Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Schreibkurs
"Journalistisches Schreiben für Einsteiger:
Typische Anfängerfehler und wie sie
vermieden werden können, Teil 1"
von Petra Hartmann
Ein Exposé zum Knutschen
"Abgrundtief"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Buchbesprechung
"Wer reden kann, macht Eindruck.
Wer schreiben kann, macht Karriere"
besprochen von Andrea Behnke
Interview mit Olga A. Krouk
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Verlagswesen
(Björn Jagnow)
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
EDITORIAL:
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Liebe Autorinnen und Autoren,
auf der Lit.Cologne habe ich in den letzten Tagen nicht nur wunderbare
KinderbuchautorInnen getroffen, sondern auch mehreren Lesungen der
Lit.Kid.Cologne gelauscht. Dabei konnte ich einiges lernen: wie man es
schafft, dass Neunjährige über eine Stunde aufmerksam und mit viel
Spaß bei der Sache bleiben; wie man Jugendliche da abholt, wo sie
sind, und womit man sie fesseln kann. Und nicht zuletzt, dass gute
AutorInnen sogar über so etwas wie den Amoklauf eines Schülers mit
Kindern und Jugendlichen in ganz besonderer Weise sprechen können -
ohne Plattitüden und Pauschalurteile, dafür ebenso konkret wie kon-
struktiv.
Für alle AutorInnen, die auch noch etwas dazulernen wollen, gibt es in
diesem Tempest spannende und hilfreiche Beiträge aus ganz unterschied-
lichen Schreibecken: Petra Hartmann gibt in ihrem zweiteiligen Artikel
(der zweite Teil folgt im nächsten Tempest) einen praxisnahen Einblick
ins journalistische Schreiben. Wir wissen, dass viele von euch sich
für dieses Thema interessieren, und freuen uns, dass wir dank Petra
endlich einmal etwas dazu anbieten können! Eine Liefergarantie für
Aha-Erlebnisse gibt es bei Hans Peter Roentgen; er hat sich für diese
Ausgabe wieder eins eurer Exposés angesehen und analysiert. Unser He-
rausgeberInnen-Duo hat die Autorin Olga A. Krouk interviewt, Andrea
Behnke stellt ein ungewöhnliches Schreibbuch vor, zwei unserer Exper-
ten geben unbezahlbare Tipps - und Franziska Röchter hat wieder einmal
etwas für eine Rubrik beigesteuert, die es ohne sie schon längst nicht
mehr gäbe und die wir eigentlich allmählich in "Küss mich, ich bin
eine Autorin!" umbenennen sollten.
Der Tipp des Monats März, diesmal von Ulrike Scheuermann:
Falls du dich oft durch Mails und anderes ablenken lässt:
Richte dir am Computer einen eigenen Benutzer ein.
Konfiguriere ihn so, dass du darüber
nur zu deinen Schreibprojekten Zugang hast.
Unsere in zweierlei Hinsicht überraschende Überraschungsverlosung (man
weiß nie, wann sie kommt und was es zu gewinnen gibt) hat diesmal And-
rea Behnke gewonnen. Sie freut sich (hoffentlich) über ein edles kri-
minelles Lesezeichen in recht eigenwilliger Form.
Und wer von euch die nächste Verlosung gewinnen möchte, weiß ja, was
zu tun ist: Schickt mir Vorschläge für Artikel oder Glossen, oder
mailt mir Schreib- und Autoren-Tipps (je kürzer, desto besser),
Schreib-Kicks, Internetempfehlungen für den "Lesetipp" (maximal drei
Zeilen) oder einen Minidialog für die Rubrik "Küss mich, ich bin ein
Autor!". Und schon wandert euer Name in die Lostrommel!
Fürs Überweisen eines freiwilligen Jahresbeitrags gibt es übrigens
einen noch viel größeren Gewinn: eine Zukunft für unseren Tempest! Es
klingt vielleicht gierig, dass ich immer wieder darauf hinweise, aber
tatsächlich brauchen wir eine deutlich stärkere finanzielle Unterstüt-
zung von euch, um den Tempest auf Dauer weiterzuführen. Es kommt auf
jede/n Einzelne/ von euch an! Und ihr bekommt ja auch eine Menge da-
für. Unsere Bankdaten findet ihr gleich unterm Editorial.
Und jetzt: Möge der Frühling endlich beginnen und euch Gesundheit,
Inspiration und Schreibfreude bringen!
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto
von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG
BLZ 550 905 00
Kto. 100 724 515
Stichwort: "Beitrag 2009"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei-
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte
genau so zusammenschreiben!)
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15
BIC: GENODEF1S01
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ISSN 1439-4669 Copyright 2009 autorenforum.de. Copyright- und
Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
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INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Schreibkurs
"Journalistisches Schreiben für Einsteiger:
Typische Anfängerfehler und wie sie
vermieden werden können, Teil 1"
von Petra Hartmann
Ein Exposé zum Knutschen
"Abgrundtief"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Buchbesprechung
"Wer reden kann, macht Eindruck.
Wer schreiben kann, macht Karriere"
besprochen von Andrea Behnke
Interview mit Olga A. Krouk
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Verlagswesen
(Björn Jagnow)
Frag den Experten für Kinderbuch
(Michael Borlik)
Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
Impressum
~~~~~~~~~
Auf unserer Homepage gibt es einen praktischen Service für orientie-
rungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für einzelne Tempest-
Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen
Jahrgänge zu erstellen.
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HALL OF FAME:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen
können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema:
.......
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich
könnt ihr in maximal 60 Zeichen inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen.
.......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei-
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG, NEU!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bes-
tätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem
Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat!
Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an
redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen
Schema gemacht werden!
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Mitra Devi: "Filmriss", Appenzeller-Verlag 2009, Kriminalroman. Der
zweite Fall für die Zürcher Detektivin Nora Tabani
Bianca Stark: "Verborgene Erinnerungen ...", Hierreth Verlag 2009,
Lyrik/Prosa. Ein offenes Buch über die Gefühle eines jungen Menschen
Johanna Radenbach: "Aktiv trotz Demenz. Handbuch für die Aktivierung
und Betreuung von Demenzerkrankten", Schlütersche 2009, Fachbuch. I-
deen zur einfachen, kreativen und sinnvollen Aktivierung
Renée Holler: "Tatort Erde. Im Visier der Schmugglerbande", Loewe Ver-
lag 2009, Kinderbuch. Ein Ratekrimi aus Griechenland
(www.reneeholler.com)
Renée Holler: "Tatort Geschichte. Überfall im heiligen Hain", Loewe
Verlag 2009, Kinderbuch. Ein Ratekrimi aus der Zeit der Germanen
Jennifer Schreiner: "Eine Löwin für die Bestie", Plaisir d´Amour 2008,
Fantasy-Romance. 978-3938281482; "Pageturner!" Happy-End-Magazin
Astrid Pfister: "Das Heavens End Projekt", Noel Verlag, 2009, Thril-
ler. Ein U-Bahn-Bau, der vom ersten Tag an verflucht scheint
Jutta Profijt: "Kühlfach 4", dtv 2009, Krimi. Nicht ganz toter Klein-
krimineller nervt Rechtsmediziner
Ippensen/Worst/Munsonius: "Corrigan - Der Dunkle Herrscher", mg-Verlag
2008, SF. Band 4 der ungewöhnlichen und spannenden Endzeitsaga
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SCHREIB-KICK:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den März, diesmal von Robin Michenbach:
Oftmals kommt es vor, dass einem nicht gleich die passenden Namen für
Charaktere einfallen, die aus einem bestimmten regionalen Umfeld stam-
men. Namen sind ja, bis auf die üblichen "Überallnamen", jeweils regi-
onal verteilt.
