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Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Autorenwissen
"Immer was am Laufen, Teil 1: Schreibtischtiefen"
Frank Borsch
Spannung, der Unterleib der Literatur
"Spuckattacke"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Des bösen Lektors Wörterbuch
Verlagsportrait
"Sutton Verlag"
Küss mich, ich bin ein Autor!
Frag die Expertin für Lyrik
(Martina Weber)
EDITORIAL: ---------------------------------------------------------------------
Liebe Autorinnen und Autoren,
zum ersten Mal in all den Jahren erscheint der Tempest nicht am 20. des Monats. Unsere Urlaubs- und Arbeitsreisen mit anschließenden Abgabeterminen haben sich so überschnitten, dass es einfach nicht ging. Aber jetzt:
Lesen und lernen: Eine neue ungemein erhellende Analyse findet ihr in Hans Peter Roentgens Lektoratskolumne "Spannung, der Unterleib der Literatur". Leben und laufen: Frank Borsch zeigt uns mit seinem zweiteiligen Artikel, wie man sich sein nicht immer einfaches Autorenleben entscheidend verbessern kann. Lästern und lachen: Honeyball erfreut uns mit weiteren Definitionen aus "Des bösen Lektors Wörterbuch".
Dazu gibt es wieder ein Verlagsportrait von Ursula Schmid-Spreer, viele Tipps, den Schreib-Kick, neue Ausschreibungen ˆ und eine Antwort unserer Lyrikexpertin, die nicht nur LyrikerInnen interessieren wird.
Der Tipp des Monats Juli, diesmal von Dolores Pieschke:
Ich lese mir eine Teststelle, bei der ich noch kein gutes Gefühl habe oder die besonders wichtig ist, so lange laut vor und ändere so lange daran herum, bis sie fließend über die Zunge geht. Dann spreche ich sie auf mein Diktiergerät und lausche, ob sie mir gefällt, ob meine Gedanken dabeibleiben oder ich sonst irgendetwas auszusetzen habe.
Heiße Ideen und einen kühlen Kopf beim Schreiben in diesem erstaunlichen Sommer! Und ein gut klimatisiertes Bankkonto, von dem ihr uns euren Beitrag zum Erhalt des Tempest überweisen könnt!
Gabi Neumayer Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~ Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt, aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto von autorenforum.de:
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Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte genau so zusammenschreiben!) IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 BIC: GENODEF1S01
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ISSN 1439-4669 Copyright 2010 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial Hall of Fame Schreib-Kick Lesetipp Autorenwissen "Immer was am Laufen, Teil 1: Schreibtischtiefen" Frank Borsch Spannung, der Unterleib der Literatur "Spuckattacke" Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen Des bösen Lektors Wörterbuch Verlagsportrait "Sutton Verlag" Küss mich, ich bin ein Autor! Frag die Expertin für Lyrik (Martina Weber) Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen Ausschreibungen Publikationsmöglichkeiten mit Honorar ohne Honorar Seminare Messekalender Impressum
********************************************************************* HALL OF FAME: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:
....... AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. ....... Ein Beispiel (!):
Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009, Mystery-Thriller. 60 Zeichen ˆ und kein einziges mehr! Inklusive Homepage! .......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG, NEU! Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat!
Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~
Paul Mesa: "Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit", Kindler Verlag 2010, Roman. 1 Hotel, 1 tote Mutter, Liebe, Kaffee, Portugal. paulmesa.de
Luisa Hartmann: "30 Geschichten vom Abschiednehmen", Verlag an der Ruhr 2010, Kinderbuch. Band sechs der beliebten 3-Minuten-Geschichten.
Jeanine Krock: "Flügelschlag", Heyne 2010, Romantic Fantasy. Ein Engel-Roman. www.jeaninekrock.de
Judith Le Huray: "Nicht nur Hundeküsse" Schenk Verlag 2009. Mädchenroman. Ab 12 J. http://www.judith-lehuray.de
Judith Le Huray: "Tanz mit Spannung", Schenk Verlag 2009, Mädchenroman. Ab 12 J. http://www.judith-lehuray.de
Judith Le Huray: "Toni und Schnuffel", BVK Buch Verlag Kempen 2009, Erstlesebuch. 2./3. Klasse. http://www.judith-lehuray.de
Judith Le Huray: "Tricks von Tante Trix", BVK Buch Verlag Kempen 2010, Erstlesebuch. 2./3. Klasse. http://www.judith-lehuray.de
Rainer Innreiter: "180°: Verdrehte Kurzkrimis", Twilight-Line 2010, Kriminalgeschichten. Originelle Kurzkrimis mit dem ganz besonderen Dreh.
Erik Schreiber (Hrsg.): "Geheimnisvolle Geschichten 1", Wunderwaldverlag 2010, Mysterygeschichten. 148 Seiten
Erik Schreiber: "Rettungskreuzer Ikarus ˆ 41. Band, Sturmangriff der Ts'gna", Atlantis Verlag 2010. Abenteuerliche Space-Opera.
Nico Gold: "Little Black Book der Frauenverführung: Das kleine Handbuch gegen einsame Nächte", Wiley-VCH Verlag 2010, Ratgeber. 160 Seiten, 9,99 Euro
Karl Plepelits: "Unterwegs in Libyen", Iatros Verlag 2010, Reiseroman. Spannende Reportage, berührende Liebesgeschichte.
Sigrid Lenz: "Maja - Geschichte einer Slasherin", AAVAA Verlag 2010, Satire. Thema Fandom und Fanfiction, www.sigridlenz.de
Sigrid Lenz: "Ein Hoch auf die Weiblichkeit", AAVAA Verlag 2010. Über das schwere Los, eine Frau zu sein, www.sigridlenz.de
Sigrid Lenz: "Galgenmännchen", AAVAA Verlag 2010, Jugendroman. Horror, Mystery, www.sigridlenz.de
Sigrid Lenz: "Der galoppierende Wahnsinn" AAVAA Verlag 2010. Leben mit Magersucht, Alkoholismus und Zwangsneurosen
Veronika A. Grager: "Tote nur nach Voranmeldung", Kral Verlag 2010, Kurzgeschichten. ISBN 978-3-902447-82-1, http://www.grager.at
Susanne Oswald: "Emmis verliebtvermopste Welt", Thienemann Verlag/Planet Girl Verlag 2010, Mädchenbuch ab 10. http://www.susanneoswald.de
********************************************************************* SCHREIB-KICK: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Juli, diesmal von Ursula Schmid-Spreer:
Scrabble-Wörter
Aus einem langen Wort werden mit den vorhandenen Buchstaben so viele weitere Wörter wie möglich gebildet. Zum Beispiel aus "Jugendarbeit": Jugend, Arbeit, Tier, Bande, Teig, bei, Garten. Aus den gefundenen Wörtern schreibt man dann eine Geschichte.
