Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
"Der Heftroman ? Teil 1"
von Harald M. Landgraf
Buchbesprechung
"Kollege Ich"
besprochen von Gabi Neumayer
Besondere Lesungen
"Regionale Kontakte"
von Marlene Klaus
Interview mit Christoph Lode
Verlagsportrait
"Conte-Verlag"
Erfahrungsbericht
"Das kann ich auch!"
von Jennifer Schreiner
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
der große Sprung von der Idee zur Geschichte, das wäre schon allein
ein Thema für mindestens einen Artikel bei uns. Ebenso wie das Thema:
Wie sieht der Vertrag zwischen AutorIn und LeserIn aus, und was muss
AutorIn tun, um ihn einzuhalten? All das hat Stefanie Bense gewohnt
umfassend, anschaulich und auf den Punkt beschrieben ? als Experten-
antwort. Und wer bisher noch nicht wusste, welche unbezahlbaren Tipps
unsere ExpertInnen auf Lager haben (egal welches Spezialgebiet sie für
uns betreuen), sollte spätestens jetzt einmal genau hinsehen. Es lohnt
sich!
"Das kann ich auch!" Welche/r AutorIn hätte sich das nicht schon mal
anhören müssen? Jennifer Schreiner macht ihrem Unmut (um es mal höf-
lich auszudrücken) über diese und ähnliche Äußerungen Luft und spricht
damit vielen von uns aus der Seele.
Ursula Schmid-Spreer steuert zu dieser Ausgabe ein neues Verlagsport-
rait bei, Hans Peter Roentgen hat Christoph Lode interviewt, dessen
erstes Buch gleich als Spitzentitel erscheint, der Heftromanautor Ha-
rald M. Landgraf führt uns im ersten Teil seines zweiteiligen Beitrags
in die Besonderheiten des Heftromans ein ? und eine neue Idee zum The-
ma "besondere Lesungen" findet ihr in diesem Tempest ebenfalls.
Außerdem stelle ich euch ein Sachbuch vor, das mich wie kaum ein ande-
res in den letzten Jahren berührt hat. "Kollege Ich" handelt von den
Freuden, aber auch sehr ausführlich von den Leiden des Alleinarbei-
tens. Für einsame KämpferInnen ist es Balsam für die Seele, die eige-
nen Schwierigkeiten dargestellt und verstanden zu sehen ? und Hilfen
bietet die Autorin des Buches auch an.
Der Tipp des Monats März, diesmal von Friedhelm Rudolph:
Bei Ereignissen wie Feuerwehreinsatz, Straßenkünstler,
langweilige Vorträge etc. lohnt es sich,
die Zuschauer zu beobachten, nicht so sehr das Ereignis.
Man kann dabei gut verschiedene Typen studieren.
Eins der größten Probleme, mit denen FreiberuflerInnen zu kämpfen ha-
ben, ist die Frage, wann die nächsten Honorare kommen und ob sie für
die Miete oder die Heizungsreparatur oder ... ausreichen. Mit eurem
freiwilligen Jahresbeitrag könnt ihr dazu beitragen, diese Sorge bei
uns ein wenig zu lindern. Danke!
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2008"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01
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ISSN 1439-4669 Copyright 2008 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
"Der Heftroman ? Teil 1"
von Harald M. Landgraf
Buchbesprechung
"Kollege Ich"
besprochen von Gabi Neumayer
Besondere Lesungen
"Regionale Kontakte"
von Marlene Klaus
Interview mit Christoph Lode
Verlagsportrait
"Conte-Verlag"
Erfahrungsbericht
"Das kann ich auch!"
von Jennifer Schreiner
Frag die Expertin für Fantasy
(Stefanie Bense)
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum
~~~~~~~~~
Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein-
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen
Jahrgänge zu erstellen.
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HALL OF FAME:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema:
.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre. Zusätzlich könnt ihr in maxi-
mal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) weitere Infos zu eurem Buch unterbrin-
gen.
.......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. Schickt eure Texte
unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden!
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Susanne Oswald: "Entspannung für Körper und Seele", Gondrom Verlag
2008. Sachbuch / Geschenkbuch. Reihe Badewannenmeditationen,
www.susanneoswald.de
Luisa Hartmann: "30 Geburtstagsgeschichten", Verlag an der Ruhr 2008.
ISBN 978-3-8346-0369-2, Paperback., 96 S., EUR 12,80
Peter Mitmasser: "Glück aus dem Supermarkt", Edition Schreiblöwe 2007.
Höhen, Tiefen, Liebe, Mord ? "Die Presse", 30.12.2007
Lili van Deijk: "Storm und Wind", Mohland 2007, Kriminalroman. Schau-
platz ist die norddeutsche Stadt Husum
Hubert Neumann: "Lusthängen", Gardez-Verlag 2007, Thrillergroteske.
http://www.gardez.de
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SCHREIB-KICK:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den März, diesmal von Jenni Schreiner:
Was ein Kind gesagt bekommt: "Der liebe Gott sieht alles", "Alles Gute
kommt von oben" ...
Die Zeiten haben sich geändert, die Haltungen vieler Erwachsener
nicht. Wie sehen heute Ratschläge und Empfehlungen aus?
Reihe sie zu einem Gedicht, pro Spruch eine Zeile. (Reime sind natür-
lich nicht erforderlich.)
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LESE-TIPP:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://www.dsfo.de/: Über 1.500 AutorInnen (die Statistik dazu gibt's
übrigens gleich auf der Startseite!) tummeln sich hier, tauschen sich
in verschiedenen Foren übers Schreiben aus, posten Texte, kritisieren,
beraten sich, machen Umfragen und vieles mehr.
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AUTORENWISSEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Der Heftroman ? Teil 1"
von Harald M. Landgraf
Keine andere Literaturgattung wird so belächelt, geschmäht und herab-
gewürdigt wie der "Groschenroman". Es gibt jedoch auch keine andere,
die ähnlich massenhaft aufgelegt und konsumiert wird.
Das Romanheft entstand in den ersten Nachkriegsjahren, in einer Zeit,
in der die Sehnsucht nach einer heilen Welt groß war. So war sein-
erzeit der Traum für 30 Pfennig oft die einzige Abwechslung neben dem
Kino mit seinen Filmen, die allesamt den Inhalten der "Groschenromane"
glichen. Die Leser wollten keine Wirklichkeit; sie hatten die Nase
voll von Leid und Entbehrungen und von den Kämpfen um ein paar Eier
oder um ein Stück Brot. Sie wollten wieder träumen, wollten sich der
Hoffnung hingeben, alles würde doch wieder gut werden. Es wurde auch
wieder gut. Der Heftroman aber ist geblieben und mit ihm all die
Träume, die Sehnsucht nach Liebe, Glück und Geborgenheit und die Hoff-
nung auf ein gutes Ende.
Was ist ein Heftroman?
Er versteht sich als Unterhaltungsroman, er will nicht bilden, nicht
belehren und keine Probleme lösen. Kein Heftroman erhebt den Anspruch,
in die Weltliteratur einzugehen. Er muss es nicht, denn er gehört, um
es fachlich zu sagen, zu den "kurzlebigen Druckerzeugnissen".
Also eine Ex-und-hopp-Literatur? Ganz so einfach ist es nicht. Roman-
heftleser sind ein in sich treues Publikum. Darin hat der Autor, wenn
es ihm gelingt, die Leser auf seine Seite zu ziehen, einen festen
Platz. Zumindest ist er seinem Stammpublikum bekannt. Daher werden
bestimmte Romane bestimmter Autoren wieder und immer wieder aufgelegt.
