Ausgabe 10-09 (20. September 2008)

Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lese-Tipp
Autorenwissen
   "Die 9 Probleme beim Schreiben
   eines Wettbewerbstextes, Teil 2"
   von Stefanie Bense
   "Wie werde ich mit Kritik fertig?"
   von Katharina Gerlach
Buchbesprechung
   "Wie ein Roman"
   "Tageskalender Literatur 2009"
   beide besprochen von Gabi Neumayer
Software-Besprechung
   "CUECards"
   besprochen von Hanna Stöcker
Interview mit Bernd Perplies
Verlagsportrait
   "Mitteldeutscher Verlag"
   vorgestellt von Ursula Schmid-Spreer
Besondere Lesungen
   "Mörder-Müller-Makkaroni"
   von Anne Hassel
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag den Experten für Drehbuch
   (Oliver Pautsch)
Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch
   (Michael Borlik)
Frag den Experten für historische Romane
   (Titus Müller)
Frag den Experten für Verlagswesen
   (Bjørn Jagnow)
EDITORIAL:  
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Liebe Autorinnen und Autoren, 

Hilke Rosenboom ist gestorben. Ihr habt sie im letzten Jahr als umwer- 
fend komische Kolumnistin kennengelernt, die für uns in "Hilkes klei- 
nes Horrorleben" die Hochs und Tiefs des Autorenlebens aufs Korn ge- 
nommen hat. Hilke war und bleibt eine der besten deutschen Kinder- und  
JugendbuchautorInnen. Für mich hat sie sich ganz besonders durch ihren  
liebevollen Umgang mit ihren Charakteren ausgezeichnet hat. Wir haben  
uns vor einigen Jahren bei einem Seminar für TexterInnen und Zeichne- 
rInnen in Wolfenbüttel kennengelernt und uns sofort verstanden - nicht  
nur, weil wir beide nicht wirklich erfolgreich mit dem Zeichenstift  
kämpften. Sie war eine großartige Autorin und eine sehr liebe, großzü- 
gige Kollegin. Ich bin froh, dass ich sie kannte, und ich vermisse  
sie. 

Da passt keine Überleitung, deshalb geht es jetzt einfach weiter mit  
Hans Peter Roentgen, unser "Lektorator", hat ein neues Buch in Arbeit.  
Und ihr könnt mitmachen bei "Ein Exposé zum Knutschen": 

.......... 
Exposés sind der Alptraum vieler Autoren. Wie kondensiert man 400 Sei- 
ten Text auf zwei, wie presst man einen Elefanten durch ein Nadelöhr? 

Hans Peter Roentgen will zeigen, wie es gemacht wird. Aber nicht ab- 
strakt, sondern wie bei "Vier Seiten für ein Halleluja" an praktischen  
Beispielen. Wer also immer schon wissen wollte, warum sein Exposé  
nicht funktioniert und wie man es verbessern kann, der kann es ihm per  
E-Mail schicken. Maximal 5.000 Anschläge, wenn möglich RTF-Format. Wer  
möchte, kann auch eine Kurzfassung ("Pitch") seines Projekts mitsen- 
den, eine Darstellung der Geschichte in drei Sätzen, maximal 200 An- 
schläge. Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 

Aus den Einsendungen werden beispielhafte ausgesucht und besprochen,  
und daran wird gezeigt, wie man Exposés schreibt und verbessert. 
.......... 

Auch im Tempest werden einige von Hans Peters Exposé-Analysen erschei- 
nen. Darauf können wir alle uns schon jetzt freuen. Und wer nicht so  
lange warten möchte mit Freuen - Hans Peters neues Buch ist soeben  
erschienen: "Vier Seiten für ein Halleluja II: des etwas anderen  
Schreibratgebers zweiter Teil - die Tempest-Artikel 2004-2008", 2008,  
84 Seiten, 6,95 Euro, BoD. 

Was ist nun aber drin im neuen Tempest? Ein sehr persönlicher Beitrag  
von Katharina Gerlach über ihren Umgang mit Kritik. Wir würden uns  
freuen, wenn er eine Diskussion anstoßen würde: Schickt uns eure Mei- 
nungen und Erfahrungen dazu, einfach per Mail an die Redaktion. In  
einer der nächsten Ausgaben werden wir das Thema dann gern wieder auf- 
greifen. Außerdem gibt es den zweiten Teil von Stefanie Benses Beitrag  
über das Schreiben von Wettbewerbstexten, ein Interview mit Bernd Per- 
plies, zwei Buch- und eine Softwarebesprechung, Ursula Schmid-Spreer  
stellt wieder einen Verlag vor, und unsere Expertinnen geben wie immer  
Auskunft auf eure brennenden Fragen. Die vielen kleinen Extras wie  
Lesetipps, Schreib-Kick und besondere Lesungsideen erwähne ich ja  
schon gar nicht mehr (na ja ...). 

Übrigens: Ich wiederhole es nicht immerzu, weil mir nix anderes mehr  
einfällt - die Sache mit euren Beiträgen, die wir für alle großen und  
kleinen Rubriken des Tempest brauchen, um ihn auch weiterhin interes- 
sant für euch zu gestalten. Also: Schickt uns Dialog-Bonmots für "Küss  
mich, ich bin ein Autor!", Kurztipps für Editorial, besondere Lesungs- 
ideen, aber auch Vorschläge für längere Artikel (Schreibkurs, Autoren- 
wissen, Marketingideen etc.)! Im Oktober findet wieder eine kleine  
Verlosung für alle statt, die seit der letzten inhaltlich etwas zum  
Tempest beigetragen haben. - Apropos: Überweist bitte auch eure finan- 
ziellen Beiträge, damit der Tempest gut durch den stürmischen Herbst  
kommt! 

Der Tipp des Monats September, diesmal von Iris Hornbostel: 

     Ich spreche meinen Text zuerst auf Band  
     (als wenn ich es einem Gegenüber erzähle)  
     und schreibe ihn dann Wort für Wort ab.  
     So wird der Schreibstil nicht so gestelzt. 

Einen schönen Herbstanfang euch allen - und wenn ihr euch gemütlich  
mit einem Buch aufs Sofa kuschelt, weil es draußen stürmt, dann ver- 
sucht mal eins von Hilke Rosenboom. Es lohnt sich. 

  Gabi Neumayer 
  Chefredakteurin 

~~~~~~~~~~~ 
Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen  
wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen  
freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt,  
aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto  
von autorenforum.de: 

Sparda Bank Südwest eG 
BLZ 550 905 00 
Kto. 100 724 515 
Stichwort: "Beitrag 2008" 

Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberwei- 
sungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch  
weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest). 

Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte  
genau so zusammenschreiben!) 
IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 
BIC: GENODEF1S01 

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ISSN 1439-4669   Copyright 2008 autorenforum.de. Copyright- und 
                 Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe 
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   INHALT DIESER AUSGABE: 


TEIL 1: 

      Editorial 
      Hall of Fame 
      Schreib-Kick 
      Lese-Tipp 
      Autorenwissen 
         "Die 9 Probleme beim Schreiben  
         eines Wettbewerbstextes, Teil 2" 
         von Stefanie Bense 
         "Wie werde ich mit Kritik fertig?" 
         von Katharina Gerlach 
      Buchbesprechung 
         "Wie ein Roman" 
         "Tageskalender Literatur 2009" 
         beide besprochen von Gabi Neumayer 
      Software-Besprechung 
         "CUECards" 
         besprochen von Hanna Stöcker 
      Interview mit Bernd Perplies 
      Verlagsportrait 
         "Mitteldeutscher Verlag" 
         vorgestellt von Ursula Schmid-Spreer 
      Besondere Lesungen 
         "Mörder-Müller-Makkaroni" 
         von Anne Hassel 
      Küss mich, ich bin ein Autor! 
      Frag den Experten für Drehbuch 
         (Oliver Pautsch) 
      Frag den Experten für Kinder- und Jugendbuch 
         (Michael Borlik) 
      Frag den Experten für historische Romane 
         (Titus Müller) 
      Frag den Experten für Verlagswesen 
         (Bjørn Jagnow) 
      Impressum 


TEIL 2: 

      Veranstaltungen 
      Ausschreibungen 
      Publikationsmöglichkeiten 
           mit Honorar 
           ohne Honorar 
      Seminare 
      Messekalender 
      Impressum 

~~~~~~~~~ 
Auf unserer Homepage gibt es mittlerweile einen praktischen Service  
für orientierungslose Tempest-LeserInnen: Inhaltsübersichten für ein- 
zelne Tempest-Jahrgänge, nach AutorInnen sortiert. Eberhard Kamprad  
(http://www.kamprad-online.de) hat freundlicherweise die aufwendige  
Arbeit übernommen, nach und nach die Verzeichnisse für alle bisherigen  
Jahrgänge zu erstellen.  

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HALL OF FAME: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest.  
Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst -  
dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen  
können. 

Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen nach diesem Schema: 

....... 
AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende  
oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich  
könnt ihr in maximal 60 Zeichen inklusive Leerzeichen (nicht Wörtern!)  
weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. 
....... 

Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Ei- 
genverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie  
Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.  

ACHTUNG, NEU! 
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr be- 
stätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem  
Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! 

Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an  
redaktion at team pt autorenforum pt de.  

Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen  
Schema gemacht werden! 
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Barbara Kiesling: "Der andere ist nicht die Hölle. Wie Paare dem Him- 
mel näher kommen", Vandenhoeck & Ruprecht 2007. In diesem Buch steht  
fast alles, was man wissen müsste 

Jonathan Dilas: "Träume, Traumanalysen und alternative Realitäten",  
Bohmeier-Verlag 2008, Esoterik, Nonfiction. Forschungstagebuch über  
Bewusstseinserweiterung  

Alexa Stein: "Kronus' Kinder", Sieben Verlag 2008, Kriminalroman. Wel- 
ches Geheimnis verbirgt die Familiendynastie Kronus? 