********************************************************************* LESETIPP: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~EF4DE6164 972A43729D1FB632961FC191~ATpl~Ecommon~Scontent.html: Amerikanische Fernsehserien wie "Lost" oder "Six Feet Under" haben unter vielen Romanschreibenden als Inspirationsquelle oder als Schule des Plottens einen nicht zu verachtenden Stellenwert. Drei bekennende Fans sprechen hier über ihre Liebe zu diesen Serien und die Auswirkungen auf ihr Schreiben.
********************************************************************* AUTORENWISSEN: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Immer was am Laufen, Teil 1: Schreibtischtiefen" von Frank Borsch
Als Kind ˆ ich war eine Leseratte ˆ habe ich mir oft ausgemalt, wie Autoren wohl leben. Die Antwort lag für mich auf der Hand: abenteuerlich! Was sonst?
Ich verschlang damals bergeweise Science Fiction und Fantasy. Die Autoren schrieben von Abenteuern, von aufregenden Reisen, dem Aufstieg und Niedergang von großen (Sternen-)Reichen, von fernen Welten und Zeiten ˆ also, schloss ich messerscharf, musste das Leben eines Autors ebenfalls aufregend und abenteuerlich sein.
Es war ˆ kann ich mit mittlerweile mehreren Jahrzehnten Abstand und als hauptberuflicher Autor berichten ˆ ein ebenso nachvollziehbarer wie voreiliger Schluss. Tatsächlich ist das Dasein als Autor hart. Schreiben ist ein einsamer Knochenjob, der zumeist wenig einbringt. Die Honorare sind bescheiden, das Leser-Feedback ist dank Internet zwar reichhaltig geworden, aber mitunter auch schwerverdaulich, findet in aller Öffentlichkeit statt und ist dank des Google-Cache für die Ewigkeit in Stein gemeißelt.
Die meiste Zeit verbringt der Autor nicht damit, Abenteuer zu erleben, sondern am Schreibtisch. Und damit er dort nicht nur sitzt, sondern tatsächlich etwas verfasst, was andere Menschen interessiert, vielleicht sogar fesselt, braucht er einen kreativen Funken, der sich nicht immer so einstellt, wie man sich das wünscht ˆ sowie Sitzfleisch und geradezu übermenschliche Selbstdisziplin.
Darüber, wie man Letztere aufbringt, sind viele Bücher geschrieben worden. Und ich vermute, sie werden weiter geschrieben, so lange Menschen überhaupt Bücher verfassen.
Was die Ratgeber verschweigen ...
Merkwürdigerweise herrscht über die übrige Zeit des Autorendaseins Schweigen: nämlich die Zeit, die man nicht am Schreibtisch verbringt.
Die ist meiner Erfahrung nach mindestens ebenso wichtig. Mehr noch: Diese Zeit ist die Grundlage dafür, dass man überhaupt schreiben kann.
Schreiben ist eine paradoxe Beschäftigung: Arbeite ich an einem Roman, schreibe ich über das Leben, erschaffe ich Charaktere, die meine Leser anrühren, beschwöre ich dramatische Ereignisse herauf. Gleichzeitig kann ich einen Roman nur schreiben, indem ich die Tür hinter mir schließe, Telefon, Internet, Frau/Freundin, Kind(er) und die tausend Sorgen des Alltags abklemme ˆ und mich damit von eben dem Leben zurückziehe, über das ich schreibe. Nur, wenn mir das gelingt, kann ich schreiben, kann ich arbeiten.
Aber: Dummerweise passt Schreiben nicht in unsere herkömmliche Vorstellung von Arbeit. Arbeit, das ist in unseren Köpfen nach wie vor der Vollzeitjob, der Mittelpunkt der Existenz, in die man sich reinkniet. Klar, Teilzeit ist längst üblich. Aber mal ehrlich, wer auf Teilzeit ist, hat meist eine/n Partner/Partnerin, der/die Vollzeit arbeitet und das eigentliche Geld nach Hause bringt. Und viel her macht eine Teilzeitstelle nicht. Auf einer Party kannst du jedenfalls niemanden damit beeindrucken.
Gemessen an diesem Maßstab ist das Autorendasein eine Teilzeitbeschäftigung. Acht Stunden am Tag schreiben? Zumindest mir ist das unmöglich. Ich bringe am Tag vier, vielleicht fünf Stunden auf. Mit etwas Glück hochkonzentrierte, hochproduktive Stunden. Mehr ist nicht drin. Danach zerspringt mir beinahe der Schädel, ich bin bestenfalls eingeschränkt ansprechbar und gehe ich vor die Tür, schwebe ich in akuter Gefahr vom nächsten Auto überfahren zu werden, weil meine Aufmerksamkeit in einer anderen Welt weilt.
Klingt nach halbtags, nicht?
Eigentlich ja. Doch da ist noch die andere Seite der Medaille: Ein Autor hat niemals frei.
Schreibst du einen Roman, wächst in dir eine fiktive, lebendige Welt heran. Und das nicht in gleichmäßigen, planbaren Schritten, sondern in wilden, heftigen, nicht vorhersehbaren Schüben und Sprüngen. Es geschieht in großen Teilen unbewusst, ohne, dass du es merkst oder es steuern könntest.
Damit es gut läuft
Zumindest, wenn es gut läuft. Und damit es gut läuft, habe ich gelernt, muss ich einiges tun ˆ in der Zeit, die ich nicht am Schreibtisch verbringe. Die meisten Dinge davon sind schlicht, ja banal, dem gesunden Menschenverstand auf der Stelle einleuchtend. Aber nichts ist im Leben schwieriger, als dem gesunden Menschenverstand zu folgen, nicht?
