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Editorial
Hall of Fame
Schreib-Kick
Lesetipp
Echo-Service
Autorenwissen
"Die hohe Kunst der Arbeitsverweigerung:
Das Schreiben verzögern"
von Pia Helfferich
Spannung, der Unterleib der Literatur
"Ein Handlungsort"
Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen
Buchbesprechung
"Die ganze Welt in einem Satz"
besprochen von Gabi Neumayer
Des bösen Lektors Wörterbuch
Verlagsportrait
"Verlag Christian Lauber"
Küss mich, ich bin ein Autor!
EDITORIAL: ---------------------------------------------------------------------
Liebe Autorinnen und Autoren,
weder mieses Wetter noch Vulkanasche konnten uns daran hindern, auch diesen Tempest wieder pünktlich auszuliefern. Ja, wir würden uns auch noch viel widrigeren Widrigkeiten stellen, um euch all die nützlichen Tipps und Anregungen der Tempest-AutorInnen nicht vorzuenthalten!
Da sind zum Beispiel die wertvollen Tipps von Pia Helfferich für alle, die lieber mal den Haushalt auf Vordermann bringen oder ein Land erobern, als sich endlich auf den Hintern zu setzen und zu schreiben. Hans Peter Roentgen zeigt, wie man sogar eine einfache Ortsbeschreibung spannend machen kann. Honeyball Lektor gewährt uns wieder mal Einblick in sein Wörterbuch, Ursula Schmid-Spreer stellt den Verlag Christian Lauber vor. Lesetipps, Schreib-Kick und viele neue Ausschreibungen gibt‚s natürlich auch.
Expertenantworten gibt es - erst zum zweiten Mal in der Geschichte - diesmal jedoch nicht. Das liegt nicht daran, dass den ExpertInnen nichts mehr einfiele, sondern daran, dass ihr offenbar fraglos glücklich seid. Auch gut! Das Archiv auf unserer Website beantwortet inzwischen ja auch schon (fast) alle Fragen, die man als AutorIn haben kann. Trotzdem: Schaut euch doch mal wieder die ExpertInnenliste unten vorm Impressum an; vielleicht ist jemand dabei, der euch bei einem aktuellen Problem helfen kann.
Der Tipp des Monats Mai, diesmal von Veronika A. Grager:
Wer in Buchhandlungen der Umgebung Stammkunde ist, kann selbst Bücher von BoD zumindest auf Kommission unterbringen. Achtung: Vorher Verkaufsprovision aushandeln.
Allen reisenden AutorInnen und Pollen einen guten Flug! Und wenn danach noch was in der Urlaubskasse ist - wir freuen uns über jeden Beitrag zum Erhalt des Tempest.
Gabi Neumayer Chefredakteurin
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Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte genau so zusammenschreiben!) IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 BIC: GENODEF1S01
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ISSN 1439-4669 Copyright 2010 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial Hall of Fame Schreib-Kick Lesetipp Echo-Service Autorenwissen "Die hohe Kunst der Arbeitsverweigerung: Das Schreiben verzögern" von Pia Helfferich Spannung, der Unterleib der Literatur "Ein Handlungsort" Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen Buchbesprechung "Die ganze Welt in einem Satz" besprochen von Gabi Neumayer Des bösen Lektors Wörterbuch Verlagsportrait "Verlag Christian Lauber" Küss mich, ich bin ein Autor! Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen Ausschreibungen Publikationsmöglichkeiten mit Honorar ohne Honorar Seminare Messekalender Impressum
********************************************************************* HALL OF FAME: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:
....... AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. ....... Ein Beispiel (!):
Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009, Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive Homepage! .......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG, NEU! Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat!
Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt!~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~
Joanna Lisiak: "Klee composé, Lyrik mit Paul Klee", Littera Autoren Verlag 2010, Lyrik-Kompositionen. Mit ausschließlich Paul Klees Wortschatz
Brigitte Meertens: "Menschen wie Du", Testudoverlag Ute Winkler 2009, Kurzgeschichten. 23 S., ISBN 978-3-942024-02-0, Euro 2,00
Inés María Jiménez: "Mut zur Mehrsprachigkeit. So erziehe ich mein Kind in einer Fremd- oder Zweitsprache", Verlag auf dem Ruffel 2009, Sachbuch. http://www.mut-zur-mehrsprachigkeit.net
********************************************************************* SCHREIB-KICK: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Mai, diesmal von mir (schickt uns Kicks!):
Wer Schwierigkeiten beim Plotten hat, kann sich so einen Überblick verschaffen: - die Story aufteilen in einzeilige Beschreibungen, die die Konfrontationen ausdrücken - die Beschreibungen auf einzelne Karten schreiben - das ist besonders praktisch, wenn man mit Subplots arbeitet, weil man sie unabhängig voneinander entwickeln und die Karten dann verschieben kann
********************************************************************* LESETIPP: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://www.faz.net/s/Rub0EEFE67A3CDA46AD8F34BFE15D9052AA/Doc~EE36E689E 1CF14DF5A03BD58D39AA125E~ATpl~Ecommon~Scontent.html: Barry Cunningham, der Entdecker von J. K. Rowling, sucht zusammen mit der F.A.Z. nun auch in Deutschland nach viel versprechenden Autoren für junge und junggebliebene Leser. In diesem Interview spricht Cunningham über die Geheimnisse des Buchmarkts.
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http://wasmitbuechern.de: Die Facebook-Site "Ich mach was mit Büchern" ist eine Initiative von Buchleuten, die die Buchbranche über Internetbeiträge und Diskussionen noch besser miteinander vernetzen und sichtbar machen will. Das Internet und die zunehmende Digitalisierung der Arbeit sind dabei wichtige Themen.
********************************************************************* ECHO-SERVICE: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Schreibinteressierte in Rhein-Neckar-Region gesucht!
