Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
"Schreibblockaden - und wie man sie überwindet"
von Martina Zimmermann
Marketingideen
"Newsletter? Muss das sein?"
von Nicole Rensmann
Vier Seiten für ein Halleluja
"Begegnungen"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Besondere Lesungen
"Lesung in einer Ruine"
von Barbara Mansion
Interview mit Tereza Vanek
Verlagsportrait
"Sieben Verlag"
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
unsere ExpertInnen haben zum Jahreswechsel ausnahmsweise einmal etwas
Pause gehabt. Nur Michael Borlik hat eine neue Anfrage beantwortet.
Wart ihr alle in Urlaub - oder haben unsere unermüdlichen ExpertInnen
inzwischen all eure Fragen beantwortet?
Aber dieser Tempest ist deshalb keineswegs weniger umfangreich als
sonst.Nicole Rensmann berichtet darüber, wie man einen Autorennewslet-
ter aufbauen und nutzbringend einsetzen kann. Martina Zimmermann klärt
über Schreibblockaden auf und zeigt Übungen zu ihrer Überwindung. Die
Roth-Berghofers haben ein Interview mit Tereza Vanek geführt, Ursula
Schmid-Spreer stellt einen weiteren Verlag vor - und Hans Peter Roent-
gen (kauft sein tolles Buch!) hat wieder die ersten vier Seiten einer
Geschichte lektoriert.
Viele von euch reagieren mittlerweise auf Ursulas Aufruf, ihr Ideen
für und Kurzberichte von besonderen Lesungen zu schicken. Deshalb gibt
es auch diesmal einen neuen Beitrag in unserer Sonderrubrik. Weiter
so! Und schickt uns auch neue Tipps und Lese-Tipps!
Der Tipp des Monats Januar, diesmal von mir:
youtube.com: Diese bekannte Plattform kann man als AutorIn
auf ganz besondere Weise nutzen - nämlich zur Recherche
von Orten, die man nicht live besuchen kann.
Ob Sherlock Holmes Pub in London oder Petersdom:
Von vielen Orten kann man sich hier einen guten Eindruck
verschaffen - inklusive Details, die die Schilderung
des Settings in einer Geschichte authentisch wirken lassen.
Möge die Macht mit euch ... äh: Möge das neue Jahr euch Glück, Erfolg
und viele neue Ideen bringen (auch für uns)!
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2008"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01
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ISSN 1439-4669 Copyright 2008 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
"Schreibblockaden - und wie man sie überwindet"
von Martina Zimmermann
Marketingideen
"Newsletter? Muss das sein?"
von Nicole Rensmann
Vier Seiten für ein Halleluja
"Begegnungen"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Besondere Lesungen
"Lesung in einer Ruine"
von Barbara Mansion
Interview mit Tereza Vanek
Verlagsportrait
"Sieben Verlag"
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum
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Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein-
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen
Jahrgänge zu erstellen.
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HALL OF FAME:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema:
.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre. Zusätzlich könnt ihr in maxi-
mal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) weitere Infos zu eurem Buch unterbrin-
gen.
.......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen. Schickt eure Texte
unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden!
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Michael Borlik: "Der 13. Engel", Thienemann Verlag 2008, phantasti-
scher Kinderroman. http://www.der13engel.de
Irene Seydlitz: "Der Wolkenprinz" FredeboldtundFischer 2007, Liebesro-
man. Frau versucht ihre Ehe zu retten, Schutzengel mischt mit
Tammy Lincoln: "Die Freibeuterin und der Schatztaucher", Ullstein
2006, Zeitreiseroman. 1843 Queensland und Südsee, 2004 Hamburg
Regina M. Ehlbeck: "Was macht das Schwein auf dem Ei", Esslinger Ver-
lag 2007, Bilderbuch.
Regina M. Ehlbeck: "Was macht das Schwein in der Stadt", Esslinger
Verlag 2008, Bilderbuch
Daria Charon: "Die Nichte der Marquise", Lübbe 2008, erotischer histo-
rischer Roman. Frankreich, zur Zeit Louis XIV. www.daria-charon.de.vu
Veronika Rusch: "Das Gesetz der Wölfe", Goldmann 2008, Kriminalroman.
Münchner Anwältin kämpft gegen das organisierte Verbrechen
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SCHREIB-KICK:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Januar, diesmal von Andreas Sölken:
Da ich passionierter Kreuzworträtseler bin und nach dem letzten Dreh-
buch schlicht leerfantasiert war, habe ich einfach mein frisch gefüll-
tes Kreuzworträtsel im "Stern" betrachtet und einige der ausgefüllten
Kästchen-Lösungsworter in der Kreativabteilung meines Kopfes versam-
melt.
Manchmal können solche Zufalls-Kombinationen von Begriffen sich ver-
knüpfen, verschränken, ja sich zu einer Geschichte zusammenknobeln.
Man mag nicht glauben, wie der spanische Küstenfluss mit drei
Buschstaben plötzlich zu einem Juristenanwärter mit acht Buchstaben
passt, gepaart mit einem Strom im Nildelta und einem chemischen Ele-
ment.
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LESE-TIPP:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Diesmal von Julia Sohnemann:
http://postsecret.blogspot.com: Diese englischsprachige Seite ist für
mich eine wunderbare Quelle geworden, um Charaktere mit besonderen und
skurrilen Charakterzügen auszustatten oder einen Konflikt zu entwi-
ckeln.
Jeden Sonntag veröffentlicht der Künstler Frank Warren dort Postkar-
ten, die Menschen aus aller Welt ihm anonym geschickt haben. Auf die-
sen selbstgestalteten Karten haben sie ein Geheimnis aufgeschrieben,
das sie bisher angeblich noch niemandem erzählt haben. Es sind scho-
ckierende, lustige, traurige und auch nachdenklich stimmende Geheim-
nisse dabei. Sie eignen sich nicht nur für den "Eigengebrauch", son-
dern auch sehr gut für Schreibgruppen.
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AUTORENWISSEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Schreibblockaden - und wie man sie überwindet"
von Martina Zimmermann
Das Produzieren eines Textes ist ein Vorgang, der Zeit braucht, in
mehreren Schritten stattfindet und bei dem sich kritisch-analytische
Phasen, in denen man überarbeitet, was schon steht, mit Phasen freier
Kreativität, in denen neue Rohfassungen entstehen, abwechseln. Das
Formulieren von Lösungsideen hingegen gehört dem kreativen Bereich des
Gehirns an, es ist ein kreativer Akt.
Was sind Schreibblockaden, und warum entstehen sie?
Eine Blockade kann unterschiedliche physische Ursachen haben, z. B.
die Angst vor Misserfolg / Erfolg oder Ablehnung. Unerledigte oder
verdrängte persönliche Probleme oder eine Depression können ebenfalls
Auslöser eines gestörten Schreibflusses sein. - Neurologisch werden
die Phänomene der Schreibblockade und des Schreibzwangs mit einer
gesteigerten Aktivität der Schläfenlappen in Verbindung gebracht.
Außerhalb des psychologischen Kontexts kann eine Schreibblockade aber
auch durch ein Zuviel an zu verschriftlichendem Material oder durch
Unordnung begründet sein. In solchen Fällen kann ein Textplan Abhilfe
schaffen. Um das zu vermeiden, kann man vor dem Schreiben einen Plan
machen, der die Inhalte ordnet, zum Beispiel durch ein Mindmap oder
einen Zettelkasten.
Ganz wichtig ist es, sich nicht gegen die Blockade zu wehren, sondern
zu erkennen, dass in der Blockade meistens das Neue steckt, das man
nur noch nicht erkennt oder erkennen will.