Das ist zum Beispiel: genug schlafen. Bekomme ich zu wenig Schlaf, stellt sich der dicke Schädel früher ein, der Fluss meiner Schreibe kommt ins Stocken, versiegt kläglich. Im Extremfall, wie nach den vielen Nächten, die mich mein Sohn Tim als Säugling wachgehalten hat, sitzt du vor dem Display und es geschieht ∑ nichts.
Oder: Ich muss unter Leute, ins Leben. Das ist leichter gesagt als getan. Unter dem Druck der Termine ˆ und Termine sind für Freiberufler heilig ˆ knickst du ein, gibst der Arbeit Vorrang, sitzt am Feiertag am Schreibtisch, am Samstag oder Sonntag, oder gleich das ganze Wochenende. Eine Zeitlang geht das gut, dann trocknest du innerlich aus, und nach ein paar Jahren stellst du verblüfft fest, dass die vielen Freunde, die du einmal hattest, plötzlich nicht mehr vorhanden sind.
Freundschaften und Beziehungen sind keine Selbstläufer. Um sie zu erhalten, musst du sie pflegen, sonst verkümmern sie. Deshalb: Um über das Leben zu schreiben, musst du im Leben stehen. Oder, noch besser, du musst dich ins Leben stürzen. Ganz einfach, nicht? Und unendlich schwierig.
Ich muss einen Bogen um Alkohol machen. Das habe ich früh gemerkt. In den ersten Jahren als Freiberufler hatte ich jeden Dienstagabend eine Skatrunde (siehe oben, Stichwort "Leben" ...). Meine Freunde waren damals noch im Studium, lebten ein anderes Leben und gönnten sich das ein oder andere Bier.
Wie ich, anfangs. Nur stellte sich schnell raus, dass es für mich nicht ging. Alkohol würgt meine Kreativität ab. Ein Bier oder ein Glas Wein genügt ˆ und am nächsten Morgen ist der Fluss meiner Ideen merklich armseliger. Deshalb meine Regel: Kein Alkohol, wenn ich am nächsten Tag schreibe.
Gut, dass es etwas gibt, was den Fluss meiner Ideen befördert: Sport.
[Dazu mehr im nächsten Tempest! ˆ die Red.]
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Franks Blog findet ihr unter http://www.blosse-worte.de. Und wer mit Frank einmal eine Runde im Wald drehen will, findet die Gelegenheit dazu hier: http://www.schreibcamp.de
********************************************************************* SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig? Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei denen autor sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? ˆ wer solche Szenen hat, kann sie mir schicken.
Ich werde einige daraus auswählen, die ich im Tempest bespreche. Ist es spannend, wie könnte man es spannender machen, was stört die Spannung?, das werden bei der Besprechung die Leitfragen sein.
Texte, die die folgenden Voraussetzungen nicht erfüllen, werden nicht besprochen!
1. Die Szenen müssen entweder Dialog-, Action- oder Info-Szenen sein. Also Szenen, deren tragendes Element ein Dialog ist (der sich natürlich zuspitzen sollte), oder Action oder Information (ganz schwierig, aber manchmal nötig).
2. Infoszenen sind solche, die dem Leser Wissen vermitteln. Über ein Volk, eine Welt, eine bestimmte Technik oder Medizin. Meist sind solche Szenen langweilig. Spannend werden sie, wenn die Informationen in Bewegung kommen.
3. Nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten, darf der Umfang der Szene betragen. Dazu zählt auch der Vorspann. Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der Szene erklären. Diese Erklärung darf 400 Anschläge nicht überschreiten!
4. Schickt eure Szenen als RTF-Datei, als Anhang der Mail, und zwar an: ˆ Dialogszenen: dialog(at)textkraft.de ˆ Actionszenen: action(at)textkraft.de ˆ Informationszenen: information(at)textkraft.de ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
"Spuckattacke"
Es war kurz vor Acht, die zweite Woche nach dem Ende der Sommerferien, und ich war auf dem Weg in die Schule. Das Petersbergsken hatte ich schon hinter mir, ein kurzes Stück steile Straße entlang einer Mauer mit bröckeligem Putz, daran eine runde Stange zum Festhalten für die alten Leute, direkt hinter dem Mietshaus, in dem ich bei meinen Eltern wohnte. Hier, aber vor allem auf dem kleinen unbefestigten Platz oben am Ende der Straße spielten wir immer nach der Schule, meine Freunde und ich: Fußball, Cowboy und Indianer, Rollerrennen fahren. Mädchen waren keine dabei. Wenn alles langweilig war, erfanden wir Spiele. Zum Beispiel trocken unter Frehsmanns Wohnzimmerfenster, das ebenerdig am oberen Ende vom Petersbergsken lag, durchkommen, während Heinz auf dem Fenstersims hockte und seine Spucke von da oben ziemlich zielsicher verschoss. Unter allgemein kreischendem Gelächter, wenn wieder jemand es nicht geschafft hatte. Oder einfach die Zeit vergehen lassen, während wir auf behauenen Steinen in irgendwelchen Hauseingängen saßen oder auf einem der vielen Mäuerchen hier in der Gegend. Der Krieg war noch so nah, dass die Erwachsenen fast jeden Tag davon sprachen. Ich war noch nicht zehn. "Hör auf zu spucken", fuhr meine Mutter mich immer an, wenn ich mit ihr zum Einkaufen ging, um beim Tragen zu helfen; die billigen Preise im Diskontladen zogen schwere Taschen nach sich, da musste ich mit ran. Wenn sie wütend war, kriegte sie immer so große Augen, damit ich mich fürchtete, und das tat ich auch. Spucken war nicht beliebt, nicht bei meiner Mutter und nicht bei meinem Vater, überhaupt bei Erwachsenen nicht, aber wir Jungs untereinander waren uns ohne viele Worte einig, dass Erwachsene in dem Punkt völlig ahnungslos waren. Am Spucken zeigte sich