Daher nehme ich mir in diesen Fällen ein örtliches Telefonbuch zur
Hand und suche mir daraus die passenden Familiennamen, die zur Region
gehören. Da die Vornamen mittlerweile ja auch nicht mehr in dieser
Offenheit veröffentlicht werden, greife ich zusätzlich noch auf mein
privates Stammbuch zurück, da dort im Anhang eine Fülle von kreativen
und auch mittlerweile nicht mehr genutzten Vornamen aufgeführt werden.
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LESETIPP:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://www.behave-online.de: Hier gibt es regelmäßig BE.HAVE, die
Zeitschrift für Medien-, Konsum- und Verhaltensforschung, kostenlos
als PDF. Die Ausgabe 1/09 beschäftigt sich mit Buchmarketing.
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SCHREIBKURS:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Journalistisches Schreiben für Einsteiger:
Typische Anfängerfehler und wie sie
vermieden werden können, Teil 1"
von Petra Hartmann
Als freier Mitarbeiter bei der Lokalzeitung, so beginnen viele Schrei-
bende ihre journalistische Laufbahn und rücken mit Kugelschreiber,
Notizblock und Kamera zu ihrer ersten Kaninchenzüchterjahreshauptver-
sammlung aus. Leider gibt es oft - gerade in kleinen Zeitungen mit
stressgeplagten Redakteuren - nur wenig Rückmeldungen für die Neulin-
ge, häufig finden sie ihren mit viel Herzblut geschriebenen Text spä-
ter zusammengestrichen, vollkommen umgeschrieben und "verstümmelt" in
der Zeitung. Für jeden, der etwas bewusster mit Sprache umgeht und
sich mit dem Artikel sehr viel Mühe gegeben hat, eine verletzende Er-
fahrung, die viel Frust zwischen freien Mitarbeitern und ausgebildeten
Redakteuren schafft. Denn kein Redakteur schreibt aus purer Bosheit
fremde Texte um, es ist nämlich für ihn mit viel Arbeit verbunden.
In meinen sieben Jahren Arbeit für die Neue Deister-Zeitung habe ich
festgestellt, dass es immer wieder dieselben Anfängerfehler sind, die
ich auszubügeln hatte. Ich begann zu sammeln, und nach und nach ent-
stand ein Leitfaden, den wir unseren neuen Mitarbeitern in die Hand
geben konnten. Hier also ein paar Tipps für alle, die sich auf die
journalistische Arbeit einlassen möchten:
Der Vorspann
Ein Vorspann hat maximal zehn bis zwölf Zeilen. Darin enthalten sein
muss die wichtigste Nachricht, die Kernaussage des Berichts. Was ist
wo passiert? Wer hat wann warum was getan? Der Vorspann muss so formu-
liert sein, dass er auch für sich allein stehen kann und der Leser
trotzdem alles Wesentliche erfährt. Schreiben Sie an dieser Stelle
also nicht nur, dass der Verein XY am Sonnabend seine Jahreshauptver-
sammlung abgehalten hat, sondern auch bereits, dass der Vorsitzende
zurückgetreten ist oder der Verein Schulden gemacht hat.
Gleichzeitig ist es Aufgabe des Vorspanns, die Leser in den Text "hi-
neinzuziehen", also: Lust zum Weiterlesen zu machen. Der Vorspann ist
das Wichtigste am gesamten Artikel. Gut wäre: 60 Prozent Arbeitsauf-
wand für den Vorspann und 40 Prozent für die restlichen 50 bis 100
Zeilen ...
Wie beginnen?
Sie haben zehn Zeilen Zeit, den Leser zu fesseln. Wer danach aus-
steigt, ist für Sie verloren, auch wenn danach noch haufenweise wich-
tige Informationen oder schöne Sätze kommen. Oder, wie Henri Nannen
riet: Beginnen Sie mit einem Erdbeben, und steigern Sie sich langsam.
Einige Einstiegsmöglichkeiten:
- nachrichtlich (geeignet für Ratssitzung, Parteitage, Hauptversamm-
lungen, Infoveranstaltungen von Bürgerinitiativen und Ähnliches. Also
überall, wo die Fakten im Vordergrund stehen)
Beispiel: "Neue Chefin der Lüderser CDU ist Ute Austermann-Haun. Die
bisherige Schriftführerin setzte sich gestern Abend in einer Kampfab-
stimmung gegen Elke Riegelmann durch. Riegelmann bleibt Vizevorsitzen-
de des Ortsvereins."
- Zitat-Einstieg
Beispiel: "?Schaut euch diese Beine an - das sind keine Waden, das
sind Hydraulik-Kolben', preist Moderator Oliver Glaubitz seine Fahrer
an. 111 Mountainbiker gingen gestern 'Unter den Schanzen' an den Start
und lieferten sich gnadenlose Verfolgungsjagden rund um die Göbelbas-
tei."
Wichtig: Das Zitat / Die wörtliche Rede darf nicht zu lang sein. Maxi-
mal zwei kurze Sätze, sonst verwirren Sie den Leser. Machen Sie mög-
lichst früh deutlich, wer da spricht und zu welchem Anlass die Worte
fallen.
- eng verwandt damit: der Einstieg mit einem Sprichwort oder einem
Bonmot einer bekannten Persönlichkeit
Beispiel: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die
Weitergabe des Feuers", pflegte der österreichische Komponist Gustav
Mahler zu sagen. Schmiedekünstler Andreas Rimkus zitiert diesen Satz
nicht nur gern, er zelebriert ihn auch."
Wichtig: Zitat- und Sprichwort-Einstieg sind Stilmittel, die Sie nicht
überstrapazieren sollten. Verwenden Sie außerdem keine nichtssagenden
Zitate. Der Einstieg: "Alle Jahre wieder feiern die Landfrauen ihre
Weihnachtsfeier" ist banal und reißt nicht einmal die Vereinsmitglie-
der vom Hocker.
- Rätsel oder Paradoxie am Anfang (möglichst noch innerhalb des Vor-
spanns auflösen) Beispiel: "Selten hat sich ein Kirchenvorstand so
über eine leere Kirche gefreut: Die westliche Hälfte der Wittenburger
Kirche ist geräumt und steht bald für Veranstaltungen der Gemeinde zur
Verfügung."
- szenischer Einstieg (geeignet für Reportagen, Porträts etc.)
Beispiel: "Die Klinge gleitet elegant unter dem gebrochenen Auge ent-
lang und trennt das 'Bäckchen' heraus. Kiemen-, Bauch- und Rücken-
schnitt werden mit chirurgischer Präzision ausgeführt, dann liegt die
Forelle perfekt filetiert vor Servicemeister Dieter Meyer und seinen
Zuschauern."
Dieser szenische Vorspann ist der einzige, der auch etwas länger wer-
den darf. Greifen Sie ruhig tief in den Farbtopf hinein.
Beispiel: "Eisiger Wind fegt um die Wellblechhütten von La Ensenada,
eine Plane flattert, es ist kalt im Elendsviertel von Lima. Anna-Maria
gibt keinen Laut von sich. Die dunklen Augen der Fünfjährigen folgen
jeder Bewegung der fremden Frauen, beobachten, wie das Plastikseil
über den Dachbalken fliegt, starren auf das runde Zifferblatt, das im
Wind schwankt, und auf den Haken darunter. Dann wird sie gepackt und
in das Tragetuch geschoben. Die nackten Füße ragen in den Himmel, die
Augen suchen die Mutter. Wieder fegt eine Windbö heran und lässt das
in der Luft hängende Kind erzittern. ,Elf Kilo', liest eine der Frauen
ab."
Aufpassen: Jetzt müssen Sie schnell auflösen, der Leser darf nicht zu
lange auf die Folter gespannt werden. Sie schreiben keinen Roman, son-
dern für eine Tageszeitung!
Datum, Uhrzeit und andere Zahlen
Das einzige Datum, das in einem Bericht über ein Ereignis stehen kann,
ist "gestern Abend". Alles andere wirkt nicht nur schrecklich unaktu-
ell (man stelle sich vor, in einer Sonnabendausgabe beginnt ein Text
mit: "Am vergangenen Montag fand das große Radrennen in Altenhagen
statt"), Daten sind auch das Uninteressanteste am ganzen Ereignis.
