoch weniger ein, als man glaubt. Meist
wird nur exakt "derselbe Gegenstand" ausgeschlossen. Im Fachbuch- und
Wissenschaftsbereich ist das völlig üblich, weil die Verlage verhin-
dern wollen, dass der gleiche Autor bei der Konkurrenz ein Alternativ-
buch veröffentlicht.
"Derselbe Gegenstand" ist übrigens eng zu verstehen. Ist das Thema des
Buches z. B. "Die Kleidung der arbeitenden Bevölkerung im Europa des
14. Jahrhunderts", dann dürfen sehr wohl noch Bücher zu den Themen
"Die Kleidung des Adels im Europa des 14. Jahrhunderts" (nicht arbei-
tende Bevölkerung) oder "Die Kleidung der arbeitenden Bevölkerung im
Mittelmeerraum des 14. Jahrhunderts" (Teile von Europa und Teile von
Afrika) oder "Die Kleidung der arbeitenden Bevölkerung im Europa um
1400" (Zeit um den Jahrhundertwechsel 1399/1400) veröffentlicht wer-
den.
Bei Belletristik (Krimis, historische Romane ...) dürfte "derselbe Ge-
genstand" kaum zu treffen sein, sondern meist nur ein ähnlicher. Vor-
sichtshalber würde ich Folgeromane mit den gleichen Figuren allerdings
trotzdem beim gleichen Verlag anbieten und erst nach Ablehnung woan-
ders anfragen.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann,
Buchhändler und freier Lektor: http://www.bjoernjagnow.de/. Er berät
in Urheberrechtsfragen auch für den Vorstand Medien der Vereinten
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Wiesbaden.
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDER- UND JUGENDBUCH:
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Michael Borlik (mailto:kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Suche seit geraumer Zeit nach einem Seminar (Wochenende oder Wochense-
minar) zum Thema "Kinderbuch schreiben". Sowohl beim Medienbüro Ham-
burg als auch der ABP wie auch anderen Journalisten Akademien und
Instiutionen finde ich nichts. Gibt es so was überhaupt? Wenn ja, wo
könnte ich diesbezüglich mal weiter suchen?
Antwort:
Konkrete Seminare zum Schreiben von Kinderbüchern kann ich Ihnen lei-
der nicht nennen, da diese Veranstaltungen nicht regelmäßig stattfin-
den. Ein Veranstalter von Schreibseminaren ist die Bundesakademie für
kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Auf ihrer Homepage
http://www.bundesakademie.de/ können Sie sich über das aktuelle Pro-
gramm informieren.
Eine andere Homepage, die ebenfalls über Literaturveranstaltungen
bzw. Schreibseminare informiert, ist die des Bundesverband junger Au-
toren und Autorinnen e. V. http://www.bvja-
online.de/literaturtermine/.
Oder schauen Sie auch einmal in das Programmheft Ihrer VHS. Gelegent-
lich werden auch dort Schreibseminare angeboten.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Michael Borlik, 1975 geboren, machte 1995 sein Abitur und ging an-
schließend in eine kaufmännische Ausbildung, die er 1998 erfolgreich
abschloss. Seit 2001 erfolgte eine Reihe von Veröffentlichungen. Über-
wiegend schreibt er Kinder- und Jugendbücher, die u. a. bei Ueberreu-
ter, Thienemann und Arena erscheinen. Seit Sommer 2005 ist er freier
Schriftsteller. Mehr Infos unter http://www.borlik.de.
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FRAG DIE EXPERTIN FÜR KRIMINALISTIK:
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Nikola Hahn (mailto:kriminalistik at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ist es für einen ermittelnden Kriminalbeamten möglich, den Weg eines
namentlich ausgestellten Arzneirezeptes nachzuverfolgen? Will sagen:
Kann er im Nachhinein sehen, ob und wann und in welcher Apotheke ein
Rezept gegen ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Medikament ein-
gelöst wurde?
