Hall of Fame
Leserbrief
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Vier Seiten für ein Halleluja
"Restart"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Schreibkurs
"Wie fange ich an zu schreiben?"
von Ute Hacker
Interview mit Katrin Burseg
Verlagsportrait
"Edition Buche"
Seminarbericht
"In 90 Tagen um die (Schreib-)Welt"
von Markus Gnad
Veranstaltungsbericht
"DeLiA-Treffen 2008"
von Jennifer Schreiner
Besondere Lesungen
"Restaurant-Lesung"
von Bärbel Rädisch
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch
(Michael Borlik)
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
schön, dass ihr unsere neue Rubrik "Küss mich, ich bin ein Autor!" so
gut angenommen habt! Manche, wie Franziska Röchter, nutzen die Gele-
genheit, um gleich mehrere Absurditäten des Autorenalltags aufs Korn
zu nehmen. Schreibt uns weiter! Den Tempest-LeserInnen macht?s Spaß -
und als genervter Autor oder genervte Autorin kann man sich endlich
mal gepflegt Luft machen.
Der Tempest ist - ja, ich weiß, es wird langweilig, aber so isset eben
- wieder mal randvoll mit spannenden Beiträgen. Hans Peter Roentgen
hat erneut ein kluges Lektorat der ersten vier Seiten eines Lesertex-
tes beigesteuert. Ute Hacker zeigt, wie man den schwierigen Anfang
beim Schreiben schafft. Markus Gnad berichtet von einem Online-
Schreibkurs, Jennifer Schreiner vom Jahrestreffen der Liebesromanauto-
rInnen. Unsere HerausgeberInnen haben Katrin Burseg interviewt, Ursula
Schmid-Spreer stellt im Verlagsportrait diesmal "Edition Buche" vor -
und einen Leserbrief gibt?s auch mal wieder. Dazu kommen wie immer der
Schreib-Kick (der diesmal gleich aus mehreren besteht), neue Aus-
schreibungen, ein neuer Lese-Tipp und vieles mehr.
Zu den ExpertInnen möchte ich heute mal ein paar Worte mehr machen als
sonst. Stefanie Bense, eine unserer engagiertesten und geduldigsten
ExpertInnen, musste bei ihrer Antwort diesmal etwas ... ja, deutlicher
werden. Der junge Autor, der ihr geschrieben hatte, hat nämlich einige
Grundregeln des Umgangs nicht beachtet. Wir veröffentlichen die Kommu-
nikation zwischen den beiden komplett - inklusive der Rechtschreibfeh-
ler des Fragers. Nicht, um ihn bloßzustellen (natürlich bleibt er an-
onym, wie üblich), sondern um deutlich zu machen, worauf es für Auto-
rInnen ankommt. Nicht nur beim Schreiben des Manuskripts, sondern
auch, wenn man mit Verlagen, LektorInnen, AgentInnen oder eben unseren
ExpertInnen kommuniziert.
Der Tipp des Monats Juli, diesmal von Susanne Öhrig:
Erstelle einen Zeitplan mit festen Schreibzeiten,
die du unbedingt einhalten musst. Egal, was gerade
im Fernsehen läuft oder ob dein Partner sich langweilt.
Bau dir ein Ritual auf, das dir beim Einhalten
der Zeiten hilft: Kaffee trinken, letzten Absatz
des bereits geschriebenen Textes lesen usw.
Schickt uns weiter eure Kurz-Beiträge für "Küss mich, ich bin ein Au-
tor!", Linktipps mit kurzer Begründung, Schreibtipps oder Vorschläge
für längere Beiträge in den anderen Rubriken. Es lohnt sich, denn die
nächste Verlosung kommt bestimmt!
Mehr Sonne für den Rest des Sommers wünschen wir uns allen. Und wie
immer: Denkt mal an den Tempest, wenn ihr demnächst zur Bank geht (und
steckt vorsichtshalber gleich mal unsere Bankdaten ein).
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2008"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01
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ISSN 1439-4669 Copyright 2008 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Hall of Fame
Leserbrief
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Vier Seiten für ein Halleluja
"Restart"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Schreibkurs
"Wie fange ich an zu schreiben?"
von Ute Hacker
Interview mit Katrin Burseg
Verlagsportrait
"Edition Buche"
Seminarbericht
"In 90 Tagen um die (Schreib-)Welt"
von Markus Gnad
Veranstaltungsbericht
"DeLiA-Treffen 2008"
von Jennifer Schreiner
Besondere Lesungen
"Restaurant-Lesung"
von Bärbel Rädisch
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch
(Michael Borlik)
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum
~~~~~~~~~
Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein-
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen
Jahrgänge zu erstellen.
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HALL OF FAME:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema:
.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen.
.......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG, NEU!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr be-
stätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem
Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat!
Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an mail-
to:redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden!
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Kerstin M. Schuld: "Pommes & Majo - Gemeinsam sind wir rattenstark!",
Coppenrath Verlag 2008, Bilderbuch. Eine Maus in einer Rattenband -
nie im Leben! ... Oder doch?
Jochen Weeber: "Hühner dürfen sitzen bleiben", Pattloch Verlag 2008,
Kinderbuch. Eine 5 in Mathe ... Humorvolles Mutmachbuch
www.jochenweeber.de
Inez Corbi: "Die irische Rebellin", Fischer Taschenbuch Verlag 2008,
Historischer Roman. Irland im späten 18. Jahrhundert. Eine Liebe -
zwei Brüder
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LESERBRIEF
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Andreas W. Moser zum Beitrag "Restaurant-Lesung" von Cordula Hamann,
Tempest 2-08
Hier der Textabschnitt, auf den er sich bezieht:
..........
Negativ: Trotz Mailing seitens des Restaurants und Ankündigung in der
regionalen Zeitung einen Tag vorher kamen so gut wie keine fremden
Zuhörer, obwohl das Restaurant einen sehr guten Namen hat, der Preis
für das Menü sehr moderat und es Freitagabend war.
..........
Ich erlaube mir, als ehemals professioneller Anlassorganisator dazu
etwas zu bemerken:
Einen Tag vorher das anzukündigen, ist viel zu spät. Es gibt viele
Menschen (wie ich auch), die gerne an solchen Anlässen teilnehmen wür-
den (und sich berechtigt ärgern ob der kurzfristigen Ansage!), aber
aus terminlichen Gründen das nicht mehr schaffen können.
Aus meiner Erfahrung:
- Mindestens einen Monat voraus ankündigen: Das kann man in solchen
Stadtmagazinen wie dem "MIX" in Bremen (http://mix-online.de/), die
alle gemeldeten Anlässe jeglicher Kulturrichtung bündeln und in einem
handlichen (Gratis-)Magazin veröffentlichen, oder einfach in der ein-
schlägigen Tagespresse.
- Auf Terminkollisionen achten: Eine Lesung zum Beispiel an einem Tag
zu planen, an dem zum Beispiel die Fußball-EM startet, ist wenig sinn-
voll.
Zusätzlich sollte mit dem Lokal eine Werbung verabredet werden. Das
heißt, das Lokal sollte mindestens einmal pro Woche ein Inserat schal-
ten und die Lesung ankündigen. Davon profitieren beide: Autorin und
Lokal. Im Marketing und in der Verkaufspsychologie kennen wir die
Faustregel, dass eine Annonce für ein Produkt oder einen Anlass minde-
stens sieben Mal geschaltet werden muss, bis es durch die Wahrneh-
mungsfilter des Lesers dringt.
Mein Tipp an Cordula Hamann: Nicht aufgeben, weitermachen und den An-
lass anders, längerfristig promoten. Vielleicht kann sich das dann mit
dem entsprechend guten Lokal zu einem festen Anlass wandeln: Einmal
pro Monat oder einmal pro halbes Jahr.
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SCHREIB-KICK:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Juli, diesmal von Eleonore Wittke:
Oft sind die Schreibanfänge und Schreibanlässe das Problem, warum man
sich nicht an die Arbeit macht. Wir möchten alle so gern schreiben,
aber worüber? Also, es geht um den Einstieg, den Impuls. Dazu gibt es
viele reizvolle Übungen, die man überall machen kann. Im Hotelzimmer,
am Strand, im Wartesaal, im Cafe, am Schreibtisch, im Wartezimmer.
- Meditation um einen Gegenstand (Stein, Wurzel, Fundsache von der
Straße, Souvenir)
- Brief an eine prominente oder historische Person, der man endlich
mal die Meinung sagen oder Bewunderung aussprechen möchte
- Spontan ein Gefühl und einen Ort notieren und einen Text dazu
schreiben, in dem beides kombiniert wird (verliebt am Nordpol)
- Einen Text schreiben, in dem man ein Sprichwort, eine Redensart
wörtlich nimmt: "Ich verliere den Boden unter den Füßen", "Ich habe
dich zum Fressen gern"
- Eine Allmachtsfantasie: Ich kann, darf alles ...