Auch für Meldungen (die kleinen Einspalter mit Terminankündigungen am
Rand) gilt: Nie mit dem Datum anfangen, sondern mit dem "Was". Also:
"Zur Geflügelschau lädt der Verein XY am 10. Juni in sein Vereinsheim
ein" statt: "Am zehnten Juni findet im Vereinsheim des Vereins XY eine
Geflügelschau statt". Gehen Sie bitte davon aus, dass 90 Prozent der
Leser nur die erste Zeile eines Textes lesen und dann entscheiden, ob
sie weitermachen.
Datumsangaben folgen diesem Muster: Wochentag Komma (ohne "den") Ta-
geszahl Punkt Monatsname ausgeschrieben. Jahresangabe weglassen. Nur
wenn man sich ausnahmsweise auf ein anderes Jahr als das laufende be-
zieht, wird dies erwähnt. Bei Jahresprogrammvorschauen kann für die
späteren Termine der Wochentag entfallen. Beispiel: am Sonnabend, 28.
August.
Zahlen und Altersangaben: [Die folgenden Angaben gelten für die Neue
Deister-Zeitung; die Vorgaben können von Verlag zu Verlag unterschied-
lich sein. - die Red.] Zahlen von eins bis zwölf werden grundsätzlich
ausgeschrieben, ab 13 schreibt man Ziffern. Die Worte "Million" oder
"Milliarde" können wieder ausgeschrieben werden, also: "sieben Milli-
arden Euro Schulden". Kommen in einer Angabe Zahlen vor, die kleiner
und größer als zwölf sind, verwenden Sie bitte in beiden Fällen Zif-
fern: "Kinder von 6 bis 16 Jahren".
Uhrzeiten werden in Ziffern geschrieben. Minutenangaben werden mit dem
Punkt abgetrennt, und nicht mit dem Doppelpunkt. [Achtung, nur die
Schreibung mit Doppelpunkt entspricht der DIN 5008! - die Red.] Bei-
spiel: 13.45 Uhr. Volle Stunden haben keine Minutenangabe, wir schrei-
ben 13 Uhr und nicht 13.00 Uhr. Auch falsch: 09 Uhr. Richtig: 9 Uhr.
Bei Altersangaben heißt es entsprechend: "ein siebenjähriges Kind"
(ohne Bindestrich) oder "der 54-jährige Maurermeister" (mit
Bindestrich). Wird die Altersangabe als Substantiv verwendet, die
Großschreibung nicht vergessen: "Der Zwölfjährige wurde beim Klauen
erwischt" oder "Die 72-Jährige liebt ihr Moped über alles." Altersan-
gaben in Klammern sind möglich: "Petra Hartmann (38) steht für die
Bürgermeisterwahl in Springe definitiv nicht zur Verfügung." Wenn Sie
einen längeren persönlichen Text über einen bestimmten Menschen
schreiben (zum Beispiel ein Porträt), ist die Frage nach dem Alter
nicht nur notwendige Pflicht, sondern auch sehr hilfreich: So müssen
Sie nicht in jedem Satz den Namen oder das Pronomen verwenden, sondern
können auch zur Abwechslung mal schreiben "der XX-Jährige"
Namen: Nachfragen ist Pflicht
Grundsätzlich gilt: Kein Name ohne Vorname. Achten Sie auf die Recht-
schreibung. Wenn irgend möglich, den Betreffenden selbst fragen. Er-
fahrungsgemäß sind selbst erfahrene Vereinsvorsitzende (sogar Schüt-
zen- oder Feuerwehrchefs auf den entsprechenden Festen) manchmal etwas
neben der Spur und erzählen einem irgendetwas, nur um die Journalisten
endlich loszuwerden: "Tja, schreibt sich Klaus Zieseniss nun mit ß
oder ss - ach, schreiben Sie ihn ruhig mit ss, wir haben ja die Recht-
schreibreform."
Schämen Sie sich nicht, zu fragen. Schämen Sie sich nicht, auch einen
Menschen, den offenbar jeder außer Ihnen kennt, seinen Namen sagen und
buchstabieren zu lassen. Und bitte schämen Sie sich nicht, einen Men-
schen, den Sie schon zum dritten Mal auf einer Veranstaltung intervie-
wen, notfalls auch zum dritten Mal seinen Namen sagen und buchstabie-
ren zu lassen. Richtig peinlich wird es für Sie nämlich erst, wenn der
Name falsch in der Zeitung steht und mehrere Tausend Leser sehen, dass
der Journalist gepatzt hat. Namensfehler sind 1. für den Betreffenden
sehr verletzend und 2. für den Leser ein deutliches Signal, dass hier
an einer für ihn sofort erkennbaren Stelle geschlampt wurde - und wenn
schon die Namen nicht stimmen, glaubt Ihnen der Leser womöglich auch
die Fakten im Text nicht mehr. Es kostet Ihre Zeitung also Vertrauen
und Glaubwürdigkeit.
Bei der ersten Erwähnung im Text steht der volle Name, danach nur noch
der Nachname. Ausnahme: Wenn zwei Menschen mit gleichen Nachnamen vor-
kommen (wie bei Diamanthochzeitspaaren) kann der Vorname nicht wegfal-
len. Ganz wichtig: Den Zusatz Herr oder Frau gibt es in der Zeitung
nicht. Einzige Ausnahme: in wörtlicher Rede. Beispiel: "Franz Müntefe-
ring schrieb in seinem neuen Buch: 'Frau Merkel wollte mich damit be-
ruhigen, dass sich das alles totlaufen würde.'
In einigen Medien ist - möglicherweise, da seit der jüngsten Bundes-
tagswahl mal eine "wirklich wichtige Frau" existiert - inzwischen der
Vorsatz "Frau" eingeführt worden. Ich halte das für einen schlimmen
Rückfall und bin der Meinung, dass man eine erwachsene, gleichberech-
tigte Frau genau so behandeln muss wie einen Mann. Und warum sollte
ein Journalist "Frau Merkel sagte" schreiben, der vorher einfach nur
geschrieben hat: "Schröder sagte"?
Bei Kindern ist auch die Kombination Vorname + Alter möglich: "Anja
(8) liebt Bonbons." Aber bitte nur bei Kindern. Eine 16-Jährige will
als Frau wahrgenommen werden und hat ein Anrecht darauf, nicht mit
einer Achtjährigen auf eine Stufe gestellt zu werden.
Bei Gerichtsprozessen verwenden wir gewöhnlich die Form Vorname + An-
fangsbuchstabe des Nachnamens. Vorsicht: Wenn diese Form eine Identi-
fizierung erlaubt (weil es beispielsweise nur einen Zahnarzt Hubert Z.
in der Stadt gibt), dann sollten Sie zumindest in der Lokalberichter-
stattung ganz auf den Namen verzichten (Absprache mit der Redaktion).
Das gilt auch für sehr ungewöhnliche Namen. Beispiel: Gloria von T.
und T.
Titel gehören nicht in eine Zeitung. Wenn jemand seinen Professor un-
bedingt erwähnt haben möchte, dann bitte nicht schreiben: "Professor
Franz Meier", sondern beispielsweise: "Als Referent war Franz Meier
eingeladen. Der Musikprofessor kritisierte besonders die üble Gesangs-
kultur am Deister ..." Wenn Sie einen Dr. unbedingt erwähnen wollen,
dann nur ein einziges Mal im Text. Und niemals in der Überschrift!
(Absolut out ist die Überschrift aus einer ostdeutschen Zeitung nach
der ersten gemeinsamen Bundestagswahl: "Herzlichen Glückwunsch, Dr.
Helmut Kohl!")