Wie aufwendig ist das? Muss er bzw. die Mordkommission da zuerst 120
Anträge ausfüllen? Und wo muss er da nachfragen - bei der Krankenver-
sicherung? Der Apothekerkammer?
Und jetzt noch ein Knackpunkt: Gesetzt den Fall, er ermittelt auf ei-
gene Faust. Ich nehme an, dann ist es nahezu unmöglich, das festzu-
stellen, oder?
Antwort:
Soweit ich informiert bin, bleibt ja dieses Rezept nicht beim Apothe-
ker, sondern wird - abgestempelt - dem Patienten zusammen mit dem Me-
dikament wieder ausgehändigt, so dass hier ein späterer Nachweis von
der Apotheke nicht möglich ist; es sei denn, man versucht es über Zeu-
genbefragungen (alle Apotheken im Umkreis ... Vielleicht kann sich je-
mand erinnern?).
Wird das Rezept bei einer Durchsuchung aufgefunden, ist aber dann über
den Stempel der Apotheke nachvollziehbar, wo es eingelöst wurde.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Nikola Hahn ist Kriminalhauptkommissarin und Fachlehrerin an der Hes-
sischen Polizeischule in Wiesbaden; nebenberuflich arbeitet sie als
Autorin mit dem Schwerpunkt historische Kriminalromane. Informationen
im Internet: http://www.nikola-hahn.com. [Aber bitte keine Fragen mehr
senden!]
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR HISTORISCHE ROMANE:
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Titus Müller (mailto:historischer.roman at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
"Normalerweise" schreibe ich über die Gegenwart, aber ich habe so eine
unglaubliche Story gehört (von einem Stadthistoriker), dass ich noch
am selben Abend begonnen habe, daraus eine Geschichte zu basteln. Der
Stoff würde sicher auch einen Roman tragen, aber ich will mich nicht
verzetteln und jahrelang recherchieren [...]. Deswegen benötige ich
auch dringend einen Rat, einen Hinweis darauf, wo ich mir in kurzer
Zeit einen Überblick verschaffen kann über die Lebensweise so um das
Jahr 1530 herum. Ich habe zwei Protagonisten: einen aus ärmlichen Ver-
hältnissen auf dem Lande und einen aus wohlhabeneren [...], aber lei-
der viel zu wenig Ahnung, wie der Alltag zu dieser Zeit ausgesehen hat
...
Wenn möglich, schicken Sie mir bitte einen Tipp, wo ich recherchieren
kann, ohne das nächste Jahr damit zuzubringen. So viel, daß die Ge-
schichte "richtig" wird, ich also nicht auf die Nase falle, weil die
Raumaufteilung im Haus in ein anderes Jh. gehört oder das Essen/ die
Kleidung nicht stimmt.
Antwort:
Ich kann verstehen, dass du für eine Kurzgeschichte keinen großen Re-
chercheaufwand betreiben möchtest. Leider weiß ich aber keinen Weg,
ihn dir zu ersparen. Es ist ein bisschen so, als würdest du sagen: Ich
will doch gar nicht Auto fahren! Ich fahre nur Moped. Muss ich da
wirklich alle Verkehrszeichen kennen? Für deine Geschichte brauchst du
nicht alle "Verkehrszeichen", aber da ich nicht weiß, wo du langfahren
willst, kann ich dir auch unmöglich genau die richtigen erklären.
Allein schon die Dinge, die du in deiner Mail ansprichst, erfordern,
dass du zur Recherche mehrere Bücher liest. Es gibt keinen Band, der
für Brandenburg und Wittenberg um 1530 Kleidung, Speisen, Architektur,
Gebräuche auf dem Land und dazu noch den bischöflichen Hof beschreibt.
Wäre schön, wenn's so einfach wäre.
