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Editorial Hall of Fame Schreib-Kick Lesetipp Autorenwissen "Tipps und Tricks vom Profi - Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen" von Jennifer Schreiner Schreibkurs "Planting - wie man einer Geschichte Form gibt" von Ulrike Dietmann Buchbesprechung "Drei Seiten für ein Exposé" besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer Spannung, der Unterleib der Literatur "Eine Actionzene" Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen Interview mit Boris Koch Des bösen Lektors Wörterbuch Verlagsportrait "Lilienfeld Verlag" Küss mich, ich bin ein Autor! Frag den Experten für Kinderbuch (Michael Borlik) Frag die Expertin für Schreibhandwerk (Ute Hacker) Frag die Expertin für Fantasy (Stefanie Bense) Frag die Expertin für Lyrik (Martina Weber)
EDITORIAL: ---------------------------------------------------------------------
Liebe Autorinnen und Autoren,
diesmal kommt es ganz dicke: In dieser Ausgabe bekommt ihr so viele spannende, hilfreiche, praxisnahe Artikel geboten, das ihr sie bis zum nächsten Tempest kaum durcharbeiten könnt!
Jennifer Schreiner hat Profis nach ihren Tipps und Tricks befragt - im "Autorenwissen" findet ihr den ersten Teil ihres dreiteiligen Artikels. Um "Planting" geht es im Schreibkurs: Ulrike Dietmann zeigt, warum diese Technik nicht nur für KrimiautorInnen unerlässlich ist. Hans Peter Roentgen beginnt mit seiner neuen Lektoratsreihe und bespricht eine Actionszene - wie immer ganz nah am Text, mit scharfem analytischem Verstand und wertvollen Tipps. "Drei Seiten für ein Exposé" heißt übrigens sein neues Buch, das Ramona und Thomas Roth- Berghofer in der Buchbesprechung vorstellen.
Weiter geht es mit einem aufschlussreichen Interview mit dem Autor Boris Koch, dann schlagen wir "Des bösen Lektors Wörterbuch" auf, stellen euch den Lilienfeld Verlag vor, geben euch Schreib- und Link- Tipps - und unsere ExpertInnen öffnen wieder das Schatzkästchen ihrer langjährigen Erfahrung und geben unter anderem Auskunft darüber, wie man exzessives Überarbeiten vermeidet und sich mit seinen Gedichten profiliert.
Der Tipp des Monats Februar, diesmal von Sibylle Schwertner:
Wenn man in einem Manuskript "festhängt", kann es schon helfen, das zuvor Geschriebene einfach noch mal abzutippen. Meist beginnt man nach wenigen Sätzen mit kleinen oder größeren Änderungen, und ehe man es sich versieht, ist man wieder "drin" in der Geschichte.
Das Prinzip unserer Überraschungsverlosung ist ... klar, die Überraschung. Man weiß nie, was verlost wird und wann es wieder so weit ist. Dieses Prinzip werfen wir diesmal über den Haufen - aus gutem Grund: Der Preis ist so verlockend, dass ich ihn ausnahmsweise ankündige. Also: Wer mir bis zum 12. März einen Autorentipp fürs Editorial schickt (maximal 300 Zeichen!) oder einen Minidialog für "Küss mich, ich bin ein Autor!", kann das neue Buch unseres Experten Björn Jagnow gewinnen: "Fragen und Antworten zu Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung" (Edition Octopus). Darin sind die Fragen an ihn und seine Antworten aus fast zehn Jahren Tempest gesammelt.
Und jetzt: eine schöne Nachkarnevalszeit - und bitte überweist etwas, wenn möglich, damit der Tempest diese auch finanziell sehr kalte Jahreszeit übersteht!
Gabi Neumayer Chefredakteurin
~~~~~~~~~~~ Damit wir den Tempest auch in Zukunft weiterführen können, brauchen wir eure Hilfe: Wer uns unterstützen möchte, überweise bitte einen freiwilligen Jahresbeitrag (15 Euro haben wir als Richtwert gesetzt, aber ihr helft uns auch schon mit 5 oder 10 Euro weiter) auf das Konto von autorenforum.de:
Sparda Bank Südwest eG BLZ 550 905 00 Kto. 100 724 515 Stichwort: "Beitrag 2010"
Für AuslandsabonnentInnen: Am 1. Juli 2003 wurden die Auslandsüberweisungsgebühren gesenkt. Aber natürlich könnt ihr uns euren Beitrag auch weiterhin per Post schicken (Adresse am Ende des Tempest).
Wer aus Österreich überweist, braucht außerdem diese Nummern (bitte genau so zusammenschreiben!) IBAN: DE16 5509 0500 0100 7245 15 BIC: GENODEF1S01
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ISSN 1439-4669 Copyright 2010 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
INHALT DIESER AUSGABE:
TEIL 1:
Editorial Hall of Fame Schreib-Kick Lesetipp Autorenwissen "Tipps und Tricks vom Profi - Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen" von Jennifer Schreiner Schreibkurs "Planting - wie man einer Geschichte Form gibt" von Ulrike Dietmann Buchbesprechung "Drei Seiten für ein Exposé" besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer Spannung, der Unterleib der Literatur "Eine Actionzene" Text: anonym, Lektorat: Hans Peter Roentgen Interview mit Boris Koch Des bösen Lektors Wörterbuch Verlagsportrait "Lilienfeld Verlag" Küss mich, ich bin ein Autor! Frag den Experten für Kinderbuch (Michael Borlik) Frag die Expertin für Schreibhandwerk (Ute Hacker) Frag die Expertin für Fantasy (Stefanie Bense) Frag die Expertin für Lyrik (Martina Weber) Impressum
TEIL 2:
Veranstaltungen Ausschreibungen Publikationsmöglichkeiten mit Honorar ohne Honorar Seminare Messekalender Impressum
********************************************************************* HALL OF FAME: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Die "Hall of Fame" zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:
....... AutorIn: "Titel", Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen. ....... Ein Beispiel (!):
Johanna Ernst: "Der Fall der falschen Meldung", Hüstel Verlag 2009, Mystery-Thriller. 60 Zeichen - und kein einziges mehr! Inklusive Homepage! .......
Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG, NEU! Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat!
Schickt eure Texte unter dem Betreff "Hall of Fame" an redaktion at team pt autorenforum pt de.
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden ab sofort nicht mehr verschickt! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Luisa Hartmann: "Na und, dann sind die eben rechts!", Verlag an der Ruhr 2010, Jugendroman. Neonazis - ein leider immer noch wichtiges Thema
Veit Etzold: "Das Grosse Tier", Verlag Kiepenheuer & Witsch 2010, Thriller. Wall Street trifft da Vinci Code
Oliver Plaschka: "Die Magier von Montparnasse", Klett-Cotta 2010, Fantasy. Man sieht Magie nur mit dem Herzen. www.rainlights.net
Eva Lirot: "Seelenbruch!", Schardt Verlag 2010, Frankfurt-Thriller. www.eva-lirot.de
********************************************************************* SCHREIB-KICK: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Unser Schreib-Kick für den Februar, diesmal von mir:
Kombiniere je eine Charaktereigenschaft deiner Mutter, deines besten Freundes/deiner besten Freundin, deines/r Geliebten, deines schlimmsten Feindes/deiner schlimmsten Feindin und eines deiner Nachbarn. Lass diese Figur ein Abenteuer erleben.
********************************************************************* LESETIPP: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
http://templates.services.openoffice.org/de/node/3309 (Normseite mit Anleitung), http://templates.services.openoffice.org/de/node/3311 (Normseite "leer"): Matthias C. Hormann hat für OpenOffice Writer eine Dokumentvorlage für die Normseite entwickelt und stellt sie hier zur Verfügung - beim ersten Link inklusive einer Anleitung, worauf beim Gestalten einer Normseite zu achten ist. Der Download ist kostenlos, aber wer dem Autor einen Kaffee dafür spendieren möchte, findet seine Website hier: http://www.kaufen-ist-toll.de/moonbase
********************************************************************* AUTORENWISSEN: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Tipps und Tricks vom Profi - Teil 1: Schreiben im Großen und Ganzen" von Jennifer Schreiner
Schreiben ist einfach? Das kann jeder, und das ist kein Beruf? Eine brotlose Berufung? Ja, all das mag irgendwie stimmen - und trotzdem ist Schreiben gar nicht so einfach, oder?
Wie man das "Schriftsteller-Werden" am besten angeht und was man alles bedenken sollte, erfahren Sie hier von Profis:
Michael Borlik (beim Tempest Experte für Kinderbuch)
Wenn es ums Schreiben geht, kann ich jedem nur empfehlen: lesen, lesen, lesen. Vor allem in dem Genre (Krimi, Fantasy etc.), in dem man schreiben möchte. Dabei genau hinsehen, wie andere Autoren Spannung erzeugen oder glaubhafte Figuren entwerfen. (http://www.borlik.de)
Uschi Zietsch (Fabylon Verlag)
1. Organisiere dich, bevor du mit dem Schreiben loslegst. Je besser vorbereitet du bist, umso freier und kreativer kannst du fabulieren.
2. Nur wer die Regeln kennt, kann sie aufbrechen. Erlaubt ist grundsätzlich alles, aber es muss funktionieren. Hast du keine Struktur, hast du auch keine Geschichte.
3. Achte bei einer Kurzgeschichte unbedingt auf die Pointe. Eine Short Story beginnt mit der Exposition und endet mit dem Plot Point 2.
4. Keine Rückblenden am Anfang einer Geschichte. Man geht von der Startlinie ausschließlich vorwärts, nicht rückwärts.
5. Show, don‚t tell.
6. Schummle nicht. Das nimmt dir der Leser sehr übel. (http://www.fabylon-verlag.de)
Ulrike Dietmann (Autorin und Schreibcouch)
Mein Tipp Nummer Eins ist, nie die Lust am Schreiben zu verlieren, ob du veröffentlicht wirst oder nicht. Mach deinen Spaß am Schreiben nicht abhängig von einer Veröffentlichung, sondern schreib, was dir gefällt. Ich veröffentliche seit 20 Jahren, und ich hatte darunter auch Aufträge, die viel Kohle brachten, aber null Spaß machten. Da wäre ich lieber Supermarktregale füllen gegangen.
Schreiben ist Nahrung für die Seele, Leben im Augenblick, Liebe, Genuss und das Zelebrieren von Schönheit. Darin liegt die Befriedigung. Wenn du dann noch Tipp Nummer zwei befolgst und dein Handwerk ordentlich lernst, wirst du deinen Lesern viel zu sagen haben. Dann werden sich auch die Verlage für dich interessieren. (http://www.ulrikedietmann.de und http://www.pegasus-schreibschule.de)
Astrid Martini
Oftmals muss man als Autor mit einem Thema zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, damit das "Herzensmanuskript" ein Zuhause bekommt und seine Leser findet.
Eine Ablehnung bzw. ausbleibende Leser sagen also nicht unbedingt etwas über die Qualität eines Manuskriptes/Buches aus, sondern das kann einfach nur bedeuten, dass man sein Glück zur falschen Zeit am falschen Ort versucht hat. Also nicht aufgeben und auch nicht den Glauben an sich selbst verlieren. (http://www.astrid-martini.de)
Ednor Mier
1. Nicht nur ein dickes, sondern ein GANZ dickes Fell zulegen. Die Geschichten von Autoren/innen, die gleich mit ihrem ersten Roman einen Megaseller hingelegt haben, hören sich zwar toll an, sind aber in den meisten Fällen reine Märchen. Auch eine Rowling hat ihren Zauberlehrling angeboten wie Sauerbier und eine Absage nach der anderen kassiert, ehe sich endlich ein kleiner, mutiger Verlag fand und das Manuskript kaufte. Gehen Sie also ruhig davon aus, dass auch Ihr Schätzchen durch die Verlage wandert und mehr Absagebriefe kassiert, als Sie meinen psychisch vertragen zu können.