Wir rufen einen Textsalon in und um Mannheim/Heidelberg ins Leben und suchen nach weiteren Gleichgesinnten, Interessierten, Schreibaffinen!Die Treffen sollen monatlich stattfinden und Themen wie zum Beispiel Tipps & Tricks beim Schreiben, Techniken, Plot(ten), Figurenentwicklung, Textvorstellungen und -besprechungen umfassen. Wer hat Lust? Meldet euch bei:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
********************************************************************* AUTORENWISSEN: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Die hohe Kunst der Arbeitsverweigerung: Das Schreiben verzögern" von Pia Helfferich
Was ist wohl das größte Talent, das Autoren haben? Phantasie? Sprachgefühl? Mitnichten. Das größte Talent zeigt sich regelmäßig als die Fähigkeit, das Schreiben hinauszuzögern, den Schreibtisch zu umkreisen und sich dabei all die wichtigen Dinge einfallen zu lassen, die unbedingt noch erledigt werden müssen, bevor die Arbeit beginnen kann: E-Mails checken, alte Stifte aussortieren, das Waschbecken putzen, den Müll rausbringen, sicherheitshalber noch mal E-Mails checken ...
Wir sprechen hier nicht von einer Schreibblockade, denn der seine Aufschieberitis pflegende Autor schreibt tatsächlich - irgendwann. Es geht lediglich um die Vergeudung von Lebens- und Schreibzeit, um das quälende Ringen mit sich selbst, denn sämtliche Ersatzhandlungen machen als Aufschubwerkzeug nicht einmal richtig Spaß.
Herausfinden, warum man zögert
Was kann man also gegen das Verzögern tun? Am Anfang steht eine ehrliche Analyse: Warum schiebe ich das Schreiben auf? Weil ich nicht weiß, wie ich beginnen soll? Weil es mich langweilt? Weil ich befürchte, zu schlecht zu sein oder keine Ideen zu haben? Oder gibt es einen ganz anderen Grund? Kann man schließlich einen oder mehrere Gründe benennen, wird es einfacher, das richtige Gegengift auszuwählen.
Aufwärmen
Von Ernest Hemingway sagt man, dass er vor der Arbeit stets Briefe geschrieben hat, um sich damit in die richtige Schreiblaune zu versetzen. Auch eine kleine Schreibaufgabe, die man nur zum Spaß macht, kann ein guter Einstieg sein. Nur 10 Minuten, in denen man das Haiku des Tages, den Traum der letzten Nacht oder eine der zahllosen Übungen aus all den Schreibratgebern auf dem Regal schreibt, lockern die Kreativitätsmuskeln und helfen bei der Konzentration. Als einzige Regel gilt, dass es Freude machen muss und kein Zwang sein darf.
Zum Aufwärmen kann auch gehören, sich intensiv vorzustellen, wie schön das Schreiben sein wird. Glücklicherweise sind wir sehr leichtgläubig. Wenn wir uns sagen, dass dieser Roman nicht die Tinte wert ist, mit der er ausgedruckt wird, nicht mal im Tintensparmodus, dann glauben wir uns das anstandslos. Diese Fähigkeit kann man auch einsetzen, um sich davon zu überzeugen, wie viel Freude das Schreiben machen wird. Je detaillierter man sich diese Szenerie ausmalen kann, desto besser.
Schönes nach vorn
Gewöhnlich sagt man, man sollte mit der unangenehmsten Aufgabe beginnen, dann hat man die hinter sich und alles, was dann kommt, ist schöner. Wer das Anfangen aufschiebt, ist für diese Taktik allerdings der falsche Kandidat. Oft ist es besser, sich mit einfachen oder schönen Dingen in Schwung zu bringen. Planen Sie also schon am Vortag, welche kurzen, schnell zu erledigenden Aufgaben Sie an den Beginn des Schreibens stellen möchten, oder suchen Sie sich dafür Ihre Lieblingsaufgabe aus.
Für Druck sorgen
Zu viel Druck kann die Arbeit lähmen, zu wenig Druck und man hängt durch und versorgt sich pausenlos mit äußerst wichtigen Informationen aus dem Internet oder schlägt auf andere Weise die Zeit tot - bis wieder ein bisschen Druck herrscht. Das kann man auch einfacher haben: Um sich den notwendigen Arbeitsdruck zu besorgen, kann man anderen schlicht mitteilen, dass man genau jetzt mit dem Schreiben beginnen wird und das zwei Stunden, fünf Seiten oder was auch immer einem als Pensum vorschwebt, durchzuhalten gedenkt. Nach getaner Arbeit meldet man dann den Vollzug. Egal, ob man dafür Freunde anruft oder die Nachricht via Facebook oder Twitter der Welt verkündet, man zwingt sich auf diese Weise zu handeln.
Möglich wäre auch, ein Arbeitstreffen mit anderen einzuberufen, die ebenfalls schreiben wollen oder müssen.
Nur Notizen
Wer vor dem Ernst der Aufgabe und ihren Ansprüchen zurückschreckt, der kann auch auf den Trick ausweichen, dass heute nur Notizen gemacht zu werden brauchen. Man liest sich durch, was man schon geschrieben hat und notiert so viele Einfälle wie möglich für den nächsten Schritt. Das ist ideal für alle, die keinen Druck vertragen oder sich davor fürchten, keine Ideen zu haben. Ohne den Vorsatz, auf jeden Fall etwas schreiben zu müssen, funktioniert die Kreativität umso besser und die Notizen führen unweigerlich zum Schreiben.
So ähnlich kann man auch mit der Zeit arbeiten. Man verpflichtet sich lediglich, eine relativ kurze Zeitspanne zu schreiben. Wie kurz kurz ist, hängt vom individuellen Empfinden ab, es können 15, 20 oder auch 45 Minuten sein. Diese Arbeitseinheit schafft man mit Leichtigkeit, und schon ist man mitten im Schreibfluss.