An deiner Stelle würde ich die folgenden Schritte gehen. Für die Be-
reiche Kleidung und Speisen gibt es übergreifende Bücher. Für dich wä-
ren nützlich
- Erika Thiel: Geschichte des Kostüms
- Gertrud Benker: Bürgerliches Wohnen
- Sigrid Jacobeit: Illustrierte Alltagsgeschichte des deutschen Vol-
kes, Band I 1550-1810
Außerdem würde ich an deiner Stelle etwas über die Geschichte Witten-
bergs und ein weiteres Buch über die Geschichte Brandenburgs lesen.
Das hilft dir, in deinem Text die Orte authentisch zu beschreiben. Und
wenn du richtig Freude findest am Eintauchen in diese Zeit, lies einen
Roman und einige Briefe aus dem 16. Jahrhundert. So lernst du die
Probleme der Menschen damals kennen. Außerdem finden sich immer wieder
spannende Details in solchen Zeitzeugnissen, die sich fabelhaft für
eine Geschichte verwenden lassen.
Vielleicht schreibst du am Ende doch noch einen ganzen Roman? Die Ver-
lage suchen danach.
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"Spannender als jeder Katastrophenfilm." (Deutschlandradio Kultur)
"Voller Details, Bilder, Düfte." (Bild am Sonntag)
Titus Müller: Die Brillenmacherin, 440 Seiten, 9,95 Euro
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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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Stefanie Bense (mailto:fantasy at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ich schreibe zur Zeit an einem Fantasy-/ScienceFiction-Roman bzw. bin
noch an der Charakteristik/Biographie des Helden/Gegenspielers dran
und beginne nun den Handlungsstrang zu strukturieren. Ich benutze ei-
gentlich die Technik der "Heldenreise". Doch irgendwie ist mir gerade
nicht so ganz wohl dabei.
Da ich noch nie einen Fantasy-Roman geschrieben habe, möchte ich von
Ihnen wissen, ob man irgendwelche bestimmte Regeln beachten muss. Ist
es bei einem Fantasy-Roman besser, man schreibt eher intuitiv? Ich ha-
be noch keine Ahnung, wie das Ende genau sein soll. Anscheinend muss
man das schon vorher festlegen. Gibt es beim Fantasy-Roman bestimmte
andere Techniken, die man sich aneignen und wissen sollte?
Antwort:
Deine Anfrage ist etwas vage, und so vage liest sich leider auch, was
du über dein Romankonzept schreibst. Wie schade! Denn eigentlich ist
die Autorin diejenige, die am besten über ihre Romankonzeption Be-
scheid wissen muss. Wie sonst könntest du einem Verlag erklären, worum
es in deinem Manuskript geht?
1. Es gibt zwar Crossover bei Fantasy und Science-Fiction, doch die
meisten Romane sind entschieden das eine oder das dndere. Du solltest
dich entscheiden, ob dein Setting (das Bühnenbild, die Figurenumge-
bung) an Magie orientiert ist oder an einer Technik- bzw. Sozialuto-
pie.
Science-Fiction entwickelt seine Bühne aus der in die Zukunft gedach-
ten Entwicklung eines realen Moments, etwa der Gentechnik, Robotik o-
der Gesellschaftsstruktur. So könnte es tatsächlich einmal sein!
Fantasy dagegen zeigt seine Bühne als Welt voller Magie, Wunder, Bunt-
heit und Phantasiegeschöpfe. Nicht, dass eine Fantasy-Welt keine Re-
geln und Gesetzmäßigkeiten hat, doch diese Welt könnte niemals wirk-
lich sein!
2. Gut finde ich, dass du dich ausführlich mit deinen handelnden Figu-
ren auseinander setzt. Ohne die Figuren in- und auswendig zu kennen,
kann man sie kaum glaubwürdig in das Abenteuer jagen. Die Figuren sind
das treibende Element. Da kann die Welt noch so liebevoll und detail-
liert ausgestaltet sein, wenn die Figuren flach, unglaubhaft und unmo-
tiviert sind, macht der Roman dem Leser keinen Spaß.