Der Heftroman kann es sich nicht erlauben, komplizierte Handlungen in
Szene zu setzen, und darf sich keinesfalls an puren Schilderungen
festklammern. Es bleibt keinerlei Raum für die epische Breite, wie sie
im "großen Roman" verlangt und auch zu Recht durchgespielt wird.
Gefragt sind Bewegung und Action, wobei kein noch so toter Gegenstand
leblos bleiben darf und es die schwierige Aufgabe des Autors ist,
alles ? zumindest fast alles ? in die Handlung zu packen. Der Heftro-
man ist kompakt und soll dicht geschrieben sein, aber dennoch einen
mühelosen Überblick verschaffen, und er darf die Leserschaft nicht
überfordern.
Details und Abschweifungen
Ein gutes Exposé ist notwendig ? keine Erklärung! Ein Manuskript, das
man erklären muss, ist kein gutes Manuskript. Erklärungen will kein
Lektorat.
Ebenso wenig wünscht der Leser so etwas; ihm ist die Handlung wichtig,
und es ist ihm völlig egal, ob das Liebespaar auf einer grün oder rot
gestrichenen Bank sitzt. Mit einer Steinbank unter einer Trauerweide
kann ich Stimmung machen, zumal wenn vielleicht Sonnenuntergang und
verschlafenes Vogelgezwitscher den Hintergrund beherrschen. Ich muss
nicht unbedingt noch erklären, dass die Bank mit Moos bewachsen und
123 Jahre alt ist. Der Leser möchte wissen, was sich auf dieser Bank
abspielt. Genau das und kein bisschen mehr! Es ist sehr wichtig, Stim-
mungen und damit Gefühle zu entwickeln, in denen sich die Leser ein-
fach loslassen und hingeben können. Das Detail wird nur wichtig, wenn
es der augenblicklichen Handlung dient, wenn es nicht davon ablenkt,
sondern sie abrundet.
Der Heftroman schildert auch keine Familiensaga. Er erzählt, ähnlich
der Novelle, von einem Geschehen, das sich jetzt, hier und heute er-
eignet. Abschweifungen in das, was vorher geschah, dürfen allenfalls
kurz eingeflochten werden, sofern sie dem Verständnis dienen. Man darf
keine Geschichte in der Vergangenheit beginnen und dann die Handlung
katapultartig in die Gegenwart schießen. Das macht den Lesertraum ka-
putt und unterbricht den Fluss. Es stört den Leser, wenn ihn gerade
etwas fesselt und dann plötzlich ein anderes Geschehen mit anderen
Personen auftaucht ? eben ein Umstand, mit der er sich erst wieder
vertraut machen muss.
Wie eine gute Operette
Wenn man den Heftroman vom Aufbau her mit einer guten Operette ver-
gleicht, kommt man dem Kern sehr nahe. Es gibt ein Heldenpaar und ein
Buffopaar. Den Buffos ist es gestattet, die Handlung mit etwas
Heiterkeit zu würzen, denn die Hauptpersonen dürfen keinesfalls ko-
misch wirken. Auch können die Buffos die "Tragöden" der Nebenhandlung
sein. Niemals aber dürfen Haupt- und Nebenhandlung nebeneinander her
laufen. Die Nebenhandlung muss eng mit der Haupthandlung verknüpft
werden und darf nicht weniger spannungsgeladen sein als das
Hauptgeschehen.
Dieses Hin und Her, mit dem man den Leser herumschubst, erfordert viel
Geschick und Erfahrung, da manche Szenen nahezu zeitgleich spielen.
Reißt der Spannungsbogen ab, wird oft "überblättert". Anfänger machen
häufig den Fehler, eine großartige Nebenhandlung zu schreiben, die
dann im Holterdipolter des Happy Ends sang- und klanglos untergeht. Im
Nu steckt der Autor mit seiner tollen Nebenhandlung in einer Sack-
gasse. Dann wird bestenfalls die sehr schlechte Möglichkeit genutzt,
die überflüssigen Personen zwischen den Zeilen sterben zu lassen.
Doch der Leser möchte kein halbes Happy End. Er verlangt eine runde
Sache. Sonst passiert das, was sich oft bei einem Film ereignet, des-
sen Handlung ganz prima war und von dem dann doch nur gesagt wird: "
aber das Ende war blöd!"
Die Themen des Heftromans
Es gibt Themen, die im Heftroman nicht gewünscht sind und von denen
man besser die Finger lässt. Gerade Anfänger sind der Meinung, etwas
ganz Neues, etwas noch nie Dagewesenes schreiben zu müssen. Versuchen
Sie es nicht! Sie werden eine Bauchlandung erleben. Der Heftroman ist
unglaublich konservativ und an ungeschriebene Gesetze gebunden, die
jeder kennen muss, bevor er sich in diesem Genre versucht.
Geschichten aus dem Künstlermilieu, von Schauspielern, Zirkusleuten,
Opernsängern und überhaupt allen Personen, die mit Ruhm und Ehre de-
koriert sind, lehnt die Leserschaft ab. Sie ist auch nicht zu Komprom-
issen bereit, wenn beispielsweise ein armes Mädchen zur begnadeten
Opersängerin oder Filmschauspielerin avanciert. Die Leser wissen, dass
ihnen diese Welt immer fremd bleiben wird, und können sich schwer
damit identifizieren. Viele wollen auch gar nicht ins Rampenlicht und
deshalb darüber auch nichts lesen. Mit diesen Themen wurden viele Ver-
suche unternommen. Die Erfahrungen waren nicht gut; der Erfolg hielt
sich in Grenzen. [Anders sieht es jedoch mit der den meisten ebenso
fremden Welt des Adels aus; dazu mehr im zweiten Teil dieses Beitrags
im nächsten Tempest. ? die Red.]
Auch mit dem Sex und der Erotik muss man äußerst vorsichtig umgehen.
Wenn jemand glaubt, mit einem ungeheuer erotischen Roman den Knaller
landen zu können, wird er enttäuscht werden. Schweinigeleien haben im
Heftroman nichts verloren, denn die Leser lehnen das rundweg ab. Dass
die Liebenden ins Bett, ins Heu oder wohin auch immer gehen, weiß der
Leser, und man darf das auch sagen. Aber man darf den Helden nicht die
Hosen ausziehen oder das Ehebett auf den Tisch legen! Nichts gegen
Robins oder Jelinek, doch deren Platz ist anderswo.
[In Teil 2 dieses Artikels im nächsten Tempest geht es um die ver-
schiedenen Untergenres des Heftromans und um die angemessene Sprache.
? die Red.]
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Harald M. Landgraf wurde 1947 im oberfränkischen Coburg geboren und
begann schon früh mit dem Schreiben kleiner Geschichten für Jahrbücher
und Kalenderblätter. 1969 veröffentlichte er seinen ersten Heftroman;
ihm sind an die 1.000 weitere Werke sowie zahlreiche Kurzgeschichten
und True-Stories gefolgt. www.autorenbriefkasten.webseite.ms
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BUCHBESPRECHUNG:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Kollege Ich"
besprochen von Gabi Neumayer
Autorinnen tun es und Maler, Versicherungsvertreter und Maklerinnen,
aber auch Lehrerinnen und Ladenbesitzer: Sie arbeiten allein. Das be-
deutet nicht unbedingt, dass sie beim Arbeiten allein sind ? LehrerIn-
nen haben ebenso wie VertreterInnen ständig Menschen um sich. Aber als
Kollege haben sie beim Arbeiten in der Regel ? nur sich selbst.