2. Standard-Absagebriefe an die Wand pinnen und mit Dartpfeilen drauf schießen. Aber manche Lektoren machen sich immer noch die Mühe, einen eigenen Brief zu schreiben, und den sollten Sie aufmerksam lesen und Ihren Roman dann auf die im Schreiben vorgebrachten Kritikpunkte überprüfen. (http://www.ednor-mier.de und http://www.darklady.twoday.net)
Rena Larf
Schreiben! (http://www.RenaLarf.de)
Inka Loreen Minden/Lucy Palmer
Viel schreiben, viel lesen. Und ich kann die beiden Schreibratgeber »Wie man einen verdammt guten Roman schreibt« von James N. Frey und »Das Leben und das Schreiben« von Stephen King empfehlen. (http://inka.gfx-online.de)
Jeanine Krock
Schreiben, so heißt es, sei zu 5 Prozent Talent, der Rest sei harte Arbeit. Diese Verteilung mag bei jedem etwas anders ausfallen, aber dass Übung, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt Technik erforderlich sind, kann ich nur bestätigen.
Manch einem hilft es, wenn er sich Schreibgruppen anschließt oder Seminare besucht. Dabei lernt man nicht nur bewusstes Lesen, sondern auch das Umsetzen konstruktiver Kritik. Letztendlich ist das Schreiben aber ein ziemlich einsames "Geschäft", und jeder sollte versuchen, seinen eigenen Weg zu finden. (http://www.jeaninekrock.de)
Nina Behrmann/Kira Maeda
Vor das Schreiben haben die Literaten das Lesen gesetzt. [Man muss] die gängige Literatur kennen und wissen, was für Stile es gibt.
Was ebenso unerlässlich wie das Lesen ist, ist auch das Schreiben. Nicht jedes Mal, wenn man sich an Tastatur und Block setzt, liegen geniale Einfälle in der Luft. Gerade am Anfang werden die ersten Versuche holprig sein und man wird sehr oft von dem Gefühl beschlichen, das nicht das auf dem Papier steht, was man eigentlich sagen wollte. Das ist normal, und davon sollte man sich nicht entmutigen lassen. Denn sehr schnell werden auch die ersten Erfolgserlebnisse auftauchen, wenn die Geschichte auf dem Papier zu leben beginnt, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber bis dahin heißt es: schreiben, schreiben, schreiben, denn man verbessert sich mit jedem Wort, das man tippt, kritzelt oder malt. (http://www.kerimaya.de)
Dörthe Huth
Verschiedene kreative Formen ausprobieren! Schreiben unter Zeitdruck, meditatives Schreiben, Schreiben zu bestimmter Musik. (http://www.viale-psychologie.de und http://www.dialograum.de)
Lilly Grünberg
Nicht einfach loslegen, sondern erst eine Kapitelstruktur anlegen, Höhen und Tiefen planen. Stichworte zu jeder Person notieren: Wie sieht sie aus, welchen Charakter hat sie? Die Figuren eindeutig und gegensätzlich genug planen, damit beim Leser keine Verwechslungen aufkommen.
Einem vertrauenswürdigen Testleser geben, der auch sonst Bücher dieses Genres liest. Bei Kritiken nicht eingeschnappt reagieren, sondern darüber nachdenken. (http://www.sira-lilly.de)
Christine Spindler
Just do it! (http://www.christinespindler.de)
Jennifer Schreiner
Es gibt Träumer und Traumerfüller. Die einen träumen und verschieben die Erledigung auf morgen (oder übermorgen), um nicht enttäuscht zu werden - die anderen träumen und versuchen mit Kritik, Rückschlägen und Enttäuschungen fertig zu werden, um ihre Träume zu leben. (http://www.JenniferSchreiner.com)
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Wer mehr über die Autorin Jennifer Schreiner oder ihr aktuelles, dämonisches Fantasy-Romance-Buch "Eine Löwin für die Bestie" erfahren will, kann ihre Homepage http://www.JenniferSchreiner.com besuchen.
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"Planting - wie man einer Geschichte Form gibt" von Ulrike Dietmann
Eines der wirksamsten Zaubermittel aus der Trickkiste des Geschichtenbauens ist das Planting, auf deutsch: Pflanzen. Man sät ein Motiv, um es später für überraschende Wendungen oder glaubhafte Entwicklungen von Figur und Geschichte zu "ernten".
Wie funktioniert Planting?
Am deutlichsten erkennt man das Planting im Krimi: Spuren werden gelegt, Figuren werden eingeführt, die sich später als Mörder oder Unschuldige entpuppen. Mordmotive werden gesetzt, möglichst unauffällig, um die Neugier des Lesers aufrecht zu erhalten und ihn mit der richtigen Lösung zu überraschen. Mit dem Planting will man beim Leser den "Ach so!"-Effekt erzielen: Im Rückblick erst offenbaren Ereignisse, Informationen und Dialogsätze ihre wahre Bedeutung.
The Sixth Sense
Eines der eindrücklichsten Beispiele für erfolgreiches Planting ist der Film "The Sixth Sense" von Autor und Regisseur M. Night Shyamalan: Der Kinderpsychologie Dr. Crowe (Bruce Willis) behandelt einen Jungen, der tote Menschen sehen kann. Am Ende des Films stellt sich heraus, dass ... tja, das darf man für alle, die ihn noch nicht kennen, wirklich nicht verraten, aber es stellt alles auf den Kopf! Der Zuschauer ist perplex, dass ihm etwas so Wichtiges nicht aufgefallen ist. Die Information ist geschickt und unauffällig gepflanzt worden. Viele haben sich den Film ein zweites Mal angeschaut, um zu erkennen, wie raffiniert sie getäuscht wurden.
..... Übung ..... Such in deiner Geschichte Informationen, die später eine wichtige Funktion erhalten. Vielleicht unterhält sich deine Hauptfigur mit einer Frittenverkäuferin über einen Mann, der immer um 21 Uhr vorbeikommt - nur am Mittwoch, den 23., nicht. Zwei Kapitel später erfährt man, dass an diesem Mittwoch der Mord geschah. Was wie ein harmloser Dialog aussah, wird zu einer wichtigen Information. Weitere zwei Kapitel später stellt sich heraus, dass die Frittenverkäuferin gelogen hat und selbst verdächtig ist.
Versuch das Planting so unauffällig wie möglich einzustreuen - der Leser soll ja nicht merken, dass hier Info geplantet wird.
Die Pistole von Anton Tschechow
Alle Informationen in einem Text sollten wichtig sein und mit Bedacht eingesetzt werden. Der russische Dramatiker Anton Tschechow hat das auf den Punkt gebracht, als er meinte: Wenn im ersten Akt eines Theaterstückes eine Pistole auftaucht, muss irgendwann im Stück geschossen werden. Ein klassisches Beispiel für Planting! Die Pistole taucht am Anfang auf und verschwindet in einer Schublade, ohne großes Aufhebens. Im dritten Akt, wenn die Gefühle hochkochen, liegt sie in der Schublade bereit, um zum dramatischen Einsatz zu kommen. Der Zuschauer fragt sich dann nicht mehr, wo plötzlich die Pistole herkommt.
Entwickle Motive, die du einmal gesetzt hast, weiter, und bring sie zu einem Ende. Verwende lieber wenige Motive und spiele mit ihnen in immer neuen Varianten.
..... Übung ..... Geh deine Geschichte durch, und frag dich bei jedem Motiv, ob es Erwartungen weckt und weiterentwickelt werden kann. Hast du am Anfang der Geschichte eine dramatische Szene mit einem unzähmbaren Pferd, dann verwende das Pferd und nicht einen Hund, um zu zeigen, wie die Hauptfigur über sich hinauswächst. Wiederhole Motive, und verwende sie mit neuer Bedeutung, in einem neuen Zusammenhang. Entwickle Motive und Eigenschaften der Figuren. Wenn sich der liebe Ehemann am Ende deiner Geschichte als Serienkiller entpuppt, sorg dafür, dass dieser dunkle Charakterzug gut geplantet ist. Das müssen keine plumpen Hinweise sein. Es genügt, dass er die Kaffeetasse einen Tick zu aggressiv absetzt oder einem Hund nebenbei einen Tritt versetzt. Das gilt auch umgekehrt: Wenn der liebe Ehemann dem Hund einen Tritt versetzt, muss er sich später als ein irgendwie gearteter Böser entpuppen.
Planting nicht nur in Thriller und Krimi
Auch im Drama, in der Liebesgeschichte oder der Komödie ist originelles Planting ein effektives Hilfsmittel. Diese Genres bringen keine "Rätselspannung" mit sich, deshalb muss auf andere Weise Spannung und Struktur geschaffen werden. Ein sehr schönes Beispiel ist der Film "Der erste Ritter" mit Richard Gere und Sean Connery, geschaffen von den Planting-Spezialisten aus Hollywood.
In der ersten Begegnung von Ritter Lancelot und Lady Guinevere sagt er zu ihr (nachdem sie ihm eine Ohrfeige gegeben hat): "Ich küsse dich erst wieder, wenn du mich darum bittest." Kurz darauf findet ein Turnier statt, dessen Sieger einen Kuss von Lady Guinevere erhält. Lancelot gewinnt das Turnier. "Bitte mich um den Kuss", sagt er. Aber Guinevere weigert sich, ihn zu bitten. Der Kuss findet nicht statt. Die zweite "Ernte" des Motivs erfolgt gegen Ende der Geschichte. Lancelot hat beschlossen, Guinevere zu verlassen, weil er sie nicht haben kann. Da sagt die Lady, Bezug nehmend auf das Turnier: "Lancelot, ich schulde Euch noch einen Kuss." Der Kuss erfolgt, und prompt werden die beiden von König Artus erwischt und zum Tode verurteilt. Das Motiv des Kusses durchzieht die Geschichte und verleiht ihr Dichte und Struktur.
Im Film "Pretty Woman" spielt ebenfalls ein Kuss eine Rolle im emotionalen Planting. Zu Anfang der Geschichte sagt die Prostituierte Vivian zu ihrem Freier: "Ich küsse dich nicht auf den Mund." Am Ende der Geschichte küsst sie ihn auf den Mund, und wir wissen, ohne Worte, dass sie ihn nun liebt. Wenn du Romane und Filme auf das Planting hin untersuchst, wirst du es überall entdecken.
..... Übung ..... Geh deinen Text durch, und schau, ob du Handlungen, Textzeilen, Ereignisse, Symbole, Orte, Gegenstände findest, die du in Varianten einweben kannst und mit deren Hilfe du eine in sich abgeschlossene Welt schaffen kannst. Das gibt dem Leser das Gefühl, sich auszukennen. Er lernt die Gesetzmäßigkeiten der Geschichte kennen und kann die Ereignisse emotional bewerten.