Namenslisten: Bitte tippen Sie nicht die Gästeliste ab. Auf einem Emp-
fang können noch so viele Großkopferte rumlaufen - wer nicht zumindest
einen zitierfähigen Satz in seinem Grußwort spricht, gehört nicht ins
Blatt. Ausnahme: wirklich verdammt hohe Tiere. Aber die sind meist
intelligent genug und wissen, was die Presse braucht. Wenn eine Bun-
deskanzlerin anwesend ist und sich weigert, etwas zu sagen, kann man
eventuell schreiben: "Merkel weigerte sich, ein Grußwort zu sprechen."
Ortsbürgermeister sind keine Prominenz. Wenn die auf einem Kindergar-
ten-Basar reinschauen, ist das zwar nett - aber eigentlich eine
Selbstverständlichkeit und keine Nachricht ...
[Im nächsten Tempest folgt Teil 2 dieses Beitrags.]
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Petra Hartmann ist promovierte Germanistin, war zwei Jahre Volontärin
und fünf Jahre Redakteurin der Neuen Deister-Zeitung. Ferner schrieb
sie für die Neue Presse, die Deister-und-Weser-Zeitung und die Nord-
see-Zeitung. Sie veröffentlichte zwei Fantasyromane. Ihre Anthologie
"Drachenstarker Feenzauber" erhielt den Deutschen Phantastik-Preis.
Neu: "Wovon träumt der Mond?" Infos: www.petrahartmann.de.
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EIN EXPOSÉ ZUM KNUTSCHEN:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Exposés sind der Alptraum vieler Autoren. Wie kondensiert man 400 Sei-
ten Text auf zwei, wie presst man einen Elefanten durch ein Nadelöhr?
Hans Peter Roentgen will zeigen, wie es gemacht wird. Aber nicht abs-
trakt, sondern wie bei "Vier Seiten für ein Halleluja" an praktischen
Beispielen. Wer also immer schon wissen wollte, warum sein Exposé
nicht funktioniert und wie man es verbessern kann, der kann es ihm per
E-Mail schicken. Maximal 5.000 Anschläge, wenn möglich RTF-Format. Wer
möchte, kann auch eine Kurzfassung ("Pitch") seines Projekts mitsen-
den, eine Darstellung der Geschichte in drei Sätzen, maximal 200 An-
schläge. Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. .
Aus den Einsendungen werden beispielhafte ausgesucht und besprochen,
und daran wird gezeigt, wie man Exposés schreibt und verbessert.
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Exposé: "Abgrundtief"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Elena Dierks glaubt, die Schuld am Tod ihrer Tochter zu tragen, die an
einem stürmischen Wintertag mit dem Kinderwagen über die Klippen der
Kreidefelsen auf Rügen ins Meer gestürzt ist. Sie wird daraufhin in
die Psychiatrie nach Stralsund eingeliefert. Eine der dort arbeitenden
Schwestern ist Helen Hofer, deren Freund, Peer Boström, bei der Poli-
zei in Bergen arbeitet. Kurz vor Weihnachten läuft im Fernsehen ein
Bericht aus Amerika. Darin taucht kurz das Gesicht eines kleinen Mäd-
chens auf. Ein auf ihrer Wange befindliches Muttermal und die auffal-
lende Ähnlichkeit mit eigenen Kindheitsbildern versetzt Elena in den
Glauben, dass es sich dabei um ihre totgeglaubte Tochter handelt.
Das Schicksal der jungen Frau geht Helen derart unter die Haut, dass
sie den Fall mit ihrem Freund bespricht. Bei diesem Gespräch ist auch
Henning Lüders anwesend. Er verspricht, sich des Falls anzunehmen. Bei
einem mit Elena geführten Gespräch bringt er in Erfahrung, dass der
Vater ihres Kindes, Rufus Kirchner, bei einem Autounfall starb. Elena
war damals im dritten Monat schwanger. Als kurz darauf auch noch un-
mittelbar nacheinander ihre Eltern sterben, droht ihre bis dahin heile
Welt aus den Fugen zu geraten. In dieser Situation tritt Danko Dierks
in ihr Leben. Sie lernt ihn auf der Beerdigung ihres Vaters kennen.
Die beiden waren Kollegen.
Danko bietet ihr seine Hilfe an. Die beiden kommen sich rasch näher
und heiraten. Danko erklärt sich dazu bereit, dass Kind, das Elena in
Kürze erwartet, als sein eigenes anzunehmen. Nach dem tragischen Vor-
fall bucht er in einer Art Kurzschlussreaktion einen Last Minute Flug
nach Thailand, wo er dem Tsunami zum Opfer fällt. Seine Leiche wird
allerdings nie geborgen.
Im Zuge der Ermittlungen erkundigt sich Henning bei Elena nach den von
ihr am Unglückstag aufgenommenen Bildern. Elena händigt ihm eine Spei-
cherchip aus. Eine der darauf enthaltenen Fotografien zeigt einen
dunklen Schatten, der dem eines davonlaufenden Menschen ähnelt. Hen-
ning bittet Peer, ihm bei der Identifikation zu helfen.
Inzwischen reist der pensionierte Kommissar nach Netzschkau zu Leona
Pirell. Nachdem er bei ihr Quartier bezogen hat, gelten seine Ermitt-
lungen den beiden Männern in Elenas Leben. Denn sowohl Danko Dierks
als auch Rufus Kirchner stammten aus Plauen.
Henning findet heraus, dass auch Rufus Kirchners Leiche als verschol-
len gilt. Hinzu kommt, dass er sich am Unfalltag eine heftige Ausei-
nandersetzung mit seiner vor Elena geheimgehaltenen Geliebten Astrid
Schulz geliefert hat. Als Henning die junge Frau vernehmen will,
stellt sich heraus, dass sie unbekannt verzogen ist. Als er ihren Auf-
enthaltsort herauszufinden versucht, stößt er auf eine Mauer des
Schweigens. Erst einem von ihm beauftragten Privatdetektiv gelingt es,
Licht in die Angelegenheit zu bringen. Er findet heraus, dass Astrid
Schulz eine im Rahmen des Zeugenschutzprogramms aufgenommene Person
ist. Sie war mit einem Mann zusammen, der im großen Stil Menschenhan-
del organisierte. Dank ihrer Aussage gelang es der Polizei, ihn hinter
Schloss und Riegel zu bringen. Im Gegenzug erhielt sie eine neue Iden-
tität.
Aus ihrer Beziehung zu Rufus Kirchner ging gleichfalls ein Kind her-
vor. Eine Zeitlang glaubt Henning, es könnte sich dabei um Elenas ver-
schwundene Tochter handeln. Als sich sein Irrtum aufklärt, steht er
wieder am Anfang seiner Ermittlungen. Zumindest so lange, bis er he-
rausfindet, dass Danko Dierks spielsüchtig war und Schulden hatte. Als
Henning daraufhin seine Vergangenheit genauer unter die Lupe nimmt,
ergibt sich nach und nach ein erschreckendes Bild: Er findet heraus,
dass Danko in einer Plauener Spielbank von einem stadtbekannten Ge-
schäftsmann, einem Bauunternehmer, angesprochen wurde. Dieser bot ihm
an, seine Schulden zu begleichen, wenn er ihm im Gegenzug eine "klei-
ne" Gefälligkeit erweisen würde: Danko soll seine Ehefrau während ei-
nes Krankenhausaufenthaltes unauffällig ins Jenseits befördern. Danko
Dierks erklärt sich dazu bereit. Allerdings ohne zu ahnen, dass er bei
seiner Tat beobachtet wird. Eine Ärztin sieht ihn aus dem Zimmer der
Frau des Bauunternehmers kommen. Als sie nachschauen geht, findet sie
die Leiche der Frau. Für die Ärztin steht fest, dass Danko Dierks für
ihren Tod verantwortlich ist. Als sie ihn zur Rede stellt, gesteht er.