- Ein Traum
- Den Anfangssatz aus dem Roman nehmen, den man gerade liest, und wei-
terschreiben
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LESE-TIPP:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://www.volkslesen.tv: Hier lesen Menschen Ausschnitte aus ihren
Lieblingsbüchern. Keine Profis, sondern vom Taxifahrer bis zur Schüle-
rin jede/r, der/die ein Buch vorstellen möchte.
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VIER SEITEN FÜR EIN HALLELUJA:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Oft können Profis schon an den ersten Seite sehen, woran ein Text
krankt. Da wird zu viel erklärt, oder die Personen bleiben blass, oder
der Text ist mit Adjektiven überladen oder ...
Wenn eins dieser Probleme in eurem Text auftaucht, wird ihn ein Ver-
lagslektor schnell beiseite legen - und ihr erhaltet ziemlich sicher
einen der beliebten Formbriefe. Denn die Probleme, die auf den ersten
vier Seiten auftreten, setzen sich in aller Regel im Rest des Manu-
skripts fort.
Hier könnt ihr die Probe aufs Exempel machen. Hans Peter Roentgen, der
professionell Schnupperlektorate (http://www.hproentgen.de) der ersten
vier Seiten macht, bespricht für den Tempest kostenlos die ersten vier
Seiten von Lesern.
Also: Schickt uns die ersten vier Seiten eures Manuskripts - maximal
7.200 Zeichen! -, und vielleicht findet ihr schon im nächsten Tempest
unseren professionellen Kommentar dazu! In der Regel werdet ihr fest-
stellen, dass ihr unsere Ratschläge auch für den Rest eures Textes
verwenden könnt. Bitte schickt uns aber nur Text- oder RTF-Dateien.
Das könnt ihr einstellen, indem ihr in Word statt "Speichern" "Spei-
chern unter" anklickt und dann ganz unten den Dateityp wählt ("nur
Text" oder "RTF"). Die normalen Word-Dateien sind beliebte Virenträger
und werden deshalb von uns nicht geöffnet.
Der Text wird anonym im Tempest abgedruckt und besprochen (es sei
denn, ihr wollt euren Namen dort sehen, bitte extra vermerken!). Au-
ßerdem werden Text und Besprechung auf den Seiten von Hans Peter
Roentgen (http://www.textkraft.de) veröffentlicht, der dieses neue
Angebot organisiert und selbst schon viel Erfahrung mit dem Lektorat
der ersten vier Seiten hat.
Welcher Text besprochen wird, legen wir fest. Die AutorInnen erklären
sich mit ihrer Einsendung mit der Veröffentlichung einverstanden.
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"Restart"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
"Das Leben hat keine Bedeutung. Wir müssen leben, um uns selbst zu
finden. Wir selbst sind niemals die Bedeutung des Lebens."
Sebnem Isigüzel, Der Träumer (Düs Gören), 1993
Während Sie diese Zeilen lesen, werde ich auf einem unentdeckten Stern
sein, der (noch!) auf keiner Sternkarte eingetragen ist. Hätte man mir
gesagt, dass ich eines Tages einen Roman mit diesem Satz beginnen wür-
de, hätte ICH vermutlich als Erster müde gelächelt. Und hätte man mir
auch noch gesagt, dass dieser Roman mir von Außerirdischen persönlich
diktiert werden würde, hätte ich lauthals gelacht.
Die Lage ist jedoch wirklich sehr ERNST.
Die zwei humanoiden Wesen, die gerade vor mir sitzen, versprechen, mir
ein Million Dollar zu geben, wenn ich ihre Geschichte aufschreibe. Das
ist vermutlich das höchste Angebot für einen ungeschriebenen Roman.
Und ich bin ein völlig nutzloses Geschöpf dieser Welt. Deshalb lässt
sich dieser Roman sehr wohl schreiben, Bruder ...
Die Außerirdischen sitzen genau vor mir. Bei sich haben sie einen
schwarzen Aktenkoffer mit der Million Dollar. Sie warten, ohne mit der
Mine zu zucken. Natürlich warten sie nicht auf den Zug um 9:35 Uhr.
Sie warten auf meine Entscheidung. Mein Gehirn hat bereits das Ja
längst bestätigt. Nur Herz-bedingt scheint es da ein Problem zu geben.
Dieses Problemchen kann die außerirdische Frau beseitigen, die wie
angewurzelt auf der Kanapee sitzt und mich anstiert. Wenn sie doch nur
lächeln würde ...
Die außerirdische Frau lächelt. Ich glaub's nicht!
"Wir hätten dir sagen sollen, dass wir deine Gedanken lesen können",
sagt sie, sich entschuldigend. Ich werde darüber - warum auch immer -
nicht so sehr überrascht. Man käme aus den tiefsten Tiefen des Welt-
alls und würde nicht Gedanken lesen können, ja? ... Wir sind eine Ge-
neration, die im Mutterleib STAR TREK gesehen hat, also ...
"Schwesterchen", beginne ich zu sprechen, weiß aber im Grunde nicht,
was ich sagen soll.
Film ist Film, Leben ist Leben.
"Wer seid ihr? Wie heißt du überhaupt?", sage ich schnippisch mit der
Attitüde eines alteingesessenen Metropolbewohners. Ich muss über die
Lage herrschen, das ist immer noch mein Planet!
"Wir kommen aus dem Planeten Moru, der nach euren Berechnungen 250
Millionen Lichtjahre entfernt ist. Ich heiße Pia und bin Experte für
Zeitreisen."
"Und ich heiße Unus. Nach euren Begriffen bin ich eine Art Experte für
alte Menschheitsgeschichte. Ein Anthropologe, wenn du so willst. Du
weißt doch was ein Anthropologe ist, oder? ..." Der außerirdische Mann
grinst mich an. Dem könnte ich eine reinwürgen!
Im Wikipedia steht: "Anthropologie (von griechisch: anthropos "Mensch"
und logos "Lehre") ist frei übersetzt ?die Wissenschaft vom Menschen'.
Die einzelnen Disziplinen zusammenfassend wird unter diesem Oberbe-
griff die wissenschaftliche Erklärung dessen verstanden, was der
Mensch ist. [?] Die Naturwissenschaften beschreiben den Menschen aus
der Evolutionstheorie heraus als ein zwar hoch entwickeltes, sich aber
nur quantitativ vom Tier unterscheidendes Wesen, während die Geistes-
wissenschaften in der Freiheit der Entscheidung und der Selbstbestim-
mung, d. h. in der Personalität, das spezifisch menschliche Wesen ent-
decken, welches sich qualitativ vom Tier unterscheidet."
"Und warum habt ihr mich ausgewählt? Es gibt doch den Bruder Orhan
Pamuk mit Nobel und den Bruder Yasar Kemal, der seit seinem Lebenstag
auf diesen Preis wartet. Außerdem gibt es tausende, abertausende
Schriftsteller, die diesen Roman schreiben könnten, warum habt ihr
ausgerechnet mich ausgesucht?"
"Das war nicht unsere Entscheidung. Nach einer zufälligen Wahl, die
das Weise Zentrum in den irdischen Computernetzen getroffen hat, warst
du einer der drei Namen, auf die das große Los gefallen ist. Der Hai-
ku-Meister Song Mong liegt leider auf dem Sterbebett. Der Grönländer
Orkje Trug ist ein gerade mal 11 Jahre alter surfsüchtige junge
Schreiber, der eine glänzende Zukunft verspricht. Wir wollten nicht in
sein Leben eintreten und seine Zukunft womöglich durcheinanderbringen.
So bist du übrig geblieben", sprach Pia mit einer kalten, gefühllosen
Aussprache und mit einer samtenen Stimme.
So ist es also, ich war auf der Liste erst auf der DRITTEN Stelle, und
sie hatten keine Bedenken, mein Leben durcheinanderzubringen ... Pia
hatte wieder meine Gedanken gelesen, und ich begann bereits, das uner-
träglich zu finden.
"Das Weise Zentrum ist eine virtuelle Intelligenz, die so komplex und
noch mehr weise ist, dass du dir das nicht mal vorstellen kannst. Bei
lebenswichtigen Fragen ist es der einzige Entscheidungsträger unseres
Planeten. Und es hat sich bis heute bei keiner Entscheidung geirrt.
Weil es V O L L K O M M E N ist."
"Dann könnte ICH sein erster Fehler sein."
"Nein. Du wirst mit uns zusammenarbeiten."
"Wie könnt ihr davon so überzeugt sein?"
Pia stand auf. Ihre große grün-blaue Augen waren an meine erbärmlichen
braunen Augen wie ein Space-Shuttle angedockt. Sie befahl mir, zu
schreiben, dass sie einen phantastischen Körper hätte. Da ich bis dato
nichts als die Wahrheit schrieb, musste ich auch diese Wahrheit
schreiben.