Wie äußern sich Schreibblockaden?
Manchen Betroffenen fällt es nur schwer, einen Anfang zu finden. An-
dere können gut artikulieren, quälen sich aber Wort für Wort durch
ihre Texte. Schon der Gedanke an die bevorstehende Arbeit kann so läh-
mend sein, dass sie es nicht einmal schaffen, das Schreibprogramm im
Computer zu starten.
Oft werden Vermeidungsarbeiten durchgeführt, wie zum Beispiel ständi-
ges Aufräumen oder Putzen. Auch endloses Weitersammeln oder Suchen von
neuem Material kann eine Vermeidungstaktik sein.
Gründe für Schreibblockaden
Die wichtigsten Ursachen sind:
1. Sie kennen Ihre Figuren nicht gut genug.
2. Sie versuchen, zur selben Zeit zu schreiben und zu lektorieren.
3. Sie haben Angst vor Fehlschlag oder Erfolg.
Nummer 1: Wenn die Figuren sich von selbst zu entwickeln beginnen,
fragen Sie sich: Passen die Handlungen noch zur Ausgangsfigur?
Therapie: Wenn Sie Differenzen feststellen, ändern Sie Ihren Plan.
Nummer 2: Zur selben Zeit schreiben und lektorieren: Das passiert beim
Umschreiben der Rohfassung mit Perfektionsanspruch.
Therapie: Schreiben Sie mit ausgeschaltetem Bildschirm oder blind.
Nummer 3: Die Furcht vor einem Misserfolg taucht kurz vor Abschluss
des Manuskripts auf, meist in der Mitte des letzten Kapitels.
Therapie: Lautes Schreien kann tatsächlich helfen!
Nummer 4: Angst wegen eines möglichen Erfolgs entsteht. Angst, im Mit-
telpunkt zu stehen, begehrt zu werden ...
Therapie: Schreiben Sie unter einem Pseudonym
Nummer 5: Auch eine Kombination aller genannten Schreibblockaden ist
möglich.
Kurztipps: So kann man Blockaden überwinden
- Viel schreiben, tägliche Erlebnisse festhalten.
- Nicht auf stilistische Perfektion achten, sondern schreiben, wie
einem "der Schnabel gewachsen ist".
- Korrekturen erst durchführen, wenn eine erste Fassung halbwegs voll-
ständig ist.
- Erst ausreichendes Wissen über den Gegenstand sammeln, über den Sie
schreiben wollen.
- Äußere Störfaktoren möglichst ausschalten.
- Zeitblöcke einrichten, die nur für das Schreiben oder das Arbeiten
am Schreibprojekt vorgesehen sind. Anderthalb Stunden sind eine
geeignete Vorgabe.
- Noch einmal tippen, was man schon geschrieben hat, um den kreativen
Fluss wieder in Gang zu bekommen.
- Gute Musik spielen, das kann stimulierend wirken.
- Laut lesen, was man bereits verfasst hat.
Und hier einige grundsätzliche Übungen zum Anregen des Schreibflusses:
- Wörter und Sätze durch eigene Gedanken ersetzen.
- Teile weglassen und neue Teile hinzufügen.
- Mitten in oder vor den Text etwas einsetzen und ihn weiterschreiben.
- Alles weglassen und stattdessen einen vollkommen neuen Text schrei-
ben, zu welchem der vorige angeregt hat.
- Hauptwörter, Adjektive und Zeitwörter weglassen und aus dem alten
Text einen neuen formulieren.
- Und vor allem auch: viel lesen, um den eigenen Stil zu entwickeln!
Komplexe Übungen
Clustering
..........
Clustering ist eine von der amerikanischen Schreibforscherin Gabriele
L. Rico in den 70er Jahren entwickelte Schreibtechnik. Dabei wird über
eine bildliche Vorgehensweise die Zusammenarbeit von rechter und
linker Gehirnhälfte unterstützt, Kreativität gefördert und das Ideen-
finden erleichtert.
Auch mit Hilfe eines Flipcharts oder einer Pinnwand lässt sich clus-
tern. Hilfreich sind Hervorhebungen durch Bilder oder Farben.
Eine Übung dazu: Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift. Schrei-
ben Sie in die Mitte des Blattes das Wort "Winter". Kreisen Sie das
Wort ein, und notieren Sie alle Gedanken, Ideen, Gefühle und Assozia-
tionen, die Ihnen einfallen. Diese Verbindungen halten Sie in ein oder
zwei Wörtern fest, um die Sie jeweils wiederum einen Kreis ziehen. Die
verwandten Ideen verbinden Sie durch Linien. Dieses Ideennetz sollte
in alle Richtungen wachsen. Ordnung oder Struktur spielen keine Rolle.
- Sie sollten möglichst schnell schreiben, bis Ihnen nichts mehr ein-
fällt.
[Ein Beispiel-Cluster steht als PDF-Datei auf unserer Homepage:
http://www.autorenforum.de/images/stories/sommercluster.pdf.]
Textaustausch
.............
Ein beliebiger Text wird gelesen und mit eigenem Inhalt versehen. Sie
formulieren daraus eine neue Geschichte. Als Muster sind Zeilen, Sil-
ben und ganze Wörter brauchbar. Die äußere Form, der Sprachrhythmus
muss allerdings geändert werden.
Assoziieren
...........
Spontane Assoziationen aufspüren. Aus einem Text alle Wörter und Be-
griffe heraussuchen, die Ihnen wichtig erscheinen. Diese Begriffe un-
tereinander schreiben und alle Begriffe hinzufügen, die Ihnen beim
jeweils letzten Begriff einfallen. Aus den gefundenen Wörtern können
Sie einen neuen Text erstellen.
Zeitreise
.........
Umwandlung von Mustern in andere Epochen, z. B. altertümliche Zeit in
heutige Zeit (modernen Roman in zeitgenössischen Roman umwandeln).
Übersetzungen
..............
- vom Englischen ins Deutsche
- Dialekttextumformung
- Jugendsprache
- Sexchange (Männer-Frauen-Wechsel)
Ein Tipp zum Schluss: Jede Schreibhemmung hat ihre individuelle Ursa-
che. Deshalb muss und kann jeder Einzelne seine Methode finden, um
seine Kreativität wieder in den Gang zu bekommen.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Ich bin 25 Jahre alt, habe über ein Fernstudium Literarisches Schrei-
ben studiert und schreibe vorwiegend im Internet & für Litipedia.de.
Zudem gehöre ich zur Autorendatenbank des Kinderkanals von ARD & ZDF.
Gelegentlich veröffentliche ich in einer Lokalzeitung. In nächster
Zeit erscheint mein erstes Buch, ein Jugendroman.
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MARKETINGIDEEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Newsletter? Muss das sein?"
von Nicole Rensmann
Wer bei Google das Wort "Newsletter" eingibt, erhält rund
1.010.000.000 Treffer. Und dabei handelt es sich nicht um Artikel, die
sich um das Thema Newsletter drehen, sondern um Firmen, Websites oder
Magazine, die diese Mitteilungsform verwenden:
Spiegel, Focus, Stern, Brigitte und nahezu jede Tageszeitung bieten
die elektronische Informationspost genauso an wie Tierfutterläden,
Online-Läden oder Kosmetikhersteller, Kulturveranstalter oder Verlage.
Musiker verwenden ihn ebenso wie Schauspieler, um auf ihre Termine
hinzuweisen oder sich bei ihrem Publikum zu bedanken. Auch erfolgrei-
che US-Autoren wie Stephen King oder Dean Koontz informieren ihre Fans
über einen Newsletter. Viele deutsche Autoren gehen mit dieser Form
der Kontaktaufnahme jedoch noch etwas schüchtern um.