Schreibreflex
Günstig auf den komplikationsfreien Arbeitsbeginn kann es sich auswirken, jeden Tag um die gleiche Zeit zu beginnen. Dann stellt sich nicht mehr die Frage, was man sonst momentan alles zu tun hätte; loszuschreiben wird zu einer Routine. Routinen haben manchmal ein schlechtes Image - zu Unrecht, denn sie können eine große Hilfe sein. Idealerweise kennt das Umfeld unsere Schreibzeiten, hütet sich vor Störungen, kann aber hinterher nachfragen oder ungefragt erzählt bekommen, was man geschafft hat.
Ein Lied für die richtige Stimmung
Wer Glück hat, kennt ein Lied, das ihn in die richtige Schreibstimmung versetzt. Eine Art Auftrittsmusik für die Muse, die Kreativität oder auf wen auch immer man sich verlässt. Ob das Lied jeweils mit dem zu schreibenden Text zusammenhängt oder tatsächlich das Schreiben im Allgemeinen anspricht, spielt keine Rolle.
Ausreden enttarnen
Ein weiteres simpel aussehendes Mittel kann eine mächtige Wirkung entfalten: Schreiben Sie alle Dinge auf, die Sie gewöhnlich tun, um das Schreiben aufzuschieben. Listen Sie Ihre Ausreden auf, und hängen Sie sie so an Ihrem Schreibtisch auf, dass Sie sie sehen, wenn Sie das nächste Mal Büroklammern farblich sortieren, statt zu schreiben. Einmal ganz klar formuliert zu haben, dass diese Tätigkeiten nur Ausflüchte sind, raubt ihnen ihre Wirkung.
So eine Liste kann auch noch ganz anders eingesetzt werden: als Startliste. Auf ihr notiert man alle Dinge, die man erledigt haben möchte, bevor man mit dem Schreiben beginnt: Kaffee machen, Schreibtisch aufräumen, E-Mails abrufen ... Ja, das sind genau die Dinge, die man sowieso tun würde und die den Schreibbeginn hinauszögern. Indem man sich erlaubt, sie zu erledigen, nimmt man ihnen die Dringlichkeit und das Störungspotential. Man hakt sie ab, und damit ist man mit ihnen durch. Das Abhaken einer Liste geht viel schneller, als ob man sich zunächst winden würde. "Ich muss jetzt endlich schreiben, soll ich nicht noch ∑ Nein, fang an ∑ Wäre es nicht besser vorher ∑ Mach jetzt! ∑ Ach komm, ich koch noch schnell Kaffee ∑ Na gut." Nein, Liste nehmen, abhaken, fertig. Wenn ich diese Dinge sowieso jeden Tag mache, scheinen sie auch wichtig zu sein, um mich an den Punkt zu bringen, in Ruhe schreiben zu können.
Dieses Mittel geht in Richtung Ritual. Wer jeden Tag denselben Ablauf durchläuft, automatisiert dadurch den Beginn des Schreibprozesses.
Internet blockieren
Ein Punkt, der unbedingt auf der Startliste stehen sollte, lautet: Internet blockieren. Jawohl, das kann man. Für viele dürfte dieses Mittel den Einsatz aller anderen überflüssig machen. Entweder man zieht beherzt das Kabel des Routers aus der Steckdose (das Telefonklingeln würde doch auch nur stören) oder man verwendet zum Beispiel ein Programm mit dem bezeichnenden Namen Freedom oder NetNanny, um sich die virtuelle Welt vom Leib zu halten.
Vielleicht hilft schon ein einziges Mittel, Ihrer Aufschieberitis den Garaus zu machen - vielleicht werden Sie wachsam und kreativ sein und ständig neue Methoden ausprobieren müssen, weil Ihre Aufschieberitis genau so kreativ ist wie Sie, sich weiterentwickelt und immer wieder neue Formen annimmt.
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Pia Helfferich, Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Schreibcoach. http://www.piahelfferich.de
********************************************************************* SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig? Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei denen autor sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen hat, kann sie mir schicken.
Ich werde einige daraus auswählen, die ich im Tempest bespreche. Ist es spannend, wie könnte man es spannender machen, was stört die Spannung?, das werden bei der Besprechung die Leitfragen sein.
Texte, die die folgenden Voraussetzungen nicht erfüllen, werden nicht besprochen!
1. Die Szenen müssen entweder Dialog-, Action- oder Info-Szenen sein. Also Szenen, deren tragendes Element ein Dialog ist (der sich natürlich zuspitzen sollte), oder Action oder Information (ganz schwierig, aber manchmal nötig).
2. Infoszenen sind solche, die dem Leser Wissen vermitteln. Über ein Volk, eine Welt, eine bestimmte Technik oder Medizin. Meist sind solche Szenen langweilig. Spannend werden sie, wenn die Informationen in Bewegung kommen.
3. Nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten, darf der Umfang der Szene betragen. Dazu zählt auch der Vorspann. Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der Szene erklären. Diese Erklärung darf 400 Anschläge nicht überschreiten!