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SCHREIB-KICK: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


Unser Schreib-Kick für den September, diesmal von Friedhelm Rudolph: 

Beim Warten auf den Bus oder sonstigem Leerlauf die Umgebung und ins- 
besondere die Menschen beobachten: die schwarzen Kaugummireste auf dem  
Bürgersteig, das Verhalten der Schülerinnen und Schüler verschiedener  
Altersstufen, wenn der Bus naht, die verschiedenen Blicke vorbeifah- 
render Autofahrer ...  

Besonderheiten suchen und versuchen, diese verbal zu formulieren; Sät- 
ze bilden, als wollte man diese Besonderheit in eine Story einbringen.  
Das eine oder andere Detail bleibt als wertvoller Fundus im Kopf hän- 
gen und kann einer späteren Figur / Situation mehr Leben und verstärk- 
ten Eindruck von Realität geben. 


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LESE-TIPP: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

http://www.leser-welt.de: Auf dieser Seite findet man vor allem Rezen- 
sionen, aber auch Autorenportraits. Zur Feier der 100. Rezension gibt  
es übrigens aktuell ein Gewinnspiel, bei dem man handsignierte Bücher  
gewinnen kann. 

http://www.tanja-kinkel.de: Die erfolgreiche Autorin hat wie so viele  
mit Fan-Fiction begonnen und bietet nun seit September eine besondere  
Art von Schreibwerkstatt an, mit der neue Talente ein Forum finden  
sollen. Auf ihrer Homepage stellt sie alle zwei Wochen eine neue Pas- 
sage aus ihrem letzten Roman online, mit der Aufforderung, diesen Text  
jeweils als Ausgangspunkt für einen eigenen zu benutzen. Am Ende wird  
es auch eine Abstimmung und Preise geben - aber vor allem haben Auto- 
rInnen hier die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. 


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AUTORENWISSEN: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                   "Die 9 Probleme beim Schreiben  
                   eines Wettbewerbstextes, Teil 2" 
                          von Stefanie Bense 


          Problem 5: Das Ausfeilen der Story 
Noch 12-11 Tage: 
Spätestens hier schon wieder eine Entscheidung: Was für eine Geschich- 
te will ich erzählen? Eine Milieustory von Tina in der Sekte? Eine  
Ideengeschichte darüber, was der Kern eines Glaubens ist? Eine Charak- 
terstory von Max oder Ann, die sich ändern müssen? Eine Ereignisge- 
schichte darüber, wie Tina "befreit" wird? (s. MICE / Orson Scott  
Card) 

Ich denke an eine Charaktergeschichte: Entwicklungsstory von Tina, wie  
sie erwachsen wird oder ...? Ich entscheide (!) mich für eine Entdec- 
kungsstory, die die Entwicklung von Ann zeigt, wie sie von einer prag- 
matischen Realistin zu einer Grenzgängerin wird. 

Weil ich jetzt weiß, wie die Eckpunkte und die Hauptrichtung des Plots  
aussehen (Entdeckung), kann ich die Grobstruktur in eine detaillierte- 
re Handlung umsetzen. 

Vorgeschichte: Ann ist mit Tina bei ihrem Mann Max ausgezogen, weil er  
nur Arbeit im Kopf hat. Sie leben in Berlin. Ann hat es nicht leicht,  
sich als Journalistin und Autorin über Wasser zu halten. Tina ist be- 
reits letztes Jahr bei einer Sekte eingestiegen, die zwar friedvolles  
Miteinander und Respekt predigt, aber auch ganz abstruse Licht- 
Energieströme-Paradies-Vorstellungen hat. Die Polizei hat die Minder- 
jährige dort raus geholt, und jetzt sitzt sie in einem Mädchenwohn- 
heim. 

Story: Ann erhält einen Anruf, dass ihre Tochter verschwunden ist. Da  
ihr bei der Polizei das Verfahren einer Vermisstensuche zu lange dau- 
ert, will sie selbst zu der Sekte fahren und Tina herausholen (etwas  
blauäugig, aber berechtigt durch die Sorge). Bei Max erfährt sie, dass  
er Tina Geld gegeben hat, das ihr den Ausbruch erst ermöglicht hat.  
Sie ist sauer und zwingt ihn mitzufahren. Auf der Fahrt hört sie von  
Tinas MP3-Player das Tagebuch ihrer Tochter ab. Tinas Glaubens-Monolog  
stößt bei Max auf taube Ohren, aber Ann meint etwas darin zu entdec- 
ken, das sie anspricht (1. Wendepunkt: Figur ändert sich und zwei- 
felt). 

Auf der Fahrt müssen sie mehrfach anhalten, und bei jedem Halt wird  
Ann mehr in eine "andere" Sichtweise verstrickt, symbolisiert durch  
die Vögel, die ihr begegnen. Gleichzeitig nehmen die Merkwürdigkeiten  
und seltsamen Vorfälle in der Außenwelt zu, z. B. dass das Auto nicht  
mehr dort steht, wo sie es abgestellt hatten. Einmal erscheint sogar  
Tina, die mit Ann redet, wobei Ann sich nicht mehr im Klaren ist, ob  
Tina wirklich neben ihr sitzt oder ob das nur ein Trugbild ist (Mit- 
telpunkt). Die vernunftmäßige Realität wird immer mehr erschüttert. 

Die Vorfälle werden immer eigenartiger, auch die Begegnungen mit den  
Vögeln. Von einem Pfau (an der Autobahn) glaubt Ann, eine Botschaft zu  
bekommen. Gleichzeitig erschüttert Tinas Monolog ihre Weltsicht, und  
Ann ahnt, dass sie zu spät kommen wird (2. Wendepunkt). 

Als sie bei der Sekte ankommen, auf einem einsamen Gehöft in Südbay- 
ern, erfahren sie, dass Tina und alle Anhänger der Sekte Selbstmord  
begangen haben. Ann kann damit anders umgehen als Max, der nur ge- 
schockt ist. Sie entdeckt, dass sie Grenzgängerin zwischen der "allge- 
mein gültigen Realität" und einer ganz anderen Weltsicht sein kann  
(Höhepunkt). Sie entwickelt neue Worte für die neue Weltsicht, durch  
die Max sie nicht mehr versteht. Sie wird den Auftragstext jetzt ganz  
anders scheiben. (Ende) 

Ausfeilen heißt: Handlung in Szenen festlegen (zeigen statt nennen!),  
Figuren konsequent zeichnen, auf den Spannungsbogen achten und die  
Entwicklung der Figuren nicht verlieren. 


          Problem 6: Die Schreibphase 

Noch 10-3 Tage: 
Die Seminarbücher bleiben liegen, die Wäsche bleibt liegen, der Ab- 
wasch bleibt stehen, das Unkraut im Garten ist mir egal ... Ich  
schreibe pro Tag etwa 7-8 Normseiten, obwohl ich ganztags berufstätig  
bin. Ich MUSS und ich WILL schreiben! 

Die Story entwickelt sich: Ann wird charaktertreuer, Max bekommt ein  
Entwicklungsziel und eigenes Profil, Tina wird zur Stimme aus dem Off  
bzw. zur Erinnerung Anns. Die Symbolkraft der Vogelreihung erhöht  
sich, die Dialoge zwischen Ann und Max gehen mir leicht von der Hand. 

Mit einem Autorenkollegen berede ich die Grobstruktur der Story. Er  
macht den Vorschlag, Ann später die Methode von Tina übernehmen zu  
lassen, ein Tagebuch aufzusprechen. Und Max könnte doch noch Interesse  
an Tinas Monolog zeigen. Interessant! 

Wo hakt es noch? Mir fehlt der Überblick über die Reiseroute und wie  
lange sie bis wohin brauchen. Tina predigt mir stellenweise zu stark  
und redet manchmal zu altklug. Max hat zu wenig eigenen Ausdruck in  
der Sprache, er redet kaum anders als Ann. Die Sätze folgen zur sehr  
dem Muster Subjekt - Prädikat - Objekt.  

Achtung! Ob man mitten im Schreiben oder Plotten mit jemandem darüber  
reden kann, ohne dass es einem die Geschichte verhagelt, hängt von  
mehreren Faktoren ab: 

- Der Kritiker ist kritikfähig und doch sensibel genug, um sich ggf.  
zurückzunehmen. 
- Der Kritiker besteht nicht auf seinen Vorschlägen und Verbesserun- 
gen. 
- Der Autor ist kritikfähig und sachlich genug, um Kritik annehmen zu  
können. 
- Der Autor weiß Vorschläge zu schätzen und wägt sie zum Vorteil der  
Story ab. 
- Autor und Kritiker wissen freundschaftlich und sachlich miteinander  
umzugehen. 
- Autor und Kritiker können zeitnah miteinander arbeiten. 

Mit meinem Schreibkollegen klappt das gut, aber dies ist meine persön- 
liche Arbeitsweise. Niemand muss so arbeiten! 


          Problem 7: Die Überarbeitungsphase 

Noch 3-1 Tage: 
Ich bereinige gleich die Haken der letzten Tage, bis auf die Reiserou- 
te. Vielleicht merkt das keiner!? Ich bereichere die wörtliche Rede  
von Max zunehmend mit englischen Ausdrücken, was sich zum Ende hin  
verliert und seine Entwicklung nachzeichnet.  

Eine Schlüsselszene, an der ich hänge, ist das "Treffen" zwischen Tina  
und Ann. Sie müssen haarscharf aneinander vorbeireden, so dass beide  
Möglichkeiten für den Leser glaubwürdig bleiben: Ann bildet sich das  
nur ein, oder Tina ist wirklich da. Es dauert lange, bis ich das pas- 
sabel hinbekomme.  