Ein Newsletter informiert, er kann bereichern, aufwecken und natürlich
in Erinnerung rufen. Längst nicht jeder surft gern und ausgiebig im
Internet. Da ist es umso wichtiger, seine Leser und Fans ab und an
auch auf andere Art zu erreichen - mit der virtuellen Wurfpost. Und
natürlich kann der Newsletter auch als Pressemitteilung für Journalis-
ten - Presse, TV, Radio - dienen.
Was gehört in meinen Newsletter?
Das bestimmst allein du. Denn es ist dein Newsletter, dein persönli-
cher Werbebrief an deine Leser, Fans, Freunde, aber auch an Journalis-
ten, Lektoren und Kollegen. Darum kannst du dich zwar zwischen witzi-
gem, sachlichem und persönlichem Stil entscheiden - wichtig ist aber,
dass die Fehlerquote bei Rechtschreibung und Grammatik niedrig gehal-
ten werden sollte. Denn du stellst dich als Autor dar.
Sieh deinen Newsletter als Präsentationsmöglichkeit an, mit der du auf
eine neue Veröffentlichung, einen Lesungstermin oder ein aktuelles
Interview hinweist. Erzähl von deiner letzten Lesung, von deinen aktu-
ellen und zukünftigen Projekten.
Individualität ist gut. Wenn du deinen Newsletter mit einem frechen
Zitat oder einem kurzen Gedicht von dir oder dem ersten Satz deines
aktuellen Werks eröffnest, gibst du dem Leser etwas von dir - und das
macht den Newsletter zu deiner persönlichen, von dir und über dich
erstellten Informationsquelle.
Wie oft sollte ich den Newsletter verschicken?
Ein täglicher Versand wäre sicherlich zu viel, auch wöchentlich dürfte
es auf die Dauer nicht nur für dich, sondern auch für den Empfänger
lästig werden. Ein regelmäßiger Rhythmus ist auch kein Muss, aber alle
paar Monate solltest du deinen Newsletter verschicken - das steigert
den Erinnerungswert. Wichtig ist, dass der Newsletter über Neuigkeiten
informiert und nicht jedes Mal den gleichen Text beinhaltet und auf
das gleiche Buch hinweist, das erst in einem Jahr erscheint.
Kurze Informationssätze sind immer besser als seitenlange Geschichten.
Gib dem Leser die Möglichkeit, Links zu folgen, um mehr über ein Buch
oder eine angekündigte Lesung zu erfahren, aber schreib auch nicht zu
wenig. Die Beiträge müssen neugierig machen.
Wie baue ich mir einen Empfängerstamm auf?
Am Anfang sind es vielleicht nur zehn, aber daraus können schnell 100
oder auch 1.000 Empfänger werden.
Sende deinen Newsletter an Freunde oder Kollegen und an die Kontakte
deines E-Mail-Adressbuches. Weise - sofern vorhanden - auf deiner Web-
site darauf hin und biete die Möglichkeit an, den Newsletter zu abon-
nieren.
Wenn du gerne in Foren postest, erwähne deinen Newsletter in der Sig-
natur, oder - was etwas dreister ist und aufdringlich wirkt - in Gäs-
tebüchern oder Blogs. Hier läufst du allerdings Gefahr, dass deine
Einträge gelöscht werden, weil sie nur nach Werbung aussehen. Darum
ist es sinnvoll, sich dabei nur an Freunde oder Bekannte des Litera-
turbetriebs zu wenden und vorher nachzufragen, ob man auf seinen News-
letter aufmerksam machen darf.
Natürlich bleibt auch eine gewisse Unsicherheit: Nerve ich die Leute,
wenn ich ihnen meinen Newsletter schicke? Die Gefahr besteht natürlich
immer, darum ist es wichtig, auch eine Abmeldemöglichkeit zu schaffen,
die im Newsletter genannt werden sollte und dir und dem Empfänger kei-
ne unnötige Zeit raubt. Der Provider deiner Website oder spezielle
Anbieter halten dafür Lösungen bereit.
Natürlich kannst du deinen Newsletter auch über deinen E-Mail-Browser
verschicken und deine Adressliste selbst von Hand pflegen. Dies ist
bei zwanzig oder dreißig Adressen kein Problem; steigt die Empfänger-
zahl jedoch in die Hunderte, wächst auch der Arbeitsaufwand, und die
Übersicht geht schnell verloren.
Wie werte ich meinen Newsletter auf?
Wenn du glaubst, selbst noch nicht genug Informationen für einen News-
letter zu haben, dann arbeite doch mit einem oder zwei Kollegen zusam-
men. Gemeinsam könnt ihr einen bunten und erfolgreichen Letter konzi-
pieren und euch gegenseitig helfen und fördern. Den Lesern bietest du
dadurch einen kleinen Ausschnitt des Literaturgeschehens!
Oder aber gib anderen die Möglichkeit, ihre Neuerscheinungen oder Ter-
mine bei dir mit zu veröffentlichen, lobe Gewinnspiele aus, die nur
für Abonnenten des Newsletters gelten.
Du kannst auch auf deine Werke bezogene Tipps anbieten. Hast du zum
Beispiel ein Kochbuch veröffentlicht, ist ein Rezept in deinem News-
letter bestens platziert. Bei Kinderbuchautoren bieten sich Rätsel
oder Malwettbewerbe an. All das bereichert deinen Newsletter.
Beachte jedoch: Dein Platz ist beschränkt. Ein mehrseitiger Newsletter
wird nicht gern gelesen. Stell wichtige Termine unbedingt an den An-
fang, sonst könnten sie überlesen werden.
Und um noch einmal auf die Überschrift zurückzukommen: Newsletter?
Muss das sein? Nein, es muss nicht sein. Aber ein Newsletter stellt
für deine Leser eine weitere Brücke zu dir als Autor dar. Entscheide
selbst, ob du sie schlagen und überqueren möchtest.
Viel Erfolg!
Links zum Thema
Auch wikipedia widmet sich dem Thema Newsletter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Newsletter
Kostenlose Newsletterservice bieten:
http://www.newsletterboy.de/
http://www.joletter.de/
http://www.domeus.de
Maillinglisten, die sich auch als Newsletter eignen:
http://www.yahoogroups.de
http://www.googlegroups.com
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Nicole Rensmann kann zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der Kin-
der- und Erwachsenenliteratur vorweisen. Sie lebt mit ihrem Mann, ih-
ren zwei Kindern und sieben Katzen in Remscheid. Seit 2002 bietet sie
ihren eigenen Newsletter an, ist sich aber bewusst, dass sie nicht
alle der oben erwähnten Tipps in den ersten Ausgaben angewendet hat!
http://www.nicole-rensmann.de
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VIER SEITEN FÜR EIN HALLELUJA:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Oft können Profis schon an den ersten Seite sehen, woran ein Text
krankt. Da wird zu viel erklärt, oder die Personen bleiben blass, oder
der Text ist mit Adjektiven überladen oder ...
Wenn eins dieser Probleme in eurem Text auftaucht, wird ihn ein Ver-
lagslektor schnell beiseite legen - und ihr erhaltet ziemlich sicher
einen der beliebten Formbriefe. Denn die Probleme, die auf den ersten
vier Seiten auftreten, setzen sich in aller Regel im Rest des
Manuskripts fort.
Hier könnt ihr die Probe aufs Exempel machen. Hans Peter Roentgen, der
professionell Schnupperlektorate (http://www.hproentgen.de) der ersten
vier Seiten macht, bespricht für den Tempest kostenlos die ersten vier
Seiten von Lesern.