4. Schickt eure Szenen als RTF-Datei, als Anhang der Mail, und zwar an: - Dialogszenen: dialog(at)textkraft.de - Actionszenen: action(at)textkraft.de - Informationszenen: information(at)textkraft.de ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ein Handlungsort
"Umbilicus sueviae", "Nabel Schwabens" taufte der Architekt Paul Bonatz 1914 seinen Entwurf für den Kopfbahnhof Stuttgart. Für Reisende, die mit der Bahn, einerlei ob mit Intercity, Euro- oder Regionalexpress, ob aus der Region oder aus dem angrenzenden Ausland, in die schwäbische Metropole kommen, endet die Fahrt seit der Fertigstellung 1928 an einem der siebzehn Rammböcke. Der monumentale Bau im Stil der neuen Sachlichkeit gilt bis heute als eines der bedeutendsten Bahnhofsbauwerke des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Europa und steht unter Denkmalschutz. Er ist in Mittelbau und zwei Seitenflügel gegliedert und wendet seine Front mit den beiden halbrunden Portalen der Innenstadt zu. Mächtige kantige Säulen lassen den flüchtigen Betrachter an griechische Tempel denken, ohne ihm deren helle Leichtigkeit zu vermitteln. Der düstere Eindruck der Fassade aus grob behauenen Muschelkalksteinen verstärkt sich vor allem bei Regenwetter. An der Westflanke des Gebäudekomplexes erhebt sich der sechsundfünfzig Meter hohe Bahnhofsturm, von dem aus Besucher direkt in die frühere Hauptverkehrsader Stuttgarts, die Königstraße, blicken. Einen Akzent in den Farben der deutschen Fahne setzt die Turmuhr mit ihren goldfarbenen Lettern und Zeigern auf schwarzrotem Zifferblatt. Auf der Dachterrasse dreht sich majestätisch ein fünf Meter hoher Mercedesstern - Symbol des bis heute größten Gewerbesteuerzahlers Stuttgarts. Das architektonisch hervorgehobene Hauptportal fällt durch seine handtuchbreiten Fenster- und Mauerstreifen über den Eingangstüren auf. Von hier gelangen Besucher und Reisende in eine mehrstöckige Eingangshalle, von der eine großzügige Treppe zur Haupthalle hinauf führt. Aus der S-Bahn-Station im dritten Untergeschoss baggern Rolltreppen und Aufzüge Fahrgastströme nach oben, wo sie sich aufteilen in jene, die zur U-Bahn, in die Innenstadt oder mit Koffern, Reisetaschen oder Rucksäcken zum Fernbahnhof streben. Es herrscht ein Kommen und Gehen und Sich-Begegnen im Takt der Fahrpläne, hektisch, unvermeidlich, anonym. Die Zeiger der Uhren an den Kopfenden der Haupthalle ruckeln nach kurzem Anlauf auf 6:32 Uhr. Längsseits der Halle haben die Läden und Kioske mit typischem Reisebedarf bereits geöffnet. Ofenwarme Laugenbrezeln, dampfender Kaffee in Pappbechern und Tageszeitungen mit dem Datum 5. August 1994 wechseln die Besitzer. Im Restaurant des Interconti Hotels wedelt ein übernächtigter Kellner mit einem karierten Tuch Krümel und Zigarettenasche von den Tischen, während die ersten Gäste ihr Frühstück bestellen, nach Cappuccino, Tee oder Bier verlangen. Wenige Schritte weiter verbreitet ein kleiner Stand mit "Pizza to go" großräumig seinen charakteristischen Geruch nach Fett, Knoblauch und gegrilltem Käse. Nur die Andenken- und Blumenläden sowie das Postamt haben noch geschlossen, während in der WC-Anlage bereits Hochbetrieb herrscht. Die Odeurs, die mit jedem Öffnen der Tür herausquellen, riechen noch abstoßender als die des Pizzastands. Bis heute haben Bahnhöfe ihre Faszination nicht verloren, verheißen Aufbruch, Freiheit und Abenteuer. In einem Mikrokosmos sozialer und kulturelle Vielfalt begegnen sich Alte und Junge, Geschäftsleute und Backpackers, Einheimische und Ausländer, Urlaubsreisende und Berufspendler. Es ist Hauptreisezeit und damit der Anteil der Urlauber an diesem Sommermorgen höher als gewöhnlich. Neben dem vorherrschenden Schwäbisch, Deutsch und südeuropäischen Sprachen schwirren englische und französische Sprachfetzen durch die Halle. Seit der Wende vor vier Jahren mischen sich neuerdings verstärkt sächsische und slawische Laute darunter. Eine Gruppe Pfadfinder, deren wimpelbewehrte Rucksäcke samt eingerollten Isomatten und Schlafsäcken die Köpfe der Jugendlichen weit überragen, pflügt sich eine Gasse durch das Menschengewirr, als sei sie allein unterwegs. Ihr unbekümmertes Lachen und Lärmen legt sich über die Geräuschkulisse, übertönt nur vom angstvollen Gekläffe eines Foxterriers, der sich von den unzähligen vorbeihastenden Menschenbeinen bedroht fühlt. Auf der anderen Längsseite der Halle führen Torbögen hinaus zu den siebzehn Gleisen, auf denen die Fahrt in die ferne und nahe Welt beginnt. Wer erinnert sich noch, dass die Bahnsteige früher hermetisch abgeriegelt und nur nach Lösen einer Bahnsteigkarte betreten werden durften? Die Sperren sind genauso verschwunden wie die qualmenden, fauchenden Kolosse des Kohlezeitalters der Bahn, die längst ersetzt sind durch moderne windschnittige Elektroloks. Sollten die Zukunftsplaner von Stuttgart 21 ihre Vorstellungen von einem Durchgangsbahnhof durchsetzen, wird der Bonatzbau bis auf einen bedeutungslosen Rumpf ebenfalls verschwinden. Rasselnd ändert die automatische Zuganzeigetafel im Minutentakt ihre Informationen, treibt Reisende zur Eile und auf die Bahnsteige hinaus. Draußen quietschen und schrillen einfahrende Züge, verkünden Lautsprecher knackend und rauschend, dass sich der Eurocity aus Mailand um fünfzehn Minuten verspäten und der Interregio nach Nürnberg in Kürze abfahren wird. Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante! Zugtüren öffnen und schließen sich, Menschen fallen sich in die Arme, andere trennen sich, Willkommens- und Abschiedsküsse, Winken, ein paar Tränen, dann leert sich der Bahnsteig bis auf einen Raucher, der gierig an seiner Zigarette saugt und die Kippe auf die Gleise schnalzt. Die Augustsonne fingert sich durch die Bahnhofsüberdachung, ihr grelles Licht zeichnet scharfe Schatten und lässt einen weiteren heißen Tag erahnen. Auf Gleis 9 wird der Intercity nach Frankfurt (Main) angekündigt. Abfahrt um 6:51 Uhr.