PIA HATTE EINEN PHANTASTISCHEN KÖRPER.
Die außerirdische Frau bückte sich zu mir, und als ihre Lippen meine
Lippen berührten, fühlte ich einen leichten Elektroschock. Ihre Zunge
vollführte in meinem Mund akrobatische Aktionen wie chinesische Zir-
kuskünstler in der Manege. Ich vergaß mich ... Logisch, denn keine
irdische Frau hatte mich jemals so geküsst. Nun wusste ich, warum Pia
sich so sicher sein konnte.
Alles hat seinen Preis, sagt man. Und ich dachte, ich wäre unbezahl-
bar. Mein Preis war also ein Million Dollar in bar und der unver-
gleichbare Kuss einer außerirdischen Frau.
Unus beobachtete uns stillschweigend. Sie waren also keine Eheleute.
Gab es auf dem 250 Millionen Lichtjahre entfernten Planeten überhaupt
so etwas wie Ehe? Oder gar Eifersucht?
"Nicht so, wie ihr denkt", sagte Pia. Sie hatte sich ihre Lippen mit
einem Schokt! von meinen Lippen getrennt und antwortete auf meine Ge-
danken.
Ich war lockerer geworden. Pias fantastisch-außerirdischer Kuss ließ
mich wohler fühlen. Wir plauderten wie alte Bekante.
"Könntet ihr mir von eurem Planeten erzählen? Wie habt ihr im unendli-
chen Kosmos überhaupt die Erde gefunden? Was sucht ihr auf diesem ko-
mischen Planeten, der von affenähnlichen Wesen bewohnt wird, die wegen
nichts sich umbringen; dessen 3/4 Bewohner sich gegenseitig überbie-
ten, damit das übrige 1/4 noch reich und reicher wird? Also ehrlich,
um einen Roman schreiben zu lassen, hätte mir da einen noch zivili-
sierteren Planten ausgesucht."
"Wir werden dir alles von Anfang bis Ende erzählen. Und du wirst alles
in der irdischen Sprache aufzeichnen. Das hätten wir eigentlich auch
selbst tun können, das muss jedoch ein Erdling tun, weil ..."
"... weil das für die Zukunft der Erde eine sehr große Rolle spielt.
Verstehst du?", beendete Pia die Worte Unus' wie eine telepathische
siamesische Zwillingsschwester.
Ich verstand nur Bahnhof. Erzählt mir alles ganz von vorn, dachte ich.
Da sie meine Gedanken lasen, war es gar nicht mehr nötig, zu sprechen.
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Lektorat von Hans Peter Roentgen
Außerirdische wollen den Ich-Erzähler zu einem Roman überreden. Für
eine Million Dollar und den Kuss der außerirdisch schönen Alien-Frau.
Ein wenig "Per Anhalter durch die Galaxis", und wie dieses Buch hat
der Text eine Menge absurder Ideen.
Auch absurde Ideen müssen entwickelt werden
Doch leider stehen sie unverbunden nebeneinander und haben auch keine
Folgen. Denn der berühmte Anhalter-Text von Douglas Adams gehorcht
zwar keiner herkömmlichen Logik, ist nicht realistisch, aber die Asso-
ziationen und Ereignisse darin sind nicht einfach beliebig.
Es beginnt damit, dass das Haus des Helden abgerissen werden soll, der
angeblich die Einspruchsfrist gegen den Abriss versäumt hat. Jetzt
soll er das Haus räumen. Wenig später wird verkündet, dass die Erde
abgerissen werden soll, weil sie einer intergalaktischen Fernflugroute
im Wege steht. Die Pläne lagen auf einem Planeten aus und ihnen wurde
nicht widersprochen. Jetzt ist die Widerspruchsfrist abgelaufen.
Sehen wir uns den vorliegenden Text an, fehlt genau das. Außerirdi-
sche, die einen Roman haben wollen und dafür sogar Küsse verteilen,
das ist eine gute Idee. Doch warum ist das so? Genau darum wird im
ganzen Text herumgeredet, nicht mal die Spur einer Andeutung dafür
findet sich. Auch warum der Held sich ziert, bleibt dunkel. Der Grund,
dass sein Herz zögert, muss nicht realistisch sein, gut, wenn er schön
absurd ist. Aber es muss ihn geben. Hat er seiner Oma auf dem Sterbe-
bett in die Hand versprochen, nie, nie, nie einen Roman zu schreiben?
Und fürchtet er nun die alte Dame, die schon zu Lebzeiten Haare auf
den Zähnen hatte? Was wird sie erst anstellen, wenn sie als Geist er-
fährt, dass er ihre letzten Anweisungen gröblich missachtet?
Hier fehlt einfach die Konsequenz, sich auf die absurde Idee einzulas-
sen und sie weiterzuentwickeln. Das Pferd ist aus dem Stall, das Wet-
ter herrlich, es tänzelt und will lospreschen. Doch der Reiter hält es
an den Zügeln zurück. Nix mit galoppieren.
Fragen beantworten
Dafür springt der Text zu immer neuen Ideen, die angerissen, aber
nicht ausgeführt werden. Das Weise Zentrum kommt ins Spiel und ein
Wikipedia-Lexikon-Artikel. Warum wollen die Außerirdischen den Roman
von unserem Ich-Erzähler? Warum er ausgewählt wurde, findet sich im-
merhin im Text. Von drei möglichen Kandidaten war einer zu alt, einer
zu jung, blieb also der Ich-Erzähler übrig. Doch warum überhaupt einen
Roman, diese Frage wird nicht beantwortet, der Ich-Erzähler stellt sie
nicht mal. - Sie müsste auch nicht logisch-realistisch beantwortet
werden.
Wegen des Spinfaktors? Und dann folgt eine weitere absurde Erläuterung
des Spinfaktors, der das Drehmoment der Fantasie ist und der mit zu-
nehmender Zivilisation immer mehr abnimmt? Weil kleine grüne Viren aus
dem All ihren Planeten befallen haben, und diese Viren führen zu epi-
leptischen Anfällen bei den Befallenen, sobald sie einen Roman schrei-
ben wollen? Weil alle so intelligent und gebildet sind, dass niemand
mehr Trash und Kolportage schreiben kann, und die Verlagsindustrie
steht vor dem Kollaps? Der Ich-Erzähler ist der Einzige, der schlecht
genug schreiben kann, um sie zu retten?
Der Möglichkeiten gäbe es viele. Nicht alles müsste sofort erklärt
werden. Aber ein bisschen schon. Genug, um die Neugier zu wecken,
nicht genug, um zu sagen: Aha, jetzt weiß ich alles, jetzt kann ich
das Buch zuklappen.
Nicht zu viel und nicht zu wenig erklären
Ich bekomme immer und immer wieder Texte, in denen viel zu viel er-
klärt wird. In solchen Texten wird die gesamte Zukunft, ihre Geschich-
te und Soziologie ausufernd dargestellt. Das ist langweilig. Hier wird
gar nichts erklärt. Nicht mal angedeutet. Auch langweilig. Schreiben
ist immer auch eine Gratwanderung. Man muss dem Leser genug liefern,
dass seine Neugier geweckt wird. Aber nicht genug, dass er alles weiß.
Und so schön absurd-irrsinnige Geschichten auch sind: Sie gewinnen
nicht dadurch an Spannung, dass man immer mehr absurde Einzelheiten
aufeinanderhäuft. Sondern dadurch, dass mit den vorhandenen gearbeitet
wird. Dass die genommen werden, die passen. Auch hier macht die Dosis
das Gift. Viel hilft nicht viel - die Knoblauchsoße wird nicht besser,
wenn man einfach die Knoblauchdosis verdoppelt.
Die Erzählstimme beibehalten
So, wie die Geschichte mäandert, springt auch die Erzählstimme.
..........
Dieses Problemchen kann die außerirdische Frau beseitigen, die wie
angewurzelt auf der Kanapee sitzt und mich anstiert. Wenn sie doch nur
lächeln würde ...
Die außerirdische Frau lächelt. Ich glaub's nicht!
"Wir hätten dir sagen sollen, dass wir deine Gedanken lesen können",
sagt sie, sich entschuldigend.
..........
Hier spricht der Ich-Erzähler, die Geschichte prescht voran. "Problem-
chen" sollte man durch "Problem" ersetzen, aber ansonsten gibt's
nichts zu meckern. Doch dann:
..........
Ich werde darüber - warum auch immer - nicht so sehr überrascht. Man
käme aus den tiefsten Tiefen des Weltalls und würde nicht Gedanken
lesen können, ja?... Wir sind eine Generation, die im Mutterleib STAR
TREK gesehen hat, also ...
..........