Neues Problem: Mein Laptop-Akku hat eine Macke. Muss er ausgerechnet  
jetzt schwächeln!? Also gewöhne ich mir an, nach zwei Sätzen stets per  
Tastenkombination zu sichern. 

Dabei fällt mir auf, dass ich die Wendepunkte verschieben muss. Neue  
Struktur: Am Mittelpunkt zweifelt Ann an der Allgemeingültigkeit der  
Normalität, und der zweite Wendepunkt ist nun das Treffen mit Tina. 

Dann geht's an Formulierungen, Stil und Rechtschreibung. Das dauert  
bei den vielen Seiten einen ganzen Tag. Zum Schluss kann ich keine  
Wörter mehr sehen. 

Man nehme sich genügend Zeit zum Überarbeiten! Am besten mit einem Tag  
Pause, um Abstand zu gewinnen. Bei mir funktioniert's mit: 6 Tage Pla- 
nen und Plotten, 8 Tage Schreiben, 3 Tage Überarbeiten. 


          Problem 8: Loslassen 

Der letzte Tag: 
Mir geht auf, welchen Titel die Story tragen sollte. Es ist Tinas  
Schlüsselsatz. Ich gehe durch den Text und setze den Schlüsselsatz so,  
dass er jedesmal eine leicht andere Bedeutung annimmt, je nachdem in  
welchem Kontext er erinnert oder gedacht wird. 

Mein Freund hilft mir, die Formulierungspannen und Glaubwürdigkeits- 
probleme zu bereinigen. Und entdeckt prompt, dass die Fahrtzeiten und  
Strecken nicht stimmen können. Mist, merkt man also doch! (Nicht  
schummeln! Die Leser merken das und trauen dem Autor dann nicht mehr!)  
Nun setzen wir Strecken, Pausen, Haltepunkte und Fahrtzeiten glaubwür- 
dig. 

Eigentlich will ich von ihm nur wissen, was ich alles noch verbessern  
muss, doch er erzählt mir auch, welche Dialoge ihm gefallen haben,  
welche Stellen er ganz toll beschrieben fand und dass ihm die Tina- 
spricht-mit-Ann-Szene sehr gut gefallen hat. Das sei so schön in der  
Schwebe gehalten. 

In der Schwebe fühle ich mich auch! Das Lob bestärkt mich, gleichzei- 
tig bin ich durch die  ständige Kopf- und Schreibarbeit ziemlich über- 
dreht. Dann komme ich auf die Idee, im Internet nachzuschauen, wann  
denn eigentlich die Post am Samstag schließt: um 12:00 Uhr!!! Schock!  
Das schaffe ich nicht mehr! Dann die Erleichterung: Es gibt einen Ki- 
osk mit Poststelle, der ist bis 20:00 Uhr geöffnet. 

Gegen 18:00 Uhr bin ich fertig. Mit allem. Auch mit den Nerven. Der  
Text hat 46 Normseiten. Ich drucke meine Story den Wettbewerbsbedin- 
gungen entsprechend mehrfach aus, verfasse ein Anschreiben, verpacke  
alles regensicher und bringe es zum Post-Kiosk. Das Päckchen erhält  
den verlangten Poststempel, dann bin ich wieder draußen und könnte die  
Welt umarmen. 

Wenn man Termine einhalten muss, hat man keine Zeit, Ängste oder per- 
fektionistische Tendenzen zu entwickeln. Leider stehen nicht immer  
Termine an. Also muss man früh genug lernen, den Text loszulassen, ihn  
wegzugeben - sonst wird er nie fertig! 


          Problem 9: Die Regenerationsphase 

Tag X+1: 
Ein Faulenzertag. Ich schlafe bis mittags, gönne mir ein gutes Buch,  
gutes Essen und ein gutes Telefongespräch. Tag der Belohnungen. :-)  
Gegen Abend sinniere ich darüber nach, ob im Tempest nicht noch eine  
interessante Ausschreibung ... 

Merke: Es muss danach Erholungsphasen geben! Sonst geht das Schreiben  
an die Substanz, selbst wenn man nicht in kurzer Zeit viel Text ver- 
fasst. Aber die Belohnung gibt es stets hinterher, nicht vorher oder  
mittendrin (kleine Erholungspausen wie Einmal-um-den-Block-Laufen sind  
erlaubt)! 

Und wieso ist mein Wettbewerbstext keine Fantasy? Ganz einfach, weil  
der Ausschreibungstext keine Fantasy gefordert hat und ich mich als  
Autorin dagegen entschieden habe. Wer sagt denn, dass eine Fantasy- 
Expertin nur Fantasy schreiben muss? 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Stefanie Bense lebt und arbeitet in Hannover, gibt Schreibkurse und  
führt eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröf- 
fentlicht sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman. Kontakt:  
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 


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AUTORENWISSEN: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                  "Wie werde ich mit Kritik fertig?" 
                        von Katharina Gerlach 

Ich glaube, dass es viele AutorInnen gibt, die wie ich Schwierigkeiten  
haben, Kritik mit Gelassenheit zu begegnen. Ich bin keine geduldige  
Person, und Kritik verärgert mich leicht. Wie gelingt es mir da, meine  
Familie nicht zu verprellen und meine Freunde zu behalten, obwohl sie  
meine Manuskripte zerpflücken? Wie schaffe ich es, freundlich zu Le- 
sern zu sein, deren Anmerkungen zu meinen Geschichten mir nicht gefal- 
len? 

          Kritik bitte nur schriftlich! 

Ich gebe zu, es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich im Griff  
hatte. Zuerst musste ich erkennen, dass Kritik logisch angegangen wer- 
den kann. Dadurch verschwindet der emotionale Druck, der mich immer so  
wütend machte. Wann immer es möglich ist, nehme ich Kritik (selbst von  
meinem Mann) nur noch schriftlich an. Bevor ich abgehärtet war, half  
das sehr, weil es mich in die Lage versetzte, meinen Frust im stillen  
Kämmerlein loszuwerden, ohne jemanden zu verletzen. 


          Kategorie 1: Bösartige Kritik 

Nachdem ich den Frust herausgeschrieen habe, gruppiere ich die Kritik.  
In der ersten Kategorie, "Bösartige Kritik", lege ich alles ab, was  
mich wütend oder traurig macht. Anfangs sind alle Kritiken hier gelan- 
det, obwohl nach sorgfältiger Überlegung kaum eine in dieser Gruppe  
verblieb. Ich habe einen Ausdruck dieses Bilds  
(http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Physiognomy.jpg) an meiner  
Pinnwand. Wenn mich Kritik wütend macht, zerknülle ich es und werfe es  
an die Wand, bis ich mich beruhigt habe. Dann glättete ich es wieder  
für spätere Wutausbrüche. 

Glücklicherweise bekomme ich nur wenige Kommentare, die dauerhaft in  
die Kategorie "Bösartige Kritik" gehören. Die wenigen Briefe, die dort  
bis zum Löschen blieben, waren wirklich gemein. Sie wurden mit dem  
Vorsatz geschrieben, mir weh zu tun, und waren auf eine Weise formu- 
liert, die mich lange geschmerzt hätte, hätte ich sie mir zu Herzen  
genommen. 

Jeder, der Bücher schreibt, kommt früher oder später in Kontakt mit  
dieser Art Kritik. Dabei ist es völlig irrelevant, ob solche Briefe  
aus Neid oder falsch verstandenem Hilfewunsch geschrieben werden. Wer  
nicht die Geduld hat, Kritik sachlich, höflich und freundlich zu for- 
mulieren, kann von mir nicht erwarten, dass ich mich damit auseinan- 
dersetze. Ich fasse ja auch kein Messer an der Klinge an, selbst wenn  
ich etwas schneiden will. Es gibt nur eine Art, mit dieser Form von  
Kritik umzugehen: löschen (oder zerreißen oder verbrennen). 

Habt kein Erbarmen mit Kommentaren, die nicht in der Lage sind, wenig- 
stens einen positiven Punkt in einer Geschichte zu finden. Eine Kri- 
tik, die nur aufzeigt, was an dem Manuskript oder Roman alles schlecht  
ist, oder noch schlimmer: die den Autor persönlich angreift, ist es  
nicht wert, gelesen zu werden. Selbst wenn diese Kritik die reinste  
Wahrheit wäre, diesen Herzschmerz ist es nicht wert. Löschen Sie ein- 
fach die E-Mail, und blicken Sie nach vorn. 


          Kategorie 2: Wenig hilfreiche Kritik 

Der größte Stapel an Kritiken, besonders nach einer Veröffentlichung,  
gehört in den Stapel "Wenig hilfreich". Hierher gehören alles Lob und  
die höflich formulierten negativen Rezensionen, wenn sie nicht mehr  
aussagen, als dass dem Leser das Buch gefallen / nicht gefallen hat.  
Hierher gehören auch fast alle Ablehnungsbriefe der Verlage (außer die  
mit persönlichen hilfreichen Notizen, die gehören in Kategorie 3).  
Verlage haben nicht die Ressourcen, um Autoren genau aufzuschlüsseln,  
warum ein Manuskript abgelehnt wurde. So habe ich bei Ablehnungs- 
schreiben als Autorin auch nicht die Möglichkeit, die Geschichte zu  
verbessern. Aber wenigstens sind sie höflich formuliert. 


          Kategorie 3: Konstruktive Kritik 

Kategorie 3 enthält immer den kleinsten Stapel Briefe. Sie ist reser- 
viert für konstruktive Kritik, ein wirklich seltenes Geschenk. Hierher  
gehören alle Kommentare, die genau aufschlüsseln, warum jemand etwas  
an meinem Manuskript oder Roman mochte oder nicht oder wo genau etwas  
schwer zu verstehen oder verwirrend war. Mit dieser Art Kritik ist  
jeder Schriftsteller in der Lage, seine Geschichte zu verbessern.  

