06 Das Exposé (Handlungsabriß)

von Crawford Kilian (übers. von Ramona Roth-Berghofer)

Das Exposé einer Geschichte kann viele Formen annehmen. Es gibt keine feste Regel. Jedoch sollte das Exposé, ebenso wie das Manuskript, zweizeilig und sehr gut leserlich sein, mit regelmäßigen Abschnitten.

Manche Exposés umfassen einen ganzen Roman, während andere lediglich einen Teil des Gesamtmanuskriptes ergänzen und die Vertrautheit des Lesers mit dieser Passage voraussetzen. Wenn Du Deine Geschichte in Kapitel aufgeteilt hast, ist es sinnvoll auch mit dem Exposé so zu verfahren. Möglicherweise stellst Du dabei fest, daß der Stoff für ein Kapitel sogar zwei oder drei Kapitel ausfüllen wird.

Das bedeutendste, und manchmal auch einzige Element des Exposés, ist das erzählende Element.

  • Normalerweise wird das Exposé im Präsenz geschrieben:

An einem schönen Frühlingstag im Jahre 1923 bewirbt sich Lucy Williams bei einem geheimnisvollen Millionär um eine Anstellung.

  • Bezeichne und beschreibe die Hauptfiguren:

Lucys neuer Chef ist Donald Matthwes, ein gutaussehender junger Geschäftsmann, nur wenig älter als Lucy, aber mit dem unangenehmen Ruf, ein berüchtigter Stiefellecker zu sein.

  • Fasse die bedeutendsten Ereignisse der Story zusammen:

Als Lucy während eines Unwetters nach Hause hastet, prallt sie mit Keneth Holwood zusammen, Donalds früherem Partner. Holwood scheint durcheinander und spielt auf einige dunkle Geheimnisse in Donalds Vergangenheit an.

  • Weise auf den Standpunkt (point of view, Blickwinkel) der Geschichte hin:

Lucy verschickt, ungeachtet ihrer Bedenken, ein Paket, und fragt sich, was es beeinhalten mag. Währenddessen plant Holwood in einem schäbigen Hotelzimmer am anderen Ende der Stadt Donalds Tod, (In diesem Beispiel zeigt uns die Schilderung, daß der Roman-Blickwinkel jener der allwissenden Dritten Person ist. Wir werden somit von einem Standpunkt zum anderen hüpfen können, ebenso wie es die Ereignisse erfordern).

  • Das Exposé beeinhaltet normalerweise keinen Dialog:

Donald lädt Lucy zum Essen in eine berüchtigte Kneipe ein, sagt, es würde ihr mehr Freude bereiten, als sie sich vorzustellen vermöge.

Eine Namenliste der Hauptfiguren (mit kurzer Beschreibung) kann manchmal sehr hilfreich für den Fortgang einer Geschichte sein. Wenn eine solche Liste benutzt wird, sollte sie möglichst am Anfang des Exposés stehen.

Das Skizzieren des Hintergrundes geht manchmal einem Exposé voraus, insbesondere, wenn der Romankontext einiger Erklärungen bedarf. (Speziell scheint dies für SF, Fantasy und Historische Romane zuzutreffen, wo die Handlung der Geschichte weit mehr von unbekannten Storyelementen abhängen kann.) Andererseits treten solche einfachen Erläuterungen gerade dort auf, wo sie im Exposé benötigt werden.

Wie lange sollte ein Exposé sein?

Ich habe einige Romane schon mit zwei oder drei Exposé-Seiten verkauft. Andere Autoren werden vielleicht vierzig oder fünfzig Seiten für ein Exposé verwenden. Wenn man beabsichtigt, einen Verleger für einen noch nicht abgeschlossenen Roman zu interessieren, und man für dessen Gesamtmanuskript mit etwa 90.000 bis 120.000 Worte rechnet, sollte ein Exposé von vier bis zehn zweizeiligen Seiten genügen. Wie dem auch sei, Du solltest versuchen, mit einer Kostprobe Deines Werkes oder Deiner Idee die Neugierde eines Verlegers zu wecken, und diese Kostprobe sollte dem Verleger ohne aufwendige Lesezeit die Möglichkeit einer Urteilsbildung geben.

Solltest Du Deinem Exposé treu bleiben?

Nicht unbedingt. Das Exposé ist eine Orientierung (Hilfe) für Dich und Deinen Verleger, also keine eherne Festlegung für den gesamten Roman. Wie ein Reiseplan für eine Exkursion soll es Dir ein Führer sein, der Dir gleichzeitig die Freiheit läßt, weitere interessante Seitenstraßen zu erforschen. Und so ganz nebenbei bietet es Dir eine rasche Umkehr zur Hauptstraße, sollte sich eine der Nebenstraßen als Sackgasse entpuppen.

Stand: 2002-09-22

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