Show don‚t tell - mit Hilfe von Planting
Zeigen statt behaupten (show, don‚t tell) ist ein Grundprinzip des fiktionalen Erzählens. Das Planting hilft dir dabei. Besonders wenn du es mit Motiven zu tun hast, die eine aufwendige Erklärung erfordern. Du brauchst für die Auflösung deiner Geschichte einen Elch - die Geschichte spielt in Berlin. Anstatt Erklärungen an den Haaren herbeizuziehen wie "Der Elch ist aus dem Zoo entflohen", lass dir etwas Originelles einfallen! Plante am Anfang der Geschichte einen Nachbarn, der im Elchtierschutz tätig ist. Zu diesem Zeitpunkt der Geschichte hält der Leser den Nachbarn lediglich für eine originelle Figur. Am Ende, wenn die todkranke Tochter der Hauptfigur nur durch den Anblick eines Elches ihren Lebensmut wiederfinden kann, kommt dieser Nachbar zum Einsatz. Du kannst eine schöne Szene mit dem Nachbarn und einem Elch schreiben (show, don‚t tell!), die glaubwürdig wirkt, weil Nachbar und Elch geplantet sind. Hättest du den Nachbarn nicht eingeführt, würde die Szene gewollt wirken. Wann immer du über deine Geschichte zu hören kriegst: "Sie wirkt konstruiert", kannst du davon ausgehen, dass dein Planting verbesserungsfähig ist.
Geschichten sind Konstruktionen. Die Kunst besteht darin, sie so gut zu konstruieren, dass es ganz natürlich wirkt.
..... Übung ..... Lies deine Geschichte durch, und untersuch sie auf unglaubwürdige Motive oder Lücken in der Motivierung. Tauchen Figuren auf oder finden Ereignisse statt, die wie aus heiterem Himmel wirken? Dann hast du es mit einem sogenannten "Deus ex machina" zu tun. Schon der älteste Dramentheoretiker unserer Zivilisation, Aristoteles, hat davor gewarnt. Deus ex machina (der Gott aus der Maschine) ist ein Gott, der vom Theaterhimmel herabschwebt, um den unlösbaren Knoten, den der Dramatiker geschaffen hat, durch göttliche Intervention zu entwirren. Aristoteles meinte, der Autor solle gefälligst etwas Hirnschmalz auf eine glaubwürdige Auflösung verwenden. Das ist die hohe Aufgabe der Schriftstellerei.
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Ulrike Dietmann, Jg. 61, Autorin mit zahlreichen Veröffentlichungen, Schreibcoach und Betreiberin der Pegasus-Schreibschule in Kirchheim/Teck. 27./28. März 2010 Seminar "Überarbeiten". 10./11. April "Die Heldenreise". Weitere Seminare: www.pegasus- schreibschule.de. LeserInnen von "The Tempest" erhalten 10% Ermäßigung, wenn sie bei der Anmeldung die Frage beantworten: Welcher übersinnliche Thriller ist ein hervorragendes Beispiel für Planting?
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"Drei Seiten für ein Exposé" besprochen von Ramona und Thomas Roth-Berghofer
"Liebe Frau X. (oder lieber Herr Y), vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Manuskriptangebot. Bitte schicken Sie uns Ihr Exposé per E-Mail zu. Wir sind gespannt auf Ihr Exposé und freuen uns, von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen, Literaturagentur Z."
Eine Rückmail, die das Herz eines jeden Autors augenblicklich höher schlagen lässt, bis einem ein Dutzend Atemzüge später siedendheiß klar wird, dass das Wort Exposé gleich zweimal in der kurzen Rückmail der Agentur auftaucht, also bei der Bewerbung nun genau jenes Dingensbummens angefordert wird, dessen Name man am liebsten weder aussprechen noch hören will.
Gehört man nun zu jenen Autorinnen und Autoren, die Autorenratgeber verschlingen wie andere Menschen Currywurst, wird man nach dem ersten Schock zum Zweimeter-Ratgeber-Regal schreiten, in diversen Stichwortverzeichnissen nach dem Dingensbummens-Wort suchen und in etwa finden: Ein Exposé sollte einen Umfang zwischen 2-3 Normseiten haben, sich lückenlos auf die Haupthandlung konzentrieren und auch noch gehörig Schwung in die Bude bringen. Tröstend wird manchmal noch hinzugefügt, dass eigentlich kaum ein Autor weiß, wie so ein Exposé in seiner literarischen Form letztendlich aussieht.
"Drei Seiten für ein Exposé" hat diesem Schreckgespenst nun den Zahn gezogen. Anhand von fünfzehn Beispiel-Exposés zeigt uns Hans Peter Röntgen - der für uns bereits mit analytischem Feingefühl einige Exposés im Tempest unter die Lupe genommen hat -, wie wir ein Exposé schreiben, verbessern und mit seiner Hilfe auch noch das Beste aus unserem Romanprojekt herausholen können. Sechs Profi-Exposés, die zu einem Verlagsvertrag geführt haben, offenbaren uns außerdem, was ein gelungenes Exposé von einem schwachen unterscheidet. Darüber hinaus hat Hans Peter Röntgen sieben renommierten LiteraturagentInnen auf den Zahn gefühlt und für uns herausgefunden, wie diese sich die Bewerbungsunterlagen eines Autors wünschen (Anschreiben, Exposé, Textprobe, Autorenvita). Zusätzlich gibt es noch ein Lexikon der Fachbegriffe, ein Literaturverzeichnis zum Thema und etliche hilfreiche Links über Autorenforen, Autoren oder Zeitschriften und Newsletter.
Um es auf den Punkt zu bringen: "Drei Seiten für ein Exposé" ist ein unbedingtes Muss und sollte in keiner Autorenratgeber-Bibliothek fehlen.
Hans Peter Roentgen: "Drei Seiten für ein Exposé - Schreibratgeber", 2010, 202 Seiten, 12,90 EUR, Sieben-Verlag
********************************************************************* SPANNUNG, DER UNTERLEIB DER LITERATUR: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
Was macht Romane spannend, und vor allem: Was macht sie langweilig? Wer Szenen hat, die sie oder er für spannend hält, oder Szenen, bei denen autor sich nicht sicher ist, oder solche, die eigentlich spannender gestaltet sein sollten, doch die Frage ist: Wie? - wer solche Szenen hat, kann sie mir schicken.
Ich werde einige daraus auswählen, die ich im Tempest bespreche. Ist es spannend, wie könnte man es spannender machen, was stört die Spannung?, das werden bei der Besprechung die Leitfragen sein.
Texte, die die folgenden Voraussetzungen nicht erfüllen, werden nicht besprochen!
1. Die Szenen müssen entweder Dialog-, Action- oder Info-Szenen sein. Also Szenen, deren tragendes Element ein Dialog ist (der sich natürlich zuspitzen sollte), oder Action oder Information (ganz schwierig, aber manchmal nötig).
2. Infoszenen sind solche, die dem Leser Wissen vermitteln. Über ein Volk, eine Welt, eine bestimmte Technik oder Medizin. Meist sind solche Szenen langweilig. Spannend werden sie, wenn die Informationen in Bewegung kommen.
3. Nicht mehr als 7.000 Anschläge, also etwa vier Normseiten, darf der Umfang der Szene betragen. Dazu zählt auch der Vorspann. Da die Szenen aus beliebigen Stellen eurer Manuskripte stammen dürfen, müsst ihr eventuell die Vorgeschichte der Szene erklären. Diese Erklärung darf 400 Anschläge nicht überschreiten!
4. Schickt eure Szenen als RTF-Datei, als Anhang der Mail, und zwar an: - Dialogszenen: dialog(at)textkraft.de - Actionszenen: action(at)textkraft.de - Informationszenen: information(at)textkraft.de ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Eine Actionszene
Sarahs Aufschrei zerschnitt das Gespräch. Im selben Moment sah er den dunkelhaarigen Gangster, der plötzlich neben dem Mazda emporgeschnellt war. Das Messer blitzte in seiner Hand. "Sie sind hier! Wir brauchen Hilfe!", schrie er in das Handy. Der Dunkelhaarige machte einen Schritt auf sie zu. Einen Moment standen sie wie gelähmt. "Willkommen!", rief er höhnisch in seinem Englisch mit dem harten Akzent. "Wir wollen noch ein bisschen Spaß mit euch, bevor ihr sterben müsst." Ben erwachte aus seinem Trancezustand. "Renn!" Er drehte sich zu Sarah um und packte ihr Handgelenk. In diesem Augenblick zischte etwas an seiner Schulter vorbei. In dem Baum, den er eben noch mit seinem Körper verdeckt hatte, steckte zitternd das Messer des Dunkelhaarigen. Er stieß Sarah den Pfad hinunter, griff gleichzeitig schräg hinter sich, um das Messer aus dem Holz zu ziehen, doch es steckte zu fest, als dass er es aus diesem Winkel hätte losreißen können. Er fragte sich, wo der andere steckte. Egal, sie mussten hier weg. Wenn sie die österreichische Gruppe erreichten, wären sie sicher. Sie liefen und sprangen den abschüssigen Hang hinunter, gerieten immer wieder ins Rutschen, fingen sich ab, rannten weiter, rutschten und schlitterten. Zweige peitschten ihnen über die Arme und ins Gesicht. Hinter sich hörten sie ihren Verfolger - oder alle beide, sie wussten es nicht, sie wagten nicht, sich umzudrehen. Ben konnte schon die Gabelung erkennen, an der der Weg zu dem anderen Parkplatz abzweigte. Als sie gerade die Gabelung erreicht hatten, hörte er seitlich im Wald einen Lärm, als poltere eine Lawine abwärts. Er blickte hin und sah den Blonden, der über das letzte steile, fast senkrechte Stück rollte und auf dem anderen Pfad wenige Meter vor ihnen zum Halten kam, aufsprang und ihnen den Weg abschnitt. Der Blonde sprang vorwärts, packte Sarah am Arm, seine andere Hand fuhr zu seiner Hosentasche, wo er sicherlich sein Messer verstaut hatte. Sarah, die immer noch Karls Packsack in der Hand hielt, holte damit aus und schleuderte ihn dem Gangster mit einem Aufschrei ins Gesicht. Er stieß einen Fluch aus - zumindest hörte es sich so an - und ließ Sarah los, taumelte zurück und hielt sich die Hand vors Gesicht. Ben sah Blut aus seiner Nase schießen. Den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken, sich den Weg, den der Blonde verstellte, freizukämpfen, ihm seine Faust ins Gesicht zu rammen, das Adrenalin, das durch seine Adern pumpte, in pure Aggression umzuwandeln. Doch schon fuhr die Hand aus der Hosentasche, die Messerklinge schnappte mit einem metallischen Klicken hervor. Von oben rieselten Steinchen und Humusstücke den Hang herab, von dem anderen losgetreten, der nun wieder bedrohlich nahe war. Sie wandten sich um, in die einzige Richtung, die ihnen blieb, zum Flussufer hin, jagten über den schmalen Pfad, der hier wenigstens halbwegs eben war. Doch bald erreichten sie den Uferbereich mit seinen unregelmäßigen Felsblöcken, die das Fortkommen erschwerten. Sie sprangen von Stein zu Stein, kämpften wieder und wieder um ihr Gleichgewicht, stolperten, fingen sich wieder, hasteten weiter, keuchend, atemlos. Er spürte die Verfolger im Nacken, auch wenn er ihre Schritte jetzt über dem Rauschen des Flusses nicht mehr hören konnte. Ein