nämlich, dass wir schon viel größer waren, als sie wahrhaben wollten. Ich auch, ich gehörte dazu. Morgens, je nachdem, wie es sich ergab, trabten wir zusammen Richtung Schule: ich mit Klaus Heydermann, ich mit Bruno Hoff, ich mit Christian Hahn. Heinz Frehsmann wohnte zwar im selben Haus wie ich, ging aber in eine andere Schule, eine schlechtere, behauptete meine Mutter. Heute nieselte es warm, und ich ging allein. Ich hatte es nicht mehr weit bis zur Eisenbahnunterführung, als ich nach links Richtung Straße spuckte, ohne hinzugucken. Das war ein ganz schlechter Augenblick, der schlechteste Augenblick, seit ich denken konnte, wie sich schon einen Schritt später zeigen sollte. Denn genau in diesem Moment fuhr ein Auto vorbei. Nicht so wichtig, was für eine Marke, für die interessierte ich mich nicht, Hauptsache, ein Auto. Eines dieser ganz wenigen motorisierten Gefährte in dieser Zeit, eine der mächtigen Kutschen aus wuchtig rundlich geformtem Eisenblech, reserviert für die Männer und Frauen aus den unerreichbar hohen Sphären, vor denen ich in den seltenen Augenblicken, als ich mal einem von ihnen Auge in Auge gegenübergestanden hatte, einen besonders ordentlichen Diener machen musste. Und der Fahrer war ebenfalls einer von denen, die nicht mochten, wenn man spuckte. Der Wagen stand sofort, anscheinend war der Fahrer voll auf die Bremse gestiegen, die Tür flog auf, ein vor Wut verzerrtes Gesicht sprang auf die Straße und brüllte in meine Richtung. Ich hörte ihn schreien, aber seine Worte kamen in meinem Kopf nicht an, trotzdem hatte ich sofort begriffen, dass es jetzt nur eines für mich gab, ich rannte los, ich musste in die Schule, jetzt schneller als jemals zuvor. Einfach immer geradeaus. Zeit für eine Kehrwende, um nach Hause zu laufen, hatte ich keine mehr. Aus den Augenwinkeln sah ich die Autotür noch offen bis zum Anschlag, und ein bulliger Körper stampfte hinter dem Auto hervor und auf mich zu. Schon nach wenigen Metern hatte ich den Tunnel erreicht. Dunkel war es da drin, auch schon an sonnigen Tagen, heute nahm der nieselige Himmel noch mehr Licht weg. Dass von den Wänden immer Wasser tropfte, egal bei welchem Wetter, und ein Muster aus hellen und dunkleren Stellen gemalt hatte, das wusste ich, aber jetzt sah ich nur das verregnete Ende des Tunnels vor mir. Jetzt, in diesem Augenblick sollte ich mindestens so schnell sein wie auf der 50-Meter-Bahn. Da war ich der schnellste in meiner Klasse. Und bis zum Licht am anderen Ende war es in etwa so weit. Wenn ich den Mann hinter mir lassen könnte. Nur Sekunden trennten ihn von mir. Bücher und die anderen Schulutensilien polterten auf meinem Rücken im Schulranzen, den ich ziemlich streng angezogen hatte; das machte ich immer so, genauso wie mit den Schnürsenkeln, alles immer straff und fest, ordentlich und zuchtvoll, wie meine Mutter mich wollte. Gut so in diesem Augenblick, denn der Schulranzen musste jetzt auch ohne meine Hände halten, die Arme brauchte ich zum Rudern. Hinter mir hörte ich die stampfenden Schritte. Von überall her der Widerhall unserer Schuhsohlen. Währenddessen aber berührten meine Füße von Meter zu Meter scheinbar immer weniger den Boden, um mich herum wurde alles weiter, gedehnter. In diesem sich auftuenden Raum wurde es unmöglich, dass sich die Dinge berührten, Zusammenstöße gehörten nicht zu dieser Welt. Mein Schulranzen löste sich von meinem Rücken und begann, spielerisch mit mir zu tanzen. Er und ich hielten eine perfekte Balance zueinander, weil wir uns nur so lange anzogen, bis die Kräfte der Abstoßung größer wurden. Gleichzeitig halfen meinem Verfolger all seine Kraft und sein Wille und sein Hass nicht, sich mir auch nur zu nähern. Alles, uns beide eingeschlossen, nahm den Platz ein, den eine lichte Macht, größer als mein Verfolger und ich, ihm zuwies. Während der bullige Mann im Tunnel hinter mir her hetzte, nahm die Kraft uns beide auf ihre Flügel und umhüllte uns mehr und mehr. Solche inneren Bilder und Gefühle, die meiner Flucht einen bisher nicht gekannten Geschmack gaben, überstiegen vollkommen meinen Horizont. Aber ich spürte, wie die Macht uns verband, wie sie uns beiden diente, jedem nach seinem Maß, und wie sie mich trug. Alles, was sie dafür verlangte, war mein Vertrauen. Gelänge es mir zu vertrauen, dann wäre ich gerettet für diese und alle künftigen Ewigkeiten. Das war ein Versprechen. Dann würde keine Zeit der Welt je für mich eine Rolle spielen, niemals. Ich war auf einem guten Weg. Könnte ich aber nicht vertrauen, dann wäre ich verloren, ganz egal, ob ich meinen Vorsprung vor dem Verfolger in die Schule rettete oder nicht. Am Ende des Tunnels warf ich mich nach rechts in die vertraute winzige Gasse, fast ohne mein Tempo zu verlangsamen, und stieß mich an der entgegenkommenden Wand nach vorn ab. Links die Hauswand, rechts der Bahndamm. Schon nach weniger als zehn Schritten machte die Gasse einen scharfen Knick nach links. Links Fenster und Türen, rechts Türen und Fenster. Der Verfolger hinter mir wurde lauter durch die eng stehenden Mauern. Noch dreißig Meter, und die Häuser des Gässchens blieben zurück. Vor mir öffnete sich das letzte starke Stück des Weges, offen, breit und so kurz vor Schulbeginn bevölkert mit Einzelgängern und Grüppchen auf dem Weg zu ihrer täglichen Pflicht. Von nun an ging es steil bergauf, hinauf zur Königshöhe, zu