Zwei Frauen schlendern den Bahnsteig entlang, zwischen sich eine Reisetasche ...
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Lektorat von Hans Peter Roentgen
Spannende Beschreibung ist die hohe Schule der Literatur, ebenso wie die Vermittlung von Informationen.
Ist die obige Beschreibung spannend? Ich finde nicht. Auch wenn sie eine Vorstellung von dem Stuttgarter Bahnhof gibt: Die Gefahr ist groß, dass der Leser hier den Kontakt zum Text verliert und aussteigt.
Vermutlich hat jeder Autor schon einmal einen ähnlichen Text verfasst. Und sich verzweifelt gefragt: Wie kann ich die Information, die ich doch brauche, dem Leser vermitteln, ohne dass der einschläft oder das Buch zuklappt? Schauen wir uns den Text oben mal an. Was fällt daran auf?
Konkret statt allgemein
Das Erste sind Teile, die unnötig sind, weil jeder Leser sie kennt und weil sie zu allgemein sind, als dass sie fesseln könnten:
..... "Aus der S-Bahn-Station im dritten Untergeschoss baggern Rolltreppen und Aufzüge Fahrgastströme nach oben, wo sie sich aufteilen in jene, die zur U-Bahn, in die Innenstadt oder mit Koffern, Reisetaschen oder Rucksäcken zum Fernbahnhof streben. Es herrscht ein Kommen und Gehen und Sich-Begegnen im Takt der Fahrpläne, hektisch, unvermeidlich, anonym." .....
Wenn hier nichts Konkretes passiert, von abstrakten Fahrgastströmen geredet wird, statt einzelne Fahrgäste zu beobachten, die etwas Spannendes erleben, dann reicht die Spannung nicht mehr, um den Leser zu fesseln. Und da jeder Leser "Fahrgastströme" kennt, die hierhin oder dorthin streben, kann man das streichen. Konkret wird es danach:
..... "Im Restaurant des Interconti Hotels wedelt ein übernächtigter Kellner mit einem karierten Tuch Krümel und Zigarettenasche von den Tischen, während die ersten Gäste ihr Frühstück bestellen, nach Cappuccino, Tee oder Bier verlangen. Wenige Schritte weiter verbreitet ein kleiner Stand mit 'Pizza to go' großräumig seinen charakteristischen Geruch nach Fett, Knoblauch und gegrilltem Käse. Nur die Andenken- und Blumenläden sowie das Postamt haben noch geschlossen, während in der WC-Anlage bereits Hochbetrieb herrscht." .....
Hier haben wir eine konkrete Person, die etwas tut. Ein Kellner, der übernächtigt ist. Doch danach wird es wieder zu allgemein. Verändern wir diesen Absatz doch:
..... "Im Restaurant des Interconti Hotels wedelt ein übernächtigter Kellner mit einem karierten Tuch Krümel und Zigarettenasche von den Tischen. Dem Gast, der mit Diplomatenkoffer und forschem Schritt das Restaurant betritt, wirft er nur einen müden Blick zu, was den nicht hindert, laut nach Cappuccino und einem Croissant zu verlangen. Nebenan riecht es nach Fett, Knoblauch und gegrilltem Käse. 'Pizza to go' verkündet das Schild, und der Inhaber wischt eifrig über die Tische, ein Türke, der hofft, mit italienischer Pizza ein Vermögen zu machen und dafür von morgens früh bis spät in der Nacht Pizza bäckt, verkauft und den Geruch schon lange nicht mehr wahrnimmt. Der Blumenladen daneben ist deutsch und noch geschlossen." .....
Die Perspektive
Wäre dieser Text besser? Er ist sicher anschaulicher und gibt dem Leser das Bild eines Bahnhofs am frühen Morgen. Er ist auktorial geschrieben, die Erzählstimme ist allwissend. Sie kann gleichzeitig den Kellner im Interconti verfolgen und den türkischen Pizzabäcker und kennt deren Wünsche. Hier erzählt kein Ich-Erzähler und wir verfolgen keine bestimmte Person und nehmen nur das wahr, was diese Person denkt, sieht, erlebt. Passt das?
Heute werden die meisten Texte in der personalen Perspektive geschrieben. Der Leser folgt dem Helden oder einer anderen Person, lernt ihre Gedanken kennen, sieht, was sie sieht, hört, was sie hört. Wenn wir die Szene aus der Perspektive des Kellners schildern würden, müssten wir die Pizza nebst Duft und Inhaber genauso streichen wie den Blumenladen.
Aber das heißt ja nicht, dass wir immer aus der personalen Perspektive erzählen müssen. Die Einleitung eines Kapitels kann durchaus mal auktorial, allwissend erzählt werden. Noch ist der Held nicht aufgetreten, es wird erst einmal die Szene beschrieben.
Was muss der Leser über den Ort wissen?
Eine derartige Beschreibung sollte aber kurz sein und sich auf das Wesentliche beschränken. In unserem Fall: ein Bild eines frühen Morgens im Stuttgarter Hauptbahnhof vermitteln. Soll man also den Rest des Textes streichen? Den frühen Morgen erleben wir in diesem kurzen Text. Wenn man möchte, kann man noch einen Absatz voranstellen, um den Ort genauer zu vermitteln: nämlich kein beliebiger Großstadtbahnhof, sondern der Stuttgarter Hauptbahnhof an einem frühen Morgen. Die Frage ist: Was muss der Leser wissen?