Wenn Sie zufällig jemanden kennen, der konstruktiv kritisieren kann,  
überschütten Sie ihn / sie mit Süßigkeiten und behandeln Sie ihn / sie  
gut. Diese Leute sind so selten wie Diamanten im Nachtisch. 


          Leitsätze für den Umgang mit Kritik 

1. Die richtige Art Kritik ist unbezahlbar! 
2. Wenn Sie so aufbrausend sind wie ich, lassen Sie sich Kritiken  
schicken oder mailen. 
3. Wenn Sie über den ersten Schock hinweg sind, betrachten Sie Rezen- 
sionen logisch und ohne Emotionen. Ordnen Sie sie der richtigen Kate- 
gorie zu, und reagieren Sie entsprechend. 

Ich nutze dieses System nun seit beinahe zehn Jahren, nicht nur im  
Rahmen meiner schriftstellerischen Tätigkeit. Mittlerweile bettele ich  
geradezu um Kritik (z. B. bei den immer wieder lohnenswerten Kursen  
der Bundesakademie Wolfenbüttel), ja, ich lächle sogar über "bösartige  
Kritik". 

Ich hoffe, dass es allen, die mit demselben Problem kämpfen wie ich,  
mit diesem Ansatz gelingt, ihre Wut und ihren Frust in den Griff zu  
bekommen. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Katharina Gerlach (http://www.tapio-de.org/) ist eine dreifache Mutter  
aus Deutschland und Autorin des historischen Romans "Engels Freiheit"  
(ISBN 978-3865821751, auch auf Englisch erhältlich). 


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BUCHBESPRECHUNG: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                           "Wie ein Roman" 
                     besprochen von Gabi Neumayer 

Dieses Buch ist keine Neuerscheinung - aber aktuell und empfehlenswert  
ist es trotzdem. Hier geht es mal nicht ums Schreiben, sondern um das,  
was fast alle AutorInnen mindestens ebenso gern und ausgiebig tun:  
Lesen. 

VielleserInnen wie wir können sich oft nur wundern, wieso andere stöh- 
nen, wenn sie ein dickes Buch sehen, oder warum begeisterte Bilder- 
buchfans in der Schule zu rigorosen NichtleserInnen werden. Daniel  
Pennac zeigt uns, woran das liegt: Vielen Kindern wird die Lust am  
Lesen regelrecht ausgetrieben - sogar von lesenden Eltern, die das gar  
nicht wollen. Auf eine ganz einfache, aber fatal effektive Weise: in- 
dem das Lesen von der Lust zur Pflicht gemacht wird. "Noch dieses Ka- 
pitel, dann darfst du fernsehen." Solche scheinbar harmlosen Sätze  
haben tödliche Auswirkungen auf die Leselust, die bei jedem Kind  
grundsätzlich erst einmal vorhanden ist (wie jeder weiß, der schon mal  
einem Kind zugesehen hat, das gerade die Magie der Buchstaben ent- 
deckt). 

In vielen kleinen, wunderbar geschriebenen Kapiteln erzählt Pennac,  
wie man Leselust austreiben und verlieren kann - aber auch, wie man  
sie erhält und wiedergewinnt. Zum Schluss stellt er noch eine Liste  
mit den zehn unantastbaren Rechten des Lesers auf. Und darin finden  
sogar AutorInnen und andere VielleserInnen den einen oder anderen Hin- 
weis, der das eigene Lesevergnügen noch steigern kann. Denn wer sagt  
denn, dass man ein Buch zu Ende lesen muss, auch wenn es einem nicht  
gefällt? Oder dass man keine Seiten überspringen darf? Und wer kann  
von uns fordern, dass wir über ein Buch unbedingt sprechen müssen,  
statt unser Erlebnis damit ganz für uns zu behalten? 

"Eine Liebeserklärung ans Lesen" ist dieses Buch zu Recht genannt wor- 
den. Und weil es zudem noch hervorragend geschrieben ist, haben Auto- 
rInnen gleich doppelt etwas davon. 


Daniel Pennac: "Wie ein Roman", 2. Auflage 2006, 200 Seiten, 7,95 Eu- 
ro, KiWi 


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BUCHBESPRECHUNG: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                    "Tageskalender Literatur 2009" 
                     besprochen von Gabi Neumayer 

Tag für Tag ein neues, farbiges Kalenderblatt mit Autorenportraits,  
Leseproben, Buchtipps und einer Quizfrage auf der Rückseite: Das bie- 
tet der Literaturkalender 2009 von Harenberg. 

Die Seiten sind groß, es passt einiges drauf. So erfährt man jeden  
Tag, welche AutorInnen an diesem Datum geboren oder gestorben sind,  
kann sich an einer Quizfrage versuchen (die am nächsten Tag aufgelöst  
wird) - und bekommt darüber hinaus einen Text über einen Autor, eine  
Autorin (wie Andreas Eschbach, Juli Zeh, Dan Brown oder Eric Carle)  
oder über ein spezielles Werk (zum Beispiel "Die Wand" oder "Das Win- 
termärchen"). Leseproben gibt es auch, beispielsweise aus "Die Fahrt"  
oder "Mein Sohn hat ein Sexleben ..." 
Diese Auswahl zeigt schon: Hier ist wirklich für jede/n etwas dabei,  
das Lust aufs Neu- oder Wiederlesen macht. Von Asterix bis zu Jean  
Genet, von Karin Fossum bis Michael Ende. 

Ein schönes Geschenk für AutorInnen und andere LeserInnen - und ein  
schönes Geschenk für einen selbst. 


"Tageskalender Literatur 2009", 2008, ca. 800 Seiten (400 Kalender- 
blätter), 16,99 Euro, Harenberg 


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SOFTWARE-BESPRECHUNG: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                              "CUEcards" 
                     besprochen von Hanna Stöcker 

Während meiner schriftstellerischen Tätigkeiten - sei es an bei der  
Arbeit an einer Geschichte oder an einem Sachbuch - komme ich unwei- 
gerlich an den Punkt, an dem sich die Notizen auf dem Tisch stapeln  
und ich auf der Suche in meinen eigenen Aufzeichnungen nicht weiter- 
komme.  

Ich möchte, dass mein Material übersichtlich strukturiert ist. Ich  
möchte die Einzelheiten jederzeit schnell auffinden und abrufen kön- 
nen. Ab einem gewissen Umfang lehne ich deshalb Zettelsammlungen auf  
meinem Schreibtisch und dem Fußboden und in diversen Ordnern ab. Dabei  
ist es mir gleichgültig, ob diese Ordner auf meinem Rechner angelegt  
sind oder sich in meinem Birkenholzregal stapeln. 

Auf der Suche nach einem guten und bezahlbaren PC-Programm bin ich auf  
CUEcards(r) gestoßen. CUEcards(r) ist eine datenbankbasierte (Access 2000)  
Textsammlungssoftware. 

Mittlerweile nutze ich CUEcards(r) für viele verschiedene Bereiche mei- 
ner schriftstellerischen Tätigkeiten: 


          Ideensammlung 

In einer Datei werden sämtliche Ideen abgespeichert, die ich über ei- 
nen gewissen Zeitraum gesammelt habe. In dieser Ideendatei speichere  
ich Beobachtungen zu Situationen, Gedanken zu Figuren, kleine Text- 
fragmente und Betrachtungen zu Orten. Wenn ich dann an einen toten  
Punkt beim Schreiben angekommen bin, lese ich mich durch die Datei und  
freue mich an den vielen kleinen Kostbarkeiten, die ich bereits gesam- 
melt habe, und kann mit neuem Mut und neuer Kraft an das Schreiben  
gehen.  

Außerdem nutze ich diesen Notizkasten, um Beobachtungen festzuhalten,  
die ich nach verschiedenen Ordnungskriterien sortiert habe. In der  
Datei befinden sich auch Notizen zu möglichen Plots.  

          Sprachnotizen 

Eine eigene Datei dient der Sammlung von Sprachnotizen. In einen Ord- 
ner kommen besonders abgedroschene Redewendungen, vor denen ich mich  
hüten will, um nicht in ungewollte Klischees zu verfallen. Ein Ordner  
ist für gelungene Wortspiele reserviert. Ein anderer Ordner dient aus- 
schließlich der Bildung von Wort-Assoziationsketten.  


          Schreibwettbewerbe 

Um nicht die Übersicht zu verlieren, an welchen Schreibwettbewerben  
ich mich beteiligen möchte und was ich für Ideen für diesen Schreib- 
wettbewerb habe, legte ich eine Datei zu genau diesem Thema an. In  
dieser Datei sind die Ordner und Notizen nach Abgabedatum sortiert. 


          Fallgeschichtensammlung 

Seit einiger Zeit arbeite ich bei einem Sachbuchprojekt mit. In diesem  
Sachbuch sollen auch Fallgeschichten veröffentlicht werden. Auf der  
Suche nach einem Speichertool für die Fallgeschichten habe ich CUE- 
cards(r) wieder neu entdeckt. Die Fallgeschichten sind nach Themenberei- 
chen sortiert und innerhalb dieser Themenbereiche nach Datum. So habe  
ich einen schnellen Überblick über die vorhandenen Daten. 


          Die Programmansichten 

Das CUEcards(r)-Fenster ist in zwei Bereiche eingeteilt. Die linke Fen- 
sterspalte ist die Navigationsspalte. Der rechte Teil ist die Ein- 
tragsansicht. In CUEcards(r) werden zwei Eintragstypen unterschieden:  
Ordner und Karten. 

In der Navigationsleiste können die Eintragstypen angeklickt werden.  
Wenn man einen Ordner anwählt, sieht man im Eintragsfenster, was in  
diesem Ordner alles gespeichert ist - wenn man in der Navigationsan- 
sicht eine Karte anwählt, erscheint in der rechten Eintragsansicht der  
in der Karte abgespeicherte Text. 