Statt die Sache zur Anzeige zu bringen, bietet sie ihm einen Deal an:
Wenn er ihr Elenas Kind beschafft, dann verzichtet sie auf seine Bloß-
stellung. Ihr Motiv ist Rache. Denn auch sie war schwanger und in Be-
handlung bei Elenas Vater. Bei einer Fruchtwasseruntersuchung unter-
lief Elenas Vater ein folgenschwerer Fehler, in dessen Folge sie ihr
Kind verliert. Die sich daraus ergebenden Komplikationen führen dazu,
dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Als sie Elenas Vater deshalb
zur Rede stellt, erliegt er einem Schlaganfall.
Statt auf Schadenersatz zu klagen, beschließt sie, an Elena (deren
Kind in etwa derselben Zeit wie ihr eigenes gezeugt wurde) Rache zu
nehmen. Sie steigert sich in den Wahn, dass deren Kind im Grunde ihr
zusteht. Trug doch ihr Vater die Schuld daran, dass sie nie eigene
Kinder haben wird.
Als Gegenleistung für ihr Schweigen verlangt sie von Danko Dierks, ihr
Elenas Kind zu verschaffen. Ihr Plan scheint aufzugehen. Es gelingt
Danko, Elenas Vertrauen zu gewinnen, sie zu heiraten und das Kind als
sein eigenes anzuerkennen. Am Unglücksmorgen verabreicht er dem Säug-
ling ein Schlafmittel. Als Elena sich ihren Fotoaufnahmen widmet,
nimmt er das schlafende Kind in einem unbemerkten Augenblick aus der
Kutsche und gibt dieser einen Stoß - so dass seine Frau annehmen muss,
ihre Tochter sei mit dem Wagen in die Tiefe gestürzt.
Als er danach - um zu vergessen - überhastet nach Thailand fliegt,
kommt ihm der Tsunami zu Hilfe. Er gilt als verschollen. In Wirklich-
keit kehrt er unter falschem Namen nach Deutschland zurück, wo die
Ärztin und das Kind schon auf ihn warten.
Sie fliegen nach Amerika, um dort zu heiraten und sich eine neue Iden-
tität aufzubauen. Die Ehe wird allerdings nur des Scheines wegen ein-
gegangen. Bei der Scheidung bekommt die Ärztin das Kind zugesprochen.
Sie nimmt eine Stelle in einem New Yorker Krankenhaus an und beginnt
mit Elenas Tochter ein neues Leben.
Das Komplott der beiden fliegt erst auf, als Henning im Laufe seiner
in Plauen durchgeführten Ermittlungen im Spielermilieu zu ermitteln
beginnt. Ein Zufall bringt ihn auf Dankos Spur und damit am Ende zu
Elenas Tochter.
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Lektorat von Hans Peter Roentgen
Eine Frau verliert ihr Kind durch eigene Schuld und wird darüber de-
pressiv. Und eine Menge Leute um sie herum haben ebenfalls sehr harte
Schicksale.
Haben Sie die Geschichte beim ersten Lesen verstanden? Ich nicht. Ein-
fach zu viele Personen, zu viele Schicksale. Im Exposé treten auf:
Elena Dierks, Helen Hofer, Peer Boström, Henning Lüders, Danko Dierks,
Rufus Kirchner, Leona Pirel, Astrid Schulz, ein Bauunternehmer, eine
Ärztin, Elenas Vater.
Zehn Personen. Ein wenig viel für ein kurzes Exposé. Einige sind
schlicht überflüssig, weil sie nur einmal erscheinen. Zum Beispiel
Helen Hofer und Peer Boström. Die beiden würde ich als erstes strei-
chen, sie haben ihren kurzen Auftritt am Anfang, sind aber für die
Geschichte nicht weiter wichtig. Und Leona Pirel? Auch die können wir
ersatzlos streichen.
Außerdem verschwinden beide Männer von Elena spurlos. Der eine im Tsu-
nami, der andere - aber das steht nicht im Exposé. Wir brauchen es
auch nicht. Und zwei vermisste Leichen sind dann doch ein bisschen
viel. Streichen wir also Rufus Kirchners verschwundene Leiche, wir
brauchen sie nicht. Seien Sie immer vorsichtig in Exposés, wenn Sie
das gleiche Element zweimal verwenden. In einem kurzen Exposé fällt so
was sofort auf und erhöht die Chancen auf Ablehnung dramatisch. Und
auch im fertigen Roman kann das tödlich sein.
Zurück zu den anderen Personen. Elena taucht am Anfang auf, sie ist in
der Klinik und im weiteren Exposé eigentlich gar nicht aktiver Hand-
lungsträger. Denn die Handlung treibt Henning voran. Der ist, wenn wir
dem Exposé glauben wollen, der Protagonist der Geschichte. Dann sollte
man das Exposé auch mit ihm beginnen lassen. Stellen Sie immer die
Hauptfiguren an den Anfang ihres Exposés.
Personen haben Motive für das, was sie tun. Das ist eine der wichtigs-
ten Regeln für Geschichten. Wenn Romanfiguren einfach nur aktiv wer-
den, weil der Autor es gerne so hätte, wirkt die Geschichte unglaub-
würdig. Warum sollen wir uns für Marionetten interessieren?
Was treibt also Henning um? Ist er Polizist, der auf solche Fälle spe-
zialisiert ist? Hat er selbst seine Mutter verloren und interessiert
sich deshalb für den Fall? Ist er gerade pensioniert worden, langweilt
sich furchtbar, und da kommt ihm der Fall gerade recht? Egal, was der
Grund ist, er gehört an den Anfang der Geschichte.
Warum schließlich ist die Geschichte Elenas, die ihr Kind im Fernsehen
zu sehen glaubt, glaubwürdig? Wer eine nahestehende Person verloren
hat, verwechselt oft andere mit dem Verstorbenen. Und Elena ist de-
pressiv und in der Psychiatrie. Was also ist es, das ihre Verwechslung
glaubhaft macht?
"Henning Lüders ist gerade pensioniert. In der Psychiatrie besucht er
einen Verwandten und lernt zufällig Elena kennen. Die hat gerade ihr
Kind verloren, das in stürmischen Wetter in Rügen mit dem Kinderwagen
die Klippen heruntergeweht wurde. Die Mutter hatte Photos gemacht, den
Kinderwagen nicht beaufsichtigt und versinkt nun in Depressionen. Doch
sie behauptet steif und fest, im Fernsehen ihr Kind erkannt zu haben.
Das passiert öfters, erklären die Ärzte, doch Henning nimmt sich des
Falls an."
Jetzt haben wir den Beginn der Geschichte, die Hauptfigur und das, was
alles in Gang setzt. Was passiert weiter? Was tut Henning? In unserem
Exposé sichtet er Photos und entdeckt einen Schatten. Ist der bisher
niemand aufgefallen? Versucht er nicht, das Photo aus dem Fernsehen zu
bekommen, auf das sich Elena beruft? Immerhin ist das heute so schwie-
rig nicht, Fernsehsendungen werden aufgezeichnet, oft lassen sie sich
im Internet abspielen oder zumindest findet sich im Archiv des Senders
eine Aufzeichnung. Mit Programmen lassen sich Ähnlichkeiten auch nach
Jahren überprüfen. Und der Schatten? Was, wenn das Fernsehfoto einem
Spezialisten übergeben wird, der nicht gleich einen ganzen Schatten
entdeckt, dafür aber etwas, was Nicht-Spezialisten in den Fotos über-
sehen haben?
Und weiter? Henning fährt nach Plauen, verfolgt die Spur Rufus', die
in die Irre führt. Und dann?
Dann erzählt uns das Exposé, was passiert ist. Aber nicht, warum und
wie es aufgeklärt wird. Wie erfährt Henning vom Bauunternehmer, vom
Auftragsmord und dem gestohlenen Kind? Möglicherweise entdeckt er
erst, dass Danko wieder auftauchte. Oder dass die Ärztin plötzlich ein
Kind hatte, obwohl sie ihres ja verloren hatte. Was für eine Rolle
spielte Elenas Vater als Arzt? Hier wäre es besser, statt vieler Ver-
wicklungen (Auftragsmord, Kunstfehler des Vaters, untergetauchter Ex-
Mann) die Aufklärung zu setzen.