Ein Thriller, in dem ein Kapitel in diesem Hauptbahnhof spielt, muss ihn nicht ausführlich vorstellen. Anders, wenn der Bahnhof selbst eine wichtige Rolle im Text spielt: Der Stuttgarter Hauptbahnhof soll verschwinden und einem unterirdischem Bahnhof weichen. Bald wird es ihn nicht mehr geben. Wenn so etwas für den Roman wichtig ist, weil zum Beispiel der Antagonist plant, diese unterirdische Baustelle zu sprengen, dann können wir am Anfang des Buches ruhig mehr über diesen Sackbahnhofs verraten. Denn der ist es, um den sich der Roman dreht.
Aber auch dann sollte es aktiver sein. Da hilft es oft, sich den Ort als lebendiges Wesen vorzustellen und seine Geschichte als Lebensgeschichte zu schildern. Nun kenne ich die Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofs nicht, also erfinde ich einfach einige markante Punkte.
..... "Im 19. Jahrhundert konnte man plötzlich überall hinreisen. Sogar in die Hauptstadt, auch wenn die hundert oder zweihundert Kilometer entfernt war. Schon das war eine Revolution. Die Vorstellung, dass die Reise weitergehen könnte oder sollte, war weit hergeholt; kein ernstzunehmender Erbauer hauptstädtischer Bahnhöfe vermochte sich das vorzustellen. Die Hauptstadt war der Nabel der Welt, und weiter fuhren keine Züge. Weswegen alle Hauptstädte Sackbahnhöfe hatten. Egal ob Wien, Paris oder Berlin, überall endeten die Reisenden in einem Sackbahnhof. So dachte auch der Architekt Paul Bonatz. Sein Entwurf war revolutionär, der neuen Sachlichkeit verpflichtet, er verzichtete auf die Stuckgiebel, die Figuren und Verzierungen der Gründerzeit. Aber so revolutionär, dass er einen Bahnhof andachte, in dem Züge ankamen und weiterfuhren, so revolutionär war er denn doch nicht. Stuttgart war der Nabel der Welt. Nun, vielleicht nicht der Welt, wohl aber der Nabel Schwabens, weswegen Bonatz ihn "Umbilicus sueviae", "Nabel Schwabens" taufte. Warum sollte ein Schwabe weiter als bis Stuttgart reisen? Das war Phantastik, und mit phantastischen Ideen wollte Bonatz sich nicht beschäftigen. Neue Sachlichkeit war angesagt.
Also wurde der neue Stuttgarter Bahnhof ein Sackbahnhof wie seine Vorgänger. Und damit die Lokomotiven nicht zur falschen Seite hinausfuhren, versperrte Bonatz ihnen mit mächtigen Muschelkalksäulen den Weg. Keine Lok konnte hier durch, wie in Dresden. Im Sackbahnhof dort rauschte tatsächlich mal eine durch die falsche Seite und hing mangels Schienen anschließend halb aus dem Bahnhof heraus. Was natürlich böse Kommentare über Sachsen und seinen Bahnhof in ganz Deutschland hervorrief.
Auch sonst wirkt der Stuttgarter Bahnhof wie ein Gefängnis. Düster, drohend, mit Fenstern, die eigentlich nur schmale Lichtschächte sind. Was sollte hier eingesperrt werden?" .....
Was habe ich hier gemacht? Ich bin nicht vom Aussehen des Bahnhofs ausgegangen, sondern von den Menschen. Von dem Architekten, der ihn erbaute, warum er einen Kopfbahnhof plante und mächtige Säulen vorsah.
Natürlich kann das alles ganz anders gewesen sein. Aber Sie sehen hier, wie man den Anblick des Bahnhofs zum Leben erwecken kann. Und wie man damit gleichzeitig in das Thema eines Romans einführen kann. Heute ist schnelle Durchfahrt angesagt, und das wird durch Kopfbahnhöfe verhindert.
Ich habe nicht geschrieben, dass die Fassade einen düsteren Anblick bietet, sondern habe ihn mit einem Gefängnis verglichen und erst im nachfolgenden Satz das Adjektiv "düster" verwendet.
Aber ist das alles jetzt spannend? Ich finde nicht, auch wenn es sicher besser ist.
Warum ist es nicht spannend? Weil der Stuttgarter Bahnhof einfach nichts ist, das sofort das Interesse des Lesers weckt. Schließlich handelt es sich nicht um das weiße Haus oder den Petersdom.
Gegenstände, die nicht von sich aus beim Leser Interesse wecken, muss etwas beigeordnet werden. Sie müssen eine Bedeutung bekommen. Versuchen wir es mal:
..... "Im Restaurant des Interconti Hotels wedelt ein übernächtigter Kellner mit einem karierten Tuch Krümel und Zigarettenasche von den Tischen. Dem Gast, der mit Diplomatenkoffer und forschem Schritt das Restaurant betritt, wirft er nur einen müden Blick zu, was den nicht hindert, laut nach Cappuccino und einem Croissant zu verlangen.
Der Mann bleibt stehen, blickt sich um, nickt befriedigt und setzt sich. Ja, hier wäre der richtige Ort, morgens kaum Menschen und ein unaufmerksamer Kellner. Er stellt den Diplomatenkoffer neben sich. Später wird er seinen Capuccino trinken, zahlen und den Koffer "vergessen". Dem übernächtigten Kellner wird das nicht auffallen.
Nebenan riecht es nach Fett, Knoblauch und gegrilltem Käse. 'Pizza to go' verkündet das Schild, und der Inhaber wischt eifrig über die Tische; ein Türke, der hofft, mit italienischer Pizza ein Vermögen zu machen, und dafür von morgens früh bis spät in der Nacht Pizza bäckt, verkauft und den Geruch schon lange nicht mehr wahrnimmt.
Der Mann verzieht angewidert das Gesicht. Türkische Läden erinnern ihn an Bin Laden und daran, dass viele ihn mit diesem Verbrecher in einen Topf werfen werden." .....