Hier wechselt plötzlich die Erzählstimme, wird kommentierend, wir hö-
ren den Autor. Nicht nur der Stil ändert sich, auch die Aussage. Denn
vorhin war der Erzähler erstaunt über das Gedankenlesen, jetzt heißt
es plötzlich: Völlig uninteressant, hat mich nicht überrascht. Lieber
Leser, wir aus der Star-Trek-Generation wissen so was. Das Pferd hat
die ersten Galoppsprünge gemacht, die Geschichte ist losgeprescht -
schon wird sie wieder gezügelt.
Also: Lassen Sie Ihrer Geschichte die Zügel frei. Lassen Sie sie los-
galoppieren.
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Hans Peter Roentgen coacht Autoren und Manuskripte
(http://www.textkraft.de). Im November 2007 ist sein Buch mit zahlrei-
chen Beispielen zur Textbearbeitung erschienen: "Vier Seiten für ein
Halleluja", Lerato Verlag.
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SCHREIBKURS:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Wie fange ich an zu schreiben?"
von Ute Hacker
Als Expertin für Schreibhandwerk bekomme ich immer mal wieder die Fra-
ge gestellt: Wie fange ich eigentlich an?
Wenn man gemein wäre, könnte man sagen: Einfach hinsetzen und schrei-
ben. Aber weder gehöre ich zu den gemeinen Menschen, noch ist es wirk-
lich so einfach.
Fest jeder, der ein Buch schreiben möchte, hat bereits Erfahrungen mit
dem Schreiben gemacht. Sei es mit Gedichten oder Geschichten zu beson-
deren Anlässen, sei es "einfach nur so" - also vor allem für die
Schublade. Doch natürlich ist es ein Unterschied, ob man "privat"
schreibt oder mit dem Ziel einer Veröffentlichung. Nicht nur an den
Text steigen die Ansprüche, wenn man veröffentlichen möchte, sondern
auch an sich selbst.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das größte Hindernis oft nicht
das Schreiben an sich darstellt, sondern seine Organisation. Viele
angehende Autoren sagen: "Ich schreib jetzt mal einen Roman!", fangen
auch begeistert damit an, kommen jedoch nach ein paar Seiten ins Stoc-
ken. Teils, weil der Alltag sie nicht zum Schreiben kommen lässt,
teils, weil sie sich hoffnungslos verheddert haben.
Daher sollte man sich über ein paar Dinge klar werden, bevor man sich
an ein großes Projekt wie einen Roman macht:
- Wie viel Zeit kann ich pro Woche erübrigen?
- Was für ein Typ Mensch bin ich? Bin ich eher strukturiert oder eher
chaotisch?
- Wie gehe ich mit Störungen um?
Wie viel Zeit kann ich erübrigen?
In Interviews mit erfolgreichen Autoren taucht immer wieder ein Wort
auf, das man landläufig eher selten mit einem Künstler verbindet: Dis-
ziplin. (Die Diskussion, ob Schriftsteller eher Handwerker oder Künst-
ler sind, lassen wir hier mal außer Acht.) Fakt ist: Wer es zu etwas
bringen will, muss sich regelmäßig hinsetzen und etwas zu Papier brin-
gen. Und manch eine(r) fragt sich da: Wie soll ich das neben Beruf,
Familie und Hobbys noch schaffen?
Wollen Sie Schriftsteller(in) werden? Wenn Sie diese Frage mit einem
eindeutigen "Ja" beantworten, müssen Sie sich die Zeit dafür nehmen.
Egal woher. Selbst wenn Sie nur eine Stunde pro Woche erübrigen kön-
nen, kann das am Ende zum Ziel, nämlich zu einem fertigen Romanmanu-
skript führen.
Wichtig ist, dass Sie sich diese Zeitspanne tatsächlich für das
Schreiben reservieren und nicht andere Dinge tun. Das kann zu Beginn
schon mal in einen Kampf mit der Familie ausarten. (Dazu nachher
mehr.)
Wichtig ist auch, sich ein realistisches Ziel zu setzen. Nicht: Näch-
stes Jahr veröffentliche ich den Megaseller. Sondern: In den nächsten
12 Monaten schreibe ich die erste Fassung eines Romans.
Strukturiert oder chaotisch?
"Chaotisch" ist hier nicht negativ gemeint, sondern als durchaus posi-
tiver Gegensatz zu "strukturiert".
Wenn Sie ein strukturierter Mensch sind, sollten Sie auf alle Fälle
mit einem Konzept arbeiten. Das heißt, Sie machen sich vor dem eigent-
lichen Schreiben Gedanken über die Figuren und die Handlung. So erhal-
ten Sie ein Gerüst, das Ihnen beim Schreiben hilft.
Ein chaotischer Mensch würde hingegen einfach mal zu schreiben begin-
nen und sehen, wohin ihn das Ganze führt. Bei dieser Methode tun sich
besonders viele Irrwege auf, die zeitraubend und frustrierend sein
können. Hier ist es besonders wichtig, diszipliniert zu arbeiten.
Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile; ausschlaggebend ist,
dass man selbst gut damit arbeiten kann.
Dazwischen gibt es jede Menge Variationen. Ich empfehle hier einen
intensiven Blick auf und in die mittlerweile zahlreichen Publikationen
zum Thema Creative Writing. Ich selbst bin ja bekennender James-N.-
Frey-Fan (Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Teil I und II),
aber seine Methode ist nicht jedermanns Sache.
Man sollte sich die Zeit nehmen, einige Varianten auszuprobieren, und
sich dann die passenden zusammensuchen. Die eine perfekte Methode gibt
es nicht.
Wie gehe ich mit Störungen um?
Der Entschluss Autor(in) zu werden, ist schnell gefasst - die Umset-
zung dauert oft lange und ist anstrengend. Da ist vor allem eiserner
Wille gefragt. Auch der Familie gegenüber. Auch wenn ich hier ein Kli-
schee bedienen muss: Es sind meist die Frauen, die sich damit ausein-
ander setzen müssen. Sie sehen sich mit den klassischen Haushaltsar-
beiten konfrontiert und müssen sich gegen die Forderungen der Familie
wehren. Dabei geht es gar nicht um die eine Stunde in der Woche, die
frau für sich in Anspruch nimmt; es geht eher um die Tätigkeit des
Schreibens. Häkeln, stricken, malen - alles ist erlaubt. Aber schrei-
ben? Das wird im besten Falle milde belächelt, im schlimmsten Falle so
madig gemacht, dass frau die Lust verliert.
Um sich hier durchsetzen zu können, ist es wichtig, sich selbst ernst
zu nehmen. Wenn ich selbst nicht davon überzeugt bin, dass ich das
unbedingt will, dann wird es für andere ein Leichtes sein, mich dabei
zu stören. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Gerade Anfän-
ger tun sich naturgemäß schwer, an sich zu glauben. Da hilft manchmal
nur eine riesige Portion Arroganz. Und das kleine Wörtchen "nein"!
Störungen können aber auch von Ihnen selbst ausgehen. "Aller Anfang
ist schwer.", "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen": Das sind
Sprichwörter, die nur eines aussagen: Üben, üben, üben. Wenn Ihnen in
Ihrer Schreibphase die Inspiration fehlt, bleiben Sie trotzdem sitzen,
und schreiben Sie. Notieren Sie, was Ihnen gerade durch den Kopf geht.
Und wenn es nur der Satz ist: "Ich hasse das Schreiben." Gestatten Sie
sich, alles aufzuschreiben, auch wenn es in Ihren Augen völliger Blöd-
sinn ist. Sie müssen es niemandem zeigen, Sie sind keinem Rechenschaft
schuldig, Sie dürfen alles in den Papierkorb werfen. Wichtig ist nur,
dass Sie dabei bleiben und Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dann
sind es nur noch wenige Schritte zum fertigen Manuskript!
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Ute Hacker konzentriert sich derzeit vor allem unter dem Pseudonym
Luisa Hartmann auf das Genre Kinderbuch. Bisher wurden 4 zweisprachige
Kinderkrimis bei Langenscheidt veröffentlicht. Im November 2008 er-
scheint in der neuen Reihe Tigerauge von dtv ihr Band "Aufstand in der
Antarktis". Mehr Informationen auf http://www.utehacker.de oder
http://www.luisahartmann.de
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INTERVIEW:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"An den Leser denken"
Interview mit Katrin Burseg
Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Katrin Burseg, im April 2008
ist Ihr Debütroman "Das Königsmal" im fredebold&fischer Verlag er-
schienen, ein packender historischer Roman, der die Geschichte der
geheimnisvollen Figur Wiebke Kruse erzählt, einer historischen Frauen-
gestalt, um die sich viele Legenden und Spekulationen ranken.