Stein war in seine Sandale gerutscht und bohrte sich mit jedem Schritt schmerzhaft in seine Sohle. Er biss die Zähne zusammen. Weiter, weiter ... Kurz bevor sie das Ende der Uferzone erreichten, wo sich der steile Hang hinauf zum Plateau der Klamm erhob, rutschte Sarah von einer Steinkante ab, verlor das Gleichgewicht und schlug hin. Sie blieb keuchend liegen, schluchzte: "Ich ... kannnich ... mehr ... Geh ... allein ..." Er packte sie grob am Oberarm, zerrte sie wieder auf die Füße und schubste sie vorwärts. Ein Blick zurück zeigte ihm, dass sie etwas Abstand zu den Gangstern gewonnen hatten. Ein Abstand, der schnell wieder dahin sein würde. "Kommt nicht ... in Frage ... los ... weiter", stieß er zwischen heftigen Atemzügen hervor. Sie begannen, den Hang hochzuklettern, zogen sich von Stein zu Stein, von Ast zu Ast empor, rutschten auf Händen und Knien, stolperten einige Schritte aufwärts. Die Steigung bremste ihr Tempo, die Verfolger, die noch unten auf der Flussebene waren, holten wieder auf. Ben blickte über die Schulter, gerade rechtzeitig, um zu sehen, dass der Dunkelhaarige den Arm mit dem Messer erhoben hatte, um es nach ihnen zu schleudern. Im nächsten Augenblick verließ es mit einem scharfen Aufblitzen seine Hand. Ben warf sich auf Sarah und mit ihr zur Seite. Klirrend sprang das Messer gegen einen Stein neben ihnen und rutschte wieder hangabwärts, außerhalb Bens Reichweite. Der Typ war ein verdammt guter Schütze. Der Vorfall hatte ihren Vorsprung weiter verringert, der Blonde begann schon, den Hang zu erklimmen. Ben sprang auf, riss Sarah auf die Füße und zerrte sie die Steigung hoch. Sie wimmerte leise, ihre Bewegungen waren mechanisch, sie war an der Grenze ihrer Kräfte. "Die Höhle!", keuchte er in ihr Ohr. "Wir müssen versuchen, in die Höhle zu kommen." Sie nickte, ließ sich weiter antreiben. Als sie fast oben an der Kante waren, wackelte ein Stein unter seinem Tritt und brachte ihn auf eine Idee. Er drehte sich um, trat kräftig gegen den Stein, einmal, zweimal, dann löste er sich und polterte mit einer kleinen Gerölllawine nach unten, direkt auf ihre Verfolger zu. Er hörte die wütenden Schreie, wartete nicht ab, um zu sehen, was geschah, sondern drehte sich um und rannte weiter, Sarah mit sich ziehend. Noch wenige Schritte auf dem ebenen Plateau, dann hatten sie den Strauch erreicht, der den kleinen Einschnitt verbarg. Er stieß Sarah hindurch, drehte sich um. Von den Gangstern war noch nichts zu sehen. Er bückte sich, nahm einen flachen Stein auf und schleuderte ihn in Richtung der Hängebrücke. Der Stein traf das Metallseil, das als Geländer gespannt war und brachte es wie eine Saite zum Schwingen. Wenn die Gangster das hörten, würden sie hoffentlich annehmen, sie seien über die Brücke auf die andere Seite geflüchtet. Er glitt so vorsichtig wie möglich durch den Strauch, um keine Zweige abzubrechen und damit ihre Spur zu verraten. Sarah lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden der kleinen Höhle, zusammengerollt auf der Seite, die verschrammten Arme um den Bauch geschlungen. Er sah unter dem nass geschwitzten Top das heftige Auf und Ab ihrer Rippenbögen, das die Luft in ihre Lungen und wieder heraus pumpte. Ihr Kopf war hochrot, die Locken klebten in feuchten Strähnen an ihren Wangen. Er ließ sich am Eingang auf den Boden fallen, bemühte sich, seinen eigenen Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Seine Hand zitterte, als sie in seine Hosentasche glitt und das Messer hervor zog, das er als Werkzeug immer mit sich führte. Ein Druck auf den Arretierungsknopf ließ es aufspringen. Er dachte nicht darüber nach, ob er es tatsächlich einsetzen könnte. Das Messer des Dunkelhaarigen, das haarscharf an seiner Schulter vorbei geschwirrt war, hatte ihn begreifen lassen, dass die beiden es ernst meinten. In seinen Ohren rauschte es, sein Herz trommelte so heftig gegen seine Rippen, dass es fast schmerzte. Er lauschte auf die Schritte der Gangster, doch der Aufruhr in seinem Körper machte es unmöglich, etwas zu hören. Liefen sie über die Brücke oder folgten sie dem Pfad auf dieser Seite der Klamm? ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Lektorat von Hans Peter Roentgen
Actionszenen, das bedeutet Spannung. Action lässt Leser mitgehen, mitfiebern, um den Helden fürchten. Kein Wunder, dass diese Szenen im Roman wie im Film so beliebt sind.
Aber ist jede Actionszene spannend? Nicht unbedingt, wie die vorliegende Szene beweist. Doch man könnte sie spannender machen. Ein Mann und eine Frau auf der Flucht, verfolgt von zwei Gangstern mit Messern, die ihnen den Weg abschneiden, ihnen auf den Fersen bleiben. Werden die Helden es schaffen? Wie werden sie es schaffen? Das könnte spannend sein.
Wie also könnte man die Spannung der vorliegenden Szene erhöhen?
Lesen Sie sich nochmals die Szene durch, und und überlegen Sie, was Sie stört. An welchen Stellen möchten Sie den Text beiseite legen oder merken Sie, dass Sie über den Text nachdenken, statt der Handlung atemlos zu folgen?
Personenbezeichnungen
Mich stört bereits der "dunkelhaarige Gangster". Gangster ist mittlerweile ein abgegriffener Begriff und nicht sehr geeignet, eine gefährliche Person zu benennen. "Dunkelhaarig" sagt auch nicht viel aus.
Wie könnte man es ändern? Durch einen Namen. Möglichst einen, der nach krimineller Szene klingt. "Türken-Sam" hat einer, der lange Gangster war, seine Biographie genannt. Ein kurzer Name, verbunden mit einer weiteren kennzeichnenden Eigenschaft, ist eine gute Idee. "Scarface" heißt ein Film aus der Gangsterszene, "Narben-Gesicht". Klingt schon sehr viel aussagekräftiger als "dunkelhaariger Gangster". Wobei "dunkelhaarig" nicht nur wenig sagt, sondern obendrein ein langes Wort ist.
Nähe zum Helden
In Actionszenen sollte man dem Helden und seinen Gefühlen folgen können. Dazu muss man ihnen nahe sein. Möglichst nahe.
Zählen Sie mal, wie oft im Text steht: "er fragte sich", "Ben sah", "er sah", "er dachte" "er spielte mit dem Gedanken". Solche Formulierungen bauen eine Distanz auf, weil sie die Personen von außen betrachten, statt den Leser mitgehen zu lassen. Selbst in ruhigen Textpassagen sollte man sie sparsam verwenden, in Actionszenen sind sie tödlich.
"Er fragte sich, wo der andere steckte." Das geht schneller, direkter: "Wo steckte der andere?"
Atemlose Kürze
Kürzer ist es auch. So wie die beiden Helden atemlos fliehen, so sollte der Text auch atemlos erzählen. Abgehakt, ohne längere Erklärungen. Wenn jemand was sagt, dann kurz.
"Kommt nicht ... in Frage ... los, weiter", das ist schon ziemlich lang. Was würde Ben in dieser Situation sagen? "Kommt nicht ...in Frage", und er zieht sie hoch? Oder: "Los, weiter", und er zieht sie hoch? Hier ist der Autor gefragt, der seinen Protagonisten kennen muss und weiß, zu welcher der beiden Formulierungen Ben greifen würde.
Unnötige Erklärung
Auch Erklärungen, vor allem solche, die sich aus der Handlung ergeben, sollte man sich sparen. "Sarah, die immer noch Karls Packsack in der Hand hielt, holte damit aus und schleuderte ihn dem Gangster mit einem Aufschrei ins Gesicht." Wenn sie ihm den Packsack direkt ins Gesicht schleudert, braucht man nicht zu betonen, dass sie ihn in der Hand hält: "Sarah schleuderte Türken-Sam den Packsack ins Gesicht." Punkt und Schluss, eine schnelle Reaktion, ein schneller Satz. Und "Ben sah Blut aus der Nase schießen", bringt den Leser wieder in Distanz zu Ben und ist außerdem unnötig, denn wer zum Teufel soll es sonst sehen? Also: "Blut schoss ihm aus der Nase."
"Von oben rieselten Steinchen und Humusstücke den Hang herab, von dem anderen losgetreten, der nun wieder bedrohlich nahe war." Hier wird uns erklärt, dass der andere die Steinchen lostritt und dass er außerdem nahe ist. Wozu? "Von oben rutschten Steinchen und Erde den Hang herab", das reicht. Da weiß jeder Leser, dass von oben Gefahr droht. Und statt dem betulichen "rieselten" sollte man ein kräftigeres Verb wählen.
Wie sähe eine Version aus, die auf "er sah" und Ähnliches verzichtet, ebenso auf Erklärungen? Ich versuche es mal:
"Sarahs Aufschrei unterbrach seinen Satz. Neben dem Mazda schnellte Türken-Sam empor. Ben ließ vor Schreck das Handy fallen. Türken-Sam grinste. "Welcome!", begrüßte er sie. Ben erwachte aus seinem Trancezustand. Er packte Sarahs Handgelenk. "Renn!" Etwas zischte an seiner Schulter vorbei. Im Baum neben ihm steckte zitternd ein Messer. Ben stieß Sarah den Pfad hinunter, griff schräg hinter sich, doch das Messer steckte fest im Holz. Wo war Silberhaar? Egal, sie mussten die Österreicher finden, sprangen den abschüssigen Hang hinunter, rutschten, fingen sich wieder, sprangen weiter, rutschten und schlitterten. Zweige peitschten ihnen über die Arme und ins Gesicht. Hinter ihnen polterte Türken-Sam den Hang hinunter. Da vorne, die Gabelung zum Parkplatz! Gleich waren sie in Sicherheit! Seitlich im Wald krachte es, als wäre ein Wildschwein ausgerutscht. Silberhaar rollte auf den Pfad sprang auf und griff nach Sarah. Die schleuderte ihm den Packsack mit einem Aufschrei ins Gesicht. Gut gemacht! Silberhaar stieß einen Fluch aus - zumindest hörte es sich so an -, ließ sie los und taumelte zurück. Blut schoss aus seiner Nase. Wenn Ben ihm seine Faust ins Gesicht rammte, wären sie frei. Aber er zögerte zu lange. Silberhaar hatte sich wieder gefangen und ließ das Messer mit einem metallischen Klicken aufspringen. Von oben rutschten Steinchen und Erde den Hang herab. Die einzige Richtung, die ihnen blieb, war die zum Fluss."
Legen Sie einmal beide Fassungen nebeneinander. Fällt ihnen sonst noch etwas auf, was ich geändert habe? Ich habe an einigen Stellen kürzere Worte gewählt. "Fluss" statt "Flussufer". Gerade in Actionszenen wirken lange Wörter auch langwierig, betulich.
Eine Übung
Jetzt sind Sie dran. Ich habe die erste Hälfte korrigiert, Sie sollten das Gleiche mit der zweiten Hälfte tun. Die erste Fassung einer Actionszene ist oft viel zu behäbig, das passiert selbst alten Hasen. Folglich sollte jeder Autor wissen, wie man mehr Tempo in den Text bringt. Und da hilft nur üben, üben, üben. Ein guter Messerwerfer wird man schließlich auch nicht über Nacht.