Über diesen beiden Ansichten befinden sich Symbolleisten mit Schalt- 
flächen, die der Navigation in der Datei, der Formatierung der Texte  
und der Sortierung der Einträge dienen. 


          Den Text formatieren 

Da CUEcards(r) vor allem für eine möglichst große Textsammlung konzi- 
piert wurde und trotzdem nichts von der schnellen Verarbeitung einbü- 
ßen sollte, haben die Programmierer auf umfangreiche Formatierungs-  
und Bearbeitungsmöglichkeiten, wie man sie vielleicht von Word kennt,  
verzichtet. So ist es unter anderem nicht möglich, innerhalb des Tex- 
tes Überschriften zu definieren oder Tabellen zu generieren.  

Der Text selbst kann jedoch farbig gestaltet werden, es können Aufzäh- 
lungszeichen gesetzt werden, und der Text kann fett, kursiv oder un- 
terstrichen dargestellt werden. CUEcards(r) bietet außerdem verschiedene  
Schriftarten. 


          Bilder einfügen 

Mir ging es schon oft so, dass ich ein Bild von einem Haus gesehen  
habe, welches Ideen für eine Szene in einer Geschichte in mir weckte,  
oder das Bild einer Landschaft weckt so vielfältige Assoziationen in  
mir, dass ich dieses Bild immer wieder als Inspiration sehen möchte.  

In das Eintragsfenster und in den Kartentext können zwar weder Tabel- 
len, Bilder noch Mind-Maps eingefügt werden. CUEcards(r) ermöglicht es  
jedoch, Anlagen hinzuzufügen. Diese Anlagen werden nicht in CUEcards(r)  
abgespeichert, sondern verweisen auf die entsprechende Datei. Es ist  
möglich, sich die Anlagen auf der rechten Seite des Datenbankfensters  
unterhalb des Eintragsfensters anzeigen zu lassen. Neben der Möglich- 
keit, auf externe Dateien zu verweisen, bietet CUEcards(r) auch die Mög- 
lichkeit, Verlinkungen zwischen den Einträgen ein und derselben Daten- 
bank herzustellen. 

Wenn innerhalb der CUEcards(r)-Datei nachträglich die Bezeichnung oder  
der Ordner eines verlinkten Eintrags geändert wird, dann wird die Ver- 
linkung automatisch aktualisiert. Wird dagegen der Namen einer ver- 
linkten externen Datei geändert, muss auch in die Verlinkung in CUE- 
cards(r) aktualisiert werden. 


          Wortsuche 

In CUEcards(r) kann man nach einem Wort suchen. In das dafür vorgegebene  
Suchfeld wird der Begriff eingetragen. Nach Anklicken des "Start"- 
Buttons werden sämtliche Einträge aufgelistet, die den Suchbegriff  
enthalten.  

Leider ist es nicht möglich, zwei oder mehr Notizeinträge nebeneinan- 
der zur gleichzeitigen Betrachtung und Bearbeitung anzuzeigen. Es kann  
jeweils nur ein Textbereich angezeigt werden. 


          Systemvoraussetzungen 

Das Programm läuft nach meiner Erfahrung sowohl auf neueren als auch  
auf älteren PCs. Allerdings ist es ein Programm, das für das Betriebs- 
system Windows entwickelt wurde. Auf der Homepage von CUEcards(r) wird  
als Betriebssystem Windows XP oder Vista empfohlen. 


          Quelle und Preis 

Es gibt eine kostenlose Version des Programms CUEcards(r) 2000 und eine  
kostenpflichtige Version unter http://www.mhst.net/cuecards/. Der  
Preis für die kostenpflichtige Einzelversion ohne Preisnachlasslegiti- 
mation beträgt 40 Euro. 

Auf dieser Homepage kann das Programm heruntergeladen werden. Die ko- 
stenpflichtige Version kann 30 Tage kostenlos getestet werden. Bezahlt  
man die Rechnung, erhält man per E-Mail einen Freischaltcode. Es ist  
aber auch möglich, sich das Programm auf einer CD zuschicken zu las- 
sen; dies kostet dann zusätzlich 10 Euro. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Hanna Stöcker, Jahrgang 1977. Seit ein paar Monaten schreibe ich  
ernsthaft, d. h., im Moment gibt es noch keine Geschichten von mir  
oder Bücher, die veröffentlicht wurden. Ich liebe die Sprache, die  
Menschen, das Leben und das verbale Spielen mit den Möglichkeiten hin- 
ter den Wirklichkeiten. All dies kann ich als Schriftstellerin umset- 
zen. 


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INTERVIEW: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                       "Koste es, was es wolle" 
                     Interview mit Bernd Perplies 

Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Lieber Bernd Perplies, im August  
2008 ist Ihr Debütroman "Tarean - Sohn des Fluchbringers" bei Egmont- 
LYX erschienen, ein klassisches Fantasy-Abenteuer, das die Geschichte  
des Jungen Tarean erzählt, der in der Nacht geboren wird, als sein  
Vater, Anreon von Agialon, Ritter des Kristalldrachenordens, in einer  
Schlacht des Guten gegen das Böse fällt. Seitdem haben die Menschen  
unter der Tyrannei des Hexenmeisters Calvas zu leiden, seitdem ist  
Tarean durch das Scheitern des unrühmlichen Vaters als Sohn des Fluch- 
bringers gebrandmarkt. Doch eines Tages entschließt der junge Tarean  
sich, dem Hexenmeister entgegenzutreten und den Namen seines Vaters  
wieder reinzuwaschen. Auf diesem Weg macht er eine Reihe ungewöhnli- 
cher Bekanntschaften und muss zahlreiche Gefahrensituationen meistern. 

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Roman? Sind Sie dabei mehr ein  
intuitiver Autor, oder planen Sie jedes Detail im Voraus? 

Bernd Perplies: Eigentlich fing "Tarean" als Filmprojekt an. Das war  
1997, und ich studierte gerade an der Uni Mainz Filmwissenschaft. Ich  
hatte mich für ein Seminar zur Drehbuchanalyse eingeschrieben und mir  
dazu ein paar Bücher übers Drehbuchschreiben gekauft, darunter "Das  
Handbuch zum Drehbuch" von Syd Field. Dieses Buch hatte den Untertitel  
"Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch" und handelte in meh- 
reren Kapiteln davon, wie man ein Drehbuch schreibt.  

Um dieses Handbuch zu testen und auch, weil ich gerne wissen wollte,  
ob ich imstande wäre, ein ganzes Drehbuch zu verfassen, nahm ich mir  
vor, das Werk Kapitel für Kapitel abzuarbeiten. Und weil ich schon  
damals ein leidenschaftlicher Fantasy-Geschichten-Erzähler war, wollte  
ich natürlich das Drehbuch zu einem Fantasy-Film verfassen. Hier ent- 
stand das erste Konzept zu "Tarean".  

Aus dem Drehbuch selbst wurde dann nichts, denn nachdem ich mir vor  
Augen geführt hatte, dass ich ein Skript für einen Fantasy-Film hier  
in Deutschland nur für die Schublade würde produzieren können, ließ  
der Enthusiasmus doch spürbar nach. Und so legte ich das Projekt ad  
acta - nur um mich knapp sieben Jahre später auf der Suche nach einem  
eingängigen Stoff für einen Debütroman wieder daran zu erinnern! 

Hinsichtlich des Schreibens bin ich eine Mischung aus kühlem Planer  
und mutig losfabulierendem Kreativling. Die Erzählstruktur tüftele ich  
mir zur Sicherheit (man unterschätzt, wie aufwendig solch ein Buchpro- 
jekt ist) vorher in der Regel komplett aus. In den Details jedoch las- 
se ich mich gerne vom Fluss der Geschichte davontragen. Was einer Sze- 
ne atmosphärisch zuträglich ist, wird spontan hereingenommen. Zum  
Glück habe ich mir bislang dadurch selten größere Probleme eingehan- 
delt. 


RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem  
Lektorat des LYX Verlags?  

BP: Da der Roman komplett fertig war und bereits mehrere Korrektur- 
durchläufe erlebt hatte, bevor er LYX angeboten wurde, beschränkte  
sich die Zusammenarbeit mit dem Lektorat im Wesentlichen auf eine  
"Endkorrektur" des Manuskripts. Meine Lektorin schrieb mir sogar, dass  
sie selten ein Manuskript erhalten hätte, das bereits so "fertig" ge- 
wesen sei. Es wurden am Ende nur eine Reihe Rechtschreibfehler ausge- 
merzt, einige Sätze umgestellt und hier und da ein Sachverhalt etwas  
klarer formuliert. Größere Inhaltsänderungen gab es keine mehr. 


RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchco- 
vers oder den Klappentext?  

BP: In gewissem Maße, ja. Ich wurde zu jedem der drei Felder befragt,  
im Falle des Buchcovers wurden mir auch einige Vorschläge unterbrei- 
tet, und dann wurde gemeinsam die beste Lösung gesucht. Das letzte  
Wort hatte natürlich der Verlag, aber ich glaube, man hat meiner Mei- 
nung durchaus mehr Gehör geschenkt, als das bei Debütautoren in der  
Verlagslandschaft üblich ist - wofür ich LYX sehr dankbar bin. 


RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Schlüssel- 
erlebnis? 

BP: Nein. Ich habe schon immer gerne geschrieben. Früheste Fantasy- 
Erzählungen datieren bis in die Grundschule zurück (zum Glück sind  
diese Werke heute verschollen), später folgten oft Kurzgeschichten,  
die von Rollenspiel-Abenteuern inspiriert waren, die ich mit Freunden  
spielte (wie "Das schwarze Auge" oder "Shadowrun" - nur dass wir unse- 
re eigenen Welten entwarfen). Dass es so lange gedauert hat, bis ich  
endlich meinen Debütroman zu Papier gebracht habe, liegt wohl vor al- 
lem daran, dass ich jahrelang nicht das Durchhaltevermögen hatte, 300  
und mehr Seiten zusammenhängenden Text niederzuschreiben. Ansätze  
hierzu gab es vorher allerdings schon einige. 