Also: Schickt uns die ersten vier Seiten eures Manuskripts - maximal
7.200 Zeichen! -, und vielleicht findet ihr schon im nächsten Tempest
unseren professionellen Kommentar dazu! In der Regel werdet ihr fest-
stellen, dass ihr unsere Ratschläge auch für den Rest eures Textes
verwenden könnt. Bitte schickt uns aber nur Text- oder RTF-Dateien.
Das könnt ihr einstellen, indem ihr in Word statt "Speichern"
"Speichern unter" anklickt und dann ganz unten den Dateityp wählt
("nur Text" oder "RTF"). Die normalen Word-Dateien sind beliebte
Virenträger und werden deshalb von uns nicht geöffnet.
Der Text wird anonym im Tempest abgedruckt und besprochen (es sei
denn, ihr wollt euren Namen dort sehen, bitte extra vermerken!).
Außerdem werden Text und Besprechung auf den Seiten von Hans Peter
Roentgen (http://www.textkraft.de) veröffentlicht, der dieses neue
Angebot organisiert und selbst schon viel Erfahrung mit dem Lektorat
der ersten vier Seiten hat.
Welcher Text besprochen wird, legen wir fest. Die AutorInnen erklären
sich mit ihrer Einsendung mit der Veröffentlichung einverstanden.
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"Begegnungen"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Ihre Bewegungen waren klar und auf das Minimum reduziert. Nichts
Fahriges oder Unkontrolliertes konnte ich dabei feststellen. Ihr Kör-
per bewegte sich exakt wie ein Schweizer Uhrwerk. Den edlen Einrich-
tungsgegenständen und den teuren Gemälden an den Wänden schenkte sie
keinerlei Aufmerksamkeit, als sie zielgerichtet eine freie Sitzgruppe
am Fenster ansteuerte. Obwohl die Sonne draußen die einmalige Schnee-
landschaft in einem zauberhaften Licht erglänzen ließ, setzte sie sich
mit dem Rücken zum Fenster, zog ein Buch aus ihrer geräumigen Hand-
tasche und begann zu lesen. Ich schloss daraus, dass sie das Hotel gut
kannte. Sie fühlte sich scheinbar zu Hause hier. Besuchte sie St. Mo-
ritz öfters? Oder dauerte ihr jetziger Aufenthalt schon länger?
Meine berufliche, aber auch die private Neugier war geweckt. Wer war
diese Fremde? Reiste sie alleine? War sie geschäftlich oder in einer
persönlichen Angelegenheit unterwegs? Eine normale Urlauberin war sie
jedenfalls nicht.
Ich tat das, was ich in dieser Situation für angebracht hielt: Im
Stillen weiter beobachten und dabei möglichst viele Informationen sam-
meln. Langsam begann mir das ungeliebte Warten sogar Spaß zu machen.
Ich erhob mich, ging zur Toilette, um etwas Zeit zu gewinnen. Dann
drehte ich noch eine kleine Runde durch die großzügigen Räumlichkeiten
des Hotels, um anschließend erneut, aber diesmal von einer anderen
Seite, die Hotelhalle zu betreten. Ich fand einen freien Sessel, der
zwar in ihrer Nähe war, aber trotzdem weit genug von ihrer Sitzgruppe
entfernt, um mich nicht aufdringlich wirken zu lassen. Sie blickte
kurz von ihrem Buch auf, als ich mich hinsetzte, und ich glaubte sogar
das Aufblitzen eines Lächelns in ihrem Gesicht festzustellen.
Von hier aus konnte ich erkennen, was sie las: Sie hatte sich in ein
gebundenes Buch vertieft. Den Titel konnte ich nicht erkennen, denn
die Fremde hatte ihn mit der Hand verdeckt. Deutlich zu erkennen war
aber der Name des Autors: Shakespeare.
Als ich gerade dabei war, mir zu überlegen, was einen modernen Men-
schen dazu bringen könnte, sich am hellen Nachmittag intensiv mit
Shakespeare zu befassen, kam ein Kellner und stellte mit elegantem
Schwung eine Portion Tee und ein Glas Wasser vor die Fremde auf den
kleinen Beistelltisch. Ich konnte mich nicht erinnern, gehört zu ha-
ben, dass sie etwas bestellte. Konnte es sein, dass die Dame jeden Tag
zur gleichen Stunde ihren Tee mit Wasser trank und die Bedienungen im
Hotel dieses Ritual schon kannten? Dass sie ihre Bestellung während
meiner Abwesenheit aufgab, ist unwahrscheinlich, denn in einem Hotel
dieser Klasse gehört zwar ein schneller Service zum guten Ton, aber
Eile ist verpönt.
Die fremde Lady wurde für mich immer rätselhafter.
Ich versuchte eine gedankliche Inventur durchzuführen. Was wusste ich
von dieser Frau? Ich schätzte sie auf knapp über vierzig, wobei mir
wieder schlagartig klar wurde, wie schwer es fällt, Menschen nach
ihrem Alter richtig einzuschätzen. Sie zeigte ein selbstsicheres Auf-
treten und kleidete sich mit einer ausgesprochen eleganten Einfach-
heit. Sie vermittelte den Eindruck, sich im Suvretta House zu Hause zu
fühlen. Und sie las konzentriert Shakespeare. Verglichen mit den an-
deren Menschen in diesem Hotel, die sich in aller Regel als "Er-
folgsmenschen" gaben und dies mit herablassender Blasiertheit unter-
strichen, war es, als ob sie aus einer anderen Welt käme. Mehr wusste
ich nicht von ihr. Doch, noch etwas: Bevor sie den Tee eingoss, gab
sie Milch und Zucker in die Tasse. Diese Reihenfolge kenne ich von
England. War sie vielleicht Engländerin? Das würde zumindest wieder zu
Shakespeare passen.
Der Hotelpage riss mich aus meinen Überlegungen, als er mich diskret
von der Seite ansprach, um mir mitzuteilen, dass mein Gesprächspartner
endlich eingetroffen sei.
Beim Gespräch mit diesem Herrn aus der Führungsetage eines interna-
tionalen Konzerns war ich nicht bei der Sache. Die wichtigsten Fragen,
die mich in meinem Projekt weitergebracht hätten, fielen mir nicht
oder erst zu spät ein. Meine Gedanken schweiften immer wieder zu der
Dame in der Hotelhalle ab. Nicht nur die Gedanken, sondern auch meine
Augen, denn ich wählte meinen Sitzplatz so, dass ich durch die offenen
Türflügel der Anton's Bar die Fremde in der Hotelhalle beobachten kon-
nte. Shakespeare schien sie wirklich zu fesseln. Sie rührte sich nicht
von der Stelle. Ihre Umgebung schien sie völlig vergessen zu haben.
Ich hatte es meiner Zerstreutheit zuzuschreiben, dass die Unterredung
ergebnislos verlief, also für meinen Gesprächspartner und für mich
unbefriedigend. Trotzdem war ich nicht unglücklich, denn von meinem
Platz in der Anton's Bar aus konnte ich sehen, dass meine Dame Ge-
sellschaft bekam. Eine untersetzte Frau, gekleidet in ein mausgraues,
uniformartig geschnittenes Blazerkleid, ging mit energischen Schritten
auf die Sitzgruppe am Fenster zu, setzte sich ohne eine sichtbare Be-
grüßung neben meine Dame und begann intensiv auf diese einzureden.
Natürlich konnte ich aus der Entfernung nicht hören, was gesprochen
wurde, aber ich hatte den Eindruck, dass der Inhalt des Monologes me-
ine Lady wenig interessierte. Mit Widerwillen klappte sie ihr Buch zu,
ließ aber den Finger zwischen den Seiten stecken, so als wollte sie
möglichst schnell weiter lesen. Mit dem Buch in der Hand lehnte sie
sich weit zurück in das bequeme Polster ihres Sessels. Während die
andere weiter sprach und gestikulierte, schaute sie sich teilnahmslos
in der Halle um.