Und so geht es in Ihrem Roman um eine große Liebe vor dem Hintergrund
des Dreißigjährigen Krieges, um Elend, höfischen Prunk, Neid und In-
trigen. Der schönen Wiebke wird schon als neugeborenes Kind prophe-
zeit, dass sie bis zu ihrem Glück an der Seite eines älteren Mannes
einen schwerer Weg vor sich hat. Wiebke begegnet König Christian IV.
von Dänemark, der sie als Hofdame für seine Gemahlin Kirsten mit an
den Hof nimmt. In den Wirren des Krieges rettet Wiebke dem König
schließlich nicht nur das Leben, sondern wird ihm auch eine gute Be-
raterin. Christian IV. verliebt sich leidenschaftlich in sie, sehr zum
Missfallen seiner Gemahlin ...
Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Roman? Wie gingen Sie beim Verwe-
ben von historischen Fakten und Fiktion, beim Schreiben und Recher-
chieren vor? Sind Sie dabei mehr eine intuitive Autorin, oder planen
Sie jedes Detail im Voraus?
Katrin Burseg: Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes mit der Sage um
die Holsteinerin aufgewachsen, denn ich habe meine Kindheit und Jugend
in Föhrden-Barl verbracht, also in dem Dörflein, aus dem Wiebke Kruse
vermutlich stammt. Ihre außergewöhnliche Lebensgeschichte - von der
Bauerntochter zur heimlichen Königin Dänemarks - hat mich schon immer
fasziniert, auch die Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist ein außerge-
wöhnlicher Stoff. Ebenso spannend: Die dänische Geschichtsschreibung
schweigt Wiebke Kruse bis heute tot, dabei hat sie zwanzig Jahre an
der Seite des beliebten Königs Christian IV. gelebt, ihm zwei Kinder
geschenkt und war ihm eine wichtige Beraterin. Doch nach ihrem Tod ist
ihr Andenken sofort vernichtet worden.
Ich habe die Geschichte sorgfältig recherchiert, mit Historikern ge-
sprochen und Fakten und Fiktion dann miteinander verwoben. Mir ging es
dabei vor allem darum, die Person Wiebke Kruse fassbar zu machen, ihre
Gefühle, Zweifel und vor allem die Liebe zum König zu beschreiben. An
und in dieser besonderen Liebe spiegelt sich das Grauen des Dreißig-
jährigen Krieges.
RRB/TRB: Wie umfangreich war die Zusammenarbeit mit dem Lektorat des
fredebold&fischer Verlags?
KB: Frau Dr. Fischer, meine Lektorin im Verlag, hat die Entwicklung
der Geschichte von Anfang an mit Rat und Tat begleitet.
RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchco-
vers oder den Klappentext?
KB: Sowohl Titel also auch Cover und Klappentext sind in enger Abstim-
mung mit dem Verlag entstanden.
RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Schlüssel-
erlebnis?
KB: Von Haus aus bin ich Journalistin, mein Berufsleben (und auch
schon meine Schulzeit) sind also durch das Schreiben geprägt. Wenn man
in meine Familie schaut, so habe ich sicherlich meiner Großmutter vie-
les zu verdanken. Sie war eine wunderbare Geschichtenerzählerin, und
sie hat auch selbst geschrieben - "Geschichten von früher", eine Art
Astrid-Lindgren-Version ihrer Kindheit und Jugend.
RRB/TRB: Sie haben Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Romani-
stik studiert, haben als Journalistin für den Stern und die Süddeut-
sche Zeitung geschrieben. Wie wirkt sich Ihr Studium und Ihr Beruf auf
Ihr Schreiben aus?
KB: Durch Studium und Beruf habe ich es gelernt, gründlich zu recher-
chieren. Das Studium hat meine Liebe zu historischen Stoffen noch ver-
stärkt und mich auch mit dem nötigen Wissen gerüstet. Meine journali-
stische Arbeit hat sicherlich meinen Stil beeinflusst und meine Ar-
beitsweise.
RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Das Königsmal" gearbeitet?
KB: Ich arbeite, bin Mutter, und dann schreibe ich noch. Von der er-
sten Idee über die Recherche bis zur Abgabe des Manuskripts sind etwa
drei Jahre vergangen.
RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Autorin, einen guten
Autor aus?
KB: Leidenschaft für die Geschichte, die sie oder er erzählen will.
RRB/TRB: Wie sieht der Alltag Ihres Autorenlebens neben Ihrem Beruf
aus?
KB: Journalistisches und literarisches Schreiben gehen bei mir inein-
ander über - ich kann von einer Minute auf die andere umschalten. Mein
(Schreib-)Alltag ist ganz und gar unspektakulär: Internetrecherche,
Bücher zum Thema lesen, persönliche Gespräche (oder via Mail / Tele-
fon) mit Experten führen, die sich besser auskennen als ich. Ich sitze
zwischen 9 und 15 Uhr (mit Mittagspause) in meinem Büro im Hamburger
Schanzenviertel, höre meist klassische Musik und genieße es, wenn da-
bei die Sonne durch mein Fenster scheint.
RRB/TRB: Gibt es noch irgendein Genre, das Sie als Autorin reizen wür-
de? Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?
KB: Derzeit arbeite ich an einem zweiten historischen Roman. Was da-
nach kommt? Man wird sehen ...
RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte ...) lesen
Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
KB: "Schweigeminute" von Siegfried Lenz. Ich bin mitten drin und finde
die Erzählung bislang noch etwas betulich.
RRB/TRB: Hätten Sie sonst noch einen Rat für angehende Autoren und
Autorinnen?
KB: An den Leser denken!
RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!
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VERLAGSPORTRAIT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Edition Buche
Engelweingartenstraße 57
A-8510 Stainz
Telefon + Fax: (00 43) 34 63-6 95 91
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
http://www.editionbuche.at
Maria-Bernadette Ehrenhuber ist die Gründerin der Edition Buche. Sie
arbeitet mit vielen freien MitarbeiterInnen. Im Hauptberuf ist sie
Verlegerin und Autorin, im Nebenberuf Kulturredakteurin. Sie hat den
Verlag gemeinsam mit dem ehemaligen Buchhändler Günter Neuwirth und
einer Gruppe von AutorInnen und KünstlerInnen gegründet. Alle kommen
aus der Literaturbranche und wollten ihr Wissen und Können in einem
eigenen Verlag bündeln.
Entstanden ist Edition Buche als Initiative aus der österreichischen
Literatur- und Autorenszene. Nach einem Jahr Vorarbeit wurde der Ver-
lag Anfang 2008 gegründet. Geplant sind sechs Neuerscheinungen jähr-
lich.
Programm und Philosophie
Edition Buche publiziert Literatur, die gedankliche Gegenentwürfe bie-
tet. Dabei werden Genres hinterfragt und überschritten. Die üblichen
Kategorien wie Unterhaltungsliteratur oder Avantgarde sind obsolet.
Der Verlag bringt Spannungsliteratur ebenso wie Sprachkunst: epische
Romane, Krimis, phantastische Romane, Kinder- und Jugendbücher. Der
kleine Literaturverlag orientiert sich bei der Auswahl der Texte am
Aufbrechen von Strukturen. So auch das Motto: Verlag für Gegenwelten.
Verlegt wurden bisher Paul Fitz, Maria-Bernadette Ehrenhuber und Gün-
ter Neuwirth
AutorInnen gesucht?
Die Programmplätze sind aus finanziellen Gründen beschränkt, aber neue
AutorInnen sind immer willkommen. Die Edition Buche freut sich auf
interessante Manuskriptangebote von NewcomerInnen ebenso wie von arri-
vierten AutorInnen. Wichtig sind die Qualität des Textes und das Enga-
gement aller Beteiligten.
Konditionen
Die Produktion der Bücher erfolgt ausschließlich auf Kosten der Editi-
on Buche. Der Verlag fordert keine Mindestabnahme von Büchern seitens
der AutorInnen, keine Werbemittel- oder Druckkostenzuschüsse.
Als Kleinverlag kann Ehrenhuber nur wenige Titel in kleiner Auflage
produzieren. Der Verlag konzentriert seine Marketingaktivitäten auf
das gezielte Verschicken von Rezensionsexemplaren, auf die Organisati-
on von Lesungen und Büchertischen und auf den Kontakt zu Branchen- und
lokalen Medien. Es kann keine Breitenwerbung für einzelne Titel ge-
macht werden.
Viel Engagement der AutorInnen für die Teilnahme bei Buchpräsentatio-
nen und Lesungen ist erwünscht. Die Verlagsverträge orientieren sich
am Muster-Verlagsvertrag zwischen dem Verband dt. Schriftsteller und
dem Börsenverein.
Was ist dem Verlag besonders wichtig?