RRB/TRB: Sie haben Germanistik und Filmwissenschaft studiert, beim  
Heel-Verlag ein Praktikum absolviert und für Genre-Magazine, Internet- 
Portale und die Zeitschrift Space-View Artikel und Rezensionen ge- 
schrieben und übersetzt. Wie wirkt sich Ihr Studium und Ihre prakti- 
sche Berufserfahrung auf Ihr Schreiben aus? 

BP: Einerseits waren meine Studienfächer und meine Tätigkeit als Re- 
zensent für mich natürlich ein Anreiz, viele Bücher zu lesen und viele  
Filme zu schauen. Und es gibt meines Erachtens nichts Wichtigeres für  
einen Autor, als möglichst viele gute (und auch schlechte!) Geschich- 
ten kennenzulernen. Erzählstile, Standardsituationen, Figurentypen -  
das ganze Handwerkszeug, das man später benötigt, kann sich einem hier  
langsam erschließen. Zum anderen hat mich das "Schreiben für Geld"  
sukzessive an größere Textmengen herangeführt. Ob man nun 300 Seiten  
übersetzt oder 300 Seiten Roman schreibt - es ist und bleibt eine Men- 
ge Arbeit, deren Bewältigung auch zeitlich geplant sein will. Aber  
nachdem man zwei, drei Mal ein solches Projekt abgeschlossen hat, ver- 
lieren die kommenden zunehmend an Schrecken. Insofern betrachte ich  
alles, was vor "Tarean" kam, auf die eine oder andere Weise als Vorbe- 
reitung.  


RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Tarean - Sohn des Fluchbringers" ge- 
arbeitet? 

BP: Wie bereits erwähnt, umspannt die "Vorgeschichte" zu "Tarean" meh- 
rere Jahre. Der tatsächliche Schreibprozess fand in etwa zwischen Sep- 
tember 2006 und Ende März 2007 statt. Danach folgten allerdings noch  
diverse Korrekturdurchläufe, so dass der Roman letztlich erst im April  
2008 die Form hatte, die nun Mitte August als Buch erschienen ist. 


RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?  

BP: Das ist schwer zu beantworten. Es gibt so viele Meinungen, was ein  
guter Autor ist. Ist es ein besonders eloquenter Stil? Ist es ein um- 
fangreiches Weltwissen? Ist es die Fähigkeit, mit jedem Roman etwas  
nie Dagewesenes zu bieten? Ich glaube, für mich ist ein guter Autor  
derjenige, dem es gelingt, seiner Zielgruppe mit seinen Romanen einige  
Stunden oder Tage der unterhaltsamen Lektüre zu bieten. Das darf man  
meines Erachtens bei der Bewertung eines Autors oder eines Romans nie  
vergessen: für wen der Autor sein Werk verfasst hat. Wenn diese Leser  
am Ende sagen: "Die Geschichte hat mich mitgerissen, ich habe die Fi- 
guren geliebt und werde einige Momente noch lange in Erinnerung behal- 
ten", dann hat der Autor seine Sache gut gemacht. 


RRB/TRB: Wie sieht der Alltag Ihres Autorenlebens aus? 

BP: Nun ja, drei Tage die Woche gehe ich nach wie vor ins Deutsche  
Filminstitut in Frankfurt, wo ich seit einigen Jahren arbeite. Das ist  
eine willkommene Abwechslung zum Eremitentum vor dem heimischen Rech- 
ner. Und es bietet mir als jungem Autor, der noch nicht abschätzen  
kann, wie groß der Erfolg seiner Werke tatsächlich sein wird, eine  
gewisse Sicherheit. Ansonsten bin ich jemand, der lieber in den Abend- 
stunden als am frühen Morgen schreibt. Wenn ich also einen Tag ganz  
dem Schreiben widme, beginnt das selten vor dem Mittagessen, endet  
aber durchaus nach Mitternacht. Dazu kommt für mich seit dem Erschei- 
nen von "Tarean" natürlich die "Pressearbeit", die ich vorher so nicht  
kannte, also der Kontakt zu Lesern, etwa in Leseforen, das Erweitern  
meiner Website (ich bin ein großer Freund von "Bonusmaterial" zu mei- 
nen Geschichten) und nicht zuletzt das Beantworten von Anfragen nach  
Interviews und Ähnlichem.  


RRB/TRB: Gibt es noch irgendein Genre, das Sie als Autor neben der   
Fantasy reizen würde? Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus? 

BP: Ich könnte mir Geschichten in vielen Genres vorstellen - sofern  
sie entfernt fantastisch sind. Das umfasst Mystery-Stories ebenso wie  
Science-Fiction, Steampunk wie Cyberpunk oder auch ganz wilde Genre- 
Crossover. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass ich jemals Krimis  
oder Gesellschaftsdramen schreiben werde; irgendeinen Knick in der  
Realität brauche ich immer, damit ich Spaß an einem Projekt habe.  

Konkret sitze ich derzeit am zweiten Abenteuer von Tarean und seinen  
Gefährten, das, wenn alles wie geplant läuft, im nächsten Frühjahr bei  
Egmont-LYX erscheint. Ich möchte hierzu aber anmerken, dass man den  
ersten Teil auch ganz wunderbar als Einzelroman lesen kann. Ich habe  
zwar ein paar Fäden offen gelassen, aber ich wollte (und habe) eine  
Geschichte erzählt, die für sich absolut rund ist und alle wichtigen  
Fragen beantwortet. Das nur in Richtung der Leser, die sich nicht auf  
noch eine "Fantasy-Saga" einlassen wollen.  

Abgesehen davon habe ich in der Zwischenzeit gemeinsam mit einem  
Freund und Kollegen, Christian Humberg, für Pegasus Spiele ein Aben- 
teuerspielbuch geschrieben, also einen Roman, der aus 350 nummerierten  
Abschnitten besteht und bei dem der Leser während der Lektüre selbst  
entscheiden kann, wie sich die Handlung weiterentwickelt (willst du X,  
lies weiter bei 102, willst du Y, lies weiter bei 204). Das Ganze  
spielt in Wolfgang Hohlbeins "Hexer von Salem"-Universum, und der Le- 
ser verkörpert einen jungen Mann, der im Jahr 1922 unbedingt zum Film  
will. Dabei gerät er in den Dunstkreis des ominösen Regisseurs Harry  
Paul Liebwerk und seiner Filmproduktion "Das schleichende Grauen" (so  
auch der Titel des Buchs), bei der so einiges nicht mit rechten Dingen  
zugeht.  

Wie es danach weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Aber ich hoffe  
natürlich, dass sich noch viele Projekte anschließen. 


RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte ...) lesen  
Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?  

BP: Ich lese immer mindestens vier Romane gleichzeitig (die Neugierde  
lässt mich stets etwas Neues anfangen, bevor noch die letzte Geschich- 
te zu Ende ist). Im Augenblick liegen beispielsweise Tad Williams  
"Shadowmarch", Oliver Plaschkas "Fairwater", Jack Kerouacs "Unterwegs"  
und ein "Star Wars"-Roman von Timothy Zahn an strategisch günstigen  
Stellen in meiner Wohnung herum. Da ich ein regelrechter Bücher- 
verschlinger bin, ist das mit dem "starken Eindruck", der im besten  
Fall noch Jahre anhält, etwas schwierig. Sehr gut gefallen hat mir in  
letzter Zeit der Science-Fiction-Roman "Spin" von Robert Charles Wil- 
son, weil er eine wirklich ungewöhnliche Idee präsentiert hat. Zu den  
Offenbarungen meiner langen Leselaufbahn gehören sicherlich "Märchen- 
mond" von Wolfgang Hohlbein (mit 12), "Neuromancer" von William Gibson  
(mit 16) und die Kurzgeschichten von Lovecraft (mit 20). Eine Novelle,  
die ich im Übrigen immer wieder lesen könnte, ist "Aus dem Leben eines  
Taugenichts" von Joseph von Eichendorff - und das schreibe ich jetzt  
nicht, um noch etwas Schlaues ans Ende zu stellen. Ich mag einfach den  
Protagonisten mit seiner Lebenslust und seiner Fähigkeit zu Staunen.  
Von beidem kann man meines Erachtens nicht genug haben. 


RRB/TRB: Hätten Sie sonst noch einen Rat für angehende Autoren und  
Autorinnen?  

BP: Nur den einen, den ich auch als Motto (und Widmung) "Tarean" vor- 
angestellt habe: "Haltet an euren Träumen fest!" Hinzuzufügen wäre  
vielleicht noch: "Koste es, was es wolle." Denn wenn man wirklich ei- 
nen Roman schreiben will, muss man sich auch wirklich hinsetzen und  
bereit sein, ein paar Dinge dafür zu opfern: in meinem Fall vier Wo- 
chen Urlaub, einen Kollegen-Stammtisch und 20 Kinofilme des letzten  
Jahres, die ich gerne gesehen hätte. Aber am Ende war's das wert! 


RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview! 


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VERLAGSPORTRAIT: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 

Mitteldeutscher Verlag 
Am Steintor 23 
06112 Halle (Saale) 
Telefon: (03 45) 2 33 22-0 
Fax: (03 45) 2 33 22-66 
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  
http://www.mitteldeutscherverlag.de 


          Verlagsgeschichte und Programm 

Die Mitteldeutsche Verlags GmbH wurde 1946 auf Initiative der damali- 
gen Provinzialverwaltung der Provinz Sachsen gegründet. Verlagszweck:  
Verlag und Vertrieb des Verordnungsblattes für die Provinz Sachsen und  
sonstiger Druckschriften sowie der Verlag von Werken privater Autoren.  
Heutige Zahl der Mitarbeiter: 13. Elf davon sind hauptberuflich für  
den Mitteldeutschen Verlag tätig. 