Als ich meinen Gast im Foyer mit einem knappen Gruß verabschiedet
hatte, kehrte ich zu meinem Platz in der Bar zurück und trank mein
Glas leer.
"Wer sind denn die beiden Gäste?", fragte ich den Kellner, nachdem er
die Gläser auf sein Tablett gestellt und ich ihm die Position der
Sitzgruppe in der Halle genau beschrieben hatte.
"Aber entschuldigen Sie, bitte, Herr Adler, Sie wissen doch, dass wir
grundsätzlich keine Informationen über unsere Stammgäste weitergeben
dürfen. Das sind wir dem Ruf unseres Hauses schuldig." Immerhin hatte
ich schon erfahren, dass es sich um "Stammgäste" handelt.
Unauffällig schob ich ihm einen größeren Geldschein in die Hand und
bestellte einen weiteren Drink.
Die einseitige Unterhaltung zwischen den beiden ungleichen Damen ging
weiter. Der Redeschwall der Mausgrauen, die sich immer weiter in ihrem
Sessel vorbeugte, schien an ihrer Gesprächspartnerin abzuprallen.
Unter dem Fuß des schweren Kristallglases, in dem das nächste Getränk
serviert wurde, steckte dann der Zettel mit dem gewünschten Hinweis:
"Zimmer 212, Ellen Greenfield, Elisabeth Brown". Vielleicht lag ich
mit meiner Vermutung "England" richtig?
Beim Versuch herauszufinden, wer von den beiden Damen Ellen und wer
Elisabeth war, ließ ich die Eiswürfel im Glas leise klirrend kreisen.
Ich rollte die beiden Namen auf der Zunge und sprach sie mir leise
vor, um zu ergründen, welche Gefühle sie in mir wecken. Elisabeth
klang zwar edel; schließlich heißt sogar die englische Queen so. Aber
gleichzeitig hinterließ er den Eindruck, etwas altbacken und verstaubt
zu sein. Ellen wirkte im Vergleich jünger und aufgeschlossener. Ich
nahm für mich fest an, dass sich meine Lady Ellen nannte.
Das Trinkgeld, das ich dem Kellner gab, hatte positive Nachwirkungen:
Der für mich reservierte Tisch zum Abendessen war direkt neben dem der
beiden Damen. Der Austausch der üblichen Höflichkeitsfloskeln ebnete
den Weg für ein kurzes, unverbindliches Gespräch, wie es zwischen Ho-
telgästen, die sich plötzlich als Tischnachbarn sehen, üblich ist. Mit
England lag ich goldrichtig. Der Akzent "meiner" Lady verriet die
Zugehörigkeit zur besseren Londoner Gesellschaft. Sie wählte ihre
Worte mit ruhiger Gelassenheit, wobei sie das "th" mit vornehm
gespitztem Mund sprach. Hatte ich vorher übersehen, dass sie eine
fragil gestylte Halbbrille mit randlosem Gestell trug? Vielleicht saß
ich nur zu weit von ihr entfernt.
Zwischen die einzelnen Sätzen meiner Lady floss der gewaltig sprudel-
nde Redeschwall der Mausgrauen. Lauter, als es im diskreten Rahmen
dieses Raumes erforderlich gewesen wäre. Auch in Englisch, aber im
breiten Dialekt der Blackcountries. Das Ganze von weit ausladenden,
wenig fraulichen Handbewegungen begleitet.
Und dann endlich das ersehnte Stichwort, das Klarheit schaffte: "Am
Samstag fahren wir weiter nach Italien, Ellen", sagte die Mausgraue.
Mein Gefühl hatte mich also nicht getäuscht.
Elisabeth breitete umständlich eine Straßenkarte von Norditalien auf
dem kleinen Tisch aus und warf dabei versehentlich ein Glas um.
Schnell hob ich das Glas auf, das auf dem weichen Teppich nicht zu
Bruch ging, und stellte es wieder an seinen Platz.
"Sie wollen Ihren Urlaub in Italien fortsetzen?" Ich ergriff die gün-
stige Gelegenheit, um ein Gespräch mit den beiden Damen anzuknüpfen.
"Entschuldigen Sie bitte, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt.
Mein Name ist Adler. In Italien kenne ich mich gut aus und kann Ihnen
vielleicht einen Tipp geben, falls Sie das wünschen."
Die Reaktion der beiden Damen hätte nicht unterschiedlicher ausfallen
können. Während Ellen mir aufmunternd zunickte, hätten mich die Augen
der Mausgrauen am liebsten durchbohrt. 'Was fällt Ihnen ein, sich in
unsere Angelegenheiten einzumischen?', war die unausgesprochene
Botschaft, die sie quer über den Tisch schickte.
"Ellen Greenfield", stellte sich meine Lady mit einer angedeuteten
Verbeugung vor, "und das ist Elisabeth Brown, meine Begleiterin."
Die Augen der Mausgrauen funkelten immer noch feindselig.
[Anm. der Red.: Ab heute korrigieren wir auch Rechtschreibung und
Zeichensetzung der eingereichten Texte - viele hätten angesichts der
Fehlermenge schon allein deshalb einen schweren Stand in den Lektor-
aten. (Und uns juckt es in den Fingern.)]
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Lektorat von Hans Peter Roentgen
Eine Frau setzt sich in einem teuren Hotel in St. Moritz so hin, dass
sie die atemberaubende winterliche Bergkulisse nicht sehen muss, und
liest Shakespeare. Den Ich-Erzähler fasziniert das so, dass er eine
wichtige Besprechung mit einem Manager der obersten Führungsebene in
den Sand setzt. Stattdessen beobachtet er die Dame.
Was fällt an dem Text auf? Wir erfahren zwar viel über die Hotelszene
und die Kulisse - ein vornehmes, der Schilderung nach alteingesessenes
Hotel -, aber wenig über die zentrale Figur und ihre Faszination. Was
fasziniert den Ich-Erzähler an der Frau? Dass ihre Bewegungen auf ein
Minimum reduziert sind? Dass sie Shakespeare liest?
Beides mag Aufmerksamkeit erwecken, vielleicht für ein paar Minuten.
Aber so besonders ist es in dem vorgestellten Ambiente nun auch nicht.
Die Vornehmen und Reichen bewegen sich oft kontrolliert, und in einem
alten Nobelhotel verkehren keine Neureichen, sondern alter Reichtum.
Da ist die Shakespeare-Lektüre so ungewöhnlich nun auch nicht. Sinn
für Literatur gehört dazu, damit setzt man sich ab.
Etwas anderes wäre es, wenn es sich um ein Hilton oder ein ähnliches,
ebenfalls teures, aber eher auf Neureiche spezialisiertes Hotel han-
deln würde.
Vor allem aber: Der Ich-Erzähler hat einen Termin, er ist mit einem
wichtigen Herrn aus Führungsetagen verabredet. Weil er aber die Dame
beobachtet und dem Gespräch wenig Aufmerksamkeit widmet, verläuft die
Unterredung ergebnislos. Was die Unterredung ergeben sollte, erfahren
wir genauso wenig wie den Grund, warum es wichtig war.
Beides hat eins gemeinsam: Wir wissen zu wenig. Genau das, was unsere
Geschichte vorantreiben würde, fehlt.
Viele Geschichten erzählen zu viel. Da tummeln sich Infodumps, da ver-
rät der Autor bereits alles auf der ersten Seite. Hier ist es um-
gekehrt. Natürlich soll man nicht alles verraten, aber so viel, dass
die Neugier geweckt wird, sollte es schon sein.