meiner Schule auf der Königshöhe. Die letzten vielleicht hundertzwanzig Meter bis zur Erlösung. Inzwischen raste mein Atem. Bis jetzt hatte ich mich kein einziges Mal umgesehen. Keine Zeit. Ich war auf einem guten Weg gewesen. Aber jetzt spürte ich, wie die Flügel der lichten Macht anfingen zu lahmen. Mein Hals wurde enger, immer enger, und die Augen größer. Ich bekam kaum noch Luft. Ich würde es nicht schaffen. Meine Knie wurden weich. Schwindelig war mir auch. Und jetzt kam erst das schwerste Stück. Ich konnte gar nichts anderes mehr denken, außer, dass er mich kriegen würde. Ich suchte Hilfe in den Augen meiner Schulkameraden, die sich an diesem Hang vor dem Schulhaus stauten und die sich zuerst mir zuwandten, dann durch mich durch sahen, hinter mich. Ich kannte jeden von ihnen. Gary und Edgar stießen gerade zu den übrigen, sie wohnten in diesen schäbigen Häusern am Fuß des Hanges und kamen meist auf den letzten Drücker. Auch Klaus und Bruno waren schon da, Christian und die anderen waren schon ein Stück höher. Die ganze Welt sah meinem Kampf zu, alle nahmen teil. Was war schlimmer? Dass meine Freude zusahen, wie ich den Kampf gegen den übermächtigen Gegner verlor? Oder dass ich mich selbst aufgab? Den halben Hang hatte ich schon geschafft. Ich war nass geschwitzt. Schon allein, dass er mir bis hierher auf den Fersen geblieben war, nahm mir so kurz vor dem Ende den Mut. Aber vielleicht war ja der Weg durch sie hindurch für mich leichter als für ihn. Es könnte ja sein, dass mal einer von ihnen ausgerechnet in seinem Weg stand. Vielleicht würde ich ja deshalb am Ende doch noch siegen. Obwohl ich eigentlich keine Chance hatte. In den Augen meiner Freunde sah ich die Angst, dass ich es nicht schaffen könnte, aber ich sah auch, wie sie wollten, dass ich es schaffte, wie sie daran glaubten, dass ich am Ende die Tür zum Schulhaus vor seiner Nase zuschlug. Ich sah ihre Gesten, sah ihre Lippen, wie sie sich bewegten. Aber ich hörte nur das Pochen in meinen Ohren und spürte es in meinem Hals. Warum eigentlich sollte ich es nicht schaffen? Er verfolgte mich, ja, aber er hatte mich immer noch nicht, meine Chancen standen nicht so schlecht, sie wuchsen sogar mit jedem Meter. Es war doch so, dass ich auch auf der 50-Meter-Bahn außer Atem geriet. Was war denn eigentlich hier anders? Könnte es nicht genauso sein? Was für ein unendlich gutes Gefühl war das, wenn ich auf der Bahn meiner ganzen Energie freien Lauf ließ und sie rausschleuderte, hemmungslos. Wie lebendig und voller Kraft ich war, wenn ich aus meinem Reichtum schöpfte und mich verausgabte, ich war ich allein, und ich allein würde da vorn als Erster die Linie überqueren, das wusste ich, immer. Und mit dieser zurückkehrenden Kraft raste ich schließlich auf den letzten Metern des Hanges unberührbar durch einen unendlichen Raum, ohne dass auch nur eine Sekunde in meinem Kopf verging. Genauso wie auf der Bahn. Wie beim Fußballspielen. Wie beim Spuckenspielen. Unser kreischendes Gelächter klang mir in den Ohren. Die Flügel trugen wieder und dienten mir. Das Tor zum Schulhof stand weit offen. Ich hatte jeden Zweifel losgelassen und stürmte da durch. Und dann fiel die hohe hölzerne Tür krachend hinter mir ins Schloss. Ich lehnte mich an die Wand und sackte zusammen. Die Sache war zu Ende. Ich war gerettet für alle Ewigkeiten.
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Lektorat von Hans Peter Roentgen
Spannung bildet idealerweise einen Bogen. Sie baut sich langsam auf, am Anfang geschieht nicht so viel, aber genug, um das Interesse des Lesers zu wecken. Dann steigern sich die Ereignisse, die Dramatik nimmt zu, das, was anfänglich harmlos schien, hat Folgen, die keineswegs mehr harmlos sind. Schließlich gibt es einen Höhepunkt, in dem sich alles entscheidet und von da ab flacht die Spannungskurve sehr schnell ab.
Das ist die Theorie. In der Praxis soll ein Text den Leser ˆ oder möglichst viele Leser ˆ verlocken, weiterzulesen. Weswegen die ganzen theoretischen Überlegungen zum Spannungsbogen dann wichtig werden, wenn ein Text den Leser nicht mehr lockt. Und vor allem: ab welcher Stelle im Text das passiert. In unserem Beispiel ist das der Moment, in dem die Füße immer weniger den Boden berühren.
Show, don't tell
Denn vorher liest sich die Geschichte gut, sie fängt langsam an mit dem Umfeld, den Kindern, die Spuckspiele spielen. Aus den Ereignissen ergibt sich, wo wir sind, und vor allem, wann: in der Bundesrepublik Anfang der fünfziger Jahre. Der Autor verrät uns das nicht, indem er es explizit sagt, zum Beispiel so:
"Anfang der Fünfziger Jahre gab es wieder alles zu kaufen, aber Autos waren noch selten. Wir Kinder mussten ordentlich und zuchtvoll sein, trotzdem vergnügten wir uns mit Spuckspielen."
Das wäre der Lexikonartikel, der Infodump. Hier ergibt es sich aus den Ereignissen im Text. Ein Auto fährt vorbei, offensichtlich ist das selten, und die Autos sind für Männer und Frauen aus unerreichbaren Sphären reserviert. Der Ich-Erzähler muss der Mutter beim Einkaufen die Taschen tragen, erzählt er. Woraus der Leser folgt: Es gibt also wieder viel zu kaufen.
"Der Krieg war noch so nah, dass die Erwachsenen fast jeden Tag davon sprachen": Auch dieser Satz erklärt uns nicht, dass der Krieg erst sieben Jahre zurück liegt, er erzählt uns, was die Erwachsenen tun: Sie sprechen fast jeden Tag davon.