Genau das macht für viele den Reiz des Alleinarbeitens aus: keine
nervigen Kollegen, kein ungerechter Chef, kein Mobbing am Ar-
beitsplatz. Und natürlich die Freiheiten bei der Arbeitszeit-
gestaltung, Selbstbestimmung, Flexibilität, die komplette Verantwor-
tung und damit auch der ungeteilte Stolz auf Geleistetes.
Doch die Schattenseiten sind ebenfalls zahlreich, obwohl kaum jemand
darüber spricht. Gudrun Sonnenberg tut es doch, und zwar ausführlich,
und sie lässt zahlreiche "AlleinarbeiterInnen" zu Wort kommen. Von
Existenzängsten, Einsamkeit und Depressionen ist da die Rede, von der
Angst vor Akquise, von Markteinbrüchen, die die gesamte berufliche
Existenz in Frage stellen, von vergeblichen Kämpfen, Motivationstiefs,
sozialen Nöten, Versagensgefühlen und Überforderung. Alles Jammerlap-
pen? Wer jemals längere Zeit allein gearbeitet hat, weiß, dass aus-
nahmslos jede/r mit solchen Phasen zu kämpfen hat. Natürlich ebenfalls
allein, denn auch PartnerInnen und FreundInnen können da kaum helfen,
wenn sie diese Situation nicht aus eigener Erfahrung kennen.
Doch es gibt Mittel und Wege, die Schwierigkeiten des Alleinarbeitens
zu bewältigen, und denen widmet Sonnenberg sich ebenfalls ausführlich.
Vor- und Nachteile von Gemeinschaftsbüros sind ebenso ein Thema in
diesem Buch wie Netzwerke gegen die Einsamkeit, Motivationstricks und
kluge Hinweise zur Selbstorganisation, zur Arbeitsplatzgestaltung und
zu realistischer Planung. ? All das übrigens ganz ohne Checklisten
und bunte Piktogramme, dafür in einem großartigen Stil geschrieben:
sachlich, präzise, anschaulich und einfühlsam zugleich.
Für AutorInnen und andere Freiberufler kann es nicht nur hilfreich
sein, dieses Buch zu lesen, sondern eine regelrechte Befreiung. Denn
eigentlich ist es doch toll, allein und selbstbestimmt zu arbeiten,
kein Grund zu jammern! Das, gepaart mit einer Portion Neid, meinen
Außenstehende in der Regel, und auch die AlleinarbeiterInnen selbst
gestehen sich die oft erdrückenden Schwierigkeiten dieser Art von
Berufstätigkeit nicht ein. Hier lesen sie, dass man nicht allein sein
muss, auch wenn man allein arbeitet, dass es Möglichkeiten gibt, die
verschiedenen Schwierigkeiten zu meistern und glücklich zu sein mit
dem, was man tut ? und dass man auch aufgeben darf und sollte, wenn es
wirklich nicht mehr geht (und wie man das herausfindet).
Ein wunderbares Buch ? und für alle, die allein arbeiten oder es
vorhaben, das einzige, das sie unbedingt lesen müssen.
Gudrun Sonnenberg: "Kollege Ich. Die Kunst, allein zu arbeiten", 2005,
222 Seiten, 18 Euro, Pendo Verlag (auch als Hörbuch für 12,80 Euro
erhältlich)
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BESONDERE LESUNGEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Regionale Kontakte"
von Marlene Klaus
Ich bin in einer regionalen AutorInnen-Gruppe, die dafür bekannt ist,
an ungewöhnlichen Orten zu lesen. Die regionalen Kontakte dazu ergeben
sich aus der Bekanntheit der drei Gründer der Gruppe.
Unsere Lesungen sind immer gut besucht. Wir verlangen allerdings
keinen Eintritt, bitten am Schluss um Spenden, aus welchen wir auch
ggf. Getränke und Snacks für Veranstaltungen zahlen, soweit das nicht
die Organisatoren machen. Aus diesem Topf werden auch Fahrkosten er-
stattet.
Wir lasen zum Beispiel bereits:
? in einer Schmuckwerkstatt
? in einem Aussiedlerbauernhof (Scheune/Maschinenhalle: Lesung im
Stroh)
? in einer Kirche
Geplant ist demnächst eine Lesung im Foyer eines Hallenbades.
Wir kommen gut an, was auch daran liegen mag, dass wir unter wechsel-
nder Besetzung und mit oft lustigen Texten lesen.
Unter www.edition-lesezeit.de kann man die Orte und die Gruppe anse-
hen.
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INTERVIEW:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Beim Schreiben geschieht sehr viel unter der Oberfläche"
Interview mit Christoph Lode
Christoph Lode hat etwas geschafft, von dem alle Nachwuchsautoren
träumen: Sein Erstling "Der Gesandte des Papstes" erschien 2008 als
Spitzentitel bei Page & Turner (Goldmann), einem Verlag von Random
House. Ein zweites Buch ist unter Vertrag und in Arbeit. Christoph
Lode ist Jahrgang 77 und arbeitet in einer psychiatrischen Klinik bei
Heidelberg.
Hans Peter Roentgen: Dein Buch spielt zu großen Teilen in Trapezunt
und Armenien zur Zeit der Mongolenherrschaft. Warum diese Gegend,
diese Zeit?
Christoph Lode: Diese Schauplätze ergaben sich zwingend aus der Hand-
lung. Als ich den Plot ausarbeitete, brauchte ich ein Land, das schon
im 4. Jh. das Christentum als Staatsreligion hatte. Da kam nur Ar-
menien in Frage. Trapezunt war im Mittelalter der größte Handelsknoten
von Ost-Kleinasien; hier prallten die unterschiedlichsten Kulturen
aufeinander: Byzantiner, Mongolen, Seldschuken, Mameluken und viele
mehr. Das hat mich fasziniert, außerdem war es nur logisch, dass meine
Charaktere diese Stadt auf dem Weg nach Armenien besuchen.
HPR: Verlage lieben das Gängige, heißt es immer. Bei historischen Ro-
manen möglichst Mittelalter, Europa oder die Kreuzzüge. Dein Buch ist
zwar Mittelalter, aber dein Held todkrank, der Ort der Handlung nicht
Europa, sondern völlig unüblich und abgelegen, und die Kreuzzüge sind
auch schon vorbei. Gab es deswegen Probleme?
CL: Überhaupt nicht, weshalb ich diese angeblichen Verlagsvorlieben
auch nicht bestätigen kann. Ich glaube, man darf ohne weiteres mit
Genrekonventionen brechen, so lange man es gut macht.
HPR: Wie sah das Lektorat aus, nachdem der Verlag das Buch angenommen
hatte? Was wurde da geändert, wie lange dauerte die Überarbeitung?
CL: Inhaltlich wurde nichts geändert, nur stilistisch. Gedauert hat
das etwa zwei bis drei Wochen. Als ich das redigierte Manuskript
zurückbekam, habe ich 80 Prozent der Änderungsvorschläge meiner Lek-
torin akzeptiert. Die übrigen 20 Prozent haben wir am Telefon be-
sprochen.
HPR: Wie bist du zu der Literaturagentur Schlück gekommen? Und wie
gestaltete sich dann die Suche der Agentur nach einem Verlag?
CL: Zur Agentur Schlück kam ich über einen Freund, der schon seit me-
hreren Jahren von Bastian Schlück vertreten wird. Er empfahl meinen
Roman, worauf ich das Manuskript per E-Mail an die Agentur schickte.
Es wurde am Wochenende gelesen; am Montag kam dann der Anruf, dass man
gerne mit mir zusammenarbeiten möchte.