Der Ich-Erzähler hat sein Gespräch in den Sand gesetzt. Was heißt das?
Dass er seinen Artikel nicht fertig schreiben kann, weil die entschei-
denden Informationen fehlen? Dass er ein Detail nicht erfahren hat?
Wird er deshalb in finanzielle Schwierigkeiten kommen?
Ein wenig neugierig machen sollte diese Szene schon. Weil das die
Geschichte vorantreiben würde. Weil wir daran sehen, wie wichtig dem
Ich-Erzähler es ist, die Frau zu beobachten. Hat er dafür die Chance
seines Lebens vergeigt?
Nicht dass ich dafür wäre, gleich alles zu verraten. Aber mehr andeu-
ten:
"Abrupt stand mein Interviewpartner auf. ?Sie interessieren sich nicht
wirklich für mich', sagte er und zog seinen Mantel an. Ich wollte ihn
aufhalten, selbst dabei konnte ich die Dame jedoch nicht aus den Augen
lassen. Kein Wunder, dass es mir nicht gelang, ihn zum Bleiben zu
bewegen. Den Spiegel-Artikel konnte ich vergessen. Einmal für den
Spiegel schreiben, das war immer mein Traum gewesen. Es würde wohl ein
Traum bleiben.
Die Dame blätterte ihren Shakespeare um."
Der Text müsste konkreter werden. Noch ist das alles zu allgemein,
"der Herr aus der Führungsetage" genauso eine Behauptung wie "Die
fremde Lady wurde mir immer rätselhafter". Da diese allgemeinen Be-
hauptungen nicht oder nur wenig ausgefüllt werden, spürt der Leser die
Faszination nicht, die den Erzähler zwingt, die Dame zu beobachten,
einen wichtigen Gesprächspartner zu vergessen und sogar den Kellner zu
bestechen, bloß um ihren Namen zu erfahren.
Dabei hat der Stil der Erzählung durchaus etwas für sich. Unaufgeregt,
dezent wie der Hintergrund, angepasst an den Stil alten Reichtums,
Menschen, die ihre Emotionen beherrschen: All das passt, all das ist
auch in der Sprache gut umgesetzt.
Was fehlt, ist das Besondere, Konkrete, das diese Schilderung in eine
Geschichte verwandelt. Das den Leser zum Weiterlesen reizt. Tiefer in
die Geschichte, in die Szene eintauchen. Nicht nur an der Oberfläche
kratzen, sondern mit dem Mann mitleben, der seine Augen nicht von die-
ser fremden Frau lassen kann und darüber seinen Job vergisst. Und dann
das herüberbringen. Statt einfach zu behaupten: "Die fremde Lady wurde
mir immer rätselhafter", den Leser rätseln lassen. Show, don't tell.
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Hans Peter Roentgen coacht Autoren und Manuskripte
(http://www.textkraft.de). Gerade ist sein Buch mit zahlreichen
Beispielen zur Textbearbeitung erschienen: "Vier Seiten für ein Halle-
luja", Lerato Verlag.
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BESONDERE LESUNGEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Lesung in einer Ruine"
von Barbara Mansion
Als mein erstes Buch erschien, verlegte ich die Präsentation mit
Autorenlesung in die Ruinen der Siersburg bei Rehlingen-Siersburg an
der Saar. Der Krimi "Mörderische Wallfahrt" spielt auf genau dieser
Burg in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
Die Buchhandlung Bock & Seip aus Merzig organisierte einen Büchertisch
und übernahm damit für mich den Buchverkauf.
Begleitet hat mich die Theatergruppe "Felsberger" in wunderschönen
mittelalterlichen Kostümen. Es gab Schwertkämpfe, kurze Einlagen, die
sich auf das Buch bezogen, und natürlich Kaffee und Kuchen.
Obwohl die Burg nur zu Fuß zu erreichen ist und der Aufstieg nicht
gerade einfach, war es ein voller Erfolg. Der Burgwart zählte damals
180 Gäste. Die Gemeinde stellte Tische, Bänke, Beschallungsanlage, den
Bürgermeister und die Burg zur Verfügung. Kaffee und Kuchen, Rostwurst
und den unvermeidlichen saarländischen Schwenker verkaufte der
Burgwart.
Ich selbst sorgte dann dafür, dass das Buch in mehreren Zeitungen
stand. Schließlich kann man ein Buch ja nur kaufen, wenn man weiß,
dass es dieses gibt.
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INTERVIEW:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"In diesem Beruf braucht man sehr, sehr viel Geduld"
Interview mit Tereza Vanek
Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Tereza Vanek, im September
2007 ist Ihr historischer Roman "Schwarze Seide" im Ulrike Helmer Ver-
lag erschienen. Natalja Serbinskaja, Malerin und Tochter eines rus-
sischen Grafen und einer deutschen Freidenkerin, folgt im Jahr 1787
der Einladung ihrer verheirateten Jugendfreundin Marie Luise nach
Bristol und wird dort zu ihrem Entsetzen mit der erzkonservativen Le-
benseinstellung britischer Sklavenhalter konfrontiert. Eine der Lei-
beigenen ihrer Jugendfreundin ist die junge Schwarze Sadie. Natalja
ist fasziniert von Sadies Stolz und beginnt, ein Portrait von ihr zu
malen. Eine ungeheuerliche Provokation gegenüber Marie Luises Familie.
Während der Sitzungen für das Portrait überwinden die beiden un-
gleichen Frauen nach und nach ihre Vorurteile. Und dann verliebt sich
Natalja in Sadie ...
Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Roman? Wie gehen Sie beim Schrei-
ben und Recherchieren vor? Sind Sie mehr eine intuitive Autorin, oder
planen Sie jedes Detail im Voraus?
Tereza Vanek: Ich hatte mich schon lange mit der Geschichte der Sklav-
erei befasst und fand zu meinem Staunen heraus, dass die ersten Afri-
kaner dadurch bereits lange vor dem 20. Jahrhundert nach Europa
gelangten. Da ich sowohl Multi-Kulti-Geschichten als auch historische
Schauplätze mag, beschloss ich, dies zum Thema eines Romans zu machen.
Damals hatte ich nur eine ungefähre Handlung im Kopf. Es sollte um die
Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen völlig gegensätzlicher
Herkunft gehen, außerdem noch um einige Intrigen und sonstige Machen-
schaften, und dabei könnten auch möglichst viele historische Informa-
tionen über Sklaverei, Leibeigenschaft, Aufklärung etc. mit hinein-
fließen.
Bevor ich mit dem Schreiben eines Romans beginne, lese ich normaler-
weise ein paar Fachbücher, um mein Wissen über die Epoche und meine
Thematik zu vertiefen. Dann fange ich allmählich an, den Text zu ver-
fassen, recherchiere aber gleichzeitig weiter. Je klarer die Handlung
und die Charaktere sich in meinem Kopf herauskristallisieren, desto
genauer weiß ich auch, worüber ich mich noch informieren muss. Manche
Ideen gewinne ich auch durch das Recherchieren. Die Grundzüge der
Handlung sind vorher geplant, aber bei den Details bin ich eher intui-
tiv. Sie ergeben sich zusammen mit der Geschichte.
RRB/TRB: Wie umfangreich war die Zusammenarbeit mit dem Lektorat des
Ulrike Helmer Verlags?
TV: Das ging sehr schnell und reibungslos über die Bühne. Ich erhielt
den Text mit Änderungsvorschlägen, denen ich zustimmen konnte oder
nicht. Bei einigen Szenen schlug die Lektorin auch kleinere inhaltli-
che Änderungen vor. Das sollte ich dann natürlich selbst umschreiben.