Bei den vielen Manuskripten, die den Verlag erreichen, wird immer nach
der ganz besonderen Idee, nach einem individuellen Zugang oder einer
schrägen Sichtweise gesucht. Unverlangt eingesandte Manuskripte werden
nicht retourniert. Der Verlag freut sich über ein aussagekräftiges
Exposé, eine Leseprobe im Umfang von maximal 20 Seiten und biographi-
sche, ggf. bibliographische Angaben - bitte ausschließlich auf dem
Postweg, nicht über E-Mail.
Gefällt das Exposé, wird das gesamte Manuskript angefordert (unbedingt
eine E-Mail-Adresse angeben für den Kontakt!).
Zukunftspläne
Die Edition Buche ist Mitglied beim Hauptverband des österreichischen
Buchhandels und bei Smallpress, der virtuellen Messe für Kleinverlage.
In Österreich arbeitet die Edition Buche mit der Verlagsauslieferung
Dr. Franz Hain zusammen, für Deutschland und die Schweiz konnte die
GVA als Partner gewonnen werden.
Der Verlag Edition Buche wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse
und im November auf der Buchmesse Wien vertreten sein.
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SEMINARBERICHT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"In 90 Tagen um die (Schreib-)Welt"
von Markus Gnad
Lernen von den Besten
Für das Schreiben gilt genauso wie für alle anderen Künste und jedes
Handwerk, aber eigentlich für alles, was man tut: Lerne von den Be-
sten. Leider ist nicht jeder "Beste" dazu geeignet, sein Wissen an
Lernwillige weiterzugeben. Rainer Wekwerth aus Stuttgart aber hat das
Zeug dazu - er ist Schriftsteller, er betreibt ein Online-Portal, auf
dem Nachwuchsautoren ihre Texte versuchsweise der Öffentlichkeit vor-
stellen können, und er ist Schreiblehrer. Das heißt, von ihm kann man
gegen Bezahlung das lernen, was man braucht, um einen tauglichen Roman
zu schreiben. Massiven persönlichen Einsatz des Schülers vorausge-
setzt, sind diese Kurswochen "das Beste, was man sich als Grundausbil-
dung im Schreiben antun kann", um Andreas Eschbach zu zitieren.
30 Grad Celsius und steigend
Meinen Online-Grundkurs "Kreatives Schreiben" bei Rainer Wekwerth ab-
solvierte ich von April bis Juni 2007. Während sich die Nachbarschaft
in Swimmingpools und im Grünen austobte, stellte ich mich Tag für Tag
den Aufgaben des Kurses. Knochenarbeit war angesagt, vom Fabrizieren
von zehn ersten Sätzen für den Romananfang bis zum Erstellen eines
gesamten Romankonzeptes samt Exposés aller Szenen (dafür gab es immer-
hin zwei Wochen Zeit).
Es hat sich dann ob der heißen Jahreszeit bewährt, nach einem abendli-
chen Gewitter oder zumindest nach Sonnenuntergang zu arbeiten ...
Was der Lehrer will
Ein Lehrer hat (per Berufsdefinition) die Ambition, den Auftrag, sei-
nem Schüler sein Fachwissen so beizubringen, dass er es auch anwenden
kann. In welchem Maße, hängt natürlich vom Einsatz des Schülers ab.
Wenn der Schüler allerdings ein paar Hundert Euro locker macht, ist
gehörige Aufmerksamkeit seinerseits fast garantiert.
Rainer Wekwerth geht als Schreiblehrer weit über den klassischen Leh-
rertypus hinaus. Er will uns weder etwas aufs Auge drücken noch eine
bestimmte Arbeitsweise aufzwingen. Rainer gibt Ratschläge, teilt gehö-
rig Kritik aus, spart aber auch nicht mit Lob. Er öffnet die Werkzeug-
kiste mit all den schönen Möglichkeiten, die es im Handwerk des
Schreibens anzuwenden gibt. Das Wichtigste aber ist, dass er das inne-
re Auge des Schülers öffnet, so dass dieser selbst erkennt, was an
seinem Text faul ist. Rainer weckt den objektiven Kritiker in uns,
den, der hinter uns steht und uns beim Betrachten des Werkes sagt: "So
kannst du das aber nicht machen!" Die Ausbildung dieses Kritikers war
für mich das Allerwichtigste in diesen zehn Wochen.
Was der Lehrer macht
Auf der Angebotspalette stehen:
- Charakterentwurf: Wie sieht der Autor den Charakter, wie sehen ande-
re den Charakter, wie sieht sich der Charakter selbst?
- Konzeptentwurf: Basiskonzept, detailliertes Konzept, Gliederung /
Struktur / Exposé aller Szenen
- Entwicklung einer Prämisse
- Romaneinstieg, Romananfang
Für die Aufgaben gibt es ein bis zwei Wochen Zeit. Bei zu vielen Män-
geln im abgegebenen Text wird wiederholt. Man ist gut beraten, die
Zeit wirklich zu nutzen. Zu fortgeschrittener Kurszeit ist man froh
über die Tage, die einem noch bleiben. Und am Ende des Kurses schaut
ein fix-und-fertiges Romankonzept heraus, entwickelt aus dem Charakter
der Hauptfigur.
Genau das ist eine der wichtigsten Lektionen des ganzen Kurses über-
haupt: Der Hauptdarsteller bestimmt den Verlauf des Romans. Aus ihm
und seinem Charakter heraus entwickeln wir den Roman, die Story, die
Konflikte, die Lösungen. Der Hauptdarsteller trägt das Buch, darum ist
er das Allerwichtigste darin.
Ganz nebenbei räumt Rainer mit Füllwörtern, schwammigen Formulierun-
gen, umgangssprachlichen Ausdrücken und anderen Unstimmigkeiten im
Text auf. Es gibt kurze Anmerkungen, die viel Stoff zum Nachdenken
geben, und regelmäßig den praktischen Ratschlag, sich in den Leser
hineinzuversetzen.
Was der Schüler macht(e)
Diese 90 Tage waren für mich eines der eindrucksvollsten Erlebnisse in
meiner bisherigen Schreibarbeit überhaupt. Nicht nur, weil es so viel
Handwerk zu erlernen gab, und nicht nur, weil ich spürte, wie ich dar-
in immer besser wurde, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, dass
Rainer etwas an meiner Arbeit liegt. Dass er will, dass die Schüler
ihre Sache gut machen, und (das vielleicht noch stärker) dass er will,
dass gute Romane entstehen, die gute Geschichten mit guten Charakteren
erzählen. Ich fühlte mich bei Rainer sehr gut aufgehoben; diese drei
Monate waren jeden Euro und jede Minute wert, die ich in sie inve-
stierte.
Was Schüler machen können
Für Autoren gibt es Gott sei Dank ein immer breiter werdendes Angebot
im deutschsprachigen Raum, ihre Talente von erfahrener Stelle prüfen
und vorantreiben zu lassen. (Da brauche ich nur eine aktuelle Tempest-
Ausgabe durchzulesen.) Ich kann jedem, der das Handwerk der "Schrift-
stellerey" wirklich professionell betreiben will, eine Grundausbildung
bei Rainer Wekwerth wärmstens empfehlen. Details zu den verschiedenen
Kursen gibt es auf http://www.kreatives-schreiben.net.
Übrigens nahm mein eigener Schreibkurs ein unbeabsichtigtes Ende: Am
letzten Tag (Rainer stellte wohl gerade das Zeugnis aus) wurde mir
bewusst, dass trotz der Erfolge der vorangegangenen Wochen etwas in
meinem Konzept mächtig faul war. Ich fand aber auch selbst heraus, was
es war. In den folgenden Monaten krempelte ich das Skript noch mal
vollkommen um ... aber das ist eine andere Geschichte.
Hier noch ein paar Zitate, die ich während des Kurses zu hören bekam:
"Denk mal an Heidi Klum, die sieht auch toll aus, aber beschreibe sie
mal jemandem, der sie noch nie gesehen hat, da kommt in der Vorstel-
lung des anderen alles raus, nur nichts, was Heidi Klum ähnlich sieht,
denn sie bietet keine Merkmale für die Vorstellungskraft."
"Wahre Dramatik und Spannung findest du in den Figuren und nicht in
einem konstruierten Plot, der die Figuren zu notwendigen Objekten de-
gradiert."
"Du verschiebst das Gleichgewicht der Kräfte, das heißt, die Verände-
rung einer Figur betrifft auch alle anderen."
"Umgangssprache hat in einem Konzept nichts zu suchen, denn vielleicht
liegt dieses Konzept eines Tages bei einem Agenten oder Verlag auf dem
Tisch, und dann musst du absolut professionell und nicht flapsig wir-
ken."
"[...] denn in der Gunst des Lesers liegen immer die starken Persön-
lichkeiten vorn, und damit vor allem deine Hauptfigur nicht vom Leser
wegen Schwäche abgelehnt wird, darf sie nicht zu ohnmächtig wirken.
Oder verbringst du deine Freizeit mit wankelmütigen, quengelnden
Schwächlingen?"