Die Suche nach einem Verlag ging dann sehr schnell über die Bühne. Ich
hatte kaum den Agenturvertrag unterschrieben zurückgefaxt, da hatte
mein Agent das Manuskript schon einer Lektorin von Goldmann bzw. Page
& Turner angeboten. In den darauffolgenden Tagen schickte er es an
weitere Verlage; neben Goldmann hatten drei andere Verlage Interesse.
Allerdings war das Angebot von Goldmann so gut, dass wir uns
schließlich dafür entschieden.
HPR: Womit hast du dein Buch begonnen, was war als Erstes da? Eine
Figur, ein Bild oder ein Stück Plot?
CL: Ganz am Anfang stand die Idee eines christlichen Ritters, der sich
auf eine Pilgerfahrt in den Nahen Osten begibt ? entstanden aus meinem
Interesse für die Epoche der Kreuzzüge und den mittelalterlichen Is-
lam.
HPR: Aber auch das Antoniusszepter oder zumindestens eine christliche
Reliquie war schon früh Bestandteil deiner Geschichte?
CL: Früh, aber nicht von Anfang an. Den Entschluss, diesen Roman zu
schreiben, fasste ich erst, als ich die Idee mit Raouls Krankheit
hatte. Da wusste ich: Diese Geschichte ist etwas Besonderes. Dann bra-
uchte ich einen MacGuffin, ein plotauslösendes Element, und machte
mich in der christlichen Mythologie auf die Suche. Irgendwann stieß
ich auf Antonius und seinen T-förmigen Gehstock, aus dem das Zepter
entstand. Das dürfte die Geburt des Plots gewesen sein.
HPR: Wie entstand dann der Text? Hast du erst Personenbeschreibungen
erstellt oder geplottet oder hast du einfach losgeschrieben?
CL: Ich bereite jeden Roman akribisch vor. Beim "Gesandten" habe ich
für jede Figur ein ausführliches Dosier angelegt, den Plot genau kon-
struiert und gleichzeitig recherchiert. Erst als ich meine Geschichte
genau kannte, fing ich mit dem Schreiben an. Damit war die Arbeit am
Plot aber nicht abgeschlossen. Jede neue Idee, die mir beim Schreiben
kam, prüfte ich auf ihre Auswirkungen auf die Handlung und änderte den
Plot entsprechend.
HPR: Wie viel ändert sich bei deinem Plot im Laufe des Schreibens? Wie
stark haben sich zum Beispiel Figuren im "Gesandten des Papstes"
während des Schreibens verändert?
CL: Der Plot, wie er im Storyboard steht, ändert sich laufend während
des Schreibens. Figuren lassen unerwartet mehr Potential erkennen,
werden aktiver, was sich direkt auf die Handlung auswirkt. Klischees,
die man bei der ersten Ausarbeitung der Charaktere nicht erkannt hat,
werden abgeschliffen und gebrochen, während man die Figuren besser
kennenlernt. Die größte Wandlung hat Kadar al-Munahid, der
Gegenspieler, durchgemacht. Seine Vorgeschichte nahm mit der Zeit im-
mer mehr Raum ein, was seinem Charakter, so hoffe ich, mehr Tiefe ver-
liehen hat und mir die Möglichkeit gab, von einer plumpen Schwarz-
Weiß-Zeichnung wegzugehen.
HPR: Welchen Umfang hatte die Überarbeitung, nachdem du die erste
Textfassung fertig gestellt hast? Hat sich da am Plot, an den Personen
oder am Stil noch viel geändert?
CL: Ich habe den Gesandten sehr umfangreich überarbeitet, was schon an
der Seitenzahl ersichtlich wird: Die erste Fassung des Romans hatte
440 Seiten, die zweite über 510. Am Plot hat sich nicht viel geändert,
außer dass ich die eine oder andere Szene hinzugefügt habe, um den
Spannungsbogen in der Mitte aufzupeppen und manche Figur deutlicher zu
beleuchten. Die meisten Änderungen und Ergänzungen betrafen die
Hauptfigur. In der ersten Fassung war sie zu blass, zu konturlos ? zu
nett. Also versah ich sie mit mehr Ecken und Kanten und einer ausführ-
licheren Vorgeschichte. So entstand das erste Kapitel, das in der er-
sten Fassung gar nicht enthalten war.
Stilistisch nehme ich die üblichen Änderungen vor: Schachtelsätze,
Modernismen und Wiederholungen raus, schiefe Bilder geraderücken,
Sprachklischees durch frischere Formulierungen ersetzen usw.
HPR: Gab es am Anfang bereits eine Vorstellung, wie die Geschichte
ausgehen würde?
CL: Das Ende stand von Anfang an fest. Allerdings wusste ich noch
nicht genau, wie für meine Hauptfigur die Geschichte enden würde. Das
habe ich erst festgelegt, als schon knapp die Hälfte des Romans
geschrieben war.
HPR: Die Gestalt des todkranken Ritters ist dir gekommen, als ein na-
her Angehöriger an Krebs erkrankt ist. Gibt es mehr solche Dinge, bei
denen Konflikte und Probleme aus deinem Leben in deinen Texten wieder
auftauchen?
CL: Sicherlich gibt es in meinen Texten haufenweise Bezüge zu meinem
Leben, allerdings fällt es mir schwer, diese zu erkennen. Das
geschieht auf einer unbewussten Ebene; ich schaue mir nicht mein Leben
an und denke: Über dieses Erlebnis könntest du eigentlich mal schrei-
ben. Dass meine Hauptfigur an einer ähnlichen Krankheit leidet wie vor
einigen Jahren ein Verwandter, ist sicher kein Zufall, aber es war
auch nicht geplant. Mir ist dieser Bezug erst hinterher aufgefallen
und hat bei mir für einige Verblüffung gesorgt.
HPR: Wie wichtig sind deiner Meinung nach derart unbewusste Bezüge
beim Schreiben?
CL: Schwer zu sagen. "Unbewusst" heißt ja, dass man derartige Aspekte
nur schwer fassen kann. Ich glaube jedoch, dass sie sehr wichtig sind.
Beim Schreiben geschieht sehr viel unter der Oberfläche, etwa bei der
Entstehung von Ideen. Da verbinden sich persönliche Erfahrungen, Wün-
sche, Ängste, Gelesenes, Gesehenes und die berühmten Was-wäre-wenn-
Fragen zu etwas Neuem. Wenn eine Idee kommt, sieht es ja immer so aus,
als wäre sie aus dem Nichts erschienen. Aber vermutlich ging ihr ein
langer unbewusster Prozess voraus.
HPR: Auf deiner Homepage sagst du, dass du manchmal den Eindruck hast,
du müsstest keine Geschichte erfinden, sondern eine vorhandene aus dem
Wust der Fakten und Ideen ausgraben. Ähnliches sagt auch Stephen King.
War das ein einmaliger Eindruck bei diesem Buch, oder hattest du schon
öfter dieses Gefühl?
CL: Diesen Eindruck hatte ich beim "Gesandten" und habe ihn wieder bei
dem Roman, an dem ich momentan arbeite. Bei dem Buch zwischen dem "Ge-
sandten" und dem aktuellen Projekt hatte ich das Gefühl, ich müsse mir
die Geschichte hart erarbeiten. Ich glaube aber nicht, dass man das
dem Resultat anmerkt. Mein zweiter Roman ist in mehrfacher Hinsicht
reifer als der "Gesandte".
HPR: Wie lange schreibst du schon? Hast du vor dem "Gesandten des Pap-
stes" schon andere Manuskripte geschrieben, die aber nicht veröffen-
tlicht wurden?