Ich war nicht mit allen Vorschlägen einverstanden, aber wir fanden
immer schnell einen Kompromiss. Insgesamt war das eine sehr angenehme
Zusammenarbeit.
RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchcov-
ers oder den Klappentext?
TV: Der Titel stammt von mir. Der Verlag behielt ihn bei, weil er ihn
gut fand. Das Cover gestalteten sie selbst, und ich finde, es ist sehr
schön geworden. Den Klappentext hat ebenfalls der Verlag verfasst,
aber meine Änderungswünsche wurden dabei berücksichtigt.
RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Schlüssel-
erlebnis?
TV: Ein Schlüsselerlebnis gab es nicht. Ich habe seit meiner Kindheit
Bücher verschlungen, Literatur, Unterhaltungsromane, Klassiker und
Modernes. Eigentlich wusste ich schon sehr früh, dass ich selbst
Geschichten schreiben möchte, und tippte bereits als Teenager auf
einer uralten Schreibmaschine herum. Nur zweifelte ich lange daran, ob
jemand meine Geschichten wirklich lesen will, und vor allem, ob es mir
je gelingen würde, einen Verlag zu finden.
RRB/TRB: Wie wirkt sich Ihr philologisches Studium auf Ihr Schreiben
aus?
TV: Es ist sehr hilfreich, da ich in meinem Studium viel über Litera-
tur und Geschichte gelernt habe. Ich habe mich stets für unkonven-
tionelle Frauen, Künstlerinnen und auch Herrscherinnen der Vergangen-
heit interessiert. Durch mein Studium bin ich auf etliche solche Fälle
gestoßen, die mir nun Ideen für Romane geben.
RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Schwarze Seide" gearbeitet?
TV: Ungefähr zwei Jahre. Ich war allerdings noch voll berufstätig und
hatte diverse andere Hobbys. Nun, da ich wirklich die Möglichkeit auf
eine Veröffentlichung sehe, nehme ich mir mehr Zeit für das Schreiben.
RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Autorin, einen guten
Autor aus?
TV: Ich kann nur sagen, was meiner Meinung nach einen guten Roman
ausmacht. Zunächst einmal muss die Sprache des Autors mir gefallen,
der Text darf nicht holprig, abgedroschen oder zu hochtrabend klingen.
Außerdem möchte ich eine fesselnde, aber auch glaubwürdige Geschichte
lesen. Die Figuren sollten komplexe, gern widersprüchliche Individuen
sein und keine makellosen Helden oder abgrundtiefen Bösewichte.
Schließlich gefällt es mir auch, wenn ich durch die Lektüre eines Bu-
ches neue Kenntnisse gewinne, z. B. über Geschichte oder andere Kultu-
ren.
Es gibt allerdings Romanautoren, die meiner Meinung nach nicht so
schreiben und trotzdem sehr erfolgreich sind. Das stört mich nicht.
Ich gönne ihnen den Erfolg, denn hinter jedem Buch steht viel Arbeit
und Disziplin.
RRB/TRB: Sie werden von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams ver-
treten. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrer Agentur aus?
TV: Mittlerweile ist es so, dass ich meiner Agentin Vorschläge für
neue Romane unterbreite, und wenn sie diese gut findet - was bisher
zum Glück immer der Fall war -, kann ich mich an die Arbeit machen.
Sie übernimmt die Verhandlungen mit den Verlagen, wofür ich sehr dank-
bar bin. Ich sehe mich nicht als Geschäftsfrau, und es war mir stets
verhasst, mich irgendwo zu bewerben.
Zunächst musste ich mich aber, wie jeder Neuling, mit einem fertigen
Manuskript bei der Agentur vorstellen. Glücklicherweise kam es dort
gut an.
RRB/TRB: Wie sieht der Alltag Ihres Autorenlebens aus?
TV: Momentan noch sehr stressig, da ich nebenher berufstätig bin, auch
wenn ich meine Stunden etwas reduzieren konnte. Ich komme von meiner
Arbeit nach Hause, mache eine kurze Pause und setze mich dann an den
Schreibtisch. Auch Urlaub und Wochenende nutze ich hauptsächlich fürs
Recherchieren und Schreiben. Das soll natürlich kein Dauerzustand
bleiben. Ich hoffe, dass ich es mir bald leisten kann, nur noch
halbtags zu arbeiten oder ganz vom Schreiben zu leben.
RRB/TRB: Gibt es noch irgendein Genre, das Sie als Autorin reizen
würde? Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?
TV: Ich glaube, mein Genre habe ich gefunden: historische Romane über
unkonventionelle Frauen. Was die Epoche betrifft, will ich mich nicht
festlegen. Mein nächster Roman spielt im Frühmittelalter. Danach will
ich eine Geschichte über die wilden Zwanziger schreiben. Ich bevorzuge
eine Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und Thriller. Ideen habe ich
viele. Ich wünsche mir nur, bald mehr Zeit und Ruhe fürs Schreiben zu
haben.
RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte ...) lesen
Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
TV: Zurzeit lese ich "Die verborgene Welt" von Shamim Sarif. Die The-
matik ist ähnlich wie in meinem Roman: die Liebe zwischen zwei Frauen
in einer rassistischen, erzkonservativen Gesellschaft. Allerdings
spielt die Geschichte in den fünfziger Jahren in Südafrika. Die
Autorin schreibt sehr schlicht, ohne viel Action und Drama. Trotzdem
ist der Roman fesselnd und beeindruckt mich sehr.
Ich habe, wie gesagt, in meinem Leben viele Bücher gelesen, manche
gefielen mir sehr, andere gar nicht, und bei den meisten fand ich,
dass sie ihre Stärken und Schwächen hatten. Wirklich motivierend waren
für mich allerdings zwei Autorinnen: Marion Zimmer Bradley und Sarah
Waters.
"Die Nebel von Avalon" galten zu meiner Schulzeit als trivial, und ich
habe mich daher lange geweigert, sie zu lesen. Als ich dann doch dazu
überredet wurde, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, so
begeistert war ich davon. Ähnlich ging es mir bei "Selinas Geister"
und "Solange du lügst" von Sarah Waters. Ich will nicht behaupten,
dass dies die größten literarischen Werke der Menschheitsgeschichte
sind. Aber sie waren für mich eine Anregung, wie jene Art von
Geschichten, die ich schreiben möchte, gut erzählt werden können. Und
das Wichtigste: Sie machten mir klar, dass an solchen Geschichten wohl
auch Interesse besteht.
RRB/TRB: Hätten Sie sonst noch einen Rat für angehende Autoren und
Autorinnen?
TV: Zunächst einmal sollte man den Traum begraben, schnell mal einen
Text zu schreiben und dann über Nacht berühmt zu werden. Es mag ja
solche Fälle gegeben haben, aber das waren absolute Ausnahmen. Ich
fürchte, in diesem Beruf braucht man sehr, sehr viel Geduld.
Dann ist es wichtig, realistisch an die Sache heranzugehen und
vielleicht auch einen Blick auf den Markt zu werfen. Welche Zielgruppe
hat der Roman, den man schreibt? Könnte er wirklich die breite Masse
ansprechen? Nur in diesem Fall macht es Sinn, große Agenturen oder
Publikumsverlage anzuschreiben. Ansonsten kann man sich umsehen,
welche Verlage vielleicht schon ähnliche Texte veröffentlicht haben,
und sein Manuskript gezielt an diese schicken.