In der Anfangszeit wurden vor allem Werke deutscher Autoren veröffent- 
licht, die während der nationalsozialistischen Diktatur emigriert wa- 
ren. 1958 erschien "Nackt unter Wölfen" von Bruno Apitz, ein Welter- 
folg, der in Millionenauflage gedruckt, in 30 Sprachen übersetzt und  
verfilmt wurde. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre stellte sich  
eine große Anzahl neuer Talente vor, die später zu den namhaften Ver- 
tretern der DDR-Literatur zählten, wie Christa Wolf oder Volker Braun.  
In den 1970er Jahren war der Mitteldeutsche Verlag einer der größten  
Belletristikverlage der DDR. Während sich Autoren wie Volker Braun und  
Erich Loest einer verstärkten Zensur ausgesetzt sahen, erschienen auch  
ideologisch motivierte, parteipolitisch geforderte Titel - eine Ten- 
denz, die in den 1980er Jahren ihre Fortsetzung fand. 

Nach dem Ende der DDR übernahmen die Verlagsmitarbeiter den Verlag aus  
den Händen der Treuhand und versuchten, ihre Arbeit an die veränderten  
wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen und das Verlagsprofil neu zu  
entwerfen. Für das Bestehen auf dem internationalen Buchmarkt war die  
jahrzehntelange Beschränkung auf Literatur von DDR-Autoren ein großes  
Hemmnis. Das neue Programm konzentrierte sich vor allem auf Regiona- 
lia. Es erschienen Bildbände, geschichtliche Sachbücher und Beiträge  
zur Landesgeschichte.  

Seit 2006 nimmt der Mitteldeutsche Verlag unter der Leitung von Roman  
Pliske wieder vermehrt deutsche Gegenwartsliteratur in den Fokus.  
Bildbände und bibliophile Ausgaben gehören ebenso zum Programm wie  
regionale Literatur, Fach- und Sachbücher, Biographien, Anthologien  
und Reiseführer. Pro Jahr erscheinen zudem ein bis zwei Übersetzungen  
und neue Titel der Krimireihe "TatortOst". Der bibliophile Schwerpunkt  
wird u .a. in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Burg Giebichen- 
stein in Halle gepflegt.  


          Philosophie 

Der Kampf um den Titel - das hat für den Verlag nichts mit Sport zu  
tun. Der Kampf um, oder besser: für den Titel bedeutet, sich für ein  
Buch in die Bresche zu werfen. Risiken einzugehen. Leidenschaft zu  
beweisen. Nicht nur auf Bewährtes zu setzen, sondern auch die hoff- 
nungsvollen Manuskripte unbekannter Erzähltalente in mit Verve gestal- 
tete Hardcover zu verwandeln oder längst in Vergessenheit geratene  
Kleinode ans Licht zu holen. Mit Grafikern und Illustratoren zusammen- 
zuarbeiten, die mit ihrer Kreativität einen Text fortführen, ergänzen,  
interpretieren, visuell erlebbar machen - und einen Band zu einem Ge- 
samtkunstwerk für Sinne und Intellekt werden lassen.  


          Welche Autoren wurden bisher verlegt?  

Bis 2006 u. a. Bruno Apitz, Wolfgang Borchert (Gesamtwerk), Werner  
Bräunig, Bertolt Brecht, Volker Braun, Günther de Bruyn, Reiner Kunze,  
Sinclair Lewis, Erich Loest, Georg Maurer, Andreas Reimann, Kurt Tu- 
cholsky, Christa Wolf.  

Nach 2006 u. a. Jörg Bernig, Bov Bjerg, Sebastian Brock, Wiglaf Dro- 
ste, Uwe Durst, Christopher Ecker, Michael G. Fritz, Herbert Genzmer,  
Jörg Jacob, Anna Kaleri, Wladimir Kaminer, Clemens Meyer, Andreas Mon- 
tag, Jörg Schieke, Christoph Steier. 


          AutorInnen gesucht? 

In der Belletristik ist die Programmplanung bis einschließlich 2010  
abgeschlossen. Hier herrscht also kein Bedarf. Interesse besteht aber  
an Projekten zur Region Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Z. B.:  
Bildbände, Stadt- und Reiseführer, Wanderführer, Radwanderführer,  
Mundart.  

Um eventuelle Dopplungen zu vermeiden, informieren Sie sich bitte vor  
Einreichung Ihres Projekts auf der Homepage über die bei bereits er- 
schienenen Regionalia. 


          Konditionen 

Im Allgemeinen werden keine Vorschüsse gezahlt. Je nach Titel und Auf- 
lage 6 bis 12 Prozent Beteiligung am Nettoladenpreis. 

Prüfen Sie bitte, ob Ihr Manuskript tatsächlich ins Programm passt.  
Bitte senden Sie keine vollständigen Manuskripte ein, sondern ledig- 
lich ein Exposé Ihres Projekts und eine Leseprobe von maximal 20 Manu- 
skriptseiten. Manuskripte in handschriftlicher oder elektronischer  
Form (E-Mail, Diskette, CD-ROM etc.) werden nicht berücksichtigt. Eine  
Rücksendung der Materialien kann nur erfolgen, wenn ein adressierter  
und ausreichend frankierter Rückumschlag beiliegt.  

Exposé und Manuskriptprobe bitte einsenden an: Mitteldeutscher Verlag,  
Lektorat, Am Steintor 23, 06112 Halle (Saale). Alle eingehenden Manu- 
skripte werden geprüft, aber das kann 10 bis 12 Wochen dauern. 


          Zukunftspläne, Perspektiven 

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. 


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BESONDERE LESUNGEN: 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


                      "Mörder-Müller-Makkaroni" 
                           von Anne Hassel 

Wein und Mord üben doch immer wieder eine tolle Anziehungskraft aus.  
Diese Lesungen sind etwas Besonderes, und es werden auch immer wieder  
Bücher verkauft. Der Preis ist mit 19 Euro nicht zu hoch angesetzt,  
denn im Erlebniswert sind 5 Weine, Essen, Genießen und "Gruseln" ent- 
halten 

Ich lese tödliche Kurzkrimis im Weingut Giegerich in Großwallstadt.  
Das Ambiente ist sehr schön - zwischen Weinflaschen und Weinfässern 

Eine Weinprobe der anderen Art, denn zu jedem Kriminalfall, den ich  
lautmalerisch den Zuhörern vorlese, verwöhnt Weinmacher Klaus Giege- 
rich die Kehlen seiner Gäste mit allerlei edlen Tropfen aus den schau- 
rigen Gewölben seines Weinkellers.  Dazwischen werden Tessiner Nudel- 
röllchen auf Blattspinat serviert. 

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KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR! 
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                              (redaktion at team pt autorenforum pt de) 


Er: "Worum geht es bei deinen drei Romanen eigentlich?" 
Ich: "Zwei handeln von Frauen und der dritte von einem Psychopathen." 
Er: "Und wo liegt der Unterschied?" 

(Margot S. Baumann) 


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UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN:      
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Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - kei- 
ne Manuskripte zur Beurteilung. 

Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst  
kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird. 


  Drehbuch: Oliver Pautsch 
                              drehbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Fandom: Thomas Kohlschmidt 
                                fandom at experte pt autorenforum pt de 
  Fantasy: Stefanie Bense 
                               fantasy at experte pt autorenforum pt de 
  Heftroman: Arndt Ellmer 
                             heftroman at experte pt autorenforum pt de 
  Historischer Roman: Titus Müller 
                    historischer.roman at experte pt autorenforum pt de 
  Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik 
                            kinderbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Lesungen: Rüdiger Heins 
                              lesungen at experte pt autorenforum pt de 
  Lyrik: Martina Weber 
                                 lyrik at experte pt autorenforum pt de 
  Sachbuch: Gabi Neumayer 
                              sachbuch at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibaus- und fortbildung: Uli Rothfuss 
                           fortbildung at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibgruppen: Ute Hacker 
                        schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de 
  Schreibhandwerk: Ute Hacker 
                       schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de 
  Sciencefiction: Andreas Eschbach 
                              sf-autor at experte pt autorenforum pt de 
  Technik (physikalisch!): Woldemar Schilgen 
                               technik at experte pt autorenforum pt de 
  Übersetzung: Barbara Slawig  
                         uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de 
  Verlagswesen: Bjørn Jagnow 
                          verlagswesen at experte pt autorenforum pt de 

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Experten-Special: 
................. 

Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Ur- 
heberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesam- 
melt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF  
zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geord- 
net, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche -  
und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert.  
Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbin- 
dung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé,  Honorar, ISBN, Leseprobe,  
Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ...  
Hier werdet ihr fündig: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0062- 
tempest2-4. 


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR DREHBUCH: 
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Oliver Pautsch(drehbuch at experte pt autorenforum pt de) 


Frage: 
Ich habe ein Drehbuch geschrieben, welches einen Roman zur Vorlage  
hat. Wenn ich dieses nun verfilmen wollte, was muss ich da rechtlich  
beachten (Urheberrecht des Autors, Lizenzen ...)? Kann ich bei der  
Suche nach einer Produktionsfirma bereits dieses Drehbuch vorlegen? 


Antwort: 
Sie müssen in der Tat das Urheberrecht und Lizenzrechte des Romanau- 
tors beachten, bevor Sie überhaupt etwas in Richtung Veröffentlichung  
unternehmen. 

In der Regel sichern sich die Verlage alle Zweit- und Nebenrechte des  
Buchs. Deshalb werden Sie dort die geeigneten Ansprechpartner finden. 