Jetzt habe ich den Bahnhof mit einer Person verknüpft, einer Person, die verdächtig ist. Noch wissen wir nicht genau, was der Mann plant, aber sicher nichts Gutes.
Wenn Sie eine Beschreibung haben, die nichts zeigt, das den Leser bereits von vorneherein fesselt, müssen Sie die Beschreibung erden. Mit Personen, mit Handlung verbinden. Auch hier dürfen Sie dem Leser nicht alles verraten - sonst wird es zum Infodump. Deuten Sie gerade so viel an, dass der Leser daran Vermutungen knüpfen kann, dass etwas Ungewöhnliches, Spannendes in der Luft liegt. Aber lassen Sie genug offen, um ihn neugierig zu machen.
Fragen an den Autor
Wenn Sie dem Leser Informationen vermitteln müssen, sollten Sie sich immer fragen:
1. Was könnte den Leser interessieren? Das sind in der Regel die Geschichten hinter der Geschichte, die Personen und vor allem das, was er noch nicht weiß. Durcheinander laufende Bahnpassagiere hat jeder Leser schon einmal erlebt, das interessiert keinen. Das ist erstens nicht neu und zweitens viel zu unpersönlich. Auch die Einkaufsstraßen im Bahnhof sind bekannt. Solange sie einfach nur passiv geschildert werden, verlieren Leser schnell das Interesse.
2. Was benötigen Sie für Ihre Geschichte? Schildern Sie nicht alles, sondern nur das, was in Verbindung zu Ihrer Geschichte steht. Wenn der Umbau des Hauptbahnhofes wichtig wird, dann ist die Tatsache, dass es ein Sackbahnhof ist, wichtig. Ein Bahnhof, der keine Durchfahrt ermöglicht, sondern die Reise erst einmal beendet. Wenn Sie möchten, können Sie dann den Kampf darum erzählen, den sich Gegner und Befürworter der Untertunnelung lieferten. Auch der sollte möglichst aktiv, möglichst anschaulich geschildert werden.
Und, ganz wichtig: Verbinden Sie die Informationen mit Personen und damit, dass ihre Beschreibung wichtig ist für die Geschichte.
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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé". Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.
********************************************************************* BUCHBESPRECHUNG: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Die ganze Welt in einem Satz" besprochen von Gabi Neumayer
Es gibt nicht viele Schreibratgeber für Kinder und Jugendliche. Umso erfreulicher, dass nach Sylvia Englerts "Wörterwerkstatt" nun ein zweites gelungenes Buch vorliegt, das sich explizit an junge SchriftstellerInnen wendet. Es hat jedoch einen anderen Schwerpunkt als Englerts Buch und wendet sich - so meine Einschätzung - auch an eine etwas jüngere Zielgruppe (wenngleich die Zielgruppe mit "ab 12" angegeben ist). Geschrieben haben es zwei, die selbst als AutorInnen erfolgreich sind und die es zugleich verstehen, ihr Wissen leicht verständlich, spielerisch und mit vielen nachvollziehbaren Übungen und Beispielen zu vermitteln.
Das grafisch herrlich gemachte Buch beginnt mit den kleinsten Einheiten der Sprache - Lauten und Klängen - und arbeitet sich über Silben, Wörter und Sätze bis zum Text vor. Jedes dieser Oberthemen (bis auf das letzte) wird ganz gründlich, mit viel Spaß und Entdeckungsfreude erkundet. Im ersten Kapitel wird zum Beispiel erforscht: Wie klingen einzelne Laute? Was passiert mit Wörtern, wenn man nur einen Laut verändert? Welche Wirkungen hat ein "o" oder ein "i"? Wie wirkt es, wenn man ähnliche gebaute Wörter nebeneinander stellt? Die LeserInnen müssen auf dieser Entdeckungsreise auf jeder Seite selbst aktiv werden: Sie lösen kleine Übungen, beantworten Fragen, schreiben kurze Wendungen, Sätze oder Minitexte.
Zwei Wermutstropfen gibt es bei allem Lob aber auch: Wenn es um Grammatik geht, stimmt die Begrifflichkeit nicht immer (zum Beispiel sind Buchstaben keineswegs dasselbe wie Laute). Und was die Zutaten für eine Geschichte angeht: Sie werden nur auf wenigen Seiten am Ende abgehandelt; das ist für alle, die wissen wollen, wie man Geschichten schreibt, zu wenig.
Wenn man dieses Buch jedoch vor allem als eins versteht, das Lust machen soll auf Sprache, auf das Spiel mit ihr, auf die Entdeckung von Sprache und ihren Zusammenhang mit der realen und fiktionalen Welt, dann ist es rundum gelungen. Ein ideales Geschenk für junge Leute, die die Möglichkeiten der Sprache von Grund auf entdecken wollen - und auch für erfahrene AutorInnen, die sich den Reichtum unserer Sprache auf allen Ebenen (wieder) bewusst machen möchten.
Henning Boetius, Christa Hein: "Die ganze Welt in einem Satz. Sprach- und Schreibwerkstatt für junge Dichter", 2010, 210 Seiten, 16,95 Euro, Beltz & Gelberg
********************************************************************* DES BÖSEN LEKTORS WÖRTERBUCH: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Buchmesse Massenauftrieb mit Reizüberflutung. Der Fluch zum Buch.
Drama Vertragsverhandlung.
Drehbuch Betätigungsfeld für Autor, der den Dreh raus hat, mehr Geld pro Buch zu verdienen.
Druckkostenzuschussverlag Karitative Einrichtung eines selbstlosen Verlegers, der unveröffentlichten Autoren gegen sehr viel Geld eine Chance gibt, die man ihnen besser nicht geben würde. Produziert Bücher umweltschonend direkt für den Müll, ohne damit die Buchhandlungen zu verstopfen.
Erzählrhythmus Tempo, mit dem der Autor die Wiege schaukelt, in der er den Leser einschläfert.