So bezieht der Text die anfängliche Spannung daraus, dass die täglichen Ereignisse erzählt werden, zwischen den Zeilen aber genug Raum bleibt, den der Leser füllen kann, und dadurch, dass die Sätze Bilder einer Kindheit wecken.
Dann trifft die Spucke ein Auto, und der Fahrer rastet aus. Auch das sagt uns einiges über die Zeit, in der die Menschen sehr viel härter auf Kinder reagierten und Autobesitzer jede Beleidigung oder gar Bespuckung ihres heiligen Blechles sofort ahnden wollten.
Jetzt ist der Ich-Erzähler in Schwierigkeiten. Die ruhige Einführung ist vorbei, der Spannungsbogen steigt an. Der Junge muss jetzt laufen, sonst setzt es was. Und das tut er.
Der mysteriöse Tunnel
Dann kommt der Tunnel. Und der hat ein Problem: Er kommt unvermittelt. Vorher wird eine Eisenbahnunterführung erwähnt, aber nichts, was darauf hindeutet, dass diese wie ein Tunnel geartet ist. Das sollte man vorher bereits einführen, eine kurze Nebenbemerkung reicht: "die Eisenbahnunterführung, ein dunkler Tunnel, der mir immer Angst einjagte ..."
Doch das entscheidende Problem ist, dass jetzt nichts mehr geschieht, der Leser keine Bilder mehr vermittelt bekommt. "Scheinbar immer weniger" berühren die Füße den Boden, der Verfolger und der Junge halten "eine perfekte Balance" zueinander, eine "lichte Macht" weist ihnen das zu, eine Kraft "nimmt sie auf die Flügel" und noch einmal wird betont, dass die Macht sie verbindet.
Was, bitte, soll ich darunter verstehen?
Auch in der weiteren Folge bleibt alles seltsam in der Schwebe. Die anderen Kinder wollen zwar, dass ihr Freund es schafft ˆ doch wodurch kann der Leser das erleben? Die Kinder tun nichts, weder bespucken sie den Verfolger oder bewerfen ihn mit Steinen, noch feuern sie den Jungen an. Sie tun nichts, und deshalb wirkt die Behauptung des Autors, dass sie wollten, dass er es schafft, eben nur wie eine Behauptung. Sie wird nicht glaubwürdig durch Bilder, durch Ereignisse untermauert.
Dann der Schluss, der Höhepunkt: Der Junge erreicht die rettende Tür und sinkt hinter ihr zu Boden.
Warum ist die Tür die Rettung? In der Zeit, in der das spielt, hätte den Verfolger die Tür kaum abgehalten, höchstens dazu geführt, dass er den Jungen nicht Ohrfeigen verpasst hätte, sondern sich bei dem Rektor beschwert hätte.
Der Verfolger
Wer ist der Mann überhaupt, der hier den Jungen verfolgt und damit zum Antagonisten wird, vor dem der Junge sich retten muss? Was will er? Natürlich sich für die Beleidigung rächen, deshalb nimmt er ja die Verfolgung auf.
Doch das allein reicht nicht. Der Autor muss mehr über den Mann wissen. Denn das bestimmt den Schluss und damit den Höhepunkt des Spannungsbogen.
"Die Macht", "die Kraft", all das könnte bedeuten, dass der Mann kein normaler Mann ist. Sondern eher so etwas wie "Es" im gleichnamigen Roman von King. Ein Monster, das sich als Mensch tarnt und Kinder verfolgt und sie umbringt.
In diesem Fall rennt der Junge um sein Leben, aber das Monster verfolgt Kinder immer nur bis zu einer bestimmten Grenze. Zum Beispiel bis zur Schultür. Oder bis andere es sehen könnten. Oder es wird von den anderen Kindern mit der Zwille beschossen oder bespuckt, und damit verschwindet es.
Das müsste dann aber deutlich vorbereitet werden. Der Tunnel wäre das ideale Element des Horrors. Das Wasser rieselt von den Wänden, der Ausgang scheint unendlich weit, der Mann knurrt seltsam, der Junge ahnt: Das ist kein Mann.
Oder soll es doch realistisch sein? Dann sollte der Mann irgendetwas tun, rufen, dass der Junge stehen bleiben soll, Drohungen ausstoßen: "Ich schlag dich tot!" Aber die ganze Handlung sollte nicht an eine abstrakte "Macht" abgetreten werden.
Die geheimnisvolle Macht
Dabei wäre diese Macht, die den Jungen vorantreibt, durchaus ein geeignetes Spannungselement. Vielleicht flüstert sie ihm zu: "Weiter, weiter, du schaffst es!" Oder erinnert ihn daran, wie er den Fünfzigmeterlauf gewann, obwohl er erkältet war.
Nur sollte sie nicht abstrakt bleiben. Und sie sollte Folgen haben. Vielleicht erinnert sich der Junge von da ab immer an diese Momente, und das hilft ihm in Zukunft, sein Schicksal auch in schwierigen Situationen zu meistern?
Apropos: Darf man überhaupt die Zeit so dehnen, wie es hier geschieht? Soll man die Spannung nicht dadurch steigern, dass die Leser mit dem Jungen mitlaufen und die Sätze und Sprache hektisch werden?
.......... Die Füße rutschten über den glitschigen Untergrund, nur nicht fallen, nicht jetzt, schneller, das Licht am Ende wurde heller, da, die Kurve, abstützen, und den Berg hoch. Die Jungen vor der Schule pfeifen, klatschen, Gary holt die Schleuder heraus, legt einen Stein ein, schleudert ihn, er trifft auf zwanzig Schritt Spatzen, und tatsächlich, das Keuchen hinter mir verstummt und weicht einem "Du dreckiger Lausbub, ich werd dich melden." Ich bin gerettet. ..........
Das wäre eine Möglichkeit. Schnelles Erzählen, hektisch, wir rennen mit.
Aber die Zeitdehnung geht auch. In gefährlichen Situationen scheint sich die Zeit zu verlangsamen, und das können wir Autoren in Texten nutzen. Der Tunnel dauert dann ewig, eine innere Kraft flüstert ihm zu: "Vorwärts", erinnert ihn an vergangene Läufe, die er auch gewonnen hat, er muss nur durchhalten ˆ und was in Wirklichkeit nur wenige Sekunden währt, liest sich minutenlang.