Wenn Sie damit fertig sind, legen Sie die beiden Versionen noch einmal nebeneinander. Gefällt Ihnen Ihre neue Version? Oder müsste man nochmals drüber gehen, gibt es immer noch Stellen, die zu wenig Action atmen? Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, Texte müssen oft mehrmals überarbeitet werden.
Glaubwürdigkeit und Zeit
Sind Sie nun mit Ihrer Version zufrieden? Gut. Dann können wir zum nächsten Punkt kommen. Den Messern. Die beiden Gangster haben sie in der Tasche. Und sie werfen damit.
Was folgt daraus? Dass sie mehrere Messer haben müssen, sonst würden sie nicht die einzige Waffe fortwerfen, das wäre zu gefährlich.
Und tragen sie die in der Hosentasche? Wohl eher nicht, da braucht man zu viel Zeit zum Zugreifen. Also, wo finden die beiden ihre Messer? Das muss sich der Autor überlegen. Das muss ratzfatz gehen, die beiden sind Profis und haben keine Zeit, jedes Mal erst in der Tasche herumzukramen.
Wenn wir schon bei Glaubwürdigkeit sind, ist Ihnen in der Originalversion noch etwas aufgefallen?
Das Handy. Im Original wird es nicht mehr erwähnt, aber Ben sagt, dass sie Hilfe brauchen. In meiner Version lässt er das Handy vor Schreck fallen. Denn wenn Ben tatsächlich ins Handy durchgibt, dass die Gangster sie gefunden haben, wird es hier bald vor Polizei wimmeln, die Hubschrauber werden über ihnen kreisen. Erst recht, wenn er das Handy weiter eingeschaltet auf der Flucht mitnimmt. Also habe ich ihm dieses Hilfsmittel aus der Hand genommen.
Gefährlich wird es für die Gangster trotzdem. Sie können nicht wissen, was der Gesprächspartner von Ben nun tun wird. Was Ben ihm erzählt hat. Sie müssen die beiden möglichst schnell erledigen. Für "Wir wollen noch ein bisschen Spaß mit euch" ist jedenfalls keine Zeit.
Was wäre an der korrigierten Version noch zu verbessern? Türken-Sam, den ich genommen habe, weil mir zunächst nichts Besseres einfiel. Aber erstens ist dieser Name durch ein anderes Buch besetzt, zweitens spricht der Gangster mit einem harten Akzent. Eher ein Osteuropäer? Vielleicht Russen-Sam? Oder stören Sie diese allzu bekannten Gangsternamen? Dann denken Sie sich andere aus, sie können auch ganz normale Namen tragen. "Mirko" und "Heiner"? Die Namenswahl hängt vom Stil Ihrer Geschichte ab.
Und ist das mit den Messern wirklich eine gute Idee? Die Gangster sind mit nichts als Messern bewaffnet? Natürlich wäre die Situation für Ben und seine Gefährtin um einiges gefährlicher, wenn die beiden mit Pistolen bewaffnet wären. Ihre Chance, zu entkommen, wäre damit fast Null. Also lässt der Autor den Gangstern nur die Messer?
Keine gute Idee. Denn wenn die Lage für die Helden aussichtslos erscheint, steigert das die Spannung. Und wenn die beiden dann doch entkommen können - und das glaubhaft ist! -, gewinnt die Geschichte dadurch. Oft fällt einem später die eine oder andere Lösung ein, die nicht auf der Hand liegt. Manchmal muss man seiner Geschichte einfach Zeit geben.
Die Gangster nur aus Rücksichtnahme auf Messer zu beschränken, nur weil dann der Autor seine Helden leichter entwischen lassen kann, ist also keine gute Idee. Aber in der Vorgeschichte kann es natürlich Gründe geben, dass die beiden mit Messern - sonst aber nichts - ausgerüstet sind.
Zu guter Letzt: Ist Kürze, atemlos erzählen, hektisch, die einzige Lösung für Action?
Sie ist die einfachste. Aber es gibt auch andere. Manch guter Thrillerautor kann die Zeit dehnen. Quälend langsam verstreichen die Sekundenbruchteile und spannen den Leser auf die Folter. Doch hier will ich nur auf diese zweite Möglichkeit verweisen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Le Carré hervorkramen und einmal versuchen, ob Sie obige Szene in seinem Stil schreiben können. Oder einen anderen Thrillerautor, der dieses Werkzeug, Action langsam zu beschreiben, beherrscht.
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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher "Vier Seiten für ein Halleluja" über Romananfänge und "Drei Seiten für ein Exposé". Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.
********************************************************************* INTERVIEW: --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Entdecken Sie Ihre eigenen Stärken, und nutzen Sie sie!" Interview mit Boris Koch
Er lässt sich nicht so leicht in eine Phantastik-Schublade einordnen, der Schriftsteller Boris Koch, dessen Autorenkarriere wir seit den Anfängen des Tempest verfolgen. 2008 zeichnete ihn das "Syndikat" für seinen Jugendkrimi "Feuer im Blut" mit dem Hansjörg-Martin-Preis aus. Im gleichen Jahr erschienen seine Romane "Der Drachenflüsterer" und "Der Schattenlehrling" bei Heyne. 2009 folgten gleich drei weitere Bücher: die düster-romantische Anthologie "Gothic - Dark Stories" (herausgegeben von Boris Koch), der Roman "Der Königsschlüssel" und das Mystery-Vampir-Highlight "Gebissen". Dabei gelingt es Boris Koch, durch seinen Ideenreichtum und seinen atmosphärischen Stil diesen scheinbar so vertrauten Universen eine Qualität einzuhauchen, die diese Welten zwischen dem biblischen Sodom und dem heutigen Berlin in einem überraschend neuen und düsteren Licht erscheinen lässt. Wir wollten es nicht versäumen, Boris Koch für ein Interview zu gewinnen und haben uns als Aufhänger den im September 2009 erschienenen Roman "Gebissen" ausgewählt.
Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Lieber Boris Koch, was fasziniert Sie so am Vampir-Mythos, dass Sie ihn mit dem Mythos des gefallenen Engels kombiniert und in einem eignen Roman zum Leben erweckt haben?
Boris Koch: Ich wollte von Anfang an zwei gegensätzliche phantastische Pole haben, in deren Mitte der Mensch steckt, und so kam ich auf Engel (die im Roman letztlich zu Nephilim wurden) und Vampire. Bei Engeln denkt man an luftige Höhen, an Fliegen, an Schönheit, Helligkeit, Licht, über freies Assoziieren addierte ich Freiheit (es gab keinen Gott, dem meine Engel Gehorsam schuldeten, bei den Nephilim ist es ähnlich), ewige Rastlosigkeit, Einzelgängertum und unstillbare Lust, alles über das menschliche Maß hinaus. Bei der Suche nach einem Gegensatz war ich schnell bei Vampiren, beim Bluttrinken (also dem Töten, um zu überleben) und der Gebundenheit an Heimaterde. Dieser Aspekt des Vampirmythos war für mich plötzlich zum Kern geworden, das Dunkle, das an einen Ort gebunden war. Ich dachte an in der Erde versickerndes Blut, das das Monster in der Tiefe nährt, denn mich hat stets mehr das Monströse am Vampir interessiert als das Romantische. Zum Durst nach Blut gesellte sich Durst nach Rache.
RRB/TRB: Sind Sie mehr ein intuitiver Autor, oder planen Sie jedes Detail im Voraus?
BK: Wohl eher intuitiv. Ich muss im Voraus den Kern der Geschichte kennen, was hinter der Geschichte steht, wo die Figuren herkommen, den Tonfall des Erzählens und das Ziel, auf das alles zustrebt, das ungefähre Ende der Geschichte. Welche Wege letztlich dorthin führen, das ergibt sich beim Schreiben: ein Schlenker hier in der Handlung, eine neue Nebenfigur da, während eine alte verschwindet, usw. Wenn ich das alles schon vorher wüsste, dann würde mich das Schreiben zu sehr langweilen, und ich würde eh vom vorgegebenen Plan abweichen.
Ein wenig anders war es bei den beiden Krimis, da brauchte ich mehr Planung, wie ich die Hinweise auf die Lösung des jeweiligen Falls platzierte. Doch bei der integrierten Liebesgeschichte habe ich mich wieder auf Intuition verlassen, wie auch bei bestimmten anderen Szenen.
RRB/TRB: Wie sah Ihre Recherchearbeit für "Gebissen" aus?
BK: Die Recherchearbeit hat sich eher auf Dinge wie das unterirdische Berlin ("Die Stadt unter der Stadt" von Niko Rollmann und Eberhard Elfert, Dokumentarfilme und weiteres), Sachbücher wie Hans Richard Brittnachers "Ästhetik des Horrors" und die Lektüre von Bibelstellen und diversen antiken Mythen erstreckt, das bewusste Aufsuchen bestimmter Clubs oder anderer Orte in Berlin. Im Netz gab es eine Webcam, die einen im Bau befindlichen U-Bahn-Tunnel zeigte. Das mag spannend klingen, doch war die Kamera an dem Ende der Röhre angebracht, das bereits fertiggestellt war, es hat sich also überhaupt nichts getan.
Bei der Prosa habe ich extra noch mal die ersten 100 Seiten von "Dracula" gelesen, einfach weil der Roman zu den Anfängen der Vampirliteratur gehört; John Polidoris "Der Vampir" hatte ich kurz zuvor sowieso gehört. Da ich seit gut 20 Jahren viel dunkle Phantastik lese und Filme gucke, war das für mich keine besondere Recherche für "Gebissen" ...
Ansonsten lese ich gern auch bewusst anderes, während ich an einem Projekt arbeite, um nicht vollkommen in das Fahrwasser eines Genres zu geraten.
RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Lektorat des Heyne-Verlags?
BK: Mein Roman wurde von Catherine Beck betreut, einer externen Lektorin, mit der ich schon oft zusammengearbeitet habe, auch über die verschiedenen Verlage hinweg, von Fantasy Productions über Beltz & Gelberg zu Heyne. Die Zusammenarbeit klappt wunderbar, sie weiß, worauf ich mit meinen Büchern hinaus will und welche Macken ich habe. Sie nimmt sich Zeit, um Dinge mit mir durchzusprechen, hat ähnliche Vorstellungen von Literatur, doch wir haben genug Unterschiede, um uns in Diskussionen auch zu reiben. Es ist ein tolles Vertrauensverhältnis, und das ist das Beste, was einem als Autor passieren kann.
RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des Buchcovers oder den Klappentext?
BK: Der Buchtitel ist von mir, den habe ich seit Jahren mit mir herumgetragen, nur keine Zeit für das Buch dazu gehabt ... Ein Verb im Passiv, in dem animalische Aggression mitschwingt, das Gefühl, ausgeliefert zu sein, und die Vorstellung von Narben. Es umfasst den Kern des Romans - oder einen der Kerne -, in dem es um die Folgen eines alten Bisses geht.
Nicht ganz glücklich bin ich mit der Nähe zu den "Bis(s)"-Büchern, die möglicherweise falsche Erwartungen weckt, zumal es hier wie da um Vampire geht. Doch Meyers Bücher und meines gehen in völlig unterschiedliche Richtungen. Aber daran hatte ich einfach nicht gedacht, völlig betriebsblind, obwohl ihre Bücher ja überall herumlagen. Wie auch immer, der Verlag war von dem Buchtitel angetan und hat ihn einfach übernommen; bei anderen Titeln haben wir schon mal länger hin und her überlegt ...