Wichtig ist, auch die Nebenfiguren mit einer Eigenheit und einem Motiv
zu versehen. Du musst wissen, warum sie was zu welchem Zeitpunkt tun.
Oder was sie niemals tun würden ...
3. Es gibt für Fantasy/SF genauso viele oder wenige Regeln wie für je-
den anderen Roman auch: Spannungsbogen, Kapitelfolge, Szenenfolge,
welche und wessen Geschichte ist es, Erzählperspektive, Dialog - Be-
schreibung - Handlung - Proportionen, Anfang - Mittelteil - Ende ...
Das alles kannst du in älteren Tempest-Beiträge nachlesen, dazu ist
schon genug veröffentlicht worden. Deswegen spare ich mir, erneut dar-
über zu schreiben.
Fantasy und Science-Fiction haben aber noch eine Besonderheit: die ur-
eigene Welt, die Bühne, auf der die Handlung spielt. Dieses Setting
muss genauso sorgfältig ausgearbeitet und mit der Handlung verknüpft
werden wie die Figuren. Sonst fragt sich der Leser, warum der Roman in
einer Fantasy-Welt spielt, obwohl doch die Magier nur herumreisen, Ar-
tefakte suchen und dann einen Kriegsherrn mit konventionellen Mitteln
bekämpfen.
4. Es gibt zwei Wege, einen Roman zu schreiben, ohne sich darin zu
verlieren.
A: Du fängst einfach intuitiv an zu erzählen, schreibst deine 1.500
Seiten und streichst hinterher alles raus, was nicht zu der Story ge-
hört. Bei diesem Verfahren tendiert man leicht dazu, abzuschweifen.
Außerdem muss der Roman massiv überarbeitet werden, denn du kannst ja
nicht vom Anfang auf das Ende zielen, wenn du anfangs nicht weißt, wo
die Story endet.
B: Du planst grob (oder fein) vor, legst die Wende- und Höhepunkte
fest (am Ende eines jeden Viertels stehen Wendepunkte, die die Ge-
schichte und Figuren vorantreiben, am Ende steht die Klimax), wann wer
auf welche Infos stößt oder sie sich erkämpft, wo wer sich aufhält o-
der abreist, wann welche Besonderheiten des Settings für die Handlung
wichtig sind und wie die Figuren sich entwickeln.
Man braucht etwa vier Monate für eine Planung von Setting und
Plot/Handlung. (Ich fertige einen detaillierten Kapitel-/Szenen-Plan,
damit ich nicht vergesse, wo ich was wann erwähnen muss. Wenn mir dann
noch einfällt, hier oder dort zu ergänzen, kann ich es gleich an die
richtige Stelle schreiben. Einfach geht das mit Karteikarten, die sich
ineinander ordnen lassen.)
Und dann schreibst du. Noch einmal vier Monate wirst du schreiben,
doch du hast ja einen Kapitel-Fahrplan, so dass du weit weniger ver-
sucht sein wirst, abzuschweifen, dich zu verirren oder die Handlung
herummäandern zu lassen. Das Schöne ist: Falls du eine Idee hast, et-
was anders zu schreiben als geplant, dann hindert dich niemand daran,
solange du wieder zur eigentlichen Geschichte zurückfindest, solange
die Ideen die Story vorantragen. (Bei mir tauchte auf einmal während
des Schreibens ein Tier auf, das der Magierin folgte. Erst wollte ich
das rausstreichen, aber nun nutzt der Gegner das Tier, um die Magierin
in Bedrängnis zu bringen. So ist die kleine Idee zu einem weiteren
Baustein der Handlung geworden.)
Du merkst: Ich bevorzuge, erst zu planen und dann zu schreiben. Und
ich finde es kein bisschen weniger kreativ, spannend oder aufregend
neu, als ohne Plan drauflos zu schreiben.