Aber auch hier müssen Bilder geweckt werden, muss die "Kraft", die "Macht" etwas bewirken, konkrete Folgen haben. Hinter der Geschichte muss eine Logik stehen. Denn ohne Logik versickert jede Spannung. Wenn die Steigerung nicht logisch aus den vorangegangenen Ereignissen folgt, wirkt es willkürlich. "Deus ex machina" sagt dann der Leser, wenn dadurch die Rettung eingeleitet wird, und verliert das Interesse.
Der Höhepunkt
Noch einmal zum Höhepunkt. Der sollte eine Überraschung sein, aber auch aus den vorangegangenen Ereignissen folgen. Die Zwille verjagt den Verfolger, und auch wenn der sich bei dem Direktor beschwert, der Junge hat es geschafft. Der Erwachsene konnte ihm nichts anhaben. Die paar Stunden Nachsitzen, die der Direktor ihm aufbrummt, nimmt er gerne in Kauf.
Oder das Monster verschwindet. Alle Kinder haben es gesehen, aber keine Erwachsenen. Was bedeutet das? Vermutlich, dass es bald wiederkommen wird. Die Spannung dieser Szene ist auf dem Höhepunkt, als die Kinder es vertreiben. Danach sinkt sie ab. Doch der Leser weiß: Das war erst der Anfang. Der Mann, den nur die Kinder sehen können, der Kinder verfolgt, wird wiederkommen. Und weil der Leser nicht weiß, wann und wie, darum legt er das Buch nicht beiseite.
In beiden Fällen brauchen wir einen Höhepunkt.
Spannung benötigt einen Spannungsbogen, offene Fragen und vor allem eine Logik und konkrete Ereignisse. Wenn der Autor sich davonstiehlt, bricht der Bogen ab und mäandert ohne Ziel vor sich hin.
Noch eine kleine Korinthe: Anfang der Fünfziger gab es noch keine Aldi, Lidl oder andere Diskontläden. Wohl aber ReWe, Edeka und andere Ketten. Dennoch kaufte damals niemand derartige Mengen ein wie heute, die Löhne wurden wöchentlich ausgezahlt und waren niedrig.
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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé". Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.
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Goethe, Johann Wolfgang von Literarischer Übervater, der in neiderfüllten (also allen) Autoren ödipale Reflexe auslöst. Auch in Autorinnen. Wenn G. nicht schon längst tot wäre, wäre er es längst.
Held Die Figur einer Geschichte, die als Letztes stirbt.
Hörbuch Möglichkeit für Menschen, die angeblich keine Zeit zum Lesen haben, guten Gewissens keine Zeit zum Zuhören zu finden.
Hurenkind Kind einer Hure.
Idee Diebesgut.
.......... aus: Dr. Honeyball Lektor / Stephan Waldscheidt (Hrsg.): "Zehn Gründe, eine Schriftstellerin zu heiraten", Satire, 128 Seiten mit Abbildungen und Cartoons. Mehr dazu: http://www.waldscheidt.de
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Verlagsgeschichte und -programm
Gegründet wurde der Verlag 1997 von Alan Sutton, der mittlerweile nicht mehr im Unternehmen ist. Es gibt 19 MitarbeiterInnen, die allesamt hauptberuflich arbeiten.
Man wollte ein starkes lokal- und regionalgeschichtliches Programm aufbauen (im Jahr 2000 etwa 100 Novitäten, 2010 etwa 170 Novitäten). Zunächst wurden nur historische Bildbände veröffentlicht, dann weitete sich das Programm auf Sport, Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte, Sagensammlungen, historische Reiseführer, Biographien, allgemeine Geschichte und aktuelle Bildbände aus. Die lieferbare Backlist umfasst um die 900 Titel.
Seit 2006 wird langsam ein belletristisches Programm mit den Schwerpunkten historischer Roman und (Regional-)Krimi aufgebaut. Programm und Belegschaft wachsen kontinuierlich. Der Verlag ist seit 2000 in Österreich und seit 2010 auch in der Schweiz aktiv. Mittlerweile ist der Verlag Marktführer im Segment Regionalgeschichte im deutschsprachigen Raum.
Das Verlagsmotto: Wir machen Geschichte!
Das Programm des Sutton Verlages umfasst Regionalgeschichte in allen Facetten, Biographien (historisch), Verkehrsgeschichte, Feuerwehrgeschichte, Industriegeschichte, Historische Reiseführer, Historische Romane, Kriminalromane
Bislang wurden etwa 1 000 verschiedene AutorInnen verlegt. Leider sind (noch) keine Superstars dabei.
AutorInnen gesucht?
Der Sutton Verlag sucht jederzeit Autoren. Die Konditionen: umsatzabhängige Tantiemen zu marktüblichen Sätzen.
Was ist dem Verlag besonders wichtig?
Bei historischen Bildbänden: interessante, bisher unveröffentlichte Fotografien und genaue Kenntnisse der Lokalgeschichte.
Beim Non-Fiction-Programm: profunde Sachkenntnis, flotte Schreibe, allgemeinverständliche Formulierung, keine akademische Verquastheit.
In der Belletristik: guter, knapper Schreibstil, fesselnde Plots, gerne ein klarer Regionalbezug.
Zukunftspläne, Perspektiven
Der Verlag will sein Belletristikprogramm deutlich ausbauen.
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"Schau mal, Schatz, da glaubt einer, die lesenden männlichen Autoren und das Booking-Team unserer Lesereihe haben sich lediglich verkleidet. Er schreibt: ŒAlles Veranstaltungen, die die Welt nicht braucht. Von vernachlässigten Hausfrauen für vernachlässigte Hausfrauen. Strengt euch mal ein bisschen mehr an! Es wird einem halt nichts geschenkt im Leben ... gerade wenn man meint, mit Gedichten die Welt zu erobern.‚"
"Ach, nimm's nicht tragisch, ich denke, er ist neidisch, weil er zur Arbeit muss und die Hausfrauen können Gedichte schreiben."