CL: Ich schreibe seit knapp zehn Jahren und habe vor dem Gesandten
drei Romane und mehrere Erzählungen und Kurzgeschichten geschrieben ?
insgesamt gut 2.000 Seiten. Allerdings habe ich gar nicht erst ver-
sucht, etwas davon zu veröffentlichen, von einer Teilnahme an einem
Wettbewerb abgesehen. Nichts davon war gut genug, um es jemandem zuzu-
muten. Der "Gesandte" war der erste Text, von dem ich dachte, er kön-
nte reif für eine Veröffentlichung sein.
HPR: Historische Stoffe erfordern ausführliche Beschreibungen, du
schreibst eher knapp und fügst später Beschreibungen ein. Wie sieht
das konkret aus?
CL: Meine Erstfassungen fallen immer recht knapp aus, aber das liegt
nicht unbedingt an einem Mangel an Beschreibungen. Meine Schauplätze
sind eigentlich von Anfang an plastisch ausgestaltet, weil das etwas
ist, das mir sehr leicht von der Hand geht. Dafür kommt manche Neben-
handlung zu kurz, Figurenmotivationen sind nur angedeutet und brauchen
mehr Raum in der Geschichte, das Potential des Plots ist nicht optimal
ausgenutzt. Bei der Überarbeitung baue ich daher kaum neue
Beschreibungen ein, sondern zusätzliche Szenen und mehr Innenansicht
der Charaktere.
HPR: Was fällt dir persönlich beim Schreiben besonders schwer? Gibt es
dabei etwas, das du gerne besser können würdest?
CL: Die allererste Seite ist immer die schwierigste. Manchmal überlege
ich tagelang, mit welchem Satz der Roman beginnen könnte. Und wenn ich
dann einen ersten Satz habe, geht der Kampf mit dem ersten Absatz
weiter. Ich hätte nichts dagegen, wenn mir das leichter fallen würde.
HPR: Wenn du zurückdenkst an dein erstes Manuskript: Was fällt dir
heute beim Schreiben leichter? Gibt es etwas, das dir jetzt schwerer
fällt?
CL: Was mir heute leichter fällt, ist einfach zu beantworten: alles ?
angefangen beim Aufbau einer Geschichte über die Dialogführung bis hin
zur Charakterisierung der Figuren. Es gibt Autoren, die Prosaschreiben
für eine reine Übungssache halten. Diese Ansicht teile ich zwar nicht,
aber sie stimmt insofern, als dass man die handwerklichen Aspekte wie
Stil und Dramaturgie trainieren kann und durch viel Übung leichter
Zugang zu Ideen bekommt.
Dafür bin ich perfektionistischer als früher. Die Unbeschwertheit, mit
der ich an meine ersten Texte heranging, ist ein Stück weit verloren
gegangen. Und es gibt Tage, an denen ich diese Naivität schmerzlich
vermisse.
HPR: Herzlichen Dank für das Interview.
Homepage des Autors: http://www.christoph-lode.eu
Rezension: http://www.literatur-fast-pur.de/HP/3hp_rezis.html
Leseprobe:
http://www.randomhouse.de/book/excerpt.jsp?edi=241667&isbn=97834422032
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Das Buch bei Amazon: http://www.amazon.de/Gesandte-Papstes-Christoph-
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VERLAGSPORTRAIT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Conte-Verlag
Buhles und Wirtz GbR
Am Ludwigsberg 80-84
66113 Saarbrücken
Telefon: (06 81) 4 16 24-28
Fax: (06 81) 4 16 24-44
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http://www.conte-verlag.de
Der Verlag
Stefan Wirtz und Roland Buhles gründeten im November 2001 den Conte
Verlag. Dazugekommen sind seither: eine Pressereferentin, die auf 400-
Euro-Basis arbeitet und noch studiert, ein Grafiker, der die Bücher
und den Verlagsauftritt gestaltet, drei Lektorinnen, die nebenberu-
flich die Manuskripte sichten und bis zum Buch betreuen, und immer mal
wieder PraktikantInnen.
Darüber hinaus wird der Verlag unterstützt von Grafikern und Web-
designern und von einem Verlagsvertreter, der hilft, die Titel in den
Buchhandel zu bringen. In Buchhaltungs- und Steuerangelegenheiten wird
der Verlag ebenfalls von Fachleuten unterstützt.
Wirtz und Buhles zielen darauf ab, dass die Arbeit im Conte-Verlag vom
zeitaufwendigen Hobby zum Hauptberuf werden kann. Die beiden Ver-
lagsinhaber sind als Geschäftsführer der Prisma Verlagsdruckerei mit
fünf Mitarbeitern tätig, die sich auf die Herstellung von Büchern und
Broschüren in kleinen Auflagen (bis 1.200) Stück spezialisiert hat.
Die Druckerei arbeitet für verschiedene Verlage, meist aus dem Bereich
Wissenschaft.
Die Verlagsgründung
"Ich will, dass du mein Buch machst", sagte eine Freundin zu Roland
Buhles, und er nahm sie beim Wort. Dazu kam der Wunsch, noch mal was
Neues anzufangen, etwas Bedeutsames auf die Beine zu stellen. Die bei-
den Verleger waren durch den Erwerbsberuf, Ausbildung (Literaturwis-
senschaft) und aus Neigung (Lesen, Buchliebhaber) vorbelastet. Sie
"übten" dann mit zwei anderen Verlegern ein Jahr lang ? das Projekt
kam aber nicht ins Laufen. So begannen sie zu zweit als Conte-Verlag.
Das erste Buch erschien im Januar 2002 ? heute sind es fast 80. Bis-
lang konnten in jedem Jahr deutliche Zuwächse verzeichnet werden. Dazu
kamen, ganz banal, Erfolge und Niederlagen, unerfüllte Träume und
übertroffene Erwartungen, jede Menge Arbeit und fast genauso viel
Spaß.
Das Verlagsprogramm
Gute, schöne, interessante Bücher ? das ist die einfache Losung der
beiden Verleger. Sie machen Bücher für ein neugieriges Publikum mit
Geschmack. Oberflächliche Massenware interessiert genauso wenig wie
Abwegiges. Und was die Verleger selbst nicht begeistert, können sie
auch schlecht verkaufen. Literarische Qualität ist kein Hindernis.
Die Bücher sollen für Menschen inner- und außerhalb der Region und
darüber hinaus interessant sein ? wie etwa Sport- oder Fotografie-
Begeisterte den Bildband "Foto: Hartung" zu schätzen wissen und Tier-
freunde den "Wolfsfreund". Außerdem gibt es zum Beispiel: die Reihe
"Conte Roman", die literarische Relevanz für sich beansprucht, die
Reihe "Libri Vitae" mit Lebensgeschichten, die Lokalkrimis der Reihe
"Conte Krimi", deutsch-französische Titel, die Reihe "Conte Poesie",
außerdem wissenschaftliche und Sachbücher.
Nichts anfangen kann der Verlag mit Kinderbüchern (zwei gescheiterte
Versuche), Fantasy und Märchen. Bei Bänden mit Erzählungen und Kurz-
geschichten hatten sie ebenfalls keine Erfolge, daher wurde das Ange-
bot stark eingeschränkt.
Thematisch sind die beiden Verleger für vieles offen, solange es keine
rassistischen oder chauvinistischen Vorurteile bedient oder pornograf-
isch ist. Ein Bezug zu den gesellschaftlichen Realitäten darf gerne
erkennbar sein.
AutorInnen gesucht?
Für 2008 steht das Programm schon fast komplett. Aber in der Regel hat
der Verlag pro Jahr etwa für drei Titel von neuen AutorInnen Platz.