5. Noch ein Rat: Überleg dir das Ende, BEVOR du anfängst zu schreiben!
Denk dir einen Bogenschützen, der einfach ins Blaue schießt, ohne das
Ziel anzuvisieren. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er einen
Treffer landet?
Schon der Anfang muss dem Leser zeigen, worum es in der Geschichte ge-
hen wird. Und das kann man nicht schreiben, wenn man nicht weiß, wor-
auf die Geschichte abzielt. Will man zeigen, wie sich eine Figur ent-
wickelt, gewährt der Anfang Einblick in den Ist-Zustand der Figur und
in den Anstoß, warum sie sich ändern will. Selbstredend kannst du den
Anfang auch schreiben, wenn du die Geschichte bereits zu Ende gebracht
hast. Nur musst du dann wiederum alles anpassen, was sich aufgrund des
neuen Anfangs im Laufe der Handlung ändert. Die Entscheidung bleibt
bei dir.
6. Die Heldenreise hat ein ganz einfaches aber striktes Schema: der
Held wird zu einer Reise aufgefordert, sträubt sich, was aber nichts
hilft, muss sich während der Reise bewähren und entwickelt sich (meist
zum Besseren), so dass er danach reifer, zufriedener, erfahrener, rei-
cher oder geläutert zurückkehrt. Dabei kann er etwas suchen, jemanden
befreien oder etwas verhindern müssen.
Falls dich die Heldenreise interessiert, empfehle ich dir:
- John Campbell: Der Heros in tausend Gestalten. Insel-Verlag 2005, 13
Euro
Wenn dir bei irgendetwas "nicht ganz wohl" ist, dann höre auf deinen
Bauch! Meist ist die Geschichte klüger als der Autor! Fühlst du dich
nicht wohl, eine Heldenreise zu schreiben (auch da gibt es Unterschie-
de: Odyssee - Charaktergeschichte, Gullivers Reisen - Milieugeschich-
te, Herr der Ringe - Ereignisgeschichte), dann finde eine andere
Struktur, die dir mehr liegt.
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Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt seit 1993 Schreib-
kurse, veröffentlicht sporadisch und schreibt - was sonst - an ihrem
ersten Roman. Kontakt: mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH:
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Oliver Pautsch (mailto:drehbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ich schreibe Kinderbücher, Romane und vieles mehr. Ideen, die seit
längerem in meiner Schublade liegen, möchte ich gerne als Exposé an
Filmproduktionen verkaufen, da ich Drehbücher nicht schreiben will.
Wie biete ich Exposés an Filmproduktionen an, ohne meine Texte blind
durch die Medienwelt schicken zu müssen?
Antwort:
Ideen allein lassen sich leider kaum in Kurzform verkaufen. Filmpro-
duktionen bevorzugen alles aus einer Hand. Von der Idee über das
Treatment bis zum Drehbuch wollen die Verantwortlichen lieber mit ei-
nem Urheber zu tun haben. Auch weil das aus rechtlichen Gründen für
sie günstiger ist.
Wenn Sie Ihre Stoffe verfilmt sehen möchten, bleibt nur der schwere
Weg durch alle Instanzen.
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Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft. Spä-
ter ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber di-
rekt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für Kurzfil-
me, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.
http://www.drehbuchautoren.de/Autoren/meinautor.php?ID=164
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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück-
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an: mail-
to:beitrag at team pt autorenforum pt de.
Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.
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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer mailto:public.relations at team pt autorenforum pt de
Gabi Neumayer mailto:redaktion at team pt autorenforum pt de
Stefan Schulz mailto:webmaster at autorenforum pt de
Thomas Roth-Berghofer
mailto:Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de
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"The Tempest" ist ein kostenloser Newsletter für Autorinnen und Auto-
ren. Abonnenten sind herzlich aufgefordert, den Newsletter weiter-
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