.......... aus: Dr. Honeyball Lektor / Stephan Waldscheidt (Hrsg.): "Zehn Gründe, eine Schriftstellerin zu heiraten", Satire, 128 Seiten mit Abbildungen und Cartoons. Mehr dazu: http://www.waldscheidt.de
********************************************************************* VERLAGSPORTRAIT: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Verlag Christian Lauber? Hirschstraße 15? 76646 Bruchsal? Telefon: (01 60) 98 24 62 47?
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
? http://www.verlag-lauber.de?
Christian Lauber hat den Verlag im Juni 2009 gegründet und noch keine weiteren Mitarbeiter. Er macht alles selbst - vom Lektorat bis zur Buchhaltung und Homepage-Gestaltung. Noch ist es sein Nebenberuf; wenn es gut ins Laufen kommt, möchte er gerne seinen Hauptberuf daraus machen.?
Anlass für die Verlagsgründung
Lauber bekam zufällig ein spannendes Manuskript in die Hände, für das sich kein Verlag interessierte. Er hielt es für so lesenswert, dass er es selbst verlegen wollte. Der zweite Anlass für die Verlagsgründung war die Tatsache, dass es klassische Archäologen - wie er eigentlich einer ist - auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer haben. Für eine abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit musste er sich also etwas einfallen lassen. Als er dann zufälligerweise an einem Gebäude mit der Aufschrift "Verlag ..." vorbei fuhr, dachte er: "Okay, das ist es!"
? Programm und Philosophie
Lauber möchte Biographien, Erlebnisberichte, Reiseberichte, historische/archäologische Sachbücher, Schriften mit Bezug zu bestimmten Städten, Landschaften oder Staaten (historisch oder zeitgenössisch), Reportagen aus aller Welt zu Kultur, Gesellschaft, Religion, Romane und Kurzgeschichten mit Bezug zu oben genannten Stichworten herausbringen.?
Seine Philosophie ist, dass die Bücher, die er verlegt, nicht ausschließlich marktorientiert ausgewählt werden, sondern dass sie auch seinem eigenen subjektiven Geschmack entsprechen müssen. Er will selber Freude an der Lektüre haben!
Welche Autoren wurden bisher verlegt? ?
Das erste Buch erschien im November 2009 und stammt von Alois Janzer, der von seinen Erlebnissen in Krieg und Kriegsgefangenschaft von 1943 bis 1948 berichtet. Das zweite Buch wurde rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse fertig: "Indianer essen kein Fondue" von Christine Schneider, ein Schweizer Cowgirl in der Wildnis Kanadas, ein Erlebnisbericht. Monika Morlock: "The Beauty of Real Love", Vorträge von und Gedanken zu Sadhu Maharaja, Sripada Bhaktivedanta, aus Indien erscheint (in englischer Sprache) im Sommer 2010.
AutorInnen gesucht?
Ja, für weitere Bücher (mit Erscheinungsdatum 2010/11) sucht Lauber Autoren mit passenden Manuskripten. Exposés oder Manuskripte können per E-Mail oder Post eingereicht werden. Konditionen:?Der Vertrag orientiert sich am Normvertrag des Verbands Deutscher Schriftsteller und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Des Weiteren haben die Autoren umfangreiche Mitspracherechte in allen Belangen der Buchherstellung. Die Vergütung wird individuell geregelt und ist in der Regel umsatzabhängig.
Was ist besonders wichtig?
Eine faire und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Autor und Verlag, Gründlichkeit vor Schnelligkeit, Qualität vor Quantität.
Zukunftspläne, Perspektiven
Zunächst soll natürlich erst mal eine gewisse Anzahl an guten Büchern verlegt werden, um überhaupt einen Bestand an lieferbaren Büchern zu haben, mit denen sich der Verlag langsam etablieren kann.?
********************************************************************* KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR! --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Wie kann jemand 15 Minuten neben einem klingelnden Wecker weiterschlafen? Heute habe ich es geschafft! Die Kinder verharrten ganz ruhig in ihren Zimmern, spielten Playmobil zu dritt und sagten auf die Frage, warum sie mich denn nicht geweckt hätten: "Wir dachten, du schreibst noch ein Kapitel fertig! Da wollten wir dich nicht stören." "Habt ihr euch nicht gewundert, warum mein Wecker so lange klingelt?" "Wenn du schreibst, hörst du doch nie was."
(Heike Fröhling)
********************************************************************* UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN: --------------------------------------------------------------------- Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - keine Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch drehbuch at experte pt autorenforum pt de Fandom: Thomas Kohlschmidt fandom at experte pt autorenforum pt de Fantasy: Stefanie Bense fantasy at experte pt autorenforum pt de Heftroman: Arndt Ellmer heftroman at experte pt autorenforum pt de Historischer Roman: Titus Müller historischer.roman at experte pt autorenforum pt de Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik kinderbuch at experte pt autorenforum pt de Lesungen: Rüdiger Heins lesungen at experte pt autorenforum pt de Lyrik: Martina Weber lyrik at experte pt autorenforum pt de Sachbuch: Gabi Neumayer sachbuch at experte pt autorenforum pt de Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss fortbildung at experte pt autorenforum pt de Schreibgruppen: Ute Hacker schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de Schreibhandwerk: Ute Hacker schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de Sciencefiction: Andreas Eschbach sf-autor at experte pt autorenforum pt de Übersetzung: Barbara Slawig uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de Verlagswesen: Bjørn Jagnow verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ................. Experten-Special: .................
Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten Jahre gesammelt und jetzt auch in einem Buch zusammengefasst - thematisch sortiert und aktualisiert:
Björn Jagnow: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung", 2009, 188 Seiten, 10,00 Euro, Edition Octopus
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrennter Mail kommt +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Einsendeformalien: Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rücksprache - erwünscht. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
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