Conte hält Ausschau nach Leuten, die etwas erreichen wollen. Wenn je-
mand nur mal seinen Namen auf einem Umschlag sehen will, ist der
Conte-Verlag der falsche Ansprechpartner. Die AutorInnen arbeiten da-
ran mit, dass sie Erfolg haben. Sie werben für ihre Bücher, betreiben
selbst Pressearbeit und suchen ihr Publikum bei Lesungen und Veran-
staltungen. Zu Hause darauf zu warten, entdeckt und erfolgreich zu
werden, hat noch nie funktioniert.
Über die bisher verlegten AutorInnen kann man sich auf der Website des
Verlags informieren.
Konditionen
Wir bieten die für kleine Publikumsverlage branchenüblichen Kondi-
tionen. Die belletristischen Bücher sollen sich über den Verkauf
bezahlt machen. Um es aber herein klar zu sagen: Reich werden kann man
als AutorIn bei einem kleinen Verlag eher nicht ? auch wenn wir daran
arbeiten.
Was ist besonders wichtig?
Wer uns seine Unterlagen zuschickt, sollte beachten: Der Verlag bra-
ucht für eine erste Sichtung eine Textprobe von etwa 20 Seiten, ein
Exposé, bei dem auch der Schluss drin steht, und was der Verlag über
den / die AutorIn wissen sollten (Alter, Beruf, bereits veröffentlicht
? was und wo?, Erfahrungen mit Schreiben / Lesungen?, Pläne / Ziele
etc.). Rückporto und Umschlag dazu, wenn die Unterlagen noch mal
zurückkommen sollen.
Ein Buch braucht meistens ein knappes Jahr Vorlauf. Es kann dauern.
Geduld ist also auch gefragt.
Zukunftspläne, Perspektiven
2008 will der Verlag die Reihe "Einwürfe" starten ? aktuelle Beiträge
zu Politik und Gesellschaft. Und natürlich jede Menge Bücher unter die
Leute bringen.
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ERFAHRUNGSBERICHT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Das kann ich auch!"
von Jennifer Schreiner
Es gibt einen Satz, der alle Schriftsteller dieser Welt auf die Palme
bringt. Ebenso wie alle Autoren. Ja, selbst die Hobbyschreiber!: "Das
könnte ich auch!" Abgewandelt kann der Satz ? wir sind ja flexibel ?
auch so klingen:
? "Das kann ich auch."
? "Das tut doch jeder."
? "Aha." (In der richtigen Betonung ist das Aha sehr vielsagend.)
? "Schreiben? Das ist doch nicht schwer!"
? "Schreiben? Das mache ich auch!"
Solche Sätze sind eine vielleicht unüberlegte, aber dadurch nicht
weniger klare Herabsetzung von Jahren harter Arbeit. Ich sage doch
auch nicht: "Hei, ich vertrete Sie vor Gericht ? ich habe Ally MacBeal
gesehen!" Und wenn ich so etwas sagen würde, würden alle Juristen
empört aufschreien. Wenn Schreiber aller Genres und aller Passionen
dasselbe tun, gelten sie als zickige Künstler. Kunst ist eben relativ.
Warum eigentlich? Weil es keinen Ausbildungsweg gibt? Kein Auslesever-
fahren?
1. Das macht es aber doch schwerer, nicht leichter.
2. Doch, gibt es. Was Mist ist, wird nicht gedruckt. Und die Konkur-
renz um die marktfähigen Plätze im Verlag ist groß. Entweder man ist
gut, man wird es, oder man geht unter. (Natürlich gibt es immer die
Ausnahmen, die seit Jahrzehnten schreiben und einfach Pech hatten.)
"Das könnte ich auch." ? Lassen Sie mich an dieser Stelle ein halbfre-
undliches "meinetwegen" erwidern. "Ich könnte auch Jurist werden oder
meinen Doktortitel in Geschichte machen." Sie könnten also eventuell,
unter bestimmten Umständen, schreiben. Wenn Sie genug üben, schreiben,
lernen und durchhalten, durchhalten und durchhalten. Denn das ist es,
was uns vor den meisten anderen Berufen auszeichnet: eine Besessen-
heit, die fast wehtut.
Schreiben ist kein Beruf, keine Arbeit und auch nicht schwer? Das kann
nur ein Nicht-Schreiber / Nicht-Autor behaupten! Recherche (fast immer
und bei fast jedem Genre), Aufbau, Charaktere, Exposé, Inhalt,
Plotentwicklung, schreiben, überarbeiten, Verlagssuche ... Doch,
jetzt, wo ich darüber nachdenke: ein echtes Kinderspiel.
Lassen Sie mich kurz rechnen: 1 Buchseite pro Stunde, das macht bei 8
Stunden Arbeit 8 Seiten, in 50 Tagen ist somit ein 400-Seiten-Roman
fertig geschrieben, mit Vorab-Recherche und Überarbeitung kann man das
also tatsächlich in 5 bis 6 Monaten schaffen. (Ohne in der Zeit einen
Cent verdient zu haben.)
Oder noch einfacher: Dieselbe Schreibgeschwindigkeit macht in 15 Tagen
einen Heftroman (Kelter, Bastei). Davon kann man auch nicht leben. Und
schneller schafft man es meistens erst, wenn man mehr Übung hat. (Ich
kenne Autoren, die schaffen einen Heftroman in einer Woche.)
Wie sicher sind sich nun die potentiellen Super-Schreiber? Sind sie
schnell genug?
Aber weg von den materiellen Euro-Vergnügungen als Schriftsteller und
zurück zur Arbeit: Können Sie die Pointe in einer Kurzgeschichte
herausarbeiten? Interessante Details schildern? Stimmungen und At-
mosphäre rüberbringen? Szenen und Dialoge auf den Punkt bringen? Und
das dann auch noch in einem schönen und interessanten Stil, ohne den
Faden zu verlieren?
Und wie schaut es mit Ideen aus? Keiner will eine unoriginelle
Geschichte lesen oder eine Idee, die es schon hundertmal gab.
Bei längeren Projekten scheitern die meisten Schreiber bereits bei
Inhalt und Exposé ? und ich meine hier nicht diejenigen, die inhalt-
lich oder stilistisch nicht zu den Verlagen oder den Jahresprogrammen
oder dem Markt passen.
Wie schaut es aus mit Spannung / Höhepunkt / Wendepunkt? Es reicht
eben nicht, eine tolle Idee zu haben oder schreiben zu können. Man
muss schon beides können.
Und wenn Sie fertig sind mit dem Schreiben? Was machen Sie dann? Wenn
Sie einen Kamin haben, erledigt sich das Problem von allein ? anson-
sten kommt die nächste Aufgabe auf Sie zu: sich und Ihr Projekt zu
verkaufen!
Viel Spaß beim Schreiben den "Ich kann das auch!"-Leuten und ein
dickes "Nicht ärgern lassen" an alle anderen!
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Wer mehr über die Autorin Jennifer Schreiner oder ihr aktuelles, ero-
tisches Vampirbuch "Zwillingsbuch" erfahren möchte, kann ihre Homepage
http://www.JenniferSchreiner.com besuchen.
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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -
keine Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
fantasy at experte pt autorenforum pt de
Heftroman: Arndt Ellmer
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Historischer Roman: Titus Müller
historischer.roman at experte pt autorenforum pt de
Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Lesungen: Rüdiger Heins
lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
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Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss
fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Technik (physikalisch!): Woldemar Schilgen
technik at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur-
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam-
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord-
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche ?
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin-
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN, Leseprobe,
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062-
tempest2-4.
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FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY:
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Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Erst einmal ein großes, fettes Lob. Der Tempest ist wirklich sehr
nützlich und lehrreich! Vielen Dank für Eure Mühe, die Ihr jedes Mal
auf Euch nehmt. Ich kenne Eure Seite erst seit ein paar Monaten und
hab es noch nicht geschafft, alle bisherigen Ausgaben zu lesen, darum
vergebt mir bitte, sollte die folgende Frage schon einmal in einer
Ausgabe beantwortet worden sein.