Buchcover und Klappentext hat letztlich der Verlag entschieden, mich jedoch mit einbezogen. Beim Cover gab es erst einen anderen Entwurf, der jedoch stark nach "Romance" aussah, was nicht so gut zum Inhalt passte wie der jetzige Entwurf, mit dem ich wirklich glücklich bin.
RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es Vorbilder oder ein bestimmtes Schlüsselerlebnis?
BK: Kein Schlüsselerlebnis, nein. Ich habe von klein auf gerne gelesen, wollte als Kind aber lieber Fußballprofi werden, als Jugendlicher dann Rockmusiker, hatte für beides aber nicht genug Talent. Irgendwo dazwischen hatte ich auch mal den Traum vom Schatzsucherdasein. Geschrieben habe ich als Teenager ein wenig für mich, aber das war mehr lyrischer Tagebuchersatz, nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Und irgendwann mit 18 oder 19 habe ich dann eine Kurzgeschichte bei einem Wettbewerb eingereicht, einfach so und erfolglos, und dann eine an Jörg Kleudgen geschickt, der damals den Kleinverlag Goblin Press gegründet hatte. Er hat sie tatsächlich genommen, und sie ist 1993 in der Anthologie "Der Alp" erschienen. Und so habe ich weitergeschrieben, anfangs wenige Geschichten im Jahr, dann immer mehr. Heute würde ich auch nichts anderes machen wollen, nur mal richtig mit einer Band touren statt allein zu einer Lesung zu fahren, das vermisse ich doch ...
RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Gebissen" gearbeitet?
BK: Schwer zu sagen, es lief eine ganze Weile nebenher mit, ich arbeite immer wieder mal parallel an verschiedenen Projekten. Nachdem ich "Die Anderen" fertiggestellt hatte, habe ich im Oktober 2007 mit Heyne über das "Gebissen"-Konzept gesprochen, mir erste Gedanken dazu gemacht, ältere Notizen eingearbeitet und an der Geschichte gebastelt. Dann habe ich jedoch zuerst den "Drachenflüsterer" und "300 kByte Angst" geschrieben, anschließend wieder an "Gebissen" weitergearbeitet, dann dem "Königsschlüssel", den ich Jahre zuvor mit Kathleen Weise begonnen hatte, den letzten Schliff verpasst, und mich dann endgültig für mehrere Monate auf "Gebissen" konzentriert, für wie viele genau, kann ich rückblickend nicht mehr sagen. Begleitet hat mich das Projekt auf diese Weise gut zwei Jahre, die ersten darin verarbeiteten Ideen sind jedoch noch um einiges älter.
RRB/TRB: Welchen Einfluss hat Ihre berufliche Tätigkeit auf Ihr Romanschreiben? Wie sieht Ihr Alltag als Autor aus?
BK: Da ich hauptberuflich Autor bin, verbringe ich die meiste Zeit mit Schreiben oder Konzipieren, beginne damit an einem idealen Tag auch gleich nach dem (späten) Frühstück und schreibe bis zum frühen Abend. Danach kümmere ich mich dann um die anfallende Korrespondenz und die Website, informiere mich über Buchrelevantes wie Lesungsmöglichkeiten oder diverse Nachrichten, erledige Redaktionstätigkeiten für das Magazin Mephisto oder lese einfach. An manchen Tagen jobbe ich auch in der Berliner Otherland Buchhandlung, an anderen bin ich für Lesungen unterwegs oder auf Messen. Dieses Ausbrechen aus dem Schreiballtag ist eminent wichtig, um nicht ganz im eigenen Kopf zu versauern.
RRB/TRB: Sie werden von der Literaturagentur "Partner & Propaganda" vertreten. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrer Literaturagentur aus?
BK: Die Zusammenarbeit läuft jetzt etwa ein Dreivierteljahr, und es passt sehr gut. Wie für eine Agentur üblich, hat sie für mich die Vertragsverhandlungen neuer Projekte übernommen, kümmert sich aber auch um PR und teilweise um Lesungstermine.
Das Schöne dabei ist aber auch - dafür habe ich einfach ein Faible -, dass wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen und auf den ersten Blick eigentlich gar nicht zusammenpassen dürften. Schwerpunkt der Agentur sind "post-jugoslawische" Autoren wie Edo Popovic oder Roman Simic, aber auch zeitgenössische deutsche "abseits von Fräuleinwunder und Pop-Literatur", wie es auf der Website heißt; keine Phantastik, keine Jugendbücher außer mir. Da es aber trotzdem passt zwischen uns, ergibt das eine kreative und spannende Zusammenarbeit, allein durch Gespräche über zukünftige Projekte. Die Agentin Christine Koschmieder hat einfach eine andere Herangehensweise und Sichtweise auf Texte und schärft somit meinen Blick auch für Neues. Zudem weiß man ja nie, was man in Zukunft noch alles schreibt ...
RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Autor aus?
BK: Dass man das, was ihn ausmacht, nicht in einer so allgemeingültigen Antwort wiedergeben kann. Der eine begeistert mich mit seiner Wut, der andere mit sprachlicher Raffinesse, der nächste mit einer besonders verschachtelten Geschichte, mitreißendem Humor oder auch tiefster Melancholie, mit scharfsinniger Beobachtungsgabe, leidenschaftlichem Engagement oder zu Sätzen komprimierter Angst.
RRB/TRB: Gibt es irgendein Genre, das Sie als Autor neben der Phantastik noch reizen würde?
BK: Kurz gesagt: alle ... Ganz im Ernst, es gibt so viele Geschichten, die mich reizen, die ich gerne noch erzählen würde, die fallen nicht alle in die Phantastik. Jugendkrimis habe ich ja bereits geschrieben, aber auch Gesetzesübertretungen im Erwachsenenbereich würden mich schreiberisch reizen.
Was treibt einen Menschen zu einem Verbrechen, und wie sanktioniert die Gesellschaft diese Tat? Moral, Recht, Rache, Strafe, das sind spannende Themenbereiche. Auch einfach ein Roman über die Realität, die uns umgibt, wäre reizvoll. Es gibt tolle historische Stoffe für spannende Abenteuergeschichten oder die Auseinandersetzung mit zentralen menschlichen Fragen. Oder einfach ein Western, als Kind habe ich Western geliebt, das ist großartiger Stoff. Dort kann man die Frage von Unterdrückung und Eroberung bearbeiten, aber auch menschliches Zusammenleben beobachten, wenn es in einem (fast) rechtsfreien Raum stattfindet. Der Irrsinn des Goldrauschs in Alaska, was für ein Hintergrund für eine Geschichte!
RRB/TRB: Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?
BK: Ja, als Nächstes erscheint "Der Schwur der Geächteten", die Fortsetzung von "Der Drachenflüsterer", aber bereits im März, kurz vor der Leipziger Buchmesse. Ebenso zur Messe erscheint die Anthologie "Gothic - darker stories", die zweite von mir herausgegebene Sammlung mit dunklen phantastischen Erzählungen für Jugendliche.
Wie es dann weitergeht, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen, und solange nichts konkret unterschrieben ist, möchte ich noch nicht darüber reden. Auf jeden Fall steht demnächst auch wieder eine Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem "StirnhirnhinterZimmer" an. Das StirnhirnhinterZimmer ist eine Berliner Lesereihe, bei der Markolf Hoffmann, Christian von Aster und ich seit fünf Jahren jeden Monat phantastische und häufig groteske Geschichten zum Besten geben. Es wird Zeit, mal wieder ein Buch daraus zu machen, aber auch da steht noch nicht fest, wann es genau erscheint.
RRB/TRB: Welchen Roman (welche Zeitschrift, Kurzgeschichte, Sachbuch ...) lesen Sie gerade? Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
BK: Schwer zu sagen, was mich am stärksten beeindruckt hat, aber ich habe einiges gelesen, das mir sehr gefallen hat, oder bin gerade dabei, es zu lesen. Wie jeden Monat liegt das Fußballmagazin "11 Freunde" als Lektüre im Bad, und ich habe wieder festgestellt, was für ein phantastischer Sportjournalist Ronald Reng ist, dessen "Der Traumhüter" wohl zu den besten Fußballbüchern überhaupt gehört (neben "Fever Pitch", Jorge Valdanos Essays "Über Fußball" und einigen anderen). Nebenbei blättere ich in der ein oder anderen Musikzeitschrift und lese mich Stück für Stück durch die vierte Ausgabe des ausgezeichneten Phantastikmagazins "Pandora".
Bei den Romanen habe ich eben mit "Scharfe Zähne" von Toby Barlow begonnen (und bin nach 50 Seiten verdammt begeistert, wie Barlow sich inhaltlich und formal mit Werwölfen auseinandersetzt, mit männlichem Rudelverhalten und anderem), bei den Sachbüchern ist es im Moment "McMafia ? Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens" von Misha Glenny, und an Comics beziehungsweise "Bildergeschichten" habe ich Shaun Tans famosen "Die Fundsache" hinter mir (der Mann hat eine phänomenale Phantasie, skurril und zutiefst menschlich, auch in seinen Kurzgeschichten "Geschichten aus der Vorstadt des Universums" und dem anrührenden Comic "Ein neues Land", der ohne Worte auskommt) und stecke mitten in dem grandiosen Fantasy-Comic "Alim der Gerber" von Wilfried Lupano und Virginie Augustin. Und als Nächstes freue ich mich auf "Sie schläft" von Dietmar Dath und "Angriff auf die Freiheit" von Ilija Trojanow und Juli Zeh.
RRB/TRB: Hätten Sie noch einen Rat für angehende Autoren und Autorinnen?
BK: Kurz und knapp: Hören Sie nicht auf Ratschläge, die einen allgemeingültigen Anspruch erheben. Also auch nicht auf diesen hier ... Im Ernst, finden Sie Ihre eigenen Stärken heraus ,und nutzen Sie sie, folgen Sie nicht blind irgendwelchen Ratschlägen. Mir fällt in einem solchen Zusammenhang immer ein, wie mir vor Jahren mal ein Kollege ernsthaft geraten hat, ich solle doch einen Roman aus weiblicher Perspektive schreiben, weil 70 Prozent der Leser Frauen seien, das habe er gerade von der Lektorin eines Publikumsverlags gehört. Ob diese Lektorin das wirklich so gesagt hat, weiß ich nicht.
Nun, grundsätzlich wäre ich - in aller Bescheidenheit - natürlich auch mit 30 Prozent aller Leser sehr zufrieden, es müssen gar nicht 70 Prozent sein ... Zweitens gibt es genug Frauen, die Bücher mit männlichen Protagonisten lesen und umgekehrt. Das Wichtigste aber ist, dass ich mich damals mit einer weiblichen Perspektive über einen ganzen Roman hinweg nicht wohlgefühlt hätte. Inzwischen hat sich das etwas gewandelt, aber damals hätte ich mich mit großer Sicherheit verrannt, mich unsicher durch die Kapitel gequält und etwas wenig Glaubwürdiges zu Papier gebracht. Was helfen mir da potenzielle 70 Prozent Marktanteil, wenn ich diese überhaupt nicht erreiche, weil ich irgendeinen Unsinn vor mich hinschreibe? Von daher: Es ist nicht verkehrt zu wissen, dass 70 Prozent der Leser Frauen sind (auch wenn sich das wahrscheinlich von Statistik zu Statistik und Genre zu Genre unterscheidet), Wissen ist nie verkehrt - doch Schlüsse daraus ziehen, sollte man selbst, oder im gründlichen Gespräch mit Leuten, die einen kennen oder sich auf einen einlassen. Der Buchmarkt ist groß genug für die unterschiedlichsten Bücher und Autoren, die auf unterschiedlichstem Wege ihre Leser erreichen.
RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!
BK: Gern geschehen. Ich danke für Ihr Interesse!
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Arbeitstitel 1. Vorläufiger Titel eines Romans. Einziger Titel, den das Buch mit 100%iger Sicherheit bei Drucklegung nicht haben wird. 2. Von Autoren vorgenommene Benennung ihrer Manuskriptversuche, um anzudeuten, dass auch Schriftstellern Arbeit ist.
Auflage, verramschte Zahlenmäßiger Beleg für das Scheitern des Autors oder des Verlags oder beider.
Autor, guter Armes Schwein, dessen anspruchsvolle und literarisch wertvolle Werke kein Verlag drucken will.
Autor, schlechter Dumme Sau, die verhindert, dass gute Autoren bessere Chancen auf Veröffentlichung haben. Wird aus hygienischen Gründen letztinstanzlich von einem Druckkostenzuschussverlag vom Buchmarkt entfernt.
Autor, veröffentlichter Idol aller unveröffentlichten Autoren. Jammert ständig herum, dass er vom Schreiben allein nicht leben kann.
Autor, unveröffentlichter Ergebnis karitativer Arbeit der Verlage zugunsten der Leser.
.......... aus: Dr. Honeyball Lektor / Stephan Waldscheidt (Hrsg.): "Zehn Gründe, eine Schriftstellerin zu heiraten", Satire, 128 Seiten mit Abbildungen und Cartoons. Mehr dazu: http://www.waldscheidt.de
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Lilienfeld Verlag Pfalzstraße 12 40477 Düsseldorf Telefon: (0211) 41 60 81 87 http://www.lilienfeld-verlag.de
Gegründet wurde der Verlag von Viola Eckelt und Axel von Ernst. Viola Eckelt widmet sich ganz dem Verlag, Axel von Ernst ist auch freier Autor. Es gibt drei freie Mitarbeiter. Die Idee zum Verlag war lange vorhanden, aber ein gemeinsames Buchprojekt der Gründer in einem anderen Verlag wurde zur Initialzündung.
Seit Sommer 2006 existiert der Verlag offiziell als Unternehmen, aber der Aufbau des Vertriebs usw. nahm die erste Zeit in Anspruch, dann erschienen im Spätsommer und Herbst 2007 die ersten Bücher - entgegen den sehr bescheidenen Erwartungen der Verleger gleich mit großer Presseresonanz.
Programm und Philosophie
Was ist mit der Literatur, die vor längerer Zeit "jung" und "neu" war? Was ist mit der anspruchsvollen Literatur der Vergangenheit? Wenn "jung" und "neu" nicht nur zeitgebundene Qualitäten sind, sondern überzeitlich (woran die Verleger glauben), dann hat das vergangene Junge auch uns noch immer etwas zu sagen. Gleich im ersten Programm hatten Eckelt und v. Ernst beispielsweise den Roman "Staub und Sterne" von dem selbst in seiner Heimat Dänemark vergessenen Knud Hjortø - ein sprachlich unglaublicher, unverstaubter Roman über einen verkannten jungen Schriftsteller. Oder der durch das Exil nach 1933 in Vergessenheit geratene Herbert Schlüter (ein Freund Klaus Manns) und dessen Roman über Jugend und Liebe: "Nach fünf Jahren". Oder Donald Windhams "Dog Star", 1950 der Lieblingsroman Thomas Manns, der überall als wunderbarer Ersatz für den "Fänger im Roggen" gefeiert wurde. Oder, oder, oder ...
Ein weiterer Programmteil ist die Zeitgeschichte: Bücher die einen persönlichen, neuen Blick auf eine Zeit oder bestimmte Ereignisse werfen. Zum Beispiel der Auschwitzbericht der französischen Ärztin Sima Vaisman, notiert 8 Tage nach ihrer Rückkehr 1945.
Welche Autoren wurden bisher verlegt?
Dem Profil entsprechend natürlich sehr viele Autoren der Vergangenheit. Zeitgenössische Autoren sind: Paul Kersten (der NDR- Moderator, der bis in die 90er auch als Schriftsteller einen Namen hatte und auf den die Verleger wieder aufmerksam machen wollen), Peter Hein (der "Fehlfarben"-Sänger, von dem kurze Reiseprosa und Songtexte gemacht wurden), Felicia Zeller (eine jüngere Dramatikerin, die für ihr Prosadebüt bei uns den Clemens-Brentano-Preis 2009 bekam) und Donald Windham (der in diesem Sommer in New York 89 Jahre alt wurde).
AutorInnen gesucht?
Interessant für die Verleger sind Hinweise auf Verschollenes und Vergessenes in Archiven, auf ungepflegte Autoren von hoher Qualität, wichtige Werke, die lange nicht aufgelegt wurden, auf fremdsprachige Autoren, die nie ins Deutsche übersetzt wurden usw.
Neue Autoren werden nicht unbedingt gesucht, was leider zu dem tragischen Umstand führt, dass auch gute Manuskripte abgesagt werden müssen.
Konditionen
Die Konditionen sind je nach Projekt unterschiedlich, in jedem Fall erhalten ein Autor oder dessen Erben eine prozentuale Beteiligung am Verkaufspreis oder eine Pauschalsumme.
Was ist besonders wichtig?
Qualität. Eckelt und v. Ernst sind in jeder Hinsicht furchtbare Korinthenkacker, sowohl was Texte als auch was die Herstellung der Bücher angeht. Bei Texten reicht die Objektivität der Beurteilung von Qualität ein ziemliches Stück - aber dann setzt natürlich auch das Subjektive ein. Die Verleger könnten sich nicht mit Büchern befassen, von denen sie nicht ganz persönlich begeistert sind - und verkaufen könnten sie auch nichts anderes.
Zukunftspläne, Perspektiven
Die Verleger machen weiter wie bisher und haben hoffentlich noch einige Überraschungen parat. Ansonsten hängt die Zukunft vom anhaltenden Interesse der Presse und einer weiter wachsenden Leserschaft ab. Da können sie nur mit jedem Programm neu hoffen.
********************************************************************* KÜSS MICH, ICH BIN EIN AUTOR! --------------------------------------------------------------------- (redaktion at team pt autorenforum pt de)
"Paps, kannst du mir mal beim Ausfüllen dieses Schulformulars helfen? Ich weiß nicht, was ich bei ≠Berufe der Eltern' hineinschreiben soll. Mama hat gerade keine Zeit. Sie schreibt."
"Ah", lautet die verärgerte Antwort. "Sie schreibt! Weißt du was? Bei Vater schreibst du ≠Wirtschaftsinformatiker', bei Mutter ≠Frührentnerin'!"
(Franziska Röchter)
********************************************************************* UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN: --------------------------------------------------------------------- Bitte schickt den ExpertInnen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - keine Manuskripte zur Beurteilung.
Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber sofort gelöscht wird.
Drehbuch: Oliver Pautsch drehbuch at experte pt autorenforum pt de Fandom: Thomas Kohlschmidt fandom at experte pt autorenforum pt de Fantasy: Stefanie Bense fantasy at experte pt autorenforum pt de Heftroman: Arndt Ellmer heftroman at experte pt autorenforum pt de Historischer Roman: Titus Müller historischer.roman at experte pt autorenforum pt de Kinder- und Jugendbuch: Michael Borlik kinderbuch at experte pt autorenforum pt de Lesungen: Rüdiger Heins lesungen at experte pt autorenforum pt de Lyrik: Martina Weber lyrik at experte pt autorenforum pt de Sachbuch: Gabi Neumayer sachbuch at experte pt autorenforum pt de Schreibaus- und -fortbildung: Uli Rothfuss fortbildung at experte pt autorenforum pt de Schreibgruppen: Ute Hacker schreibgruppen at experte pt autorenforum pt de Schreibhandwerk: Ute Hacker schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de Sciencefiction: Andreas Eschbach sf-autor at experte pt autorenforum pt de Übersetzung: Barbara Slawig uebersetzerin at experte pt autorenforum pt de Verlagswesen: Bjørn Jagnow verlagswesen at experte pt autorenforum pt de
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ................. Experten-Special: .................
Bjørn Jagnow hat seine über 80 Fragen und Antworten zu den Themen Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung der letzten acht Jahre gesammelt (jetzt inklusive 2007) und stellt sie euch als kostenloses PDF zur Verfügung. Das Tolle daran: Die Fragen sind nun thematisch geordnet, das elektronische Format erlaubt eine schnelle Volltextsuche - und Björn hat außerdem alle Antworten überarbeitet und aktualisiert. Ob ihr Infos sucht zu Ausfallhonorar, Book on demand, Buchpreisbindung, Druckkostenzuschussverlag, Exposé, Honorar, ISBN, Leseprobe, Nebenrechte, Plagiat, Titelschutz, Verlagsgründung, Zitat oder ... Hier werdet ihr fündig: http://nbn- resolving.de/urn:nbn:de:0062-tempest2-4.
********************************************************************* FRAG DEN EXPERTEN FÜR KINDERBUCH: --------------------------------------------------------------------- Michael Borlik (kinderbuch at experte pt autorenforum pt de)
Frage: Sie kennen im Moment niemanden, der vielleicht ein Kinderbuch geschrieben hat und jemanden sucht, der es illustriert?
Antwort: Ich kenne keinen Autor, der einen Illustrator sucht. Tatsächlich ist es in der Regel so, dass der Autor "nur" das Manuskript beim Verlag abliefert. Der Verlag sucht anschließend den Illustrator aus, dessen Stil seiner Meinung nach am besten zur Geschichte passt. Wenn Sie vorwiegend an der Illustration von Büchern interessiert sind, sollten Sie sich mit Ihren Arbeiten direkt an einen Verlag wenden.
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Michael Borlik, 1975 geboren, ist freier Schriftsteller, der bereits über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat. Mehr Infos zu seinen Büchern unter http://www.borlik.de.
********************************************************************* FRAG DIE EXPERTIN FÜR SCHREIBHANDWERK: --------------------------------------------------------------------- Ute Hacker (schreibhandwerk at experte pt autorenforum pt de)
Frage: Ich bin eine extrem langsame Schreiberin. Jeder Satz wird sofort überarbeitet. Mehrfach. Oft brauche ich einen ganzen Vormittag, ehe ich mit einer Seite zufrieden bin. - Zumindest bis zum nächsten Morgen, denn bei jedem erneuten Lesen gerate ich in Versuchung, "es noch besser" zu machen. Rein rational ist mir klar, dass dieses Korrigieren den Text nicht immer verbessert, sondern lediglich verändert, und je nach Laune gefällt mir mal der eine, mal der andere Ausdruck besser. So trete ich viel zu viel auf der Stelle und komme nicht wirklich voran. Am deutlichsten fällt mir dieser falsche Perfektionismus auf, wenn ich relativ unwichtige Texte schreiben will und selbst dabei zu viel Zeit verschwende. Z. B. kommt es vor, dass ich einen Beitrag in einem Forum binnen einer Minute mündlich erledigt hätte, aber da ich schreibe, kann selbst dieser kurze Beitrag eine halbe Stunde meiner kostbaren Zeit fressen. Alle Vorsätze und Versuche, das zu ändern sind bisher gescheitert.