"Ein Profi hält Distanz zu seiner Arbeit und betrachtet sie quasi
durch die Augen Dritter."
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Markus Gnad (31) arbeitet derzeit an seinem ersten Roman, der laut
Beurteilung von Rainer Wekwerth "das Potenzial für eine Veröffentli-
chung hat".
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VERANSTALTUNGSBERICHT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"DeLiA-Treffen 2008"
von Jennifer Schreiner
Das Treffen der Deutschsprachigen Liebesromanautoren und -autorinnen -
kurz DeLiA - fand dieses Jahr vom 5. bis zum 8. Juni in Augsburg
statt.
2003 gegründet, hat es sich DeLiA zur Aufgabe gemacht, das Genre des
Liebesromans in all seinen Ausprägungen aufzuwerten und dafür zu sor-
gen, dass es von Lesern, Verlagen, Buchhändlern und der breiten Öf-
fentlichkeit als eigenständige und ernstzunehmende Literaturform aner-
kannt wird.
Durch den Zusammenschluss von zurzeit 55 - teils sehr bekannten -
Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit insgesamt weit über 6.000
veröffentlichten Titeln aller Literaturgattungen soll nicht nur ge-
zeigt werden, dass auch die Verfasser deutschsprachiger Liebesromane
ernstzunehmende Autoren sind, sondern auch für qualitative Unterhal-
tung gesorgt werden.
Zu diesem Zweck werden neben zahlreichen Lesungen in verschiedenen
Städten und Ländern und dem gemeinsamen Internetauftritt auch
Workshops und mehrtägige Veranstaltungen initiiert.
So wurde auch das Jahrestreffen 2008 mit der anschließenden Verleihung
des DeLiA Literaturpreises - der mit 1.000 Euro dotiert ist und für
den besten deutschsprachigen Liebesroman vergeben wird - durch ein
informatives und interessantes Rahmenprogramm abgerundet.
Das Rahmenprogramm, mit Beispielen aus der Liebesromanszene gespickt,
war ein absolutes Muss für jeden Schriftsteller oder angehenden Autor:
Seminar 1: Zauberformel für Geschichten
Ulrike Dietmann, Autorin, Workshopleiterin für Kreatives Schreiben und
Autorencoach, offenbarte eine "Zauberformel für Geschichten", die sie
an elf Punkten festmacht. Diesem Aufbau (den es auch mit 10, 13 oder
16 Punkten gibt) folgen so gut wie alle Geschichten, wie Ulrike an
zahlreichen bekannten Beispielen verdeutlichte (z. B. "Pretty Woman"
und "The Last Knight").
Mit freundlicher Genehmigung von Ulrike Dietmann hier ein Auszug aus
ihrer "Zauberformel" (mehr unter http://www.ulrikedietmann.de):
1. Ausgangssituation
2. Auslöser
3. Weigerung des Helden
4. Erster Wendepunkt: Ein starkes Ziel
5. Freunde und Feinde
6. Mittelpunkt der Geschichte: Der Held erkennt sein inneres Bedürfnis
7. Zerreißprobe
8. Zweiter Wendepunkt: Scheitern
9. Katastrophe
10. Höhepunkt
11. Neue Situation/Ausklang
Seminar 2: Schwarze Schafe
Nach einer kurzen Pause, die nicht nur der Erholung und der Verarbei-
tung des Gehörten diente, sondern auch dazu, Kontakte zu knüpfen oder
aufzufrischen, ging es weiter mit Petra Last.
Die Autorin zog lustig und packend zugleich über abstruse Ideen her,
die einen Autor zu den so genannten Druckkostenzuschussverlagen führen
können. Glaubwürdig konnte man die Überlegungen nachvollziehen, die
einen Schreiber dazu bringen, viel Geld in sein Werk zu stecken, und
die Argumentationen der DKZVs, auf die nicht nur naive Menschen, son-
dern auch intelligente und "gestandene" Schreiber hereinfallen können.
Nach einigen Hinweisen dazu, wie man "schwarze Schafe" der Branche
erkennen kann, und der Darstellung einiger Alternativen (z. B. BoD-
Druckereien) berichtete der Literaturagent Lars Schultze-Kossack da-
von, dass in letzter Zeit auch vermehrt Literaturagenturen aufgetaucht
sind, die nicht seriös arbeiten. Merke: Lektoren, die im Voraus Geld
annehmen, um einen Autor zu vertreten, sind ebenso mit Vorsicht zu
genießen wie Verlage, die für das Veröffentlichen bezahlt werden wol-
len.
(Mehr über die Autorin und die Literaturagentur unter:
http://www.petralast.de und http://www.mp-litagency.com.)
Der Deutsche Liebesromanpreis 2008
Nach den Seminaren, vielen Möglichkeiten, sich kennenzulernen, und
einem Kabarett von Ingeborg Rauchberger (aka Sophie Berg / Sophia Fa-
rago) folgte der unumstrittene Höhepunkt des Jahrestreffens: die Ver-
leihung des Deutschen Liebesromanpreises. In feierlichem Rahmen wurden
die Bücher der acht Finalistinnen vorgestellt, bevor dann die drei
Gewinnerinnen bekanntgegeben wurden:
1. Preis: Michaela Rabe "Perfektion"
2. Preise: Ivana Jeissing "Unsichtbar" und Mirjam Müntefering "Unver-
sehrt"
Fazit
Wann erhält man schon einmal die Gelegenheit, mit Bestsellerautoren/-
autorinnen zu reden? Literaturagenten bei einem Kaffee kennenzulernen?
Oder andere Schreiber aus dem Nähkästchen plaudern zu hören? Auf dem
ungezwungenen, familiären DeLiA Treffen! Ohne Vorbehalte wurden hier
Informationen ausgetauscht und wertvolle Tipps weitergereicht.
Übrigens ist die Vereinigung Deutschsprachiger Liebesromanautoren und
-autorinnen nicht nur den klassischen Liebesromanautoren/-autorinnen
zu empfehlen, sondern auch allen anderen. Denn mal ehrlich: Welche
gute Geschichte kommt schon ohne Romanze aus?
Mehr zu DeLiA, ihren Mitgliedern und Möglichkeiten der Mitgliedschaft
unter: http://www.delia-online.de
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Jennifer Schreiner wurde 1976 in Gelsenkirchen geboren, ist Magister
der Philologie, Autorin und Herausgeberin. Ihre Geschichten erschienen
in zahlreichen Anthologien (u. a. Ubooks "Honey", Boccaccio "Wild nach
dem Erdbeermund") und Zeitschriften (u. a. Feigenblatt-Magazin, Elfen-
schrift). Mehr zu ihr und ihrem bissig-erotischen Vampirroman "Zwil-
lingsblut" unter http://www.JenniferSchreiner.com.
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BESONDERE LESUNGEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Restaurant-Lesung"
von Bärbel Rädisch
Seit mehr als vier Jahren lese ich einmal im Monat in einem Restaurant
in der Nähe. Im Winter am Kamin, im Sommer im Gartenpavillon. Eine
kleine Fan-Gemeinde freut sich auf das, was ich ausgesucht habe. Ich
lese nicht nur eigenes, sondern auch quer durch die Weltliteratur, und
gebe vorher immer einen kleinen Einblick in das Leben des Autors oder
der Autorin.
Auf die Lesungen aufmerksam geworden, sprach mich die Leiterin der
Bücherei des Nachbarortes an, und dort finden sich nun ebenfalls seit
einem Jahr einmal im Monat meist um die zwanzig Zuhörerinnen und zu-
nehmend auch Zuhörer ein. Weil die Räumlichkeiten nicht so ansprechend
sind, lese ich in einem Café.
Auch umliegende Seniorenheime fragen ab und zu an, auch da lese ich
gerne.
Ich lese zu Hause laut den Text mit Stoppuhr, weil ich finde, länger
als eine Stunde darf die Lesung nicht dauern. Fortlaufende Texte un-
terbreche ich mit weiterführenden Erklärungen, damit meine Zuhörer den
Faden nicht verlieren. Das bedeutet einen großen Zeitaufwand in der
Vorbereitung. Die Regionalzeitungen werden durch mich über die Termine
informiert und drucken sie auch brav ab. Lampenfieber habe ich keins,
weil ich weiß, dass ich gut vorbereitet bin.
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KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR!
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Wann gibt es Essen, kannst du mir mal eben dieses Hemd bügeln, und
kann ich eine von den zwanzig Riesentafeln Schokolade aus dem Keller
haben?"
"Essen gab's erst gestern, Hemd: nein, Schokolade: ja, alle, und jetzt
raus!"