Seit zwei Jahren arbeite ich nun schon an meinem ersten Roman, der
jetzt im Rohtext fertig geworden ist. Da ich dieses Jahr 18 werde,
wollte ich mich nun endlich der Aufgabe stellen, ein Exposé zu schrei-
ben und dieses einigen Verlagen vorzulegen. Keine Angst! Natürlich
muss der Text zuvor noch mehrmals überarbeitet werden! Ich hab mir,
nachdem ich den Artikel im Tempest gelesen habe, die zwei Bücher "Wie
man einen verdammt guten Roman schreibt" 1 und 2 von James N. Frey
gekauft und versuche so gut wie möglich seine und Eure Tipps dabei
umzusetzen.
Nun ist mir aber aufgefallen, dass mir einiges aus meinem Roman ir-
gendwoher bekannt vorkommt. Vor kurzem durchstöberte ich mein Bücher-
regal, und da wusste ich dann wieder, woher mir manches bekannt vor-
kam. Ganz ehrlich, ich hab bestimmt nicht absichtlich Ideen geklaut.
Erst vor ein paar Wochen hatte ich eine neue Idee und war ganz stolz
darauf. Wenige Tage später sah ich in einer Buchhandlung ein Buch, dem
diese Idee zugrunde lag!
Jetzt aber zur eigentlichen Frage. Das heißt, noch nicht ganz. Also,
ich wollte gern einen Fantasyroman schreiben, in dem ein Mädchen zu-
sammen mit seinem Freund in ein Computerspiel hineingesaugt wird und
dort ein Teil der Geschichte wird. [...] Ich erzählte meiner Mutti
von dem Konzept, und das Erste, was sie darauf sagte (mal abgesehen
von dem mütterlichen Stolz, den man kaum ernst nehmen kann), war: "Das
klingt nach diesem Film, der vor ein paar Jahren kam." Ich überlegte
also, wie ich das mit dem Spiel weglassen könnte, doch mir fiel bisher
noch nichts ein. Irgendwann hatten wir dann die Idee, dass das Mädchen
die ganze Geschichte nur träumt. Ich hab meine Prämisse und die Haupt-
aussage daraufhin verändert und finde die Aussage sogar besser als die
erste. Nun ist es aber so, dass James N. Frey in seinem Buch von dem
Vertrag zwischen Leser und Autor erzählt. Nach seiner Aussage darf man
den Leser nicht an der Nase herumführen, wo ich auch vollkommen zu-
stimme!
Nun aber wirklich zu meiner Frage! Ich wollte, dass der Leser erst zum
Schluss erfährt, dass es ein Traum war. Wäre das ein Vertragsbruch?
Würde ich die eventuellen Leser damit verärgern? Hätten Sie vielleicht
eine Idee?
Ich arbeite bereits nebenbei an einem zweiten Roman, den ich persön-
lich viel besser finde und bei dem ich nicht solche Probleme habe
(noch nicht). Allerdings fände ich es schade, den ersten einfach auf-
zugeben, da mir einige Charaktere doch sehr ans Herz gewachsen sind
und es harte Arbeit war, ihn zu schreiben.
Antwort:
Vielen Dank für das Lob an die Tempest-Mannschaft ? das hören wir
nicht nur gerne, es motiviert uns auch, uns weiterhin (ehrenamtlich)
zu engagieren.
Außerdem freue ich mich darüber, dass mal jemand nachdenkt, ob es sei-
ne / ihre Frage schon gegeben haben könnte. Bei vielen ist das nämlich
so, bei deiner aber nicht.
So etwas wie einen Ideenklau gibt es m. E. nicht, es sei denn, jemand
setzt sich bewusst an ein Plagiat. Das heißt, er / sie nimmt einen
Roman, eine Erzählung etc. und kupfert eins zu eins oder mit nur unwe-
sentlichen Änderungen ab. Das ist strafbar, zumindest zivilrechtlich.
Und es ist selbstzerstörerisch, denn ein Abschreiber ist niemals ein
wirklicher Erzähler.
Etwas anderes ist es, Ideen anderer Autoren zu verwenden. Leider ist
der Übergang zwischen eigener Ausgestaltung einer fremden Idee und
Plagiat fließend.
Zum einen gibt es Ideen, die schon so alt sind, dass man gar nicht
mehr weiß, von wem sie eigentlich ursprünglich stammen. Beispiel:
Stoffideen wie "Junge liebt Mädchen" (oder umgekehrt), darf das aber
nicht, weil die Familien verfeindet sind. Schon vor Romeo und Julia
und lange danach wurde dieser Stoff verarbeitet.
Zum Zweiten gibt es Ideen, die ähnliche Geschichten nach sich ziehen.
Beispiel: "Sakrileg" von Dan Brown, der mit seinen Büchern eine Menge
Storys mit Verschwörungstheorien und Spekulationen über kirchliche
Traditionen und Glaubenssätze ausgelöst hat. Es sind jedoch alles ei-
genständige Romane. Das nennt man: Trend. Ob man als Autorin unbedingt
auf einen Trend draufsatteln sollte, bleibt jeder selbst überlassen.
(Ich lese lieber Geschichten, die sich nicht an Trends anlehnen.)
Zum Dritten gibt es Ideen, die einfach "in der Luft liegen" und von
mehreren Autoren (fast) gleichzeitig aufgegriffen werden. Das passiert
sogar beim Sachbuch. Beispiel: Tony Buzans "Kopftraining" und Gabriele
L. Ricos "Garantiert schreiben lernen", beide Anfang der achtziger
Jahre erschienen ? Buzan beschäftigt sich mit Mindmapping, Rico mit
Clustering, beides Methoden, um das lineare Denken und Schreiben zu
durchbrechen.
Zum Vierten gibt es Ideen, die beim Lesen haften bleiben, manchmal
unterbewusst. Viel, viel später fließen diese Ideen (oft in bearbeite-
ter, interpretierter Form) ins eigene Schreiben ein. Wir schreiben
nicht in einem "leeren Raum" ? alles, was andere vor uns geschrieben
haben und was wir lernen, aufnehmen, lesen oder sonst wie erfahren,
beeinflusst uns.
Fünftens gibt es Ideen, die ganz bewusst auf anderen Werken aufbauen,
damit spielen und dennoch zu etwas ganz Eigenem führen. Beispiel: Ter-
ry Pratchetts "MacBest" ? eindeutig auf Shakespeares Macbeth bezogen
und ohne diesen Bezug nur halb so komisch.
Warum zähle ich das alles auf? Weil es dir klar machen soll, dass du
nicht vermeiden kannst, bereits Dagewesenes aufzunehmen. Die Frage
ist, wie bewusst du das tust und wie viel Eigenständiges du daraus
machst.
Wenn wir beide deine Idee nähmen (Mädchen wird in Computerspiel gezo-
gen, muss dort Abenteuer bestehen und ihren Rückweg finden) und würden
dazu einen Roman schreiben, kämen zwei sehr verschiedenartige Romane
dabei heraus. Selbst, wenn wir beide uns auf dasselbe Setting, diesel-
ben Charaktere und sogar den gleichen Handlungsaufbau einigen würden,
ergäbe das immer noch zwei ganz unterschiedliche Geschichten. Weil wir
beide individuell erzählen (keine zwei Leute erzählen ein und densel-
ben Witz gleich). Weil wir beide individuelle Erfahrungen zugrunde
legen (niemand erlebt dasselbe wie ein anderer, selbst nicht in den-
selben Situationen, denn die Wahrnehmung ist nun mal sehr persönlich).