Antwort: Ich hätte da einen Tipp: Vergessen Sie doch beim Schreiben "einfach mal" (ich weiß, es ist nicht einfach, aber auch so etwas kann man üben), also vergessen Sie beim Schreiben, für wen Sie den Text schreiben. Bläuen Sie sich ein: Die erste Version ist nur für mich, und in der ist alles - ALLES!! - erlaubt (auch unfertige, halbgare Sätze). Es bedarf einer gewissen Disziplin - in Ihrem Fall ausnahmsweise mal andersherum als bei den meisten AutorInnen -, aber Disziplin gehört ja eh zum Handwerk.
Nehmen Sie sich fest vor: Heute schreibe ich zwei Seiten ratzfatz runter, und ich korrigiere keinen Satz, bevor nicht die beiden Seiten fertig sind. Es wird Ihnen am Anfang sehr schwer fallen, aber mit der Zeit wird es einfacher. Wenn Sie Skrupel haben, dies mit einem Roman oder einer zur Veröffentlichung gedachten Kurzgeschichte zu tun, nehmen Sie sich ein Thema vor, zu dem Sie schon immer mal was schreiben wollten. Wichtig dabei ist, dass Sie keinen Termindruck haben!
Sie werden sehen, mit der Zeit klappt es immer besser und Sie lernen, sich und Ihren Sätzen zu vertrauen. Denn erfahrungsgemäß verschlimmbessert man den Text durch das ständige Korrigieren. Grundsätzlich sollte man mit der Korrektur eines Textes erst beginnen, wenn er vollendet ist.
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Ute Hacker konzentriert sich derzeit vor allem unter dem Pseudonym Luisa Hartmann auf das Genre Kinderbuch. Soeben erschien "Na und, dann sind die eben rechts!", ein Jugendroman zum Thema Rechtsextremismus. Im Frühjahr kommen das begleitende Arbeitsbuch, außerdem der 6. Band ihrer 3-Minuten-Geschichten auf den Markt. Mehr Informationen auf http://www.utehacker.de.
********************************************************************* FRAG DIE EXPERTIN FÜR FANTASY: --------------------------------------------------------------------- Stefanie Bense (fantasy at experte pt autorenforum pt de)
Frage: Es heißt ja stets, man soll bei Verlagen anrufen und herausfinden, wer die entsprechende Person ist, an die der Autor sein Manuskript schicken soll, damit im Anschreiben "Sehr geehrter Herr X/Sehr geehrte Frau X" und nicht "Sehr geehrte Damen und Herren" steht.
Nicht wenige Verlage haben auf ihren Websites allerdings bereits eine Rubrik für die Frage "Wie sende ich ein Manuskript ein?", mit einer allgemeinen Lektoratsadresse. Da habe ich nun das Gefühl, in der Zwickmühle zu sitzen: Halte ich mich an die Website, kann ich ein Manuskript nur mit einem allgemeinen Anschreiben schicken. Rufe ich extra an, um nach Namen zu fragen, könnte es zu Recht heißen: "Sie haben sich wohl nicht mal unsere Homepage angesehen."
Was wäre Ihrer Erfahrung nach das Klügste?
Antwort: Ich verfüge über keine anderen Quellen als alle anderen Autoren/innen. Die wichtigsten Informationsmittel hier mal aufgereiht:
- Internet: Webseiten der Verlage, Kontaktangaben der Verlage - Internet: Suchmaschinen (und es muss nicht immer Google sein) - Börsenblatt: Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, auch: http://www.boersenblatt.net - Buchmarkt: Ideenmarkt für den Buchhandel, auch: http://www.buchmarkt.de - Verlagsprogramme - einen guten Überblick, was in der Sparte Fantasy in welchem Verlag veröffentlicht wird
Als Beispiel: Ich will meinen Fantasy-Roman Penhaligon und / oder Blanvalet anbieten. Die beiden Verlage gehören zu Random House, was man über die Webseiten schnell herausfindet. Unter FAQs sagt Random House, man möge sich bitte an den für das jeweilige Manuskript zuständige Verlagshaus wenden. Okay, wissen wir schon: Blanvalet und Penhaligon.
Im "Börsenblatt" und im "Buchmarkt" findet man unter Personalia bzw. per Suchfunktion leicht heraus, dass im Dezember 2008 Urban Hofstetter für beide Verlage das Fantasy-Programm übernommen hat. Zu Blanvalet taucht auch noch Holger Kappel auf, überwiegend für die Drachenlanzen- Romane.
Jetzt muss ich nur noch sicher gehen, dass die beiden noch "im Amt" sind. Bei Hofstetter verrät mir das ein Interview vom geisterspiegel.de, zusammen mit der Autorin Ruth Nestvold. Dort werden beide auf der Leipziger Buchmesse angetroffen, also war Hofstetter im Frühjahr 2009 immer noch Lektor bei Penhaligon.
Nebenbei lese ich die o. g. Zeitschriften (nicht vollständig, sondern nur auszugsweise), bei interessanten Meldungen (zur Sparte Fantasy) schneide ich mir den Artikel oder die Meldung aus und hebe sie auf. Das ist jedoch meine persönliche Marotte, da ich eben noch in Zeiten aufgewachsen bin, in denen es kein Internet gab.
Wichtig ist es für Autoren, die veröffentlichen wollen, dass sie "das Ohr am Markt" haben, heißt: sich informieren, was welcher Verlag wie in dieser Sparte auf den Markt bringt. So etwas erfährt man, indem man selbst viel liest. Aber auch über Verlagsvorschauen, -programme und - webseiten sowie Nachrichtenmagazine für den Buchhandel und Lesemagazine. Solche Informationen sind frei im Internet oder gedruckt oft kostenfrei beim Buchhandel ausgelegt.
Für eine persönliche Adressierung muss man also gar nicht beim Verlag selbst anrufen. Aber sollte der Fall eintreten, dass im Internet kein zuständiger Lektor zu ermitteln ist, kann man den Namen zumindest, wenn schon nicht die Telefonnummer, beim Verlag erfragen. Den Einwand, man hätte die Homepage nicht angesehen, kann man gleich entkräften, indem man voranschickt, dass der zuständige Lektor auf der Webseite nicht genannt ist, man aber dem Fachmann / der Fachfrau das Manuskript senden möchte. Wenn man ermittelt hat, dass vor einem Jahr der Herr XYZ Lektor war, kann man ja auch fragen, ob er immer noch in diesem Verlag Lektor für die Sparte Fantasy ist.
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Stefanie Bense lebt und arbeitet in Emden, gibt Schreibkurse und führt eine Roman-Werkstatt, http://www.romantisch.essdeh.de, veröffentlicht sporadisch und schreibt an ihrem dritten Roman.
********************************************************************* FRAG DIE EXPERTIN FÜR LYRIK: --------------------------------------------------------------------- Martina Weber (lyrik at experte pt autorenforum pt de)
Frage: Ich schreibe seit drei Jahren Gedichte, und gerade ist mein erster Gedichtband in einem kleinen Verlag erschienen. [...] Mein Verleger und ich machen uns nun Gedanken um die Vermarktung. [...] Zunächst wollen wir einige Literaturzeitschriften und Tageszeitungen anschreiben und fragen, ob wir ein Rezensionsexemplar schicken dürfen. Ich hatte dann noch eine andere Idee, nämlich, den Zeitschriften zwei oder drei Gedichte zu schicken und dazu eine fertige Rezension. Wir wollen nämlich nicht riskieren, dass die Rezensionsexemplare im Altpapier landen oder dass das Buch womöglich gar nicht rezensiert wird. Mit einer fertigen Rezension würden wir der Redaktion etwas liefern, was sie ansonsten Zeit und Personal kostet und möglicherweise willkommen ist. Was meinen Sie zu der Idee?
Antwort: Leider ist es nicht so einfach für eine noch nicht so sehr bekannte Lyrikerin, Rezensionen für den ersten Gedichtband in einem noch nicht so sehr bekannten Kleinverlag zu bekommen. Das hat verschiedene Gründe: Eine "Lyrikkarriere" baut man eher langsam auf, das heißt, man veröffentlicht zunächst einzelne Gedichte in Literaturzeitschriften und Anthologien, man bewirbt sich bei Literaturwettbewerben und versucht, sich im Lauf mehrerer Jahre einen Namen im Literaturbetrieb zu machen. Im Idealfall knüpft man Kontakte zu anderen Schreibenden, veranstaltet gemeinsame Lesungen und baut sich ein Netz gegenseitiger Unterstützung auf.
Sie können es versuchen, aber ich fürchte, die Bereitschaft, Ihren Gedichtband zu rezensieren, wird sowohl bei den Redaktionen von Literaturzeitschriften als auch bei Tageszeitungen eher gering sein. Hinzu kommt, dass viele Literaturzeitschriften mit Rezensionsanfragen überhäuft werden und deshalb grundsätzlich keine Rezensionen drucken. Sie sollten sich also vor Ihrer Anfrage darüber informieren, ob in dem entsprechenden Medium überhaupt Rezensionen veröffentlicht werden. Bei dieser Anfrage könnten Sie durchaus ein oder zwei besonders gelungene Gedichte als Leseprobe beifügen.
Von Ihrer Idee, fertige Rezensionen des eigenen Gedichtbandes zu versenden, rate ich hingegen dringend ab. In Wahrheit handelt es sich bei dem Text, den Sie Rezension nennen, nicht um eine Rezension, sondern um einen Werbetext, also um reinste PR. Der blinde Abdruck eines Werbetextes hat jedoch nichts mit seriösem Journalismus zu tun. Das macht keine Literaturzeitschrift, die auch nur einen Funken Anstand hat. Dazu noch ein praktisches Problem: Welcher Name sollte als Urheber unter dem Text stehen? Etwa Ihr eigener? Oder der des Verlegers? Oder wollen Sie hier auch ein bisschen nachhelfen und den Namen einer nicht vorhandenen Rezensentin erfinden?
Sie erwähnen Zeit- und Personalkosten. Aber eine Literaturzeitschrift ist kein Wirtschaftsunternehmen. Literaturzeitschriften leben vom unbezahlten Engagement der Redaktion und der freien MitarbeiterInnen. Eine Rezension zu schreiben, die auf der gründlichen Lektüre eines Buches und auf dem Sachwissen beruht, das erforderlich ist, um das Buch einschätzen zu können, erfordert viel Lesezeit und ein Hintergrundwissen, das man sich oft erst durch jahrelange Arbeit aufgebaut hat und das ständig aktualisiert werden muss. Wer schon ohne Honorar rezensiert, sucht sich die Bücher deshalb selbst aus. Redaktionsmitglieder und freie MitarbeiterInnen wollen ihre Zeit sinnvoll und selbstbestimmt verbringen und nicht mit Pflichtaufgaben.
Mein Rat: Suchen Sie Kontakt zu einer Schreibgruppe, zum Beispiel über die Volkshochschule oder über ein Literaturbüro. Vernetzen Sie sich. Engagieren Sie sich selbst bei einer Literaturzeitschrift.
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Martina Weber ist Autorin des Buches "Zwischen Handwerk und Inspiration. Lyrik schreiben und veröffentlichen", Uschtrin Verlag München 2008, http://www.uschtrin.de/weber.html. Sie erhielt das Frankfurter Autorenstipendium 2009, http://kultur.frankfurt.de/ (weiter auf "Literatur" und auf "Autorenstipendium")
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, der mit getrennter Mail kommt +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Einsendeformalien: Einsendungen sind zu allen Rubriken von autorenforum.de - nach Rücksprache - erwünscht. Zurzeit können jedoch noch keine Honorare gezahlt werden. Das Urheberrecht verbleibt bei der Autorin bzw. beim Autor.
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