"Er entdeckt, dass Elenas zweiter Mann Spielschulden hatte, die er auf
einen Schlag bezahlt hat. Und dass er das Geld dazu von einer Ärztin
bekam, die mit Elenas Vater verfeindet war. Weil der ihr Kind bei ei-
ner Fruchtwasseruntersuchung aufgrund eines Kunstfehlers abgetrieben
hatte. Doch die Ärztin ist verschwunden. Sie hat nicht mal ihren Job
gekündigt."
Damit hätten wir eine klare Logik im Exposé. Was tut Henning als
Nächstes? Wie kommt er der Ärztin auf die Schliche? Wie setzt diese
sich zur Wehr?
Und was ist mit der Scheinehe von Danko? Keine Ahnung. Ich sehe dafür
im Exposé nämlich nicht den geringsten Grund. Die Ärztin hat ihr Ziel
erreicht und das Kind erhalten. Jetzt muss sie dafür sorgen, dass es
legal wird. Doch eine Scheinehe mit Danko ist ihr dafür gar nicht von
Nutzen. Und warum sollte Danko, der voller Schuldgefühle nach Thailand
flieht, später zu der Ärztin zurückkommen und damit die Entdeckung
riskieren? Dieser Schluss bedarf dringend der Überarbeitung. Nicht
zuletzt: Mit dem deutschen Ärztezeugnis kann man nicht so einfach in
den USA praktizieren.
Was also diesem Exposé not tut:
- Die Zahl der Figuren deutlich reduzieren.
- Die zahlreichen Katastrophen reduzieren, die allen beteiligten Per-
sonen zustoßen.
- Henning als Ermittler in den Mittelpunkt rücken und beschreiben, was
er tut.
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Hans Peter Roentgen ist einer der Moderatoren der Schreibwerkstatt
www.Textkrafttraining.de, Mitglied der Phoenix-Schreibgruppe
(http://www.roentgen-software.de/phoenix/phoenix.html) und schreibt
Artikel, Rezensionen und Geschichten
(http://www.textkraft.de/pageID_600054.de.html) sowie Computerprogram-
me.
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BUCHBESPRECHUNG:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Wer reden kann, macht Eindruck.
Wer schreiben kann, macht Karriere"
besprochen von Andrea Behnke
Hinter den - zugebenermaßen reißerisch klingenden - Sprüchen des Ti-
tels verbirgt sich ein Schreib-Ratgeber. Tatsächlich sogar ein richtig
guter.
Ulrike Scheuermann, Diplom-Psychologin und Schreibcoach, berät seit
rund einem Jahrzehnt Menschen, die (vor allem beruflich oder wissen-
schaftlich) schreiben. In ihrem Buch öffnet sie die Türen in ihre Be-
ratungspraxis und lässt die Leserinnen und Lesern an ihrem Wissen
teilhaben.
Der Untertitel des Buches verdeutlicht die Zielgruppe der Berliner
Autorin: "Das Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job". Doch
obwohl sie sich in erster Linie an Schreibende in der Arbeitswelt
richtet, sind ihre Schreibstrategien und Tipps auch für Autorinnen und
Autoren interessant. Vor allem der zweite Teil des Ratgebers - ein
"Schreibfitnessprogramm" mit vielen Übungen - ist auch für das kreati-
ve, literarische Schreiben nützlich. Dass die Autorin teilweise einen
typischen Business-Ratgeber-Jargon wählt, sollte nicht abschrecken.
So stellt sie viele Techniken vor, die das Schreiben leichter von der
Hand gehen lassen. Was hilft gegen die Leere im Kopf? Wie kann ich
unter (Abgabe-)Druck schreiben? Wie baue ich das Schreiben in meinen
Alltag ein? Auf all diese Fragen gibt Ulrike Scheuermann Antworten -
und hat gleich die passenden Übungen parat: von Anregungen bei Schrei-
bunlust über die Entwicklung der eigenen Schreibstimme bis hin zu
Tipps für einen ersten Rohtext. Ein weiterer Pluspunkt des Buches:
Ulrike Scheuermann lässt auch schreibpsychologische Themen nicht außen
vor, sondern liefert fundierte Informationen und Übungen.
Interessant für Autorinnen und Autoren ist auch die Einführung in das
"writing to learn" - eine Strategie, die in den USA schon lange ge-
lehrt wird. Ulrike Scheuermann bezeichnet sie als "Schreibdenken".
Während des Sprechens denken wir permanent, doch auch während des
Schreibens werden solche Prozesse in Gang gesetzt und können genutzt
werden. Wie das geht? Einfach die Gedanken genau so, wie sie aus dem
Kopf purzeln, notieren. Ohne Zensur. Bestenfalls als unredigiertes
Freewriting oder aber - bei eher bildhaftem Denken - auch in Skizzen.
Durch diese Art des "verlangsamten Denkens" auf Papier können ganz
neue Gedanken ihren Weg finden.
Dieser Ratgeber bietet nicht nur seiner eigentlichen Zielgruppe, son-
dern auch Schriftstellerinnen und Schriftstellern fundierte Anregun-
gen. Die Beispiele aus der Business-Welt lassen sich schnell auch auf
andere Textarten übertragen.
Ulrike Scheuermann: "Wer reden kann, macht Eindruck. Wer schreiben
kann, macht Karriere", 2009, 264 Seiten, 16,30 Euro, Linde-Verlag
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Andrea Behnke, Jg. 1969, arbeitet als freie Autorin/Texterin, Lekto-
rin/Redakteurin sowie Schreibpädagogin und -beraterin. Sie hat ein
M.A.-Studium in Politikwissenschaft, Anglistik und Publizistik und ein
Zusatzstudium zur Schreibberaterin (PH Freiburg) absolviert, außerdem
Fortbildungen in Szenischem und Kreativen Schreiben sowie zur Improvi-
sationstheater-Pädagogin. http://www.andreabehnke.de
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INTERVIEW:
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Die erste Idee ist nicht immer die richtige"
Interview mit Olga A. Krouk
Olga A. Krouk studierte Informatik und veröffentlichte zahlreiche
Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien. Zurzeit arbeitet sie
an einer "Dark-Romance-Serie" für den Heyne-Verlag. 2008 erschien ihr
Debütroman "Staub zu Staub" im Sieben-Verlag, ein packender Thriller,
in dem es um die Parusie geht, die Wiederkunft Christi am Jüngsten
Tag. Eine geheime Bruderschaft erfährt von einem Kind, dessen Blut
heilen kann, und ist davon überzeugt, dass die Welt vor dem Untergang
steht. Einem Pater gelingt es jedoch, das Kind mit der wundersamen DNA
zu retten. Viele Jahre später wird Mirjam, eine junge Praktikantin in
einem Altersheim, Zeugin der Ermordung eines alten Paters, der über
wirre und seltsame Dinge spricht. Mirjam muss fliehen, da sie als ein-
zige Zeugin nun selbst in Lebensgefahr schwebt. Es bleibt ihr nichts
übrig, als das Geheimnis um den alten Pater zu lüften. Bei ihrer
Flucht begegnet sie dem berühmten, charismatischen Violinisten Maximi-
lian Helmgren, dessen Blut heilen kann.
Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Olga Krouk, wie kamen Sie auf
die faszinierende Idee Thora, Bibel und Apokalypse in einen Thriller
zu packen?
Olga A. Krouk: Durch meinen Protagonisten Maximilian Helmgren. Die
zentrale Frage lautet: Wer ist er? Die Handlung habe ich dann um ihn
herum gewoben. Dass die Bibel eine große Rolle dabei spielt, war mir
von Anfang an klar, und die Apokalypse ergibt sich aus der Figur Jesu
und seiner Wiederkunft. Das Stichwort "Kabbala" hat mir der Roman
"Projekt: Babylon" von Andreas Wilhelm geliefert. Und als ich mehr in
diese Richtung recherchiert habe, begriff ich: Das ist es. Es passte
so perfekt in mein Konzept, dass es schon fast unheimlich war.