Bevor diese Fragen nicht geklärt sind, würde ich das Drehbuch nicht  
unbedingt einer Filmproduktion vorlegen. Sie können dort natürlich den  
thematischen Vorschlag (Exposé) unterbreiten und der Produktion (bei  
Interesse) die Verhandlungen mit dem Buchverlag überlassen. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Oliver Pautsch, Jahrgang 65, sammelte zunächst Erfahrungen als Fahrer,  
Beleuchter, Aufnahmeleiter und Regieassistent im Fernsehgeschäft. Spä- 
ter ein Zwischenspiel an der Uni Düsseldorf, doch er wollte lieber  
direkt für die Branche schreiben. Es entstanden Drehbücher für Kurz- 
filme, Serienfolgen und für den sog. "abendfüllenden" Film.  
http://www.drehbuchautoren.de/Autoren/meinautor.php?ID=164 


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDER- UND JUGENDBUCH: 
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Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de) 

Frage: 
Ich bin Illustratorin, Berufsanfängerin. Ich möchte schon länger bei  
einem Verlag "unterkommen", weiß aber nicht, wie man es richtig an- 
stellt. Ein Vertreter eines großen Verlages hat mich vor einem Jahr  
angesprochen, da ihm Zeichnungen gefielen, die er zufällig gesehen  
hat. Ich gab ihm eine Mappe mit einem möglichst breitgefächerten Spek- 
trum mit. Er meldete sich später mit den Worten, es habe dem Verlag  
sehr gut gefallen, aber ich solle mich doch mit einem konkreten Pro- 
jekt vorstellen.  

Nun bin ich aber kein Autor! Und habe aus Ihren Ratschlägen hier ent- 
nommen, dass es der Verlag ist, der die Illustratoren an Autoren ver- 
mittelt. Wie kann ich nun vorgehen? Ich habe nun auf eigene Faust eine  
Autorin gefunden, deren Kindergeschichten gut sind und die ich nun  
illustriere. Ich möchte aber umgehen, dass es vergebene Mühe ist. Sie  
schrieben, es habe wenig Erfolgsaussicht, wenn man sich bereits als  
Illustrator und Autor vorstellt. 

Kann ich der Ermutigung eines Verlagsvertreters denn soweit vertrauen,  
hat er Einblick? Wie stellt man sich als Illustratorin grundsätzlich  
korrekt am besten beim Verlag vor?  


Antwort: 
Es gibt Verlage, die arbeiten ausschließlich mit Hausillustratoren  
zusammen und suchen nur Texte. Andere Verlage wünschen sich ein Ge- 
samtkonzept aus Text und Illustrationen. Der Markt ist da sehr unter- 
schiedlich orientiert.  

Meine Empfehlung lautet: Erstellen Sie zunächst nur einige wenige Il- 
lustrationen, und bieten Sie diese zusammen mit dem Manuskript an. 

Sollten Sie keinen Verlag für das Bilderbuch finden, können Sie die  
Illustrationen immer noch Ihrer Bewerbungsmappe hinzufügen. Generell  
ist die Verlagsbranche für Illustratoren wie auch für Autoren ein hart  
umkämpfter Markt. Wenn Sie den Einstieg bei einem Verlag schaffen wol- 
len, werden Sie nicht um das Risiko herum kommen, auch mal etwas für  
die Schublade zu produzieren. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Michael Borlik, 1975 geboren, machte 1995 sein Abitur und ging an- 
schließend in eine kaufmännische Ausbildung, die er 1998 erfolgreich  
abschloss. Seit 2001 erfolgte eine Reihe von Veröffentlichungen. Über- 
wiegend schreibt er Kinder- und Jugendbücher, die u. a. bei Ueberreu- 
ter, Thienemann und Arena erscheinen. Seit Sommer 2005 ist er freier  
Schriftsteller. Mehr Infos unter http://www.borlik.de. 


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR HISTORISCHE ROMANE: 
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Titus Müller (historischer.roman at experte pt autorenforum pt de) 


Frage: 
Schreibe schon seit einiger Zeit an einem historischen Roman. Jetzt  
habe ich mit Schrecken festgestellt, dass vor kurzem ein Roman mit dem  
gleichen Thema erschienen ist. Habe ich trotzdem Chancen, meinen Roman  
herausbringen zu lassen?  


Antwort: 
Der gleiche Verlag wird sicher in den nächsten Jahren keinen weiteren  
Roman mit diesem Thema herausbringen. Aber es gibt ja gerade beim Gen- 
re des historischen Romans viele konkurrierende Verlage. In den Pro- 
grammen der anderen Verlage könnte durchaus Platz sein für dein Buch.  
Ich würde an deiner Stelle drei Fragen klären, um einen guten Boden  
für die Entscheidung zu haben, ob du das Projekt fortsetzt oder es  
zugunsten einer neuen Idee aufgeben solltest. 

1) Wie erfolgreich ist der andere Roman? Kennt ihn jeder, oder ist er  
eher ein Midlist-Titel? Wenn der andere Roman wenig bekannt ist, kann  
dein Buch parallel dazu auf dem Markt bestehen. 

2) Kannst du eventuell einen anderen Ansatz wählen? Mir ging das so  
bei der "Brillenmacherin" -  ich hatte vieles parallel zum "Lächeln  
der Fortuna" von Rebecca Gablé geplottet. Nun ist das ein Roman, der  
sehr bekannt und erfolgreich ist. Also blieb mir nur das Umschreiben.  
Ich habe die Jahre zwischen den großen historischen Ereignissen genom- 
men, die im "Lächeln der Fortuna" behandelt werden, und habe mich auf  
den kirchenhistorischen Aspekt konzentriert, den Rebecca nur am Rande  
streift. Auch das Brillenmachen kommt bei ihr nicht vor. Damit ist  
meine "Brillenmacherin" ein ganz anderer Roman als das "Lächeln der  
Fortuna". Ich mag sie beide! Einem kleinen Prozentsatz von Rebeccas  
LeserInnen geht es offenbar auch so. 

3) Kannst du beim Anbieten deines Romans womöglich sogar dadurch punk- 
ten, dass ein anderes Buch mit ähnlichem Ansatz gerade Erfolge feiert?  
Wenn du das Thema etwas anders aufziehst, könnte der Verlag im Erfolg  
des anderen Buchs ein Indiz dafür sehen, dass bei den Lesern großes  
Interesse am Thema besteht. 

Wenn du nach all diesen Überlegungen immer noch dabei landest, dass  
dein Buch unmöglich neben dem anderen Roman bestehen kann, dann bleibt  
dir nur, es für einige Jahre ruhen zu lassen. Später kann dasselbe  
Thema sicher ohne Probleme aufgegriffen werden. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

"Viel Detailkenntnis. Unterhaltung auf hohem Niveau!" (Magdeburger  
Volksstimme) Titus Müller: Das Mysterium, 469 Seiten, 19,95 Euro.  
http://www.titusmueller.de 


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FRAG DEN EXPERTEN FÜR VERLAGSWESEN: 
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Bjørn Jagnow (verlagswesen at experte pt autorenforum pt de) 

Frage:  
Ich habe eine Idee für ein Sachbuch, welches ich zur Not (wenn Verlage  
daran nicht interessiert sind) auch über books-on-demand umsetzen  
möchte. Meine Frage hierbei: Für das Buch muss ich Interviews führen.  
Reicht es hier, den Gesprächspartnern zu sagen, wofür ich das Inter- 
view mit ihnen benötige? Und wenn diese zusagen, ist der Abdruck im  
Buch rechtlich kein Problem?  


Antwort: 
Wenn den Interviewten bekannt ist, dass das Interview veröffentlicht  
werden soll, geben sie mit jeder Antwort automatisch auch die Zustim- 
mung zur Veröffentlichung. 

Allerdings empfehle ich, den Hinweis auf die Veröffentlichung zu doku- 
mentieren, damit nachher niemand sagt, er / sie hätte von der Veröf- 
fentlichungsabsicht nichts gewusst. Wenn die Interviews aufgezeichnet  
werden (Audio, Video) genügt ein Hinweis am Anfang des Gesprächs, der  
mit aufgezeichnet wird. Bei schriftlichen Interviews (Fragebogen, E- 
Mail-Wechsel) sollte der Hinweis zusammen mit den Fragen verschickt  
werden. 

                    **~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~** 

Bjørn Jagnow ist Schriftsteller, Verlagsfachwirt, Verlagskaufmann und  
Buchhändler (http://www.bjoernjagnow.de/). Sein Fantasy-Thriller "Wil- 
de Jagd" ist als kostenloses PDF lieferbar (http://nbn- 
resolving.de/urn:nbn:de:0062-wildejagd1-8). 


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Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen  
und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrenn- 
ter Mail kommt! 
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Einsendeformalien: 
Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rück- 
sprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt  
werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.  

Einsendungen bitte im RTF-Format und per E-Mail, und zwar an:  
beitrag at team pt autorenforum pt de. 

Fragen zu Einsendungen sollten ebenfalls an diese Adresse gerichtet  
werden. Die genauen Richtlinien findet ihr unter der Adresse  
http://autorenforum.de/Tempest/richtlinien.html. 

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                        I M P R E S S U M 
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Herausgeber:  
   Ramona Roth-Berghofer public.relations at team pt autorenforum pt de  
   Gabi Neumayer                redaktion at team pt autorenforum pt de 
   Stefan Schulz                     webmaster at autorenforum pt de 
   Thomas Roth-Berghofer  
                    Thomas.Roth-Berghofer at team pt autorenforum pt de 
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"The Tempest" ist ein kostenloser Newsletter für Autorinnen und Auto- 
ren. Abonnenten sind herzlich aufgefordert, den Newsletter weiter- 
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(Näheres s. http://www.autorenforum.de/?UeberUns/Impressum) und der  
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