(Franziska Röchter)
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Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch drehbuch at experte pt autorenforum pt de Fandom: Thomas Kohlschmidt fandom at experte pt autorenforum pt de Fantasy: Stefanie Bense fantasy at experte pt autorenforum pt de Heftroman: Arndt Ellmer heftroman at experte pt autorenforum pt de Historischer Roman: Titus Müller historischer.roman at experte pt autorenforum pt de Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik kinderbuch at experte pt autorenforum pt de Lesungen: Rüdiger Heins lesungen at experte pt autorenforum pt de Lyrik: Martina Weber lyrik at experte pt autorenforum pt de Sachbuch: Gabi Neumayer sachbuch at experte pt autorenforum pt de Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss fortbildung at experte pt autorenforum pt de Schreibgruppen: Ute Hacker schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de Schreibhandwerk: Ute Hacker schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de Sciencefiction: Andreas Eschbach sf-autor at experte pt autorenforum pt de Übersetzung: Barbara Slawig uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de Verlagswesen: Bjørn Jagnow verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
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Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt und jetzt auch in einem Buch zusammengefasst ˆ thematisch sortiert und aktualisiert:
Björn Jagnow: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung", 2009, 188 Seiten, 10,00 Euro, Edition Octopus
********************************************************************* FRAG DIE EXPERTIN FÜR LYRIK: --------------------------------------------------------------------- Martina Weber (lyrik at experte pt autorenforum pt de)
Frage: Sie schrieben in der Aprilausgabe 2010 des "Tempest", dass nicht mehr geschützte Gedichte zwar nach Belieben zitiert werden dürften, dass das Zitat jedoch nicht geändert werden dürfe. Dazu habe ich eine Rückfrage. Nach § 64 Urheberrechtsgesetz erlischt das Urheberrecht siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Nach meinem Verständnis bedeutet dies, dass es für diese Werke schlichtweg kein Urheberrecht mehr gilt. Gibt es dann trotzdem noch ein Änderungsverbot für Gedichte, deren Urheberin länger als 70 Jahre tot ist?
Antwort: Gerade im Bereich des Urheberrechts liegen die gefühlte ˆ oder akzeptierte ˆ Rechtslage und die tatsächliche oft weit auseinander. Die Frage, ob das Recht der Urheberin an ihrem Werk zeitlich begrenzt ist, so dass es nach Ablauf der Schutzfrist des § 64 Urheberrechtsgesetz ersatzlos erlischt, ist eines der Kernprobleme des Urheberrechts.
Im Kommentar zum Urheberrecht von Fromm/Nordemann (10. Auflage, 2008) heißt es unter der Randnummer 18 zu § 64 dazu: "Nach Ablauf der Schutzfrist wird das Werk gemeinfrei; es fällt in die Public Domain. Jedermann darf es vervielfältigen, verbreiten, öffentlich wiedergeben, bearbeiten, ändern oder in das Internet einstellen. Auch das Urheberpersönlichkeitsrecht endet. [...] die Urhebererben können nicht mehr bestimmen, ob ein bisher unveröffentlichtes Werk aus dem Nachlass weiterhin der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll oder nicht [...]"
Grundsätzlich gibt es also nach Ablauf der Schutzfrist kein Änderungsverbot mehr. Jeder Text darf nach Ablauf der Schutzfrist grundsätzlich beliebig verändert werden. Typisch für das juristische Denken ist das Denken in Grundsatz und Ausnahme. Wenn eine Juristin den Begriff "grundsätzlich" verwendet, bedeutet das immer: Vorsicht, es gibt Ausnahmen!
Die zeitliche Begrenzung des Urheberrechts durch § 64 Urheberrechtsgesetz stellt eine Art der Enteignung dar. Die zeitliche Begrenzung des Urheberrechts auf 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin hat jedoch nicht den Sinn, alle Werke auf eine Art Abfallhaufen der Eigentumsaufgabe zu werfen. Vielmehr erfolgt die zeitliche Begrenzung des Urheberrechts im Interesse der Allgemeinheit: Das Werk soll nach Ablauf der Schutzfrist von allen beliebig vervielfältigt, verbreitet oder aufgeführt werden können. Die Allgemeinheit hat jedoch ein berechtigtes Interesse an der Erhaltung ihrer Kulturgüter. Daraus ergibt sich eine Einschränkung der "Freigabe" der Werke nach Ablauf der Schutzfrist des § 64 Urheberrechtsgesetz (siehe auch Fromm/Nordemann a. a. O. § 64 Randnummer 19, und Nordemann: Das Recht der Bearbeitung gemeinfreier Werke, in: Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht 1964, S. 117 ff.).
Aus der Rechtsstellung eines nicht mehr der Schutzfrist unterliegenden Werkes als Allgemeingut ergeben sich zwei Folgerungen: Zum einen darf sich nicht jede Person als Urheberin des Werkes bezeichnen. Und zum anderen begrenzt das Interesse der Allgemeinheit auch die Benutzung gemeinfreier Werke.
Was folgt daraus beispielsweise für die Rechtsstellung eines Gedichtes von Friedrich Hölderlin (1770-1843)?
Beispiel 1: Jemand veröffentlicht ein Gedicht von Hölderlin im Internet und bezeichnet sich selbst als Urheber. ˆ Das ist unzulässig.
Beispiel 2: Jemand veröffentlicht ein Gedicht von Hölderlin in einem Kalender, gibt dabei auch Hölderlin als Urheber an, ändert aber fünf Wörter. ˆ Auch das ist unzulässig.
Beispiel 3: Jemand veröffentlicht ein Gedicht von Hölderlin, ändert fünf Wörter und gibt sich selbst als Urheber aus. ˆ Auch das ist unzulässig.
Beispiel 4: Jemand stellt ein Gedicht von Hölderlin ins Internet, ohne sich um Lizenzen zu kümmern. ˆ Das ist erlaubt.
Obwohl das Urheberrecht an den Werken Hölderlins also erloschen ist, genießen die Gedichte einen gewissen Schutz durch das Urheberrecht.
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Martina Weber ist Autorin des Buches "Zwischen Handwerk und Inspiration. Lyrik schreiben und veröffentlichen", Uschtrin Verlag München 2008, http://www.uschtrin.de/weber.html. Sie erhielt das Frankfurter Autorenstipendium 2009, http://kultur.frankfurt.de/ (weiter auf "Literatur" und auf "Autorenstipendium")
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