RRB/TRB: Sie haben für Ihren Roman ausgiebig in Sachen Bibelzitate und
Kabbala recherchiert. Selbst ein Auszug aus Rilkes "Erste Duineser
Elegie" und die Grundlagen der String-Theorie fanden Einzug in "Staub
zu Staub". Wie sind Sie beim Schreiben und Recherchieren vorgegangen?
Sind Sie mehr eine intuitive Autorin, oder planen Sie jedes Detail,
jede Recherche im Voraus?
OAK: Ich bin ein leidenschaftlicher Planer, aber ich muss nicht wis-
sen, wann meine Mirjam Schnupfen haben und ein Taschentuch brauchen
wird. Einige Zeit lang stand in meinem Plot am Ende einfach nur "Show-
down". Was da passieren sollte, wusste ich nicht. Letztendlich haben
meine Figuren alles brav allein hinbekommen, ich musste nur aufschrei-
ben.
Mit anderen Worten: Ich plane, aber ich bin für Überraschungen offen.
Und um ehrlich zu sein, einige Handlungswendungen haben auch mich ü-
berrascht. Ob Planer oder Bauchschreiber - für mich ist die Mischung
aus beidem die goldene Mitte.
Was die Recherche angeht - wenn es soweit war, wusste ich genau, was
ich zu recherchieren habe. Einmal musste ich deswegen den Plot umbie-
gen, als ein Kriminalkommissar meinte: "Nee, so geht das nicht. Nach
diesem Vorfall kommt deine Figur auf jeden Fall in U-Haft." Autsch!
Das konnte ich überhaupt nicht gebrauchen, da ohne diese Figur die
Handlung nicht weiterging. Aber zum Glück ist alles noch gut gegangen.
Ein anderes Beispiel, wie die Recherche in den Plot eingreift: Ich war
selbst hinter den Kulissen der Musikhalle, um herauszufinden: Wie
kommt man an einen Stargeiger ran, und wie sieht es denn hinter der
Bühne aus? Seitdem habe ich ein schönes Autogramm von dem russischen
Stargeiger Sergej Krylov und ein nahezu autobiographisches viertes .
Kapitel. (Ja, ich muss gestehen, auch ich habe zuerst vor der Staats-
oper gewartet und bin fast zu spät zur Vorstellung gekommen. ;))
RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Staub zu Staub" gearbeitet?
OAK: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Die ursprüngliche Idee ist
mir vor fünf Jahren gekommen, aber zuerst musste ich das Handwerk ler-
nen, und die Idee musste erst mal erwachsen werden. Ich finde, es ist
wichtig zu verstehen, wann der Plot wirklich reif ist und ob das tat-
sächlich die Geschichte ist, die erzählt werden soll. Jetzt, mit etwas
Schreiberfahrung, weiß ich, dass die erste Idee nicht immer die rich-
tige ist. Erst wenn alles wirklich passt und sich stimmig anfühlt,
mich packt und in seinen Bann zieht, dann schreibe ich den ersten
Satz.
Als ich bei "Staub zu Staub" endlich so weit war, habe ich ca. neun
Monate gebraucht. Und da passte einfach alles zusammen: Zum richtigen
Zeitpunkt, mit der richtigen Idee an den richtigen Verlag - so ent-
stand mein Debüt.
RRB/TRB: Wie umfangreich war die Zusammenarbeit mit dem Lektorat des
Sieben-Verlags?
OAK: Ich habe schon öfter gehört, dass kleine Verlage kaum Lektorat
machen. Der Sieben-Verlag ist wohl eine Ausnahme. Natürlich hat er
keine Mittel, das Lektorat in so einem umfangreichen Stil wie ein Pub-
likumsverlag zu gestalten, aber es war eine sehr intensive Arbeit und
wir haben aus dem Text das Beste gemacht, auch wenn ein paar Fehler
noch drin sind.
Dabei habe ich sehr viel gelernt und handwerklich gesehen einen großen
Schritt nach vorne gemacht. Denn vorher hat mein Personal viele unnö-
tige Dinge gemacht, die ich eigentlich nicht zu erwähnen brauchte. z.
B. wenn zwei Menschen miteinander reden, dann sehen sie sich meisten
an, das muss man nicht explizit erwähnen.
Durch das Lektorat ist der Text schlanker und intensiver geworden.
RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchco-
vers oder den Klappentext?
OAK: Der Titel stammt von mir. Es ist so, dass ich kein MS schreiben
kann, wenn ich keinen guten Arbeitstitel habe. Erst dann fühlt sich
die Arbeit real an und ich weiß: Ich schreibe einen Roman. Daraus wird
ein Buch. Bei dem Cover wurden mir drei Versionen vorgestellt und ich
durfte auf jene tippen, die mir am meisten zusagte. Den Klappentext
haben wir gemeinsam entwickelt.
Das ist nicht immer selbstverständlich, aber ich habe wohl sehr viel
Glück. Auch jetzt, bei meinem zweiten Roman in einem Publikumsverlag,
werde ich in die Entscheidungen einbezogen. Und meine Lektorin hat
wirklich ein gutes Händchen und ein wunderbares Gespür dafür, was gut
für das Buch ist. Sie erfüllt meine Wünsche, noch bevor ich weiß, dass
ich überhaupt welche habe.
RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Schlüssel-
erlebnis?
OAK: Es war sehr unspektakulär. Bereits in der dritten Klasse habe ich
Märchen für meine Mitschüler geschrieben, im Teenageralter folgte ein
Roman über eine einsame Insel (da habe ich wohl gerade Robinson Crusoe
gelesen), und danach wollte ich ein Epos à la "Krieg und Frieden" er-
schaffen, nur natürlich viel besser als das Original.
Schließlich bin ich nach Deutschland gekommen und habe mit dem Kurzge-
schichtenschreiben angefangen, um das Handwerk zu lernen. Denn das
Feilen daran fällt erheblich leichter, und man behält besser den Über-
blick.
RRB/TRB: Sie wurden in Moskau geboren, bezeichnen Sankt Petersburg als
Ihre Heimatstadt. Heute leben und studieren Sie in einer Kleinstadt in
Schleswig-Holstein. Was hat Sie bewogen, in deutscher Sprache zu
schreiben?
OAK: Die Erkenntnis, dass ich mit meinem Russisch nicht sonderlich
weit kommen würde.
"Nur für mich zu schreiben", war nie mein Ziel gewesen. Ich wollte
veröffentlichen, so viel stand fest.
RRB/TRB: Wie sieht Ihr Autorenalltag neben dem Studium und der Familie
aus?
OAK: Da ich 2008 meinen Sohn geboren habe, wird im Studium eine Pause
gemacht. Sonst bestimmt das Baby den Alltag. Wenn der Kleine ein Mit-
tagsschläfchen macht oder spielt, dann werden Mails beantwortet, Arti-
kel geschrieben und Interviews gegeben (so wie jetzt gerade).
Geschrieben wird ab 19 oder 20 Uhr, wenn der Kleine im Bett ist. Und
ich muss sagen, ich komme viel schneller voran als vorher. Während ich
für "Staub zu Staub" neun Monate gebraucht habe, dauerte die Arbeit an
meinem aktuellen Roman nur fünf Monate.
RRB/TRB: Sie werden von der Literaturagentur "Schmidt & Abrahams" ver-
treten? Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrer Agentur aus?
OAK: So, wie es sich vermutlich jeder Autor wünscht. Bei "Schmidt und
Abrahams" fühle ich mich sehr wohl und vertraue völlig auf das Gespür
und die Erfahrung meiner Agentin. Es war auch meine Wunschagentur, nur
habe ich mich vorher nie getraut, Frau Schmidt anzusprechen. Letztend-
lich hat sie mich dann mehr oder minder angesprochen. Zum Glück.