(Franziska Röchter)
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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
---------------------------------------------------------------------
Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
fantasy at experte pt autorenforum pt de
Heftroman: Arndt Ellmer
heftroman at experte pt autorenforum pt de
Historischer Roman: Titus Müller
historischer.roman at experte pt autorenforum pt de
Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Lesungen: Rüdiger Heins
lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
sachbuch at experte pt autorenforum pt de
Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss
fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Technik (physikalisch!): Woldemar Schilgen
technik at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
.................
Experten-Special:
.................
Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur-
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam-
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord-
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin-
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN, Leseprobe,
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062-
tempest2-4.
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDER- UND JUGENDBUCH:
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ich habe einen Abenteuerroman [mit Sachinformationen] geschrieben. Der
Held der Geschichte ist 14 Jahre alt. Die Zielgruppe soll sein: Ju-
gendliche ab 14 und erwachsene [...]-Fans, die sich auf unterhaltsame
Weise [...] aneignen möchten.
Beim Erstellen des Exposés wurde ich von einer Jugendbuch-Autorin auf
das "ungeschriebene Gesetz" aufmerksam gemacht, dass bei Jugendbüchern
das angegebene Lesealter immer mindestens zwei Jahre unter dem des
Helden liegen müsse. Wer dieser Regel nicht folgt, zeigt, dass er sich
im Bereich Jugendbuch nicht auskennt.
Gibt es dieses "Gesetz" wirklich? Sollten sich Newcomer unbedingt dar-
an halten? (Zum Beispiel ist Sofies Welt für Leser ab 14, die Heldin
wird gerade 15.)
Antwort:
Es gibt die Regel, dass der Protagonist zwei Jahre älter sein sollte
als die Zielgruppe. Es ist jedoch eine Regel, kein Gesetz.
Nun ist es grundlegend so, dass Jugendbücher ab 12 Jahren sind. Es
kommt eher selten vor, dass ein Verlag ein Buch speziell ab 13 oder 14
Jahren ausschreibt. Ich empfehle Ihnen daher, Ihren Roman zunächst als
Jugendbuch - ohne gesonderte Altersangabe - anzubieten. Ein interes-
sierter Verlag kann dann selbst entscheiden, ob er die Leseempfehlung
auf 14 Jahre hochsetzen möchte oder bei den üblichen 12 Jahren bleibt.
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Michael Borlik, Jahrgang 1975, schreibt Kinder- und Jugendbücher, vor
allem für den Thienemann Verlag. Sein aktueller Krimi trägt den Titel
"Totgeschwiegen". Mehr Infos unter http://www.borlik.de.
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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Stimmt es das Fantasy im Jugendbuchbereich so gut wie gar keine Chan-
cen mehr hat? Lesen Lektoren auch Exposes von jungen(16)Autoren oder
legen sie diese gleich weg?
Antwort:
Würde ich als Lektor solch einen Brief oder solch eine Anfrage bekom-
men - ich würde das sofort wegwerfen oder löschen. Du beachtest nicht
einmal die notwendigen Formalia in deiner Anfrage, geschweige denn
eine höfliche Anrede zu gebrauchen, deinen Namen darunter zu setzen
oder grundlegende Rechtschreibregeln zu beherzigen. Bei mindestens
vier Fehlern in zwei Zeilen - was glaubst du, wird der Lektor da von
deinem Exposé oder Manuskript erwarten? - Nun zum Inhalt deiner Fra-
gen:
1. Keine Chancen worauf? Geschrieben zu werden? Veröffentlicht zu wer-
den? Gelesen zu werden?
Ich nehme an, es geht dir ums Veröffentlichen. Zwar bin ich kein Ver-
lagsexperte, aber allein schon eine Google-Suche erbringt Tausende von
Treffern. Der Ueberreuter-Verlag hat eine eigene Jugendbuch-Fantasy-
Sparte und schreibt für junge Autoren/innen sogar einen Fantasy-Preis
aus, ebenso der Rowohlt-Verlag. Es gibt große Verlage wie Carlsen und
Ravensburger, kleine und mittlere Verlage wie Juventa und Arena, die
ebenfalls Fantasy für Jugendliche herausbringen. Selbst dtv junior
verlegt Fantasy-Titel, zumindest im Bereich Phantastische Reise.
Allerdings bin ich persönlich nach dem Erfolg der "Tintenherz"-
Trilogie von C. Funke, der "Harry-Potter"-Bänden von J. K. Rowling,
der Bücher von Kai Meyer und anderen Werken der Auffassung, dass es so
etwas wie eine reine Jugendbuch-Sparte in der Fantasy nicht mehr gibt.
Michael Endes "Unendliche Geschichte" ist ebenfalls damals als Jugend-
buch verkauft worden, aber es haben mehr Erwachsene als Jugendliche
gelesen. Der Trend geht zur All-Age-Fantasy, also einer Fantasy, die
alle Lesealter begeistert.
2. Ob Lektoren auch Exposés von jungen Autoren lesen?
Ich bin keine Lektorin bei einem Verlag, daher kann ich das nicht be-
urteilen. Aber wenn Ueberreuter und Rowohlt Wettbewerbe für Jungauto-
ren/innen ausschreiben, dann werden sie die eingesandten Texte sicher-
lich auch lesen. Ob andere Verlage das tun, kann ich nicht sagen. Ge-
nerell werden unverlangt eingesandte Manuskripte kaum gelesen. Meiner
Meinung nach dürfte einem Lektor egal sein, wie alt der Autor oder die
Autorin ist, sofern sie im geschäftsfähigen Alter sind bzw. von den
Eltern die Erlaubnis haben. Immerhin müssen rechtskräftige Verträge
unterschrieben werden.
Das Wichtigste für einen Lektor bleibt: Ist die Geschichte originell
und verkaufbar? Das heißt, er möchte eine lebendige, spannende und
neue Geschichte lesen, die gut geschrieben und professionell aufberei-
tet ist. Was "verkaufbar" heißt, kannst du im Tempest 10-04 und 10-05
dieses Jahres nachlesen, da gibt es einen zweiteiligen Artikel von mir
dazu. Wie man ein Manuskript professionell verfasst, kann man lernen;
allerdings nicht über Nacht, das mag schon mal ein paar Jahre dauern.
Je mehr du schreibst, desto sicherer und geübter wirst du werden.
Bleib also erst einmal beim Schreiben, anstatt schon ans Veröffentli-
chen zu denken. Denn bist du den Verlagen erst einmal als ehrgeiziger,
aber ungeduldiger Autor aufgefallen, werden sie dich und deine Produk-
te künftig meiden. Ungeduldige Autoren können sie nicht gebrauchen,
denn Texte müssen wieder und immer wieder überarbeitet und optimiert
werden.
Lies Fantasy, gute wie schlechte, und vergleiche sie mit deinen Ge-
schichten und deiner Autorenfertigkeit. Schreib, bis du selbst Fort-
schritte siehst. Schließ dich mit Gleichgesinnten (egal wie alt) zu-
sammen. Man kann gut voneinander lernen, wenn man vermeidet, zu lieb
oder zu gnadenlos miteinander umzugehen. Und: Schreib, schreib,
schreib!
Ich wünsche dir viele gute Erfahrungen und viel Schreibfortschritt.
++++++++++
Sehr geehrte Frau Bense,
Im Nachhinein will ich mich hiermit für meine, wohl etwas unfreundli-
che E-Mail, entschuldigen und mich gleichzeitig für die aufschlussrei-
chen Informatinen, die sie mir zugesandt haben, bedanken. In der Hoff-
nung das ich aus meinem Fehler gelernt habe ...
Antwort:
Geht doch! ;-)
Mach dir klar, was du mit einer freundlichen Anrede (oder ggf. un-
freundlichen - kommt immer drauf an) erreichen kannst. Frag dich, was
du von jemandem willst, und dann pass deine Kommunikationsform daran
an. Du wirst ja später (hoffentlich) auch für Leser schreiben oder ein
Verlagsanschreiben formulieren, also musst du wissen, was die gern in
welchem Stil lesen mögen bzw. wann du wie davon abweichen kannst.
Was die Infos angeht: Gern geschehen, denn dafür bin ich ja beim Tem-
pest ehrenamtliche Mitarbeiterin. Falls du noch mehr Infos benötigst,
schau mal in das Buch von Sylvia Englert: "So finden Sie einen Verlag
für Ihr Manuskript: Schritt für Schritt zur eigenen Veröffentlichung",
6. Auflage 2007, Campus Verlag.
Was deine Rechtschreibung betrifft: Da musst du unbedingt nachbessern.
Es sind einfach zu viele Fehler in deinen Sätzen. Die Sprache und wie
du sie verwendest - das ist dein Aushängeschild, damit willst du doch
bei Lektoren und Verlagen punkten. Also beschäftige dich damit! Weder
Künstler noch Handwerker können tätig sein, ohne ihr Material genau zu
kennen. Und dein Material ist die Sprache.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt Schreibkurse und
führt eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröf-
fentlicht sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman. Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
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