Was nun das Schreiben an sich betrifft, kann ich nur sagen, was mir
selbst geholfen hat. Es macht durchaus Sinn, sich an bestimmten Vor-
bildern zu orientieren, aber man muss darauf achten, diese nicht ein-
fach zu kopieren, sondern einen persönlichen Stil zu finden.
Und dann gilt es noch durchzuhalten, auch wenn es zunächst Absagen
hagelt. Wer wirklich bereit ist, sehr viel Zeit und Mühe ins Schreiben
zu investieren, hat durchaus Aussichten, irgendwann veröffentlicht zu
werden.
RRB: Herzlichen Dank für das Interview.
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VERLAGSPORTRAIT:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Martina Campbell
Sieben Verlag Ltd.
Hauptstraße 87
64756 Mossautal
Telefon: (0 60 61) 96 97 63
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
http://www.sieben-verlag.de
Verlagsgeschichte
Martina Campbell hat den Sieben Verlag im September 2006 gegründet.
Sie beschäftigt drei Angestellte. Der Name des Verlags ergab sich
dadurch, dass sich die Zahl 7 im Leben der Verlegerin in den letzten
Jahren deutlich häufte. 2007 sollte außerdem das erste Buch herausge-
bracht werden.
Martina Campbell hat ihr Hobby damit zum Beruf gemacht. Der Spaß am
Text und die Zusammenarbeit mit Autoren ließen sie diesen Schritt ge-
hen.
Das Programm startete mit dem Buch des Debütautors Gian Carlo Ronelli
"Goweli - Der letzte Engel". Dieser Mystery-Thriller erschien im April
2007 und wurde begeistert aufgenommen. Seither kamen weitere elf Titel
verschiedener Genres hinzu.
Programm und Philosophie
Das Programm ist breit gefächert. Die Philosophie des Sieben Verlags
ist "Raus aus der Rubrik 'Alles schon mal da gewesen'". Ungewöhnliche
Geschichten sollen dem Leser Neues bieten.
Auch genreübergreifende Werke finden ihren Platz im Verlag. Gerade
beim Mystery-Thriller können die Grenzen von Crime und Abenteuer zu
Science-Fiction und Fantasy fließend sein. Beim Liebesroman darf es
paranormal zugehen und beim Frauenroman auch mal philosophisch und
tiefgründig. Aber auch "Mainstream" findet man im Sieben Verlag. Das
Wichtigste ist "die pure Leselust". Bücher sollen unterhalten, nach-
denklich machen, bewegen. Darauf achtet der Verlag bei der Auswahl der
Manuskripte.
Verlegt wurden bisher Bücher von Gian Carlo Ronelli, Christine Spin-
dler, Chris Stein, Uli Wenzel, Gefion Clausen, Elke Meye, Bettina
Schlager, Peer Onneken, Birgit Fuchs, Marie Andrevsky und Charlotte
Hagen. Noch in diesem Jahr werden zusätzlich Werke von Tanya Carpen-
ter, Olga A. Krouk und Greta Stübinger erscheinen.
AutorInnen gesucht?
Ja, Martina Campbell sucht Autoren. Speziell für die Genres Thriller,
Mystery-Thriller, Krimi, paranormaler Roman und historischer Roman.
Konditionen
Der Verlag bietet marktübliche Konditionen und Verträge. Dem Autor
entstehen keine Kosten. Es wird ein Lektorat und gemeinsame Textarbeit
geboten. Die Bücher sind überall im Buch- und Onlinehandel erhältlich.
Was ist besonders wichtig?
Martina Campbell ist wichtig, dass eine fesselnde Geschichte erzählt
wird. Die Handlung sollte originell und interessant sein. Der Verlag
erhält sehr viele Manuskripte, die zwar eine gute Seelenansicht und
Entwicklung der Protagonisten aufweisen, aber leider keine Handlung,
keinen Plot.
Auch die Sprache ist sehr wichtig. Was ein zu aufwendiges Lektorat
erfordern würde, wird abgelehnt.
Zukunftspläne
Ab 2008 wird der Sieben Verlag Verlagsvertreter einsetzen und das Pro-
gramm dem Buchhandel direkt vorstellen. Das Programm wird auch im
nächsten Jahr weiter wachsen, sofern geeignete Manuskripte eingehen.
Dabei wird sich herauskristallisieren, welche Genres besonders gut
ankommen und welche nicht. Dementsprechend wird das Programm eventuell
neue Schwerpunkte erhalten.
Die Zukunft bleibt spannend, und der Sieben Verlag sieht der Entwick-
lung mit höchstem Interesse entgegen. Doch an der Philosophie wird
sich nichts ändern - der Verlag will frische und außergewöhnliche Ro-
mane bieten.
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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
---------------------------------------------------------------------
Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema -
keine Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
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Heftroman: Arndt Ellmer
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Historischer Roman: Titus Müller
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Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
kinderbuch at experte pt autorenforum pt de
Lesungen: Rüdiger Heins
lesungen at experte pt autorenforum pt de
Lyrik: Martina Weber
lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
sachbuch at experte pt autorenforum pt de
Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss
fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de
Sciencefiction: Andreas Eschbach
sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Technik (physikalisch!): Woldemar Schilgen
technik at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
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Experten-Special:
.................
Björn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur-
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam-
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord-
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin-
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN, Leseprobe,
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062-
tempest2-4.
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH:
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ich habe ein Märchen für Kinder geschrieben. Danach hat eine Künstle-
rin das Märchen bebildert, und ich habe es in Ringbindung und Farbe
gebunden. Dann ging es an die Verlage. Na ja, das Ergebnis können Sie
sich vorstellen. War es ein Fehler, das Geschriebene bereits zu bebil-
dern? War es ein Fehler, das Märchen schon zu binden?
Antwort:
Es gibt viele Gründe, warum die Verlage Ihr Märchen abgelehnt haben
könnten. Vielleicht passte es nicht ins Verlagsprogramm, vielleicht
gefiel es dem Lektor nicht, oder es befindet sich bereits ein ähnli-
cher Titel im Programm.
Neben dem Handwerk gehört auch immer ein wenig Glück dazu. Ein Manu-
skript muss zur richtigen Zeit beim richtigen Lektor auf dem Schreib-
tisch landen, denn was dem einen nicht gefällt, kann den anderen völ-
lig begeistern.
Ganz sicher haben die Absagen nichts damit zu tun, dass Sie das Manu-
skript haben binden lassen. Allerdings ist das auch nicht nötig, und
manche LektorInnen sehen es nicht besonders gern. Ein gut lesbarer und
durchnummerierter Ausdruck reicht völlig aus. Illustrationen zum Text
können, müssen aber nicht beigefügt werden.
Bei Bilderbüchern ist es so, dass es Verlage gibt, die nur an bereits
bebilderten Geschichten interessiert sind, andere Verlage sind nur am
Text interessiert und lassen die Bilder von ihren Hausillustratoren
anfertigen. Welcher Verlag was bevorzugt, lässt sich herausfinden,
indem Sie dort nachfragen.
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Michael Borlik, 1975 geboren, machte 1995 sein Abitur und ging an-
schließend in eine kaufmännische Ausbildung, die er 1998 erfolgreich
abschloss. Seit 2001 erfolgte eine Reihe von Veröffentlichungen. Über-
wiegend schreibt er Kinder- und Jugendbücher, die u. a. bei Ueberreu-
ter, Thienemann und Arena erscheinen. Seit Sommer 2005 ist er freier
Schriftsteller. Mehr Infos unter http://www.borlik.de.
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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
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Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück-
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
beitrag at team pt autorenforum pt de.
Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.
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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
Gabi Neumayer redaktion at team pt autorenforum pt de
Stefan Schulz webmaster at autorenforum pt de
Thomas Roth-Berghofer
Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de
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