Unter Vertrag bin ich seit März 2008. Frau Schmidt ist geduldig mit
meinen Macken, die Zusammenarbeit ist sehr transparent, und ich weiß
immer, in welchem Stadium sich die Verhandlungen bei welchen Verlagen
befinden. Ich kann meine Agentin jederzeit erreichen, und sie erklärt
mir auch zum hundertsten Mal die Vertragsparagraphen, wenn ich mich
besonders blöd anstelle.
RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?
OAK: Der Wille, besser zu werden und stets dazulernen zu wollen.
RRB/TRB: Gibt es noch irgendein Genre, das Sie als Autorin reizen wür-
de? Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?
OAK: Über Genres mache ich mir keine Gedanken. Es sind in erster Linie
Geschichten, die ich erzähle. Meine Geschichten. Ob der Verlag später
"Thriller", "Historischer Roman" oder "Bilderbuch" auf das Cover
schreibt, ist mir dann nicht so wichtig.
Unter einem Pseudonym schreibe ich Kindergeschichten, betrachte aber
Erwachsenenliteratur als meinen Hauptjob. Momentan arbeite ich an ei-
ner Dark-Romance-Reihe für Heyne, und der erste Band ist bereits ge-
schrieben. Vom Grundton wird er ein wenig wie "Staub zu Staub" sein:
leicht gruselig, actiongeladen, romantisch und manchmal mit einem Au-
genzwinkern. Nur der Protagonist ist diesmal unmusikalisch wie ein
Knäckebrot.
RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte ...) haben
Sie gerade gelesen? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
OAK: "Faunblut" von Nina Blazon. In diesem Roman - wie wohl in jedem
Blazon-Buch - beeindruckt mich am meisten der Ideenreichtum der Auto-
rin. Es ist jedes Mal eine unglaublich faszinierende Welt, die einen
zwischen den Buchdeckeln erwartet. Und aktuell lese ich "Die Zwerge
von Amboss" von Thomas Plischke.
RRB/TRB: Haben Sie Autoren-Vorbilder?
OAK: Mit fünfzehn wollte ich wie Tolstoi schreiben. Inzwischen kenne
ich viele Autoren, die mich beeindrucken, von denen ich lerne und die
ich sehr schätze, aber als Vorbild kann ich keinen nennen. Denn es
bringt nichts, jemandem im Stil nachzueifern. Deshalb bleibe ich lie-
ber die erste "Olga A. Krouk" als die zweite "Cornelia Funke".
RRB/TRB: Hätten Sie noch einen besonderen Rat für angehende Autoren
und Autorinnen?
OAK: Ich möchte es mir nicht anmaßen, Ratschläge zu erteilen. Noch bin
ich diejenige, die diese dankbar annimmt. Aber ich denke, der beste
Ratschlag wurde im Film "Triff die Robinsons" gegeben: "Gib niemals
auf!" Von meiner Seite könnte ich nur hinzufügen: "Und lerne fleißig
weiter, um dich zu verbessern."
Ich sage immer: Wenn ich das schon geschafft habe, dann kann das mit
ein wenig Glück jeder. An das Talent glaube ich nämlich nicht, nur an
spannende Geschichten, die erzählt werden wollen.
RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!
OAK: Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und die interessanten Fragen!
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KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR!
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(redaktion at team pt autorenforum pt de)
Der Schulleiter auf die interessierte Frage einer Mutter, worin sich
denn die Schulleitung zum Wohle der ganzen Schulgemeinde fortbilde:
"Es hat im weitesten Sinne etwas mit Schulleitung zu tun. Auf jeden
Fall nicht in Lyrik, das wird nämlich nicht bezahlt!"
(Franziska Röchter)
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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei-
ne Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch
drehbuch at experte pt autorenforum pt de
Fandom: Thomas Kohlschmidt
fandom at experte pt autorenforum pt de
Fantasy: Stefanie Bense
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Heftroman: Arndt Ellmer
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Historischer Roman: Titus Müller
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Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik
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Lesungen: Rüdiger Heins
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Lyrik: Martina Weber
lyrik at experte pt autorenforum pt de
Sachbuch: Gabi Neumayer
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Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss
fortbildung at experte pt autorenforum pt de
Schreibgruppen: Ute Hacker
schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de
Schreibhandwerk: Ute Hacker
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Sciencefiction: Andreas Eschbach
sf-autor at experte pt autorenforum pt de
Übersetzung: Barbara Slawig
uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de
Verlagswesen: Bjørn Jagnow
verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
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Experten-Special:
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Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur-
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam-
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord-
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin-
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN, Leseprobe,
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062-
tempest2-4.
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN:
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Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
wie ist das eigentlich, wenn ein Text auf einer Homepage war, dann
herausgenommen und noch mal überarbeitet wurde, so dass gewissermaßen
eine neue Version entstanden ist? Dann müsste das doch als neuer Text
zählen, so dass man sich theoretisch damit an einem Wettbewerb betei-
ligen könnte, ohne mit der Jury Schwierigkeiten zu bekommen, oder sehe
ich das falsch?
Antwort:
Grundsätzlich richtig: Die neue Version ist noch nicht veröffentlicht.
Aber ob eine Preis-Jury nicht trotzdem sagt, dass sie den Text nicht
zulässt, kann ich nicht versprechen. Der Director's Cut von einem Ki-
nofilm kommt ja in der Regel auch nicht noch mal ins Kino (zur Premie-
re), sondern bloß als Zusatzversion in Videothek und Handel.
**~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~**
Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und
Buchhändler (http://www.bjoernjagnow.de/). Sein Fantasy-Thriller "Wil-
de Jagd" ist als kostenloses PDF lieferbar (http://nbn-
resolving.de/urn:nbn:de:0062-wildejagd1-8).
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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH:
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage:
Ich möchte ein Kinderbuch zur Veröffentlichung anbieten und wäre für
Ihren Rat sehr dankbar. Sowohl Geschichte als auch Illustrationen sind
schon fertig, aber ich bin mir nicht sicher, in welchem Stadium ich
das Material anbieten sollte - einerseits ist mir geraten worden, die
fertigen Buchseiten mit Text und Bild schon komplett zu entwerfen,
damit sich der Verlag das Buch vorstellen kann; andererseits ist mir
gesagt worden, dass ich das auf keinen Fall tun sollte, sondern Text
und Bilder getrennt einschicken sollte, weil der Verlag das Design
immer selbst übernimmt. Oder handhabt das jeder Verlag anders und ich
sollte daher jeweils vorher anfragen?
Antwort:
Es ist nicht nötig, dass Sie Text und Illustrationen layouten bzw.
setzen. Jeder Verlag verfolgt sein eigenes Layout.
Ich empfehle Ihnen, den Text in Normseiten zu formatieren. Also 60
Zeichen je Zeile, 30 Zeilen je Seite. Die Illustrationen können Sie
beilegen, eventuell an den passenden Stellen im Manuskript.
Es kann Ihnen aber passieren, dass der Verlag nur am Manuskript inte-
ressiert ist, weil er ausschließlich mit Hausillustratoren zusammenar-
beitet. Doch auch das ist von Verlag zu Verlag verschieden.
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Michael Borlik, 1975 geboren, machte 1995 sein Abitur und ging an-
schließend in eine kaufmännische Ausbildung, die er 1998 erfolgreich
abschloss. Seit 2001 erfolgte eine Reihe von Veröffentlichungen. Über-
wiegend schreibt er Kinder- und Jugendbücher, die u. a. bei Ueberreu-
ter, Thienemann und Arena erscheinen. Seit Sommer 2005 ist er freier
Schriftsteller. Mehr Infos unter http://www.borlik.de.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn-
ter Mail kommt!
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Einsendeformalien:
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück-
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:
beitrag at team pt autorenforum pt de.
Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html.
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I M P R E S S U M
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Herausgeber:
Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de
Gabi Neumayer redaktion at team pt autorenforum pt de
Stefan Schulz webmaster at autorenforum pt de
Thomas Roth-Berghofer
Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de
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