Weil wir unterschiedlich mit Sprache umgehen (man ist primärsinn-
orientiert, ich z. B. visuell: Siehst du? Man hat verschiedenes Voka-
bular: Feudel ? Scheuertuch ? Wischlappen. Und ich hab ein wenig mehr
Erfahrung als du im Umgang mit Sprache ;-)). All das und ein paar wei-
tere Komponenten ergäben trotz gleicher Vorgaben zwei völlig eigen-
ständige Geschichten.
Ich persönlich freue mich, wenn jemand meine Ideen aufnimmt, etwas
Eigenes daraus macht und mir das zu lesen gibt. Immerhin heißt das,
ich habe mit meinem Text jemanden erreicht, nicht losgelassen und so-
gar so weit getrieben, dass er sich hinsetzt und einen eigenen Text
schreibt. Noch mehr freue ich mich, wenn jemand mir schreibt: Du, sein
Text hat bei mir einen Gedankensturm ausgelöst, jetzt möchte ich eine
eigene Story dazu schreiben, darf ich seine Idee zugrunde legen?
Deine eigentliche Frage jedoch war: Verärgert den Leser eine Geschich-
te, die sich hinterher als Traum herausstellt? Deutliche Antwort: Ja.
Und zu Recht!
Autor und Leser gehen eine Übereinkunft ein. Der Autor verspricht,
eine unterhaltsame, spannende, in sich wahre Geschichte zu erzählen.
Der Leser verspricht, sich darauf einzulassen. Dreht mir der Autor
danach eine Nase: Ätsch, es war alles gar nicht echt, nicht mal inner-
halb dieser Story!, dann fühle ich mich veralbert. Etwas anderes ist
es, wenn dem Leser von Anfang an Hinweise, Andeutungen, Ahnungen, ver-
steckte Zeichen etc. gegeben werden, dass das Ganze ein Traum sein
könnte. Dann hat er die Chance, es als Traum oder "echte" Geschichte
zu lesen. Und fühlt sich nicht hintergangen.
Aber mal ehrlich: Was bringt dir diese zusätzliche Ebene? Du hast die
Außenwelt der Heldin (fiktive Realwelt), dann eine Traumwelt (zweite
fiktive Ebene) und darin wiederum das Computerspiel (dritte fiktive
Ebene). Solch eine Schachtelung bringt nur etwas, wenn der Inhalt et-
was damit zu tun hat. Beispiel: Heldin muss sich vom Computerspiel in
den Traum zurückkämpfen und vom Traum in ihre Realität, kann dann aber
nicht sicher sein, ob es tatsächlich Realität ist (SF-Konzept von "Die
Welt am Draht"). So eine Story würde mit den Wahrnehmungen der Heldin
spielen, die sich fragt, was noch real ist, und mit der des Lesers,
der sich fragt, ob er ebenfalls eine Ebene in der Story ist, während
er sie liest (Beispiel: Walter Moers "Die Stadt der Träumenden Bü-
cher", Cornelia Funke "Tintentod").
Von einem solchen Konzept möchte ich dir (vorerst) abraten. Es ist
sehr kompliziert zu planen und zu schreiben, denn die Durchdringungen,
Ebenen und Wechsel müssen klargestellt werden. In keiner Sekunde darf
die Autorin sich da vertun oder selbst Teil des (fiktiven?) Spiels
werden.
Mein Rat ist: Leg den ersten Roman zur Seite, zumal du ja schon am
zweiten arbeitest. Gönn dir und ihm eine Pause! Hol ihn wieder hervor,
wenn du mit dem zweiten und dem dritten fertig bist. Dann hast du dich
im Schreiben weiterentwickelt, kannst den Haken mit ganz anderen Augen
sehen und vielleicht eine ganz eigenständige Lösung erarbeiten.
Das bedeutet ja nicht, dass du den ersten Roman aufgibst! Die ersten
Romane sind immer Lehrstücke, aus denen sich jedoch nach einiger Zeit
und viel, viel Lernen manchmal noch etwas machen lässt.
Übrigens: Geh nicht so abwertend mit mütterlichem Stolz um! Sei froh,
dass du ihn gezeigt bekommst! Es gibt viel zu viele Eltern, die mit
den literarischen Produkten ihrer Kinder nichts anfangen können oder ?
schlimmer noch ? der Meinung sind, das sei alles Zeitverschwendung und
Kinderkram, man solle doch gefälligst "was Anständiges" mit seiner
Zeit anfangen. Wenn sie dich unterstützt und lobt, genieß das einfach,
und freu dich!
Richtig ist allerdings, dass du von Verwandten, Freunden und Bekannten
möglichst keine objektive Kritik erwartest. Die bekommt man besser von
Leuten, die handwerklich mit den Texten arbeiten und nicht weiterhin
deine Lieblingstante bleiben wollen.
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Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt Schreibkurse und
führt eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh, veröffent-
licht sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman. Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH:
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Was mache ich bloß falsch?
Die Kinder, die ich kenne, mögen meine Geschichten. Es sind viele Kin-
der unterschiedlichen Alters, und es sind viele unterschiedliche Er-
zählungen, Verse und Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe. Meine
Freundinnen fügten hinzu, ich schriebe für das Kind in der Frau, meine
Freunde amüsierten sich über die komischen Verse.
Jedoch alle Versuche, einen Agenten oder gar Verleger zu finden,
scheiterten letztlich. Ich verwende viel mehr Zeit darauf, meine Ideen
zu Papier zu bringen, als zu versuchen, auf meine Texte aufmerksam zu
machen. Das gebe ich ja zu! Aber ich habe noch so viel zu erzählen,
und ? offensichtlich ? ungeschickt bin ich auch.
Antwort:
Ich empfehle Ihnen, Kontakt mit anderen Schreibenden aufzunehmen und
sich mit ihnen über Ihre Texte auszutauschen. Nur durch professionelle
Kritik erfährt man etwas über seine Schwächen und Stärken. Familie und
Freunde sind selten gute Kritiker, da sie meist nicht objektiv genug
sind und nur ungern Dinge sagen, mit denen sie einen verletzen könn-
ten.
Schauen Sie sich doch mal im Internet um. Dort gibt es viele Autoren-
foren und -gruppen, die Ihnen sicherlich gerne weiterhelfen werden.
Zum Beispiel das Montségur Autorenforum
(http://autorenforum.montsegur.de) oder das Kinder- und Jugendbuchfo-
rum (http://www.kibujubu.de/).
Zudem gibt es auch einige hilfreiche Bücher zum Thema Schreiben, bei-
spielsweise von dem Kinderbuchautor Paul Maar: "Vom Lesen und Schrei-
ben". Oder von Elizabeth George: "Wort für Wort oder Die Kunst, ein
gutes Buch zu schreiben."
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Michael Borlik, 1975 geboren, machte 1995 sein Abitur und ging an-
schließend in eine kaufmännische Ausbildung, die er 1998 erfolgreich
abschloss. Seit 2001 erfolgte eine Reihe von Veröffentlichungen. Über-
wiegend schreibt er Kinder- und Jugendbücher, die u. a. bei Ueberreu-
ter, Thienemann und Arena erscheinen. Seit Sommer 2005 ist er freier
Schriftsteller. Mehr Infos unter http://www.borlik.de.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de ? nach Rück-
sprache ? erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
beitrag at team pt autorenforum pt de.
Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.
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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
Gabi Neumayer redaktion at team pt autorenforum pt de
Stefan Schulz webmaster at autorenforum pt de
Thomas Roth-Berghofer
Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de
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